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Angenehmer Partner sorgt für Novum
Von Angelika Raulien, erschienen in: Leipziger Volkszeitung (20. Juni 2007)
Leipzigs Zentralbücherei für Blinde präsentiert erstmals einen Kirchenführer für Menschen, die nicht sehen können
Es ist »nur« ein Buch. Aber für blinde und sehbehinderte Mitbürger bundesweit ein Novum: In der Leipziger Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) wurde gestern ein sehr aufwändig produzierter Kunstführer vorgestellt. Ein Reliefbuch, mit dem sich nun auch Menschen ohne Augenlicht mal eine prominente Sehenswürdigkeit erschließen können. In dem Fall das meistbesuchteste Bauwerk Deutschlands - den Kölner Dom. Viel Zeit musste vergehen von der Idee im Jahr 2001 bis zur Verwirklichung jetzt. Die Sache war halt nicht einfach.
»In oder vor einigen großen Kirchen wie in Regensburg gibt es ja schon Modelle, die von sehbehinderten Gästen zu befühlen sind und ihnen eine Vorstellung von dem Bauwerk geben. Aber für unseren Kölner Dom, zu dem jährlich bis zu neun Millionen Besucher und darunter auch viele Blinde kommen, wollten wir etwas haben, was man auf den Tisch legen, anfassen und mitnehmen kann«, erklärt Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, die in dem 38-seitigen Band textlich die Geschichte der berühmten Kathedrale und einige ihrer wichtigsten Kunstwerke vorstellt. In der Leipziger DZB habe man schließlich einen »höchst professionellen und angenehmen Partner« gefunden, den Kirchenführer herzustellen, so Schock-Werner. Ihre Beiträge etwa wurden an der Pleiße für Sehbehinderte in die extra große 21-Punkt-Schrift und für Blinde in die Brailleschrift übersetzt. Und mit Hilfe von Reliefbildern können zum Beispiel der Domgrundriss und interessante Details wie das Gerokreuz und der Dreikönigenschrein ertastet werden. Das, heißt es, sei auch für die in der blindentechnischen Buchherstellung, erfahrene DZB eine Herausforderung gewesen. Ganz am Ende der Publikation steckt zudem eine Audio-CD, wo nochmal ausführlichere Infos zum Kirchenbauwerk aufgesprochen sind, ergänzt von klänglichen Eindrücken wie dem Geläut der Petersglocke, Orgelmusik und einer Kostprobe der Domchöre.
»Ich war erstmals 1990 in Köln und flüchtete mich damals vor dem Regen in den Dom«, erzählt der selbst blinde DZB-Chef Thomas Kahlisch. »Ich hatte schon den Eindruck, dass das ein riesiges Gebäude ist. Aber natürlich habe ich nichts von der filigranen Architektur, dem baulichen Aussehen mitbekommen. Und das der berühmte Dom ja zwei Türme hat, habe ich auch jetzt erst durch das Buch erfahren.« - »Ein sehr schönes Werk«, lobt denn auch Christiane Kohl, die Vorsitzende des hiesigen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, nach einer ersten »Tasttour« über die Seiten.
»Mancher von uns kann aus den unterschiedlichsten Gründen gar nicht reisen, sich so aber berühmte Bauwerke auch erschließen«, findet die ebenfalls blinde Vereinschefin. Und DZB-Direktor Kahlisch meint nicht ohne Stolz: »Solch ein Führer für ein einzelnes Kirchenbauwerk ist bisher in Deutschland einmalig.« Er könne sich so etwas auch für ähnliche wichtige Einrichtungen in Leipzig, die Dresdner Frauenkirche oder dergleichen vorstellen.
Damit die neue Publikation zu zehn Euro für die Adressaten auch erschwinglich bleibt, obwohl die Herstellungskosten so an die 60 Euro pro Exemplar verschlingen, hatte Schock-Werner ‘zig »Bettelbriefe« geschrieben. Mit Erfolg. Viele Partner, besonders die Conterganstiftung für behinderte Menschen, hätten das Projekt unterstützt, sagt sie.
Interessenten können das Buch über die DZB, Tel. (03 41) 71 13-119, E-Mail verlag@dzb.de; oder über den Verlag Kölner Dom, Tel. 022117940 391, E-Mail info@verlag-koelner-dom.de beziehen.
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