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Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Nr. 3/2001 Mai/Juni 11. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Unsere Postecke

Partnersuche

Aus dem Alltag der DZB
    Magazingeflüster

Einblicke
    Jahresbestseller 2000
    Nachrichten von der Leipziger Buchmesse
    Nachlese: Versteigerung zugunsten der DZB

Wie war das damals?
    Die Kur- und Erholungsfürsorge des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands

Die Kramkiste
    Jerome D. Salinger: "Der Fänger im Roggen"
    Mika Waltari: "Sinuhe der Ägypter"

Bücher des Jahrhunderts
    Virginia Woolf: Die Fahrt zum Leuchtturm.

Das Autorenporträt: Virginia Woolf

LOUIS
    Zum Schutz des Computers durch ein Antivirenprogramm unter DOS

Info-Service
    Rehavision 2001
    Kommerzielle Hörbücher
    Neuigkeiten aus der Reliefproduktion
    Berliner Hörbücherei geht ins Netz
    Lehrgänge des DBBW

Impressum

Anzeigen



Vorbemerkung

Eine Neuerung für alle Hörerinnen und Hörer der "DZBN": Den Info-Service finden Sie zukünftig auf der zweiten Kassette mit der "Bücherliste". Da die "DZBN" immer etwas umfangreicher als die Bücherliste ausfallen, gab es öfter Platzprobleme, nun hoffentlich nicht mehr.
Schien die Postecke in den letzten Ausgaben kurz vorm Absterben, so konnten wir uns dieses Mal vor Zuschriften kaum retten. Anscheinend macht es Sinn, wenn nicht nur eitel Freude und Sonnenschein herrscht gegen die man natürlich nichts haben kann aber unterschiedliche Standpunkte sorgen eben für interessante Diskussionen, von denen wir uns auch in Zukunft noch einige erhoffen!

Ihr Karsten Sachse.


Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Eröffnet wird unsere heute sehr reichhaltige Postecke vom ehemaligen Direktor der DZB, Prof. Dr. Siegfried Tschirner:

"(...) Der Bericht des Direktors über die Entwicklung der DZB im Jahr 2000 gibt Anlass zur Freude. Er vermittelt die Gewissheit, dass sich die DZB auf der Höhe unserer Zeit befindet, dass sich die Leitung und alle Beschäftigten ihrer Verantwortung bewusst sind, dem Neuen Tür und Tor zu öffnen und dabei nicht das Bewährte zu vernachlässigen. Außenstehende, zu denen ich ja nun auch zähle, könnten den Wert von Erfolgen noch besser ermessen, wenn sie wüssten, unter welchen Umständen sie erreicht wurden. Informationen über gelöste oder anstehende Probleme könnten hierfür hilfreich sein. (...) An dieser Stelle nun meinen ganz besonderen und herzlichen Dank den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Abteilungen Bibliothek und Versand. Sie versorgen mich so pünktlich mit Literatur, dass ich unserer Postzustellerin schon am Vortage ankündigen kann: 'Morgen kommt Post von der DZB!' Das ist einfach super!
Im Reigen freudiger Erlebnisse mit der DZB darf die Zusendung der ersten 4 Karten des Europa-Atlasses nicht fehlen. Das ist nicht nur 'gut' geworden, sondern 'sehr gut' und mit Sicherheit viel besser, als ich es mir vor Jahren bei den konzeptionellen Beratungen vorstellen konnte. Ein großer Gewinn sind die durch Randzahlen und -buchstaben gegebenen Orientierungshilfen. Für Sehende längst selbstverständlich, für Blinde ein echter Fortschritt! Ein Dank dem Verlag und den Reliefherstellern! Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der DZB mit dem Europa-Atlas ein großer Wurf gelingen wird.
Mit der Rubrik 'LOUIS' haben die 'DZB-Nachrichten' eine gute und nützliche Bereicherung erfahren. Andererseits vermisse ich wie andere sicher auch - die einstmals lebhaften Diskussionen in der Postecke.
Abschließend wünsche ich dem Redakteur angesichts vieler Manuskripte möglichst oft die Qual der Wahl. (...)"

BEMERKUNG DER REDAKTION
Vielen Dank für die "quälenden Wünsche"!
Die Auslassungszeichen zeigen an, dass wir nicht alle der interessanten Anregungen gleich publik machen, schließlich wollen wir ja auch zukünftig noch mit einigen Überraschungen aufwarten. Auf jeden Fall herzlichen Dank dafür!


"(...) Wer schmeißt denn da mit Lehm ...! Eine gut gemeinte und ehrliche Kritik kann man die zwei Beiträge aus Rosdorf und Kleinflintbek ja wohl nicht gerade nennen. Wo steht denn geschrieben, Frau Erika Reischle-Schedler, dass Sie nicht mehr allein in Urlaub fahren und weit hinaus schwimmen dürfen ins kalte Ostseewasser? Nur der besondere Service, nach dem Sie telefoniert haben, der wird wohl auch in Zukunft nicht vom Himmel fallen, denn wenn ich die Wetterberichte von Jörg Kachelmann recht verfolgt habe ... Und weil man mit diesem von Ihnen gewünschten Service bestimmt noch lange nicht überall rechnen kann, deshalb ist es heute und sicher noch lange nicht überholt, dass Blinde jedenfalls 'Stock'-Blinde wie ich in der Regel mit Begleitung in die Ferien fahren. Übrigens, zu zweit macht Urlaub doch auch viel mehr Spaß, und das ist keineswegs nur bei Blinden so.
Ich finde es sehr gut und nützlich, dass Willi Finck mit seiner Broschüre '85 Jahre Blindenkur- und Erholungsfürsorge an deutschen Küsten ...' ein wichtiges Stück Geschichte der Blindenselbsthilfe in Deutschland festgehalten hat, und ich freue mich schon auf 'Wie war das damals?' in der nächsten Ausgabe. Hartmut Mehls hat über diese Schrift von Willi Finck voriges Jahr in der 'Gegenwart' eine Rezension veröffentlicht, der ich vollauf zustimme. Mir ist es völlig unverständlich, warum jetzt Frau Reischle-Schedler und Herr Trinkus so gereizt, unsachlich und abschätzig auf den auszugsweisen Abdruck in den 'DZB-Nachrichten' reagieren. Obgleich ich eine recht positive Erwähnung in Ihrem Beitrag finde, Herr Trinkus, lassen Sie mich aus dem Spiel, wenn Ihnen der Sinn danach steht, sich zum selbsternannten Gutachter zu erheben, der die Häufigkeit angewandter Worte zählt, gleich mal Gustav Doubrava mit Herbert Demmel verwechselt und sich damit über solides Recherchieren verbreitet! (...)"
[Dr. Werner Uhlig, Leipzig]

"(...) Die Postecke zeigte wieder einmal, dass man es nie allen Recht machen kann. (...) Die 'Braille-TV' war auch aus meiner Sicht gewöhnungsbedürftig, aber ich habe mich daran gewöhnt und würde sie nicht wieder hergeben. Doch nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Ich denke, wir sollten uns mit unseren Hinweisen und Anregungen direkt an die Redaktion dieser Zeitschrift wenden. Sie wird dafür genau so offen sein wie die Redaktion der DZBN.
Ebenfalls 'in Wallung gebracht', um mit den Worten von Frau Reischle-Schedler zu sprechen, hat mich die Art, wie sie das Problem der Begleitung behandelt. Wenn ihr Schreibstil ihrer Persönlichkeit entspricht, muss sie sich nicht wundern, wenn sie keinen Begleiter findet. Natürlich sollten Blinde und Begleiter möglichst gleiche Interessen haben, aber die 'vollkommene' Begleitung gibt es nicht. Man muss Kompromisse eingehen die Begleitperson tut das in der Regel auch. Nur so findet man gemeinsam einen Weg, dass keiner zu kurz kommt. (...)
Auch wenn ich mich hier zum Begleitungsproblem geäußert habe, bin ich der Meinung, dass solche Diskussionen in unser Verbandsorgan 'Die Gegenwart' gehören. (...) Zum Schluss habe ich noch eine Frage: Gibt es eine chinesische Blindenschrift und wie sieht sie aus? (...)"
[Frau Ursula Steinbrich, Chemnitz]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Auf das Problem der Begleitung bezogen sich mehrere Zuschriften, u.a. auch von Herrn Dieter Müller aus Rüdersdorf und von Herrn Helmut Illig aus Mainz. Doch auch wir sind der Meinung, dass wir das Thema zwar durchaus anschneiden können, ausführlich diskutiert werden sollte es aber an anderer Stelle.
Zur chinesischen Blindenschrift müssen wir erst mal recherchieren und äußern uns in der nächsten Ausgabe.

"(...) Wahrscheinlich können Sie es nicht mehr hören. Wahrscheinlich haben Sie diese E-Mail schon nach dem Betreff entfernt und wahrscheinlich ist es Ihnen sowieso egal, was Ihre Leser dazu meinen, denn Sie haben die Zeitschrift nun mal eingestellt und wir müssen uns jetzt damit abfinden. Was bleibt uns auch Anderes übrig? Ich war und bin nach wie vor sehr enttäuscht über die Tatsache, dass Sie 'Radio/TV' mit Beginn des neuen Jahres aufgeteilt haben. Ich hätte ja nichts dagegen gehabt, wenn die Zeitschrift aus Berlin der Ihrigen weitestgehend gleichen würde. Tut sie aber nicht. Vor ca. acht Jahren stieß ich bei einem Urlaubsaufenthalt in Saulgrub zufällig auf 'Braille-TV', die mittlerweile einzige Fernsehzeitschrift für Blinde in Brailleschrift. Schon damals war ich mit ihr nicht zufrieden, da meiner Ansicht nach die Privatsender zu unausführlich dargestellt wurden, die Zeitschrift im Allgemeinen - mit Ausnahme des Abendprogramms sehr unübersichtlich und auch unhandlich war. Ein, zwei Jahre später wies mich ein Bekannter, abermals im Kur- und Begegnungszentrum Saulgrub auf Ihre beiden Fernsehhefte hin. Da diese ebenfalls auslagen, besorgte ich sie mir. (...) Zufrieden abonnierte ich also Ihre beiden Hefte - bis Ende letzten Jahres die Nachricht von der Einstellung kam. Ich bestellte mir prompt eine Probenummer aus Berlin - und siehe da, es hatte sich wenig, sehr, sehr wenig geändert. (...) Ich habe mir die Zeitschrift dann doch bestellt - man hat ja schließlich keine Wahl mehr seit Jahresbeginn. Sie sind, anbei bemerkt, vermutlich heilfroh, endlich eine Leserin gefunden zu haben, die die Zeitschrift aus Berlin für gut heißt. (...) Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig ins Gewissen reden, sorry, mailen. Apropos: Wissen Sie zufällig, ob das Blindenhilfswerk Berlin eine E-Mail-Adresse hat, wo ich meine Kritik und Verbesserungsvorschläge anbringen könnte? Ich persönlich befürchte nur, dass das die Monopolisten aus eben diesem Grunde nicht sonderlich interessieren wird. Noch was Positives zum Schluss: Ich bin Bezieher der 'DZB-Nachrichten' und auch der 'Leipziger Bücherliste' und bin mit beiden Heften sehr zufrieden. (...) Trotz des Lobes dürfen Sie sich was verdammt Gutes einfallen lassen, um mich in puncto DZB wieder etwas positiver zu stimmen. (...)"
[Herr Bernd Pöppel, Nürnberg]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Auch wenn Sie das nicht unbedingt versöhnen dürfte (zumal wir Ihre Zuschrift auch noch gekürzt wiedergegeben haben), dies war die nunmehr letzte Veröffentlichung zum Thema "ehemalige Fernsehzeitung der DZB".

Die schon an anderer Stelle veröffentlichte Anschrift der Berliner Redaktion lautet:
Blindenhilfswerk Berlin,
Rothenburgstr. 15, 12165 Berlin,
Tel.: 0 30 - 7 92 50 31, Fax: 0 30 7 93 14 15,
E-Mail: blindenhilfswerk.berlin@t-online.de

Die stattgefundene Diskussion hat uns gezeigt, welche Wertschätzung unserer Fernsehzeitschrift entgegengebracht wurde. Wir danken dafür und hoffen, dass die dabei angesprochene Qualität auch als Beleg für die Qualität der von uns immer noch herausgegebenen und erweiterten Rundfunkzeitschrift "Braille-Radio" dient. Dass diese nicht nur einfach weiterhin existiert, sondern auch noch mit Neuerungen aufwartet, ist bei der Diskussion leider fast ganz vernachlässigt worden wahrscheinlich wird es als genauso selbstverständlich angesehen, wie vordem die Existenz der Fernsehzeitung ...

"(...) Klarstellung betrifft Zuschrift von Herrn Gerhard Mathow aus Leipzig: Die Meinungsäußerung 'man sollte aber damit nicht so einen großen Kult veranstalten' bezog sich nicht auf die Festveranstaltung zum 175. Jubiläum der Braille-Schrift, sondern auf die Darbietung der Braille-Hymne. Es handelt sich hierbei um meine persönliche Meinung und nicht um die Meinung meines Vaters! Mein Vater wurde von mir beauftragt, diese Zuschrift in Schwarzschrift zu schreiben, da ich weiß, dass in den Redaktionen oft Zuschriften, die in Punktschrift verfasst wurden verfremdet (gekürzt) werden oder ganz unter den Tisch fallen. Man sollte sich auch einmal Gedanken über die Pressefreiheit von Blinden in Blindenzeitschriften machen! Es kann nicht immer nur Schönfärberei gemacht werden! (...)"
[Frau Andrea Zimmermann, Zwickau]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Jeder Redakteur der DZB ist in der Lage, Punktschriftbriefe zu lesen. Kürzungen bzw. Nichtveröffentlichung sind dem Inhalt des Schreibens und dem zur Verfügung stehenden Platz geschuldet, keineswegs aber dem Umstand, dass der Brief in Punktschrift vorliegt.

"(...) Herr Mathow, ist denn eine Kultveranstaltung zwangsläufig etwas Schlechtes oder Kleines? Dass die Erfindung der Braille-Schrift für uns wichtig ist und auch wichtig bleiben wird, da sind wir uns wohl einig. (...)
Mir fällt in der Ausgabe der DZBN 2/2001 auf, dass Sie die Briefe der Leser unbeantwortet lassen, früher haben Sie an den entsprechenden Stellen nach einer Frage bzw. nach einem Brief auch gleich Antworten gegeben. Erstens lockert es die Postecke auf, zweitens können sofort Fragen geklärt werden und drittens unterstreicht es die offene Beziehung zwischen den Lesern und Ihnen. (...)"
[André Rabe, Hamburg]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Es gibt auch gegenteilige Meinungen, manche fühlen sich durch derartige Bemerkungen bevormundet. Die LeserInnen sollen sich möglichst unbeeinflusst ein eigenes Urteil bilden können. Auf konkrete Fragen antworten wir nach wie vor konkret.

"(...) zur 'Leipziger Bücherliste' habe ich eine kleine Kritik und denke, dass eine schnelle Änderung unkompliziert ist. Auf Seite 43 Punktschriftausgabe ist zu lesen: 'Ihre Bestellungen richten sie bitte an ...' Es folgt dann die Anschrift der DZB und die Telefonnummern der
Abteilungen. Leider fehlt zu jeder Abteilung die entsprechende E-Mail-Adresse. Da diese nicht unbedingt einprägsam sind, halte ich es für hilfreich, diese in jeder Ausgabe mit anzugeben. (...)"
[Thomas Groß, Schwedt]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Vielen Dank für Ihre Anregung. Die Adressen lauten:
- für den Verlag: verlag@dzb.de
- für die Bibliothek: bibliothek@dzb.de
- für die DZB allgemein: info@dzb.de


Partnersuche

Suche Brieffreunde in Norddeutschland.
Sie sollten ab 40 Jahre alt sein.
Zuschriften bitte nur in Punktschrift unter Kennziffer 58 an die DZB Leipzig.

 

Hallo und Grüß Gott, ich wohne in Würzburg, bin 42 Jahre alt, vollblind und arbeite als Telefonist in einer Behörde in Würzburg; bin nebenbei in verschiedenen kirchlichen Gremien sehr engagiert.
Suche per Kleinanzeige liebevolle, nette, zuverlässige und ehrliche sehende Partnerin zwischen 30 und 40 Jahren. Meine Hobbys sind: Klassische Musik hören und selber spielen (habe eigenes Klavier und Orgel), Reisen, Wandern und Bergwandern, Tandem fahren (habe eigenes Tandem) und viele anspruchsvolle Konzerte oder Theatervorstellungen mit meiner Mutter besuchen.
Zuschriften bzw. Kontaktaufnahme erbitte ich unter Kennziffer 59 an die DZB Leipzig.


Aus dem Alltag der DZB

In den Magazinen unserer Punktschriftbibliothek stehen rund 35 000 Bände. Viele davon sind ständig ausgeliehen, sodass Sie, liebe Leserinnen und Leser, manchmal längere Zeit warten müssen. Aber auch bei uns gibt es die so genannten Laden- oder in diesem Fall besser Magazinhüter. Die, die wir ständig mit diesen Bänden umgehen, haben zu ihnen manchmal eine ganz eigene Beziehung entwickelt. Daraus entstanden ist folgende, nicht so ernst zu nehmende Episode, mit der wir einmal mehr für unsere Bestände werben wollen.

Magazingeflüster
Von Susanne Siems

Selbstgespräch eines dicken Bandes: "Da steh ich nun fein säuberlich in einen schicken Koffer verpackt. Will mich denn wirklich keiner lesen? Doch da kommt ja schon der junge Mann, der auch schon all meine anderen Leidensgefährten geholt und auch wieder eingestellt hat. Gestern erst stellte er sie neben mich. Sie kam in einem kleinen schmalen Koffer, noch ziemlich neu. Sicher eine ganz Moderne, dachte ich. Aber Pustekuchen - eine Umschrift ist sie.
So oft war sie verreist, bei Menschen zu Gast, dass sie schon vollkommen müde war, ihre Punkte, doch sonst ihr ganzer Stolz, zerdrückt und abgegriffen. Da ging sie auf die Schönheitsfarm, hat sich sozusagen liften lassen. Und jetzt steht sie in altem neuen Glanz plötzlich neben mir. Gestern habe ich alter, ehrwürdiger Punktschriftband von 1930 sie nach ihrem Namen gefragt. Sie sprach darauf:
Du kennst mich. Ich stand auch früher schon neben Dir, allerdings klein und unscheinbar. Du wolltest mich nicht beachten, als letzter von 23 Bänden eines Titels. Ich war ja nur ein einbändiges Werk. Aber mich haben diese Menschen gelesen, viele, weil ich klein und unaufdringlich bin. Ich verstehe es, an einem einzigen Abend Freude zu bringen, die Einsamkeit zu vertreiben. Du aber kommst mit großem Anspruch daher und noch dazu sehr gewichtig. Glaubst Du, dass die Menschen wirklich immer so bedrängt werden möchten? Ich habe jetzt eine schöne Schale - und siehe, da bin ich auf einmal auch wichtig für Dich. So ist das Leben wohl, das menschliche wie das papierne. Aber lass mal, ich mag Dich eigentlich auch ganz gern. Weil immer nur so leichten Sinnes dahinleben ist auch nicht gut, manchmal habe ich 23 starke Punktschriftbände schon recht gern zum Anlehnen. Und immer dieser Stress, schau, jetzt muss ich schon wieder weg, zum nächsten Leser. Ich werde bei ihm ein gutes Wort für Dich einlegen - auch Du bist doch interessant und spannend. Und er braucht dich nicht an einem Abend zu lesen. Manche Dinge, ich meine natürlich Bücher, sind gerade deshalb schön, weil man sie lange hat. Und dann sag ich noch unseren Bibliothekaren, dass sie Dich auch mal auf eine Schönheitsfarm schicken sollen. Dann wirst Du auch ein bisschen schlanker. Und dann werde ich wohl für eine Weile im Magazin stehen müssen.


Einblicke

Jahresbestseller 2000

Die von der Zeitschrift "Buchreport" ermittelten Jahresbestseller im Bereich Hardcover Belletristik möchten wir Ihnen nicht länger vorenthalten.
Etliche der Titel haben wir inzwischen auch in unserem Bestand, teils selbst übertragen, teils für unsere Bibliothek eingekauft. Wir verraten Ihnen, welche:


Hardcover Belletristik
    1. ROWLING, JOANNE K.:
    Harry Potter und der Stein der Weisen.
    Hörbuch 5793, Punktschriftausleihe 9024,
    Punktschriftverkauf 3099
    2. ROWLING, JOANNE K.:
    Harry Potter und die Kammer des Schreckens.
    Hörbuch 5794, Punktschriftausleihe 9023,
    Punktschriftverkauf 3232
    3. ROWLING, JOANNE K.:
    Harry Potter und der Gefangene von Askaban.
    Hörbuch 5795, Punktschriftausleihe 9151,
    Punktschriftverkauf 3280
    4. MANKELL, HENNING:   
    Mittsommermord.
    5. SCHLINK, BERNHARD:
    Liebesfluchten.
    6. GRISHAM, JOHN:
    Das Testament.
    Hörbuch in Produktion
    7. GORDON, NOAH:
    Der Medicus von Saragossa.
    Hörbuch 5730
    8. ALLENDE, ISABEL:
    Fortunas Tochter.
    Hörbuch in Produktion
    9. LEON, DONNA:
    In Sachen Signora Brunetti.
    10. HARRIS, THOMAS:
    Hannibal.
    Hörbuch 5786, Punktschriftausleihe 9149,
    Punktschriftverkauf 3221

Zum Vergleich die Bestseller unserer
Hörbücherei:

    - Cross, Donna Woolfolk: Die Päpstin. BN 5067
    - MacCourt, Frank: Die Asche meiner Mutter.
    BN 5080
    - Konsalik, Heinz G.: Der Hypnose-Arzt.
    BN 5751
    - Natoli, Luigi: Der Bastard von Palermo.
    BN 5555
    - Natoli, Luigi: In den Katakomben von
    Palermo.
BN 5785


Nachrichten von der Leipziger Buchmesse
Von Susanne Siems

Sie ist klein. Dem Vergleich mit ihrer großen Schwester, der Frankfurter Buchmesse, ist sie zumindest bezüglich wirtschaftlicher Aspekte nur mit Mühe gewachsen. Aber es spricht sich herum - sie hat ihr ganz eigenes Flair, eben gerade wegen ihrer Überschaubarkeit, mit Raum für Gespräche und ihrem jetzt zehnjährigen Rahmenprogramm "Leipzig liest". Erschlagen von der Vielfalt wird man in jedem Fall, ob sich da nun 7000 oder nur 2000 Aussteller finden. Was mir auffiel, was ich besonders für Blinde und Sehbehinderte beachtenswert fand, will ich im folgenden kurz aufschreiben.
Wie bereits im Vorjahr war das kommerzielle Hörbuch Themenschwerpunkt. Der Börsenverein hatte in Halle 2 einen riesigen Gemeinschaftsstand der Hörbuchverlage eingerichtet, es gab ein Hörbuch-Café und neben der auch in vergangenen Jahren üblichen Messebuchhandlung eine Hörbuchhandlung zum Stöbern und Umsatzsteigern gleichermaßen. Überall bot sich Gelegenheit zum Reinhören, es gab innerhalb des Rahmenprogramms zahlreiche Lesungen nicht nur so bekannter Schriftsteller wie Erich Loest und Stefan Heym, sondern auch Präsentationen aktueller Hörbuchhighlights. Für mich einer der beeindruckendsten Romane wurde am Sonntagvormittag in seiner Hörbuchfassung vorgestellt - Alexander Osangs Romandebüt "Die Nachrichten", als Hörbuch gelesen von Josef Liefers und auf 6 CDs im Buchhandel zu erwerben. Die DZB plant diesen Titel für die Punktschriftproduktion. Erstmals wurde in der ARD-Hörbuchnacht auf der Leipziger Buchmesse der Preis "Hörkules verliehen - an die Hörbuchfassung von "Harry Potter", gelesen von Rufus Beck. Wen das nicht überraschen und auch nicht mehr neugierig machen sollte, der sei an dieser Stelle auf viele andere durchaus beachtenswerte kommerzielle Hörbücher verwiesen, z. B. auf Stefanie Zweigs "...doch die Träume blieben in Afrika. Auch die DZB trägt dem neuen Trend Rechnung. In nicht allzu ferner Zukunft, um es genau zu sagen ab der Bücherliste 4/2001, erhalten die Hörer unserer Bibliothek die Möglichkeit, eine Auswahl kommerzieller Hörbücher auszuleihen. Lesen Sie dazu bitte unbedingt die Informationen im Infoteil der DZBN. Die Betonung liegt hier auf Auswahl. Wir möchten die Möglichkeit zur Information, zum Kennen lernen bieten und die Hörbücher, die uns vom Börsenverein nach Messeende dankenswerterweise geschenkt wurden, auf dem Leihweg an die Hörer weitergeben. Damit bietet sich unserer Hörbücherei eine gute Chance, ihr Angebot zu erweitern.
Der derzeitige Markt kommerzieller Hörbücher verzeichnet derzeit ca. 6000 bis 7000 Titel. Die Palette ist sehr breit, reicht von Unterhaltungsliteratur bis zur Dramatik. Wie bereits erwähnt machte "Harry Potter" wieder einmal das Rennen, daneben Bestseller wie "Die Päpstin". Mich persönlich interessierten sehr die Editionen von Litera, u. a. fand ich eine wunderbare Aufzeichnung von Lessings "Nathan aus dem Deutschen Theater wieder.
Direkt neben den großen Hörbuchverlagen untergebracht, kam sich die DZB manchmal etwas verloren vor. Wie jedes Jahr zogen unsere Reliefkalender und Kinderbücher neugierige Blicke auf sich - aber das Gefühl, wie Exoten behandelt zu werden, wurde man als Standbetreuer so schnell wohl doch nicht los. Bis zu einem gewissen Grad wird das immer so bleiben und ist auch vollkommen in Ordnung. Wir nehmen es aber auch zum Anlass, uns über zukünftig veränderte Standpräsentationen Gedanken zu machen.
Ein Thema, das besonders Sehbehinderte interessiert, ist der Großdruck. Ich habe mir den Spaß gemacht, einige Verlage daraufhin anzusprechen. Bei vielen holte ich mir einen Korb. Alle waren aufmerksame Zuhörer, meist wurde ein zweiter Standbetreuer zur Beantwortung der Frage hinzugezogen, dann ein aufgeregtes Blättern im Gesamtkatalog des jeweiligen Verlages. "Ja, wir haben diese Titel, ich streich sie Ihnen an - aber hier zeigen können wir Ihnen keinen." So tönte es mir nicht nur einmal entgegen. Die DZB produziert keine Großdruckbücher mehr, weil der Absatz nicht gewährleistet ist. Dennoch treffe ich immer wieder auf Sehbehinderte, die danach fragen. Es ist für meine Begriffe notwendig, dass die Sehbehinderten als Gruppe ihre Bedürfnisse in dieser Hinsicht genauer artikulieren. Das, was Verlage wie dtv und Rowohlt in dieser Richtung bisher zu bieten haben, ist sicher nicht schlecht, bedarf aber unter Garantie einer gezielten Werbung und Beispielwirkung auch auf andere Verlage..
Nach drei Stunden Messebummel ist man erledigt. Da hilft auch kein noch so guter Plan, den man sich zweckmäßiger Weise vor jedem Besuch machen sollte. Bei der gezielten Suche nach bestimmten Verlagen trifft man immer wieder auf interessante "Nebenstraßen", da mischt sich berufliches mit privatem Interesse sehr gut, wenn man z. B. vom Deutschen Taschenbuch-Verlag, der nach langjähriger Pause dieses Frühjahr erstmals wieder in Leipzig sein Literaturprogramm vorstellt, direkt zum Stand des Labels "BUSCHFUNK" gelangt. Wirklich müde darf man sich aber nicht laufen, denn ein Muss dieser Leipziger Messe ist der Besuch der Veranstaltungen des Rahmenprogramms. Diesjähriger Blickwinkel: die literarische Sicht Amerikas auf die alte Welt. Louis Begley hielt dazu am Eröffnungsabend im Gewandhaus ein interessantes Referat. Auch die bekannte amerikanische Autorin Valerie Wilson Wesley war in diesem Zusammenhang innerhalb des Programms "Leipzig liest" zu erleben. Sonntag dann noch eine wichtige Preisverleihung - der 8. Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Dieses mal ging er an den in Triest lebenden Autor Claudio Magris, Die Laudatio hielt Adolf Muschg.
Was bleibt hängen nach so einem Messebesuch? Das unbefriedigende Gefühl, nie all das lesen oder auch hören zu können, was man eigentlich möchte. Das befriedigende Gefühl, immer wieder ein Buch zu finden, das, wenn man es gelesen hat, soviel wiegt wie zehn andere. Ein bisschen Glamour, mal schauen, ob man den oder jenen Autor sieht, Literaturbeilagen von Zeitungen sammeln und schwergewichtig nach Hause tragen. Das alles gehört zu dieser Buchmesse dazu, aber vor allem, dass man am Abend zu Hause im Sessel sitzt und die erste Seite eines neuen Romans, einer ganz neuen Welt aufschlägt.

Nachlese:
Versteigerung zugunsten der DZB
Am Buchmesse-Freitag fand am Messestand der Hochschule für Technik, Wirtschaft
und Kultur Leipzig (FH), kurz HTWK, eine Versteigerung von sogenannten "Verlegerdevotionalien" statt. Zur Versteigerung gelangten Gegenstände aus dem Besitz von Prominenten der Verlagsszene, u.a. solche Raritäten wie eine Tabakdose von Günter Grass. Der Erlös der Veranstaltung in Höhe von 895,- DM wurde der DZB gespendet.


Wie war das damals?

In dieser und den folgenden Ausgaben machen wir Sie mit der Entwicklung des Kur- und Erholungswesens deutscher Blinden-Selbsthilfe-organisationen an der Ost- und Nordsee bekannt. Autor ist Professor Dr. Willi Finck aus Rostock. Die Beiträge entstammen dem von Prof. Finck verfassten 12. Sonderheft des Heimatvereins Grevesmühlen e.V. mit dem Titel "85 Jahre Blindenkur- und Erholungsfürsorge an deutschen Küsten Die Geschichte des Blindenkur- und Erholungsheimes im Ostseebad Boltenhagen".

Die Kur- und Erholungsfürsorge des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands

Der Bund der Kriegsblinden Deutschlands besaß nach seiner Gründung 1916 zunächst noch keine Heime. Kriegsbünde des 1. Weltkrieges wurden bis etwa 1919 in den Häusern des Reichsdeutschen Blindenverbandes betreut. Nachdem die Reichskriegsministerien der deutschen Länder die Erholung und Fürsorge von Kriegsblinden schon während des Krieges finanziell förderten, baute das Reichsarbeitsministerium diese Hilfe ab Anfang der zwanziger Jahre weiter aus. Diese Hilfe übernahmen nach dem 2. Weltkrieg das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung bzw. die entsprechenden Landesministerien.
Bis zu Beginn des 2. Weltkrieges hätten die bestehenden sechs Häuser des Bundes erblindeter Krieger Deutschlands genügt, um den 3.500 Kriegsblinden des 1. Weltkrieges eine ausreichende Erholung zu sichern. Die neu hinzugekommenen 9.500 im 2. Weltkrieg erblindeten Soldaten sowie 1.500 des 1. Weltkrieges erforderten nach 1945 den weiteren Ausbau der Kur- und Erholungsfürsorge in Ost und West. [Als historischer Vergleich seien die 560 Soldaten erwähnt, die im Befreiungskrieg 1813-15 gegen Napoleon im preußischen Heer ihr Augenlicht verloren (Dreves, S. 379) sowie die rund 50 Kriegsblinden der Kriege von 1864 und 1866 und des deutsch-französischen Krieges von 1870/71.]
Die Kur- und Erholungsfürsorge einschließlich anderer Rehabilitationsmaßnahmen werden vom Staat als Bestandteil des Gesamtkomplexes der Versorgung verstanden. Hierbei geht er vom Kausalprinzip aus, d. h. er nimmt sich ursächlich in die Pflicht, die Altersversorgung der Berufssoldaten und der Hinterbliebenen zu sichern, sowie für die Entschädigung der durch militärische Ursachen innerhalb oder außerhalb des Wehrdienstes verletzten Personen oder bei Tod für die Hinterbliebenenversorgung einzutreten. Es kommt ein weiterer Aspekt der kausaldeterminierten Versorgungspflicht des Staates hinzu: die Armee ist als bedeutender systemstabilisierender Faktor das wichtigste bewaffnete Teilsystem des Staates, dessen Angehörige durch ihn rechtlich und moralisch verpflichtet werden, im Krieg erforderlichenfalls Leib und Leben einzusetzen und dabei Leib und Leben des Gegners nicht zu schonen. Dieser Sachverhalt hat erhebliche bzw. schwerwiegende, aber sehr verschiedenartige psychisch-mentale sowie moralische und politische Folgen für das individuelle Denken und Verhalten des Soldaten innerhalb und außerhalb des Fronteinsatzes. Auch im Blick auf künftige militärische Einsätze ist die Versorgungspflicht des Staates von Bedeutung.
Den skizzierten kausalen Erfordernissen wurden sowohl die Reichsversorgungsordnung (RVO) und wird bis heute das 1950 in Kraft getretene Bundesversorgungsgesetz (BVG) - Soldatenversorgungsgesetz (SVG) - als auch überwiegend die Versorgungsordnung der Nationalen Volksarmee (VO der NVA) gerecht.
Für ehemalige Angehörige der Wehrmacht und anderer militärischer Verbände akzeptierte die DDR aus politisch-ideologischen Gründen jedoch das Kausalprinzip nicht. Dieser Personenkreis fiel unter die allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätze der Versorgung.
Finanzierungsquellen für den Kauf von Kur- und Erholungseinrichtungen des Bundes der Kriegsbünden Deutschlands sowie für ihren Um- und Ausbau und ihre Werterhaltung waren unterschiedlichster Art: staatliche Förderung durch Bund und Länder, günstige Kredite und Kreditablösungen, Schenkungen und Stiftungen, Erbschaften, Sammlungen und Spenden, sowie Zuschüsse der Hauptfürsorgestellen und Darlehen der innerhalb der Landesverbände des Bundes der Kriegsblinden juristisch und finanziell selbstständigen Kriegsblinden-Fürsorge und Hilfsvereine. Die Leitung der Kurfürsorge des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands lag fast von Beginn an vierzig Jahre lang in den Händen von Albert Bierwert. Nach ihm kam Hans Bräuer in diese Funktion. 1976 übernahm Dr. Franz Sonntag, der 1965 zum Bundesvorsitzenden gewählt war, in Personalunion auch die Leitung der Kur- und Erholungsfürsorge. Nach dessen Tod 1996 erfüllt Klaus Bartels diese Aufgabe. Den Anfang einer eigenen Erholungsfürsorge machte der damalige Bund erblindeter Krieger e.V. im Jahre 1919 mit einem gepachteten Heim in Heiligendamm, dem ältesten deutschen Seebad (gegründet 1793) an der mecklenburgischen Ostseeküste. Das 1920 erworbene, sehr einfach ausgestattete Erholungsheim in Herzberg am Harz markiert ebenfalls den Beginn der eigenen Erholungsfürsorge. Im Verlauf der nächsten Jahre wurden neben einigen anderen Objekten im Binnenland folgende Häuser an der Ostsee eröffnet:
- 1925 inAhlbeck/Usedom
(nur für einige Jahre),
- 1926 in Swinemünde/Usedom Villa "Emden" (22 Fremdenzimmer / 33 Betten),
- 1936 in Swinemünde/Usedom Haus "Favorit" (12 Betten).
1945 wurde Swinemünde polnisch und beide Häuser gingen verloren. Sie überstanden jedoch den schweren amerikanischen Bombenangriff vom 12. März 1945 und werden heute nach baulichen Veränderungen wieder für allgemeine Erholungszwecke genutzt. Bei diesem Angriff blieb das Promenadenviertel der Stadt vom Bombenhagel verschont. Ein Wunder, wenn man bedenkt, dass eine Stunde lang über die Mittagszeit 650 amerikanische "Fliegende Festungen" den Großteil der 30 000 Einwohner zählenden Stadt mit Spreng- und Brandbomben zerstörten. Zudem war Swinemünde Marinestandort mit Lazarett und in ihr befanden sich Tausende von Flüchtlingen, die aus dem Osten zurückfluteten, woraus sich die hohe Zahl von 23 000 Opfern erklärt. Es war ein Inferno, das die Zeitzeugin und damalige Angestellte im Kriegsblindensanatorium "Emden", Hendrine Broene (74), wohnhaft in Goch, Kreis Kleve, miterlebte, als sie blinde Kurgäste nach dem Angriff vom Stadtrand wieder ins Heim begleitete. "Es war eine furchtbare Katastrophe", äußert sie im Rückblick noch heute.
Die 23 000 Toten wurden auf dem Golm, einem kleinen Berg ganz in der Nähe der Stadt, heute aber auf deutscher Seite, würdevoll bestattet. Ein Blick von dort hinunter in das nahe gelegene Swinemünde lässt den Besucher die schicksalsschwere Tragik dieser Stadt erahnen. Ein zweites Dresden, wie man heute sagt. Die Beliebtheit von Kur- und Erholungsaufenthalten auf einer Insel motivierten den Bund der Kriegsblinden, als Ausgleich im Jahre 1951 auf Borkum das Kurheim "Frisia" mit einem Kostenaufwand von 131 000 DM zu erwerben. 1954 investierte der Verband für die Modernisierung des Sechzig-Betten-Objektes noch einmal die gleiche Summe.
Weitere Baumaßnahmen sind in den sechziger Jahren realisiert worden. Nach Zukauf eines angrenzenden Objektes und dem Einbau des Swimmingpools und der Badeabteilungen konnte die Grundlage für eine großzügige Ausgestaltung mit nunmehr 96 Betten geschaffen werden. 1978 erhielt das Haus eine höhere Qualität durch den Einbau von Sanitärzellen in jedes Zimmer sowie eines zweiten Personenaufzuges. Der finanzielle Gesamtaufwand belief sich auf rund 1.600.000 DM (einschließlich der für 1951 und 1954 genannten Summen) und konnte durch Finanzierungshilfen folgender Einrichtungen abgedeckt werden:
- Deutsche Hypothekenbank Hamburg
- Sparkasse Leer
- Hauptfürsorgestelle Land Niedersachsen
- Bundesministerium des Innern
- Kriegsblindenfürsorgeverein Niedersachsen e. V.
- Kriegsblindenhilfsverein Nordrhein e. V.
- Kriegsblindenhilfsverein Westfalen e. V.
- Kriegsblindenhilfsverein Rheinland-Pfalz e. V.
Borkum ist die größte der Ostfriesischen Inseln. Sie liegt weit vor der Emsmündung und bildet die nordwestliche Ecke der Bundesrepublik Deutschland. Dieser geographischen Lage verdankt Borkum sein Hochseeklima mit den natürlichen Heilfaktoren Luft, Wasser, Sonne und Wind. Borkums Sandstrand ist 20 km lang und bis zu 1000 m breit. Diese sind auch für Blinde ausgezeichnete Bedingungen für Entspannung und Erholung. Die ideale Lage des Hauses in Strandnähe machte es möglich, bequem ans Meer zu gelangen. Zusammen mit diesem Haus besaßen der Bund der Kriegsblinden sechs und drei seiner Landesverbände je ein Kur- und Erholungsheim.
Die Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands ergänzten für einige Jahrzehnte die Erholungskapazität an der See durch ihre Erholungsstätten in Dänisch-Nienhof an der Ostsee (Landesverband Hamburg) und St. Peter-Böhl an der Nordseeküste (Landesverband Schleswig-Holstein).
Im Februar 1999 wurde das Haus "Frisia" an die Kur- und Reha-GmbH des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg verkauft. Das Haus "Frisia" ist das erste von mehreren Kureinrichtungen, die der Bund der Kriegsblinden Deutschlands auf Grund des rapiden natürlichen Rückganges seiner Mitglieder zu veräußern gezwungen ist. Der Fortfall des Objektes "Frisia" bewirkte, dass schon 1998, verstärkt aber für die Saison 1999, das modernisierte Blindenerholungsheim des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins Mecklenburg-Vorpom-mern e.V. im Ostseebad Boltenhagen wieder von Mitgliedern des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands, vor allem aus den neuen Bundesländern, genutzt wurde.

(In der nächsten Ausgabe: Die Kur- und Erholungsfürsorge der Blindenausschüsse und des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes der DDR)


Die Kramkiste
Im Bestand der Bibliothek gekramt


Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.


Jerome D. Salinger: "Der Fänger im Roggen"
empfohlen von Susanne Siems
(Punktschriftbibliothek)

Jede Zeit hat ihre Bücher. Während gegenwärtig ganze Generationen beim Quidditch-Spiel zittern, zog vor 40 Jahren die so genannte Beat Generation mit Jack Kerouac "On the road". Gehen wir auf dieser Straße noch einmal ein paar Jahre zurück, treffen wir auf ein Buch, das ebenfalls die Bezeichnung Kultroman verdient. Ich möchte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, heute Holdon Caulfield, auch bekannt als der "Fänger im Roggen", vorstellen oder dem ein oder anderen Leser in Erinnerung rufen.
Ort und Zeit der Handlung sind relativ eng begrenzt. Der Leser streift mit Holdon drei Tage im Dezember durch New York. Er ist sechzehn und das vierte Mal von der Schule geflogen. Das Internat in Pencey hat er nach einem Streit mit seinem Zimmerkumpel Stratwater fast panikartig verlassen. Als Sohn reicher Eltern ist Geld nicht sein größtes Problem. Er fährt mit dem Zug aus dem Vorort in die City von New York und sucht dort nach Menschen, die seinem ziellos dahintreibenden Dasein wieder einen Sinn geben. Da er aber nur auf Unverständnis trifft, rutscht er immer tiefer in die Verzweiflung. Er spürt, dass die Erlebnisse der Kindheit nur noch Erinnerungen und Träume sind, dass die Welt der Erwachsenen aber durchaus nicht das ist, was er sich für sein zukünftiges Leben wünscht. Sinnvoll kann er sich sein Leben nur als der Roggenfänger vorstellen. Der "Fänger im Roggen" ist eine Figur aus einem Gedicht von Richard Burns. Dieser Mann steht in einem Roggenfeld, in dem Kinder fangen spielen. Neben dem Feld ist ein Abgrund, die Kinder laufen Gefahr, beim Spiel dort abzustürzen. Der Fänger im Roggen greift möglichst viele von ihnen, um sie vor dem Abgrund zu bewahren.
Ich habe zu diesem Buch mehr als gewöhnlich von der Handlung preisgegeben, denn es ist nicht allein die Handlung, die die Faszination dieses Romans ausmacht. Die Sprache des jugendlichen Helden, seine schnoddrige Art, das Coolsein nach Außen und die wirkliche Herzenswärme sind es, die mich wie auch Millionen anderer Leser seit der deutschen Erstveröffentlichung 1954 in Bann gezogen haben. Kritische Stimmen sagen, die deutsche Übersetzung sei geschönt, durch die Bearbeitung von Heinrich Böll zu literarisch ausgefallen. Der wirkliche Zauber des Buches erschließe sich nur beim Lesen der amerikanischen Originalausgabe. Das kann ich bei der mir vorliegenden und auch in Punktschrift übertragenen Übersetzung von Volk und Welt nicht finden. Mag ein heute Sechzehnjähriger darüber anders urteilen. Mir erscheint dieser Holden Caulfield mit seiner Erlebnis- und Gefühlswelt sehr real und nah, auch wenn nun mein eigenes Kind seiner Generation näher ist als ich. Die meisten von uns tragen doch diese Sehnsucht in sich, nie ganz erwachsen werden zu müssen.
Vom Autor Jerome D. Salinger habe ich wenig geschrieben. Es gibt auch wenig über ihn zu berichten. Er hat neben diesem weltbekannten Buch noch einige kleinere Erzählungen geschrieben, lebt aber bereits seit 1954 sehr zurückgezogen auf dem Land und hasst jede Art von Publicity. Nach eigener Aussage schreibt er, weil es ihm Freude bereitet, weil er es braucht, nicht um berühmt zu werden und eigentlich auch nicht für andere.
Ich denke, da können wir froh sein, dass er uns den "Fänger im Roggen" geschenkt hat und sollten uns auch damit bescheiden. Dieses Buch, so schmal wie es ist, bietet Stoff für unendlich viele Lesestunden.
In der Punktschriftausleihe können Sie den Titel mit 4 Bde., rkh. unter der Bestellnummer 4761 ausleihen.
Die Hörbuchausgabe erhalten Sie auf 6 Kassetten, gesprochen von Wolfgang Schmidt, unter der Bestellnummer 1799.
 
Mika Waltari: »Sinuhe der Ägypter«
empfohlen von Jörg Klemm
(Hörbücherei)

Dieses Mal habe ich einen historischen Roman gewählt, der mit 782 Seiten zugegebenermaßen ein "dicker Brocken ist. Sein Autor Mika Waltari, ein Finne, lebte von 1908 bis 1979. Unsere Ausgabe erschien 1960 im Buchverlag Der Morgen zu Berlin.
Waltari war der Sohn eines Lehrers und arbeitete nach Abschluss seines Studiums 1929 als Literaturkritiker und Journalist, ab 1938 als freier Schriftsteller. Schon 1925 veröffentlichte er sein erstes literarisches Werk; in der Folge erschienen zahlreiche Werke aller literarischen Gattungen sowie Drehbücher, Zeitschriftenartikel und Übersetzungen. 1957 bis 1978 war er Mitglied der finnischen Akademie. Waltari gehört zur Generation der "Tulenkantajat (Feuerträger). Nach Anfängen mit Kurzgeschichten und religiöser Lyrik gelang ihm mit dem Roman "Suuri illusioni" (1928; "Die große Illusion), einem anschaulichen Zeitbild aus dem Finnland der 20er Jahre, der Durchbruch. Während der 40er Jahre wandte er sich dem historischen Roman zu und erzielte einen Welterfolg mit oben genanntem Titel.
Wie der Name schon verrät, spielt das Buch in Ägypten. Es ist ein farbiges Zeitgemälde der XVIII. Dynastie (16. bis 14. Jahrhundert v. u. Z.). Im dritten Jahr seiner Verbannung schreibt der Arzt Sinuhe die handlungsreiche Geschichte seines Lebens. Er erzählt aus seinem abenteuerlichen Leben in der Zeit der von Pharao Echnaton geführten Religionskämpfe, die gleichzeitig wirtschaftliche wie politische Ursachen und Auswirkungen haben. Im 23. Regierungsjahr des großen Pharao Amenophis III. wurde beim Hause des Armenarztes Senmut und seiner Frau Kipa im Uferschilf des Nils ein Binsenboot mit einem Neugeborenen angeschwemmt, den sie Sinuhe nannten. Sinuhe wächst in Theben auf. Er beschließt, in das "Haus des Lebens einzutreten und Arzt zu werden. Vorher muss er jedoch nach zweijährigem Lernen die unterste Priesterprüfung ablegen. Bei seiner Weihe zum Priester glaubt er nicht mehr an die Götter, denn er hatte den offenkundigen Frevel, den die Priester mit und durch ihren Gott Ammon trieben, durchschaut. Als Arzt kommt er schnell voran und lernt auch den Sohn des Pharao kennen. Die Liebe zu einer schönen Frau bringt ihn um seinen ganzen Besitz. Und so begibt er sich zusammen mit seinem listigen einäugigen Sklaven Kaptah auf Reisen. Bei Priestern lernt er Deutungen aus der Leber geopferter Tiere. Die Weissagung der Priester lautet, dass mit seiner Geburt ein Geheimnis verbunden ist, dass er in Wirklichkeit nicht nur ein Ägypter ist, sondern ein Fremdling in der ganzen Welt. Und so muss er erfahren, dass er der Sohn des Pharao und seiner Geburt nach der rechtmäßige Pharao ist. Er ist deshalb gefährdet und wird verfolgt.
Die Hauptstadt Theben, Syrien, Babylonien, das Land der kriegerischen Hethiter und Kreta sind Schauplätze der wechselvollen Handlung. Der Sprecher ist Hans Lanzke. Umfang: 23 Kassetten. Bestellnummer: 4691.

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im "Börsenblatt des Deutschen Buchhandels" veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position Nr. 25:
Mahatma Gandhi: Eine Autobiographie oder die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit. (1927)

Nr. 26:
Virginia Woolf: Die Fahrt zum Leuchtturm.

(ausleihbar als Hörbuch Nr. 2344.
7 Kass., Spr. Henning Freiberg/Münster)

Dieser Roman erschien 1927. Er wurde im "Stream of Consciousness (Bewusstseinsstrom) geschrieben. Das bedeutet, dass hier wenig äußere Handlung mit vielen überraschenden Abschweifungen, Kommentaren und Themenwechseln durchsetzt ist. Die äußere Handlung ist Nebensache, es geht um die Gedanken der Protagonisten.
Die Autorin erzählt von Mrs. Ramsay und deren Familie sowie von deren Sommergästen in einem Ferienhaus an der schottischen Westküste, die auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden sind: in Erinnerungen und Ereignissen, Beobachtungen und Visionen. In der Darstellung des Ehepaars Ramsay gibt es durchaus Parallelen zu den Eltern der Autorin, die hier Kindheitserinnerungen verarbeitet.

Das Autorenporträt: Virginia Woolf  

Adeline Virginia Stephen wird am 25. Januar 1882 als drittes Kind des angesehenen Biographen und Kritikers Leslie Stephen und seiner Frau Julia (geb. Jackson, geschiedene Ducksworth) in London geboren. Sie besucht keine Schule, sondern wird im hochintellektuellen Elternhaus erzogen. Virginia wird in Latein und Griechisch unterrichtet, hat Zugang zur großen Bibliothek ihres Vaters und Umgang mit den bedeutendsten Persönlichkeiten der Zeit. Früh äußert sie den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Der Tod ihrer Mutter am 5. Mai 1895 löst ihren ersten von vier größeren psychischen Zusammenbrüchen aus, die immer nach persönlichen Krisen erfolgen und mit Selbstmordversuchen verbunden sind.
1905, nach dem Tod ihres Vaters und einer weiteren Nervenkrise, begründete sie mit ihrer Schwester Vanessa einer Künstlerin, die später den Kritiker Clive Bell heiratete und ihren beiden Brüdern einen Hausstand im Bezirk Bloomsbury in London, der zu einem Zentrum des zeitgenössischen literarischen und künstlerischen Lebens wurde. Sie war gesellschaftlicher Mittelpunkt und zeitweilig führende Vertreterin dieses als Bloomsbury Group bekannten Kreises. Dieser Gruppe gehörte außer Bell und anderen Mitgliedern der Londoner Intelligenz auch der Schriftsteller Leonard Woolf an. Am 10. August 1912 heiraten sie.
In ihren Romanen versuchte die Autorin die Komplexität und den steten Fluss des Lebens und der Zeit darzustellen. Ihr poetischer Stil wurden richtungweisend für die Entwicklung des modernen Romans. Im März 1915 erscheint Woolfs erster von zahlreichen Romanen: "The Voyage Out" ("Die Fahrt hinaus"), an dem sie seit 1907 gearbeitet hatte. Der Schwerpunkt des Werks liegt auf der psychologischen Entwicklung einer jungen Frau während einer Südamerikareise. Dieser wohl konventionellste ihrer Romane wird von Presse und Öffentlichkeit positiv aufgenommen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann gründete Virginia Woolf 1917 den Verlag Hogarth Press. Als erstes Werk verlegen sie "Two Stories", das je eine Geschichte der Ehepartner enthält.
Alle weiteren literarischen Werke Virginia Woolfs erscheinen in diesem Verlag, ebenso Romane von T. S. Eliot und anderen. 1922, im selben Jahr wie "Ulysses" von James Joyce, erscheint Woolfs "Jacob's Room" ("Jakobs Raum"). Der Protagonist trägt viele Züge ihres verstorbenen Bruders Thoby. Beide Romane arbeiten mit der neuen Technik des inneren Monologs.
In all ihren literarischen Werken will Woolf die Psyche des Menschen ergründen und sieht es als die Aufgabe von Literatur an, die zerrissene Wirklichkeitserfahrung der Menschen in der Moderne auszudrücken. Die frühen Romane "Die Fahrt hinaus (1915), "Nacht und Tag (1919) und "Jakobs Raum (1922) zeugen bereits von ihrer Absicht, sich aus dem traditionellen Rahmen des realistischen Romans, wie er damals durch Galsworthy, Arnold Bennett und H.G. Wells vertreten wurde, zu lösen. In der Folge tritt die äußere Handlung gegenüber einer Fülle von Sinneseindrücken zunehmend in den Hintergrund. Wirklichkeit spiegelt sich nur im Bewusstsein der Romanfiguren. Zu ihren bedeutendsten Werken gehören die Romane "Die Fahrt zum Leuchtturm" (1927, dt. 1931), in dem Kindheitserinnerungen verarbeitet werden, und "Orlando (dt. 1929), den Woolf für ihre Geliebte Vita Sackville-West (1892-1962) schrieb.
Virgina Woolf war eine sehr einflussreiche Kritikerin. Außerdem schrieb sie Biographien und trat als frühe Parteigängerin des Feminismus hervor. 1928 erscheint "A Room Of One's Own" (Ein Zimmer für sich allein), ein feministisches Essay, das zu einem der meistzitierten Texte der neuen Frauenbewegung wurde. Sie führte eine ausgedehnte Korrespondenz mit führenden Persönlichkeiten des zeitgenössischen Kulturlebens und erwies sich auch dort als eigenwillige, scharfsichtige wie scharfzüngige Dichterpersönlichkeit.
Am 28. März 1941 beendete die gefeierte Schriftstellerin freiwillig ihr Leben im Fluss Ouse bei Lewes in Sussex.

LOUIS
(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Zum Schutz des Computers durch ein Antivirenprogramm unter DOS
Zum Thema "Schutz des Computers vor Viren" erhielt ich einen Beitrag von Herrn Michael Staib aus Dresden. Ich danke ihm ganz herzlich dafür und freue mich, dass Informationen auch von Computernutzern über mich zu anderen Interessierten auf diesem Gebiet wandern. Immer wenn der Computer im Falle der Internetnutzung online ist, dann besteht grundsätzlich die Gefahr, dass er sich Viren einfängt, die als Programme daherkommen und die Anwendungsprogramme und das Betriebssystem schädigen können bis hin zum völligen Ausfall des Rechners. Dagegen kann und sollte man sich schützen, mit einem Antivirenprogramm.
Ich veröffentliche nachstehend den Beitrag von Herrn Staib mit seinem Einverständnis. Er beschäftigt sich mit einer DOS-Variante eines Antivirenprogramms. Wichtig dabei ist, dass nur diese DOS-Variante des Programms für den Privatbereich kostenlos ist. Die Windows-Version für den Einzelplatz kostet 69,00 DM.

"Für DOS wird ja praktisch keine Software mehr kommerziell angeboten. Das trifft natürlich auch auf die Virenscanner zu, bei denen man auf regelmäßige neue Versionen und Virenupdates angewiesen ist, um einen einigermaßen effektiven Virenschutz zu gewährleisten. Dieses Problem hatte ich auch, und ich habe glücklicherweise einen leistungsfähigen Virenscanner unter DOS im Internet gefunden, der regelmäßig geupdatet wird, dabei aber Freeware (nur die DOS-Variante) geblieben ist. Dieses Programm heißt F-PROT, Version 3.09 und wird von Antivirus-Shop.com angeboten. Es ist im Internet herunterzuladen unter: http://www.fprot.org/ (mit LYNX Version 2.8.4 funktioniert dies neben dem Internet Explorer unter Windows auch sehr gut).
Dabei muss für das Programm die Datei fp-309.zip und für die Virenupdates die Dateien fp-def.zip und macrdef2.zip geladen werden. Die Updates werden einfach in den Programmpfad eingespielt und die alten Dateien dabei überschrieben. Die Virenupdates sollten monatlich erneuert werden.
Die Programmdatei heißt F-PROT.exe. Sobald hinter dem Programmnamen Optionen angegeben werden, arbeitet das Programm ohne Menü im Kommandozeilenstatus. Das ist der für Blinde interessante Fall. Die Optionen sind in der Datei command.txt zu finden. Der folgende Programmaufruf gibt ein praktisches Beispiel:

f-prot a:
/hard /beep /disinf /delete /report=c:\report.txt.

Bei diesem Aufruf werden das Diskettenlaufwerk A und alle Festplatten gescannt. Wird ein Virus gefunden, gibt das Programm einen Ton von sich und versucht, den Virus zu entfernen. Gelingt das nicht, wird die befallene Datei gelöscht. Der Virusscanning-Report wird in die Datei c:\report.txt geschrieben. Diese ASCII-Datei kann dann vom blinden DOS-Nutzer mit Sprachausgabe oder Braillezeile gelesen werden, und man erhält eine profunde Auskunft über den Virustest. Dabei sind viele weitere Optionen möglich. Auf einem 75-Megahertz-Pentiumrechner werden für 2 Gigabytes etwa 4,5 Minuten für den Virustest benötigt. Dabei werden über 53.600 Viren geprüft. Übrigens sind damit auch Windowssysteme von der DOS-Box aus überprüfbar (im MS-DOS-Modus z. B. unter Windows98 funktioniert es auch).
Fazit: Das Programm f-prot ist modern, leistungsfähig, kostenlos und als DOS-Kommandozeilen-Tool sehr blindenfreundlich."

Es sei nochmals darauf hingewiesen: nur die DOS-Variante ist für den Privatbereich kostenlos. Da das Antivirenprogramm F-PROT, wie eben gesagt, frei verfügbar ist, können Sie bei Bedarf eine Kopie von mir erhalten. Dazu bitte ich Sie, zwei Disketten in einer Versandtasche mit Wendeadresse an die DZB zu meinen Händen zu schicken. Wenn Sie Fragen oder Hinweise haben, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Sie erreichen mich unter:

DZB Leipzig
Ulrich Jander (LOUIS)
Postfach 10 02 45
04002 Leipzig
Tel.: (03 41) 71 13-145 oder
E-Mail: jander@dzb.de

Herrn Michael Staib nochmals herzlichen Dank für diesen Beitrag.

info-Service

Rehavision 2001

Vom 7. bis 9. Juni 2001 findet in Leipzig die Messe REHAVISION statt. Unter anderen werden dort die Deutsche Zentralbücherei für Blinde, das BBW Chemnitz, das BFW Halle sowie die DBSV-Landesverbände Sachsens, Thüringens und Sachsen-Anhalts vertreten sein. Es wird ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten, insbesondere möchten wir auf folgende Veranstaltung hinweisen:


Lebensraum Stadt für Blinde und
Sehbehinderte.

Kommen Sie mit! Zu einem fiktiven Stadtbummel. Wir zeigen Ihnen, welche Vielfalt an Unterstützungs- und Hilfsangeboten die Messestadt Leipzig für blinde und sehbehinderte Menschen zu bieten hat. Umrahmt wird das Ganze von kulturellen Beiträgen blinder und sehbehinderter Kinder und Azubis aus Chemnitz, Halle und Leipzig.

Ort: Neue Messe Leipzig
Datum: 7. bis 9. Juni 2001
Zeit: täglich von 10:00 bis 11:30

Programm:
Moderation: Hans Lanzke
? Reisen mit dem weißen Stock - Orientierung und Mobilität auf dem Hauptbahnhof Leipzig
? Routenplaner in Punkten - Neuer Strecken- und Orientierungsplan der Leipziger Verkehrsbetriebe
? Natur barrierefrei begreifen - Eine Ausstellung des Naturkundemuseums Leipzig
? Lesende Hände und Ohren Aus dem Angebot der DZB
? Erholung im Rosental Bekenntnis zum Blindenpark

Kommerzielle Hörbücher

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat der DZB freundlicherweise die zur Leipziger Buchmesse auf dem Gemeinschaftsstand der Hörbuchverlage ausgestellten Hörbücher übereignet, damit diese an unsere blinden und sehbehinderten Nutzer ausgeliehen werden können. Wir sagen Dank für diese Erweiterung unseres Hörbuchbestandes!
Schon bald nach dem Abschluss aller notwendigen Vorbereitungen werden wir mit der Ausleihe dieser Kassetten beginnen:
- Die Originalkassetten werden mit unserem Eigentumsvermerk versehen und wie üblich beschriftet.
- Zur Unterscheidung zu den anderen Hörbüchern haben alle kommerziellen Hörbücher fünfstellige Bestellnummern, die ab 30.000 beginnen.
- Versandt werden die Hörbücher in unseren bekannten blauen Versandschachteln.
Wichtig für Sie als Hörer ist dabei folgendes: Da es sich um kommerzielle Hörbücher handelt, besitzen wir von den Werken keine Mutterbänder. Das bedeutet, dass wir bei defekten Einzelkassetten immer das komplette Werk neu einkaufen müssen soweit dies unser Etat zulässt bzw. die betreffenden Hörbücher im Handel noch erhältlich sind.
Daher unsere Bitte: Gehen Sie bitte besonders pfleglich mit diesen Kassetten um. Nur so können möglichst viele Nutzer in den Hörgenuss kommen.
Ab der "Bücherliste" 4/2001 werden Ihnen die einzelnen Titel dann näher vorgestellt.
 
Neuigkeiten aus der Reliefproduktion

Soeben fertiggestellt wurde ein Reliefplan der Gedenkstätte Buchenwald im Format 355 x 415 mm (gleiches Format wie Atlas Europa bzw. Deutschland).
Der Reliefplan der Gedenkstätte Buchenwald wurde in deren Auftrag angefertigt und umfasst insgesamt 4 Teilansichten:
1. Gesamt-Übersichtskarte
2. Lageplan ehemaliges Häftlingslager
3. Lageplan ehemaliger SS-Bereich und Produktionsbereich Gustloff-Werke
4. Mahnmal
Den Reliefs schließen sich zwei Blätter mit Erläuterungen der verwendeten Zeichen und Symbole an.
Die Besonderheit der Lagepläne besteht darin, dass nicht nur die heute noch existierenden Gebäude und Wege dargestellt worden sind, sondern auch ersichtlich ist, wie das gesamte Lager einmal ausgesehen hat. Es wurden also auch die Gebäude dargestellt, die nicht mehr existieren.
Natürlich ist auch das gesamte Wegesystem in die Darstellung einbezogen, d.h. der Reliefplan soll blinden Besuchern die Orientierung im Gelände der Gedenkstätten ermöglichen.

Noch in Arbeit ist der in Zusammenarbeit zwischen den Leipziger Verkehrsbetrieben, dem Behindertenverband der Stadt Leipzig und der DZB entstehende Reliefplan des neuen Liniennetzes der Leipziger Verkehrsbetriebe. Geplant sind zwei Karten im Format 340 x 270 mm:
1. Darstellung des Liniennetzes mit allen Straßenbahn- und 5 Stadtbuslinien
2. Darstellung des Innenstadtringes mit Hauptbahnhof, Oper, DZB u.a. markanten Punkten.
Auf der Gesamtdarstellung des Liniennetzes sind die Endhaltestellen gekennzeichnet und benannt. Die Karten werden ergänzt durch mehrere Folienblätter mit Erläuterungen.

Berliner Hörbücherei geht ins Netz

Ab sofort ist die Berliner Hörbücherei unter der E-Mail-Adresse

info@berliner-hoerbuecherei.de

zu erreichen und auch im Internet wird schon bald die Web-Baustelle zur Internetseite.

Hinweis: Unter www.lowvision2.de kann man unter anderem ausgewählte Beiträge des ABSV-Radios im Realaudio-Format hören.

Berliner Hörbücherei
Berliner Allee 193 197
13088 Berlin
Tel.: 030 / 826 31 11
Tel. u. Fax: 030 /923 74 100


Lehrgänge des DBBW

Lehrgangsausschreibung:
"Einführung in das Betreuungsrecht (BtG), Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung, 80JURI3"
vom 07.-09.09.01 im "Haus Hubertus",
56271 Mündersbach.
Teilnehmerbeitrag: 600,00 DM
Anmeldeschluss: 27.07.01

Seminarausschreibung:
"Geschickter Umgang mit Patienten und Ärzten in der Physiotherapie, 80PT1"
vom 20.-23.09.01 im Harz-Sanatorium
"Hermann Schimpf", 37520 Osterode.
Teilnehmerbeitrag: 1.100,00 DM
Anmeldeschluss: 08.08.01

Kontaktadresse für alle Veranstaltungen:
DBBW - Deutsches
Blindenbildungswerk gGmbH
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: (0 76 21) 79 92 30; Fax: (0 76 21) 79 92 31
E-Mail: info@dbbw.de / www.dbbw.de

Impressum

»DZB-Nachrichten«
erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM). Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Herausgeber, Verlag und Druck:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: (03 41) 71 13 0,
Telefax: (03 41) 71 13 1 25
Internet: www.dzb.de, E-Mail: info@dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse, Telefon (03 41) 71 13 1 35
Abonnements, Anzeigen:
Ilona Portleroy, Telefon (03 41) 71 13 1 20.
Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Für alle anderen Anzeigen gilt unsere Anzeigenpreisliste: pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).

Copyright: DZB 2001
- Alle Rechte vorbehalten -


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folgende Bücher:

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Achtung Musikfreunde:

Wer kann mir die Punktdruckausgabe der Dollysuite für Klavier zu 4 Händen von Gabriel Fauré, Op. 56 evtl. gegen angemessene Bezahlung überlassen?
 
Günther Schmohl
Albert-Einstein-Str. 6
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Tel.: 0 72 24/ 16 16

  

Zu verschenken:

Bach: "Willst du dein Herz mir schenken"
Mozart: "Das Veilchen"
Beides Lieder für eine Singstimme und Klavierbegleitung
(Druck Walter Vogel, Hamburg)

Außerdem:
Brahms: Sämtliche Orgelwerke
(Druck VZFB Hannover)
 
Günther Schmohl
Albert-Einstein-Str. 6
76593 Gernsbach 
Tel.: 0 72 24/ 16 16