DZB-NACHRICHTEN
Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 6 / 2003
November / Dezember
13. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Postecke
Einblicke
    »Literaturtreff« 2004
Literaturnobelpreis 2003
    Laudatio der Schwedischen Akademie
Deutscher Bücherpreis 2004
Die Kramkiste
    Martin Andersen Nexö: »Ditte Menschenkind«
    William Somerset Maugham: »Julia, du bist zauberhaft«
Bücher des Jahrhunderts
    Samuel Beckett: Warten auf Godot
LOUIS
    Sind geografische Informationen im Internet auch textorientiert zugänglich?
Info-Service
    DZBN und Bücherliste im DAISY-Format
    Mitteilung der Hörbücherei
    Neuer Vorstand der AG BDB
    Neue DAISY-Abspielgeräte
    Medienpaket »Ausbildung Beruf Chancen«
    Barrierefreies Internet-Banking
    Neue Selbsthilfegruppe
Anzeigen
Impressum

Vorbemerkung

In den DZBN 5/2003 veröffentlichten wir im Info-Service eine Information der Aktion Mensch. Die angegebene Telefonnummer war unvollständig. Hier die vollständige Rufnummer: 0228 2092-121. Wir danken Herrn Michael Bibo für seinen Hinweis.
Die vorliegende Ausgabe der DZBN mag etwas »buchlastig« geraten sein. Aber so kurz vor der Weihnachtszeit ist wohl nichts gegen etwas mehr Literatur einzuwenden - und die DZB ist ja schließlich eine Bücherei. Da kommen wir gar nicht umhin, den Literaturnobelpreisträger zu erwähnen und hinsichtlich der im Frühjahr bevorstehenden Verleihung des Deutschen Bücherpreises die Fühler auszustrecken und nach den nominierten Büchern zu fragen. Außerdem darf ich Ihnen noch die Titel für den nächsten Jahrgang unserer Zeitschrift »Literaturtreff« vorstellen.

Nun aber die wohl interessanteste Neuigkeit:
Ab der nächsten Ausgabe, das ist die Nummer 1/2004, können Sie die »DZB-Nachrichten« samt Beilage »Leipziger Bücherliste« u. a. auch im DAISY-Format auf CD-ROM beziehen.
Einzelheiten zum Inhalt und Aufbau der CD-ROM erfahren Sie im Info-Service.
Lesen Sie »schön« und kommen Sie gut über den Jahreswechsel: »… ein bisschen Frieden, ein bisschen Glück! …«

Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

»Die Mediziner kommen« (I)

»(…) Am besten gefiel mir der Bericht von Dr. Werner Uhlig. Diese Initiative finde ich sehr gut. So etwas müsste es überall in Deutschland geben, wo medizinisches Personal geschult wird.
Zur Situationskomik könnte sicher mancher Leser etwas beisteuern, woraus ein ›Heiteres Gesundheitsmagazin - oder wie man es nicht machen sollte‹ entstehen könnte, was für die Medizinstudenten eine heitere und lehrreiche Lektüre wäre. Aber Scherz beiseite. Ich habe im Umgang mit Ärzten und Schwestern auch gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Wichtig erscheint mir, dass der Begleiter dem Personal gegenüber anzeigt, dass nicht er, sondern der Blinde der Patient ist. Ein solches Verhalten gilt auch für Behörden. Bei mir hat das bisher immer funktioniert.
Mein merkwürdigstes Erlebnis in dieser Hinsicht: Es klingelte an meiner Wohnungstür. Da ich den Besucher nicht anschauen kann, sagte ich ›Bitte‹. Darauf eine Frauenstimme: ›Ach, Sie sind ja blind, da kann ich Sie wohl gar nichts fragen?‹ Darauf ich: ›Ich sehe Sie zwar nicht, aber ich höre Sie gut, also was wünschen Sie?‹ Es war eine Krankenschwester, die einen Hausbesuch bei einer alten Dame machen wollte, die nicht öffnete. (...) Ein solches Verhalten von einer Krankenschwester wunderte mich sehr. Kann ein medizinisch gebildeter Mensch glauben, dass Dunkelheit in den Augen auch Dunkelheit im Gehirn bedeutet? Oder wollte sie mich nicht in Verlegenheit bringen? Schon oft stellte ich mir die Frage, warum sich manche Ärzte und Schwestern mit uns so schwer tun, obwohl sie doch oft mit Menschen in Berührung kommen, die ›anders sind‹ als Gesunde.
Etwas anderes stellte ich im Laufe der Zeit noch fest: Im Gesundheitswesen, auch bei Augenärzten, erlebe ich weniger Rücksichtnahme und mehr Gedankenlosigkeit als bei den Menschen, die mir im Alltag begegnen. (…)«
[Ursula Steinbrich, Chemnitz]

»Die Mediziner kommen« (II)

»(...) Zweimal ganz dickes Lob! Zum einen finde ich die Einrichtung der ›Kramkiste‹ in unserer Zeitschrift herrlich. Da der dreibändige Katalog von 1995 keine Inhaltsangaben bietet und dies bei eventueller Neugestaltung dessen auch nicht machbar sein wird, ist es ein wahrer Segen, wenn auf diese Weise alte Schätze wieder ans Tageslicht gehoben werden.
Zum anderen für den Bericht ›Die Mediziner kommen‹. Und ob das Öffentlichkeitsarbeit ist! (...) Ein Beispiel, das jedem Blindenverein wärmstens zur Nachahmung empfohlen sei. Dieser Bericht sollte in der ›Gegenwart‹ und im ›horus‹ nachgedruckt werden. Das Thema ›Blinde im Krankenhaus‹ wäre eine breitere Diskussion wert, sollte aber in den beiden genannten Zeitschriften diskutiert werden, weil es den Rahmen der ›DZB-Nachrichten‹ wohl sprengen würde. Es kann dabei nicht nur darum gehen, Klagelieder anzustimmen, sondern vor allem darum, was ich als einzelner Betroffener tun kann, vorausgesetzt, ich komme bei klarem Verstand ins Krankenhaus. (...)«
[Günther Schmohl, Gernsbach]

Einblicke

»Literaturtreff« 2004

Karsten Sachse

Bald ist Winteranfang und dann steht nächstens Weihnachten vor der Tür. Es ist allerdings wirklich noch etwas Zeit, auch wenn Supermärkte und Warenhäuser schon seit Wochen mit entsprechenden Auslagen suggerieren, dass der Weihnachtsmann uns direkt im Anschluss an die Sommerferien beehrt (Kommt wahrscheinlich per Wasserski von den Weihnachtsinseln!). Ich frage mich, ob das nicht das alte Zeugs vom Vorjahr ist …
Wie dem auch sei, auf jeden Fall verbinden sich mit Weihnachten ja nicht nur Gedanken wie Friede, Freude und Völlerei, sondern ebenfalls die Vorfreude auf ein gerüttelt Maß freie Zeit in gemütlichen, beheizten Räumen. Wer dann noch die Abkehr vom TV übt, der wird wohl dann und wann zur Lektüre greifen. Das genau ist der Zeitpunkt, an dem wir als DZB auf den Plan treten und versuchen, Sie mit entsprechenden Angeboten auch über die Feiertage hinaus bei Leselaune zu halten. Eine der diesbezüglichen »Stimulanzen« stellt auf jeden Fall unsere Punktdruckzeitschrift »Literaturtreff« dar. Diese Zeitschrift erscheint wöchentlich und bietet in handlicher Heftform etwas, das Punktschriftleser ansonsten nur in Ordnern mit dem Charme eines staubigen Aktenbündels oder in edel eingebundenen und damit kostspieligen Schwergewichten zu greifen bekommen: Romane und Erzählungen namhafter in- und ausländischer Autoren im Matrizendruck, also in höchster Druckqualität.
Jedes der preiswerten Hefte kostet 1,02 EUR, womit es ein ganzes Jahresabo mit insgesamt 52 Heften auf lediglich 53,04 EUR bringt. Ein weiterer Vorteil für Abonnenten ist die Exklusivität: Alle die in dieser Zeitschrift in Fortsetzungen erscheinenden Romane und Erzählungen sind erstmalig in Punktschrift lesbar!
Hier eine Vorschau auf die für 2004 vorgesehenen Titel:
Der Jahrgang wird eröffnet mit einem Roman des populären finnischen Schriftstellers Arto Paasilinna: »Das Jahr des Hasen« erzählt die Geschichte eines Journalisten, dem ein Hase vor das Auto hoppelt - und fortan ist nichts mehr, wie es war. Paasilinnas dritter Roman, wunderbar erzählt, todernst und urkomisch zugleich, wurde in sieben Sprachen übersetzt und außerdem verfilmt. Paasilinna gilt als »Meister des skurrilen Humors« und wurde für seine Bücher mit zahlreichen nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet. Auch im »Literaturtreff« war der Finne schon vertreten.
Vom Humor gehen wir dann zum Zeitgeschehen über. Susanne Leinemann schildert in »Aufgewacht. Mauer weg« den Mauerfall und die Ereignisse um den 9. November 1989 aus westlicher Perspektive. Dabei setzt sie sich mit ideologischen Vor- und Nachhutgefechten auseinander und erzählt, was die Menschen hinter den offiziellen Verlautbarungen bewegt und beschäftigt hat. Die Autorin, geboren 1968 in Hamburg, wuchs in Washington D.C. und Bonn auf. Sie studierte Geschichte in Jena, für die Abschlussarbeit über die NVA erhielt sie einen militärgeschichtlichen Preis.
Um die Liebe geht es in dem berührenden Buch »Der Traum des Leuchtturmwärters« von Sergio Bambaren. In der Nähe eines verwunschenen Leuchtturms finden Paola und Martin den Platz, der nur ihnen beiden gehört. Doch erst die Weisheit des alten Leuchtturmwärters zeigt ihnen, dass es mehr braucht als Gefühle und Leidenschaft. Ein Buch über den Mut, den man braucht, um seine eigenen Träume wahr zu machen und zu erkennen, dass es die ganz große Liebe nur einmal im Leben gibt. Der Autor wurde 1960 in Peru geboren und lebt heute in Lima.
Einer der »Großen« der deutschen Gegenwartsliteratur ist der 1948 in Hamburg geborene Bodo Kirchhoff. Um so verwunderlicher erscheinen zunächst Titel und Inhalt seines Buches »Schundroman«. Darin gerät der Auftragskiller Hold auf die schiefe Ebene der Frankfurter Buchmesse. Erst tötet er den falschen Mann (einen berühmten Literaturkritiker), dann verliebt er sich auch noch in die richtige Frau: »(…) dieses Mal knallen nicht nur bei den handelnden Figuren die Sicherungen durch, sondern auch beim Autor. Nicht nur die Figuren laufen Amok, der Autor tut es auch. Er schlägt in seinem spritzigen, ja blutspritzigen Schundroman - der Titel ist ästhetisches Programm - Kapriolen, wie man sie selbst bei einem so ausgebufften Erzähler wie Bodo Kirchhoff nicht für möglich gehalten hätte. Kirchhoff war nicht zu bremsen. (…)« [Hajo Steinert am 26.6.2002 in der Sendung »Büchermarkt« vom Deutschlandfunk.]
Bis hierher haben wir die Themen Humor, Zeitgeschichte, Liebe und Krimi in unserer Auswahl berücksichtigt.
Über den nächsten Titel werden alle Tier-, und unter diesen speziell die Hundefreunde, erfreut sein: »Buster« ist ein Waisenhund und findet endlich ein Zuhause. Die Erlebnisse mit seinem Menschen beschreibt er humorvoll und bissig aus seiner ganz persönlichen Sicht. Aufgeschrieben hat sie kein Geringerer als ein ehemaliger Verteidigungsminister von Großbritannien, Roy Hattersley.
Der Spanier Rafael Chirbes, Jahrgang 1949, hat die mediterrane Welt erkundet. »Am Mittelmeer« entführt in die alten Städte und Orte rings um die Wiege Europas. Kairo, Alexandria, Genua, Kreta, Rom zeigt uns Chirbes als Teile eines bunten Mosaiks einer gemeinsamen Kultur. Einer Kultur, die nicht nur ein westliches Gesicht hat, sondern auch ein östliches und afrikanisches, und aus dieser Mischung ihre anhaltende Faszination gewinnt.
Eine weitere Liebesgeschichte stammt von Gerd Kassühlke und trägt den Titel »Schwesterchen und Luka«. Aaron, Mitte 40, liebt Emma, Mitte 30, seit er sie kennt. Doch er hat sich nie getraut, ihr seine Gefühle zu gestehen. Stattdessen fungiert er als ihr bester Freund, nennt sie »Schwesterchen« und spielt auch für ihre zehnjährige Tochter Luka den Ersatzdaddy. Ob oder wie sich die einsamen Herzen finden, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Besonders durch seine Gerichtsthriller ist der Amerikaner John Grisham (Jahrgang 1955) bekannt geworden. Grisham, ehemals selbst Anwalt, arbeitet mittlerweile »nur« noch als Schriftsteller. Seiner Feder verdanken wir eine Weihnachtsgeschichte mit dem Titel »Das Fest«. Ein Ehepaar beschließt zum ersten Mal seit zwanzig Jahren mit den gesellschaftlichen Konventionen zu brechen und Weihnachten ausfallen zu lassen. Obwohl deshalb allerorts geächtet, halten sie eisern durch. Bis an den Morgen des 24. Dezember … »Das Fest« ist kein Thriller, sondern ein überaus vergnüglich zu lesendes Buch über die sozialen Zwänge einer Gemeinschaft zur Weihnachtszeit.
Ohne Märchen, Mythen und Sagen geht es zum Jahresende dann aber doch nicht. Deshalb soll das Buch »Raunächte« von Sigrid Früh, einer der bekanntesten Märchen- und Sagenforscherinnen Deutschlands, den 2004er Jahrgang des »Literaturtreff« beschließen. Die zwölf heiligen Nächte zwischen dem Weihnachtsfest und dem 6. Januar, in denen die Erde in sich geht und sich auf das neue Jahr vorbereitet, sind voller mystischer und magischer Bedeutungen, die sich in Märchen, Brauchtum und Aberglaube wiederfinden. Lesen Sie vom Kampf des Lichtes gegen die Finsternis, von der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse …
Ich denke, dass der »Literaturtreff« 2004 ein interessanter und abwechslungsreicher Jahrgang wird und darf Ihnen eine angenehme Lektüre wünschen.

Literaturnobelpreis 2003

Seit 2. Oktober ist es offiziell, der diesjährige Literaturnobelpreis geht an den Südafrikaner John Maxwell Coetzee.
Als zweiter Vorname J. M. Coetzees waren nach Bekanntgabe der Entscheidung drei Versionen in Umlauf: Marie, Maxwell und Michael. Selbst der S. Fischer Verlag konnte das Rätsel nicht lösen. Seinen Vornamen kürze der Autor stets mit J. M. ab. Insider hätten dem Autor daher den zweiten Vornamen »Mystery« (Geheimnis) gegeben. Die Schwedische Akademie legte sich auf »John Maxwell Coetzee« fest. Der Name spricht sich nach Angaben des Verlags »Kudzí« bzw. nach Angaben südafrikanischer Muttersprachler »Kudzíje« aus, jeweils mit Betonung auf der zweiten Silbe. [Quelle: http://www.welt.de]

Laudatio der Schwedischen Akademie

J.M. Coetzees Romane zeichnen sich durch verschlagene Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillanz aus. Aber er ist gleichzeitig ein gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation. Seine intellektuelle Ehrlichkeit zersetzt alle Grundlagen des Trostes und distanziert sich vom billigen Theater der Reue und des Bekenntnisses. Auch wenn seine eigene Überzeugung durchscheint wie in der Verteidigung der Rechte der Tiere, so erhellt er eher die Voraussetzungen dieser Überzeugung, als dass er für sie argumentiert.
Coetzee ist vor allem an Situationen interessiert, wo die Unterscheidung von richtig und falsch sich als unbrauchbar erweist, obwohl sie kristallklar ist. Wie der Mann in einem bekannten Gemälde Magrittes, der seinen Nacken im Spiegel sieht, stehen Coetzees Gestalten in den entscheidenden Augenblicken unbeweglich hinter sich selbst, unfähig in ihren Handlungen anwesend zu sein. Aber die Passivität ist nicht nur der dunkle Dunst, der die Persönlichkeit verschluckt, sie ist auch das äußerste Mittel, das der Mensch hat, der einer unterdrückenden Ordnung trotzen will, indem er sich vor ihren Absichten unerreichbar macht. Indem er Schwäche und Niederlage erforscht, fängt Coetzee den göttlichen Funken des Menschen.
Der Debütroman »Dusklands« war die erste Probe eines Einfühlungsvermögens, mit dessen Hilfe Coetzee immer wieder unter die Haut des Fremden und Abstoßenden kriecht. Ein Mann, der während des Vietnam-Krieges für die amerikanische Verwaltung arbeitet, träumt davon, ein unüberwindbares System der psychologischen Kriegführung zu gestalten, während sein Privatleben in Trümmer zerfällt. Seine Überlegungen werden mit einem Bericht über eine Entdeckungsreise ins Land der schwarzen Eingeborenen zusammengestellt, der angeblich von einem Buren während der Pionier-Zeit im 18. Jahrhundert aufgezeichnet wurde. Zwei Arten von Menschenverachtung, die eine intellektuell und größenwahnsinnig, die andere vital und barbarisch, spiegeln sich ineinander.
Das folgende Buch, »Im Herzen des Landes«, trägt Züge der Schilderung einer Psychose. Eine vergrämte Haustochter betrachtet mit Unwillen die Liebesbeziehung ihres Vaters mit einer jungen Farbigen. In ihrer Phantasie ermordet sie die beiden, aber allem Anschein nach entscheidet sie sich lieber dafür, sich in einen perversen Pakt mit dem Diener des Hauses einzuschließen. Der eigentliche Ablauf des Geschehens ist nicht festzustellen, da die einzige Quelle des Lesers ihre Aufzeichnungen sind, in denen Lüge und Wahrheit, Rohheit und Verfeinerung launenhaft von Zeile zu Zeile wechseln. Die prunkende Edwardianische Kunstprosa des Monologs der Frau harmoniert auf seltsame Weise mit der umgebenden afrikanischen Landschaft.
»Warten auf die Barbaren« ist ein politischer Thriller in der Tradition Joseph Conrads, in dem die Vertrauensseligkeit des Idealisten das Tor zum Grauen öffnet. Der spielerische Metaroman »Mr. Cruso, Mrs. Barton und Mr. Foe« berichtet eine Lügengeschichte über die Unvereinbarkeit und Unzertrennlichkeit der Literatur und des Lebens, die von der Frau vorgetragen wird, die Teil einer großen Erzählung werden will, wo eigentlich nur eine kleine vorhanden ist.
Mit dem Roman »Leben und Zeit des Michael K«, der seine Wurzeln sowohl bei Defoe als auch bei Kafka und Beckett hat, wird der Eindruck, Coetzee sei ein Dichter der Einsamkeit, verdeutlicht. Der Roman behandelt die Flucht eines unbedeutenden Mitbürgers vor wachsender Unordnung und heranziehendem Krieg in einen Zustand von Bedürfnislosigkeit und Stummheit, der die Logik der Macht außer Kraft setzt.
»Der Meister von Petersburg« paraphrasiert Dostojewskis Leben und Romanwelt. In seinem Herzen von der Welt wegzusterben - die Versuchung, der sich Coetzees erdichtete Gestalten gegenübersehen - stellt sich als das Prinzip der gewissenlosen Freiheit des Terrorismus heraus. Das Ringen des Verfassers mit dem Problem des Bösen bekommt hier einen Zug von Dämonologie, der in seinem jüngsten Buch »Elizabeth Costello« wiederkehrt.
In »Schande« engagiert sich Coetzee für den Kampf eines entehrten Universitätslehrers um seine Ehre und die Ehre seiner Tochter unter den neuen Gegebenheiten, die in Südafrika nach dem Fall der weißen Herrschaft entstanden sind. Der Roman berührt eine zentrale Frage seiner schriftstellerischen Arbeit: Ist es möglich, der Geschichte zu entgehen?
»Der Junge. Eine afrikanische Kindheit« kreist vor autobiographischem Hintergrund vor allem um die Erniedrigung des Vaters und die Gespaltenheit, die sie beim Sohn hinterlässt, aber das Buch vermittelt auch eine magische Anwesenheit in einem altmodischen südafrikanischen Landleben mit seinen ewigen Konflikten zwischen Burischem und Englischem, zwischen Weiß und Schwarz. In der Fortsetzung »Die jungen Jahre« seziert der Verfasser sich selbst als jungen Mann mit einer Grausamkeit, die verwunderlich tröstend ist für einen jeden, der sich wiedererkennt.
Der Variationsreichtum in Coetzees Werk ist groß. Er verfertigt nie zwei Bücher nach demselben Rezept. Bei beharrlicher Lektüre tritt als ein sich wiederholendes Muster die Fahrt in einem sich nach unten drehenden Strudel hervor, die er für die Erlösung seiner Gestalten als notwendig erachtet. Seine Helden werden von der Sehnsucht zu sinken übermannt, aber gewinnen paradoxerweise Stärke dadurch, dass sie aller äußeren Würde entkleidet werden.
Die Schwedische Akademie
[Quelle: http://www.nobel.se]

In der DZB vorhandene Titel von J. M. Coetzee:

2 Bde., rkzp., BNA 9180
3 Bde., rkzp., BNA 9245, BNV 3300, 33,75 €

Deutscher Bücherpreis 2004

Vom 15. Januar bis 7. März 2004 findet die deutschlandweite Abstimmung über den Publikumspreis statt: Leserinnen und Leser wählen ihr Lieblingsbuch des Jahres. Am 25. März werden dann auf der vom MDR und 3sat live ausgestrahlten Bücherpreisgala in Leipzig prominente Laudatoren die Sieger küren.
Die vorliegende Auswahlliste wurde von den Buchhändlern bestimmt. Hier die jeweils drei nominierten Titel in den jeweiligen Kategorien:

Kategorie Belletristik

Punktschriftausgabe in der DZB in Vorb.
(Blanvalet)
(S. Fischer)

Kategorie Sachbuch

(Piper),
Punktschriftausgabe in der DZB in Vorb.
(Rowohlt)
(Dorling Kindersley).

Kategorie Kinder- und Jugendbuch

das Ur-Panamabuch »Oh, wie schön ist Panama : die Geschichte, wie der kleine Tiger und der kleine Bär nach Panama reisen« ist in der DZB in Punktschrift vorhanden:
1 Br., SchM, vzp., 4,60 €, BNV 3031 oder 1 Br., SchM, rkzp., 4,60 €, BNV 3033

Kategorie Debüt

(Eichborn)
(Diogenes)

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Martin Andersen Nexö: »Ditte Menschenkind«

Susanne Siems

[Punktschriftbibliothek]

Der Abschied vom Sommer, dem Bilderbuchsommer, fiel schwer, sehr schwer. Und dennoch kam mit den ersten kalten Tagen das Blut des Mitteleuropäers in mir durch. Ich kann nicht sagen, dass ich sie nicht liebe, die Melancholie des Herbstes, die bunten Farben, Wind und Regen, das Gefühl, wenn man endlich zu Hause ist, hat man es wirklich gemütlich bei Kerzenschein und einem Tee mit Rum. Einbildung oder Tatsache, Literaturwissenschaftler mögen es sachlich erklären, die Faszination skandinavischer Autoren wächst in diesen Tagen zumindest bei mir - Peter Hoeg, Hanna Frederiksson oder Selma Lagerlöf, sie alle scheinen wieder ein Stück näher gerückt. Kein Wunder, dass mir da für die heutige Kramkiste ein Buch einfiel, welches ich vor langer Zeit las.
Ditte Menschenkind gehört zu den großen Frauengestalten der Weltliteratur. Wenn es das gäbe - sie hätte sich gut verstanden mit Kristin Lavranstocher und Jane Eyre.
Ditte wächst als uneheliches Kind im dänischen Seeland der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf. Der Vater hat es geschafft, sich mit 200 Kronen von seiner Verantwortung freizukaufen. Auch die Mutter hat kein Interesse an dem Kind, zum Glück, wie man an späterer Stelle des Romans finden wird. So wächst Ditte bei den Großeltern Sören und Maren auf. Es ist eine ärmliche Kindheit auf dem Land, die aber von der Liebe der beiden Alten zu ihrem Enkelkind geprägt ist. Ditte gehört dem uralten dänischen Geschlecht »Mann« an, »einem abgehärteten Geschlecht, dessen Hände Wachstum schufen. Es wurde das eigentümlichste Kennzeichen des Geschlechtes Mann, dass alles, was es anrührte, lebte und gedieh ... Aber sie waren nicht geschickt darin, den Ertrag ihrer Arbeit festzuhalten, und ließen andre damit davonlaufen«. Das zeigt, in 2 Sätzen zusammengefasst, das Schicksal Dittes auf. Sie wächst heran, genießt eine kurze Kindheit bei Sören und Maren, um dann bei Mutter und Stiefvater deren Kinder zu betreuen. Mütterchen Ditte heißt dieser Teil des Buches. Selbst noch ein Kind, geht Ditte ganz in der Betreuung der kleinen Familie auf. Die Mutter, herzlos wie eh zu ihrer Tochter, muss ins Gefängnis. So ist es das Mädchen, das Verantwortung für den Fischer Lars Peter und seine Kinder übernimmt und ihnen die Mutter ersetzt. Die Armut, man erfährt zum Beispiel wie wörtlich der Begriff Lumpenproletariat zu nehmen ist, bedrückt den Leser. Aber es ist nicht so, dass man nicht weiterlesen möchte, in Trübseligkeit verfällt. Weil die Titelheldin das auch nicht tut. Sie begehrt nicht auf, läuft nicht weg, sondern lebt ihr Leben, wie sie es vorfindet und bei den Menschen ihrer Heimat nur leben kann. Doch halt, es stimmt nicht, dass sie nicht aufbegehren würde. »Sie ist immer so maßlos in ihren Gefühlen ..., fand man«. Sie wehrt sich, indem sie sie selbst bleibt, tapfer, klug und vor allem mit dem Mut und der Kraft, sich für die Menschen um sie, die ihre Hilfe brauchen, einzusetzen. Nach der Konfirmation kommt Ditte auf einen Nachbarhof als Dienstmädchen. Die Leute dort sind hartherzig und lassen sie, die eigentlich noch Kind ist, Arbeit für Erwachsene verrichten. Einzig der Sohn Karl, von seiner Familie verlacht, gewinnt ihre Zuneigung. Jedoch, als sie ein Kind von ihm erwartet, erweist sich Karl als zu schwach, zu ihr zu stehen. Ditte braucht wieder einmal die Kraft, Schwierigkeiten allein zu meistern. Der Leser findet sie wenig später in der großen Stadt Kopenhagen wieder. Wie es ihr da ergeht, wie Ditte zu zwei weiteren Kindern kommt und welche Menschen ihr sonst noch begegnen, dass sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, im Roman nachblättern.
Von der Literaturwissenschaft wurde das Buch als ein Werk bezeichnet, das dem sozialistischen Realismus nahe steht. Andersen Nexö, selbst aus proletarischen Verhältnissen stammend, war überzeugter Sozialist und verbrachte seine letzten Lebensjahre in der DDR, wo er 1954 in Dresden starb. Durch theoretische, plakative und einseitige Wertungen ist viel an wirklich lesenswerter Literatur zerredet worden, in Ost und West. Man kann über Bücher reden, aber eigentlich ist das für den Leser zweitrangig, weil jedes gute Buch sehr gut für sich allein sprechen kann. Das gilt auch für den vorliegenden Roman »Ditte Menschenkind«. Mit der Veröffentlichung eines Werkes gibt der Autor auch das Recht auf Wertung an den Leser weiter. Meine fällt in diesem Fall so positiv aus, dass ich Ihnen die Lektüre nur empfehlen kann.

Sie können den Titel ausleihen in Punktschrift, Vollschrift, 19 Bände, BNA 3378 oder reformierter Kurzschrift, 8 Bände, BNA 2034 (Kauf: 89,99 €, BNV 266). Das Hörbuch wurde von Irmgard Lehmann gesprochen und ist auf 20 Kassetten unter der Bestellnummer 680 ausleihbar.

Weitere Titel im Bestand der DZB:

1 Bd., vh., BNA 819 oder
1 Bd., rkzp., BNA 2251, BNV 347, 17,90 €
2 Bde., kh., BNA 840 oder 4 Kass., 1447
1 Bd., kh., BNA 349
1 Bd., kh., BNA 1335 oder 2 Kass. 1
3 Bde., kh., BNA 306
3 Bde., vh., BNA 2128 oder 4 Kass. 113
6 Bde., kh., BNA 1321
6 Bde., kh., BNA 966 oder 9 Kass. 489
1 Bd., vh., BNA 2088 oder
1 Bd., kh., BNA 2205
10 Bde., kh., BNA 870 oder 4 Kass. 59
6 Kass. 490
13 Kass. 488
18 Kass. 1785
26 Bde., kh., BNA 756 oder 33 Kass. 402
1 Bd., vh., BNA 3324 oder
1 Bd., kzp., BNA 1074

William Somerset Maugham: »Julia, du bist zauberhaft«

Jana Waldt

[Hörbücherei]

Für diese Kramkiste habe ich einen Roman von William Somerset Maugham ausgewählt. Herr Klemm hat an gleicher Stelle vor einigen Monaten bereits »Der bunte Schleier« von ihm besprochen.
William Somerset Maugham, geboren 1874 als Sohn eines englischen Rechtsanwalts, gestorben 1965 in Nizza, gehört zu den erfolgreichsten englischen Unterhaltungsschriftstellern des 20. Jahrhunderts. Viele seiner Gesellschaftskomödien eroberten die Bühnen.
Der hier näher vorgestellte Roman spielt etwa in den 30er Jahren und erzählt von Julia Lambert, Star der Londoner Theaterszene, die an der Seite ihres Mannes, Direktor des Theaters, an dem sie engagiert ist, und ihres fast erwachsenen Sohnes ein glückliches und sorgenfreies Leben führt. Sie steht im Mittelpunkt der Londoner Gesellschaft.
Auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere gibt sie einer Laune nach und lässt sich auf eine Liebschaft mit dem jungen Steuerberater Thomas Fennel ein, der wiederum für ihren Mann arbeitet.
Erst spät bemerkt sie, dass er mit ihrer Hilfe nur in die so genannte gute Gesellschaft aufsteigen möchte. Als er sich auch noch einer jungen, unbekannten Schauspielerin zuwendet und mit Julias indirekter Hilfe deren Karriere am Theater voranbringt, gewinnt sie ihren kühlen Kopf zurück - Thomas bekommt den Laufpass und auch seine kleine Freundin bleibt von der Rache nicht verschont. Julia bringt so wieder Ordnung in ihr Seelenleben.
Maugham charakterisierte mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen seine Hauptfiguren - sie erscheinen sehr bildhaft.
Gelesen wird dieser amüsante Roman von Marylu Poolmann, die mit ihrer Stimme und der Art des Vorlesens wunderbar die Figur Julia Lamberts ›zum Leben erweckt‹.
Das Hörbuch besteht aus 7 Kassetten und kann unter der Bestellnummer 3183 angefordert werden.

Weitere Titel im Bestand der DZB:

2 Bde., rkzp., BNA 6306, BNV 2094, 28,63 € oder 6 Kass. 4774
3 Bde., rkzp., BNA 9126, BNV 3152, 33,75 €, oder 6 Kass. 7770
3 Bde., rkzp., BNA 153, BNV 1348,
53,69 €, oder 7 Kass. 3183
9 Bde., rkh., BNA 6274
4 Bde., rkh., BNA 5773
6 Kass. 3973
6 Kass. 3919
little stories of the south sea islands.«
2 Bde., engl. kzp., BNA 1385
4 Bde., vh., BNA 6471

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position Nr. 64:
S. Beckett: Warten auf Godot (1952)
ausleihbar in Punktschrift BNA 9393

Samuel Beckett: Warten auf Godot

Der hauptsächlich in französischer Sprache schreibende irische Dramatiker und Erzähler Samuel Beckett wurde am 13. April 1906 in Foxrock bei Dublin geboren und starb am 22. Dezember 1989 in Paris. Beckett war eng mit James Joyce befreundet, der ihn stark beeinflusste und den er ins Französische übersetzte. Ab 1937 lebte Beckett in seiner Wahlheimat Frankreich, kämpfte 1941 im Widerstand, war 1942-45 Landarbeiter und ging dann wieder nach Paris. 1969 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Als Schriftsteller begann Beckett mit Romanen, schrieb dann Dramen. Sein Schaffen ist geprägt von absolutem Pessimismus und der Überzeugung von der Absurdität der menschlichen Existenz. In den Romanen stellt er die Auflösung des Individuums bis zum Identitätsverlust und zur Austauschbarkeit der Personen dar. Die Dramen, deren bekanntestes »Warten auf Godot« ist, demonstrieren einen menschlichen Endzustand, der von Lebensüberdruss, Langeweile und Sinnentleerung jeglicher Tätigkeit bestimmt ist. In der gewählten Form der Parabel tritt anstelle der Handlung als Clownerie wirkende, absurde, in sich kreisende Betriebsamkeit und leeres Geschwätz. Die Sprache ist abstrakt, sehr einfach, fast bilderlos, besitzt zuweilen verzweifeltes Pathos und tragischen Humor. Die Personen, überhaupt kontaktlos, so auch ohne Beziehung zueinander, sind dadurch aufeinander angewiesen, dass sie sich gemeinsam in gleicher Situation befinden. Sie träumen dem Verfall entgegen.
»Warten auf Godot« (En attendant Godot), ein Schauspiel in zwei Akten, erschien 1952 in Paris, wo auch am 5. 1. 1953 im Théâtre de Babylone die Uraufführung stattfand. Der Titel des Stücks umschließt bereits Vorgeschichte, Handlung und Lösung, Sinn und Sinnlosigkeit, Ziel und Unerfüllbarkeit.
Wladimir und Estragon, zwei Landstreicher, sind auf ein düsteres, ausgestorbenes Plateau ausgesetzt. Sie warten auf Godot, von dem niemand weiß, ob und wo er existiert. Jeweils am Schluss der beiden Akte vertröstet ein kleiner Bub die Vagabunden, dass Herr Godot morgen ganz bestimmt eintreffen werde. Das Ende rollt immer wieder zum Beginn zurück: der Mythos von Sisyphos bei Camus hat sich hier zum szenischen Alptraum verdichtet. In diese hoffnungslose, vom unaufhörlichen Selbstbetrug aufrecht erhaltene Welt bricht Pozzo ein, das Sinnbild brutalster Gewalt, der sein Opfer Lucky, die tiefste Entwürdigung des Menschen, an der Leine mit sich führt. Auf Befehl muss dieses menschliche Wrack ›denken‹ und gibt nun in fieberhaftem Bemühen - ohne Sinn und Ausdruck - eine Wortflut unzusammenhängender Begriffe von sich, Sprach-Kehricht, zerbröckelnde Sinnbild-Abfälle unserer Tradition, ein gespenstisches Chaos unausgegorener Möglichkeiten und Gedankenverbindungen, letzte Abbauteilchen einer atomisierten Geisteswelt. Die Landstreicher schließen sich dem seltsamen Paar nicht an, das in quälender Gegenseitigkeit Godot in sich gefunden hat. Wladimir und Estragon warten weiter, bewahren sich die Unschuld des Untätigseins, indem sie Verantwortlichkeit und Rechtfertigung für sich und die Welt ins Unfassbare - Godot - projizieren.
Das Stück lässt die gegensätzlichsten Deutungen zu. Schon lange wird gerätselt, ob Godot Gott oder das Nichts, Schuld oder Erlösung bedeuten soll. Man darf diese Parabel nicht zu sehr konkretisieren, sondern sie als das nehmen, was sie wörtlich ist: eine Clownerie, also ein Versuch, sich selbst durch zaghaftes Lachen Mut zu machen vor dem Unbegreiflichen.
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 20842 (c) Alfred Kröner Verlag]

LOUIS

[Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Sind geografische Informationen im Internet auch textorientiert zugänglich?

Ulrich Jander

In der letzten Ausgabe der DZB-Nachrichten wurde die Frage nach Informationen über geografische Daten aufgeworfen. Herr Sachse wies in seiner Antwort u.a. auf das Internet hin und führte einige Internetadressen auf. Diese habe ich jetzt auf ihre Tauglichkeit für die Nutzung mit Sprachausgabe bzw. Braillezeile getestet. Das Ergebnis ist mit einer Ausnahme insgesamt recht positiv. Ausdrücklich möchte ich hier darauf hinweisen, dass es wesentlich vom zur Verfügung stehenden Screenreader, dem Bildschirmausleseprogramm, abhängt, wie gut die einzelnen Internetseiten für blinde Computeranwender nutzbar sind. Insofern kommt man um ein Ausprobieren nicht herum.

Im Einzelnen stellt es sich wie folgt dar:

http://www.bbs-winsen.de/GoBlack/Geograf/index_i.html

Diese Seiten nennen alle Staaten der Welt, und geben auf einer Karteikarte einige geographische Daten zu den Ländern und Weltmeeren an:

http://www.flaggenwelt.de/

Informationen zu allen Staaten und Gebieten der Erde. Von Ägypten bis Zypern mit Flaggen, Wappen, Nationalhymnen, Autokennzeichen, Karten und allen wichtigen Länderinformationen:

http://www.dsw-online.de/infothek_db.html

[Deutsche Stiftung Weltbevölkerung] Ausgewählte soziale und demographische Daten zu mehr als 180 Ländern und den einzelnen Regionen der Welt:

http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos

Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen, Reise- und Gesundheitshinweise:

http://www.spiegel.de/jahrbuch/

u.a. mit umfangreichem Länderlexikon:

http://www.erdkunde-online.de/99993.htm

u.a. mit Länderauswahl und umfangreichen Angaben zu den jeweiligen Staaten der Erde:

http://www.dse.de/za/lk/laender.htm

die landeskundlichen Informationsseiten in der Übersicht, gestaltet von verschiedenen Entwicklungsdiensten:

http://www.derreisefuehrer.com/region/atoz.asp

ein Portal mit vielfältigen Tipps und Informationen für Reisen in die Welt:

Info-Service

DZBN und Bücherliste im DAISY-Format

Nun ist es endlich soweit: Nachdem die DZB bereits das Konzept für die CD-ROM-Ausgabe der Verbandszeitschrift »Die Gegenwart« erarbeitet hat und diese auch herstellt, wird nun ab Januar 2004 mit den »DZB-Nachrichten« die erste DZB-eigene Zeitschrift in diesem Format angeboten!
Eigentlich handelt es sich ja um zwei Zeitschriften, da die »Leipziger Bücherliste« ebenfalls dazu gehört. Die CD-ROM wird »DZB-Nachrichten« und »Leipziger Bücherliste« in mehreren Formaten enthalten, die sowohl Hörern als auch Braille- und Schwarzschriftlesern zugänglich sein werden. Als Wiedergabemedien kommen PC, DAISY-Player, mit eingeschränktem Umfang auch mp3-fähige CD-Player in Frage. Die CD-ROM wird in ihrer Struktur der DAISY-Ausgabe der »Gegenwart« ähneln. Konkret werden die einzelnen Dateien für die Wiedergabe von folgenden Formaten verwendbar sein:

Die Wiedergabe des DAISY-Formats erfolgt nur, wenn Sie ein dafür geeignetes Gerät verwenden (DAISY-Player) oder eine für die Wiedergabe am PC bestimmte Software installiert haben. Diese Software, das Programm PLAYBACK 2000 ®, finden Sie bei Bedarf in dem Ordner »Zubehör« auf der CD-ROM. Eine Datei (pbhinwei.txt) im Format Text für Windows mit Installationshinweisen für dieses Programm befindet sich ebenfalls in dem Ordner. Nach der Installation starten Sie PLAYBACK 2000 ® bei eingelegter CD.
Zum Lesen dieser PDF-Datei benötigen Sie das Programm Acrobat Reader ®. Auch dieses Programm finden Sie bei Bedarf im Ordner »Zubehör« auf der CD-ROM. Nach der Installation erfolgt der Start des Programms automatisch beim Aufruf der PDF-Datei.

Ab sofort können Sie sich für 2004 als Abonnent/in der CD-ROM »DZBN mit Bücherliste« vormerken lassen. Es gelten die gleichen Abonnementsbedingungen wie für die übrigen Zeitschriften der DZB, der Preis für das Jahresabo beträgt 7,68 €. Die erste Ausgabe der CD-ROM soll zeitgleich mit den anderen Versionen Mitte Januar 2004 erscheinen.
Kontakt:
Frau Thormann, Tel. 0341 7113-120,
E-Mail: verlag@dzb.de

Mitteilung der Hörbücherei

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, die Weihnachtszeit rückt näher und wir möchten Sie daran erinnern, dass aufgrund der Schließung der DZB zwischen den Feiertagen die letzte Realisierung von Bestellungen Freitag, der 19.12., ist.
Wenn Sie also über die Feiertage nicht auf Hörbücher verzichten möchten, teilen Sie uns dies bitte rechtzeitig mit - bis spätestens 15. Dezember.
Erinnern möchten wir an dieser Stelle außerdem, dass alle Hörer, die ständig mehr als 3 Hörbücher im Umlauf haben, von uns automatisch zusätzliche Titel erhalten werden. Informieren Sie uns bitte auch, wenn Sie dies nicht wünschen.

Neuer Vorstand der AG BDB

Die Arbeitsgemeinschaft der Blindenschrift-Druckereien und Bibliotheken hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 15. und 16. September 2003 in Zürich einen neuen Vorstand gewählt.

Der neue Vorstand erhielt von der Mitgliederversammlung den Auftrag, sich weiterhin für die Zusammenführung der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften der Blindenbüchereien im Deutschen Sprachraum einzusetzen und die im neuen Urheberrecht fixierten Regelungen, zur Verbesserung des Literaturzuganges behinderter Menschen, umzusetzen.
Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung dankten dem alten Vorstand für seine Arbeit, insbesondere dem ehemaligen Vorsitzenden, Rainer F. V. Witte, welcher seit 22 Jahren die Geschicke der Arbeitsgemeinschaft gelenkt hat.

Neue DAISY-Abspielgeräte

Ulrich Jander

Seit September sind zwei neue DAISY-Abspielgeräte auf dem Markt, welche ich hier steckbriefartig vorstellen möchte. Ausführlichere Aussagen wird es im nächsten Heft geben:

»Scholar« von der Firma Telex

Landeshilfsmittelzentrum Dresden
Louis-Braille-Str. 6
01099 Dresden
Tel. 0351 8090624, Fax 0351 8090627
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de
Internet: www.bsv-sachsen.de/lhz

»Victor Reader Vibe«

Fa. F. H. Papenmeier GmbH & Co. KG
Postfach 1620
58211 Schwerte
Tel. 02304 205-0, Fax 02304 205-205
E-Mail: info@papenmeier.de
Internet: www.papenmeier.de

Beide Geräte funktionieren zwar, haben jedoch gegenüber den gestandenen größeren Victor-Geräten ein paar Nachteile: Beide brauchen etwas mehr Zeit, um auf der CD an eine andere Stelle zu springen. Beim »Vibe« ist es manchmal erforderlich, die gewünschte Taste mehrmals zu drücken, damit er die Funktion ausführt. Beim »Scholar« ist die Wiedergabequalität der DAISY-Hörbücher nicht so deutlich, wie bei anderen Geräten; die hohen Töne fehlen etwas. Der »Scholar« macht trotz produzierter Information auf der CD keine Angaben zur abgelaufenen Zeit.
Eine Liste aller derzeit verfügbaren DAISY-Abspielgeräte als Spezialtechnik ist in der DZB Hörbücherei (Durchwahl -116) oder bei mir (Durchwahl -145) in Form einer Schwarzschriftausfertigung oder als Computerdatei erhältlich.

Medienpaket »Ausbildung Beruf Chancen«

Die Bundesanstalt für Arbeit stellt blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen schon seit Jahren spezifische Berufswahl-Informationen zur Verfügung. Das Medienpaket »Ausbildung Beruf Chancen« ist jetzt in einer neuen und aktuellen Ausgabe erschienen - mit einem interaktiven Berufswahlprogramm für den Computer, einem Hörprogramm zu Interessen und Fähigkeiten, mit Berufsreportagen in Form von Hörbildern und einem Begleitheft in Braille- und Schwarzschrift. Das Medienpaket ist barrierefrei gestaltet.
Dieses Programm enthält Informationen für junge Menschen vor der Berufswahl und für Erwachsene, die neue Perspektiven im Beruf suchen. Die Inhalte können je nach Ausgangssituation und Bedarf gezielt ausgewählt werden. Die Informationen des PC-Informationsprogramms zur Berufswahl stehen auch im Internet zur Verfügung unter
www.AusbildungBerufChancen.de.

Barrierefreies Internet-Banking

Die NetBank, Europas erste Vollbank im Internet (www.netbank.de), bietet seit September 2003 als erste Bank Deutschlands barrierefreies Internet-Banking an. Damit werden insbesondere blinde und sehbehinderte Menschen in die Lage versetzt, selbständig ihre Bankgeschäfte am heimischen PC zu erledigen.
Seit Mitte September sind die erweiterten Features den Nutzern zugänglich. Zum barrierefreien Internet-Banking werden auf Wunsch erstmals die PIN und TAN Nummern in Blindenschrift verschickt. Die Benutzeroberfläche des Internetauftritts wurde so verändert, dass Blinde und Sehbehinderte schnell auf sämtliche Inhalte der Webseite zugreifen können. Zum Beispiel wurde das Layout von Tabellen befreit und mit einer speziellen Konfiguration können Farben und Kontraste eingestellt werden. Ein spezieller Link stellt sicher, dass Banner und Navigationsleisten übersprungen werden können, sodass der Nutzer schnell zum Kern der Webseite und damit zu den Informationen und Bankleistungen gelangt.
Kontakt und weitere Informationen:
Pressestelle NetBank AG
Holger Schwedler
Unter den Eichen 7
D-65195 Wiesbaden
Tel.: 01805 666390
presse@netbank.de
[Quelle: Pressemitteilung: Hamburg, 15.09.03]

Neue Selbsthilfegruppe

In der beiliegenden »Bücherliste« finden Sie unter den Neuaufsprachen der Hörbücherei auch den Titel »Meine Schwester ist meine Mutter« von Ulrike M. Dierkes. Darin geht es um das Thema Inzestkinder. Wir möchten in diesem Zusammenhang auf den von der selbst betroffenen Autorin gegründeten Verein M.E.L.I.N.A Inzestkinder/Menschen aus VerGEWALTigung e.V. aufmerksam machen und darüber informieren, dass soeben in Dresden die »Initiative Lebensweg« gegründet wurde, die sich ebenfalls für Menschen einsetzt, die als Folge sexueller Gewalt aus Inzest, sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung geboren wurden. Initiatoren sind Kerstin und Lutz Rößler aus Dresden, Herr Rößler ist blind und ebenfalls selbst betroffen.
Ziel der »Initiative Lebensweg« ist die Schaffung einer Kontaktstelle für betroffene, ratsuchende und alle interessierten Bürger aus der Region Dresden und darüber hinaus. Aus der Selbsthilfegruppe soll sich in der Folgezeit ein Verein entwickeln, der Informationsaustausch mit aktiver Beratung und Hilfe für Opfer aus Inzest, sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung bietet. Im Internet-Auftritt der Initiative heißt es: »Wir wollen allen Opfern sagen: Ihr seid nicht allein mit Euerm Schicksal und Ihr tragt keine Schuld. Ihr habt Rechte gegenüber den Tätern, die sich aus dem Opferentschädigungsgesetz herleiten. Wir wollen anhand von persönlichen Lebenswegen Aufklärung leisten und die Öffentlichkeit informieren.«
Kontaktadressen:
Lebensweg. Initiative für Menschen aus Inzest - Vergewaltigung - sexuellem Missbrauch
Kerstin und Lutz Rößler
Telefon: 0173 9340259 (täglich bis 22 Uhr)
http://www.prohlis-online.de/lebensweg
E-Mail: lebensweg@prohlis-online.de

M.E.L.I.N.A Inzestkinder/Menschen aus VerGEWALTigung e.V.

Paul-Lincke-Straße 28
70195 Stuttgart
Tel.: 0711-69 40 26
Fax: 0711-69 40 27
www. melinaev.de

Impressum


Erscheint zweimonatlich in Blindenkurzschrift, auf Kassette (Jahresabo. je 7,67 € bzw. 13,79 €) und in Schwarzschrift (Jahresabo. 12,27 €). Preisangaben zzgl. gesetzlich gültiger MwSt.

Kostenlose Beilage:

»Leipziger Bücherliste«

Herausgeber, Verlag und Druck:

Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB),
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig,
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel. 0341 7113 - 0,
Fax: 0341 7113 - 125
E-Mail: info@dzb.de, www.dzb.de

Redaktion:

Karsten Sachse, Tel. 0341 7113 - 135

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Sylvia Thormann, Tel. 0341 7113 - 120.

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DZB 2003