Navigation

Logo Bookshare

Logo Braille21

Inhalt

Pressemappe

Buchschmuck zum Tasten

Petra Schmidt erhält ihren Job in der Zentralbücherei für Blinde eher durch Zufall

Jeder Mensch hat eine interessante Geschichte. Die LVZ-Serie „Gesichter in Leipzig" porträtiert Leute, die auf sich aufmerksam machen, Typen, die außergewöhnliche Ideen haben, oder auch das ganz alltägliche Original von nebenan. Heute: Petra Schmidt, 46, Mitarbeiterin in der Relief-Abteilung in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde.

Ihre Stelle hat sie eher zufällig bekommen. Mitte der 80er Jahre suchte die gelernte Bauzeichnerin nach drei Jahren Kinderpause eine Arbeit, bei der sie mit geringerer Stundenzahl arbeiten und sich gleichzeitig um die Familie kümmern konnte. „Ich hatte vorher nie Kontakt zu blinden Menschen, das war vollkommen neu für mich. Heute gehe ich ganz anders mit Blinden und Sehbehinderten um. Ich verstehe sie viel besser", erzählt die gebürtige Leipzigerin. Auch die Herstellungstechnik für Reliefs und Matrizen hat sie sich erst in Räumen der ältesten öffentlichen Leihbücherei für Blinde in Deutschland angeeignet.
Petra Schmidt und ihre drei Kollegen stellen Atlanten her, Anschauungsmaterialien für die Schule, Wandkalender, Glückwunschkarten, Illustrationen, sogar genaue Darstellungen von Baudenkmälern. Auch individuelle Relief-Aufträge können an den in der Bibliothek integrierten Verlag gerichtet werden.

Die Produkte kaufen Kunden in der ganzen Welt, geplant wird ein Jahr im Voraus. Mit Erfolg: Der Relief-Wandkalender 2007 hat bei der Internationalen Kalenderschau, bei der 1094 Kalender aus insgesamt elf Ländern eingereicht wurden, den Silberpreis gewonnen. Auch ein Reliefbuch zum Kölner Dom, ein Führer für Blinde und Sehbehinderte zu einem einzelnen Kirchenbauwerk, finden großen Anklang. Damit blinde oder sehbehinderte Menschen ein Bild ertasten können, ist es notwendig, charakteristische Linien und Konturen hervorzuheben. Fragen wie: Welche Umrisse sind wesentlich? oder Wie kann die Oberfläche gestaltet werden? müssen vorab geklärt werden. Mit verschiedenen Materialien wie Sandpapier, Gaze oder Perlen erfolgt dann die Umsetzung, wird die Figur geformt und gestaltet und auf einem Zinkblech befestigt. Mithilfe des so genannten Tiefziehverfahrens kann man dann von dieser Matrize in größerer Menge strapazierfähige Abdrucke herstellen. Auf die Matrize wird eine PVC-Folie gelegt, erwärmt, eine Vakuumpumpe entzieht die Luft, die erwärmte Folie schmiegt sich den Formen der Vorlage an und es entsteht ein stabiles Reliefbild.

„Für mich ist es hoch interessant zu sehen, wie sehr sich die Technik im Laufe der Jahre verändert und entwickelt hat. Sie ist viel feiner geworden, auch mithilfe von spezieller Software, und entwickelt sich auch heute noch ständig weiter", erzählt Schmidt.

Die einzelnen Reliefs seien heute qualitativ sehr hochwertig. Erstellt werden Relief-Vorlagen heute viel am Computer, angefertigt, unter anderem mit moderner Schneideplott-Technik. „Man muss sehr sorgfältig arbeiten, Geduld haben und sich Zeit nehmen, um die Qualität gewährleisten zu können", erzählt Petra Schmidt, die am liebsten Reliefs für Kinderbücher herstellt.
Sie schätze an ihrer Arbeit die enorme Themenvielfalt sehr. „Die meisten Leute wissen gar nicht, was hier produziert wird und sind dann oft sehr beeindruckt, auch im Bekanntenkreis. Ich muss malen und gestalten, schneiden, schleifen, Pappschichten übereinander kleben, an der Bohrmaschine stehen. Diese große Vielfalt macht mir großen Spaß."

Sibylle Kölmel
@ www.dzb.de

Zurück zur Übersicht aller Presseinformationen der DZB.