Deutsche Zentralbücherei für Blinde

Datum: 03.04.2012

Liebe Leserinnen und Leser der DZB-News,

viele von Ihnen haben die Leipziger Buchmesse besucht, viele waren auch am Stand der DZB [Leipzig] und haben sich über die neuesten Produkte informiert. Auch die Lesung in unserem Haus am 16.03., in der das Buch »Alles über Wikipedia« von sechs Wikipedianern vorgestellt wurde, war sehr informativ und führte zu einer lebhaften Diskussion. Die Messe-Eindrücke finden Sie jetzt im Newsletter.
Und wir stellen eine Kollegin vor, die Sie sicher von ihrer bisherigen Arbeit noch kennen, die aber mit Beginn des Jahres 2012 eine andere Tätigkeit in der DZB übernommen hat.
Ein neues Highlight steht in unserem Hause und eigentlich in der ganzen Stadt Leipzig an. Die DZB [Leipzig] beteiligt sich wieder mit einem interessanten Programm an der Museumsnacht.
Zum Abschluss erfolgt eine Information über das größte Vorhaben des DBSV in diesem Jahr: das Louis Braille Festival der Begegnung 2012 in Berlin, das größte Fest für blinde und sehbehinderte Menschen, das es je in Europa gab.
Ich hoffe, sie fühlen sich durch den Newsletter gut informiert und unterhalten. Vielleicht finden Sie für Ihre persönliche Freizeitplanung die passende Idee.

Artikelübersicht:


Buchmesse-Nachlese

Diese vier Tage vom 15. bis 18.März auf dem neuen Messegelände waren eine kolossale Reizüberflutung für die Augen, die Ohren. Von den Füßen reden wir nicht. Statt der Füße hat man nur noch einen Schmerz am Ende der Beine.
Die Besucher der Buchmesse sind auf der Jagd nach neuen Büchern, natürlich Werbegeschenken, neuen Ideen und Slogans. Ein Werbeslogan ist mir in Erinnerung: »Für alle, die kein Blut sehen können – Psycho-Thriller!«
Als Mitarbeiterin der DZB nahm ich zum ersten Mal als Aussteller an der Buchmesse teil. Das hat den Vorteil, dass ich schon lange vor den Besuchern in die Hallen kann, um den Stand einzurichten. Und die morgendliche Atmosphäre, wenn mir die ganze Halle allein gehört, ist einzigartig. Im ARD-Hörbuch-Forum hämmert es laut, die Leseinsel der Religion stimmt ihr Klavier und ich habe Zeit, von Stand zu Stand zu gehen. Für einen Buchliebhaber ein Traum.
Natürlich ist die Deutsche Zentralbücherei zu Leipzig (DZB) ein Exot auf der Buchmesse. Das liegt zum einen an der ausgefallenen Schrift, der Viele wirklich das erste Mal auf der Buchmesse begegnen. Das liegt am Kunden der DZB, der sich in seinen Bedürfnissen vom sehenden Kunden unterscheidet. Die DZB [Leipzig] versucht nicht, mit quietschbunten Buchumschlägen oder CD-Covern den Nachbarstand beim Kampf um Kundschaft auszustechen. Das ist für unsere Nutzer eher bedeutungslos.
Und das liegt zum anderen an der Bandbreite unserer Produkte. Von der »Aktiven (häuslichen) Fußgymnastik«, die in fast allen verfügbaren Formaten erhältlich ist, über den Reliefwandkalender »Chinesische Tierkreiszeichen« , von der Zeitschrift »Sechs mal SEX«, vom »Relief-Weltatlas« bis hin zum Liederzyklus »Die schöne Müllerin« für hohe Stimme in Braille-Notenschrift. Das ist eine Vielfalt, die besticht.
An unserem Stand wurde angeboten, die Punktschrift selbst zu schreiben und das Angebot wurde rege angenommen. Großes Interesse bestand natürlich an der Reliefherstellung, die anhand der ausgestellten Matrizen auch erläutert werden konnte. Uns besuchten »Stammleser«, die Kollegen, die den Stand betreuten an der Stimme erkannten und mit denen sich nützliche Gespräche ergaben.
Es sind schöne Augenblicke, wenn Hörer uns mitteilen, welches Hörbuch toll war und warum sie es als herausragend empfanden oder auch nicht. Das geschieht viel zu selten.
Und ich möchte mit diesem Artikel unsere Nutzer auch auffordern, uns ihre Meinung zu Produkten der DZB mitzuteilen. Dieser Austausch befördert unsere Arbeit und kann wesentlich zu Verbesserung unserer Produkte beitragen.
Unseren Stand besuchten viele Lehrer und Schüler, die sich im Unterricht und in Projektwochen mit dem Thema »Sinne und Integration« auseinandersetzen wollen.
Eine große überraschung war der Besuch von Dr. Roman Töppel an unserem Stand. Die DZB produzierte sein Buch »Die Sachsen und Napoleon« 2011 als Hörbuch. Seine Bereitschaft, der DZB 2013 im Völkerschlachts-Jubiläumsjahr vielleicht mit einer Lesung zur Seite zu stehen, ist ein Gewinn der Buchmesse 2012.
Die Visitenkarten und Telefonnummern sind ausgetauscht. Warten wir's ab!

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»Ach, hier steht Frau König. Ich kenne Sie...«

Im Folgenden fahren wir mit der Vorstellung von Kollegen der DZB fort, die innerhalb des Hauses ihr Tätigkeitsfeld geändert haben und die Sie als Nutzer jetzt an ganz anderer Stelle wiederfinden:

PR-Referentin: Frau König, Sie arbeiteten in der DZB als Redakteurin für Hörzeitschriften und eigentlich muss ich Sie unseren Nutzern gar nicht vorstellen. Sie tragen inzwischen schon eine Inventarnummer. Können Sie sich an Ihre Anfänge in diesem Haus erinnern? Was haben Sie gelernt bevor Sie in der DZB angefangen haben?

Elke König: Ich bin ausgebildete Facharbeiterin für Reproduktionstechnik mit der Spezialisierung Tiefdruckretusche. In meinem Lehrbetrieb ging es für mich beruflich nicht weiter, das lag wohl vorrangig an politischen Gründen.

PR-Referentin: Und wann haben Sie in der DZB angefangen?

Elke König: Im September 1985 fing ich in der DZB an. In der Abteilung Blindenschrift. Die Aufgabe war, Schwarzdruckliteratur in Brailleschrift zu übertragen. In meiner Anfangszeit war ich Korrekturleserin zusammen mit Herrn Wölfel.

PR-Referentin: Was hat Sie als Anfängerin damals am meisten beeindruckt? Vielleicht ein literarisches Werk?

Elke König: Jetzt, so im Nachhinein, hat mich die Geschwindigkeit und die Geschicklichkeit beeindruckt, mit der Herr Wölfel sich auf der Pichtmaschine Notizen zu seinen Korrekturen gemacht hat. Wir haben die verschiedensten Bücher Korrektur gelesen, darunter auch Émile Zolas »Die Sünde des Abbé Mouret« - ein umfangreiches Werk, das sich über Monate hinzog, indem man geradezu eine Weile gelebt hat, weil es jeden Tag nur ein Stückchen weiterging. Manchmal habe ich nach Feierabend noch zu Ende gelesen, worum es im Kapitel ging, denn Korrekturlesen geht gründlicher und langsamer als normales Lesen. Als ich später aus dem Baby-Jahr kam, habe ich innerhalb einer Woche die Braille-Vollschrift gelernt. Am ersten Tag habe ich eine Seite übertragen, immer mit dem Alphabet vor mir. Am zweiten Tag zwei Seiten uns so weiter...

PR-Referentin: Und gab es mal gravierende Fehler?

Elke König: Ja, ich kann mich an ein Salbeiblatt erinnern, das durch mich zum Salatblatt wurde. »Verdammt es geht weiter«, ein Jugendbuch, war das erste Buch, das ich selbständig übertragen habe. Immer mit Fragen an Frau Hirschnitz, die damalige Leiterin der Abteilung Blindenschrift. Quasi: Learning by doing.

PR-Referentin: Und wie ging es nach der Wende dann für Sie weiter?

Elke König: Noch vor der Wende wurde die elektronische Schreibmaschine für teure Valuta für die DZB importiert. Die erlaubte, dass gleich mehrere Seiten gedruckt werden konnten und die Fehlerkorrektur wurde dadurch einfacher. Nach der Wende kam der PC als Hilfsmittel für die übertragung. Hier hat mir der blinde Korrekturleser Herr Gassner erste Schritte im Umgang mit einem Computer beigebracht. Ich glaube 1992 kam Herr Hoyer und brachte uns das neue HBS-System. Das war ein entscheidender Fortschritt bei der übertragung.

PR-Referentin: Gibt es aus dieser Zeit ein Buch, das Sie noch jetzt im Gedächtnis haben?

Elke König: Ja, ein Buch aus dieser Zeit geht mir immer wieder durch den Sinn. Den genauen Handlungsfaden bekomme ich gar nicht mehr hin.
»Das Grab des weißen Mannes«. Ich denke oft an dieses Buch. Es war klug, was darin geschrieben stand. Und durch die lange Zeit, die die übertragung in Anspruch genommen hat - schließlich haben wir lange zusammengelebt, das Buch und ich...

PR-Referentin: Und dann gab es einen Glücksfall in Ihrem Leben...

Elke König: Ja, Herr Burghardt hatte schon längst das Rentenalter erreicht und wollte nun auch wirklich seinen Posten als Zeitschriftenredakteur abgeben. Es fand eine hausinterne Stellenausschreibung statt. Ich bewarb mich und bekam die Stelle.

PR-Referentin: Und nun waren Sie Redakteurin der DZB-Hörzeitschriften »Sechs mal Sex», »Kultur und Freizeit«, »Das Hörmagazin«, »Wissenschaft und Fortschritt« und natürlich »Das Tiermagazin«.

Elke König: Ja, aber das bedeutete plötzlich auch neue Technik für mich, Termindruck und vor allem, die Laufzeit einer Kassette ist auf jeder Seite nur verflixte 45 Minuten lang, also 90 Minuten insgesamt – nicht mehr und nicht weniger. Nun stellen Sie mal termingerecht Artikel zusammen, die haargenau nur 90 Minuten lang gehen. Das war ein Stress jeden Monat. Der entfiel dann mit der Einführung der CD-Daisy.
Andererseits haben mir die Briefe und Anrufe unserer Nutzer immer wieder durch den Arbeitsalltag geholfen. Das Echo war schon ganz besonders. Wenn mir Menschen bestätigen, dass sie durch die DZB-Zeitschriften Lebensqualität gewinnen, Lebensfreude...
Auf der Buchmesse hat mich Frau Gerda Selleng angesprochen, eine blinde Nutzerin, die mich an der Stimme erkannt hat: »Ach, hier steht Frau König. Ich kenne Sie...« Das sind Momente!

PR-Referentin: Und wie ging es weiter?

Elke König: Im Jahr 2011 mussten Zeitschriften der DZB, die jahrelang gelaufen sind, eingestellt werden. Das hat einerseits finanzielle Gründe. Aber diese Entscheidung ist auch der technischen Entwicklung geschuldet. Statt zwei Zeitschriften-Redakteuren gibt es jetzt noch eine. Ich bin jetzt verantwortlich für die »Geolino«, die als Punktschriftschriftzeitung erscheint. Die »Deutschlandrevue«, »Ratgeber aktuell« und »Das Gesundheitsmagazin« erscheinen sowohl als Punktschrift- als auch Hörschriftzeitung, also in beiden Formaten und ich bereite die »NEON« für die Aufnahme als Hörzeitschrift vor. Ich kann es auch etwas technischer ausdrücken: Mit dem Framemaker - Programm mache ich die Struktur eines Artikels erkennbar und weise den Elementen eines Artikels Attribute zu.
Aber der Kontakt zu meinen Hörern bleibt bestehen. Wenn auch nicht mehr durch alle Zeitschriften. Aber ich entdecke nach wie vor neue Themen und Meldungen, die ich meinen Hörern durch meine Arbeit weitergebe.

PR-Referentin: Durch unser Gespräch haben wir jetzt auch einen Schnelldurchlauf durch 27 Jahre individuell erfahrene Geschichte der DZB gemacht. Vielen Dank!

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Die Museumsnacht in der DZB

Am 5. Mai bietet sich als erste Station für Ihren nächtlichen Streifzug durch die Leipziger Museumsnacht die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) an. Und am Besten bringen Sie zwei, drei oder mehr Kinder mit.
Die Schauspielerin und langjährige Sprecherin der DZB Maja Chrenko spielt das Kindertheaterstück »Der Würfelkönig und das schönste Spiel der Welt«. Sie bezieht die Kinder vom Anlegen des Kostüms und dem Aufbau der Szene an in die Geschichte ein und bringt ihnen damit ein erstes »richtiges« Theatererlebnis.Das Stück wird ungefähr 40 Minuten dauern.
Rund ums Thema »Lesen und Spielen mit Behinderung« bieten wir u. a. die übertragung von gewohnter Schwarzschrift in Punktschrift im Selbstversuch, ein Literatur-Quiz für Kinder und auch eines für die alten Hasen in Sachen Literatur. Das Quiz steht in Großdruck, in Punktvollschrift oder auch zum Hören zur Verfügung. Also jeder kann barrierefrei mitraten. Und es finden natürlich Führungen durch die Produktionsbereiche der Buchherstellung Buchdruckerei und Buchbinderei statt.
Und falls die Kinder und natürlich Sie dann immer noch aufnahmebereit sind, bietet sich ein Besuch im Naturkunde-Museum, Bach-Museum oder auch im Museum für Bildende Künste an, die sich ebenfalls auf den Besuch von Großen mit ihren Kleinen eingestellt haben.
Also, unbedingt merken:
5. Mai, 17.30 Uhr in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig [DZB]

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Louis Braille Festival der Begegnung

Folgende Festivalhinweise des DBSV werden als Einlageblatt den DZB-Zeitschriften, »Geolino« in Kurzschrift, dem »Literaturtreff«, »stern/Zeit« , »Ratgeber aktuell«, »Das Gesundheitsmagazin« und »Deutschlandrevue« beigefügt:

Louis Braille Festival der Begegnung – jetzt fehlen nur noch Sie!

Berlin, 12.03.2012. Das Louis Braille Festival der Begegnung 2012 wird das größte Fest für blinde und sehbehinderte Menschen, das es jemals in Europa gegeben hat. Die Veranstaltung wird vom 1. bis 3. Juni 2012 im Berliner Tempodrom und rund um dieses außergewöhnliche Gebäude herum stattfinden. Das Programm steht – Sie können sich auf Kunstausstellungen, Konzerte, Hörfilmkino, Sport- und Mitmach-Angebote und vieles mehr freuen!
Zu den Höhepunkten gehören die Abendveranstaltungen: Am Freitag wird neben anderen der Kabarettist und Bestsellerautor Horst Evers auftreten, am Samstagabend läuft die »100-Jahre-DBSV-Show« mit Joana Zimmer und weiteren prominenten Gästen, moderiert von Dietrich Plückhahn. Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist frei.
Informationen zum Festival erhalten Sie telefonisch sowie im Internet, siehe unten. Das DBSV-Verbandsmagazin »Gegenwart« widmet dem Festival in der April-Ausgabe einen Schwerpunkt. Darin wird die blinde Fado-Sängerin Dona Rosa porträtiert und die Organisatoren verraten, was es mit der 100-Jahre-DBSV-Show am Samstagsabend auf sich hat. Erstmals wird das Festivalprogramm in all seinen Facetten präsentiert. Und es gibt Statements von Festival-Akteuren und Festival-Besuchern sowie Antworten auf die zehn häufigsten Fragen zum Festival. Auf DBSV-Inform finden Sie in Buch 24 zusätzlich das komplette Programm und den praktischen Festival-Kompass mit ausführlichen Wegbeschreibungen.
Vor lauter Vorfreude sollten Sie Ihre Anmeldung nicht vergessen, denn nur für angemeldete Besucher liegt der Festival-Pass bereit – und den brauchen Sie, um in das Tempodrom hinein zu kommen.
Louis Braille Festival der Begegnung 2012 Berlin
Freitag, 1. Juni 2012, 14 Uhr, bis Sonntag, 3. Juni 2012, 14 Uhr
Berlin, Tempodrom am Anhalter Bahnhof
Eintritt frei!

Infos, Hotelbuchung und Anmeldung
Tel.: 0 30 / 25 00 23 84
Mo.-Fr. 9-19 Uhr, Sa. 10-18 Uhr
So. 10-14 Uhr, feiertags 10-18 Uhr
oder www.dbsv-festival.de

Festivalbüro (Unterstützung bei Anmeldung,
Reservierung und besonderem Assistenzbedarf)
Tel. 030 / 64 08 12 50
Mo., Di., Do. 9-12 Uhr, Mi. 9-17 Uhr, sonst AB
E-Mail info@dbsv-festival.de

Das Louis Braille Festival der Begegnung wird gemeinsam ausgerichtet vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin.

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Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7
04105 Leipzig

Telefon 0341/7113-131
Telefax 0341/7113-125
E-Mail:
Internet: www.dzb.de

V.i.S.d.P.: Heidrun Güntzel

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