DZB-NACHRICHTEN
 
Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 1 / 2004
Januar /Februar
14. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Postecke
Jahresausblick 2004
Einblicke
    Gründung des Beirates der DZB
Die Kramkiste
    Rolf Recknagel: »B. Traven«
    Juri M. Nagibin: »Wie der Wald gekauft wurde«
    Greta Kuckhoff: »Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle«
Bücher des Jahrhunderts
    William Golding: Herr der Fliegen
Autorenporträt
    Bemerkungen zu Jules Verne
    Jules Verne in der DZB
LOUIS
    Welche DAISY-Abspielgeräte sind zur Zeit auf dem Markt erhältlich?
Info-Service
    VI. Boltenhagener Bücherfrühling
    Tandem-Hilfen startet Richtung Paralympics 2004
    Reiseführer für Südspanien: Was wünschen Behinderte?
    Mailingliste für Frauen mit und ohne Behinderung
Anzeigen
Impressum


Vorbemerkung

Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen und ihren Angehörigen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
Der Jahresbeginn ist immer Anlass für gute Vorsätze und Veränderungen. Die DZBN machen davon keine Ausnahme, erstmals erscheinen sie auch im DAISY-Format. Die neue Erscheinungsweise bedingt bei der Kassettenausgabe der Bücherliste eine Reihenfolgenänderung der Rubriken. Damit ist die Reihenfolge nun in allen Editionsformen gleich.
Erstmals haben wir in unserer Kramkiste auch die Empfehlung eines Hörers. Vielleicht entsteht daraus ja eine neue Rubrik »Buchempfehlungen der Hörer und Leser« der DZB? Warten wir ab, was das neue Jahr da so an Zuschriften bringt. Was 2004 die DZB erwartet, verrät Ihnen in dieser Ausgabe Direktor Dr. Thomas Kahlisch Dr. Kahlisch informiert weiterhin über die Gründung eines Beirates der DZB.
Vorher schauen wir aber noch, was es in der Postecke Neues gibt.
Es grüßt herzlich Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Zum Brief von Ursula Steinbrich

»(…)Ich kann selbst als Betroffener in beiderlei Hinsicht - Mitarbeiter im Krankenhaus, Patient als praktisch Blinde - bestätigen: Man kann immer wieder feststellen, dass blinde Patienten oder hochgradig Sehgeschädigte vom Personal grober, distanzierter und mitunter auch uneinsichtiger, unduldsamer behandelt werden. Besonders schlimm ist es, so finde ich, in den Augenambulanzen. Warum, konnte ich in diesem Fall nicht so richtig herausbekommen. Ich bin aber der Meinung, einige der Angestellten dort sind der Auffassung, ›die simulieren sowieso‹.
Was den Krankenhausbetrieb betrifft: Wenn man dann mit den Schwestern spricht, sind die der Meinung: ›Ich habe im Fernsehen gerade einen Bericht gesehen, da kann ein Blinder ein Haus bauen, da kann ein Blinder Ski fahren, da kann ein Blinder dies oder das …‹ Diese Beispiele tragen also in der Öffentlichkeit dazu bei, dass man das im Großen und Ganzen von allen Blinden erwartet. Dann hört man eben die Meinung ›der ist bloß zu faul‹, ›soll sich nicht so anstellen‹ oder ›die können auch sehen‹ - weil die Schwestern auch nicht verstehen, dass manche Dinge im Gefühl liegen. Also ich denke, hier ist Aufklärung gefragt und vielleicht könnte man versuchen, über Weiterbildungsmaßnahmen, die ja normalerweise jedes Krankenhaus durchführen muss, entsprechend einzuwirken. (…)«
[Johannes Trenkmann, Niederfrohna/per Kassette]

Kürzungsverzeichnis

»(…) Die DZB hat 1987 ein hervorragendes Kurzschriftverzeichnis herausgegeben. Es wurde erarbeitet und zusammengestellt von Erich Kohlmann, der leider schon vor einigen Jahren verstorben ist. Im Format ist das Verzeichnis nur wenig größer als eine Postkarte und wohl nicht einmal 2 cm dick, sodass es in jede Jackentasche passt und wohl auch in den meisten Damenhandtaschen Platz findet. Im Gegensatz zu den großen Kurzschriftbüchern kann man es also überall, wo man es braucht, parat haben. Das ist für diejenigen wichtig, die - aus welchen Gründen auch immer - zwar richtig Kurzschrift schreiben wollen, sie aber nur lückenhaft beherrschen. Zu denen gehöre auch ich, weil ich alles, was ich für mich notiere, in Stenografie zu Papier bringe, und das noch in einem sehr eigenen System. Deshalb ist dieses Verzeichnis für mich eine kaum zu ersetzende Hilfe; vor allem in den Fällen, in denen man nicht weiß, ob eine Kürzung der Kurzschrift oder der Stenografie zuzuordnen ist. Erstaunlich allerdings, dass das Verzeichnis trotz seiner Vorteile meines Wissens relativ unbekannt ist.
Neben dem Hinweis, dass es das gibt, mein Vorschlag an die DZB, das Verzeichnis entsprechend den kurzschriftlichen Veränderungen zu überarbeiten und neu herauszugeben. Derjenige, der es kennt, hat und braucht, möchte es mit Sicherheit nicht mehr missen. (…).«
[Dr. Otto Kawalle per Fax]

Anmerkung der Redaktion

Nach solch engagiertem Plädoyer ist das Büchlein sicher bekannter geworden.
Wir nehmen Ihr Schreiben zum Anlass, eine neue Version herauszugeben, basierend auf dem Kürzungsverzeichnis aus »Kurzschrift in Kürze« von Prof. Hans Klemm.

Mithilfe und Unterstützung für Diplomarbeit gesucht!

»(…) Sie interessieren sich für Ausstellungen und Museen? Wir - Mandy Rülke und Romy Küchenmeister - sind zwei Studentinnen des Fachbereiches Produktdesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden.
Das Thema ›Ausstellungen und Museen für Blinde, Sehbehinderte und Sehende‹ haben wir uns zur Aufgabe für unser Diplom im Zeitraum Februar bis Juni 2004 gewählt. Zur Realisierung des Projektes möchten wir gern mit interessierten Blinden und Sehbehinderten zusammenarbeiten und gezielt auf Ihren Erfahrungen aufbauen. Das würde Ihnen Spaß machen? Dann melden Sie sich doch bitte unter folgender Adresse:
Mandy Rülke
Albert-Schweitzer-Str.6, 01187 Dresden
per Telefon: 0176/21107585 per E-Mail: mandy_ruelke@mail.com (…)«

Tierromane

»(…) Wenn im ›Literaturtreff‹ schon mal einer der seltenen Tierromane erscheint, dann handelt er von Hunden oder Katzen. Ich würde auch gern einmal einen Roman über Vögel lesen.
Vermutlich hat unser Herr Sachse einen Hund oder eine Katze als Haustier (...).«
[Michael Montag, Kölleda/per Kassette]

Anmerkung der Redaktion

Ich habe überhaupt keine Haustiere - zumindest keine sichtbaren.
Wie Sie ja wissen, sind wir bei der Auswahl der zu übertragenden Titel auf den Buchmarkt angewiesen. Da ist außer »Weihnachtsgans Auguste« wenig lesbares Geflügel im Angebot. Wenn Sie ein entsprechendes Schwarzdruckbuch kennen (kein Sachbuch), dann bitte geben Sie uns einen Tipp.

Jahresausblick 2004

Dr. Thomas Kahlisch

Zu Beginn meines Ausblicks ein kleiner Rückgriff auf das Vergangene:
Am 4. Dezember 2003 informierte mich Lothar Weilandt, technischer Leiter der DZB, dass die Umbauarbeiten zur Akustikverbesserung im Studio II abgeschlossen seien. Am Nachmittag ging ich ins Studio, um mir die Neuerungen anzusehen bzw. anzuhören. Heidemarie Güntzel, Aufnahmeleiterin, und Gert Gütschow, langjähriger Sprecher der DZB, waren gerade bei der Arbeit. Wir besichtigten den umgebauten Sprecherraum und ich berichtete Herrn Gütschow, dass diese Veränderungen nur durch Spendengelder unserer Nutzer möglich geworden sind. Michael May, auch ein Sprecher, den Hörer der DZB und des MDR ebenfalls gut kennen, und Aufnahmeleiter Wolfgang Raetsch, die gerade ins Studio III wollten, kamen zu uns und so begann ein Gespräch über die Studiobedingungen bei uns und beim MDR.
Im Verlaufe des Gespräches berichtete Herr Gütschow, dass er am Abend in einem Feature des MDR zu hören sei. Thema der Sendung war der verheerende Bombenangriff auf die Stadt Leipzig am 4. Dezember 1943, also genau vor 60 Jahren. Wir sprachen darüber, dass in dieser Nacht auch das Domizil der DZB, das Druckhaus Klepzig im Täubchenweg 23, zerstört wurde. 30.000 Blindenschriftbände - alle nicht ausgeliehenen Werke - fielen damals den Flammen zum Opfer.
Um 22 Uhr hörte ich die Sendung im MDR. Der Nachklang des Gespräches vom Nachmittag brachte für mich die Schilderungen der furchtbaren Ereignisse vor 60 Jahren in einen bewegenden Zusammenhang mit den sich relativierenden Kümmernissen, mit denen wir von Zeit zu Zeit heute konfrontiert werden.
2004 ist ein besonderes Jahr für die DZB. 110 Jahre wird sie alt, die älteste Leihbücherei für Blinde Deutschlands.
Längst sind wieder mehr als 30.000 Bände Blindenschrift in den Magazinen eingestellt oder gerade in der Ausleihe bei den vielen Lesebegeisterten in Nah und Fern. Daneben stehen mehr als 31.000 Hörbuchboxen bereit, die große Nachfrage nach Bildung und Unterhaltung zu decken. In 2004 werden, so steht es in den Plänen der Produktionsabteilungen, viele neue Titel hinzukommen. Hier eine ganz kleine Auswahl, gewissermaßen zum Appetit machen:

In Blindenschrift erscheinen u.a.:

Als Hörbuch erscheinen beispielsweise:

Bei den Zeitschriftenangeboten gibt es Neuigkeiten zu vermelden. Ab diesem Heft erscheinen die »DZB-Nachrichten« und die »Leipziger Bücherliste« im DAISY-Format auf CD-ROM. Wie schon für die Leser der DBSV-Zeitschrift »Die Gegenwart«, so ist es jetzt auch für die ersten hauseigenen Publikationen möglich, einzelne Artikel abzuspielen, die Katalogeinträge zu durchstöbern oder das gesamte Angebot von Anfang bis Ende in rauschfreier Qualität anzuhören. Die CD bietet je eine DAISY-Version sowie verschiedene Text- und Blindenschriftfassungen der beiden Zeitschriften. Die Erfahrungen, die wir bei der Herstellung dieses neuen Angebotes sammeln, werden zeigen, wann weitere Zeitschriften wie »Ratgeber Aktuell« oder »Das Gesundheitsmagazin« ebenfalls in dieser neuen Form erscheinen können.
Die Erarbeitung von weiteren Kartensätzen für den Europa-Atlas, der Wandkalender 2005 mit dem Thema »Käfer«, das Kinderbuch »Brötchen, Milch und Marmelade: Kinder erkunden einen Bauernhof« sind Titel, die 2004 im umfangreichen Plan der Reliefherstellung stehen.
Hörbuchproduktion heißt heute, Literatur sowohl analog auf Kassette und digital als DAISY-Titel anzubieten. Neben der aktuellen Titelproduktion arbeiten wir an der Digitalisierung von Altbeständen. Schon über 10% der Hörer sind DAISY-Nutzer. Und wenn, wie für dieses Jahr nun endlich vorgesehen, die neuen preisgünstigen Abspielgeräte auf dem deutschen Markt verfügbar sind, dann steigt der Bedarf an DAISY-Literatur schnell weiter, sodass hier die Angebotserweiterungen unbedingt notwendig werden.
Auch gebaut wird wieder in der Gustav-Adolf-Straße. Die Werkstatt im Hinterhof wird erneuert und in der Druckerei müssen Vorkehrungen für den Einbau des A4-Drucktiegels getroffen werden. Die Schwarzschriftdruckerei zieht mit neuer Drucktechnik in einen anderen Raum und wird zukünftig Druckerzeugnisse in neuer Qualität anbieten.
In Verwaltung und Buchhaltung sind 2004 weiterhin viele Aufgaben zu lösen, die mit der Umstellung des Betriebes auf die neue Rechtsform ›Staatsbetrieb‹ zu tun haben. Im Unterschied zum letzten Jahr wird es jedoch dabei zu keinen wesentlichen Verzögerungen bei der Rechnungslegung kommen müssen.
›Leipziger Buchmesse‹, ›Reha Fair‹ in Berlin und ›Sightcity‹ in Frankfurt stehen auf dem Programm unserer vielfältigen Öffentlichkeitsarbeit. Im März tagt in Leipzig die Chemieschriftkommission, kurz vor der Buchmesse findet ein großer Bibliothekskongress statt und die Bundesfachkommission für Lehr- und Lernmittel hat ihr Kommen ebenfalls angemeldet. Die Leser unserer Zeitschrift werden über die verschiedenen Veranstaltungen informiert.
Die neue Fassung des Urheberrechtsgesetzes wurde im September 2003 verabschiedet. In ihm ist im §45a erstmals in Deutschland in Sachen Urheberrecht Bezug auf die speziellen Informationsbedürfnisse behinderter Menschen genommen worden. Aufgabe der Mediengemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte (MEDIBUS) ist es, diese neuen Regelungen im Sinne der Verbesserung des Informationszugangs blinder, sehbehinderter und anderer behinderter Menschen, die Gedrucktes nicht lesen können, umzusetzen. 2004 wird im Freistaat Sachsen das Integrationsgesetz vom Landtag verabschiedet. Für die DZB ergeben sich daraus neue Aufgaben wie die Erstellung von Behördenbescheiden in Blindenschrift, auf Tonträger oder in Großdruck. Neue Aufgabenfelder, die schon seit Verabschiedung des Bundesgleichstellungsgesetzes anstehen und deren Umsetzung den Nutzern unseres Hauses wieder ein Stück Selbstständigkeit mehr in den Alltag bringen.

Um den Bogen wieder zu schließen und am Ende dieses Ausblickes wieder an die anfangs geschilderte Besichtigung des Studios zurückzukehren, sei hier vermeldet, dass im Februar die Fertigstellung der Akustikverbesserung für das Studio III geplant ist und damit eine von den Nutzern getragene Modernisierung zum Abschluss kommt. Auch 2004 sind wir, um solche oder ähnliche Arbeiten durchführen zu können, immer auf die großzügige Unterstützung unserer Leserinnen und Leser, Hörerinnen und Hörer angewiesen. Sie können die weiteren Modernisierungen, vor allem im Bereich der DAISY-Bucheinführung, mit Spenden unterstützen, die bitte unbedingt den Verwendungszweck »DAISY« tragen. Mit einer Spende für den Verwendungszweck »Titeleinkauf« sorgen Sie unmittelbar dafür, dass die eingezahlten Gelder in den Erwerb neuer Hörbücher und Brailledrucke der Bibliothek fließen. Wir bitten Sie unbedingt darauf zu achten, dass ein Verwendungszweck angegeben wird, da Spenden ohne Vermerk nicht zielgerichtet für bestimmte Aufgaben eingesetzt werden können.
Schließen möchte ich diesen kurzen Ausblick auf das Kommende mit den besten Wünschen für Sie und ihre Familien. Halten Sie uns die Treue, genießen Sie gute Literatur und vielfältige Unterhaltungsangebote aus dem reichhaltigen Bestand »Ihrer DZB«.

Einblicke

Gründung des Beirates der DZB

Dr. Thomas Kahlisch

Am 9. Dezember 2003 fand die konstituierende Sitzung des fachlichen Beirates der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) statt.
Die durch Minister Dr. Matthias Rößler, Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), berufenen Mitglieder des Beirates der DZB versammelten sich auf Einladung von Ministerialrätin Folke Stimmel und des Direktors Dr. Thomas Kahlisch an diesem Tag in den Räumen der DZB zu einer ersten Beratung.

Mitglieder des Beirates sind:

Frau Stimmel erläuterte einführend den Status der DZB, der nach langjährigen Beratungen und Prüfung unterschiedlicher Organisationsformen am 5. November 2002 vom sächsischen Kabinett beschlossen wurde. Als Folge dieser Entscheidung ergibt sich eine Vielzahl von Änderungen in der Verwaltung der DZB, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden müssen.
Die DZB ist als Staatsbetrieb weiterhin Bestandteil der Staatsverwaltung in Sachsen. Die Fach- und Dienstaufsicht übt das SMWK aus. Der neu berufene Beirat soll neben fachlicher Beratung die Interessen und Anliegen der DZB in der Öffentlichkeit vertreten.
Frau Stimmel informierte, dass ab 01.01. 2004 das Referat 4.6, Bibliotheken, Information und Kommunikation, im SMWK von Herrn Ministerialrat Joachim Linek geleitet wird.
Als Vorsitzende des Beirates wurde Frau Dittmer vorgeschlagen und bestätigt. Sie übernahm den Vorsitz und die Moderation der Beratung. Bis zur nächsten Tagung des Beirates wird durch Frau Dittmer und Herrn Dr. Kahlisch ein Vorschlag für eine Geschäftsordnung erarbeitet.
Dr. Kahlisch erläuterte den vorgelegten Bericht der DZB zu den Arbeitsergebnissen bis November 2003 mit Ausblick auf zukünftige Schwerpunkte und zu den Entwicklungszielen der Einrichtung. Besprochen wurden die durch Änderungen des Urheberrechtes (§ 45a URHG) mögliche Ausweitung des DZB-Angebotes nicht nur an Blinde und Sehbehinderte, sondern auch an Behinderte, die Gedrucktes nicht lesen können. In diesen neuen Aufgabenfeldern werden gute Chancen gesehen, die Entwicklung der DZB zu befördern und eine größere Anzahl von Nutzern mit Medienangeboten zu versorgen.
Am Ende der Beratung dankte Herr Dr. Kahlisch im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DZB in sehr herzlichen Worten Frau Stimmel für die langjährige Unterstützung, die sie der Einrichtung zukommen ließ.
Die nächste Beiratssitzung ist für November 2004 vorgesehen.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Rolf Recknagel: »B. Traven«

Angelika Müller [Punktschriftbibliothek]

Es kam mir beim Stöbern in unseren alten »Schätzen« unter anderem die Biografie »B. Traven« von Rolf Recknagel (BNA 5246, 8 Bde., rkh.) in die Hände. Aha, B. Traven?
In unseren Beständen fand ich dann einige Bücher von B. Traven, darunter in neuer Übertragung »Erzählungen« (BNA 4732 und BNA 4733) und den Kurzroman »Der Schatz der Sierra Madre« (BNA 252, 3 Bde., rkzp.).
Nicht deswegen mein »Aha«, denn allzu oft werden diese Werke nicht ausgeliehen. In meiner häuslichen Kleinbibliothek fand ich »Ein General kommt zurück«. Erinnerlich ist mir noch, dass ich beim Lesen in den Siebzigern am Nachwort lange verweilte. B. Traven, kein Vorname, kein woher. Nur eine Beurteilung seiner literarischen Ergebnisse im Zeichen des mehr als zweijährigen Aufenthaltes in Mexiko. Sozialkritische Betrachtungen trugen der damaligen Sichtweise (herausgegeben 1971, Verlag Volk und Welt, Berlin) Rechnung.
Wer also von Travens Büchern aus der Romanserie »Der Marsch ins Reich der Caoba« oder aber der früheren Werke, wie »Das Totenschiff« oder »Die Brücke im Dschungel« berührt wurde und sich vielleicht ähnliche Fragen zum Verfasser stellte, dem ist dieses Werk von Rolf Recknagel nachträglich nur zu empfehlen. Als es das erste Mal 1966 erschien, erregte damit der Leipziger Literaturwissenschaftler international großes Aufsehen.
B. Traven weigerte sich schriftlich vor der Veröffentlichung des Romans »Das Totenschiff« eine persönliche Antwort auf die Frage nach seiner Biografie zu geben. Er war der Meinung, »dass von einem Arbeiter, der geistige Werte schafft, nie ein Lebenslauf abverlangt werden sollte«. Weiterhin war er der Ansicht, »dass der Künstler zum Lügen gezwungen wird, wenn er glaubt, dass sein wahrer Lebenslauf eine Enttäuschung für die Menschen sei«. Von sich ausgehend sagt er : »Mein Lebenslauf würde niemanden enttäuschen, aber mein Lebenslauf ist meine Privatangelegenheit und die Biografie eines schöpferischen Menschen sei unwichtig. Wenn der Mensch in seinen Werken nicht zu erkennen ist, dann ist entweder der Mensch nichts wert oder seine Werke sind nichts wert.«
Recknagel weist in seinem vielschichtigen, spannend erzählten Buch um den seinerzeit berühmten, aber geheimnisumwitterten Schriftsteller nach, dass Traven und Ret Marut (ein verschollener deutscher Schriftsteller vom Anfang der 20er Jahre), ein und dieselbe Person ist. Allerdings war auch Ret Marut nur ein Pseudonym und man weiß bis heute nicht mit Sicherheit um die bürgerliche Herkunft des »Ret Marut - B. Traven«. Aber vielleicht wissen Sie, lieber Nutzer, schon wieder mehr!

Im Bestand der Punktschriftbibliothek befinden sich folgende Titel zur Ausleihe:

Als Hörbuch können Sie folgende Titel ausleihen:

Juri M. Nagibin: »Wie der Wald gekauft wurde«

Jörg Klemm

[Hörbücherei]

Das heute von mir gewählte Buch fiel mir beim Bearbeiten des Punktschriftbestandes auf, denn es ist auch als Hörbuch vorhanden: »Wie der Wald gekauft wurde« und »Als das Feuerwerk erlosch« - zwei Erzählungen von Juri Markowitsch Nagibin. Der verwendete Schwarzdruck erschien 1976 im Verlag Volk und Welt zu Berlin.
Juri Nagibin wurde am 3. April 1920 in Moskau geboren. Bereits in der Schulzeit begann er zu schreiben. Seine erste Erzählung wurde 1940 in der Zeitschrift »Ogonjok« veröffentlicht. Nagibins Prosa zeichnet sich durch eine psychologisch eindringliche Gestaltung alltäglicher Schicksale aus. Besonders gut gelangen ihm Erzählungen über Kinder. Mit seinen Werken versuchte er, die nur zäh vorankommende Überwindung des Stalinismus einzuleiten.
Schauplatz der eingangs erwähnten beiden Erzählungen ist das Russland im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht die Millionärswitwe Nadeshda von Meck, die mit dem Komponisten Peter Tschaikowski (1840 - 1893) 14 Jahre lang in inniger Brieffreundschaft verbunden war, ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Frau von Meck war die Witwe eines Eisenbahningenieurs, der, die damals in Russland stärker einsetzende kapitalistische Entwicklung ausnützend, seine bescheidene Stellung als Beamter mit der eines privaten Unternehmers vertauscht und durch den Bau von Eisenbahnlinien ein riesiges Vermögen angehäuft hatte - nicht zuletzt dank der Energie und dem Ehrgeiz seiner geschäftstüchtigen Frau. Nadeshda war, als ihr Mann 1876 starb, 45 Jahre alt, Mutter von elf Kindern, Besitzerin zweier Bahnlinien, eines prächtigen Hauses in Moskau, des Gutes Brailow und eines Riesenvermögens. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie sich völlig von jedem gesellschaftlichen Verkehr zurück. Sie war eine Verehrerin der Musik Tschaikowskis. Ihr Hausmusiker erzählte ihr von seinem verehrten Lehrer Tschaikowski, von dem zur Schwermut neigenden einsamen Menschen, der sich danach sehnte, nur seinem Schaffen leben zu können, und der sich immer wieder in Geldschwierigkeiten befand. Sie beschloss, dem Manne, dessen Musik sie bis ins Innerste aufgewühlt hatte, dessen Wesen ihr verwandt schien, auf eine taktvolle Weise zu helfen, und sie bestellte bei ihm eine Komposition für Geige und Klavier gegen ein ungewöhnlich hohes Honorar. Tschaikowski, teils verwundert, teils erfreut, erfüllte die Bitte der Frau von Meck. Ihr Dank war das erste Zeugnis einer Freundschaft, die durch die Eigenart der Gefühlsprägung in der reichen Geschichte menschlicher Beziehungen kaum ihresgleichen sucht.
1.204 Briefe schrieben sich Tschaikowski und Nadeshda von Meck in vierzehn Jahren. Das ist eine imponierende Zahl und sie steht für einen imponierenden Inhalt: Rückhaltlos bekennt der Komponist auf vielen hundert Briefseiten der ihn bewundernden Frau Erfolge und Misserfolge seines Schaffens, Freuden und Enttäuschungen seines Lebens, Pläne und Hoffnungen, Erlebnisse und Meinungen. Er selbst ist in hohem Grad menschenscheu und findet dafür bei Frau von Meck durch ähnliche Wesensart begründetes Verständnis. Beide sind sich darüber einig, dass sie eine persönliche Begegnung miteinander nicht suchen werden, und beide haben sich in ihrem Leben auch nicht ein einziges Mal gesprochen. In dieser Zeit entstanden viele von Tschaikowskis bedeutenden Werken: die Oper »Eugen Onegin«, die vierte und die fünfte Sinfonie, das Violinkonzert, die ersten drei Orchestersuiten, das zweite Klavierkonzert, Kammermusik, die »Manfred-Sinfonie«, die Opern »Mezeppa« und »Wakula der Schmied«, das Ballett »Dornröschen«, »Pique Dame« usw.
Die Erzählungen um Nadeshda von Meck zeichnen ein einfühlsames Bild dieser bemerkenswerten Frau, die als eine der Ersten das Genie des großen Musikers erkannte und förderte. In der ersten Erzählung - diese spielt etwa um 1878 zu Beginn der Freundschaft mit Tschaikowski - versucht ein Händler, Frau von Meck einen Wald abzukaufen. In der zweiten wird eine Art Rückschau der schon alternden Frau von Meck auf den Abschnitt ihres Lebens dargestellt, der ihr nur durch Tschaikowski sinnvoll und lebenswert war. Obwohl beide Erzählungen eigenständig sind, bilden sie zusammengenommen eine Einheit und ergeben eine psychologisch nachempfundene und einfühlsame Charakterstudie der Nadeshda von Meck. Ausgezeichnete Milieuschilderungen und Detailtreue sind ein weiterer Vorzug dieses Buches.
Wenn ich nun dafür interessieren konnte: Die Sprecher sind Friedhelm Eberle und Marlies Reusche, der Umfang 4 Kassetten bzw. 1 CD-ROM (also auch als Daisy-Titel). Die Bestellnummer lautet. 4575.

Weitere Titel von Juri M. Nagibin

im Hörbuchbestand:

In Punktschrift sind folgende Titel von vorhanden:

Greta Kuckhoff: »Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle«

Dr. Hans-Eugen Schulze, Karlsruhe

Diesmal stelle ich Ihnen als Hörer ein Buch vor. Weil es auf der marxistisch-leninistischen Weltanschauung beruht, schicke ich voraus, dass ich selbst, seit ich politisch urteilen kann, demokratisch gesinnt bin.
Neulich hörte ich aus der Katholischen Blindenbücherei in Bonn oder der Schweizerischen Blindenbibliothek das Buch von Dorothee Meding »Mit dem Mut des Herzens - die Frauen des 20. Juli« (Bonn Buchnummer 2858, Zürich CC 8924). Dazu entdeckte ich dann in Leipzig das Buch von Greta Kuckhoff »Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle«, 1972, 11 Kass., Buchnummer 3758.
Von seinem etwas sensationell klingenden Titel ließ ich mich nicht abhalten, es zu hören - und ich war davon fasziniert! Ohne Propaganda und Schönfärberei schildert es den Kampf von Frauen und Männern gegen das Dritte Reich, ihre Bemühungen, »Genossen« mit Informationen und Argumenten für ihre Arbeit in Betrieben zu versorgen und andererseits die Sowjetunion vor dem drohenden Einmarsch Deutschlands - wenn auch leider vergeblich - zu warnen.
Die Autorin, Arbeitertochter aus Frankfurt/Oder, hat mit großem Fleiß Volkswirtschaft studiert, war in den 20er Jahren zur Abrundung ihrer Studien in den USA, hatte dort die ersten Marxisten kennen gelernt, die sie später in Deutschland wiedertraf, und hatte hier nach ihrer Rückkehr als Wissenschaftlerin und Übersetzerin spezieller Literatur gearbeitet.
Wie viele andere, so wurde auch ihr Mann im Jahre 1942 durch das Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Sie selbst dagegen kam wie durch ein Wunder nach der Umwandlung ihres Todesurteils mit einer Zuchthausstrafe davon, die sie bis Kriegsende verbüßte.
Ich wünsche ihrem Buch, das bis zur Wende gewiss nur selten und nachher wohl überhaupt nicht mehr gehört wurde, jetzt viele Interessenten. Zusammen mit dem Buch von Dorothee Meding informiert es gut über eine Zeit, die wir üblicherweise zu verdrängen suchen.

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position:
Nr. 65: L. Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen (1953)
Nr. 66: W. Golding: Herr der Fliegen,
ausleihbar in Punktschrift BNA 7728 und als Hörbuch 6445.

William Golding: Herr der Fliegen

Der englische Dichter Sir William (Gerald) Golding wurde am 19. September 1911 in St.Columb Minor, Cornwall geboren und starb am 19. Juni 1993 in Perranworthal, Cornwall.
Golding studierte in Oxford Naturwissenschaft und Anglistik. 1939-1961 arbeitete er als Lehrer in Salisbury. Während des Krieges leistete er Dienst bei der Marine.
Golding erhielt 1983 den Nobelpreis für Literatur. Sein schriftstellerisches Werk gilt als sehr originell, oft bizarr; besonders hervorzuheben sind die schlichte poetische, symbol- und allegorienreiche Sprache sowie die technische Brillanz seines Schaffens. In seinen elf Romanen behandelt er mit tiefer Skepsis die zeitlosen Kernprobleme des Menschen: den Kampf ums Überleben, das Wesen von destruktiven und altruistischen Trieben, Sünde, Schuld, Strafe und Erlösung, den Wert des Fortschritts.
In ›Lord of the Flies‹ scheitert eine Gruppe britischer Schüler, die auf der Flucht vor den Schrecken eines 3. Weltkriegs auf eine unbewohnte tropische Insel verschlagen wird, bei dem Versuch, eine neue Zivilisation aufzubauen, an ihrer eigenen primitiven Gewalttätigkeit und Furcht.
»The Inheritors«, in dem ein kleiner Neandertalerstamm vom homo sapiens vernichtet wird, gestaltet Goldings Hauptthemen in prähistorischer, »The Spire« in mittelalterlicher Szenerie, »Free Fall« vor der Kulisse des 2. Weltkriegs, »The Scorpion God« im alten Ägypten, im prähistorischen Afrika u. im alten Rom. Goldings experimentellstes Werk ist »Pincher Martin«: der furchtbare Tod der Hauptfigur wird in einer mit Delirium und Träumerei verwobenen Rückblende geschildert.
Der Roman »Herr der Fliegen« (Lord of the Flies) erschien erstmalig 1954 in London:
In einem Atomkrieg stürzt ein Flugzeug mit evakuierten sechs- bis zwölfjährigen englischen Schuljungen über einer unbewohnten tropischen Insel ab, der Pilot kommt um, die Kinder überleben und werden am Ende von einem britischen Kreuzer gerettet. Golding wurde durch ein populäres Jugendbuch des 19. Jahrhunderts, »Ballantynes Coral Island« angeregt, aber während dort die Kinder idealisiert sind und übermenschliche Fähigkeiten entwickeln, zeigt Golding, wie das unausrottbare Böse in der menschlichen Natur schon bei Kindern durchbricht, es gibt Parteisucht, Rachsucht und schließlich sogar zwei Morde.
Golding, unter den englischen Schriftstellern seiner Generation am stärksten religiös geprägt, gestaltet hier die christliche Lehre von der Erbsünde. Man könnte bei ihm auch von Existenzialismus sprechen, die Kinder leben in Angst in einer Grenzsituation, und die tropische Natur wird dadurch zur Phantasmagorie verfremdet. Es gibt Halluzinationen und viel Symbolismus, dazu einen Zug zum Mythos und zum Primitiven, wie er mit Existenzialismus leicht zusammengeht. Die Kinder entwickeln soziale Formen, die denen der Wilden und Urmenschen gleichen, dazu Ansätze einer Mythologie. Neben diesen Nachklängen der Moderne steht aber auch hier der neue, seit 1930 spürbare Realismus, das Ganze hat viel von einer Reportage, es gibt genaueste, scharf beobachtete und scharf umrissene Schilderung der Details der Umwelt und exakte Protokollierung der Vorfälle. L. B.
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, (c) Alfred Kröner Verlag]

Weitere Titel im Hörbuchbestand:

Autorenporträt

Bemerkungen zu Jules Verne

Otto Werner Förster

Jules Verne wirkt noch immer. Das hat zu tun mit seinem Talent und mit seinem Gespür für das Jahrhundert.
Es war ein aufregendes Jahrhundert: Frankreich läuterte sich über diverse Revolutionen, die letzten weißen Flecken auf der Weltkarte verschwanden in diesem Jahrhundert. Und die letzte Scham der europäischen Staaten, die Welt unter sich aufzuteilen. Das wissenschaftliche und technische Gewerbe explodierte an Ideen und Lösungen - nach Jahrhunderten der empirischen Naturbetrachtung, der Vermutungen und der geistigen Fesselung durch kirchliche Dogmen. Die bis dato unbedarften Stände kamen zu elementarer Bildung und damit zu Lektüre. Der Ingenieur war der Größte.
Technik war Zukunft an sich. Technik verhieß allgemeine Glückseligkeit. Literatur, bildende Künste, die durch neue Technologien aufkommenden Massenmedien waren eingebunden in die große Euphorie. Jules Verne gab diesem Lebensgefühl literarischen Ausdruck. Er ist 19. Jahrhundert und vermag es auch fortdauernd zu vermitteln. Aber es dauerte dennoch, bis Verne zu Ruhm und Geld und Nachruhm kam.
Das weltmännische Hafenstadt-Kaff und provinziell-muffige Nantes an der bretonischen Küste erlebte am 8. Februar 1828 die Geburt des Jules-Gabriel Verne. Der Vater war geachteter und ehrlicher Rechtsanwalt. Die Mutter musische Hausfrau schottischer Abstammung. Keinerlei existenzielle Probleme also. Der Knabe liest Edgar Allan Poe, Dumas, Cooper. Phantastik und Abenteuer. Auch Hugo, Balzac, Hoffmann. Der Knabe sieht die Weltensegler im Hafen, will also fort in die Welt. Er tauscht mit einem Schiffsjungen die Kleider, um nach Amerika zu kommen. Es geht schief, wie die meisten solcher Jungenträume: Papi holt ihn wieder in die geordnete Welt. Der jüngere Bruder Paul aber wird als Marineoffizier die Weltmeere befahren. Ungerecht, wie die Welt nun mal ist. Die Abenteuerträume hatten sie doch gemeinsam. Geordnete Welt ist Juristerei. Also schickt der Vater ihn nach äußerlich belangloser Kindheit zum Jura-Studium nach Paris. Der Sohn landet im Quartier Latin, dem Künstlerviertel. Dort geht die Reise los. Ins Ich. Selbsterkundung, Ausloten eigener Möglichkeiten, unbefriedigter Ehrgeiz sind die Folgen.
Das zweite Juristen-Examen besteht Jules Verne 1848. Lustlos. Die Juristerei ist wohl nicht die Erfüllung. Er geht um in den Künstlerkreisen, befreundet sich mit dem jüngeren Dumas. Mit echten und mit eingebildeten Künstlern. Mit der ganzen Blase wichtigtuender und unbedarfter Möchtegern-Künstler. Verne will auch wichtig sein. »Stilist« will er werden. Darunter versteht er den künstlerischen Literaten. Heraus kommen zunächst mehr oder weniger seichte Komödien und Operetten-Libretti. Alles vergessen heute, wenn auch das Publikum klatschte und jubelte.
Die handgreiflichen Ereignisse von 1848 in Paris sind ihm nur wenige Briefzeilen wert. »Ich verschließe meine Tür und bleibe zu Hause, um zu arbeiten …« Immerhin flossen Hektoliter von Blut; es ging um die Zukunft Frankreichs. Jules Verne verkroch sich in seine Kammer und verschloss Augen und Ohren. Politik und soziale Stellungnahme lagen nicht in seinem Blickfeld.
1850 erreicht sein erstes gemeinsam mit dem jüngeren Dumas erarbeitetes Stück 12 Aufführungen am Théâtre Historique. Theaterleiter war der ältere Dumas. Bekanntschaften und Beziehungen waren schon vor 150 Jahren so wichtig wie heute.
1851 schließt Verne sein Studium ab. Zu den »Trotteln« zurück nach Nantes will er aber keinesfalls. Paris hat ihn von der Provinz gründlich geheilt. Verne intensiviert sein Künstlerleben. Verschiedene Bekanntschaften, so mit dem Librettisten von »Hoffmanns Erzählungen«, Michel Carré, verhelfen ihm zu weiteren Komödien- und Operettenpremieren. Seichte Späßchen. Aber sie bringen den Unterhalt.
Louis-Napoleon, Neffe des großen Napoleon, kommt an die Macht. Victor Hugo geht ins Exil. Viele andere auch. »… ich mische mich nicht ein«, der Kommentar Vernes. Er wird Sekretär des Direktors am Théâtre Lyrique. Gelegenheit zu wichtigen Kontakten. Aber die Magenbeschwerden, Krämpfe und Koliken nehmen zu. Lange nach seinem Tod wird man die immer wiederkehrende Krankheit als Diabetes erkennen.
Er veröffentlicht erste Reiseerzählungen in einer verbreiteten Familienzeitschrift: populärwissenschaftliche Unterhaltung, Abenteuer, moralische Fingerzeige für den schlichten, aber bildungshungrigen Kleinbürger. Man will schließlich »in« sein. Immerhin sind hier Gegenstände späterer Romane vorgeprägt: Reisen, Abenteuer, der Kampf des Guten gegen das Böse.
Die Pariser Weltausstellung 1855 fasziniert ihn. Hier ist modernste und spektakuläre Technik versammelt und angewandt!
Man halte sich nur vor Augen, was für Namen von wissenschaftlicher Weltgeltung bis heute dieses Jahrhundert zu bieten hat: Darwin, Haeckel und Brehm, Livingstone und Nobel, Bunsen, Siemens, Faraday, Gauß, Virchow, Morse ... Eine Häufung großer Geister wie in allen weltgeschichtlichen Epochen grundsätzlicher Umschwünge. Es war ein Jahrhundert der Techniker, Erfinder und - selbstverständlich - der Kriegsherren.
Den elektromagnetischen Telegrafen zum Beispiel gab es schon seit 1833, die Schreibmaschine länger. Verne wusste von Elektromotor und Dampfturbine, von Fotografie und Lichtbogenschweißen. Die Zeitgenossen wurden mit Erfindungen konfrontiert - und vielleicht überfordert - wie U-Boot und Gasmotor, elektrischer Glühbirne und Fernsprecher, 4-Takt-Motor und Rotationsdruckmaschine. Hubschrauber-Modelle waren ebenso im Gespräch wie hydraulische Aufzüge, Nähmaschine, Füllfederhalter und Sicherheitszündhölzer. Man schätzt dieses Jahrhundert heute mit Sicherheit zu gering. Vor allem aus Unwissen.
Verne war fasziniert von diesen Entwicklungen. Und er hielt sich auf dem Laufenden: Hier lagen scheinbar die Lösungen aller Probleme. Nur nicht seiner eigenen: Er hatte Pech mit den Frauen, wollte gern heiraten, kam aber nicht zurecht mit den Damen. Oder sie mit ihm? Dem Umtriebigen, dem Eigenbrödler, dem rücksichtslosen Ich-Menschen. Wahrscheinlich muss ein Kunst-Mensch rücksichtslos sein. Aber er merkt es selbst nicht.
Erotische oder nur Partnerbeziehungen kommen folgerichtig in Vernes Büchern kaum vor. Er erklärt es selbst mit seiner »linkischen« Natur. Und heiratet trotzdem. Im Januar 1857 die 26-jährige Witwe Honorine aus Amiens. Mit 2 Töchtern. Jules Verne hat nun Familie und Verantwortung. Die Einkünfte müssen also sicherer werden. Das Elternhaus, die Etikette, der Ruf der Familie … Verne wird Börsenmakler. Allerdings zahlt der Vater, wenn auch ungern, die dazu notwendigen 50.000 Francs. Die Börsengeschäfte lassen ihm Raum zum Schreiben. Erzählungen und Komödien. Die Ehe hindert ihn nicht am Reisen. Zum Beispiel mit einem Freund nach England und Schottland, nach Dänemark und Norwegen. Wichtige Eindrücke für Späteres. Da kann man schon mal die Geburt des eigenen Sohnes verpassen: Michel, geboren am 3. August 1861. Ein über Jahre und Jahrzehnte durchaus unleidlicher und garstiger Knabe, wie sich herausstellen wird.
Zu dieser Zeit hat Verne die große Roman-Idee. Der Gegenstand: Eine Ballonüberquerung Afrikas. Das Thema: Entdeckung der Nilquellen mit modernen technischen Hilfsmitteln. Der Hintergrund: Ballonversuche waren groß in Mode. Der Busenfreund Michel Nadar - bekannter Fotograf, Hans Dampf und kompromissloser sozialkritischer Republikaner - lässt zu Werbe- und Geldbeschaffungszwecken für seine »Gesellschaft Schwerer-als-Luft« einen Riesenballon bauen. Das Geld wird allerdings nicht eingespielt. Das Luftfahrzeug stürzt vor Hannover ab. 1862 war der Engländer Speke ins Innere Afrikas aufgebrochen. Die Dinge sind im öffentlichen Gespräch.
Hier liegen Methode und Erfolgsrezept Jules Vernes. Seine Romane handeln sämtlich in der Gegenwart des 19. Jahrhunderts. Die technischen Zutaten sind, wie skizziert, allgemein bekannt oder im Ansatz vorhanden. Vernes Verdienst ist, dass er sie vorsichtig weiterspinnt, glaubhaft macht, sie in abenteuerliche Reisehandlungen kleidet. Der Leser konnte in diesem Trommelfeuer täglicher technischer Neuheiten Wahrheit und Fiktion nicht trennen. »Fünf Wochen im Ballon« erschien als erster Roman 1863 beim Pariser Verleger Pierre-Jules Hetzel. Freund Nadar - übrigens der Ardan der Mond-Romane - vermittelt Verne an eben diesen Verleger. Hetzel erkennt neben der literarischen auch die profitable Seite der Romanidee und führt Verne zu weiteren Romanprojekten gleichen Zuschnitts.
Der Boden für solcherart Literaturunternehmungen war äußerst fruchtbar und lange aufbereitet. Der ungeheure Erkenntniszuwachs seit der Renaissance führte erst im 19. Jahrhundert zur massenweise praktischen Verwirklichung. Hier gab es einen Stau, der umschlagen musste. Ein Qualitäts-Umschlag. Nachzulesen beim Philosophen Hegel. Ein Umschlag in neue, für alle greifbare und sichtbare Dinge.
Galvanische Elemente, Telegrafen, Elektro- und Verbrennungsmotoren, Telefon, die Glühlampe. Die Elektrizität überhaupt. Sie war das Zauberelement der zweiten Jahrhunderthälfte. Alles war möglich geworden. Technikfortschritt wurde mit Menschheitsfortschritt gleichgesetzt. Die bürgerlichen Ideale der Großen Französischen Revolution fanden hier, kanalisiert zwar, aber immerhin, eine nahtlose Fortsetzung und wiesen über die Gegenwart hinaus. Die Dimension Zukunft schien berechenbar geworden.
Jules Verne gilt heute gemeinhin als Prophet technischer Entwicklungen der Zukunft. Das ist Unsinn, kolportiert aus Unkenntnis jener Zeit. Gegenwart ist immer vergesslich. Er wird genannt als geistiger Vater des U-Boots, der Superwaffen, des Hubschraubers, der Raumfahrt und so weiter. Nichts von alledem. Alles schon da im 19. Jahrhundert. Wenn schon nicht als technische Realität oder Erfindung, so doch in der Literatur seit Generationen.
Beispiel U-Boot: Über Versuche in der Antike bis zum Renaissancemenschen Leonardo da Vinci und schließlich zu Wilhelm Bauer reicht die Geschichte. Letzterer hatte 1851 sein Tauchboot im Kieler Hafen getestet. Aber schon achtzig Jahre zuvor hatte ein amerikanisches U-Boot im Unabhängigkeitskrieg ein Schlachtschiff versenkt. Und ging dabei allerdings für immer unter.
Familie Verne kann standesgemäß umziehen. Der Erfolgsautor muss aber auch Zugeständnisse machen, bis in Figuren-Ensembles und Struktur der Romane. Der Umsatz hing an zu befriedigenden Leserbedürfnissen. Literaturjahrmarkt schon damals.
Die großen zeitlosen Romane erscheinen hintereinander: »Die Reise zum Mittelpunkt der Erde«, »Von der Erde zum Mond«, »Die Reise um die Erde in 80 Tagen«, »20.000 Meilen unter den Meeren«, hier haben die Übersetzer uns Jahrzehnte belogen ...
Dabei nimmt es Verne mit der Wissenschaftlichkeit nicht immer so genau, obwohl die Bücher von detaillierten Erklärungen strotzen. Er rechnet vor, erläutert, führt scheinbar lückenlose Beweisketten. Wer vollzieht das schon nach. Dort liegen aber die Fehler.
Die technische Absurdität der beiden Mondbände etwa muss Verne auf jeden Fall bewusst gewesen sein. Eine abgeschossene Kugel kann nie die Geschwindigkeit erhalten, die Erdanziehung zu verlassen; das Projektil samt Rohr wäre schon beim Abschuss explodiert. Die Beschleunigung hätte überdies die Reisenden zerquetscht. Der Roman in zwei Bänden funktionierte trotzdem.
Der Schlüssel zu den Widersprüchen liegt in der Romanintention: Die Mondromane, vor allem der erste Band, sind über weite Strecken Satire! Die Jungs vom Kanonenclub im amerikanischen Baltimore sind allesamt waffenfanatische Krüppel im Wortsinne. Der Roman handelt zwar im fernen Amerika. Das ungeliebte und einschlägig agierende Preußen aber liegt direkt vor der Haustür. Der Schießdrang der Kanonenfreunde in einer kriegsarmen Zeit führt zur Mondreise. Als Ersatzbefriedigung. Mittels einer Superkanone natürlich …
[Quelle: Leicht gekürzt aus: Otto Werner Förster: Eins mit der Welt - Bemerkungen zu Jules Verne.  Reise von der Erde zum Mond in TRIANGEL, Das Radio zum Lesen, 8. Jahrgang, Februar 2003. Der Essay wurde am 3.2.2003 im mdr gesendet.]

Jules Verne in der DZB

7 Bde., rkh., BNA 5411; 7 Kass. 5994
4 Bde., rkh., BNA 5735
1 Bd., kh., BNA 2517
3 Bde., kh., BNA 4030; 1 Kass. 1548
2 Bde., rkzp., BNA 6782; 5 Kass. 3784
4 Bde., rkh., BNA 5877
15 Kass. 1916
4 Bde., rkh., BNA 6023
4 Kass. 4051
8 Kass. 3794
8 Bde., rkzp., BNA 2894; 16 Kass. 3699
3 Bde., rkzp., BNA 8700
7 Kass. 2880
5 Kass. 3772
2 Bde., rkzp., BNA 7207
5 Kass. 145
6 Kass. 1090
1 Bd., rkzp., BNA 5871; 3 Kass. 4185
4 Bde., vh., BNA 5793
1 Bd., rkzp., BNA 7205

LOUIS

[Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander  (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis

Welche DAISY-Abspielgeräte sind zur Zeit auf dem Markt erhältlich?

Ulrich Jander

Heute möchte ich eine Übersicht geben, welche speziell für DAISY-Hörbücher ausgerüsteten Abspielgeräte es gibt und bei welchem Händler sie erhältlich sind. Es geht diesmal also nicht um in Rundfunkgeschäften angebotene CD-Player mit mp3-Funktion, mit deren Hilfe zwar DAISY-Hörbücher wiedergegeben werden können, jedoch der Komfort solcher Geräte als eingeschränkt zu betrachten ist. Das Blättern im DAISY-Buch, was die DAISY-Technologie insbesondere ausmacht, funktioniert richtig über mehrere Ebenen nur bei den speziellen Abspielgeräten. Eingebaute Lautsprecher findet man auch nur dort, es sei denn, dass ein Lautsprecher aufgrund der Gerätegröße und des Gewichts weggelassen wurde. Fünf verschiedene, spezielle DAISY-Abspielgeräte möchte ich hier nachfolgend aufführen und jeweils kurz beschreiben. Alle Spezialgeräte funktionieren sprachunterstützt, bei einigen über die komplette Tastatur. Nicht nur DAISY-Hörbücher, sondern auch Audio-CD's sind auf allen nachfolgenden Geräten abspielbar.

1. »Victor Reader Classic«

Dieses Gerät gibt es bereits seit einiger Zeit. Jetzt ist der Nachfolger auf den Markt gekommen, die Typenbezeichnung ist geblieben. Das Gerät ist etwas kleiner und leichter als das Vorgängermodell geworden, ca. 800 Gramm. Die Form ist ähnlich einem stationären Telefonapparat ohne Hörer, die Oberfläche nach vorn abgeschrägt. Der »Classic« besitzt einen eingebauten Lautsprecher, Kopfhörer oder andere Geräte können angeschlossen werden. Das Gerät verfügt über einen eingebauten Akku, kann jedoch auch über das mitgelieferte externe Netzteil an der Steckdose betrieben werden. Über die Tastatur sind alle Hierarchieebenen eines Hörbuches erreichbar. Das Anwählen von Seitenzahlen ist allerdings nicht möglich, da eine Zifferntastatur fehlt. Dadurch verfügt der »Classic« nur über die für den Betrieb unbedingt erforderlichen Tasten, sodass sich die Tastenanzahl etwas in Grenzen hält. Wer also möglichst wenig Tasten an seinem neuen Gerät haben möchte, ist mit dem »Victor Reader Classic« gut bedient.
Erhältlich ist das Gerät für 375 Euro ohne MwSt. bei
Fa. Handy Tech Elektronik GmbH
Brunnenstr. 10, 72160 Horb
Tel. 07451 5546-0, Fax: 07451 5546-67
E-Mail: info@handytech.de
Internet: www.handytech.de
oder für 479 Euro ohne MwSt. bei
Fa. F. H. Papenmeier GmbH & Co. KG
Postfach 1620, 58211 Schwerte
Tel. 02304 205-0, Fax 02304 205-205
E-Mail: info@papenmeier.de
Internet: www.papenmeier.de

2. »Victor Reader Classic plus«

Er ist baugleich zum zuvor genannten Classic-Modell, besitzt also dieselben Eigenschaften. Beide Geräte verfügen über einen CD-Einzug, also keine Schublade für die CD, wie es beim »Victor Reader Pro«, dem Vorgänger zum »Classic plus«, der Fall war. Mit dem »Classic plus« können auch Seitenzahlen angewählt werden, wenn dies bei der Produktion des Hörbuches berücksichtigt worden ist. Daher verfügt der »Classic plus« über eine komplette Zifferntastatur. »Classic« und »Classic plus« besitzen jeweils einen Henkel zum Tragen der Geräte. Der Preis des »Classic plus« ist mit dem »Classic« identisch (375 Euro bei Handytech und 479 Euro bei Papenmeier, jeweils ohne MwSt.). Außerdem wird das Gerät von Viersinn-Versand (Tel.: 0751-561500) für 649 Euro einschließlich MwSt. angeboten.

3. »Victor Reader Vibe«

Das Gehäuse dieses kleinen Gerätes ist gestaltet wie ein tragbarer CD-Player (flach und rundlich). Der auf der Oberseite befindliche Deckel kann mittels des vorn sitzenden Schiebeschalters geöffnet werden. Die CD wird in das Gerät, auf den Transportkern, gedrückt. Auf dem Deckel befinden sich die elf Bedientasten, sie sind mehrfach belegt. Durch Drücken auf die Seitenzahlentaste fungieren die ersten zehn Tasten als Zifferntasten, sodass die Anwahl von Seitenzahlen möglich ist. Die Tasten sind klein und rund, jedoch gut fühlbar gestaltet. Die Tasten sind ähnlich den Ziffern auf einem Ziffernblatt auf dem Deckel angeordnet. In die Funktionsweise des Gerätes mit Hilfe der Tasten muss sich eingearbeitet werden. Der »Vibe« besitzt keinen eingebauten Lautsprecher. Es können Kopfhörer, Lautsprecher mit eigener Stromversorgung oder eine Radioanlage über ein Kabel (nicht im Lieferumfang enthalten) angeschlossen werden. Der Player wird mit zwei handelsüblichen Batterien oder Akkus, Typ LR 6, betrieben. Ein Steckernetzteil gehört zum Lieferumfang, sodass der »Vibe« auch an der Steckdose eingesetzt werden kann. Die Akkus können im Gerät aufgeladen werden. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses ist der »Vibe« bei der Tastenbedienung englischsprachig, was sich sicherlich ändern wird. Der »Victor Vibe« wird, wie die ersten beiden Geräte »Classic« und »Classic plus«, von der Firma Visuaide in Kanada hergestellt. Erhältlich ist der »Vibe« ebenfalls bei Handytech für 275 und bei Papenmeier für 330 Euro, jeweils ohne MwSt. Viersinn-Versand bietet das Gerät für 299 Euro einschließlich MwSt. ebenfalls an.

4. »Scholar« der Firma Telex

Auch dieses Abspielgerät ähnelt stark einem handelsüblichen CD-Player (rundliches Gehäuse, ohne eingebautem Lautsprecher). Der »Scholar« ist etwas dicker als der »Vibe«. Das Telex-Gerät wird mit vier Batterien bzw. Akkus, Typ LR 6, betrieben. Das Batteriefach liegt etwas unzugänglich im Gerät, man muss den CD-Deckel öffnen und eine eventuell im Gerät befindliche CD herausnehmen, da darunter das Batteriefach erreicht wird. Die Akkus werden im Gerät nicht geladen. Netzbetrieb mit einem mitgelieferten Steckernetzteil ist ebenfalls möglich. Die Tastatur befindet sich auf dem CD-Deckel, sie ist einfacher erlernbar als beim »Vibe« (eine dicke, runde Taste für Wiedergabe bzw. Stopp, darum gruppiert die vier Pfeiltasten zum Springen im Hörbuch). Weitere kleine Tasten sind für Lesezeichen- und Seitenzahlenfunktion zuständig. Der »Scholar« ist in seiner Funktionsweise bislang das langsamste Gerät; der »Vibe« funktioniert etwas fixer, jedoch nicht in jeder Betriebsart. »Scholar« und die drei »Victor«-Geräte können bezüglich ihrer Firmware mittels einer CD auf den neuesten Stand gebracht werden. Der »Scholar« kostet ca. 319 Euro einschließlich MwSt. und ist erhältlich bei
Landeshilfsmittelzentrum Dresden
Louis-Braille-Str. 6, 01099 Dresden
Tel. 0351 8090624, Fax 0351 8090627
E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de
Internet: www.bsv-sachsen.de/lhz
oder bei
Verein zur Förderung der Blindenbildung e.V.
Bleekstr. 26, 30559 Hannover
Tel. 0511 95465-0
E-Mail: vzfb@vzfb.de
Internet: www.vzfb.de
oder bei
Marland-Versand (Tel. 07525-92050) bzw.
Viersinn-Versand (Tel. 0751-561500)
zum gleichen Preis.

5. DAISY-Recorder »PTR1«

Hier handelt es sich um das Spitzenmodell aller DAISY-Geräte. Es ist nicht nur ein kompletter Player, sondern ein DAISY-Aufnahmegerät. Das Gerät ähnelt in seiner Form einem handelsüblichen Schwarzschriftbuch. Es verfügt über eingebauten Lautsprecher und Mikrofon; verschiedene Ein- und Ausgänge sind vorhanden. Natürlich fehlt die Seitenzahleingabemöglichkeit nicht. Die Tasten sind übersichtlich und gut fühlbar auf der Oberseite des Gerätes angeordnet. Der »PTR1« verarbeitet nicht nur CDs, sondern auch ein PC-Kartenschlitz steht zur Verfügung, sodass man z.B. zwischen einer CD und der PC-Karte bzw. umgekehrt kopieren kann. Das Gerät ist über den eingebauten Spezialakku oder mit Hilfe des externen Netzteils an der Steckdose funktionstüchtig. Die Einsatzmöglichkeiten des »PTR1« sind so vielseitig, dass längst nicht alles hier genannt werden kann. Das Gerät kostet ca. 860 Euro ohne MwSt. und ist z. B. erhältlich bei der Firma Handytech oder Firma Baum Retec AG (Tel. 06223-49090) bzw. bei Marland-Versand (Tel. 07525-92050) sowie bei Viersinn-Versand (Tel. 0751-561500), hier jedoch für 1064,60 Euro einschließlich MwSt.

Info-Service

VI. Boltenhagener Bücherfrühling

Dr. Jürgen Trinkus

Dass Literatur für Kinder und Jugendliche keinesfalls zweite Wahl sein sollte, gilt als ausgemacht. Dass sie auch dem Horizont erwachsener Leser gut tut, ist die Behauptung, von der die Wahl des Schwerpunktthemas des VI. Boltenhagener Bücherfrühlings ausgeht. Vom 14. bis 18. April 2004 ist das »Haus Seeschlösschen« wieder Treffpunkt der Freunde authentischen Literaturerlebnisses.
An den vier Abenden treten namhafte Autoren auf, deren Texte es bis in die Lesebücher geschafft haben und die teilweise auch in den Blindenbüchereien zu haben sind: Harald Tondern (Hamburg), Wolf Spillner (Ludwigslust), Heinrich Hannover (Worpswede) und Klaus Meyer (Rostock). Die dazu gehörigen Gespräche finden an den Vormittagen statt. An den Nachmittagen gibt es u.a. das traditionelle Porträt eines Verlages der Region und die Selbstvorstellung einer Blindenbibliothek. Diesmal handelt es sich um die Westdeutsche Blindenhörbücherei in Münster. Das Programm wird abgerundet durch die Mitwirkung einer Bibliothekarin und einer Buchhandlung.
Akteure und Teilnehmer wohnen gut umsorgt unterm gleichen Dach und haben sich für die Zeit des Zusammenseins aus ihrem jeweiligen Alltag ausgeklinkt. So entsteht wohl die entspannte und intensive Zuhöratmosphäre, welche das »Seeschlösschen« zum Hörschlösschen werden lässt, wie es der Altmeister des Radiofeatures Ekkehard Saß einmal ausdrückte.
Der Programmablauf findet sich mit detaillierten Dosiers über die Akteure im Internet unter www.klangkontext.de/boltenhagen/buecherfrl.html
In gedruckter Form (auf Wunsch in Braille) kann er dort angefordert werden, wo sich Interessenten auch anmelden mögen:
Aura-Hotel »Ostseeperlen Boltenhagen«
Strandpromenade 53, 23946 Boltenhagen
Tel.: 038825 370-0, Fax: 038825 370-43,
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de

Tandem-Hilfen startet Richtung Paralympics 2004

Das Hilfsprojekt für blinde und sehbehinderte Menschen mit sportlichem Ehrgeiz und sozialem Engagement sucht Freunde, Förderer und Sponsoren; www.tandem-hilfen.de
Zwei Tandem-Teams (sehende Piloten, blinde bzw. stark sehbehinderte Mitfahrer) »radeln« anlässlich der Paralympics 2004 von Berlin nach Athen.
In den 10 Ländern, die sie durchfahren, übergeben sie Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen, die dort dringend gebraucht werden - für Bildung und Beruf, für Sport und Freizeit.
»Das Tandem ist für uns Fortbewegungsmittel und Symbol zugleich«, erklärt Initiator Dr. Thomas Nicolai (53), Journalist in Berlin und selbst von Kindheit an stark sehbehindert. »Denn es geht nur gemeinsam!«
Dank erster Sponsorzusagen können bereits einige Blindenschrift-Schreibmaschinen, Technik für eine Hörbücherei, Tandems und Klingelbälle für das Torballspiel (ein Mannschaftsspiel für Blinde) finanziert werden. Der Hilfebedarf in den 10 durchfahrenen Ländern ist aber riesengroß. Deshalb sollen weitere Organisationen, Partner aus Wirtschaft und Politik sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Spitzensportler und Stiftungen als Freunde und Förderer sowie als Sponsoren gewonnen werden.
Die »Tandem-Helfer« sind zuversichtlich, dass in den verbleibenden Monaten bis zum Start am 08. August 2004 weitere Firmen und Einzelpersonen ihre Unterstützung zusagen, damit die Hilfsaktionen möglichst viele blinde und sehbehinderte Menschen im zusammenwachsenden Europa erreichen.
Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich an der Finanzierung von Hilfsmitteln beteiligen. Da es sich um eine private Initiative handelt, können finanzielle Zuwendungen nicht steuerlich geltend gemacht werden.
Nähere Informationen im Internet:
www.tandem-hilfen.de
oder bei Jutta Balzert;
Tel. 02302 50452 (nach 18.00 Uhr)
bzw. bei Dr. Thomas Nicolai;
Tel. 030 2081720 (nach 18.00 Uhr).


Grafik: Logo
tandem-hilfen

Konto:
Thomas Nicolai
Projekt Tandem-Hilfen
Postbank Leipzig
BLZ: 860 100 90
Konto-Nr.: 6701909

Reiseführer für Südspanien: Was wünschen Behinderte?

[blip]

Ein Reiseführer, der die Barrierefreiheit der Urlaubsgebiete in Südspanien bewerten soll, ist Ziel eines Projekts zweier Studentinnen.
Um die Wünsche von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen mit den Bedingungen vor Ort vergleichen zu können, haben sie eine Fragebogenaktion begonnen. Interessierte können die Fragen anfordern bei:
Stephanie Ziplys
Soltauer Str. 4, 21335 Lüneburg,
Tel. 04131 400340,
E-Mail: stephie.ziplys@gmx.de

Mailingliste für Frauen mit und ohne Behinderung

Angesagt heißt die neue Mailingliste vom Hessischen Koordinationsbüro für behinderte Frauen. Es ist eine Liste zur Information, Kommunikation und Diskussion für Frauen mit und ohne Behinderung.
Gegenseitiger Austausch - z. B. zu frauen- und behindertenpolitischen Themen aus Frauensicht - Adressänderung, Terminankündigungen, Hinweise auf Buchneuerscheinungen zum Thema »Frauen mit Behinderungen«, andere spannende Infos für Frauen mit und ohne Behinderungen und Vieles mehr hat Platz in dieser Mailingliste.
Um sich anzumelden, schicken Sie einfach eine leere Mail an: join-angesagt@kbx.de
Für weitere Informationen oder Rückfragen steht Ihnen Rita Schroll vom Hessischen Koordinationsbüro für behinderte Frauen, Tel. 0561 72885-22, E-Mail: hkbf@fab-kassel.de jederzeit gerne zur Verfügung.

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ein hörbares Magazin Lifestyle herausbringen.
Das bedeutet, dass wir einen Querschnitt aus
der Bunten Presse (Cosmopolitan, Petra,
Spektrum der Wissenschaft, Vital, Gesundheit
und Sport-Magazin Schweiz) von zwei Profisprechern
lesen lassen und als Audio-CD vervielfältigen.
Das Magazin erscheint 6 mal im Jahr und ist
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Tel./Fax: +43 1 8891217
mobil: 0664 4312887

Verschenke
Erna Horn: Koche mit mir.
Beate von Sobbe: Heilkräuter und Gewürze.
Hannelore Pilz-Samek: Yoga und Gymnastik.
Ilse Neunzig, Schulstr. 8, 71679 Asperg

Karl May zum Hören!

Mein Hengst Rih.
Hörbuch, 1 CD, 75 min
ISBN 3-7802-0183-6
€ 9,90 , sFr 18,30
Dramaturgische Textfassung von Carl-Heinz Dömken.
Gelesen von Stefan Wigger. Wigger, in Leipzig geboren, ist Sachse wie Karl May, dessen Bücher er las und liebt.

Weihnacht.
Hörspiel, 3 CDs, 171 min
ISBN 3-7802-0187-9
€ 29,00, sFr 51,20
Eines der schönsten Karl-May-Abenteuer erstmals als Audiobook. Mit Schauspielern der Karl-May-Festspiele Bad Segeberg und Elspe, Joshy Peters als Old Shatterhand und Benjamin Armbruster als Winnetou. Aufgenommen in den Graceland-Studios von Konrad Halver (dem Winnetou-Sprecher früherer Hörspiel-Produktionen). Musik von Andreas Schumann.

Winnetou I.
Hörbuch, 7 MCs, 658 min
ISBN 3-7802-0180-1
€ 29,00, sFr 84,10
Dramaturgische Textfassung des Winnetou I von Carl-Heinz Dömken.
Gelesen von Stefan Wigger. »Winnetou I«, der populärste May-Band, ist, so wie hier dargebracht, sicherlich eine Sternstunde allerbester Unterhaltung.

Halef im Taubenschlag.
Musikalisches Hörbuch
1 CD, 50 min
ISBN 3-7802-0185-2
€ 9,90, sFr 18,30
Zu den humorvollsten Episoden, die Karl May geschrieben hat, zählt das Taubenschlag-Abenteuer aus Band 4 seiner Gesammelten Werke, »In den Schluchten des Balkan«. Diese originelle Szene vertonte Horst Felsinger als sinfonischen Dialog zwischen Orchester und Sprecher.
Produziert von Arte Nova Classics
Gelesen von Nikolaus Frei

Winnetou und Old Shatterhand
Band 1: Blutsbrüderschaft.
Hörbuch, 2 CDs, 150 min
ISBN 3-7802-0195-X
€ 14,90, sFr 27,10
»Blutsbrüderschaft« enthält die wichtigsten Abschnitte des ersten Bandes von »Winnetou», die erste Begegnung des Old Shatterhand genannten Bleichgesichts mit dem jungen Apatschenhäuptling.

Winnetou und Old Shatterhand
Band 2: Die Jagd auf Santer.
Hörbuch, 2 CDs, 152 min
ISBN 3-7802-0196-8
€ 14,90, sFr 27,10
»Die Jagd auf Santer« beginnt mit der Ermordung von Winnetous Vater Intschu tschuna und seiner Schwester Nscho-tschi durch den goldgierigen Santer. Mehrmals gelingt es dem Mörder, Winnetou und Old Shatterhand zu entkommen, bis ihn schließlich sein Schicksal ereilt.

Kara Ben Nemsi u. Hadschi Halef Omar
Senitzas Befreiung
Hörbuch, 1 CD, 70 min
ISBN 3-7802-0197-6
€ 9,90, sFr 18,30
»Senitzas Befreiung« ist eine Episode aus dem Reiseroman »Durch die Wüste«. Kara Ben Nemsi kommt zusammen mit seinem pfiffigen Diener Hadschi Halef Omar nach Kairo. Dort ruft ihn der reiche Abrahim Mamur, der von den medizinischen Kenntnissen des Abenteurers gehört hat, in sein Haus, wo er die angebliche Frau des Ägypters behandeln soll. Doch Kara Ben Nemsi erkennt schnell, dass es sich bei der »Kranken« um eine entführte junge Frau handelt, und ist gleich bereit, deren Verlobten bei ihrer Befreiung zu unterstützen.

Alle Preise sind empfohlene Ladenpreise.

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Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €,
Schwarzschrift 12,30 €.
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Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html

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