Pressemappe
Will für Mitmenschen sensibilisieren
Susanne Krake führt Kinder durch die Blindenbücherei
Von Sibylle Kölmel
Susanne Krake stammt aus dem Vogtland, ist studierte Juristin und arbeitet in Leipzig beim Blinden- und Sehbehindertendienst des Diakonischen Werkes Leipzig. Seit 2003 ist die 36-Jährige dort hauptsächlich zuständig für sozialrechtliche Belange der Klienten. Die Beratungsstelle arbeitet eng mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig in der Gustav-Adolf-Straße zusammen.
„Vor drei Jahren wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, in der DZB Führungen für Kinder anzubieten. Da ich während meines Studiums längere Zeit in Russland pädagogisch tätig war und dort mit einem Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung Deutsch unterrichtete, habe ich mich über das Angebot sehr gefreut“, erzählt Krake.
Die einstündigen Kinderführungen für Schüler ab der dritten Klasse durch die DZB gibt es inzwischen seit 2005 in regelmäßigen Abständen. Anfangs über die Presse und bei Informationsveranstaltungen publik gemacht, nehme die Nachfrage stetig zu. Die Führungen werden vom Förderverein „Freunde der DZB“ angeboten und finden zwei-, dreimal monatlich statt. Alle Termine bis Ende Mai sind ausgebucht, sogar aus Halle und aus der Nähe von Wurzen kommen Klassen angereist. Das Angebot spricht sich von Lehrer zu Lehrer weiter, besonders für Drittklässler ist es spannend, da in dem Jahrgang die Sinnesorgane behandelt werden.
Krake erklärt den Kindern, wie die Blindenschrift aufgebaut ist, wie Bücher übertragen werden, zeigt Kinderzeitschriften, Kinderbücher und die Fibel in Punktschrift. Wer möchte, kann dann seinen Namen in Blindenschrift schreiben. Mit kleinen Gruppen bis zu 20 Teilnehmern geht sie ins Tonstudio, wo die Kinder erfahren, wie Hörbücher produziert werden und wie die Sprecher arbeiten. Ist die Gruppe größer, wird die Reliefabteilung besichtigt, in der für blinde und sehbehinderte Menschen Atlanten hergestellt werden, Anschauungsmaterialien für die Schule, Wandkalender, Glückwunschkarten, Illustrationen, selbst genaue Darstellungen von Baudenkmälern, wie dem Kölner Dom. Mit einer Augenbinde können die Kinder hier tasten und erfühlen, sogar ein Relief-Memory gibt es.
Die meisten seien sehr konzentriert und mit großem Interesse dabei, erzählt Krake. Dass das Thema viele der Schüler sehr beschäftigt, merke sie an Fragen wie „Woran erkennt ein blinder Mensch, in welche Straßenbahnlinie er einsteigt?“, „Warum sind im Fahrstuhl an den Tasten auch Pünktchen?“, „Was hat es mit den weißen Streifen an den Straßenbahnhaltestellen auf sich?“ oder „Wie kann ein blinder Mensch merken, ob er gerade zwei passende Strümpfe anzieht?“.
„Mir ist es wichtig, dass die Kinder sensibel werden im Umgang mit Blinden und Sehbehinderten und im Alltag mehr darauf achten. Sie sollen merken, dass nichtsehende Menschen ganz normal sind. Dass sie eben halt ,nur’ eine andere Schrift lesen und schreiben und sich anders orientieren. Und welche Möglichkeiten es zur Unterstützung gibt.“ Einmal habe eine Klasse nach einer Führung dann sogar beim Tag der offenen Tür mitgeholfen, an dem Susanne Krake immer die Kinderbetreuung übernimmt.
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