Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)


Nr. 1/2000 Januar/Februar 10. Jahrgang

 

Inhalt

Vorbemerkung

Unsere Postecke

Partnersuche

Einblicke

Ausstellung im sächsischen Landtag

Produktionsvorhaben im Jahr 2000 (I)

Die Kramkiste

Leonhard Frank: »Karl und Anna«

Georg Piltz: »August der Starke«

Wie war das damals?

50 Jahre Schachbrücke

Bücher des Jahrhunderts

Meilensteine

LOUIS

Wie werden Texte lesbar, die mit einem fremden Textverarbeitungsprogramm erstellt worden sind?

Info-Service

Ein neuer Wandkalender aus der DZB

Neue Lesezeichen

Grußkarten mit CD

Produktetests auf CD

Mit neuem Namen ins 21. Jahrhundert

Barrierefrei zur EXPO 2000

Lehrgänge des DBBW

Impressum


 

Vorbemerkung

Wenn Sie diese Ausgabe der "DZB-Nachrichten" in den Händen halten bzw. in den Kassettenrecorder eingelegt haben, dann hat das letzte Jahr dieses Jahrtausends begonnen.

Sie können aufatmen, denn der erste Milleniumrummel liegt hinter Ihnen.

 

Wir dürfen gespannt sein, was der wirkliche Jahrtausendwechsel diesbezüglich noch bereithält.

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war uns noch nicht bekannt, ob der große Computercrash stattgefunden hat oder sich Dank der Umsicht aller Fachleute die Probleme in Grenzen gehalten haben. Aber wer mag schon von Umsicht sprechen, wird doch das Vertrauen in die sog. neuen Technologien recht erschüttert, berücksichtigt man, dass die Fachwelt offensichtlich nicht einmal in der Lage ist, Systeme zu entwickeln, die fehlerfrei bis 2000 zählen. Na vielleicht ist auch alles ein großer Schwindel gewesen, der den Spezialisten nur zu neuen Aufträgen verholfen hat. Uns bleibt die Hoffnung, dass in der Zukunft mit mehr Umsicht an die Entwicklung neuer Technologien gegangen wird.

Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünsche ich Ihnen für das neue Jahr alles Gute, Gesundheit, Erfolg und Anerkennung in Ihren privaten und beruflichen Angelegenheiten. Für die DZB kann ich Ihnen versichern, dass wir uns in gewohnter Weise bemühen werden, die Wünsche unserer Leserinnen und Leser zu berücksichtigen.

Die Realisierung vieler Vorhaben ist uns nicht zuletzt durch die von Ihnen gewährte finanzielle Unterstützung möglich. Aus Spendenmitteln wieler Vorhaben ist uns nicht zuletzt durch die von Ihnen gewährte finanzielle Unterstützung möglich. Aus Spendenmitteln wurde im vergangenen Jahr die digitale Ausrüstung aller drei Studios in Angriff genommen. Dies macht es möglich, zukünftige Ausgaben unserer Hörzeitschriften in komfortabler Form digital zu produzieren und erste Hörbücher im DAISY-Format aufzunehmen. Durch den Einsatz von Spendengeldern konnten die Bestände der Punktschriftbibliothek und Hörbücherei nicht nur durch Eigenproduktionen, sondern auch mit zahlreichen Neuerwerbungen erweitert werden. Damit fließen die von Ihnen aufgebrachten Mittel wieder unmittelbar in für Sie nutzbare Angebote zurück.

Im vergangenen Jahr haben wir uns bemüht, das Angebot der DZB durch erweiterte Öffentlichkeitsarbeit noch bekannter zu machen. Auch in diesem Jahr wird es eine Informationskassette und den Tag der offenen Tür geben. Wir wollen unsere Präsens auf Fachmessen und anderen Veranstaltungen erhöhen. An erster Stelle ist da unsere umfangreiche Mitwirkung an der Ausgestaltung und Durchführung der vom Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen organisierten Ausstellung im Sächsischen Landtag zu nennen.

Weiterhin planen wir, Einrichtungen der Blindenselbsthilfe, Schulen und andere Ausbildungsstätten zu besuchen und das Angebot unseres Hauses im Rahmen gezielter Informationsveranstaltungen vorzustellen. Die Mittel zur Ausgestaltung eines Präsentationsstandes und zur Erstellung verschiedener Informations- und Werbematerialien müssen zu einem großen Teil ebenfalls aus Ihrem Unterstützungsfonds genommen werden.

So gewinnen wir, dank Ihrer Spenden, neue Leser und Abonnenten. Es liegt auf der Hand, dass dies für die Weiterentwicklung unseres Hauses sehr nützlich ist.

Über die Werbung zu unseren Produkten und Dienstleistungen hinaus möchten wir die Gebäude der DZB wieder zu einem Treffpunkt der Blindenselbsthilfe machen. Wir planen für dieses Jahr die Ausrichtung von Lehrgängen zum Erlernen der Blindenschrift, Internetkurse und andere Fachveranstaltungen.

Im September werden die Arbeitsgemeinschaften der Hörbüchereien und die der Blindendruckereien ihre Jahreshauptversammlungen in der DZB durchführen. Wir freuen uns auf einen interessanten und intensiven Erfahrungsaustausch.

An dieser Stelle möchte ich die unvollständige Aufzählung all unserer Aktivitäten schließen. Die "DZB-Nachrichten" werden Sie, was Neuigkeiten angeht, auf dem Laufenden halten.

Angenehme Unterhaltung mit der Literatur aus "Ihrer DZB" wünscht im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Dr. Thomas Kahlisch.

 

 

 

 

Unsere Postecke

 

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Zu den Zeitschriften der DZB hat Herr Erich Eiben aus Frankfurt/M. eine Frage:

"(...) Was spricht eigentlich gegen eine einheitliche Verpackung der Zeitschriften und gegen Einführung des A4-Formates? Da ließen sich Teile doch wohl leichter sammeln und archivieren, ohne Sammelordner verwenden zu müssen. Außerdem brauchte man natürlich kein Verpackungssonderformat ... Ich wünsche weiterhin Erfolg und dem Sächsischen Kultusministerium, dass es eine Schatz fördert, der für eine Minderheit von Staatsbürgern unentbehrlich ist. (...)."

Bemerkung der Redaktion

Derzeit werden die Zeitschriften der DZB einheitlich in einer oben und unten offenen Packpapierhülle verschickt. Eine Folietüte wird verwendet, wenn Beilagen mit der Zeitschrift verschickt werden, z.B. bei "Kinderland", die sonst aus der Papierhülle rutschen würden.

Für eine durchgehende A4-Strecke bei Zeitschriften sind die technischen Voraussetzungen noch nicht vorhanden.

Zum neuen Großdruck-Taschenkalender der DZB äußert sich Herr Werner Teichmann aus Leipzig:

"(...) Mit der Ausführung Großdruck bin ich sehr zufrieden. Die Gestaltung ermöglicht deutliche Eintragungen in der Größe der Druckziffern und –buchstaben. Die wöchentliche Übersichtlichkeit ist sehr gelungen (...)."

Herr Robert Ster aus Friedberg wandte sich per E-Mail an die DZB - obwohl ihm das nicht ganz geheuer war:

"(...) Ich bin immer noch etwas verunsichert, ob Ihnen Bestellungen auf diesem Wege überhaupt willkommen sind und ob Sie diese bearbeiten. Es ist auf jeden Fall wesentlich einfacher, per E-Mail zu bestellen und Mitteilungen an Sie zu versenden.

Die Mail-Adresse ist in den DZBN zwar immer veröffentlicht, aber vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn Sie gelegentlich ein paar Worte zu diesem Thema schreiben würden.

Ich freue mich jedenfalls immer wieder auf Ihre Publikationen (...)."

Bemerkung der Redaktion

Die E-Mail-Adresse der DZB lautet info@dzb.de und alle Leserinnen und Leser sind herzlich aufgefordert, davon rege Gebrauch zu machen.

Ebenfalls per E-Mail erreichte uns Frau Diana Droßel aus Aachen:

"(...) Seit einigen Jahren beziehe ich die DZBN. Heute möchte ich mich einmal dazu äußern. In den letzten Jahren hat sich die Zeitung immer wieder verändert. Was aber immer wie ein roter Faden durch all die Jahre geht, ist der Kontakt zu Ihren Lesern. Stets haben Sie als Redaktion eine passende Anmerkung oder eben auch neue Ideen. Dieses Miteinander von Redaktion und Lesern ist das, was mir an dieser Zeitung so sehr gefällt.

Zum Projekt LOUIS kann ich Sie nur beglückwünschen. Ich finde es toll und hoffe, dass es für alle ein großer Erfolg wird (...)."

Bemerkung der Redaktion

Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Lob und möchten es gleich an Sie, die Leserinnen und Leser der DZBN, zurückgeben. Denn nur aufgrund Ihrer ständigen Mitarbeit in Form von Fragen und Anregungen können die DZBN ein Forum für die Diskussion neuer Ideen zur Versorgung blinder und sehbehinderter Menschen mit Literatur sein.

Zum schier unerschöpflichen Thema "Blindenschrift" erreichte uns folgender Brief von Frau Ursula Steinbrich aus Chemnitz:

"(...) Es freut mich, dass es noch mehr Leser gibt, denen die generelle Anwendung des Punktes 6 vor dem 'daß' nicht gefällt. Ihrem damaligen Rat folgend, wandte ich mich an Herrn Heuer und bekam auch eine Antwort, die recht ausführlich war, mit dem Hinweis, dass es mir freigestellt sei, alle beschlossenen Regeln anzuwenden. Also werde ich den Punkt 6 bei den vielen eindeutigen Wörtern nicht verwenden. Ich habe auch festgestellt, dass die DZB der einzige Verlag ist, wo er bisher konsequent steht.

Die 'Radio/TV' lese ich vom ersten Heft an und bin zufrieden damit. Mit dem Standardprogramm komme ich zurecht. Wenn ich aus Bequemlichkeit selten hineinschaue, ist es meine Schuld, wenn ich etwas verpasse. Zwar hätte ich mir mehr Erläuterungen zu Hörspielen und Filmen gewünscht, aber die Erklärung der 'Radio/TV' zum begrenzten Seitenumfang leuchtet mir ein. Schwierigkeiten hatte ich schon, wenn ich mich an einen Sender wenden wollte, dessen Anschrift ich nicht kannte. Bisher fand ich immer hilfreiche sehende Augen. Aber wäre es nicht möglich, einmal eine Beilage mit den Anschriften der in der 'Radio/TV' abgedruckten Rundfunk- und Fernsehsender zu drucken?(...)"

Bemerkung der Redaktion

Was den leidigen Punkt 6 betrifft, so wenden wir in der DZB konsequent die neue Kurzschrift an - und da gehört er nun mal dazu.

Hinsichtlich der Senderadressen kommt die Redakteurin der "Radio/TV", Frau Gabi Schulze, zu Wort:

"Gerne nehmen wir Ihren Vorschlag auf, die Anschriften der in der "Radio/TV" enthaltenen Fernseh- und Rundfunksender auf einem Beilageblatt abzudrucken. In den vergangenen Jahren haben wir ein solches Beilageblatt schon einmal produziert. Im Januar/Februar werden wir diese Liste aktualisieren und unseren Abonnenten der "Radio/TV" zuschicken."


Partnersuche

Wieso kennen wir uns noch nicht?

Das muss sofort geändert werden. Vorausgesetzt, du bist unter 40 Jahre alt, weltoffen, sensibel und weder ein Stubenhocker noch ein Pantoffelheld.

Ich bin 32, 1,67 m groß, blind, habe eine Tochter und liebe das Leben.

Und jetzt brauchst du dich nur noch zu melden!

Zuschriften an die DZB

unter Kennziffer 55

 

 

Anzeige

Interessenten wenden sich bitte direkt an die angegebene Adresse. Für Inhalt und Aussage der Anzeige sind die Inserenten verantwortlich.

ProChrist2000

In dem Zeitraum vom 19.-25.03.2000 findet in der Bremer Stadthalle ProChrist2000 statt.

Diese Veranstaltung ist eine Einladung an alle Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus zu kommen.

Wir laden alle Interessierten herzlich nach Bremen ein. ProChrist wird aber auch in viele Kirchengemeinden und in viele europäische Länder übertragen.

Informationsmaterial in Blindenschrift, Kassetten und Schwarzschrift bieten wir an. Gern sind wir bei der Suche nach Unterkünften und Begleitpersonen behilflich.

Unsere Kontaktadresse:

Martina und Frank Mohrmann

Barbarossastraße 11

28329 Bremen

Tel. (04 21) 21 78 06

Einblicke

Ausstellung im sächsischen Landtag

Unter dem Motto "Sehen und Begreifen - Blinde und Sehbehinderte in Sachsen" findet vom 16.02.00 bis 14.04.00 eine Ausstellung im Landtag des Freistaates Sachsen statt, an der sich neben dem BSVS, der Landeshilfsmittelzentrale Dresden und dem Berufsbildungswerk Chemnitz auch die DZB beteiligt. Anliegen ist es, die Öffentlichkeit, vor allem die Politiker in Sachsen zu informieren über den Alltag Blinder und Sehbehinderter, deren Selbsthilfeorganisation, über Bildungseinrichtungen und Literaturversorgung. Ziel ist außerdem, die Probleme blinder und sehbehinderter Menschen ins Bewusstsein zu rücken, die Möglichkeiten für ein integriertes Leben zu zeigen und auf noch immer vorhandene Barrieren hinzuweisen.

Für die DZB gilt natürlich, unser Haus nach der vom Freistaat finanzierten Grundsanierung im neuen modernen Zustand vorzustellen und die traditionellen und neuen Möglichkeiten der Literaturversorgung und neue Dienstleistungen zu zeigen.

Die DZB wird sich mit fünf Themenbereichen präsentieren. An zwei Tagen, nämlich am 23.02. und am 08.03. ist die DZB auch personell vertreten und zu Gesprächsrunden bzw. Erläuterungen bereit. Auch die anderen Teilnehmer gestalten solche Tage, das Landeshilfsmittelzentrum am 17.02. und am 06.03, das BBW Chemnitz am 01.03. Der Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Sachsen e.V. an weiteren Tagen, die der Landesvorstand noch bekannt gibt.



Produktionsvorhaben im Jahr 2000 (I)

Mittlerweile ist es ja schon Tradition, dass wir Ihnen in den ersten Ausgaben des Jahres einen kurzen Überblick über die Produktionsvorhaben der kommenden Wochen und Monate geben. Heute erhalten Sie einen Einblick in den Produktionsplan Punktschrift.

Beginnen wollen wir mit Ratgebern. Da stehen an erste Stelle natürlich jene zum Thema Gesundheit, dem sich auch Dieter K. Baron und Bettina Hellwig mit ihrem Buch "Venenleiden : eine beherrschbare Zivilisationskrankheit" (medpharm, 1996) verschrieben haben. Der Patientenratgeber informiert darüber, wie Venenleiden (z.B. Krampfadern) entstehen und welche Formen dieser Erkrankungen es gibt, erläutert Vorsorgemaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten. Interessant nicht nur für "Hobbypsychologen" dürfte das folgende Büchlein sein: "Der kleine Taschentherapeut: in 60 Sekunden wieder o.k." (Klett-Cotta, 1999) stammt von dem amerikanischen Psychologen- und Vater-Sohn-Gespann Arnold A. und Clifford N. Lazarus. In knapper, prägnanter Form werden hier 101 Tipps präsentiert, um uns psychisch fit zu halten. Einfache Techniken werden vorgeführt, in verschiedensten Bereichen des Alltags, ob in der Beziehung, im sozialen Leben oder im Beruf, besser klar zu kommen. Die Botschaft ist einfach: Wir können viel mehr in unserem täglichen Verhalten und somit unserem Wohlbefinden verändern als wir glauben. Die Autoren zeigen, wie wir uns von falschen Erwartungen, destruktiven Ideen, negativen Emotionen befreien - kurz, wie wir durch verblüffend einfache Tricks mit mehr Gelassenheit uns und unsere Ziele verwirklichen können.

Tja, und wenn Sie dann mental so richtig gut drauf sind, steigt vielleicht auch die Reiselust. Sollte Sie diese an den Bodensee oder nach Tirol führen, dann können Sie bei der Reisevorbereitung und während des Aufenthaltes regen Gebrauch von den zwei Polyglott-Reiseführern "Bodensee" und "Südtirol" (beide Polyglott, 1996) machen, die mit Städteporträts und Routenvorschlägen angereichert sind. Wer allerdings Gartenfreund ist und seinen Urlaub lieber auf heimatlicher Scholle verbringt, schaut vielleicht lieber in "Ein Garten der Düfte" von Helga Urban (BLV, 1999). Immerhin verzaubern duftende Pflanzen jeden Garten, sie berühren unsere Gefühle und können eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Der Ratgeber stellt die große Vielfalt der Duftpflanzen vor, porträtiert die wichtigsten Arten und zeigt, wie sie in der Gartengestaltung bestmöglich zur Geltung kommen. Wenn Sie das Grünzeug lieber im Bauch als in der Nase haben, dann wäre wohl eher "Das Gemüsebuch" (Dumont, 1998) anzuraten. Hier wird alles verraten, was Sie schon immer über Geschichte, Einkauf, Lagerung, Nährwerte und Zubereitung von Gemüse wissen wollten. Mit über 100 Rezeptideen, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen - nicht nur für Liebhaber fleischloser Gerichte. Liebhaber süßer Speisen kommen schließlich bei Dr. Oetkers "Weihnachtsbäckerei" (Moewig, 1998) auf ihre Kosten, das wir Ihnen dann zum nächsten Fest anbieten werden - denn nicht vergessen: Schon jetzt an Weihnachten denken!!!

Soweit zu den Ratgebern. Was gibt's an Nachschlagewerken und anderen Wälzern, die uns in höhere Wissenssphären führen können? Alle Geschichtsinteressierten werden sich freuen, dass wir nunmehr unsere Reihe Chronik des Jahrhunderts um die Teile "Das 2. Jahrzehnt: Chronik und Tonprogramme 1910-1919" und "Die 20er-Jahre: Chronik und Tonprogramme 1920-1929" ergänzen (beide Bertelsmann Lexikothek Verlag).

Der aktuellen Zeitgeschichte gewidmet ist der Titel "Landschaften eines Krieges" von Juan Goytisolo (edition suhrkamp, 1996), der sich mit den Hintergründen des Konfliktes in Tschetschenien befasst.

Zwei im Zusammenhang mit berühmten Personen stehenden Jubiläen sind die folgenden Titel gewidmet: "Spaziergänge durch Goethes Weimar" (Arche, 1999) von Paul Raabe führt auf fünf Spaziergängen führen durch das Weimar der letzten 250 Jahre und in Martin Gecks "Johann Sebastian Bach" (Rowohlt, 1997) werden Leben und Werk des Organisten, Hofkapellmeisters und Thomaskantors vorgestellt. All jene, die sich mit dem Erlernen der lateinischen Sprache beschäftigen, können sich auf "Langenscheidts Schulwörterbuch Latein ; Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Latein" von Dr. Erich Pertsch und Dr. Ernst Erwin Lange-Kowal (Langenscheidt KG, 1997) freuen, liefert dies doch rund 35.000 Stichwörter und ein Mehrfaches an Übersetzungen mit besonderer Berücksichtigung der klassischen Latinität. Um bei der Lektüre lateinischer Texte möglichst umfassende Hilfe zu bieten, wurde der Wortschatz der wichtigsten lateinischen Schriftsteller aufgenommen. Für den lateinisch-deutschen Teil sind daher vor allem die Werke folgender Autoren berücksichtigt worden: Caesar, Catull, Cicero, Curtius Rufus, Horaz, Juvenal, Livius, Lucrez, Martial, Nepos, Ovid, Phaedrus, Plautus, Plinius d.J., Properz, Quintilian, Sallust, Seneca, Sueton, Tacitus, Terenz, Tibull, Vergil. Der deutsch-lateinische Teil enthält den Wortschatz der an deutschen Schulen am häufigsten benutzten lateinischen Lese- und Übungsbücher. Der Anhang enthält eine Übersicht über die Zahlwörter; außerdem findet der interessierte Benutzer hier Informationen zur lateinischen Schrift und zur Aussprache des Lateinischen. Angaben zur Deklination der Substantive und Adjektive runden den Anhang ab.

Der Sachbuchbereich wird ergänzt mit einer "Einführung in die Münzkunde" von Nicolaus Heutger (Fritz Knapp Verlag, 1975) und dem "Internationalen Schlüsselbuch der Schacheröffnungen" von Sergiu Samarian (Schachverlag M. Mädler, 1995). Die Tierfreunde schließlich können sich über ein besonderes Thema informieren: "Das bizarre Sexualleben der Tiere: ein populäres Lexikon von Aal bis Zebra" (Eichborn, 1999) von Michael Miersch klärt über Besonderheiten der Tierwelt auf. Oder wussten Sie, dass Beutelmäuse es tun, bis sie tot umfallen? Dass die Königin der Nacktmulle sich zwei bis drei Liebhaber hält, jedoch ihren Untertanen jeglichen Sex verbietet? Dass Albatrosse vier Jahre lang um einen Partner werben, ehe sie sich in eine monogame, über zwanzigjährige Ehe wagen?

Kommen wir zu den Romanen und Erzählungen: "Es regnete, als ich um 5 Uhr morgens in New Orleans eintraf." Mit diesem lapidaren Satz beginnt ein illusionsloser Roman, der sich nirgends über die Perspektive eines jungen Mannes erhebt, der essen, trinken und gelegentlich eine Frau haben will - und dafür arbeiten muss. Was kann daran fesseln? Nichts als die radikale Ehrlichkeit dieses Mannes, den die Ansprüche bürgerlicher Moral nie gequält haben, der nur eines will: Überleben. Und dadurch die Freiheit gewinnt, dass er sich niemals für irgendwelche "Karrieren" hat einspannen lassen. Das Buch trägt den Titel "Faktotum" und stammt vom "old dirty man" der amerikanischen Literatur Charles Bukowski. Bleiben wir ´gleich in den USA. Von dort stammt auch die Fortsetzung des Thrillers "tsetzung des Thrillers "Das Schweigen der Lämmer" von Richard Harris mit dem Titel "Hannibal". Raffinement und Ekel, Spannung und Schrecken und hypnotische Imagination sind die Ingredienzien dieses Thrillers, eine Reise durch die grausamsten Finessen einer abnormen Psyche und nicht für "Sensibelchen" geeignet. Schöngeister können sich dagegen an den "Erzählungen" Johann Wolfgang v. Goethes erfreuen. Freuen könne Sie sich auch auf " Besinnliches mit Sinn und Unsinn" von Heinz Erhardt. Wer sich selbst auf den Arm nimmt, erspart anderen die Arbeit. Genau das tut der Schmunzelmeister in diesem Buch mit vielen Ungereimtheiten aus seinem Privatschatz:

"Wer sich mal in die Nesseln setzt, / ist erst erschrocken, dann verletzt, / erhebt sich mühevoll und schreit / nach einer bessren Sitzgelegenheit. / Den Nesseln, auch wenn sie schön blühn, / sind weiche Stühle vorzuziehn. / Auf Weichem sitzt man stets apart ... / Nicht weich zu sitzen -, das ist hart!"

Humorvoll geht es auch zu in Judith Summers' Roman "Frösche und Liebhaber", der mit Tempo und Witz erzählt, wie das ist mit Fröschen, Prinzen und ... der Liebe. Schmunzeln kann man schließlich auch über "Alles für die Katz: zehn schnurrige Geschichten" von James Herriot.

Ein Kaleidoskop von Gedanken und Gefühlen, das einen tiefen und humorvollen Einblick in die hermetische Welt der Orchestermusiker gibt, eröffnet sich dem Leser von Wolfgang Camphausens Buch "Eine kleine Schachmusik: Nachrichten aus dem Orchestergraben".

Gar nicht humorig ist dagegen die Geschichte, die Magdalen Nabb in ihrem Roman "Alta moda" erzählt. Darin wird Olivia Birkett, amerikanisches Ex-Model und Modedesignerin, ehemals verheiratete Comtessa Brunamonti, die es mit viel Elan und unerbittlicher Arbeitsmoral geschafft hat, nicht nur die Schulden ihres hochstaplerischen Ex-Mannes abzuzahlen, sondern sich in der italienischen Modeszene mit einer eigenen Kollektion zu behaupten, entführt.

Als "ein ebenso faszinierendes wie monströses, ein abstoßend und hinterhältig schillerndes Buch" bezeichnete die "Basler Zeitung" den Roman "Der Zementgarten" von Ian MacEwan.

Einer interessanten Person spürt Rolf Hochhuth in "Alan Turing" nach. "Alan Turing war einer der genialsten Wissenschaftler des Jahrhunderts. Er hat wie nur noch Churchill sein Land vor dem Untergang gerettet. Denn er war der Code-Brecher, der die Funksprüche der Deutschen meist schon in wenigen Minuten entschlüsseln konnte. Und er war der Erfinder einer Maschine, die er Computer nannte..." (FAZ).

Kurz vor seinem Tode schrieb Bohumil Hrabal den Roman "Ich dachte an die goldenen Zeiten", in dem er aus der Sicht seiner Frau die eigene Ehe beschrieben hat. Entstanden ist dabei ein Buch über eine ganz und gar ungewöhnliche Liebe und ein burlesker Gesellschaftsroman, der auch vor einer unkonventionellen Schilderung des "Prager Frühlings" nicht zurückschreckt, dessen Niederschlagung im August 1968 Hrabal zusammen mit Heinrich Böll erlebt hat.

Aus der ganz ganz jungen Autorenriege stammt der sechzehnjährige Benjamin Lebert, der in seinem autobiographischen Roman "Crazy" mit erstaunlicher Wärme, großem Witz und einer guten Portion Selbstironie von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens erzählt.

Und damit sind wir beim jüngeren Lesepublikum angelangt, für das (aber nicht ausschließlich) die folgenden Titel vorgesehen sind: "Dorothy und der Zauberer in Oz" heißt die Fortsetzung des bekannten Märchens "Der Zauberer von Oz" von L. Frank Baum. Darin gelangen Dorothy und ihr Kätzchen Eureka in das Zauberland Mangaboo, dessen Bewohner sie wenig freundlich empfangen. Erst als der gute alte Zauberer von Oz ebenfalls versehentlich dort landet, zeigen sich Fluchtwege, zwar abenteuerlich und gefährlich, doch führen sie jeden in seine Heimat zurück.

In die Welt der Indianer entführt der Roman "Rollender Donner" von Scott O'Dell. Die Tochter des Häuptlings Joseph der Nez Percé erzählt, wie der Stamm 1877 die Reservation verlässt, um in den Norden zu flüchten, wo Sitting Bull und die Sioux sich gegen die Weißen behaupten.

Zauberlehrlinge aufgepasst! Produziert wird auch der zweite Teil der Abenteuer von Harry Potter: "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" von Joanne K. Rowling. Für Harry beginnt das zweite Jahr an der Zaubererschule. Doch wie im Vorjahr stehen nicht nur Zaubertrankunterricht und Verwandlung auf dem Programm. Ein grauenhaftes Etwas treibt sein Unwesen in den Gemäuern der Schule - ein Ungeheuer, für das niemand, nicht einmal der mächtigste Zauberer, eine Erklärung findet...

In der nächsten Ausgabe machen wir Sie mit den Vorhaben in der Hörbuchproduktion bekannt.


Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

 

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.

 

Leonhard Frank: »Karl und Anna«

empfohlen von Susanne Siems

(Punktschriftbibliothek)

Die allgemein als Fest des Friedens und der Liebe bezeichneten Tage sind vorbei. Der eine wird es mit Bedauern, der andere vielleicht mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Sozusagen als "Nachklang" möchte ich Ihnen heute eine Liebesgeschichte vorstellen bzw. vielen von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in Erinnerung rufen, die so allerdings nur möglich war in den wirren Zeiten des Krieges.

Nach Aussage der zuständigen Militärbehörde ist Annas Mann Richard seit vier Jahren tot, 1914 gefallen. In Wirklichkeit ist er gemeinsam mit Karl seit dieser Zeit in Kriegsgefangenschaft in der sibirischen Steppe. Beide überleben die Strapazen dort nur dank ihrer Gespräche. Richard erzählt Karl von Anna, so genau mit allen alltäglichen und trivialen Details und mit so viel Sehnsucht, dass Karl sich in dieses Traumbild verliebt. Immer wieder werden die gleichen Geschichten wiederholt, Einzelheiten hervorgegraben. Als Karl ein halbes Jahr vor Richard aus der Gefangenschaft heimkehrt, treibt es ihn nur zu dieser geliebten Frau. Anna erkennt wohl auf den ersten Blick, dass dort in der Tür nicht ihr Mann steht, für den sich Karl ausgibt. Aber es ist etwas, was sie an Karl berührt und fa. Aber es ist etwas, was sie an Karl berührt und fasziniert und seine Kenntnisse auch intimster Dinge verunsichern sie. Karl empfindet seine Handlungsweise als zutiefst ehrlich, weil sie nur von seiner Sehnsucht nach Anna bestimmt wird. So geschieht es, dass Anna Karl bei sich aufnimmt und ihn als ihren Mann akzeptiert. Eines Tages erhält sie dann eine Postkarte von Richard ...

So viel sei von der Handlung verraten. Eine banale Geschichte? Das Schicksal dreier Menschen auf zwanzig Zeilen zusammengeschrumpft muss zwangsläufig so klingen. Wichtig ist, wie Leonhard Frank diese Alltäglichkeit erzählt. "Die höchste Meisterschaft ist gleichzeitig höchste Einfachheit" schreibt Hans Mayer im Vorwort der in der DZB als Schwarzdruck vorliegenden Reclamausgabe. Da gibt es keinen Satz zu viel. Die Sprache ist eher herb, meist einfach, sind es doch auch einfache Leute, denen dieses widerfährt. Es gibt viel Trauriges im Leben dieser Menschen zwischen zwei Weltkriegen. Aber auch unheimlich viel Fröhlichkeit, die den Leser an jeder Stelle des Buches vor Sentimentalität bewahrt. Mag der Kinofilm, den einige von Ihnen vielleicht kennen, gut gemacht sein. Diese Erzählung lebt durch die Dinge, die man nicht durch für uns sowieso kaum oder gar nicht erfassbare Bilder darstellen kann.

Da für mich die Literatur die beste ist, die einer breiten Leserschaft mit den unterschiedlichsten Ansprüchen gefallen kann, freue ich mich sehr, dass wir dieses Buch in der Punktschriftausleihe anbieten können: Frank, Leonhard: Karl und Anna, 1 Bd., rkzp., BNA 2243.

 

Georg Piltz: »August der Starke«

empfohlen von Jörg Klemm

(Hörbücherei)

Da mich Biografien sehr interessieren, habe ich erneut eine ausgesucht, die die Geschichte Sachsens und Polens sehr gut dokumentiert und natürlich den dazugehörigen Herrscher: August der Starke, der 1670 in Dresden geboren wurde und 1733 in Warschau starb.

Das Buch von Georg Piltz heißt vollständig: "August der Starke : Träume und Taten eines deutschen Fürsten ; Biografie" und erschien 1986 im Verlag Neues Leben in Berlin.

Diese Biografie analysiert die Zeit und die Person August des Starken, von 1694 bis 1733 Kurfürst von Sachsen und ab 1697 gleichzeitig König von Polen. Sie schildert ihn als einen typischen autoritären Barockfürsten seiner Zeit. August war ein den Prunk liebender Mensch und Kunstmäzen; er ließ seine Residenzen Dresden und Warschau nach dem Vorbild von Versailles ausbauen, hielt Hof im Stil Ludwigs XIV. und ruinierte dadurch die sächsischen Finanzen. Und er hatte zahlreiche Mätressen. Zugleich war er aber auch eine kraftvolle, den gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritt dieser Epoche fördernde Fürstenpersönlichkeit.

Das historische Geschehen dieses Zeitabschnittes - der Nordische Krieg von 1700 bis 1721, der, ausgelöst durch ein Bündnis Russlands, Dänemarks und Polen-Sachsens, die schwedische Vormachtstellung im Ostseeraum gefährdete - wird ebenso deutlich wie das Ringen des Königs mit dem sächsischen Adel um seine Vormachtstellung oder die wirtschaftliche Entwicklung der damaligen Zeit. Die Ökonomie war geprägt von der absolutistischen Wirtschaftspolitik Augusts, der damit die Grundlagen für die industrielle Entwicklung Sachsens schuf. Und was wäre August der Starke ohne seinen dominierenden Einfluss auf Kunst und Kultur dieser Epoche!

Durch die Verfolgung der Lebenswege bedeutender Persönlichkeiten dieser Zeit (Brühl, Gräfin Cosel, Karl XII. von Schweden) und die Fülle interessanter Fakten wird das Buch zu einer Fundgrube für die historische Interessierten.

Und noch die Angaben für die Bestellung: Sprecherin ist Gisela Seifert. Der Umfang beträgt 9 Kass. Die Bestellnummer: 6485.


Wie war das damals?

50 Jahre Schachbrücke

Vor genau einem halben Jahrhundert, im Januar/Februar 1950, erschien in der DZB die erste Nummer der Zeitschrift "Schachbrücke". Heinz Reschwamm aus Halle war der damalige Initiator und erste Redakteur. Es gab zu dieser Zeit ein starkes Bedürfnis nach einer solchen Zeitschrift, denn das Blindenschach brachte es bereits zu deutschen Meisterschaften und gewann immer mehr Anhänger. Später übernahm für lange Zeit der Berufsschul- und Schachlehrer Fritz Paech aus Chemnitz die redaktionelle Bearbeitung.

Unser besonderer Dank gilt aber heute dem Mann, der seit dem Heft 7/1978, also seit über zwei Jahrzehnten, die Verantwortung für den Inhalt übernahm: Reinhard Kehl. Noch immer ist er der Redakteur der "Schachbrücke", deren Profil er änderte, indem er der Schachtheorie und dem praktischen Material noch mehr Platz einräumte. Die "Schachbrücke" ist nicht nur eine der ältesten und beständigsten Zeitschriften aus der DZB, sondern auch die einzige, die nicht in der DZB redigiert wird. Und sie ist nach wie vor beliebt und begehrt. Die enge und freundschaftliche Zusammenarbeit des Redakteurs mit den Mitarbeitern der DZB, über viele Jahre, besonders mit Wolfgang Burghardt, hat der Zeitschrift gut getan - und das soll so bleiben. Wir wünschen Reinhard Kehl und der "Schachbrücke" alles Gute!


Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage im Auftrag der britischen Fachzeitschrift "Logos" nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99).

 

Meilensteine

von Petra Gass

Vor fünf Jahren stellte Gordon Graham den gut 40 Beiratsmitgliedern seiner Fachzeitschrift "Logos" eine zunächst gar nicht schwierig erscheinende Frage: Welche im 20. Jahrhundert erschienenen Bücher hatten den größten Einfluss auf die Entwicklung des Jahrhunderts? Die Ausgangsfrage wuchs zu einem ganzen Katalog von Fragen nach regio Die Ausgangsfrage wuchs zu einem ganzen Katalog von Fragen nach regionalen Sichtweisen und Political Correctness, nach Verkaufserfolg und Qualität. Es wurde gesammelt und diskutiert, vermutlich eine Menge Papier und Porto verbraucht, die Jury umbesetzt und die Liste der Bücher mit anderen Jahrhundertlisten verglichen, erweitert und wieder verkürzt.

Nach fünf Jahren kann Gordon Graham nun das Ergebnis dieses Aufwands präsentieren. Der internationalen Jury gehörten zahlreiche Verleger an, und so bietet sich die Frankfurter Buchmesse geradezu für die erste Präsentation der 105 Bücher des Jahrhunderts an.

Die chronologisch konzipierte Ausstellung beginnt mit drei Büchern aus dem Jahr 1900: Es sind Joseph Conrads "Lord Jim", Sigmund Freuds "Die Traumdeutung" und Thorstein Veblens "Theorie der feinen Leute". Am Ende des 20. Jahrhunderts repräsentieren dagegen zehn Bücher einen Zeitraum von 30 Jahren - ein deutliches Zeichen dafür, dass man für die Auswahl der wichtigsten Bücher zeitlichen Abstand und Wissensvorsprung braucht.

Bei manchen der Jahrhunderttitel stellt sich die Frage, was mehr beeindruckt hat: das Buch oder die Persönlichkeit des Autors. Der Juror David Vaisey, Bodley’s Librarian Emeritus, kreierte die Kategorie "powerful but unread". Zu ihr gehören Bücher, die nicht unbedingt von vielen gelesen wurden, deren Verfasser aber jeder kennt: Einsteins Abhandlungen über die Relativitätstheorie, Marie Curies Forschungen über Radioaktivität, die Schriften Gandhis oder Mao Tsetungs. In diesen Fällen ist das Buch in den Top 105 mehr ein Symbol für die bahnbrechende Wirkung einer wissenschaftlichen Innovation oder der Aura einer Persönlichkeit. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der United Nations von 1949 dürften ebenfalls die wenigsten Menschen als Buch wahrgenommen haben. Als Text spiegelt sie jedoch wie kaum ein anderer das Jahrhundert wider: das Ringen um Menschlichkeit angesichts technisch und bürokratisch perfekter Massenvernichtung. Ganz sicher als Buch wahrgenommen, aber deshalb noch längst nicht gelesen wurde ein Propagandawerk, das einst als Erstbuch in jeden Haushalt gegeben wurde - wahrscheinlich das am häufigsten verschenkte und dabei am seltensten gelesene Buch "Mein Kampf" von Adolf Hitler.

Die Stärke der Ausstellung ist, dass Bücher aus nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vertreten sind: Wissenschaft, Kunst, Politik. Deshalb ist die Bücherschau zugleich eine Erinnerung daran, was den Menschen im 20. Jahrhundert umgetrieben hat. Manchmal gab es das Buch zur Entdeckung, das den Anstoß gab zu einer neuen Forschungsrichtung, zum Beispiel James Watsons und Francis Cricks "Die Doppel-Helix".

Einen guten Teil der Ausstellung bestreiten psychologische und soziologische Schriften. Es ist heute kaum noch vorstellbar, welche Verunsicherung Freuds Persönlichkeitstheorie Anfang des Jahrhunderts verursacht hat. Kunst und Wissenschaft machten sich seine Theorien gleich zunutze: Hitchcock verarbeitete Theorien und Symbole in vielen seiner Filme, und heute kommt kein Kafka-Seminar ohne einen Schnellkurs in Freudscher Psychologie aus. Meilensteine der feministischen Literatur markieren die Front des Geschlechterkampfs. Simone de Beauvoir und Betty Friedan sorgten für die kritische Reflexion von Geschlechterrollen, die Kinsey-Studie von 1948 zum männlichen Sexualverhalten rief (lüsterne?) Empörung hervor.

Der Blick auf politische Wirkung oder (latent) politischen Inhalt hat offenkundig die Auswahl der Jahrhundertbücher dominiert. Auch einige belletristische Titel, die etwa ein Viertel der Liste ausmachen, beschäftigen sich mit politischen Themen - darunter zum Beispiel George Orwells "1984" und Alexander Solschenizyns "Der Archipel Gulag".

Nur ein Lyrikband - T. S. Eliots "Das wüste Land" steht den großen Romanen des westlich geprägten Literaturkanons gegenüber. Viele Titel stammen aus der Feder von (späteren) Nobelpreisträgern: auch Günter Grass’ 1959 erschienene "Blechtrommel" ist ein Ausstellungsstück. Zwischen Pasternak, Nabokov, Havel und Faulkner, Hemingway, Steinbeck ist Platz für sieben deutsche Autoren, deren Namen Koordinaten deutscher Geschichte bilden könnten: Albert Einstein, Max Weber, Bertolt Brecht, Adolf Hitler, Erich Maria Remarque, Thomas Mann und als Jüngster Günter Grass.

Konnte man an den Jahrhundertbüchern denn auch verdienen? An manchen schon. Der Pate aller Ratgeberbücher, Dale Carnegie, schuf mit "Wie man Freunde gewinnt" schon 1936 das Paradebeispiel für einen verkaufsfördernden Titeltext. Und unter den Jahrhundertbüchern sind nicht nur die mit der stärksten Wirkung, sondern auch Bestseller wie die "Geschichten vom braven Soldaten Schwejk" und "Der Herr der Ringe" von John R. R. Tolkien vertreten.

Ein weiteres Ausstellungsstück markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der Buchbranche: Marshall McLuhans "Das Medium ist Massage" von 1967. Es wird wohl dieses Werk sein, das die Befindlichkeit der Büchermacher am meisten geprägt hat. Am Ende des 20. Jahrhunderts wirft McLuhans Buch jedenfalls unweigerlich die Frage auf: Und was für eine Liste wird es 2099 geben?

 

So weit der Artikel aus dem "Börsenblatt". Da es sicherlich zu ermüdend wäre, 105 Autorennamen und Buchtitel hintereinander aufzuzählen, setzen wir die Aufzählung nur soweit fort, bis wir zu einem Titel gelangen, den Sie auch in der DZB ausleihen können (in Punktschrift oder als Hörbuch). Diese Titel stellen wir Ihnen dann in dieser und den nächsten Ausgaben ausführlicher vor. Mit der Zeit haben Sie dann die vollständige Liste. Die Aufzählung beginnt mit dem Namen des Autors, gefolgt vom Buchtitel und erstem Erscheinungsjahr.

 

Die Jahrhundertbücher

  1. Joseph Conrad: "Lord Jim" (1900)
  2. Sigmund Freud:

"Die Traumdeutung" (1900)

ausleihbar als Hörbuch: 19 Kassetten,

BN 2261, Spr.: Isolde Albert (Marburg)

Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud wurde am 6. 5. 1856 in Freiberg/Mähren geboren, er starb am 23. 9. 1939 in London, wo sich auch seine Grabstätte befindet (Krematorium Golder's Green).

Sein Vater Kallamon Jacob, der aus Galizien ins ostmährische Freiberg (heute Pribor) übergesiedelt war, betrieb einen Handel mit Tucherzeugnissen. In dritter Ehe hatte er Amalie Nathanson, Freuds Mutter, geheiratet, die wie Jacob aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammte. Obwohl gänzlich unreligiös, hat sich Freud zeitlebens selbstbewusst zu seinem Judentum bekannt. 1859 zog die Familie nach Wien, wo Freud - von wenigen Auslandsaufenthalten abgesehen - 79 Jahre lebte. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums studierte Freud von 1873 an Medizin. Zu seinen Lehrern gehörten der Physiologe Ernst Wilhelm von Brücke, an dessen Institut er 1876-1882 arbeitete, und der Hirnanatom Theodor Meynert. Die Erfahrungen am Brückeschen Institut waren für den jungen Freud besonders wichtig, da er hier die neue antivitalistische Physiologieschule Hermann Helmholtz' und Emil Du Bois-Reymonds kennen lernte, diHermann Helmholtz' und Emil Du Bois-Reymonds kennen lernte, die Freuds psychologisches Denken - die Annahme der funktionellen Abhängigkeit seelischer Vorgänge von den Reizleitungen des Nervensystems und die Idee eines »psychischen Apparats« - maßgeblich beeinflusste.

Neben seiner Tätigkeit am Wiener Allgemeinen Krankenhaus 1882-1885 untersuchte Freud in Meynerts Laboratorium erstmals das menschliche Zentralnervensystem; seine Spezialisierung zum Neuropathologen war damit vorgezeichnet. In diese Zeit fallen auch Freuds Kokain-Experimente. 1885 wurde er zum Privatdozenten für Nervenkrankheiten ernannt, im selben Jahr wurde ihm ein Stipendium zuerkannt, das ihm erlaubte, ein halbes Jahr an der Pariser Salpêtrière bei dem berühmten Psychiater Jean-Martin Charcot zu lernen. Dadurch rückte das Krankheitsfeld der Hysterie in Freuds Blickfeld, aber anders als Charcot überschritt Freud den rein medizinischen Standpunkt zugunsten einer psychologischen Auffassung der Neurosen.

Nach seiner Rückkehr aus Paris erlebte Freud die Enttäuschung, dass die Wiener "Gesellschaft der Ärzte" seinen neuen Erkenntnissen mit scharfer Ablehnung begegnete. Um finanziell auf eigenen Füßen stehen zu können, eröffnete er eine neurologische Privatpraxis. 1886 heiratete Freud, nach vierjähriger Verlobungszeit, Martha Bernays, mit der er sechs Kinder haben sollte.

In der Folgezeit entdeckte er, gemeinsam mit dem Arzt Josef Breuer, auf dem Weg der Hypnosebehandlung den für die Psychoanalyse zentralen Unterschied zwischen bewussten und unbewussten seelischen Vorgängen. 1895, als die Phase ihrer engen Kooperation bereits vorüber war, publizierten Freud und Breuer ihre "Studien über Hysterie" (Wien), ein Buch, "von dem die Psychoanalyse ihren Ausgang nahm" (Kurt R. Eissler).

Was Freud von dem älteren Breuer trennte, war die Erkenntnis des sexuellen Ursprungs hysterischer Erkrankungen, die Breuer nicht zu teilen vermochte. Im wissenschaftlichen Austausch mit dem Berliner Hals-Nasen-Ohren-Arzt Wilhelm Fließ entwickelte Freud zwischen 1896 und 1899 die Grundzüge der Psychoanalyse, d.h. die Lehre vom Unbewussten, von Verdrängung und Widerstand, die schließlich in der "Traumdeutung" (Wien 1900) ihren gültigen Ausdruck fand. In diesem Werk formulierte Freud seine wesentlichen Erkenntnisse vom unbewussten Seelenleben, die er später zwar im Detail modifizierte und ausbaute, aber im ganzen beibehielt. In der Traumdeutung zeigte Freud, dass die scheinbar sinnlosen, chaotischen Produktionen, die der Traum hervorbringt, einen »Sinn« haben, freilich einen, der ihm auf spezielle Weise abgelesen werden muss. Indem Freud die Gesetze der Traumarbeit entzifferte, machte er den Traum einer Deutung zugänglich, welche den vermeintlichen Un-Sinn als unbewussten Sinn begreift.

Die Publikation des Traumbuchs führte indes zunächst nicht, wie ihr Autor gehofft hatte, zu größerer öffentlicher Resonanz, vielmehr blieb Freud wissenschaftlich isoliert. »Durch mehr als ein Jahrzehnt nach der Trennung von Breuer hatte ich keine Anhänger [...]. In Wien wurde ich gemieden, das Ausland nahm von mir keine Kenntnis«, heißt es in Freuds Selbstdarstellung von 1925.

Gleichwohl arbeitete Freud, nur von einer kleinen Schar Anhänger unterstützt, unbeirrt an der von ihm begründeten Wissenschaft weiter. In dichter Folge veröffentlichte er eine Reihe von Schriften, die der Psychoanalyse allmählich Reputation in ärztlichen wie nichtärztlichen Kreisen verschafften. 1901 erschien "Zur Psychopathologie des Alltagslebens" (Bln.), in der Freud gewöhnliche Zufallshandlungen und Fehlleistungen wie Vergessen, Versprechen, Verschreiben im Sinne eines unvollkommen verdrängten psychischen Materials deutete; 1905 "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" und "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten".

Mit diesen Arbeiten, die den orthodoxen Fundus der Psychoanalyse bilden, gelang es Freud, bedeutende Parteigänger zu gewinnen. Die "Psychologische Mittwochs-Gesellschaft", die sich seit 1902 wöchentlich in Freuds Wohnung in der Berggasse 19 einfand, nahm 1908 den Namen »Wiener Psychoanalytische Vereinigung« an, und im selben Jahr tagte der erste »Internationale Psychoanalytische Kongreß« in Salzburg. Eine Amerikareise 1909, die zu einem großen Erfolg wurde, machte die Psychoanalyse auch in der Neuen Welt bekannt. 1910 wurde unter der Leitung und ersten Präsidentschaft (bis 1914) C. G. Jungs in Nürnberg die »Internationale Psychoanalytische Vereinigung« gegründet.

In dieser schöpferischen Phase veröffentlichte Freud nicht nur einige seiner berühmtesten Fallgeschichten, sondern auch eine Reihe von Arbeiten der angewandten Psychoanalyse, die sich mit Gegenständen der bildenden Kunst und Literatur beschäftigen. Vor dem Ersten Weltkrieg stand die Psychoanalyse im Zenit ihrer öffentlichen Anerkennung. Der Krieg, der Freud anfangs als k. k. Patrioten sah, bedeutete eine tiefe Zäsur in seinem Leben und Werk. Je länger der Krieg dauerte - seine drei Söhne standen im Feld -, desto drängender beschäftigte Freud die Frage nach den psychischen Ursachen menschlicher Aggression. In der kleinen Schrift "Zeitgemäßes über Krieg und Tod" - die Ouvertüre zu Freuds pessimistischem Spätwerk - wagte er sich erstmals an die Frage, warum trotz des kulturell geforderten Tötungsverbots immer wieder individuelle und kollektive Tötungshandlungen durchbrechen. In der Arbeit "Jenseits des Lustprinzips" (Wien 1920) stellte er den lebenserhaltenden Trieben, einschließlich der sexuellen Triebstrebungen, explizit einen Todestrieb gegenüber, dessen stille Tätigkeit darin besteht, alles Lebendige in den Zustand des Anorganischen zurückzuführen. Mit seinem Buch "Das Ich und das Es" (1923) leistete Freud seinen letzten großen theoretischen Beitrag zum Verständnis seelischer Vorgänge, indem er das ältere topographische Modell - die Einteilung der Psyche in Bewusstes, Vorbewusstes und Unbewusstes - durch ein Strukturmodell - Es, Ich und Über-Ich - ersetzte.

Die späten Werke Freuds, so die religionskritische Studie "Die Zukunft einer Illusion" (1927) und "Das Unbehagen in der Kultur" (1930), in dem Freud die menschliche Existenz als vom Kampf der Antagonisten Eros und Thanatos determiniert sah, dokumentieren eindrucksvoll seinen langen Weg von einer streng naturwissenschaftlich geprägten Medizin und Psychologie zu Philosophie, Sozialpsychologie u. Kulturtheorie. Freuds Alterswerk sucht Antworten auf die großen Fragen der Menschheit, wofür etwa der Briefwechsel mit Albert Einstein ("Warum Krieg?" Paris 1932) und die Untersuchung "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" (Amsterdam 1939) zeugen.

Obwohl der Psychologe des Unbewussten den Anstrengungen und Absichten der Ratio höchst skeptisch begegnete, blieb er - der Bewunderer Lessings, Goethes u. Heines - ein Mann der Aufklärung. Aller durchschauten Ohnmacht der Vernunft zum Trotz bekannte sich Freud zum »Gott Logos«. Gegen die Vergötzung des Irrationalismus, wie er in den 20er und 30er Jahren um sich griff, war Freud gründlich gefeit. Seine Schriften wurden am 10. 5. 1933 von den Nationalsozialisten dem Scheiterhaufen überantwortet. Nach dem gewaltsamen Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich im März 1938 wurden Freud und seine Familie zur Emigration gezwungen. Der Schöpfer der Psychoanalyse starb ein Jahr später im Londoner Exil an den Folgen eines langjährigen Krebsleidens.

50 Jahre nach Freuds Tod existiert eine Vielzahl von psychoanalytischen Schulen und Richtungen, die sich deutlich gegeneinander abgrenzen. Üander abgrenzen. Über den Kreis der praktizierenden und wissenschaftlich forschenden Psychoanalytiker hinaus haben psychoanalytische Erkenntnisse und Methoden Eingang in Pädagogik und Gesellschaftslehre, in Politologie, Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft und Philosophie gefunden. Obwohl nie unumstritten, gehört die von Freud begründete Wissenschaft vom Unbewussten zu den modernen Kulturleistungen, die das Wissen des Menschen über sich selbst revolutionär erweitert haben.

(gekürzt aus: Digitale Bibliothek Band 9:

Killy Literaturlexikon)


LOUIS

In der neuen Rubrik "LOUIS" (Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte) finden Sie Tipps und Berichte für computerinteressierte Leserinnen und Leser der "DZB-Nachrichten". Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander, wissenschaftlicher Dokumentar in der DZB. Detaillierte Ausführungen zu den vorgestellten Themen können im direkten Kontakt mit Herrn Jander abgerufen werden:

Telefon (03 41) 71 13 - 1 42

E-Mail: jander@dzb.l.shuttle.de

Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Heute schildert Ihnen Herr Jander seine Erfahrungen mit einem Konvertierungsprogramm:

 

Wie werden Texte lesbar, die mit einem fremden Textverarbeitungsprogramm erstellt worden sind?

von Ulrich Jander

So manch blinder oder sehbehinderter Computerbenutzer stand schon einmal vor dem Problem, dass er vielleicht von Freunden einen interessanten Text auf einer Diskette bekommen hat, jedoch dieser mit seinem üblichen Textverarbeitungsprogramm nicht lesbar ist. Was nun tun?

Es gibt frei verfügbar ein Programm mit dem Namen "VIEW". Es löst genau dieses Problem. "VIEW" (zu Deutsch: Sicht oder Blick) konvertiert - d. h.: überträgt bzw. übersetzt - Windowstextdateien und andere fremde Formate in das ASCII-Format, welches im allgemeinen von blinden und sehbehinderten Computernutzern mit Hilfe einer Braillezeile oder Sprachausgabe verwendet wird. "VIEW" wandelt z. B. WORDPERFECT, WORD, WORD for WINDOWS, AMI PRO, WORDSTAR, WRITE, NOTEPAD, HTML, ASCII, ANSI in ASCII-Dateien um.

Die Vorgehensweise für den Ersteinsatz von "VIEW" ist folgende:

1. Legen Sie z. B. das Verzeichnis VIEW an.

2. Wechseln Sie in das Verzeichnis "VIEW", und kopieren Sie das Programm "VIEW.EXE" von der Diskette, die Sie sich besorgt haben, in dieses neu angelegte Verzeichnis.

3. Der Aufruf des Programms erfolgt mit "VIEW", gefolgt von der möglichen Angabe "Laufwerk:\Pfad\Dateiname". Damit legt man fest, welche Datei konvertiert werden soll. (Die Datei wird konvertiert und auf dem Bildschirm angezeigt.)

4. Jetzt geben Sie F6 ein. Sie werden gefragt, ob die Datei ausgedruckt oder gespeichert werden soll.

5. F2 = Speichern. Jetzt geben Sie den neuen Dateinamen, ggf. mit vorheriger Angabe des Laufwerks und/oder Pfades, an dessen Stelle die neue ASCII-Datei gespeichert werden soll, ein.

6. Danach wird mit F1 die Datei als DOS-Format (ASCII) abgespeichert.

7. Die nächste Frage nach Zeilennummerierung wird mit "n" beantwortet.

8. Mit ESCAPE verlassen Sie das Programm und befinden sich somit im Verzeichnis VIEW.

9. Die Datei ist nun unter dem neuen Dateinamen als ASCII-Datei auf dem von Ihnen unter Punkt 5 angegebenen Laufwerk und/oder Pfad gespeichert.

Wollen Sie die konvertierte Datei erst einmal nur ansehen, so können Sie dies nach vollzogenem Schritt 3 tun. Die dort zur Verfügung stehenden Funktionen entnehmen Sie der Statuszeile am unteren Bildschirmrand.

Das Programm "VIEW" kann man als Freeware am ehesten von blinden oder sehbehinderten Computernutzern, die sich etwas mehr mit Softwareanwendungen beschäftigen, erhalten.

Info-Service

Ein neuer Wandkalender aus der DZB

Als Überraschung zum neuen Jahr bieten wir Ihnen einen dritten, völlig neuen Wandkalender an, den Jahreskalender 2000 in Punktschrift.

Dieser Kalender besteht aus einem einzigen Folieblatt (Format ca. 42 cm x 50,5 cm), auf dem die Kalendarien der 12 einzelnen Monate in normaler Punktschriftgröße dargestellt sind. Dabei sind die 3 Monate eines Quartals jeweils nebeneinander, die 4 Quartale untereinander angeordnet. Gesetzliche bundesweite Feiertage sind zusätzlich hervorgehoben. Für die Anbringung an der Wand ist die Folie an der Oberkante mit einer Leiste versehen, an der sich zwei Ösen befinden.

Mit diesem Wandkalender haben Sie das Jahr 2000 in einem Griff! Der Preis für den neuesten Kalender aus der DZB beträgt nur 5,00 DM.

Neue Lesezeichen

Die neuen Lesezeichen aus der DZB bestehen aus starker weißer Folie, haben die Maße 7,5 cm x 21 cm und sind jeweils mit einer farbigen Reliefabbildung versehen: "Leseratte" am Buch knabbernd und "Sonnenblume". Der Preis pro Lesezeichen beträgt 1, - DM.

 

Grußkarten mit CD

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Grußkarten mit CD

Versenden Sie musikalische Grüße aus Leipzig! Es handelt sich jeweils um eine Klappkarte im Format 10 cm x 21 cm. Außen ist die Klappkarte mit einer farbigen Relief-Abbildung versehen, die einmal das "Völkerschlachtdenkmal" und einmal die "Frontansicht der DZB" zeigt.

Beide Motive tragen die Aufschrift "Musikalische Grüße aus Leipzig", die in der Klappkarte angebrachte CD wartet mit vier repräsentativen musikalischen Beiträgen aus drei Jahrhunderten auf: J. S. Bach aus der Markuspassion "Bei Deinem Grab und Leichenstein"; Felix Mendelssohn Bartholdy aus dem Oratorium Elias: Terzett "Hebe Deine Augen auf"; Johannes Weyrauch "Cantus" aus der Sonate für Orgel; Motette "Multum facit, qui multum diligit".

Der Preis für eine musikalische Grußkarte mit CD beträgt 8,00 DM.

 

Produktetests auf CD

Auf drei CDs bietet Ihnen die DZB eine Sammlung von 20 Produktetests der Stiftung Warentest an, die 1999 im "Ratgeber aktuell" veröffentlicht wurden und die Sie vor teuren Fehlkäufen schützen können.

Die getesteten Produkte sind nach Rubriken, wie z.B. Haushalt und Technik, Kommunikation, Elektronik, Kosmetik, Ernährung geordnet, so dass das gesuchte Produkt schnell aufzufinden ist.

Auf den CDs enthalten sind u.a. die aktuellen Tests folgender Produkte: CD-Radio-Rekorder, HiFi-Videorekorder, CD-Player, Minidisc- und CD-Rekorder, Kaffeemaschinen, Dampfreiniger, Staubsauger, Gefrierschränke, Handys, Satellitenanlagen.

Als großer Vorteil für den Hörer erweist sich der gezielte und schnelle Zugriff auf die Testberichte ohne lange nach einem bestimmten Beitrag suchen zu müssen.

Im Inhaltsverzeichnis erfährt der Hörer die Nummer des jeweiligen Testberichts. Der gewünschte Beitrag kann dadurch sofort aufgerufen werden.

Mit dieser Sammlung starten wir den Versuch, unseren Kunden Informationen auf einem neuen Tonträger anzubieten. Wir begeben uns mit der Produktion und dem Versand auf Neuland und sind auf das Echo unserer Kunden gespannt.

Allen Interessenten bieten wir die Produktetests auf 3 CDs für den Preis von 30,00 DM an.

Mit neuem Namen ins 21. Jahrhundert

Vom 18.-20. November 1999 fand die Landestagung des Bayerischen Blindenbundes e.V. in München statt.

Der Verband stellte dabei der Öffentlichkeit seine Konzeption 2000 vor und würdigte die Verdienste des Bayerischen Rundfunks bei der Einführung des Hörfilms und dem Ausbau der Hörfunkprogramme mit der Verleihung des Integrationspreises.

Weiterhin wurden weitreichende Satzungsänderungen beschlossen:

  1. Der Name des Verbandes wurde geändert in Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.
  2. Eine Mitgliedschaft im Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. ist nun auch für Sehbehinderte mit einem Sehvermögen bis 3/10 möglich.
  3. Organisationen und Einrichtungen des Blinden- und Sehbehindertenwesens in Bayern können nun korrespondierende Mitglieder werden.
  4. Zukünftig ist für Satzungsänderungen die 2/3-Mehrheit ausreichend. Bisher war eine ¾-Mehrheit nötig.

Der neue Landesvorstand setzt sich wie folgt zusammen:

Landesvorsitzender - Gustav Doubrava, stv. Landesvorsitzender - Otto Umscheid, Beisitzer - Herbert Demmel, Judith Faltl, Thomas Hoffmann, Wolfgang Kurzer, Jutta Winter (Thomas Hoffmann wurde für Robert Weichmeier, der andere Aufgaben im Verein übernimmt, in den Vorstand gewählt).

 

Barrierefrei zur EXPO 2000

Behinderte Besucher der EXPO 2000 (1. Juni bis 31. Oktober 2000) können sich ab sofort mit Hilfe eines speziellen Anreiseführers auf die Weltausstellung vorbereiten: "Anreiseführer zur EXPO 2000 - Aufenthalt und Übernachtung für Behinderte", herausgegeben von der EXPO 2000 Hannover GmbH und dem Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen. Er richtet sich nicht nur an Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, sondern er enthält auch zahlreiche Hinweise für Blinde/Sehbehinderte und Hörgeschädigte/Gehörlose. Das mehr als 300 Seiten starke Handbuch kann über die Service-Hotline der EXPO 2000 (05 11) 8 40 47 11 25 oder per E-Mail unter

Anreisefuehrer.behinderte@haj.expo2000.de

bestellt werden. Interessierte können sich auch an den Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen, Postfach 141, 30001 Hannover wenden.

In Zusammenarbeit mit dem Büro des Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen haben Aline Wagener und ein neunköpfiges Team aus Betroffenen und Vertretern von Interessen- und Sozialverbänden zwölf Monate lang Reiseverbindungen und Adressen für den Aufenthalt in Niedersachsen gesammelt. Auch der Initiator Klaus Neuhaus arbeitete tatkräftig mit. Auf die Idee, einen solchen Anreiseführer für Behinderte zu erstellen, ist er anlässlich eines Besuches der Weltausstellung in Sevilla '92 gekommen.

Mit wichtigen Details über die Anreise nach Hannover und das Expo-Gelände selbst macht der Reiseführer den Weg frei für Besucher jeden Alters und Behinderung. So wird darauf hingewiesen, wie und wo man sich beispielsweise bei der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln an entsprechende Servicenummern wenden sollte. Für die Übernachtung in Niedersachsen hält er über 150, nach festgelegten Kriterien ausgewählte, auf ihre Barrierefreiheit hin beurteilte Adressen bereit und gibt Tipps zu lokalen Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Die Stadt Hannover als Gastgeber wird dabei ausführlich behandelt. So ist etwa die behindertengerechte Anbindung der aufgelisteten Einrichtungen an das Bus- und Stadtbahnnetz im einzelnen aufgeführt. "Das Besondere ist, dass dieser Reiseführer erstmalig örtliche Ansprechpartner in den Kommunen und Gemeinden nennt", berichtet Expo-Projektmitarbeiterin Grit Rottenberg vom Bereich Betrieb und Sicherheit.

Der "Anreiseführer zur EXPO 2000" enthält auch alles Wissenswerte über Einrichtungen und Services auf dem Weltausstel;lt auch alles Wissenswerte über Einrichtungen und Services auf dem Weltausstellungsgelände. Zum Beispiel, wo es Parkplätze für Behinderte gibt, wie Rollstuhlfahrer die Seilbahn benutzen können oder wo sich behindertengerechte Eingänge befinden. Auch auf spezielle Führungen für Behinderte wird hingewiesen.

Im nächsten Schritt wird das Reise-Handbuch durch den Behindertenbeauftragten mit Unterstützung der EXPO 2000 für das Internet zu einem Reiseführer "Barrierefrei durch Niedersachsen" weiterentwickelt.

Unter http://www.barrierefrei-reisen.de soll der Reiseführer auch nach Ende der Weltausstellung ständig aktualisiert werden.

 

Lehrgänge des DBBW

Thema: "Der Bürger im sozialen Rechtsstaat"

vom 07.-09.04.00

im Blindenerholungsheim, 56271 Mündersbach

für 500,00 DM pro Person inkl. VP.

Anmeldeschluss: 25.02.00

Thema: "Einführung in die Rhetorik"

vom 25.-30.06.00

im Haus Valbert, 58540 Meinerzhagen

für 1.148,00 DM pro Person inkl. VP.

Anmeldeschluss: 12.05.00

Kontaktadresse für alle Veranstaltungen:

DBBW - Deutsches

Blindenbildungswerk gGmbH

Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein

Tel.: (0 76 21) 79 92 30; Fax: (0 76 21) 79 92 31

e-mail: dbbw@stepnet.de


Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM). Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.

Herausgeber, Verlag und Druck: Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB),

Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,

Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig

Telefon: (03 41) 71 13 - 0,

Telefax: (03 41) 71 13 - 1 25

Internet: www.dzb.de  E-Mail:info@dzb.de

Redaktion: Karsten Sachse,

Telefon (03 41) 71 13 - 1 35

Abonnements, Anzeigen: Ilona Portleroy, Telefon (03 41) 71 13 - 1 20. Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Für alle anderen Anzeigen gilt unsere Anzeigenpreisliste: pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).

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