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Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Nr. 1/2001 Januar/Februar 11. Jahrgang



Inhalt


Vorbemerkung

Nachruf

Unsere Postecke

Anregend in Wort und Schrift Zur Verabschiedung von Helmut Schiller

Einblicke
    Zwei rücken zusammen Bibliotheks- und Informationsservice in der DZB
    Produktionsvorhaben im neuen Jahr

Wie war das damals?
    Das Kur- und Erholungswesen deutscher Blinden-Selbsthilfeorganisationen an der Ost- und Nordsee

Die Kramkiste
    Stanislaw Lem: »Eden«
    Vicki Baum: »Menschen im Hotel«

Bücher des Jahrhunderts
    Alan Alexander Milne: Pu der Bär

LOUIS
    Hörbuchkataloge auf Diskette, CD-ROM und im Internet

Info-Service
    Führungen in der DZB
    Neuer Katalog im Landeshilfsmittelzentrum
    Leipziger Buchmesse mit noch mehr Hörbüchern
    Lehrgänge des DBBW

Impressum

 

Vorbemerkung

Wenn Sie diese Ausgabe der DZBN erhalten haben, dann hat es begonnen, - ganz wie Sie wollen - das neue Jahr, Jahrhundert oder Jahrtausend. Wir hoffen, dass Sie gut „reingerutscht sind und wünschen Gesundheit und viel Erfolg für das Kommende.
Wie die sich langsam füllenden Terminkalender zeigen, wird auch das neue Jahr ein abwechslungsreiches und davon gehen wir aus für die DZB ein ebenso erfolgreiches wie das vergangene.
Die Pläne für das erste Halbjahr sind geschrieben und so langsam sind auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ihrem verdienten Urlaub zum Jahreswechsel zurück. Schulbücher, Bilderbücher für Kinder und eine ganze Reihe von belletristischen Titeln warten auf ihre Umsetzung in Blindenschrift. Die Kollegen aus dem Studio haben sich für dieses Jahr vorgenommen, neben der Hörbuch- und Hörzeitschriftenproduktion mit der Digitalisierung unseres Masterbandbestandes zu beginnen. Diese aufwändige und umfangreiche Arbeit ist notwendig, um die Einführung der neuen Hörbuchgeneration vorzubereiten. Wir werden Sie, liebe Leserinnen und Leser zu DAISY und den damit verbundenen Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Im Bereich des Verlags ist eine kleine Veränderung bei der Zeitschriftenredaktion zu vermelden. Ab Januar diesen Jahres übernimmt Frau Gabi Schulze die redaktionelle Betreuung der Hörzeitschrift „6 mal Sex. Es sind auch Veränderungen in den Abteilungen Bibliothek und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu vermelden, hierzu lesen sie bitte weiter unten.
Neben der wie in jedem Jahr im März stattfindenden Leipziger Buchmesse präsentiert sich die DZB auch auf der zweiten Reha-Vision, die vom 7. Bis 9. Juni auf dem neuen Messegelände organisiert wird. Hier wollen wir nicht nur auf einem großen Messestand zeigen, was es neues gibt, sondern gemeinsam mit dem Stadtvorstand Leipzig des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes Sachsen und dem Naturkundemuseum Leipzig unter dem Titel "Lebensraum Leipzig für Blinde und Sehbehinderte" eine Forumveranstaltung anbieten. Mehr Informationen dazu wird es in einer der kommenden Ausgaben der DZBN geben.

Dr. Thomas Kahlisch


Nachruf

Vom "Blindenschrift-Verlag und -Druckerei Pauline von Mallinckrodt GmbH" aus Paderborn erhielten wir die traurige Nachricht vom Ableben der langjährigen Leiterin Frau Rosemarie Juschus.
Als Schwester Mediatrix trat sie 1953 in die Ordensgemeinschaft "Christliche Liebe" ein.
Seit 1954 setzte sie ihre Kraft und Fähigkeiten selbstlos und ver-antwortungsbewusst als Mitarbeiterin und seit 1970 als die Leiterin des Verlages ein.
In ihr verliert die Blindenschriftdruckerei in Paderborn eine engagierte und kompetente Leiterin.


Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Zum Artikel über die Festveranstaltung anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Brailleschrift äußert sich A. Zimmermann aus Zwickau:
"(...) Mit der Schaffung einer Schrift für Blinde ist uns ein großes Stück Unabhängigkeit gegeben worden. Man sollte aber damit nicht so einen großen Kult veranstalten. Ich finde es kindisch, auf diese Erfindung eine Hymne darzubieten. (...)"

Auch für Herrn Dietmar Wenner aus VS-Schwenningen war besagter Artikel der Anlass, uns zu schreiben:
"(...) Da ich zu den Späterblindeten gehöre, lehne ich mich eher an die Worte des Herrn Dr. Tschirner. Die 'Gegenwart' hat in der Ausgabe 10/2000 sogar von 80% von Nichtbraillekennern geschrieben, zu denen ich gehöre und deshalb nach 'Groß-Braille' in Leipzig angefragt habe (nachdem es ja auch normalen Großdruck gibt), denn ich bin hoch motiviert, aber unter die Finger bring ich's nicht, trotz vieler Übungsstunden. Mit Frust höre ich dann die vielen DBBW- und WWW-Angebote an, die mir verschlossen bleiben.
Die Freude ist dann aber wieder groß, wenn ich ein interessantes oder spannendes Hörbuch aus der ver-klemm-ten Abteilung bekomme, wovon ich regen Gebrauch mache (...)."

Zahlreiche Meinungen sind inzwischen zur Einstellung der Fernsehzeitung eingegangen. Stellvertretend für viele werden die folgenden zitiert.
Ebenfalls aus Zwickau meldet sich Herr Stefan Singer zu Wort:
"(...) Die Arbeitsteilung mit Berlin (Rundfunkprogramm in Leipzig, TV-Programm in Berlin) findet Zustimmung! Tatsächlich etwas leidig ist, dass die Sendungen mancher Programme nach unserer Zeitschrift erst am Abend beginnen sollen.
Die Anzahl der in Punktschrift wiedergegebenen Programme ist ohnehin begrenzt; was bedeutet, dass nicht jedem alles Recht gemacht werden kann! (...)"

Per E-Mail meldete sich Herr Thomas Groß zu Wort:
"(...) auch ich bedauere sehr die Einstellung der Fernsehprogrammzeitschrift durch die DZB. Ich habe zwar dafür vollstes Verständnis, dass Doppelproduktionen keinen Sinn machen und auch nicht wirtschaftlich sind, doch konnten mich bis jetzt die Ausführungen in ihren Zeitschriften nicht überzeugen, weshalb die DZB als bekannte Druckerei eine bewährte Zeitschrift zugunsten einer zumindest mir unbekannten Druckerei einstellt. Insbesondere, wenn das Produkt dieser mir unbekannten Druckerei nach den Ausführungen eines Lesers in den letzten DZBN offensichtlich im Hinblick auf die übersichtliche Gestaltung und im Hinblick auf das inhaltliche Angebot dem Produkt der DZB nicht gleicht, sondern wohl schlechter ist.
Die Ihrerseits gegebenen Erläuterungen waren so allgemein, dass bei mir der Eindruck geweckt ist, dass diese Entscheidung durch die DZB nicht mit Überzeugung getragen wird, sondern die Einstellung nur sehr ungern erfolgt, was ich verstehen würde. Hierfür spricht auch die Einstellungsmitteilung ohne jede Vorwarnung. Wenn der Entscheidung tatsächlich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zugrunde liegen würde, so hätte man die Leser der jeweiligen Programmzeitschrift unter Beifügung eines Probeexemplars der jeweiligen anderen Programmzeitschrift um ihre Meinung fragen können und an Hand der Meinungen ein neues Produkt konzipieren können, egal in welchem Hause es dann produziert wird. Ich würde mir in den nächsten DZBN hierzu umfassendere Informationen wünschen (...)."

Post zum Thema kam auch von Frau Gabriele Müllner aus München:
"(...) Mit großem Bedauern habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Fernsehzeitschrift zum Ende des Jahres eingestellt wird. Die Gründe hierfür sind mir zwar bekannt, aber keineswegs verständlich.
In der Welt der Sehenden gibt es eine Masse an Auswahlmöglichkeiten für Fernsehzeitschriften. Warum soll einem Blinden die Auswahl verwehrt werden?
In meinem Bekanntenkreis gibt es viele, die mit Ihrer Zeitschrift außerordentlich zufrieden waren. Überall wird Enttäuschung laut.
Mittlerweile haben ich und andere uns ein Exemplar der Zeitung aus Berlin angesehen. Leider mussten wir feststellen, dass diese für Blinde im Aufbau völlig ungeeignet und unkomfortabel ist. Im Gegensatz zur Berliner Ausgabe konnte man bei Ihren Exemplaren jede Uhrzeit bequem und sofort finden. (...)
Für viele stellt sich jetzt die Frage, ob man nicht gleich eines der vielen Schwarzschriftexemplare abonnieren soll. In der Welt der Scanner kann man so wesentlich preiswerter zu einer unübersichtlichen Zeitschriftenausgabe gelangen.
In diesem Schreiben wollte ich Ihnen dies alles einmal in aller Deutlichkeit mitteilen und Ihnen für die bis jetzt so ordentliche Arbeit danken (...)."

BEMERKUNG DER REDAKTION
Ihnen und allen anderen Kundinnen und Kunden möchten wir für das in unsere Produkte gesetzte Vertrauen herzlich danken. Es tut uns Leid, dass es im Vorfeld der gefällten Entscheidungen keine breite Diskussion geben konnte. Aber dann hätten wir noch ein Jahr warten müssen, und das wollten wir wie schon an anderer Stelle erläutert - aufgrund der anstehenden Projekte nicht. Zu welchem Ergebnis eine breite Diskussion geführt hätte, mag jedoch dahingestellt bleiben. Eines sollte bedacht werden: die Berliner Fernsehzeitschrift hatte bisher mindestens ebenso viele Abonnenten wie die aus der DZB. Das heißt, dass auch das Berliner Konzept eine große Anzahl von Befürwortern haben dürfte. Natürlich steht es jedem Empfänger der Berliner Fernsehzeitschrift frei, der Berliner Redaktion Änderungsvorschläge zu unterbreiten, die dort sicherlich entsprechend der materiellen und personellen Gegebenheiten geprüft werden. Auch bei Erscheinungsbeginn unserer Fernsehprogrammzeitschrift gab es geteilte Meinungen zu Format und Inhalt, bei denen die DZB nicht nur gelobt wurde DZBN-Leserinnen und -Leser erinnern sich bestimmt an das Thema "ShowView".

Die Beschriftung der Neuerscheinungen aus dem Verlag der DZB sind Thema im Leserbrief von Herrn Günther Schmohl aus Gernsbach:
"(...) Immer wieder freue ich mich an den schön eingebundenen Büchern aus Leipzig. Etwas vermisse ich allerdings dabei, was leicht zu ändern wäre. Bei den neueren Produkten fehlen mir Schwarzdrucketiketts auf jedem einzelnen Band. Es kann doch vorkommen, dass ein Blinder ins Krankenhaus muss und sich von einem Sehenden ein Buch aus seiner privaten Bibliothek mitbringen lassen will. Dies ist freilich nur möglich, wenn das Buch entsprechend gekennzeichnet ist.
Bei Leihbüchern ist das ja kein Problem, wohl aber bei Büchern in Privatbesitz. Schließlich muss ja auch gelegentlich mal ein Nachlass geordnet werden. Durch Anbringen eines Zettels auf dem vorderen Buchdeckel oder Einstanzen in den Rücken, wie das früher bei den Leipziger Büchern üblich war, könnte dieser kleine Fehler beseitigt werden. (...)"

BEMERKUNG DER REDAKTION
Die im Verkauf angebotenen Festeinbände erhalten nach wie vor die entsprechende Kennzeichnung in Punktschrift und Schwarzschrift (Goldprägedruck) auf dem Buchrücken. Titel, bei denen aus Platzgründen keine Kennzeichnung auf dem Buchrücken möglich ist, werden auf dem vorderen Einbanddeckel entsprechend gekennzeichnet. Nur bei besonderen Einbandgestaltungen, wie z.B. den Verzeichnissen der Autobahnanschlüsse, deren Einband vorn aus Folie besteht, muss die Kennzeichnung in Schwarzschrift entfallen.

Einen Vorschlag für die Kalenderproduktion macht Frau Ilse Neunzig aus Asperg:
"(...) Könnte die DZB nicht einen Abreißkalender herausbringen, einen Mondkalender? (...)"
BEMERKUNG DER REDAKTION
Wir bedanken uns für Ihren Vorschlag und werden ihn hinsichtlich seiner Realisierungsmöglichkeiten prüfen.

Zum Schluss noch eine Bitte von Dr. Hans-Eugen Schulze aus Karlsruhe. Sein Ratgeber für Altersblinde "Nicht verzagen, sondern wagen" liegt inzwischen in allen Editionsformen vor: sehende Angehörige und Berater erhalten ihn in Schwarzschrift bei der Christoffel-Blindenmission, Tel.: (0 62 51)13 12 92 zum Herstellungspreis von 19,60 DM plus Porto; auf Kassette und in Blindenschrift gibt es den Ratgeber auch in der DZB. Die Kassettenausgabe, bei der Kapitel- und Zwischenüberschriften durch unterschiedliche Tonsignale markiert sind, darf sogar ausdrücklich kopiert und verteilt werden.
Der Verfasser des Ratgebers bittet nun alle, die das Buch hören oder lesen, ihm für die nächste Auflage mitzuteilen, was er Altersblinden zusätzlich oder verbessert raten könnte. Hier die Anschrift:
Dr. Hans-Eugen Schulze,
Albert-Braun-Str. 10b,
76189 Karlsruhe,
Tel.: (07 21) 86 26 26; auf Anrufbeantworter bitte Telefonnummer für Rückruf hinterlassen.

Anregend in Wort und Schrift Zur Verabschiedung von Helmut Schiller

Von Thomas Kahlisch

Den feierlichen Rahmen der Festveranstaltung "6 Richtige 175 Jahre Brailleschrift am 13. Oktober 2000 in der Alten Börse Leipzig nutzten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DZB, um Herrn Helmut Schiller Dank und Anerkennung für die von ihm geleistete Arbeit auszusprechen. Herr Schiller beendete am 31. Dezember 2000 altersbedingt seine Tätigkeit für die DZB. Er wird, wie er selbst auf der Festveranstaltung sagte, sich in seinem kommenden Lebensabschnitt ganz und gar auf seine schriftstellerischen Aktivitäten konzentrieren.
Herr Schiller ist den Leserinnen und Lesern der "DZB-Nachrichten und der Zeitschrift "Die Gegenwart bestens bekannt. In zahlreichen Veröffentlichungen berichtete er aus der Arbeit der DZB, diskutierte historische Entwicklungen und Zusammenhänge und würdigte bedeutende Persönlichkeiten der Blindenselbsthilfe.
Das Schreiben war schon immer die Passion des gebürtigen Leipzigers. Als Lehrer, so berichtet er, blieb ihm dazu wenig Zeit. Da kam ihm das Angebot des ehemaligen Direktors der DZB, Siegfried Tschirner, sehr recht. Die DZB suchte 1986 einen neuen Mitarbeiter, der in einer Teilzeitbeschäftigung das Vakuumtiefziehgerät zu bedienen hatte. "Bei dieser Tätigkeit hatte ich den Kopf häufig frei, um über neue Romanprojekte nachzudenken berichtet er. Zwischenzeitlich scheute er sich nicht, viele unterschiedliche Arbeitsaufgaben in der Gustav-Adolf-Straße zu übernehmen. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen erzählt er: "Vom Rasenmähen bis zum Abteilungsleiter war alles dabei.
Als zu Beginn der 90er-Jahre die Unterlagen der Dokumentationsstelle zum Blindenwesen des Blinden-und-Sehschwachen-Verbandes der DDR in der DZB ein neues und bleibendes Domizil fanden, beauftragte die Leitung des Hauses Helmut Schiller mit der Sichtung und Pflege dieses historisch wertvollen Bestandes. Die Wissenschaftliche Bibliothek des Blindenwesens der DZB war geboren. Helmut Schiller wurde ihr Leiter. Gemeinsam mit der Dipl.-Bibliothekarin Angelika Müller unterstützte Herr Schiller seitdem so manchen Studenten, Wissenschaftler oder einfach interessierten Leser bei Recherchen. Heute sind in der Wissenschaftlichen Bibliothek der DZB über 3.800 Monographien, 55 verschiedene Zeitschriften und viele andere Informationen abrufbar. Ein wertvoller Fundus für alle, die sich mit dem Themenfeld Blindheit in all seinen Variationen auseinander setzen wollen. Mit Ulrich Jander erhielt die Wissenschaftliche Bibliothek im Sommer 1999 eine personelle Stärkung. Ihm, als wissenschaftlichem Dokumentar, obliegt es, im Rahmen des Beratungsservice LOUIS die modernen und sehr technisch orientierten Informationsmittel für blinde Menschen zu erkunden und an die Klientel in geeigneter Form zu vermitteln.
Die Zeit für eigene Romanprojekte war, entgegen Helmut Schillers anfänglichen Erwartungen, doch recht kurz bemessen. Dazu kam, dass er 1992 mit dem Erstellen einer Monographie zur Geschichte der DZB betraut wurde. Der Zeitpunkt war gut gewählt, schließlich beging das Haus am 12. November 1994 seinen 100-sten Geburtstag. So heißt die ausführliche Chronik, welche er dazu vorlegte, "Hundert Jahre DZB.
Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass sowohl dieses Buch als auch seine beiden Romane "Antonias Vater und "Petting in der DZB ausgeliehen werden können.
Ob als Abteilungsleiter der Wissenschaftlichen Bibliothek, als Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit der DZB oder als Privatperson, Helmut Schiller zeigte jederzeit Engagement und Verständnis für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen. Mit seinem Ausscheiden steht das Haus vor der nicht ganz einfachen Aufgabe, neue Akzente gerade auf dem heute so wichtigen Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit zu setzen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DZB wünschen Helmut Schiller Gesundheit, Tatkraft und viele Ideen, die von ihm in anregender Form in Wort und Schrift umzusetzen sind.

Einblicke

Zwei rücken zusammen Bibliotheks- und Informationsservice in der DZB

Von Thomas Kahlisch

Seit 1. Januar 2001 gibt es in der DZB keine getrennten Bibliotheksabteilungen mehr. Mit dem Ausscheiden Helmut Schillers als Abteilungsleiter der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens rücken Angelika Müller und Ulrich Jander nach ihrem Umzug in die erste Etage des Hauses 7 auch in räumliche Nähe zu den Kolleginnen und Kollegen der Hörbücherei und Punktschriftbibliothek.
Die somit räumlich und organisatorisch zusammengeführten Bibliotheksbereiche der DZB verstehen sich auch weiterhin als der wichtigste Informations- und Anlaufpunkt für kostenfreie Ausleih- und Beratungsangebote an literaturinteressierte Blinde und Sehbehinderte.
Jörg Klemm, als neuer und alter Abteilungsleiter der Bibliothek, kümmert sich um die Konzepte der Katalogarbeit und gemeinsam mit Frau Jana Waldt um die vielen Hörerinnen und Hörer der Hörbücherei. Frau Waldt steht daneben auch weiterhin allen Nutzern der Notenbibliothek zur Verfügung.
Susanne Siems ist als stellvertretende Abteilungsleiterin für die Punktschriftbibliothek zuständig und wird sich zukünftig mehr im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit für das gesamte Haus einbringen. Unterstützung in der Punktschriftausleihe erhält sie dabei von Heiko Kampa und Angelika Müller.
Christina Ball, Brigitte Gassner, Silvia Seßler und Anatoli Krüger sorgen als BibliothekstechnikerInnen dafür, dass die blauen und kleinen braunen Hörbuchschachteln und schwarzen Punktschriftkoffer pünktlich bei den Lesern ankommen.
In Frau Müller finden die Nutzer der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens auch weiterhin eine kompetente Bibliothekarin, die mit Recherchen und Quellennachweisen Unterstützung bietet.
Auch Ulrich Jander ist mit seinem Beratungsangebot LOUIS in die erste Etage umgezogen. Der neue Informationsservice hat sich bewährt und schon so manchem privaten Computeranwender nützliche Anregung oder Hilfe gegeben.
Die neue Abteilung Bibliothek hat sich viel vorgenommen. Ein Katalog auf CD-ROM, die Einführung eines computergestützten Ausleihverfahrens in der Punktschriftbibliothek und neue Internetangebote sollen hier nur beispielhaft genannt werden. Klar ist, dass Information und Beratung, ob am Telefon, in Blinden- oder Schwarzschrift, auf Kassette oder per E-Mail, auch weiterhin groß geschrieben wird. Wünschen wir Herrn Klemm und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Erfolg dabei.

Die neue Bibliothek der DZB:
- Jörg Klemm
(Abteilungsleiter) 117
- Jana Waldt
(Hörbuch- und Punktschriftnotenausleihe) 116
- Susanne Siems und Heiko Kampa
(Punktschriftbibliothek) 114
- Angelika Müller
(Wissenschaftliche Bibliothek) 115
- Ulrich Jander
(Beratungsdienst LOUIS) 145

E-Mail-Schreiber wenden sich bitte an:
bibliothek@dzb.de


Produktionsvorhaben im neuen Jahr

Traditionsgemäß möchten wir Sie in der ersten Ausgabe des neuen Jahrgangs wieder über die anstehenden Buchproduktionen unterrichten.
Zunächst zu den Produktionsvorhaben im Bereich Hörbuch: Ein Buch, das wir schon vor einiger Zeit aufgesprochen haben, steht immer noch auf den Bestenlisten: "Die Päpstin" von Donna W. Cross. Die Hauptfigur des Romans soll es ja wirklich gegeben haben. Der Engländer Peter Stanford untersucht "Die wahre Geschichte der Päpstin Johanna". Wie ein Detektiv hat der Autor vor Ort - in Rom, Siena, Fulda und Wimborne - Nachforschungen angestellt. Er spürt Verschwörungstheorien nach und geht der inoffiziellen Geschichtsschreibung auf den Grund. Welches Amt bekleidete die historisch belegte Johanna? Ist die ganze Geschichte nur eine Erfindung der Protestanten oder gar ein Mythos, den sich die katholische Kirche selbst ausgedacht hat? Stanford setzt die mysteriöse Geschichte Stück um Stück neu zusammen. Bleiben wir gleich bei der Geschichte von Personen: Friedrich August war der volkstümlichste und beliebteste aller Sachsenkönige. In zahlreichen Anekdoten sind seine Lauterkeit und sächselnde Unbekümmertheit überliefert. In "Sachsens letzter König Friedrich August III." stellt Walter Fellmann eine Biografie vor, in der sich das nüchterne Urteil des Historikers mit der Sympathie für dieses echte Sachsengemüt auf dem Thron die Waage halten. Und damit uns niemand einen übertriebenen "sächsischen Nationalstolz" unterstellt, bringen wir auch noch Christian Graf von Krockows Buch "Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit". "Wilhelm II. war eine zutiefst zwiespältige Persönlichkeit, in die wir uns einfühlen können. Erst wenn wir das tun, verstehen wir mit ihm seine Epoche und gewinnen Zugang zum deutschen Aufbruch und Scheitern im 20. Jahrhundert", sagt der Autor. Mit den damit im Zusammenhang stehenden Zeugnissen menschlichen Scheiterns befasst sich Guido Knopp in "Hitlers Krieger", das auch als Sendereihe im Fernsehen lief und sich mit den Lebensläufen von Rommel, Keitel, Manstein, Paulus, Udet und Canaris auseinandersetzt. Aus ganz anderer Sicht beschäftigt sich das Buch "Die Mitläuferin" von Ilse Schmidt mit dem Thema. Dieser erste authentische Bericht einer Wehrmachtangehörigen wird von zwei Texten flankiert, in denen eine Historikerin Fragen von Mitläufertum, Schuld und Verdrängen erläutert und eine Soziologin zeigt, dass Frauen vielfach aktiv an den Verbrechen der Nazis beteiligt waren. Den Ausflug in die Geschichte beenden wir mit Michael Maurers "Kleine Geschichte Englands" von den Anfängen bis 1996 und einem Buch von Michail Gorbatschow: "Über mein Land : Russlands Weg ins 21. Jahrhundert" wirft Licht auf die Oktoberrevolution von 1917, den Weg Russlands bis 1991 und die politische Zukunft des Landes.
Mit der Vergangenheit der menschlichen Zivilisation beschäftigt sich Graham Hancock in "Die Spur der Götter : das sensationelle Vermächtnis einer verschollenen Hochkultur". Es existieren Landkarten aus dem 16. Jahrhundert, die zum Teil vermutlich auf noch älteren Exemplaren basieren und auf denen der Küstenverlauf der seit Jahrtausenden mit einer dicken Eisschicht bedeckten Antarktis genau eingezeichnet ist. Wie kamen die damaligen Kartographen zu ihren Kenntnissen über eine Landmasse, die sich erst heutzutage mit den modernsten Geräten erforschen lässt? Ist es möglich, dass durch eine Verschiebung der Erdkruste Landmassen unter Wasser gesetzt wurden und damit eine hochentwickelte Zivilisation vernichtet wurde? Graham Hancock machte sich auf den Weg, diesen Fragen und ungeklärten Rätseln nachzuspüren.
Über die moderne Genforschung schreibt der Nobelpreisträger und Wissenschaftshistoriker Francis Jacob in "Die Maus, die Fliege und der Mensch". An der Fruchtfliege, der Drosophila, wurde die grundlegende Erkenntnis der modernen Genetik gewonnen: Der Unterschied zwischen den Lebewesen liegt nicht in grundsätzlich unterschiedlichen Genen, sondern einer unterschiedlichen Anordnung ganz ähnlicher Bausteine aus dem großen genetischen Baukasten.
An Hundebesitzer wendet sich das Buch "Naturgemäße Hundehaltung : Erziehung; Pflege; Fütterung; Spiele; Gesundheit" von Bruce Fogle. Alle Aspekte dieses Themas werden ausführlich behandelt gut gegliedert und leicht verständlich.
Weitere Ratgeber sind "Vorsicht Beutelschneider! Handwerkern auf die Rechnung geschaut" von Armin E. Möller, "Mutterglück und Tränen : Depressionen nach der Geburt verstehen und überwinden" von Petra Nispel und Christian v. Pappenheims "Der Eß-Knigge", der leicht verständlich und prägnant die wichtigsten Kniffe verrät, um Muscheln, Fisch, Austern und Co. formvollendet genießen zu können. Ums Essen geht es auch in Andreas C. Studers Buch "Männer kochen, Frauen genießen : Rezepte zum Verwöhnen". Der Autor ist Fernsehkoch in der VOX-Sendung "Kochduell".
Vom Geschmack ist im nächsten Titel die Rede, allerdings geht es nicht ums Essen: "Alles schmeckt nach Abschied" heißt der zweite Band der Tagebücher von Brigitte Reimann, die beeindruckende Biografie einer leidenschaftlichen, extravaganten Frau und zugleich ein Zeitdokument, das Geist und Stimmung einer ganzen Periode der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte bis 1970 einfängt. Die in ganz anderer Hinsicht beeindruckende Geschichte einer Frau beinhalten Margot Schaub-Dürings Aufzeichnungen mit dem Titel "Endlich frei von Rheuma". In diesem Buch beschreibt die Autorin, wie sie sich erfolgreich gegen die Erkrankung wehrte. Sie möchte Mut machen, auf Alternativen und Eigeninitiative zu setzen.
Die Meinungen zu dem nächsten Buch gehen sehr weit auseinander. Wir produzieren den Titel "Wie sollen wir leben? Ethik in einer egoistischen Zeit" von Peter Singer, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann.
Ein Buch über die Farbe Blau hat Alexander Theroux geschrieben. "Blau: Anleitungen eine Farbe zu lesen" entfaltet kurzweilig und fesselnd die Fächer der Farbe Blau vor dem staunenden Leser: ihre Bedeutung für die Malerei und Literatur, ihre sprachlichen, botanischen, kinematographischen, ästhetischen, wissenschaftlichen, kulinarischen, meteorologischen Facetten und Funktionen, und schließlich ihre Wirkung auf Gemüt und Seele.
Freunde spannender Unterhaltungsliteratur kommen auch nicht zu kurz. Regelrechte Bubenstücke enthalten die folgenden zwei Romane: Das "Tagebuch eines bösen Buben" stammt von einem anonymen Verfasser und enthält übermütige Abenteuer und Streiche eines Vorläufers des Thomaschen Lausbuben, deren Schilderung wir leider nur allzu verständnissinnig und schadenfroh genießen. Ein ehemaliger Gerichtsmediziner ist die Hauptgestalt in Uwe Bremers "Der dreibeinige Doktor : die dunkle Lebensgeschichte eines Landarztes" - ein Roman voller bizarrer Einfälle und zugleich ein pechschwarzes Bubenstück über die Bosheit des Menschen und die Tücken des Lebens.
Immer spannend und oft kriminell geht es in den folgenden Romanen zu: Eine Reise, die sich als gefährliches Abenteuer mit ungewissem Ausgang entpuppt, steht im Zentrum von John Grishams Roman "Das Testament". In "Der Coup der Berdache" von Michael Roes hat ein Polizeipsychologe den Anschlag auf einen FBI-Agenten aufzuklären. "Der grüne Leguan" von Carlo Lucarelli ist ein spannungs- und gefühlvoll inszenierter Literaturthriller um einen blinden jungen Mann, um Liebe und Einsamkeit, einen Serienmörder in Bologna und um Grazia, eine Kommissarin in der italienischen Männerwelt. Ebenfalls in Italien ist ein weiterer Kriminalfall angesiedelt, den der gemächliche Maresciallo Salvatore Guarnaccia in Magdalen Nabbs Roman "Alta moda" zu lösen hat. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die "Meistererzählungen" von Georges Simenon. Hier sind die vier berühmtesten Maigret-Geschichten und sieben legendäre Erzählungen enthalten. Einen weiteren Fall für Inspektor Jury gibt es in "Die Frau im Pelzmantel" von Martha Grimes zu lösen.
Bekannte Autoren sind auch in der Rubrik der historischen Romane vertreten. Unter dem Eindruck der sozialen Unruhen seiner Zeit schrieb Charles Dickens 1840/41 den Roman "Barnaby Rudge" über die sogenannten Gordon-Aufstände von 1780: eine antikatholische Erhebung, die London erschütterte und in der Erstürmung des berüchtigten Newgate-Gefängnisses gipfelte. Nach Frankreich entführt uns Alexandre Dumas in "Ange Pitou": Die Affäre um das Diamantenhalsband der jungen Königin Marie Antoinette liegt vier Jahre zurück, als ein namenloser junger Mann aus der Provinz aus enttäuschter Liebe in den Strudel der Revolution gerät.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bricht eine junge Französin nach Konstantinopel auf, um das Geheimnis ihrer Herkunft zu klären. Beschrieben wird das in "Eine Geschichte, so lang wie die Nacht" von Eva de Castro. Bis zurück ins 12. Jahrhundert entführt uns David Hillier in "Die Kreuzfahrerin".
Abenteuerlich geht's weiter: In "Unsichtbare Welt" von Stuart Cohen führt die Suche nach einem alten, kostbaren Stück Stoff einen Mann quer durch die fremde fernöstliche Welt Asiens in ein entlegenes Kloster in den Tiefen der Inneren Mongolei. Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler reist mit Hilfe der Quantentechnologie ins französische Mittelalter und muss in den Wirren des Hundertjährigen Krieges ums Überleben kämpfen ... beschrieben in "Timeline" von Michael Crichton. Der Roman wird übrigens auch verfilmt.
Liebe und andere Gefühle spielen in unserer Auswahl natürlich auch eine Rolle, z.B. in Anne Fines "Familienspiel", Lynn F. Hoffmans "Der Künstler und die Katze" oder in "Washington Square" von Henry James und "Adieu amour" von der bekannten Francoise Sagan. Und schließlich werden wir auch die Geschichte des Wildfangs Ilse in Emmy von Rhodens Roman "Der Trotzkopf" aufsprechen.

In der nächsten Ausgabe stellen wir Ihnen die Vorhaben im Bereich Punktschriftliteratur vor.


Wie war das damals?

In dieser und den folgenden Ausgaben machen wir Sie mit der Entwicklung des Kur- und Erholungswesens deutscher Blinden-Selbsthilfe-organisationen an der Ost- und Nordsee bekannt. Autor ist Professor Dr. Willi Finck aus Rostock. Die Beiträge entstammen dem von Prof. Finck verfassten 12. Sonderheft des Heimatvereins Grevesmühlen e.V. mit dem Titel "85 Jahre Blindenkur- und Erholungsfürsorge an deutschen Küsten Die Geschichte des Blindenkur- und Erholungsheimes im Ostseebad Boltenhagen".
Die zum Sommerfest des Blinden- und Sehbehindertenvereins Mecklenburg-Vorpommern e.V. am 22. Juli 2000 herausgegebene Publikation wird in diesem Jahr in der DZB als Hörbuch produziert.

Das Kur- und Erholungswesen deutscher Blinden-Selbsthilfeorganisationen an der Ost- und Nordsee

Von Prof. Dr. Willi Finck

Das Blindenkur- und Erholungsheim im Ostseebad Boltenhagen gehört zu jenen Mosaiksteinchen, die an der deutschen Ost- und Nordseeküste für die Betreuung ihrer Mitglieder und deren Angehörigen im Verlauf vieler Jahrzehnte von zentralen Blindenselbsthilfeorganisationen errichtet wurden. Sie alle waren im Sinne der Gemeinnützigkeit tätig. Dies waren bzw. sind der Reichsdeutsche Blindenverband, gegründet 1912 in Braunschweig, der seit 1946 bestehende Deutsche Blindenverband, der Bund der Kriegsblinden Deutschlands, der 1916 als Bund erblindeter Krieger entstand, die im Osten Deutschlands 1947 gebildeten Blindenausschüsse auf Kreis-, Landes- und zentraler Ebene, der 1957 entstandene Allgemeine Deutsche Blindenverband, der später in Blinden-und-Sehschwachen-Verband der DDR umbenannt wurde sowie das Deutsche Katholische Blindenwerk.
Der 1916 gegründete Verein Blinder Akademiker Deutschlands e.V., der ab 1945 in Verein Blinder Geistesarbeiter und danach in Deutscher Verband für Blinde in Studium und Beruf umbenannt wurde, stellte sich, abgesehen von einigen Versuchen in den zwanziger Jahren auf Grund seiner Funktion für einen spezifischen Teil der Blinden nicht mehr die Aufgabe einer eigenen Erholungsfürsorge. Die Darstellung erfolgt in der Abfolge ihres historischen Entstehens. Die von deutschen Blindenverbänden errichteten Betreuungsobjekte stellten sich zunächst überwiegend die Aufgabe der Erholungsfürsorge, bevor der Kurbetrieb eingeführt werden konnte. Alle Verbände verstanden das Erholungs- und Kurwesen auch als Arbeitsfürsorge. Aus der Vielzahl der von den Selbsthilfeorganisationen betriebenen Kur- und Erholungsobjekte werden der Thematik wegen überwiegend die am Meer gelegenen erwähnt. Diese primär maritime Sichtweise schränkt allerdings den Blick auf die Gesamtleistungen der Selbsthilfeorganisationen beim Auf- und Ausbau der vielen Erholungs- und Kureinrichtungen für Blinde ein.
Obwohl viele Blinde ihre Bade- oder Heilkuren aus unterschiedlichen Gründen nicht in den Kureinrichtungen für Blinde, sondern integriert zusammen mit Sehenden in anderen Einrichtungen in Anspruch nahmen und nehmen, hatten deutsche Blindenselbsthilfeorganisationen die Kur- und Erholungsfürsorge konzeptionell von Beginn an auf Sehgeschädigte zugeschnittene Objekte ausgerichtet bzw. an entsprechende Traditionen angeknüpft. Solche Objekte boten und bieten den Blinden viele Vorzüge. So kann das Heimpersonal, den Umgang mit Blinden gewöhnt, optimal auf die besonderen Belange der Gäste eingehen. Der Austausch von Gedanken über gleiche oder ähnliche Lebenssituationen und über Erfahrungen im Beruf können zusammen mit kulturellen Eigenaktivitäten und Geselligkeit den Kur- und Erholungserfolg fördern.
Wenngleich der Blinde im Regelfall eine Begleitung an seiner Seite hat, ist es zu seiner Entlastung und für die Erhöhung der eigenen Mobilität vorteilhaft, sich im Kurobjekt möglichst allein bewegen zu können. Diesem Zweck dienen Handläufe in den Fluren, Sicherheitsklappen vor Treppenabgängen, Erkennungsmöglichkeiten von Zimmertüren oder Fahrstuhlbedienungen durch Punktschrift- oder andere tastbare Zeichen, der meistens mit Umbauarbeiten verbundene Einbau von Sanitärzellen in die Zimmereinheiten erhöhte die Selbständigkeit im Wohnbereich der Heime.
Speziell die letztgenannten Maßnahmen sind in den Kur- und Erholungseinrichtungen zeitlich und örtlich unterschiedlich realisiert. In den Objekten an der Küste geschah dies 1978 im Kriegsblindensanatorium "Frisia" auf Borkum, 1984/85 im "Alfons-Gottwald-Haus" des Deutschen Blindenverbandes am Timmendorfer Strand, 1984/85 im Blindenkurheim des Blinden- und-Sehschwachen-Verbandes der DDR im Ostseebad Boltenhagen und wird im Objekt "Stella Maris" des Deutschen Katholischen Blindenwerkes in den Jahren 2000 und 2001 in Heringsdorf/Usedom vorgenommen. Im Unterschied zu den vorgenannten Einrichtungen konnten der Einbau eines rollstuhlgerechten Fahrstuhls sowie der Ausbau von Zimmern mit speziellen Sanitäranlagen für Rollstuhlfahrer im Haus "Seeschlößchen" des Blindenkurheimes Boltenhagen erst im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen von 1997/98 berücksichtigt werden. Damit blieb das Heim für mehrfach geschädigte Blinde in Rochsburg/Sachsen das einzige, welches in gewissen Grenzen den besonderen Betreuungsansprüchen dieser Personengruppe gerecht wurde (z. B. Sonderbetreuung von Taubblinden und blinden Ohnhändern), die überwiegend Kriegsblinde waren und Anspruch auf eine jährliche Kur hatten.
Blinde mit weiteren Schädigungen fanden in Deutschland für sich und ihre Begleitungen, also auch während ihrer Kur- und Erholungsaufenthalte lebenserleichternde Bedingungen vor. Von den 1990 noch lebenden 3200 durch Kriegseinwirkungen und -nachwirkungen erblindeten Menschen hatten 1857 (=58 %) weitere Schädigungsfolgen wie Amputationen, Hirnschäden, Taubblindheit u. a. erlitten.
Neben der Blindheit resultiert dieser hohe Anteil anderer Schädigungen aus der Vielfalt und Spezifik der eingesetzten Waffentechnik mit zum Teil extremen Auswirkungen. So befanden sich unter den o. a. 58 % blinder Mehrfachgeschädigter 256 mit dem Verlust von einer oder mehrerer Extremitäten. Dazu kamen 155 blinde Ohnhänder. Sie alle fanden und finden in den Kureinrichtungen des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands bestmögliche personelle und technische Betreuungsbedingungen vor.
Fasst man die im Blick auf Kur- und Erholungseinrichtungen für Blinde beschriebenen Gesichtspunkte zusammen, so wird die soziale Dimension notwendiger Betreuungsaktivitäten in einem schmalen Bereich der gesellschaftlichen Realität deutlich, der sich deutsche Blindenselbsthilfeorganisationen durch ihre Kur- und Erholungsfürsorge mit großem Engagement stellten und stellen. Und dies nicht nur an deutschen Küsten.
Dem lebhaften Interesse der Blinden nach Erholung am Meer haben ihre Verbände durch den Ausbau entsprechender Erholungsmöglichkeiten Rechnung getragen. Worin besteht das Besondere, was Blinde so sehr ans Meer zieht? Was macht ihnen das Meer so attraktiv? Warum haben Blindenselbsthilfeorganisationen einen so großen Wert auf die Errichtung von Erholungsmöglichkeiten an Ost- und Nordsee gelegt?
Im Grunde sind dies Faktoren, wie sie im allgemeinen auch für Sehende Bedeutung haben. Bei Blinden jedoch wirken sie durch den Fortfall des visuellen Sinnes auf besondere Weise. Wissenschaftler vertreten die Auffassung, dass der vollsinnige Mensch rund neunzig Prozent der Informationen aus seiner Umwelt durch das Augenlicht vermittelt bekommt. Hiervon kann der Blinde nur einen Teil durch die ihm verbliebenen Sinne kompensieren. Aber gerade deshalb sind sie für ihn von so großer Bedeutung. Zu den besonderen Reizen gehören das Rauschen des Meeres und Schreien der Möwen, der Salzgeschmack von Wasser und Luft sowie der ruhende Ausgleich durch strandnahe, geruchs- und schattenspendende Waldstreifen, wie sie vor allem auf den Inseln Rügen und Usedom sowie auch im Ostseebad Boltenhagen existieren. Alles dies, das spezifisch maritime Flair also, bekommt für den Blinden über die ihm verbliebenen Sinne ein besonderes Gewicht. Für ihn bietet sich an den langen Stränden und auch im Wasser die Freiheit eines Bewegungsraumes, die ihm sonst selten geboten wird. Fast ungehemmt kann er hier, in Begleitung, schwimmen und laufen. Das Erfühlen von Wasser und Sand erweitert den Erlebnisbereich und trägt zum Wohlbefinden bei, was den Erholungswert erhöht.

(In der nächsten Ausgabe: Die Erholungsfürsorge des Reichsdeutschen Blindenverbandes und des Deutschen Blindenverbandes)


Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.

Stanislaw Lem: »Eden«
empfohlen von Susanne Siems
(Punktschriftbibliothek)

Was fällt Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, beim Stichwort "Eden ein? Im Alten Testament ist der Garten Eden gleichbedeutend mit dem Paradies. Das Wort, so erklärt einem das Fremdwörterbuch, kommt aus dem Hebräischen und bedeutet "Wonne. Aber nicht davon möchte ich Ihnen heute erzählen, Bezüge dieser Art gab es in der zurückliegenden Weihnachtszeit genug. Ich möchte Ihnen von einem Eden berichten, das sich außerhalb unserer Zivilisation befindet und eigentlich wohl auch außerhalb unserer Vorstellungskraft. Letzteres stimmt nicht ganz, gab es doch mindestens den polnischen Autor Stanislaw Lem, der Phantasie genug hatte, um diesen Planeten für uns zu erfinden.
In den Anblick eines wunderschönen Sterns versunken, werden die Astronauten eines Raumschiffes von der Erde buchstäblich aus der Bahn geworfen. Sie stürzen auf den bisher unerforschten Planeten "Eden und bohren sich in dessen Oberfläche. Nach Stunden gelingt es ihnen, durch einen freigeschaufelten Tunnel an die Oberfläche zu gelangen. Mit dem arg mitgenommenen Raumschiff ist an eine sofortige Abreise nicht zu denken. Auch sind sie neugierig, was sich auf diesem zunächst so faszinierenden Planeten verbirgt. Doch allzu bald erweist sich der schöne Schein als trügerisch, die Landschaft wirkt kalt und bedrohlich, ebenfalls das, was ihnen an Lebensformen begegnet. Während einer ihrer Exkursionen dringt ein merkwürdiges Lebewesen in die Rakete ein. Da es zwei Körper in sich zu vereinigen scheint, nennen es die sechs Leute der Crew "Doppelt. Bei weiteren Exkursionen stoßen sie auf Siedlungen, Friedhöfe, Denkmäler. Alles ist vollständig fremd und die Astronauten versuchen in vielen Diskussionen, hinter den Sinn des Beobachteten zu gelangen. Lem versteht es mit einem Kunstgriff, die einzigartige Atmosphäre auf den Leser zu übertragen er nennt die Mitglieder der Crew nur mit ihrer Berufsbezeichnung, also der Kybernetiker, der Ingenieur, der Koordinator. Dank der Diskussionen hat man teil an Gedankenexperimenten. Was beobachten diese Menschen, ist es wirklich das, was es zu sein scheint. Geht es um Krieg und Verfolgung. Haben Fremde, in diesem Falle die Menschen, das Recht oder die Pflicht sich in die Vorgänge auf einem fremden Planeten einzumischen. Zerrissen zwischen dem Wunsch zu Handeln und der Sehnsucht nach dem Zuhause kommt der Moment der Entscheidung immer näher.
Wie diese Entscheidung ausfällt, das sollen Sie, liebe Punktschriftleser, selbst herausfinden. Wir leihen Ihnen den Titel in unserer Bibliothek gern aus.
Ein kurzer Nachtrag sei mir noch zum Autor gestattet. Stanis³aw Lem wurde 1921 in Lwow (Lemberg) geboren und gilt als "bedeutendster Science-Fiction-Autor der sozialistischen Länder (Digitale Bibliothek, Band 11: Lexikon der Weltliteratur). Besonders beeindruckend sind seine fundierten Kenntnisse in Naturwissenschaften und Technik und sein Umgang mit philosophischen und ethischen Problemen. Dadurch wirken seine Fiktionen auf viele Leser realistischer und auch atemberaubender als manche moderne Utopie mit gruseligen Katzen- oder Echsenwesen. Heute interessiert sich Lem für Themen wie Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität und Phantomatik. 1996 brachte der "Spiegel ein interessantes Interview mit dem damals 75jährigen. Alle, die im Internet stöbern können und mögen, werden dieses über eine Suchmaschine schnell ausfindig machen. Allen anderen seien noch einmal besonders die Werke Lems ans Herz gelegt.

Lem, St.: Eden, 5 Bde., kh., BNA 5115
 

Vicki Baum: »Menschen im Hotel«
empfohlen von Jörg Klemm
(Hörbücherei)

Der Roman ist zweifellos das bekannteste Werk Vicki Baums. Gustaf Gründgens brachte eine Theaterversion auf die Bühne, von dort schaffte das Stück 1930 den Sprung auf den Broadway.
In einem Berliner Nobelhotel kreuzen sich im März 1928 die Lebensläufe einer Handvoll Menschen: Otto Kringelein, Hilfsbuchhalter im Gehaltsbüro einer Stofffabrik im Provinznest Fredersdorf, hat erfahren, dass er nur noch kurze Zeit zu leben habe, und möchte nun auf seine letzten Tage so leben wie sein Chef, Preysing, der zur selben Zeit im Hotel absteigt, um in Verhandlungen seinen Betrieb über die drohende Wirtschaftskatastrophe zu retten. Kringelein lässt sich schnell von dem leichtsinnigen Baron Gaigern blenden, ohne zu merken, dass dieser charmante Hoteldieb es nur auf das Ersparte des Buchhalters abgesehen hat. Zuvor ist Gaigern schon bei der ältlichen Tänzerin Grusinskaja im Zimmer eingestiegen, um ihre Juwelen zu stehlen, landet aber statt dessen in ihren Armen. Nachdem auch der Versuch fehlschlägt, vergreift er sich am Portemonnaie Preysings, wird von diesem gestellt und unabsichtlich getötet.
Vicki Baum hat das Genre des Hotelromans als Metapher für das Leben zwischen der Drehtür bekannt gemacht. Die Schicksale der einzelnen Menschen sind geschickt zu einer spannenden Handlung verwoben, die hektische Atmosphäre einer Großstadt während der zwanziger Jahre, in denen haltlose, durch den Krieg entwurzelte Menschen Geld, Reichtum, Amüsement für den Sinn des Lebens halten, ist einfühlsam und gut erfasst.
Dass der Roman so großen Anklang fand, erklärt sich zweifellos vor allem aus der eingängigen Mixtur von Sensation und Sentimentalität, die die Autorin zwar sinnreich zusammenbraute.

Vicki Baum: Menschen im Hotel.
BN 4459, 8 Kassetten.


Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position Nr. 22:
T. E. Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit (1926)
Nr. 23: Alan Alexander Milne: Pu der Bär
(1926)

Pu der Bär
Der englische Schriftsteller Alan Alexander Milne wurde am 18. Januar 1882 in London geboren und starb am 31. Januar 1956 ebenda. Der Sohn eines Lehrers wurde in Westminster erzogen und war nach seinem Studium in Cambridge als Journalist tätig. Er war Redakteur bei der satirischen Zeitschrift "Punch" und von 1906 bis 1914 deren Mitherausgeber. Sein erstes Bühnenstück schrieb er während des Frontaufenthaltes im 1. Weltkrieg. So richtig bekannt wurde der humoristische Essayist, Verfasser von Kinderlyrik und Autor witziger Konversationsstücke aber vor allem durch seine Pu-der-Bär-Geschichten.

Die Inspiration ein Buch für Kinder zu schreiben erhielt Milne, als 1920 sein Sohn Christopher Robin zur Welt kam. Als er bei Harrods in London einen Teddybären für seinen Sohn erstand und später als "Winnie-the-Pooh bezeichnete, konnte er allerdings noch nicht voraussehen, was sich daraus entwickeln würde. Die für Christopher Robin erfundenen Gute-Nacht-Geschichten, die 1926 erstmalig in Buchform erschienen, zählen inzwischen in England und in den USA zu den bekanntesten und beliebtesten Kinderbüchern, zu den Klassikern der Jugendliteratur.
In "Pu der Bär" - im englischen Originaltitel "Winnie The Pooh" - haucht Milne den Stofftieren seines Sohnes Leben ein und lässt sie im Hundert-Morgen-Wald die wunderlichsten Abenteuer erleben. Dabei verzichtet Milne weitgehend auf pädagogisch-didaktische Ansprüche; an deren Stelle tritt das phantasievolle, oft skurrile Spiel mit Realität und Fiktion.
Pu ist sowohl der Teddybär des als kindliche Bezugsperson in das Geschehen hineingenommenen Christopher Robin wie auch ein im Hundert-Morgen-Wald lebender kleiner Bär, der, zusammen mit seinen Tierfreunden zahlreiche Abenteuer erlebt und dabei eine bezaubernde Logik und eine so philosophische Tiefsinnigkeit entwickelt, dass sich auch viele Erwachsene angesprochen fühlen. Denn wir erfahren nicht nur etwas über die Abenteuer der Freunde im Alltag, sondern nehmen teil an Reflexionen über das Leben, die in ihrer Einfachheit tiefgründige Erkenntnisse bieten. Pu ist ein wahrer Meister der Gelassenheit und inneren Ruhe, der auch die Widrigkeiten des Lebens hinnimmt, ohne zu klagen. Wer es einmal geschafft hat, sich dem Zauber hinzugeben, der von den einzelnen Geschichten ausgeht, wird vielleicht den Weg zurück in die eigene Kindheit und deren einfacher, darum vielleicht um so beglückenderer Lebensphilosophie finden.
Mit "Pu baut ein Haus" (1928) setzte Milne die Pu-Geschichten in der erweiterten Erfahrungswelt des älter gewordenen Christopher fort.

Alan Alexander Milne: Pu der Bär.
Ausleihbar in Punktschrift,
2 Bde. Vh., BNA 1279



LOUIS
(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter
www.dzb.de/louis.

Hörbuchkataloge auf Diskette, CD-ROM und im Internet

- von Ulrich Jander -

Bibliothekskataloge der DZB werden in verschiedenen Erscheinungsformen angeboten, in Schwarz- oder Blindenschrift. Den Katalog für Hörbücher gibt es auch in Versionen, die mit Hilfe des Computers zugänglich sind.
Die DZB bietet für ihre Hörbücher den Katalog auf Diskette, CD-ROM und im Internet an. Möchte man sich für Disketten entscheiden, so hat man zwei Wahlmöglichkeiten:
- die Textversion (MS-DOS, also ASCII-Text) auf zwei Disketten, Preis: 10 DM, funktioniert mit jedem Betriebssystem unter Zuhilfenahme eines Textverarbeitungsprogramms, Titel- bzw. Autorensuche ist jedoch nicht möglich oder
- die Version mit Suchmöglichkeit in unterschiedlichster Weise, eine Diskette, Preis: 10 DM, funktioniert unter MS-DOS bzw. Windows im DOS-Fenster, jedoch mit der Einschränkung, dass diese Version mit blindenspezifischer Computertechnik der Firma Tieman nicht läuft.
Neben den beiden Diskettenversionen gibt es den Hörbuchkatalog der DZB auch auf CD-ROM. Der Inhalt der CD ist weitgehend mit der Diskette, welche die Suchfunktionen ermöglicht, identisch, lediglich ergänzt durch das Verzeichnis dzb.dat, das die Katalogdaten unkomprimiert enthält. Die CD-ROM kostet 25 DM. Sowohl bei den Diskettenversionen als auch bei der CD-ROM kommen jeweils 0,50 DM für Verpackung hinzu. Die technische Einschränkung bei der Diskette mit Suchmöglichkeit gilt ebenso bei der CD-ROM. Beide Medien sind, abgesehen von dieser Einschränkung, unter MS-DOS und Windows (im DOS-Fenster) mit Hilfe der Sprachausgabe oder Braillezeile gut und unkompliziert nutzbar. Die Installation erfolgt mit Hilfe der Datei install.bat. Ein Liesmichtext ist zur Erläuterung der Installation und Bedienung des Programms verfügbar. Alle Daten des Hörbuchkataloges, das Programm für die Suchfunktionen und der Hilfetext werden durch die Installation auf die Festplatte ihres Computers kopiert. Ca. sieben Mb freier Festplattenspeicher ist dafür erforderlich.
Die zwei Disketten im Textformat, jedoch ohne Suchmöglichkeit, werden in kleineren Zeitabständen immer wieder aktualisiert. Die Diskette und die CD-ROM, welche die Suchfunktionen enthalten, erfordern einen größeren Aufwand für die Aktualisierung, wodurch diese einmal jährlich erfolgt. Per E-Mail unter der Adresse
info@dzb.de können die verschiedenen Versionen des Hörbuchkataloges angefordert werden.
Im Internet ist der Hörbuchkatalog der DZB natürlich auch verfügbar. Unter der Adresse
http://www.dzb.de/kataloge/ findet man ihn im Textformat zum Lesen und zum abschnittsweisen Herunterladen in ihren Computer. In beiden Fällen ist jedoch noch kein Suchprogramm integriert.
Außer den genannten Katalogversionen bietet die DZB den großen Hörbuchkatalog aller deutschsprachigen Hörbüchereien auf einer CD-ROM unter dem Titel „ZIMT an. Der Herausgeber ist die Arbeitsgemeinschaft der Blindenhörbüchereien. Die Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte in Zürich hat die CD produziert und ist der Ansprechpartner für eventuell auftretende technische Probleme. Die CD-ROM kostet 59 DM einschließlich Verpackung. Sie enthält ein Suchprogramm, mit dessen Hilfe in verschiedener Weise auf die Daten zugegriffen werden kann. Die Scheibe läuft unter MS-DOS und Windows (im DOS-Fenster). Funktionseinschränkungen hinsichtlich bestimmter Computeranlagen sind bislang nicht festgestellt worden. Die CD-ROM wird einmal jährlich aktualisiert und neu angeboten. Mit Sprachausgabe bzw. Braillezeile können die Installation und Bedienfunktionen gut und sicher ausgeführt werden. Auf der CD-ROM sind eine Datei readme.txt (ein Liesmichtext) und Erläuterungen zu Installation sowie zur Bedienung des Programms bzw. Informationen über Anschriften, alles im ASCII-Textformat, vorhanden. Man kann bei der Installation zwischen vier verschiedenen Möglichkeiten wählen, welche genau erläutert werden. Wenn mindestens 100 Mb freier Festplattenspeicher im eigenen Computer zur Verfügung stehen, dann kann die komplette CD-ROM auf die Festplatte kopiert werden. Es ist allerdings auch möglich, ohne Installation das Suchprogramm mit Hilfe der Datei zi.bat direkt von der CD aus zu starten. Mit der Möglichkeit, verschiedene Farbeinstellungen zu wählen, ist für stark sehbehinderte Anwender die Nutzung der CD-ROM gemäß den individuellen Umständen erleichtert worden.
Die verschiedenen Disketten- und CD-ROM-Versionen können Sie in der DZB bei Frau Pause (Abt. Verlag), Tel.: (03 41) 71 13-119 oder E-Mail:
pause@dzb.de, bestellen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und das Auffinden all der Informationen, die Sie suchen, mit Hilfe der Kataloge.

info-Service

Führungen in der DZB
Von Thomas Kahlisch

Auch im Jahr 2001 bietet die DZB ihren Gästen die Möglichkeit, bei vorheriger Anmeldung spezielle Führungen durch die Produktions- und Servicebereiche des Hauses zu organisieren. Frau Steffi Neumann, langjährige Mitarbeiterin in der Verwaltung der DZB, ist ab 1. Januar für die Terminplanung und Durchführung dieser Veranstaltungen zuständig.
Dieses Angebot richtet sich besonders an Besuchergruppen, die sich aus blinden und sehbehinderten Personen zusammensetzen. Es besteht leider nicht die Möglichkeit Einzelführungen anzubieten oder jeden Wunschtermin einer Besuchergruppe zu realisieren. Schließlich soll der Produktions- und Ausleihbetrieb weitestgehend störungsfrei ablaufen. Aus diesem Grund ist die Anzahl der Führungen im Monat begrenzt und eine Warteliste eingerichtet worden. Frau Neumann erreichen Sie über das Sekretariat der DZB, Telefon (03 41) 7 11 31 24 oder per E-Mail:
neumann@dzb.de
An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis für alle Freunde der DZB. Auch dieses Jahr gibt es ihn, unseren so erfolgreichen Tag der offenen Tür. Termin ist diesmal der 8. September 2001. Was geboten wird, muss noch besprochen werden. Sicher ist nur, gerade dieser Tag bietet allen Gästen beste Gelegenheit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses ins Gespräch zu kommen.

Neuer Katalog im Landeshilfsmittelzentrum

Das Landeshilfsmittelzentrum des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes Sachsen e.V. hat einen neuen Katalog seiner Hilfsmittel und Serviceleistungen herausgegeben.
Der Katalog bietet einen Überblick über das Sortiment und Beratungsangebot des LHZ.
Kontaktanschrift:
LHZ, PF 10 01 25, 01071 Dresden
Tel.: (03 51) 8 09 06 24
Fax: (03 51) 8 09 06 27
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de
Neben einem reichhaltigen Angebot von Hilfsmitteln bietet das LHZ auch einen Text- und Grafikservice, der Schwarzschrifttexte in Punktschrift, Großschrift, auf Kassette oder auf Disketten überträgt bzw. Schwarz-Weiß-Grafiken in tastbare Grafiken umwandelt.

Leipziger Buchmesse mit noch mehr Hörbüchern

Wie das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel mitteilt, werden an der vom 22. bis 25. März stattfindenden Buchmesse mehr als 40 Aussteller aus dem Bereich Hörbuch teilnehmen. Zudem werden sich auch sämtliche ARD-Hörfunkanstalten und DeutschlandRadio beteiligen. Am Abend des ersten Messetages wird die ARD auf ihren Kulturwellen erstmals die "ARD-Radionacht der Hörbücher" senden.

Lehrgänge des DBBW

Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten liefern wir Ihnen heute nicht nur Seminartermine, sondern auch einen Bericht, den wir von Herrn Norbert Müller, dem Pädagogischen Leiter des DBBW, erhielten:
"Unser Seminar 'Effektiveres Lesen für Brailleschriftleser' scheint seine Teilnehmer immer in besonderer Weise zu begeistern: Zwei Teilnehmerinnen haben das Seminar schon zweimal besucht, weil sie sagen: 'Zuhause lese ich doch nicht so viel und intensiv wie im Seminar'. Auch in diesem Jahr haben Teilnehmer angekündigt, dass sie das Seminar wieder belegen wollen ich erinnere nur an den Artikel 'Braillissimo', den Erich Zabee in der "Gegenwart" veröffentlicht hat.
Bei unserem diesjährigen Seminar gab es aber noch eine weitere Anregung: Wir sollten - möglichst in Leipzig - ein Ehemaligentreffen organisieren, bei dem man die Deutsche Zentralbücherei für Blinde besichtigen und ein schönes Bachkonzert hören könnte.
Dieses Treffen hat nun vom 13. bis 15. Oktober stattgefunden. Erster Höhepunkt war am Freitag Abend unser gemeinsamer Besuch bei der DZB-Veranstaltung "6 Richtige", bei der natürlich unsere Brailleschrift im Mittelpunkt stand. Hier erwarteten uns interessante und humorvolle Redebeiträge über verschiedene Aspekte der Brailleschrift und ihres Einsatzes (Unterricht, Hilfe im Alltag, Notenschrift, Brailleschrift am Computer u. a. m.), ein schönes musikalisches Rahmenprogramm und anschließend ein kleiner Empfang, bei dem interessante Gespräche geführt werden konnten.
Am Samstagmorgen fanden wir uns um 10.00 Uhr in der DZB zum 'Tag der offenen Tür' ein. Helmut Schiller führte unsere Gruppe zwei Stunden lang durch die Einrichtung, so dass wir einen umfassenden Eindruck von deren Arbeit - vor allem der Hörbuch- und Punktschriftbuchproduktion gewinnen konnten. Nach einem kurzen Mittagessen in der Kantine der DZB übernahm dann Herr Gerald Urbach unsere Gruppe. Selbst blind, war er unser Stadtführer durch die Innenstadt Leipzigs. Es gelang ihm, uns einen guten Eindruck und viele Informationen über die Sehenswürdigkeiten seiner Stadt zu geben. Da wir Mangel an Begleitpersonen hatten, hatte er noch seine Frau und seine
Mutter mitgebracht, die zusammen mit den sehenden Frauen in unserer Gruppe dafür sorgten, dass die Gruppe immer zusammen blieb. Um 17.00 Uhr waren wir dann im großen Saal des Leipziger Gewandhauses, um einem Orgelkonzert zu lauschen. Danach konnten wir uns dann endlich bei einem guten, gemeinsamen Abendessen von den Anstrengungen dieses Tages erholen.
Am Sonntag war für die meisten Teilnehmer der Abreisetag. Nur ein Ehepaar blieb noch länger, um auf eigene Faust noch mehr von Leipzig zu erkunden.
Ich habe mich sehr gefreut, dass dieses Treffen zustande kam. Es zeigt doch, dass es so etwas ähnliches wie die 'DBBW-Familie' gibt, und dass sich viele Seminarteilnehmer sehr mit unserer Einrichtung verbunden fühlen.
(Norbert Müller)

Lehrgangsausschreibungen

"Gesprächsführung in Konfliktsituationen /Teil 2"
30.3.-1.4.2001
Mobilitätszentrum für Blinde und Sehbehinderte, 12561 Berlin
Teilnehmerbeitrag: 660,- DM
Anmeldeschluss: 16.2.2001

"Praktische Einführung in Windows 2000"
31.3.-7.4.2001
Kur- und Begegnungszentrum, 82442 Saulgrub
Teilnehmerbeitrag: 1.700,- DM
Anmeldeschluss: 16.2.2001

"Reparaturen im Haushalt und kleine Werkzeugkunde, 80WERK3"
1.4.-7.4.2001
Hotel SILVERO, A-4713 Gallspach
Teilnehmerbeitrag: 999,- DM
Anmeldeschluss: 16.2.2001

"Ausbildung zum nebenberuflichen / ehrenamtlichen Punktschriftlehrer"
21.4.-28.4.2001
Kur- und Begegnungszentrum, 82442 Saulgrub
Teilnehmerbeitrag: 1.700,- DM (für Mitglieder des DBSV gewährt dieser 500,- DM Zuschuss)
Anmeldeschluss: 9.3.2001

Kontaktadresse für alle Veranstaltungen:
DBBW - Deutsches
Blindenbildungswerk gGmbH
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: (0 76 21) 79 92 30; Fax: (0 76 21) 79 92 31
E-Mail:
dbbw@stepnet.de

Impressum

"DZB-Nachrichten"
erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM). Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".
Herausgeber, Verlag und Druck:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: (03 41) 71 13 0,
Telefax: (03 41) 71 13 1 25
Internet:
www.dzb.de, E-Mail: info@dzb.de
Redaktion: Karsten Sachse, Telefon (03 41) 71 13 1 35
Abonnements, Anzeigen:
Ilona Portleroy, Telefon (03 41) 71 13 1 20.
Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Für alle anderen Anzeigen gilt unsere Anzeigenpreisliste: pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).
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