DZB-Nachrichten


Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 5/2000 September/Oktober 10. Jahrgang

 

Inhalt

Vorbemerkung

Nachruf

Unsere Postecke

Einblicke

Gedächtnistraining für blinde Senioren
Die Kramkiste
Thor Heyerdahl: »Tigris«

William Golding: »Herr der Fliegen«

Das Autorenporträt
Maarten `t Hart - Früher Vogel
Bücher des Jahrhunderts
Fitzgerald, Francis Scott [Key]

"Der große Gatsby"

Louis
ECOFAX - das blindengerechte
Fax-Programm unter MS-DOS
Info-Service
Die Info-Kassette 2000

Reha.Komm 2000

Mitteilung des Verlages

"Nachrichtendienst des Deutschen Vereins" -  jetzt digital beim DVBS

Aktuell auf Audiokassette: Der EXPO-Guide - offizieller Führer durch die EXPO 2000

Psychologischer Beratungsdienst für Sehbehinderte und Blinde

Die hundert Wörter des Jahrhunderts

DBBW-Präsenz im Internet

Lehrgänge des DBBW

Neue Fernseh- und Rundfunkprogramme in Blindenschrift


 
 

Vorbemerkung

Künftig werde ich mich jeglicher Kommentare zum Wetter enthalten. Der in der letzten Vorbemerkung herbeigesehnte kühlere Herbst hat uns ja schon im Sommer eingeholt - nicht gerade zu jedermanns Vergnügen. Auf's Wetter ist eben kein Verlass! Dafür aber auf die "DZB-Nachrichten". Wie gewohnt und erwartet erscheint nun also die Herbstausgabe. Hier erfahren Sie in der Rubrik "Einblicke" aus dem berufenen Munde einer Altersforscherin und Psychologin, wie ein Gedächtnistraining für Senioren funktioniert. Etwas technischer geht's in "LOUIS" zu: Herr Jander stellt Ihnen ein blindengerechtes Fax-Programm für den PC vor. Davor, danach und dazwischen erwarten Sie wieder zahlreiche literarische Tipps und weitere interessante Informationen, wie z.B. die Liste der 100 Wörter des Jahrhunderts.

Es grüßt Sie ganz herzlich: Ihr Karsten Sachse.
 
Nachruf
 
Von der Westdeutschen Blindenhörbücherei e.V. in Münster erhielten wir die traurige Nachricht vom plötzlichen Ableben ihres langjährigen Vorsitzenden Ernst-Otto Bendiek. Völlig unerwartet wurde er am 8. Juli 2000 im Alter von 62 Jahren mitten aus dem Leben gerissen.
Seine Weitsicht, sein Engagement und seine Kompetenz haben viele Jahre die Geschicke der Westdeutschen Blindenhörbücherei sowie der Blindenhörbücherei-Stiftung geprägt. Ohne sein Wirken hätte die Westdeutsche Blindenhörbücherei nicht die Bedeutung gewonnen, die sie jetzt hat. Mit dem Tod von Ernst-Otto Bendiek verliert der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Blindenhörbüchereien e.V. einen aktiven Mitstreiter für die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen.

 

Unsere Postecke


Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.
 
 

Per E-Mail erhielten wir Post von Herrn Gerd Spilker:

"(...) Wenn ich Zeit habe, befasse ich mich mit großem Interesse mit Ihrem reichhaltigen Internet-Angebot, das so keine Hör- oder
Braillebücherei in der BRD hat. Hierzu eine Frage und auch eine Kritik; zunächst die Kritik: Sowohl aus der Sicht der DZB, die ja kostengünstig arbeiten muss, als auch aus der Sicht der
weitaus meisten Hörer und Leser halte ich es für sehr ungerecht, dass Sie die kompletten DZB-Nachrichten und nicht nur das, sondern auch die Kataloge im Netz kostenlos anbieten. Die anderen Leser müssen für die DZB-Nachrichten
15 DM Abonnementgebühren zahlen. Das Internet soll 'Appetit' zum Bestellen machen, aber nicht die Nutzer dieses Mediums bevorteilen. Ich würde also die DZB-Nachrichten nur auszugsweise als Lockmittel zum kostenpflichtigen
Bestellen anbieten. Bei den Büchern würde ich bestenfalls komplett die aktuellen monatlichen Erscheinungen anbieten, nicht aber Kataloge.
Diese sollten kostenpflichtig auf CD oder Diskette verschickt werden. Zu viel Uneigennützigkeit ist ungesund! (...)."

Bemerkung der Redaktion
Der Internetbenutzer musste sich einen Computer zulegen und eine Minute online schlägt im Schnitt auch mit 3 Pfennigen zu Buche. Dafür hat er aber immer noch keine gedruckte Punktschriftfassung bzw. Hörkassette in den Händen. Deren Produktion wiederum verursacht uns wesentlich mehr Kosten als der einfache Arbeitsgang, die ohnehin vorhandenen Manuskripte auf die Homepage zu packen. Aus rechtlichen Gründen können wir aber nicht alle Inhalte ins Internet stellen.
Internet-Angebote, die nur werben, anstatt zu informieren, geraten schnell ins Abseits. Und wenn jemand durch das Lesen des Online-Kataloges Gefallen an unseren Literaturbeständen findet und deshalb bei uns Hörer oder Leser wird, ist das auch nicht zu verachten.
Vor- bzw. Nachteile der einen oder anderen Art sind also meistens Ansichtssache und immer relativ.

Per Kassette meldete sich Herr André Bartsch aus Cuxhaven zu Wort:

"(...) Ich möchte die DZBN als Plattform nutzen, um alle Handy-Nutzer zu bitten, doch mal bei den Herstellern und auch Netzbetreibern nachzufragen, ob es denn nicht möglich wäre, einmal ein Handy zu konzipieren, das sowohl von Sehenden wie auch von Blinden und Sehbehinderten gut bedient werden kann. Ein Vorlesen der SMS-Nachrichten wäre doch auch für viele Autofahrer interessant und würde der Verkehrssicherheit dienen. Ich glaube, dass 500.000 sehbehinderte sowie 155.000 blinde Menschen doch eine lukrative Käuferschicht darstellen. Den Handy-Anbietern gebe ich folgenden erfolgreichen Kaufmannsatz mit auf den Weg: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen (...)."

Einblicke

Gedächtnistraining für blinde Senioren
- von Dr. phil. Sonja Bernard -

Fällt Ihnen manchmal ein Name nicht ein, haben Sie schon einmal die Ziffern in einer Telefonnummer vertauscht oder verlegen Sie Ihre Schlüssel gelegentlich? Das passiert jedem einmal. Aber wenn Sie nicht einfach ein Namensschild lesen oder eine Nummer im Telefonbuch nachschlagen können und wenn Sie Ihre Schlüssel alleine durch Tasten wiederfinden müssen, dann werden solche kleinen Aussetzer schnell zum Problem. Blinde Menschen sind sehr viel mehr auf ein leistungsfähiges Gedächtnis angewiesen, als Sehende.
Auch Sehende merken irgendwann, dass das Gedächtnis nicht unbedingt besser wird, wenn ein Mensch altert. Aber was kann man tun, um das Gedächtnis, auf das man doch täglich angewiesen ist, fit zu halten oder um einem weiteren Abbau vorzubeugen?
Das Gedächtnis ist ein bisschen wie ein Muskel, man muss es trainieren, damit es optimal funktioniert. Aber während es für Sehende unzählige Bücher, Kurse und Programme gibt, die das Gedächtnis trainieren sollen, gab es bisher noch nichts Geeignetes für Blinde und Sehbehinderte. Außerdem sind die meisten Trainingsprogramme zwar interessant zu lesen,
aber wenig geeignet, die praktischen Alltagsfähigkeiten des Gedächtnisses zu verbessern. Ein Nachweis der Effektivität fehlt meist völlig.
Deshalb faszinierte mich die Idee, ein Gedächtnistraining zu entwickeln, das auch für Sehbehinderte geeignet ist. Mein Name ist Sonja Bernard. Ich bin Psychologin und Alterswissenschaftlerin und habe im Rahmen meiner Doktorarbeit ein spezielles Gedächtnistraining für blinde Senioren entwickelt. Dabei habe ich versucht, die besonderen Bedürfnisse blinder und stark sehbehinderter Senioren in einem Gedächtnistrainingsprogramm auf Tonbandkassetten zu berücksichtigen. Hierfür muss man weder sehen noch schreiben können. Es basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über das alternde Gedächtnis und vielfältigen Studien über bestehende Gedächtnistrainingsmöglichkeiten für Sehende. Und natürlich ist dieses Gedächtnistraining auch für Sehende geeignet, die einfach von zu Hause aus ihr Gedächtnis verbessern möchten.
Die Inhalte der Trainingseinheiten umfassen abwechselnd:

Ich möchte das Gedächtnistraining einmal mit dem körperlichen Training beim Sport vergleichen: Um im Sport besondere Leistungen zu erbringen, benötigt man erstens das Wissen um die Regeln, die richtige Ernährung, Trainingsvorschriften usw. Das ist der theoretische Teil. Zweitens muss man Techniken erlernen, z.B. Sprungtechniken oder Wurftechniken. Wenn man einfach nur drauf los springt, kann man es nie zur Meisterschaft bringen. Und drittens muss man üben, üben, üben, bis man die Techniken im Schlaf beherrscht und die nötigen Muskeln aufgebaut hat. Ohne Anstrengung gibt es keine Erfolge.
Genauso ist es beim Gedächtnistraining. Die Informationen über das Gedächtnis sind mit dem theoretischen Wissen im Sport vergleichbar. Wer nicht weiß, welche  Gedächtnisfunktionen im Alter besonders abbauen, kann diese auch nicht speziell trainieren. Die Mnemotechniken sind mit den Sprung- oder Wurftechniken vergleichbar. Sie bringen maximale Erfolge bei vertretbarem Aufwand. Die Übungen sind für das Gedächtnis ebenso wichtig wie für den Körper. Und wie für den Körper ist eine Unterforderung genauso schädlich für das Gehirn, wie eine Überforderung. Geistige Faulheit führt zu ebenso schlechten Gedächtnisleistungen wie eine ständige Überlastung des Gedächtnisses.

Beispiele für Übungsaufgaben sind:


Das Gedächtnistraining für blinde Senioren besteht aus je drei kurzen Trainingseinheiten von 10 - 15 Minuten (+ Hausaufgaben von ca. 10 Minuten) pro Woche über drei Monate.

Ich habe dieses Trainingsprogramm in einer Studie mit 94 blinden und sehbehinderten Senioren ausprobiert, die sich jeweils drei Gedächtnistests unterzogen (zwei vor der Trainingsphase, einer danach). Die Versuchspersonen waren zwischen 65 und 95 Jahre alt, der Durchschnitt lag bei 77 Jahren. Die Versuchspersonen lebten teilweise alleine, andere im Heim oder in der Familie. 59 Personen wurden zufällig der Versuchsgruppe zugeordnet, die über drei Monate das Trainingsprogramm durchführten, und 35 Personen der Kontrollgruppe, die während der gleichen Zeit kein Training erhielten.
Die Teilnehmer der Versuchsgruppe konnten sich nach dem Training signifikant verbessern, indes die Kontrollgruppe während dieser Zeit abbaute. 85% der Teilnehmer konnten während des Trainings ihre Testleistungen verbessern. Besonders stark konnten die Leistungen verbessert werden, die erfahrungsgemäß für die Bewältigung des Alltags von besonderer Bedeutung sind. 93 % der Trainingsteilnehmer gaben in den Fragebögen an, dass sie das, was in dem Trainingsprogramm vermittelt wurde, auch im Alltag anwenden können. Vor dem Gedächtnistraining benutzten nur 10 % der Teilnehmer Gedächtnishilfen wie z.B. Eselsbrücken. Nach dem Gedächtnistraining gaben 90% der Teilnehmer der Versuchsgruppe an, dass sie sich das Merken im Alltag durch Gedächtnishilfen erleichtern. Am häufigsten wurden im Alltag folgende Gedächtnishilfen genutzt: die Verwendung geistiger Bilder (31 %), Techniken zum Merken von Namen (20 %) und Techniken zum Merken von Zahlen (20%).
Die stärkere Nutzung von Gedächtnishilfen ist natürlich nur dann von Bedeutung, wenn sie sich in einer größeren Zufriedenheit mit dem eigenen Gedächtnis niederschlägt. Die Studie zeigte, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Gedächtnis nach dem Training größer war als vorher. Außerdem hat sich die korrekte Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit durch das Training messbar verbessert.
Im letzen Fragebogen befragte ich die Versuchspersonen noch direkt nach ihrer Zufriedenheit mit dem Trainingsprogramm. 90 % der Teilnehmer gaben an, zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Trainingsprogramm gewesen zu sein, und 92 % fanden die Inhalte interessant oder sehr interessant. Weiterhin konnten 98 % der Senioren alle Einheiten gut verstehen. Die Studie zeigte auch, dass das Training in jedem Alter, unabhängig von Vorkenntnissen, Alter oder sonstigen Bedingungen mit vergleichbarem Erfolg durchgeführt werden kann.
Die deutlich spürbare positive Resonanz hat mich veranlasst, das von mir entwickelte Gedächtnistrainingsprogramm einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Interessenten können die Trainingskassetten nun auch käuflich erwerben. Ein Kurs für 3 Monate (5 Tonbandkassetten á 90 Minuten) kostet 100,00 DM (+ Porto und Versand). Ein Fortsetzungs-training für weitere 3 Monate ist zum gleichen Preis erhältlich. Weiterhin biete ich auch Lizenzen für Gruppentrainings an, mit den Kassetten, Übungskarten zur variablen Gestaltung der Trainingsgruppen inkl. zusätzlichen Anregungen für Gruppentrainings und einem Textheft (200,00 DM + Porto und Versand; pro Kurs).
Wenn Sie mehr über das Trainingsprogramm erfahren möchten oder die Kassetten bestellen wollen, rufen sie einfach an: Sonja Bernard: 0941 - 998735.

Die Kramkiste
Im Bestand der Bibliothek gekramt

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.
 
 
 

Thor Heyerdahl: »Tigris«
empfohlen von Susanne Siems
(Punktschriftbibliothek)

Was tun Sie, liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie reif für die Insel sind und keine Gelegenheit zum Hinschwimmen oder -fliegen haben?
Nehmen Sie doch ersatzweise ein Buch zur Hand und erleben Sie Ihr Traumland oder -abenteuer wenigstens auf diese Weise. Einer, der mich in dieser Hinsicht mit seinen, nennen wir es "geschichtlichen Experimenten" schon von jeher überzeugt hat, ist der Norweger Thor Heyerdahl. Über seine Forschungsreisen sagte er sinngemäß einmal Folgendes: "In einer Zeit, wo alle vom Kosmos reden und mit Raumschiffen das All erkunden, braucht es nicht zu verwundern, wenn der Ursprung großer Zivilisationen unserer Erde bei Außerirdischen gesucht wird. Mir aber kommt es darauf an zu beweisen, dass wir die Kulturschätze auf dieser Erde aus eigener Kraft geschaffen haben, nur vielleicht in vollkommen anderen Zusammenhängen, als  herkömmliche Historiker uns das lehrten." Neue Theorien durch Tatsachen zu untermauern, darin sieht er den Sinn seiner Reisen.
Die Fahrt der "Tigris" zählt neben denen der Schiffe "Kon-Tiki" und "Ra" zu den bekanntesten. 1977/78 reiste Heyerdahl vom Irak zum Horn von Afrika um zu beweisen, dass die Sumerer bereits über den Seeweg Kontakt zu anderen Kulturen haben konnten. Dazu ließ er ein Schilfboot aus dem so genannten Berdi bauen. Für den Bau wurden nur Materialien und Hand-werkszeug verwendet, die den Sumerern vor 4000 Jahren nachweislich zur Verfügung stan-den. Das Buch zeigt tagebuchartig die Stationen der Reise, einschließlich der Vorbereitungen, aber auch die zahlreichen politischen Verwicklungen und schließlich das Scheitern der Expedition aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen am Horn.
Kürzlich stellte ich einen Roman der Archäologie in der Kramkiste vor. Verzeihen Sie mir diese scheinbare Wiederholung. "Tigris" und auch all die anderen Bücher von Heyerdahl sind einerseits eine Ergänzung zu Cerams Ausführungen, andererseits weit mehr als völkerkundliche Lektüre. Von den Seefahrern wird Thor Heyerdahl als Wissenschaftler bezeichnet, von den Wissenschaftlern als Seefahrer. Einige seiner Theorien sind von der Zeit überholt. Was aber so faszinierend bleibt, ist der Spaß am Experiment. Von Seiten honoriger Wissenschaftler wurde und wird Heyerdahl oft vorgeworfen, unwissenschaftlich zu arbeiten, zu haltlose Thesen aufzustellen. Doch da gibt es einige Autoren, auf die mir dieses Urteil weitaus zutreffender erscheint. Wer einmal eines von Heyerdahls Büchern liest, merkt bald, mit wie viel Sorgfalt er gerade an die Vorbereitung seiner Reisen ging. Man wird beim Bau der "Tigris" fast schon ungeduldig, wann es nun endlich mit der Segelei losgeht. Da ist immer noch ein Problem, fehlt jemand, gibt es diplomatische Verwicklungen. Und wir lernen Menschen aus aller Herren Länder kennen und erfahren so manche Anekdote um die Mitglieder der Crew. Die "Tigris" segelte unter der Flagge der Vereinten Nationen. Aus Protest gegen die Mitlitarisierung am Horn von Afrika verbrannte die Besatzung ihr Schilfboot am 3. April 1978 auf dem Wasser vor Dschibuti. Die politische Gegenwart hatte sich wieder einmal mehr als stärker erwiesen als die friedliche Forschung nach unserer Vergangenheit. Ob wir mit unserem kulturgeschichtlichen Wissen von Tausenden von Jahren klüger sind als die Sumerer damals, wage ich zu bezweifeln.
Habe ich Ihre Abenteuerlust geweckt, oder wenigstens Ihre Leselust? In der Ausleihe steht der Titel "Tigris" von Heyerdahl für Sie zur Verfügung: BNA 6734, 8 Bde., rkh.

William Golding: »Herr der Fliegen«
empfohlen von Jörg Klemm
(Hörbücherei)

William Golding, ein englischer Schriftsteller, wurde am 19. September 1911 geboren, gestorben ist er am 19. Juni 1993. Er war Großbritanniens einziger Nobelpreisträger für Literatur in den letzten Jahren, ein Schriftsteller, der sich distanziert hielt von den aktuellen Moden und Strömungen in der Literatur, ein Autor, der zeigte, wie die "Times" einmal schrieb, "dass Literatur große metaphysische Themen angehen kann und soll".
Goldings Werk ist geprägt von einer pessimistischen Weltanschauung, nach der der Mensch aufgrund seiner bösen Natur immer wieder "fällt". Sein erster Roman, der ihn weltbekannt machte, belegt denn auch sein bevorzugtes Darstellungsmuster. Vor dem Hintergrund der Robinsonade britischer Jungen gestaltet Golding Schritt für Schritt die Rückbildung "unschuldiger" junger Menschen in die Barbarei, um den bösen Wesenskern des Menschen aufzudecken.
"Herr der Fliegen" erschien 1954 in Großbritannien, die unserer Aufsprache zugrunde liegende Übersetzung ist 1985 im Verlag Volk und Welt Berlin erschienen.
Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer Ordnungsprinzipien leicht zu bewältigen: Auf der Insel gibt es Wasser, Früchte, sogar wilde Schweine, die erlegt werden können.
Wie früher ihre Lehrer das Megafon als Zeichen ihrer Autorität benutzten, so lässt jetzt einer der Jungen, der sportliche, verständige Ralph, ein silbernes Muschelhorn ertönen. Seine Kameraden versammeln sich und wählen ihn zu ihrem Anführer. Den demokratischen Prinzipien, die Ralph verkündet, beugt sich in dieser Phase auch Jack, der herrschsüchtige "Befehlshaber" eines Knabenchores: "Wir brauchen Gesetze, denen wir gehorchen. Schließlich sind wir keine Wilden. Wir sind Engländer, und die Engländer können alles am besten." Die Gültigkeit  dieser Worte wird alsbald durch Meinungsverschiedenheiten über die Rangfolge der zu lösenden Aufgaben in Frage gestellt. Während Ralph die Rettung von der Insel zum Hauptziel erklärt, rückt für Jack die Fleischbeschaffung in den Vordergrund.
Ralph lässt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für das Signalfeuer ein. Der gute Anfang aber führt in eine Krise, die bald diabolische Formen annimmt. Die Freude am Töten ergreift immer stärker Besitz von Jack, so dass er Ralphs vernünftigen Argumenten schließlich nicht mehr zugänglich ist. Der Machtkampf zwischen den beiden Kontrahenten wird jedoch durch eine grausige Entdeckung hinausgezögert: Die "Jäger" bringen einer seltsamen Gestalt einen aufgespießten Schweinskopf zum Opfer dar. Als einer der Jungen entdeckt, dass es sich bei der unheimlichen gestalt um einen toten Flieger handelt, dessen Fallschirm sich in den Felsen verfangen hat, wird er von den aufgeputschten "Jägern" blindwütig zerfleischt.
Aus der Jagd wird blutiges Schlachten - die Jäger und die Hüter des Feuers geraten in einen Kampf auf Leben und Tod. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln im Machtrausch, der - wie gerade beschrieben - auch Mord nicht ausschließt.
Ralph entgeht seiner Ermordung mit knapper Not. Nach einer erbarmungslosen Verfolgungsjagd bricht er vor einem britischen Marineoffizier zusammen, der gekommen ist, englische Schuljungen zu retten, und nun fassungslos einem Rudel von Bestien gegenübersteht.
Goldings Roman lässt verschiedene Deutungen zu. Den gemeinsamen Nenner, auf den sie gebracht werden können, hat der Autor selbst formuliert, der sein Buch als einen Versuch bezeichnete, "die Gebrechen der Gesellschaft auf die Gebrechen der menschlichen Natur zurückzuführen. Die Schlussfolgerung ist, dass der Zustand einer Gesellschaft vom sinnlichen Bewusstsein des einzelnen abhängt und nicht von irgendeinem politischen System, mag es noch so logisch und ehrbar erscheinen."
So konstruiert der Schluss des Romans wirkt, mit dem Kulturpessimismus Goldings steht er in Einklang: Das vor der Insel ankernde Kriegsschiff wird die Geretteten (die nach der Wiederbegegnung mit der Erwachsenenwelt sehr rasch ihre "Wildheit" ablegen) nicht in eine heile, sondern in ein von Chaos bedrohte Welt zurückbringen.
Falls Ihr Interesse geweckt wurde: Bestellnummer: 6445. Sprecher: Peter Reinhard, Umfang 6 Kassetten.

Das Autorenporträt: Maarten `t Hart

Den folgenden Artikel fanden wir im "Börsenblatt des Deutschen Buchhandels". Die Autorin heißt Kerstin Schweighöfer und besuchte den niederländischen Erfolgsautor zu Hause.

Früher Vogel

Zum Glück stimmt es, was er am Telefon gesagt hat: "Fragen Sie notfalls die Dorfbewohner, die wissen alle, wo ich wohne." Maarten 't Hart gilt als Einzelgänger unter den niederländischen Schriftstellern  und genauso lebt er auch: Sein Backsteinhaus in den Poldern am Dorfrand vor Warmond liegt versteckt hinter einem Reitstall, umgeben von hohen Bäumen. Das erste, was hinter dem Wohnzimmerfenster auftaucht, ist der große Notenständer gleich neben dem Klavier: "Der ist für meine Frau, Sie spielt sehr gut Flöte und begleitet mich oft", erklärt der Hausherr, während er auf das Sofa zusteuert, auf dem sich sein Hund Roefje bereits zusammengerollt hat. Am liebsten spielt er Bach und Mozart, "auch Schubert liebe ich über alles". Ein Leben ohne Musik kann sich der 55-Jährige nicht vorstellen: "Sie ist das Wichtigste in meinem Leben." Sein jüngstes Werk hat er sogar ganz der Musik gewidmet: "Bach und ich" heißt es, "eine 200 Seiten lange Liebeserklärung an meinen Lieblingskomponisten".
Auch durch seine Romane zieht sich die Musik wie ein Leitmotiv: In der "Netzflickerin" gerät der Apotheker Simon Minderhout während des Zweiten Weltkriegs in den Bann einer schwedischen Melodie, die die Titelheldin, eine Widerstandskämpferin, in der einzigen Liebesnacht der beiden gesummt hat. Und im "Wüten der ganzen Welt" entdeckt Alexander Goudveyl in einem Lagerschuppen ein Klavier und mit ihm die Liebe zur Musik: Sie hilft ihm, das beklemmende, streng calvinistische Milieu zu ertragen, in dem er heranwächst.
Mit diesem Roman über den Mord an einem Dorfpolizisten gelang 't Hart 1997 auch in Deutschland der Durchbruch. In aller Stille, ohne Presserummel, ist er groß geworden und gilt als Liebling aller Buchhändler, obwohl er Einladungen zu Lesereisen kategorisch ablehnt: "Abends ist mit mir einfach nichts mehr anzufangen." Schon um zehn Uhr geht er ins Bett, um fünf Uhr steht er auf, im Sommer sogar um vier: "Ich liebe diese Ruhe, dann klingelt noch kein Telefon, dann kann ich ungestört schreiben." Bereits als Kind sei er ein Frühaufsteher gewesen: "Vögel, die so früh singen, sind für die Katz'", bekam er von seinen Eltern zu hören. "In ihren Augen gehörte sich das nicht, so wie alles, was aus dem Rahmen fiel. Meine Kindheit war genau so, wie ich es im 'Wüten' beschrieben habe." Der Roman spielt in Maassluis bei Rotterdam, wo 't Hart 1944 geboren wird und in einer strenggläubigen Arbeiterfamilie aufwächst: "Musik galt auch bei uns als sündig, nur Psalmen waren erlaubt." Und so wie Alexanders Vater die Wünsche des Sohnes abschmettert mit "Kost' Geld!", wird auch 't Hart zu strikter Sparsamkeit erzogen: "Meine Tante rollte sogar den Teppich auf, um ihn zu schonen, wenn Besucher kamen. Noch heute habe ich Probleme, Geld auszugeben. Es gelingt mir einfach nicht."
Mit dem Schreiben beginnt er erst 1970. Zunächst studiert er in Leiden Biologie, arbeitet als Verhaltensforscher und macht sich als Ratten- und Stichlingsexperte einen Namen: "Zu den Geisteswissenschaften wurde ich mit meinem Realgymnasium-Abschluss nicht zugelassen. Aber die Arbeit im Labor machte mir unglaublich Spaß. Ich lernte, genau zu beobachten, ohne gleich Schlüsse zu ziehen. Das hat mir beim Schreiben sehr geholfen." Außerdem liefert ihm die Wissenschaft reichlich Stoff für seine Bücher: Seine Protagonisten sind häufig Biologen oder Apotheker; in dem Roman "Die schwarzen Vögel" geht es um einen makabren Mord ohne Leiche, die von Versuchsratten vollständig aufgefressen worden sein soll.
Sein größter Erfolg in den Niederlanden allerdings ist nach wie vor der Roman "Ein Schwarm Regenbrachvögel" von 1978. Die Geschichte des Einzelgängers Maarten, der als Kind von verständnislosen Erwachsenen umgeben ist und später keinerlei Bindung eingehen kann, erscheint 1988 auch in Deutschland, bleibt dort aber unbemerkt. In den Niederlanden hingegen wird sie sogar verfilmt. Keines seiner folgenden Werke konnte bisher an diesen Erfolg anknüpfen, "auch das 'Wüten' nicht, obwohl es doch mein bestes Buch ist". "Die Netzflickerin" wird von den niederländischen Kritikern sogar regelrecht verrissen.
Maarten 't Hart weiß, woran das liegt: "Ich habe einfach zu vielen Leuten zu lange das Haar gegen den Strich gebürstet." Denn so ruhig und bescheiden der Schriftsteller auch wirkt: In seiner Heimat gilt er als Provokateur und Bürgerschreck, der sich nicht darauf beschränkt, sich in seinen Büchern kritisch mit der Religion auseinander zu setzen, sondern auch bei öffentlichen Auftritten gegen den Papst wettert und sich als Atheist bezeichnet: "Für mich war es angesichts meiner Kindheit eine ungeheure Erleichterung, als ich merkte, dass Gott nicht existiert." Auch mit Kritik an seinen Landsleuten spart er nicht: Immer wieder kratzt er am toleranten Image der Niederländer und räumt auf mit dem Mythos der heldenhaften Nation, die während der deutschen Besatzung geschlossen in den Widerstand ging: "Die weitaus meisten waren passiv, so wie ich es in der 'Netzflickerin' geschildert habe. Und tolerant sind wir nur, wenn's ums Geldverdienen geht."
1991 sorgt er landesweit für Schlagzeilen: Als Frau verkleidet, in Abendrobe und Stöckelschu-hen, erscheint er auf dem Galaabend des niederländischen Buchhandels: "Jemand hatte mich in der Presse spießbürgerlich genannt. Da dachte ich mir: Denen zeig' ich's!"
Die Lust am Verkleiden ist geblieben, und inzwischen stört sich keiner mehr daran, wenn aus Maarten Maartje wird: Regelmäßig stolziert er geschminkt und im Kostüm durch Warmond: "Meine Frau Hanneke hat damit große Probleme. Aber ich will Grenzen versetzen und die Welt aus der Sicht der Frauen erleben." In seinem neuen Roman spielt eine Frau die Hauptrolle, Leonie aus den "Schwarzen Vögeln". Sie löst den Mord an einer Freundin: "Ich liebe es, meine Romanfiguren weiterleben zu lassen. Für mich existieren sie wirklich."
Wie viele Bücher er geschrieben hat, weiß er nicht mehr genau, "so um die 34, also etwas mehr als eins pro Jahr". Am schnellsten, so bekennt er etwas schuldbewusst, kommt er voran, wenn Hanneke auf Reisen ist: "Sie wird beim Anblick eines Koffers fröhlich, ich hingegen depressiv. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich jede Nacht in meinem eigenen Bett geschlafen. Urlaub und Ausland waren für meine Eltern Fremdwörter."
Als Student ging er erstmals auf Reisen, musste aber sogleich feststellen, "dass ich mich dafür nicht eigne. Ich kam um vor Heimweh." Dass Reisen bildet, bezweifelt er: "Auch Bach hat das so gut wie nie getan." Für den großen Musiker allerdings machte er erst vor kurzem eine Ausnahme und suchte dessen Lebensstationen auf. Auch Wien, die Stadt Mozarts, will er irgendwann einmal kennen lernen: "Eine Woche lang, vielleicht auch zwei. Aber das ist das Maximum, länger halte ich es wirklich nicht aus."
Zur Person
Maarten 't Hart wurde 1944 in Maassluis bei Rotterdam geboren. Er studierte 1962-68 in Leiden Biologie, arbeitete als Verhaltensforscher und begann 1970 mit dem Schreiben. Seitdem kann er auf ein umfangreiches erzählerisches und essayistisches Werk zurückblicken. 1970-87 Dozent für Ethologie, 1978 Promotion. Der Durchbruch in Deutschland gelang ihm mit dem Titel "Das Wüten der ganzen Welt".

- Der Roman "Die Netzflickerin" wird in der DZB als Hörbuch aufgesprochen,
- Der Roman "Die schwarzen Vögel" ist in Punktschrift vorhanden (siehe "Bücherliste")
 

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position
Nr. 20: F.S. Fitzgerald: Der große Gatsby (1925) ausleihbar als Hörbuch BN 4553

Fitzgerald, Francis Scott [Key]
Der amerikanische Erzähler F(rancis) Scott (Key) Fitzgerald wurde am 24.9.1896 ins St. Paul (Minnesota) geboren und starb am 21.12.1940 in Hollywood. Dem Studium in Princeton von 1913-17 schloss sich die Militärzeit an. Als Reporter in New York tätig, führte er nach frühem Erfolg ein luxuriöses Leben. Verschiedene Reisen führten ihn nach Europa, mit Ernest Hemingway war er befreundet. Alsbald jedoch gehen die Verheißungen der Jugend unter in Trunksucht und finanziell-gesundheitlicher Zerrüttung. 1930 wird seine Frau Zelda, die er zehn Jahre zuvor geheiratet hat, nervenkrank. Schließlich landet Fitzgerald als Magazin- und Drehbuchautor in Hollywood.
F.S. Fitzgerald gilt als Historiker und Symbol des Jazz-Zeitalters. Sein Werk schildert das inhaltlose, vom Geld beherrschte Gesellschaftsleben, dessen Glanz er fasziniert genießt und zugleich unerbittlich analysiert.

(Aus: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexi-kon der Weltliteratur, S. 4252 [vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 466 ff.]; © Alfred Kröner Verlag]

"Der große Gatsby"

Der Roman von Francis Scott Fitzgerald er-schien 1925. Der Medienrummel um die dritte Verfilmung von Fitzgeralds drittem (und bestem) Roman, der zu den wichtigsten Werken der amerikanischen Literatur zählt, machte das Buch 1974 zu einem internationalen Bestseller, lenkte die Aufmerksamkeit des Publikums aber in die falsche Richtung. Fitzgerald war zwar der Chronist der "goldenen zwanziger Jahre", doch besteht gegenüber seinen beiden ersten Romanen "This Side of Paradise" (1920) und "The Beautiful and Damned" (1922), die zur Gesellschaftsreportage tendieren und von den zeitgenössischen Lesern auch so rezipiert wurden, der markante Fortschritt in "The Great Gatsby" darin, dass Fitzgerald hier auf knappem Raum in symbolischer Verdichtung exemplarisch erzählt. Die Glamourwelt der Reichen bildet nur den Hintergrund für die Tragödie eines irregeleiteten Romantikers; das Schicksal weniger Figuren repräsentiert zugleich den Zeitgeist und das Scheitern des amerikanischen Traums von Glück und Erfolg an Materialismus und Verantwortungslosigkeit. Der siebenundzwanzigjährige Autor hatte den Roman 1924 in Frankreich in kurzer Zeit niedergeschrieben und erhoffte sich eine Wiederholung des finanziellen Erfolgs von "This Side of Paradise". Statt dessen blieben die Verkaufszahlen mager, doch Kritiker und Schriftsteller, unter ihnen Edith Wharton, T.S. Eliot, Gertrude Stein und Ernest Hemingway, überhäuften den Roman zu Recht mit höchstem Lob.
Die Handlung spielt in New York und auf Long Island, in den Villenvororten der Reichen. James Gatz aus Dakota, dessen Herkunft und Wege zum Reichtum zum Teil im Dunkel bleiben, erkennt eines Tages als junger Mann in einer entscheidenden Situation intuitiv, dass gesellschaftlicher Aufstieg auch eine Frage des Images ist. Aus dem mittellosen James Gatz wird der dynamische Jay Gatsby, der den Erfolgreichen bereits spielt, als der Erfolg noch in weiter Ferne ist. Dass er dabei im richtigen Augenblick einen Millionär trifft, der ihn als Privatsekretär engagiert, mit ihm um die Welt segelt und ihm Manieren beibringt, erinnert an die Erfolgsstorys Horatio Algers (1834-1899). Als junger Offizier begegnet er Daisy Fay, einer Tochter aus reichem Hause, und verliebt sich in sie. Durch den Kriegseinsatz 1917 von ihr getrennt (zum Heiraten fehlt ihm noch das Geld), verliert er Daisy an den reichen, unsensiblen Sportshelden Tom Buchanan aus Chicago, der nun - die Ereignisse des Romans spielen im Sommer 1922 - mit Daisy und der dreijährigen Tochter in East Egg auf Long Island wohnt. Am anderen Ende der Bucht, in West Egg, hat sich Gatsby ein märchenhaftes Anwesen erworben, in dem er nach Art des Neureichen Trimalchio (aus Petronius' Satyricon) ständig rauschende Partys feiert (ein Arbeitstitel des Romans lautete "Trimalchio in West Egg"). Nachts steht er allein am Ufer und blickt zu der grünen Laterne hinüber, die das Anwesen der Buchanans markiert und die ihm die Hoffnung symbolisiert, er könne die letzten fünf Jahre rückgängig machen und nun, da er selbst reich ist, Daisy ganz für sich zurückgewinnen.
Die zweite Zentralgestalt neben Gatsby ist der Erzähler Nick Carraway, der die Ereignisse nach der Heimkehr aus New York in den heimatlichen Mittelwesten 1924 aufzeichnet. Der dreißigjährige Yale-Absolvent, Buchanans Studienkamerad und Daisys Cousin, kommt 1922 als angehender Börsenmakler nach New York und wird Gatsbys Nachbar in West Egg. Der mysteriöse, dandyhafte und demonstrativ reiche Gatsby fasziniert ihn von Anfang an. Im Laufe des Ro-mans lernt er ihn besser kennen, erfährt immer mehr Einzelheiten aus Gatsbys Leben. An seinem Erkenntnisfortschritt hat der Leser, durch die analytische Struktur des Romans, teil. Da Nick der Faszination Gatsbys nicht in gleicher Weise erliegt wie dieser dem Zauber Daisys (genauer: des Bildes, das er sich von Daisy gemacht hat) und weil Nick sich mit Werturteilen stets zurückhält, ist er der ideale Erzähler dieses Romans, die zentrale Mittlerfigur. Auf Gatsbys Bitten hin arrangiert Nick ein Zusammentreffen Daisys mit Gatsby und die beiden verlieben sich erneut. Tom Buchanan, der selbst seit langem ein Verhältnis mit der primitiven, aber vitalen Myrtle Wilson, der Frau eines Tankwarts, unterhält, gesteht Daisy jedoch die Freiheit, die er für sich in Anspruch nimmt, nicht zu. Nach einem Streit zwischen Tom, Daisy und Gatsby anläss-lich eines Ausflugs in die Stadt kommt es zu tragischen Komplikationen. In ihrer Erregung überfährt Daisy auf dem Rückweg nach West Egg, den sie - gemäß Toms Arrangement - allein mit Gatsby in Toms Auto antrat, unwissentlich vor der Tankstelle ihre Nebenbuhlerin Myrtle Wilson und begeht Unfallflucht. Myrtle war ihrerseits auf der Flucht vor ihrem Mann, der Myrtles Doppelleben auf die Spur gekommen war, aus dem Haus und Daisy vor das Auto gelaufen. Der mit Nick folgende Tom entdeckt die tote Myrtle und lenkt (da Wilson, der Tankwart, noch nicht weiß, dass Tom der Geliebte seiner Frau war) den Verdacht skrupellos und geschickt auf Gatsby, um sich so des Nebenbuhlers zu entledigen. Daisy weicht der Entscheidung zwischen Tom und Gatsby feige aus. Nick sieht das Verhängnis kommen, kann Gatsby aber nicht mehr rechtzeitig warnen. Wilson erschießt Gatsby in dessen Garten und begeht Selbstmord.
Nach der Katastrophe verlassen Tom und Daisy, die sich arrangiert haben, überstürzt West Egg zu einer Ferienreise, Nick fallen die "Aufräumungsarbeiten" bei Gatsby zu. Während sich auf Gatsbys Parties Hunderte von Gästen tummelten, bleibt der tote Gatsby allein. Nur der eigens aus Dakota angereiste Vater, Nick und zwei versprengte Trauergäste finden sich zur Beerdigung ein. Nick, nach diesen Erlebnissen mit der Ostküsten-Gesellschaft desillusioniert und zu der Erkenntnis gekommen, dass Leute wie die Buchanans "gedankenlos zerschlugen, was ihnen unter die Finger kam, totes und lebendiges Inventar, und ... es dann anderen überließen, den Aufwasch zu besorgen", verlässt New York, denn für das Leben im Osten ist er so "untauglich" wie Gatsby, der legendäre Alkoholschmuggler und Spekulant, der mit seiner platonischen Vision von der idealen Liebe das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und an der materialistischen Realität scheiterte. Gatsby personifiziert Fitzgeralds großes Thema, die Suche nach der "second chance".
Der Erfolgsmythos und der Ost-West-Gegensatz geben dem Romangeschehen eine spezifisch amerikanische kulturhistorische Dimension. Die Frage nach dem besten und schnellsten Weg zu Reichtum und Erfolg bewegt die Amerikaner seit Benjamin Franklin, und so ist es kein Zufall, dass Gatsbys Vater im Schlusskapitel, im naiven Glauben, der Sohn habe sich den Reichtum hart erarbeitet, Nick eine Seite aus dem Tagebuch des jungen James Gatz zeigt, die Franklins Tagebuch imitiert. Algers Erfolgsgeschichten stehen bei Gatsbys Aufstieg "aus Lumpen zum Millionär" ebenso Pate wie Franklin und andererseits die dubiosen Spekulanten aus den zwanziger Jahren.
Im berühmten Schlusstableau des Romans hat Nick am Abend vor der Abreise eine Vision von der noch unberührten Natur Long Islands vor der Besiedlung durch die Europäer. Das paradiesische Ideal Amerikas als letzter Chance der Menschheit zu einem Neubeginn im Ein-klang mit der Natur hielt - so lautet das Fazit Fitzgeralds - der historischen Entwicklung ebenso wenig stand wie Gatsbys "Grals-Suche" der Realität.
(gekürzt aus: Dr. Henning Thies: "The great Gatsby" in: "Kindlers neues Literaturlexikon", © CD-ROM 1999 Systhema Verlag GmbH, Buchausgabe Kindler Verlag GmbH)

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unterwww.dzb.de/louis.

ECOFAX - das blindengerechte Fax-Programm unter MS-DOS
- von Ulrich Jander -

Nachdem ich mich in der Vergangenheit etwas mehr dem Internet gewidmet habe, möchte ich heute etwas zum Thema "Faxübertragung mit Hilfe des Computers" schreiben. Betrachtet wird nicht die Variante, unter dem Betriebssystem Windows Fax-Programme einzusetzen. Möglich ist dies sicher, z. B. mit Hilfe von "WinFax Pro" oder "Fritz-Fax". Hier geht es um den Einsatz eines Fax-Programms durch blinde Computernutzer unter dem Betriebssystem MS-DOS.
Die Firma "Eurisco Information Systems" in Massagno (Schweiz) bietet das Fax-Programm "Ecofax" in der Version 2.12 als Shareware für 65 Schweizer Franken an, wenn man es dort registrieren lässt. Zu diesem Zweck gehört zum Programm eine Datei REG.TXT. Die nicht registrierte Fassung funktioniert ebenso, jedoch erscheint auf jeder vom Programm gefaxten Seite die Notiz: "unbefugter Benutzer".
Das Programm "Ecofax" funktioniert textorientiert, die Braillezeile befindet sich immer am Hardcursor, unübersichtliche Menüs gibt es nicht. Das Programm ist, abgesehen von zwei Schwächen, auf die ich noch zu sprechen komme, sehr gut handhabbar. Man kann sowohl Faxe im ASCII-Textformat versenden als auch Faxe empfangen. "Ecofax" sollte in ein eigenes Verzeichnis kopiert werden. Nachdem man das Programm mit "ECOFAX" von der Kommandozeile aufgerufen hat, erscheint das Hauptmenü:

 1. Fax senden
 2. Fax empfangen
 3. Faxverzeichnis
 4. Konfiguration
 5. Programm beenden.

Im Punkt drei werden die Angaben "Name der zu faxenden Datei", ggf. mit Laufwerk und Pfad, und "Rufnummer des Faxgerätes", welches angerufen werden soll, eingetragen. Im Punkt vier "Konfiguration" sind einige Einstellungen vorzunehmen. Z. B. bei "Befehle des Faxmodems" ist der Initstring einzusetzen. Je nach verwendeter Telefonanlage kann dieser unterschiedlich sein. Bei im privaten Bereich üblichen Hauptanschlüssen dürfte der Initstring "&F" richtig sein. "AT" wird von "Ecofax" selbst eingetragen. Bei so genannten Nebenstellentelefonanlagen tritt eine der bereits genannten Schwächen auf. "E-cofax" erkennt meist den internen Betriebston nicht, worauf kein Anwählen des anderen Faxgerätes erfolgt. Es kann sein, dass der Initstring "X3,," oder "X0,," das Fax-Programm funktionstüchtig macht. Der Identifikationscode des eigenen Faxmodems ist frei wählbar, man sollte jedoch nur Buchstaben bis zu zwanzig Zeichen eintragen.
Beim Empfang einer Faxübertragung muss beachtet werden, dass zuvor das Unterverzeichnis in der Konfiguration festgelegt ist, in welches das Faxdokument abgespeichert werden soll, und "Ecofax" mit seinem Auswahlpunkt zwei "Fax empfangen" aufgerufen worden ist. Mit einem Faxmodem oder einer ISDN-Anlage könnten eingehende Faxdokumente gespeichert werden, so dass der Computer nicht ständig eingeschaltet sein muss. Ein empfangenes Faxdokument ist eine Bilddatei, die, wenn man sie als Blinder lesen möchte, eingescannt werden muss. Zuvor kann das Dokument mit Hilfe eines HP- oder Epson-Druckers ausgedruckt werden. Dazu ruft man einfach das Hilfsprogramm "Printefx.exe" auf, welches zu "Ecofax" gehört.
Hinweisen möchte ich auf die Datei "Handbuch.bat". Ruft man diese im Verzeichnis von "Ecofax" direkt auf, so verfügt man über die deutschsprachige Erläuterung zum Einsatz und zur Bedienung des Fax-Programms.
Etwas möchte ich noch zur anderen der beiden Schwächen von "Ecofax" sagen. Nach der Benutzung von "Ecofax" konnte ich nicht mehr auf das Internetprogramm "Lynx" zugreifen. Die von "Lynx" benötigte Datei "ip-up.bat" war ohne Rückfrage gelöscht worden. Sichert man vor der ersten Benutzung von "Ecofax" diese genannte Datei auf einer Diskette und kopiert man die bat-Datei vor der nächsten Anwendung von "Lynx" wieder in dessen Verzeichnis, so funktioniert "Lynx" auch wieder.
Das Programm "Ecofax" mit seinen Dateien benötigt ca. 500 KB. Wenn Sie möchten, kopiere ich Ihnen eine nicht registrierte Fassung auf eine Diskette. Sie haben dann dreißig Tage Zeit, das Fax-Programm zu testen, bevor Sie sich bei der Firma "Eurisco Information Systems" registrieren lassen, wenn Sie "Ecofax" zufrieden stellt. Um eine Kopie des Programms von mir zu bekommen, bitte ich um Zusendung einer Diskette in einer Versandtasche mit Wendeadresse.
Möchten Sie Kontakt mit der Firma "Eurisco" aufnehmen, so wenden Sie sich bitte an:

Eurisco Information Systems
Via San Gottardo 82
CH-6900 Massagno (Schweiz)
Tel.: 00 41 91-9 66 31 24
Fax: 00 41 91-9 68 11 28
E-Mail: info@eurisco.com
Internet: http://www.eurisco.com.

An dieser Stelle danke ich Herrn Meier aus Düren für die Informationen und Anregungen zu "Ecofax". Bei Fragen oder Problemen bzw. mit Hinweisen können Sie sich gern an mich wenden unter:

Tel.: 03 41-71 13-142
Fax: 03 41-71 13-125
E-Mail: jander@dzb.de.
 

nfo-Service

Die Info-Kassette 2000

Auch im Jahr 2000 verschicken wir wieder eine DZB-Info-Kassette an alle Nutzerinnen und Nutzer unserer Einrichtung.
In dieser Ausgabe wird speziell die Hörbücherei mit Original-Tönen vorgestellt. Außerdem interviewt Herr Schiller Herrn Jander zum Thema LOUIS und Frau Siems hat viele Tipps aus unserem DZB-Angebot zusammengestellt.
Der Info-Kassette liegt ein Überweisungsschein für alle diejenigen bei, die unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen wollen.
Unser Spendenkonto:
Konto-Nr.: 11 00 49 11 00
Bankleitzahl: 860 555 92
Stadt- und Kreissparkasse Leipzig.
 

Reha.Komm 2000

Die Standnummer, unter der die DZB vom 14.-16. September auf der Reha.Komm vertreten sein wird, lautet: Halle 9, Nr. A2.
 

Mitteilung des Verlages

Um die Zahlungsmoral in der Bundesrepublik zu verbessern, hat der Bundestag das "Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen" verabschiedet, das am 1. Mai 2000 in Kraft getreten ist. Für Schuldner soll es sich nun durch Verzugszinsen in Höhe von 5 % über dem Basiszinssatz nicht mehr lohnen, fällige Rechnungen erst mit Verzögerung zu bezahlen. Andererseits haben Schuldner bei Geldforderungen in vielen Fällen aber auch eine gesetzliche Zahlungsfrist von 30 Tagen.
Das Gesetz zur Beschleunigung fälliger Zahlungen gilt auch in der DZB. Früher wurden säumige Kunden 3 Wochen nach Fälligkeit zum ersten Mal durch die Landesoberkasse gemahnt, frühestens nach weiteren drei Wochen erfolgte eine weitere Mahnung durch die DZB mit einer neuen Zahlungsfrist von 14 Tagen. Somit hatte der säumige Zahler mindestens 10 Wochen Zeit, bis er mit Sanktionen rechnen musste.
Nach der neuen gesetzlichen Regelung erfolgt nunmehr sofort nach Ablauf der Zahlungsfrist eine Mahnung durch die Landesoberkasse, eine zweite Mahnung durch die DZB entfällt. Des weiteren stellt die DZB nach einer so genannten "Rückstandsanzeige" bei Zeitschriften die Belieferung sofort ein. Fällige Zahlungen werden der Rechtsabteilung beim Landesamt für Finanzen übergeben.
Wir nehmen dies zum Anlass, um allen unseren Kunden nochmals die Möglichkeit der Zahlung per Abbuchung vom Konto zu empfehlen.
 

"Nachrichtendienst des Deutschen Vereins" -  jetzt digital beim DVBS

Im Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge sind freie und öffentliche Träger der sozialen Arbeit und der Wohlfahrtspflege zusammengeschlossen. Der Deutsche Verein ist wichtiger Ansprechpartner für die Politik in sozialpolitischen Fragen und in Fragen der sozialen Arbeit. Im NDV, dem "Nachrichtendienst des Deutschen Vereins", dem Vereinsorgan, kommen entsprechend die aktuellen und wichtigen Fragen bezüglich der Weiterentwicklung von Sozialpolitik, Sozialrecht und sozialer Arbeit zur Sprache. Folglich ist der NDV eine wichtige Informationsquelle für Leute, die in der öffentlichen Wohlfahrtspflege oder in sozialen Organisationen tätig sind oder sich auf eine solche Tätigkeit vorbereiten.
Auch in der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf e. V. (DVBS) wird der NDV genutzt. Der DVBS wird den NDV nun auch digital zur Verfügung stellen, wenn er dafür genügend Interessenten findet. Eine entsprechende Vereinbarung mit der Redaktion des NDV ist getroffen.
Was steht drin im NDV? Rubriken sind zum Beispiel: Aus der sozialen Arbeit, Abhandlungen, Berichte aus der Arbeit des Deutschen Vereins, Nachrichten - und ganz wichtig: Informationen aus dem Sozialrecht. Der NDV erscheint monatlich. Die digitale Form ist im ASCII-Format erhältlich, also unter DOS- und Windows-Programmen lesbar. Die Zustellung geschieht auf Diskette im Einwegversand oder per E-Mail. Gestartet wird mit der Juni-Ausgabe. Das Jahres-Abonnement kostet DM 70,00, und eine kostenlose Probenummer kann angefordert werden. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle des DVBS, Aufsprachedienst, Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg, Telefon: (0 64 21) 9 48 88-22, E-Mail: adw@dvbs-online.de.
 

Aktuell auf Audiokassette: Der EXPO-Guide - offizieller Führer durch die EXPO 2000

Hrsg.: EXPO 2000 Hannover GmbH. Gütersloh, Bertelsmann EventMedia GmbH, 2000.

Möchten auch Sie die EXPO besuchen? Dann ist der EXPO-Guide für Sie sicher eine gute Lektüre zur Vorbereitung Ihres EXPO-Besuchs.
Der Führer ist gut gegliedert: Zu Beginn erhält die/der Leser/in einen kurzen Überblick über das 121.000 qm große Messegelände, auf dem sich rund 130 Nationen präsentieren. Danach werden die vier Säulen der EXPO, nämlich Themenpark, Teilnehmer, weltweite Projekte im Global House sowie das Kultur- und Ereignisprogramm, ausführlich erläutert. Im Anhang befinden sich der Veranstaltungskalender, Hinweise zur Anreise, Unterkunft und Service, sowie eine alphabetische EXPO-Teilnehmerliste.

Zum Themenpark
Er bietet 11 Ausstellungen auf 100.000 qm. Präsentationen gibt es zu folgenden Themen: Mobilität, Zukunft der Arbeit, Wissen, Energie, Gesundheit, Ernährung, Basic Needs, Umwelt, Mensch, Planet of Visions (eine Präsentation in Form eines dreidimensionalen Riesengemäldes) und 21. Jahrhundert. In dieser Ausstellung hat der/die Besucher/in die Chance, vier reale Städte in den Jahren 2000, 2001, 2030 und 2070 zu erkunden. Auch auf die anderen Themen erhält man im EXPO-Guide einen Vorgeschmack. So wird z.B. allen, die sich nicht vorstellen können, dass die Welt noch hektischer werden kann als sie bisher ist, der Besuch eines surrealen Supermarktes in der Themenausstellung "Basic Needs" empfohlen. Interessant für Blinde und Sehbehinderte ist sicher die Erlebniswelt "Feel, Touch and See" im "Global House": In organisch geformten Räumen wird der/die Besucher/in durch Farben, Geräusche und Gerüche in eine andere Atmosphäre entführt.

Zu den Teilnehmern der EXPO
Dieses Kapitel beschreibt ausführlich die Prä-sentationen der EXPO-Teilnehmer. So erhält der/die Besucher/in z. B. in der Afrika-Halle u. a. die Möglichkeit, durch afrikanische Basare zu bummeln. Die Gelegenheit zu einer kleinen Ru-hepause bietet z. B. ein vollständig aus leeren Getränkedosen errichtetes Café, das sich eben-falls in der Afrika-Halle befindet.

Ob Thema oder Teilnehmer - im EXPO-Guide wird jede Präsentation aufgeführt. Daher ist er für all diejenigen eine empfehlenswerte Lektüre, die wissen möchten, was die Expo zu bieten hat. Für Blinde und Sehbehinderte ist der Expo-Guide jetzt auch zu den üblichen Bedingungen auf Audio-Kassetten erhältlich. Er umfasst sieben 90-minütige Kassetten. Zwischen den einzelnen Kapiteln erleichtert ein Signalton das schnellere Auffinden.
Bezug über: Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V., Frauenbergstraße 8, 35039 Marburg,
Tel. (0 6 421) 9 48 88-22; Fax (0 64 21) 9 48 88-10; E-Mail: adw@dvbs-online.de
(Best. Nr. 5519; DM 49,00).
(R. Schroll)
 

Die hundert Wörter des Jahrhunderts

Journalisten, Wissenschaftler und die Gesellschaft für deutsche Sprache haben "100 Wörter des Jahrhunderts" ausgewählt. Die Liste umfasst folgende Begriffe: Aids - Antibiotikum - Apartheid - Atombombe - Autobahn - Automatisierung - Beat - Beton - Bikini - Blockwart - Bolschewismus - Camping - Comics - Computer - Demokratisierung - Demonstration - Demoskopie - Deportation - Design - Doping - Dritte Welt - Drogen - Eiserner Vorhang - Emanzipation - Energiekrise - Entsorgung - Faschismus - Fernsehen - Film - Fließband - Flugzeug - Freizeit - Führer - Friedensbewegung - Fundamentalismus - Gen - Globalisierung - Holocaust - Image - Inflation - Information - Jeans - Jugendstil - Kalter Krieg - Kaugummi - Klimakatastrophe - Kommunikation - Konzentrationslager - Kreditkarte - Kugelschreiber - Luftkrieg - Mafia - Manipulation - Massenmedien - Molotow-Cocktail - Mondlandung - Oktoberrevolution - Panzer - Perestroika - Pille - Planwirtschaft - Pop - Psychoanalyse - Radar - Radio - Reißverschluss - Relativitätstheorie - Rock 'n' Roll - Satellit - Säuberung - Schauprozess - Schreibtischtäter - Schwarzarbeit - Schwarzer Freitag - schwul - Selbstverwirklichung - Sex - Soziale Marktwirtschaft - Single - Sport - Sputnik - Star - Stau - Sterbehilfe - Stress - Terrorismus - U-Boot - Umweltschutz - Urknall - Verdrängung - Vitamin - Völkerbund - Völkermord - Volkswagen - Währungsreform - Weltkrieg - Wende - Werbung - Wiedervereinigung - Wolkenkratzer.
 

Psychologischer Beratungsdienst für Sehbehinderte und Blinde

Im Mobilitätszentrum Berlin-Hirschgarten finden folgende Wochenendseminare statt:

20.-22.10.:
Selbstmanagement mit dem ABC System
- das Seminar vermittelt die Fähigkeit zur Selbstanalyse von Gefühlen, Denk- und Verhaltensmustern.

01.-03.12.:
"Männersachen" - Ein Männerseminar
Inhalte:
- neue Einstellung zu sich selbst, zu ande-ren und zum Leben.
- Sensibilisierung der Männerrolle für feinere seelische und körperliche Prozesse.

Ausführliche Informationen bietet die kostenlose Info-Cassette "Das Psycho-Studio", zu beziehen über die Telefonnummer (0 52 81) 1 73 91.
 

DBBW-Präsenz im Internet

Das Deutsche Blindenbildungswerk hat nun seine eigene Domain im Internet: dbbw.de . Dementsprechend lauten nunmehr die Internet-Adressen:
E-Mail: info@dbbw.de
Homepage: http://www.dbbw.de
Weiterhin wurde eine Mailingliste eingerichtet, über die man sich über Neuigkeiten beim DBBW informieren kann.
Um sich anzumelden, schickt man eine E-Mail-Nachricht ohne Betreff und ohne Nachrichtentext an dbbw-infos-subscribe@egroups.de .
Die Liste ist einsehbar unter
 http://www.egroups.de/group/dbbw-infos .
 

Lehrgänge des DBBW

"Praktische Einführung in Winword"
19.-26.11.2000
Kur- und Begegnungszentrum, 82442 Saulgrub
Anmeldeschluss: 6.10.2000 (1.700,00 DM)

"Das Anti-Stress-Programm - Der richtige Umgang mit Spannung und Entspannung"
26.11.-01.12.2000
Bildungszentrum der Arbeitskammer des Saar-landes, 66459 Kirkel
Anmeldeschluss: 13.10.2000 (1.098,00 DM)

"Einführung in das Internet"
(Förderung beantragt)
14.-19.01.2001
Harz-Sanatorium "Hermann Schimpf", 37520 Osterode am Harz
Anmeldeschluss: 24.11.2000 (1.200,00 DM)

Kontaktadresse für alle Veranstaltungen:
DBBW - Deutsches
Blindenbildungswerk GmbH
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: (0 76 21) 79 92 30; Fax: (0 76 21) 79 92 31
e-mail: dbbw@stepnet.de
 

Neue Fernseh- und Rundfunkprogramme in Blindenschrift

Das Blindenhilfswerk Berlin und die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) haben vereinbart, bei Produktion und deutschlandweitem Vertrieb von TV- und Rundfunkprogrammen zusammenzuarbeiten.

Um das Angebot für blinde Leser erweitern und verbessern zu können sowie aufwändige Doppelproduktionen beider Partner zu vermeiden, wurde folgende Vereinbarung getroffen:

Ab 1. Januar 2001 bietet ausschließlich das Blindenhilfswerk Berlin Fernsehprogramme in Blindenschrift an. Ausführliche Informationen zu Programminhalten der öffentlich/rechtlichen Hörfunkanstalten erhalten Brailleleser auch weiterhin aus Leipzig von der DZB.
Beide Zeitschriften erscheinen in gedruckter Form in Blindenkurzschrift sowie auf Diskette wahlweise in Voll- oder Kurzschrift.

"Braille-TV" erscheint wöchentlich.
Der Jahresbezugspreis beträgt 60,00 DM.

Bestell- und Abonnentenservice:
Blindenhilfswerk Berlin,
Rothenburgerstr. 15, 12165 Berlin
Telefon: (0 30) 7 92 50 31
Telefax: (0 30) 7 93 14 15
E-Mail: blindenhilfswerk.berlin@t-online.de

Die erweiterte und neu gestaltete Wochenzeitschrift "Braille-RADIO" der DZB enthält ausführliche Programminformationen.
Der Jahresbezugspreis beträgt 60,00 DM.

Bestell- und Abonnentenservice:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig,
Postfach 10 02 45, 4002 Leipzig
Telefon: (03 41) 7 11 31 20
Telefax: (03 41) 7 11 31 25
E-Mail: abo@dzb.de

(Dr. Thomas Kahlisch, Direktor DZB, & Jürgen Lubnau, Geschäftsführer Blindenhilfswerk Berlin)
 

Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM).  Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.

Herausgeber, Verlag und Druck:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: (03 41) 71 13 - 0,
Telefax: (03 41) 71 13 - 1 25
Internet: www.dzb.de, E-Mail: info@dzb.de

Redaktion:
Karsten Sachse, Telefon (03 41)  71 13 - 1 35

Abonnements, Anzeigen:
Ilona Portleroy, Telefon (03 41)  71 13 - 1 20.

Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Für alle anderen Anzeigen gilt unsere Anzeigenpreisliste: pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).

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