Pressemappe
DaCapo II - DZB produziert nachhaltig Braillenoten
Von Kathrin Pause, Matthias Leopold und Dr. Thomas Kahlisch (09. November 2007)
Seit dem Jahr 2000 werden in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) nach einer Pause von fast 15 Jahren wieder Noten in Blindenschrift hergestellt. Zunächst arbeitete sich nur eine Mitarbeiterin in diesen speziellen Aufgabenbereich ein. Parallel versuchte die DZB mit Unterstützung des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes (DBSV) und des Deutschen Verein der blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) Projektmittel für ein umfangreicheres Engagement auf diesem Gebiet zu erhalten. Mit der Finanzierung des Projektes „DaCapo - Projekt zum Wiederaufbau der Produktion von Braillenoten in Deutschland“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zahlten sich diese Bemühungen nach drei Jahren aus. DaCapo begann 2003 und wurde mit großem Erfolg im Sommer des letzten Jahres abgeschlossen, siehe Abschlussbericht im Internet: www.dzb.de/dacapo/ . Durch den Einsatz der Projektmittel konnte die DZB, jeweils einen Notenübertrager, blinden Korrekturleser und Informatiker einstellen, die sich gemeinsam mit den bereits vorhandenen Erfahrungsträgern der Umsetzung folgender Projektziele annahmen:
- Aufbau eines leistungsfähigen Überrtragungszentrums für Braillenoten
- Entwicklung von IT-Verfahren zur effektiven Übertragung von Musiknoten
- Nachhaltige Sicherung der Braillenotenproduktion in Deutschland
Bereits nach kurzer Projektlaufzeit wurde es möglich, Musikalien auf Bestellung zu übertragen und Standardwerke der Musikliteratur in Blindenschrift anzubieten. Diese Dienstleistungen wurden von professionellen Musikern und Laien freudig angenommen. Der Bestand der Notenbibliothek und das Verkaufsangebot konnten erweitert werden. Inzwischen verzeichnet die Notenausleihe der Bibliothek einen Zuwachs um 200% bei der Titelausleihe. Die Nutzer können heute bereits wieder auf einen Bestand von über 5.400 Notenwerke zurückgreifen und erhalten bibliothekarische Unterstützung bei der Recherche nach Musikwerken, die sie für ihre Arbeit dringend brauchen.
Im Rahmen des Projektes wurde ein umfangreiches Programmpaket entwickelt, das gescannte Schwarzschriftnoten in Braillenoten umwandelt. Damit konnte die Notenproduktion effektiviert werden, da fast völlig auf das personalintensive Einschreiben der Noten Zeichen für Zeichen verzichtet wird, das höchste Konzentration verlangt und Schreibfehler begünstigt. Das entwickelte Programmpaket arbeitet in drei Schritten:
- Die Noten werden in einem ersten Schritt mit CapellaScan, einem Zusatzprogramm des auf dem freien Markt verbreiteten Notensatzprogrammes Capella, eingescannt.
- In einem zweiten Schritt werden die „erkannten“ Noten im Programm Capella überprüft, zur Unterstützung der Übersetzung in Braillenotenschrift um einige Zusatzinformationen ergänzt und in einem XML-Format gespeichert.
- Die so bearbeitete Capella-Datei kann im dritten Schritt mittels des Programms „Hodder“ in Blindenschrift umgewandelt werden.
Zusätzlich wandelt das Programm auch in umgekehrter Richtung Blindenschriftnoten in Schwarzschrift um, siehe www.dzb.de/BrailleVis. Damit haben blinde Musiker die Möglichkeit, ihre aufgezeichneten Noten Sehenden zugänglich zu machen. Sie schicken der DZB die Noten als Datei und erhalten die druckfertigen Schwarzschriftnoten zurück. Die Noten werden dabei mit Finale, einem im professionellen Notendruck weit verbreiteten Programm, gesetzt. Die Kombination aus Standardprodukten und eigenen Modulen zur spezifischen Übersetzung in die Brailleschrift erlaubt es, von der Verbesserung der Standardprodukte auf dem Musiknotensatzmarkt zu profitieren und die erarbeiteten Konzepte flexibel weiter zu entwickeln.
Auf den Tagungen des Notennetzwerkes, in Blindenschulen und auf verschiedenen
internationalen Konferenzen wurden die Ergebnisse des Projektes vorgestellt. Unter
dem Namen „Bach – International Symposium for Braille Music Notes“ führte
die DZB im Herbst 2005 eine erste eigene Fachkonferenz durch, auf der Experten
aus sieben Ländern sich über die Fortschritte des Zugangs zu Musiknoten
für blinde Anwender austauschten. Der Mitschnitt dieser Veranstaltung (in
englischer Sprache) wird in Kürze als DAISY-Buch im Download-Bereich der DZB
zu finden sein.
„Die positiven Reaktionen ermutigen uns, unseren Weg in gleicher Richtung
fortzusetzen.“, sagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DaCapo-Teams.
Um beim erreichten Stand nicht stehen zu bleiben und die Nachhaltigkeit des Übertragungsservices
zu erhöhen, beantragte die DZB ein Folgeprojekt „DaCapo II“, welches
seit Sommer 2006 erneut durch das BMAS für drei Jahre gefördert wird.
Die folgenden Themen sind Schwerpunkte dieses Vorhabens:
- Erweiterung der Übertragungsleistungen durch den Einsatz strukturierter Satzdaten, die von Schwarzschriftverlagen zur Verfügung gestellt werden.
- Ausbau des Angebotes individueller Übertragungsdienstleistungen für Musiker und Lehrkräfte.
- Ausweitung des Angebotes im Internet:
Neben dem bereits bekannten Visualisierungsservice für Braillenoten „Braillevis“ das neue Angebot „MakeBraille“ zur automatisierten Übersetzung gescannter Vorlagen - Barrierefrei gestaltete elegante Recherche- und Bestelldienstleistungen.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes liegt im Bereich der Unterstützung
von Musik-Lehreinrichtungen und der Vermittlung von Notenkenntnissen. Professioneller
Musiker zu sein, ist eine schöne, abwechslungsreiche und sehr soziale Berufung.
Um blinden Kindern diese Möglichkeiten zu eröffnen, müssen Sie an die
Welt der Noten herangeführt und beim Erlernen der Notenschrift unterstützt
werden. Die DZB trägt dem Rechnung durch:
- Schnelle, individuelle Übertragungsangebote von Noten in Blindenschrift.
- Bereitstellung einfacher und moderner Notenwerke für die Lehre, zum Beispiel Schulen und Fibeln für Instrumente wie Klavier, Gitarre und Flöte.
Das in DaCapo II erarbeitete Heft "Braille-Musiknotation - Kurze Übersicht für Sehende" hilft sehenden Lehrern, die Blindennoten zu lernen, um somit blinde Schüler unterrichten zu können. Das Heft kann beim DaCapo-Team bestellt werden oder einfach als PDF-Datei (nicht Barrierefrei) im Internet heruntergeladen werden. Bei Interesse bieten die Mitarbeiter des Teams auch Kurse für Lehrkräfte oder Schüler zum Erlernen der Braillenotenschriftt an. Ein in Planung befindliches Sommercamp soll es blinden Kindern aus dem ganzen deutschsprachigen Raum ermöglichen, in der Gemeinschaft zu singen, zu musizieren und dabei die Grundlagen der Blindennotenschrift "spielerisch" zu lernen. Zudem wird ein noch umzusetzender Kurs in Heft- oder Videoform erklären, wie ein Lehrer selbständig Noten für den Unterricht über denMakeBraille-Server (www.dzb.de/MakeBraille) herstellen kann.
Die wachsende Nachfrage nach Braillenoten zeigt: Werden Angebote geschaffen und sind diese zeitgemäß umgesetzt und effektiv anzuwenden, so lohnt sich der Aufwand, auch ein relativ kleines, aber wichtiges Segment der Informationsversorgung blinder Menschen zu bearbeiten und neue Wege zu gehen. Die Erfahrungen aus der Arbeit mit den Braillenoten machen Mut, nach neuen Lösungsansätzen auch auf dem Gebiet der Übertragung anderer komplexer Literaturinhalte wie Lehr- und Lernmaterialien, Sach- und Fachbücher und neuer multimedialer Informationsangebote zu suchen.
Kontakt zum DaCapo-Team kann unter folgender Telefonnummer (03 41) 71 13-190 und im Internet, E-Mail: dacapo@dzb.de, aufgenommen werden. Mehr Informationen finden Sie im Internet auf der barrierefrei gestalteten Homepage der DZB: (www.dzb.de).
Zurück zur
Übersicht aller Presseinformationen der DZB.

