DZB - NACHRICHTEN
 

 

 

 

 

 


Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 6/2001November/Dezember     11. Jahrgang

 


 

Inhalt

 

Vorbemerkung. 1


Einblicke. 1

Dritter Tag der offenen Tür in der DZB. 1

Sitzungsmarathon in Marburg. 3

BBW Chemnitz hatte Geburtstag. 4

Tagung der AG Braille im VBS. 5


Die Kramkiste. 6

Werther einst und jetzt6

Oskar Maria Graf: »Unruhe um einen Friedfertigen«  7


Das Autorenporträt8

V.S. Naipaul8


Bücher des Jahrhunderts. 9

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues.10


LOUIS. 11

TAB - Das Programm zum Lesen von Textdateien  11


Info-Service. 11

Schließzeit zum Jahresende. 11

Mitteilung der Hörbücherei11

Vorschau auf den 15. Jahrgang des "Literaturtreff" 2002  12

Weihnachtliche Empfehlungen aus der DZB. 13


Impressum.. 14

 

 

Vorbemerkung

 

Herzlich willkommen zur letzten Ausgabe dieses Jahres! Sie erfahren heute, wie unser Tag der offenen Tür verlaufen ist und an welchen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen Mitarbeiter der DZB beteiligt waren. Außerdem erhalten Sie Informationen zum diesjährigen Träger des Nobelpreises für Literatur.

Weil der Jahreswechsel bevorsteht, gibt es schon mal einen kleinen Ausblick auf den Inhalt unserer Zeitschrift "Literaturtreff" im nächsten Jahr. Und was wäre die letzte Ausgabe des Jahres ohne Literaturtipps, die zum Weihnachtsfest passen - entweder thematisch, oder weil sie sich als Geschenk eignen.

 

Ein vor allem friedvolles Fest und einen angenehmen Jahreswechsel wünscht Ihnen

 

Ihr Karsten Sachse.

 

Einblicke

 

Dritter Tag der offenen Tür in der DZB

von Dr. Thomas Kahlisch

 

Am 8. September 2001 war es wieder einmal so weit, die DZB öffnete ihre Pforten zum inzwischen dritten Tag der offenen Tür. Schon im Vorfeld zu der Veranstaltung liefen die Telefone heiß, um sich für eine Führung anzumelden.

So manche Kreisorganisation der Blindenverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg wollte einen Besuch in der DZB mit einem Ausflug zum Flughafen Leipzig/Halle, dem Blindenpark im Rosenthal oder mit einer Stadtrundfahrt verbinden. Steffi Neumann, verantwortlich für die Führungen in der DZB, und Susanne Siems, Bibliothekarin und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, signalisierten mir schon im Frühsommer das große Interesse der Nutzer an einem Besuch in der Gustav-Adolf-Straße. Bis Ende August lagen bereits so viele Anmeldungen von Besuchergruppen vor, dass Termine verschoben und sogar nicht allen Wünschen stattgegeben werden konnte. Die Organisatorinnen rechneten mit etwa 300 Besuchern und planten dementsprechend viele Kolleginnen und Kollegen für Führungen ein. Wie sich zeigen sollte, war dies eine weise Entscheidung.

Bereits um 9.30 Uhr stand der erste Bus mit ca. 30 Besuchern vor der Tür. Dem großen Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass es zu keinen Staus gekommen ist. Besonders gefiel einigen Besuchern die Möglichkeit, Sprecher und Aufnahmeleiter bei der Arbeit zu "belauschen". Auch die Sprecher waren sehr angetan von der Gelegenheit, Feedback zu erhalten und mit Hörern in Kontakt zu kommen.

In vielen Gesprächen, die ich am Rande der Veranstaltung führte, war das breite Interesse und die Zustimmung der Benutzer zu der in unserem Haus geleisteten Arbeit spürbar. Es war wie ein Funke der übersprang, als am Nachmittag ein Mitarbeiter aus der Technik zu mir trat und sagte, es hat Spaß gemacht. Herr Städtler, der sonst dafür sorgt, dass alle Maschinen im Haus arbeiten und technische Störungen im Produktionsablauf schnell behoben werden, hatte den ganzen Tag Würstchen gegrillt und somit für das leibliche Wohl unserer Gäste gesorgt. Am Schluss hatte Herr Kirsten, Pförtner in der DZB, 368 Striche auf seinem Zettel. Er erinnerte sich, dass es im vergangenen Jahr 155 waren.

Der Tag der offenen Tür 2001 bot neben der Gelegenheit, das Haus zu erkunden, auch die Möglichkeit, eine Hilfsmittelausstellung sowie den Stand der Leipziger Kreisorganisation des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes Sachsen zu besuchen oder bei Kaffee und Kuchen Künstlern der Singegruppe "Kaleidoskop" des Berufs-Bildungs-Werks Chemnitz zu lauschen.

Auch Raum zu Diskussion und Erfahrungsaustausch wurde geboten. Auf der Forumveranstaltung "Gegenwart und Zukunft der Blindenbüchereien in Deutschland" sprachen die Leiter der Arbeitsgemeinschaften der Hörbüchereien und Blindenschriftdruckereien mit Vertretern des Vorstandes des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes. Das von mir verfasste Thesenpapier bot Gelegenheit dazu.

Um den Lesern der DZBN, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, einen Eindruck von der Diskussion zu vermitteln, sind nachfolgend die Thesen wiedergegeben. Sie können auch als Aufforderung und Anregung für zahlreiche Leserzuschriften verstanden werden.

 

Gegenwart und Zukunft der Blindenbüchereien in Deutschland

Thesenpapier einer Forumveranstaltung der DZB am 8. September 2001.

 

Blindenbüchereien:

Die Kooperation der deutschsprachigen Hörbüchereien und Blindenschriftdruckereien und -bibliotheken muss dringend ausgebaut werden. Sie sollte auf der Umsetzung zentraler Ziele unter Berücksichtigung der gewachsenen föderalen Strukturen und der verschiedenen Rechtsformen basieren. Zentrale Ziele sind:

-          Klärung lizenz- und urheberrechtlicher Fragen,

-          Erarbeitung und Durchsetzung von Qualitätsstandards,

-          Ausbau vernetzter Kommunikations- und Informationsstrukturen.

Der geplante Zusammenschluss beider Arbeitsgemeinschaften mit dem Verein MEDIBUS ist wichtige Voraussetzung zur Durchsetzung dieser Ziele.

 

Selbsthilfe:

Die zentralen Ziele müssen gemeinsam mit den Verbänden umgesetzt werden. Die Blindenselbsthilfe kann dabei die folgenden Aufgaben übernehmen:

-          Formulierung des Bedarfs der Betroffenen,

-          Information der Betroffenen, ihrer Angehörigen und der Öffentlichkeit,

-          politische Arbeit,

-          Unterstützung beim Finden und Umsetzen von Betreiber- und Finanzierungsmodellen.

 

Blindenschrift:

Der religiös geführte Streit um die 6- oder 8-Punktedarstellung lenkt von den eigentlichen Problemen beim Einsatz der Blindenschrift ab. Benötigt werden zeitgemäße Werkzeuge, mit denen Blindenschrift sowohl geschrieben und gelesen werden kann, die für blinde aber auch sehende Anwender einfach zu handhaben sind.

Hörbuch:

Digitalisierung von Hörbuchbeständen bedeutet nicht, die schlichte Kopie der Aufsprachen auf ein neues Medium, sondern den völligen Umbau der Herstellungs-, Archivierungs- und Ausleihprozesse.

 

DAISY:

Die Kombination von geschriebenem und gesprochenem Wort in einem digitalen Buch setzt voraus, dass Erfahrungen der Blindenschrift- und Hörbuchproduktion mit modernen IT-Verfahren verknüpft werden.

 

Studienliteratur:

Der akute Mangel an allgemeiner Sach- und Fachliteratur, Braillenotenschriften sowie Studien- und Lernmaterialien aller Art kann durch die Einrichtung eines unabhängigen Finanzierungsfonds zur Übertragung von Studienliteratur für Blinde und Sehbehinderte abgebaut werden. Der durch die Blindenselbsthilfe zu schaffende Fonds finanziert die hohen Sonderaufwendungen, die bei Erstellung von "schwieriger Literatur" anfallen. Einzelpersonen oder Rehabilitationseinrichtungen geben konkrete Übertragungsaufträge, der Auftraggeber trägt selbst einen Teil der Kosten. Die übertragenen Werke werden allen Blinden und Sehbehinderten zur Verfügung gestellt.

 

Sitzungsmarathon in Marburg

Tagungen der Arbeitsgemeinschaften
Blindenschriftdruckereien/Bibliotheken und Hörbüchereien und III.
DAISY Workshop

von Jörg Klemm

 

Nun, wie die Überschrift schon sagt: Es gab mehrere Sitzungen in den Arbeitsgemeinschaften, und auch der Workshop zum Thema "DAISY" ging zwei Tage lang. In diesem Artikel sollen unsere Leser darüber informiert werden, was in der Woche vom 17. bis 20. September 2001 in Marburg geboten wurde.

Beide AGs befassten sich hauptsächlich mit der Frage ihrer Zusammenführung in eine Arbeitsgemeinschaft "Medibus" (Mediengemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte e.V.). Medibus ist derzeit der Verhandlungspartner für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Sachen Lizenzbeantragung. Bisher konnten nur Dachorganisationen diesem Verein beitreten. Im Grunde genommen geht es also um die Vereinigung von drei verschiedenen Vereinen.  Die AG Hörbüchereien und die AG Blindenschriftdruckereien und -bibliotheken führten in Marburg dazu mit Medibus-Vertretern eine gemeinsame Sitzung durch. Die Mitgliederversammlungen beider Arbeitsgemeinschaften beschlossen, dass die Einzelorganisationen in Medibus eintreten und gemeinsam den neuen Verein zu einer Dachorganisation ausbauen werden. Durch die Fusion soll der Handlungsspielraum der alten AGs vergrößert werden. Im neuen Medibus-Verein soll jede juristische Person gemeinnützigen Charakters, also auch Bibliotheken und Hochschulen, Mitglied werden können. Zu den Aufgaben der neuen Organisation gehören: die Erschließung, Aufbereitung und Weitergabe von Literatur für Sehgeschädigte. Breiten Raum soll auch die gemeinsam mit der Selbsthilfe zu organisierende politische Arbeit einnehmen, hier stehen Themen wie die Klärung lizenzrechtlicher Fragen, aber auch der barrierefreie Zugang zu allen Informationsmedien im Vordergrund. Im neuen Verein Medibus soll darüber hinaus intensiv in den Bereichen Informationstechnologien und Qualifikation der Mitarbeiter zusammengearbeitet werden.

Zum Thema "DAISY" gab es nun bereits den dritten Workshop. Es zeigt sich immer wieder, dass es doch nicht so einfach ist, Hörbücher zu digitalisieren. Da gibt es unterschiedliche neue Programme zur Digitalisierung - welches ist nun das, was man am besten verwenden sollte? Wichtig ist hierbei, dass man sich auf gemeinsame Standards einigt - zum Beispiel für ganz einfache Romane, und dann bei Sach- und Fachbüchern die Standards höher schraubt - Springen in verschiedene Ebenen, Suche nach Textstellen und einzelnen Wörtern.  DAISY-Bücher können in 6 verschiedenen Typen angeboten werden:

I.    Audiobuch ohne Navigation,

II.   Audiobuch mit Navigation (Überschriften und Seitenzahl suchbar),

III.  Audiobuch plus Überschriften und Teile in Text,

IV.  Volltext und Vollaudio,

V.    Volltext und Teile in Audio,

VI.  Nur Text.

Die Blindenbüchereien sind sich darüber einig, dass der am häufigsten verwendete Buchtyp das Audiobuch mit Überschriftennavigation sein wird. Komplette Bücher in Volltext und Vollaudio sind sehr aufwändig in der Herstellung und werden wohl der ausgewählten Fach- und Sachliteratur vorbehalten bleiben.

Die Technik zum Abspielen ist zwar verfügbar, doch noch recht teuer. Es gibt Abspielprogramme für den PC und sogenannte Hardwareplayer (ähnlich einem tragbaren Kassettenrecorder). Bei diesen ist wichtig, dass sie einfach zu nutzen sind. Da unser Nutzerkreis zu ca. 70 Prozent aus älteren Menschen besteht, muss im Vordergrund die leichte Bedienung sein: Wo geht es an, wo geht es aus. Merkt sich das Gerät, wo ich gestern aufgehört habe und fängt an der richtigen Stelle wieder an?

Gut ist, dass es auch DAISY-Bücher geben wird, die auf MP3-Playern abspielbar sind. Damit ist eine preiswerte Alternative bei den Abspielgeräten verfügbar und was fehlt, um mit der Ausleihe zu beginnen, sind nur noch die Bücher. Auf dem Workshop haben einige Büchereien angekündigt, dass sie bis zum kommenden Jahr Bücher produzieren werden.

Die Versandfrage ist auch noch nicht endgültig gelöst. Es gibt eine schwedische Boxenvariante, an die man sich aber erst gewöhnen muss (teilweise schwieriges Öffnen der Kästen). Aber erste Schritte sind gemacht. Verbesserungen sind immer möglich.

Die DZB hat angefangen, unsere analogen Bestände (Mutterbänder) zu digitalisieren. Damit ist ein großer Schritt getan, um DAISY-Bücher zu produzieren. Wem das alles noch zu technisch ist, keine Angst: Kassetten wird es noch ein paar Jahre geben.

Neben den zu beantwortenden technischen Fragen gibt es viele Vorteile beim digitalen Buch: Ein DAISY-Buch passt auf eine runde Scheibe. Damit entfällt z.B. das Kassettendrehen oder auch die Frage, ob man gerade  die nächstfolgende Kassette eingelegt hat. Kaum noch Defekte - es sei denn, man bearbeitet die Scheibe mit einer Drahtbürste. Das hält dann auch diese nicht aus.

Eine weitere wichtige Frage ist, auf welchem Medium wird das Original in der Blindenbücherei  gespeichert? Da gibt es sogenannte DLT-Kassetten, die viele Stunden Aufnahme vertragen können und dafür gut geeignet sind. Besser wäre natürlich, alles gleich auf einem großen Rechner in einem Archivsystem zu haben, sodass man schnell im Produktions- und Ausleihablauf auf bestimmte Titel zugreifen kann. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Denn das ist schließlich vor allem eine Kostenfrage.

Und wer unterstützt den Nutzer bei der Handhabung? Hier sind auch die Blindenverbände und Hilfsmittelberater gefragt, denn die Blindenbüchereien allein können nicht ständig Hilfe geben. Mitarbeiter wie Ulrich Jander, die bereits jetzt schon viele Menschen über Computerfragen in der DZB beraten, werden in die Arbeit eingebunden sein.

Auf jeden Fall waren diese Beratungen und der Workshop wichtig für die Festlegung der anstehenden Aufgaben bzw. auch die Darstellung von Problemen. Es ist gut, wenn man Kontakte erneuert bzw. erst einmal knüpft – gerade auch in meinem Fall mit den anderen Hörbüchereien. Auch wenn ich nicht gerade ein Freund von Dienstreisen bin: Ich glaube, dieses Mal hat es sich gelohnt - auf unserem gemeinsamen DAISY-Weg.

 

BBW Chemnitz hatte Geburtstag

von Susanne Siems

 

Anfang September 2001 beging das Berufsbildungswerk Chemnitz sein zehnjähriges Jubiläum, Anlass für eine feierliche Veranstaltung und Thema dieses Berichtes. Es ist beachtlich, was das BBW in den Jahren seines Bestehens erreicht hat, aus eigener Kraft seiner Gesellschafter, mit dem Einsatz seiner derzeit 120 Mitarbeiter, dank finanzieller und ideeller Unterstützung politischer, gesellschaftlicher und sozialer Träger. Dennoch erschien es mir wie ein Bruch, man fragte sich, was war vor 1991. In den Reihen der Gäste saßen auch Mitarbeiter, die nicht erst seit Gründung des BBW für die Berufsausbildung blinder und sehbehinderter Jugendlicher streiten. Und bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Chemnitz Ausbildungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten für Blinde und Sehbehinderte. Die Tradition ist also durchaus gegeben und war auch erfolgreich. Schade, dass dieser Gesichtspunkt in den Ausführungen der Festredner so gut wie gar keine Rolle spielte. Doch davon einmal abgesehen lässt sich das in zehn Jahren Erreichte durchaus sehen.

Das sächsische Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte wird zu gleichen Teilen getragen vom Internationalen Bund für Sozialarbeit und der Nikolauspflege Stuttgart. Es  bietet berufliche Erstausbildung für 10 Berufe im kaufmännischen und gewerblich-technischen Bereich. Seit 1996 gibt es außerdem die Berufsfachschule für Masseure und Physiotherapeuten. Integraler Bestandteil des BBW ist eine Berufsförderschule. Waren es 1991 noch 96 Azubis, die im BBW Chemnitz ihre Ausbildung begannen, sind es heute bereits 200 und zusätzlich 50 in der Berufsfachschule für Masseure und Physiotherapeuten.

Die Grußworte der Bürgermeisterin für Soziales und Jugend der Stadt Chemnitz, des Landesarbeitsamtes, des Referates Rehabilitation Behinderter beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke zeugen von der Anerkennung und auch von der intensiven Zusammenarbeit des BBW in der Region, aber auch bundesweit. Im Blinden- und Sehbehindertenwesen, insbesondere in Sachsen, hat die Einrichtung einen festen Platz. Ein Ausdruck für diese enge Zusammenarbeit ist der Gemeinsame Fachausschuss für Bildung und berufliche Eingliederung, in dem sich sächsische Verbände und Einrichtungen des Blinden- und Sehbehindertenwesens zweimal jährlich zusammenfinden. Auch die DZB ist dort vertreten. Im Übrigen haben die Kontakte zwischen der Chemnitzer Einrichtung und der DZB bereits eine lange Geschichte. Paul Georgi, bekannt geworden durch seine beispielhaften Reliefs und Lehr- und Lernmittel, begann seine Arbeit in der DZB, bevor er Anfang der 50er Jahre nach Chemnitz ging.  Heute produziert die DZB Atlanten und Lehrbücher unter anderem auch für die Anwendung im Chemnitzer Unterricht.

Die Anerkennung, die dem BBW durch die Worte der Festredner vermittelt wurde, sollte trotz schwieriger Arbeitsmarktsituation optimistisch stimmen. So lobte der sächsische Sozialminister Geißler die praxisnahe Arbeit des BBW und wies noch einmal auf die laufende Sanierung als einen Erfolg hin.

Mit dem Grußwort der ehemaligen Auszubildenden und jetzigen DZB-Mitarbeiterin Kathrin Gießner schloss sich sozusagen der Kreis. Wünschen wir dem BBW und seinen Mitarbeitern auch für die kommenden Jahre eine glückliche Hand beim Vermitteln von Ausbildungsinhalten und Finden neuer Berufsfelder.

Hinweis: Der oben erwähnte Fachausschuss wird seine Herbstsitzung am 14. November 2001 in der DZB durchführen.

 

 

 

Tagung der AG Braille im VBS

von Karsten Sachse

 

Am letzten Septemberwochenende tagte in Leipzig - u.a. auch in der DZB - die AG Braille des Vereins der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen (VBS).

Das Programm war sehr umfangreich. Um den eigentlichen Tagungsgegenstand, die Erarbeitung und Bereitstellung von Arbeitsblättern für den Unterricht, rankten sich eine ganze Reihe von Arbeitsgruppen, die sich z.B. über eine Reform der Chemieschrift verständigen wollten und über eine Reform der 6-Punkte-Stenografie berieten. Kein Wunder, dass dabei auch das Brailleschriftkomitee der deutschsprachigen Länder tagte und vertreten war. Und natürlich waren auch Blindenpädagogen angereist, ebenso wie Regellehrer aus dem integrativen Unterricht und Ambulanzlehrer (die von Kind zu Kind reisen). Für Diskussionsbreite war also gesorgt.

Gewissermaßen zum Auftakt trafen sich Tagungsteilnehmer und Mitarbeiter der DZB am 28.09. in der DZB-Caféteria zu einer Forumveranstaltung, die so gut besucht war, dass die zur Verfügung stehenden 80 Plätze fast nicht ausreichten. Im Verlauf des Forums stellte die DZB den Tagungsteilnehmern ihr Leistungsspektrum vor, es referierten der Direktor der DZB, Dr. Kahlisch, die Verlagsleiterin, Frau Burghardt, der Leiter der Abteilung Blindenschrift, Herr Erndt, Herr Mähnert aus der Relieftechnik und Frau Siems für die Wissenschaftliche Bibliothek des Blindenwesens. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es bezüglich der Aktualität von Arbeitsblättern und deren Auflagenhöhe zwar Unterschiede zwischen den von den Pädagogen formulierten Anliegen und den produktionstechnischen Voraussetzungen einer Einrichtung wie der DZB gibt, aber hinsichtlich der Anforderungen an die Qualität und Gestaltung von Arbeitsmitteln in Blindenschrift durchaus gemeinsame Vorstellungen existieren. Dass dabei der Erfahrungsaustausch eine besondere Rolle spielt, liegt auf der Hand, und deshalb nahmen Mitarbeiter aus der DZB auch an den sich anschließenden Arbeitsgruppen Braillezeile, Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften teil.

Am Rande der Veranstaltung konnte ich ein Gespräch mit Frau Dr. Petra Gansauge, der Leiterin der AG Braille im VBS, führen, das Aufschluss über Inhalt und Ziele der weiteren Tagung gab.

Frau Gansauge führte aus, dass die AG Braille im VBS für alle Punktschriftunterrichtenden ein Gremium zur Weiterbildung ist. Das schließt die Ideenbörse genauso ein wie die Sensibilisierung für bestimmte Probleme. Durch den Tagungsort DZB war ein Einblick in die professionelle Gestaltung von Blindenschriftmaterialien möglich, aus dem sich Schlussfolgerungen für das praktische Gestalten von Arbeitsblättern ergeben sollten. Somit war die Tagung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Findung einheitlicher Gestaltungskriterien für ansprechende Arbeitsmaterialien. Diese Kriterien sollen dann für die Pädagogen als Empfehlung formuliert werden. Ähnliche Bemühungen hinsichtlich der Formatierung von Texten sind bereits erfolgreich gewesen und konnten anhand der Vorstellung eines entsprechenden Leitfadens begutachtet werden.

Die Tagung hat mehr als deutlich gemacht, welch wichtige Funktion die AG Braille im VBS angesichts der für Lehrer im Bereich Punktschrift allgemein unzureichenden Fortbildungsmöglichkeiten ausübt. Und noch etwas ist deutlich geworden: Unabhängig davon, ob die Blindenschrift unter der Verwendung von Braillezeile oder Papier dargestellt wird, ist sie nach wie vor bestimmten Gestaltungskriterien unterworfen.

(Wer sich über die AG Braille ausführlicher informieren möchte, dem sei die folgende Internetseite empfohlen: www.braille.ch/agbrl.htm)

                                                  

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.

 

Werther einst und jetzt

von Susanne Siems

(Punktschriftbibliothek)

 

Aussteiger, Außenseiter, die "an der Welt Leidenden", waren die Helden meiner letzten Kramkisten. Erlauben Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, dies  heute noch einmal fortzusetzen. Zum Einen sind die globalen Ereignisse der letzten Wochen wohl so, dass man an der Welt leiden muss, zum anderen ist der Vater meiner heutigen Romanfigur kein geringerer als Goethe, dessen Denken und Schreiben auch nach über zweihundert Jahren zeit- und lebensnah erscheint. Ich erinnerte mich beim Lesen einer Goethe-Biographie an den in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts erschienenen Briefroman. Damals avancierte dieses Buch zum Bestseller, leitete die Periode des Sturm und Drang ein und machte den 23-jährigen Goethe schlagartig berühmt.

Werther ist zwanzig und kommt wegen Erbschaftsangelegenheiten in eine kleine Stadt. Dort will er seinem Leben den richtigen Sinn geben, zu sich selbst finden. Stattdessen findet er Lotte, das älteste von sieben Kindern des Amtmannes. Er verliebt sich in das neunzehnjährige Mädchen, die aber ist Albert versprochen. Als ihr Verlobter zurückkehrt, flieht Werther auf Anraten des Freundes Wilhelm vor seinen Gefühlen in eine andere Stadt. Er nimmt Arbeit bei einem Minister am Hofe an. Dort beginnt er Abstand zu gewinnen, aber bald lassen ihn der Bürokratismus und der Kleingeist seiner Umgebung wiederum die Flucht ergreifen. Als er Lotte mit Albert verheiratet findet, macht er seinem scheinbar sinnlosen Leben ein Ende.

Nicht nur Lob handelte sich der junge Dichter aus Frankfurt für diesen Roman ein. Freunde fühlten sich von dem autobiographisch angehauchten Text angegriffen. Schriftstellern wie Lessing erschienen die Briefe zu gefühlvoll - "Also, lieber Goethe, noch ein Kapitelchen zum Schlusse; und je zynischer, je besser!". Auch die Kirche meldete Bedenken an, gab es doch Gerüchte, dass die Selbstmordrate nach Erscheinen des Buches sprunghaft angestiegen war. In Österreich und Bayern, und leider auch in Leipzig, wurde das Buch auf den Index gesetzt. Doch die positiven Stimmen überwogen. Und, wie das mit verbotenen Büchern so ist, sie werden gerade darum gelesen. Bald gehörte es zum guten Ton, über die Geschichte von Werther und Lotte im Detail berichten zu können. Viele nachfolgende Generationen ließen sich inspirieren, bekanntestes Werk der Gegenwart dürfte immer noch Ulrich Plenzdorfs Buch "Die neuen Leiden des jungen W." sein. Dieser Titel machte nicht weniger Furore als seine berühmte Vorlage. 1973 in der DDR erschienen, ist es auch heute noch Schullektüre. Werther heißt hier Edgar Wibeau und lebt in einer Laube am Rande von Berlin. Als er Goethes Briefroman in die Hände bekommt, schmeißt er ihn nach fünf Minuten in die Ecke, nimmt ihn dann wieder – "Drei Stunden später hatte ich es hinter mir. Ich war fast gar nicht sauer!". Zwar kann er kaum die Handlungsweise von Werther und Lotte nachvollziehen und er glaubt auch nicht, dass die Leute vor zweihundert Jahren mit soviel Herz und Seele geredet haben. Aber Goethes Buch wird ihn bis zum Schluss nicht mehr loslassen. Immer wieder verwirrt Wibeau seine Umwelt mit Zitaten aus dem alten Buch. Am Bekanntesten dürfte wohl dieses sein: "Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrigbleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es loszuwerden."

Für mich sind diese zwei Bücher ein einzigartiges Beispiel, wie Literatur über Jahrhunderte weg Menschen beeinflusst und verbindet. Und unverhofft, weil vergessen, schloss sich für mich beim erneuten Lesen von Plenzdorfs Buch ein weiterer Kreis. Eines der Lieblingsbücher von Edgar Wibeau ist "Der Fänger im Roggen". Er empfiehlt Goethe, doch mal Salinger zu lesen, sozusagen um wieder auf die Höhe der Zeit zu kommen.

Sie können die empfohlenen Titel unter folgenden Bestellnummern in unserer Bibliothek ausleihen:

-          Goethe: Die Leiden des jungen Werther, 1 Bd., kzp., BNA 856 oder 4 Kass. A 700

-          Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W., 2 Bde., vh., BNA 6157 oder 2 Bde., rkh., BNA 5313 oder 2 Kass. D 3888

 

Oskar Maria Graf: »Unruhe um einen Friedfertigen«

empfohlen von Jana Waldt

(Hörbücherei)

 

Der Schuster Kraus war schon weit über die Vierzig, als er sich im Jahre 1909 in der kleinen bayerischen Gemeinde Auffing niederließ. Ruhig und unauffällig lebte er dahin, kümmerte sich nicht um die Angelegenheiten anderer Leute und belästigte auch niemanden mit seinen Sorgen. Die warmherzige Anteilnahme der Dorfbewohner bei schweren Schicksalsschlägen (seine Frau starb an der Schwindsucht, sein ungeratener Sohn ging wenig später heimlich nach Amerika) zeigte deutlich, dass sich der zurückhaltende, ja verschlossene Schuster nicht nur durch seine Arbeit Achtung und Sympathie in seiner neuen Heimat erworben hatte. Niemand ahnte, welche schweren Schicksalsschläge Julius Kraus (der früher einmal Juljewitsch Krasnitzki hieß und aus der Gegend von Lemberg stammt) bereits erdulden musste. Seine Eltern und Schwestern waren bei einem Judenpogrom in Odessa viehisch hingeschlachtet worden. Diese schrecklichen Erlebnisse haben seine Haltung zum Leben entscheidend beeinflusst und wirken noch immer in ihm nach: "Mach dich nicht mausig, dann frisst dich keine Katz." Sich aus allem heraushalten und um nichts kümmern, jedem Streit aus dem Wege gehen - das ist die Devise des nun einsamen alten Mannes.

Aber die unruhigen Zeiten, die nach der Not und dem Hunger der Kriegsjahre heraufziehen, machen auch vor dem abgelegenen Dorf nicht halt und drängen sich in die persönlichsten Bereiche der Bauern. Schließlich beginnen auch hier manche Leute den Hitler-Anhängern nachzulaufen und die ruhigen Dörfer unsicher zu machen. Julius Kraus verkriecht sich immer tiefer in seine Schusterhütte, wird immer grämlicher und einsilbiger. Weil er sich aber nicht am Klatsch beteiligt, genießt er das Vertrauen der ehrlichen Bauern und wird dadurch den Hitler-Anhängern im Dorf unbequem und verdächtig. Angesichts der judenfeindlichen Umtriebe der Nazis wächst Kraus' Angst immer mehr - er will mit alldem nichts zu schaffen haben. Und doch kann er nicht verhindern, dass er in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit rückt, als er von seinem nach Amerika ausgewanderten Sohn ein Millionenvermögen erbt. Es nützt ihm nichts, dass er - der verzweifelt um seine unauffällige Ruhe kämpft - die Riesensumme sofort verschenkt. Bei den damit verbundenen amtlichen Formalitäten kann er seine jüdische Abstammung nicht mehr verschweigen. Und als kurze Zeit später die Nazis an die Macht kommen, wird der friedfertige Schuster eines der ersten Opfer des braunen Terrors.

Dieser Roman erschien 1947. Thomas Mann sagte, es sei des Autors bestes und stärkstes Buch und es gehört zu den herausragenden kritisch-realistischen Werken der antifaschistischen Exilliteratur.

Oskar Maria Graf entwirft in zahlreichen plastisch gestalteten Charakteren und in einer Fülle realistisch geschilderter Episoden ein umfassendes Zeitgemälde von der Entwicklung eines bayerischen Dorfes von der Weimarer Republik bis zum faschistischen Dritten Reich. 

Dieses Hörbuch wird von Hans-Joachim Hegewald gelesen. Es umfasst 13 Kassetten und ist unter der Bestell-Nr. 1946 erhältlich.

In der Punktschriftbibliothek kann dieser Roman in handschriftlicher Kurzschrift unter der Bestell-Nr. 4856 bestellt werden.

 

Das Autorenporträt:

V. S. Naipaul

Die Königlich-Schwedische Akademie teilte am 11.10.2001 mit, dass der diesjährige Literatur-Nobelpreis an den in England lebenden Schriftsteller V. S. Naipaul verliehen wird.

 

Der in Trinidad geborene, britische Schriftsteller V(idiadhar) S(urajprasad) Naipaul wurde 1932 in Chaguanas in der Nähe von Port of Spain auf Trinidad geboren. Seine Familie sind Nachfahren von Einwanderern aus dem nördlichen Indien. Der Großvater war Zuckerrohrarbeiter, der Vater Journalist und Schriftsteller. Im Alter von 18 Jahren begab sich Naipaul nach England, wo er an der University College in Oxford nach Beendigung seiner Studien 1953 Bachelor of Arts wurde. Seitdem ist er wohnhaft in England (seit den 70er Jahren in Wiltshire, in der Nähe von Stonehenge), hat aber auch viel Zeit mit Reisen nach Asien, Afrika und Amerika verbracht. Abgesehen von einigen Jahren Mitte der Fünfziger, als er als freier Mitarbeiter für die BBC tätig war, hat er sich voll und ganz der schriftstellerischen Arbeit gewidmet.

Naipauls Produktion besteht zu größten Teilen aus Romanen und Novellen, aber auch aus einigen dokumentarischen Schilderungen. Er ist ein ausgesprochen kosmopolitischer Autor, was, wie er selbst meint, mit seiner Wurzellosigkeit zusammenhängt: die kulturelle und geistige Armut auf Trinidad bedrückt ihn zutiefst, er hat ein distanziertes Verhältnis zu Indien, und gleichzeitig fällt es ihm schwer, Zusammengehörigkeit mit den traditionellen Werten in der ehemaligen Kolonialmacht England zu empfinden und auf sie Bezug zu nehmen.

Die Handlung in den frühesten Büchern spielt in Westindien. Einige Jahre nach seinem Debut mit "Der mystische Masseur" (The Mystic Masseur, 1957) folgte eines seiner - wie viele meinen – bedeutendsten Werke: der biographische Roman "Ein Haus für Mr. Biswas" (A House for Mr. Biswas, 1961), in dem der Vater des Autors das Vorbild für die Hauptperson ist.

Nach dem großen Erfolg mit "Ein Haus für Mr. Biswas" weiten sich die geographischen und sozialen Perspektiven in Naipauls schriftstellerischer Tätigkeit, und er schildert mit immer größerem Pessimismus die Schadwirkungen des Kolonialismus und neuen Nationalismus in der dritten Welt, beispielsweise in "Guerillas" (Guerrilas, 1975) und "An der Biegung des großen Flusses" (A Bend in the River, 1979), letztere eine Afrikaschilderung, die mit Joseph Conrads "Herz der Finsternis" verglichen wird.

Naipaul hat in seinen Reiseschilderungen und Reportagebüchern Eindrücke von Indien, dem Heimatland seiner Vorfahren, beschrieben, wie in "Indien : Ein Land im Aufruhr" (India : A Million Mutinies Now, 1991), er hat aber auch den muslimischen Fundamentalismus in nichtarabischen Ländern wie Indonesien, Iran, Malaysia und Pakistan kritisch beleuchtet, etwa in "Eine islamische Reise : Unter den Gläubigen" (Among the Believers, 1981) und in "Beyond Belief", 1998.

Die Romane "Das Rätsel der Ankunft" (The Enigma of Arrival, 1987) und "Ein Weg in der Welt" (A Way in the World, 1994) sind weitgehend autobiographisch. In "Das Rätsel der Ankunft" wird geschildert, wie ein Landbesitz in Südengland und sein Eigentümer, der früher in den Kolonien tätig war und von einer Degenerationskrankheit heimgesucht wird, langsam verfallen und schließlich untergehen. "Ein Weg in der Welt", ein Mittelding zwischen Fiktion, Memoiren und historischer Darstellung, besteht aus neun freistehenden, jedoch thematisch zusammengehörenden Erzählungen, in denen karibische und indische Tradition mit der Kultur verwoben wird, mit der der Autor konfrontiert wurde, als er im Alter von 18 Jahren nach England kam.

V. S. Naipaul hat eine Vielzahl von Literatur-Preisen erhalten, u.a. den Bookerpreis 1971 und T.S. Eliot Award for Creative Writing 1986. Er ist Ehrendoktor des St. Andrew’s College und der Columbia University sowie der Universitäten in Cambridge, London und Oxford. Im Jahre 1990 wurde er von Königin Elizabeth geadelt. [Quelle: www.svenskaakademien.se/]

 

In der Begründung für die Verleihung des Preises an V. S. Naipaul heißt es:

 Den Literaturnobelpreis des Jahres 2001 erhält der in Trinidad geborene, britische Schriftsteller V. S. Naipaul für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen, und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen.

V. S. Naipaul ist ein literarischer Weltenumsegler, eigentlich nur bei sich selbst zu Hause, in seinem unnachahmlichen Ton. Seltsam unbeeinflusst von der literarischen Zeitmode und Vorbildern, hat er die existierenden Genres umgeformt zu einer eigenen Schreibweise, in der die herkömmlichen Abgrenzungen zwischen Fiktion und Sachprosa eine untergeordnete Bedeutung haben.

Naipauls literarisches Territorium streckt sich weit hinaus über die westindische Insel Trinidad, sein erstes Thema, und umfasst Indien, Afrika, Amerika vom Süden bis zum Norden, die islamischen Länder in Asien und nicht zuletzt England. Naipaul ist in moralischer Hinsicht Conrads Erbe als Schilderer der Geschicke der Imperien: was sie mit den Menschen machen. Seine Autorität als Erzähler stützt sich darauf, dass er sich an das erinnert, was andere vergessen haben, die Geschichte der Verlierer.

Die possenhaften Geschichten in seinem Debütbuch "Der mystische Masseur" und die Novellen in "Miguel Street" mit ihrer Kreuzung aus Tschechow und Calypso etablierten Naipaul als Humorist und Schilderer des Volkslebens. Von da an bis zum "Ein Haus für Mr. Biswas" ist es ein großer Schritt, einem der seltenen Romane, die ein eigenes und vollständiges Universum zu sein scheinen, in diesem Fall ein Miniatur-Indien an der Peripherie des englischen Imperiums, ein Schauplatz des unterdrückten Lebens seines Vaters. Indem er die im Abseits Stehenden am Ernst der großen Literatur teilhaben lässt, wendet Naipaul die herkömmliche Perspektive und raubt den Lesern im Zentrum die schützende Distanz. Dieses Prinzip wurde in einer Reihe von Romanen verwendet, die immer mehr Reportagen glichen, ohne dass deswegen die Charaktere verblichen. Fiktive Erzählungen, Selbstbiographien und authentische Berichte sind unter Naipauls Feder zusammengeflossen, ohne jedes Mal sagen zu können, welches Element das dominierende ist.

Im Meisterwerk "Das Rätsel der Ankunft"ist Naipaul wie ein Anthropologe, der einen nicht erforschten Eingeborenenstamm im Urwald besucht, zu Gast in der englischen Wirklichkeit. Mit scheinbar knappen und zufälligen Beobachtungen formt er unerbittlich das Bild eines stillen Kollapses der alten kolonialen Herrscherkultur und des Todes der europäischen lokalen Gesellschaft.

Naipaul hat auf die mangelhafte Allgemeingültigkeit der Romanform hingewiesen, dass sie eine intakte menschliche Welt solcher Art voraussetzt, die in den eroberten Ländern zerstört wurde. Die Unzulänglichkeit der Fiktion wurde ihm bewusst während er mit "The Loss of El Dorado" arbeitete und nach umfassenden Archivstudien die furchtbare Kolonialgeschichte Trinidads berichtete. Er sah ein, dass er an der Authentizität der Details und Stimmen festhalten und auf das Fabulieren verzichten und gleichzeitig seinem Stoff eine literarische Gestaltung geben musste. In seinen Reiseberichten lässt er mit jedem Schritt Zeugen hervortreten, besonders ausgeprägt in seiner mächtigen Schilderung der östlichen Teile der islamischen Welt, "Beyond Belief". Das Mitgefühl des Autors drückt sich in der Intensität seines Zuhörens aus.

Naipaul ist ein neuzeitiger Aufklärungsschriftsteller. Er führt die Tradition weiter, die einmal mit "Lettres persanes" und "Candide" begann. Mit einem hellwachen Stil, der zurecht bewundert wird, verwandelt er Zorn in Genauigkeit und lässt die Ereignisse mit der ihr eigenen Ironie zu Wort kommen.

Die Schwedische Akademie

[www.svenskaakademien.se/]

 

In der DZB ist folgender Titel von V. S. Naipaul in Punktschrift erhältlich:

 

Land der Finsternis :

fremde Heimat Indien.

Für den Autor wurde die Begegnung mit Indien, der Heimat seiner Vorfahren, zum Schlüsselerlebnis. Je weiter er in das riesige Land vordrang, je besser er es kennen lernte, desto tiefer wurde er sich seiner Fremdheit bewusst.  Am Ende ist Indien für ihn wieder der mythische Subkontinent seiner  Kindheit: zeitlos - immer da und doch nie wirklich zu erreichen.

(4 Bde., rkzp., 72,00 DM / 36,81 €,

BNV 3018, BNA 8971)

 

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

 

Wir setzen heute fort mit Position Nr. 32:

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues.

-          als Hörbuch ausleihbar (BN 4212),

-          in Punktschrift ausleihbar (BNA 5825) und

käuflich (2 Bde., G, rkzp., 70,00 DM /

35,79 €, BNV 1646) 

 

Remarque, Erich Maria

eigentl.: E. Paul Remark,

* 22. 6. 1898 Osnabrück,

† 25. 9. 1970 Locarno;

Verfasser von Romanen, Filmdrehbüchern, Dramatiker (Autorenporträt in DZBN 2-1999).

 

Der überwältigende Erfolg seines 1929 erschienenen Romans "Im Westen nichts Neues" brachte Remarque Ruhm und finanzielle Unabhängigkeit. In nur sechs Wochen verfasst und als Vorabdruck in der "Vossischen Zeitung" erschienen, schildert "Im Westen nichts Neues" das Grauen des Weltkriegs aus der Perspektive des 19-jährigen Paul Bäumer und seiner Kameraden. Dabei bleibt die Erzählhaltung durchgehend unpolitisch, die Ursachen des Kriegs werden nicht thematisiert, die Anklage erwächst allein aus dem Realismus der Darstellung, der einzelne Etappen des Fronterlebnisses ohne jede Beschönigung oder Verharmlosung beschreibt. Dieses Fehlen einer expliziten Wertung wurde zum Gegenstand der linken Kritik, während die Rechte das Werk als pazifistisch und undeutsch brandmarkte.

Die physischen und psychischen Gräuel des 1. Weltkrieges werden in einem in der 1. Person und vorwiegend im Präsens abgefassten tagebuchartigen, das Frontgeschehen wie das Leben in der Kaserne, im Lazarett und während des Urlaubs in der Heimat umgreifenden Bericht schonungslos mittels einer gleichwohl verhaltenen, zuweilen ins Lyrische ausbrechenden Erzählweise geschildert, die oftmals in betont lakonischer Kürze der Monstrosität der Vorgänge Herr zu werden sucht. Der gelegentliche Versuch, die Tötungsmaschinerie der modernen Waffentechnik durch eine dem zoologischen Bereich entnommene Metaphorik zu begreifen, wie auch das Bestreben, den anonymen Charakter des allgemeinen Menschenmordens individualpsychologisch aufzuschlüsseln, wirken dagegen wenig überzeugend. Wenngleich der vorgeschobene Erzähler Paul das Grauen des Stellungskrieges vornehmlich aus dem etwas naiv anmutenden, leicht sentimentalen Blickwinkel eines erst 19-jährigen Soldaten darstellt und vor allem seine und seiner Mitschüler durch ihre frühzeitige Einberufung zerstörte Jugend den scharfmacherischen Phrasen der Erwachsenenwelt anklagend vorhält, scheinen die in einem harten, z. T. die Klischees der jugendlichen Alltagssprache benutzenden Realismus vorgetragenen und als bewusste Provokationen konzipierten, insbesondere das Makaber-Groteske hervorhebenden Details und Episoden aus dem Soldaten-Alltag eine leidenschaftliche Absage an den Krieg überhaupt zu implizieren.

Auch das ehrliche Bemühen des Verfassers, selbst in der distanzierenden Rückerinnerung das Erlebnis der Kameradschaft als einzigen Wert, der sich im sonst sinnlosen Kriegsgeschehen aktualisieren konnte, vorzustellen, vermag diesen Eindruck kaum zu verwischen. Der 'Bericht', in den wiederholt nüchterne, teils zeit- und kulturkritische, teils auf die unmittelbare Kriegswirklichkeit, die sich zusehends als ein autonomer Bezirk etabliert, bezogene Reflexionen eingeschoben sind, endet mit der Nachricht vom Tode Pauls kurz vor dem Waffenstillstand und decouvriert damit zugleich - mit einem Blick auf den nichtssagenden Heeresbericht dieses Tages - die brutale Verlogenheit der offiziösen Berichterstattung in militärischen Dingen.

[Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon und Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur]

 

In unserer Bibliothek können Sie weitere Titel von Remarque ausleihen:

-          Arc de Triomphe. Hörbuch 2832

-          Drei Kameraden. Hörbuch 1425; Punktschrift BNA 5805

-          Der Weg zurück. (Fortsetzung von "Im Westen nichts Neues") Hörbuch 6810

-          Die Nacht von Lissabon. Hörbuch 4465; Punktschrift BNA 6028

-          Der schwarze Obelisk. Hörbuch 1753

-          Zeit zu leben und Zeit zu sterben. Hörbuch 455; Punktschrift BNA 7211 und Verkauf 105,00 DM / 53,69 €, BNV 885

-          Biografie von Remarque: Erich Maria Remarque : Leben und Werk. Hörbuch 1699

 

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

 

TAB - Das Programm zum Lesen von Textdateien

von Ulrich Jander

 

Heute möchte ich ein kleines Programm vorstellen, welches sich sehr gut zum Lesen von Textdateien eignet. Das Programm TAB wurde von Michael Lang entwickelt. Es ist Freeware und kann daher kostenfrei benutzt werden. Lediglich eine Spende zur Unterstützung wird erbeten. TAB ist auch im Internet auf der Seite der Interessengemeinschaft sehgeschädigter Computerbenutzer (ISCB) zu finden und kann dort unter der Adresse

http://www.iscb.de/downloads/

heruntergeladen werden.

Das Programm TAB ist nicht sehr groß; selbst im ausgepackten Zustand passt es bequem im Umfang von fünf Dateien auf jede Diskette. Es wird mit seinem Namen TAB, gefolgt von ENTER, aufgerufen. Der Cursor steht dann auf einer Zeile, an deren Anfang das Wort "Dateiname" gelesen werden kann. Hier ist also die Datei anzugeben, die man lesen möchte. Befindet sich diese Datei im selben Verzeichnis wie das Programm TAB, so genügt die Angabe des Dateinamens; ansonsten ist auch der Eintrag des Verzeichnisses, in welchem sich die Datei befindet, also die Angabe des Pfades, möglich. Man kann alternativ das Verzeichnis, in dem sich TAB befindet, in die PATH-Zeile der Autoexec.bat eintragen, sodass das Programm TAB an jeder Position des DOS-Prompts aufgerufen werden kann.

Zum Programm gehört ein Hilfetext, tab.dok, den man mit TAB lesen kann. Eine kurze Bedienungsanleitung steht zur Verfügung, wenn man beim Aufruf von TAB folgende Zeile, gefolgt von ENTER, schreibt: tab /?

Hier erscheint eine Aufstellung der möglichen Optionen bei Programmaufruf.

Besonders problemlos liest TAB txt-Dateien (MS-DOS). Jedoch andere Dateiformate, wie z.B. doc-Dateien von Word, zeigt TAB zum Lesen ebenfalls an. Hier sind dann aber Steuerzeichen dabei, die das Lesen erheblich erschweren können. Sehr angenehm ist, dass TAB auch außergewöhnlich große Dateien (bis zu 300 Mb) anzeigen kann.

Für das Verlassen von TAB muss ESCAPE betätigt werden.

Das Programm TAB ist zum Nur-Lesen von Textdateien sehr geeignet und effizient. Ein Editieren, das Schreiben von Dateien ist nicht möglich. Dafür benötigt man einen Editor bzw. ein Textverarbeitungsprogramm.

Wenn Sie an TAB Interesse haben, dann stelle ich Ihnen dieses Programm gern zur Verfügung. Dazu senden Sie mir bitte eine Diskette in einer Versandtasche mit Wendeadresse. TAB, auf Ihre Diskette kopiert, schicke ich Ihnen dann umgehend zu.

 

Wenn Sie Fragen oder Hinweise haben, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. Sie erreichen mich in der DZB wie folgt unter:

Tel.: (03 41) 71 13-1 45,

Fax: (03 41) 71 13-1 25,

E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de.

 

Info-Service

 

Schließzeit zum Jahresende

Vom 24.12.-31.12. ist die DZB geschlossen. Für die Entgegennahme Ihrer Aufträge steht ein Anrufbeantworter zur Verfügung: (03 41) 71 13 - 0. Sie können natürlich auch Fax (03 41) 71 13 - 1 25 und E-Mail Info@dzb.de nutzen.

 

Mitteilung der Hörbücherei

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, die Weihnachtszeit rückt näher und wir möchten Sie daran erinnern, dass aufgrund der Schließung der DZB zwischen den Feiertagen die letzte Möglichkeit für die Realisierung von Bestellungen Freitag, der 21.12., ist.

Wenn Sie also über die Feiertage nicht auf Hörbücher verzichten möchten, teilen Sie uns dies bitte rechtzeitig mit - bis spätestens 13. Dezember.

Erinnern möchten wir außerdem, dass alle Hörer, die ständig mehr als 3 Hörbücher im Umlauf haben, von uns automatisch zusätzliche Titel erhalten werden. Informieren Sie uns bitte auch, wenn Sie dies nicht wünschen.

 

Vorschau auf den 15. Jahrgang des "Literaturtreff"

Der 2002er Jahrgang ist bunt gemischt, humorvolle Satire ist in der Zusammenstellung ebenso vertreten wie eindrucksvolle Naturbeschreibungen, er enthält gefühlvolle Romanzen und abenteuerliche Reisen.

Beginnen wollen wir den 15. Jahrgang mit einem "alten" Bekannten, dem finnischen Autor Arto Paasilinna. (Abonnenten des 1998er "Literaturtreffs" werden sich vielleicht an den "heulenden Müller" erinnern.) In seinem Roman "Der Sohn des Donnergottes" begibt sich der Meister des hintergründigen Humors tief in die Mythologie seiner Heimat und setzt sie in Beziehung zur finnischen Gegenwart. Und in dieser sind die finnischen Götter zutiefst verärgert. Sie sehen mit äußerster Besorgnis, dass ihnen ihre geliebten Finnen seit vielen Jahren abtrünnig sind und an den christlichen Gott glauben. Höchste Zeit also, dass jemand aus der Schar der Götter zur Erde niederfährt, um dort Menschengestalt anzunehmen und die Finnen wieder zu ihrem alten, heidnischen Glauben zu bekehren! - Es hat schon einen gewissen Reiz, wenn man die moderne Gesellschaft gewissermaßen aus dem Blickwinkel eines Gottes besichtigt. Erschienen ist der Roman 1999 bei Ehrenwirth (ISBN: 3-431-03572-8).

In die Schweizer Vergangenheit führt eine Novelle des in Zürich lebenden Autors Franz Hohler. "Die Steinflut" erschien 1998 bei Luchterhand (ISBN 3-630-86994-7) und darf schon mit dem Prädikat "klassische Novelle" ausgezeichnet werden. Franz Hohler arbeitet darin das Geschehen rings um eine Katastrophe auf, die sich im 19. Jahrhundert zugetragen hat. Die Geschichte beginnt am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: Seit Tagen regnet es und nicht nur das Wetter sorgt im Dorf für gedrückte Stimmung. Von einem Hang sind einige Tannen ins Tal hinabgestürzt, und irgendetwas braut sich zusammen. Aber was? Soll man sich wegen ein paar Tannen und Steinschlägen aufregen und allen Ernstes die Fabrik am Ort schließen? 150 Männer sind dort mit dem Abbau von Schiefer beschäftigt. - Interessant ist, wie es dem Autor trotz des an die Kargheit der schroffen Bergwelt angelehnten Stils gelingt, das Geschehen und die Charaktere derart plastisch darzustellen.

Wer den "Literaturtreff" schon länger abonniert, dem ist auch Helmut Sakowski kein Unbekannter mehr. Mitte der 90er Jahre hatten wir ihn mit seiner Saga derer von Klevenow im Programm. Mit "Die Erben von Klevenow", im Jahr 2000 bei Aufbau erschienen (ISBN 3-351-02889-X), wird die mecklenburgische Familiensaga abgeschlossen. In einem pommerschen Dorf werden 1910 zwei Jungen konfirmiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Jost Graf Schwan und Staaf Tiedemann. Obwohl der Standesunterschied sie trennt, schwören sie, immer füreinander einzustehen. Wenig später bricht der Krieg aus ...

Wenn wir an aufregende Reisebeschreibungen oder spannende Expeditionsberichte denken, dann verbinden wir dies immer mit Forschern oder Abenteurern männlichen Geschlechts. Dass dem nicht zwangsläufig so sein muss, belegt der Reisebericht der Engländerin Maria Coffey, die sich mit ihrem Mann, dem Tierarzt und Fotografen Dag Goering, auf eine Weltreise begab - im Faltboot. "Eine Frau paddelt um die Welt" heißt es im Untertitel von "Ein Kajak im Gepäck" (Frederking & Thaler, 1999. ISBN 3-89405-083-7). Ein Kajak kann man auseinander bauen und in einer Tasche verstauen. So reisten Maria Coffey und ihr Mann von Kontinent zu Kontinent, zu immer neuen Gewässern. Sie paddelten viele tausend Meilen weit und erlebten Außergewöhnliches in den unbekannten Winkeln dieser Erde - Haie an der Dschungelküste der Salomon-Inseln, religiöse Feste entlang dem Ganges und politische Wirren am Malawisee. Ein spannender Abenteuerbericht von einer einmaligen Reise rund um die Welt.  

"Very british" geht's im nächsten Roman zu. Seit vierzig Jahren schreibt die inzwischen über achtzigjährige Miss Read in England einen Bestseller nach dem anderen. "Sommerleid und Winterfreud" erschien 1998 als Taschenbuch bei Piper (ISBN 3-492-22486-5). Der Roman erzählt vom beschaulichen Dörfchen Thrush Green, von der grässlichen Mrs. Thurgood und ihrer kunstbeflissenen Tochter, die dem Pfarrer das Leben schwer machen, und von Albert Piggott, der unter der Ankündigung seiner Frau Nelly leidet, wieder zu ihm zurückzukehren. Und zum friedlichen Ende läuten unerwartet die Hochzeitsglocken.

Ebenfalls 1998 erschien unter dem Pseudonym K. C.McKinnon der Roman "Tanz im Harvest Moon" (List-Verlag, ISBN 3-471-79368-2). Darin erinnert sich eine Literaturprofessorin Ende Vierzig an ihre große Jugendliebe. Sie beschließt, sich auf die Suche nach der jungen Frau zu machen, die sie einmal war und kehrt dorthin zurück, wo alles begann. - Die überwältigende Sehnsucht nach großen Gefühlen. Der Mut, das alte Leben und die Konventionen hinter sich zu lassen. Die sentimentale Atmosphäre des kanadischen Herbstes. Und die nostalgische Musik der siebziger Jahre - ein Roman voller Nostalgie, der alle geheimen Träume erfüllt.

Nach der Darstellung solch einer Menge an Liebe und Gefühl in den Beziehungen zwischen den Menschen wollen wir auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier nicht vernachlässigen. Das amerikanische Brüderpaar Dan Dye und Mark Beckloff lebt mit drei Hunden zusammen. "Ein Hund namens Gracie" (Argon, 2001. ISBN 3-87024-545-X) ist die Geschichte einer Hündin, die nicht nur liebend gern Schuhe zerkaut und die Polizei in Alarmbereitschaft versetzt, wenn sie sich einsam fühlt, sondern ihrem Herrchen dazu verhilft, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Es ist eine verrückte, aber wahre Geschichte über ein kleines, schlappohriges Hundekind, das mit atemberaubender Geschwindigkeit zu einer liebenswürdigen Dogge heranwächst, und nicht zuletzt auch eine Geschichte über das Wesen der Freundschaft.

Und damit wären wir am Ende unserer kleinen Vorschau, die Sie hoffentlich angenehm eingestimmt hat auf einen neuen Jahrgang vom "Literaturtreff".

 

Weihnachtliche Empfehlungen aus der DZB

 

1.      Aus der Hörbücherei

 

Bredow, Ilse von:

Ich und meine Oma und die Liebe :

Weihnachtsgeschichten.

Ganz gewöhnlichen Menschen passieren zu Weihnachten die ungewöhnlichsten Dinge - wie die Autorin mit liebenswürdig-spitzer Feder zu erzählen weiß. - Bern : Scherz, 1998. Spr.: Sylke-Kristin Deimig. 4 Kass. B 5593

 

Stifter, Adalbert:

Bergkristall.

Zwei verirrte Kinder erleben in einer Weihnachtsnacht die Natur des Hochgebirges. - Leipzig : Reclam, 1955. Spr.: Marianne Behrens. 2 Kass. A 80

 

Weihnachten ist alles anders :

heitere Weihnachtsgeschichten / Ilse Sibylle Dörner (Hrsg.)

In diesen heiteren und besinnlichen Episoden dreht sich alles um Weihnachten, um die Wünsche und Hoffnungen der Kinder und der Erwachsenen in dieser Zeit, in der tatsächlich zuweilen alles anders ist ... - Gerlingen : Bleicher, 1992. Sprecherteam. 2 Kass. B 5017

 

2.      Aus der Punktschriftbibliothek und dem Verlag

 

Bräunling, Elke:

Der Weihnachtsdrache :

Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus, 1993.

1 Bd., rkzp., 35,00 DM / 17,90 €, BNV 2652,

BNA 8476

Zwanzig Märchen zur Advents- und Weihnachtszeit zum Vorlesen für 4- bis 8-Jährige, mal lustig und mal nachdenklich stimmend, helfen die Wartezeit bis zum Heiligen Abend verkürzen.

 

Dr. Oetkers Weihnachtsbäckerei.

Rastatt : Moewig, 1998.

2 Bde., rkzp. 80,00 DM / 40,90 €, BNV 3206,

BNA 9306

Für die schönste Zeit des Jahres bietet Ihnen dieses Buch eine Fülle von Rezepten. Verwöhnen Sie Ihre Lieben im Advent und an den Weihnachtstagen mit leckeren Plätzchen, köstlichen Stollen, gebackenem Christbaum-schmuck, festlichen Torten und vielen anderen süßen Köstlichkeiten.

 

Rowling, Joanne K.:

Harry Potter und der Stein der Weisen. (Bd. 1)

Hamburg : Carlsen, 1998.

4 Bde., rkzp., 88,00 DM / 44,99 €, BNV 3090,

BNA 9024

Eigentlich hatte Harry geglaubt, er sei ein ganz normaler Junge. Zumindest bis zu seinem elften Geburtstag. Da erfährt er, dass er sich an der Schule für Hexerei und Zauberei einfinden soll. Und warum? Weil Harry ein Zauberer ist. Und so wird für Harry das erste Jahr in der Schule das spannendste, aufregendste und lustigste in seinem Leben.

 

Rowling, Joanne K.:

Harry Potter und die Kammer des Schreckens.(Bd. 2)

Hamburg : Carlsen, 1999.

4 Bde., rkzp., 88,00 DM / 44,99 €

BNV 3232, BNA 9323

Endlich wieder Schule! Einen solchen Seufzer kann nur der ausstoßen, dessen Ferien scheußlich und die Erinnerungen an das vergangene Schuljahr wunderbar waren: Harry Potter. Doch wie im Vorjahr stehen nicht nur Zaubertrank-Unterricht und Verwandlung auf dem Programm.

 

Rowling, Joanne K.:

Harry Potter und der Gefangene von Askaban.(Bd. 3)

Hamburg : Carlsen, 1999.

5 Bde., rkzp., 110,00 DM / 56,24 €, BNV 3280,

BNA 9151

Ein gefürchteter Verbrecher ist in die Zauberschule eingedrungen und hat es auf Harry abgesehen. Mit seinen Freunden Ron und Hermine versucht Harry ein Geflecht aus Verrat, Rache, Feigheit und Verleumdung aufzudröseln.

 

 

Impressum

 

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM / 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM / 12,27 €).

Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.

 

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde

zu Leipzig (DZB),

Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,

Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig

Telefon: (03 41) 71 13 - 0,

Telefax: (03 41) 71 13 - 1 25

Internet: www.dzb.de, E-Mail: info@dzb.de

 

Redaktion:

Karsten Sachse,

Telefon (03 41)  71 13 - 1 35

 

Abonnements, Anzeigen:

Sylvia Thormann,

Telefon (03 41)  71 13 - 1 20.

 

Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Für alle anderen Anzeigen gilt unsere Anzeigenpreisliste: pro Wort 0,80 DM zzgl. Kennziffergebühr in Höhe von 2,00 DM bei Veröffentlichung ohne Adresse. Dieser Preis gilt nur für eine Ausgabe der DZBN (Kassette oder Punktschrift).

 

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