DZB-NACHRICHTEN
Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 3 / 2003
Mai / Juni
13. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Postecke
Einblicke
    DaCapo - Projekt zum Wiederbeleben der Braillenotenherstellung
    Neues zum Blindenpark
Wie war das damals?
    Anmerkungen zu: »Wie die Kriegsblindenbetreuung in Deutschland begann«
    Einige Fakten zur Schlesischen Blinden-Unterrichtsanstalt Breslau
Die Kramkiste
    Georges Simenon: »Der Wucherer«
    Erich Loest: »Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene«
Bücher des Jahrhunderts
    Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder
LOUIS
    Das Telefonbuch auf CD-ROM und im Internet
Info-Service
    Mitteilung zum Zahlungsverkehr
    Hörbuchkatalog mit Themengruppen
    Weiterer DZB-Katalog im Internet
    Bundestag stimmt Kompromiss zum neuen Urheberrecht zu
    Hilfsmittelmesse SightCity
    Sommeruniversität für Behinderte
    Deutsche Meisterschaft im Triathlon der Behinderten
    33. Kongress für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
    Besondere Sozialleistungen an Blinde, deren Erblindung auf Kriegseinwirkungen und auf ein ziviles Leiden  zurückzuführen ist
Impressum

Vorbemerkung

Wir haben interessante Neuigkeiten zu vermelden: Die Stadt Leipzig ist Deutschlands Vertreter für die Bewerbung als Austragungsort der Olympischen Spiele 2012. Olympische Spiele, das heißt auch Paralympics. Über das damit verbundene Engagement der DZB werden wir Sie natürlich in der nächsten Zeit auf dem Laufenden halten.
Die zweite große Neuigkeit: Das neue Urheberrecht wurde im Bundestag beschlossen. Es ging doch schneller als wir annahmen. Der Bundesrat wird eventuell im Mai zustimmen. Auch hiermit werden wir uns in den nächsten Ausgaben noch beschäftigen.
Aller guten Dinge sind drei: Inzwischen wurde auch das DZB-Projekt DaCapo bestätigt. Unser Direktor, Dr. Thomas Kahlisch, informiert darüber in der Rubrik »Einblicke«.

Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Hilfe! Blinde in Sri Lanka

»(…) Vor einigen Monaten besuchte ich - auf Anregung der Tamilen in unserem Kreis - Sri Lanka.
Betroffen war ich u.a. über die katastrophalen Verhältnisse in Waisenhäusern für blinde und sehbehinderte Kinder.
Der lernbegierigen Jugend fehlt es an Lernmitteln. Dringend benötigt werden Bücher und Lernmittel in englischer Blindenschrift. Spenden, die diesem Mangel abhelfen können nehme ich gerne zur garantierten Weiterleitung nach Sri Lanka entgegen.(…)«
Monika von Pigage
Gauthierstraße 33
75323 Bad Wildbad

»(…) mir ist immer wieder aufgefallen, dass die Adressenschilder bei den Kassettenzeitschriften sehr dünn sind und sich daher sehr schwer beim Wenden wieder in die Hülle stecken lassen. Vielleicht bin ich aber auch zu ungeschickt. Mich interessiert es wie andere damit umgehen.(…)«
[Norbert Kaluza, Potsdam]

Anmerkung der Redaktion

Die Anschaffung des Papiers war den bei uns verwendeten Adressendruckern geschuldet, die mit dickerem Papier nicht funktionieren. Die vorhandenen Bestände müssen nun erst verbraucht werden. An dem Problem wird aber gearbeitet.

Einblicke

DaCapo - Projekt zum Wiederbeleben der Braille-Notenherstellung

Dr. Thomas Kahlisch

Im April 2003 erhielt die DZB die Zusage:
Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) übernimmt die Finanzierung für das Projekt DaCapo, welches mit Unterstützung des Deutschen Blinden und Sehbehinderten-Verbandes (DBSV) und des Deutschen Vereins für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf (DVBS) beantragt wurde. Voraussetzung für die Genehmigung war die Zusage der DZB, einen nicht unerheblichen Anteil am Projekt als Eigenleistung zu erbringen.
Braille-Notenherstellung hat Tradition in Leipzig. Bis 1986 erfolgte die Übertragung von Musikschriften durch ein kleines spezialisiertes und versiertes Mitarbeiterteam in der DZB.
Im Bestand der Blindenbücherei befinden sich derzeit mehr als 5.300 Notentitel, die von blinden Musikern aus der ganzen Welt ausgeliehen werden.
Seit 2001 ist wieder eine Mitarbeiterin damit befasst, Notenwerke und Musikliteratur in das auf den 6 tastbaren Punkten basierende Blindenschriftsystem, welches vor mehr als 175 Jahren von dem blinden Lehrer Louis Braille in Frankreich entwickelt wurde, zu übertragen. Geistliche Chormusik von Schütz und eine Flötenschule sind u. a. erste Ergebnisse dieser Arbeit. Ob professionelle blinde Musiker oder Laien, die einfach ihrem Hobby nachgehen wollen, sie brauchen Noten, um neue Stücke einzuüben und wenn sie sie sicher beherrschen, aus dem Gedächtnis wiederzugeben. Der derzeit in der Blindenbücherei vorhandene Bestand repräsentiert dabei nur einen sehr geringen Teil der weltweit sehenden Musikern angebotenen Werke. Um die Berufschancen blinder Musiker zu stärken und die Verbreitung und Anwendung der Braille-Notenschrift zu fördern, hat die DZB gemeinsam mit der Blindenselbsthilfe die Initiative ergriffen, das Angebot in diesem Bereich zu erweitern.
Gegenstand des vom BMGS für drei Jahre geförderten Projektes DaCapo ist es, einen leistungsfähigen Übertragungsservice in Leipzig zu etablieren und Verfahren zur computergestützten Braille-Notenherstellung zu entwickeln.
Zusammen mit den Blindenselbsthilfeorganisationen soll gleichzeitig nach Finanzierungsmodellen gesucht werden, die das Angebot zu einer dauerhaften Serviceleistung machen sollen.
Weitere Infos unter: www.dzb.de/dacapo

Neues zum Blindenpark

Dr. Werner Uhlig

Ich habe die »Leipziger Bücherliste« Nr. 1/2003 in der Hand und lese in der Rubrik »Nachdruck« das Angebot »Blindenpark Leipzig : ein akustischer Parkführer«. Gut, dass es diesen Parkführer noch gibt. Den Leipziger Blindenpark im Rosental, wie er fast 20 Jahre existiert hat, gibt es leider nicht mehr. Mutwillige Beschädigungen hat es in der Anlage schon mehrmals gegeben, aber im April vergangenen Jahres sind Chaoten mit Werkzeug vorgegangen und haben in einem Vandalenakt Verwüstungen angerichtet, die bis heute nicht beseitigt werden konnten. Natürlich sind wir als Mitglieder des BSVS nicht untätig geblieben und haben dankenswerte Unterstützung vieler Leipziger Bürger gefunden. Es hat Wortmeldungen in der Leipziger Volkszeitung gegeben, mehrere Beratungen mit dem Grünflächenamt und ein Abgeordneter der PDS hat die Aufforderung zur Erneuerung des Blindenparks Leipzig im Sächsischen Landtag erhoben. Im Leipziger Rathaus stellten die Fraktionen von CDU und PDS Anträge zur baldigen Wiedererrichtung der Anlage und wir hatten immer die Unterstützung der Behindertenbeauftragten beim Rat der Stadt im Rücken. Bis zum Herbst vergangenen Jahres ist repariert worden, was sich mit wenig Geld eben tun lässt, aber zu einer generellen Sanierung reichte es nicht. Die geköpfte Großplastik »Liebespaar«, angefertigt aus kubanischem Marmor vom Bildhauer Roland Wetzel, bot bis Januar diesen Jahres einen schauderhaften Anblick. Von den zerstörten Pflanzungen und Beschilderungen mit Blindenschrift- und Großdrucktexten möchte ich im einzelnen nicht sprechen. Bis Ende vorigen Jahres ist davon ausgegangen worden, an Ort und Stelle alles wieder herzustellen. Jetzt kommt es aber ganz anders.
Am 19. Dezember fand im Grünflächenamt eine Beratung statt, auf welcher vorgeschlagen wurde, einen neuen Blindengarten an sichererem und zweckmäßig gelegenem Standort zu schaffen.
Die neue Anlage wird sich auf dem weiträumigen Gelände des Friedensparks befinden - zwischen Ostplatz und Russischer Kirche, in der Nähe des Botanischen Gartens und des Apothekergartens. Wir haben uns davon überzeugt, dass der Friedenspark für Blinde und Sehbehinderte gute Orientierungsmöglichkeiten bietet und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ( Straßenbahn und Bus) leicht erreichbar ist. Wie der dort entstehende Blindengarten aussehen wird, kann noch nicht gesagt werden. Natürlich haben wir - wenn Weihnachten auch gerade vorbei war - einen Wunschzettel abgeliefert. Ganz wichtig: Wir haben einen Sponsor. Es ist die Optikerfirma Fielmann. Dem Chef der Leipziger Niederlassung dieses Unternehmens, Herrn Ralf Heitjohann sagen wir an dieser Stelle herzlichen Dank. Interesse an der Gestaltung des neuen Blindengartens hat auch der Leiter des Botanischen Gartens, Herr Prof. Morawetz signalisiert.
Und was wird aus der alten Anlage im Rosental? Die Leipziger Volkszeitung brachte in der Wochenendausgabe vom 21. und 22. Dezember 2002 einen Bericht zu dem Thema: Der Blindenpark zieht um. Weil sich so eine Parkanlage aber nicht in Tüten verpacken und an anderem Ort wieder auswickeln lässt, müssen manche Dinge eben bleiben, wo sie sind. Das »Liebespaar« - zurzeit in der Werkstatt des Bildhauers - soll bis Ostern wieder auf seinem Sockel sein. Die Steinreliefs bleiben ebenfalls stehen, denn sie zeigen den Lageplan im Rosental und den Grundriss des Schlosses, das vor 300 Jahren dort für August den Starken auf der großen Wiese gebaut werden sollte. Sie sind also standortgebunden und nun ein Denkmal auch für den alten Blindenpark. Die schönen Rundplätze bleiben erhalten und werden auch künftig Spaziergänger zum Verweilen einladen. Und selbstverständlich gibt es die angelegten Wege weiterhin, mit den eingelassenen Steinplatten als Bodenindikatoren zur Orientierung für Blinde, um Parkbänke, Rundplätze und Wegabzweigungen anzukündigen. Die im akustischen Parkführer beschriebenen Bäume werden hoffentlich noch lange stehen und zweifellos zwitschern die Vögel des Auenwaldes ihre Lieder wo sie wollen.
Dem Rosental einen Besuch abzustatten, das hat somit noch alle Jahre seinen Reiz.
Schließlich, für unsere Öffentlichkeitsarbeit von großer Bedeutung: seit November vorigen Jahres hat sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein »Waldstraßenviertel« entwickelt, zu dessen Territorium das Rosental zählt. Und fast selbstverständlich ist es, dass wir uns auf die DZB verlassen können, wenn es um Textanfertigung für den Blindengarten geht - hat der Direktor gesagt! Dafür ihm und seinen Mitarbeitern schon mal vorab ein dickes Dankeschön.

Wie war das damals?

Anmerkungen zu: »Wie die Kriegsblindenbetreuung in Deutschland begann«

Dr. Hartmut Mehls

Dr. Werner Uhlig schrieb in den »DZB-Nachrichten« (Nr. 1 und 2/2003) einen Artikel unter dieser Überschrift, der es wert ist, aufmerksam gelesen zu werden. Dabei drängten sich jedoch Ergänzungen und Differenzierungen auf, die ich im folgenden darlege.
Es gehört zu den Binsenwahrheiten, dass die Geschichte das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft ist; dieses Gedächtnis sollte - um einen zeitgemäßen Ausdruck zu benutzen - trainiert werden. Welche Wirkung es zeitigt, wenn ein Mensch sein Gedächtnis verliert, und wie schwer es ist, dasselbe wiederzuerlangen, wird in der Literatur und im Film oft genug vorexerziert.
Während die Blindenorganisationen und ihre Verbandsorgane insgesamt wenig Wert auf die Pflege ihres historischen Gedächtnisses legen, gibt es zum Glück eine Ausnahme, und das sind die »DZB-Nachrichten«, wo sich regelmäßig mit historischen Aspekten auseinandergesetzt wird, die nicht nur DZB-spezifisch sind. Ein Lob extra! Und hier sind es wiederum die Beiträge von Dr. Werner Uhlig, die mich anziehen. Das gespendete Lob schließt natürlich in sich ein, dass ich zu manchen Themen anderer Auffassung bin, denn die Beiträge regen zum Glück zum Weiterdenken an. Das trifft auch auf den Beitrag zu: »Wie die Kriegsblindenbetreuung in Deutschland begann«.
Es handelt sich um vier Punkte in diesem Aufsatz, die ich anders bzw. differenzierter sehe.
Diese andere Sicht auf das Geschehen, die sehr wesentlich aufgrund der Benutzung von anderen Quellen beruht, beinhaltet jedoch keinerlei Zweifel an der Exaktheit und dem Inhalt der Darstellung von W. Uhlig. Dies soll - um kein Missverständnis aufkommen zu lassen - mit Nachdruck unterstrichen werden.

Motivation für die Betreuung der Kriegsblinden durch die Zivilblinden

Sicher spielt die Solidarität der Friedensblinden mit den Kriegsblinden eine wichtige Rolle in ihrem Verhältnis. Dieses Motiv ist umso naheliegender, als es eines der wichtigsten Triebkräfte in der Geschichte der Blindenbewegung ist. Uhlig hebt diesen Gesichtspunkt also mit vollem Recht hervor. Doch neben dieser Antriebskraft gab es eine weitere, die zumindest nicht übersehen werden darf.
Der Erste Weltkrieg rief beim deutschen Volk einen nationalen Taumel hervor, von dem auch die Masse der deutschen Blinden angesteckt wurde.
Das zeigte sich u. a. an folgenden Beispielen: Sie rühmten den Krieg in Gedichten und Erzählungen, komponierten Kriegslieder, die sie durch Chöre und Sologesänge verbreiteten. Die Blindenvereine zeichneten Kriegsanleihen, und das Geld, das seit Jahren für die Blindenerholung gesammelt worden war, wurde zugunsten der Kriegsblindenbetreuung ausgegeben. Kurz: Die Blinden waren in den Wahnsinn der Kriegsbegeisterung und des Chauvinismus einbezogen; sie bildeten darin also keine Ausnahme. Nur eines durften sie im Ersten Weltkrieg noch nicht. Sie durften noch nicht - wie das während des Zweiten Weltkrieges möglich wurde - Soldat werden. In nicht wenigen Beiträgen der Blindenzeitschriften aus jenen Kriegsjahren wird es als Mangel - wenn nicht gar als Makel - empfunden, sich nicht aktiv am Krieg beteiligen zu können. Diese Kriegsbegeisterung führte dazu, dass man das Opfer der Erblindung für das Vaterland schrecklicher einschätzte als die eigene Erblindung durch andere Ursachen. Diese Schrecklichkeit und Sinnlosigkeit der Kriegserblindungen sollen hier nicht gegen diejenigen der Unfallblinden bzw. anderer Erblindungsursachen abgewogen werden - obwohl das ein sehr wichtiges Thema wäre. Doch führt es hier zu weit. Auch ist anzunehmen, dass viele Nichtsehende im stillen anders dachten. Aus dieser positiven Haltung zum Kriege muss der selbstlose Einsatz vieler Zivilblinder gesehen werden. Nicht nur Otto Vierling, sondern auch Blinde aus Mecklenburg, Baden und aus anderen Ländern des Deutschen Reiches erhielten Auszeichnungen von ihren jeweiligen Fürstenhäusern für ihren unermüdlichen Einsatz zur Stärkung der Militärkraft des Vaterlandes. Auf diese fürstlichen Anerkennungen war dann die gesamte Blindenschaft stolz.
Uhlig zählte namhafte Vertreter der Blindenbewegung auf, die sich Meriten bei der Betreuung der Kriegsblinden erworben hatten. In der Aufzählung trat jedoch ein Druckfehler auf: Im Namen von Dr. Rudolf Kraemer fehlte das »E«. Allerdings war mir sein Engagement für die Kriegsblinden weniger aufgefallen. Aber drei weitere Namen gehören unbedingt in diese Aufzählung: Dr. Ludwig Cohn, Betty Hirsch und Eugen Krohn. Ihre Einsätze wurden freilich im Verbandsorgan »Die Blindenwelt« des Reichsdeutschen Blindenverbandes nicht entsprechend ihres Einsatzes für die erblindeten Soldaten gewürdigt. Interessant dabei ist, dass alle drei Juden waren, die sich von keinem anderen im Einsatz für die Kriegsblinden übertreffen ließen. Die Gründe zur Untersuchung waren, dass die selbstlosen Einsätze dieser drei jüdischen Mitbürger in den Zeitschriften nur einen geringen Niederschlag fanden, doch dies auszuargumentieren, führt in diesem Zusammenhang zu weit.

Die Anfänge der Betreuung in Dresden bzw. Sachsen

Es gibt einen Spruch: »Wer schreibt, der bleibt.« Und Leutnant a. D. Lothar Gäbler-Knibbe schrieb gern und viel. So nimmt es kein Wunder, dass in der Zeitschrift »Die Blindenwelt« von ihm direkt oder von ihm initiierte Artikel über die Anfänge der Kriegsblindenbetreuung in Dresden, wo er zu diesem Zeitpunkt seinen Wohnsitz hatte, erschienen. Schuld haben die anderen, die über ihre Tätigkeit so wenig berichteten - oder wurde nur nichts veröffentlicht? Daran, was Dr. Uhlig über die Anfänge der Kriegsblindenbetreuung in Dresden schreibt, sind keine Abstriche oder Relativierungen zu machen. Allerdings gab es in anderen Teilen Deutschlands andere Blinde, die in ihrem Patriotismus nicht hinter den Dresdenern zurückstanden. So entstanden parallel zu Dresden andere Betreuungszentren mit Schulen und angeschlossenen Heimen. In Berlin wurde im November 1914 eine Schule für Kriegsblinde gegründet, in der die blinde Lehrerin Betty Hirsch unterrichtete. In Breslau organisierte Dr. Ludwig Cohn eine vorbildliche Versorgung und Betreuung der Kriegsblinden. Weitere Zentren bildeten sich gleichzeitig in Schwerin, Stuttgart und Südwest-Deutschland heraus. Daneben gab es sicher noch weitere, die jedoch weniger Öffentlichkeitsarbeit betrieben und daher nicht so bekannt sind. Die angeführten Beispiele belegen, aus welcher Gesamthaltung und aus welcher breiten Opferbereitschaft die Betreuung der Kriegsblinden geboren wurde. Sie belegen aber auch, dass Dresden nur ein Zentrum unter mehreren war.

Widerstände gegen eine Betreuung der Kriegsblinden durch Zivilblinde

Wie aus dem Aufsatz von Dr. Uhlig herauszulesen ist, konzentrierte sich die Betreuung der Kriegsblinden durch die Zivilblinden auf drei Bereiche:
In diesen drei Bereichen auf Widersprüche und Probleme einzugehen fällt schwer, weil sie häufig nur versteckt zum Ausdruck gebracht wurden. Trotzdem lässt sich einiges aus den Quellen ablesen.

Angst vor Konkurrenz

Eines der Hauptprobleme der Blinden bestand darin, eine auskömmliche Arbeit zu finden, die ihren Mann bzw. Frau ernährte. Die Monat für Monat steigende Zahl an Kriegsblinden, die mehrheitlich auf den für Blinde sehr beschränkten Arbeitsmarkt drängten, erzeugte Furcht vor der Konkurrenz. Es gab bereits erhebliche Schwierigkeiten mit der Rohstoffbeschaffung und dem Absatz. Was sollte werden, wenn weitere Hunderte oder gar Tausende diesen Beruf ergriffen. In den »Mitteilungen des Vereins der deutschredenden Blinden« wagte es einmal ein Korbmacher, diese seine Befürchtungen auszusprechen. Einige Monate später musste er für seine Äußerungen Abbitte leisten, ohne dass sich jedoch an dem Problem etwas veränderte; er wies auf den Druck hin, der auf ihn ausgeübt wurde. Nicht zu Unrecht befürchteten die Blinden die Bevorzugung und Begünstigung der Kriegsblinden.

Abgrenzung der Kriegsblinden gegenüber den Zivilblinden

Viele Kriegsblinde kannten vor ihrer Erblindung keine Nichtsehenden. Wenn sie einmal einen Blinden - vielleicht sogar Bettler - auf der Straße getroffen hatten, war Mitleid noch das beste Gefühl; und jetzt gehörten sie selbst zu diesen bedauernswerten Menschen! Tief saß der Schock und rief nicht selten ein distanziertes Verhalten gegenüber den Zivilblinden hervor. Mitunter mischte sich diese Haltung mit der Furcht, auf denselben Stand »zu sinken« und zugleich in Konkurrenz mit diesen bedauernswürdigen Menschen treten zu müssen. Vieles davon tritt unterschwellig auf und wird erst in den 20er- und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts deutlicher.

Ablehnung durch die Blindenlehrer

Im März 1916 fand in Berlin eine Beratung der Direktoren der Blindenanstalten, von Augenärzten, hohen Militärs und Beamten statt, auf der die Vertreter des Reichsdeutschen Blindenverbandes nicht einmal Gelegenheit erhielten, ihre Auffassung über die Betreuung der Kriegsblinden vorzutragen. Stattdessen durften sie aber die mehr oder weniger unverblümte Meinung hören, dass die Zivilblinden ihre Finger von der Betreuung der Kriegsblinden lassen sollten. Dies sollten sie lieber den fachlich dafür Ausgebildeten überlassen. Die Begründung war ebenso simpel wie brutal: Der psychische Schaden bei einem Kriegsblinden, wenn ein Zivilblinder ihn besucht und unterrichten will, ist größer, als was ein Blinder - und nicht dafür ausgebildeter Laie - einem frisch erblindeten Soldaten lehren kann. Das Verhältnis zwischen Direktoren und Zivilblinden soll hier nicht weiter interpretiert werden.
Diese drei Beispiele, die mehr oder weniger deutlich in den Presseorganen ihren Niederschlag fanden, belegen, dass die Anstrengungen der Zivilblinden zur Betreuung der Kriegsblinden nicht ohne Hemmnisse und Rückschläge erfolgten. Es gab Widerstände und Widersprüche.

Kriegsblinde als »Türöffner« für die Zivilblinden

Mehr am Rande schätzt Dr. Uhlig die Rolle der Kriegsblinden für die Blindenbewegung ein, wobei er der gängigen Auffassung folgt, ohne weiter zu differenzieren: Die Kriegsblinden seien entscheidend für das moderne Blindenwesen geworden.
Es ist richtig, dass die Blindenbewegung seit den Jahren 1912 (Gründung des Reichsdeutschen Blindenverbandes) und 1914 (Beginn des Ersten Weltkrieges) an Kraft, Zielstrebigkeit und Entwicklungstempo gewann.
Die Ursachen sind jedoch komplexer Art. Die Veränderungen im Blindenwesen bahnten sich bereits in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts an. Hier die Details aufzuführen, würde zu weit gehen. Es sei nur auf folgendes verwiesen: Bereits vor 1914 gab es Blindengenossenschaften, blinde Industriearbeiter, Stenotypisten, promovierte Akademiker usw. Hier sei wiederum an Dr. Ludwig Cohn, Eugen Dühring und an die blinde Lehrerin (Frau und Jüdin!) Betty Hirsch, an den Prediger Paul Reiner und die zahlreichen Musiklehrer, an Schriftsteller wie Oscar Baum erinnert. Auch die Erfindung der Punktschriftmaschine, von Globen und Landkarten lag vor 1914. Auf die Bedeutung der DZB und der Centralbibliothek in Hamburg für die Blindenbewegung vor 1914 sei nur am Rande hingewiesen. Kurz: Die Rolle der Kriegsblinden für das Blindenwesen muss differenzierter betrachtet werden. Ihre Bedeutung scheint mir von zweifacher Art zu sein:

Ich gebe gerne zu, dass mein Beitrag gegenüber dem von Dr. Werner Uhlig eine große Schwäche hat. In ihm fehlen die Anmerkungen. Auch stehen die Behauptungen ziemlich unbegründet im Raum. Es fehlte mir die Zeit und der Platz, um das Thema voll auszuargumentieren. Ich hoffe aber trotzdem, dass die Ausführungen ausreichen, weitere Meinungen anzuregen.

Einige Fakten zur Schlesischen Blinden-Unterrichtsanstalt Breslau

Susanne Siems

Vor einiger Zeit tauchte in der Postecke die Frage nach historischen Blindenanstalten auf. Genauer ging es um die Anstalten in Breslau und Königsberg. Da wir in der glücklichen Lage sind, eine ganze Sammlung historischer und aktueller Literatur zum Blindenwesen im Haus zu haben, können wir einige Informationen zur Geschichte dieser Anstalten an Sie, liebe Leserinnen und Leser der DZBN, weitergeben. Allerdings werden die Informationen, je aktueller sie sein sollen, immer spärlicher.
Deshalb rufe ich alle Leser der DZBN auf, doch aktiv mitzuwirken, wenn es um Fakten und Geschichten zunächst zur Blindenanstalt in Breslau geht.
Ich werde heute beginnen mit ein paar Gedanken zur Gründung der Anstalt in Breslau. Natürlich kann mein Quellenstudium nur unvollständig sein. Es ist sehr interessant und sehr mühsam, in den alten Büchern und Zeitschriften zu lesen. Sehr weitschweifig wird da erzählt, aber wenn man sich darauf einlässt und sich von unserer Tempogesellschaft kurzzeitig löst, findet man interessante Details. Gerade deshalb wäre die Mitwirkung interessierter Leser dieser Zeitschrift erfreulich. Welche Zeitabschnitte sind von besonderem Interesse, welche Persönlichkeiten der Blindenbildung? Schön auch, wenn man historische Fakten mit persönlichen Erinnerungen verbinden könnte. Ich bin neugierig, was daraus wird.
Gegründet wurde die Blindenanstalt in Breslau 1818, am 14. November. Der Unterricht begann am 1. Februar 1819, erster Lehrer und Leiter der Einrichtung war der Blinde Johann Georg Knie. Die Idee für die Gründung einer Unterrichtsanstalt für Blinde wurde aber schon eher, im Sommer 1816 geboren. Damals suchte man im Schlesischen Provinzialblatt Vorschläge zur Errichtung eines Blücher-Denkmals. Blücher, der als Oberbefehlshaber der Schlesischen Armee u. a. in Leipzig und Waterloo siegreich war, hatte selbst eine Kriegsverletzung an den Augen. Knie machte den Vorschlag, Blücher zu ehren, indem man für die ca. 100 schlesischen Kriegsblinden eine Unterrichts- und Versorgungsanstalt errichtete. Die Idee wurde aufgegriffen, jedoch war die Resonanz der Betroffenen zu gering. Knie war wohl ein hartnäckiger Kopf, hatte er einmal eine Idee, versuchte er alle Wege, sie zu realisieren. Nachdem man auch die übrigen Blinden Schlesiens in die Planung einbezogen hatte, kam es endlich zur Gründung der oben genannten Blindenanstalt.
Johann Georg Knie leitete als erster Blinder eine deutsche Blindenschule.
Er lebte von 1794 bis 1859. Er hatte bis 1815 Zeunes Blindenschule in Berlin besucht und studierte danach an der Breslauer Universität. Den Unterricht in der Breslauer Anstalt begann er mit 4 Zöglingen, »deren Anzahl sich bald auf 7 Kinder und 7 Krieger erweiterte«. Unterrichtet wurde in Musik, Gesang, Geschichte, Geographie, Mathematik, Rechnen und Handarbeiten. Am 15. 11. 1819 legten »3 erblindete Krieger, 1 Knabe und ein Mädchen« die erste Prüfung ab.
Man muss sich gerade an dieser Stelle einmal vor Augen führen - dies alles geschah vor der Entwicklung der Blindenschrift durch Louis Braille. Erst sechs Jahre später sollte der junge Franzose sein System der Öffentlichkeit vorstellen - er testete sozusagen noch in seiner Blindenschule in Paris.
Knie verschaffte sich auch mit zahlreichen Veröffentlichungen Ansehen. In den kürzlich erschienenen »Studientexten zur Geschichte der Behindertenpädagogik« Heft 2 (Blinden- und Sehbehindertenpädagogik) wurde besonders auf folgende Schriften hingewiesen: »Pädagogische Reise durch Deutschland im Sommer 1835« und »Anleitung zur zweckmäßigen Behandlung blinder Kinder, für deren erste Jugendbildung und Erziehung in ihren Familien, in öffentlichen Volksschulen und durch zu ertheilende Privat-Unter-weisung« (1851).
Gerade zur Anfangszeit und zur Biographie Knies gäbe es noch sehr viel zu sagen. Doch wir wollen ja hier nur einen Anfang machen, um vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt und durch andere Autoren Dinge und Zusammenhänge zu vertiefen.
Schauen wir also auf die Situation etwa 50 Jahre später. In unserer wissenschaftlichen Bibliothek fand ich ein dünnes Bändchen unter dem Titel: »Gründung, Einrichtung und Wirksamkeit der Schlesischen Blinden-Unterrichts-Anstalt zu Breslau - zur 50-jährigen Stiftungsfeier«. Aus diesem Heft war 1868 folgende Situation zu erkennen:
Die Zöglinge wurden damals aus »Finanz- und Personalgründen«, wie wir heute sagen würden, erst mit 12 Jahren aufgenommen. Die Nachteile, die sich daraus ergaben, lesen sich im Original folgendermaßen:
»Viele der mit dem 12. Lebensjahre der Anstalt zugeführten Zöglinge sind theils aus unverständlichem Mitleid, theils aus Sorglosigkeit und Trägheit, theils aus der noch immer ziemlich häufigen Vorstellung ihrer Angehörigen, dass Blinde wenig bildungsfähig sind, in so hohem Maße körperlich und geistig verwahrlost, dass sie erst nach langer und unsäglicher Mühe sich allein zu waschen und anzukleiden, ja allein zu essen und zu gehen lernen. ... Bei dieser körperlichen Verwahrlosung muss natürlich auch erst ihr Geist geweckt werden, und es dauert lange, ehe die Lehrer im Stande sind, ihnen einige Kenntnisse beizubringen.«
Dieses Manko, dass die in Breslau tätigen Pädagogen schmerzhaft registrierten, versuchten sie auf folgende Weise ein wenig zu mildern:
»Bei Anmeldung der noch nicht 12 Jahre alten Blinden theilt der Verwaltungsrath den betreffenden Kreis- und Ortsbehörden die vom Oberlehrer Knie entworfene ›Anleitung ...‹ mit«. Und weiter im Originaltext: »Mit Dank muss anerkannt werden, dass gar manche Lehrer sich gern der erblindeten Kinder ihrer Gemeinde angenommen und diese vorgebildet … Leider scheint aber Knies Anleitung doch noch von einer großen Anzahl der Eltern und Lehrer gänzlich oder wenig beachtet zu werden«.
So also funktionierte integrative Beschulung vor 150 Jahren. Heute gibt es Stütz-, Förder-, Integrationsstunden, wie auch immer sie in den einzelnen Ländern heißen mögen. Das System ist unterschiedlich gut ausgebaut, wie auch der Erfolg differenziert zu betrachten ist. Was mich beeindruckt und was meines Wissens heute nicht üblich ist: die Verantwortung, die die damalige Blindenanstalt für ihre zukünftigen Sprösslinge übernommen hat. Die Lehrer der so genannten Normalschulen bekommen zwar auch in den meisten Fällen Unterstützung durch die zuständige Förderschule. Aber mir fehlt die offensive Haltung dieser Förderschulen und auch der Selbsthilfe. Wenn kein Geld und kein Personal da ist (da ist die Situation doch erschreckend ähnlich), warum dann nicht solche Papiere. Sicher, es gibt gerade auch in unserer Bibliothek eine Vielzahl wichtiger Schriften zur Blinden- und Sehbehindertenpädagogik. Aber m. E. fehlt es an den einfachen Anleitungen, den kleinen Tipps zu ersten einfachen aber wichtigen Handgriffen.
Sehen Sie, liebe Leserinnen und Leser, so schnell kommt man aus der Geschichte in die Gegenwart. Ich möchte an dieser Stelle für heute die historischen Betrachtungen abschließen. Sicher ist auch viel Diskussionsstoff dabei.
Es war recht schwierig, in Erfahrung zu bringen, wie die Situation im heutigen Wroc³aw ist. Dank tatkräftiger Hilfe konnten wir aber doch einige Informationen erhalten. Lassen Sie uns, falls mein Anfangsbeitrag auf Ihr Interesse stößt, gemeinsam in den nächsten Ausgaben der DZBN wichtige und wissenswerte Aspekte der Geschichte der Breslauer Blindenanstalt zusammentragen. Auf jeden Fall werde ich in einer der nächsten Ausgaben noch etwas zur Entwicklung im 20. Jahrhundert sagen.
(Quellen: Gründung, Einrichtung und Wirksamkeit der Schlesischen Blinden-Unterrichtsanstalt. - Breslau, 1868. Rheinische Blätter für Erziehung und Unterricht, 1838. 150 Jahre Blindenbildung in Deutschland. - Berlin, 1956. Studientexte zur Geschichte der Behindertenpädagogik, Teil 2. - Neuwied, 2001.)

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Georges Simenon: »Der Wucherer«

Angelika Müller [Punktschriftbibliothek]

In den DZB-Nachrichten der Ausgabe 2 erinnerten wir bereits an den 100. Geburtstag des großen französischen Autors Georges Simenon. Seine ungeheure Schreibfreudigkeit und die damit anwachsende Produktion seiner Bücher und die psychologische Genauigkeit seiner Romanfiguren, ebenso die eindrücklichen Landschaftsbeschreibungen in seinen Romanen und Erzählungen beweisen uns die Größe dieses Schriftstellers.
Aus dem reichhaltigen Angebot seines Schaffens habe ich mir einen kleinen Band mit dem Sachtitel: »Der Wucherer« ausgewählt (2 Bde., rkzp., BNA 8744).
Beschrieben wird eine Familiengeschichte. Ein Arzt, Edouard Malempin, verheiratet und Vater von 3 Kindern, stellt die Hauptfigur dar.
Als Klinikarzt ist er bei den Kollegen und Patienten beliebt. Einem todkranken Mädchen bringt er eine Puppe ins Krankenzimmer, doch die eigenen lebenspraktischen Dinge scheint er ohne die Organisation seiner Frau schlecht zu lösen.
Die regelmäßigen Besuche bei seiner alten Mutter, die trotzdem unzufrieden erscheint, nimmt er gelassen hin. Als einer seiner Söhne lebensbedrohlich an einer ansteckenden Krankheit leidet, beginnt für ihn zum einen die quälende Sorge um das Leben dieses Kindes, da er aus medizinischer Sicht den Verlauf dieser schweren Krankheit kennt und zum anderen reflektiert er seine Kindheit und Jugend im Elternhaus.
Jetzt erinnert er sich an Dinge und Ereignisse, die er nie hinterfragt hat und die zum Teil auch als kriminell einzustufen sind. Er setzt sich intensiv mit der Vergangenheit auseinander.
Vom Dienst aus der Klinik heimkommend, sieht er den Sohn auf dem Weg der Besserung. Er lacht wieder und fragt den Vater, ob er ihm etwas mitgebracht habe. Verlegen erinnert er sich an das Mädchen, dem er die Puppe geschenkt hat. Gewissensbisse machen sich bei ihm breit. Die Antwort für seinen Sohn lautet : »Mich habe ich mitgebracht.«

Im Bestand der Punktschriftbibliothek befinden sich folgende Titel zur Ausleihe:
»Brief an meine Mutter« (BNA 7240)
»Das ungesühnte Verbrechen« (BNA 8516)
»Der Glaskäfig« (BNA 9673)
»Der kleine Heilige« (BNA 6962)
»Die Verlobung des Monsieur Hire«
(BNA 6751)
»Maigret erlebt eine Niederlage« (BNA 5830)
»Maigret, Lorgnon und die Gangster«
(BNA 7031)
»Schlusslichter« (BNA 8318)
»Schwarzer Regen« (BNA 8270)

Als Hörbuch können Sie folgende Titel ausleihen:
»Drei Fälle aus dem Leben des Kommissars Maigret« (BNA 4990)
»Drei Zufälle im Leben des Kommissars Maigret. Hier irrt Maigret. Maigret gerät in Wut« (BNA 6233)
»Dreimal Beifall für Maigret« (BNA 6418)
»Der Erpresser« (BNA 2156)
»Kommissar Maigret und die Frauen«
(BNA 6493)
»Maigret erlebt eine Niederlage. Maigret hat Angst« (BNA 3974)
»Die Marie vom Hafen« (BNA 7588)
»Mein Freund Maigret« (BNA 4684)
»Der Uhrmacher von Everton« (BNA 2157)
»Zum Roten Esel« (BNA 2827)

Erich Loest: »Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene«

Jörg Klemm

[Hörbücherei]

Der Schwarzdruck erschien 1977 im Mitteldeutschen Verlag Halle und Leipzig.
Erich Loest wurde am 24. Februar 1926 in Mittweida, also in Sachsen, geboren. Er war Mitglied der Hitlerjugend sowie der Wehrmacht. Nach 1945 arbeitete er in der Landwirtschaft und in der chemischen Industrie, bevor er zur »Leipziger Volkszeitung« ging. Seine journalistische Begabung und ein neues politisches Engagement brachten ihm bald Erfolg als Redakteur und als Verfasser von Erzählungen und Romanen. Loests Wille, beim Umbau der Gesellschaft mitzuwirken, stürzte ihn aber auch in Konflikt mit der SED und dem Staat; für seine Kritik an den offiziellen Interpretationen des 17. Juni 1953 erhielt er eine Rüge, seine Beteiligung an Reformdiskussionen im Umfeld der Gruppe um Wolfgang Harich trug ihm sieben Jahre Zuchthaus wegen »konterrevolutionärer Umtriebe« ein. Nach der Haftentlassung schrieb er zum Broterwerb Kriminalromane unter dem Namen Hans Wallraff (das war auch für mich neu), wovon wir 3 Titel im Hörbuchbestand haben. Daneben verfasste er zahlreiche Erzählungen, in denen er sich mit den Hafterfahrungen, aber auch mit seiner Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus auseinander setzte. Aus Protest gegen die Diskriminierung von Stefan Heym trat er 1979 aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. 1981 reiste er - zunächst mit einem Dreijahresvisum - in die Bundesrepublik aus und lebt seit 1990 wieder in Leipzig, dem Schauplatz seiner meisten Romane, die kritisch den Alltag der DDR schildern - so wie auch der von mir heute vorgestellte Roman.
Held oder besser Antiheld des in der Ichform erzählten Buches ist der im Jahr der Gründung der DDR geborene, nichtdiplomierte Ingenieur Wolfgang Wülff, ein intelligenter, freundlicher und hilfsbereiter »Konsumspießer« und vermeintlicher »Versager«, der möglichst unbehelligt von den Anforderungen der Gesellschaft ruhig dahinleben möchte.
Das ihm insbesondere durch seine Frau Jutta vermittelte Leistungsdenken, das bei der Erziehung der gemeinsamen Tochter Bianca ebenfalls eine Rolle spielt, ist Wülff zuinnerst fremd. Das liebenswerte und etwas farblose Muttersöhnchen, das »kein Chef sein wollte«, konzentriert sich ganz auf die »Wonnen der Gewohnheit« in seinem kleinbürgerlich-spießigen Milieu und erwartet, auch wenn gewisse Unzulänglichkeiten mit scharfem Blick beobachtet und im Freundeskreis unverhüllt zur Sprache gebracht werden, weder privat noch politisch irgendwelche besondere Veränderungen. Nachdem er in den sechziger Jahren bei einem verbotenen Beatkonzert in Leipzig von einem Polizeihund gebissen wurde, hat er die Anpassung an den »sozialistischen Gang« gelernt und verinnerlicht, ohne allerdings seinen unbestechlichen Gerechtigkeitssinn zu verlieren: Als ein ehrgeiziger Vater seinen Sohn mit aller Gewalt zum Leistungsschwimmer machen möchte, beschimpft ihn Wüllf mit den Worten: »Sie verdammter Faschist!« und wird daraufhin gerichtlich belangt. Wegen dieser und anderer der Karriere nicht dienlichen Vorfälle kommt es zur Entfremdung und schließlich Trennung von seiner Frau. Doch trotzdem wird er im Betrieb auch weiterhin anerkannt, und am Ende bahnt sich eine neue, wenngleich keinesfalls berauschende Zukunft an.
Ich denke, das ist ein wichtiger Roman über die DDR und die sozialistische Gesellschaft, wie viele von uns es noch sehr gut in Erinnerung haben. Gerade deshalb sollte man so ein Buch wieder einmal lesen bzw. hören und auch darüber nachdenken, was war gut, was war schlecht.
Wenn ich Sie nun dafür interessieren konnte: Sprecher ist Günter Bormann, der Umfang beträgt 7 Kassetten, die Bestellnummer ist 4499.

Weitere Titel von Erich Loest im Hörbuchbestand:
»Der elfte Mann« (BNA 3342)
»Gute Genossen« (BNA 5831)
»Katerfrühstück« (BNA 2158)
»Nikolaikirche« (BNA 2915)
»Schattenboxen« (BNA 3957)
»Sondern erlöse uns von dem Bösen«
Hörspiel (BNA 5665)
»Swallow, mein wackerer Mustang«
(BNA 4759)
»Völkerschlachtdenkmal« (BNA 5911)
»Der Zorn des Schafes« (BNA 6970)

In Punktschrift sind folgende Titel von Erich Loest vorhanden:
»Der elfte Mann« (BNA 4973)
»Durch die Erde ein Riss« (BNA 7702)
»Nikolaikirche« (BNA 8643; auch zum Kauf: 56,24 €, BNV 2742)
»Schattenboxen« (BNA 5443)
»Völkerschlachtdenkmal« (BNA 7695; auch zum Kauf: 20,71 €, BNV 2285)

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position:
Nr. 54: A. Paton:
Denn sie sollen getröstet werden (1948)
Nr. 55: N. Wiener:
Kybernetik (1948)
Nr. 56:
S. de Beauvoir: Das andere Geschlecht. (1949)
Nr. 57: Bertolt Brecht:
Mutter Courage und ihre Kinder. (1949)
(In der DZB in Punktschrift:
1 Bd., G, rkzp., 20,45 €, BNV 196, BNA 315)

Bertolt Brecht: Mutter Courage und ihre Kinder

Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg (12 Bilder, Prosa und Songs)

Entstanden 1938/39; Uraufführung 19. 4. 1941 Zürich, Schauspielhaus; Musik: P. Dessau

Über Länder und Jahrzehnte hinweg spannt sich das szenische Beweisverfahren, das Brecht am Schicksal der Marketenderin Anna Fierling aufzeigt: Mit dem Krieg lassen sich bei aller Pfiffigkeit keine Geschäfte machen, auch die Mitschuldigen sind schließlich seine Opfer. Der Stoff ist in der Courage von Grimmelshausen vorgegeben. In der ›ausführlichen und wunderseltzamen Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche‹ nimmt die Marketenderei nur eine Episode in einem Gewirr von Heirats- und Bordellgeschichten, Haudegenromantik und Ganovenstreichen ein.
Bei Brecht steht Mutter Courage für die kleinen Leute, denen der Krieg die Möglichkeit zu rechtschaffenem, sesshaftem Dasein genommen hat und die sich nun den ›finsteren Zeiten‹ anpassen, um so rechtschaffen, wie es eben noch möglich ist, ihr Auskommen zu finden.
Während Courage an ihrem Planwagen feilscht, lockt man den ältesten Sohn Eilif ins Heer. Rasch passt er sich an, wird für sein rücksichtsloses Requirieren ausgezeichnet und schließlich für dieselbe Tat hingerichtet, da sie zufällig in eine Zeit des Waffenstillstandes fällt und nun als Plünderung geahndet wird. Der dümmliche Schweizerkas, Eilifs Bruder, bringt es im Krieg zum Zahlmeister. Er kommt durch seine unpraktische Redlichkeit ums Leben. Auch nach der Niederlage hütet er die Regimentskasse und wird erschossen. Courage versäumt seine Rettung, da sie allzu ›gefinkelt‹ um das Lösegeld feilscht. Auch ihre Tochter, die stumme Kattrin, fällt der Gier eines Landsknechts zum Opfer. Aber gerade dieses tierhaft ausdrucksarme, verachtete Geschöpf opfert bedenkenlos sein Leben, um durch Trommelschlag eine schlafende Stadt vor dem Feind zu warnen. Mutter Courage bleibt allein mit ihrem Wagen, den sie unabänderlich besitzt. Der Tochter zuliebe hat sie die gesicherte Zukunft an der Seite des Kochs ausgeschlagen. Weiter folgt sie dem Krieg, der für sie die Existenz ist - ohne einzusehen, dass er ihr alles genommen hat. Der Chronikcharakter des Stoffes kommt Brechts ›epischer‹ Gestaltung sehr entgegen. In statischer Demonstration sind die Szenen nebeneinandergestellt. Überschriften schalten jedes illusionistische Überraschungsmoment aus, Songs geben Zäsuren und erweitern durch ihre historischen Analogien die Perspektive - Nutzanwendung in mitreißender, also eminent ›kulinarischer‹ Form.
(Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 20842. © Alfred Kröner Verlag)

LOUIS

[Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Das Telefonbuch auf CD-ROM und im Internet

Ulrich Jander

Vor geraumer Zeit äußerte ich mich bereits zum Telefonbuch auf CD-ROM. Damals war für blinde Computernutzer der Zugriff sowohl unter MS-DOS als auch unter Windows möglich. Dies hat sich geändert, zumindest bei dem hier vorzustellenden Produkt »KlickTel«.
Der MS-DOS-Modus steht seit Oktober 2001 auf der CD-ROM nicht mehr zur Verfügung.
CD-ROM's anderer Anbieter sind mir nicht bekannt, die eine MS-DOS-Benutzer-oberfläche aufweisen würden. Das bedeutet: MS-DOS-Anwender können über das Internet auf das Telefonbuch online zugreifen. Das DOS-Programm LYNX ist dafür Voraussetzung. Unter Windows funktioniert das Online-Telefonbuch natürlich auch. Übersichtlich und gut zugänglich ist die Internetseite:
http://www.dasoertliche.de
Die Eingabe des gesuchten Namens und Ortes genügen. Sollte unter DOS eine größere Wartezeit entstehen, dann muss auf dem Link nach »bitte warten« nochmals ENTER gedrückt werden. Das Suchergebnis erscheint auf einer neuen Seite. Wenn man des öfteren Telefonnummern suchen sollte, ist man mit einer CD-ROM gut beraten. Wie gesagt: nur für Windowsanwender, jedoch die Scheibe läuft zuverlässig und ist mit einem Screenreader gut nutzbar. Ich habe die CD insbesondere unter dem Screenreader JAWS getestet; mit sehr guten Ergebnissen. Der Screenreader HAL wurde auch in der Telefonbuchanwendung eingesetzt; ebenso mit gutem Erfolg.
Die Firma KlickTel GmbH bringt für ca. 15 EURO zwei CD's in einer Schachtel auf den Markt. Die oben liegende CD-1 ist das eigentliche Telefonbuch; die CD-2 enthält u.a. einen umfassenden Fuzzy-Suchassistenten, welcher noch zusätzliche Suchmöglichkeiten eröffnet. Die KlickTel-CD kann in jedem Geschäft für Computersoftware erworben werden.
Das Telefonbuch kann in dreierlei Form genutzt werden:
Start von der CD (es wird nichts auf die Festplatte installiert),
Programm installieren (die Programmdateien werden auf die Festplatte abgelegt, die Telefonbuchdaten nicht) und Programminstallation einschließlich der Telefonbuchdaten auf die Festplatte (in diesem Fall wird die CD bei Suchvorgängen überhaupt nicht mehr benötigt).
Auf der CD-1 befindet sich eine Textdatei »readme.txt«, die die wichtigen Aspekte der Installation und Nutzung des Programms benennt. Die Installation wird automatisch aufgerufen, wenn die CD-1 in das CD-Laufwerk eingelegt worden und die automatische Startfunktion in Ihrem Windowsrechner eingestellt ist. Sie entscheiden dort, ob Sie das Programm installieren oder das Telefonbuch von der CD starten wollen. Ist die automatische Startfunktion bei Ihnen nicht eingeschaltet, dann müssen Sie auf Ihr CD-Laufwerk gehen und dort »setup.exe« für die Programminstallation oder »cdstart.exe« für den direkten Start des Telefonbuches von der CD aufrufen. Mit Hilfe des Screenreaders lässt sich klickTel als normales Windowsprogramm gut installieren; Sie werden durch die einzelnen Schritte geführt, es ist mehrmals ENTER zu drücken. Bei der dritten Aufschrift der Installation (Programmkomponenten) besteht die Möglichkeit, durch mehrmaliges Betätigen der TAB-Taste und mit dem Markieren bzw. Demarkieren durch die LEERTASTE einzelne Programmpunkte auszuwählen oder sie wegzulassen. An dieser Stelle wird durch Markierung die Komplettinstallation, Programm und Daten, festgelegt, die natürlich besonders viel Speicherplatz auf der Festplatte benötigt.
Für die Programmdateien von KlickTel sind allein ca. 55 MB Festplattenspeicherkapazität erforderlich.
Die Funktionen des Telefonbuches sind sehr vielfältig und umfassend; im Einzelnen kann ich hier aus Platzgründen nicht darauf eingehen. Nur soviel: Das Menü erreichen Sie, wie üblich, über die ALT-Taste, gefolgt von den Cursortasten. Der Bereich Tipps und Tricks kann interessant sein, wenn man das Programm noch nicht so genau kennt. Dies erscheint immer in aller Regel nach dem Start von klickTel. Da die einzelnen Einträge in Listenform angelegt sind, kann man mit den Cursortasten auswählen und ggf. mit ENTER bestätigen. Die Suchmöglichkeiten sind vielfältig, z. B. nach Straßen, Postleitzahlen oder Branchen; eine Kombination zweier Suchoptionen funktioniert auch.
Abschließend ist noch zu sagen: Da es sich bei KlickTel um ein 32-Bit-Programm handelt, läuft diese Anwendung ab Betriebssystem Windows 95. Mit KlickTel hat man auch als blinder Computernutzer eine sehr gute Telefonauskunft für das gesamte Deutschland zur Verfügung. Weitere Informationen können Sie direkt erhalten bei:

KlickTel GmbH
Martin-Luther-Str. 1, 46284 Dorsten
Tel. 02362 999-0, FAX 02362 999-999
Internet: www.klicktel.de

Info-Service

Mitteilung zum Zahlungsverkehr

Die Finanzbuchhaltung der DZB informiert hiermit die Kundinnen und Kunden der DZB, dass die Rechnungslegung für alle bisher im Jahre 2003 erfolgten Bestellungen, Abonnements usw. aufgrund der mit dem neuen Status der DZB zusammenhängenden buchhalterischen Neuordnung voraussichtlich erst ab April 2003 erfolgen kann. Ende des Monats sollen zunächst die Rechnungen für die Zeitschriftenabonnements erstellt werden. Im Mai wird dann mit der Rechnungslegung aller anderen Lieferungen begonnen.
Alle Bestellungen werden dessen ungeachtet bearbeitet, ebenso erfolgt die Auslieferung wie bisher.

Hörbuchkatalog mit Themengruppen

Jörg Klemm

Nun gibt es auf unserer Internetseite in der Rubrik Bibliothek beim Online-Katalog Hörbuch auch die Möglichkeit, DAISY-Titel zu bestellen. Das System ist geblieben, z.B. alle Grisham-Titel aufrufen, dann entsprechend nach Vorhandensein die Kassetten- oder DAISY-Version anhaken und als Mail verschicken. Die aktuelle DAISY-Liste (Textversion) steht jetzt ebenfalls im Internet - mit Datum der Aktualisierung. Neue DAISY-Titel werden dann auch immer in der Bücherliste bekannt gegeben.

Weiterer DZB-Katalog im Internet

Jörg Klemm

Der Katalog der ausleihbaren Punktschriftliteratur Kinder- und Jugendliteratur (Kurzschrift) steht jetzt auch im Internet zum Herunterladen. Die Übertragung in Blindenschrift wurde begonnen. Die Schwarzdruckversion wird in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen.

Bundestag stimmt Kompromiss zum neuen Urheberrecht zu

Pressemitteilung BMJ vom 11. April 2003

Der Deutsche Bundestag hat am 11.4.2003 der Gesetzesnovelle zur Gestaltung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft zugestimmt. Das Parlament hat mit diesem Gesetz einen Konsens zwischen den Interessen der Wissenschaft und der Kultur sowie den wissenschaftlichen Verlagen gefunden. Im Mittelpunkt steht der Schutz der Urheber. Sie erhalten auch im digitalen Zeitalter eine angemessene Vergütung für die Nutzung ihrer Artikel. »Das Gesetz verschafft dem geistigen Eigentum auch in der digitalen Welt die Achtung, die es verdient. Es schafft einen fairen Kompromiss zwischen geistigem Eigentum und Wissensgesellschaft«, betonte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.
Wichtig ist hier insbesondere der neue § 52a Urheberrechtsgesetz. Bisher darf ein Lehrer in seiner Klasse für den Unterricht Kopien eines wissenschaftlichen Aufsatzes an die Schüler verteilen. Künftig soll er den Schülern denselben Aufsatz auch am Bildschirm zugänglich machen dürfen. Auch Professoren und Wissenschaftler dürfen Texte auf diese Weise an einen begrenzten Kreis von Personen weitergeben. »Das Recht reagiert damit auf die zunehmende Ausstattung von Schulen und Universitäten mit Computern«, sagte Bundesjustizministerin Zypries. Gleichzeitig wird den Interessen der Urheber und Verwerter Rechnung getragen, da auch künftig nur Teile von veröffentlichten Werken, Werke geringen Umfangs oder einzelne Artikel aus Fachzeitschriften in abgegrenzte, geschlossene Netzwerke (Intranets) gestellt werden dürfen. In jedem Fall ist eine Vergütung zu zahlen.
Der neue § 52a Urheberrechtsgesetz ist bis zum 31.12.2006 befristet. Das Bundesjustizministerium wird die praktischen Erfahrungen mit der Neuregelung sorgfältig beobachten. Wenn nötig kann der Gesetzgeber schon vor Ablauf der Frist korrigierend eingreifen. Die Novelle setzt eine EU-Richtlinie um und passt das in der »Papierwelt« geltende Urheberrecht dem digitalen Zeitalter an.
Das Gesetz regelt auch, in welchen Fällen Urheber es im Hinblick auf Gemeinschaftsinteressen hinnehmen müssen, dass ihre Werke ohne ihre ausdrückliche Zustimmung genutzt werden dürfen. Es erlaubt auch künftig, dass einzelne Privatkopien von Musik, Filmen oder Text gemacht werden. Es verbietet jedoch, den Kopierschutz zu knacken und bezieht auch die Herstellung und die Verbreitung dieser sog. Hacker-Software in dieses Verbot mit ein. Wer gewerblich gegen diese Verbote verstößt, muss mit Geldstrafen oder mit Gefängnis rechnen.
(Quelle: http://www.bmj.bund.de/ger/service/pressemitteilungen

Hilfsmittelmesse SightCity

blip vom 02.04.03

Vom 22. bis 24. Mai 2003 findet die - laut Veranstalter - größte deutsche Messe für Blinden- und Sehbehindertenhilfsmittel statt. Das Sheraton Airport Hotel am Frankfurter Flughafen ist als Veranstaltungsort für »SightCity Frankfurt« ausgewählt worden. An beiden Flughafenbahnhöfen werden zu jeder vollen und halben Stunde Begleitpersonen zu den Messeräumen führen.
Weitere Informationen bei:

Blista-Brailletec gGmbH
Industriestr. 11, 35042 Marburg
FAX 06421 80214
Tel. 0711 666030 (Herr Schäfer) oder
07451 554610 (Frau Wahl).
E-Mail: ees@metec-ag.de.
Internet: www.sightcity.de.

Aus der offiziellen PRESSEMITTEILUNG zur SightCity
Bereits auf der ersten SightCity präsentieren 33 Aussteller ein internationales Angebot an Produkten, Dienstleistungen und Neuentwicklungen. Angesprochen sind Betroffene und alle, die beruflich oder privat an diesem Thema interessiert sind.
Blinde und Sehbehinderte können sich umfassend und in Ruhe über die neuesten technischen Entwicklungen im Hilfsmittelbereich informieren. Nicht betroffene Mitmenschen erfahren, wie auch für Sehgeschädigte die Arbeit am PC, mit Internet und Scanner und so deren Berufstätigkeit heute längst selbstverständlich ist. Das vielfältige Informationsangebot dieser Ausstellung gibt auch Arbeitgebern, welche die erheblichen Fördermöglichkeiten für solche Angestellte nutzen wollen, eine Entscheidungshilfe. Auch Web-Designer, die sich mit barrierefreier Gestaltung im Internet beschäftigen, sollten sich diese Messe nicht entgehen lassen!
Die neue Messe im Frankfurt Airport Sheraton Hotel wurde von 6 führenden deutschen Hilfsmittel-Herstellern organisiert, denen »Traditionelle Reha-Messen« nicht genug auf die Bedürfnisse des Nutzerkreises eingingen. Auch die Erreichbarkeit per S-Bahn, Zug, Auto und Flugzeug ist für Betroffene wie sehende Besucher aus aller Welt hier optimal. Ein Abholservice für Blinde ist organisiert. Eintritt ist frei.
KONTAKT: Herr Schäfer, 0711 66603-0, info@sightcity.de, www.sightcity.de

Sommeruniversität für Behinderte

blip vom 02.04.03

Das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter - bifos e.V. - führt vom 18. Juli bis 1. August 2003 an der Universität Bremen eine Sommeruniversität zu Behindertenfragen durch. Unter dem Motto »Behinderung neu denken« werden Veranstaltungen angeboten, die von Weiterbildungen zu Behindertenfragen über Diskussionsveranstaltungen und kulturelle Events bis zu Tagungen zur Gleichstellung und zu kulturwissenschaftlichen Aspekten von Behinderung reichen. Anmeldung und nähere Informationen gibt es beim
bifos e.V.
Kölnische Straße 99, 34119 Kassel
Tel. 0561 72885-42
E-Mail: g.hermes@bifos.de
Internet: www.sommeruni2003.de

Deutsche Meisterschaft im Triathlon der Behinderten

blip vom 02.04.03

500 Meter Schwimmen, 21 Kilometer Rad fahren und 5 Kilometer Laufen stehen am 9. August 2003 auf dem Wettkampfprogramm der Deutschen Meisterschaft im Triathlon. In Hattingen/Ruhr starten behinderte und nicht behinderte Sportler gemeinsam, aber in verschiedenen Starterklassen. Weitere Informationen gibt Jörg Meding, Telefon 02052 7128.

33. Kongress für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik

»Qualitäten - Rehabilitation und Pädagogik bei Blindheit und Sehbehinderung« ist das Motto des Kongresses, der vom Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen (VBS) e.V. in Kooperation mit der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund und mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe in der Zeit vom 4. bis 8. August 2003 in der Universität Dortmund stattfindet. Schirmherr ist der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück.
Der alle 5 Jahre stattfindende Kongress soll Gelegenheit zu wissenschaftlicher Diskussion, fachlichem Diskurs, zum Sammeln neuer Erkenntnisse und Erfahrungen und zum persönlichen Austausch bieten. Das Thema »Qualitäten« wurde gewählt, um eine erneute Diskussion über die spezifische Qualität einer Rehabilitation und Pädagogik bei Sehschädigung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und gewandelter Vorstellungen von Unterstützung und Begleitung, Erziehung und Bildung anzustoßen und weiterzuführen.
Der Kongress soll über den deutschsprachigen Raum hinaus einen europaweiten Austausch über Fragen vor allem der Konzept-, aber auch der Struktur-, Prozess- und Produktqualität rehabilitativer und pädagogischer Ansätze fördern und intensivieren.
Das umfangreiche Kongressprogramm widerspiegelt in über 170 Vorträgen, Kurzvorträgen, Workshops, Poster- und Videopräsentationen und Mitmachangeboten den aktuellen Stand der Diskussion im Feld der Pädagogik und Rehabilitation. Inhaltlich orientieren sich die Beiträge an Themen aus den Bereichen
Referenten nicht nur aus Deutschland sondern auch aus Bulgarien, Finnland, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland, Schweden, der Schweiz und Ungarn werden zu diesen Themenkreisen über die neuesten Erkenntnisse, Strömungen und Forschungsergebnisse berichten. So ist gewährleistet, dass für alle, die mit der Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen zu tun haben, dieser Kongress eine hervorragende Möglichkeit zur beruflichen Fortbildung bietet. Das umfangreiche Kongressprogramm mit sämtlichen Angaben zum Kongressverlauf, mit allen Programmpunkten, mit den Anmelde- und Teilnahmekonditionen, mit Hinweisen zum Rahmenprogramm und großem Festabend kann angefordert werden über:

Kongressbüro
von-Vincke-Schule
Hattroper Weg 70, 59494 Soest
Tel. 02921 684120, FAX 02921 684269
eMail: kongress@vbsnrw.de

Auch im Internet finden Sie das gesamte Kongressprogramm und die Möglichkeit der Anmeldung online unter
www.kongress.vbsnrw.de

Abbildung:
Maskottchen des 33. Kongresses der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen, gezeichnet von Christian Kretschmann, geb. 1986, Schüler der Rhein. Schule für Sehbehinderte, Aachen

Besondere Sozialleistungen an Blinde, deren Erblindung auf Kriegseinwirkungen und auf ein ziviles Leiden zurückzuführen ist

Heinrich Johanning

Eine große Anzahl von Blinden hat durch kriegerische Einwirkungen das Sehvermögen auf einem Auge verloren. Im Laufe der Jahre - vor allem im vorgeschrittenen Lebensalter - erblindete auch das zweite Auge durch ein ziviles Leiden (z.B. durch Krankheit oder Unfall). Diese erblindeten Männer, aber auch Frauen, haben besondere Ansprüche nach dem Bundesversorgungsgesetz. In den meisten Fällen ist dieser Tatbestand nicht bekannt. Nach den Erfahrungen des BKD handelt es sich um einen relativ großen Personenkreis. Allgemein fehlt die erforderliche Beratung und Vertretung und die Betroffenen geben sich mit der Gewährung des Landesblindengeldes und vielleicht mit zusätzlichen Leistungen aus der Pflegeversicherung zufrieden.
Der Bund der Kriegsblinden Deutschlands (BKD) betrachtet es als seine Verpflichtung, gerade auch diese Blinden auf ihre Rechte hinzuweisen, sie zu beraten und auch ggf. vor den zuständigen Behörden zu vertreten.

Die Leistungen umfassen insbesondere Pflegezulage, andere Rentenleistungen, Beihilfen der Kriegsopferfürsorge, Badekuren usw. Auch besteht Anspruch auf Übernahme der Kosten für eine Fremdpflege oder ggf. bei einer Heimunterbringung. Ebenso haben die Witwen dieser Blinden Rentenansprüche nach dem Bundesversorgungsgesetz.

Der BKD betreibt mit dieser Aktion auf keinen Fall eine Mitgliederwerbung. Hierbei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Blinden, wie alle Kriegsblinden, Mitglied sowohl im DBSV, im DVBS und im BKD sein können und auch gleichzeitig in diesen Organisationen Funktionen in den Organen innehaben dürfen. Die Beratung und Vertretung durch den BKD erfolgt kostenfrei, eine Mitgliedschaft ist absolut sekundär.
Behördlicherseits scheitert der Zugang zu diesen Blinden durch die Vorschriften des Datenschutzes. Durch die fehlende Beratung und Vertretung gehen diesen Blinden oftmals erhebliche Sozialleistungen verloren. Auskunft erteilt jederzeit gerne der Bund der Kriegsblinden Deutschlands in Bonn. Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich unmittelbar an den für das Sozialrecht zuständigen Sachbearbeiter im BKD-Bundesvorstand zu wenden, und zwar an

Heinrich Johanning
Skagerrakstr. 8, 26121 Oldenburg
Tel. 0441 82160, FAX 0441 9848898

Es wäre sehr zu wünschen, wenn dieser Aufruf eine hilfreiche Stütze für die in Betracht Kommenden bedeuten würde.

Impressum


Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 7,67 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 12,27 €).

Kostenlose Beilage:

»Leipziger Bücherliste«

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel. 0341 7113 - 0,
Fax: 0341 7113 - 125
E-Mail: info@dzb.de, www.dzb.de

Redaktion:

Karsten Sachse, Tel. 0341 7113 - 135

Abonnements, Anzeigen:

Sylvia Thormann, Tel. 0341 7113 - 120.

Spenden:

Konto-Nr.: 1100491100
BLZ: 86055592
Stadtsparkasse Leipzig

DZB 2003