DZB-NACHRICHTEN

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 5/2002     September/Oktober  12. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Nachruf
Unsere Postecke
Einblicke
    Variationen in Braille
    Immer diese Dreckfuhler
Wie war das damals?
    Wie die Blindenschrift nach Deutschland kam (Teil 2)
    Wandkalender für Blinde
Kalender 2003
Die Kramkiste
    Die Novellen Stefan Zweigs
    William Somerset Maugham: "Der bunte Schleier"
Bücher des Jahrhunderts
    Richard Wright: Sohn dieses Landes (1940)
LOUIS
    RTFC - ein Programm, welches Textdateien in Blindenkurzschrift umsetzen, ausdrucken und noch so manches andere kann
Info-Service
    DAISY-Ausleihe
    Die Zukunft beginnt mit der "Gegenwart"
    Die "Gegenwart" auf CD-ROM
    Leipzig für Olympia e.V.
    Tanzfestival für Blinde und Sehbehinderte
    Aachen: Stadtführung mit Walkman
    Politik-Journal
    Lehrgänge des DBBW
Impressum

Vorbemerkung

Die Leserinnen und Leser der vom Hochwasser nicht direkt betroffenen Regionen haben bestimmt Verständnis dafür, dass ich in Anbetracht der Flutkatastrophe der Hoffnung Ausdruck verleihen möchte, dass Sie diese Ausgabe bei guter Gesundheit und unter Ihrer bisherigen Anschrift erreicht. Die realen Folgen der Katastrophe sind zum jetzigen Zeitpunkt (Redaktionsschluss) noch nicht annähernd abzusehen. Auch wenn die Stadt Leipzig und mit ihr die DZB wenig bzw. gar nicht heimgesucht worden sind, gilt doch unser ganzes Mitgefühl den Betroffenen im zerstörten Umland. Dass in der Ausleihe befindliche Titel ein Opfer der Fluten wurden, ist angesichts der Verheerungen ringsherum fast ohne Bedeutung. Die nächsten Jahre werden viele Anstrengungen erfordern. Wenn die Menschen im Land weiterhin diese Anteilnahme zeigen und diese Hilfe leisten, dann werden auch die anstehenden Aufgaben bewältigt, meint

Ihr Karsten Sachse.

Nachruf

Mit großer Betroffenheit nehmen wir zur Kenntnis, dass Prof. Dr. phil. habil. Wolfgang Fromm am 18. Juli 2002, kurz nach Vollendung seines 73. Lebensjahres, nach langer Krankheit verstorben ist.
Prof. Dr. Fromm war nahezu ein halbes Jahrhundert als Blinden- und Sehbehindertenpädagoge tätig. Allein von 1960 bis 1994 lehrte und forschte er in der Abteilung Blinden- und Sehbehindertenpädagogik am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universität Berlin und prägte hier ganze Generationen von Blinden- und Sehbehindertenpädagogen.
In besonderem Maße widmete sich Prof. Fromm den Grundzügen taktilen Erkennens und taktilen Darstellens. Seine Erfahrungen und Ideen fanden ihren Niederschlag u. a. in Reliefbilderbüchern, die er gemeinsam mit Paul Georgi (Chemnitz) und Kurt Gottschald (Königs Wusterhausen) erarbeitete. Diese Reliefbilderbücher wurden von der DZB verlegt und befinden sich auch heute noch in unserem Angebot (Relieffibel [1978], Woher kommt denn das? [1981], Nero sucht Futter [1984], Meine Finger lernen sehen [1992]).
Prof. Fromm war nicht nur durch seine Arbeit bekannt, sondern auch durch sein beständiges Engagement im Blindenwesen - sei es als Berater in blindenspezifischen Fragen oder als aktiver Teilnehmer an Konferenzen und Tagungen des Blinden- und Sehbehindertenwesens. Oft war er mit seinen Studenten zu Besuch in der DZB, wo man ihn als offenen und kompetenten Partner kennt. Wir werden Prof. Dr. Fromm in ehrendem Gedenken behalten.

Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht zwangsläufig identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Post vom Innenminister: Am 22. September ist Bundestagswahl. Vom Bundesministerium des Innern wurde uns ein Grußwort des Bundesministers Otto Schily mit der Bitte um Abdruck zugesandt, der wir an dieser Stelle entsprechen:

"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
vor wenigen Wochen ist das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen verkündet worden. Mit diesem Gesetz hat die Bundesregierung ein weiteres Mal ihr Versprechen erfüllt, behinderte Menschen bei einer selbstbestimmten Lebensführung zu fördern.
Die in dem Gesetz vorgesehene Herstellung einer umfassenden Barrierefreiheit erstreckt sich auch auf die Teilnahme von Blinden und Sehbehinderten an Bundestags- und Europawahlen, ohne dass sie - wie bisher - auf die Hilfe einer Vertrauensperson angewiesen wären. Auch wenn diese Regelung erst im Januar 2003 in Kraft tritt, so haben sich dankenswerterweise zahlreiche Blindenvereine, koordiniert vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, bereit erklärt, den Betroffenen auf Wunsch bereits für die bevorstehende Bundestagswahl eine so genannte Stimmzettelschablone zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für diese Schablonen werden von der Bundesregierung übernommen.
Ihnen wird damit erstmals die Möglichkeit eröffnet, den Stimmzettel unbeobachtet und ohne fremde Hilfestellung auszufüllen. Deshalb meine ich: Nutzen Sie diese neue Art zu wählen und fordern Sie eine Stimmzettelschablone bei einem Blindenverein Ihrer Region an, auch wenn Sie nicht Mitglied dieses Blindenvereins sind. Ihrem Wunsch wird dort gern entsprochen.
Otto Schily
Bundesminister des Innern"

Einblicke

Variationen in Braille

Susanne Siems

Über 175 Jahre ist sie alt, unsere Brailleschrift. Lieb und wert wie am ersten Tag ist sie allen, die sie benötigen. 6 Punkte sind ihr Grundelement, der Stoff, aus dem sich alles zusammensetzt. Dennoch war und ist sie vielen Veränderungen unterworfen, manchmal hat sich die Anzahl ihrer Punkte geändert, des öfteren die Definition ihrer Kürzungen. Jeder, der sie einmal, meist mühsam, gelernt hat, nutzt die Pünktchen je nach menschlichem Charakter akkurat nach Vorschrift oder oft auch kreativ gestaltend. Da kommt manchmal selbst der Schreiber über den Sinn seiner eigenen Kürzung ins Grübeln. Das ist dann sozusagen die Handschrift blinder Menschen. Nichts Schöneres kann für meine Begriffe einer Sprache, einer Schrift widerfahren, denn dadurch gewinnt sie Leben und hat die besten Chancen zu überleben. Aber Veränderungen, seien es auch nur begriffliche, schaffen Verwirrung. Was ist Basisbraille im Unterschied zur Vollschrift, was Eurobraille, seit wann gibt es die Notenschrift, diese und ähnliche Fragen werden uns am DZB-Telefon gestellt. Lassen Sie mich darum heute einmal eine kleine Übersicht zusammentragen, die aktuelle Begriffe ebenso umfasst wie ein paar kurze Eckdaten zu historischen Entwicklungen. Der Aktualität geschuldet, möchte ich rückwärts gehen um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, am Ende zu zeigen, dass sich zwar in Anlehnung an den griechischen Philosophen Heraklit alles in Veränderung befindet, nicht jede Veränderung aber unbedingt eine Neuerung bedeutet. Weiterentwicklung im Einklang mit Beständigkeit, das sollte und wird Ziel jeder Entwicklung auch im Bereich der Blindenschrift sein.
Das Material liegt in Fülle vor, ich habe mich auf zwei Quellen beschränkt. Quellen zu vergleichen, dafür fehlt im DZB-Alltag die Zeit. Mögen mir die Experten also die ein oder andere Ungenauigkeit im Detail verzeihen. Es geht hier darum, eine Übersicht für den, nennen wir ihn Gebrauchsnutzer, zu schaffen.
Basissystem - "Das Basis-System ist die kürzungsfreie Wiedergabe eines Textes in 6-Punkte-Blindenschrift". Dieses System bildet die Grundlage für die deutsche Blindenschrift, sowohl Voll-, als auch Kurzschrift. Das Basissystem definiert neben Buchstaben und Zahlen auch Satz- und Sonderzeichen, Hervorhebungen, die Darstellung von Akzentbuchstaben, Brüchen, Prozenten etc. Es gibt dort auch eine Festlegung, wie einzelne Worte aus dem Eurobraille (siehe unten) mit 6 Punkten dargestellt werden.
Vollschrift - Sämtliche Zeichen des Basissystems finden in der Vollschrift Anwendung. Dazu kommen die Lautgruppenkürzungen sch, au, ei, eu, ch, st, äu, ie.
Das Beherrschen der Blindenvollschrift ist die Voraussetzung zum Erlernen der
Kurzschrift - deren Zweck es ist, "die Schreib- und Lesegeschwindigkeit zu erhöhen. Gleichzeitig wird das Volumen von Blindenschrift-Erzeugnissen um etwa ein Drittel verringert". Insbesondere die Kurzschrift hat seit ihrer Einführung vor ca. 100 Jahren zahlreiche Reformen erlebt. Die aktuelle Fassung stammt von 1998, als sich mit der Einführung der neuen Rechtschreibung in Deutschland grundlegende Neuerungen notwendig machten. Davor gab es kleinere Veränderungen 1984 und eine grundlegende Umarbeitung 1971, den Wechsel von der „alten“ zur reformierten Kurzschrift. Der Beschluss, eine deutsche Kurzschrift einzuführen, wurde übrigens 1895 auf dem Blindenlehrerkongress in München gefasst. Grundlage bildete das System des blinden Lehrers Krohn aus Kiel. 1904 erschien das erste "Regelbuch und Wörterverzeichnis der deutschen Blindenkurzschrift".
Einheits- und Verhandlungsstenographie - während es bei der Kurzschrift um die Erhöhung der Lesegeschwindigkeit geht, ist das Ziel der Stenographie, ähnlich wie bei den Sehenden, die Erhöhung der Schreibgeschwindigkeit. Die erste stammt von H. Hauptvogel aus dem Jahr 1912. Bei dieser Schriftart tauchen auch Abweichungen vom 6-Punkte-System auf, es gibt sowohl eine 7-Punkt- als auch eine 8-Punkt-Stenographie. In der Literatur finden sich übrigens auch Hinweise auf eine 8-Punkt-Braille-Schrift, die 1901 in Cambridge benutzt wurde. Für den Alltagsgebrauch, speziell das Lesen, haben sich mehr als 6 Punkte nicht durchgesetzt. Nur die Diskussion darum lebt von Zeit zu Zeit mit etwas anderen Vorzeichen wieder auf. Vertiefen möchte ich das an dieser Stelle nicht, es würde den Rahmen des Beitrages sprengen. Auch mag der Standpunkt einer DZB-Bibliothekarin ein anderer sein als der von Fachleuten zum Thema Brailleschrift oder auch dem des täglichen Anwenders.
Mathematik- und Chemieschrift - das Braillesche System enthält auch Definitionen für grundlegende mathematische Operationen. Für die höhere Mathematik machten sich aber recht bald gesonderte Definitionen notwendig. Die erste systematische Zusammenstellung einer Mathematikschrift wurde dem Blindenlehrerkongress 1907 in Hamburg vorgelegt. Dieser Entwurf wurde aber recht bald, nämlich 1919 durch ein System, das Mathematik- und Chemieschrift umfasste und von einer Kommission des heutigen DVBS erarbeitet wurde, ersetzt. Gegenwärtig sind vor allem drei Systeme in der Anwendung - die Marburger Mathematikschrift, LaTeX und AMS. Ihre Vor- und Nachteile werden in der Fachwelt heftig diskutiert.
Eurobraille - auch bekannt als Computerbraille, wird mit 8 Punkten dargestellt. "Es dient zur Eins zu Eins Darstellung in der EDV verwendeter Zeichensätze". Bemühungen und erste Erfolge gibt es hinsichtlich des Versuches, 6-Punkt-Braille auf der Braillezeile darzustellen. Dies würde auf längere Sicht die Punkte 7 und 8 überflüssig machen. Auch hier findet eine breite, recht kontroverse Diskussion in der Fachwelt statt, die nicht Gegenstand meines Beitrages sein kann.
Notenschrift - in Holland wurde im Jahre 1732 die älteste überlieferte Blindennotenschrift entwickelt. Braille selbst stellte 1834 eine auf seinem genialen System basierende Notenschrift vor. Seit dieser Zeit gab es zahlreiche Überarbeitungen und Bemühungen um weltweite Vereinheitlichung. Seit 1998 liegt ein "neues internationales Handbuch der Braillenotenschrift" vor.
Weitere Spezialschriften sind zum Beispiel die Schach- und die Strickschrift.
Ich bin in diesem Bericht nur auf das heute weltweit gültige System Brailles eingegangen. Die Internationalität ist ein weiterer Vorteil dieser Blindenschrift - überall, in Frankreich, England, Russland, ja auch in China werden die 6 Punkte angewandt.
Durchaus interessant ist aber auch die Entwicklung vor Braille, die vielen Versuche, die Schrift der Sehenden blinden Menschen zugänglich zu machen. Falls dieser Beitrag Ihr Interesse an weiteren Informationen zum Thema geweckt hat, lassen Sie es uns wissen. Die DZB-Nachrichten sind sicher der geeignete Platz, um der Blindenschrift allgemein und im speziellen der Erfindung Brailles die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen.
Quellen:
Das System der deutschen Blindenschrift. - Marburg, 1998. In Blindenschrift unter der BNA 8877
Louis Braille : Gedenkschrift zu seinem einhundertsten Todestag. In Blindenschrift ausleihbar unter der BNA 933

Immer diese Dreckfuhler

Karsten Sachse

Haben Sie sich in letzter Zeit über Druckfehler in Büchern oder Zeitschriften geärgert? Wo liegen die Ursachen dafür, dass sich immer wieder einer dieser "Fehlerteufel" Zugang verschafft?
Da wir hauptsächlich aus Büchern und Zeitschriften für Sehende "abschreiben", schauen wir uns zuerst mal diese an und stellen fest: Die Fehlerhäufigkeit in den Druckmedien für Sehende hat zugenommen. Ursachen hierfür können sein:
  1. Umstellung auf elektronische Datenverarbeitung (auf der Tastatur "verhaut" man sich schneller mal, als mit dem Stift auf dem Papier - eine Fehlerquelle übrigens, die sich von der Manuskripterstellung beim Autor oder Redakteur fortsetzt bis zum Satz in der Druckerei, der auch am PC erfolgt. In "grauen Vorzeiten" hat ein Schriftsetzer jeden einzelnen Buchstaben "angepackt", heute werden ganze Dokumente automatisch zusammengezogen und nur noch in ein Layout gepackt.
  2. Und damit wären wir bei der zweiten Ursache: Kostenersparnis. Nach dem Autor liest bis zum Kunden selten ein Mensch den Text noch einmal. Es gibt kaum noch Verlage oder Redaktionen, die Korrektur lesen lassen. Bei der "Leipziger Volkszeitung" wurde uns während einer Führung durch die Druckerei erzählt, dass die Redakteure in einem ganz anderen Stadtteil sitzen. Ihre Artikel werden am PC verfasst und per Richtfunk in die Druckerei gesendet, wo sie sofort auf Film gebracht und technisch für den Druck vorbereitet werden. Für Orthographie, Stil und Grammatik sind die Autoren selbst verantwortlich - sie unterschreiben den Beitrag ja mit ihrem Namen.
In den Buchverlagen schließlich gibt es immer weniger Lektoren. Und die betreuen nicht nur mehrere Autoren mit ihren Manuskripten, sondern sind mit viel mehr Dingen beschäftigt: Lizenzhandel, Entwicklung von Marketingstrategien, Produktentwicklungen usw.
  1. Das alles geschieht unter immensem Zeitdruck. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man für eine Monatszeitschrift einen Monat Zeit hätte. Ein Zeitschriftenverlag bringt meistens mehrere Zeitschriften heraus (die DZB auch). Die Zeitrahmen für Produktionsstrecken sind außerordentlich knapp aufeinander abgestimmt, da die betreffende Zeitschrift wieder nur eines von vielen Erzeugnissen in der Druckerei ist.
  2. Sicherlich muss man noch die Reform der Rechtschreibung als eine Fehlerursache benennen. Oft erfolgt die "Übersetzung" von alter in neue Rechtschreibung per PC-Programm. Welches Programm arbeitet fehlerfrei? Schließlich gibt es nicht mehr nur den "einen" Duden, sondern Wörterbücher zur deutschen Rechtschreibung aus verschiedenen Verlagen - manchmal leider auch mit verschiedenen Interpretationen der Regeln. Diese erleiden im öffentlichen Bewusstsein eine Aufweichung und büßen ihre Verbindlichkeit ein. Es sei in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass es Länder gibt, in denen verschiedene Schreib- und Ausdrucksweisen ganz normal sind. Allerdings ist man dort gegenüber "Druckfehlern" toleranter.
  3. Schließlich verdient der menschliche Faktor Erwähnung, denn wer ist schon unfehlbar. Wenn man einen längeren Text verfasst hat und Korrektur liest, überliest man gelegentlich einen Fehler, da man den Text ja kennt und geistig dem Gelesenen bereits voraus ist.

Es bleibt nicht aus, dass sich diese Entwicklungen auch auf den Bereich der Literatur für Blinde auswirken und auf ähnliche Art und Weise zur Geltung kommen. Allerdings haben Leserinnen und Leser der aus der DZB stammenden Literatur zwei unschätzbare Vorteile: Da es sich bei fast allen unseren Produkten um Übersetzungen aus der Schwarzdruckliteratur handelt, ist zumindest die Chance gegeben, dass diese Vorlagen schon einmal korrigiert wurden. Spätestens in der DZB treten dann aber auf jeden Fall die Korrektoren in Aktion. Alles, was in Blindenschrift erscheint, wird von ihnen gelesen. Grundsätzlich wird zwar "nur" kontrolliert, ob der Schwarzdruck fehlerfrei in Blindenschrift übersetzt wurde, aber dabei werden dann die Schwarzdruckfehler der Vorlage ebenfalls "ausgemerzt" (natürlich sind uns urheberrechtlich die Hände gebunden, wenn es um inhaltliche Änderungen geht).
Diese Bemühungen schließen natürlich nicht gänzlich aus, dass der eine oder andere Fehler dennoch den Weg zum Leser "schafft". Schließlich stehen auch wir angesichts insgesamt unzureichender Punktdruckkapazitäten in dem Dilemma zwischen Masse und Klasse. Ich versichere Ihnen aber, dass Sie in unserer Blindenschriftliteratur weniger Fehler finden, als in der Schwarzdruckvorlage vorhanden waren.

Wie war das damals?

Wie die Blindenschrift nach Deutschland kam (Teil 2)

Dr. Werner Uhlig

Die sächsischen Blindenlehrer wollten auf dem Dresdner Kongress aber nicht nur ihr Punktschriftsystem durchdrücken, sondern auch eine Institution schaffen, mit deren Hilfe die Punktschrift nach St. Marie in Schulbüchern und bei der Beschriftung von Blindenhilfsmitteln gedruckt werden könnte. Büttner stellte den Antrag, einen "Verein zur Förderung der Blindenbildung" zu gründen und legte auch gleich den Entwurf für das Statut dieses Vereins vor. Damit hatte er Erfolg. Der Dresdner Blindenlehrerkongress stimmte der Bildung des Vereins zur "Förderung der Blindenbildung" zu und beschloss an Ort und Stelle auch die Satzung. Sitz des Vereins wurde Dresden und die Leitung des Vereins befand sich maßgeblich in der Hand sächsischer Blindenlehrer. Der Direktor der Dresdner Blindenanstalt, Reinhard, ist zum Vorsitzenden gewählt worden. Büttner, der Nachfolger Reinhards als Direktor der Dresdner Blindenanstalt, wurde stellvertretender Vorsitzender. Riemer, er war zuerst als Leiter der 1862 in Hubertusburg gegründeten Vorschulanstalt für Blinde bekannt geworden, war ebenfalls weiter mit von der Partie und arbeitete eine Punktschriftfibel aus, die bei der Firma Bürger in Dresden gedruckt worden ist. Diese Firma hat auch das erste deutsche Lesebuch in Punktschrift und die "Bürger-Tafeln" zum Schreiben von Blindenschrift hergestellt. "Statutgemäß verfolgte der Verein den Zweck, Blindenanstalten sowie den selbstständigen Blinden Unterrichts- und Fortbildungsmittel, namentlich billige Hochdruckschriften, zugänglich zu machen", (vgl. "Der Blindenfreund" Nr. 51/1926, S. 106). Aufgemerkt: von "Hochdruckschriften", nicht von "Brailleschriften" ist hier noch die Rede. Vom Schriftstreit ließen sich die sächsischen Blindenlehrer auch nach dem Dresdner Kongress noch keineswegs in ihrer Haltung beirren. Deutsche Blinde sollten eine deutsche Blindenschrift haben. Im Interesse größtmöglicher Zeit- und Kraftersparnis müssten den in der deutschen Sprache am häufigsten vorkommenden Buchstaben die einfachsten Punktzeichen zugewiesen werden. Diese Grundidee aus Leipzig und Dresden hat besonders Büttner zäh und hartnäckig durchzusetzen versucht, zuletzt noch einmal auf dem dritten deutschen Blindenlehrerkongress 1879 in Berlin. Wieder gab es heftigen Streit, wieder gab es den Vorschlag, die Sache erneut zu vertagen. Doch darauf wollte sich Büttner nun auf gar keinen Fall einlassen. Er drängte nachdrücklich auf eine Entscheidung und als es schon so aussah, dass es Büttner gelungen sei, die Mehrheit der Blindenlehrer für die sächsische Position gewonnen zu haben, richtete Mecker, der Direktor der Blindenanstalt in Düren, einen scharfen Vorstoß gegen Büttners Ansicht und forderte das Braillealphabet. Es kam zu einer turbulenten Kampfabstimmung und - die Sachsen unterlagen -, Mecker sei Dank!
Nicht auszudenken, welche sinnlosen Konsequenzen das Entstehen verschiedener nationaler Blindenschriften gehabt hätte.
St. Maries deutsches Blindenschriftalphabet war also futsch. Den Verein zur Förderung der Blindenbildung hatten die sächsischen Blindenlehrer aber noch in der Hand. So recht glücklich sind sie darüber nun aber nicht mehr gewesen. Mit ihrer dominierenden Rolle im Verein und dessen Sitz in Dresden hatten sie ja auch die Hauptlast bei der leidigen Spendenbeschaffung an sich gezogen. Auch hätten sie sich mehr Unterstützung bei ihrem Streben nach Schaffung einer Bücherei für "Hochdruckschriften" durch die Blindenanstalten der anderen deutschen Länder gewünscht. Jedenfalls waren sie entschlossen, die Leitung des Vereins nicht mehr länger als bis zum 4. Deutschen Blindenlehrerkongress in Frankfurt am Main 1882 auszuüben. Dort, am 26. Juli 1882, hatte Büttner auf der Generalversammlung des Vereins zunächst das Referat über den erreichten Stand der Arbeit, über Erfolge und Ziele gehalten, erklärte anschließend aber, "dass der jetzige Vorstand zurückzutreten fest beschlossen habe und deshalb eine Neuwahl vorzunehmen sei. Es wurden darauf von der Versammlung, die nur ungern den vorgebrachten und nicht vorgebrachten Gründen der Abdankung Gehör schenkte, per Acclamation folgende Herren in den Vorstand gewählt: Wulff, Vorsitzender, Köhn, Büttner, Schröder, Wiedow" ("Der Blindenfreund" Nr. 12/1882, S. 196).
Wulff ist zu diesem Zeitpunkt noch Direktor der Blindenanstalt in Neukloster gewesen. Wie man sieht, Büttner war zur weiteren Mitarbeit als Vorstandsmitglied bereit. Für die laufende Arbeit ist ein Ausschuss gebildet worden. Ihm gehörten an: "Mecker, Vorsitzender, Entlicher, Ferchen, Metzler, Moldenhawer, Riemer und Schild", (ebenda). Somit zog sich auch Riemer nicht aus weiterer verantwortlicher Mitarbeit zurück.
Nach dieser Wahl hat Mohr von der Blindenanstalt Kiel fünf Thesen zur Blindenschriftanwendung in den Schulen vorgelegt und den Ausschluss der Bücher mit "Uncialdruck" (damit war der Druck in den tastbaren Reliefbuchstaben gemeint) gefordert. Kaum lag das Schriftproblem auf dem Tisch, schlugen die Wellen schon wieder hoch.
"Da standen mehrere Gegner auf, unter anderem Entlicher (Punkersdorf) und Heller (Wien), die warm für die Beibehaltung der Uncialschrift eintraten. Mecker (Düren) stellte dann unverfroren die Behauptung auf, zur Beurteilung solcher rein fachmännischer Fragen sei der Verein, dem statutenmäßig jeder, auch der Nichtfachmann, der 3 Mark Beitrag zahlt, angehöre, durchaus nicht kompetent; derartige Fragen gehörten vor das Forum des Ausschusses oder, wenn sie weitergehender Natur wären, vor das des Congresses; er müsse daher, gegen jede definitive Beschlussfassung in dieser Vereinsversammlung vor Anhörung des Ausschusses und des Congresses protestieren. Dieser Protest stieß namentlich unter den Mitgliedern des alten und neuen Vorstandes, die die Kompetenz des Vereins ungerechterweise angegriffen glaubten, auf eine heftige Opposition und erregte eine lebhafte Debatte. Als die Wogen des Kampfes schon hoch gingen, da wurde auch noch zum Überfluss das Wort 'Unsinn' laut und vernehmlich aus meiner unmittelbaren Nähe in die Versammlung geschleudert und richtete überall Bewegung und Verwirrung an, sodass der Präsident selbst seine Glocke zu rühren vergaß und ich mich in einen polnischen Landtag versetzt glaubte", (ebenda, S. 197).
Der das berichtete, bezeichnet sich anonym als "Congressbummler", dürfte wahrscheinlich aber Brandstaeter gewesen sein, der nicht selten seine Darlegungen auf diese oder ähnliche Weise unterschrieb.
Wulff ist aus Neukloster nach Berlin-Steglitz berufen worden, weswegen auch der Sitz des Vereins zur Förderung der Blindenbildung von Dresden zunächst nach Berlin, und nach Wulffs Tod 1898 schließlich nach Hannover wanderte, wo er sich noch heute befindet.
Zwei wichtige Initiativen sächsischer Blindenlehrer zur Verbreitung und Weiterentwicklung der Blindenschrift in Deutschland sollen zum Schluss angeführt sein:
Wilhelm Riemer hat sich in hohem Maße für die Ausarbeitung der Kurzschrift engagiert und wurde Obmann der ersten deutschen Kurzschriftkommission. Als solcher brachte er die sogenannte alte Kurzschrift oder auch Münchner Kurzschrift im Jahre 1895 auf dem Blindenlehrerkongress in München unter Dach und Fach.
August Büttner kam 1894 aus Dresden nach Leipzig und veranlasste hier (vgl. Helmut Schiller, 100 Jahre DZB, Leipzig 1994) die Gründung des "Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften und Arbeitsgelegenheit für Blinde zu Leipzig" und in Trägerschaft dieses Vereins die Gründung der deutschen Zentralbücherei für Blinde.

Wandkalender für Blinde

Karsten Sachse

Im Jahr 1980 hatte Siegfried Tschirner, der damalige Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde, die Idee, in Leipzig einen Reliefwandkalender für Blinde herzustellen. Schon ein Jahr später erschien der gänzlich aus Folie bestehende erste DZB-Wandkalender, der aus einem Titelblatt und zwölf Seiten mit je einer Reliefdarstellung und dem Kalendarium in Blindenschrift bestand. Die Reliefs dieses ersten Kalenders stellten jeweils ein Tier dar. Daraus entwickelte sich der Grundsatz, jedes Jahr den Kalender unter ein bestimmtes Thema zu stellen und dieses Thema dann durch die einzelnen Monate hinweg abzuhandeln. Bei diesem Grundsatz ist es bis heute geblieben. Behandelte Themen in den Folgejahren waren z. B. "Blätter und Früchte" (1982), "Blattformen" (1983), "Luftschiffe" (1984).
Mit dem Kalender "Blumen" für das Jahr 1985 trat eine wesentliche Neuerung ein. Ausgehend vom integrativen Gedanken, dass in einer Familie oft Blinde oder Sehbehinderte und Sehende zusammenleben, wandelte sich das Erscheinungsbild des Kalenders dahingehend, dass von nun an alle Reliefs farbig dargestellt wurden und das Kalendarium sowie die Beschriftungen nicht nur in Brailleschrift, sondern auch in großer Normalschrift gedruckt sind.
Seit 1986 ("Wunderwelt der Insekten") enthält der Kalender außer den 13 Folien auch 13 Textseiten. Jedem Folieblatt ist ein Textblatt in Braille- und großer Schwarzschrift nachgeordnet, das einen die vorhergehende Abbildung erklärenden Text enthält. Damit konnte der Gebrauchswert des Kalenders wesentlich erhöht werden. Manche Kalender wurden so zu richtigen "Ratgebern", die nicht nur etwas über die Größe und Farbe der im Relief dargestellten Motive aussagen, sondern auch Zubereitungstipps liefern ("Pilze im Jahr", 1988) oder Pflegehinweise beinhalten ("Blühende Zimmerpflanzen", 1989). Die Kombination der Abbildungen mit den erklärenden Texten erlaubte zudem eine Ausdehnung der Themenwahl auf solche Bereiche wie "Saurier und andere Tiere der Vorzeit" (1990) oder "Berühmte Bauwerke Deutschlands" (1995) und "Deutsche Städtewappen" (1997).
Von 1990 bis 2001 wurde der jährlich von der DZB herausgegebene Relief-Wandkalender ergänzt durch einen ebenfalls jährlich und im gleichen Format mit gleicher Ausstattung erscheinenden Kalender, dessen Thema besonders auf Kinder zugeschnitten war (1990: "Spatz Edgars lustige Reise"; 2001: "Der Zauberer der Smaragdenstadt").
Seit nunmehr 22 Jahren erfreuen sich die Wandkalender der DZB stetiger Beliebtheit. Mit dem Prädikat "Besondere Anerkennung" wurde der 1998er Kinderkalender "Tierhelden in Kinderbüchern" auf der Kalenderschau der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. Über das Kalenderangebot für 2003 können Sie sich anhand der nachfolgenden Übersicht informieren.

Kalender 2003

1. RELIEF-WANDKALENDER
Der Kalender im Format 27 cm x 34 cm ist für Blinde, Sehbehinderte und Sehende gleichermaßen geeignet. Er enthält Texte in Blindenvollschrift und in Großdruck-Schwarzschrift. Die Abbildungen sind im Relief und im mehrfarbigen Siebdruck zugänglich. Der Kalender steht unter einem Thema, das in Bild und Text abgehandelt wird. Die Folieseiten sind jeweils einem Monat zugeordnet und enthalten das Monatskalendarium in Blindenschrift und Schwarzschrift und jeden Monat ein anderes mehrfarbiges Relief. Hinter jeder Folienseite mit Kalendarium und Reliefdarstellung ist eine Textseite eingebunden, die in Blindenvollschrift und Schwarzschrift Informationen zu der auf der vorhergehenden Seite befindlichen mehrfarbigen Reliefdarstellung enthält.
Das Thema für den Relief-Wandkalender 2003 lautet "Exotische Früchte". Exotische Früchte - auch tropische Früchte oder Südfrüchte genannt - dringen immer stärker in unseren Alltag ein. Laut Definition handelt es sich vor allem um Obstsorten, die in tropischen und subtropischen Klimazonen wachsen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie eine äußerst schmackhafte und gesunde Bereicherung des Vitaminangebotes darstellen. Der Kalender stellt bekannte und weniger bekannte Vertreter dieser »Exoten« vor. Neben den geläufigen Sorten Ananas, Papaya oder Granatapfel befinden sich auch Jackfrucht, Pepino, Rote Pitahaya und die als Cremefrucht bekannte Cherimoya in der Aufzählung. Die begleitenden Texte liefern Informationen zur Zubereitung, Hinweise zu den enthaltenen Vitaminen und ihrer Wirkung und darüber hinaus vermitteln sie noch den einen oder anderen Tipp. Der Kalender mit 13 mehrfarbigen Reliefs und 13 Textseiten einschließlich Kalendarium und Texten in Blindenvoll- und Schwarzschrift kostet 23,00 €.

2. JAHRES-WANDKALENDER
Dieser Kalender besteht aus einem einzigen Folieblatt (Format 42 cm x 51 cm), auf dem die Kalendarien der 12 einzelnen Monate dargestellt sind. Dabei sind die 3 Monate eines Quartals jeweils nebeneinander, die 4 Quartale untereinander angeordnet. Gesetzliche bundesweite Feiertage sind zusätzlich hervorgehoben. Für die Anbringung an der Wand ist die Folie an der Oberkante mit einer Leiste versehen, an der sich zwei Ösen befinden. Mit diesem Wandkalender haben Sie das ganze Jahr in einem Griff! Er kostet nur 3,80 €.

3. TASCHENKALENDER
A. Vollschrift-Ausgabe
Der handliche "Taschenkalender A" (Format 11 cm x 13 cm) verfügt über ein Kalendarium mit Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage. Kalendarium und Text in Blindenvollschrift. Der geklammerte Kalender zeichnet sich durch handliches Format und geringen Umfang aus. Dadurch ist auch ein Transport in der Jackentasche möglich, was diesen Kalender zum idealen ständigen Begleiter macht - und das für nur 2,10 €!
B. Kurzschrift-Ausgabe
Hierbei handelt es sich sozusagen um den "dicken Bruder" vom "Taschenkalender A". Der "Taschenkalender B" hat zwar die gleiche Höhe und Breite von 11 cm x 13 cm, dafür ist er aber 1 cm dick, weshalb hier eine Ringbindung Verwendung fand. Zusätzlich zum Kalendarium mit der Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage sind enthalten: nicht bundesweite gesetzliche Feiertage und Termine für die Schulferien in den Bundesländern, Wochenzahl, Anzahl der monatlichen Arbeitstage, Termine wie Beginn der Sommerzeit oder Frühlingsanfang, Vorschau auf die beweglichen gesetzlichen Feiertage des Folgejahres.
Die Besonderheit dieses Kalenders besteht nicht nur in der Menge der enthaltenen Angaben auf geringem Raum: Neben jedem Monatskalendarium ist zusätzlich ein leeres Notizblatt eingebunden, das Platz für persönliche Termine bietet. Darüber hinaus ermöglicht die Ringbindung ein bequemes Umblättern der Seiten (immer die aktuelle Seite oben) sowie eine Nutzung als Tischkalender. Der Preis für dieses Allround-Talent beträgt lediglich 5,10 €.
C. Großdruck-Ausgabe
Der Großdruck-Taschenkalender ist genau so groß (oder klein) wie sein Kurzschrift-Bruder. Großbuchstaben und Ziffern dieser Schwarzschrift-Ausgabe sind 8 mm groß! Der Kalender verfügt außerdem zusätzlich zum Monatskalendarium auch über ein Wochen-Kalendarium und liefert folgende Informationen: Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage sowie nicht bundesweiten gesetzlichen Feiertage; Termine für die Schulferien in den Bundesländern; Wochenzahl; Anzahl der monatlichen Arbeitstage; Vorschau auf die beweglichen gesetzlichen Feiertage des Folgejahres.
Im Wochenkalendarium umfasst jede Woche eine Doppelseite, so dass für jeden Werktag zwei Zeilen Raum für Notizen zur Verfügung stehen. Somit werden tagesgenaue persönliche Eintragungen möglich, während das Monatskalendarium für den schnellen Überblick sorgt. Auch bei diesem Taschenkalender wurde eine Ringbindung verwendet. Der Preis beträgt 5,10 €.

Alle Kalender sind ausschließlich über die DZB zu beziehen.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Die Novellen Stefan Zweigs

Susanne Siems (Punktschriftbibliothek)

Beim Stöbern in den Bücherkisten auf dem Boden der Großeltern sind ja schon manche Schätze und geheimnisvollen Manuskripte gefunden worden. Allerdings ziehe ich für meine persönlichen Bücherschätze den Schrank im Arbeitszimmer doch vor, es ist dann ein gemeinsames Leben mit ihnen und man hat sie griff- und lesebereit. Ich kann, wie ich das gerne mal tue, ziellos suchen, mich überraschen lassen, oder auch ganz systematisch vorgehen. So fing ich dieses Mal bei der Auswahl einfach mit der untersten Reihe an und somit beim Buchstaben Z. Da gibt es einige Größen der Literatur, z. B. Zola oder Zuckmayer. Und ganz am Ende, da steht einer, den ich schon immer sehr gern gelesen habe, der mich durch seine Sprache und Feinfühligkeit schon in meiner Jugend fasziniert hat. Bekannt ist Stefan Zweig in erster Linie durch sein einmaliges Talent, Persönlichkeiten der Geschichte zu beschreiben. Eine dieser Biographien ("Der Kampf mit dem Dämon") war auch schon Thema der Kramkiste. Aber mit dem genauen Blick, den er für historische Personen hat, beobachtet er auch die kleinen Leute. Nachzulesen ist das in seinen Novellen, von denen ich heute einige etwas näher vorstellen möchte.
Die DZB hat in ihrer Punktschriftbibliothek eine ganze Reihe dieser Novellen, teils in Sammlungen, teils als Einzelbände. Vier der beeindruckendsten enthält der Band "Die unsichtbare Sammlung". Natürlich ist dort Zweigs berühmteste, also die "Schachnovelle" zu finden, aber auch die Titelerzählung steht in nichts nach und sollte unbedingt gelesen werden. In dieser Geschichte wird ein blinder Sammler scheinbar um seinen Besitz betrogen, aber in Wirklichkeit erhält er etwas sehr Wertvolles, was nicht für alles Geld der Welt zu kaufen ist. Die Novelle "Buchmendel" hat mich persönlich sehr angesprochen, geht es doch um Menschen mit einer ausgeprägten Liebe zu Büchern. Besonders hier zeigt sich Zweig auch in Sprache und Kolorit als der große österreichische Schriftsteller, den wir schätzen. Seine ersten literarischen Erfahrungen sammelte Zweig in den Wiener Kaffeehäusern - wo sonst, möchte man da fast sagen. Vielleicht ist ihm da auch einmal ein Mensch namens Mendel begegnet. Und besonders intensiv erfahren wir in dieser Novelle auch Zweigs Gedanken zum Geschehen des ersten Weltkriegs. Als humanistischer Pazifist kann er sich des grauenhaften Geschehens nur noch durch Sarkasmus wehren, was sich dann z. B. so liest: "... dass jemand aus Österreich einen Brief nach Frankreich ganz sorglos adressierte, also ganz gemütlich eine Karte in das kriegführende Ausland so einfach in den Postkasten warf, als ob diese Grenzen nicht seit 1914 umnäht wären mit Stacheldraht und an jedem von Gott geschaffenen Tage Frankreich, Deutschland, Österreich und Russland ihre männliche Einwohnerzahl gegenseitig um ein paar tausend Menschen kürzten".
Die Novellen Stefan Zweigs zu lesen, heißt Welten bereisen, meist die Welten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er entführte mich sozusagen von Wien über Ostindien in die Nähe von Dresden. Seine Zeitgenossen schätzten Zweig wegen der tiefen Menschenkenntnis und der ausdrucksreichen Sprache, die aus jeder Zeile seines Werkes sprach. Seine Bücher wurden gern und viel gelesen und er genoss die Anerkennung solch namhafter Autoren wie Thomas Mann. Aber irgend jemand tat einmal den Spruch "jede Zeit hat ihre Dichter", und so sehr diese Dichter in einem Jahrzehnt geliebt werden, so sehr werden sie im nächsten verspottet. Dreißig Jahre wollte niemand etwas wissen vom Österreicher Stefan Zweig. Sein Stil sei zwar brillant, aber zu einfach. Man warf ihm Oberflächlichkeit vor, er würde in seinem Werk emotional und sprachlich übertreiben. Nun ist Übertreibung aber auch Mittel zum Zweck, manchmal muss man uns doch erst durch das Absurde, scheinbar nicht Mögliche auf das Sinnvolle und Mögliche hinweisen. Seit Stefan Zweigs hundertstem Geburtstag 1981 gibt es nun auch wieder eine neue, positive und vielleicht durch den Abstand der Zeit etwas ausgewogenere Sicht auf sein literarisches Werk.
Zugegeben, in unserer gehetzten Alltäglichkeit scheint der Anfang mancher Novelle etwas zu langatmig. Andererseits braucht man einen kleinen Anlauf, sozusagen eine vorgezogene Verschnaufpause, um die tiefgreifenden Erlebnisse, die meist folgen, verarbeiten zu können. Die Novellen "Brennendes Geheimnis" und "Der Amokläufer" zwingen regelrecht dazu, innezuhalten, das Buch aus der Hand zu legen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Es hat etwas für sich, die Novellen als Gesamtwerk zu lesen, eine nach der anderen. Aber es erscheint genauso schön, immer mal eine und diese vielleicht auch immer mal wieder in die Hand zu nehmen. Probieren Sie es selbst. In unseren Bibliotheken stehen Ihnen dazu folgende Titel zur Verfügung:

Punktschrift:
Die unsichtbare Sammlung,
2 Bde., rkzp., BNA 3802
Novellen,
6 Bde., vh., BNA 5379
Brennendes Geheimnis, (Marburg),
1 Bd., kzp., BNA 721
Der Amokläufer, (Marburg),
1 Bd., kzp., BNA 2174
Angst,
1 Bd., rkzp., BNA 2459
Schachnovelle,
1 Bd., rkzp., BNA 3310
Novellen,
1 Bd., rkzp., BNA 1745

Hörbuch (es sind meist mehrere Novellen unter dem Titel einer zusammengefasst):
Brennendes Geheimnis,
3 Kass., BN 1995
Der Amokläufer,
4 Kass., BN 1996
Der Zwang,
4 Kass., BN 1920
Die Schachnovelle,
2 Kass., BN 89
Die unsichtbare Sammlung,
3 Kass., BN 1936

 

William Somerset Maugham: "Der bunte Schleier"

Jörg Klemm (Hörbücherei)

Dieses Mal fand ich einen englischen Titel: "Der bunte Schleier" von William Somerset Maugham. Der Schwarzdruck erscheint 1978 im Verlag Volk und Welt zu Berlin.
Der Autor wurde 1874 als Sohn eines Beamten der britischen Botschaft in Paris geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde er von einem Verwandten in England erzogen. Er studierte Medizin in Heidelberg und London, unternahm mehrere Weltreisen - unter anderem auch China - und lebte seit 1930 als überaus erfolgreicher Schriftsteller in der Nähe von Nizza, wo er 1965 starb. Weitere Werke von ihm im Hörbuchbestand sind: "Julia, du bist zauberhaft" (Nr. 3183), "Silbermond und Kupfermünze" (Nr. 3919), "Seine erste Frau" (Nr. 3973).
Und nun zum Buch: Dieser Roman über eine Ehe zwischen charakterlich extrem verschiedenen Menschen spielt in der Kronkolonie Hongkong und im halbfeudalen China. Kitty Fane, eine schöne, oberflächliche Frau, die aus Eitelkeit und aus Berechnung einen Arzt geheiratet hat, entdeckt ihre Leidenschaft für einen Kolonialbeamten, gibt ihr nach und wird von ihrem Mann in flagranti ertappt. Aus dieser alltäglichen Konfliktsituation entwickelt Maugham eine interessante Fabel, die seinen Ruf als Geschichtenerzähler wie als Menschenkenner bestätigt. Der verachtete Ehemann greift mit seinen Forderungen entscheidend in ihr Leben ein, was seine Frau und ihr Geliebter in ihrer Dünkelhaftigkeit und Dummheit ihm nie zugetraut hätten. Aus der Distanz des kritischen Beobachters zeichnet Maugham ein realistisches Bild von der Denk- und Lebensweise dieser Personen. Seine Meinung über die Emanzipation der Frau, die er der gängigen Auffassung von Ehe als einer Versorgungseinrichtung entgegensetzt, wirkt überraschend modern. So ist dieses Buch noch heute, Jahrzehnte nach seiner Entstehung, ein unterhaltsamer, lesenswerter Roman.
Und nun noch Hörbuchdaten: Gesprochen von Dorothea Garlin. Umfang: 6 Kassetten. Bestellnummer: 4774.

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position
Nr. 41:

Richard Wright: Sohn dieses Landes (1940)

Ausleihbar als Hörbuch:
Spr. Hans Lanzke. 11 Kass. 3438

Der schwarzamerikanische Autor Richard Wright wurde am 4.9.1908 in Natchez/Miss. geboren und starb am 28.11.1960 in Paris. Mit seinem inzwischen als Klassiker der afroamerikanischen Literatur geltenden Roman "Native Son" (Sohn dieses Landes) erlangte Wright nationale und internationale Anerkennung.
Der Roman handelt in Chicagos Southside in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und ist in drei Sektionen aufgeteilt: Fear, Flight und Fate. In den ersten beiden Teilen wird mit naturalistischer Präzision eine ungemein spannende crime story geschildert, der dritte Teil besteht fast ausschließlich aus der Gerichtsverhandlung.

Wright nahm in seinem ersten Roman das Thema wieder auf, das schon im Mittelpunkt seiner unter dem Titel "Uncle Tom's Children", 1938 (Onkel Toms Kinder), erschienenen Erzählungen stand und auch sein späteres Werk immer wieder bestimmte: Der Mensch wird von einer durch Hass und Vorurteile unmenschlich gewordenen Gesellschaft gehetzt und muss, wenn er menschlich handeln will, unschuldig schuldig werden.
Der Held des Romans, Bigger Thomas, ist ein schwarzer Junge aus den Slums von Chicago, die Wright aus eigener Anschauung kannte. Hass, Angst und Misstrauen sind die Instinkte, die ein Überleben in dieser Welt möglich machen, und Bigger Thomas scheitert erst in einer Situation, auf die diese Regeln nicht mehr anwendbar zu sein scheinen. Als Chauffeur bei der reichen und in patriarchalischer Art negrophilen Familie Dalton wird er zum Objekt der exaltierten Gleichheitsvorstellungen der Tochter des Hauses, Mary. Sie nimmt ihn zu einem Zechgelage mit ihren Freunden von der Universität mit und Bigger muss die vollkommen Betrunkene später in ihr Zimmer tragen. Dort hat Mary eine nervöse Krise; sie schreit und singt, Bigger versucht - aus Angst, im Zimmer einer Weißen ertappt zu werden - sie zum Schweigen zu bringen, und durch einen unglücklichen Zufall erstickt Mary. Schlagartig ändert sich nun das Bild: Der Begriff Gerechtigkeit ist in Biggers Weltbild nicht enthalten, er kennt nur Angst und Gewalt. Nachdem er die Leiche Marys verstümmelt hat, tötet er auch seine Freundin Bessie, die ihn überreden will, sich zu stellen. In diesen und den folgenden Szenen erreicht die dramatisch-naturalistische Schilderung Wrights ihren Höhepunkt. Nach einer atemberaubenden Jagd über die Dächer Südchicagos wird Bigger gefangen genommen und, nachdem er mit Mühe der Lynchjustiz der Menge entkommen ist, von dem Richter Buckley zum Tode verurteilt.
Bis zu diesem Punkt liegt die sozialkritische Tendenz des Romans in der reinen Darstellung von Situationen und Personen offen zutage: Es gibt keine persönliche Schuld; Bigger ist genauso den Zwängen seines Milieus unterworfen wie der Richter Buckley, der hofft, ein hartes Urteil in dem spektakulären Prozess werde seine Wiederwahl sichern.
Die in Hass und Feindseligkeit erstarrten Fronten der Rassen durchbricht lediglich der kommunistische Rechtsanwalt Max. In seinem - freilich vergeblichen - Versuch, die Zusammenhänge zwischen der Tat Biggers und den sozialen Voraussetzungen aufzudecken, will der Autor einen Ausweg aus der sozialen Fatalität aufzeigen, der seiner damaligen Auseinandersetzung mit dem Kommunismus entspricht. Max vermag die sozialen Barrieren zu überwinden und sein menschliches Verständnis führt dazu, dass zwischen ihm und dem Verurteilten eine herzliche Freundschaft entsteht. Biggers stolzer Hass gegen die Weißen löst sich allmählich, bis er endlich zur Erkenntnis seiner Schuld gelangt. In der Figur des Anwalts kommt schon die spätere Tendenz Wrights zum Ausdruck, die Macht der sozialen Zwänge, der er selbst als Schwarzer aus den Südstaaten ausgesetzt war, durch die individuelle, menschliche Einzelleistung zu überwinden; das ist der Weg Biggers, der damit aus der Anonymität des sozial determinierten "Negers" herauswächst und erst jetzt zu seiner eigenen Identität findet, die er sich bisher immer wieder durch Gewalttaten und Ungehorsam bestätigen musste. Nun, in der auf Achtung gegründeten Beziehung zu Max, erkennt er sich selbst als Individuum.
"Native Son" muss in doppelter Weise verstanden werden: Zum einen hat das Werk seinen Platz in der Tradition des amerikanischen sozialkritischen Romans der dreißiger Jahre und steht vor allem Dreisers "An American Tragedy", 1925 (Eine amerikanische Tragödie) und Farrells "Studs Lonigan", 1932-1935, sehr nahe. Mit diesen Werken verbindet den Roman Wrights nicht nur die schicksalhafte Rolle, die dem Milieu beigemessen wird, sondern auch die autobiographischen Züge, die als Mittel zur Bewältigung eigener Erlebnisse anzusehen sind. Damit jedoch, dass Wright die typische Problematik des amerikanischen Schwarzen, nämlich die Bestimmung seiner Persönlichkeit innerhalb einer "weißen" Gesellschaft, in seine Sozialkritik hineinnahm, betrat er Neuland. Die Reaktionen der Öffentlichkeit auf diesen Roman waren sehr lebhaft; er regte zahlreiche Werke über die Situation des Farbigen in den Vereinigten Staaten an und Wright arbeitete den Roman zum Drama um.
[Quelle: Kindlers neues Literaturlexikon. Hrsg. Von Walter Jens. Kindler Verlag, München 1989]

Die deutsche Übersetzung erschien erstmals 1941 in Zürich, das gleichnamige Drama wurde 1941 in New York uraufgeführt. 1951 in den USA verfilmt.

Weitere ausleihbare Hörbücher von Richard Wright in der DZB:
Black Boy.
Die Autobiografie
Spr.: Hans Lanzke. 8 Kass. 3493
Der Mann, der nach Chicago ging : Kurzgeschichten.
Spr.: Käte Koch/Gert Gütschow. 7 Kass. 6463
Onkel Toms Kinder.
Spr.: Gert Gütschow. 7 Kass. 3111
Der schwarze Traum.
Spr.: Hans Lanzke. 13 Kass. 3625

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationssystem für Sehgeschädigte)
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

RTFC - ein Programm, welches Textdateien in Blindenkurzschrift umsetzen, ausdrucken und noch so manches andere kann

Ulrich Jander

Wer als blinder Computernutzer gern Blindenschrift liest und sich diese auch ausdrucken möchte, kann ein Programm nutzen, welches Herr Wolfgang Hubert aus Stuttgart entwickelt hat. Es heißt RTFC und ist ein komfortables Konvertierungsprogramm, kann also z. B. Textdateien in andere Dateiformate umsetzen. Das Ausdrucken von Blindenschrifttexten ist mit RTFC kein großes Problem mehr. Das Programm läuft unter Windows. In der Vergangenheit gab es auch ältere DOS-Programme, die aber gegenüber RTFC nicht so vielfältig anwendbar und nicht so komfortabel waren. RTFC bietet eine breite Anwendungspalette; drei Bereiche möchte ich hier herausgreifen:
Die Blindenschriftumsetzung:
RTFC ermöglicht eine Übertragung in die Basisschrift, die Vollschrift oder in die Kurzschrift (Deutsche Blindenschriftsystematik 1998). Ein Ausdruck auf Papier kann wahlweise im selben oder in einem weiteren Schritt erfolgen. Im Ergebnis meiner Tests habe ich bei durch RTFC umgewandelten Textdateien keine Kürzungsfehler festgestellt. Die Konvertierung in Blindenschrift ist mit Hilfe des Windows Explorers oder in der MS-DOS-Eingabeaufforderung von Windows möglich.
Die HTML-Konvertierung:
RTFC wandelt unkompliziert Textdateien in das HTML-Format um. HTML ist die Grundlage des Datenverkehrs im Internet. Möchte man Informationen im Internet präsentieren, dann müssen diese Daten im HTML-Format vorliegen. Mit RTFC erfolgt die Umwandlung am Einfachsten mit Hilfe des Word-Textprogramms. Zuvor ist aber bei der Installation von RTFC zu berücksichtigen, dass RTFC in Word eingebunden wird. Zur HTML-Konvertierung ruft man im Word im Menü Bearbeiten den Punkt "in Hypertext umwandeln" auf und lässt sich dann mit Hilfe des RTFC-Assistenten durch die einzelnen Konvertierungsschritte leiten. Viele Einstellungen sind dort möglich, die man jedoch nicht vollziehen muss.
Die Umwandlung in das DAISY-Format:
Herr Hubert plant, die Nutzung des DAISY-Formats mit Hilfe von RTFC zu ermöglichen. Das DAISY-Format ist der Standard, auf dessen Grundlage die neuen Hörbücher auf CD produziert werden und abgespielt werden können. Die DZB wird im nächsten Jahr mit der Ausleihe dieses neuen Mediums beginnen; die Zeitschrift des DBSV "Die Gegenwart" ist dann auch in diesem Format erhältlich. Die jetzige Version von RTFC, 5.14, beinhaltet diese Nutzungsmöglichkeit jedoch noch nicht.

Das Programm RTFC steht in zwei Versionen zur Verfügung:
  1. die personal Edition, eine Shareware, die voll funktionstüchtig ist und für die man eine Lizenz mit einem Unkostenbeitrag in Höhe von 50 € erwirbt, oder
  2. die professional Edition, die vor allem im Bereich der Blindenschriftumsetzung noch weitere komfortable Funktionen, wie z. B. automatische Rechtschreibkontrolle, Silbentrennung und verschiedene Ausnahmelisten bei Kürzungen, enthält, die jedoch erst durch Registrierung und Zahlung von 400 € umfassend nutzbar ist (eine Demo-Version läuft 30 Tage).
Beide Versionen werden von Herrn Wolfgang Hubert im Internet angeboten unter:
http://www.rtfc.de/braille1.html

Das Programm RTFC lässt sich mit Hilfe eines Screenreaders durch einen blinden Anwender gut installieren. Man wird durch die einzelnen Installationsschritte über die Sprachausgabe oder Braillezeile geführt. Ein Unterverzeichnis "Doku" enthält das komplette RTFC-Handbuch, welches u.a. mit dem Internet Explorer benutzt und so gezielt nachgeschlagen werden kann. Ohne Handbuch wird man zumindest am Anfang nicht auskommen, denn die Funktionen und Einstellmöglichkeiten sind sehr vielfältig.

Für Fragen bzw. Hinweise erreichen Sie mich unter:

Tel.: 0341 7113-145,
Fax: 0341 7113-125 oder
E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de

Der Programmierer von RTFC, Herr Wolfgang Hubert, ist auch direkt erreichbar unter:
info@rtfc.de
Tel.: 0711 8893608

Zum Schluss noch ein paar Links im Internet zum Thema Brailleschrift, über die ebenfalls Wolfgang Hubert informiert hat:
  1. Blindenschrift-Homepage von Dieter Schmidt: http://www.braille-schrift.de/
  2. Braille - Informationen zur Punktschrift: http://www.braille.ch/index.html
  3. DZB - Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig: http://www.dzb.de/
  4. Dokumentation zur Punktschriftsystematik: http://www.fernuni-hagen.de/ZFE/fs/download.htm
  5. Ratgeber Behinderung zum Braille System: http://www.behinderung.org/dbalphan.htm
  6. SBS - Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte: http://www.sbs-online.ch/
  7. TOBIT - Hilfen für den Brailleunterricht: http://www.oebsv.at/deutsch/5_18.htm

Info-Service

DAISY-Ausleihe

[Jörg Klemm]
Gesprochen wurde nun schon monatelang darüber. Nun soll es im Herbst endlich losgehen: Die Testausleihe von DAISY-Hörbüchern.
Verschiedene Hörer haben sich bereiterklärt, uns in der Anfangsphase zu unterstützen - denn: Neue Angebote sind gut und schön, aber sie müssen natürlich auch getestet und angenommen werden.
Die DAISY-CD-ROMs werden in Boxen mit Wendeadressen verschickt, die etwa so flach sind wie die Boxen für die Hörspiele. Zu beachten ist, dass man beim Öffnen eine kleine Lasche auf der rechten Seite hochklappen, dann aber noch zusätzlich 2 kleine Überlappungen (ebenfalls auf der rechten Seite) aufdrücken muss - sonst geht irgendwann die Lasche kaputt.
Die meisten unserer neuesten Titel, die es bereits auf Kassette gibt, werden wir als DAISY-Hörbuch zur Verfügung stellen können.
Weitere Informationen, z. B. über Abspielgeräte oder DAISY-PC-Software sowie eine Liste der verfügbaren DAISY-Hörbücher können bei Frau Waldt, Tel. 0341 7113-116 abgefordert werden. Ebenso können sich "DAISY-Testhörer" bis Anfang September noch bei Frau Waldt melden.

Die Zukunft beginnt mit der "Gegenwart"

[Dr. Thomas Nicolai]
Sie kennen das Magazin für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde noch nicht? Diese Monatszeitschrift des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV) bietet ihren Lesern vielseitige und aktuelle Information, Unterhaltung sowie Ratschläge und Erfahrungsberichte aus Beruf, Freizeit und Alltag.
Rechtsfragen, Hilfsmittel, Verbandsarbeit, Berufschancen, Freizeit und Urlaub, Fortbildungsangebote, neue Bücher und Hörfilme, Kultur und Sport - das sind nur einige Themen, die die "Gegenwart" auch in Zukunft behandelt.
Dazu kommen Kurzgeschichten, Haushaltstipps, Diskussionsrunden, ein internationales Mosaik, Rätsel, Humor und vieles andere. In den Anzeigen hat schon mancher viel Nützliches für sich entdeckt. Einige Leser haben über die "Gegenwart" sogar ihren Lebenspartner für die Zukunft gefunden.
Besonders schätzen die Leserinnen und Leser, dass sie in dieser Zeitschrift nicht nur Informationen aus ihrer Region bekommen, sondern "über den Gartenzaun" schauen können.
Die "Gegenwart" erscheint in Blindenschrift, auf Tonband-Kassette (3 Kassetten), in Schwarzschrift (relativ großer Druck) und auf Diskette. Der Abonnementpreis (im Jahr 2002) beträgt 33,00 €. Abonnenten unter 21 Jahren zahlen den halben Preis. Ausgewählte Beiträge finden Sie auch im Internet:
http://www.dbsv.org/.
Fordern Sie ein kostenloses Probeexemplar an bei:
DBSV-Zeitschriftenverlag
Bismarckallee 30, 53173 Bonn
Tel. 0228 95582-13.

Die Redaktion der "Gegenwart" hat folgende Anschrift:
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.
Abt. Verbandskommunikation
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: 030 285387-0

Die "Gegenwart" auf CD-ROM

[Dr. Thomas Nicolai]
Eine neue Ära der "Gegenwart" bricht an. Die "Gegenwart" gibt es ab 2003 endlich auch im DAISY-Format auf CD-ROM.
Was bietet die DAISY-Gegenwart auf CD-ROM? Und welche Technik ist nötig, um sie zu lesen oder zu hören?
Die gesprochene "Gegenwart" kann man dann abspielen
  1. mit einem speziellen Abspielgerät (Victor oder Plextalk).
  2. über Computer mit Sound-Karte (das dafür notwendige Programm wird auf der CD mitgeliefert),
  3. oder über einen MP3-Player (solche Geräte haben wir in der Juni-Ausgabe der Gegenwart vorgestellt),
Die gesamte Audio-Gegenwart findet der Hörer auf einer CD-ROM. Die Qualität ist gegenüber der Kassette wesentlich besser. Und vor allem kann man von Artikel zu Artikel und auch innerhalb der Rubriken zu den darin gegliederten Informationen per Tastendruck springen. Das lästige Spulen und Suchen entfällt.
Der Text im HTML-Format ist den PC-Nutzern barrierefrei zugänglich. Und als PDF-Datei erscheint die "Gegenwart" sogar mit Bildern auf dem Monitor, was manchem Sehbehinderten nützlich sein dürfte.
Die "Gegenwart" der neuen Ära ist - soweit uns bekannt ist - weltweit die erste Zeitschrift die im DAISY-Format erscheint, ein weiterer Beleg für die Richtigkeit unseres Mottos: "Die Zukunft beginnt mit der 'Gegenwart'".

Leipzig für Olympia e.V.

Leipzig bewirbt sich um die Austragung der Olympischen Spiele 2012. Im Jahr 2003 entscheidet das NOK über die deutsche Bewerberstadt. Mitbewerber sind Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart.
Zur Unterstützung der Bewerbung der Stadt Leipzig um die Austragung der Olympischen Spiele wurde ein Bürgerverein "Leipzig für Olympia e.V." gegründet.
Der Verein wird Veranstaltungen durchführen, mit denen er der Bevölkerung ermöglicht, ihrer Unterstützung der Olympia-Bewerbung Ausdruck zu geben. Ferner will der Verein den Leipziger Bürgern Chancen und Nutzen, die mit Olympischen Spielen in Leipzig für Leipzig verbunden sind, aufzeigen. Außerdem will es der Verein örtlichen Sportlern und Sportfunktionären ermöglichen, auf überregionalen und internationalen Wettbewerben Leipzig als Bewerber für die Olympischen Spiele bekannt zu machen.
Über Aufgaben und Ziele des Vereins, Aufnahmebedingungen und Mitgliedschaft informiert ein Merkblatt, das auch in Blindenschrift und Großdruck vorliegt. Zu beziehen ist es über
Leipzig für Olympia e.V.
Specks Hof, Reichsstraße 4-6
04109 Leipzig
Tel. 0341 1498949
Fax 0341 1498950
E-Mail:
elke.straub@leipzig-fuer-olympia.de
Web: http://www.leipzig-fuer-olympia.de/

Tanzfestival für Blinde und Sehbehinderte

[blinden-pressedienst]
Vom 11. bis 13. Oktober 2002 veranstaltet die Abteilung Tanz des Behinderten-Sportverbandes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Sport des Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen e.V. ihr achtes Tanzfestival. Im Haus des Behindertensports in Winterberg-Langewiese im Sauerland unterrichten Andrea und Udo Dumbeck Standard- und Lateintänze. Weitere Informationen gibt Helmut Jürgen, Am Bentenkamp 27, 44143 Dortmund, Telefon und Fax: 0231 553262.

Aachen: Stadtführung mit Walkman

[blinden-pressedienst]
Einen touristischen Rundgang durch die historische Innenstadt Aachen können Blinde und Sehbehinderte jetzt auf eigene Faust unternehmen. Die Wegbeschreibung und eine Erklärung zu interessanten Gebäuden sind mit einem Wiedergabegerät zu hören, das im Bahnhof und beim Verkehrsverein ausgeliehen werden kann. Nähere Auskünfte gibt der Blindenverein Aachen Stadt und Land e.V., Fringsgraben 89, 52068 Aachen, Telefon: 0241 553282.

Politik-Journal

[blinden-pressedienst]
Hintergründe aus Politik und Zeitgeschichte bringt die Cassettenzeitschrift "Politik-Journal" zu Gehör. Mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung werden jeden Monat sechs bis sieben Themen behandelt; die ausführlichen Texte klären Grundsatzfragen und historische Zusammenhänge. Sie helfen damit, tagesaktuelle Nachrichten besser zu verstehen. Eine Probeausgabe kann angefordert werden bei Aktion Tonband-Zeitung für Blinde e.V., Postfach 1421, 37594 Holzminden, Telefon: 05531 7153, Fax: 05531 7151, E-Mail: atz@atz-blinde.de

Lehrgänge des DBBW

04.11.-08.11.02 in 82442 Saulgrub: Auf den Punkt kommen - Fortbildungsseminar für Telefonisten;

09.11.-16.11.02 in 82442 Saulgrub: Einführung in Windows XP;
16.11.-23.11.02 in 82442 Saulgrub: Einführung in EXCEL;

17.11.-22.11.02 in 75378 Bad Liebenzell: PC-Einführungskurs für Sehbehinderte: Windows und Word 2000.

23.11.-30.11.02 in 82442 Saulgrub: Einführung in das Internet

Kontaktadresse:
DBBW - Deutsches
Blindenbildungswerk gGmbH
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: 07621 799230; Fax: 07621 799231
E-Mail: info@dbbw.de, http://www.dbbw.de/

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John Ronald Reuel Tolkien:
"Der Herr der Ringe" in Brailleschrift
Seit den 60er Jahren weltweit Kultbuch, ist "Der Herr der Ringe" längst der Klassiker der Fantasy-Literatur und eines der am meisten verkauften Bücher. Es berichtet vom Ringkrieg, welcher in einer fiktiven Welt ausbricht. Menschen und Zwerge, Elfen und Baumgeister, Dämonen, Ungeheuer und Magier nehmen Teil am Kampf um Mittelerde.
Die Brailleschriftausgabe in der Übersetzung von Wolfgang Krege (Stuttgart: Klett-Cotta, 2001) umfasst 15 Bände Kurzschrift und kostet 306,75 €. Lieferbar ist "Der Herr der Ringe" in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB).

Impressum

Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 15,- DM / 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 24,- DM / 12,27 €). Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".

Herausgeber, Verlag und Druck:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel. 0341 7113 - 0,
Fax: 0341 7113 - 125
E-Mail: info@dzb.de, http://www.dzb.de/

Redaktion:
Karsten Sachse, Tel. 0341 7113 - 135

Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann, Tel. 0341 7113 - 120.
Ihre Anzeige wird automatisch in allen Editionsformen der jeweiligen Zeitschrift veröffentlicht (außer dem Internet). Es gilt unsere Anzeigenpreisliste: für eine Editionsform pro Wort 0,45 €, bei zwei Editionsformen pro Wort 0,90 € und bei drei Editionsformen pro Wort 1,35 €. Die Kennziffergebühr beträgt 5 €. Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen.

Spendenkonto-Nr.: 1100491100
BLZ: 86055592
Stadtsparkasse Leipzig

DZB 2002