Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

 

Nr. 4/2002     Juli/August      12. Jahrgang

 


 


Inhalt

 

Vorbemerkung. 1

Unsere Postecke. 1

Hörbücher einmal nicht nur literarisch

erlebt2

 

Einblicke. 3

Tag der offenen Tür am 14. Mai 2002. 3

Gleichstellungsgesetz - Aufgaben der DZB

im Medienzeitalter3

Diskussionsbericht6

Bericht über das Internationale Symposium in Kopenhagen "Braille im Zeitalter der Digitalisierung"8

 

Wie war das damals?. 10

Wie die Blindenschrift nach Deutschland

kam (Teil 1)10

 

Die Kramkiste. 12

Bruno Frank: "Trenck"12

Erich Maria Remarque: "Die Nacht von Lissabon"13

 

Immer wieder Frühling für die

Literatur13

 

Bücher des Jahrhunderts. 15

Ernest Hemingway: Wem die Stunde

schlägt (1940)15

 

LOUIS. 16

Reclams Opernführer auf CD-ROM auch durch Blinde nutzbar?16

 

Info-Service. 18

Tag der offenen Tür in der DZB. 18

Hörbuchkatalog zum Herunterladen. 18

Wahlschablone als Hilfe. 18

Großdruckbücher18

Tipp von "blip"18

Kulturprogramm in Passau zum Hören. 18

Elektronische Zeitschrift: "Brigitte"19

Zeitschriftentexte per E-Mail19

Ausbildungsplatz Wiss. Dok.19

Veranstaltungen in den "Ostseeperlen"19


Impressum.. 20

 

Vorbemerkung

 

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Ausgabe Nummer 4 unserer "DZB-Nachrichten" hat es in sich. Der Schwerpunkt liegt auf der Rubrik "Einblicke". Darin enthalten sind nämlich die Berichte von zwei sehr interessanten Ereignissen: einem Diskussionsforum anlässlich des Tages der offenen Tür in der DZB zum "Gleichstellungsgesetz und den Aufgaben der DZB im Medienzeitalter" und von einem internationalen Symposium "Braille im Zeitalter der Digitalisierung", das bereits im April in Kopenhagen veranstaltet wurde. Beide Themen sind zwar auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt, aber sie korrespondieren mitein-ander. Kein Wunder, dass sich auch die Rubrik "Wie war das damals?" mit der Blindenschrift beschäftigt. Neu im Info-Service: Wir verweisen auf  Mitteilungen von "blip". "blip" (= Blindenpressedienst) ist ein Serviceangebot für Redaktionen von Medien für Blinde und Sehbehinderte.

Ihr Karsten Sachse.

 

Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

 

"Hörbuch hautnah" war der Titel einer Veranstaltung, die BSVS und DZB gemeinsam in Rochsburg durchführten. Herr Gerold und Frau Dorothea Schönfelder aus Dresden nahmen an dieser Veranstaltung teil. Hier ihr Bericht:

Hörbücher einmal nicht nur literarisch erlebt

Monatlich liest der durchschnittlich gebildete Deutsche ein Buch, hat ein Experte herausgefunden. Wie lange braucht man, um den Hörbuchbestand der DZB von über 7000 Titeln zu bewältigen? Nicht berücksichtigt sind die ca. 100 Titel, die jährlich hinzukommen. Das wiederum steht in keinem Verhältnis zu den 80.000 Publikationen, die jährlich in Deutschland erscheinen.

Dass Bücher nicht nur um der Bildung willen gelesen bzw. gehört werden, sondern dass Nachdenklichkeit, Spannung, Humor und vieles andere auch dazu gehören, zeigte die Gemeinschaftsveranstaltung der DZB und des BSVS im April 2002 in der Aura-Pension 'Villa Rochsburg'.

Ein Dutzend begeisterter Hörer konnte sich rundum über das Wirken der Hörbücherei informieren. Die Entwicklung der 1956 gegründeten Hörbücherei fand in der vielseitigen Veranstaltung ebenso ihren Platz, wie technische und organisatorische Fragen zum Entstehen eines Hörbuches - wie die Ausleihe und die damit verbundene Hörerberatung. Die Studio-leiterin, Frau Anke Hebecker, sowie Herr Jörg Klemm, Leiter der 3 Bibliotheken, gaben erschöpfend Auskunft.

Die 'Hörerschar' war sich einig, dass zum Lesegenuss nicht nur der Inhalt eines Werkes gehört, sondern der Sprecher dazu entscheidend beiträgt. So wurde eine Leseprobe mit Michael May, die unter dem Thema 'Komm lieber May und mache' angekündigt war, zu einem Höhepunkt der Rochsburger Literaturtage. Überhaupt gehörten die persönlichen Begegnungen mit Redakteuren und  Mitarbeitern, die man von Kassetten namentlich kennt, zu den Besonderheiten dieser Tage. Die Redakteurinnen Frau Elke König und Frau Gabi Schulze stellten die von ihnen bearbeiteten Hörzeitschriften vor. Erstaunlich ist die thematische Vielfalt der 12 derzeit in der DZB erscheinenden Hörzeitschriften. Als langjähriger Hörer erinnert man sich noch an das Hörmagazin als erste und einzige 'sprechende Zeitschrift' der 60er Jahre.

Dass Hören und Mitgestalten zu einer Einheit werden können, zeigen das BSVS-Magazin 'Mobil' und die Jugendkassette 'MINT', die von Jugendlichen im BSVS gestaltet wird. 'Mobil', das in diesen Monaten sein 10-jähriges Jubiläum feiert, informiert nicht nur, es wird auch durch zahlreiche Hörermeinungen und -beiträge bereichert. Günter Heil regte mit seinen Hörbeispielen aus 'Mobil' zur Diskussion an, was die Lebensnähe dieser Zeitschrift unterstreicht.

Dr. Thomas Nikolai warb mit seinem Beitrag für das Verbandsorgan 'Die Gegenwart'.

Wie ein roter Faden zog sich die Frage nach der Zukunft der Hörbücher durch die Veranstaltung. Wie werden in einigen Jahren Hörbücher und Abspielgeräte aussehen und bedient? Das Zeitalter unserer jetzt so bewährten Compact-Kassetten scheint sich seinem Ende zu nähern. Der Direktor der DZB, Herr Dr. Thomas Kahlisch, zeigte auf, dass der Weg zur Digitalisierung unwiderruflich vorgezeichnet ist. Die DZB arbeitet gemeinsam mit den deutschsprachigen Hörbüchereien an der Entwicklung einer neuen Hörbuchgeneration für die der Name 'DAISY' steht. So werden wir künftig keine Boxen mit bis zu 8 Kassetten, sondern eine CD-Rom erhalten, die - auch mit menschlicher Stimme gesprochen - ein dickleibiges Buch enthält. Ängste älterer Hörer, dass man sich innerhalb kurzer Zeit auf neue Geräte umstellen muss, zerstreute Dr. Kahlisch mit dem Hinweis, dass auch bei Einführung der Kassetten die Offenspulen noch lange Zeit angeboten und die letzten erst 1999 aus dem Bestand ausgesondert wurden.

Und unser Urteil nach dem Seminar: Die literarischen Angebote der DZB - hinzuzufügen sind die der übrigen deutschsprachigen Hörbüchereien - erinnern an ein reiches Festmahl mit ständig hinzukommenden Köstlichkeiten, von denen man sich nur einzelne Leckerbissen 'herauspicken' kann. Auch wenn Appetit und Lust vorhanden sind, setzt die Lesezeit Grenzen. Bedanken möchten wir uns bei allen, die dieses 'Mahl' zusam-menstellen und servieren.

 

Einblicke

 

Tag der offenen Tür am 14. Mai 2002

 

An dem in diesem Jahr ersten Tag der offenen Tür in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (der zweite Tag der offenen Tür ist am 7. September) fand am Nachmittag ein Diskussionsforum statt. Unter dem Thema "Gleichstellungsgesetz - Aufgaben der DZB im Medienzeitalter" hatten Mitarbeiter und Gäste der DZB Gelegenheit für einen regen Erfahrungsaustausch.

Den Einführungsvortrag hielt der Direktor der DZB, Dr. Thomas Kahlisch. Zur Vertiefung stellten Mitarbeiter der DZB bestimmte Fertigungsstrecken und Projekte vor. Hier zunächst der Wortlaut des Einführungsvortrags:

 

Gleichstellungsgesetz - Aufgaben der DZB im Medienzeitalter

Diskussionsveranstaltung am 14. Mai 2002

Einführungsvortrag von

Dr. Thomas Kahlisch, Direktor DZB Leipzig

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit dem 1. Mai 2002 gilt das Bundesgleichstellungsgesetz. In Sachsen wird an einem Gesetz zur Förderung der Integration Behinderter gearbeitet. Ein Schwerpunkt bei der Gleichstellung Behinderter ist für blinde und sehbehinderte Menschen die Gestaltung barrierefreier Informationszugänge. Welche speziellen Aufgaben dabei die DZB hat, ist Gegen-stand der heutigen Diskussionsveranstaltung.

In Sachsen leben etwa 33.000 blinde oder sehbehinderte Menschen. Sie wollten erst alle zu dieser Veranstaltung kommen, haben sich dann aber doch dazu entschlossen, nur eine Anzahl von Teilnehmern zu entsenden, die diesem Raum hier besser entspricht. Vielen Dank für Ihr zahlreiches Kommen. Es zeigt mir, wie groß Ihr Interesse an der hier geleisteten Arbeit ist.

Für die Gäste, die mit dem Thema Blindheit nicht so vertraut sind, möchte ich zu Beginn meiner Ausführungen das Problemfeld - oder ich würde es lieber die Herausforderung bzw. Motivation nennen - beschreiben. Nach diesen einführenden Bemerkungen berichte ich Ihnen über die Arbeit der DZB, stelle die Entwicklungsziele des Hauses vor und werde am Schluss konkrete Projekte und Initiativen zu deren Umsetzung benennen, die dieses Haus fit für das Medienzeitalter machen werden.

 

Motivation

Die folgenden Zahlen belegen eindrucksvoll den akuten Mangel an Literatur- und barrierefreien Informationsangeboten für blinde und sehbehinderte Menschen:

-                In Deutschland erscheinen im Jahr etwa 80.000 neue Publikationen.

Blindenbüchereien übertragen davon jährlich insgesamt weniger als 2.000 Werke (1.500 Hör- und 400 Braillebücher). Nun lässt sich argumentieren, dass manches gar nicht Wert ist, gelesen zu werden. Aber woher weiß Otto Normalverbraucher, was sich lohnt gelesen zu werden? Jeder sehende Mensch kann sich eigenständig seine Meinung bilden und frei entscheiden. Blinde und Sehbehinderte haben bei weitem nicht die Qual der Wahl und oftmals nicht die Freiheit, sich zu entscheiden.

-                Die Sächsische Landes- und Universitäts-Bibliothek (SLUB) verfügt über einen Bestand von 7.800.000 Medieneinheiten.
In der DZB sind es derzeit lediglich 21.300 Werke, die Blinden und Sehbehinderten zur Ausleihe angeboten werden. Hauptsächlich sind dabei im Bestand belletristische Werke. Selbst bei Bestsellern dauert es schon mal ein Jahr, bis die Aufsprache fertig ist und das Buch in der Blindenbücherei ausgeliehen werden kann. Für die wirklichen Renner liegen in unserer Bibliothek meist schon viele Vorbestellungen vor, sodass der einzelne Leser lange warten muss, bis er einen konkreten Lesewunsch erfüllt bekommt. Selbstverständlich gibt es auch in öffentlichen Bibliotheken Wartelisten, aber dem sehenden Leser steht immer der Weg zur Buchhandlung um die Ecke offen und die liefert schnell und komfortabel was das VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) hergibt.

Akuter Mangel herrscht an Sach- und Fachbüchern, Nachschlagewerken und fremdsprachiger Literatur in Brailleschrift. In diesem Bereich sind Blindenbüchereien derzeit völlig überfordert und haben wichtige Hausaufgaben zu machen.

-                13.400 regelmäßig erscheinende serielle Publikationen bietet die SLUB ihren Lesern an.

Die DZB gibt 16 Zeitschriften in eigener Redaktion und 6 im Fremdauftrag heraus. Die Zeitschriften aus der DZB werden auf Kassette aufgesprochen oder in Brailleschrift hergestellt. Längere Artikel, umfangreiche Tabellen und Übersichten können dabei in aller Regel nicht berücksichtigt werden.

 

Vieles, was via Internet oder auf CD-ROM veröffentlicht wird, ist für blinde und sehbehinderte Computernutzer nicht nutzbar. Häufig sind die grafische Gestaltung und die aufwändige Benutzungsoberfläche daran Schuld, dass Braillezeile oder Sprachausgabe versagen.

Die genannten Zahlen und Fakten sprechen für sich selbst. Sie belegen, wie hoch der Mangel an Literatur- und Informationsangeboten für Blinde und Sehbehinderte ist.

 

Aufgaben

Das Angebot am Zeitungskiosk, im Buchladen oder in der öffentlichen Bibliothek ist sehgeschädigten Menschen nicht zugänglich. Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) ist die sächsische Einrichtung, die traditionell, heute und in der Zukunft, das akute Informationsdefizit dieser Personengruppe mindert. Durch die Erfüllung folgender Aufgaben leistet sie einen wesentlichen, wenn auch bei weitem nicht ausreichenden Anteil bei der Literaturversorgung Blinder und Sehbehinderter:

1.     Aufbereitung, Sammlung, Bereitstellung, Pflege und Verbreitung von Medienerzeugnissen in für blinde und sehbehinderte Menschen geeigneten Formen

Bücher und Zeitschriften müssen aus der Schrift der Sehenden in die Brailleschrift übertragen werden. Bilder werden dabei als tastbare Reliefs gestaltet und so manches visuell interessante Gestaltungselement muss adaptiert, beschrieben oder - wenn es den Inhalt nicht verfälscht - weggelassen werden. Besondere Sorgfalt muss bei der Übertragung von Schulbüchern sowie Sach- und Fachliteratur gelten. Ein Buch als Hörbuch blinden Nutzern anbieten zu können, heißt nicht allein, den Text des Buches vollständig in hoher Qualität aufzulesen. Es bedeutet auch, die Kassetten und Verpackungsbehälter mit Blindenschrift und Großdruck zu kennzeichnen, Ansagen für den Beginn und das Ende von Kassettenseiten aufzubringen und Informationen zum Autor und über das Werk nicht auszusparen. Kein Vergleich zum meist gekürzten und kommerziellen Hörbuch.

2.     Beratung und Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen bei der Nutzung von Informationsangeboten.

Eine besondere Rolle kommt den MitarbeiterInnen in unseren Service- und Informationsbereichen zu. Bibliothekarische Dienstleistungen aller Art sind hier gefragt und häufig noch ein bisschen mehr. Über 80 % unserer Nutzer sind im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Mit dem Verlust seiner Sehkraft leben zu müssen verlangt viel, da ist ein Buch aus Leipzig häufig ein Silberstreif am trüben Horizont des Alltags. Das Gespräch mit den DZB-Mitarbeitern wird zum manchmal einzigen Kontakt mit der Außenwelt. Dabei geht es nicht allein um Literaturberatung, sondern auch um die Vermittlung von Adressen von Hilfsmittelzentralen und der Selbsthilfe oder nützliche Tipps, wie der Nutzer an weiterführende Informationsangebote kommt. Zu dem neuen Beratungs- und Informationsfeld für neue Medien werde ich später noch etwas unter dem Stichwort LOUIS sagen.

Die Bücher und Zeitschriften kommen, anders als in einer "normalen" Bibliothek, direkt ins Haus zu den Nutzern. Fleißige Magazin- und Versandmitarbeiter tragen dafür Sorge, dass die schwarzen Koffer (Braillebücher) und die blauen Boxen (Hörbücher) schnell und komfortabel von der Deutschen Post befördert werden.

3.    Entwicklung, Anwendung und Verbreitung von Verfahren zur Ge-staltung von Informationszugängen für blinde und sehbehinderte Menschen

Technologisch ist es heute möglich, jede Information Blinden und Sehbehinderten zugänglich zu machen. Die bislang eingesetzten Verfahren müssen weiterentwickelt und effektiv angewendet werden. Dabei ist es wichtig, sich mit modernen Informationstechnologien vor allem aus den Bereichen Internet, elektronischem Publizieren und Dokumentenmanagement auseinander zu setzen, das Wissen darüber ständig aktuell zu halten und es in die Übertragungs- und Distributionsabläufe der Blindenbücherei zu überführen. Am Ende meines Vortrages gehe ich auf konkrete Projekte ein.

4.    Sammlung, Erschließung und Bereitstellung wissenschaftlicher Literatur zur Thematik "Blindheit und Sehbehinderung"

Das in unserer Wissenschaftlichen Bibliothek gesammelte Wissen wird zunehmend nicht nur von Studenten und Wissenschaftlern nachgefragt. Es wird zukünftig über den Bibliotheksverbund Sachsen jedermann zugänglich sein.

5.    Mitwirkung in regionalen, nationalen und internationalen Gremien

Um gegen den akuten Informationsmangel vorzugehen, ist es notwendig, auf allen Gebieten zusammenzuarbeiten. Die internationale Arbeit im DAISY Konsortium, der Zusammenschluss aller deutschsprachigen Hörbüchereien und Blindenschriftdruckereien zur Mediengemeinschaft MEDIBUS und natürlich die enge Kooperation mit unseren sächsischen Partnern sind unverzichtbar, wollen wir den barrierefreien Informationszugang effektiv und gemeinsam gestalten.

 

Ziele

1.     Erweiterung des Angebotes der Blindenbücherei, insbesondere Fach- und Sachbücher, Nachschlagewerke sowie fremdsprachige Literatur

Als das wichtigste Ziel erscheint mir, dafür Sorge zu tragen, dass mehr Informationen (Bücher aller Art, Zeitschriften, elektronische Publikationen) angeboten werden. Wie kann die DZB ihr Angebot erweitern? Durch verstärkte Einkäufe, eine bessere Koordination der Arbeit mit den Schwarzschriftverlagen und vor allem, durch die Umsetzung des zweiten Ziels.

2.     Einrichtung flexibler und leistungsstarker Aufbereitungs- und Übertragungsdienste (z.B. Projekte: DAISY, Da-Capo und RUDI)

Übertragungszeiten von über einem Jahr sind im Medienzeitalter völlig unakzeptabel. Notwendig sind:

- lizenz- und urheberrechtliche Fragen endlich im Sinne einer barrierefreien Gestaltung von Informationszugängen in Deutschland zu klären

- unter Nutzung der von Verlagen bereitgestellten Mediendaten den Übertragungsprozess in der Blindenbücherei so zu gestalten, dass schneller und flexibler Bücher und Zeitschriften in Brailleschrift und auf Tonträger angeboten werden und

- neue Medienformen wie CD-ROM und Internet konsequent einzusetzen, um blinden und sehbehinderten Menschen einen flexibleren Zugang zum Wissen der Welt zu vermitteln.

3.     Verbesserung des Beratungs- und Informationsservices

Blinde und Sehbehinderte brauchen Unterstützung, sich in der sich ständig verändernden Informationsmedien- und der damit verbundenen Techniklandschaft zurecht zu finden.

Die folgenden Projekte sind auf die Weiterentwicklung der DZB zu einem zeitgemäßen Medienzentrum für Blinde und Sehbehinderte ausgerichtet:

DIPAD - Digitales Produktions-, Archivierungs- und Distributionssystem

Mit diesem als Kabinettsvorlage eingereichten Projekt wird die unbedingt notwendige finanzielle und technologische Grundlage geschaffen, die DZB zu einer Blindenbücherei des Medienzeitalters auszubauen. In einem auf 5 Jahre angelegten Projektrahmen werden die Komponenten und Verfahren eines digitalen Herstellungs-, Archivierungs- und Ausleihkonzeptes beschrieben.

DAISY - Digital Accessible Information System

Die Blindenbüchereien der Welt entwickeln unter dem Namen DAISY die internationalen Standards und Technologien für die neue Blindenbuchgeneration. Vorteile von DAISY-Büchern:

-              Ein Buch oder eine Zeitschriftausgabe passen auf eine CD. Das lästige Kassettenwechseln entfällt.

-              Die digital aufgenommenen Bücher bieten rauschfreien Hörgenuss in CD-Qualität.

-              Im Unterschied zum normalen CD-Spieler merken sich die neuen Geräte, wo das Abspielen unterbrochen wurde und setzen an dieser Stelle fort. Der Hörer kann das Werk vollständig anhören, darin blättern oder gezielt Informationen heraussuchen.

Im Herbst beginnt in der DZB für 25 Nutzer die Testausleihe von DAISY-Büchern. Aber die DAISY-Technologie ermöglicht es, nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch den Text eines Buches oder einer Zeitschrift komfortabel zu verarbeiten und in verschiedenen blindengerechten Medien anzubieten. Mehr dazu im Projekt RUDI.

LOUIS - Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice

Ein blinder Mitarbeiter der DZB berät und informiert sehgeschädigte Computeranwender zu Fragen bei der Nutzung moderner Informationssysteme wie Internet, CD-ROM oder Mobilfunk. Er unterstützt die Nutzer bei der Anwendung der neuen DAISY-Bücher und -Abspielgeräte.

MUSTER - Modellierungs- und Schneide-Technik zur effektiven Reliefherstellung

Seit Beginn diesen Jahres werden in der DZB erste Vorlagen für die Reliefherstellung am PC erarbeitet und mit moderner Schneidplott-Technik angefertigt. Die Finanzierung dieses Projektes war nur durch eine großartige Spendenaktion unserer Nutzer zu sichern.

Da-Capo - Wiederaufnahme der Produktion von Braillenoten in Deutschland

Mit Unterstützung der Selbsthilfeverbände beginnt die DZB wieder mit der Übertragung von Notenwerken in die Blindenschrift. Das beim BMA beantragte Projekt Da-Capo wird bei einer Laufzeit von drei Jahren technologische Verfahren zur effektiven Übertragung von Notenwerken in die Brailleschrift sowie ein Konzept zur dauerhaften Finanzierung solcher wichtigen Übertragungsleistungen erarbeiten.

RUDI - Recherchieren und Drucken interaktiv

Tradition und Innovation miteinander verbinden bedeutet, die Chancen und Herausforderungen moderner Technologien zu erkennen und zum Wohle aller umzusetzen. Dies heißt für die Blindenbüchereien der Zukunft, der Nutzer bestellt seine Literaturwünsche telefonisch, schriftlich oder via Internet und erhält zeitnah die nach seinen Bedürfnissen gestaltete Ausgabe elektronisch oder wahlweise als Braille-, Großdruck- oder Hörbuch.

RUDI als ein zukünftig zu etablierender Kundenservice bietet dem Nutzer "das Braillebuch auf Bestellung" und der Blindenbücherei technologische Verfahren, diese Bücher kostengünstig und flexibel anzubieten. Die im neuen DAISY 3.0 Standard beschriebenen Konzepte bilden die technologische Grundlage für eine Realisierung dieses ehrgeizigen Traums.

Da wir gerade bei Träumen sind: Olympia 2012 in Leipzig heißt auch Paralympics in Sachsen. Die DZB ist dabei und wird gebraucht, um den behinderten Menschen der Welt dieses Ereignis zu vermitteln.

Ich bin sehr optimistisch, dass dieses Haus die notwendigen Potentiale hat, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und bei den Politikerinnen und Politikern dieses Landes die dafür notwendige Unterstützung findet.

 

Diskussionsbericht

Im Anschluss an diesen Vortrag von Dr. Kahlisch erfolgte die Diskussion. Sie wurde eröffnet von MdL Dr. Dietmar Pellmann, sozialpolitischer Sprecher der PDS-Fraktion im Sächsischen Landtag. Seine Frage galt angesichts der vorgestellten Projekte und Aufgaben der Finanzierungsgrundlage der DZB.

Der Direktor der DZB bezog sich in seiner Antwort auf die Tatsache, dass die DZB eine 100%ige Einrichtung des Landes Sachsen ist und dass sie seiner Einschätzung nach dort auch hingehört, denn Bildung, Wissenschaft und Informationsvermittlung sind Themen, denen sich das Land stellen muss, zumal beispielsweise die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek ebenfalls eine öffentlich-rechtliche Einrichtung darstellt.

Diese Einschätzung wurde unterstrichen von Frau MR'in Folke Stimmel, Leiterin des Referates Wissenschaftliche und Öffentliche Bibliotheken im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. MR'in Stimmel wies darauf hin, dass die DZB Ende 1990 in die Trägerschaft des Freistaates Sachsen überführt worden ist und zwar ganz bewusst zum Ministerium für Wissenschaft und Kunst, wie andere Bildungs- und Kultureinrichtungen. Sie betonte, dass die DZB seitdem ein fester Bestandteil der sächsischen Bildungs- und Kulturlandschaft ist und wie alle anderen Bibliotheken auch in das Sächsische Bibliothekswesen integriert. MR'in Stimmel führte weiter aus, dass sich der Freistaat Sachsen über die ganzen Jahre zur DZB bekannt hat:

"Die Verantwortung des Freistaates Sachsen, die er für die DZB bisher wahrgenommen hat, wird auch weiterhin wahrgenommen werden. Wir gehen davon aus, dass die DZB als nachgeordnete Einrichtung des Ministeriums ebenso wie die anderen Bibliotheken in öffentlicher Trägerschaft bleiben muss. Das ist die Einstellung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, die auch dem Kabinett gegenüber vertreten wird. Wenn Kabinett oder Landtag dahingehend mitgehen, muss es auch ein Gesetz dafür geben."

Ergänzend zu den die Finanzierungs- und Statusfrage der DZB betreffenden Äußerungen betonte Dr. Alfred Preuße, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes Sachsen e.V., dass der Verband sich an den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt gewendet hat, mit der Bitte um Unterstützung bei der Klärung der Statusfrage der DZB, "da alles, was hier vorgestellt wurde, nur auf der Grundlage einer langfristigen und vernünftigen finanziellen Basis möglich ist". Diesen Standpunkt teile auch der Vorstand des DBSV. Dr. Preuße dankte dem Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, "weil es zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran gab, dass sich das Ministerium auf diese Art und Weise für die DZB engagiert".

Die Diskussion gewann internationale Dimensionen, als MdL Jutta Schmidt (CDU-Fraktion des Landtages) an Dr. Kahlisch die Frage stellte: "Wie weit sind schon Ihre Kontakte, Ihr Schauen über die Grenzen nach Tschechien und Polen, gibt es eine ähnliche Einrichtung dort schon oder geht die Initialzündung vielleicht von Ihrer Einrichtung aus, wenn 2004 Europa größer wird?" Der Direktor der DZB konnte auf bereits bestehende Kontakte nach Prag verweisen und betonte, der Hinweis auf Olympia am Ende seines einleitenden Vortrages meine genau das und hier sehe die DZB wichtige Punkte für ihre zukünftige Arbeit: in der Vermittlung von Fremdsprachenkompetenz für Blinde.

Damit war der Weg geebnet für das Thema Blindenschrift im modernen Medienzeitalter als Gegenstand der Diskussion. Prof. Dr. Siegfried Tschirner, ehemaliger Direktor der DZB, betonte: "Die Blindenschrift ist und muss auch für die Zukunft die Basis der Blindenbildung bleiben".

Dass das Gleichstellungsgesetz gerade in der Bildung Geltung finden muss, unterstrich Frau Heike Wiedemann (Blindenschule Chemnitz):

"Für uns im Bildungsbereich bedeutet Gleichstellung unter anderem, dass auch ein blindes Kind, ein sehbehindertes Kind Anspruch auf ein Schulbuch hat, das für das blinde und sehbehinderte Kind zugänglich ist – und zwar in jedem Fach, wie auch für das sehende Kind."

Die Diskussion fand in einer freundlichen Atmosphäre statt und war von der einhelligen Überzeugung geprägt, dass die DZB eine wichtige soziale und kulturelle Funktion inne hat und gerade angesichts der Herausforderungen des Medienzeitalters in der Verantwortlichkeit des Sächsischen Freistaates verbleiben muss.

Das Schlusswort hatte der Direktor der DZB, Dr. Thomas Kahlisch:

"Wir sind gefordert mit der Zeit mitzugehen, weil uns die Zeit sonst überläuft. Hier wächst Tradition mit Innovation zusammen. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die alten Erfahrungen, die wir im Bereich Blindenmedien haben, jetzt in die neue Welt bringen und wie wir sie miteinander kombinieren. Das kostet Geld, und weil es Geld kostet, tut es manchmal auch weh. Aber das ist Investition in die Zukunft."

Ein kleiner Nachtrag: Die Vertreterinnen der CDU-Landtagsfraktion, MdL Christine Clauß und MdL Jutta Schmidt, waren durch das Diskussionsforum so aktiviert und interessiert, dass sie nur einige Tage später der DZB einen gesonderten Besuch abstatteten.

 

Bericht über das Internationale Symposium in Kopenhagen "Braille im Zeitalter der Digitalisierung"

 Beate Hasdorf

 Berufsförderungswerk Halle (Saale)

 

Vom 16. bis 19. April 2002 fand im dänischen Institut für Blinde und Sehbehinderte in Hellerup/ Kopenhagen (IBPSD) in Kooperation mit der Dänischen Nationalbücherei für Blinde und dem Dänischen Blindenverband ein transnationales Braille‑Symposium statt. Hintergrund dieser Tagung waren

1.  die Verstärkung des Interesses an der Nutzung der Blindenschrift, um sicherzustellen, dass das Medium Text weiterhin in der Lage ist, Information, Wissen und Erfahrung in adäquater Weise zu fördern

2.  die Erweiterung der Bemühungen in der Blindenschrift‑Ausbildung an speziellen Einrichtungen wie auch in integrativen Schulsystemen

3.  die Ausweitung der Herstellung und Verbreitung von Blindenschrift durch Braille‑Bibliotheken und ‑Druckhäuser.

Das große Interesse an der Thematik zeigte sich bereits an der Anzahl von 76 registrierten Teilnehmern aus 16 Ländern, u.a. den USA, Großbritannien, Nigeria, Serbien. Aus Deutschland waren neben dem Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte in Halle (Saale) auch der Generalsekretär des Europäischen Blindenverbandes Norbert Müller sowie die Staatliche Schule für Sehgeschädigte in Schleswig vertreten.

Die feierliche Eröffnung des Symposiums erfolgte am Dienstagnachmittag im 1892 bis 1905 erbauten Rathaus ‑ ein beeindruckender Ziegelsteinbau im italienischen Renaissance‑Stil ‑ durch den Bürgermeister von Kopenhagen. Der Stadtrat von Kopenhagen wünschte den Tagungsteilnehmern einen vollen Erfolg und der Vizepräsident des Dänischen Blindenverbandes Kurt Nielsen begrüßte die Gäste im Namen des Organisationskomitees des Braille-Symposiums. Neben einem kleinen Büffet bestand bereits die Möglichkeit eines ersten Kennenlernens.

Nach der Eröffnung der Sitzung im IBPSD durch die Direktorin Birgt Kähler am Mittwochmorgen sprach der Generalsekretär des Europäischen Blindenverbandes Norbert Müller über globale und regionale Perspektiven der Blindenschrift. Bereits in dieser Rede wurde der zur Zeit in Deutschland ausgetragene Streit um 6‑ oder 8‑Punkt‑Braille bzw. Kurzschrift contra ungekürztes Braille (engl. uncontracted) in die Tagungsrunde gestellt ‑ dazu später mehr. Als weiterer Hauptredner sprach der Direktor des Berufsentwicklungs‑ und Forschungsinstituts für Blindheit an der Technischen Universität von Louisiana, Dr. phil. Frederic K. Schroeder, über die Nutzung von Braille in den Vereinigten Staaten, und zeigte anhand seines eigenen Entwicklungsweges sehr klar die Beherrschung von Braille als Voraussetzung für die unbegrenzte Erlangung von Bildung für blinde Menschen auf. Bis zu seiner völligen Erblindung im Alter von 16 Jahren bewältigte er seine Unterrichtsvorbereitung nur mittels Schwarzschrift und optischer Hilfstechnik, was ihm aufgrund des bereits zu geringen Sehrestes zu anstrengend und praktisch nicht mehr möglich war. Erst nach seiner völligen Erblindung erlernte er die Blindenschrift und erhielt damit erstmals den uneingeschränkten Zugang zu Wissen, Bildung und Ausbildung. Zwischen den einzelnen Beiträge sorgte der blinden Musiker Willy Egmose mit Stücken von Edvard Grieg, Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart am Klavier für die angenehme Entspannung.

Am Mittwochnachmittag stellten im World Wide Report Teilnehmer aus Jugoslawien, Norwegen, Nigeria, Schweden sowie Großbritannien die gegenwärtige Situation der Blindenschrift‑Nutzung, ‑Ausbildung und ‑Literatur in ausgewählten Ländern und Regionen dar. Den Abschluss bildete eine Führung durch das Institut.

Am Donnerstag wurde die Session zur Blindenschrift in der Schul‑ und Ausbildung -  Lernbarrieren und Herausforderungen im Erlernen und der Anwendung von Braille ‑ von Kevin Carey, Direktor der HumanITY (http://www.humanity.org.uk/) aus England eröffnet. Mit einem äußerst interessanten Beitrag zu statistischen Untersuchungen mit sehbehinderten High School Studenten zum Zusammenhang zwischen dem Lesemedium (Schwarzschrift, Braille, nur Sprache) und den Bildungsmöglichkeiten und ‑fähigkeiten sowie den erreichten Abschlüssen und Stand im Berufsleben schloss sich Dr. phil. Ruby Ryles von der Technischen Universität von Louisiana an. Im Anschluss erarbeiten die Teilnehmer in verschiedenen Workshops die Themen

- Lernbarrieren und Herausforderungen

- die frühen Kindheitsjahre

- Studenten und Erwachsene

- Braille und Musik

- Internet und literarische Bildung.

Ich als Vertreterin einer Einrichtung zur (Zweit‑)Berufsausbildung blinder und sehbehinderter Erwachsener wählte den Kurs Studenten und Erwachsene. Das Schwedische Spezialpädagogische Institut für Blinde/Sehbehinderte stellte eine interaktive CD zum Erlernen der Blindenschrift in ungekürzter Form als auch als Kurzschrift vor. Gedacht ist diese unter Windows lauffähige CD vorrangig für Integrationslehrer, Eltern, Familie und Freunde blinder Menschen. Diskutiert wurde der Einsatz spezieller Mathematikschriften für Blinde. Eine wichtige Problematik war auch die Motivierung Sehbehinderter, Braille im täglichen Gebrauch stärker, einhergehend mit einer Verbesserung der Lesegeschwindigkeit anstelle einer stark vergrößerten Schwarzschrift zu nutzen. Die Ergebnisse der Workshops wurden anschließend präsentiert.

Nach einem Beitrag von Pia Lundberg von der Universität von Kopenhagen über verschiedene Methoden des Unterrichtens von Braille schloss sich der kulturelle Teil des Tages an. Bei einer Kanal‑Bootsfahrt mit Stadtführer im alten Teil von Kopenhagen im Regen und Nebel konnten wir die Schönheit der Hauptstadt Dänemarks erahnen. Beim anschließenden vom dänischen Blindenverband gebotenen Diner im berühmten Restaurant Langelinie-pavillionen wurden viele weitere Kontakte geknüpft.

Am Freitag wurden wir in der dänischen Nationalbibliothek für Blinde (DBB) von der Direktorin Elsebeth Tank herzlich begrüßt und über die Entwicklung der Einrichtung informiert. Interessant ist das derzeitig über zwei Jahre laufende Projekt der Digitalisierung aller Bestände. In Dänemark stehen dem blinden Nutzer nach Registrierung mit Kennwort bereits jetzt über das Internet über 500 Titel (von insgesamt über 11 Tausend) als html‑Datei als auch in der Textausgabe kostenlos zur Verfügung. Das aus Deutschland bekannte Copyright‑Problem ist gesetzlich in Dänemark für Blinde nicht geltend. Sehr interessant war für uns die aufwändige Herstellung von Braille Musik in der aus nur drei Personen bestehenden Abteilung der DBB.

Der Freitagnachmittag im IBPSD diente der abschließenden Diskussion und Erstellung sowie Verabschiedung einer internationalen Resolution als Ergebnis des Symposiums. Wie bereits an den vorangegangenen Tagen fand eine starke Diskussion über Kurzschrift bzw. ungekürztes Braille statt. Norwegen und Finnland sind inzwischen fast völlig von der Kurzschrift abgekommen. Einige Begründungen lauten: die Lesegeschwindigkeit hängt im Wesentlichen davon ab, wie man gewohnt ist zu lesen, das längere Überlegen entfällt und die Blindenschrift ist leichter erlernbar z.B. für Menschen mit Mehrfachbehinderungen. Im Gegensatz dazu wird in den USA, in England und auch in Dänemark voll auf die Kurzschrift gesetzt. Ohne Frage wird jemand, der Englisch als Fremdsprache spricht, nicht unbedingt die Englisch‑Kurzschrift beherrschen. Unbestritten wird auch ein guter Braille‑Leser in Kurzschrift schneller lesen und auch schreiben. Und ebenfalls ist auf dem Papier 6‑Punkt-Braille sicher besser ertastbar als 8‑Punkt‑Braille. Der blinde Leser sollte jedoch die eigene, persönliche Wahl haben zwischen ungekürztem Braille, Kurzschrift auf Papier, Scanner, Sprache, Braillezeile, Schwarzschrift mit oder ohne Vergrößerung. Die Wahl hat er nur dann, wenn er auch die Kurzschrift gelernt hat und im Umgang mit ihr entsprechend geübt ist.

Die Resolution wie auch weitere Beiträge und Ergebnisse der Konferenz sind auf der Website http://www.ibos.dk/braille verfügbar.

 

Wie war das damals?

 

Wie die Blindenschrift nach Deutschland kam (Teil 1)

 Dr. Werner Uhlig

 

Es ist im Wesen des Menschen begründet, dass er danach strebt, von den anderen als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft anerkannt zu werden, "für voll genommen zu werden", wie man so landläufig sagt. Das setzt aber einen unablässigen Prozess von Erfahrungs- und Wissenserwerb voraus. In unserem Kulturkreis gehört zu den wichtigsten Werkzeugen dabei - spätestens von der ersten Schulklasse an - das Buch. Bis vor noch nicht einmal 200 Jahren galten Blinde, von Ausnahmen abgesehen, als bildungsunfähig, weil sie nicht lesen und schreiben konnten. Das änderte sich erst mit der Erfindung der Punktschrift durch Louis Braille. Es hat sich erwiesen; wer als Schulkind die Brailleschrift lernt, der kann bei entsprechender Übung als Erwachsener mit Sprechgeschwindigkeit lesen. Dessen ungeachtet hat es lange gedauert, bis die Blindenschrift an den Blindenschulen eingeführt worden ist.

Merkwürdig ist es schon - Meinungsstreit um die Blindenschrift in verschiedenen Facetten ist so alt wie die Blindenschrift selbst. Und wer hat sich um die Schrift gestritten bzw. streitet noch? Die Blindenlehrer mit den Blinden und die Blindenlehrer untereinander.

Der 16-jährige Louis Braille hatte 1825 am Pariser Blindeninstitut seine auf 6 Punkten beruhende Blindenschrift vorgelegt. Zwar waren seine blinden Schulkameraden von diesem Schriftsystem begeistert, die französischen Blindenlehrer aber keineswegs. Für sie bedeutete die Punktschrift eine Art Geheimschrift, und sie verspürten durchaus keine Lust, diese Punktschrift lernen zu müssen. Entscheidungen über Unterrichtsgestaltung, Lehrbücher usw. an den Schulen, auch an den Blindenschulen, treffen selbstverständlich die Lehrer und ihre Vertretungsorgane. Welche Entscheidung ist über die Punktschrift getroffen worden? Sie wurde ignoriert - jahrzehntelang. Tatsachen sind aber ein hartnäckig' Ding, und Tatsache war auch und ist, dass Blinde die Punktschrift unvergleichlich besser lesen können als die Reliefschrift mit den sogenannten Antiquabuchstaben, die fühlbar gemachte Schrift der Sehenden. Darum ließ sich die Brailleschrift schließlich doch nicht mehr aufhalten. Braille starb 1852, das Erscheinen des ersten in Brailleschrift gedruckten Buches hat er nicht mehr erlebt. Um 1860 gab es endlich in Frankreich gedruckte Brailleschriftbücher. In Frankreich setzte sich die Punktschrift im Schulunterricht zuerst durch. In Deutschland hingegen beharrten die Blindenlehrer trotz unverändert schlechter Leseleistungen ihrer Schüler, die kaum über mühsames Buchstabieren hinaus kommen konnten, auf den Reliefdarstellungen der Normalschrift. Die Beibehaltung des unbefriedigenden Zustandes in den Elementarfächern Schreiben und Lesen drängte schließlich einige Blindenlehrer, nach Alternativen zu suchen. Zwei Richtungen bildeten sich dabei heraus. Verfechter der einen Variante meinten, man müsse überlegen, "ob der Unterricht im Schreiben und Lesen am zweckmäßigsten lieber nicht vollständig aus der Blindenschule zu entfernen sei". Das ist allen Ernstes nachzulesen im "Organ für die deutschen Taubstummen- und Blindenanstalten", Jahrgang 1872 (dieses Organ war die Vorläuferzeitschrift vom "Blindenfreund", der erst ab 1881 erschien. Von mir ist das angeführte Zitat entnommen aus "Der Blindenfreund"; Nr. 5 / 1926, S. 105).

Es ist kaum zu fassen - da hat es also wirklich Lehrer gegeben, die wegen der Schwierigkeit mit der Schrift, den Blinden das Schreiben und Lesen "ersparen" wollten. Zum Glück gab es aber auch andere, und diese anderen Blindenlehrer konnten sich 1879 - wiederum nach manchem Streit um die Schrift - durchsetzen. Sie haben es verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten. Wenden wir uns also dieser zweiten Richtung unter den Blindenlehrern zu. Ludwig von St. Marie Eglise, der Direktor der Leipziger Blindenschule, war ungeachtet des Widerstandes vieler seiner Kollegen überzeugt davon, dass die Punktschrift in die Blindenschule gehört. St. Marie stammte aus einer alten Adelsfamilie, die ursprünglich in der Normandie ihren Sitz gehabt hat. Zweifellos wusste er, was sich an den Blindenschulen Frankreichs tat, und wir können ihm getrost zugute halten, dass er auch selbst ausprobiert hat, welche Schrift blinde Schüler besser lesen können. Er arbeitete auf der Grundlage der Brailleschen 6 Punkte ein deutsches Blindenschriftalphabet aus und propagierte es im "Organ für die deutschen Taubstummen- und Blindenanstalten", Jahrgang 1869 (vgl. "Der Blindenfreund, a. a. O.).

St. Marie hatte also zwar die Grundform mit den 6 Punkten von Braille übernommen, nicht aber dessen Alphabet. Brailles Alphabet ist auf die französische Sprache ausgerichtet. St. Marie wollte ein deutsches Punktschriftalphabet, und er konnte einige andere sächsische Blindenpädagogen von seinen nationalen Bestrebungen überzeugen. Um die Herangehensweise am Beispiel zu zeigen: im Französischen ist der häufigste Buchstabe das "A". Braille gab diesem Buchstaben darum den Punkt 1, links oben in der Grundform der 6 Punkte. In der deutschen Sprache ist der häufigste Buchstabe das "E". St. Marie gab dem "E" den Punkt 1. Nach diesem Häufigkeitsprinzip verfuhr er auch bei den anderen Buchstaben.

Somit war St. Marie zu den Vorkämpfern der 6-Punkte-Grundform unter den deutschen Blindenlehrern geworden, und es gelang ihm, an der Königlich-Sächsischen Blindenanstalt in Dresden einflussreiche Verbündete für seine Punktschrift zu gewinnen. In Wien fand im Jahre 1873 der erste deutsche Blindenlehrerkongress statt. St. Marie nutzte dieses Forum, um unter den Blindenlehrern Österreichs, Deutschlands, der deutschsprachigen Schweiz und Dänemarks die Debatte über die Einführung der Punktschrift an den Blindenschulen in Gang zu bringen. Er trat dort mit dem Vortrag auf "Über die Einführung einer gemeinschaftlichen Blindenschrift". Und damit die Sache nicht im Sande verlief, stellte er den Antrag, einen Ausschuss zu bilden, der das Schriftproblem gründlich prüfen und seine Arbeitsergebnisse auf dem nächsten deutschen Blindenlehrerkongress in Dresden zur Entscheidung vorlegen sollte. Der Antrag fand Zustimmung. Eine aus fünf erfahrenen Pädagogen bestehende Arbeitsgruppe wurde gebildet. Ihr gehörten an: St. Marie (Leipzig), Pablasek (Wien), Moldenhawer (Kopenhagen), Riemer (Dresden) und Büttner (Dresden). Die drei Sachsen waren sich einig. Sie wollten die Grundform mit den 6 Punkten und das Alphabet nach dem System von St. Marie. Pablasek und Moldenhawer wollten auch die Grundform mit den 6 Punkten, aber nicht das System von St. Marie, sondern das Alphabet von Lous Braille. Ihr Argument: Wenn an den Blindenschulen zur Punktschrift übergegangen wird, dann soll es eine international einheitliche Punktschrift sein wie ja die lateinischen Buchstaben für die Sehenden auch international einheitlich sind. Weil die Sachsen nicht bereit waren, von ihrer Position abzurücken, aber die Mehrheit im Ausschuss bildeten, kam bis zum Dresdner Blindenlehrerkongress 1876 kein gemeinsamer Vorschlag zustande. Im Gegenteil, der Streit spitzte sich zu und der Ausschuss brach während der Kongressdebatte auseinander. Immerhin war ein Teilerfolg erreicht. Es gab nämlich jetzt Einigkeit darüber, dass es auf jeden Fall die 6 Punkte von Braille sein sollten. Brandstaeter (Königsberg) brachte nach den leidenschaftlichen Auseinandersetzungen um die Schrift den Stand der Dinge nach dem Dresdner Blindenlehrerkongress in seinem Bericht im "Organ der deutschen Taubstummen- und Blindenanstalten", Jahrgang 1876, auf den Punkt mit der Überschrift "Braille oder von St. Marie".

Den Standpunkt der sächsischen Blindenlehrer hat Riemer noch einmal mit seinem Artikel "Zur Frage der deutschen Punktschrift" im "Organ der deutschen Taubstummen- und Blindenanstalten", Jahrgang 1877 verfochten.

 

Die Kramkiste

 Im Bestand der Bibliothek gekramt

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

 

Bruno Frank: "Trenck"

 Susanne Siems (Punktschriftbibliothek)

 

Nicht immer macht es die Masse! Eine Binsenweisheit, sagen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Sicher, aber nichts erscheint mir so banal, dass man es sich nicht von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen sollte. Neulich stand ich vor meinem Bücherschrank, suchte, ein wenig ziellos, ein wenig neugierig. Ab und zu mag ich das gern, es ist wie der Beginn einer Reise, von der man noch nicht genau weiß, ob man sehr bald bedauert, sie unternommen zu haben oder ob sie vielleicht sogar ausufert zu einem spannenden Abenteuer. Ein dünnes Bändchen fiel mir dieses Mal beim Stöbern in die Hände, eher unscheinbar, aber angesichts der dicken Wälzer heutzutage auch verführerisch überschaubar. Wie man sich täuschen kann! Es gibt eine Zeit zum Lesen eines Buches und eine Zeit zum Erleben. Das Erste war mit 220 Seiten schnell erledigt, das Zweite dauert noch an.

Aber nun genug der mehr oder weniger klugen Gedanken. Sie möchten doch sicher endlich wissen - worum geht’s, wer hat’s getan und warum.

Fangen wir heute einmal bei dem Schriftsteller an, weil der mir, ich muss es gestehen, nichts sagte, aber offensichtlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Bruno Frank lebte von 1887 bis 1945. Er wurde als Sohn eines Bankiers in Stuttgart geboren, studierte Jura und Philosophie und hat zahlreiche Theaterstücke und Romane veröffentlicht. Er war nie ein lauter, streitbarer Antifaschist, er sah sich selbst als heiteren Menschenfreund, der aber politische Weitsicht besaß. Doch seine Haltung zum Nationalsozialismus war klar und eindeutig - er emigrierte einen Tag nach dem Reichstagsbrand. Zu seinen engsten Freunden zählten Lion Feuchtwanger und Klaus Mann. Thomas Mann hielt 1945 in den USA die Totenrede für ihn.

Der Roman "Trenck" entstand 1926. Erzählt wird die Lebensgeschichte des preußischen Adligen Friedrich Freiherr von der Trenck. Der Leser wird also in die Zeit Friedrichs II., bekannter als Friedrich der Große, entführt. Man schreibt das Jahr 1744. Der zweite Schlesische Krieg steht kurz bevor. Der junge Friedrich von der Trenck wird vom preußischen König zum Generaladjutanten ernannt. Das herzliche, freundschaftliche Verhältnis zwischen Friedrich II. und seinem Offizier wird aber getrübt, als sich Trenck in Prinzessin Amalie verliebt. Bald werden Trenck auch verräterische Kontakte zu seinem Vetter Franz nachgesagt. Dieser begeht als Pandurenfürst unter österreichischer Flagge zahlreiche Gräueltaten. 1745 wird unser preußischer Trenck dann erstmalig inhaftiert, in der Festung Glatz, nahe der böhmischen Grenze. Seine Geliebte Amalie wird als Äbtissin nach Quedlinburg verbannt. Es folgen Flucht, rastlose Wanderjahre, wieder lebensbedrohende Kerkerjahre und schließlich die Begnadigung. Nach Preußen kehrt er nach dem Tode Friedrichs zurück. Für eine Beziehung mit Amalie hat das Leben aber keine Chance gelassen. Sein Leben endet im denkwürdigen Jahr 1794 in Paris, nicht friedlich, wie sich der Leser sicher denken kann. All dies kann man so oder so ähnlich auch in vielen Lexika nachlesen. Warum also noch ein Roman? Es geht um den Zeitgeist, um das Lebendige an Geschichte. Bruno Frank weiß sehr eindringlich Personen und Orte zu beschreiben, Sanssouci, Berlin im 18. Jahrhundert. Die Zerrissenheit der Persönlichkeit Friedrichs des Großen, besonders beieindruckend hier die Darstellung seiner Rückkehr nach Beendigung des zweiten Schlesischen Krieges. So, wie Frank schreibt, kann man Geschichte vermitteln, sie wieder lebendig werden lassen. Vielleicht ist es auch nicht der Zeitgeist des 18. Jahrhunderts, der uns aus den Zeilen entgegen leuchtet. Was wissen wir nach über zweihundert Jahren noch darüber? Vielleicht ist es der Zeitgeist Feuchtwangers oder der Brüder Mann, oder vielleicht von allem ein bisschen? Vielleicht können Sie, liebe Leserinnen und Leser, es nach der Lektüre verraten?

Im Internet fand ich den Hinweis, dass das ZDF einen Zweiteiler zum Leben "Trencks" plant - spannend und emotional. Ich fürchte, es wird wieder einmal mehr ein Rührstück mit historischem Beiwerk geben. Darum meine Empfehlung, lesen Sie vorher oder stattdessen den Roman von Bruno Frank.

 5 Bde., rkh., BNA 6680

 

Erich Maria Remarque: "Die Nacht von Lissabon"

 Jörg Klemm (Hörbücherei)

 

Portugal 1942  - letzter Fluchtpunkt im von den Nazis besetzen Europa. Im Hafen von Lissabon starrt ein Mann auf ein Schiff, das für ihn die Rettung sein könnte - doch er besitzt weder Geld noch Visa. Da bietet ihm ein Unbekannter zwei Schiffspassagen an, unter einer einzigen Bedingung : Er will ihm in dieser Nacht die Geschichte seines Lebens erzählen. Der Mann willigt ein.

Josef Schwarz ist nicht der richtige Name des Unbekannten, sondern der von einem gefälschten Ausweis, den ihm der richtige Josef Schwarz vererbte, als er in Paris starb. Dieser Ausweis jedenfalls brachte ihn auf die Idee, seine geliebte Frau Helen in Deutschland zu besuchen. Helen entschließt sich, mit ihrem Mann wegzugehen. Sie wollen von der Küste Portugals aus Amerika erreichen. Für die beiden beginnt nun eine Zeit der Flucht, geprägt von Angst, Gewalt, aber auch von Liebe. Auf Umwegen schaffen sie es schließlich bis Portugal. Hier geht es Helen gesundheitlich schlecht - sie hat Krebs, möchte dies aber vor ihrem Mann verheimlichen. Kurz bevor das Schiff nach Amerika auslaufen wird, bringt sich Helen um. Ihr Mann verliert daraufhin jeglichen Lebenswillen. Das Schiff, bislang seine einzige Hoffnung, bedeutet ihm nichts mehr. Er will nun in die Fremdenlegion gehen, da ihm eine Zukunft in Amerika ohne Helen unvorstellbar scheint.

Remarque erzählt dieses Emigrantenschicksal, das zugleich die Geschichte einer großen Liebe ist, sehr fesselnd. Man fühlt sich hautnah dabei. Mich hat dieser Roman sehr bewegt und einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Spr.: Klaus Zippel, 7 Kass. BN 4465.

Ebenfalls in Blindenschrift ausleihbar: 5 Bde. rkh., BNA 6028

 

Immer wieder Frühling für die Literatur

Dr. Jürgen Trinkus

 

Im schönen Nordwestmecklenburg gibt es nichts Vergleichbares, doch dauert es schon seine Zeit, bis ein kleines Literaturfestival, das alljährlich gestandene Autoren und Gäste aus ganz Deutschland an die Ostsee lockt, auch in der Region gebührend zur Kenntnis genommen wird. Zumal wenn der Veranstalter aus einer Ecke dieser Gesellschaft kommt, wo sich die interessierte Öffentlichkeit zunächst doch erst mal irritiert fragt: Blinde und Literatur? Das soll zusammen­passen?

Doch viermalig guter Tropfen höhlt schon den Stein. Die regionalen Medien berichten an her­vorragender Stelle. Verlage der Region sind interessiert sich zu präsentieren. Für die engagierte Buchhandlung, mit der die Veranstalter kooperieren, ergeben sich nicht allein interessante Be­gegnungen mit Literaten sondern auch ein gutes Geschäft. Und schließlich haben sich feste Part­nerschaften mit Geldgebern entwickelt, die künftig ein preisgünstigeres Angebot bei gleichblei­bend erlesener Qualität erlauben.

Es gibt Zuschüsse im Rahmen des Norddeutschen Bücherfrühlings. Die Abschlussveranstaltung wird - einem guten Brauch folgend – von den "Ostseeperlen Boltenhagen" gemeinsam mit der Bäderbibliothek der Gemeinde getragen. Und was wohl am meisten ins Gewicht fällt - die Fried­rich-Ebert-Stiftung drückt ihre Wertschätzung dadurch aus, dass sie vom Bezuschusser zum Mitveranstalter avanciert. Die Konsequenz daraus wird sein, dass die Kosten für die Teilnehmer des V. Boltenhagener Bücherfrühlings auf das Niveau der Seminargebühren der Ebert-Stiftung sinken, und gleichzeitig die Nachfrage steigen wird, weil die Veranstaltung im "Aura-Hotel Haus Seeschlösschen" nunmehr auch im Veranstaltungsprogramm der bundesweit agierenden Ebert-Stiftung bekannt gegeben wird. Daher sollten sich Interessenten rechtzeitig für eine Teil­nahme vormerken lassen. Termin für den V. Boltenhagener Bücherfrühling sind die Tage zwischen dem 9. und 12. April 2003.

Seit 2002 steht der Boltenhagener Bücherfrühling jeweils unter einem Themenschwerpunkt. In diesem Jahr lautete dieser "Alles, was Recht ist". Entlehnt war der Titel einer bekannten Ratge­berreihe im DDR-Fernsehen, deren Protagonist Friedrich Wolff in Boltenhagen aus seinem Bi­lanzbuch "Verlorene Prozesse 1953-1998" las. Die DZB hat dieses umfangreiche Werk zu den politischen Strafprozessen von Janka über Guillaume bis Honecker und Modrow rechtzeitig zum Bücherfrühling als Hörbuch vorgelegt.

Auch Rolf Henrich kann in Leipzig ausgeliehen werden. Sein Buch "Der vormundschaftliche Staat" liegt in Punktschrift vor. In Boltenhagen las Henrich aus seinem Roman "Die Schlinge". Er ist ein guter Vorleser seiner Werke und findet den Gedanken reizvoll, als Autor für eine Blin­denhörbücherei zu lesen.

Von Wolfgang Schreyer, der in Boltenhagen seinen Memoirenband "Der zweite Mann" vor­stellte, sind in der DZB 14 verschiedene Hörbücher ausleihbar. Mit Büchern wie "Das grüne Ungeheuer" brachte es Schreyer auf eine Gesamtauflage von mehr als 6 Millionen verkauften Büchern.

Zahlreich sind auch die Veröffentlichungen von Horst Bosetzky, alias "–ky". Der Westberliner Soziologe gilt als Begründer des deutschen Soziokrimis. Sein Kommissar Wallander heißt Mannhart. An zwei seiner Bücher, die schon zu DDR-Zeiten in Leipzig verfügbar waren, kann man die deutsche Zweistaatlichkeit nachvollziehen, erschienen sie doch parallel in Reinbek und Ostberlin.

Bei den Eulenspiegel-Autoren, die alle Jahre den Abschluss des Boltenhagener Literaturfestivals gestalten, war die Reihe diesmal an Jochen Petersdorf. Es ist Brauch geworden, dass jeder dieser Satiriker seinen Nachfolger vorschlägt und im Sinne seines Kommens beeinflusst. Auch fürs nächste Jahr ist daher schon gut vorgesorgt, doch dazu an anderer Stelle mehr.

Themenschwerpunkt des V. Boltenhagener Bücherfrühlings wird die Arbeit der Übersetzer, die­ser stillen Helden des Literaturbetriebs sein. Mit Hilfe des stetig wachsenden Beziehungsge­flechts wird es auch diesmal möglich sein, hochkarätige Akteure zu verpflichten. Klaus Düsterhöft und Jürgen Trinkus, die Regisseure und Moderatoren des Ganzen, arbeiten schon jetzt daran, und es sieht gut aus. Und natürlich gibt es auch wieder Verlagsporträts und die Vor­stellung einer Blindenbücherei.

Aktuellste und umfassendste Informationen im Internet unter http://www.klangkontext.de/boltenhagen/buecherfrl.html

Reservierungen nimmt entgegen das

"Aura-Hotel Haus Seeschlösschen"

Tel. 038825 3700, Fax: 038825 37043

E-Mail: ostseeperlen@t-online.de

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

 

Wir setzen heute fort mit Position

Nr. 39:

Graham Greene: Die Kraft und die Herrlichkeit (1940)

 

Nr. 40:

Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt (1940)

Erhältlich als Hörbuch (Spr. Hans-Joachim Hegewald, 14 Kass., 3116) und in Punktschrift (7 Bde., SchG, rkzp., 78,74 €, BN 3117, BNA 4566).

 

Der amerikanische Erzähler Ernest (Miller) Hemingway wurde am 21. 7. 1899 in Oak Park, IIIinois geboren und schied am 2. 7. 1961 in Ketchum, Idaho freiwillig aus dem Leben.

Der Sohn eines Landarztes lehnte sich früh gegen die Schulroutine und sein konventionelles Elternhaus auf; schon 1917 war er Reporter, meldete sich 1918  als Sanitätsfreiwilliger an die italienische Front, wo er verwundet und ausgezeichnet wurde.  Nach dem I. Weltkrieg war Hemingway als Journalist im Nahen Osten unterwegs, 1921-27 in Europa, besonders in Paris. Es folgte die Niederlassung auf Kuba, 1936/37 die Tätigkeit als Korrespondent in Spanien auf republikanischer Seite. Hemingway war in China und 1944/45 bei der Invasion Frankreichs dabei. Sein Suchen nach gefährlichem Leben - im Krieg, bei Jagd und Angeln, im Stierkampf und Boxsport - ist legendenumwoben. Es versagt aber zuletzt bei dem Alternden als Quelle schöpferischer Inspiration und führt zum Selbstmord.

Hemingways literarisches Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet: 1953 Pulitzerpreis für "The Old Man and The Sea"; 1954 Nobelpreis.

Der Einfluss von Anderson, Pound und Stein, ferner von Tolstoj und Twain wirkt sich aus in Skizzen, Kurzgeschichten und einem neuen, originalen Stil, charakterisiert durch kargen, scheinbar banalen, in Wahrheit doppelbödigen Dialog, geradezu peinliches Vermeiden von Gefühlsausdruck, der durch nüchterne Darstellung der "facts" ersetzt wird, und eine realistische Oberfläche, die aber auf Hintergründiges verweist.

Hemingways Helden handeln nach einem selbstauferlegten, verpflichtenden "code" in einer sinnleeren Welt; in der zeremoniellen Ordnung von Sport, Stierkampf, Jagd, Angeln, Trunk erhalten physische Aktivität, Trieb und Robustheit, Mut und "violence" Sinn als Formen der Selbstbehauptung gegen den Tod, gegen den ein Maximum an Lebensintensität aufgeboten wird; erst in der immer wieder gesuchten, schließlich endgültigen Begegnung und Konfrontation mit dem Tod erlangt das Dasein Würde und Wert.

 

Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls): Roman von Ernest HEMINGWAY. Entstanden 1938 ff.; Erstausgabe New York 1940.

Der Titel stammt aus den Meditations von John Donne (1572-1631), der hier auf die Leidensgemeinschaft aller Menschen und darauf deutet, dass auch der Tod eines Unbekannten uns persönlich angeht. Hemingway übernimmt diese thematische Note und  schildert das Schicksal des amerikanischen College-Instructors Robert Jordan in einer auf Tage zusammengedrängten Ereignisfolge im spanischen Bürgerkrieg als exemplarisch für Bewährung und Sterben eines tapferen Durchschnittsmenschen. Jordan, nicht Kommunist, aber Antifaschist, sprengt eine Brücke hinter den Linien Francos und findet dabei den Tod, den er am Ende des Buches auf dem Waldboden liegend in der gleichen Haltung erwartet, in der wir ihm im ersten Satz der Erzählung begegneten: der Kreis ist geschlossen. Geschlossen wirken auch Handlung und Stil des Romans, in dem Jordan in Maria erotische Erfüllung im Angesicht des Todes findet und in der Höhle der Guerillas Figuren begegnet, deren Schilderung an Gestalten Goyas erinnert. Die Sprengung der Brücke ist mehr als nur eine taktische Episode: Zeichen männlicher Bewährung im Kriege, Symbol für den Lebenswillen freier Menschen im Kampf gegen die Diktatur. Die Stärke des Romans liegt jedoch nicht in den gelegentlich verwaschenen und widersprüchlichen politischen Philosophemen, sondern in der spannend erzählten Handlung und den überzeugenden Konturen einzelner Gestalten. Pilar, Hüterin der Höhle und des Feuers, eingeweiht in Jordans Schicksal, verkörpert chthonische Mächte; El Sordo stirbt auf seinem Hügel wie ein Held aus einer Saga; Pablo, der lieber mit den Pferden als mit den Menschen redet, tritt in Pilars Erzählung von der Hinrichtung der Faschisten als Leitfigur eines mittelalterlichen Totentanzes auf. In der Liebe Jordans und Marias mischen sich Eros und Thanatos; Liebe und Tod sind identisch.

Der Roman - welthaltiger und farbiger als andere Werke Hemingways - bleibt in der Interpretation des Helden in den Grenzen der bekannten Normen, nach denen Hemingways Männer auch den Augenblick des Todes in trotzig-resignierter Treue zu sich selbst bestehen. [Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 24045. (c) Alfred Kröner Verlag]

 

LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

 

Reclams Opernführer auf CD-ROM auch durch Blinde nutzbar?

 Ulrich Jander

 

So mancher Musikfreund besucht sicher sehr gern auch einmal eine Oper. Wenn man sich im Vorfeld vorbereiten und zum aufzuführenden Stück etwas nachschlagen kann, so ist das eine schöne Sache.

Neben einem Konzertbuch (acht Bände) hält die DZB ein Opernbuch als Nachschlagewerk in Punktschrift bereit, sieben Bände, alte Kurzschrift, es heißt "Reclams-Opernführer" (Stuttgart 1958, Best.-Nr. 1 in der Musikalienausleihe). Es gibt jedoch im Handel auch einen Opernführer von Reclam auf CD-ROM, welcher für blinde Computernutzer interessant sein könnte. Denn die CD-Scheibe nimmt kaum Platz weg.

Herr Fritz Hübsch aus Chemnitz nutzt diese CD-ROM und hat einen Bericht darüber verfasst, den ich nachfolgend auszugsweise veröffentlichen möchte. Herr Hübsch ist Windows-Anwender mit Hilfe einer Braillezeile und Sprachausgabe:

 

Wie nutze ich blindengerecht diesen

Opernführer? 

(Hinweis: Konkrete Angaben zu den einzelnen Kapiteln und zur Bedienung enthält der Abschnitt "Technische Hinweise zum Opernführer" aus dem Begleitheft, der meinem Bericht folgt. )

Mit SWB und Kombibraillezeile von Tieman waren die erreichten Ergebnisse unbefriedigend. Mit HAL und Braillezeile Voyager 70 von Tieman dagegen kann ich den Opernführer so gut wie voll nutzen. Hauptsächlich blättere ich in den Kapiteln Opern, Komponisten und Personen. Geschulte Experten werden bestimmt noch weitere Möglichkeiten herausfinden können. 

 

Wie gehe ich vor?

- Im Desktop mit Cursor auf "Oper" und ENTER. Es erklingt die Einleitung (Stimmen des Orchesters und Händeklatschen des Dirigenten.) Dann finde ich auf der Braillezeile folgende Kapitel: Geschichte der Oper; Komponisten; Opern; Personen; Wörterbuch; Spielstätten; Arien; Rollen; Recherchen zum letzten Eintrag; A bis Z.

- Zum Aufrufen des gewünschten Kapitels klicke ich mit Cursorrouting auf dessen Anfangsbuchstaben und gelange in das alphabetische Verzeichnis. Dann rufe ich entweder den ersten Eintrag, falls ich diesen haben möchte, mit ENTER auf, oder klicke einmal mit Cursorrouting, gebe das Suchwort ein und drücke ENTER. Von da aus neuen Eintrag auswählen, wiederum mit Klick Cursorrouting, Eingabe des Suchwortes und ENTER.

 

Noch nicht klar ist mir, wie ich aus dem jeweiligen Ordner herauskomme, ohne auf Desktop gehen zu müssen. Manchmal gelange ich nach mehrmaligem Klick wieder in die Grundeinstellung und rufe mit Cursorrouting ein weiteres Kapitel auf. Das ist jedoch nicht zuverlässig. Der Schnelligkeit wegen gehe ich mit F12 und ESCAPE zum Desktop und von dort erneut zur Grundeinstellung. 

Innerhalb eines Beitrages mit BILD AB und BILD AUF blättern. Bei fortlaufendem Lesen immer BILD AB, wenn Bildschirm-Ende mit Ansage der Grundeinstellung angezeigt wird. 

Ein Beispiel zu Kapitel Opern: Nach Klick mit Cursorrouting auf den ersten Buchstaben von Opern bin ich im Verzeichnis. Wenn der erste Eintrag gestartet werden soll, ENTER. Soll es ein anderer Eintrag sein, Cursorrouting drücken, Suchwort eingeben und ENTER, usw.

 

Diese technischen Hinweise aus dem Begleitheft können aus Platzgründen hier leider nicht abgedruckt werden. Der Text liegt mir hier jedoch als Datei vor und kann bei mir in der DZB, wie unten stehend genannt, angefordert werden.

Unbedingt sollte noch etwas zu den technischen Voraussetzungen am PC gesagt werden. Der blinde Computernutzer kommt nur dann mit dem Opernführer zurecht, wenn er sowohl über Braillezeile und Sprachausgabe verfügt. Das Betätigen des Cursorroutings ist nur über die Braillezeile möglich, so dass ohne Routing an vielen Stellen im Opernführer keine Funktion ausgelöst werden kann.

Bisherige Erfahrungen besagen, dass die Installation der CD-ROM generell ohne Bildschirmausleseprogramm (Screenreader), z.B. HAL, JAWS, durchgeführt werden sollte. Entweder ist hier sehende Hilfe nötig oder bei geübten Windowsanwendern wäre über AUSFÜHREN eine sogenannte blinde Installation möglich.

Hier gehört unbedingt Erfahrung im Umgang mit Windowsprogrammen dazu.

Reclams Opernführer hat Herr Fritz Hübsch mit den Screenreadern SWB und HAL mit unterschiedlichem Erfolg ausprobiert. Nach Aussagen eines anderen blinden Anwenders kann der Opernführer auch mit Hilfe von JAWS genutzt werden, ebenfalls, wie bei HAL, mit Sprachausgabe und Braillezeile.

In jedem Fall ist zu empfehlen, bevor Sie sich zum Kauf von Reclams Opernführer entschließen, dass Sie über Ihren Anbieter der Computerhilfsmittel oder über eine spezielle Mailingliste abklären, ob in Ihrem konkreten Fall dieser Opernführer durch Sie einsetzbar ist. Denn jede PC-Konfiguration kann anders sein, und nicht jedes Bildschirmausleseprogramm kann in seinem Zusammenspiel mit dem Opernführer eingeschätzt werden.

Der Opernführer ist im Buchhandel unter dem Titel "Reclams elektronisches Opernlexikon", Ausgabe 2001, erhältlich und kostet ca. 29,90 €.

Herrn Fritz Hübsch danke ich sehr herzlich für die Zuarbeit zu diesem Beitrag.

 

Verkehrsverbünde in Deutschland

Im Heft 3/2002 der DZB-Nachrichten schrieb ich zur Möglichkeit, eine Übersicht über Verkehrsverbünde in Deutschland aus dem Internet zu bekommen. Da mich daraufhin verschiedene Anfragen erreichten, habe ich jetzt diese Informationen als Textdateien, Word2000, Excel oder DOS-Text, verfügbar. Diese Textübersicht kann jedoch den Anspruch auf absolute Aktualität und Vollständigkeit nicht erfüllen, da sich zu jeder Zeit etwas ändern kann (aus diesem Grund druckt sie die DZB auch nicht).

Wer diesen Text auf Diskette erhalten möchte, wird gebeten, mir eine Diskette in einer Versandtasche an die DZB zu schicken. Umgehend schicke ich diese mit den Textkopien an Sie zurück.

Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125

E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de.

 

 

Info-Service

 

Tag der offenen Tür in der DZB

[Susanne Siems]

Planen Sie, liebe Leserinnen und Leser der DZBN, schon für den Herbst? Sie sollten es tun, jedenfalls empfehle ich es Ihnen in bezug auf die DZB. Wir, die Mitarbeiter des Hauses, laden Sie recht herzlich ein zum, in diesem Jahr zweiten, Tag der offenen Tür.  Wann? Am 7. September 2002 in der Zeit von 10 - 17 Uhr.

Wie der Name sagt, sind Tür und Tor für Sie an diesem Tag geöffnet. Sie können bei Führungen unsere Produktion sowohl im Studiobereich als auch in der Blindenschriftherstellung hautnah erleben. Die Mitarbeiter der Servicebereiche stehen für ausführliche Beratungen zur Verfügung, aber auch für die kleine Frage am Rande, die Sie schon immer einmal stellen wollten.

Für Auskünfte rund um die neue Hörbuchgeneration DAISY wird es an diesem Tag ganz gezielte Ansprechpartner geben, ebenso die Möglichkeit, ein Abspielgerät bzw. die Software auszuprobieren. Beim Tag der offenen Tür im September finden Sie auch wieder Hilfsmittelfirmen sowie das Landeshilfsmittelzentrum aus Dresden. 14.00 Uhr werden wir in der Cafeteria eine kleine Veranstaltung organisieren – geplant ist für dieses Mal, unseren Studiosprechern Gelegenheit zu geben, sich einmal persönlich bei Ihnen, den aufmerksamen Zuhörern, vorzustellen. Für hungrige und durstige Gäste steht ein Imbissangebot, bei schönem Wetter Gegrilltes, bereit.

Also, bitte gleich ankreuzen im Kalender, 7. September 2002, Leipzig, DZB. Wenn Sie mit einer größeren Gruppe kommen, melden Sie sich bitte bei Frau Neumann unter der Telefonnummer 0341 7113-148 an.

Auf ein Kennenlernen bzw. Wiedersehen freuen sich alle Mitarbeiter der DZB.

 

Hörbuchkatalog zum Herunterladen

Ab sofort können Besucher der DZB-Homepage den Gesamtkatalog der Hörbücherei im Textformat herunterladen. Adresse: http://www.dzb.de/bibliothek/katalog.htm.

In Zukunft wird der Katalog auch im pdf-Format (Acrobat) zur Verfügung stehen.

 

Wahlschablone als Hilfe

[dpa]

Bei der bevorstehenden Bundestagswahl können Blinde mit Wahlschablonen erstmals ohne fremde Hilfe ihre Stimmen abgeben.

 

Großdruckbücher

[Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (Nr. 45 vom 7. Juni 2002)]

Der K. G. Saur Verlag (München) baut ein neues Segment auf: Mit 28 Titeln - vom Klassiker bis zum modernen Bestseller - startet im Herbst ein belletristisches Großdruckprogramm, das pro Saison um rund 30 Titel wachsen soll.

 

Tipp von "blip"

Ab sofort verweisen wir in unserem Info-Service auch auf Mitteilungen von "blip". "blip" (= Blindenpressedienst) ist ein Serviceangebot für Redaktionen von Medien für Blinde und Sehbehinderte. Die Meldungen werden aufgrund von Anbieterinformationen kurzgefasst und unentgeltlich verbreitet. Ihre Übernahme ist honorarfrei. Für Einzelnutzer stehen die Meldungen wöchentlich aktualisiert im Internet unter http://www.atz-blinde.de/. Zusammenstellung: Hermann Dremel. Aktion Tonband-Zeitung für Blinde e.V., Holzminden. E-mail: blip@atz-blinde.de

 

Kulturprogramm in Passau zum Hören

[blip]

Die Sonderausstellung "Faszination Mittelalter" im Museum der Veste Oberhaus ist einer der Höhepunkte des kulturellen Angebotes in Passau im Jahr 2002.  Für diese Ausstellung sind bei Voranmeldung blindengerechte Führungen zum normalen Führungstarif möglich. Die Hörzeitung "BRK-Blindenreport Passau" bietet auch in diesem Jahr eine Info-Kassette an, über die Ausstellung und andere kulturelle Veranstaltungen informiert. Zu beziehen ist die Kassette beim:

Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.

Bezirksgruppe Niederbayern-Süd.

Maximilianstraße 12, 84028 Landshut,

Tel.: 0871 89814, Fax: 0871 274215.

E-Mail: blindenreport@kvpassau.brk.de.

 

Elektronische Zeitschrift: "Brigitte"

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Die Texte der Frauenzeitschrift "Brigitte" ergänzen ab sofort das digitale Angebot der Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main. Im PC oder einem speziellen Lesegerät kann man sich die Artikel von einer synthetischen Stimme vorlesen oder in Brailleschrift anzeigen lassen. Mit der gleichen Technik sind bereits einige Tageszeitungen und Wochenmagazine zu bekommen. 

Ansprechpartner ist Martin Kirchner,

Tel. 069 9551240.

E-Mail: mkirchner@stiftung-blindenanstalt.de.

Internet: http://www.stiftung-blindenanstalt.de/

 

Zeitschriftentexte per E-Mail

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Eine Auswahl von Texten aus Zeitschriften zu ganz verschiedenen Themen fasst Justus Schneider monatlich zu einer Textdatei zusammen, die per E-Mail verschickt wird. Ein Leseprogramm unterstützt bei der Orientierung in der Textsammlung. Dieses kostenpflichtige Angebot steht aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Sehbehinderten und Blinden gegen Nachweis zur Verfügung. Eine Probeausgabe ist im Internet erhältlich.

E-Mail: justusschneider@t-online.de.

http:// www.blindenkiosk.de/

 

Ausbildungsplatz Wiss. Dok.

[Dr. Jürgen Trinkus]

Das  Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT http://www.ibmt. fhg.de/ mit Sitz in St. Ingbert/Saarland möchte ab 01.01.03 im Rahmen der REHA-Ausbildung "Wissenschaftliche Dokumentation" mit der STIFTUNG BLINDENANSTALT kooperieren. In diesem Zusammenhang sucht die SBA ab sofort geeignete blinde bzw. stark sehbehinderte Interessenten, nach Möglichkeit mit einem naturwissenschaftlichen Studienabschluss, die ein entsprechendes Volontariat absolvieren möchten. Die Interessenten sollten gemäß der entsprechenden Kostenträgerbestimmungen förderbar sein. Ein Informationsbesuch in St. Ingbert, der von Herrn Schwinn begleitet würde, ist  - nach Vorabsprache  -  auch kurzfristig vereinbar.

Stiftung Blindenanstalt Frankfurt/Main

Büro Berlin

Tel. 030 90226-398

Fax 0178 99-3488785

 

Veranstaltungen in den "Ostseeperlen"

 [Dr. Jürgen Trinkus]

 3. bis 6. Oktober 2002:

IV. Boltenhagener Tage für akustische Medien. Thema: "Zwischen Ideal und Kompression - der gute Ton und seine Verbreitung". Mit Toningenieuren, Regisseuren, Featureautoren und weiteren Experten aus Hörfunk und Tonträgerindustrie werden Möglichkeiten und ästhetische Maßstäbe des Klangs unserer Medien vielfältig erörtert.

 30. Oktober bis 3. November 2002:

Home Page Reader-Anwendertreffen. Wer den preiswerten und effizienten sprechenden Internetbrowser für sich entdeckt hat und auf das produktive Vergnügen des Erfahrungsaustausches setzt, soll auch nicht enttäuscht werden. Technisch und personell wird sichergestellt, dass auf alle Fragen von Einsteigern und Fortgeschrittenen kompetent eingegangen werden kann.

 9. bis 12. April 2003:

V. Boltenhagener Bücherfrühling. Themenschwerpunkt wird die Arbeit der Übersetzer sein, von denen wir einige der namhafteren zu Werkstattgesprächen und Werkproben begrüßen können. Zeitige Anmeldung ist ratsam, denn unsere Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung bedeutet zum einen, dass es für Teilnehmer überaus preiswert wird, doch zum anderen auch, dass der Termin ebenfalls im Veranstaltungsprogramm der Ebert-Stiftung veröffentlicht wird.

Für inhaltliche Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jürgen Trinkus,

Tel. 04347 909811,

 E-Mail: trinkus-mv@t-online.de

 Anmeldungen nimmt entgegen das

 Aura-Hotel "Haus Seeschlösschen",

 Tel. 038825 3700, Fax 038825 37043,

 E-Mail: ostseeperlen@t-online.de

 http://www.klangkontext.de

 

 

Impressum

 

Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM / 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM / 12,27 €). Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".

 

 Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde

zu Leipzig (DZB),

 Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,

 Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig

 Tel. 0341 7113 - 0,

 Fax: 0341 7113 - 125

 E-Mail: info@dzb.de, www.dzb.de

 

 Redaktion:

 Karsten Sachse, Tel. 0341 7113 - 135

 

 Abonnements, Anzeigen:

Sylvia Thormann, Tel. 0341 7113 - 120.

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