DZB-NACHRICHTEN
Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 6/2002     November/Dezember  12. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Unsere Postecke

Hundertster Todestag von Hieronymus Lorm
    Das Tastalphabet

Einblicke
    Die Zeitschrift "Literaturtreff" 2003

Wie war das damals?
    Das Schullandheim in Rittersgrün
    Abriss zur Entwicklung der Blindenstenografie

Die Kramkiste
    Johanna Hoffmann: "Spiele fürs Leben"
    Weihnachtliche Empfehlungen

Bücher des Jahrhunderts
    George Orwell: Farm der Tiere

LOUIS
    Wie kann man DAISY-Hörbücher bzw. -Hörzeitschriften abspielen?

Info-Service
    Hörbuchkatalog mit Themengruppen
    Mitteilung der Hörbücherei
    Fachgruppenleitungssitzung der Fachgruppe "Physiotherapie
    Die Reha.Komm Berlin 2002 war eine Reise wert...
    Ein Tag mit Herrn Weißstock
    EU-LuxOr Symposium International 2003 in Bozen
    Lehrgänge des DBBW
Impressum

Vorbemerkung

Liebe Leserinnen und Leser, wie immer waren auch diese Herbstwochen sehr ereignisreich. Verschiedene Rückblicke und Berichte sollen Ihnen einen Eindruck von den stattgefundenen Ereignissen vermitteln. Unser kleiner Braille-Exkurs wird fortgeführt und es gibt weitere Tipps und Hinweise zur Benutzung von DAISY-CD's. Beschaulich geht es in Dr. Uhligs Jugenderinnerungen zu, die im nächsten Jahr erscheinenden Titel unserer Zeitschrift "Literaturtreff" werden vorgestellt und natürlich haben wir auch einige weihnachtliche Literaturtipps für Sie vorbereitet. Denn es ist schon wieder so weit: der Jahreswechsel steht bevor.
Ich darf Ihnen schon jetzt ein friedliches Weihnachtsfest wünschen. Kommen Sie gut ins neue Jahr, in dem wir uns dann hoffentlich gesund und bei guter Laune "wiederlesen" bzw. -hören ...

Ihr Karsten Sachse.

Unsere Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Variationen in Braille (DZBN 5-2002)
"(...) Ich finde den Artikel sehr interessant. Zu folgenden Punkten hätte ich noch gerne nähere Informationen: Mich würde erst mal das Regelwerk und Wörterverzeichnis von 1904 interessieren. Zum Einen begegnet einem ja die alte Kurzschrift immer wieder, zum Anderen ist es einfach interessant.
Wann und wo gab es die verschiedenen Stenovarianten (6-, 7- und 8-Punkt) und es gab doch auch in West und Ostdeutschland verschiedene Stenosysteme?
Gibt es näheres über das 8-Punkte-Braille aus Cambridge nachzulesen? Mich würde auch mal näheres über die Mathe- und Chemieschrift-Systeme interessieren, auch die Unterschiede zwischen dem Marburger, dem LaTeX und AMS. Evtl. auch die entsprechenden Systematiken.
Was gibt es noch zu den Spezialschriften? Es gibt doch neben dem Braille-System andere, wie z. B. die Moonschrift. Noch interessanter wäre es dann, wenn man bei den Schriften in Reliefform oder so, Beispiele bzw. Muster beisteuern könnte. (...)"
[André Rabe, Hamburg]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Wir werden versuchen, nach und nach auf die von Herrn Rabe formulierten Fragen einzugehen. In dieser Ausgabe finden Sie dazu einen Artikel von Herrn Dr. Günther Thiele über Blindenstenografie. Auf die Beilage von Reliefs bzw. Mustern werden wir allerdings in den DZBN verzichten. Solches Material müsste einer eigenständigen Publikation zum Thema Blindenschrift vorbehalten bleiben ...

DAISY-Test-Ausleihe
"(...) Ihre Entscheidung, mit aller Kraft im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die Bücher im mp3-Format herzustellen, ist sowohl fachlich als auch wirtschaftlich richtig. (...) Wirtschaftlich gibt es keinen anderen Weg, weil ja in aller Regel ein Buch auf eine CD passt, so dass sich die Ausleihe wesentlich vereinfacht (keine vergessenen Einzelkassetten zu Hause, bessere Lagerung der Bücher im Magazin, einfacherer Postversand usw.). Hinzu kommt, dass die CD für ein Buch billiger ist als die vielen Einzelkassetten.
Was mich nur stört - das war schon bei der Umstellung von den Spulentonbändern auf Kassette - ist, dass parallel auf Kassette und CD produziert wird. Man kann durchaus jedem Hörer zumuten, sowohl einen geeigneten CD-Spieler als auch ein Kassettengerät zu haben. (...)
[Gerd Spilker, Halle/Westf. ]
BEMERKUNG DER REDAKTION
Gestatten Sie den Hinweis, dass es sich bei der neuen Form der Hörbücher nicht um mp3-, sondern um DAISY-Hörbücher handelt. Das mp3-Format bietet nicht annähernd die Möglichkeiten von DAISY, mp3 ist lediglich die Komprimierungsform der Daten, die dann mit DAISY verknüpft und strukturiert werden. Es geht letztlich nicht nur darum, mehr Daten auf einen Tonträger zu bringen, sondern um die bessere Verwertbarkeit dieser Daten für Blinde und Sehbehinderte.
Momentan befinden wir uns in der Testphase - es braucht Zeit, bis die Ergebnisse ausgewertet und umgesetzt sind. Die Umstellung auf Kassette war seinerzeit auch ein längerer Prozess: alte Titel mussten umgeschnitten werden, neue Technik wurde benötigt (und die dazu gehörenden finanziellen Mittel). Das ist bei der Umstellung auf DAISY nicht viel anders, nur dass die DAISY-Vorbereitung noch arbeits- und kostenintensiver ist.

Guck mal, wer da spricht!

"(...) Die betrübte Miene des Kraftfahrers unseres Kleinbusses, der in den letzten Stunden Baustellen, Staus und Umleitungen zu überwinden hatte, hellte sich zusehends auf, als wir uns der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig näherten und hier eine eindeutige Straßenbeschilderung, verbunden mit geschichtlichen Hinweisen auf eine ehemals jüdische Schule, keinen Zweifel daran aufkommen ließ, dass wir unser Ziel erreichen würden. Der Tag der offenen Tür am 7. September dieses Jahres hatte eine Reisegruppe der KO Limbach-Oberfrohna angelockt. Nach freundlichem Empfang durch Frau Susanne Siems bleibt mir nur wenig Zeit zu einem kurzen Plausch mit Frau Gabi Schulze. Wenn ich mit dieser Frau spreche, fühle ich mich immer so gesund. Heute ist sie wie viele andere Kolleginnen und Kollegen der DZB stark beschäftigt, weil die Gäste in überschaubaren Gruppen durch die einzelnen Abteilungen des Hauses geführt werden müssen, um einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können.
Bei strahlendem Sonnenschein folge ich meiner Gruppe in den Hof der DZB. Nicht alltägliche Gerüche machen darauf aufmerksam, dass hier gegrillt wird und für Speis' und Trank bestens gesorgt ist. Wenn auch Besucher aus Leipzig dominieren, so trifft man hier plötzlich Freunde aus Naumburg und Reichenbach/Vogtland, die man eine Ewigkeit nicht zu Gesicht bekommen hat, und hoppla! - die da so fröhlich schwätzen, sind aus Hessen angereist.
Unser besonderes Interesse konzentriert sich auf die 14.00 Uhr beginnende Veranstaltung unter dem Motto "Guck mal, wer da spricht!", die vom Direktor der DZB, Herrn Dr. Thomas Kahlisch, initiiert und mit großem Engagement moderiert wurde. 11 Sprecher der DZB unterrichteten über ihre Person und bisherigen beruflichen Werdegang und stellten sich den Fragen der ca. 50 Gäste. Die sich da so locker und lustig vorstellten, kannten wir alle von Hörzeitschriften und Hörbüchern. Wir erkannten aber auch, dass sie das Schicksal von Rundfunksprechern, Fernsehmoderatoren und Filmschauspielern teilen; der Beifall des Publikums erreicht sie nie. Nur heute sollte sich das grundsätzlich ändern. Wenn ich die Namen der Sprecher nicht erwähne, so nur deshalb, weil dies den Rahmen dieses Berichtes sprengen würde und weil ich aus der Schar der "alten Hasen" und Neulingen niemanden hervorheben möchte. Hatten sich doch alle dem guten Zweck zur Verfügung gestellt.
Eine allgemeine Feststellung darf ich aber nicht verschweigen: Die technische Ausführung der Hörbücher und die Qualität der Sprecher der DZB wird von keiner anderen Hörbücherei im deutschsprachigen Raum übertroffen. Lesen, in diesem Falle "Hören", ist nicht Selbstzweck. Lesen, in diesem Falle "Hören", kann helfen, psychische Probleme zu lindern und damit das Selbstwertgefühl zu steigern. Allen Kolleginnen und Kollegen der DZB soll bei dieser Gelegenheit, verbunden mit dem Wunsch für weitere erfolgreiche Arbeit, ein herzliches Dankeschön ausgesprochen werden. Den Besuchern der Veranstaltung wird dieser Tag noch lange im Gedächtnis bleiben.
[Manfred Vogel, Limbach-Oberfrohna]

Hundertster Todestag von Hieronymus Lorm

Hieronymus Lorm hieß eigentlich Heinrich Landesmann. Er wurde am 9. August 1821 in Mähren geboren und wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus in Wien sehr behütet auf. Seine schwache Gesundheit machte seinen Eltern von Geburt an Sorgen. Dennoch konnte er zunächst eine normale Schule besuchen, später wurde er durch Privatunterricht besonders gefördert. Es zeigte sich, dass er hochmusikalisch war. Folglich wurde er von den besten Lehrern der damaligen Zeit unterrichtet; die Lehrer waren begeistert von seinem musikalischen Verständnis. In dieser für den 16-jährigen Jungen so kreativen Phase, die schon seinen weiteren Lebensweg vorzuzeichnen schien, verlor er innerhalb von zwei Tagen sein Gehör. Er war plötzlich ohne Vorwarnung und ohne äußeren Einfluss taub geworden. Dazu kam, dass er gleichzeitig erkennen musste, dass seine Sehfähigkeit deutlich nachließ.
Er fand die Kraft, sich seiner Fähigkeiten zu besinnen: Er wurde Schriftsteller und Philosoph, der sich in sehr vielfältiger Form äußerte - sei es in Romanform, Lyrik, Aufsätzen in der Presse, Briefen usw. In seinen Schriften prangerte er die strenge Pressezensur in Österreich an, die von Metternich veranlasst worden war. Um sich und vor allem seine Familie zu schützen, schrieb er unter dem Pseudonym Hieronymus Lorm. Mit 35 Jahren ging er eine Ehe ein, der drei Kinder entstammten. Seine Frau unterstützte ihn in jeder Weise. Später bekam sie sehr aktive Hilfe durch eine der Töchter, so dass Lorm in seiner Schaffenskraft kaum noch behindert schien. Zu dieser Zeit erfand er ein Tastalphabet aus Punkten und Strichen, mit dessen Hilfe seine Mitmenschen mit ihm kommunizieren konnten. Es war einfach erlernbar, so dass seine Familie, Freunde und auch Schriftsteller sich gut mit ihm verständigen konnten. Dieses Alphabet bezeichnet man als Lorm-Alphabet.
Seine höchste Schaffenskraft entwickelte Lorm während seiner Zeit in Dresden, wo er 21 Jahre lebte. Von seinen vielen philosophischen Werken soll eines besonders hier erwähnt werden: "Der grundlose Optimismus". Er schrieb es nach seiner völligen Erblindung. Er begründete darin seine Ansicht, dass jedes natürliche Wesen - also auch der Mensch - mit einem erheblichen Maß an Optimismus ausgestattet sei, der als Eigenschaft vorhanden sei und nicht erlernt werden müsse.
Hieronymus Lorm lebte zuletzt bei seinen Kindern in Brünn, wo er am 3. Dezember 1902 starb.
[Quelle: www.anderssehen.at/portrait/
lormen.shtml]

Das Tastalphabet

1881 entwickelte Lorm ein Tastalphabet. Zusammenfassend lässt sich folgende Instruktion für sein System denken:
Der Taubblinde lasse sich am besten die Innenseite der rechten Hand "besprechen" und halte dabei deren Finger etwas gespreizt. Ein Abstrich läuft, ob kurz oder lang, immer in Richtung Fingerspitze/Handwurzel, ein Aufstrich entgegengesetzt. Punkt bedeutet kurzes Antippen. Als Wortschlusszeichen dient ein leichter Schlag auf die besprochene Hand.

A Punkt auf Daumenspitze
E Punkt auf Zeigefingerspitze
I Punkt auf Mittelfingerspitze
O Punkt auf Ringfingerspitze
U Punkt auf Kleinfingerspitze
  
Ä zwei Punkte auf Daumenspitze
Ö zwei Punkte auf Ringfingerspitze
Ü zwei Punkte auf Kleinfingerspitze
J zwei Punkte auf Mittelfingerspitze
 
B kurzer Abstrich auf Mitte des Zeigefingers
D kurzer Abstrich auf Mitte des Mittelfingers
G kurzer Abstrich auf Mitte des Ringfingers
H kurzer Abstrich auf Mitte des kleinen Fingers
T kurzer Abstrich auf Mitte des Daumens
F leichtes Zusammendrücken der Spitzen von Zeige- und Mittelfinger
P langer Aufstrich an Außenseite des Zeigefingers
K Punkt mit vier Fingerspitzen auf Handteller
L langer Abstrich von Fingerspitzen zum Handgelenk
M Punkt auf Kleinfingerwurzel
N Punkt auf Zeigefingerwurzel
R leichtes Trommeln der Finger auf Handteller
S Kreis auf Handteller
Z Schrägstrich vom Daumenballen zur Kleinfingerwurzel
V Punkt auf Daumenballen, etwas von außen
W zwei Punkte auf Daumenballen, etwas von außen
CH schräges Kreuz auf Handteller
SCH leichtes Umfassen der 4 langen Finger
ST langer Aufstrich an Außenseite des Daumens
 
C Punkt auf Handgelenk
X Querstrich über Handgelenk
Q langer Aufstrich am Außenrand der Hand (Kleinfingerseite)
Y Querstrich über Finger in der Mitte

[Quelle: http://www.behindertenbeauftragter.de/az/lormen]

Einblicke

Die Zeitschrift "Literaturtreff" 2003

Karsten Sachse

Ich begrüße Sie herzlich zu einer kleinen Vorschau auf jene Titel, die Sie im Jahr 2003 erwarten!
Starten soll der 16. Jahrgang mit einem italienischen Krimi von Andrea Camilleri. Neben seinen historischen Romanen wurde der 1925 geborene Essayist, Drehbuchautor und Theaterregisseur vor allem durch die Kriminalromane um den sizilianischen Commissario Montalbano zum beliebtesten Schriftsteller seines Heimatlandes. Die deutsche Ausgabe des Romans "Die Stimme der Violine: Commissario Montalbano hat einen Traum" erschien 2001 (Edition Lübbe). Montalbano hat den Mord an der jungen, schönen und reichen Arztgattin Michela Licalzi aufzuklären.
Die Nichte des ermordeten chilenischen Präsidenten Salvador Allende muss man eigentlich schon nicht mehr vorstellen. Isabel Allende wurde 1942 in Lima/Peru geboren. Ihr erster Roman "Das Geisterhaus" war weltweit ein Erfolg. Der neueste Roman heißt "Die Stadt der wilden Götter" (zeitgleich bei Suhrkamp und Hanser erschienen). Gibt es im Dschungel des Amazonas wirklich ein riesiges, menschenähnliches Wesen, eine Bestie, die Menschen und Tiere tötet? Das soll eine Expedition herausfinden, der auch der 15-jährige Alex aus Kalifornien angehört. Bald entdecken Alex und Nadia, die Tochter des brasilianischen Expeditionsleiters, dass ein teuflischer Plan hinter der ganzen Sache steckt.
Mit dem Thema des folgenden Romans hat sich schon William Shakespeare beschäftigt. Der amerikanische Schriftsteller John Updike erzählt in "Gertrude und Claudius" (Rowohlt Verlag) die Geschichte der Königin und des Königs von Dänemark bis zu dem Augenblick, in dem die Handlung von Shakespeares "Hamlet" beginnt.
Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dem Humor zu seinem Recht zu verhelfen. Wir versuchen dies mit dem Roman "Die Meute der Erben" von Gaby Hauptmann (Piper-Taschenbuchverlag). Die Autorin ist bekannt für ihren lockeren Schreibstil mit leichten Dialogen. Diesmal geht es ums Geld. Und wenn's um's Geld geht, ja, dann halten nicht mal mehr Blutsbande, besonders dann nicht, wenn große Summen im Spiel sind, noch präziser, wenn da ein 85-jähriger Vater noch halb lebt, der ein immenses Vermögen angescheffelt hat und den es zu beerben gilt. Wie die Geier fallen die geldgierigen Töchter in der Villa des alten Herrn ein.
Der britische Schauspieler, Comedy-Star, Drehbuchautor und Theaterdirektor Peter Elbling erfand die Lebensgeschichte des Ugo DiFonte, ein stimmungsvolles Bild der italienischen Spätrenaissance aus dem Blickwinkel eines umbrischen Schafhirten und zugleich ein vergnügliches Schelmenstück. In "Der Vorkoster" (Ehrenwirth) wird ein armer Schlucker, der nahe am Verhungern ist, zum Vorkoster des Herzogs bestimmt. Von nun an bekommt er täglich die köstlichsten Speisen vorgesetzt, von denen jede ihn umbringen könnte.
Eine geheimnisvolle, bittere Liebesgeschichte erzählt der ungarische Schriftsteller Sandor Máraí in "Das Vermächtnis der Eszter" (Piper Verlag). Lajos, die alles bestimmende Liebe in Eszters Leben, der nicht sie, sondern ihre Schwester Vilma heiratete, sucht zwanzig Jahre später Eszter auf und bringt drei geheimnisvolle Briefe mit.
Widmen wir uns nun dem abenteuerlichen Bericht aus fernen Ländern. In "Ströme aus roter Erde" (Eichborn) beschreibt Natasha Illum Berg ihr Leben als Großwildjägerin in Afrika. In Tansania, auf den Spuren von Karen Blixen, weiß sich die junge Dänin als einzige Frau in der Männerdomäne der Großwildjagd zu behaupten. Feinfühlige Naturbeschreibungen und atemberaubend geschilderte Jagdepisoden illustrieren einen spektakulären Lebensentwurf, in dem die Autorin konsequent ihren Traum vom Leben in Wagnis und Weite des schwarzen Kontinents verwirklicht.
Zum Schluss reisen wir zurück in das Rom unter Kaiser Nero. Seneca gilt als ein Musterbeispiel für steilen Aufstieg und tiefen Sturz, ein Fall für große Tragödien, wie er sie selbst schrieb - und auch für Romane. Einen solchen Roman legte nun der junge Schweizer Autor Beat Schönegg vor. Er entwirft ein Zeit- und Sittenbild Roms aus heutiger Sicht, in kräftigen, oft grellen Farben, und zeigt einen Menschen, der unter der Tyrannis bis zum letzten Atemzug Humanität zu leben bestrebt ist ("Der Tod des Seneca", Reclam Verlag).
Gestatten Sie noch einen kleinen Hinweis, der in Zeiten allgemeiner Teuerungen durchaus berechtigt ist: Auch im Jahr 2003 bleibt der Preis für das Abonnement des "Literaturtreff" stabil bei 53,17 EUR für 52 Ausgaben in höchster Punktdruckqualität (Matrizendruck). Eine Tatsache, die sich auch Dank Ihrer Mithilfe herumsprechen sollte.

Wie war das damals?

Das Schullandheim in Rittersgrün

Dr. Werner Uhlig

Die Chemnitzer Blindenschule geht ihrem 100-jährigen Jubiläum entgegen. Im Jahre 1905 ist die Sächsische Landesblindenanstalt von Dresden nach Chemnitz-Altendorf verlegt worden. "Das beste Stück" dieser Blindenschule - jedenfalls aus der Sicht meiner Schülergeneration - lag in den Jahren von 1940 bis 1950 weit außerhalb des Chemnitzer Anstaltsgeländes, nämlich am Erzgebirgskamm. Es war unser Schullandheim in Oberrittersgrün. Für uns war es belanglos, dass die Schaffung von Schullandheimen zum Erziehungskonzept in der Nazizeit gehörte. Offiziell sollte es in diesen Heimen nicht um Erholung gehen. "Im Schullandheim soll
  1. eine gesteigerte bewusste Körperpflege, insbesondere durch Atemübungen getrieben werden;
  2. auch ein heimatnaher, von den täglichen Erlebnissen und Erkenntnissen ausgehender Unterricht stattfinden;
  3. der Aufenthalt im Schullandheim noch mehr als je in der Blindenschule den deutschen Jungen und das deutsche Mädel heranbilden helfen, wie es die neue Volksgemeinschaft im Hinblick auf die Zukunft unseres Volkes erfordert"
("Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde in Sachsen" Nr. 26 vom 1. Dezember 1940)
Ungeachtet dieser Zielvorgaben war für uns das Schullandheim ein paradiesischer Ferienort. Die Grenze auf dem durchschnittlich 900 Meter hoch gelegenen Erzgebirgskamm verläuft in einem unerklärlichen Zick-Zack. Bis 1918 stießen hier zwei Königreiche und zwei Kaiserreiche aneinander. Handel und Verkehr über diese unübersichtliche Grenze waren von jeher recht lebhaft, aber keineswegs wurden immer nur die Zollstraßen benutzt. Auch nach 1918 - und man kann wohl sagen bis heute - blüht der Schmuggel.
Erzgebirgler empfanden es früher und heute durchaus nicht unehrenhaft, Geschäfte über die Grenze zu machen. Ab 1933 fürchtete die damalige deutsche Regierung aber auch Spionage und Verbindungen antifaschistischen Widerstands von drüben nach hüben. 1940 konnte man noch 100 Kilometer den Kamm entlang wandern, ohne den Wald länger als eine viertel Stunde verlassen zu müssen.
Unmittelbar nach dem Machtantritt der Nazis ließ die Reichsfinanzverwaltung entlang dieser Grenze viele Zollhäuser für die Grenzer und ihre Familien errichten. Sie waren gerade fertig, als 1938 der erste Schritt zur Annexion der Tschechoslowakei durch Hitlerdeutschland erfolgte, bevor ein Jahr später das so genannte "Protektorat Böhmen und Mähren" geschaffen wurde. Im damaligen Sprachgebrauch holte Hitler das Sudetenland "heim ins Reich". Da waren die Zollhäuser überflüssig und wurden verkauft. Der Direktor der Chemnitzer Blindenanstalten, Walter Ritter, nahm diese Gelegenheit wahr. Vom äußersten Südwesten Sachsens bei Bad Elster bis zum Fichtelberg betrachtete er die Zollhäuser auf der Suche nach einem Schullandheim, das Rittersgrüner erschien ihm am besten geeignet.
Der Ort Rittersgrün liegt im Pöhlwassertal und erstreckt sich entlang einer Straße, die von Schwarzenberg kommt und über Tellerhäuser und Neues Haus nach Oberwiesenthal führt. Bis in die 60er-Jahre war die Ortsmitte noch mit einer Schmalspurbahn erreichbar, die von Grünstädtel aus über Raschau und Pöhla heraufgedampft kam. Heute befindet sich am ehemaligen Rittersgrüner Bahnhof ein kleines Eisenbahnmuseum.
Unser Schullandheim war das letzte und höchst gelegene Haus an einer steilen Seitenstraße, die durch den Wald hinauf nach dem Ort Halbemeile führt. Das Haus steht in einem 1800 m² großen eingefriedeten Gartengelände. Das schönste für uns in der unmittelbaren Umgebung ist der weitläufige Wiesengrund gewesen, unten rauschte ein wilder Bach, der Mückenbach, seit 1945 wieder Grenzbach zur tschechischen Republik. Oberhalb des Heims kilometerweit Wald, Wald, nichts als Wald! Ungefähr 10 Minuten vom Haus entfernt befand sich in einem Seitental des Pöhlwassers das Schwimmbad der Gemeinde, das wir in den Sommermonaten ausgiebig nutzten. Wie konnten wir dort herrlich stundenlang im Wald und auf den Wiesen umhertoben!
Und so sah unser Schullandheim aus. Ursprünglich war es ja für drei Zollbeamte und ihre Familien als Wohnhaus gedacht. Durch einige Umbauten konnte wesentlich mehr Raum für die neue Zweckbestimmung im Innern gewonnen werden. Im Kellergeschoss, wo sich auch eine Garage für zwei Autos befand, lagen einige Wirtschaftsräume, der Kohlenkeller sowie der Waschraum für uns Schüler. Im Erdgeschoss befand sich ein kleiner Saal, der als Schul-, Speise- und Aufenthaltsraum diente. Es schloss sich die Heimküche und die Wohnung unserer Hausmutter, Frau Ludwig, an. Außerdem gab es im Erdgeschoss zwei Wannenbäder, WC und vier Schlafräume mit je sechs Betten. Es handelte sich um Doppelstockbetten. In diesen vier Schlafräumen waren immer wir Jungs untergebracht. Im Obergeschoss befanden sich neben einem Gemeinschaftsraum, der als eine Art Wohnküche gestaltet war, noch fünf Zimmer mit zwei bis vier Betten, die nicht übereinander standen. Diese Räume im Obergeschoss waren den Mädchen vorbehalten und dienten außerdem, wenn das Heim nicht mit Schülern belegt war, dem Personal der Chemnitzer Blindenanstalt als Urlaubsaufenthalt. Alle Möbel waren zwar einfach, aber nagelneu. Bei den Mahlzeiten stand uns ausschließlich Hutschenreuterporzellan aus Selb zur Verfügung. Das Haus hatte eine eigene Wasserleitung, die aus dem nahen Staatsforst kam und eiskaltes und etwas radiumhaltiges Wasser lieferte. Schulunterricht gab es freilich auch, bei gutem Wetter meistens draußen im Wald. Die meiste Zeit verbrachten wir in Rittersgrün aber mit ausgedehnten stundenlangen Wanderungen, z.B. nach Breitenbrunn, nach Antonshöhe oder zum Fichtelberg. Angst vor Fliegeralarm brauchten wir in Rittersgrün nie zu haben, was während der Kriegsjahre von unschätzbarem Wert war. Viele von uns fuhren zeitweilig während der Sommerferien lieber nach Rittersgrün als nach Hause. Früh mit einer Kanne beim Bauern Kaufmann Milch holen, bei dieser Gelegenheit den Rotschimmel mit Würfelzucker füttern dürfen, mit einem Handwagen unten im Ort frische Brote und säckeweise Mehl für unsere Küche heranschaffen - wo hätten wir in der Chemnitzer Blindenanstalt solche Gelegenheiten gehabt! Frau Ludwig, unsere Köchin, hielt stets etwas Leckeres für uns bereit. Im Schullandheim Rittersgrün war es einfach herrlich.
Das Schullandheim war 1940 aus Mitteln des "Legatenstocks" der Blindenanstalt erworben worden. Bei Gründung der Landesblindenstiftung Sachsen im Jahr 1950 ging dieser Fond in die Stiftung ein. Die erste Schülerbelegung hat im Frühjahr 1941 stattgefunden. Auch nach 1945 hat es noch Schülerbelegungen - 1946 auch zusammen mit Sehenden - gegeben. Zuletzt sind Mitglieder der FDJ- Betriebsgruppe Blindenschule Chemnitz im Sommer 1949 in Rittersgrün gewesen. Ein Jahr später hat die Landesblindenstiftung Sachsen das Heim an eine Chemnitzer Gießerei verkauft.
Ich habe den anheimelnden und würzigen Geruch des Hauses noch in der Nase - es roch gesund nach Holz und Liebstöckel.

Abriss zur Entwicklung der Blindenstenografie

Dr. Günter Thiele

1916 erfolgte die erste institutionelle Unterweisung in Blindenstenografie durch Geheimrat Dr. Sielex in Berlin. Er unterwies durch den Ersten Weltkrieg erblindete Soldaten, um diese möglichst schnell in entsprechenden Dienststellen einsetzen zu können. Die Sielex-Steno basierte auf der Sechspunkt-Brailleschrift, hatte ca. 1000 Sigel und wenige Schreibregeln.
In den 20-er Jahren entwickelte die Blindenstudienanstalt Marburg eine Stenografie (Schnellschrift) aus wesentlich weniger Sigeln und differenzierten Regeln. In der Blindenanstalt Chemnitz wurden 1926 die ersten Stenotypistinnen ausgebildet.
1941 entstand als Synthese der bestehenden Systeme die Deutsche Einheitsstenografie für Blinde (System mit 6 Punkten). Höchstleistung eines blinden Stenografen: 280 Silben/Min.
1952/53 entwickelte der Pressestenograf Möbius die Verhandlungsstenografie auf der Siebenpunktbasis. Der siebente Punkt befindet sich in der Mitte unter den Punkten 3 und 6. Außerdem verbesserte er die technische Ausstattung der Stenografiermaschine, z. B. konnten durch Schaffung des Doppelhubs die Leerraumanschläge entfallen, indem sie mit dem letzten Zeichen des jeweiligen Wortes zusammen geschrieben wurden und der Streifen um 2 Formen weiter transportiert wurde (Schreibflüchtigkeit bis zu 30%). Die Siebenpunktsteno diente nach ihrer Praxisbewährung als verbindliches System in der Lehrausbildung blinder Stenotypisten in der damaligen DDR.
In der BRD schrieb man nach der Sechspunktsteno oder der Achtpunktsteno. Letztere wurde fast nur von Stenografen benutzt. Meines Wissens gab es in der DDR nur einen einzigen aktiven Achtpunktsteno-Schreiber. Auf Leistungsvergleichen zeichneten sich zwischen beiden Systemen keine signifikanten Unterschiede ab.

Grundelemente und -prinzipien der Siebenpunktsteno sind:
Deutsche Vorsilben und Vorwörter
Fremde Vorsilben und Vorwörter
Deutsche Nachsilben und Nachwörter
Fremde Nachsilben und Nachwörter
Buchstabenzusammenziehungen, z. B. schl, kn, gl
Besondere Schreibweisen z. B. Datum, Uhrzeit, große Zahlen
Redewendungen ausgewählter Bereiche, z. B wir beziehen uns auf ...
Alphabetisches Kürzungsverzeichnis
Schreib- und Kürzungsregeln

Nach der Wiedervereinigung wurde die Siebenpunktstenografie innerhalb der Lehrausbildung im Beitrittsgebiet gestrichen und durch die zurzeit gültige Adaptation der Sechspunktsteno ersetzt. Die für Abschlussprüfungen verbindlichen Normen (Silben pro Ansageminute) wurden von 160 auf 120 herabgesetzt.
Höchstleistung eines blinden Stenografen mittels Siebenpunktsteno liegt bei 390 Silben/Min.
Es gehörte und gehört zur guten Tradition der Ausbildung blinder Stenotypisten, dass sie regelmäßig an regionalen oder bundesweiten Leistungsvergleichen teilnehmen und sich dort mit Sehenden messen können. Blinde Teilnehmer belegen dabei meist gute bis sehr gute Plätze.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Johanna Hoffmann: "Spiele fürs Leben"

Susanne Siems (Punktschriftbibliothek)

Aller guten Dinge sind drei - sagt man. Auch bei der guten Fee im Märchen hat man manches Mal drei Wünsche frei. Ist sie dann magisch diese Zahl? Sicher wird das jeder von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, anders sehen. Für mich gab es jedenfalls drei Gründe, das folgende Buch vorzustellen. Dabei sei vorweg gesagt, dass es sich diesmal nicht um den schönen Roman für den Urlaub handelt, sondern um die Biographie einer historischen Persönlichkeit. Jüngst las ich für unseren Arbeitskreis Buchvorstellen ein anderes Buch von Johanna Hoffmann, dass mich so beeindruckte, dass ich nach mehr verlangte. Was lag näher, als einmal in unserem Punktschriftbestand nachzusehen. Und da fiel mir der Titel "Spiele fürs Leben : historischer Roman um Friedrich Fröbel" auf. Nun möchten Sie sicher die drei Gründe wissen, die zu meiner Wahl führten. Also erstens: der Name Fröbel sagte mir was. Wenn man Kinder großzieht, geht, manchmal sollte man sagen leider, ein Hauch Pädagogik nicht an einem vorbei. Ich wusste also, dass unsere Legowelt ihren Ursprung bei Fröbel hat und dass die vor einigen Jahren wieder neu entdeckten Anker-Bausteine aus dem thüringischen Rudolstadt ganz direkt mit dem großen Pädagogen in Verbindung stehen. Der zweite Grund für mein Interesse war der Ort. Wenn ich heute Fröbel höre, fällt mir ein heißer Sommertag in meiner Kindheit ein und mit ihm einer der Türme, auf die man im Urlaub klettern kann. In Oberweißbach, dem Geburtsort Friedrich Fröbels, steht dieser Turm und ich denke auch heute noch gern an diesen Urlaub. Der dritte Grund, die Zeit, fand sich beim Aufschlagen des Buches. Die Handlung beginnt am 24. Dezember 1787, da war Fröbel gerade fünf Jahre alt, - was passt also besser als dieses Buch in die letzte Kramkiste des Jahres.
Dass es sich um eine Biographie handelt, sagte ich schon. Der Lebensweg Fröbels wird beschrieben, beginnend mit einer kleinen Episode aus seiner Kindheit, um dann recht bald zum erwachsenen Mann zu finden. Wir treffen Fröbel im zweiten Kapitel 1817 im thüringischen Griesbach wieder, wo er nach der Studienzeit in Jena und Göttingen, der Beteiligung an den Feldzügen des Lützowschen Freikorps und einer Anstellung im Berliner Museum für Mineralogie einen neuen Wirkungskreis sucht. Zentrum seiner pädagogischen Arbeit wird Keilhau bei Rudolstadt. Im nahe gelegenen Blankenburg gründet Fröbel in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts auch den ersten Kindergarten Deutschlands.
Faszinierend an diesem Buch: der Leser wird regelrecht an Ort und Zeit entführt. Die Autorin versteht es, uns am Alltäglichen der Menschen des 19. Jahrhunderts in Deutschland teilhaben zu lassen. Da ist zum Beispiel die erste Eisenbahnfahrt von Dresden nach Leipzig, die Fröbel mit seinem Freund Middendorf unternimmt. Schon komisch, zur damaligen Zeit hat man für diese Strecke auch nur etwas mehr als zwei Stunden gebraucht ...
Etwas anstrengend fand ich die pädagogischen Darlegungen Fröbels, die aber natürlich für das Verständnis der Person und seiner Wirkung von ausschlaggebender Bedeutung sind. Er war angesteckt von den Ideen Pestalozzis und wollte den Kindern so früh wie möglich ein unabhängiges Leben in und mit der Natur ermöglichen - natürlich auch, und hier liegt der Unterschied zur oft viel gepriesenen antiautoritären Erziehung, mit den entsprechenden Grenzen. Johanna Hoffmanns Stärke ist die Beschreibung von Charakteren und der kleinen, scheinbar nebensächlichen Dinge, ein Weihnachtstag in der Kindheit oder ein lauer Sommerabend vermitteln sich dem Leser sehr eindringlich.
Heute morgen hörte ich im Radio, dass eine der großen Parteien dieses Landes nun erkannt hat, dass die jahrzehntelang gepflegte Ansicht, ein Elternteil muss unbedingt die Erziehung der Kinder zu Hause übernehmen, wohl doch revidierungsbedürftig ist. Ein kleines Lächeln stahl sich da auf mein Gesicht - es gibt Menschen in diesem Land, deren Erfahrungen in der eigenen Kindheit und mit den eigenen Kindern schon seit Jahren den Gegenbeweis antreten. Als ob man Liebe und Aufmerksamkeit durch Zeit ersetzen könnte!
Zugegeben, das Letzte erscheint etwas polemisch, aber manch endlose Diskussionen sind einfach ermüdend und in ihren Argumentationen genauso einseitig. Außerdem scheint es mir passend zum vielgepriesenen Weihnachtsfest. Für dieses wünsche ich Ihnen im übrigen viel Zeit und schöne Erlebnisse mit lieben Menschen und für die einsamen Stunden ein gutes Buch.
Hoffmann, Johanna: Spiele fürs Leben, 6 Bde., rkh., BNA 6548.

Weihnachtliche Empfehlungen

Jana Waldt (Hörbücherei)

Weihnachten rückt immer näher, und deshalb möchte ich Ihnen in der heutigen Kramkiste einige Hörbücher vorstellen, in denen es um das "Fest der Liebe" geht.
Beginnen möchte ich mit Charles Dickens' "Weihnachtslied in Prosa". In dieser weihnachtlichen Geschichte bewegen die Geister vergangener und zukünftiger Weihnachten einen geizigen Sonderling, sein Leben zu ändern (Best.-Nr. 79).
Ilse von Bredow erzählt in ihren Weihnachtsgeschichten "Ich und meine Oma und die Liebe" von ganz gewöhnlichen Menschen, denen zu Weihnachten die ungewöhnlichsten Dinge passieren (Best.-Nr. 5593).
Unter anderem Utta Danella, Charlotte Link, Erich von Däniken und Heinz G. Konsalik halten im Hörbuch mit dem Titel "Endlich war wieder Weihnachten" stimmungsvolle und anrührende Erzählungen für die festliche Zeit bereit (Best.-Nr. 2242). Weihnachtsgeschichten u. a. von Hans Fallada, Paul Auster und Marry Higgins Clark können sie lauschen, wenn Sie Best.-Nr. 5697 angeben.
Im "Weihnachtsgeheimnis" von Jostein Gaarder findet ein Junge beim Öffnen eines alten, handgearbeiteten Adventskalenders einen Zettel, der von einer seltsamen Pilgerreise berichtet, die in einem weihnachtlichen Kaufhaus beginnt. Jeden Tag gibt es einen weiteren Zettel mit der Fortsetzung der Reise, aber die Lösung bekommt er erst am 24. Dezember (Best.-Nr. 7522).
Schon viele Jahre im Bestand der Hörbücherei sind die Weihnachtsgeschichten aus aller Welt, die unter dem Titel "Der leuchtende Baum" zusammengefasst sind. Dichter aus aller Welt, u. a. auch Alphonse Daudet und Marcel Pagnol, haben heitere und ernste Geschichten und Gedichte über ihre weihnachtlichen Erlebnisse und Beobachtungen geschrieben (Best.-Nr. 6334). Eine Auswahl aus diesen Erzählungen können Sie unter den Best.-Nr. 78 und 81 bestellen. Ein anderer Klassiker - "Bergkristall" von Adalbert Stifter (Best.-Nr. 80) - ist ebenfalls schon seit Jahrzehnten in der Hörbücherei vorhanden.
Außerdem können wir Ihnen Weihnachtsgeschichten von Rosamunde Pilcher (Best.-Nr. 5707), Peter Rosegger (Best.-Nr. 268), Anton Tschechow (Best.-Nr. 7662), Arno Surminski (Best.-Nr. 5824) empfehlen. Die schönsten Weihnachtsgeschichten der russischen Literatur sind im Hörbuch Nr. 2872 zusammengestellt worden. Aber auch eine der beliebtesten deutschen Weihnachtsgeschichten des letzten Jahrhunderts - Friedrich Wolfs "Weihnachtsgans Auguste" ist erhältlich (Best.-Nr. 7143), ebenso Hans-Christian Andersens "Kleines Mädchen mit den Schwefelhölzchen" (Best.-Nr. 7083) und "Fräulein Susannas Weihnachtsabend" von Marie von Ebner-Eschenbach (Best.-Nr. 5255) und und und ... Die Auswahl ließe sich weiter fortsetzen.
Wenn Sie sich gern überraschen lassen, können Sie auch einfach nur "Weihnachtsgeschichten" bestellen - wir finden sicher etwas passendes für Sie.

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position
Nr. 42: James Burnham: Die Revolution der Manager (1941)
Nr. 43: Arthur Koestler: Sonnenfinsternis (1941)
Nr. 44: Albert Camus: Der Fremde (1942)
Nr. 45: Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts (1943)
Nr. 46: Friedrich August von Hayek: Der Weg zur Knechtschaft (1944)

Nr. 47:

George Orwell: Farm der Tiere

(1944)
In der DZB als Hörbuch ausleihbar: 3 Kass., Spr.: Sylvan Guntern (Zürich). 2061 und in Punktschrift: 1 Bd., Kurzschrift, BNA 7809.

Orwell, George (eig. Eric Blair),
engl. Essayist und Romanschriftsteller, geboren am 25. 6. 1903, Motihari/Indien, gestorben am 21. 1. 1950, London.

Farm der Tiere (Animal Farm). Entstanden 1943-44; Erstausgabe London 1945.
Auf dem von Mr. Jones bewirtschafteten Hof treffen sich die Tiere und lauschen der Botschaft des Ebers Major, der den Ausbeuter Mensch vertreiben und den Tieren die Produkte ihrer Arbeit zuführen möchte. Nach seinem Tod gelingt den Schweinen Schneeball und Napoleon die Vertreibung von Jones; der Hof wird nach der Philosophie des Animalismus umgestaltet, alle Tiere sind gleich. Doch die Schweine treiben an und dirigieren, außerdem zerstreiten sich Schneeball und Napoleon. Letzterer versichert sich der Hilfe scharfer Hunde und der Claque stereotyp blökender Schafe und vertreibt Schneeball. Immer härter müssen die Tiere arbeiten, nur durch die Furcht vor der Rückkehr von Jones bei der Stange gehalten; immer schamloser lässt Napoleon sich verherrlichen; immer offener werden die sieben Gebote durch Zusätze verwässert, bis sich zeigt, dass einige Tiere gleicher sind als andere. Das arbeitsfreudige Pferd Boxer endet beim Abdecker; die Schweine beginnen, auf zwei Beinen zu gehen. Der letzte Schritt ist das Bündnis mit den Menschen und die Rückbenennung der Farm als "Herrenhaus". Die verratenen Tiere können ihre Herren, die Schweine, von den Menschen nicht mehr unterscheiden.
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur]

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte)
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Wie kann man DAISY-Hörbücher bzw. -Hörzeitschriften abspielen?

Ulrich Jander

Bereits vor einiger Zeit habe ich über die Spezialgeräte "Victor" und "Plextalk" geschrieben, welche das neue DAISY-Format auf CD-ROM in komfortabler Weise abspielen können. Mit Hilfe dieser Geräte ist ein akustisches Blättern im Text effektiv möglich. Käuflich erwerben kann man Victor (ca. 700 EURO) bei der Firma Handy-Tech (Brunnenstr. 10/1, 72160 Horb am Neckar), Plextalk (795 bzw. 949 EURO) bei der Firma Blista-Brailletec (Industriestr. 11, 35041 Marburg/Lahn). Voraussichtlich im März 2003 wird ein weiteres Gerät "Trio" der Firma Telex auf dem Markt erscheinen, ähnlich einem portablen Discman, Preis zwischen 200 und 300 EURO (genauere Informationen lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor).
Da das DAISY-Format mp3-Dateien nutzt, wird vielerorts davon ausgegangen, dass handelsübliche CD/mp3-Player genauso gut wie die Spezialgeräte DAISY-Produktionen wiedergeben können. Und dennoch funktioniert längst nicht jeder handelsübliche CD/mp3-Player zufriedenstellend, denn eine DAISY-CD kann bis zu 40 Stunden aufgesprochenen Buchtext speichern. Manche CD/mp3-Player (tendenziell eher die preisgünstigeren Modelle) bleiben bei der Wiedergabe im Buch irgendwo stehen. Bei anderen Playern gibt es Aussetzer beim Vorlesen oder Silben bzw. Buchstaben werden verschluckt. Es gibt natürlich auch CD/mp3-Player, die alles komplett wiedergeben (z. B. Rio Volt SP 250). Dieses Modell hat auch die für Hörbücher sehr nützliche Eigenschaft, sich die zuletzt gehörte Stelle zu merken (Resume-Funktion), auch wenn zwischendurch andere CDs im Player abgespielt wurden.
Einen Nachteil besitzen alle mp3-Player: ein effektives akustisches Blättern, das Springen durch verschiedene Ebenen in der Hierarchiestruktur des Buches ist nicht möglich. Mit den Skiptasten am mp3-Player kann man nur auf der untersten Ebene vor- oder zurückspringen. Für Zeitschriften oder Sachbücher dürfte sich deshalb ein Spezialgerät oder eine Computersoftware mit komfortablen Navigationsmöglichkeiten in der Buchstruktur empfehlen.
Bezüglich der Computersoftware hat man zurzeit die Auswahl zwischen vier Programmen (Internetadressen zum Herunterladen am Schluss des Beitrages). Sie sind im Bedienkomfort unterschiedlich, wobei jedes Stärken und Schwächen an verschiedenen Stellen hat. Ich möchte mich hier mit einem der vier Programme, Playback 2000, näher befassen. Es hat die Nachteile, dass es sich sehr umfassend in das Windowssystem einträgt und den Lautstärkepegel der Soundkarte beeinflusst sowie die Art und Weise der Bedienung zum Teil gewöhnungsbedürftig ist; jedoch bietet es gegenüber anderen Programmen eine sehr vielfältige Funktionalität.
Zur Installation:
Mit Hilfe eines Screenreaders (Brückensoftware) kann Playback unter Windows 98 oder höher ohne Besonderheiten installiert werden. Das Programm Playback 2000 findet man auf der DAISY-CD der Zeitschrift "Die Gegenwart", erhältlich bei der Redaktion in Berlin (Tel.: 030 2853870) bzw. im Internet (Adresse am Schluss dieses Beitrages). Auf der CD gibt es einen Ordner "Zubehör" und dort einen Unterordner "Playback 2000". Darin existiert das Programm mit Namen pb2keng.exe, welches man zur Installation direkt von dort aufrufen oder zuerst in ein Verzeichnis auf die eigene Festplatte kopieren kann, um es dann von dort zu starten. Mit Hilfe des Screenreaders wird der blinde Nutzer durch die Installation des Programms hindurchgeführt. Ein Icon für Playback wird dabei auf dem Desktop angelegt, so dass man dann z. B. von dort das Programm einfach starten kann. Bevor man dies tut, sollten zuvor die folgenden Schritte Beachtung finden:
Auf den jeweiligen Screenreader und die Soundkarte kommt es an, ob bei der Nutzung des Programms Probleme entstehen. Multikanalige Soundkarten lassen es zu, dass im Lautsprecher sowohl das DAISY-Buch als auch die Stimme des Screenreaders gehört werden können. Beim Screenreader SWB kann derartiges unbeachtet bleiben, da SWB die Soundkarte für die Sprachausgabe nicht benutzt. Hat der Anwender neben einer Sprachausgabe auch eine Braillezeile verfügbar, so bestünde die Möglichkeit, im Screenreader nur die Sprachausgabe abzuschalten, jedoch die Braillezeile weiterlaufen zu lassen. Auf diese Weise können die Programmhinweise bzw. das Menü genutzt werden. Gegebenenfalls muss der Screenreader vor jedem Start des Playback abgeschaltet werden, damit keine Kollisionen zwischen den Programmen entstehen. Die wichtigsten Tastenkombinationen für die Programmfunktionen werden weiter unten aufgeführt.
Erststart:
Wird Playback 2000 das erste Mal nach der Installation gestartet, gelangt man in ein Fenster, woraus man erkennt, dass das Programm die DAISY-Daten auf dem Laufwerk C: sucht. Da dies in aller Regel nicht das CD-ROM-Laufwerk sein dürfte, muss man das für sich gültige CD-ROM-Laufwerk eintragen. Dies geschieht durch: STRG + Laufwerksbuchstabe, gefolgt von "Enter". Daraufhin werden die Daten eingelesen und das DAISY-Buch bzw. "Die Gegenwart" beginnt. Sollte dies nicht der Fall sein, dann ist noch die Tastenkombination ALT + O zu betätigen.
Den jeweiligen Laufwerksbuchstaben für CD-ROM merkt sich das Programm bei künftigen Starts, auch wenn der Computer zwischendurch ausgeschaltet war. Der Buchstabe für das CD-ROM-Laufwerk darf dann natürlich nicht geändert worden sein.
Die wichtigsten Tastenkombinationen für die Bedienung des Programms Playback 2000
Es ist möglich, dass das Programm beim Starten zwar das CD-ROM-Laufwerk findet, jedoch die DAISY-Daten noch nicht öffnet. In diesem Fall ist wieder ALT + O zu betätigen, um mit dem Hören beginnen zu können.

Tastenkombination Funktion
Leertaste Wiedergabe und Stop
Pfeil rechts zur nächsten Sprungmarke (Satz oder Absatz [Phrase])
Pfeil links vorherige Sprungmarke
STRG + Pfeil rechts zur nächsten Überschrift
STRG + Pfeil links zur vorherigen Überschrift
STRG + Pfeil nach oben eine Ebene höher
STRG + Pfeil nach unten eine Ebene tiefer
STRG + POS1 zum Beginn des Buches
STRG + ENDE zum Ende des Buches
W augenblickliche Position im Buch
Y Buchinformationen (Spieldauer und ggf. Seitenzahlen)
STRG + 1 - 9 jeweilige Buchmarken setzen
1 - 9 zu den jeweiligen Buchmarken gehen
ALT + N, delete Bookmark... löschen von Buchmarken (entspr. Zeile in der Menüspalte Note)
G, gefolgt durch Eintrag der jeweiligen Seitenzahl, ENTER gehe zu Seite
P gegenwärtige Seitenangabe
X Lautstärke anheben
Z Lautstärke verringern
Q oder F12 oder ALT + F4 gefolgt von Y zur Bestätigung Verlassen des Programms

Die Funktionen zu den Seitenzahlen sind nur aktiv, wenn das DAISY-Buch mit Seitenzahlen produziert worden ist. In das Menü von Playback 2000 gelangt man mit ALT + Spaltenbuchstabe (z. B. ALT + B für Buch). Die ALT-Taste allein führt nicht zum Erfolg. Man ist zwar gleich in der jeweiligen Menüspalte, kann aber mit ESCAPE in die Menüüberschriften zurückgehen.
Playback 2000 ist ein Programm, welches die Bedienführung in Englisch ausgibt. Jedoch genügen durchaus einfache Englischkenntnisse. Die anderen drei Programme existieren zurzeit auch nur in englischer Sprache. Ein Programm mit Menüführung und Sprachausgabe in Deutsch wird zurzeit im Rahmen eines Projektes in der DZB entwickelt. Wann es als Freeware zur Anwendung bereitstehen wird, kann zur jetzigen Zeit noch nicht gesagt werden.

Links zum Herunterladen der vier Programme (die ersten drei Programme jeweils zwischen ca. 8 und 12 Mb.):
http://www.tpb.se/pdffiler/playback2000/pb2keng.exe (das Programm Playback 2000 der Fa. Labyrinten aus Schweden, umfangreiche Funktionsmöglichkeiten, jedoch gewöhnungsbedürftig, Freeware),
ftp://ftp.labyrinten.se/files/LpPlayerEng.EXE (der LpPlayer der schwedischen Fa. Labyrinten, Freeware, ähnliche Software wie Playback 2000, jedoch in der Funktionalität eingeschränkt),
http://www.dirk-meyer.de/daisy.htm (die DAISY-Seite von Dirk Meyer, der dort das Programm TPB-Reader als Link anbietet, auch Freeware, jedoch mit Playback nicht direkt vergleichbar, an verschiedenen Stellen wird die Programmführung sprachlich unterstützt) und
http://www.visuaide.com/download/VrSoft30days.exe (die 30-Tage-Demoversion des Programms Victor Reader Soft aus Kanada, Vollversion kostenpflichtig für ca. 300 EURO, enthält ebenfalls eine eigene Sprachausgabe, jedoch ca. 55 Mb. groß).
DAISY-Bücher bzw. -zeitschriften können also mittels drei verschiedener Abspielmöglichkeiten wiedergegeben werden: Spezialgeräte, handelsübliche CD/mp3-Player oder Computersoftware. Den umfassenden Komfort von DAISY kann man allerdings nur genießen, wenn Spezialgeräte, wie Victor bzw. Plextalk, oder PC-Software zur Wiedergabe eingesetzt werden. Handelt es sich um einfach strukturierte DAISY-Produktionen, wie z. B. Belletristik, dann wird man auch mit einem geeigneten, handelsüblichen CD/mp3-Player zufrieden sein. Um ein Ausprobieren kommt man sicherlich nicht herum.

Info-Service

Hörbuchkatalog mit Themengruppen

[Jörg Klemm]
Neben den Hörbuchkatalogen zum Herunterladen von unserer Homepage, die nach "Belletristik", "Hörspiele", "Kinder- und Jugendliteratur" und "Sachliteratur" geordnet sind, gibt es dort jetzt auch Hörbuchverzeichnisse, die nach Rubriken geordnet sind - wie z.B. Krimis / Ratgeber / Humor / Biografien / Tiergeschichten usw.

Mitteilung der Hörbücherei

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, die Weihnachtszeit rückt näher und wir möchten Sie daran erinnern, dass aufgrund der Schließung der DZB zwischen den Feiertagen die letzte Möglichkeit für die Realisierung von Bestellungen Donnerstag, der 19.12., ist.
Wenn Sie also über die Feiertage nicht auf Hörbücher verzichten möchten, teilen Sie uns dies bitte rechtzeitig mit - bis spätestens 13. Dezember.
Erinnern möchten wir außerdem, dass alle Hörer, die ständig mehr als 3 Hörbücher im Umlauf haben, von uns automatisch zusätzliche Titel erhalten werden.
Informieren Sie uns bitte auch, wenn Sie dies nicht wünschen.

Fachgruppenleitungssitzung der Fachgruppe "Physiotherapie

[Bernd Röthig]
Am 10.08. fand die 3. Fachgruppenleitungssitzung der Fachgruppe "Physiotherapie" des BSV Sachsen in Leipzig statt. Tagungsort war die Deutsche Zentralbücherei für Blinde. Dieser Umstand war der Tatsache zu verdanken, dass ein Thema dieser Veranstaltung die Herstellung von Fachliteratur mittels moderner Medientechnik durch die DZB war. Dazu informierten uns der Leiter der Einrichtung, Dr. Thomas Kahlisch, und sein Mitarbeiter Karsten Sachse zu Beginn über den neuesten Stand der Technik im Hörbuchbereich und über Möglichkeiten der Übertragung in Punktschrift. Vordergründig demonstrierten sie uns die Digitalisierung von Hörbüchern, welche bei der Nutzbarmachung von Fachliteratur für Blinde und Sehbehinderte große Bedeutung erlangen wird. Herr Dr. Kahlisch signalisierte dabei die Bereitschaft, die Herstellung von solcher Literatur durch die DZB zu sichern. Dazu müsste allerdings erst mal eine Bedarfsermittlung durchgeführt werden. Es wäre dazu erforderlich zu ermitteln, welche Titel in welchen Stückzahlen notwendig sind. Diese Problematik sollte bei zentralen oder regionalen Fachtagungen als Diskussionsthema stehen. Die Fachgruppenleitung Sachsen ist für Hinweise bzw. Zuarbeiten jederzeit ansprechbar.
Weitere Themen waren: Die Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem Landesvorstand des BSVS. Dazu war ein Mitglied des Landesvorstandes zu Gast.
Dritter Tagesordnungspunkt war die Erläuterung zur Herstellung einer Informationskassette mit Hilfe hochwertiger Aufnahmetechnik durch Bianca Weigert und Frank Brümmel (Redakteure des Hörmagazins "Mint").

Die Reha.Komm Berlin 2002 war eine Reise wert...

Aus der Abschlusspressemitteilung der Reha.Komm Berlin 2002, die vom 12. bis 14. September 2002 in den Messehallen am Funkturm stattfand:
Zahlreiche Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen, Fachbesucher aus den Bereichen der Rehabilitation, der Orthopädie, der Hilfsmitteltechnik, Wohnen, Freizeit, Reisen und Sport u.a. nutzten die Möglichkeit eines Messebesuches zur Information und Beratung, zum Austausch von Erfahrungen und zum Kennenlernen neuer gesellschaftlicher Möglichkeiten, die sich seit dem Inkrafttreten des Bundesgleichstellungsgesetzes im Mai 2002 ergeben haben.
"Barrierefreiheit" als zentrale Forderung dieses Gesetzes zielt ebenso auf das Überwinden räumlicher Barrieren und Mobilitätsbehinderungen in der Öffentlichkeit, wie auch von Kommunikations"barrieren", die blinde und sehbehinderte Menschen am Zugang zum Internet hindern, hörbehinderte Menschen an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Ausbildung und Studium. Hier gab die Messe Einblicke in modernste technische Entwicklungen und verwies auch auf das Herausbilden neuer Berufsgruppen und Möglichkeiten wie z. B. Integrationsfirmen, Integrationsfachdienste, Gebärdendolmetscher, Schriftmittler, Assistenzmodelle und andere.
Der Berliner Architekt Erhard Böttcher wurde bei der Messeeröffnung für sein Lebenswerk und insbesondere für seine Verdienste um barrierefreies Bauen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
An den 3 Messetagen wurden 28.820 Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland gezählt. In diese Zahl sind nicht die Kinder unter zwölf Jahren einbezogen, die kostenfreien Zutritt hatten, ebenso ein Teil der Begleitpersonen. An der Messe beteiligten sich 634 Aussteller, darunter 120 bundesweite, landesweite und örtliche Interessenvertretungen und Initiativen Betroffener.
Das Messegeschehen spielte sich in acht Messehallen ab: sechs Aussteller-, einer Kunst- und einer Forenhalle, in der zahlreiche Seminare, Workshops, Gesprächsrunden und andere Veranstaltungen stattfanden. Auf dem Freigelände gab es besondere Attraktionen für jugendliche Besucher: das "Kinderland", therapeutisches Reiten und den Kinder- und Jugendzirkus CABUWAZI. Dem Messeschwerpunkt "Behinderung - Arbeit - Teilhabe am beruflichen Leben" war eine eigene Halle gewidmet.
Die Messe war mit einem umfangreichen fachlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Rahmenprogramm (mehr als 600 Mitwirkende) verbunden. Dazu gehörten ein mehrtägiges Fachsymposium wie "Orthopädietechnik an der Schwelle des neuen Jahrtausends" ebenso wie der Verbandstag des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (ABiD) mit Rechenschaftslegung und der Neuwahl des Bundesvorsitzenden dieses Dachverbandes. Zu den herausragenden Foren gehörten "Menschenwürde und Vielfalt" - eine sachliche und kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Biowissenschaften, gehörten Themen wie Sexualassistenz bei behinderten Menschen und weitere Workshops.
Besucherinnen und Besucher wie auch Aussteller sehen mit Spannung der nächsten Reha.Komm entgegen, die vom 16. bis 18. September 2004 stattfinden wird.

Ein Tag mit Herrn Weißstock

[Christa Zeidler]
Am 09. Juni hatte die Kreisorganisation Muldental des BSVS ihre Wahlveranstaltung und hatte u.a. Gäste wie den Bundestagsabgeordneten der SPD, Herrn Jürgen Wieczorek, eingeladen. Während der Veranstaltung äußerte Herr Wieczorek den Wunsch, einen Tag mit einem Blinden zu erleben. Das Programm für einen solchen Tag wurde von einer Arbeitsgruppe zusammengestellt und am 03.09.02 in Szene gesetzt.
Punkt 9.00 Uhr war Treff in Naunhof. Herr Wieczorek erfuhr etwas über das Führen eines Haushaltes und dringend benötigte Hilfsmittel zur Erlangung einer weitgehenden Selbstständigkeit. Per Langstock wurde zur Beratungsstelle der Kreisorganisation gelaufen.
In der Beratungsstelle in Naunhof wurde das Thema erörtert, welche Unterstützung braucht eine Selbsthilfeorganisation zur Bewältigung ihrer Aufgaben durch sehende Mitarbeiter, die staatlich gefördert werden. Besonders freuten wir uns, dass der Bürgermeister von Naunhof unseren Gast begrüßte und ein kurzes Gespräch über Behindertenfragen zwischen beiden stattfand.
Halb elf wurde von der Beratungsstelle zum Bahnhof Naunhof gestartet. Eine weitere betroffene junge Frau war bereits mit ihrem Führhund im Zug. Auf dem Hauptbahnhof in Leipzig wurde das Blindenleitsystem mit seinen Vorzügen, aber auch mit seinen Unvollkommenheiten betrachtet. Nun ging es mit Führhund zum Einkauf.
Am Informationsstand auf dem Querbahnsteig trafen wir uns 11.45 Uhr mit einem weiteren Blinden, der aus Bennewitz angereist war und der nun mit Herrn Wieczorek Straßen überquerte, Ampelanlagen demonstrierte und mit der Straßenbahn zum Arbeitsplatz eines Betroffenen im Leipziger Rathaus fuhr. Danach hatte man eine Pause verdient und ging zu dritt zum Mittagessen. Auch hier wieder unter dem Gesichtspunkt, welche Schwierigkeiten hat der Blinde oder Sehbehinderte zu überwinden, wenn er keine Speisekarte lesen kann, nicht weiß, wie das Essen auf dem Teller angeordnet ist, immer auf der Hut sein muss, das Glas nicht umzustoßen und auch bei einem allzu menschlichen Bedürfnis nicht sieht, wo die entsprechende Tür ist.
Nach dieser Stärkung und guten Gesprächen ging dann der eine wieder an seine Arbeit, die anderen beiden machten sich auf den Weg zur Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) in die Gustav-Adolf-Straße in Leipzig. Der Direktor der DZB, Herr Dr. Thomas Kahlisch, gab Herrn Wieczorek einen kurzen Einblick über Aufgaben, Ziele, neue Techniken und Umfang dieser Bücherei. Daran anschließend folgte eine Führung durch das gesamte Haus mit all seinen Produktions- und Arbeitsstätten. Sechzehn Uhr war die kleine Gruppe wieder auf dem Leipziger Hauptbahnhof angelangt.
Herr Wieczorek zeigte sich tief beeindruckt von dem Erlebten und stellte fest, dass er nunmehr, wenn es in Zukunft um Fragen für blinde und sehbehinderte Menschen geht, mit anderen Voraussetzungen an diese Fragen herangehen kann. Wir danken Herrn Wieczorek für seine Bereitschaft, sich so intensiv mit unseren Problemen auseinander zu setzen und wünschen uns, dass auch manch anderer dazu die Bereitschaft zeigt.

EU-LuxOr Symposium International 2003 in Bozen

Europäisches Treffen zum Thema "Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsbilder für Sehbehinderte und Blinde in der Zukunft"
[Werner Büsch]
Mit seinen 23 Jahren ist Dino Capovilla, der sehbehinderte Informatikstudent aus Völs am Schlern, wohl der beste Beweis dafür, dass Sehbehinderte und Blinde sich in unserer Informationsgesellschaft ganz neue Wege und Chancen erobern können. Er ist Initiator und Motor eines Teams von Experten und Betroffenen, die vom 23.-25. April 2003 in Bozen/Südtirol (Italien) zu einem internationalen Symposium einladen.
Die Zahl der Menschen mit nicht behebbaren Sehbeeinträchtigungen nimmt immer mehr zu. Umwelteinflüsse, Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und die steigende Lebenserwartung sind neben den Erbkrankheiten und Unfällen die Ursachen für derzeit ca. 20 Mio. Europäer mit einem irreparablen Sehproblem. Ein Drittel davon ist im erwerbsfähigen Alter oder steht in Ausbildung.
EU-LuxOr ist eine Arbeitsgemeinschaft von betroffenen Blinden und Sehbehinderten, Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft und von sozialen Verbänden und Vereinigungen. Sie ist Plattform für diesen internationalen Erfahrungsaustausch zwischen Fachleuten und Beteiligten. Getragen wird der Kongress vom Blindenzentrum St. Raphael in Bozen. Die Bozener Wirtschaft hat schon konkrete Unterstützung zugesagt, so dass diese große Begegnung auch zu einer Werbung für Südtirol und seine Spezialitäten wird. "Wir wollen nicht nur arbeiten, sondern den Menschen, die durch Ihre Behinderung ohnehin mehr als der Durchschnittsmensch belastet sind, den Fachkongress auch zu einem Erlebnis mit nachhaltigen schönen und ermutigenden Eindrücken machen", so Dino Capovilla, der rührige Kongresschef.
Eingeladen sind alle Sehbehinderten und blinden Menschen in Beruf oder Ausbildung, aber auch solche, die aus klassischen typischen Berufsbildern raus wollen und neue Wege gehen wollen. Anmeldungsformalien und weitere Infos auf Website www.eu-luxor.org, Anfragen unter info@eu-luxor.org.

Lehrgänge des DBBW

16.02.-20.02.03 in 32805 Horn-Bad Meinberg: Fortbildungsseminar für blinde und sehbehinderte Schwerbehindertenvertrauensleute.
Anmeldeschluss: 06.01.03

22.03.-28.03.03 in 82442 Saulgrub:
Effektiveres Lesen für Brailleschriftleser;
Anmeldeschluss: 08.02.03

Kontaktadresse:
DBBW - Deutsches
Blindenbildungswerk gGmbH
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: 07621 799230; Fax: 07621 799231
E-Mail: info@dbbw.de; www.dbbw.de

Impressum

Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 12,27 €). Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".
Herausgeber, Verlag und Druck:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel. 0341 7113 - 0,
Fax: 0341 7113 - 125
E-Mail: info@dzb.de, www.dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse, Tel. 0341 7113 - 135
Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann, Tel. 0341 7113 - 120.
Ihre Anzeige wird automatisch in allen Editionsformen der jeweiligen Zeitschrift veröffentlicht (außer im Internet). Es gilt unsere Anzeigenpreisliste: für eine Editionsform pro Wort 0,45 €, bei zwei Editionsformen pro Wort 0,90 € und bei drei Editionsformen pro Wort 1,35 €. Die Kennziffergebühr beträgt 5 €. Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen.

Spendenkonto-Nr.: 1100491100
BLZ: 86055592
Stadtsparkasse Leipzig

DZB 2002