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Ein bisschen wie laut flüstern
Sylke-Kristin Deimig nimmt als Sprecherin Bücher für blinde Menschen auf
Von Sybille Kölmel, erschienen in: Leipziger Volkszeitung (16. Mai 2007)
„Durch meine Arbeit in der Blindenbibliothek habe ich ein viel besseres Gefühl dafür entwickelt, was es bedeutet, sich ohne Augenlicht zu recht finden zu müssen.“ Sylke-Kristin Deimig, 56, arbeitet als Sprecherin in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB), der ältesten öffentlichen Leihbücherei für Blinde in Deutschland, und ist Vorsitzende des Fördervereins.
Voller Achtung und Respekt spricht Sylke-Kristin Deimig von ihren blinden Kollegen in der DZB. Es beeindrucke sie immer wieder aufs Neue, was diese trotz der fehlenden oder zumindest stark eingeschränkten Sehkraft leisten und wie sie ihr Leben organisieren.
Die gebürtige Leipzigerin studiert zunächst Schauspiel, ist dann für einige Jahre in Chemnitz, später in Neustrelitz am Theater engagiert. Nach ihrer Rückkehr nach Leipzig arbeitet sie als Pädagogin an der hiesigen Schauspielschule, absolviert ein Studium der Theaterwissenschaft, promoviert in Berlin. Über einen ehemaligen Schauspielkollegen kommt sie Ende der 90er Jahre zur DZB in der Gustav-Adolf-Straße. Dort ist sie fortan als Sprecherin tätig, nimmt Romane, Sachbücher, Zeitschriften und Nachrichten für blinde und sehbehinderte Menschen auf. „Der Unterschied zwischen einem Schauspieler, der auf der Bühne arbeitet, und dem reinen Sprechen vor dem Mikrofon ist groß. Das alleinige Sprechen, ohne Bewegung, ohne den Einsatz des Körpers, das ist zuerst schon neu. Das ist ein bisschen wie laut flüstern. Oder leise schreien“, erzählt Sylke-Kristin Deimig. Bei Sprachaufnahmen müsse man versuchen, die Figuren mit der Stimme zu zeichnen und zu transportieren. Damit der Hörer sich ein Bild machen könne von Personen und Handlung, damit er mitgenommen werde.
Ende 2004 gründet sich der Förderverein »Freunde der DZB« und Deimig übernimmt den Vorsitz, ehrenamtlich. „Der Verein möchte die DZB in ihrer Arbeit für die soziale und kulturelle Integration von blinden und sehbehinderten Menschen unterstützen. Auch kümmern wir uns um Kulturveranstaltungen und Präsentationen rund um die Bibliothek und organisieren Buchpatenschaften. Dabei übernehmen Personen die Kosten der Produktion eines Blindenschriftbuches oder eines Hörbuches anteilig oder ganz und machen so den Betroffenen einen weiteren Titel zugänglich.“ Fast täglich kommt die engagierte Frau nun in die Bibliothek, führt interessierte Gruppen durch das Gebäude, zeigt und erklärt die Blindenschrift, die hauseigene Buchdruckerei und -binderei, die Reliefherstellung, die Studios. Sie moderiert Veranstaltungen, ist Ansprechpartnerin für den Förderverein.
„Durch meine Arbeit in der Blindenbibliothek habe ich ein viel besseres Gefühl dafür entwickelt, was es bedeutet, sich ohne Augenlicht zurecht finden zu müssen. Ich verstehe es mehr, ich kann mich da viel eher hineinfühlen“, erzählt Deimig. Das Miteinander der über 80 Kollegen in der seit 1894 existierenden DZB sei sehr gut, sie würden meist alle an einem Strang ziehen. Ihr Herz hänge sehr an der Arbeit dort, so sagt sie, das Feedback das sie bekomme sei meist gut und unmittelbar. Nur die Blindenschrift, die habe sie aus Zeitmangel bedauerlicherweise noch nicht lernen können.
Kontakt: www.dzb.de | www.buch-patenschaft.de
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