DZB-Nachrichten


Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 4/2000 Juli/August 10. Jahrgang
 
 

 

Inhalt
 
 

Vorbemerkung

Unsere Postecke

Einblicke

Die DZB-Kalender für 2001

University of Wales Swansea Recording Centre for the Blind (UWS)

Die Kramkiste

Maxie Wander: Guten Morgen, Du Schöne

Marcus Clarke: Lebenslänglich

"Das muss ein Stück vom Himmel sein"

Autorenporträt

Edgar Wallace

Bücher des Jahrhunderts

LOUIS

Interessante Angebote im Internet

Witch - die Suchmaschine, die hexen kann

Die Tageszeitung "TAZ" im Textformat

Info-Service

Begleittexte auch in Schwarzschrift

E-Mail-Adressen der Bibliothek

Deutsche Blindenschriftsystematik auf Diskette und aus dem Internet erhältlich

Reha.Komm Berlin 2000

Tagungen in der DZB

DAISY-Workshop

Festveranstaltung: 6 Richtige - 175 Jahre Brailleschrift

Tag der offenen Tür in der DZB

Seminarankündigung

Aktuell zur EXPO 2000

Lehrgänge des DBBW

Impressum


 
 

Vorbemerkung

 

 
 
 

In der letzten Ausgabe veröffentlichten wir eine Meldung der Berliner Hörbücherei zu Videos mit Audiodeskription. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Telefonnummer des Telefoninfosystems für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde erwähnt (96 25 13 50). Diese Nummer müsste um die Vorwahl 030 ergänzt werden.

"Müsste" deshalb, weil auch mit korrekter Vorwahl leider noch keine Verbindung zustande kommt.

Wie uns der Geschäftsführer der Berliner Hörbücherei, Herr Eberhard Dittrich, mitteilte, ist die Rufnummer wider Erwarten immer noch nicht freigeschaltet. Sobald das Telefon-Infosystem für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde nutzbar ist, wird uns die Berliner Hörbücherei darüber informieren und wir werden die Information an Sie weitergeben.
 
 

Die "Postecke" fällt heute mangels Posteingang etwas dürftig aus, aber nach der "Sommerpause" wird sich das ja wohl gegeben haben. Überhaupt werden jetzt schon die Weichen für einen fleißigen Herbst gestellt, wie Sie aus den Ankündigungen des Info-Service entnehmen können.

Ihre besondere Aufmerksamkeit möchte ich jedoch auf unseren Einblick in die Themen der Relief-Wandkalender für das nächste Jahr lenken. Und ich möchte bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass die Wandkalender nur in einer begrenzten Stückzahl hergestellt werden, eine Nachauflage ist nicht möglich. Vorbestellungen werden schon jetzt angenommen.
 
 

Kommen Sie gut über den Sommer, bis zum (hoffentlich) etwas kühleren Herbst verabschiedet sich
 
 

Ihr Karsten Sachse.
 
 
 
 
 
 

Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

 
 

Herr Erich Eiben aus Frankfurt/M. schreibt:
 
 

"(...) Da kommt sie mir schon wieder unter die Finger, diese Anzeige, die offensichtlich in allen Zeitschriften der DZB erscheint. Aus welchen Gründen diese 'Neuheit' immer wieder publiziert wird, hat hoffentlich insofern großen Nutzen, dass der Initiator dafür ordentlich bezahlen muss und die DZB auf diese Weise fördert. Nicht, dass Sie meinen, ich hätte etwas gegen Erotik. Gleichwohl werde ich den Verdacht nicht los, dass es sich bei diesem 'hocherotischen Roman nur für Erwachsene' um ziemlich angeschmutzte Literatur handelt, die in dieser Form von einem seriösen Institut wie der DZB nicht angeboten werden muss, auch wenn dafür viel Geld im Kasten rasselt (...)."
 
 

Post per E-Mail erhielten wir auch noch einmal von Herrn Günther Meier:
 
 

"(...) so entstehen Irrtümer: Mein Jubel über die neue Verpackung bezog sich - leider - nur auf die Verpackung des 'Literaturtreffs' 13/2000, denn nur dieser war in einem nicht verschweißten Kunststoffumschlag verpackt. Letztlich ist mir der Inhalt aber wichtiger als die Verpackung, und der ist - erfreulich in einer angebotsorientierten Wirtschaft - unvergleichlich besser (...)."
 
 

BEMERKUNG DER REDAKTION

Dass nun alle Zeitschriften in Folie verpackt werden, ist unumgänglich. Bisher wurden die Zeitschriften per Hand verpackt. Jedes Exemplar musste einzeln mit dem Papierumschlag versehen werden, auf den dann noch die Adresse aufgeklebt wurde. Inzwischen liefert die DZB so viele Zeitschriften aus, dass die Verpackung der einzelnen Exemplare per Hand einen nicht mehr vertretbaren Arbeitsaufwand darstellt. Deshalb wurde eine technische Lösung angestrebt und in Form der Verpackungsmaschine gefunden. Die verpackt nun die Zeitschriften in Folie. Umwelttechnisch dürfte das aber dennoch kein Problem darstellen, da die Folien ja Verpackungsmüll darstellen und entsprechend entsorgt werden können (und sollten).
 

Einblicke

 

Die DZB-Kalender für 2001

 

 
 
 

Derzeit werden die Kalender für das nächste Jahr produziert. Insgesamt sechs verschiedene Kalender mit unterschiedlichen Gestaltungs- bzw. Ausstattungsvarianten werden im Angebot sein. Hier ein Überblick:
 
 

    Relief-Wandkalender für Erwachsene mit dem Titel "Tiere im Umkreis der Pole". Thema dieses Kalenders ist die Tierwelt in den polaren Gebieten unserer Erde: im arktischen Raum rings um den Nordpol und im antarktischen Raum rings um den Südpol. Entgegen landläufiger Meinung hat sich eine erstaunliche Vielfalt tierischer Lebewesen an diese raue Umgebung angepasst. Der Kalender stellt einige vor, darunter Königspinguin, Dallschaf, Sterntaucher, Karibu, Vielfraß und Moorschneehuhn. (Preis: 45,- DM)
    Relief-Wandkalender für Kinder mit dem Titel "Der Zauberer der Smaragdenstadt". Der Kalender stellt die Helden des gleichnamigen Märchens von Alexander Wolkow vor. Zunächst als freie Wiedergabe des Buches "The Wizard of Oz" von Lyman Frank Baum entstanden, wurde es in zahlreichen Teilen fortgesetzt. So entstand die Zauberland-Reihe, die in der DZB auf Audio-Kassette ausleihbar ist.
Der Kalender stellt die unzertrennlichen Gefährten Elli, Scheuch, Eiserner Holzfäller und Löwe sowie ihre Freunde und ihre Widersacher vor und schildert ihre Abenteuer sozusagen als Illustration des Hörbuches. (Preis: 45,- DM)
    Jahres-Wandkalender in Punktschrift. Er besteht aus einem einzigen Folieblatt (Format ca. 33 cm x 51 cm), auf dem die Kalendarien der 12 einzelnen Monate dargestellt sind. Dabei sind die 3 Monate eines Quartals jeweils nebeneinander, die 4 Quartale untereinander angeordnet. Gesetzliche bundesweite Feiertage sind zusätzlich hervorgehoben. Für die Anbringung an der Wand ist die Folie an der Oberkante mit einer Leiste versehen, an der sich zwei Ösen befinden. Mit diesem Wandkalender haben Sie das Jahr 2001 in einem Griff! (Preis: 7,50 DM)
    Punktschrift-Taschenkalender Ausgabe A im Format 11 x 13 cm, Vollschrift (Monatskalendarium mit der Angabe der bundesweiten gesetzlichen Feiertage), Klammerheftung. (Preis: 4,- DM)

    Punktschrift-Taschenkalender Ausgabe B im Format 11x13 cm, Kurzschrift (mit zusätzlichen Feiertagen, Terminen für die Schulferien in den Bundesländern, Notizblättern, Ringbindung. (Preis: 10,- DM)

    Großdruck-Taschenkalender im Format 12x14 cm: dem Monatskalendarium schließt sich ein Wochenkalendarium an, jede Woche umfasst eine Doppelseite, pro Werktag zwei Zeilen für Eintragungen. Die Angaben zu Feiertagen, Schulferien etc. entsprechen denen in der B-Ausgabe des Punktschrift-Taschen-kalenders. (Preis: 10,- DM)

Ihre Bestellung nehmen wir an

unter Tel. (03 41) 71 13 - 119.
 
 
 
 

University of Wales Swansea Recording Centre for the Blind (UWS)

Nicht nur an deutschen Universitäten gibt es Aufsprachedienste für blinde und sehbehinderte Studenten. Ein Schreiben aus Großbritannien machte uns mit einer britischen Einrichtung dieser Art bekannt und wir möchten die Informationen an Sie weitergeben:

 
 

Das UWS-Aufnahmezentrum für Blinde wurde im Oktober 1994 mit finanzieller Unterstützung des Hochschul-Finanzierungsrates von Wales und des Königlichen Nationalen Instituts für Blinde (RNIB) eröffnet. Aufgabe des Zrungsrates von Wales und des Königlichen Nationalen Instituts für Blinde (RNIB) eröffnet. Aufgabe des Zentrums ist es, sehbehinderte und blinde Studenten in Swansea schnellstmöglich mit Texten in dem für sie geeigneten Format zu versorgen - Tonband, Blindenschrift oder Großdruck. Das UWS ist eines von 8 RNIB-Übertragungs- und Aufnahmezentren in Großbritannien, von denen sich wiederum vier in Universitäten befinden.

Drei Studios, identisch mit denen im RNIB-Aufnahmezentrum in Peterborough und entsprechend den RNIB-Aufnahmestandards ausgerüstet, sind 5 Tage in der Woche von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Gelesen wird von Freiwilligen sowohl aus der Uni als auch aus der Kommune. Jeder von ihnen liest pro Woche eine Stunde, um akademisches Material auf Audiokassetten hörbar zu machen. Dabei greift das Zentrum auf Leute mit Kenntnissen in den aufzusprechenden Fachgebieten zurück und benutzt Muttersprachler für Fremdspracheaufnahmen. Die Mutterbänder der Aufnahmen werden zur RNIB-Hörbibliothek geschickt, wo sie für Blinde und Sehbehinderte im ganzen Land zugänglich gemacht werden.

Neben kompletten Büchern überträgt das Aufnahmezentrum auch Vortragsmanuskripte, Mitteilungsblätter, Texte, Artikel und Leselisten. Für Studenten, die ihr Material in Blindenschrift oder in Großdruck bevorzugen, gibt es den gleichen Übertragungsservice. Texte können an das Zentrum durch E-Mail oder auf Diskette geliefert werden. Wenn Texte nicht elektronisch vorhanden sind, werden sie vom Originaldruck gescannt und anschließend bearbeitet, bevor sie übertragen oder ausgedruckt werden.

Die Dienstleistungen, die durch das Aufnahmezentrum angeboten werden, umfassen auch das direkte Vorlesen der Texte. Mit Hilfe von Bibliothekskatalogen und CD-ROMs werden ebenfalls Recherchen angeboten. Das Zentrum bietet seine Übertragungsdienstleistungen neben den Studenten auf dem Campus auch externen Klienten an. In diesem Jahr werden 9 Studenten der Sozialpolitik, Politikwissenschaft, Geschichte, Amerikanistik, Romanistik und Germanistik unterstützt.

Weitere Informationen über das UWS-Aufnahmezentrum, einschließlich eines Kataloges der Aufnahmen, können über die Website http://www.swan.ac.uk/lis/rfbc/index.htm eingeholt werden.


 
 

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

 
 

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.
 
 

Maxie Wander: Guten Morgen, Du Schöne

empfohlen von Susanne Siems
(Punktschriftbibliothek)

 
 

Neulich las ich ein Buch, sehr gut geschrieben, da erzählte ein Schriftsteller von seiner Reise zwischen Ost- und Westdeutschland. Selbst von Konflikten zerrissen, rechnete er mit dem, was landläufig als DDR-Literatur bezeichnet wurde, gründlich ab.. Der Roman bzw. sein Schreiber nötigten mir Achtung ab, dennoch tat der Umgang mit Büchern, die mir einmal sehr wichtig waren und auch heute noch Teil meines Literaturverständnisses sind, weh. Zu diesen Autoren zählte auch die in der DDR lebende österreichische Schriftstellerin Maxie Wander. Ihr 1977 erschienenes Buch "Guten Morgen, Du Schöne. Protokolle nach Tonband" war in der DDR eines der meistgelesenen und sehr geschätzten Bücher. Spannend erschien es mir, dieses Buch, heute im Jahr 2000, wieder in die Hand zu nehmen. Nun bin ich fast so alt wie die Autorin damals, habe aber einen vollkommen anderen geschichtlichen Hintergrund.

Die Idee Maxie Wanders ist nicht neu und auch von anderen Autoren häufig benutzt worden. 19 Frauen geben Auskunft über ihr Leben, vor allem ihre Vorstellung von Glück und persönlicher Erfüllung. Diese Frauen sind verschiedenen Alters. Da ist die achtzehnjährige Gudrun, voll Erwartung blickt sie auf ihr Erwachsensein. Erika, gerade in der Lebensmitte, wurde vor kurzem von ihrem vergötterten Ehemann geschieden. Mit unbeschreiblicher Tapferkeit und gewachsenem Selbstbewusstsein beginnt sie nun ein neues Leben. Die Hochschulabsolventin steht neben der Achtklässlerin, die Mutter von vier Kindern neben der Unverheirateten. Jede dieser Frauen berichtet in der ihr eigenen Sprache über ihre Erfahrungen und Vorstellungen von dem, was sich Leben nennt. Es zeigt sich, dass auch dort, wo scheinbar nichts passiert, für den Einzelnen immer kleine oder große Kämpfe stattfinden. Wie ist das, wenn man aus einem christlichen Elternhaus kommt und einen Marxisten heiratet? Wichtig sind immer die Bezugspersonen, die Vorbilder. Da werden Erlebnisse aus der Kindheit erzählt, manchmal traurig, manchmal humorvoll, manchmal beides zugleich. Ruths Antwort auf die Frage "Was fällt Dir ein, wenn Du schön hörst?" zum Beispiel: Sie sagt "No ja, Stalin, beispielsweise, dessen Bild hing bei meiner Mutter im Kleiderschrank". Das über sich selbst Lachenkönnen, auch wenn man eigentlich ganz tief unten ist, bringt dem Leser diese Protokolle so nahe. Man spürt eine fast unheimlich wirkende Ehrlichkeit und Offenheit der Autorin gegenüber. Es sind Frauen, die sich Gedanken über große und kleine Dinge machen, die Leben nicht als Schicksal sehen, sondern als etwas, was sie bis zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen können. Natürlich spielt auch der sozialistische Alltag mit Parteiversammlung, Kollektiv der sozialistischen Arbeit, Planzahlen und viel hohlem Gerede eine wesentliche Rolle, gehörte er doch zum Leben in der DDR dazu wie heute die Arbeitslosenquote, Koalitionsverhandlungen und die Ergebnisse der Bundesliga. Da stellt sich bei der Nichtgenossin Erika schon mal dieKoalitionsverhandlungen und die Ergebnisse der Bundesliga. Da stellt sich bei der Nichtgenossin Erika schon mal die ironische Frage, wie sie nach der Scheidung aus dem Sohn des überzeugten Marxisten einen aktiven Genossen machen soll. Befremdlich wirkt heute zum Beispiel, wie Ute gegenüber einer holländischen Urlaubsbekanntschaft ihr Bekenntnis zur DDR formuliert. Anderseits war ich beim jetzigen Lesen beeindruckt von der Aktualität vieler Ansichten und Äußerungen. Rosi spricht vom sozialistischen Konformismus und davon, dass wir versagen, wenn einer irgendwie aus der Norm fällt, "wenn einer Kummer hat, wenn es ans Sterben geht, wenn einer Pole ist...". Und wie sieht es denn im Jahr 2000 in diesem Land aus? Jedenfalls so, dass ich immer noch sehr sensibel auf dieses Buch reagiere. Es wird all jenen etwas geben, die Interesse an Menschen haben, an Biographien, die sich gern mit anderen unterhalten, zuhören, vielleicht auch ein wenig über die eigenen Befindlichkeiten nachdenken wollen.

Lassen Sie mich noch kurz etwas zum Titel sagen. "Guten Morgen, Du Schöne" - wer von uns, liebe Leserinnen und auch Leser, würde nicht gern mit diesem Satz seinen Tag beginnen. Schon im Titel zeigt sich die Faszination des gesamten Buches. Die Autorin bietet uns quasi das Du an, fordert zum Dialog auf. In diesem einen Gruß stecken Bewunderung und Ermunterung gleichzeitig. Sie sagt "Du bist schön", das umfasst äußere und innere Schönheit gleichermaßen. Dieser Glaube an die Menschen überträgt sich wie von selbst auf die Porträtierten und die Leser.

Tragisch, dass so einer Frau wie Maxie Wander, die mit ihrem Buch vielen Menschen Mut und Kraft gegeben hat, das Leben selbst böse mitspielte. Sie starb 1977 kurz nach dem Erscheinen ihres Buches im Alter von 43 Jahren an Krebs.

Falls ich Sie mit diesem Beitrag zu einer Ausleihe anregen konnte, hier die Angaben zur Punktschriftausgabe:

Wander, Maxie: Guten Morgen, Du Schöne.

5 Bde., rkh. BNA 6484
 
 

Marcus Clarke: Lebenslänglich

empfohlen von Jana Waldt
(Hörbücherei)

 
 

Heute habe ich ein Buch ausgewählt, das mich in meiner Jugend einmal sehr gefesselt hat: "Lebenslänglich" von Marcus Clarke.

Der Autor Marcus Clarke lebte von 1846 bis 1881. Als einziger Sohn eines Londoner Juristen kam er mit 18 Jahren nach Melbourne. Dort wurde er Mitarbeiter einer Tageszeitung und trug für eine Artikelserie Tatsachenmaterial über die Sträflingslager Australiens zusammen. Diese Erforschung eines der düstersten Kapitel der englischen Kolonialgeschichte beschäftigte ihn so sehr, dass er dieses Material zu einem Roman verarbeitete.

Im Jahre 1834 wird die Strafkolonie Vandiemensland, die "natürliche Besserungsanstalt" Seiner Britischen Majestät, zum Schauplatz eines aufsehenerregenden Geschehens. Zehn Gefangene bemächtigen sich in einem tollkühnen Handstreich der Brigg Ospery und suchen mit ihr das Weite, nachdem sie Mrs. Vickers, die Frau des Kommandanten von Macquarie Harbour, ihre 12-jährige Tochter Sylvia und die beiden Schiffsoffiziere an einer unbewohnten Küste ausgesetzt haben.

Der spannende Roman verfolgt sowohl den Weg der Flüchtlinge als auch das Schicksal der Ausgesetzten: Die schwerkranke Kommandeursgattin stirbt; in Sylvia, die tagelang in tiefer Bewusstlosigkeit liegt, ist jede Erinnerung an gute und böse Erlebnisse ausgelöscht. Als heldenmütigen Retter Sylvias feiert später alle Welt Leutnant Frere, einen der zwei Schiffsoffiziere. Sein Heldentum war aber nur möglich geworden, weil die kleine Gemeinschaft auf einen weiteren entflohenen Sträfling namens Rufus Dawes stieß.

Die tragischen Verwicklungen, die dem Sträfling Rufus Dawes zum Verhängnis werden und gleichzeitig das Schicksal des Mädchens Sylvia bestimmen, sind keineswegs das einzige Spannungsmoment des Buches. Marcus Clarke versteht es meisterhaft, den Leser von Höhepunkt zu Höhepunkt zu führen. Aus dem Abenteuerroman, den Clarke ursprünglich schreiben wollte, wurde durch sein psychologisches Einfühlungsvermögen und seine genaue Charakterisierung der Personen ein Roman, der zwar Elemente des Abenteuerlichen in sich trägt, aus dem aber vor allem eine tiefe Menschlichkeit spricht.

Das Hörbuch besteht aus 16 Kassetten, wird von Günter Bormann gesprochen und kann unter der Bestell-Nr. 1201 ausgeliehen werden.
 
 

"Das muss ein Stück vom Himmel sein"

 

 
 
 

"Das gibt's nur einmal, das kommt nicht wieder", "Das ist die Liebe der Matrosen", "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen", die Melodien kennt fast jeder; auch Chansons wie "Das Leibregiment / Die Trommel" oder "Die kleine Stadt" mit den Texten von Tucholsky bzw. Mehring und Lubitschs Filme "Ninotschka" oder "To be or not to be" sind einem breiteren Kreis bekannt. Von ihrem Komponisten hingegen weiß man in der Regel nichts, kennt kaum seinen Namen: Werner Richard Heymann.
 
 
 
 

Als fünfter Sohn eines jüdischen Getreidehändlers 1896 in Königsberg geboren, spielt er bereits mit zwölf Jahren im dortigen Philharmonischen Orchester und beginnt früh zu komponieren. 1912 kommt er nach Berlin, wo Lied- und Orchesterkompositionen entstehen; 1918 wird seine "Rhapsodische Sinfonie" von den Wiener Philharmonikern unter Felix Weingartner uraufgeführt.

Schon im elterlichen Haus mit Künstler- und Literatenkreisen vertraut, verkehrt er während des ersten Weltkriegs mit den expressionistischen Pazifisten und den Dadaisten. Zu seinem umfangreichen Freundes- und Bekanntenkreis zählen Pechstein, Erich Mendelssohn, Tucholsky, Korngold, Becher, Heinrich Eduard Jacob, Mehring, Karlheinz Martin, Klabund, Hasenclever, Grosz, Blei, Werfel, Kisch, Stefan Zweig u. a. Auf Heymanns ausgeprägte Fähigkeit zu Freundschaften und Geselligkeit spielt auch der Filmschlager im Ausstellungstitel an: "Ein Freund, ein guter Freund..."

Nach der Bühnenmusik zur Uraufführung von Tollers "Die Wandlung" schreibt Heymann 1919/20 Musik für Reinhardts Kabarett "Schall und Rauch", arbeitet mit den Komponistenkollegen Hollaender und Spoliansky, komponiert und spielt für Rosa Valettis "Cabaret Größenwahn", ist 1921 bis 23 musikalischer Leiter von Trude Hesterbergs "Wilder Bühne". In diesen Jahren vertont er insbesondere Texte von Mehring, Klabund, Tucholsky und Leo Heller.
1923 kommt Heymann zum Film, schreibt - ab 1926 als Generalmusikdirektor der Ufa - die Musik zu zahlreichen Stummfilmen, u.a. zu Murnaus "Faust", Langs "Spione", Francks "Der große Sprung".

Nach der musikalischen Leitung des ersten Ufa-Tonfilms "Liebeswalzer" 1929 ist er drei Jahre lang der erfolgreichste Filmkomponist der Ufa, zumeist in Produktionen von Erich Pommer: "Die drei von der Tankstelle", "Ein blonder Traum", "Der Kongress tanzt", "Bomben auf Monte Carlo" u. a. Die kongenialen Texte der meisten Filmschlager und Evergreens schreibt Robert Gilbert; Interpreten sind u. a. Lilian Harvey, Willy Fritsch, Oskar Karlweiß, Heinz Rühmann, Hans Albers, Paul Hörbiger, die Comedian Harmonists. Wenige Tage nach der Rückkehr von den Dreharbeiten zu "Saison in Kairo" verlässt Heymann im April 1933 Deutschland.

Die erste Exilstation ist Paris; Heymann komponiert zwei Operetten für die "Bouffes parisiens". In Hollywood, wo er 1936 eintrifft, fasst er schwer Fuß, kann dann aber bis 1950 die Musik zu 44 Filmen - darunter sechs von Ernst Lubitsch - schreiben und erhält vier Oskar-Nominierungen. 1951 kehrt er nach Deutschland zurück, lebt in München, Salzburg und Locarno. Neben Chansons und Bühnenarbeiten ("Professor Unrat" nach H. Mann, "Kiki von Montmartre") entstehen Filmmusiken, u. a. zu "Heidelberger Romanze" mit L. Pulver und O. W. Fischer, "Alraune" mit Hildegard Knef und den Remakes von "Der Kongress tanzt" und "Die drei von der Tankstelle". Werner Richard Heymann stirbt 1961 in München.

(Aus der Pressemitteilung der Berliner Akademie der Künste zur Ausstellung "'Ein Freund, ein guter Freund ...' Der Komponist Werner Richard Heymann" vom 14. März bis 2. April 2000)
 
 

Der künstlerische Nachlass Werner Richard Heymanns wird von der Musikabteilung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Berlin, betreut; dort liegt auch ein umfassendes Werkverzeichnis vor.

"Das muss ein Stück vom Himmel sein", so lautet auch der Titel einer Revue, die dem Schaffen Werner Richard Heymanns gewidmet ist. Die Macher des Programms, das sind bekannte Namen aus der deutschen Rock-, Folk-, Theater-, Kabarett- und Liedermacher-Szene: Scarlett O' (Folkband Wacholder), Steffen Mensching (Dichter, Schauspieler, Kabarettist u.a. Duo Mensching/Wenzel), Jürgen Ehle (Rockband Pankow, B. Thalheim), Jan Hermerschmidt (Aufwind, Ahava Raba), Stefan Dohanetz (Rockband Pankow, M. Theodorakis), Matthias Binner (Lubowa, The Teens).
 
 

Die CD zum Programm ist bei Duophon, Edition Berliner Musenkinder, erschienen (Bestell-Nr.: 01893). Darauf befinden sich einige der bekanntesten Kompositionen Heymanns in der Interpretation von Scarlett O' & 'the little big band' mit Steffen Mensching als Gast.
 
 

Das Begleitheft zur CD wurde in der DZB in Blindenschrift übertragen und ist als Broschur im Format A4 zusammen mit der CD für 35 DM in der DZB erhältlich.
 
 
 
 
 
 
 
 

Autorenporträt

 

Edgar Wallace

 

 
 
 

Edgar Wallace zählt neben Agatha Christie zu den populärsten und erfolgreichsten Vertretern des britischen Kriminalromans. Mit Klassikern wie "Der Hexer" (1925), "Der Zinker" (1927) oder "Das Gasthaus an der Themse" (1929) schrieb er Krimigeschichte. Rund 175 Romane und Erzählungen, 1000 Kurzgeschichten, 15 Theaterstücke und zahllose Artikel flossen aus der Feder des Briten, den Graham Greene einst "eine lebende Buchfabrik" nannte. Noch heute werden jährlich ca. eine Million seiner Bücher verkauft.

Vor 125 Jahren wurde Richard Horatio Edgar Wallace in den Slums von Greenwich als uneheliches Kind YLE="font-size: 11pt">Vor 125 Jahren wurde Richard Horatio Edgar Wallace in den Slums von Greenwich als uneheliches Kind der Schauspielerin Mary Polly Richards geboren. Das genaue Datum ist unbekannt, er selbst feierte seinen Geburtstag immer am 1. April. Im Taufregister wurde als Vater ein Walter Wallace angegeben (ein frei erfundener Name, der wirkliche Vater war ein Kollege seiner Mutter, der gerade eine andere Frau geheiratet hatte). Die Mutter gab den Jungen zur Adoption frei, ein Fischhändler adoptierte ihn. Edgar besuchte die Elementarschule Peckham, verdingte sich bereits mit 12 Jahren als Laufjunge und Zeitungsverkäufer, lernte in einer Druckerei, war Smutje auf einem Fischkutter, Milchmann. Mit 18 Jahren ging er freiwillig zum Militär, diente als Sanitäter auf einer Syphilis-Station. 1896 wurde er nach Südafrika versetzt. Dort begann Wallace mit dem Schreiben, zunächst lyrische Texte - er unterhielt seine Patienten mit selbst gereimten Knittelversen - , später auch Artikel für verschiedene Zeitschriften und Kurzgeschichten, die Grundlage für seine Afrika-Romane.

Zu Beginn des Burenkrieges (1899-1902) kaufte sich Wallace vom Militär frei und arbeitete als Nachrichtenkorrespondent und Reporter; berichtete für "Daily Mail" und die Nachrichtenagentur Reuter, später war er als Herausgeber für südafrikanische und englische Zeitungen tätig. Durch Spekulationsgeschäfte nahezu bankrott kehrte Wallace nach England zurück, fand erneut eine Anstellung als Reporter und ging wieder nach Südafrika. Dort heiratete er die Tochter eines Missionars. 1903 verließ er Südafrika endgültig und ließ sich in England nieder. Sein erster Krimi, 'Die vier Gerechten', erschien 1905. Mit einer groß angelegten PR-Kampagne für sein im Eigenverlag erschienenes Buch überforderte er sich finanziell und machte bankrott. 1908 fand er für seinen zweiten Kriminalroman einen Verleger. 172 weitere Bücher sowie 17 Dramen sollten im Lauf der Jahre folgen.

Im Ersten Weltkrieg arbeitete Wallace als Kriegsberichterstatter für die Zeitschrift "Birmingham Post". 1918 setzte er seine schriftstellerische Tätigkeit mit weiteren Afrika-Romanen fort, daneben schrieb er auch Sketche und Liedtexte für verschiedene Revuen. Die heute nur noch historisch bedeutsamen Afrika-Romane bescherten ihm erste literarische Erfolge und üppige Einnahmen: Wallace legte sich einen Rennstall sowie drei Wohnsitze in London zu und feierte rauschende Feste. Seine Ehe wurde 1920 geschieden, ein Jahr später heiratete er seine Stenotypistin Violet King.

Der ganz große Erfolg kam dann 1926 mit dem Theaterstück "The Gaunt Stranger", das sich über ein Jahr auf dem Spielplan hielt und später zu dem Roman "The Ringer" (dt.: "Der Hexer") umgearbeitet wurde. In den nächsten Jahren entfaltete Wallace eine ungeheure Schaffenskraft, die auch erforderlich war, da er sein Geld genauso schnell ausgab, wie er es verdiente. Vor allem verlor er viel Geld bei Pferdewetten.

Er wurde zu einem der erfolgreichsten Kriminalautoren englischer Sprache. In den 20ern war jedes vierte verkaufte Buch in England ein Wallace-Werk.

Selten benötigte er länger als eine Woche für einen Roman. Sein Arbeitsstil hatte etwas Besessenes: Nachdem die ersten 1.500 Wörter zur Beschreibung der Haupt-Charaktere fertig waren, verbrachte Wallace Tag und Nacht in seiner Schreibstube. Jede halbe Stunde eine frische Tasse stark gesüßter Tee, eine Zigarette nach der anderen und währenddessen rund 3.000 Wörter ins Diktiergerät sprechen. Wenn das Werk erstmal auf Band war, kümmerte sich sein persönlicher Sekretär Robert Curtis um den Rest, denn der Meister hatte natürlich längst ein neues Projekt im Kopf.

Manchmal diktierte er neue Bücher fast ohne Unterbrechung. Eines Nachts ging sein Gast Sir Patrick Hastings in die Küche, um sich einen Mitternachts-Snack zu holen. Auf dem Rückweg blieb er vor Wallaces Bürotür stehen. Der diktierte und diktierte in einem fort. Hastings war derart in den Bann gezogen, dass er zwei Stunden vor der Tür hocken blieb. Am nächsten Morgen war der neue Wallace-Krimi fertig.

Dass Wallace selbst einen so umfangreichen Band wie "Die seltsame Gräfin" (1925) in nur vier Tagen diktierte, mag Zeugnis einer schier unerschöpflichen Schaffenskraft sein. Dass die formale und inhaltliche Qualität seiner Stoffe dabei oftmals auf der Strecke blieben, versteht sich von selbst. Bei dieser Produktivität wundert es nicht, dass viele seiner Romane oberflächlich sind, dass Handlungsfäden plötzlich abbrechen, weil er sie beim Diktieren vergaß und sich sogar die Namen der Akteure ändern. Offensichtlich haben auch die Bearbeiter, vor allem sein Sekretär Robert Curtis, die Fehler übersehen. Edgar Wallace war kein Meister der Psychologie, kein raffinierter Gestalter bis ins Detail durchdachter Geschichten, die - wie etwa bei Patricia Highsmith - sogar kulturkritische Botschaften transportieren. Es war das Spiel mit dem "Thrill", mit den Gruseleffekten, weniger die methodische Aufklärung eines Verbrechens, die Wallace zu einem der populärsten Krimiautoren aller Zeiten machten. Er diktierte seine Romane, danach befasste er sich nicht mehr damit, sein einziges Streben bestand darin, möglichst viel Geld zu verdienen, literarische Ambitionen hatte er keine.

1931 bekam er von der Filmgesellschaft RKO in Hollywood ein Angebot als Drehbuchautor, das er nach anfänglichem Zögern 1932 auch annahm. Zur geplanten Mitarbeit am Drehbuch für den legendären Horrorfilm "King Kong", den Merian C. Cooper 1933 drehte, kam es nicht mehr. Auf dem Heimweg von einer Party fing er sich eine Lungenentzündung ein, an der er am 10. Februar 1932 mit 56 Jahren starb.

Sein Sohn aus erster Ehe, Bryan Edgar und die 1924 geborene Tochter Penelope setzten die Tradition fort und verfassten mit verhältnismäßig geringem Erfolg ebenfalls Kriminalromane.
 
 
 
 

Bücher des Jahrhunderts

 

 
 
 

Welche BücN=JUSTIFY STYLE="margin-bottom: 0in">Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im "Börsenblatt des Deutschen Buchhandels" veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position Nr. 14:
 
 

14. M. Weber: Die protestantische Ethik und der

Geist des Kapitalismus (1920)

15. T. S. Eliot: Das wüste Land (1922)

16. J. Joyce: Ulysses (1922)

17. Le Corbusier: Ausblick auf eine Architektur

(1923)

18. A. Hitler: Mein Kampf (1924)

19. Thomas Mann: Der Zauberberg (1924)

ausleihbar als Hörbuch BNA 3567 und in

Punktschrift BNA 1059, 1060
 
 

"Der Zauberberg" von Thomas Mann (geb. am 6.6.1875 in Lübeck, gest. am 12.8.1955 in Zürich) erschien 1924.

In dem Roman besucht der Hamburger Patriziersohn Hans Castorp seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen in einem Davoser Sanatorium. Aus den geplanten zwei Wochen Aufenthalt werden sieben Jahre. Castorp erliegt zunehmend der Faszination einer scheinbar zeitlosen Welt der Kranken weit entfernt von jeglicher Verpflichtung. Die Welt des Sanatoriums abseits aller bürgerlichen Verhaltensweisen gleicht einem "Zauberberg". Voll mit Anspielungen auf die Antike, Faust und Tannhäuser entsteht vor Castorp eine geradezu mystische Welt, der er nicht mehr entfliehen kann. Das stärkste Lockmittel dieser Welt stellt aber zunächst die Russin Clawdia Chauchat dar, mit der es zur Liebesnacht kommt.

Für Hans Castorp wird die Zeitverlorenheit zur Einweihung in das Geheimnis des Todes und der Liebe. Erst der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwingt Castorp zum Verlassen des Sanatoriums.
 
 

Als satirisches Gegenstück zur Erzählung "Der Tod in Venedig" (1912) war "Der Zauberberg" geplant und 1913 begonnen worden. Anstelle des etablierten Künstlers Gustav von Aschenbach sollte nun ein unbekannter Bürgersohn (Hans Castorp) stehen, anstelle des Verführers eine Verführerin und anstelle der Cholera als Symbol des Niedergangs die Tuberkulose. Der Erste Weltkrieg führte, im Sommer 1915, zur Unterbrechung der Arbeit, die erst 1919 wieder aufgenommen wurde. War der Krieg von Thomas Mann zunächst als Läuterung einer verfallenden Zeit gesehen worden, so ist ihm am Ende jedes positive Moment genommen. "Der Zauberberg" ist Manns Versuch, seine weniger an den Franzosen als an Tolstoj und Dostojewskij gewonnene Vorstellung des nichtsatirischen Gesellschaftsromans mit der Tradition des deutschen Bildungsromans zu verschmelzen. "Der Zauberberg" ist ein Zeitroman: im historischen Sinn, weil er die Spanne, in der er spielt (1907-1914), wie auch die politischen und geistigen Umbrüche der Jahre seiner Vollendung spiegelt; im philosophischen Sinn, weil die Zeit selbst "Gegenstand" ist. Man kann diese von Mann stammende Charakterisierung dahingehend noch erweitern, dass es sich hier auch um einen Bildungsroman im doppelten Sinn handelt, weil die Geschichte eines späten Nachfahren des Bildungslehrlings Wilhelm Meister sich zugleich als die Summe der abendländischen Bildung darbietet.
 
 

(gekürzt aus: Digitale Bibliothek Band 9:

Killy Literaturlexikon)
 
 

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)

 
 

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.
 
 

Interessante Angebote im Internet

von Ulrich Jander

 
 

Im Heft 2/2000 der DZB-Nachrichten habe ich im Rahmen von LOUIS über das Programm "Lynx" berichtet, welches den Zugang zum Internet, insbesondere für blinde Computerbenutzer, ermöglicht. Heute möchte ich auf das eine oder andere Angebot hinweisen, welches im Internet auch für Blinde interessant sein und genutzt werden kann. "Lynx" oder ein anderes Programm für den Zugriff auf das Interinteressant sein und genutzt werden kann. "Lynx" oder ein anderes Programm für den Zugriff auf das Internet ist dabei natürlich Voraussetzung. Da "Lynx" frei verfügbare Software ist, hatte ich in meinem Beitrag angeboten, nach Zusendung einer Diskette auf diese das Programm "Lynx" und weitere Informationen darüber zu kopieren. Dieses Angebot ist gut genutzt worden, worüber ich mich gefreut habe. Ich möchte es an dieser Stelle nochmals erneuern.

Nun aber zu den Möglichkeiten, im Internet Interessantes zu finden:

Witch - die Suchmaschine, die hexen kann

Um im Internet stöbern oder gezielt suchen zu können, benötigt man die jeweiligen, genauen Internetadressen. Manche sind vielleicht bekannt, wie z. B. die Adresse http://www.dzb.de. Oft weiß man sie aber nicht oder nicht exakt. In diesen Fällen hilft eine Suchmaschine.
Unter der Internetadresse http://www.witch.de findet man die Suchmaschine "Witch" (Hexe), die die Suche nach Wortbegriffen ermöglicht und ein umfangreiches Informationsangebot bereithält. Nach Aufruf der Adresse und anschließendem Bestätigen mit "ENTER" gelangt man auf die Startseite. Wählt man den ersten Punkt "Textversion" aus, so kommt man anschließend auf die Seite der textorientierten Suchmaschine. Gibt man ein Wort als Suchbegriff ein, geht dann auf "Suchen" und drückt "ENTER", so wird im Internet nach diesem Wort gesucht und die Suchmaschine zeigt als Suchergebnis jeden Beitrag, der das gesuchte Wort enthält, in einer Übersicht an. Mit "Cursortaste nach unten" oder "nach oben" kann man einen bestimmten Beitrag auswählen und ihn durch "ENTER" aufrufen. Die Textversion der Suchmaschine ist für blinde Computerbenutzer besonders geeignet, da die Treffer im Suchergebnis angezeigt werden, die im Textmodus, also nicht durch Bilder und Grafiken, erfassbar sind.

Auf der oben erwähnten Startseite, bevor man die Textversion der Suchmaschine auswählt, findet man viele andere Verweise, z. B. eine Übersicht gebräuchlicher und im Internet gängiger Suchmaschinen, ein umfangreiches Bücherangebot, Urlaubstipps u.v.m. Jedoch ist nicht jede Seite textorientiert und blindenfreundlich aufgebaut. Es kann schon passieren, dass man auf einer der nachfolgenden Seiten nur "Frame: links" oder "Frame: rechts" liest. Hier kommt man ggf. durch Ausprobieren weiter, denn dahinter können Seiten erscheinen, die auch der Textbrowser "Lynx" gut darstellt.

Für Blinde im Internet interessant ist auch:

Die Tageszeitung "TAZ" im Textformat

Die "TAZ" bietet unter der Internetadresse http://www.taz.de/digiabo ihre Presse in einem mehrwöchigen Versuch zum Herunterladen und Lesen offline an. Immer die letzten sechs Ausgaben stehen sowohl im ASCII- als auch im HTML-Format, jedoch als gepackte Dateien (ZIP-Dateien), bereit. Mit "Cursortaste nach unten" oder "nach oben" wählt man die konkrete Ausgabe im gewünschten Format aus. Hat man "ENTER" gedrückt, erscheint nach kurzer Zeit die Aufforderung "Username" (Benutzername) und nach Drücken von "ENTER" "Password" (Passwort) dem Großrechner der Zeitung mitzuteilen. Im Rahmen des Versuchs ist für den Benutzernamen "alle" und für das Passwort "taz" einzugeben. Anschließend wird gefragt, ob ein Download (Herunterladen) der Datei oder der Abbruch des Vorgangs eingeleitet werden soll. Nach dem Herunterladen legt man fest, in welchem Verzeichnis und mit welchem Namen die Datei gespeichert wird. Sie muss, bevor man sie lesen kann, noch mit einem Programm, z. B. PKUNZIP, entpackt werden.
Ich möchte an dieser Stelle wieder Ihnen, bei Bedarf, das Kopieren des Programms zum Auspacken auf eine Diskette anbieten, wenn Sie mir in einer Versandtasche mit Wendeadresse eine Diskette zuschicken.

Die "TAZ" hat auch einen Fragebogen zum digitalen Abonnement erstellt, um Informationen zu bekommen, ob und auf welche Weise sich für die Zeitung das Angebot lohnt, die "TAZ" auf direktem Wege digital den Leserinnen und Lesern für eine Gebühr zur Verfügung zu stellen. Diesen Umfragebogen erhält man unter der Adresse http://www.taz.de/tpl/.etc/nf/digiabo.
 
 

Noch vieles mehr kann man im Internet entdecken; Informationen ganz allgemein und zu den verschiedensten Themen, aber auch oft sehr blindenspezifisches. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich sicher das Thema "Angebote im Internet" wieder aufgreifen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Stöbern und Herausfinden der für Sie interessanten Informationen.
 
 

Für Fragen und Hinweise stehe ich Ihnen gern zur Verfügung unter:

Tel.: (03 41) 71 13-142 oder

E-Mail: jander@dzb.de.
 
 
 
 
 
 

Info-Service

 

 
 
 
 
 

Begleittexte auch in Schwarzschrift

 

 
 
 

Die Begleittexte der von der DZB herausgegebenen Relief-Reihe "Stilelemente der Architektur" sind ab sofort auch in Schwarzschrift erhältlich. Insgesamt gibt es die drei Teile der Reihe nun in folgenden Varianten:
 
 

    Reliefband mit eingearbeiteten Punktschrifttexten
    Reliefband mit separaten Begleittexten auf Kassette

    Reliefband mit separaten Begleittexten in Schwarzschrift.

Außerdem sind sowohl die Kassetten- als auch die Schwarzschriftausgabe der Begleittexte einzeln erhältlich.

Nähere Auskünfte erteilt Ihnen gern Frau Pause unter (03 41) 71 13-119.
 
 
 
 

E-Mail-Adressen der Bibliothek

 

 
 
 

Ab sofort sind die Mitarbeiter der Punktschrift- und Hörbuchausleihe unserer Bibliothek auch direkt per E-Mail erreichbar.
 
 

Hier die Adressen:


 
 

Deutsche Blindenschriftsystematik auf Diskette und aus dem Internet erhältlich

von Ulrich Jander

 
 

Das System der deutschen Blindenschrift nach den Beschlüssen der Brailleschriftkommission der deutschsprachigen Länder vom 30. Januar 1998 kann in der DZB kostenlos als Diskettenkopie angefordert werden. Erforderlich ist jedoch die Zusendung einer in einer Versandtasche mit Wendeadresse befindlichen Diskette an Ulrich Jander.

Das Angebot umfasst sieben Dateien. Die Blindenschriftsystematik und der Änderungsdienst liegen in verschiedenen Formaten vor, u.a. im ASCII-Textformat und als Brailleschriftdatei. Alle Dateien haben eine Größe von insgesamt ca. 1 MB.

Es besteht auch die Möglichkeit, diese Texte aus dem Internet von einer Seite der Fernuniversität Hagen herunterzuladen. Die Internetadresse für diese Seite lautet:
 
 

http://www.fernuni-hagen.de/ZFE/fs/download.htm.
 
 

Die Groß- und Kleinschreibung bei der Eingabe der Adresse muss beachtet werden. Trotz mehrfacher Versuche ist es nicht gelungen, die Textdokumente mit Hilfe des Textbrowsers "Lynx" aus dem Internet herunterzuladen. Mit dem Microsoft Internet Explorer unter Windows funktioniert es allerdings.
 
 

Ihr Ansprechpartner in der DZB ist:

Ulrich Jander

Tel.: (03 41) 71 13-142
 
 
 
 

Reha.Komm Berlin 2000

 

 
 
 

Vom 14.-16. September 2000 findet in den Messehallen am Berliner Funkturm die Reha.Komm Berlin 2000 statt.

Schirmherren der Messe sind Dr. Manfred Stolpe, Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Herr Eberhard Diepgen, Regierender Bürgermeister von Berlin.

Höhepunkte im Rahmenprogramm der Hilfsmittel- und Leistungspräsentation zu allen Bereichen behinderter Menschen sind u.a.:

Daneben widmet sich die Leistungsschau den Themen Behinderten- und Integrationssport, Handicap-Tourismus sowie Behinderung und Hobby.
Die DZB wird ebenfalls auf der Messe vertreten sein.

 
 
 
 

Tagungen in der DZB

 

 
 
 

Vom 19. bis 20. September finden in der DZB die Tagungen der Arbeitsgemeinschaft der Blindenschriftdruckereien und -bibliotheken und die Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Hörbüchereien statt.
 
 
 
 

DAISY-Workshop

 

 
 
 

Vom 21. bis 22. September laden DZB, NBH und SBS in Leipzig zum II. DAISY-Workshop ein.

In dieser Veranstaltung sollen die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet digitaler Hörbuchproduktion und daraus abzuleitender Aktivitäten im deutschen Sprachraum diskutiert werden.

Der Workshop wendet sich auch an Verantwortungsträger der Blindenselbsthilfe sowie an die Leiter der Blindenschriftproduzierenden Einrichtungen , für die das durch DAISY umschriebene Konzept wichtige Ansatzpunkte zukünftiger Arbeit bietet.
 
 
 
 
 
 
 
 

Festveranstaltung: 6 Richtige - 175 Jahre Brailleschrift

 

 
 
 

Am 15. Oktober ist der "Internationale Tag des weißen Stockes". Da die Brailleschrift in diesem Jahr 175 Jahre alt wird, hat sich der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Verband für das Motto "6 Richtige - 175 Jahre Brailleschrift" entschieden. Durch Informationsveranstaltungen und vor allem in vielfältigen Medienbeiträgen soll die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Blindenschrift informiert werden.
 
 

Die Leipziger Festveranstaltung soll am 13.10. um 20.00 Uhr in festlichem Rahmen in der Alten Börse stattfinden. Veranstalter sind der BSVS, die Stadt Leipzig und die DZB.

Im Rahmen der Festveranstaltung ist geplant, in 6 Präsentationen (Vorträge mit Hilfsmitteldemonstrationen) gesellschaftlich anerkannten und erfolgreichen blinden Personen Gelegenheit zu geben, über ihr Leben zu berichten. Die Vortragenden sollen dabei vor allem auf die Bedeutung der Brailleschrift für ihre schulische und berufliche Ausbildung, im Arbeitsumfeld sowie im privaten Alltag eingehen.
 
 

Die 6 Beiträge der Festveranstaltung, eine Einführung sowie ein geschichtlicher Abriss über die Entstehung der Brailleschrift sollen in einer Festschrift, die zu dieser Veranstaltung erstellt wird, erscheinen.
 
 
 
 

Tag der offenen Tür in der DZB

 

 
 
 

Am Samstag, dem 14. Oktober, informiert die DZB an ihrem "Tag der offenen Tür" über ihr umfangreiches Literatur- und Serviceangebot für blinde und sehbehinderte Menschen. In der Zeit von 9.00 bis 13.00 Uhr erhalten Besucher in der Gustav-Adolf-Straße 7 Gelegenheit, zu erfahren, wie ein Braillebuch entsteht, Hörbücher aufgesprochen und tastbare Reliefdarstellungen gefertigt werden.
 
 
 
 

Seminarankündigung

 

 
 
 

Anlässlich der Realisierung des ersten Wohnmodells, das die Grundzüge des FOKUS-Wohnens aus den Niederlanden in Deutschland übernimmt, laden der FOKUS-Verein Hannover und der Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen vom 11. bis 13. Oktober 2000 in Hannover zu einer Fachtagung "Behinderte Menschen organisieren ihr Leben selber - Wege zur Selbstbestimmung in Europa" ein.

Seminarunterlagen können beim Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen, z.H. Herrn Jähnert, Postfach 141, 30001 Hannover, angefordert werden.
 
 
 
 

Aktuell zur EXPO 2000

 

 
 
 

Hannover-Journal Special EXPO 2000 - Eine Weltreise zu Fuß in Blindenkurzschrift. Aus dem Inhalt: Nationen/Aussteller auf dem Ost- und Westgelände, Hallenwelten, Themenpark, Nationentage.

Preis: DM 22,00 zuzüglich Versandkosten und gesetzliche Mehrwertsteuer.

Ihre Bestellung (Bestell-Nr. 4097) richten Sie bitte an die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V., Postfach 11 60, 35001 Marburg. Tel.: 06421-606417, Fax: 06421-606461, E-Mail: Info@blista.de.

Info@blista.de.
 
 
 
 

Lehrgänge des DBBW

 

 
 
 

"Einführung in das Internet"

im Harz-Sanatorium "Hermann Schimpf",

Osterode vom 15.-20.10.2000.

Preis: 1.079,00 DM.

Anmeldeschluss: 1.9.2000.
 
 

"Elektrizität und Elektronik"

im Hotel SILVERIO, Gallspach/Oberösterreich vom 22.-28.10.2000.

Preis: 1.200,00 DM.

Anmeldeschluss: 8.9.2000.
 
 

"Gesprächsführung für Telefonisten"

im Blindenzentrum gGmbH, Horn-Bad Meinberg vom 6.-9.11.2000.

Preis: 785,00 DM.

Anmeldeschluss: 22.9.2000.
 
 

Kontaktadresse für alle Veranstaltungen:

DBBW - Deutsches

Blindenbildungswerk gGmbH

Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein

Tel.: (0 76 21) 79 92 30

Fax: (0 76 21) 79 92 31

E-Mail: dbbw@stepnet.de
 
 
 
 

Impressum

 

 
 
 
 
 

»DZB-Nachrichten«

erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM).

Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
 
 

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB),
 
 

Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,

Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
 
 

Telefon: (03 41) 71 13 - 0,

Telefax: (03 41) 71 13 - 1 25
 
 

Internet: www.dzb.de

E-Mail: info@dzb.de
 
 

Redaktion:

Karsten Sachse,

Telefon (03 41) 71 13 - 1 35
 
 

Abonnements, Anzeigen:

Ilona Portleroy,

Telefon (03 41) 71 13 - 1 20.
 
 

Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie

etwas verschenken wollen.

Für alle anderen Anzeigen gilt unsere

Für alle anderen Anzeigen gilt unsere

Anzeigenpreisliste:

pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr

in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).
 
 

Copyright: DZB 2000
 
 

- Alle Rechte vorbehalten -