DZB - NACHRICHTEN
 

 

 

 

 

 

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

 

Nr. 2/2002       März/April        12. Jahrgang

 

 

Inhalt

 

Vorbemerkung. 1

 

Einladung zum Tag der offenen Tür. 1

 

Unsere Postecke. 2

Offener Brief3

 

Einblicke. 5

Die DZB im Jahr 2001. 5

 

Leipziger Buchmesse. 7

 

Die Kramkiste. 8

Jaques Lusseyran: »Ein neues Sehen der Welt«  8

Lion Feuchtwanger: »Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch«  9

 

Das Autorenporträt:9

Die beliebteste Kinderbuchautorin der Welt9

 

Bücher des Jahrhunderts. 11

Jean-Paul Sartre: Der Ekel11

 

LOUIS. 12

Der Brockhaus in Text und Bild.12

 

Info-Service. 13

Information des Verlages13

Information der Bibliothek14

Kassette "Beratungsstellen für behinderte Frauen in Sachsen"14

Fahrschule für Blinde. 14

Führungen für Blinde und Sehbehinderte. 14

Pressemitteilung "Der Klassik(ver)führer"15

Pressemitteilung "Nocti vagus"15

Lehrgänge des DBBW.. 15

 

Anzeigen. 16

 

Impressum.. 16

 

 

Vorbemerkung

 

Die Postecke hat sich ein klein wenig belebt und bietet sicherlich noch für die Zukunft Diskussionsstoff. Was wir in der Vergangenheit, konkret: im vergangenen Jahr, geleistet haben, verrät Ihnen der Jahresbericht des Direktors der DZB. Und natürlich steht diese Ausgabe im Zeichen der Leipziger Buchmesse. Womit wir bei der Literatur angelangt wären, von der allerhand geboten wird - bis in die Rubrik LOUIS hinein.

Übrigens: Falls Sie die DZB in diesem Jahr besuchen wollen, müssen Sie nicht bis zum Herbst warten. Der folgende Beitrag verrät Ihnen auch, warum.

Eine interessante Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Karsten Sachse.

 

Einladung zum Tag der offenen Tür

 

Am 14. Mai 2002 von 10.00 bis 17.00 Uhr bietet sich für größere Besuchergruppen aus Bezirks- oder Kreisorganisationen der Blindenselbsthilfe Gelegenheit, die DZB zu besichtigen.

Verbinden Sie eine Reise nach Leipzig mit einem Bildungsangebot für Ihre Sinne. Erleben Sie, wie ein Braillebuch entsteht, wie Hörbücher aufgesprochen werden, was bei der Fertigung eines Reliefs zu beachten ist und verschaffen Sie sich einen Eindruck von den Beratungs- und Serviceangeboten der ältesten Blindenbücherei Deutschlands. Wir stellen unser Zeitschriftenangebot vor, beantworten Ihre Fragen zu digitalen Hörbüchern, geben Tipps zum Lesen und wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen.

Ihre Anmeldung nimmt Frau Steffi Neumann unter Telefon: 0341/7113148 oder per E-Mail: info@dzb entgegen. Teilen Sie uns bitte mit, mit wie vielen Personen Sie eine Führung besuchen, wann Sie anreisen und ob eine kleine Imbissversorgung in der Cafeteria gewünscht wird.

 

Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

 

Folgender Brief erreichte uns von Herrn Heinz Jurkat aus Uetersen zu den DZBN 1/2002

 

"(...) kann es sein, dass bei der Aufzählung der Bücher, die von Stefan Heym in der DZB in Punktschrift zur Verfügung stehen, ein Titel ungenannt geblieben ist?

Ich meine nämlich vor ein paar Jahren aus der DZB ein Buch von ihm gelesen zu haben, das sich ebenfalls mit Ereignissen um den 17. Juni 1953 beschäftigte und - sofern ich mich richtig erinnere, "Impressum" hieß, zumindest jedoch einen ähnlichen Begriff aus dem Zeitungswesen zum Titel hatte. Ansonsten ist mir bisher nur "Der Fall Glasenapp" bekannt und Ihre Aufzählung wird mich bestimmt anregen, weitere Bücher von Stefan Heym bei Ihnen auszuleihen. (...)

In der "Kramkiste" empfiehlt Frau Siems das Buch 'Eva Luna' von Isabel Allende. Wie es nun der Zufall will, habe ich gerade dieses Buch in der letzten Woche von der DZB als Punktschriftausgabe zugesandt bekommen. Und was musste ich feststellen? Knapp 500 Seiten (250 Blatt), die bequem in 4 - bestimmt aber auch in 3 Bänden hätten untergebracht werden können! Abgeheftet (nicht gebunden) sind diese Blätter jedoch in 6 teilweise nur zur Hälfte gefüllten Spezialordnern, wie es sie ungeeigneter wohl kaum geben kann! Die Blätter sind gelocht und werden von runden Metallstäben gehalten, die durch im Rücken der Ordner befestigte Pappstreifen geführt sind. Das obere Ende der Metallstäbe hat ein Schraubgewinde und wird durch einen mutterähnlichen Knopf gesichert. Eine weitere Beschreibung der Ordner kann ich mir wohl ersparen, denn es dürfte Ihnen ohne weiteres möglich sein, sich diese Machart bei anderen Büchern, beispielsweise 'Der schwarze Mandarin' von Konsalik, anzuschauen. Vernünftig lesen kann man derartige Bücher jedenfalls nur, wenn man die Blätter aus den Ordnern herausnimmt. Das ist doch aber wohl nicht der Sinn eines Buches, das man genießen möchte! Seinerzeit habe ich bereits Frau Siems auf dieses Problem angesprochen, doch konnte sie mir keine Hoffnung auf eine zweckmäßige Lösung machen.

Heute wende ich mich nun an Sie und erkläre unumwunden, dass ich es für unzumutbar und für beschämend halte, wenn die DZB solche Bücher ausleiht. Das Buch wurde in Marburg gedruckt und es ist mehr als bedauerlich, dass man dort eine solche Konstruktion entwickelt hat! Sollte das Buch von anderen Einrichtungen nur in dieser Form erworben werden können, so bin ich der Meinung, dass es zumindest bei der DZB möglich sein sollte, ein vernünftig und problemlos lesbares Buch daraus zu machen - und sei es mit Heißleimbindung und Pappdeckeln! Der Anspruch, stets nur qualitativ das Beste bieten zu wollen, sollte sich schließlich auf alle Zweige beziehen.

Und da die Gelegenheit nun einmal günstig ist, noch ein Letztes: Wäre es nicht an der Zeit, dass Sie im Zug der Bemühungen, die Benachteiligung Behinderter einzuschränken, die Korrespondenz mit Behinderten bzw. sehbehinderten Nutzern Ihrer Einrichtung in Punktschrift oder Kassette führen? Die Voraussetzungen dafür sind bei Ihnen doch gegeben! Beispielsweise wäre das bei Mahnungen, Empfangsbestätigungen etc. der Fall. Und schön wäre es auch, wenn man auf Fehlermeldungen bei Hörbüchern eine Mitteilung darüber erhielte, dass die Nachricht angekommen sei. (...)"

 

Bemerkung der Redaktion

Sehr geehrter Herr Jurkat, gestatten Sie mir, auf den letzten Teil Ihres Schreibens zuerst zu antworten:

 

In der Punktschriftbibliothek erfolgt die Korrespondenz im Normalfall in Punktschrift (Elotype). Wenn's mal schnell gehen muss, auch auf Kassette. In der Hörbücherei ist dieses Verfahren lt. Aussage der zuständigen Mitarbeiterin Frau Waldt etwas modifiziert: "Durch Ankreuzen auf der 'Leserkarte' teilen uns die Hörer mit, ob sie Blindenschrift (Voll- oder Kurzschrift) beherrschen. Allerdings korrespondieren in der Regel die Kunden nicht ausschließlich in Blindenschrift mit uns, und daher antworten wir auch nicht automatisch in Blindenschrift (aus Zeitgründen). Wer allerdings wünscht, dass ein Schriftwechsel ausschließlich in Blindenschrift erfolgen soll, kann uns das mitteilen. Dieser Kunde wird auch nur Blindenschriftbriefe von uns erhalten."

Letzteres ist auch im Verkauf der Abteilung Verlag der Fall, da ja nicht alle Kunden, die Blindenschrift kaufen, diese auch beherrschen (z. B. bei Geschenken). Der Verlag antwortet also ebenfalls nur in Blindenschrift, wenn der Kunde das ausdrücklich wünscht.

Bei Rechnungen und Zahlbelegen sowie Mahnungen durch die Landesoberkasse ist das aus rechtlichen Gründen nicht möglich, wie die Verlagsleiterin, Frau Renate Burghardt, betont.

Was die Bestätigung von Fehlermeldungen betrifft, so fehlt dafür einfach die Zeit. Wichtig ist, dass der Nutzer uns Mängel aufzeigt.

 

Sehr schnell beantwortet ist Ihre Frage nach dem "Impressum": Der Titel ist von Hermann Kant (ausleihbar unter der Bestellnummer 2939 in drei Bänden alter Kurzschrift oder als Hörbuch mit 12 Kassetten unter der Bestellnummer 3663).

 

Was die Konfektionierung der in unserer  Punktschriftbibliothek auszuleihenden Bücher betrifft, so kaufen wir z. B. seit 1995 von Marburg lose Blätter ein, die extra für uns umformatiert worden sind. Die können wir mit unserem Einband versehen. Für alle vorher eingekauften Titel trifft das aber nicht zu. Ein vorhandener Wille bedingt eben auch gewisse technische Voraussetzungen. Dazu noch einige Bemerkungen von Frau Susanne Siems:

"Es ist leider so, dass wir in der Punktschriftbücherei Titel anbieten, die sehr unterschiedliche physische Qualität haben. Denn die Punktschriftverlage legen unterschiedliche Wertmaßstäbe an ihre Titel an - bei uns ist es u. a. die sorgfältige Korrektur und der haltbare Einband, in anderen Einrichtungen vor allem die Aktualität oder Menge. Beim Einkauf wird natürlich berücksichtigt, welche Qualität die Titel haben. Doch es gibt im deutschsprachigen Raum eine sehr vernünftige Regelung - Doppelproduktionen sollen vermieden werden. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Leser der Punktschriftbibliothek in erster Linie an den Inhalten der Bücher interessiert sind. Aus technischen Gründen ist uns ein Neueinband bestimmter Titel oft nicht möglich. Der Teufel steckt im Detail, z.B. in einem zu schmalen Binderand, bei dem an jedes Blatt Streifen angeklebt werden müssten, damit das Buch mit einem Festeinband versehen werden kann.

Sie haben Recht, unser Ziel ist hohe Qualität zu gewährleisten. Für die Bibliothek bedeutet das in erster Linie, einen inhaltlich breiten Bestand zur Verfügung zu stellen. Kaputte und abgenutzte Bücher werden natürlich ausgesondert, aber um so einen Titel hat es sich hier ja nicht gehandelt.

Im Sinne aller, der blinden Nutzer und der Verlage und Bibliotheken, wäre es, wenn die Qualität der Punktschriftübertragung einheitlicher wäre, es gewisse festgelegte Standards gäbe. Wenn sich die Selbsthilfeverbände dort stark machen könnten, würde das sicher allen weiterhelfen.

 

Es folgt nun ein offener Brief von Dr. Werner Uhlig aus Leipzig:

 

"Offener Brief an den Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen

 

Vorbemerkung

Vor sieben Jahren regte der Stadtvorstand Leipzig des Blinden‑ und Sehbehindertenverbandes Sachsen an, einen Zirkel zum Erlernen der Blindenschrift zu bilden. Ich habe diesen Zirkel übernommen. Das Punktschriftlernen zog bald weite Kreise und jetzt helfen mir zwei engagierte Frauen. Bei uns gibt es Gruppenarbeit, Einzelunterricht und noch keine Wartezeiten. Zu den Lehrgangsteilnehmern gehörten bzw. gehören berufstätige Blinde und Sehbehinderte im öffentlichen Dienst, Arbeitslose, Rentner, Studenten, auch eine polnische Studentin, die zum Germanistikstudium hierher an die Universität gekommen war und möglichst schnell die deutsche Kurzschrift lernen musste, sehende Lehrerinnen, Mitarbeiter von sozialen Diensten wie z.B. vom Christlichen Blinden­- und Sehbehindertendienst Sachsen, von einer Kirchgemeinde, von der katholischen Montessorischule, und von da hatten wir auch einen zehnjährigen Schüler, weil dort niemand die Kurzschrift lehren konnte. Bei uns gibt es einen ehemaligen Lokführer, Chemiewerker, Autoschlosser, einen Fleischermeister, Verkäuferinnen und es können eben alle kommen, die wieder schreiben und lesen können möchten. Natürlich wird dabei auch über Probleme diskutiert, die mit dem Erlernen der Punktschrift und dem Nutzen der Punktschrift zusammenhängen. Aus aktuellem Anlass hat sich dabei bei uns ein Standpunkt herausgebildet, der in aller Deutlichkeit in nachstehenden Zeilen dargelegt werden soll.

In einer Zeit, da überall im Schulwesen und in Kreisen der Eltern über die alarmierenden Ergebnisse der "Pisastudie" diskutiert wird, gerade zu dem Zeitpunkt auch, da die Computerbraillezeilen dank der Initiative der Deutschen Blinden‑ und Sehbehindertenverbände, des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung und der Firma Papenmeier die bewährte 6‑Punkt‑Blindenschrift "gelernt' haben, da beschließt der Verband der Blinden‑ und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen, vom Jahre 2003 an, in allen Blinden‑ und Sehbehindertenschulen der deutschen Länder, den Schülern nur noch die 8‑Punkt‑Euro‑Braille-schrift zu lehren.

Dagegen erheben wir öffentlich Protest!

Warum? Wir haben als Blinde und Sehbehinderte wie jeder andere Bürger ein Recht darauf, gut lesen und schreiben zu können. Wer mühsam buchstabieren muss, der liest keine Weltliteratur. Zügiges Schreiben und möglichst flüssiges Lesen, das Freude macht und echten geistigen Gewinn schafft, setzt gutes Beherrschen der 6‑Punkt‑Brailleschrift voraus, und zwar das Beherrschen der Kurzschrift. Seit rund hundert Jahren ist das eine bekannte Tatsache, und es sind hervorragende Blindenlehrer gewesen, die damals die deutsche Blindenkurzschrift entwickelt haben.

Mit welchem Recht wollen Sie ‑ ausgerechnet Sie als Blinden‑ und Sehbehindertenlehrer - heranwachsende Blinde und Sehbehinderte vom flotten Lesen aufs angestrengte Buchstabieren zurück zwingen? Louis Braille hatte die Möglichkeit, von den 12 Punkten des Artillerieoffiziers Barbier eine Auswahl zu treffen. Sechs hat er genommen, weil sechs von dem sensiblen Tastfeld auf der Spitze der Zeigefinger gerade komplex erfasst werden können. Es erfordert nur einen kurzen "Augenblick", bei entsprechender Übung also wenig Mühe und Zeit. Acht Punkte erfühlen, das heißt Tastarbeit leisten, da geht ein Analysevorgang vonstatten, der mehr Anstrengung und auch mehr Zeit kostet. Es mag albern klingen, ist aber völlig ernst gemeint: uns Blinden und Sehbehinderten sind seit Louis Braille noch keine anderen Zeigefinger gewachsen! Die 8-Punkt‑Braille-schrift ist eine Arbeitsschrift, eine Schrift für den Beruf. Braillezeilen sind ausgezeichnete Hilfsmittel zur Informationsverarbeitung. Eine Braillezeile ist jedoch niemals ein Buch. Alle Bücher in den deutschen Blindenschriftbibliotheken ‑ Millionen Werte ‑ sind in 6‑Punkt‑Brailleschrift gedruckt. Wollen Sie diese Buchbestände für die heranwachsenden Blinden und Sehbehinderten allen Ernstes wertlos machen? Bedenken Sie auch: in 8‑Punkt‑Computerschrift ist noch kein Goethe und kein Shakespeare erschienen! Wir würden das mit einem solchen Schriftsystem auch nicht zusammenbuchstabieren ‑ und wir sind sicher, Sie täten das auch nicht! Die sechs Punkte von Braille sind die richtigen, und ihnen gehört auch die Zukunft. Selbst im Büroalltag wird das 8‑Punkt‑Computer Braille bald überflüssig.

"Mit der Software, die an alle screen‑reader angepasst werden kann, lassen sich die traditionellen Schriftsysteme des 6‑Punkt‑Braille darstellen. Dabei werden die Regeln der Blindenschriftsystematik vollständig eingehalten, d.h. Zahlen wird das Zahlenzeichen, Großbuchstaben die Punkte 4, 5 bzw. 4, 6 und ‑ in der Kurzschrift ‑ den Buchstaben c, q und ß der Punkt 6 vorangestellt. Für sehende Kollegen bzw. den Grundschullehrer ergeben sich im Vergleich zum Euro-Braille keinerlei Einschränkungen, da sich an der Bildschirmanzeige nichts ändert." (Martin Altmaier: Braillezeilen lernen. "Die Gegenwart" Nr. 11/2001)

Das alles wissen gelernte Blinden‑ und Sehbehindertenlehrer. Wie viele gelernte Blinden- und Sehbehindertenlehrer gibt es eigentlich noch?

 

Nehmt uns nicht die Brailleschrift weg!

 

Ursula Steinbrich, Chemnitz

Günter Heil, Dresden

Christa Zeidler, Naunhof

Susanne Siems, Leipzig

Petra Kasulke, Taucha

Andrea Lamowski, Leipzig

Wolfgang Tauscher, Markkleeberg

Marianne Rötig, Leipzig

Kerstin Sauer, Leipzig

Hartmut Hübner, Leipzig

Kerstin Nitzsche, Leipzig

Christa Hänisch, Leipzig

Anita Kierbach, Leipzig

Steffen Weihmann, Eilenburg

Andrea Bruschke, Leipzig

Werner Uhlig, Leipzig

 

Einblicke

 

Die DZB im Jahr 2001

 von Dr. Thomas Kahlisch

 

Mit dem altersbedingten Ausscheiden von Helmut Schiller, 10 Jahre war er Leiter der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, wurden die Tätigkeitsfelder der Kolleginnen und Kollegen in der Bibliothek neu organisiert.

Seit Anfang 2001 kümmert sich Angelika Müller, gemeinsam mit Heiko Kampa, um die Punktschriftbibliothek. Frau Müller ist nun auch Mitglied des Arbeitskreises Buchvorstellen und hat somit Gelegenheit, die Wünsche und Interessen der Punktschriftleser direkt in die Titelplanung des Hauses einzubringen. Auch Heiko Kampa übernahm mit der Braillenotenausleihe ein neues Aufgabenfeld. Den Bestand der wissenschaftlichen Bibliothek betreut jetzt Susanne Siems, die (wie noch zu lesen sein wird) sich um das wichtige Aufgabenfeld der Öffentlichkeitsarbeit bemüht. Jana Waldt hat sich ebenfalls in ein neues Medium eingearbeitet, zusammen mit den Informatikern überarbeitet und aktualisiert sie unser Internetangebot. Unter www.dzb.de finden sich eine textorientierte sowie eine auf Rahmen basierende Grafikvariante unserer Onlinepräsentation. Hervorzuheben ist hierbei vor allem der Hörbuchkatalog, welcher über das World-Wide-Web abgefragt werden kann. Viele blinde Computeranwender nutzen diesen Service bereits und bestellen ihre Hörbücher online oder per E-Mail. Apropos Hörbuchkatalog, in Schwarzschrift und zum schnellen Suchen auf CD-ROM bietet nun die DZB ihren gesamten seit 1956 aufgesprochenen Bestand an. Auch der Verlagskatalog, er umfasst über 2000 Titel, liegt in neuer Auflage als gedrucktes Werk vor.

Die steigenden Nutzerzahlen in der Bibliothek, 2001 waren es über 4000, und die ständig wachsende Anzahl der Ausleihen (über 98.500) zeigen das große Interesse an unseren Angeboten.

In der Blindenschriftherstellung wurden 2001 99 Titel übertragen. Dazu kommen 23 Zeitschriften, die in Eigenredaktion oder im Fremdauftrag erscheinen. Im Mittelpunkt stand die neue Wochenzeitschrift "Braille-Radio", deren Gestaltung und Inhalt Gegenstand einer Leserbefragung waren. Ergebnisse aus dem Meinungsbild unserer Leser wurden berücksichtigt. Sie haben zu Veränderungen bei der Senderauswahl und zu Erweiterungen, vor allem im Bereich der Hörspiel- und Feature-Annotationen, geführt.

Insgesamt wurden im letzten Jahr 37 Tonnen Papier, ca. 5.200.000 Seiten Blindenschrift, gedruckt. Eindrucksvoller Beweis dafür, dass die 6-Punkte-Schrift für blinde Menschen der wichtigste Informationsträger ist.

In der Druckerei werden nicht nur Zeit-schriften, Braille- und Reliefbücher hergestellt. Moderne Schulbuchproduktion heißt heute auch, die Bedürfnisse Sehbehinderter zu berücksichtigen. So erfährt die Großdruckherstellung auf diesem speziellen Gebiet eine Renaissance.

Nicht nur bei der Zeitschriftenherstellung hat der Einsatz vernetzter Arbeitstechniken zugenommen. Die Nutzung elektronischer Vorlagen, der Zugang zum Internet, die Texterfassung mit Scan-Technik und das kooperative Zusammenarbeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Datennetz sind hier zu nennen. Gegen Ende des Jahres ist es durch die Beschaffung eines neuen Screenreadersystems nun gelungen, auch blinden Korrektoren und Übertragern vollständigen Zugang zum DZB-Netz zu verschaffen.

Übertragung von Notenwerken in die Blindenschrift hatte Tradition in der DZB, wir haben 4.500 Notentitel im Bestand. Mit Kathrin Pause widmet sich seit Sommer des vergangenen Jahres eine Mitarbeiterin wieder dieser wichtigen Aufgabe. Für 2002 ist geplant, im Projekt "DaCapo", unterstützt durch die Blindenverbände DBSV und DVBS, die Blindennotenherstellung in Deutschland wiederzubeleben.

Kinderbücher wie "Als die winzige Wühlmaus Wanda...", verschiedene Karten- und Informationsmaterialien - darunter das Streckennetz der Leipziger Verkehrsbetriebe, Pläne der Gedenkstätte in Buchenwald und der Leipziger Synagoge -, viele konzeptionelle Arbeiten am Europa-Atlas und nicht zu vergessen der farbige Wandkalender 2002 mit Brückenmotiven aus aller Welt, sind Ergebnisse der Arbeit der Relieftechnik, die unser Verkaufsangebot erweitern. Im Dezember wurden die technischen Ausrüstungen zur Umsetzung des Projektes MUSTER "Modellierungs- und Schneidplotttechnik zur effektiven Reliefherstellung" beschafft. Ohne die zahlreichen Spenden unserer Nutzer hätte dieses Projekt keine Chance auf Realisierung gehabt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Im Studio wurden im vergangenen Jahr 110 Titel aufgesprochen. Während Zeitschriften in der Regel digital produziert und für die Ausleihe auf Audiokassetten kopiert werden, erfolgt die Hörbuchproduktion noch analog. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass neben der jetzt anlaufenden DAISY-Buch-Produktion auch weiterhin Hörbücher auf Analogkassetten zur Ausleihe kommen. Es ist für die Studios der DZB technisch einfacher und kostengünstiger, die analogen Masterbänder nach und nach zu digitalisieren und schrittweise als DAISY-Bücher verfügbar zu machen. Das Wandeln der Masterbänder in ein digitales Format übernimmt eine spezielle Software "DZB-Tape-Reader", die im Auftrag der DZB von der Leipziger Firma Marian entwickelt wurde. Nach Überwindung der Anlaufschwierigkeiten - der Test der Software ergab, dass zur Sicherstellung eines fehlerfreien Ablaufes die genutzte Hardware modernisiert werden musste – konnten bislang mehr als 70 Titel digitalisiert werden. In den kommenden Ausgaben der DZBN werden wir Sie auf dem Laufenden halten, was unsere DAISY-Buch-Aktivitäten angeht.

Neben vielen Neuproduktionen in der Blindenschrift und im Studio gelang es, den Bestand in der Bibliothek wieder durch umfangreiche Einkäufe von anderen Blindenbüchereien zu erweitern. Da die Mittel für diesen Haushaltstitel seit Jahren auf niedrigem Stand eingefroren sind, werden die Spendenmittel unserer Leser für diese wichtigen Erwerbungen genutzt. Es gilt also auch weiterhin die einfache Formel "hohe Spendeneinnahmen sichern großes Wachstum" im Ausleihbestand. Alle Leserinnen und Leser können durch ihre freundliche finanzielle Unterstützung dazu beitragen, dass Haushaltssperren (im vergangenen aber auch in diesem Jahr ist die DZB davon leider nicht verschont worden) nicht zu erheblichen Einschränkungen unserer Dienstleistungen führen müssen.

Anliegen und Aufgabe des Hauses bekannt zu machen, ist Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit. Im vergangenen Jahr waren die Aktivitäten hierbei sehr umfangreich. Im März die "Leipziger Buchmesse" und im Juni die zweite Messe "Rehavision" boten Gelegenheit, das breite Angebot vorzustellen und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Daneben gab es viele Projekte, wie die Erarbeitung eines Museumsführers für Blinde (der eindrucksvoll durch die Ausstellung des Leipziger Naturkundemuseums führt), ein Gemeinschaftsprojekt mit den Leipziger Verkehrsbetrieben sowie die Unterstützung der Ausstellung "Der Imperfekte Mensch" in Dresden, die ab April eine Wiederauflage in Berlin erleben wird.

Der Tag der offenen Tür im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) am 18. August bot Gelegenheit, Staatsminister Prof. Meyer und Staatssekretär Noack eine Präsentationsmappe zur Entwicklung der DZB in den letzten 10 Jahren zu übergeben.

Führungen durch die DZB werden seit dem vergangenen Jahr von Frau Steffi Neumann organisiert und durchgeführt. Das Interesse ist so groß - Frau Neumann zählte über 950 Besucher -, dass nicht allen Wünschen entsprochen werden konnte. Allein am Tag der offenen Tür kamen 368 Gäste, die neben den Produktionsräumen der DZB eine interessante Diskussionsrunde zur Entwicklung der Blindenbüchereien in Deutschland erlebten, die Hilfsmittelausstellung besuchten oder bei einem kleinen Kulturprogramm in der Cafeteria Entspannung fanden.

Ende September erhielt das Haus Besuch von 50 Pädagoginnen und Pädagogen, die sich im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Braille, des Vereins der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen (VBS) in Leipzig zu ihrer Jahresversammlung trafen. Während einer spannenden Diskussion vermittelten wir unsere Meinung zur umstrittenen Empfehlung der Blindenschuldirektoren, blinden Erstklässlern auf Basis der 8-Punkt Computerbrailleschrift das Lesen beizubringen.

Wir wollen hoffen, dass die Bildungspolitik in Deutschland endlich ihre Hausaufgaben macht und nicht 150 Jahre Erfahrungen der Blindenbildung in den Sand gesetzt werden.

Für 2002 haben wir uns wieder viel vorgenommen. Louis Brailles 150. Todestag ist uns Anlass, die Präsenz auf der Leipziger Buchmesse erheblich auszuweiten. Am Stand E 300 in der Halle 3 wird neben unseren Angeboten gezeigt, wie Brailleschrift entsteht und wie blinde Menschen mit ihrer Schrift umgehen. Auch digitale Hörbücher werden demonstriert und geben sicher Gelegenheit, mit Experten aus der Verlagswelt ins Gespräch zu kommen.

Die Erweiterung unserer Online-Kataloge, der für das Jahresende avisierte Beginn der DAISY-Buchausleihe und viele neue Bücher in Blindenschrift und gesprochenem Wort sollen diesen kurzen Ausblick abrunden.

Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der vielen Vorhaben ist, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiterhin der Literatur und uns die Treue halten.

 

Leipziger Buchmesse

von Susanne Siems

 

Letztes Jahr boten wir in den DZBN eine Buchmesse-Nachlese. Lassen Sie es uns dieses Jahr doch einmal mit einer Vorschau versuchen. Den Termin, 21. bis  24. März, hatten wir ja bereits in der letzten Ausgabe genannt. 1.900 Aussteller aus 30 Ländern werden erwartet. Autorenschwerpunkt ist in diesem Jahr die Literatur Südosteuropas. Breiten Raum nimmt, wie bereits im letzten Jahr, das kommerzielle Hörbuchprogramm ein, das sich 2002 verstärkt dem Hörbuch für Kinder widmet. Die Leipziger Messe möchte damit ihren Ruf als wichtigster Hörbuch-Branchentreff festigen. Logisch, dass die DZB mit ihrem ganz speziellen Angebot für Blinde und Sehbehinderte auch dabei sein will.

Zum Kinderhörbuch passend, ein weiter ausgebauter Besuchermagnet aus dem letzten Jahr - die Comics. Da dieses Genre für Sehbehinderte und Blinde sicher nur am Rande interessant sein kann, mag ich hier auch nicht näher darauf eingehen. Der DZB-Stand wird sich dementsprechend mit vielen schönen Reliefs präsentieren, z. B. dem neuen Kinderbuch "Als die winzige Wühlmaus Wanda" und für die jedes Jahr reichlich vertretenen Schulklassen die neuen Karten des Europaatlas’.

Damit sind wir auch schon bei einer weiteren Stärke der Leipziger Buchmesse: Leseförderung, vor allem im Kinder- und Jugendbereich. Für die Vorschulkinder wird es einen Bücherkindergarten geben - Spaß für Kinder und Betreuungsangebot für Eltern gleichermaßen. Wir stellen dem Kindergarten Kalender und Reliefs als Anschauungsmaterial zur Verfügung - vielleicht lockt das den ein oder anderen Besucher auch an den DZB-Stand.

Ist die Leipziger Buchmesse im Verhältnis zur Frankfurter auch die kleinere, ihr Rahmen wächst und wächst. In über 800 Lesungen, Diskussionsforen und Autogrammstunden kann man in- und ausländische Autoren erleben. Nicht nur auf dem Messegelände finden die Veranstaltungen statt, ganz Leipzig liest in diesen vier Tagen in Museen, Bibliotheken und den alten Messehäusern der Innenstadt. Anfang März wird wie jedes Jahr ein ausführliches Programmheft dazu erscheinen. Übrigens genießen Kinder und Jugendliche den Luxus, ein eigenes Programmheft zu haben. Gäste von "Leipzig liest", so der Name des Rahmenprogramms, sind in jedem Fall die für den Deutschen Bücherpreis nominierten Autoren. Dieser Preis wird erstmalig vergeben. Die Verleihung im Rahmen einer Fernsehgala ist der glanzvolle Höhepunkt der Messe. Nominierungen für den Deutschen Bücherpreis gibt es in mehreren Kategorien, unter anderem zur deutschsprachigen Belletristik, zur internationalen Belletristik und zur Kinder- und Jugendliteratur. Stifter der bronzenen Preisskulptur ist Günter Grass. Dargestellt wird eine Hand, die den Butt hält. Der Butt nach dem gleichnamigen Roman von Grass ist ein sprechender Fisch und gilt als Symbol der Weisheit und als Gleichnis auf das Buch. Zu den nominierten Autoren gehören Elke Heidenreich, Bernhard Schlink, Umberto Eco, John le Carre, Sebastian Haffner, Kirsten Boie, Juli Zeh.

Wenn man sich so vorinformiert, fällt einem die Vielzahl von Preisverleihungen unbedingt ins Auge. In Abwandlung eines Ausspruches von Tucholsky könnte man da sagen: "Vom Kinde bis zum Greise, Preise, Preise, Preise". Da gibt es "Hörkules", den Preis für das beste Hörbuch, den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (wird 2002 an den serbischen Schriftsteller Bora Cosic verliehen) und eben den schon genannten Deutschen Buchpreis, der am 21. März erstmalig verliehen wird. Zwei Kategorien dieses Preises sind besonders erwähnenswert. In der Kategorie "Literarisches Lebenswerk" wird die Schriftstellerin Christa Wolf geehrt. Die zweite, besonders hervorzuhebende Kategorie ist der Publikumspreis. Unter www.deutscher-buecherpreis.de kann man sein Lieblingsbuch zur Nominierung empfehlen. Auch Buchhandlungen und Regionalzeitungen bieten die Möglichkeit, sich an der Wahl zu  beteiligen.

Sie, liebe Leserinnen und Leser der DZBN, sehen, es lohnt sich, Ende März die traditionsreiche sächsische Messestadt zu besuchen. Vielleicht können wir Sie bei einem Bummel über die Messe ja an unserem Stand begrüßen. Er ist auf jeden Fall in Halle 3 Stand E 300 zu finden, die genaue Standnummer finden Sie auch auf unseren Internetseiten - übrigens auch mit einem Link zu www.leipziger-buchmesse.de bzw. www.leipzig-liest.de. Natürlich geben wir auch gern unsere Informationen per Telefon weiter (0341 7113 - 115).

Abschließend seien noch einige Autoren genannt, die zur Buchmesse eine Rolle spielen und auch in der DZB in der ein oder anderen Form ausleihbar sind.

Von Christa Wolf gibt es fast alle Romane sowohl in Blindenschrift als auch im Hörbuch, besonders bekannt die Werke "Der geteilte Himmel" und "Kassandra". Zu den südosteuropäischen Autoren zählen u. a. Ivo Andric (Hörbuch und Punktschrift), Aleksander Tisma (Hörbuch und Punktschrift), Sandor Marai (Hörbuch und demnächst auch Punktschrift), Panait Istrati (Punktschrift). Die bei der Nominierung für den Bücherpreis genannten Autoren sind fast alle als Hör- oder Punktschriftbuch zu haben. Der Ungar György Konrad hält die Eröffnungsrede zur Buchmesse. Von ihm finden Sie in unserem Hörbuchbestand den Titel "Der Besucher". Ansonsten sind wir ja mit unserem Motto "Ganz Ohr und zum Greifen nah" zumindest dem Hörbuchteil der Buchmesse sehr eng verbunden.

 

Die Kramkiste

 Im Bestand der Bibliothek gekramt

Wir stellen Ihnen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen". Vorgestellt werden die Titel von unseren Bibliothekaren.

 

Jaques Lusseyran: »Ein neues Sehen der Welt«

 empfohlen von Susanne Siems

 (Punktschriftbibliothek)

 

Ich möchte Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, am Anfang dieser Kramkiste etwas gestehen. Ich mag sie nicht besonders, diese Literatur über das schlechte oder gar nicht Sehen, es ist für mich wie im eigenen Käfig gefangen sein und die Welt aussperren. Nur manchmal, ganz selten, kommt da einer oder eine, die mich in ihrem Selbstverständnis derartig beeindrucken, dass ich sie lesen und weiterempfehlen kann. Das ging mir so mit Helen Keller und passierte jüngst wieder, als mir ein schmales Bändchen von Jaques Lusseyran in die Hände viel. Das Buch hieß "Ein neues Sehen der Welt : gegen die Verschmutzung des Ich" und enthielt drei Vorträge zum Thema Blindheit. Provozierend schon auf der ersten Seite ist dieser Franzose: "Seit mehr als fünfunddreißig Jahren bin ich blind, völlig blind. Ich weiß, dass diese Erfahrung mein größtes Glück ist". Oder "Die Tatsachen sind ganz anders als das, was man sich allgemein vorstellt. Mit den Augen aufhören zu sehen, heißt nicht, in eine Welt eintreten, in der das Licht aufgehört hat, zu bestehen."

Lusseyran unterscheidet zwischen äußerem Sehen, dem mechanischen Sehvorgang also, und dem inneren Sehen, das unsere eigene Person, unser Fühlen und Denken ausmacht, dass wir dann wieder nach außen tragen. Ist es nicht so, dass jemand, der zuhört oder nachdenkt, seine Augen sozusagen nach innen kehrt?

Es ist kein sogenannter Reißer, dieses Buch, nichts, was man schnell mal so liest. Eher eines, das man immer in der Tasche haben möchte, damit man es immer, wenn man es glaubt zu brauchen, griffbereit hat. Ich kann deshalb auch hier nicht viel Handlung beschreiben, nur Eindrücke vermitteln.

Wenn jemand so schreibt, wie Lusseyran das macht, möchte man weiterlesen und wissen, wer das ist, der solche Gedanken hat. Es gibt auch in Deutsch eine Autobiographie mit dem Titel "Das wiedergefundene Licht". Hier erfahren wir, das Jaques Lusseyran 1924 in Paris geboren wurde und im Alter von acht Jahren erblindete. Er wirkte aktiv in der Résistance mit, leitete dort eine eigene Widerstandsgruppe und überlebte das Konzentrationslager Buchenwald. Das sind einige Fakten seines bewegten Lebens. Wirklich gut an diesem Buch ist das Beschreiben des eigenen Erlebens, des Überwindens von Krisen wie eben der Erblindung oder der Häftlingszeit.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich, als wenigstens zur Hälfte Sehende, das Recht habe, diesen Satz vom Glück der Blindheit an Sie, meine  blinden Leser, weiterzugeben. Ganz gewiss kann nicht jeder die Gedanken Lusseyrans nachvollziehen. Ich fand aber soviel Lebensmut und Glauben an die eigene Kraft so erfrischend und ansteckend, dass ich es unbedingt weitersagen wollte.

Ist es ein Buch für Sehende, denen die Angst vor der Blindheit genommen werden soll? Ist es ein Buch, das nur Blinde verstehen? Sicher von jedem etwas. Angenehm für mich war, das Lusseyran nicht zimperlich mit der Vorstellungswelt der Sehenden umgeht. Er lehrt Schein von Sein zu unterscheiden, wirft schon mal seiner sehenden Umwelt grundsätzliches Misstrauen in die Fähigkeiten blinder Menschen vor. Schließlich bekam er diese Diskriminierung gerade auch bei seiner Berufswahl stark zu spüren, mehr dazu in seinen Büchern. Diese sprechen wie gesagt von Optimismus und Lebensmut und kritische Betrachtungen werden nie zu banalen Vorwürfen. Für jeden, ob physisch sehend oder blind, bleibt die Möglichkeit, das innere Licht zu finden. Am Ende soll noch einmal Lusseyran zu Wort kommen: "Ich halte es vor allem für wichtig, dass die Blinden und die Sehenden sich bereit finden, das, was sie sehen, zu vergleichen."

Erwähnen möchte ich abschließend noch, dass mich die hochgelobte Autobiographie dennoch nicht so beeindrucken konnte, wie das viel dünnere Bändchen mit Vorträgen. Mag sein, dass es an den in Mode gekommenen Vielschreibern liegt, dass ich das Kurze und Prägnante vorziehe. Bilden Sie sich selbst ein Urteil, ich nenne einfach alle in der DZB verfügbaren Titel Lusseyrans.

In Punktschrift:

Das wiedergefundene Licht,

5 Bde., kh., BNA 5023

Ein neues Sehen der Welt,

1 Bd., rkzp., BNA 8612

Als Hörbuch:

Das Leben beginnt heute,

Spr.: Hendrik Duryn. 4 Kass. 2140

Das wiedergefundene Licht,

Spr.: Hans Gora. 8 Kass.  6110

Diese Titel sind auch in Schwarzschrift in

der Wissenschaftlichen Bibliothek des

Blindenwesens verfügbar.

 

Lion Feuchtwanger: »Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch«

 empfohlen von Jana Waldt

 (Hörbücherei)

 

1330 wird die zwölfjährige Margarete Maultasch, die reiche Erbin von Kärnten und Tirol - ihr äffisch gewulsteter Mund hat ihr den Beinamen "Maultasch" eingetragen - mit dem zwei Jahre jüngeren Prinzen Johann von Böhmen verheiratet. Sie ist klug, beobachtet scharf und weiß ihren Verstand zu gebrauchen. Die kindliche Verbindung soll, so hofft der Vater des Herzogs, König Johann der Blinde von Böhmen, der Luxemburger Dynastie den Besitz Tirols zum Nachteil der Habsburger sichern. Doch die Rechnung geht nicht auf. Als Johann immer mehr Ratgeber und Günstlinge aus Luxemburg kommen lässt, wächst der Unmut der Tiroler. 1341 vertrieben die Tiroler Landstände schließlich den ungeliebten Herrn, was Margarete durchaus gelegen kommt. Sie trennt sich von ihrem Gatten, und die Ehe wird wegen Nichtvollzugs für ungültig erklärt.

Jetzt heiratet Margarete den Sohn Kaiser Ludwigs des Bayern. Doch auch in dieser Ehe wird sie nicht glücklicher, zudem stehen ihre zunächst erfolgreichen Bemühungen um den wirtschaftlichen Aufschwung unter dem Unstern von Naturkatastrophen, päpstlichem Bann und schließlich der Pest.  Nach dem Tod ihres zweiten Gatten fällt Tirol an das Haus Habsburg, und Margarete, immer mehr vereinsamend und beim Volk wenig beliebt, sucht bei dem zynischen Konrad von Frauenberg und später bei dem knabenhaften Aldrigeto Zuflucht. Alle ihre politischen Pläne aber zerschlagen sich.

Verwahrlost und einer krankhaften Fressgier verfallen, lässt Feuchtwanger sie statt in Wien auf der Fraueninsel im Chiemsee enden.

Der hier vorgestellte Roman, 1923 geschrieben, wurde Feuchtwangers erster großer Erfolg. Durch ihn wird das ausgehende Mittelalter mit seinen dynastischen Machtkämpfen, seinen Intrigen und Leidenschaften sehr lebendig vorgestellt.

Aufgelesen wurde dieser Titel von Gisela Morgen. Er umfasst 7 Kassetten und kann als Hörbuch unter der Best.-Nr. 572 ausgeliehen werden.

In Punktschrift ist dieser Roman ebenfalls verfügbar - 5 Bände reformierte Kurzschrift unter der Ausleih-Nr. 1942.

 

Das Autorenporträt:

 

Die beliebteste Kinderbuchautorin der Welt

 

Astrid Lindgren, die wohl beliebteste Kinderbuchautorin der Welt und Verfasserin von "Pippi Langstrumpf", ist am 28.1.02 in ihrer Stockholmer Wohnung im Alter von 94 Jahren gestorben. Wie ihre Tochter Karin Nyman mitteilte, war die Schriftstellerin seit mehreren Monaten durch eine Virusinfektion "immer schwächer geworden und ist zuletzt sanft eingeschlafen". Lindgren starb am Montagmorgen um 11.30 Uhr in ihrer Wohnung mit der in ganz Schweden bekannten Adresse Dalagatan 46.

Dort hatte sie auch 1945 schon gewohnt, als ihre Tochter an Grippe erkrankt war und immer neue Geschichten mit der rothaarigen Pippi hören wollte. Die danach entstandene Buchfassung, die 1949 auch in deutscher Übersetzung erschien, wurde zum weltweit am häufigsten gelesenen Kinderbuch der letzten 50 Jahre. Insgesamt sind die Bücher der in ihrem letzten Jahrzehnt erblindeten Autorin in mehr als 120 Millionen Exemplaren verkauft worden, davon 25 Millionen in Deutschland. Zu den erfolgreichsten Büchern der Schwedin gehören die Serien "Wir Kinder aus Bullerbü", die "Michel"-Geschichten, "Karlsson vom Dach", "Ronja Räubertochter" und "Mio, mein Mio".

Gegen Ende ihres langen Lebens hat Astrid Lindgren immer wieder sehr deutlich den Wunsch geäußert, man möge ihr unter allen Umständen den Literaturnobelpreis ersparen. Die ganze Aufregung habe Preisträger schon das Leben gekostet, meinte die berühmteste und beliebteste Kinderbuchautorin der Welt.

Die Nobeljuroren der Schwedischen Akademie verschonten die Verfasserin von "Pippi Langstrumpf". Über zahlreiche andere Auszeichnungen wie den Alternativen Nobelpreis (1994) und den Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1978) meinte die Schwedin vor ihrem 90. Geburtstag, am liebsten seien ihr die "großen und schweren" Preise: "Die brauche ich auf meinen Fensterbänken, um die Fenster offen zu halten, wenn der Wind kommt."

Lange vor global vermarkteten Nachfolgern wie Joanne K. Rowling mit ihrem Harry Potter und ohne die geringste Hilfe aus Hollywood erreichte die skandinavische Bauerntochter mit ihren Büchern Kinder in aller Welt, von denen die freche, selbstbewusste Pippi ebenso ins Herz geschlossen wurde wie die heile, idyllische Welt von Bullerbü und der fliegende Junge Karlsson. "Geborgenheit und gleichzeitig Freiheit" in ihrer eigenen Kindheit nannte Astrid Lindgren als entscheidende Triebfedern für ihre schriftstellerische Arbeit.

Die Kinderbuchautorin kam am 14. November 1907 in dem Dörfchen Näs als Astrid Anna Emilia Ericsson auf die Welt und wuchs in der benachbarten Kleinstadt Vimmerby auf, wo heute ein Nachbau von Pippi Langstrumpfs berühmter "Villa Kunterbunt" zu bewundern ist. Nach der Ausbildung zur Sekretärin, der Heirat mit dem Chef eines Autoklubs und der Geburt ihrer Töchter veröffentlichte Lindgren 1944 ihr erstes Kinderbuch "Mai-Britt erleichtert ihr Herz", ein Jahr später gefolgt von "Pippi Langstrumpf". Das Buch sei eher zufällig als Unterhaltung für die krank im Bett liegende Tochter entstanden, hat Lindgren später über diesen in 85 Sprachen übersetzten Welterfolg erzählt.

Nach dem Ende ihrer schriftstellerischen Arbeit Anfang der 90er Jahre hat sich Astrid Lindgren öffentlich immer wieder für die Rechte von Kindern, gegen die industrielle Massentierhaltung und für einen generell verbesserten Tierschutz eingesetzt. Ihre herausragende Stellung in ihrem eigenen Land zeigte sich 1992, als der damalige schwedische Ministerpräsident Ingvar Carlsson der Autorin zum 85. Geburtstag ein neues Tierschutzgesetz "schenkte".

1976 hatte die Schriftstellerin dessen Vorgänger Olof Palme höchst bissig die Zähne gezeigt, als sie gegen eine Einkommenssteuer von angeblich 102 Prozent ihrer Tantiemen zu Felde zog und gegen das Finanzamt gewann.

Die deutschsprachige Auflage von Astrid Lindgrens Kinderbuch-Klassikern liegt bei mehr als 25 Millionen Exemplaren.

[Quelle: LVZ-online, 29.2.02]

 

In der DZB sind folgende Titel Astrid Lindgrens ausleihbar:

 

1. Hörbücher

Lillebror und Karlsson vom Dach. Spr.: Käte Koch. 3 Kass. 3669

Mehr von uns Kindern aus Bullerbü. Spr.: Helga Bährens (Münster). 2 Kass. 6998

Mio, mein Mio. Spr.: Uwe Wriedt (Münster). 3 Kass. 5991

Pippi Langstrumpf. Spr.: Käte Koch. 4 Kass.4327

Ronja Räubertochter. Spr.: Käte Koch. 4 Kass. S 6703

 

2. Punktschrift

    Verkauf (BNV) und Ausleihe (BNA)

Die Brüder Löwenherz.

3 Bde., vzp., BNA 5709

Die Kinder aus Bullerbü.

4 Bde., vzp., BNA 8300

Die Kinder aus der Krachmacherstraße.

1 Bd.,vzp., BNA 8365

Ferien auf Saltokran.

5 Bde., vzp., BNA 7985

Im Wald sind keine Räuber.

1 Bd., vzp., BNA 2471

Kalle Blomquist.

6 Bde., vzp., BNA 7897

Kati in Amerika.

2 Bde., rkzp., 22,50 €, BNV 3339, BNA 9282

Kati in Italien. 

2 Bde., rkzp.,22,50 €, BNV 3340, BNA 9293

Kati in Paris.

2 Bde., rkzp., 22,50 €, BNV 3341, BNA 9340

Lotta zieht um.

1 Bd., kzp.98rR, 11,25 €, BNV 3098, BNA 9022

1 Bd.,vzp.98rR, 11,25 €, BNV 3097, BNA 9125

Märchen.

2 Bde., vzp., BNA 6340

Meine Kuh will auch Spaß haben.

1 Bd.,          rkzp., BNA 7886

Mio, mein Mio.

2 Bde., rkzp.,         BNA 7875

Pippi Langstrumpf.

2 Bde., rkzp., 35,79 €, BNV 1461, BNA 6001

Ronja Räubertochter.

2 Bde., rkzp.,         35,79 €, BNV 2029, BNA 4266

Weihnachten im Stall.

1 Bd.,vzz., BNA 3576

Wie gut, dass es Weihnachtsferien gibt,  sagte Madita.

1 Bd.,vzp., BNA 3387

Wir Kinder aus Bullerbü.

1 Bd., vh., BNA 8239

 

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

 

Wir setzen heute fort mit Position

Nr. 34: A. Malraux: So lebt der Mensch (1933)

Nr. 35: D. Carnegie: Wie man Freunde gewinnt (1936)

Nr. 36: J. M. Keynes: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1936)

Nr. 37: J.-P. Sartre: Der Ekel. (1938) - ausleihbar als Hörbuch: 15 Kass., 6092

 

Jean-Paul Sartre: Der Ekel

 

Die Erstausgabe von "Der Ekel" (La nausée) erschien 1938 in Paris.

Mit diesem Roman machte sich der Philosophieprofessor Sartre (21. 6. 1905 Paris - 15. 4. 1980 Paris) einen Namen in der Domäne der Literatur. Der Held und Icherzähler - der Roman gibt sich als sein Tagebuch - Antoine Roquentin lebt in einer Welt, die der Kafkas benachbart ist: die bürgerliche und die schäbig-kleinbürgerliche Alltäglichkeit verliert plötzlich ihre Selbstverständlichkeit: die Gegenstände seines Zimmers werden selbständig und berühren ihn, wenn er die Hand nach ihnen ausstreckt; sie verlieren ihren Namen und damit ihren Sinn und ihre Funktion (vielleicht ist die Bank in der Straßenbahn ein toter Esel, die Baumwurzel eine schleimige Schlange), sie ›sind‹ nicht mehr etwas. Übrig bleibt nur noch eine nackte, jeder Form bare ›Existenz‹, die ohne Sinn ist und mit Ekel erfüllt. Der Versuch, sich an irgendetwas zu klammern, schlägt fehl: die eigene Vergangenheit kann zwar erinnert werden, aber sie wird nicht lebendig. Diese Erfahrung lässt Roquentin dann auch den Plan aufgeben, ein geschichtliches Werk über eine etwas undurchsichtige Gestalt aus dem Ende des 18. Jh. - Rollebon - zu schreiben.

Damit ist auch der letzte Anschein eines Sinnes und einer Bindung zerstört (ein Wiedersehen mit seiner früheren Frau brachte weder Enttäuschung noch neue Erfüllung): er, ein noch junger Mann von etwas über dreißig Jahren, der von einem kleinen Vermögen leben kann, verlässt Bouville, dessen Bibliothek die von ihm benötigten Bücher über Rollebon enthielt, und geht nach Paris, offenbar nicht, um dort etwas Neues zu beginnen, sondern eher, weil die Reise in jeden anderen Ort eine Wahl gewesen wäre. - Schon dieses erste Werk Sartres war geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen und Ablehnung hervorzurufen. So sagt Aragon, Sartres Erfolg sei leicht: es genüge, etwas von einem Schakal zu haben. Er sollte es besser wissen: die Eindringlichkeit der Darstellung beruht auf einer Beherrschung der Sprache und nicht auf der Summierung von schäbigen und abstoßenden Details. (R. F.)

[Aus: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 16850. (c) Alfred Kröner Verlag]

 

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

 

Der Brockhaus in Text und Bild. Edition 2002

- Ein umfangreiches Lexikon auf CD-ROM auch für blinde Computernutzer unter Windows geeignet -

 von Ulrich Jander

 

In einem Lexikon nachschlagen zu können, ist für jeden eine schöne Sache. Bei blinden Menschen verhält sich dies nicht anders. Hier existieren nur leider die großen Probleme, dass zum Einen Werke in Blindenschrift einen riesigen Platzbedarf beanspruchen (ca. 30 der großen Punktschriftbände) und zum Anderen Lexika zum Hören (auf Kassette oder CD) aufgrund des kaum möglichen Nachschlagens nicht gebrauchstüchtig und meines Wissens im Angebot nicht vorhanden sind. Ein akustisches Werk ist jedoch für den blinden bzw. hochgradig sehbehinderten Personenkreis, welcher die Blindenschrift nicht beherrscht, besonders interessant. Der Computer bietet für diese Personengruppen gute Möglichkeiten der Nutzung derartiger Nachschlagewerke.

Das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus AG hat mit seinem Programm PC-Bibliothek Version 3.0 das Lexikon "Der Brockhaus in Text und Bild. Edition 2002" auf einer CD-ROM herausgebracht. Das Programm und die auf der Scheibe befindlichen Daten können durch blinde Computeranwender, fast wie bei sehenden Menschen, gut genutzt werden. Die ca. 8.000 Bilder auf der CD-ROM sind durch den Blinden selbstständig leider nicht verwertbar. Diese Darstellung am Bildschirm müsste ihm durch eine sehende Person erklärt werden. Auf die riesige Menge an Textdaten kann jedoch zugegriffen werden. Dieses Lexikon umfasst ca. 190.000 Stichwörter. Es basiert auf dem Brockhaus in 15 Bänden. Zu diesem Lexikon auf einer CD-ROM können noch weitere sechs Nachschlagewerke des Dudenverlages, z. B. "Die neue Rechtschreibung" oder "Das Fremdwörterbuch", im Computer eingebunden werden, da auch diese Werke mit dem Programm "PC-Bibliothek" zu bedienen sind. Auch vorangegangene Ausgaben des Lexikons funktionieren mit dem Programm "PC-Bibliothek" und sind somit bedienbar.

Das Lexikon auf CD-ROM ist eine Windowsanwendung; unter MS-DOS funktioniert es demnach nicht. Auch Windows 3.11 kann nicht in Frage kommen. Unter den Betriebssystemen Windows 95, 98, ME, NT oder 2000 ist die CD-ROM lauffähig. Der Rechner sollte ein IBM-kompatibler PC mit Pentium-Prozessor oder leistungsfähiger mit einem freien Festplattenspeicher von mindestens 60 MB, besser 80 MB, sein. Weitere technische Voraussetzungen sind: CD-ROM-Laufwerk, Grafikkarte mit mind. 256 Farben und einer Auflösung von mind. 640 x 480 Pixel. Für blinde Computernutzer ist der Einsatz eines Bildschirmausleseprogramms (Screenreader) erforderlich. Mit JAWS Version 3.70 als mögliche Software einschließlich einer Scriptdatei ist der Brockhaus in Text und Bild gut bedienbar. Auch mit dem Programm HAL soll die CD-ROM ebenso gut funktionieren. Mit der Software SWB gab es jedoch schlechte Erfahrungen. Zum Einsatz weiterer Screenreaderprogramme bezüglich der Bedienbarkeit dieses Lexikons kann ich leider keine Aussagen treffen. Es ist zu empfehlen, vor dem Erwerb des Lexikons den Verkäufer des Screenreaders zu fragen, ob Erfahrungen zur Benutzbarkeit des Brockhaus in Text und Bild vorliegen. Hinsichtlich jeglichen Produkts ist es generell sehr sinnvoll, Einschätzungen einzuholen, ob und in welcher Weise der jeweilige Screenreader mit dem für den Kauf beabsichtigten Nachschlagewerk oder anderen zurecht kommt. Anfragen per E-Mail in entsprechenden Mailinglisten sind hier zweckmäßig. Wer keinen E-Mailverkehr nutzt bzw. keine Aussagen des Anbieters des Screenreaders erhalten hat, kann sich bei mir melden. Im konkreten Einzelfall werde ich dann versuchen zu prüfen bzw. E-Mailanfragen in Listen stellen.

Die Installation des Brockhaus in Text und Bild kann auch durch blinde Computernutzer gut durchgeführt werden. Auf der CD-ROM existiert eine Datei Setup.exe. Diese muss aufgerufen und den anschließenden Anweisungen gefolgt werden. Installationsschritte sollte man immer etwas langsamer durchführen und alle Informationen dabei aufnehmen, um unnötige Fehler zu vermeiden. Das Bildschirmausleseprogramm JAWS informiert sehr gut über jede einzelne Installationsmaßnahme. Die CD-ROM muss im gesamten Vorgang im Laufwerk bleiben. Fast am Schluss der Installation ist eine Identifikationsnummer einzugeben, welche auf der Rückseite der CD-ROM-Schachtel steht. An dieser Stelle geht es nicht ohne sehende Hilfe. Beim Gebrauch des Lexikons ist diese Nummer nicht mehr erforderlich. Man wird auch gefragt, ob Hilfsdateien auf die Festplatte übertragen werden sollen. Hat man, wie oben bezeichnet, genügend freien Festplattenspeicher, so sollte man dies bejahen, denn dann ist ein Suchergebnis oft schneller erhältlich.

Die Bedienung des Programms ist über das Menü, mit ALT-Taste, oder mit Hilfe von Tastenkombinationen sehr gut möglich. Nach dem Start gelangt man sofort in das Suchfenster; man gibt einen Suchbegriff ein, gefolgt von ENTER. Somit gelangt man in eine Liste, in welcher man mit Cursor auf oder ab in den gefundenen Stichworten auswählen kann; anschließend wiederum ENTER drücken und danach die Tab-Taste betätigen. Man steht dann im Textfenster, welches die Informationen zum Suchbegriff enthält. Mit Cursor abwärts kann man diese lesen. Die einzelnen Bereiche (Suchfenster, Liste und Textfenster) sind sowohl mit Hilfe der Sprachausgabe als auch der Braillezeile erfassbar. Zwischen diesen Bereichen springt man mit der Tab-Taste. Im Bereich der Liste wird über die Sprachausgabe der Begriff mit der Listennummer, auf der der Cursor steht, erst angesagt, wenn man ENTER gedrückt hat.

In diesem Beitrag kann ich längst nicht auf alles eingehen. Über das schon angeführte Menü (mit ALT-Taste) ist viel mehr, auch mit Hilfe von Tastenkombinationen, z. B. F3 für erweiterte Suche, möglich.

Dem Bibliographischen Institut & F. A. Brockhaus AG in Mannheim ist es zu verdanken, dass die Nachschlagewerke der PC-Bibliothek auch durch blinde bzw. hochgradig sehbehinderte Menschen genutzt werden können. Selbstverständlich ist dies leider nicht, denn das Angebot an Nachschlagewerken auf CD-ROM ist im Buchhandel bzw. beim Softwareanbieter recht umfangreich; jedoch für Blinde mit ihren erforderlichen Hilfsmitteln kaum nutzbar. Aufpassen muss der blinde Interessent sehr, denn neben dem Brockhaus in Text und Bild gibt es auch den Brockhaus multimedial; und dieser ist für blinde Computernutzer nicht geeignet.

"Der Brockhaus in Text und Bild Edition 2002" kostet 86,89 € und ist im Buchhandel bzw. bei Softwareanbietern erhältlich oder kann bezogen werden über:

Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Postfach 10 03 11

68003 Mannheim

Tel.: 0621 3901 - 0, Fax: 0621 3901 - 389

Infotelefon: 0180 5002365, Internet: http://www.brockhaus.de/ oder http://www.pc-bibliothek.de/.

 

Ausführlichere Informationen können dort ebenfalls eingeholt werden. Updates zu älteren Ausgaben sind zu günstigeren Preisen erhältlich.

Wenn Sie Fragen oder Hinweise an mich haben, so stehe ich gern zur Verfügung. Sie erreichen mich unter:

Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125 oder E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de.

 

Info-Service

 

Information des Verlages

 

Von den folgenden Punktdruckzeitschriften bietet die DZB Zusammenfassungen des Jahrganges 2001 an: "DZB-Nachrichten", "Gesundheitsmagazin", "Ratgeber aktuell", "Schachbrücke".

Es handelt sich jeweils um die Punktschriftfassung auf Diskette, für Braillezeile lesbar. Die Jahreszusammenfassung der "DZB-Nachrichten", wird zusätzlich ergänzt durch eine Text-Datei, die für PCs mit Sprachausgabe verwendbar ist.

Der Preis der einzelnen Jahreszusammenfassungen entspricht jeweils dem für ein Jahresabo der betreffenden Zeitschrift.

 

Lieferbar ist auch das Gesamtverzeichnis der Verkaufsliteratur der DZB. Der "Katalog Verkaufsliteratur 2002" enthält ca. 2.130 Titel von über 900 in- und ausländischen Autorinnen und Autoren und ist in fünf Kategorien gegliedert: Brailleschrift und Reliefs, Audio-Kassette, Großdruck, Schwarzdruck, Zeitschriften. Innerhalb dieser Kategorien erfolgte außerdem eine Unterteilung nach Sachgebieten.

Der Katalog ist in Schwarzschrift und auf Diskette lieferbar, eine Punktschriftausgabe ist in Vorbereitung. Der Unkostenbeitrag für alle Versionen beträgt jeweils 11,00 €.

 

In unserer Verkaufsabteilung sind folgende Relief-Glückwunschkarten zu Ostern und Pfingsten im Angebot (inklusive Einlegeblatt und Umschlag):

Fröhliche Ostern : Kücken mit Weidenkätzchen.

1 fRel. vzp., 4,89 DM / 2,50 €, BN 2613

Frohe Ostern : Eierbecher mit Zweigen.

1 Rel. rkzp., 2,93 DM / 1,50 €, BN 2809

Frohe Ostern : Kücken.

1 Rel. rkzp., 2,93 DM / 1,50 €, BN 2808

Herzliche Ostergrüße : Hase mit Eierkorb.

1 fRel. vzp., 4,89 DM / 2,50 €, BN 2615

Herzliche Pfingstgrüße : Birkenzweig mit Schmetterling.

1 fRel. vzp., 4,89 DM / 2,50 €, BN 2621

 

Information der Bibliothek

 

Der neue Nachtrag der Hörbücherei für 2001 ist nun auf Kassette (2 Kassetten, Bestellnummer Ausleihe 7587 bzw. auch zum Kauf - 5,10 € zuzüglich Porto) und in Schwarzschrift zum Verkauf (Preis 5,10 € zuzüglich Porto) erhältlich. In Blindenschrift ist dieser Nachtrag in Arbeit.

Der Punktschriftnachtrag 2001 wird zurzeit in Schwarzschrift kopiert bzw. in Blindenschrift übertragen, kann aber bereits bestellt werden, ebenfalls 5,10 € zuzüglich Porto. Natürlich wird dieser Nachtrag auch in der Punktschriftausleihe erhältlich sein.

 

Kassette "Beratungsstellen für behinderte Frauen in Sachsen"

 

An der Hochschule Mittweida/Fachbereich Soziale Arbeit (Außenstelle Rosswein) wurde im Sommersemester 2001 das Projekt "Weibernetzwerk" realisiert. Anliegen des Projektes war es, behinderten Frauen aus den verschiedensten Regionen des Freistaates Sachsen Möglichkeiten aufzuzeigen, wo sie Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung und Gestaltung ihres Lebens erhalten können.

Der im Rahmen des Projektes entwickelte Leitfaden für Frauen mit Behinderung in der Region will:

-                     kurz und knapp regionale und überregionale Auskunftsstellen aufzeigen,

-                     professionelle Arbeit im Sozial- und Gesundheitsbereich unterstützen,

-                     als Nachschlagewerk für Ämter, Behörden, vereine, Verbände und Beratungsstellen fungieren,

-                     als Wegweiser für die Interessenvertretung behinderter Frauen wirken.

Die im Ergebnis des Projektes herausgegebene Broschüre wurde auch aufgesprochen. Die Leiterin des Projektes, Frau Prof. Dr. Monika Häußler-Sczepan, überreichte der DZB ein Exemplar der Kassette "Beratungsstellen für behinderte Frauen in Sachsen" (Stand 2000/2001)", die nunmehr in unserer Hörbücherei ausgeliehen werden kann.

Die DZB dankt Frau Prof. Dr. Monika Häußler-Sczepan und wünscht weiterhin viel Erfolg bei der Arbeit!

 

Fahrschule für Blinde

 

Wie die "Leipziger Volkszeitung" am 18. Februar mitteilte, plant der Landesverband Sächsischer Fahrlehrer gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen für den 1. Mai eine Aktion auf dem Flughafen Waldpolenz: Blinde und Sehschwache können sich selbst ans Steuer setzen und ein paar Runden drehen - selbstverständlich mit einem Fahrlehrer an ihrer Seite.

Die Aktion soll Ängste abbauen und das Selbstbewusstsein stärken. Mitinitiatorin der Aktion ist Christa Zeidler, Vorsitzende des Muldentaler Blinden- und Sehbehindertenverbandes.

Für die Veranstaltung wird ein Pendelverkehr zwischen Brandiser Bahnhof und Flugplatz eingerichtet. Nähere Informationen unter 034293 42149.

 

Führungen für Blinde und Sehbehinderte

 

Im April und Mai veranstaltet das Museum für Kunsthandwerk der Stadt Leipzig speziell für Blinde und Sehbehinderte Führungen durch die Ausstellung "Keramische Werkstatt Margaretenhöhe". Arbeiten aus der Werkstatt sowie aus der Studiensammlung des Museums sind Bestandteil der Führung und können angefasst werden. Die Führung dauert jeweils eine ¾ Stunde. Hier die Termine:

 

- Mittwoch, 17.04., 13.00 Uhr

nach der Führung Besuch in der Kreativ-werkstatt: Trinkgefäße aus Ton selbst gemacht. (4 €, erm. 3 €; Material: 2 €)

- Mittwoch, 15.05., 18.00 Uhr (4 €, erm. 3 €)

 

Ort der Veranstaltung:

Museum für Kunsthandwerk interim

Neumarkt 20, 04109 Leipzig

 

Es wird um Voranmeldung gebeten:

Tel.: 0341 21337-44

 

Pressemitteilung "Der Klassik(ver)führer"

 

Berlin, im Januar 2002: Den ersten Band des Klassik(ver)führers stellt die Auricula GmbH vor. Es handelt sich um ein neuartiges Hörbuch mit viel Musik, das die schönsten Themen der klassischen Musik vorstellt und kommentiert. Der Unterschied dieses Edutainment-Produktes zu den üblichen "Samplern" besteht darin, dass die Kommentierung und Einordnung der ausgewählten Stücke als gesprochener Text auf der CD bereits mit enthalten ist. Damit ist der  Klassik(ver)führer  - z. B. auch für den mobilen Hörer - ein Angebot  zur musikalischen Bildung auf äußerst bequeme Art.

Zielgruppe ist vor allem der interessierte Laie. Dieser soll anhand der ausgewählten "Sahnehäubchen" der klassischen Musik dazu verführt werden, mehr von dieser Musik hören zu wollen. Hierfür bietet ihm der Klassik(ver)führer einen Leitfaden, mit dessen Hilfe er die faszinierende Welt der klassischen Musik anschließend selbst weiter erforschen und entdecken kann. Aber auch der Klassik-Kenner wird an der kurzweiligen Zusammenstellung der Megahits der Klassik seinen Gefallen finden. Beiden Zielgruppen hilft diese CD, die oft gehörten Themen der klassischen Musik leichter zu erkennen und besser einzuordnen.

Das Hörbuch  enthält eine abwechslungsreiche Mischung aus Text, aus Orchester- und Kammermusik, aus schweren und beschwingten Themen sowie aus etwas kürzeren und längeren Hörabschnitten. Den Text spricht der bekannte Heldentenor Wolfgang Schmidt, der hier seine auch sprecherischen Qualitäten beweist und das Zuhören leicht macht.

Das beigefügte 8-seitige Booklet liefert weitere Angaben zu den Komponisten, den Interpreten, den Dirigenten und den Solisten. Durch die Dokumentierung der Struktur des ausgewählten Werkes und die Hervorhebung desjenigen Teils, aus dem das zitierte Motiv entnommen ist, wird dem interessierten Laien der Einstieg in das zugehörige Gesamtwerk wesentlich erleichtert.

"Der Klassik(ver)führer“ (ISBN 3-936196-00-1) ist im Buchhandel erhältlich, soll aber auch im Tonträgermarkt angeboten werden. Der Vertrieb erfolgt über die JohannisthalSynchron GmbH in Berlin, die in ihrem Geschäftsbereich AUDIO BOOKS ein ganzes Programm von Hörbüchern anbietet. Auf deren Homepage (www.johannisthalsynchron.de) finden sich weitere Informationen und Hörproben. Dort kann die CD zum Preis von 9,90 Euro auch online bestellt werden.

 

Pressemitteilung "Nocti vagus"

 

Nocti vagus - der Nachtschwärmer, öffnet im Mai im Herzen Berlins, in der Backfabrik (Prenzelberg, Saarbrücker Str. 36-38) seine Pforten um ein Erlebnis der besonderen Art zu bieten.

Magisches Theater, Live Musik von Beethoven bis Beatles, Hörspielabende und eine auserlesene Küche sollen im Dunkelrestaurant für einen Taumel der Sinne sorgen.

Der Eventbereich, ein Raum ohne Restlicht, stellt an das betreuende Personal besondere Anforderungen. Deshalb werden noch aufgeschlossene blinde Menschen gesucht.

Info: 0179 5411883 oder 030 44341273. Ansprechpartnerin ist Frau Grit Alack

 

Lehrgänge des DBBW

 

Im März wird das Deutsche Blindenbildungswerk 30 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Für folgende betreute Fernkurse des DBBW nimmt das DBBW ständig Anmeldungen entgegen:

-                     Einführung in die Computerwelt

-                     MS-DOS-Kurs für Einsteiger

Kontaktadresse:

DBBW - Deutsches

Blindenbildungswerk gGmbH

Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein

Tel.: 07621 799230; Fax: 07621 799231

E-Mail: info@dbbw.de, www.dbbw.de

 

Impressum

 

Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM / 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM / 12,27 €). Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig

(DZB),

Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,

Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig

Telefon: 0341 7113 - 0,

Telefax: 0341 7113 - 125,

Internet: www.dzb.de, E-Mail: info@dzb.de

Redaktion:

Karsten Sachse, Telefon 0341 7113 - 135

Abonnements, Anzeigen:

Sylvia Thormann, Telefon 0341 7113 - 120

Spendenkonto-Nr.: 1100491100

BLZ: 86055592

Stadtsparkasse Leipzig

 

DZB 2002