Deutsche Zentralbücherei für Blinde

Die geniale Erfindung der Blindenschrift

Im Jahre 1825 erfand der Franzose Louis Braille im Alter von 16 Jahren die Blindenschrift, auch Brailleschrift genannt. Die Erfindung und Etablierung einer leicht erlernbaren, rasch lesbaren und schnell schreibbaren einheitlichen Blindenschrift ermöglichte blinden Menschen den Zugang zu Wissen, Bildung und Kultur. Seitdem ist die Blindenschrift immer mehr erweitert worden und findet im digitalen Zeitalter ebenso Anwendung wie in der traditionellen Form des gedruckten Braillebuches. Jedes blinde Kind lernt sie in der Schule. Blinde Menschen können Brailleschrift am Computer mithilfe einer Braille-Zeile lesen.

Louis Braille

Am 4. Januar 1809 wurde Louis Braille in Coupvray (Frankreich) geboren.

Als Louis Braille drei Jahre alt war, spielte er in der Werkstatt seines Vaters mit Werkzeugen und verletzte sich dabei ein Auge schwer. Die Entzündung erfasste auch das andere Auge und führte binnen zwei Jahren zur Erblindung des Jungen. Da Louis sehr begabt war, bat sein Vater den Direktor des Blindeninstituts in Paris um die Aufnahme seines Sohnes. Als Zehnjähriger verließ Louis sein Heimatdorf und ging nach Paris. Er erwies sich als ausgezeichneter Schüler, unterrichtete schon mit 15 Jahren die Jüngsten und war bald Leiter einer Werkstatt an der Schule. Nebenbei arbeitete er zielstrebig und ausdauernd an der Entwicklung einer brauchbaren Punktschrift für Blinde. Nach vier Jahren des Grübelns und Ringens um eine Lösung hatte er schließlich ein geeignetes System gefunden. Damals war er gerade sechzehn Jahre alt. Die Zeichen waren im Vergleich mit den bis dahin gebräuchlichen Systemen leicht erlernbar, ließen sich rasch und sicher lesen und mit Schreibtafel und Griffel mühelos schreiben. Trotzdem blieb die offizielle Anerkennung seiner Schrift aus. Es dauerte noch lange, bis seine Schrift auch in anderen Ländern angewandt werden konnte. Louis Braille erlebte das nicht mehr. Er starb im Alter von 43 Jahren an Tuberkulose.

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Die berühmten sechs Punkte

Wie kann man mit sechs Punkten die Buchstaben des gesamten Alphabetes darstellen? Wie lassen sich Wörter und Texte schreiben?

Ganz einfach: Das Sechs-Punkt-Muster besteht aus einer Zelle. Jeder Punkt wird numeriert. Sie sieht so aus:

Das Sechs-Punkt-Muster

Ist der Punkt 1 erhaben dargestellt, steht er für ein A. Die Punkte 1 und 2 stehen für ein B. Die Punkte 1 und 4 bedeuten C. Jede Kombination von Punkten steht für einen Buchstaben. Den Text, der aus dieser Kombination von Punkten geschrieben wird, nennt man die Vollschrift.

Das Wort 'Tasse' sieht in Blindenschrift so aus:

Das Wort 'Tasse'

Man kann sich vorstellen, dass ein Buch in Brailleschrift doppelte bis dreifache Seitenzahl eines Buches in Schwarzschrift haben muss. Damit die Texte nicht allzu lang werden und auch der Schreibvorgang verkürzt wird, hat man die Kurzschrift erfunden. Eine bestimmte Zeichenkombination steht dann nicht nur für einen Buchstaben, sondern für ein ganzes Wort oder eine Wortgruppe.

Das Wort 'gegen' hat folgende Kombination:

Das Wort 'gegen'

120 Jahre DZB

Am 12. November 1894 wurde die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) gegründet. Damals wie heute versorgt sie blinde und sehbehinderte Menschen mit Braille- und Hörbüchern, Reliefs, Logo Lesende Hände Zeitschriften und Musikalien.
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