DZB-NACHRICHTEN
Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

 
Nr. 2 /2003       März/April  13. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Postecke
Die DZB im Jahr 2002
Einblicke
    Entwurf zum neuen Urheberrecht
Wie war das damals?
    Wie die Kriegsblindenbetreuung in Deutschland begann (Teil 2)
Die Kramkiste
    Pristawkin, : Schlief ein goldnes Wölkchen
    Marie von Ebner-Eschenbach: Krambambuli.
Autorenporträt
    Georges Simenon
Bücher des Jahrhunderts
    Graham Greene: Das Herz aller Dinge
LOUIS
    Das Kursbuch der Deutschen Bahn und der Nahverkehr auf CD-ROM's
Info-Service
    Mitteilung zum Zahlungsverkehr
    Leipziger Buchmesse
    Schließzeiten der DZB 2003
    Das Heimgesetz jetzt auch in Blindenschrift erhältlich!
    Blinde Autofahrer bitte melden!
    Fahrschulen und blinde Passagiere gesucht!
    Plattdeutsches in Blindenschrift
    Berlinale: Die Kino-Hits der Zukunft
Anzeigen
Impressum

Vorbemerkung

Die Überführung der DZB in den Staatsbetrieb ist auch in dieser Ausgabe wieder Thema, schließlich sind damit doch einige Umstellungen verbunden. Bitte lenken Sie in diesem Zusammenhang Ihre Aufmerksamkeit auch auf die Mitteilung zum Zahlungsverkehr im Info-Service.
Erfahrene DZBN-Abonnenten sind außerdem sicher auf den Jahresbericht unseres Direktors gespannt. Es ist immer wieder interessant, wenn die Arbeit eines ganzen Jahres in einer kurzen Zusammenschau präsentiert wird.
Interessantes bahnt sich auch mit dem neuen Urheberrecht an. Was es damit auf sich hat, verrate ich Ihnen in unserer Rubrik »Einblicke«.

Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Staatsbetrieb und DAISY
»(...) vielen Dank für die Neujahrswünsche. Auch wenn Sie jetzt Staatsbetrieb geworden sind und nicht mehr ganz so mit dem Geld rechnen müssen, werde ich Sie trotzdem weiterhin mit einer Spende unterstützen. (...)
Die neue DAISY-Form für Hörbücher finde ich sehr gut. Die Tonqualität ist sehr gut, es gibt kein Rauschen und Leiern von Bändern mehr, kein Wechseln von Kassetten. Ich kann es den älteren Hörbuchlesern nur empfehlen, sich auf das neue DAISY-System umzustellen. (...)«
[Kurt Eiselt, Annaberg]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Derzeit wird unser Zahlungsverkehr nicht mehr über die Landesoberkasse in Chemnitz abgewickelt, ab sofort sind wir selbst dafür zuständig und müssen demzufolge auf Kosten-Nutzen-Rechnung, Doppelte Buchführung usw. umstellen. Hinzu kommen Fragen wie die Klärung der Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer, Erstellung einer Eröffnungsbilanz usw., usw. - so viel gerechnet wurde hier noch nie, und daran wird sich wenig ändern. Auf Ihre Spendenbereitschaft werden wir demzufolge auch zukünftig angewiesen sein, das wird auch im nachfolgenden Jahresbericht unseres Direktors deutlich.

Blindenstenografie

»(...) Als aufmerksamer Leser der DZB-Nachrichten gehe ich stets von sorgfältigen Recherchen der jeweiligen Autoren aus. Dass das offensichtlich nicht immer der Fall ist, verdeutlicht meines Erachtens der Beitrag aus der Feder von Dr. Günter Thiele ›Abriss zur Entwicklung der Blindenstenografie‹ (DZBN Nr. 6/02). Meine folgenden Anmerkungen dazu beschränken sich auf einige Angaben zur Entwicklung der Achtpunkte-Stenografie.
Alfred Seyfarth aus Berlin war wohl der Erste, der intensiv mit acht Punkten experimentierte. Er ließ sich 1932 sogar eine entsprechende Maschine bauen. Fritz Storm aus Düsseldorf hatte davon erfahren und initiierte nach dem zweiten Weltkrieg 1951 eine erste Konferenz in Meschede unter der Leitung von Prof. Dr. Carl Strehl. Ziel der Beratungen war die Entwicklung einer Achtpunkte-Steno-grafie, wobei die sich abzeichnenden hervorragenden Beschäftigungsmöglichkeiten für Blinde in Büroberufen durchaus Pate standen.
Inzwischen war bekannt, dass jenseits der noch nicht ganz undurchlässigen Grenze eine Siebenpunkte-Stenografie von Karlheinz Möbius im Entstehen begriffen war. Die Überlegung, dass im deutschen Sprachraum ein einheitliches System angestrebt werden sollte, veranlasste zu einer Einladung, die jedoch wohl eher aus ideologischen Gründen als aus sachlichen Erwägungen nicht beantwortet wurde. Die sieben Punkte wurden dennoch aufmerksam analysiert.
In den folgenden Jahren wurden alle Vorschläge zur Entwicklung einer Achtpunkte-Stenografie immer wieder in der Praxis erprobt und schließlich 1961 als System verabschiedet. Wer an einer ausführlichen Dokumentation interessiert ist, kann sich an die Deutsche Blindenstudienanstalt in Marburg wenden. Dort steht Material zur Verfügung, das Auskunft über die gesamte Entwicklung gibt.
Wissenswert ist aber vielleicht noch, dass 100 Silben in der Sechspunkte-Stenografie 112 Anschläge im Durchschnitt erfordern, in der Achtpunkte-Stenografie dagegen nur 80. Allein diese Zahl lässt die Effektivität des Systems mit acht Punkten leicht erkennen.
Voraussetzung für die Anwendung des Systems waren natürlich Maschinen, die den technischen Anforderungen entsprachen. Karl Neubert aus Offenburg bot ein Gerät an, das durch seine Zuverlässigkeit und Geräuschlosigkeit bestach. Die Deutsche Blindenstudienanstalt konnte sich aus finanziellen Gründen zu keiner Neukonstruktion entschließen, sondern erweiterte - wie Karl Neubert auch - ihre Maschine mit 6 Punkten durch Hinzufügung der Punkte 7 und 8 zur Achtpunktemaschine.
Während sich Karl Neubert am Prinzip der Picht-Maschine orientiert hatte, war die Marburger Maschine von der Siemens-Maschine beeinflusst worden.
Karl Neubert hat meines Wissens auch die Siebenpunkte-Maschine gebaut. Inwieweit Karlheinz Möbius daran beteiligt war, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass er den Doppelhub nicht erfunden hat. Der wurde nämlich zufällig schon viel früher in Marburg entdeckt.
Schließlich möchte ich noch hinzufügen, dass es neben den Streifenschreibern auch Blattschreiber wie die österreichische Achtpunkte-Tafel und entsprechende Bogenmaschinen gab und gibt.
Damit will ich als Mitgestalter der Entwicklung mein Gedächtnisprotokoll beenden, nicht aber ohne den Hinweis, dass die gründliche Kenntnis historischer Zusammenhänge Gegenwart und Zukunft stets befruchten. (...)«
[Erich Eiben, Frankfurt/M.]

Mondphasen
»(...) seit Jahren bin ich Bezieher Ihrer Taschenkalender der Versionen A und B. Vorab sei gesagt, dass ich beide Kalender, sowohl von der Handhabung als auch gestalterisch und inhaltlich, sehr gut finde. Dies gilt besonders für die Version B, die mit dem leeren Zwischenblatt eigene Notizen ermöglicht.
Als Verbesserung bzw. Ergänzung möchte ich Ihnen vorschlagen, künftig auch die Mondphasen anzugeben. Dies ließe sich m. E. leicht realisieren. Man könnte z. B. hierzu die Punkte 4, 5 und 6 verwenden. Diese Punkte würden dem jeweils zutreffenden Tag vorangestellt. Hierzu bietet sich der Leerraum vor der Tageszahl an.
Beispiel im Januar: Punkt 4 vor  2  =  Neumond; Punkt 5 vor 10  =  Halbmond; Punkt 6 vor 18  =  Vollmond. (...)«
[Gerhard Freunscht, Weisendorf]

BEMERKUNG DER REDAKTION
Vielen Dank für Ihren Vorschlag. Wir haben einige Tests durchgeführt und festgestellt, dass diese Variante beim allgemeinen Lesen von Links nach Rechts zu Irritationen führen kann. Wir haben dann getestet, wie es sich mit der Lesbarkeit verhält, wenn man die »Mondpunkte« unter die betreffende Tageszahl setzt. Dabei haben einige »Probanden« gar nicht registriert, dass da noch was drunter stand - sie sind vom üblichen Lesen der Zahlen ausgegangen und haben »nur oben« die Zahlen gelesen. Die Kennzeichnung der Mondphasen hat also offensichtlich nicht gestört. Das gab den Ausschlag - und darüber wird sich sicher auch Herr Karl-Otto Häßler aus Mühlhausen freuen (siehe Postecke 2003-1).
Der DZB-Taschenkalender 2004 Version B wird erstmals auch über die einzelnen Mondphasen informieren. Auf die unterschiedliche Darstellung von zunehmendem und abnehmendem Halbmond wird allerdings verzichtet, da sich dieses Stadium aus der Logik ergibt. Die Kennzeichnung der einzelnen Mondphasen erfolgt unterhalb der betreffenden Tagesziffer durch die Punkte 3 und 6. Dabei bedeuten 3+6 = Vollmond, 3 = Halbmond, 6 = Neumond.

Die DZB im Jahr 2002

Dr. Thomas Kahlisch

Rückblickend auf 2002 ist die endgültige Klärung des Status der DZB natürlich die wichtigste Meldung dieses Berichtes. In Heft 1/2003 wurden die Leserinnen und Leser der DZBN bereits über die Errichtung der DZB als sächsischer Staatsbetrieb ausführlich informiert.
Nachfolgend werden die Ergebnisse unserer Arbeit im Jahr 2002 zusammengefasst und bewertet. Eine Haushaltssperre der Sachmittel von 40% stellte dabei im vergangenen Sommer das einschneidendste Ereignis im Haushaltsjahr dar. Ohne Einsatz von Spendenmitteln, die wir Dank der großzügigen Unterstützung unserer Nutzer erhalten haben, wäre es zu erheblichen Rückgängen bei der Übertragung und Aufsprache von Literatur gekommen. Die gestiegenen Materialkosten, allein Punktschriftpapier hat sich in den letzten 18 Monaten um 25% verteuert, müssen aus den Sachmitteln bezahlt werden. Nur durch die Verwendung der Spendenmittel gelang es, die gesetzten Ziele zu erreichen, Pläne zu erfüllen und erforderliche Investitionen vorzunehmen. Die Spendennachweise und ein Dankeschön wurden kürzlich an alle Spender versandt, die die DZB im vergangenen Jahr mit mehr als 20 € unterstützt haben. Selbstverständlich gilt unser Dank auch den Spendern, die uns kleinere Beträge zukommen ließen. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass wir, um Portokosten zu sparen, Spendenbescheinigungen erst ab einer bestimmten Höhe versenden.
Für dieses Jahr sind ebenfalls erhebliche Haushaltssperren angekündigt, und so muss hier deutlich gesagt werden, dass Ihre finanzielle Unterstützung - liebe Leserinnen und Leser - weiterhin dringend erforderlich und für die DZB eine wichtige Voraussetzung ist, Bücher und Zeitschriften in gewohnter Qualität anzubieten.
Doch nun zu Ereignissen, Fakten und Zahlen aus dem vergangenen Jahr.
Mit Lisa Ney und Anneliese Behr gingen 2002 zwei langjährige Mitarbeiterinnen in den Ruhestand. Frau Ney war 19 Jahre die Beauftragte für den Haushalt der DZB. Frau Behr arbeitete insgesamt 32 Jahre in der DZB. Sie wurde 1991 die Leiterin der Abteilung Verwaltung/ Versand.
Mit dem Ausscheiden der beiden Kolleginnen erfolgte eine Zusammenlegung der Abteilungen Finanzen und Verwaltung. Frau Evelin Rissel ist seit 1. August Verwaltungsleiterin und Haushaltsbeauftragte der DZB.
Die Kolleginnen des Versandes sind jetzt in die Abteilung Bibliothek integriert und sorgen gemeinsam mit den Bibliothekstechnikern dafür, dass alle Bücher- und Zeitschriftensendungen pünktlich auf die Reise gehen, Rücksendungen unserer Nutzer schnell geprüft werden, wieder in die Magazine gelangen und damit für die weitere Ausleihe zur Verfügung stehen.
Die Bibliothek verzeichnete auch für 2002 wachsende Leserzahlen und ein auf über 100.000 Sendungen gestiegenes Ausleihvolumen. Im Bestand der Bibliothek befanden sich zum Jahresende 2002 9.538 Punktschrifttitel, 5.315 Braillenotenwerke und 7.531 Hörbücher. In der wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens wuchs der Bestand 2002 um 234 neue Monografien. Autoren, Studierende, Auszubildende und andere vielseitig Interessierte Leser nutzen das Angebot dieser Spezialbibliothek.
Die Kataloge der Hörbücherei und der Katalogteil Belletristik der Punktschrift-bibliothek sind jetzt nicht nur in Blindenschrift und Schwarzschrift verfügbar, sondern auch kostenfrei im Internet herunterzuladen.
Neu seit September 2002 ist die DAISY-Buchausleihe. Als Testausleiher begannen 28 Interessierte die neue Hörbuchgeneration zu nutzen. Am Ende des Jahres waren es bereits 127 Hörer. Wie groß das Interesse an DAISY ist, zeigt sich in der Anzahl von 670 Beratungsgesprächen, die Herr Ulrich Jander via Telefon und Internet allein im zweiten Halbjahr 2002 zu diesem Thema geführt hat. Natürlich läuft auch die Ausleihe der DAISY-Bücher computergestützt. Außerdem können alle Nutzer der Hörbücherei jetzt wählen, ob sie neue Titel auf Kassette oder auf DAISY-CD-ROM erhalten wollen.
Das Angebot an DAISY-Büchern ist natürlich noch begrenzt, jedoch gilt seit Sommer 2002, dass alle Neuproduktionen des Studios sowohl analog als auch digital verfügbar sind. Eine aktuelle Titelliste und allgemeine Informationen zu DAISY befinden sich im Internet unter www.dzb.de/daisy.
Im Studio wird parallel an der Digitalisierung analoger Bestände gearbeitet. Eine sehr arbeitsintensive Aufgabe, die bei über 7.000 Titeln gewiss noch einige Jahre andauern wird.
Da auch andere Hörbüchereien wie die NBH in Hamburg und die WBH in Münster die DAISY-Buchproduktion und -Ausleihe aufgenommen haben - ab 2003 bietet auch die SBS in Zürich verstärkt Werke an - wird die Anzahl der Titel schnell wachsen und das neue Medium zu einem hochwertigen und vielfältigen Informationsangebot ausgebaut.
Wie die Mitarbeiter in der Bibliothek mitteilten, sind die Hörer begeistert und loben die hohe akustische Qualität und die einfache Benutzbarkeit der Bücher.
In Sachen DAISY kann die DZB noch auf ein weiteres und dieses Mal internationales Highlight verweisen. Die in der DZB produzierte Zeitschrift "Die Gegenwart", herausgegeben durch den Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verband, DBSV, erscheint seit Januar 2003 auch im DAISY-Format. Der große Erfolg einer Test-CD im September 2002 ermutigte uns zu diesem anspruchsvollen Schritt auf neuen Wegen. Auf der monatlich erscheinenden CD-ROM sind neben der gesprochenen Fassung der Zeitschrift auch verschiedene elektronische Textfassungen enthalten. Der Nutzer kann wählen, ob er die Gegenwart im HTML-Format, in Blindenkurzschrift, einer für sehbehinderte Leser geeigneten PDF-Fassung mit Bildern oder, bei ganz alten Computersystemen auch in einfacher Textform anzeigen kann. Ab Sommer 2003 wird die DAISY-Gegenwart die Diskettenfassung vollständig abgelöst haben.
Die in Eigenredaktion herausgegebenen 16 Zeitschriften der DZB werden derzeit noch nicht im DAISY-Format angeboten. Es wird von unseren technischen und finanziellen Möglichkeiten abhängen, wann wir hier erste Angebote machen können und das bequeme Navigieren und gezielte Suchen in DZBN oder Ratgeberzeitschriften zum Alltag unserer Abonnenten gehören wird.
Das breite Verlagsangebot fand auch 2002 großen Anklang. Besonders zu nennen sind hier: unsere Kalender, die neuen Kataloge, Lehrbücher für die Blindenschrift, alle bislang verfügbaren Karten des Europaatlas, die in 15 Punktschriftbänden erschienene Gesamtausgabe des Romans »Der Herr der Ringe« und das Reliefbilderbuch »...als die winzige Wühlmaus Wanda...«.
Im Jahr 2002 wurden von der DZB insgesamt 126 Titel in Blindenschrift und 118 als Hörbuch übertragen. Dies ist eine Steigerung der Produktion um ca. 10% gegenüber dem Vorjahr.
Erstmals seit 1996 wurden auch wieder Braillenotentitel hergestellt. Frau Kathrin Pause, seit Sommer 2001 ist sie mit dieser Aufgabe betraut, hat bislang 13 Titel fertiggestellt.
Die Erarbeitung des Europaatlas wurde mit Kartensätzen zu den Benelux-Staaten, Dänemark, Österreich, Polen, Schweiz und Tschechische Republik fortgesetzt.
Neue Reliefkinderbücher wie »Meine Finger finden Unterschiede und Gemeinsamkeiten« oder »Vom Maulwurf und seinen Freunden« erweitern das Angebot für unsere jungen Leser. Die Bilder für diese beiden Bücher wurden, wie übrigens inzwischen alle Reliefvorlagen, dank der über das Projekt MUSTER durch Spendengelder finanzierten Technik am PC gezeichnet und am Schneidplotter geschnitten. Die tastbaren Abbildungen werden auf transparenter Folie erstellt und mit einer farbig bedruckten Seite unterlegt. So entstehen Bücher, die sowohl für Blinde, aber auch für Sehbehinderte oder Sehende geeignet sind. Im Vergleich zu der beim Wandkalender verwendeten Siebdrucktechnik ist dieses neue Verfahren wesentlich kostengünstiger und kann ohne die Inanspruchnahme von Fremdleistungen in der DZB ausgeführt werden.
Wichtige Termine der Öffentlichkeitsarbeit waren 2002 die Leipziger Buchmesse und die Messe RehaKomm in Berlin. Auch in diesem Jahr wird sich die DZB vom 20. bis 23. März mit einem großen Stand auf der Leipziger Büchermesse präsentieren: Halle 3, Stand H216. Besucher können erfahren, wie blinde Menschen lesen, was es neues aus unserem Verlag zu vermelden gibt und wie sich die neue Hörbuchgeneration DAISY weiterentwickeln wird.
2002 gab es ausnahmsweise zwei Tage der offenen Tür in der DZB. Am 14. Mai präsentierte sich das Haus Vertretern der Politik in Sachsen und vielen Gästen und Freunden aus der Blindenselbsthilfe. Im Mittelpunkt stand das Ringen um den Status der Einrichtung. Eindrucksvoll belegten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vertreter der Politik und andere Gäste der Veranstaltung, wie sie sich zukünftige Medienversorgung für Blinde und Sehbehinderte vorstellen und welche Entwicklungsmöglichkeiten die DZB dabei hat.
Der schon traditionelle Tag der offenen Tür am ersten Septemberwochenende fand ebenfalls großen Anklang. Besonders ist hier eine Veranstaltung in der Cafeteria zu nennen, in der Sprecherinnen und Sprecher von Hörbüchern und Zeitschriften über ihre Arbeit informierten. Insgesamt kamen 450 Besucher an den beiden Tagen der offenen Tür. In 37 weiteren Führungen besichtigten 416 Personen die DZB.
Mit »Hörbuch hautnah« organisierte Susanne Siems in der Villa Rochsburg eine bunte Veranstaltung rund um das Hörbuch. Im Mai konnte der Direktor der DZB in einer Präsentation die Mitglieder des Verwaltungsrates des DBSV von den Vorteilen und Einsatzmöglichkeiten digitaler Hörbücher überzeugen. Ausgehend von dieser Veranstaltung hat der Siegeszug des neuen Mediums nun auch in Deutschland endlich Fahrt aufgenommen. Eine Entwicklung, die sich 2003 fortsetzen wird. Natürlich wird auch in diesem Jahr DAISY ein wichtiges Thema in der DZB sein. Daneben gibt es Pläne, die begonnene Braille-Notenherstellung mit einem zusätzlichen Projekt DaCapo weiter aufleben zu lassen und im Bereich des Brailledruckes neue Investitionen zu tätigen. Wenn, ja wenn dem neuen Staatsbetrieb die dafür beantragten finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Die Leser der DZBN werden es als Erste erfahren.

Einblicke

Entwurf zum neuen Urheberrecht

Karsten Sachse

Im »Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft« der Bundesregierung ist u. a. folgender Passus enthalten:

Ȥ 45a
Behinderte Menschen
(1) Zulässig ist die nicht Erwerbszwecken dienende Vervielfältigung eines Werkes für und deren Verbreitung ausschließlich an Menschen, soweit diesen der Zugang zu dem Werk in einer bereits verfügbaren Art der sinnlichen Wahrnehmung auf Grund einer Behinderung nicht möglich oder erheblich erschwert ist, soweit es zur Ermöglichung des Zuganges erforderlich ist.
(2) Für die Vervielfältigung und Verbreitung ist dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen; aus-genommen ist die Herstellung lediglich einzelner Vervielfältigungsstücke.
Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.«

Soweit der Text aus dem Gesetzesentwurf. In den Einzelerläuterungen heißt es dazu:

»Mit dem vorgeschlagenen § 45a wird im deutschen Urheberrecht erstmals eine Schranke zugunsten behinderter Menschen eingeführt. (...)
Die in Absatz 1 beschriebene Schranke ermöglicht es Menschen, denen die sinnliche Wahrnehmung eines Werkes oder Schutzgegenstandes aufgrund ihrer Behinderung wesentlich erschwert ist, Vervielfältigungen vorzunehmen, die das Werk oder den Schutzgegenstand in eine andere Wahrnehmungsform übertragen und dadurch dem Behinderten einen Zugang ermöglichen. Dies kann konkret für Blinde und Sehbehinderte bei einem Werk der Literatur etwa die Aufnahme auf Tonträger oder die Übertragung in Blindenschrift umfassen. Auch die Verbreitung der hergestellten Vervielfältigungstücke ist - wiederum begrenzt auf die begünstigten Menschen - zulässig.
Die Vervielfältigung und Verbreitung ist zulässig, soweit es zur Ermöglichung des Zuganges erforderlich ist. Nicht in diesem Sinne erforderlich sind sie, wenn das Werk in einer für den Begünstigten wahrnehmbaren Art zu einem der nicht wahrnehmbaren Art entsprechenden Preis bereits verfügbar ist und sich diese verfügbare Form für den konkret vorgesehenen Zweck der Nutzung eignet. Letzteres wäre jedoch beispielsweise dann nicht mehr gegeben, wenn ein Sehbehinderter im Rahmen seines Literaturstudiums Zugang zu der für ihn wahrnehmbaren Form eines erschienenen Buches benötigt, das zu vergleichbarem Preis zwar als Hörbuch verfügbar ist, damit aber nicht den Erfordernissen einer wissenschaftlichen Zitierweise genügt werden kann.
Die Vervielfältigung ist vergütungspflichtig, wenn sie über die Herstellung einzelner Vervielfältigungsstücke hinausgeht. Die Begrenzung der Vergütungspflicht entspricht der in den vergleichbaren Schrankenfällen üblichen Regelung. Sie trägt praktischen Bedürfnissen Rechnung und berücksichtigt zugleich, dass bei Einzelvervielfältigungen regelmäßig Geräte und Medien verwendet werden, die ohnehin einer urheberrechtlichen Vergütung nach §§ 54, 54a unterliegen.
Entsprechend der bisherigen Systematik des Urheberrechtsgesetzes in allen Fällen derartiger Vergütungspflichten wird die Geltendmachung der Vergütung einer Verwertungsgesellschaft vorbehalten. § 13 Abs. 3 Satz 4 des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes stellt auch insofern sicher, dass sowohl bei der Tarifgestaltung als auch bei der Einziehung der tariflichen Vergütung namentlich kulturelle und soziale Belange der Vergütungspflichtigen angemessen berücksichtigt werden.«
(Quelle: www.bmj.bund.de)

Der trockene Rechtstext mag zunächst verbergen, um welche bahnbrechende Erleichterung für die Arbeit der DZB und aller anderen Produzenten von Literatur für Blinde und Sehbehinderte es sich hierbei handelt. Denn bisher ist für uns die Übertragung, sei es in Braille oder auf Kassette, genehmigungspflichtig und bedarf einer Lizenz vom Rechteinhaber (in der Regel der betreffende Schwarzdruckverlag, der Autor oder eine Agentur). Diese Praxis erschwert unsere Arbeit außerordentlich. Die DZB plant ihre Produktionsvorhaben halbjährlich. Jeweils über 100 Buchtitel und Lizenzen werden benötigt. Der Zeitraum von der Beantragung einer Lizenz bis zu deren Erhalt kann von zwei Stunden bis zu zwei Jahren reichen, manchmal bleibt die Antwort auch ganz aus. Planung wird zum »Abenteuer« ...
Aus unserer Sicht hoffen wir deshalb, dass der Gesetzesentwurf im oben zitierten Wortlaut schnell umgesetzt wird. Dann werden wir zwar Gebühren an die Arbeitsgemeinschaft Wort zahlen müssen, aber dafür entfällt der Aufwand für die Lizenzbeschaffung. Und für die Leser bzw. Hörer der DZB verkürzt sich damit die Wartezeit bis zur Fertigstellung einer Neuerscheinung.

Wie war das damals?

Wie die Kriegsblindenbetreuung in Deutschland begann (Teil 2)

Dr. Werner Uhlig

Am Jahresende 1915 gehörten dem Verein der Blinden in Dresden und Umgegend 12 kriegsblinde Mitglieder an. [DBW Nr. 2/1916, S. 26.] Von Kriegsjahr zu Kriegsjahr nahm ihre Anzahl zu, und so erschien es dem Verein angebracht, auf seiner 16. ordentlichen Hauptversammlung am 15. April 1917 den Vorstand durch Hinzuwahl eines Kriegsblinden zu erweitern. [DBW Nr. 5/1917, S. 74.]
Zunächst blieb es lediglich beim Beschluss einer solchen Vorstandserweiterung, denn der dafür geeignete und bereitwillige Kriegsblinde war noch nicht gefunden. Weil sich der Vereinsvorstand der Bedeutung der Integration Kriegsblinder vollauf bewusst war und keine Mühe scheute, diesen wichtigen und zu dieser Zeit schon brisanten Erweiterungsbeschluss zu verwirklichen, gelang es in den folgenden Monaten, den kriegsblinden Herrn B. Jähne für diese Aufgabe zu gewinnen. B. Jähne wird auf der 17. ordentlichen Hauptversammlung des Vereins am 21. April 1918 als Vertreter der Dresdner Kriegsblinden in den Vereinsvorstand gewählt. [DBW Nr. 5/1918, S. 76.]
An dieser Stelle ist anzumerken, dass es seit 1916 eine eigene Organisation der deutschen Kriegsblinden gibt, die darauf hinwirkte, alle Kriegsblinden aus den Untergliederungen des Reichsdeutschen Blindenverbandes herauszulösen. In Dresden ist diesen Bestrebungen einige Jahre erfolgreich entgegengesteuert worden.
Noch einmal zurück zum Jahr 1915. Zu dieser Zeit dachte bei den Blinden in Sachsen noch niemand an eine organisatorische Trennung zwischen Kriegsblinden und den anderen Blinden, die nun bald »Friedensblinde« bzw. »Zivilblinde« heißen sollten. Das bewährte Prinzip uneigennütziger Hilfe erfahrener Blinder für Neuerblindete galt für Kriegsblinde im ganz besonderen Maße und keineswegs nur in Sachsen. Bei aktiverer Mitwirkung vor allem von Vierling und Gäbler-Knibbe aus Dresden ergriff der Reichsdeutsche Blindenverband mit der Märznummer seiner Verbandszeitschrift 1915 die Initiative zur Schaffung der deutschen Kriegsblindenfürsorge.
Wie sich gezeigt hat, ist es eine sehr erfolgreiche Initiative gewesen, und die dabei entwickelte Herangehensweise könnte durchaus auch für unsere Verbandsarbeit in Gegenwart und Zukunft noch Bedeutung haben. Der damalige Vorsitzende des Reichsdeutschen Blindenverbandes, F. W. Vogel, engagierte sich dafür nach Kräften, und sein Nachfolger, Paul Reiner, berichtete darüber wie folgt:
»Unser Aufruf in Nr. 3 der ›Blindenwelt‹, den wir an eine große Anzahl deutscher Zeitungen mit der Bitte um Abdruck sandten, hat uns von verschiedenen Seiten zustimmende Äußerungen gebracht. Alle stimmen darüber überein, dass die an der Kriegsblindenfürsorge interessierten privaten Kreise sich mit den berufenen Vertretern des Blindenwesens und der Blindenorganisation zusammenschließen möchten, um sowohl die Verwendung der vorhandenen Gelder als auch die weiteren Sammlungen in gesunde Bahnen zu lenken. Allein, da ein entscheidender Schritt zu einem solchen Zusammenschluss von anderer Seite nicht unternommen worden ist, so haben wir uns entschlossen, unsererseits die Verwirklichung dieses Gedankens zu versuchen. Wir sind an eine Anzahl interessierter hervorragender Persönlichkeiten mit der Bitte herangetreten, sich uns als ›Ehrenausschuss des Reichsdeutschen Blindenverbandes für Kriegsblindenhilfe‹ zur Seite zu stellen und uns bei der Förderung dieser Angelegenheit ihre geschätzte Hilfe angedeihen zu lassen.«
[Paul Reiner: »Unsere Tätigkeit in der Kriegsblindenfürsorge«, DBW Nr. 5/1915, S. 65.]
Der Ehrenausschuss hatte innerhalb des Verbandes keinerlei Befugnisse, es bedurfte bei seiner Konstituierung also keiner Satzungsänderung, somit auch keiner Befragung bzw. Bestätigung durch einen Verbandstag. Er wurde, ohne Zeit zu verlieren, einzig und allein mit dem Ziel gebildet, dem Vorhaben des Verbandes durch Unterstützung einflussreicher und hochgestellter Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit und besonders den Behörden gegenüber größeres Gewicht zu verleihen. Erstaunlich, wer alles zur Mitarbeit gewonnen werden konnte. Es waren:
  1. Johann Friedrich Fürst zu Hohenlohe, Bartenstein und Jagstberg, Präsident der ersten Kammer des Württembergischen Landtages, Schloss Bartenstein,
  2. Staatsminister Dr. von Fleischhauer, Exzellenz, Königlich Württembergischer Minister des Innern, Stuttgart,
  3. H. Heinrich Bolko, Graf von Hochberg, Exzellenz, Erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses, Professor, Rohnstock,
  4. Wirklicher Geheimer Rat Freiherr von Seckendorf, Exzellenz, Präsident des Reichsgerichts, Leipzig,
  5. General der Kavallerie Gustav Freiherr von StarklotT, Exzellenz, Generaladjutant seiner Majestät des Königs von Württemberg, Stuttgart,
  6. Heinrich Ritter von Thelemann, Exzellenz, Königlich-Bayerischer Staatsminister der Justiz, Präsident des Bayerischen Obersten Landesgerichts, München, Lebenslänglicher Reichsrat der Krone Bayerns,
  7. Wirklicher Geheimer Rat Oberregierungsrat Dr. Paul Kaufmann, Präsident des Reichsversicherungsamtes, Berlin,
  8. H. von Zeller, Präsident des Evangelischen Konsistoriums in Württemberg, Stuttgart,
  9. Geheimer Hofrat Professor Dr. Th. Axenfeld, Direktor der Universitätsaugenklinik Freiburg i. B.,
  10. Geheimrat Professor Dr. Krückmann, Direktor der Universitätsaugenklinik Berlin,
  11. Geheimer Oberregierungsrat J. Heuschen, Vortragender Rat und Referent für das Blindenwesen im Preußischen Kultusministerium, Berlin,
  12. Dr. Ludwig Ganghofer, Schriftsteller, München,
  13. Dr. Friedrich Naumann, Mitglied des Reichstags, Berlin.
[DBW Nr. 4/1916, S. 50]

In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin - von Sachsen ist einzig der Reichsgerichtspräsident dabei - hatte das Anliegen der Blindenorganisation in Dresden keinen Anklang gefunden? Oh doch, aber die Dresdner hochgestellten Persönlichkeiten wurden für einen anderen Zweck »aufgespart«, für einen sächsischen Ehrenausschuss - dazu kommen wir noch. Jedenfalls ist die Rechnung aufgegangen. Während der Kriegsjahre 1915 bis 1918, einer Zeit, für die man das hätte am wenigsten vermuten können, flossen dem RBV mehr Gelder zu als je zu einer anderen Zeit. Heime wurden angemietet oder auch gekauft. Später sollten sie allen Blinden zur Erholung dienen. Zunächst aber sind sie zur Rehabilitation Kriegsblinder genutzt worden. Die Juliausgabe der »Blindenwelt« 1915 bringt unter der Überschrift »Eröffnung des ersten Erholungsheimes für erblindete Krieger in Binz auf Rügen« eine ausführlichen Bericht über das Ereignis.
Am 5.6. 1915 übernahm der RBV die Villa Concordia. Das Heim hatte 26 Zimmer mit 42 Betten, es sind nur 50 Schritte bis zum Strand. [DBW Nr. 7/1915, S. 99-101.] Auf der Verwaltungsratsitzung am 29. Juni 1918 in Berlin ist der Beschluss gefasst worden, das Kurhaus Prora in Binz zu kaufen, welches mindestens 110 Gästen Platz bot. [DBW Nr. 8/1918, S. 126]
»Im April 1917 durften wir das vom Verband käuflich erworbene Heim am Amelungsweg beziehen (...)«, so wird über Wernigerode berichtet. [DBW Nr. 8/ 1918, S. 128]
Wie in Binz, wo noch ein drittes Objekt, das Haus »Edelweiß« übernommen worden ist, diente auch in Wernigerode das Haus vor dem Beginn der Erholung zunächst der Rehabilitation Kriegsblinder durch den RBV. Ein Jahr zuvor, also 1916, war in Wernigerode schon kurzfristig ein Haus für diese Zwecke genutzt worden, jedoch mit dem Erwerb des Heimes am Amelungsweg wieder aufgegeben.
Überall wo es um Vorhaben der künftigen Blindenerholung ging, hatte Otto Vierling mehr oder weniger seine Hände im Spiel. Es ist ohne Übertreibung zu sagen, dass neben der Beschaffung und dem Vertrieb von Blindenhilfsmitteln sein Lieblingskind die Blindenerholung war. Wie er sich dabei - im wahrsten Sinne des Wortes »ohne Rücksicht auf Verwandte« - engagieren konnte, mag folgendes Beispiel zeigen: Die Heime in Binz hatten damals noch nicht den Komfort »Zimmer mit WC, Dusche bzw. Bad«. Ab und zu ein Bad jedoch, und nicht nur in der Ostsee, das musste aber schon sein, natürlich, und so wurde auf Vierlings Vorschlag hin ein Badehaus in Fertigteilbauweise für die Gäste der Blindenheime in Binz errichtet. Dieses Badehaus, welches später in den Jahren 1925 - 1926 noch zum Blindenerholungsheim Timmendorfer Strand umgesetzt worden ist, stammte aus Dresden. Und wer hat es gebaut? Der Zimmermann Ernst Vierling, Otto Vierlings Vater. [Ilse Frenz: Erinnerungen an meinen Onkel Otto Vierling. Manuskript Oktober 1984, S. 5]
Kriegsblindenfürsorge war ein wichtiges humanistisches Betätigungsfeld des Reichsdeutschen Blindenverbandes und seiner Mitgliedervereine, bis es zur organisatorischen Verselbständigung der deutschen Kriegsblinden kam. In einschlägigen Zeitschriften, Jahrbüchern usw. findet sich oft und zu Recht der Hinweis auf die Schrittmacherrolle der Kriegsblinden für die gesellschaftliche Integration, auch der Zivilblinden.
Wenig oder gar nicht beachtet wird jedoch in der Regel die Tatsache, dass es die Zivilblinden gewesen sind, die den Grundstein für die Kriegsblindenfürsorge gelegt haben. Solidarität der Blinden untereinander gehörte und gehört zu den wichtigsten Prinzipien der Blindenselbsthilfe, und das sollte auch so bleiben!

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Pristawkin, : Schlief ein goldnes Wölkchen

Susanne Siems
(für die Punktschriftbibliothek)
Manchmal geht es Büchern wie Menschen. Sie haben ihre Geschichte, ihre guten, erfolgreichen und ihre schlechten Zeiten, in denen sie unbeachtet in der Ecke stehen und keiner ihre mahnenden Rufe hören will.
Dem beeindruckenden Buch von Anatoli Pristawkin, in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts geschrieben, ist wohl genau das widerfahren. Damals war das Buch eine Sensation, wurde zumindest im Ostteil Deutschlands aufmerksam gelesen und viel besprochen. Wenn man es heute in die Hand nimmt, weiß man warum und auch ich erkannte wieder einmal den tieferen Sinn dieser Rubrik Kramkiste.
Hunger? Was ist das? Ich habe es so nie erfahren müssen. Ich schaffe es nicht einmal, die guten Vorsätze, den Winterspeck loszuwerden, in die Tat umzusetzen. Für die Zwillinge Kolka und Saschka ist Hunger das Hauptmotiv allen Handelns. Sie essen Kerzenwachs, um sich den Magen zu füllen. Sie riskieren ihr Leben, indem sie zum Überleben ein Stück Brot klauen. Kolka und Saschka leben 1944 in einem Waisenhaus im Moskauer Gebiet. Eines Tages werden sie auf den langen Weg in ein neues Heim in den Kaukasus geschickt. Dort finden sie zunächst paradiesische Zustände, d. h. für sie Sattessen bis zum Umfallen, und eine Landschaft, die man schon dank der Schilderung auf den Buchseiten als einzigartig erkennt. Übrigens ist der Titel des Romans, »Schlief ein goldnes Wölkchen«, die Zeile aus einem Gedicht von Lermontow, dass den Zwillingen schon sehr zeitig in der Schule begegnet und sie durch den ganzen Roman begleiten wird. Das Paradies hat es an sich, nicht ewig zu währen. Sehr bald bekommen die Zwillinge und ihre Kameraden schreckliche Erklärungen für die unheimliche Ruhe, die in der Gegend, die sie jetzt bewohnen, herrscht. Die Kinder werden in die Kämpfe zwischen Russen und Tschetschenen verwickelt.
Es ist sehr realistisch, dieses Buch, und findet deshalb auch ein sehr bitteres Ende. Mehr zufällig hatte ich mir einen Roman gegriffen, den ich schon längst gelesen haben wollte. Erschütternd war, welche Aktulität mich aus dem Text regelrecht anschrie. Heute, knapp sechzig Jahre nach den geschilderten Ereignissen, sind für mich kaum Veränderungen erkennbar. Die Regierenden tragen ihre Interessen auf kriegerische Weise aus und die Bevölkerung trägt die Hauptlast dieser Auseinandersetzungen. Sicher klingt das sehr plakativ - aber wenn die Tatsachen so sind, muss man sie wohl auch so benennen. Nach der Lektüre des Buches kann man dazu nichts anderes sagen.
Anatoli Pristawkin, der in diesem und dem ebenfalls viel beachteten Roman »Wir Kuckuckskinder« seine eigenen Kindheitserlebnisse verarbeitet, setzt sich auch heute noch aktiv für die Menschenrechte ein. Von 1992 bis 2001 war er Vorsitzender der Begnadigungskommission des damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Ende vergangenen Jahres erhielt er den Alexander-Men-Preis, der für die Vermittlung russischer Realität in Deutschland verliehen wird.
Sicher ein ernstes Buch, dem man sich aber nicht entziehen kann und sollte. Mit den lebensnahen Schilderungen des Autors bringt es uns eine ferne Welt sehr nah.
In der Punktschriftbibliothek liegt der Roman in der Übersetzung von Thomas Reschke vor, der übrigens auch Gast des V. Boltenhagener Bücherfrühlings sein wird.

Anatoli Pristawkin: Schlief ein goldnes Wölkchen, 5 Bde., rkh., BNA 7829

Marie von Ebner-Eschenbach: Krambambuli

Jana Waldt (Hörbücherei)

Für meine heutige Kramkiste habe ich mir die Erzählungen von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916) ausgesucht - allen voran »Krambambuli«.
Diese 1883 erschienene Erzählung beruht auf einer wahren Begebenheit, die Marie von Ebner-Eschenbach von ihrem Neffen berichtet wurde:
Der Revierjäger Hopp kauft von einem heruntergekommenen Forstgehilfen für zwölf Flaschen Kirschbranntwein einen ungewöhnlich schönen Hund - Krambambuli. Es dauert zwei Monate, bis Krambambuli, halb verhungert und tot geprügelt, seinen neuen Herrn anerkennt. Hopp liebt ihn über alles und ist stolz auf ihn und seine Treue. Selbst beim Grafen, der den Hund gern als Geburtstagsgeschenk behalten wollte, bleibt er nicht.
Um dieselbe Zeit machte eine Bande von Wilderern unter ihrem Anführer, dem »Gelben«, die Wälder unsicher. Der Oberförster, dadurch maßlos gereizt, straft nun auch die kleinen Wilddiebstähle der Dorfbewohner mit äußerster Brutalität. Unter den Frauen, die er eigenhändig prügelt, befindet sich auch die Geliebte des »Gelben«. Eine Woche später wird der Oberförster ermordet aufgefunden. Mit Krambambulis Hilfe stehen sich wenig später  in Hopp und dem »Gelben« auch der neue und alte Herr des Hundes gegenüber. Krambambuli - hin- und hergerissen - entscheidet sich schließlich für seinen alten Herrn und gegen Hopp. Der »Gelbe« dadurch irritiert, verfehlt Hopp und wird von diesem schließlich erschossen. Hopp kann Krambambuli seine Untreue nicht verzeihen und lässt ihn im Wald zurück. Krambambuli verwildert völlig und stirbt in einer kalten Winternacht vor Hopps Tür, zu dem er zurückkehren wollte.
Diese Erzählung war lange Zeit Pflichtlektüre an österreichischen Schulen. Sie ist nicht nur eine Geschichte von der Treue eines Hundes, sondern beschreibt auch ganz klar die sozialen Zustände der damaligen Zeit.
Neben dieser Erzählung (BNA 581), die 1956 von Ingeborg Ottmann in der DZB aufgelesen wurde, können Sie in der Hörbücherei von Marie von Ebner-Eschenbach noch folgende Hörbücher ausleihen:

»Das Gemeindekind" (BNA 227)
»Der Kreisphysikus« (BNA 582)
»Der Erstgeborene« (BNA 583)
»Unverbesserlich« (BNA 584)
»Maslans Frau« (BNA 585)
»Margarete« (BNA 586)
»Frauenbilder« (BNA 6046)
»Meine Kinderjahre. Aus meinem Leben. Bei meinen Landsleuten« (BNA 3060).

Natürlich verfügt auch unsere Punktschriftbibliothek über zahlreiche Titel von Marie von Ebner-Eschenbach.

Autorenporträt

Georges Simenon

Zum 100. Geburtstag am 13. Februar

300 Romane, mehr als 50 Verfilmungen, etwa 20 Pseudonyme und jene 10.000 Frauen, mit denen er - so kolportierte er selber - geschlafen haben soll: Zahlen, die nichts Maßvolles oder Messbares wiedergeben. Nur wenig bescheidener nimmt sich sein Lebenslauf aus: Da sein Vater krank wurde, verließ Georges die Schule, begann kurz eine Konditor- und eine Buchhändlerlehre und wurde dann von der »Gazette de Liège« als Lokalreporter eingestellt. Nach der Zeit in Paris als Privatsekretär eines Schriftstellers und eines Marquis begann Simenons unvergleichliche Schaffenswut. Den ersten einer Reihe von mehr als 180 Groschenromanen schrieb er an einem Vormittag im Sommer 1924 auf einer Café-Terrasse. Erst später entstand der unvergessliche Commissaire Maigret. Ständige Ortswechsel und manisches Schreiben bestimmten 30 Jahre lang sein Leben. Sein reiches Leben krönte Georges Simenon mit den monumentalen »Intimen Memoiren«.
Der Mann, der den größten Pariser Kommissar erschuf, war ein Belgier. Georges Simenon wurde am 13. Februar 1903 in Lüttich geboren. Es wird berichtet, dass die abergläubische Mutter versuchte, den Geburtstag vordatieren zu lassen. Der Vater muss zumindest im Dienst ein sachlicher Mensch gewesen sein - er arbeitete als Versicherungsangestellter. Simenon besuchte von 1909 an fünf Jahre lang eine katholische Elementarschule. George muss ein fähiger Schüler gewesen sein, ansonsten hätte er die Abschlussprüfung nicht mit 294 von 315 möglichen Punkten gemeistert. In den Jahren des ersten Weltkrieges besuchte Simenon ein Jesuitenkolleg; er will entweder Schriftsteller oder Priester werden. Aufgrund einer schweren Erkrankung seines Vaters musste er aber die Schule vorzeitig verlassen. Er nimmt eine Arbeit als Verkaufsgehilfe in einer Buchhandlung an, wird aber nach sechs Wochen entlassen. Die Lehre als Konditor bricht er ebenfalls ab. Er wird Lokalreporter bei der »Gazette de Liége« und beglückt die Zeitung neben seinen Prozessberichten mit einer Klatschspalte. 1920 folgte dann sein erster kleiner Roman. »Au Pont des Arches« beschäftigt sich auf humorvolle Art und Weise mit Lütticher Sitten. Das Buch wird unter einem seiner Zeitungspseudonyme veröffentlicht: »Georges Sim«. Simenon hatte beschlossen, erst dann unter eigenem Namen zu veröffentlichen, wenn er sich fähig glaubt, die Literatur zu schreiben, die seinen Ansprüchen genügt. Die Geschichte des Pseudonyms wird übrigens in »Maigrets Memoiren« aufgegriffen.
1921 erfolgt die Verlobung mit Régine Renchon, einer jungen Malerin. Ihr Vater hatte Liebesbriefe gefunden, die keinen Kommentar benötigten, und bestand auf einer Verlobung. Simenons Vater starb in diesem Jahr. Simenon war erschüttert von dem Eindruck, den der sterbende Vater auf ihn hinterließ. Im folgenden Jahr geht er nach Paris. 1923 ehelicht er in Paris seine Verlobte.
In den folgenden zehn Jahren schreibt Simenon an die 1000 Kurzgeschichten. Mitte der zwanziger Jahre wendet er sich der Produktion von Groschenheften zu. Er betrachtet dieses »Schreiben« als Arbeit und erreicht mit den Romanen ein beachtliches Einkommen. Noch immer betrachtet er sich als nicht vollwertigen Schriftsteller und veröffentlicht unter Pseudonymen. Bis 1924 ist er Privatsekretär und Reisebegleiter des Marquis de Tracy, im Jahre 1925 schließt er einen Vertrag mit dem Verleger Tallandier über die regelmäßige Lieferung von Groschenromanen. 1927 wird Simenon Alleinherausgeber und Redakteur der Zeitschrift »Le Merle blanc«. Die Zeitschrift hat keinen Erfolg. 1928 bricht Simenon zu einer fünfmonatigen Flussreise auf. Dem Wasser bleibt er sehr verbunden, denn 1929 lässt er sich ein eigenes Schiff bauen. Mit diesem Schiff will er über Belgien und Holland bis in die Ostsee fahren. Wir können froh sein, dass er nicht untergegangen ist, denn erst 1930 erscheint eine Erzählung, in der ein Kommissar Maigret auftaucht - »Nachtzug« heißt die Erzählung. 1931 veröffentlicht Simenon die erste Maigret-Erzählung unter seinem eigenen Namen: »Maigret und Pietr, der Lette« (1929 in Holland geschrieben). Auch in den darauffolgenden Jahren ist Simenon viel unterwegs, er bereist zuerst Afrika und Europa (1932/33) und unternimmt dann eine Weltreise (1935). 1939 wird sein Sohn Marc geboren.
Ein Arzt diagnostiziert bei Simenon eine Angina pectoris, eine Krankheit, an der auch schon sein Vater starb. Folge dieser krassen Fehldiagnose - schließlich lebte Simenon noch fast fünfzig Jahre - war eine erste Biographie. Nach dem Krieg siedelt er mit der Familie nach Amerika um. Hier entstehen 26 Maigret-Erzählungen. Simenon beginnt eine Affäre mit Denise Ouimet, die später seine Sekretärin wird. 1949 wird der gemeinsame Sohn John geboren. Im Jahr darauf erfolgen die Scheidung von Régine und die Heirat mit Denise. Drei Jahre nach der Heirat wird die Tochter Marie-Jo geboren, 1958 Sohn Pierre. Zehn Jahre nach der Übersiedlung kehrt Simenon zurück nach Frankreich.
1973 gibt Simenon bekannt, dass er keine Romane mehr schreiben würde. Vorausgegangen sind dem unfreundliche Kritiken seiner letzten Bücher. Ob ein Zusammenhang besteht, sei dahingestellt. Er beginnt damit, seine Memoiren auf Tonband zu sprechen.
Am 4. September 1989 stirbt Simenon in Lausanne. Ein Jahr zuvor wurden seine Beine und ein Arm durch eine Gehirnblutung gelähmt. Eine Nachricht, die im Wirbel der Zeit untergegangen ist. Seine Asche wurde unter der Zeder in seinem Garten in Lausanne verstreut
(Quellen: www.diogenes.ch; www.maigret.de)

Die DZB hat zahlreiche Werke von Georges Simenon in ihrem Bestand.

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position
Nr. 51: A. C. Kinsey: Das sexuelle Verhalten des Mannes (1948)
Nr. 52: W. Churchill: Der Zweite Weltkrieg (1948)
Nr. 53:

Graham Greene: Das Herz aller Dinge

(1948)
In der DZB als Hörbuch ausleihbar:
Sprecher: Friedhelm Eberle. 10 Kass., 4624

Graham Greene wurde am 2. Oktober 1904 in Berkhampstead, Hertfordshire, geboren. Sein Großonkel war der Autor Robert Louis Stevenson. Da Greene der Sohn des örtlichen Schuldirektors war, behandelten seine Mitschüler ihn als Außenseiter. Er entwickelte so einen Hang zum Einzelgängertum, gegen den auch seine beiden Brüder nichts tun konnten.
Nach Beendigung der Schule ging Greene nach Oxford und studierte am Balliol College Neuere Geschichte. Seine erste Anstellung war ein Redakteursposten bei der Times in London, danach fand er eine Stelle als Filmkritiker beim Spectator. Die großen Reisen, die er unternahm - u.a. nach Westafrika und Asien - wurden auch zum Fundus für seine schriftstellerische Tätigkeit.
Ein entscheidender Schritt war 1934 sein Übertritt zum Katholizismus. Sein erster Roman, »The Man Within« (1929, dt. Zwiespalt der Seele), beschreibt bereits den Konflikt zwischen Gut und Böse, der im Zentrum von Graham Greenes Werk steht. Man findet ihn in den Kriminalgeschichten wie in den psychologisch ausgerichteten Romanen. Als 1940 »The Power and the Glory« (dt. Die Kraft und die Herrlichkeit) erschien, erhielt Greene dafür den Hawthorne-Preis. Viele halten es für sein vielleicht bestes Werk.
Zweimal leitete er Verlage, Mitte der vierziger Jahre »Eyre & Spottiswoode« und Anfang der sechziger Jahre »Bodley Head«. Am 3. April 1991 starb Graham Greene in Genf.
(Quelle: www.zsolnay.at)

Das Herz aller Dinge
(The Heart of the Matter).

Liebes- und Glaubensfragen führen zu den inneren und äußeren Verwicklungen im Leben Scobies, des stellvertretenden Polizeikommandanten einer kleinen westafrikanischen Hafenstadt während des zweiten Weltkrieges. Sein Leben wird geprägt von den Beziehungen zu zwei Frauen, seiner Ehefrau Louise, die den Aufenthalt in Afrika hasst und die Enttäuschungen seiner Karriere nicht zu überwinden vermag, und der jungen Helen Rolt, die - während eines Ferienaufenthalts Louises in Südafrika - als Schiffbrüchige in die Stadt kommt. Aus anfänglicher Anteilnahme Scobies am Schicksal Helens entwickelt sich echte gegenseitige Liebe. Für Scobie sind Mitleid und Verantwortungsgefühl für andere die entscheidenden Impulse seines Lebens, denen gegenüber der Wunsch nach Frieden und innerer Ruhe zurücktreten muss. So führen seine Liebe zu Helen und sein Mitleid mit der zurückkehrenden, hilflosen Louise für ihn zu einer äußerlich wie innerlich ausweglosen Situation. Sein Gewissenskonflikt wird verschärft durch das Bewusstsein der Sünde, unter dem er als gläubiger Katholik zutiefst leidet. Um aus dem Zirkel seines sündigen Lebens auszubrechen, beschließt er, sich ›selbst der ewigen Verdammnis zu übergeben‹, indem er, eine Angina pectoris vortäuschend, sich mit Schlaftabletten das Leben nimmt, ohne aber die anderen täuschen zu können. Der Kommentar des katholischen Priesters nach Scobies Tod, ›dass er Gott wahrhaft liebte‹, gibt der Paradoxie des Geschehens, dessen Wertmaßstab nicht im äußeren Tun, sondern im inneren Ringen liegt, noch einmal mit aller Schärfe Ausdruck.
(Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 18589 © Alfred Kröner Verlag)

LOUIS

(Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte)
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de)
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis

Das Kursbuch der Deutschen Bahn und der Nahverkehr auf CD-ROM's

Ulrich Jander

Bereits vor einiger Zeit schrieb ich über das Angebot der Deutschen Bahn auf CD-ROM. Damals konnte man als blinder Computernutzer neben der Windowslösung, auch unter dem Betriebssystem MS-DOS, sowohl das Kursbuch der Bahn als auch Nahverkehrsfahrpläne einsetzen. Mit dem aktuellen Kursbuch wurde ein neues Programm erstellt, welches Vorzüge und auch mehr Informationen mit sich bringt. Jedoch wurde die MS-DOS-Version abgeschafft. Wie beim Telefonbuch auf CD-ROM »Klicktel«, so gibt es jetzt auch seitens der Deutschen Bahn nur Verkehrsverbindungen auf CD-ROM unter Windows; Preis: 5,00 €. Städteverbindungen der DB werden auch auf drei Disketten angeboten, jedoch für insgesamt 12,75 €. Darüber hinaus gibt es auch auf CD-ROM den Nahverkehr aller Bundesländer, Preis: 2,50 €. Leider liegt der Nahverkehr nicht vollständig vor, d. h., nur insoweit, wie entsprechende Angaben von den einzelnen Nahverkehrsunternehmen an Cedion GmbH, den Anbieter dieser Fahrpläne, gegeben werden. Zu den genannten Preisen kommen 3,00 € Versandkosten hinzu.
Installieren kann man die CD-ROM's bzw. Disketten ab Betriebssystem Windows 95. Der Einsatz eines Screenreaders während der Installation sowie bei der Nutzung der Programme ist natürlich erforderlich. Das Programm wird, wie unter Windows üblich, mit Setup gestartet. Die Installationsroutine verläuft ohne Besonderheiten. Wenn man dann das erste Mal das Kursbuch aufgerufen hat, ist zu empfehlen, gleich eine Einstellung vorzunehmen, um den Screenreader an das Anwendungsprogramm anzupassen. Ein anderes Farbschema muss eingestellt werden. Dies wird von der Entwicklungsfirma wie folgt beschrieben:

»Der neue Ausgabebereich von HAFAS verwendet mehr Farbtöne, als die Windows-Systemfarben beinhalten. Dies bedeutet, dass die Vorlesesoftware zunächst Probleme beim Erkennen der Hervorhebung haben kann. Diese Probleme lassen sich durch die Wahl eines speziell optimierten Farbschemas in HAFAS beseitigen. Wählen Sie hierzu den Menüpunkt Optionen - Einstellungen. Es öffnet sich ein Dialogfeld mit verschiedenen Registerkarten. Wechseln Sie mit STRG+TAB und Pfeil-nach-rechts-Taste die Registerkarten, bis die Dialogoption Farbschema vorgelesen wird. Mit TAB-Taste gehen Sie nach unten. Wählen Sie dann in dem zugehörigen Listenfeld den Eintrag "Screenreader" aus und verlassen Sie den Dialog mit der Schaltfläche OK (oder der EINGABETASTE).«

Jetzt ist ein zeilenorientiertes Arbeiten mit dem Kursbuch möglich. In der Suchmaske können Eintragungen gemacht werden. Die Anzeige der Fahrverbindungen in der Übersicht oder im Detail ist übersichtlich. Mit der Pfeil-nach-unten- bzw. -nach-oben-Taste bewegt man sich Zeile für Zeile durch die Suchergebnisse. Das Menü, um die einzelnen Funktionen des Programms zu finden, erreicht man, wie gewöhnlich, mit Hilfe der ALT-Taste.
Neben dem Vorteil, dass jetzt auch Gleisangaben in der Detailansicht zu finden sind, kann das Kursbuch jederzeit auf aktuellen Stand gebracht werden. Dazu ist allerdings eine Internetverbindung notwendig. Für die Aktualisierung der Kursbuchdaten und des Programms ruft man im Menü Datei den Punkt Update auf. Dort steht die Frage, ob man über das Internet aktualisieren möchte. Wenn man dies bestätigt, wird eine im Programm stehende Internetseite aufgerufen, und die aktuellen Daten, wenn vorhanden, werden als Dateien zum Herunterladen angeboten. Nach einem solchen Download müssen die Dateien einzeln aufgerufen werden; die Aktualisierung erfolgt wiederum durch Installation. Auf diese Weise hat man immer ein aktuelles Kursbuch verfügbar.
Alternativ zum Kursbuch besteht auch die Möglichkeit, die nötigen Verkehrsverbindungen direkt im Internet zu suchen. Dafür gibt es sogar eine gut bedienbare, textorientierte Suchmaske der Deutschen Bahn als Internetseite. Sie lautet wie folgt:
http://reiseauskunft.bahn.de/binquery.exe/dl

Bestellungen und Anfragen zu den elektronischen Medien der DB AG können Sie an folgende Adresse richten:

DB BestellCenter
Elektronische Medien
CEDION GmbH
Lindlaustr. 2a
53842 Troisdorf
Telefon 02241 / 9477-77 bzw. 78
Telefax 02241 / 9477-99
Internet: www.cedion.de
E-Mail: info@cedion.de

Ein Wermutstropfen bezüglich der CD-ROM's gibt es allerdings zurzeit: Auf Grund einer einstweiligen Anordnung eines Berliner Gerichts werden die CD-ROM's gegenwärtig nicht verteilt. Die Diskettenvariante ist davon jedoch nicht betroffen. Leider ist dort der Datenumfang nicht ganz so groß.

Info-Service

Mitteilung zum Zahlungsverkehr

Die Finanzbuchhaltung der DZB informiert hiermit die Kundinnen und Kunden der DZB, dass die Rechnungslegung für alle bisher im Jahre 2003 erfolgten Bestellungen, Abonnements usw. aufgrund der mit dem neuen Status der DZB zusammenhängenden buchhalterischen Neuordnung voraussichtlich erst ab April 2003 erfolgen kann.
Alle Bestellungen werden dessen ungeachtet bearbeitet, ebenso erfolgt die Auslieferung wie bisher.

Leipziger Buchmesse

Vom 20. bis 23.3.03 ist Buchmesse. Das Thema Reisen steht im Vordergrund. Der Messestand der DZB befindet sich in Halle 3, Stand H216. Vor Ort können Sie sich über die neuesten Karten vom Europaatlas für Blinde und Sehbehinderte informieren oder sich die Handhabung von DAISY-Geräten und DAISY-CD's demonstrieren und erklären lassen. Die Betreuung des Messestandes erfolgt unter der erfahrenen Ägide von Frau Renate Burghardt, Leiterin der Abteilung Verlag der DZB.

Schließzeiten der DZB 2003

An folgenden Werktagen bleibt die DZB 2003 geschlossen:
Freitag,  02.05.2003
Freitag,  30.05.2003
Mittwoch,  24.12.2003 bis
Freitag,  02.01.2004 

Das Heimgesetz jetzt auch in Blindenschrift erhältlich!

Dr. Hans-Eugen Schulze
(Beauftragter für Seniorenangelegenheiten des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Marburg)
In den letzten Jahren ist oft über Missstände in Alten- und Pflegeheimen geklagt worden. Seit November vorigen Jahres gibt es daraufhin ein neues Heimgesetz, das helfen soll, solche Missstände von vornherein zu vermeiden oder jedenfalls möglichst schnell wieder zu beseitigen. Dabei spielen die Heimbewohner eine wichtige Rolle, vor allem dann, wenn sie selbst dem »Heimbeirat« angehören. Auch Angehörige und Freunde, die sich für einen Altenheimbewohner verant-wortlich fühlen, können viel zu einer bewohnerfreundlichen Führung des Heimbetriebes beitragen, wenn sie wissen, wie er nach dem Gesetz gestaltet sein muss und welch' weitgehende Befugnisse die Heimaufsicht heute in diesem Rahmen hat. Schließlich können auch die örtlichen Blinden- und Sehbehindertenvereine auf den Heimbetrieb einwirken, indem ihre Mitglieder blinde und sehbehinderte Heimbewohner besuchen und beraten oder - wie das nach der zusätzlich erlassenen »Heimmitwirkungsverordnung« möglich ist - in den Heimbeirat gewählt werden.
Alle diese Gruppen - die Heimbewohner selbst, ihre Angehörigen und Freunde und die örtlichen Vereine - müssen dazu aber das Heimgesetz und die Mitwirkungsordnung kennen und immer wieder einmal zu Rate ziehen. Für alle, die die Blindenschrift beherrschen, ist daher sehr zu begrüßen, dass die Deutsche Blindenstudienanstalt diese beiden, mit einem Vorleser nur schwer handhabbaren Texte als Loseblattausgabe in Blindenschrift gedruckt hat.
Bestellt werden können das Heimgesetz und die Mitwirkungsverordnung bei der Deutschen Blindenstudienanstalt, Postfach 1160, 35001 Marburg, Bestell-Nr.: 4182. Die Ausgabe in einem schmalen Ringordner kostet 14,70 € zuzüglich 1,60 € für Verpackung und zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer. Bei satzungsgemäßen Lieferungen und Leistungen an blinde und sehbehinderte Personen sowie an gemeinnützige Einrichtungen wird jedoch keine Mehrwertsteuer berechnet.

Blinde Autofahrer bitte melden!

Autofahren für Blinde erstmals in der Berliner City
Am 29. und 30. März 2003 können Blinde und Sehbehinderte erstmals in der Berliner City selbst hinter das Steuer eines Autos steigen. Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin sowie die Fahrlehrer-Verbände Berlins und des Landes Brandenburg führen die Veranstaltung auf dem eigens dafür abgesperrten Olympischen Platz vor dem Berliner Olympia-Stadion durch. Es geht dabei nicht nur darum, Blinden und Sehbehinderten einen Herzenswunsch zu erfüllen, sie sollen vielmehr auch lernen, sich in Autofahrer hineinzuversetzen.
Gleichzeitig sollen auch die Fahrlehrer für die Belange der Blinden und Sehbehinderten sensibilisiert werden.
Die Veranstaltung beginnt an beiden Tagen um 10:00 Uhr und wird bis ca. 17:30 Uhr dauern. Blinde und Sehbehinderte, die daran teilnehmen möchten, können sich bei Dr. Detlef Friedebold anmelden, entweder per E-Mail (dr.friedebold@t-online.de) oder telefonisch unter 030/ 365 53 55.

Fahrschulen und blinde Passagiere gesucht!

Der Blinden- und Sehbehindertenverband des Muldentalkreises lädt am 1. Mai auf den Flughafen Waldpolenz zum »Auto fahren für Blinde« ein. Es wird einen Bustransfer zwischen dem Bahnhof Brandis und dem Flugplatz Waldpolenz geben, ebenfalls werden Rundflüge möglich sein.
Kontakt für teilnehmende Fahrschulen:
Fahrschule Andreas Grünewald
Tel.: 0341 6891689, Fax: 0341 6010302
Kontakt für Teilnahme Blinder und Sehbehinderter:
BSVS e. V. KO Muldental
Tel. und Fax: 034293 42149

Plattdeutsches in Blindenschrift

[blip]
Die Vierteljahresschrift für Mitglieder der »Quickborn-Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur« soll bei entsprechendem Interesse in Blindenschrift herausgegeben werden. Wer mehr über dieses Vorhaben wissen will, kann sich telefonisch, per Cassette oder in Blindenschrift wenden an Mona Heynemann, Koblenzer Str. 76, 32584 Löhne, Telefon 05731 842163.

Berlinale: Die Kino-Hits der Zukunft

Auf den Berliner Filmfestspielen im Februar wurden viele Filme vorgestellt, die den Sommer lang in den Kinos zu sehen sein werden - manche mit der Chance, ein Hit zu werden. Eine Extrakassette zum Filmfest informiert ausführlich. Sie ist eine Sonderausgabe der Hörmagazine »Anstöße« und »Auslese« und erscheint Ende Februar beim
Arbeitskreis Kultur und Selbsthilfe
Sehgeschädigter,
Postfach 210540, 10505 Berlin,
Telefon 030 3451828.
E-Mail: anstoesse@gmx.de

Anzeigen

Ihre Anzeige wird automatisch in allen Editionsformen der jeweiligen Zeitschrift veröffentlicht (außer dem Internet). Es gilt unsere Anzeigenpreisliste: für eine Editionsform pro Wort 0,45 €, bei zwei Editionsformen pro Wort 0,90 € und bei drei Editionsformen pro Wort 1,35 €. Die Kennziffergebühr beträgt 5 €. Sie können kostenlos inserieren, wenn Sie etwas verschenken wollen. Interessenten wenden sich bitte direkt an die angegebene Adresse. Für Inhalt und Aussage der Anzeige sind die Inserenten verantwortlich.

Noon-Versand - Hannover
Wir bieten Produkte aus vielen Bereichen.
Fordern Sie noch heute unseren kostenlosen Katalog
in Punktschrift oder auf Cassette an.
Telefon: 0511 2154324
E-Mail: info@noon-versand.de

Spezielle Zaubershow für Blinde & Sehbehinderte.
Info in Punkt- und Schwarzschrift unter 0511 514534.

Neues Lehrbuch für Sehgeschädigte:
Weiter ins Internet ohne Maus.
Hippeli EDV, Tel: 089 864878-71 (Fax -73), info@ohne-maus.de

Verschenke folgende Bücher:
Gedichte zum Winter.
G. Grass: Krebsgang.
Helga Eisele: Rezeptfreie Medizin.
Ilse Neunzig, Schulstraße 8, 71679 Asperg

Verschenke: Index Basic-Brailledrucker mit Handbuch und Disketten.
Nachfrage werktags von 9-15 Uhr unter Tel. 030 20936862

Impressum

Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 12,27 €). Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.

Herausgeber, Verlag und Druck:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel. 0341 7113 - 0,
Fax: 0341 7113 - 125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion:
Karsten Sachse, Tel. 0341 7113 - 135

Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann, Tel. 0341 7113 - 120.

Spendenkonto-Nr.: 1100491100
BLZ: 86055592
Stadtsparkasse Leipzig

DZB 2003