DZB-NACHRICHTEN
Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 4 / 2003
Juli / August
13. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Postecke
Einblicke
    Neue Struktur im Verlag der DZB
    Die Kalender für das Jahr 2004
Die Kramkiste
    Erich Maria Remarque: »Drei Kameraden«
    Prosper Mérimée: »Carmen«
Unterwegs
Autorenporträt
    Wacher Blick auf eine Welt der verstümmelten Wahrheit - Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für         Susan Sontag
Bücher des Jahrhunderts
    George Orwell: »1984«
LOUIS
    »DUDEN - die deutsche Rechtschreibung«.
    Ein Nachschlagewerk auf CD-ROM auch für blinde Computernutzer unter Windows geeignet
Info-Service
    Computergestützte Ausleihe in der Punktschriftbibliothek
    Tag der offenen Tür
    »Die Zeit«-Audio-Dateien
    Der Blinde im geltenden Recht
    Kunstausstellung für alle Sinne in Marl
    EBSD Westfalen legt Studienreisen-Programm für 2004 vor
    Einladung zum Schnuppertag
Impressum

Vorbemerkung

Sommerzeit ist Reisezeit und auch Lesezeit - ob für die Reisevorbereitung oder die Urlaubsgestaltung. Deshalb überwiegen in dieser Ausgabe die literarischen Themen.
Neuigkeiten gibt es natürlich ebenfalls zu vermelden, z. B. über Personalveränderungen im Verlag der DZB, ein neues Ausleihverfahren in unserer Punktschriftbibliothek oder die Kalender aus der DZB für das Jahr 2004. Apropos Reisezeit: Sogar mit dem neuen Relief-Wandkalender begeben wir uns auf eine Weltreise.
Kommen Sie gut über den Sommer!

Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Thema Kriegsblinde

» (...) seit den historischen Beiträgen zum Blindenwesen lese ich die DZBN mit noch größerem Interesse. Insbesondere gefällt mir die aktive Diskussion mit verschiedenen Sichtweisen, wie zum Thema Kriegsblinde. Mit Erstaunen las ich, dass im Dritten Reich blinde Menschen aktiv als Soldaten am 2. Weltkrieg teilnahmen.
Meist wurden Blinde nur als Opfer des Dritten Reiches dargestellt, was auch viele waren, es sieht aber so aus, dass es wohl auch eine aktive Unterstützung des Hitlerregimes von Blinden gab. Da gibt es noch einiges aufzuarbeiten. Weiter so! (...)«
[Thomas Groß per E-Mail]

Mondphasen

»(...) Könnte man nicht auch im Jahreswandkalender die Mondphasen einführen, mit den Punkten 3 und 6 unter dem Datum? Und könnte man neben der Monatsangabe auch die Wochenzahl unterkriegen? (...)«
[Manfred Bayerl aus Berlin]

Anmerkung der redaktion

Die aktuelle Platzaufteilung bietet wenig Spielraum. Vielleicht müssen die Monatsnamen dann durch Zahlen ersetzt werden. Wir werden Ihren Vorschlag prüfen. Änderungen könnten dann aber erst in den Kalender für 2005 einfließen. Mondphasen enthalten unser Taschenkalender 2004 Version B und der Großdrucktaschenkalender 2004.

Wo sind die Inhaltsangaben?

»(...) Dass in der Bücherliste Mai/Juni 03 bei einigen der Titel keine Inhaltsangaben gemacht wurden, gefällt mir nicht. Warum wurden diese weggelassen? (...)«
[Cordula Lange, Potsdam]

Anmerkung der redaktion

Die »Leipziger Bücherliste« erscheint in allen Editionsformen mit nahezu identischem Inhalt. Im Gegensatz zu Punktschrift-, Schwarzdruck- und Internet-Version setzt die Kapazität der C-90-Kassetten dem Umfang der Bücherliste eine feste Grenze. Sinn und Zweck der Bücherliste ist es, über Neuerscheinungen zu informieren. Wenn besonders viele neue Titel erscheinen (was ja erfreulich ist), müssen deshalb die Inhaltsangaben gekürzt oder sogar weggelassen werden. Da die Nachdrucke im Gegensatz zu den Neudrucken bereits in unseren Katalogen enthalten sind, wird bei den Nachdrucken gekürzt.

Elektronik-Bücher

»(...) in der Vergangenheit (noch zu DDR-Zeiten) hat die DZB einige Bücher aus dem Bereich Elektronik in Braille produziert, sogar einschließlich Reliefs mit Schaltplänen. Ich möchte daher gerne anfragen, ob in Zukunft nicht mal wieder ein Buch aus diesem Bereich geplant werden könnte?
Es sollte doch eine größere Anzahl an Interessenten für diesen Themenbereich geben, da es doch sehr viele blinde Funkamateure gibt. Auch für Modelleisenbahner ist das Thema Elektronik und der Aufbau von Schaltungen interessant. Gerade die Verbindung der Digitaltechnik und den Möglichkeiten des PCs bietet im Bereich Messen, Steuern und Regeln auch uns Blinden viele Möglichkeiten. Egal ob ich nun als Funkamateur Frequenzmessungen u.ä., oder als Modelleisenbahner Rückmeldungen von meiner Anlage messen oder Züge steuern möchte.
Durch die einfacheren und kostengünstigeren Reliefherstellungsmöglichkeiten im Projekt MUSTER durch den Einsatz des Schneidplotters, sollte sich ein entsprechendes Vorhaben doch realisieren lassen. Könnten Sie sich also die Übertragung und Produktion eines entsprechenden Buches vorstellen, das sowohl die erforderlichen Grundlagen vermittelt als auch Schaltungsbeispiele enthält? Ggf. könnten Sie ja zunächst erst einmal das Marktinteresse an einem Elektronikbuch abfragen. (...)«
[Michael Schoch per Mail]

Anmerkung der redaktion

Übertragung und Produktion eines solchen Buches können wir uns vorstellen, es gibt aber bisher keine konkreten Titelwünsche.

Einblicke

Neue Struktur im Verlag der DZB

Dr. Thomas Kahlisch

Aufgrund der Inanspruchnahme der für den öffentlichen Dienst geltenden Altersteilzeitregelung durch die Verlagsleiterin der DZB, Frau Renate Burghardt, werden zum 1. Juli 2003 sowohl die Leitung als auch die Aufgabenverteilung in der Abteilung Verlag neu bestimmt.
Seit 1971 ist Renate Burghardt Leiterin des Verlags der DZB. Vom Abschied nehmen kann noch nicht die Rede sein, trotzdem sei ihr an dieser Stelle ausdrücklich gedankt für ihre jahrzehntelange Arbeit im Dienste der DZB und ihrer Nutzer. Sie wird ihren großen Erfahrungsschatz weiterhin einbringen und unseren Kunden bis 2006 u. a. als Verantwortliche für Auftragsannahme und Abwicklung erhalten bleiben.
Neuer Abteilungsleiter im Verlag ist Werner Nitschke. Herr Nitschke ist von seiner Ausbildung Physiker und in seiner beruflichen Praxis erfahren in den Bereichen Informationstechnologien und Betriebswirtschaft. Seit September 2002 leitete er das Projekt Einführung der neuen Buchhaltung im Verlagsbereich der DZB. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen im Verkauf, der Buchhaltung und Informatik sorgte er für die Einführung der neuen Finanzbuchhaltungssoftware, die Anbindung der Verkaufsabläufe an die Buchhaltung und die Realisierung der eigenständigen Rechnungslegung der DZB.
Stellvertretender Abteilungsleiter des Verlags bleibt Karsten Sachse. Als Lektor, Leiter des Arbeitskreises Buchvorstellen, Redakteur der DZBN und der Leipziger Bücherliste ist er mit Aufgaben betraut, die die Planung und inhaltliche Gestaltung der Produktionspläne betreffen. Damit ist er dem neuen Abteilungsleiter mehr als eine »literarische« Stütze in seiner Arbeit.
Mit Frau Annette Nitsche verstärkt eine weitere Mitarbeiterin das Verlagsteam der DZB. Als Verlagsherstellerin ist sie zuständig für Mediengestaltung, Werbung und ein einheitliches Gestaltungsbild (Corporate Identity / Corporate Design) des Betriebes.
An Aufgaben herrscht nach der Umwandlung der DZB in einen Staatsbetrieb kein Mangel. Die Einführung der doppelten Buchführung und der Kosten-Leistungs-Rechnung in allen Bereichen der DZB bedingt eine Neuorganisation vieler Abläufe und die konsequente Einführung von effektiven computergestützten Verfahren in der Planung, Steuerung und Abrechnung des gesamten Betriebes.
Doch es geht natürlich nicht nur um die zeitgemäße Ausgestaltung der Verwaltung und Buchhaltung. Gemäß der Aufgabe der DZB steht die Medienversorgung Blinder und Sehbehinderter im Vordergrund. Und hier gilt es in den nächsten Jahren Zeichen zu setzen:
  1. DAISY findet mehr und mehr Anwendung in den Bereichen Hörbuch und Hörzeitschrift. Die Ausweitung der dabei gesammelten Erfahrungen auf alle Bereiche der Medienherstellung ist das große Ziel, dem sich nicht nur die DZB stellen muss.
  2. Das Projekt DaCapo zum Wiederbeleben der Braillenotenherstellung ist ein weiterer Baustein auf diesem Weg. Mittels moderner IT-Verfahren sollen zukünftig weitaus mehr Notenwerke in die Blindenschrift übertragen werden.
Neue Möglichkeiten, wie die bei DAISY angebotene Kombination von Textinformationen mit dem gesprochenen Wort, bieten neue Einsatzfelder und nützliche Ergänzungen zu Blindenschrift und Großdruckpublikationen. Lösungen sind zu suchen, die den neuen Anforderungen Rechnung tragen und dem immer stärker werdendem Kostendruck entsprechen müssen.

Die Kalender für das Jahr 2004

Karsten Sachse

Es ist wieder einmal soweit, ab September werden die Kalender für das Jahr 2004 ausgeliefert. Welche Kalender im Angebot sind, verrät folgende Übersicht.

WANDKALENDER

Der »Vorzeigekalender« ist wie in jedem Jahr unser Relief-Wandkalender. Für das Jahr 2004 steht er unter dem Thema »Wunder der Architektur«:
In allen Kulturkreisen haben die Menschen beispiellose Bauwerke errichtet. Diese architektonischen Meisterleistungen entstammen der Gegenwart, der jüngeren Geschichte und längst vergangenen Zeiten. Mit ihrer Entstehung und Existenz sind oft Mythen, Schicksale oder kriegerische Auseinandersetzungen verbunden, häufig haben Eigentümer und mit ihnen auch die Verwendung gewechselt. Immer jedoch zeugen diese Werke von der Kunst und Meisterschaft ihrer Erbauer.
Der Kalender stellt rings um unseren Erdball einige der bemerkenswertesten architektonischen Sehenswürdigkeiten vor: u.a. Eiffelturm, Freiheitsstatue, Taj Mahal, Big Ben ...
13 mehrfarbige Reliefs und 13 Textseiten (Format ca. 27 x 34 cm), Kalendarium und Texte in Blindenvoll- und Schwarzschrift kosten 23,00 €.
»Das ganze Jahr in einem Griff« lautet der Slogan für den »Jahres-Wandkalender« in Punktschrift - ein einziges Folieblatt (Format ca. 33 x 51 cm) mit den Kalendarien aller 12 Monate. Die 3 Monate eines Quartals sind nebeneinander, die 4 Quartale untereinander angeordnet. Gesetzliche bundesweite Feiertage sind hervorgehoben. Für die Anbringung an der Wand ist die Folie mit einer Leiste versehen, an der sich zwei Ösen befinden. Kostenpunkt: 3,80 €.

TASCHENKALENDER

Handlich, praktisch, preiswert - so lässt sich das Prinzip des DZB-Taschenkalenders beschreiben. Insgesamt drei Versionen dieses beliebten Kalenders (Format ca. 11 x 13 cm) sind im Angebot:
A) Vollschrift-Ausgabe: Kalendarium mit Angabe der gesetzlich bundesweiten Feiertage; geklammert. 2,10 €
B) Kurzschrift-Ausgabe: Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage, Ringbindung. Zusätzlich enthalten: nicht bundesweite gesetzliche Feiertage und Termine für die Schulferien in den Bundesländern, Wochenzahl, Anzahl der monatlichen Arbeitstage, Termine wie Beginn der Sommerzeit oder Frühlingsanfang. Vorschau auf die beweglichen gesetzlichen Feiertage des Folgejahres. Neben jedem Monatskalendarium ist ein Notizblatt eingebunden - für Ihre persönlichen Termine. Die Ringbindung ermöglicht bequemes Umblättern der Seiten und eine Nutzung als Tischkalender. Ganz neu ab diesem Jahr: das Kalendarium ist mit dem Eintrag der Mondphasen versehen. 6,00 €
C) Großdruck-Ausgabe: Die Schwarzschrift-Ausgabe in Großdruck (Schriftgröße 8 mm) bietet neben Monats- und Wochen-Kalendarium die Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage sowie nicht bundesweiten gesetzlichen Feiertage, Termine für Schulferien in den Bundesländern, Wochenzahl, Anzahl der monatlichen Arbeitstage, Vorschau auf die beweglichen gesetzlichen Feiertage des Folgejahres. Im Wochenkalendarium mit Mondphasen umfasst jede Woche eine Doppelseite, so dass für jeden Werktag zwei Zeilen Raum für Notizen zur Verfügung stehen. Auch bei diesem Taschenkalender wurde eine Ringbindung verwendet. 6,00 €

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Erich Maria Remarque: »Drei Kameraden«

Susanne Siems

[Punktschriftbibliothek]

Was macht unser Leben aus, liebe Leserinnen und Leser. Sind es die großen weltpolitischen Ereignisse, traurige und schöne, der Krieg im Irak oder eine eventuelle Nominierung Leipzigs als Olympiastadt. Oder sind es die kleinen Dinge des Lebens, das, was täglich wiederkehrt, Aufstehen, Essen, Arbeiten, Familienleben, Freunde treffen, ein Hobby haben. Sicher ist es von beidem etwas, Eins gibt es nicht ohne das Andere. Beides prägt den Menschen und neben politischen Strömungen und über die Medien verbreiteten Meinungen gibt es noch die ganz persönliche Sicht der Dinge, die so genannte Welt des kleinen Mannes.
Der Schriftsteller Erich Maria Remarque ist einer, der in seinen Romanen beides miteinander verbindet, so gekonnt, wie es sonst nur das Leben selbst schafft. Der Roman »Im Westen nichts Neues« machte aus dem Sportjournalisten Erich Paul Remark über Nacht einen weltbekannten Schriftsteller. In diesem wie auch seinen anderen Romanen versucht er die traumatischen Erlebnisse beider Weltkriege zu verarbeiten. Ihm gelingt dies auf eine sehr persönliche Weise, die ihm Lob und Kritik zu fast gleichen Teilen einhandelt.
»Drei Kameraden« erzählt die Geschichte dreier junger Männer in den Zeiten der Weimarer Republik. Sie hatten große Hoffnungen und Träume, die aber verloren sind, seit sie in den Schützengräben kämpften. Wichtig für sie ist ihre Kameradschaft und die Autowerkstatt, die sie gemeinsam betreiben. Es zählt nur, jeden Tag zu überleben. Der Krieg hat ihnen jeden Mut genommen, an etwas zu glauben, was nicht mit Händen greifbar ist. Außerhalb ihrer Kameradschaft fühlen sie eine tiefe Einsamkeit. »Gab es denn etwas anderes als Alleinsein? ... Nein, es gab nichts anderes. Für alles andere hatte man viel zu wenig Boden unter den Füßen«. Da begegnet einem von ihnen die Liebe, sozusagen hinterrücks und unvorbereitet. Robby, eigentlich Robert Lohkamp, wehrt sich anfangs gegen dieses Gefühl für die junge Pat Hollmann. Aber Kameradschaft heißt auch, dass ihm die anderen helfen, den Glauben an sich selbst wieder zu finden. So gibt es schließlich doch ein Paar.
Bis hierher liest sich das wohl eher wie ein Trivialroman. Der Vorwurf, Unterhaltungsliteratur zu schreiben, wurde Remarque übrigens von einigen nicht ganz unbekannten Schriftstellerkollegen gemacht. Aber erstens ist vielleicht auch wirkliches Leben manchmal trivial, zweitens kann ich nichts Schlechtes an guter Unterhaltungsliteratur finden und drittens ist das nicht das Ende der Geschichte. Das verrate ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wie immer nicht. Nur so viel - es ist leider nicht ganz so schön, wie es wohl hätte sein können.
Wenig Handlung, sagen Sie? Im zweiten Teil des Romans überstürzen sich die Ereignisse. Was Remarque in allen seinen Romanen auszeichnet, ist die Widerspiegelung des Lebensgefühls einer Generation, die in der Literaturgeschichte als Lost Generation bezeichnet wird. Hemingway und Francis Scott Fitzgerald zählen zu ihren Vertretern. Remarque kann aufgrund seines Stils und der Themenwahl dazugerechnet werden. »Drei Kameraden« ist nicht sein wichtigster Roman, auch in seinem Schaffen, wie wohl bei jedermanns Arbeit, gibt es große Qualitätsunterschiede. Neben »Im Westen nichts Neues« und »Die Nacht von Lissabon« ist dieser Roman für mich aber einer seiner lesenswertesten.
Beim Schreiben merkte ich wieder einmal, dass es relativ schwierig ist, ein Buch vorzustellen, dass mehr durch Stimmungen denn durch Aktionen lebt. Angeregt zur Wahl dieser Kramkiste hat mich die Lektüre eines anderen Buches. Für meine Begriffe ein wirklich geniales Werk ist die Biografie Remarques von Werner von Sternburg. Sie trägt den Titel »Als wäre alles das letzte Mal«, ein sensibel geschriebenes Buch, das sowohl den Schriftsteller nahe bringt als auch Ereignisse und wichtige Persönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet.
Der Titel »Drei Kameraden« kann in der Punktschriftbibliothek unter der Nummer 5805 in 7 Bänden rkh. ausgeliehen werden. Die Biographie finden Sie in unserer Hörbücherei als Kassetten- und DAISY-Ausgabe unter der Bestellnummer 7681.

Titel von Erich Maria Remarque in unserem Angebot:

Punktschrift

Hörbuch

 Biografien über Remarque:
 5 Kass. 1699

Prosper Mérimée: »Carmen«

Jörg Klemm

[Hörbücherei]

Als ich meinen Bücherschrank zu Hause durchsah, fiel mir ein kleines Büchlein in die Hände »Carmen« von Prosper Mérimée, erschienen im Verlag Dieterich zu Leipzig im Jahre 1958. Wie ich feststellte, ist das eine kleine abenteuerliche Liebesgeschichte. Und darüber kann man ruhig ein paar Worte verlieren.
Zuerst: Wer war Prosper Mérimée?
Ein französischer Schriftsteller, geboren am 28. September 1803 in Paris, gestorben am 23. September 1870 in Cannes. Er war der Sohn eines bekannten Malers, wurde 1831 Inspekteur der historischen Denkmäler Frankreichs, 1844 Mitglied der Académie Francaise, 1853 Senator. Im Zweiten Kaiserreich war er Vertrauter der Königin Eugénie. Mit Stendhal verband ihn seit 1822 eine enge Freundschaft.
Seine Domäne wurde die Novelle (wie z.B. Mateo Falcone, Tamango, Colomba - alle im Hörbuchbestand) und die, über die ich genauer schreiben möchte: »Carmen«. Diese Geschichte entstand 1845 und wurde 1846 ins Deutsche übersetzt.
Den Romantiker Mérimée reizte an der Erzählung zum einen das exotische Kolorit. Das südliche Spanien galt seiner Epoche als Inbegriff der orientalisch geprägten Kultur, eine Auffassung, die sich in Mérimées Ausspruch widerspiegelt: »Jenseits der Pyrenäen beginnt Afrika«. Der Carmen-Stoff kam zum anderen der Vorliebe des Autors für gesellschaftliche Außenseiter entgegen. Dieser Stoff hat auch als Quelle für unterschiedliche »direkte« Bearbeitungen gedient. Die Opernbearbeitung durch H. Meilhac und L. Halévy mit der Musik von Georges Bizet (1875) ist mittlerweile trotz anfänglicher Ablehnung durch das Publikum zum Inbegriff der französischen Oper aufgestiegen und wurde bereits mehrmals verfilmt. Von literaturhistorischer und geistesgeschichtlicher Bedeutung ist Mérimées Novelle durch die Schöpfung der Hauptfigur Carmen selbst, in deren Sinnlichkeit und Verführungskunst der Autor ein frühes Beispiel des Typus der »femme fatale« gezeichnet hat. Carmen stellt den Urstoff für den Mythos des späten 19. und des gesamten 20. Jahrhunderts bereit: Die destruktive Kraft der Hauptfigur wird in der Folgezeit ein zentrales Thema.
Zur Novelle: In Sevilla begegnet ein geachteter baskischer Dragonerkorporal der stolzen, zügellosen Zigeunerin Carmen, die in einer Zigarrenfabrik arbeitet. Obwohl Carmen ihn davor warnt, ihr seine Liebe zuzuwenden, verfällt er ihr in unbezähmbarer Leidenschaft. Als er Carmen wegen der mutwilligen Verletzung einer anderen Arbeiterin festnimmt, lässt er sich von ihr überreden, ihr zur Flucht zu verhelfen. Und damit beginnt die Geschichte einer verzweifelten Liebe. Haltlos geworden, denn er wurde deswegen bestraft und degradiert, ist er nun vom Dämon einer Leidenschaft besessen, die ihn immer wieder in die Nähe der geliebten Frau treibt. Er opfert seine militärische Laufbahn und lebt als Schmuggler mit Carmens Zigeunern in den Bergen. Die gesellschaftliche Ächtung steigert seine Liebe und seine Eifersucht. Doch sein Anspruch, dass sie ihm allein gehören soll, lässt in Carmen Kälte und Überdruss wachsen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Gespannt? - Doch mehr verrate ich jetzt nicht. Hören Sie selbst!
Der Sprecher ist: Günter Trotte, 2 Kassetten, Bestellnummer: 757.

Bücher von Prosper Mérimée in der DZB:

Hörbuch

Punktschrift

Unterwegs

Karsten sachse

Sommerzeit ist Reisezeit. Dass dabei Literatur aus der DZB nicht zu kurz kommen muss, ja, dass sie sogar außerordentlich behilflich sein kann, soll folgende kleine Geschichte demonstrieren.
Wir nehmen eine Familie (sehend, blind, sehbehindert) und folgen ihr auf der Urlaubsfahrt in den schönen Harz. Autoreise ist angesagt, der volljährige sehende Junior ist der Fahrer.
Schon vor Reiseantritt hat man sich im Familienkreis über die geographischen Gegebenheiten informiert, mit dem »Atlas Bundesrepublik Deutschland«. Der besteht aus 17 mehrteiligen Relief-Karten mit Erläuterungen in Blindenvollschrift. Besonders interessant war natürlich die Teilkarte »Bundesrepublik Deutschland - Autobahnen«. Sie enthält das Autobahnnetz der Bundesrepublik und die zur Orientierung notwendigen Städte.
Unterwegs im Auto wurden dann die Heftchen der Reihe »Autobahnanschlüsse« benutzt. Im handlichen Format von 13 x 17 cm geben sie Auskunft über die Reihenfolge der Auf- und Abfahrten (Anschlussstellen) je einer der wichtigsten Bundesautobahnen. Die Nummern der Anschlüsse sowie die Entfernungen zwischen den Anschlüssen sind ebenfalls angegeben. Das Deckblatt ist in Form eines Reliefs gestaltet, das die betreffende Autobahn in den Konturen der Bundesrepublik abbildet. Die Seiten werden von einer Ringbindung zusammengehalten, was leichtes Umschlagen ermöglicht; die aktuelle Seite ist immer oben! Damit wissen auch blinde Beifahrer, wie die nächsten Abfahrten heißen und wie weit es bis dahin ist.
Das Urlaubsziel ist erreicht, nun sind wir im schönen Harz angekommen. Ein bisschen die Beine vertreten wäre nicht verkehrt, eine Rundfahrt auch ganz angenehm und eine Beschreibung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten wünschenswert. Kein Problem, wir greifen zum »Polyglott-Reiseführer Harz«: Der erste Teil stellt das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands vor, seine Legenden, seine Geschichte und Kultur, liefert Informationen über die typische Küche, Tipps für Aktiv-Urlaub, Unterkunft, Verkehrsmittel und zahlreiche weitere praktische Hinweise. Der zweite Teil enthält Städtebeschreibungen von Goslar, Quedlinburg und Wernigerode sowie insgesamt 6 Vorschläge für Besichtigungsrouten. Natürlich hat man hier auch schon mal zu Hause vorbereitend reingelesen.
Nach einer kleinen Stadtbesichtigung bereitet sich unsere Familie allmählich aufs Essen vor. Ein männlicher Teil der imaginären Reisegruppe stimmt sich schon mal mit dem besonders auf Reisen handlichen Minibuch »Zitatenschatz für Feinschmecker« aufs Futtern ein. (Ihnen kann ich's ja verraten, unter seinem Kopfkissen liegt auch noch der erotische Zitatenschatz »Sex ist gut fürs Denken«, ebenfalls ein Minibuch.)
Die Dame des Hauses schmökert unterdessen im neuesten Heft der Bastei-Roman-Reihe, sie interessiert sich brennend für die Abenteuer von Dr. Stefan Frank in »Meinem Kind darf nichts geschehen«. Aber auch der Heimat-Roman »Rosen, Dornen, Dorfgeflüster« lauert noch darauf, von ihr verschlungen zu werden. Die Bastei-Roman-Hefte sind zwar nicht ganz so günstig wie die Fortsetzungen der Zeitschrift »LITERATURTREFF« mit 1,02 € für 44 Seiten Blindenschrift, aber mit 9,20 € für einen ganzen Roman in zwei Heften auch noch erschwinglich.
Die umfangreicheren Werke kann man ja leider nicht mit auf Reisen nehmen, z. B. Stephen Kings Roman »Atlantis« in 7 Bänden oder gar Tolkiens Fantasy-Epos »Der Herr der Ringe«, dessen drei Teile es insgesamt auf 15 Bände bringen. Aber bevor sie sich diese zu Gemüte führt, muss sie sowieso erst mal die neue »DIN 5008« durcharbeiten.
Doch dann wird der eben erst begonnene Urlaub schon vorbei sein, deshalb denkt sie erst mal nicht weiter dran. Schließlich gibt es ja bald Essen, die Harzer Küche wird sicherlich mindestens genauso gut munden wie die von ihr selbst zubereiteten Gerichte, die sie ihren Lieben mit gelegentlicher Unterstützung von »Dr. Oetkers Grundkochbuch« kreiert.

Wir wünschen an dieser Stelle guten Appetit und ziehen uns diskret zurück.

Ich hätte unsere Protagonisten natürlich auch nach Mallorca oder nach Österreich schicken können, Reiseführer bieten wir zu den verschiedensten Urlaubsregionen an und einen Europa-Atlas gibt es auch - neben vielen weiteren Büchern, die durchaus eine Erwähnung verdienen würden.
Vielleicht hat Sie die kleine Auswahl neugierig gemacht, hier nun die Auflistung der erwähnten Titel in der Reihenfolge ihres »Auftrittes«:

 88,20 € BNV 2555
 39,88 €, BNV 2884
 13,80 €, BNV 3335
 9,20 €, BNV 2383
 93,03 €, BNV 3330

Autorenporträt

Wacher Blick auf eine Welt der verstümmelten Wahrheit - Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Susan Sontag

Ein Dasein im Elfenbeinturm? Nach einem Moment der Irritation würde die sonst eher ernste Frau auflachen. Susan Sontag, die sich immer auch als politische Persönlichkeit begriffen hat, steht mitten im Leben. Mit weit geöffneten Augen und einem sehr entwickelten Sensorium für Unrecht wie Unmoral. So hat sie nie ein Blatt vor den Mund genommen, überlegt, ob sie mit einer ihrer entschiedenen Positionen etwa jemandem auf die Füße träte. - Die viel geehrte und gelesene Autorin, von der »Time« mal als »Amerikas öffentliches Gewissen« gepriesen, erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2003.
Eine gute und logische Entscheidung, nicht nur, weil die in New York geborene 70-jährige Schriftstellerin seit langem zum engsten Kreis der Nobelpreis-Kandidaten zählt. Die Jury-Begründung spricht für sich: In einer Welt der gefälschten Bilder und verstümmelten Wahrheiten sei Sontag für die Würde des freien Denkens eingetreten. Treffender ist auch ihr Beitrag für die Hygiene des intellektuellen Klimas in ihrer Heimat kaum zu summieren. Natürlich hat ihr dies immer schon Kritik eingebracht. Sie gilt nicht nur als Grande Dame der zeitgenössischen US-Literatur, nein, zugleich als ihr enfant terrible. Darin Norman Mailer vergleichbar, mischt sie sich verlässlich ein - und wird gescholten, von links und rechts. Die Empörung, die ihr Kommentar zu den Ursachen der Terroranschläge am 11. September 2001 auslöste, bebt noch heute nach.
Sontag hatte da gemeint, die Aktion sei nicht allgemein gegen Zivilisation und Freiheit gerichtet gewesen, sondern Folge der Supermacht-Politik der Bush-Regierung. So messerscharf und unerschrocken pflegt die Frau, die fünf Sprachen spricht und sich regelmäßig längere Zeit in Europa aufhält, stets zu urteilen. Auch vor 20 Jahren, als sie zur Verhängung des Kriegsrechtes in Polen erklärte: »Kommunismus ist Faschismus«.
Obwohl die Welt sie vor allem als Essayistin schätzt, sie selbst sieht sich in erster Linie als Romanautorin. Ihr Erstling »The Benefactor« erschien 1963, gefolgt von »Death Kit« ('67), »The Volcano Lover« (Der Liebhaber des Vulkans) 25 Jahre später und zuletzt »In America«, ein Epos über Polens Theaterdiva Helena Modjeska und das Einwanderungsland USA. Zumindest die beiden jüngsten Bücher findet Sontag »besser gelungen« als alle Essays zusammen.
1933 mit dem Nachnamen Rosenblatt geboren, wurde das gleichermaßen schöne wie selbstbewusste Mädchen von den Großeltern aufgezogen, während die Eltern in China waren. Nach des Vaters Tod zog die Mutter mit Susan und Schwester nach Kalifornien. Dort verschlang die ältere Tochter Enzyklopädien, begann besessen zu lesen, vorzugsweise Edgar Allan Poe. Mit 16 besuchte sie die Universität von Chicago, wo sie Philosophie, Französisch und Literatur studierte. Ein Jahr später heiratete sie. Sohn David ist unterdessen selbst Autor.
Und Susan studierte weiter, in Oxford, Berkeley und Harvard, sie promovierte und ging nach Paris, um sich mit dem Existenzialismus zu befassen. Bald drauf ließ sie sich scheiden, kehrte heim nach New York, unterrichtete und schrieb, während sie pro Tag ein Buch konsumierte, das erste eigene große Werk. Zu ihren Lieblingsschriftstellern gehören W.G. Sebald, Emile Michel Cioran, Joseph Brodsky, mit dem sie befreundet war.
Für »In Amerika« wurde Sontag im Jahr 2000 mit dem höchsten Buchpreis der USA ausgezeichnet, dem National Book Award. Und genau wie ihre Romanheldin hat sie einen Traum: »Alles aufgeben, an der Basis dienen, Menschen mit Aids in Afrika versorgen - das denke ich oft, sollte ich tun«, sagt sie, die ganz in der Nähe des zerstörten World Trade Center lebt und arbeitet. Der Erfüllung des Traums sei sie bisher in Sarajevo am nächsten gekommen. Während des Bosnien-Krieges war sie vor Ort, um die Folgen des Krieges mitzuerleben und helfen zu können. In der belagerten Stadt inszenierte sie damals die bosnische Erstaufführung von Becketts »Warten auf Godot«. Das Stück, so Sontag, sei für sie zum Sinnbild für die weitgehende Untätigkeit des Westens im Angesicht des Elends auf der Welt geworden.
Als Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann Susan Sontag anrief und zur Mitteilung, sie solle ihn bekommen, den Friedenspreis erläutern wollte, zeigte die sich bestens informiert. Auch darüber. Von wegen Elfenbeinturm.
[Quelle: Gisela Hoyer, LVZ vom 18.06.2003]

Titel von Susan Sontag in der DZB:

Hörbuch

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position:
- in der DZB in Punktschrift:
3 Bde., rkzp. BNA 7805
- und als Hörbuch:
10 Kass. I 595

George Orwell: »1984«

Zum Autor:

Orwell, George (eig. Eric Blair), engl. Essayist und Romanschriftsteller, geboren am 25. 6. 1903 in Motihari/Bengal, Indien, gestorben am 21. 1. 1950 in London.
Stipendiat in Eton. 1922-27 bei der britischen Militärpolizei in Indien; sein Protest gegen die britischen Regierungsmethoden spiegelt sich in »Burmese Days«. Gab seine Beamtentätigkeit auf, um am »Leben der Unterdrückten« teilzuhaben, verlebte unruhige Jahre in London und Paris als Vagabund, Tellerwäscher, auch als Lehrer, Buchhandelsgehilfe usw., deren Erfahrungen er in »Down and Out in Paris and London« schildert. Heiratet 1936 Eileen O'Shaughnessy. Erforschte im Auftrag von V. Gollancz die Verhältnisse der Bergarbeiter, gab seine Eindrücke wieder in »The Road to Wigan Pier«. Damals Anhänger der kommunistischen Internationale, später Übertritt zur Labour Party. 1936 freiwillige Teilnahme am Krieg in Spanien, Verwundung. Dann in London Redakteur der »Tribune«, später Mitarbeiter des »New Statesman«. Während des 2. Weltkrieges Mitarbeiter des BBC. Unmittelbar nach Kriegsende durch seinen allegorisch-phantastischen Roman »Animal Farm«, eine geistvolle Satire auf das Diktatorenunwesen und die Tendenzen eines
Massenstaates schlagartig berühmt. Zweite Heirat 1949 mit Sonia Mary Brownell. Vollendete kurz vor seinem Tod auf dem Krankenlager seinen utopischen Roman »1984«, in dem er die in totalitären Staaten vorherrschenden Tendenzen zur Massenknechtung mit grausam-unerbittlicher Konsequenz zu einem warnenden Schreckbild einer unfreien Menschheit zu Ende führte. Seine furchtbaren Zukunftsvisionen zeichnete er mit der Feder eines scharfen Satirikers.

Zum Buch:

Der Roman entstand 1946-48; Erstausgabe London 1949.
In der dreigeteilten Welt von 1984 (drei Superstaaten Ostasien, Eurasien, Ozeanien; drei Klassen der inneren und äußeren Partei und der Masse der Proles) sucht in London Winston Smith, damit beschäftigt, für die Regierung alte Zeitungen umzuschreiben, die Vergangenheit, um festzustellen, ob das Leben einmal besser war als das schäbige, reglementierte, von Hass, Bespitzelung und Hysterie bestimmte unter der Herrschaft des ›Ingsoc‹ (= ›English Socialism‹ als Pervertierung der sozialistischen Werte). Smith nimmt ein - da Sexualität nur zur Fortpflanzung erlaubt ist - kriminelles Verhältnis zu Julia, einer Parteigenossin, auf und sucht mit ihr die Verbindung zu O'Brien, den er für ein Mitglied der Verschwörung gegen den ›Großen Bruder‹, das Symbol der allweisen Parteispitze, hält. Mit der mehr sexuell als intellektuell rebellischen Julia studiert er die von O'Brien zur Verfügung gestellte Schrift ›Theorie und Praxis des oligarchischen Kollektivismus‹ von Emmanuel Goldstein; sie schläft an der Stelle ein, an der das Motiv für das Machtstreben der herrschenden Klasse erläutert werden soll. Nach ihrer beider Verhaftung erfährt er es von O'Brien selbst, der ihnen mit dem Liebesnest über dem Antiquitätenladen eine Falle gestellt hat.
Smith verrät seine Liebe zu Julia in der Konfrontation mit dem (subjektiven) Maximum des Horrors, einem Käfig gefräßiger Ratten. Aus dem unglücklichen, aber lebendigen Menschen mit seinen Schuld-, Angst- aber auch Glücksträumen wird ein leeres Gefäß, das mit der Liebe zum ›Großen Bruder‹ aufgefüllt werden kann. Der in drei Teilen dialektisch aufgebaute Roman (Allein - Beieinander - Getrennt; Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft) verbindet einprägsame, oft satirische Zustandsbeschreibungen mit Elementen des Schauer- und des Weltanschauungsromans, Milieustudien mit überlegter, symbolischer Manier.
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. © Alfred Kröner Verlag]

Weitere Titel von George Orwell in der DZB:
 bzw. 1 Bd., rkzp., BNA 7809

LOUIS

[Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

»DUDEN - die deutsche Rechtschreibung«.

Ein Nachschlagewerk auf CD-ROM auch für blinde Computernutzer unter Windows geeignet

Ulrich Jander

Vor einiger Zeit habe ich mich zum Lexikon »Brockhaus in Text und Bild« geäußert, welches durch blinde Menschen am PC mit blindenspezifischen Hilfsmitteln gut nutzbar ist. Heute möchte ich den »Duden - die neue Rechtschreibung«, der ebenfalls eine CD umfasst, näher behandeln.
Das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus AG und der Duden-Verlag haben mit seinem Programm »PC-Bibliothek Version 3« den »Duden - die neue Rechtschreibung« herausgebracht. Das Programm und die auf der Scheibe befindlichen Daten können durch blinde Computeranwender, fast wie bei sehenden Menschen, gut genutzt werden. Neben dem Duden sind aus derselben Reihe, auch mit dem Anwendungsprogramm »PC-Bibliothek Version 3«, weitere sechs Nachschlagewerke verfügbar, welche alle mit blindenspezifischen Hilfsmitteln gut einsetzbar sein dürften. Es handelt sich um folgende Werke:
 (jeder Titel ca. 20 €),

Der Duden auf CD-ROM ist eine Windowsanwendung; unter MS-DOS funktioniert es demnach nicht. Auch Windows 3.11 kann nicht in Frage kommen. Unter den Betriebssystemen Windows 95, 98, ME, NT oder 2000 ist die CD-ROM lauffähig. Der Rechner sollte ein IBM-kompatibler PC mit Pentium-Prozessor oder leistungsfähiger mit einem freien Festplattenspeicher von mindestens 60 MB, besser 80 MB, sein. Weitere technische Voraussetzungen sind: CD-ROM-Laufwerk, Grafikkarte mit mind. 256 Farben und einer Auflösung von mind. 640x480 Pixel. Für blinde Computernutzer ist der Einsatz eines Bildschirmausleseprogramms (Screenreader) erforderlich. Mit JAWS Version 3.70 als mögliche Software einschließlich einer Scriptdatei ist der Duden gut bedienbar. Auch mit dem Programm HAL soll die CD-ROM ebenso gut funktionieren. Mit der Software SWB gab es jedoch schlechte Erfahrungen. Zum Einsatz weiterer Screenreaderprogramme bezüglich der Bedienbarkeit des Duden kann ich leider keine Aussagen treffen. Es ist zu empfehlen, vor dem Erwerb des Duden den Verkäufer des Screenreaders zu fragen, ob Erfahrungen zur Benutzbarkeit vorliegen. Hinsichtlich jeglichen Produkts ist generell sehr sinnvoll, sich Einschätzungen einzuholen, ob und in welcher Weise der jeweilige Screenreader mit dem für den Kauf beabsichtigten Nachschlagewerk oder anderen zurecht kommt. Anfragen per E-Mail in entsprechenden Mailinglisten sind hier zweckmäßig. Wer keinen E-Mailverkehr nutzt bzw. keine Aussagen des Anbieters des Screenreaders erhalten hat, kann sich bei mir melden. Im konkreten Einzelfall werde ich dann versuchen zu prüfen bzw. E-Mailanfragen in Listen stellen.
Die Installation des Duden kann auch durch blinde Computernutzer gut durchgeführt werden. Auf der CD-ROM existiert eine Datei Setup.exe. Diese muss aufgerufen und den anschließenden Anweisungen gefolgt werden. Installationsschritte sollte man immer etwas langsamer durchführen und alle Informationen dabei aufnehmen, um unnötige Fehler zu vermeiden. Das Bildschirmausleseprogramm JAWS informiert sehr gut über jede einzelne Installationsmaßnahme. Die CD-ROM muss im gesamten Vorgang im Laufwerk bleiben. Fast am Schluss der Installation ist eine Identifikationsnummer einzugeben, welche auf der Rückseite der CD-ROM-Schachtel steht. An dieser Stelle geht es nicht ohne sehende Hilfe. Beim Gebrauch des Dudens ist diese Nummer nicht mehr erforderlich.
Die Bedienung des Programms ist über das Menü, mit ALT-Taste, oder mit Hilfe von Tastenkombinationen sehr gut möglich. Nach dem Start gelangt man sofort in das Suchfenster; man gibt einen Suchbegriff ein, gefolgt von ENTER. Somit gelangt man in eine Liste, in welcher man mit Cursor auf oder ab in den gefundenen Stichworten auswählen kann; anschließend wiederum ENTER drücken und danach die Tab-Taste betätigen. Man steht dann im Textfenster, welches die Informationen zum Suchbegriff enthält. Mit Cursor abwärts kann man diese lesen. Die einzelnen Bereiche (Suchfenster, Liste und Textfenster) sind sowohl mit Hilfe der Sprachausgabe als auch der Braillezeile erfassbar. Zwischen diesen Bereichen springt man mit der Tab-Taste. Im Bereich der Liste wird über die Sprachausgabe der Begriff mit der Listennummer, auf der der Cursor steht, erst angesagt, wenn man ENTER gedrückt hat.
In diesem Beitrag kann ich längst nicht auf alles eingehen. Über das schon angeführte Menü (mit ALT-Taste) ist viel mehr, auch mit Hilfe von Tastenkombinationen, z. B. F3 für erweiterte Suche, möglich.
Dem Duden-Verlag und Brockhaus ist es zu verdanken, dass die Nachschlagewerke der PC-Bibliothek auch durch blinde bzw. hochgradig sehbehinderte Menschen genutzt werden können. Selbstverständlich ist dies leider nicht, denn das Angebot an Nachschlagewerken auf CD-ROM ist im Buchhandel bzw. beim Softwareanbieter recht umfangreich; jedoch für Blinde mit ihren erforderlichen Hilfsmitteln kaum nutzbar.
Der Duden kostet ca. 20 € und ist im Buchhandel bzw. bei Softwareanbietern erhältlich. Es sollte darauf geachtet werden, dass auf der Cd bzw. auf der Schachtel auf das Anwendungsprogramm PC-Bibliothek Version 3 hingewiesen wird. Ausführlichere Informationen können eingeholt werden unter der Internetadresse:
http://www.duden.de oder
http://www.pc-bibliothek.de oder
telefonisch unter: 0621 39010.

Info-Service

Computergestützte Ausleihe in der Punktschriftbibliothek

An dieser Stelle möchten wir Sie über eine grundlegende Veränderung in der Punktschriftbibliothek informieren.
Auch wir haben eine Ausleihe mit Hilfe der EDV seit Jahren angestrebt. Die Vorarbeiten sind nun abgeschlossen. Ab sofort wird die Ausleihe für Sie mit Hilfe des Computers realisiert.
Der Computer wurde also mit allen Daten, die Sie, liebe Leser betreffen, »gefüttert«.
Bei einigen Lesern unserer Bibliothek mussten wir für die Ausleihabwicklung Daten ergänzen. In den nächsten Tagen werden Ihnen in Punktschrift Briefe zugestellt, in denen wir Sie bitten, Ihre Literaturwünsche noch einmal anzuführen.
Wichtig für uns ist es nach wie vor, dass Sie uns sofort telefonisch oder schriftlich über Unregelmäßigkeiten der Belieferung informieren.
In den nächsten DZB-Nachrichten werden wir Sie über unsere ersten Erfahrungen der computergestützten Ausleihe informieren.

Tag der offenen Tür

Susanne Siems

Am 6. September 2003 lädt die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu einem Tag der offenen Tür ein. In der Zeit von 10.00 bis 17. 00 Uhr haben interessierte Gäste die Möglichkeit, bei Führungen das Haus zu erkunden, Studiosprechern über die Schulter zu sehen oder bei der Entstehung eines Punktschriftbuches "live" dabei zu sein. Mitarbeiter des Hauses beantworten gern Ihre vielen Fragen, insbesondere auch zu DAISY, der neuen Hörbuchgeneration. Das Landeshilfsmittelzentrum des BSV Sachsen bietet seine Produkte an und zwei weitere Aussteller werden anwesend sein.
Für das leibliche Wohl wird gesorgt. Mit der Nachmittagsveranstaltung bietet die DZB auch sächsisches Flair. Gunter Böhnke, über 20 Jahre Mitglied des legendären Leipziger Kabaretts "academixer", wird ab 14.00 Uhr in der Cafeteria der DZB zu Gast sein.
Also, besuchen Sie nicht nur die zukünftige Olympiastadt, sondern auch unsere Blindenbibliothek im Waldstraßenviertel, nur 15 Minuten vom Leipziger Hauptbahnhof entfernt.
Für Voranmeldungen sind wir dankbar, weil sie die Planung erleichtern.

Meldungen bitte an folgende Kontaktadresse:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig
Gustav-Adolf-Str. 7
04105 Leipzig
Tel.: 0341/7113-148 (Frau Neumann)
E-Mail: info@dzb.de

»Die Zeit«-Audio-Dateien

»Die Zeit« bietet ausgewählte Artikel aus den Bereichen Aktuell, Politik, Wirtschaft, Wissen, Feuilleton, Leben und Reisen als Audio-Dateien an. So lassen sich die Artikel nun als 32-kbps-Stream direkt am PC, z.B. nebenbei zur Hausarbeit, anhören oder direkt als mp3-Datei für unterwegs kopieren.
Technisch überzeugt das Angebot auf ganzer Linie: Bei den Streams hat man die Wahl zwischen Real Audio-, Windows Media- oder mp3-Format, die mp3s zum Runterladen liegen in »HiFi-Qualität« mit 96 kbps vor (auf eine speicherfressende Stereo-Kodierung wurde sinnvollerweise verzichtet, vom Klang entsprechen die Dateien einem 192-kbps-Stereo-mp3).
Und das Beste - und Überraschendste - an dem Angebot: es ist kostenfrei!
http://hoeren.zeit.de
[Quelle: AME-netNewsLetter 13.06.2003, ISSN 1617-2116, Ausgabe 24/2003]

Der Blinde im geltenden Recht

Die Broschüre »Der Blinde im geltenden Recht«, 6. Auflage ist soeben erschienen. Sie kann ab sofort im Schwarzdruck kostenlos bei der Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde von 1860, Hoffmann-von-Fallersleben-Platz 3 in 10713 Berlin, Tel.: 030 8234328
oder E-Mail: info@blindenfreunde.de
bezogen werden. Eine CD ist in Vorbereitung.

Kunstausstellung für alle Sinne in Marl

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Eine Ausstellung mit Gegenwartskunst für alle
Sinne zeigt das Skulpturenmuseum Glaskasten im westfälischen Marl vom 20. Juli bis zum 28. September 2003. 17 Künstler setzen sich in ihren Werken für die Präsentation »Mit Sinnen« mit den Wahrnehmungsfähigkeiten Behinderter und Nichtbehinderter auseinander. Das Museum (im Rathaus Marl, Creiler Platz) ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. In Münster, Detmold, Dortmund und Düsseldorf werden weitere Exponate zum Thema ausgestellt.
Informationen unter
Telefon 02365 992257,
E-Mail: skulpturenmuseum@stadt.marl.de.

EBSD Westfalen legt Studienreisen-Programm für 2004 vor

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Seit 25 Jahren veranstaltet der Evangelische
Blinden- und Sehbehindertendienst Westfalen
Studienreisen für Blinde, Sehbehinderte und Sehende. Im Jahr 2004 wird im April eine Iran-Rundreise angeboten, im Mai eine Irland-Tour. Im Hochsommer stehen zwei Wochen in der Mongolei auf dem Programm, im Herbst geht es dann nach Tibet und später nach Ägypten mit einer Kreuzfahrt auf dem Nil.
Informationen gibt Carla M. Arning, Dr.-Großmann-Str. 3, 32602 Vlotho, Telefon und Fax 05733 / 6210.

Einladung zum Schnuppertag

Roland Zimmermann [Pressewart BBSV]

Der Berliner Blindensportverein (BBSV) wird 75 Jahre jung und dies ist ein Grund zu feiern!
Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten findet am Sonntag, dem 14. September 2003, der BBSV-Schnuppertag statt, an dem der Sportverein sein vielfältiges Angebot vorstellt und zum Mitmachen einlädt!
Mit kleinen Darbietungen ihres Könnens stellen sich ab 11:00 Uhr die Tanz-, Eikido-, Kegel-, Gymnastik- und Tandemgruppen des Vereins vor, die alle Besucher zum Mitmachen und Ausprobieren einladen. Sportlicher Spaß ist also garantiert, zumal einige Überraschungen in Vorbereitung sind, auch auf Sehende einige sportliche Herausforderungen im Dunkeln warten und reichhaltige Verpflegung für eine behagliche Atmosphäre sorgen werden.
Veranstaltungsort ist das Gelände des ABSV, Auerbacher Straße 7, in Berlin-Grunewald (S-Bahnhaltestelle Berlin-Grunewald).
Veranstaltungsbeginn ist 11:00 Uhr.

Impressum


Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 7,67 € bzw. 13,79 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 12,27 €). Preisangaben zzgl. gesetzlich gültiger MwSt.

Kostenlose Beilage:

»Leipziger Bücherliste«

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel. 0341 7113-0,
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de, www.dzb.de

Redaktion:

Karsten Sachse, Tel. 0341 7113-135

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DZB 2003