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Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Nr. 4/2001 Juli/August 11. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Nachruf

Unsere Postecke

Einblicke
    Die Rehavision 2001
    Mit DAISY und der DZB im Internet auf der Rehavision in Leipzig
    Chinesische Blindenschrift
    Leipzig einmal anders erleben

Wie war das damals?
    Die Kur- und Erholungsfürsorge der Blindenausschüsse und des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes der DDR

Die Kramkiste
    Kurt Tucholsky: "Schloß Gripsholm"
    Jakob Wassermann: "Der Fall Maurizius"

Das Autorenporträt: D. H. Lawrence

Bücher des Jahrhunderts
    Lady Chatterley 

LOUIS 
    Literatur für Einsteiger in Windows
    Windows 98 ohne Maus

Info-Service
    Reliefplan der Leipziger Verkehrsbetriebe
    Der recherchierbare DZB-Hörbuchkatalog im Internet
    Tag der offenen Tür in der DZB
    Abteilung Bibliothek informiert
    Abteilung Verlag informiert
    Reliefwandkalender "Brücken" für 2002
    Hörspielpreis der Kriegsblinden für "Pitcher" von Walter Filz
    Kostenloser Download
    Lehrgänge des DBBW

 

Vorbemerkung
- von Karsten Sachse - 

Herzlich willkommen zur Sommer-Ausgabe. Ein "Sommerloch" haben wir nicht zu füllen, dafür gibt es viel zu viele interessante Informationen. Wir lassen Sie Teil haben an der Präsentation der DZB zur Messe Rehavision, führen Sie in die Geheimnisse der chinesischen Blindenschrift ein, verraten, wo es was zu "schnorren" gibt und welchen Reliefwandkalender die DZB für das nächste Jahr anbietet - um nur einige der neuesten Informationen zu nennen.
Beginnen müssen wir aber mit einem traurigen Ereignis, das alle Kolleginnen und Kollegen der DZB sehr betroffen gemacht hat:

Nachruf

Mit großem Bedauern müssen wir Abschied nehmen von einer langjährigen Mitarbeiterin, die unseren Nutzern zwar kaum bekannt sein dürfte, die aber wichtigen Anteil an der pünktlichen Belieferung unserer Kunden hatte.

Frau Karin Zorn arbeitete 16 Jahre bei uns in der Abteilung Versand. Sie erfüllte ihre Aufgaben sehr umsichtig und gewissenhaft. Durch ihre aufgeschlossene und freundliche Art war sie bei allen Kollegen sehr geschätzt und beliebt. Frau Zorn wurde durch eine schwere Krankheit plötzlich mit nur 46 Jahren aus dem Leben gerissen.

Wir trauern gemeinsam mit ihrem Mann und Tochter und versichern ihnen, dass wir unsere Mitarbeiterin stets in bester Erinnerung behalten werden.

Der Direktor der DZB, 
Dr. Thomas Kahlisch, im Namen 
aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

 

Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

"(...) Bei der Veröffentlichung der Bestsellerliste hätte ich es schön gefunden, wenn Sie bei den wenigen Büchern, die es nicht in der DZB auszuleihen gibt, dazuschreiben, in welcher Hör- oder Punktschriftbücherei diese ausleihbar sind?

So weiß ich, dass sowohl das Buch von Hennig Mankell "Mittsommermord" als auch das Buch von Herbert Schlink "Liebesfluchten" in der Hörbücherei Münster entliehen werden kann.

Könnten Sie weiterhin wie bisher im Autorenporträt erwähnen, welche Bücher von dem Autor / der Autorin in der DZB, und welche in anderen Hör- und Punktschriftbüchereien ausleihbar sind? Es gibt ja den ZIMT und
zudem die Arbeitsgemeinschaften, sowohl für Hör- als auch für Punktschriftbüchereien, durch die Sie die Informationen leicht erhalten können. (...)" [Frau Rita Schroll]

  Bemerkung der Redaktion

Der Hörbuchkatalog ZIMT verzeichnet unter Virginia Woolf 21 Treffer, das Punktschriftverzeichnis des AIDOS noch einmal 7. Viele der angezeigten Titel sind in mehreren Einrichtungen vorhanden. Diese alle zu benennen würde uns schlicht überfordern. Selbst für die in der "Bücherliste" im gegenseitigen Austausch mit der SBS in Zürich angemerkten Neuerscheinungen ist nicht immer genug Raum.

Damit Sie sich umfassend über das Angebot aller Anbieter informieren können, gibt es ja den  von Ihnen angesprochenen Gesamtkatalog der deutschsprachigen Hörbüchereien auf CD-ROM. Der Katalog kann auch über die DZB bestellt werden.

Dass die Angaben zu den DZB-Titeln von Virginia Woolf in der letzten Ausgabe unter den Tisch gefallen sind, war ein Versehen. Folgende Titel von Virginia Woolf können sie in der DZB ausleihen:

Als Hörbuch: "Die Fahrt hinaus" BN 2671, "Nacht und Tag" BN 2487, "Zum Leuchtturm" BN 2344; in Punktschrift: "Mrs. Dalloway" (4 Bde. rkh.) BNA 6253, "Flush" (1 Bd. rkzp.) BNA 3827.

"(...) Zur Anmerkung von Frau Zimmermann aus Zwickau sei gesagt, dass auch in
anderen Zeitungen und Zeitschriften (auch für Sehende) Leserbriefe gekürzt werden. Und vor jeder ähnlichen Rubrik wird auf diesen Sachverhalt hingewiesen. (...)" [Herr André Rabe aus Hamburg]

"(...) Zur Frage wegen der chinesischen
Blindenschrift: Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass ich eine Erläuterung dieser Schrift auf meiner Homepage habe:

www.braille.ch, www.braille.ch/pschin-d.htm

(...)" [Herr Vivian Aldridge, Basel]

  Bemerkung der Redaktion

Wir danken Herrn Aldridge! Mehr zur chinesischen Blindenschrift unter unserer Rubrik "Einblicke".


"(...) Zur besseren Orientierung in der Punktschriftausgabe der DZBN möchte ich anregen, auf der rechten Seite (ungerade Seitenzahl) in der letzten Zeile eine Stichwortzeile einzurichten, die Auskunft über den Inhalt der vorliegenden Seiten gibt. Dies ist in der 'Gegenwart' und in vielen anderen Zeitschriften längst guter Brauch.

Etwas erstaunt möchte ich mich zu manchen Leserbriefen in den letzten Ausgaben äußern: Da wird der Redaktion Gleichgültigkeit gegenüber Leserbriefen unterstellt (Herr Pöppel/Nürnberg, H. 3); seine Nörgeleien über die 'Braille-TV' waren hier völlig fehl am Platz, weil Leipzig sie nicht zu verantworten hat. Zu berücksichtigen ist wohl, verehrter Herr Pöppel, dass die Zeitschrift in Berlin offenbar einfach gescannt wird, was die Produktion billiger macht. Sie erhalten wöchentlich immerhin über 100 Seiten Punktschrift für 60 DM jährlich. Da muss man Kompromisse machen!

An anderer Stelle weiß Frau Zimmermann aus Zwickau, dass Zuschriften in Punktschrift 'verfremdet' werden oder 'unter den Tisch fallen'.

Ein bisschen mehr sachliche Kritikfähigkeit möchte man manchen Leserinnen und Lesern schon wünschen.

Ermutigend fand ich die Gelassenheit, die die Redaktion auf solche Anwürfe an den Tag legt. Machen Sie weiter so, Herr Sachse! (...)"

[Herr Jörn Ernst, Marburg]

 

Einblicke

  Die Rehavision 2001

- von Susanne Siems -

Vom 7. bis 9. Juni 2001 fand in Leipzig die Messe REHAVISION statt. Sie war Teil eines so genannten Medizinmesse-Verbundes, den die Leipziger Messe GmbH veranstaltete. Zeitgleich mit der Rehavision wurden die Therapie-, die Pflegemesse und das Patientenforum durchgeführt. In Konkurrenz zu den großen Messen in Dortmund und Berlin hatte es die Leipziger Messe schwer, dennoch konnte am Ende eine positive Bilanz gezogen werden. 16 000 Besucher kamen an drei Tagen, um sich über die Angebote der vier Messen zu informieren.

Auf der Rehavision boten 111 Aussteller Hilfsmittel und Dienstleistungen für behinderte Menschen an. Auch die DZB war an allen drei Tagen mit einem Stand und einer Forumveranstaltung vertreten. Im Vorfeld wurde seitens der Messe-Gesellschaft intensive Werbung gemacht, so gab es zum Beispiel auch Materialien in Blindenschrift und auf Kassette. Heute, im Rückblick, können wir sagen - diese Werbung hat sich gelohnt. Viele Blinde und Sehbehinderte, aber auch andere Interessierte fanden den Weg zu unserem Stand. Das von der Messe eingerichtete Leitsystem half bei der Orientierung, thematisch ähnliche Stände waren auch in räumlicher Nähe zu finden. Es wäre eine schamlose Übertreibung, zu schreiben "der DZB-Stand war ständig von einer dichten Traube von Besuchern umgeben“. Aber Langeweile kam bei unseren Standbetreuern nicht auf. Als Schwerpunkte hatten wir die Relieftechnik und LOUIS gewählt. Über den regen Zuspruch, den die Angebote von Herrn Jander fanden, werden Sie, liebe DZBN-Leser, in der entsprechenden Rubrik dieser Zeitschrift mehr erfahren. Bei den Reliefs stieß der Europa-Atlas auf besonders großes Interesse. Die meisten Reaktionen darauf waren positiv. Das Schöne an so einer Standbetreuung ist der direkte Kundenkontakt, der uns manchmal bei unserer Arbeit im Haus etwas fehlt. Das Thema Relief ist ein weites Feld, Diskussionen dazu gab es ja auch bereits in dieser Zeitschrift. Wir haben aber wieder gespürt, welch wichtigen Integrationsgedanken unsere Wandkalender und auch die Kinderbücher befördern. Die farbigen Reliefs ziehen die Blicke Sehender auf sich und wir erhalten so Gelegenheit, über das weiterführende Angebot der DZB zu informieren und damit auch Berührungsängste gegenüber blinden und sehbehinderten Menschen abbauen zu helfen.

Ein weiteres Schwerpunktthema war die Zusammenarbeit mit den Leipziger Verkehrsbetrieben. Seit Ende Mai gibt es in Leipzig eine grundlegende Umstellung des Liniennetzes von Bus und Straßenbahnen. Bereits Anfang des Jahres regten sowohl der Behindertenbeirat der Stadt Leipzig als auch die DZB an, diese Umstellung auch für Blinde erfahrbar und zugänglich zu machen. Entstanden sind ein Relieforientierungsplan und Streckenverzeichnisse zu allen Linien. Nähere Angaben dazu finden Sie in unserer Bücherliste. Das rege Interesse an diesen Dingen auf der Messe zeigte uns jedenfalls, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Wir haben die Zusammenarbeit mit der LVB als positiv empfunden, auch wenn sich die eingeladene Presse sehr rar machte.

Wenn man so den ganzen Tag einen Stand betreut, schaut man auch mal beim Nachbarn vorbei. Gleich neben uns war eine Bühne, wo unter dem Motto "Kommunikation für Blinde und Sehbehinderte“ rund um die Uhr ein Rahmenprogramm lief. Manchmal war der Geräuschpegel kaum zu ertragen, aber es gab auch sehr beeindruckende Momente, so als die körperbehinderte Sängerin Ute Kaiser gemeinsam mit einem blinden Pianisten "My heart will go on“ aus dem Film "Titanic“ vortrug. In solchen Augenblicken zeigte sich das zweite Gesicht solch einer Messe. Sie ist nicht nur nach Besucherzahlen zu messen, sondern auch nach einem wachsenden Gefühl der Gemeinsamkeit zwischen ganz unterschiedlichen Behindertengruppen und zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. Beim Anschauen der Nachbarstände fand man manch neue gute Idee oder konnte sich selbst mit einbringen. Schön, wenn man die Relieffibel von Wolfgang Fromm am Stand des Arbeitsmedizinischen Institutes als Tastbeispiel im "Parcours der Sinne" wiederfand und auch die Reliefangebote des Projektes ROSI aus Erfurt wurden von uns mit großem Interesse begutachtet.

Die DZB sieht die Rehavision als einen Gewinn an. Dabei geht es nicht um finanzielle Dinge. So eine Messe war und wird nie an Umsatzzahlen zu messen sein. Die Vorbereitungen kosteten viel Zeit und Kraft, aber der Kontakt zu Nutzern unseres Hauses, die Begegnung mit Gleichgesinnten, das Gewinnen neuer Eindrücke sind unersetzbar. Schön, wenn man dann im Abschlussbericht der Messe-Gesellschaft unter anderem liest, dass der Bereich für Blinde und Sehbehinderte besonders große Resonanz fand. Schön auch, wenn man sagen kann, davon sind wir auch ein Teil gewesen.

Mit DAISY und der DZB im Internet auf der Rehavision in Leipzig

- von Ulrich Jander -

Auf dem Messestand hatten die DZB-Mitarbeiter neben dem vielfältigen Angebot aus dem Verlag und der Bibliothek diesmal Computertechnik aufgebaut. Neben dem DAISY-Abspielgerät "Plextalk“ stand ein Computerarbeitsplatz mit Sprachausgabe und Braillezeile zur Verfügung. Dort wurde demonstriert, wie der blinde Computernutzer z. B. auf den Internetseiten der DZB in ihrem Angebot recherchiert. Es war auch möglich, nach Hörbüchern im Katalog auf der Festplatte zu suchen oder andere Anwendungen, wie z. B. das Telefonbuch sowie das Kursbuch der Deutschen Bahn, auszuprobieren. Sowohl sehende als auch nichtsehende Besucher zeigten ein vielfältiges Interesse.

Im Mittelpunkt der technischen Demonstration standen DAISY und das dazugehörige Abspielgerät sowie die entsprechende Software im Computer. Was ist das Besondere eines DAISY-Hörbuches? Worin bestehen die Vorteile, aber auch die Nachteile dieses Systems? Viele Fragen der Besucher wurden beantwortet. Das Abspielgerät "Plextalk“ konnte am Beispiel des DAISY-Hörbuches "Das Buch der Laster“ ausprobiert werden. Dabei wurde deutlich, dass aufzusuchende Stellen in einem DAISY-Hörbuch sehr schnell gefunden werden können. Das Setzen von Buchzeichen ist möglich. Für jeweils ein beliebiges Hörbuch aus dem DZB-Bestand wird meistens eine CD-Scheibe ausreichen. Jedoch ist es technisch leider nicht möglich, DAISY-Hörbücher auf handelsüblichen CD-Geräten abzuspielen.

Wie andere Hörbüchereien im deutschsprachigen Raum, so befindet sich auch die DZB noch in der Phase des Ausprobierens, da es kompliziert und sehr aufwändig ist, ein Buch im DAISY-Format zu strukturieren und zu produzieren. Die DZB wird in nächster Zeit ein Projekt in Angriff nehmen, in dessen Rahmen 100 Hörbücher aus dem Archiv digitalisiert und in das DAISY-Format übertragen werden. Es ist geplant, in diesem Verlauf Personen zum Testen der produzierten DAISY-Hörbücher anzusprechen. Getestet wird dann unter Einsatz eines Softwareplayers ein Programm, welches DAISY-Hörbücher über den Computer wiedergibt. Dieses Programm stellt die DZB im Testverfahren dann mit zur Verfügung.

Das große Interesse der Besucher am DAISY-System auf dem DZB-Messestand hat uns gezeigt, dass wir mit DAISY auf dem richtigen Weg sind. Noch so manche Stolpersteine im Produktionsverfahren von DAISY-Büchern müssen überwunden werden; und ein bestimmter Umfang an DAISY-Hörbüchern muss in der DZB bereitstehen, bevor die Ausleihe beginnen kann.

Chinesische Blindenschrift

Die folgenden Angaben haben wir der Homepage von Herrn Vivian Aldridge entnommen. Herr Aldridge ist u.a. Leitungsmitglied der AG Braille des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen e.V. (VBS). Der VBS ist Fachverband für alle Berufsgruppen, die im Blinden- und Sehbehindertenbildungswesen tätig sind, insbesondere an Schulen, Internaten, therapeutischen Einrichtungen, Berufsbildungs- und –för-derungswerken, Hochschulen u.a.

Die Arbeitsgemeinschaft Braille bietet ein Forum im VBS für die Erörterung aller Fragen in Bezug auf die Brailleschrift im Blinden- und Sehbehindertenbildungswesen in den deutschsprachigen Ländern. Die nächste Tagung der AG Braille ist übrigens für den Zeitraum vom 28.09. - 30.09.2001 in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig vorgesehen.

Doch nun zur chinesischen Blindenschrift:

Die Schreibweise der Laute

Die chinesische Brailleschrift basiert auf einer phonetischen Darstellung der Sprache. Es gibt keine Braillezeichen für bestimmte Schriftzeichen sondern nur für Laute. Hier wird die Brailleschrift für Putonghua erläutert, also für die chinesische National- oder Hochsprache (manchmal auch Mandarin genannt). Das gleiche Prinzip gilt aber auch für andere chinesische Dialekte.

Wie alle Brailleschriften wird auch die chinesische von links nach rechts gelesen - ungeachtet der Richtung eines eventuell vorhandenen Originaltextes in Schwarzschrift.

In der Regel wird in der Schwarzschrift eine Silbe durch ein Schriftzeichen dargestellt. Für die gleiche Silbe in Brailleschrift braucht es ein, zwei oder drei Zeichen. Es gibt dabei drei Kategorien von Braillezeichen:

-          Anlaute: Die Konsonanten, die sich immer am Anfang der Silbe befinden;

-          Schlusslaute: Vokale (n, ng oder r am Schluss sind keine richtigen Konsonanten);

-          Tonzeichen: Zeichen, die den Ton des Wortes angeben.

Zum Teil wird ein Braillezeichen für zwei verschiedene Laute angegeben. Diese Technik braucht es, da es mehr Laute als Braillezeichen gibt. Sie führt aber zu keinen Problemen, weil nur gewisse Lautkombinationen überhaupt vorkommen.

Ein Wort besteht aus einer oder mehr Silben. In der Schwarzschrift werden alle Schriftzeichen ohne Leerräume aneinander gereiht. Somit sind die Wortgrenzen nicht ersichtlich. In der Brailleschrift wird aber ein Leerraum nach jedem Wort gelassen. Dies ist auch notwendig: Wo die Schwarzschriftzeichen auch über die Bedeutung der Silbe Auskunft geben, stellen die Braillezeichen lediglich Laute dar. In Kombination ist der Sinn der Laute fast immer auf Anhieb klar - vorausgesetzt, dass man die gesprochene Sprache beherrscht.

Als Beispiel das Wort "chuiju":

-          "chui" kann unter anderem "kochen" und "blasen" heißen.

-          "ju" heißt "Entfernung", "Gerät", "ganz", "Satz" und anderes mehr.

Jedes dieser Wörter wird in der Schwarzschrift mit einem eigenen Schriftzeichen geschrieben. Wenn in der Brailleschrift die Wortgrenzen nicht klar wären, könnte es schwierig sein, den Sinn zu verstehen, aber als Zweisilbenwort wird "chuiju" gleich als "Küchengerät" verstanden.

In den wenigen Exemplaren chinesischer Brailleschrift, die mir in die Hände gekommen sind, wurden Tonzeichen fast nie verwendet. Ausnahmen bildeten:

-          die Silbe yi, für die im Handwörterbuch von Langenscheidt knapp 50 verschiedene Schriftzeichen angegeben wird. Hier hilft die Tonangabe die Bedeutungsmöglichkeit einzuschränken.

-          Wörter, in denen eine Silbe mit unterdrücktem Vokal vor einer Silbe ohne Konsonant vorkommt. Beispielsweise das Wort sh'yong (erproben), wo das Zeichen für den vierten Ton anstelle des Apostrophen geschrieben wird. Hier scheint das Tonzeichen der Trennung der beiden Silben zu dienen.

Interpunktion

Da so viele Braillezeichen für Laute gebraucht werden, bestehen die meisten Satzzeichen aus Kombinationen von Zeichen. Hier scheint meist das Französische Zeichen als Vorbild gedient zu haben, wird aber um ein halbes Zeichen nach rechts verschoben.

 Beispielsweise

-          besteht in Französisch - wie auch in Deutsch - das Fragezeichen aus den Punkten 2 und 6, also links in der Mitte und rechts unten. In der chinesischen Brailleschrift besteht es aber aus Punkt 5 und Punkt 3, also rechts in der Mitte und dann im nächsten Zeichen links unten.

-          schrieb Louis Braille den Satzpunkt mit Punkten 2, 5 und 6 (links in der Mitte und rechts die beiden unteren Punkte). Chinesisch hat Punkt 5 und Punkte 2 und 3 (rechts in der Mitte und dann im nächsten Zeichen links die beiden unteren Punkte).

Weitere Informationen, Lauttabellen und Schriftbeispiele finden Sie auf der Internetseite www.braille.ch/pschin-d.htm.

Leipzig einmal anders erleben

- von Dr. Thomas Kahlisch -

Dass Leipzig eine Reise wert ist und viel zu bieten hat, weiß inzwischen jeder. Was Leipzig für Blinde und Sehbehinderte zu bieten hat, zeigten Akteure in Veranstaltungen am Tag der Sehbehinderten und auf der Messe Rehavision.

Kontraste helfen schwachen Augen die Natur zu "begreifen“, so hätte das etwas abgewandelte Motto der im Naturkundemuseum am Goerdelerring 3, organisierten Veranstaltung lauten können. Das Museum lud am 6. Juni blinde und sehbehinderte Besucher ein, "mit ihren Händen auf Entdeckungsreise zu gehen“. Frau Dr. Karin Schlund, Leiterin des Projektes "Natur zum begreifen“, stellte die Ergebnisse ihrer Arbeit in einem anschaulichen Vortrag vor und führte die interessierten Gäste durch das Haus.

Zu sehen, hören und ertasten gibt es viel im Naturkundemuseum Leipzig. Zahlreiche Exponate können im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand genommen werden. Mit fachlicher Beratung durch Frau Schlund erfahren Freunde der Natur mehr über heimische Pflanzen, Tiere sowie geologische Besonderheiten der Leipziger Tieflandsbucht. Am Tag der Sehbehinderten präsentierten die Mitarbeiter einen gemeinsam mit der DZB entwickelten Museumsführer der auf Audiokassette und in Großdruck angeboten wird. Herr Dr. Schlatter, der Direktor des Naturkundemuseums, würdigte das Engagement aller Beteiligten, wies aber gleichzeitig auf ernste finanzielle Sorgen des Hauses hin. Sprecher der DZB, des BSVS und viele Gäste zeigten ihre Anerkennung für die geleistete Arbeit und forderten mehr kulturelle Verantwortung bei den kommunalen Politikern.

"Lebensraum Stadt“, so hieß eine Veranstaltung die im Rahmenprogramm der Rehavision, vom 7. bis 9. Juni 2001, angeboten wurde. Als täglich wiederkehrende Eröffnung der  Forumveranstaltung "Kommunikation für blinde und sehbehinderte Menschen“ präsentierten Akteure einen virtuellen Stadtbummel. Hans Lanzke, bekannt als Sprecher und ehemaliger Studioleiter der DZB, moderierte die Präsentation. Junge Künstler des Landesbildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte Halle, der Wladimir-Filatow-Schule Leipzig und des Berufsförderungswerkes Chemnitz bereicherten mit Gesang und Unterhaltung das Programm. Die fünf Leipziger Akteure berichteten in einzelnen Beiträgen von baulichen und kulturellen Angeboten, die es Blinden und Sehbehinderten erlauben, sich selbstständig in Leipzig zu bewegen und verschiedene Einrichtungen zu nutzen. Ingeburg Hieke, Kreisvorstandsvorsitzende des Stadtvorstandes des BSVS, mimte eine Besucherin Leipzigs, die sich mittels Orientierungsplan und Leitsystem den Leipziger Hauptbahnhof erschließt. Geführt durch Susanne Siems und ausgerüstet mit dem neu erstellten Reliefplan zum Liniennetz der LVB, besucht sie das Naturkundemuseum und die DZB. Karin Schlund und Thomas Kahlisch führten Frau Hieke durch die Einrichtungen und beschrieben die jeweiligen Angebote der durch sie vertretenen Häuser. Werner Uhlig stand als letzter Stadtführer zur Verfügung. Er begleitete den Gast zum Blindenpark im Rosental. Dort fand er auch einige mahnende Worte, da die Finanzierung dieses Kleinods Leipzigs ungewiss ist. An allen Punkten der Stadtführung wiesen die Referenten auf Materialien, Pläne und Aktivitäten aus der Blindenbücherei in der Gustav-Adolf-Straße 7 hin. Die DZB war auf diese Weise nicht nur am Stand, sondern überall in Halle 3 der Rehavision ganz Ohr und zum Greifen nah.

Wie war das damals?

Heute der vorletzte Beitrag unserer Serie, in der wir Sie mit der Entwicklung des Kur- und Erholungswesens deutscher Blinden-Selbsthilfeorganisationen an der Ost- und Nordsee bekannt machen. Autor ist Professor Dr. Willi Finck aus Rostock. Die Beiträge entstammen dem von Prof. Finck verfassten 12. Sonderheft des Heimatvereins Grevesmühlen e.V. mit dem Titel "85 Jahre Blindenkur- und Erholungsfürsorge an deutschen Küsten - Die Geschichte des Blindenkur- und Erholungsheimes im Ostseebad Boltenhagen". Die vollständige Broschüre wird im Studio der DZB aufgesprochen und dann in unserer Hörbücherei zur Ausleihe angeboten.

Die Kur- und Erholungsfürsorge der Blindenausschüsse und des Blinden- und-Sehschwachen-Verbandes der DDR

In der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR existierten fünf Blindenkurheime, deren eigentumsrechtliche Grundlagen unterschiedlich waren. Die Finanzierung der dreiwöchigen prophylaktischen Kuren erfolgte für den Blinden und seine Begleitung durch das staatliche Gesundheitswesen, ähnlich wie für Kriegsblinde und ihre Begleitung die staatliche Finanzierung nach dem Bundesversorgungsgesetz durch die Versorgungsämter erfolgte. Allerdings handelte es sich hier um vierwöchige Badekuren, die nach dem Kausalprinzip gewährt wurden. Demgegenüber vergab der Blinden-und-Sehschwachen-Verband der DDR prophylaktische Kuren in den Blindenkurheimen nach akausalen Gesichtspunkten, also gleichermaßen für Zivil- und Kriegsblinde in einem Rhythmus von zwei bis maximal drei Jahren.

Im Blinden-und-Sehschwachen-Verband der DDR waren für den Bereich Kur- und Erholungswesen Alfred Schäfer und seit 1978 bis zur Wende als Leiter des Bereichs soziale Betreuung Dr. Manfred Schmidt verantwortlich.

Neben der kurzfristigen Existenz eines Erholungsheimes für Blinde im Jahre 1947 in Koserow auf der Insel Usedom war das Blindenkur- und Erholungsheim in Boltenhagen das einzige an der See. Infolge des großen Interesses an Seeaufenthalten konnte die Kapazität des zeitweilig aus vier Häusern bestehenden Objektes in Boltenhagen vom Blinden-und-Sehschwachen-Verband der DDR durch andere Erholungsmöglichkeiten an der See erweitert werden. 1978 führten die Sekretäre des Blinden-und-Sehschwachen-Verbandes der DDR Alfred Schäfer (Berlin) und Erich Kuttner (Rostock), zusammen mit Baufachleuten Verhandlungen über die beabsichtigte Schenkung eines Ferienobjektes in Sellin auf Rügen. Schlechte bauliche Zustände und Schwierigkeiten beim notwendigen Freizug der Wohnungen führten zum Scheitern des Vorhabens. Im Rahmen einer Vereinbarung zwischen dem Blindenverband und dem Feriendienst des FDGB fanden in der Saison noch weitere Blinde mit ihren Familien in Erholungsheimen der Gewerkschaft in den Ostseebädern Heringsdorf und Kühlungsborn Unterkunft (30 Plätze). Wie auch gegenwärtig konnte zu DDR-Zeiten die Nachfrage nach Zeltplätzen an der See nicht befriedigt werden. Hier erwirkte der Blinden-und-Sehschwachen-Verband der DDR bei der zentralen Zeltplatzvergabe Ostseeküste in Stralsund die Reservierung von dreißig Plätzen vor allem für blinde Jugendliche auf dem Zeltplatz Prerow/Darß. Weitere Erholungsmöglichkeiten an der See erschloss der Blindenverband durch vertragliche Bindungen von Kuraustauschen mit Blindenorganisationen einiger sozialistischer Länder. Jährlich fuhren in der Saison ca. neunzig Personen im Austausch ins Ausland, davon zwanzig nach Ungarn an den Plattensee und weitere zwanzig nach Obsor an die bulgarische Schwarzmeerküste. Auf diese Weise konnten Blinde auch an ausländischen Gewässern Erholung finden.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.

Kurt Tucholsky: »Schloß Gripsholm«

empfohlen von Susanne Siems

(Punktschriftbibliothek)

Eine kleine Sommerreise gefällig? Wohin? Vielleicht nach Schweden? Kommen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser, begleiten wir den Schriftsteller Peter und seine Freundin Lydia, genannt die "Prinzessin“ nach Mariefred am Mälarsee. Es ist genau der ruhige, friedliche Ort, den sich die beiden für ihre Ferien gewünscht haben. Kaum jemand würde ihn kennen, auch der schwedische Reisebegleiter muss recht lange suchen. Bekannt ist die Gegend nur dank ihres alten Barockschlosses Gripsholm. Und was erwartet unsere beiden gerade aus Deutschland kommenden dort Ende der zwanziger Jahre? Eine Idylle? Ein Paradies auf Erden? Vielleicht ja, wenn der Verfasser dieses kleinen Romans nicht Kurt Tucholsky hieße. Die Hoffnung auf hundert romantische Seiten wird dem Leser gleich zu Beginn genommen. Seiner Geschichte stellt Tucholsky einen fiktiven Briefwechsel mit dem Verleger Rowohlt voran. Rowohlt sagt „Die Leser wollen neben der Politik und dem Aktuellen etwas haben, was sie ihrer Freundin schenken können“. Tucholsky sagt, in der heutigen Zeit, also den zwanziger Jahren, kann man keine Liebesgeschichte schreiben, höchstens eine Parodie darauf oder eine kleine Sommergeschichte. Daraus ist dann dieses heitere kleine Buch geworden, dass uns auch heute noch unter dem Titel "Schloss Gripsholm“ bekannt ist.

Mit Einsam-, besser gesagt Zweisamkeit, ist es in diesem Schloss nicht weit her. Erst taucht Peters Freund Karlchen auf, später dann Lydias Freundin Billie. Dank Billie wird aus der Zweier-  eine Dreierbeziehung, was nicht vollkommen ohne Missklang bleibt. Auch kann man die Welt sonst nicht ganz aussperren. Gleich neben dem Schloss gibt es ein Mädchenpensionat, in dem es ziemlich rüde zugeht. Ist es Zufall, dass die despotische Leiterin, die die Mädchen physisch und psychisch misshandelt, eine Deutsche ist? Entnervt, desillusioniert und mit der Einsicht, dass es mit dem Rückzug ins Private nicht geklappt hat, kehrt unser Paar schließlich nach Berlin zurück.

Aber so trostlos, wie sich das anhört, liest es sich nicht. Tucholsky hat diesen Ort gemocht, floh dorthin aus Deutschland. Auf jeder Seite macht der Roman Spaß. Da ist Tucholskys einmaliger Stil, witzig, treffend, anschaulich. Lydia ist nur mit ihrem plattdeutschen Gequassel vorstellbar, allein durch die Dialoge wird ihre ganze Biographie lebendig. Eigentlich haben die zwei nichts von dem bekommen, was sie sich gewünscht haben, aber der Leser hat jede Menge dazu gewonnen - er ist einen Abend sehr gut unterhalten worden.

Und was bleibt? Die Lust, weiterzulesen. Wer war dieser Tucholsky? Warum so viele Pseudonyme. Theobald Tiger, Kaspar Hauser,  Peter Panther u. a. Waren sie Ausdruck seines vielfältigen literarischen Schaffens oder seiner eigenen Zerrissenheit und inneren Unruhe? Wohl beides. Tucholsky ist ein Publizist der kleinen Formen gewesen, "Schloss Gripsholm“ war neben "Rheinsberg“ sein einziger Roman. Ebenso bekannt ist er als Essayist, Satiriker, Kabarettist und Feuilletonist.

Und nicht zuletzt als Herausgeber der linksintellektuellen Zeitschrift "Weltbühne“. Da finden wir die Buchkritik neben dem Chanson, die Gerichtsreportage neben dem politischen Tagesgedicht. Viele seiner Textzeilen werden oft zitiert, ohne dass jeder sie sofort Tucholsky zuordnet. Da gibt es Sätze wie "Dürfen darf man alles, man muss es nur können“ oder "Die Basis jeder gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb“, "Wenn einer spricht, müssen die anderen zuhören - das ist deine Gelegenheit. Missbrauche sie“. Es macht einfach Spaß, in dieser Vielfalt an Stoffen und literarischen Formen zu stöbern, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Für den Fall, dass ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, interessieren konnte, möchte ich neben dem genannten Roman "Schloß Gripsholm“ noch folgende Bücher Tucholskys empfehlen: "Mit 5 PS“, 11 Bde., rkh., BNA 6467; "Merkt ihr nischt?“, 2 Bde., rkzp., BNA 3784; "Das Lächeln der Mona Lisa“, 12 Bde., rkh., BNA 6558; "Lerne lachen ohne zu weinen“, 11 Bde., rkh., BNA 6694.

Um die Reise mit Lydia und Peter nach Schweden zu buchen, benötigen Sie folgende Angaben:

"Schloß Gripsholm“, 1 Bd., rkzp., BNA 2443

oder leihen Sie den Roman in unserer Hörbücherei aus, auf einer Kassette, gesprochen von Hans Hildebrand mit der Ausleihnummer 69.

Viel Spaß beim Lesen oder Hören!

 

Jakob Wassermann: »Der Fall Maurizius«

empfohlen von Jana Waldt

(Hörbücherei)

Im Jahre 1924 wurde der Rechtsanwalt Karl Hau, der 1906 in einem Aufsehen erregenden Indizienprozess wegen Mordes zum Tode verurteilt und zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden war, nach achtzehnjähriger Haft entlassen. Bald danach beging er Selbstmord. Seine Schuld, die er stets geleugnet hatte, blieb umstritten.

Diese Ereignisse nahm Jakob Wassermann zum unmittelbaren äußeren Anlass für seinen erfolgreichsten Roman, den "Fall Maurizius": Er erzählt, wie Etzel, der sechzehnjährige Sohn des Oberstaatsanwalts Freiherr von Andergast, besessen von unerbittlichem Gerechtigkeitswillen, die Unschuld des seit achtzehn Jahren wegen Mordes im Zuchthaus sitzenden Leonhart Maurizius beweisen will, indem er den Kronzeugen des Prozesses, Gregor Waremme, in Berlin aufspürt, um ihn zum Geständnis eines Meineids zu bewegen.

Maurizius, Privatdozent für Kunstgeschichte, war in einem Sensationsprozess für schuldig befunden worden, wegen einer ehebrecherischen Beziehung zu seiner Schwägerin Anna Jahn seine um fünfzehn Jahre ältere Frau Elli erschossen zu haben. Waremme, intimer Freund des Angeklagten wie Anna Jahns, hatte behauptet, Augenzeuge des Mordes gewesen zu sein. Etzels Vater hatte in dem Prozess die Anklage vertreten und mit diesem Fall seine Karriere begründet.

Der selbstsichere, despotische Andergast lässt nach gescheiterter Ehe seinen Sohn Etzel, dem jeder Kontakt mit der Mutter verwehrt wird, in der lieblosen Atmosphäre eines minutiös geregelten, jede Spontaneität ausschließenden Familienlebens aufwachsen. Er ist von der heimlichen Abreise Etzels nach Berlin und der brieflichen Ankündigung seines Plans zutiefst irritiert und muss erkennen, dass ihm in seinem Sohn ein selbstständiger, verschlossener und willensstarker Gegner erwachsen ist. Nun beginnt auch er, zunächst fast widerwillig, sich mit dem vergessenen Verfahren zu beschäftigen, und es kommen ihm unversehens Zweifel an der Rechtmäßigkeit des damaligen Urteils. Schließlich besucht er den Strafgefangenen Maurizius im Zuchthaus. Mehrere ausführliche Gespräche mit ihm bringen allmählich das ganze Gebäude der Anklage ins Wanken. In den Erzählungen des Häftlings treten nach und nach jene bis zur Undurchschaubarkeit verflochtenen Beziehungen der Prozessbeteiligten an den Tag. Im Verlauf seiner Nachforschungen immer unsicherer geworden, sieht sich Andergast innerlich dazu gezwungen, eine Begnadigung zu befürworten; von einer Revision des Urteils allerdings kann nach seiner Überzeugung nicht die Rede sein.

Maurizius wird in der Tat begnadigt. Fast gleichzeitig kehrt Etzel, den Beweis für dessen Unschuld in Händen, nach Hause zurück und fordert nun von seinem Vater die Wiederaufnahme des Prozesses. Andergast weigert sich. Im Verlauf einer dramatischen Auseinandersetzung sagt sich Etzel von seinem Vater los.

Dieser 1928 erschienene Roman wurde 1984 von Will Partisch aufgelesen. Er umfasst 15 Kassetten und ist unter der Best.-Nr. 4268 als Hörbuch ausleihbar.

Die beiden Fortsetzungen "Etzel Andergast" und "Joseph Kerkhovens dritte Existenz" sind unter den Bestellnummer 5858 und 5859 bereits in der letzten Ausgabe der "Leipziger Bücherliste" angekündigt worden.

Das Autorenporträt: D. H. Lawrence

Der englische Romanschriftsteller, Essayist und Lyriker David Herbert Lawrence wurde am 11. September 1885 in Eastwood / Nottinghamshire als Kind eines Bergarbeiters geboren. Während der Kinderjahre erkrankte Lawrence an einer schweren Lungenentzündung, an deren Folgen er zeitlebens litt. Die  Mutter war Lehrerin. Sie förderte seine Begabung und ermöglichte unter Opfern 1906-08 seine Ausbildung als Lehrer in Nottingham. Lawrence schilderte später in einem seiner besten Romane "Sons and Lovers" die seelischen Konflikte seiner Jugend: das Aufwachsen zwischen einem primitiven, ungepflegten Arbeiter und einer verfeinerten, intellektuellen Mutter.

3 Jahre war Lawrence Lehrer im Bergarbeiterdistrikt, später auch gelegentlich in London. Seine ersten Arbeiten wurden in "The English Review" veröffentlicht; der Verleger Garnett ermutigte Lawrence, freimütig über seine Empfindungsweise zu schreiben. 1911 erschien sein erster Roman. 1912 beschloss Lawrence, freier Schriftsteller zu werden. 1913 begann seine Liaison mit der Deutschen Frieda geb. von Richthofen, damals Gattin von Prof. E. Weekley. Lawrence entführte sie, lebte zunächst in freier Ehe mit ihr, bis er sie 1914 nach ihrer Scheidung heiratete. Sie übte einen günstigen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung aus.

Lawrence war eine ruhelose Natur, lebte 1912-13 u. a. in Deutschland, der Schweiz, England (Cornwall), Italien, Australien und Neu-Mexiko. Während des 1. Weltkrieges bekam er in England Schwierigkeiten wegen seiner deutschen Frau. 1920 erhielt der Autor den James-Tait-Black-Memorial-Preis für die Novelle "The Lost Girl". 1922 reiste er nach Australien, anschließend nach Neu-Mexiko, wo ein Freund ihm eine Ranch schenkte. Hier entstand 1926 "The Plumed Serpent", hier empfing er auch die Anregung zu seiner besten Novelle "The Woman Who Rode Away". Eine enge Freundschaft verband D. H. Lawrence mit Aldous Huxley.

Nach seiner Rückkehr nach England wurde der Roman "Lady Chatterley's Lover" veröffentlicht. Der Roman war zunächst in England und USA verboten, erschien dann in gekürzter Ausgabe, erst 1960 wurde er von der Zensur ungekürzt freigegeben. Durch die Zensur gekränkt verließ Lawrence England und verbrachte den Rest seines Lebens in Italien und Neu-Mexiko. Am 2. März 1930 starb D. H. Lawrence in Vence bei Nizza an Tbc.

Die hinterlassenen Briefe zeigen deutlich seine Rastlosigkeit und sein ständiges Leiden an Minderwertigkeitsgefühlen. Stark beeinflusst durch Freuds Psychoanalyse und unter dem

Eindruck unglücklicher Geschlechtsbeziehungen nicht zueinander passender Partner, besonders aber des Konflikts zwischen Instinkt und Intellekt stellte Lawrence eine Art Sexualphilosophie auf, bekämpfte die Überbewertung des Geistigen und der Askese, die Unterdrückung gesunder Sinnlichkeit als Zivilisationskrankheiten. Die Gestalten seiner Erzählungen sind den magischen Kräften des Eros ausgeliefert. Die Überbewertung des Sexuellen ist z. T. eine Reaktion auf die puritanische Erziehung, die alles Triebmäßige verdrängt. Erotik bedeutete ihm etwas Sakrales, ein Mysterium, Urkraft des Lebens, die Rückführung zum Natürlichen. Er forderte natürliche Lebensganzheit als Harmonie der Seele und der Sinne.

Neben zahlr. Romanen und Erzählungen veröffentlichte Lawrence auch Reisebücher, Essays und dem Imagismus nahestehende Lyrik.

[Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 7881 (vgl. Wilpert-LdW, Autoren, S. 875 ff.) (c) Alfred Kröner Verlag]

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position

Nr. 27: Havelock Ellis: Studies in the Psychology

of Sex. (1928);

Nr. 28: D. H. Lawrence: Lady Chatterley.

(1928)

In der DZB als Hörbuch, BN 4416 (12 Kass.); als Punktschriftbuch, ref. Kurzschrift, Ausleihe: 3 Bände, BN 6736;

Verkauf: 3 Broschuren, 42,00 DM, BN 1750

Lady Chatterley

(Lady Chatterley's Lover).

Der Roman von David Herbert Lawrence entstand 1926-27; die Erstausgabe erschien 1928 in Florenz.

Dieser sehr umstrittene programmatische Roman war in vielen Ländern wegen seines angeblich obszönen Inhalts verboten. Ausgehend von der klassischen Dreieckssituation, versucht Lawrence am Beispiel der Beziehungen von Constance Chatterley zu ihrem durch eine Kriegsverletzung impotent gewordenen und an einen Rollstuhl gefesselten Mann einerseits und zu dem von seiner Frau getrennt lebenden Wildhüter Mellors andererseits die grundlegende Rolle des Sexus für die Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau aufzuweisen. Damit greift Lawrence ein in seinen früheren Romanen schon häufig behandeltes Thema wieder auf, das jetzt unter soziologischen, biologischen und ideologischen Gesichtspunkten neu gestaltet wird. Die physische Verkrüppelung des Adligen Sir Clifford, der auch als Besitzer von Kohlengruben der herrschenden Schicht angehört, ist Symbol für dessen gestörtes Verhältnis zur Realität. Im Gegensatz zu ihm ist der aus dem Proletariat stammende Mellors die Verkörperung der vitalistischen Philosophie von Lawrence. Mellors lässt im Bereich des Körperlichen keine Tabus mehr gelten. So vermag er allein es, Constance zum erstenmal bewusst werden zu lassen, dass sie Frau ist. - Der mehrfach überarbeitete Roman zerfällt in zwei ungleiche Teile, von denen die breite Darstellung der Situation von Sir Clifford von der Struktur her nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Der ausschließlich mit negativen Zügen ausgestattete Sir Clifford ist überzeichnet, so dass er unglaubwürdig wirkt. Auch der als vitalistischer Held konzipierte Mellors, der als Sprachrohr der Auffassung von Lawrence zu gelten hat, kann nur bedingt überzeugen, da er trotz seiner Vitalität egoistisch ist und unfähig bleibt, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen und ihn zu verstehen. Lediglich Constance wirkt von der Charakterisierung her glaubwürdig. Der Topos der Rückkehr aufs Land als Lösung der Problematik der Industrialisierung und als Symbol des ungebrochenen Lebenswillens bleibt zu vordergründig und wirkt daher unglaubhaft. Erzähltechnisch muss der Roman durch die geschickte Abwechslung von Dialogen, inneren Monologen und Erzählerkommentaren als gelungen bezeichnet werden. Die sprachliche Differenzierung und eine teilweise überdeutliche Metaphorik haben die Funktion, die gehaltlichen Probleme noch stärker zu veranschaulichen. Hier zeigen sich jedoch Schwächen des Werkes, denn gerade in der Sprache und in der Bildlichkeit werden teilweise die Grenzen des Geschmacks überschritten, ohne dass dadurch die Aussage des Romans noch deutlicher würde.

[Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 19761 (vgl. Wilpert-LdW, Werke, S. 761 ff.) (c) Alfred Kröner Verlag]

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.  

Literatur für Einsteiger in Windows

- von Ulrich Jander -

Wenn Hilfsmittelfirmen Computerlesesysteme an blinde Nutzer ausliefern, dann besteht im Fall von sog. Offenen Lesesystemen die Möglichkeit, diese nicht nur zum Vorlesen, sondern auch für übliche Computeranwendungen (z. B. Textverarbeitung, Internet, Nachschlagewerke, E-Mailverkehr) einzusetzen. Für solche komplexe Aufgaben muss man sich mit dem Windows-Betriebssystem etwas befassen.

Das Windowssystem wird von sehenden Nutzern meist mit der Maus bedient. Blinde Anwender können dies praktisch nicht; dafür steht die Computertastatur zur Verfügung. Zur richtigen Bedienung eines Computerprogramms muss man die einzelnen Tasten bzw. Tastenkombinationen kennen, welche die einzelnen Funktionen auslösen.

Für blinde und sehbehinderte Interessenten, die in das Windowssystem einsteigen möchten, ist von verschiedenen Anbietern - die DZB einmal noch nicht betrachtet - Computerliteratur zum Erwerb auf dem Markt. Als erstes befasst sich Jan Eric Hellbusch mit einer Reihe, die noch fortgesetzt werden soll.

Windows 98 ohne Maus

- von Jan Eric Hellbusch -

Wer noch keine oder nur wenig Erfahrung mit dem Betriebssystem Windows 98 hat, kann sich nun an einer neuen Serie des dänischen KnowWare-Verlags erfreuen. In seiner neuen Reihe “KnowWare ohne Maus - Eine Reihe für alle, die nicht mit der Maus arbeiten können” erscheinen Überarbeitungen bereits erschienener KnowWare-Hefte. Die Reihe ist insbesondere auch für Seh- und Körperbehinderte geeignet, weil alles so erklärt ist, dass die Übungen allein mit der Tastatur bearbeitet werden können. Man ist auch nicht auf den Monitor angewiesen. Aus diesem Grund sind auch Disketten- und Braille-Versionen erhältlich.

Im Februar 2001 ist das erste Heft erschienen, "Windows 98 ohne Maus“ von Doris Hippeli und Benedikt Hohn. Das 86-seitige Heft ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Ersteinsteiger in Windows 98. Mit sorgfältig beschriebenen Übungen, die aufeinander aufbauen, lernt der Leser alle wichtigen Funktionen des Windows-Systems kennen. Das erste von 11 Kapiteln ist an den echten Neueinsteiger gerichtet. Dem Leser werden wichtige Begriffe wie "Programm“, "Datei“ und "Verknüpfung“ erläutert. In den folgenden vier Kapiteln werden die Grundkenntnisse erweitert. Der neue Windows-Anwender lernt in vielen kleinen Übungen Grundfunktionen und -prinzipien des Betriebssystems kennen. Eine Textverarbeitung wird ebenfalls vorgestellt, die dem Einsteiger das Schreiben von Briefen u.ä. ermöglicht. In Kapitel 6 bis 10 geht es dann weiter mit nützlichen Verwaltungsfunktionen von Windows 98, wie mit dem Programm "Windows-Explorer“ und weiteren Such- und Einstellungsmöglichkeiten. Zuletzt wird eine Einführung in das Hilfe-System von Windows 98 - natürlich mit weiteren Übungen - geboten.

Mit wenig Zeitaufwand kann der Neueinsteiger mit dieser Lektüre das Windows-System kennen lernen. Insbesondere die Berücksichtigung der Tastatureingabe kommt dem sehbehinderten Leser zu Gute, denn die Tastaturkürzel haben den Vorteil, dass sie sehr schnell sind, und dass sie die Arbeit mit der Maus ersparen. Sicher bedarf es ein wenig Übung, alle Kürzel zu lernen und überhaupt das Betriebssystem zu "verstehen“, aber dadurch, dass von vornherein mit der Tastatur gearbeitet wird, erhalten die Leser einen echten Vorteil für die Benutzung ihrer PCs.

Am Ende von "Windows 98 ohne Maus“ wurde noch eine Liste der Tastenkürzel für Windows 98 angefügt. Der geübte PC-Nutzer wird schnell feststellen, dass die Liste keinesfalls komplett ist. Allerdings sind sie durchaus ausreichend für den Anfang.

Das Betriebssystem Windows 98 ist nur der Anfang - sowohl für den Benutzer als auch für die Reihe. Der Benutzer wird weitere Anwendungen installieren müssen, um einen Nutzen von seinem PC zu haben. Ob eine gute Textverarbeitung oder eine Datenbank, ob Internet-Software oder ein Buchhaltungsprogramm, sie haben alle weitere Funktionen und eben auch weitere Tastenkürzel. Ist aber das Prinzip der Arbeit ohne Maus mit Hilfe dieses Heftes einmal verstanden, so werden weitere Funktionen mit ihren Kürzeln recht schnell gelernt. Die Autoren arbeiten bereits an ihrem nächsten Heft in dieser Serie, welches den Microsoft Internet Explorer und das Mail-Programm "Outlook Express“ auf ähnliche Weise erläutert. Hefte über Microsoft Word und Microsoft Excel sind in Planung.

Preise (incl. 7% MwSt. und Versand): Großdruck oder Diskette: DM 39,00; Braille: DM 111,50.

Weitere Informationen:

Doris Hippeli, Tel.: (0 89) 86 48 78-71, Fax: -73

E-Mail: dhippeli@compuserve.com; Internet: http://ourworld.compuserve.com/homepages/dhippeli

 

Ich danke Herrn Hellbusch für die Zusendung dieses Beitrages.

Ein zweiter Anbieter ist das BIT-Zentrum des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes. Dort sind u.a. zwei Titel erhältlich:

-    Krauße, Werner: "Befehlslisten mit Kurzerklärungen zu Windows, Outlook, Internet Explorer und Winword 7 und 8“. Braille oder Disk. DM 58,00; Großdruck DM 27,00 zzgl. Porto

-     Krauße, Werner: "Wissenswertes über Windows und seine Arbeitsweise“ - Hier wird auf der Grundlage des Computerhandbuches zum Programm "Supernova“ tastaturbezogen der Umgang mit Windows 98 einschließlich seiner grundlegenden Bestandteile erklärt.

Braille oder Disk. DM 30,00; Großdruck DM 17,00 zzgl. Porto.

 

Weitere Informationen

BIT-Zentrum München,

Tel.: (0 89) 55 9 88-134, Fax: -266;

E-Mail: bit-bestellservice@bbsb.org;

Internet: http://www.bbsb.org.

Der dritte Anbieter ist das Deutsche Blindenbildungswerk (DBBW). Nur dort gibt es einen Windows-Einsteigerkurs auf Tonkassette:

-          "Windows 95 für Einsteiger - ein betreuter Kassettenkurs in acht Lektionen“. Dieser Grundkurs wird durch drei Lektionen zu Windows 98 ergänzt.

Zus. 11 Kassetten, 220,00 DM.

Im Dialog zwischen Lehrer und Lernendem werden allgemeinverständlich und tastaturbezogen die Grundbegriffe sowie die wichtigsten Bestandteile des Windowssystems erläutert.

 

Weitere Informationen:

DBBW, Weil am Rhein, Tel.: (0 76 21) 79 92 30, Fax: -31; E-Mail: info@dbbw.de, Internet: http://www.dbbw.de.

Vollständig ist diese Zusammenstellung leider nicht, da es noch viele weitere Punktschrift- und Hörbibliotheken im deutschsprachigen Raum gibt. Wenn Sie Fragen oder Hinweise haben, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Sie erreichen mich unter:

Tel.: (03 41) 71 13 - 1 45 oder

E-Mail: jander@dzb.de.

 

Info-Service

Reliefplan der Leipziger Verkehrsbetriebe

Als Gemeinschaftsprojekt der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), des Behindertenverbandes der Stadt Leipzig und der DZB konnte anlässlich der Rehavision 2001 ein Reliefplan des neuen Liniennetzes der LVB vorgestellt werden.

Es handelt sich um zwei Relief-Karten im Format 340 x 270 mm mit Erläuterungen in Blindenschrift. Dargestellt sind das Liniennetz mit allen Straßenbahn- und 5 Stadtbuslinien sowie der Innenstadtring mit Hauptbahnhof, Oper, DZB u.a. markanten Punkten.

Auf der Gesamtdarstellung des Liniennetzes sind die Endhaltestellen gekennzeichnet und benannt. Die Karten werden ergänzt durch mehrere Folienblätter mit Erläuterungen. Der Reliefplan ist für 5,00 DM in der DZB erhältlich.

Ergänzt wird der Reliefplan des Liniennetzes durch die Blindenschriftausgabe des Fahrplanes mit den Taktzeiten der Tram- und Buslinien; pro Linie je 1 Heft A4 in Blindenvollschrift (2,00 DM).

Der recherchierbare DZB-Hörbuchkatalog im Internet

Auf unserer Homepage, unter der Rubrik "Kataloge“ (Internetadresse http://www.dzb.de/kataloge) kann man sich jetzt über den aktuellen Hörbuchbestand der DZB informieren. Es können Hörbücher nach einzugebenden Suchkriterien aufgelistet und Titel für die Bestellung ausgewählt werden.

Für berechtigte Nutzer (Blinde und Sehbehinderte) der DZB besteht die Möglichkeit, die gewünschten Titel am Ende eines Suchlaufes direkt per E-Mail zu bestellen.

Der Katalog wird laufend aktualisiert, wenn entsprechende Neuerscheinungen vorliegen.

Angeboten wird die Suche nach

    - einem Autor

    - einem bestimmten Titel

    - einem bestimmten Sprecher

    - einer auszuwählenden Kategorie.

Wird kein Suchkriterium eingegeben, so erscheint der gesamte Katalog mit über 7.000 Titeln. Die Anzeige kann wahlweise gelistet oder in Tabellenform erfolgen. Es ist keine Verknüpfung von Suchbegriffen vorgesehen. Wenn eine Bestellung ausgelöst werden soll, muss das am Ende des entsprechenden Suchlaufes erfolgen.

Tag der offenen Tür in der DZB

Am Samstag, dem 8. September, informiert die DZB an ihrem "Tag der offenen Tür“ über ihr umfangreiches Literatur- und Serviceangebot für blinde und sehbehinderte Menschen. In der Zeit von 10.00 bis 17.00 Uhr erhalten Besucher in der Gustav-Adolf-Straße 7 Gelegenheit, zu erfahren, wie ein Braillebuch entsteht, Hörbücher aufgesprochen und tastbare Reliefdarstellungen gefertigt werden. Wir bieten Ihnen Führungen durch unser Haus, eine kleine Hilfsmittelausstellung und eine Diskussion mit Leitern von Blindenbibliotheken und Mitgliedern des DBSV-Vorstandes zu Gegenwart und Zukunft der Blindenbüchereien.

Abteilung Bibliothek informiert

Im Zuge von Umstrukturierungen in der Abteilung Bibliothek ist die Verantwortlichkeit der Blindenmusikalienausleihe von Frau Jana Waldt an Herrn Heiko Kampa übergegangen, die Stellvertretung wird Frau Angelika Müller übernehmen. Somit sind alle Bereiche der Punktschrift auch in der Punktschriftausleihe vereint. Da die Einarbeitungszeit gerade in diesem Bereich schwierig ist, bitten wir um Verständnis, dass nicht alle Fragen sofort beantwortet werden können. Auf jeden Fall werden wir uns in gewohnter Weise für unsere Nutzerinnen und Nutzer engagieren.

Zu erreichen ist Herr Kampa:

Tel.: (03 41) 71 13 - 1 13

Fax: (03 41) 71 13 - 1 25

E-Mail: bibliothek@dzb.de

 

Bitte beachten Sie die aktuellen

Durchwahlnummern:
Ausleihe Punktschriftbibliothek:

(03 41) 71 13 - 1 14

Wissenschaftliche Bibliothek des Blindenwesens: (03 41) 71 13 - 1 15

Abteilung Verlag informiert

Auch in der Abteilung Verlag gibt es personelle Veränderungen:

Die Bearbeitung von Zeitschriftenabonnements und Anzeigen liegt nun in den Händen unserer neuen Kollegin Frau Sylvia Thormann, Tel. (03 41) 71 13 - 1 20.

Den Verkauf betreut jetzt Frau Ilona Portleroy, Tel. (03 41) - 71 13 - 1 19.

Unsere Kollegin Frau Kathrin Pause widmet sich nunmehr der Übertragung von Musikalien in unserer Abteilung Blindenschriftherstellung. So hoffen wir, bald eine Angebotslücke schließen zu können.

Reliefwandkalender "Brücken" für 2002

Brücken verbinden Technik und Ästhetik in beziehungsreicher Weise. Von der Antike bis zur Gegenwart haben sie eine einzigartige Anziehung auf die Vorstellungswelt des Menschen ausgeübt. Der Begriff "Brücken bauen" hat nicht umsonst mehrfache Bedeutung. Der Kalender beinhaltet einige der berühmtesten und bemerkenswertesten Brückenbauten aus verschiedenen Zeiten und Ländern. Auch wenn das Kalenderformat einige Zugeständnisse an den Maßstab der Abbildungen fordert, so wird doch begreifbar, dass diese Konstruktionen bei ihren Erbauern Ehrfurcht und Begeisterung gleichermaßen ausgelöst haben.

Der Kalender stellt Ihnen u.a. das Wahrzeichen Londons, die Tower Bridge, vor und macht Sie mit einem der gewaltigsten Ingenieurwerke des 19. Jahrhunderts bekannt, der schottischen Forth Rail Bridge. Venedigs größte Wasserstraße, der Canale Grande, wird von der Ponte Rialto überspannt, dem Motiv für den Monat Februar. Schon 2000 Jahre halten die Bogenreihen der in Frankreich befindlichen Pont du Gard, ohne Mörtel von den Römern erbaut. Wesentlich jünger ist die aufgrund ihrer Harfenform auch als Kunstwerk angesehene Puente del Alamillo in Spanien.

Der Preis für den Wandkalender "Brücken" beträgt 45,- DM.

Hörspielpreis der Kriegsblinden für "Pitcher" von Walter Filz

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden, gemeinsam getragen vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, wird in diesem Jahr zum 50. Mal verliehen. Der Preis wurde bereits an Autoren wie Ingeborg Bachmann, Günter Eich, Friedrich Dürrenmatt, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Heiner Müller und Heiner Goebbels vergeben. Mit dem Preis wird laut Statut jährlich ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produziertes Original-Hörspiel ausgezeichnet, "das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert”.

Die Jury, die paritätisch von Fachkritikern und Kriegsblinden gebildet wird, tagte in diesem Jahr in Bremen. Gastgebende Rundfunkanstalt war Radio Bremen.

Entschließung der Jury:

"Mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden für das Jahr 2000 wird Walter Filz ausgezeichnet. Er erhält den Preis für das Hörspiel 'Pitcher'. Es wurde am 10. Oktober 2000 vom Westdeutschen Rundfunk Köln urgesendet. Bei der zweitägigen Sitzung in Bremen entfielen auf  'Pitcher' 17 von insgesamt 19 Stimmen."

 

Die Jury begründet ihre Entscheidung folgendermaßen:

"Ein leicht abgehalfterter Profi-Synchron-sprecher soll und will seine Stimme aufpolieren, um wieder im Mediengeschäft mitmischen zu können. Dabei gerät er an einen Klangspezialisten und Sound-Designer, den so genannten Pitcher. Der bietet im Erzgebirge mit einem Institut verkaufsfördernde Dienstleistungen für die im Osten gewendete neue Gesellschaft an. Aus dieser kuriosen Konstellation entwickelt sich ein nicht nur doppel-, sondern gleich mehrfach-bödiges skurriles Spiel. Walter Filz verwertet dabei Radio-Versatzstücke - O-Töne aus Reportagen, Reiseberichten und Interviews - und kombiniert dieses authentische Material mit fiktiven Passagen. Er inszeniert also Vorgefundenes, indem er es durch Erfundenes verbindet und konstruiert so neue Sinnbögen und Zusammenhänge. Daraus entsteht eine raffinierte Satire mit einer Mischung aus Krimi-Elementen und Anklängen an eine komische Nummern-Oper.

Wie nebenbei wird dabei das eigene Medium so kritisch wie lustvoll reflektiert. Das alles geschieht spielerisch, unverbraucht, mit vielfarbigen Strichen, amüsant, witzig, schwarz-humorig. Und es ist immer vom Klang gedacht und mit Klang gemacht. So lässt dieses Hörspiel erkennen, dass es hier um eine neue Wirklichkeit geht - eben die Medienwirklichkeit, in der Fiktion und Realität untrennbar miteinander verschränkt sind. 'Pitcher' löst glänzend ein, was auch programmatisch in der Reihe 'Lauschangriff' im jungen WDR-Radioprogramm Eins Live angelegt ist: Hören aus lauter Lust.”

Zum diesjährigen Preisträger:

Walter Filz, geboren 1959 in Köln, arbeitet seit 1983 als Autor und Kulturjournalist vorwiegend für den Rundfunk. Studiert hat er Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. Seit zehn Jahren realisiert er auch Radio-Features und Hörspiele. 1997 richtete er in Köln ein eigenes Studio ein und ist seitdem freier Produzent für Radio und Fernsehen.

[Aus einer Pressemitteilung von Radio Bremen]

Kostenloser Download

Das Online-Kaufhaus BOL (www.bol.de) des Medienkonzerns Bertelsmann bietet unter dem Titel "Quintett" fünf bisher unveröffentlichte Geschichten von Frederick Forsyth zum kostenlosen Download an. Allerdings muss man vor dem Download seine Anschrift angeben.

Frederick Forsyth, 1938 in Ashford/Kent geboren, zählt zu den bekanntesten Spannungsautoren unserer Zeit. Sein Name wurde mit Romanen wie "Der Schakal" und "Die Akte Odessa" weltberühmt. Mit “Quintett” bietet Forsyth zum ersten Mal Texte im Internet an.

In unserer Hörbücherei können Sie den Roman "Der Unterhändler" von Forsyth ausleihen, 14 Kass., BN 6988.

Lehrgänge des DBBW

Effektiveres Lesen für Brailleschriftleser

06.10.    bis 12.10.01 im Alfons-Gottwald-Haus,

23669 Timmendorfer Strand

Teilnehmerbeitrag: 1.250,00 DM

Anmeldeschluss: 24.08.01

 

Elektrizität und Elektronik, 80STROM2

04.11. bis 10.11.01 im Hotel SILVERIO,

A-4713 Gallspach / Oberösterreich

Teilnehmerbeitrag: 1.300,00 DM

Anmeldeschluss: 21.09.01

 

Kontaktadresse für alle Veranstaltungen:

DBBW - Deutsches

Blindenbildungswerk gGmbH

Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein

Tel.: (0 76 21) 79 92 30; Fax: (0 76 21) 79 92 31

E-Mail: mailto:info@dbbw.de

Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich

in Blindenkurzschrift, auf Kassette

(Jahresabo. je 15,- DM)

und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM). 

Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig

(DZB), Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,

Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig,

Telefon: (03 41) 71 13 - 0,

Telefax: (03 41) 71 13 - 1 25;

Internet: www.dzb.de, E-Mail: info@dzb.de

Redaktion:

Karsten Sachse, Telefon (03 41)  71 13 - 1 35

Abonnements, Anzeigen:

Sylvia Thormann, Telefon (03 41)  71 13 – 1 20

Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Für alle anderen Anzeigen gilt unsere Anzeigenpreisliste: pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).

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