DZB-NACHRICHTEN Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 6 / 2004 November / Dezember 14. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung
Postecke
Einblicke
   Tag der offenen Tür in der DZB 2004
Wie war das damals?
   Hundert Jahre Blindenanstalt Chemnitz
Aus dem literarischen Leben
   Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen
   Elfriede Jelinek erhält den Literaturnobelpreis
   Péter Esterházy mit Friedenspreis des Buchhandels ausgezeichnet
Die Kramkiste
   Stingl, Miloslav: "In versunkenen Mayastädten"
   Daniel Defoe: "Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders"
Bücher des Jahrhunderts
   Vladimir Nabokov
   "Lolita" - Roman von Vladimir Nabokov
LOUIS
   Der neue DaisyLeser Version 1.1 ist da!
   Das neue DAISY-Abspielgerät Typ PTN1
Info-Service
   110 Jahre DZB
   Mitteilung der Hörbücherei
   Neue Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit der DZB
   DAISY immer mehr im Kommen
   Die Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen rückt zusammen
   Neue Rechtschreibung wird verbindlich
   Schminktipps in Punktschrift
   TV-Programm per Telefon
Gibt es einen Weihnachtsmann?
Weihnachtliche Empfehlungen
Impressum

Vorbemerkung


Sicherlich haben die Hörer der letzten Ausgabe den Fehler bei der Kassetten- und DAISY-Hörfassung bemerkt: Das Interview mit den Herren Lubnau und Bethke beschränkte sich auf die Ankündigung desselben. Ich bitte dieses Versehen zu entschuldigen. Aus Platzgründen können wir den Mitschnitt allerdings nur in der DAISY-Fassung nachreichen.
Die Kassettenhörer werden mit dieser Ausgabe der "DZB-Nachrichten" eine "Leipziger Bücherliste" mit zwei Kassetten Umfang erhalten. Und das ist das Erfreuliche: Die Zahl der neuen Titel aus Produktion und Einkauf ist so gestiegen, dass eine Kassette wie bisher nicht mehr ausreicht - zumal wir ja auch Informationen zu den angekündigten Titeln beisteuern. Als die Frage stand, eventuell auf Inhaltsangaben o.ä. zu verzichten, haben wir uns dazu entschlossen, keine dieser Informationen wegfallen zu lassen. Stattdessen wird der Umfang erweitert. Für Sie als Abonnenten ist dieser Mehraufwand mit keinen höheren Kosten verbunden. Auch im nächsten Jahr bleibt der Preis für DZBN und Bücherliste unverändert - schöne Aussichten für 2005!
Ein frohes Fest und einen guten Rutsch wünscht Ihnen
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Mondphasen im Kalender 2005
"(...) Versuchsweise wurde nun die Mondtätigkeit des jeweiligen Monats aufgenommen. Leider haben Sie vergessen darauf hinzuweisen, welche Bedeutung die Symbole haben! Die Angaben des Mondes sollten auch bei weiteren Kalendern fortgeführt werden. Dazu eine Empfehlung: Sie sollten das Kennzeichen vor die Zahl setzen.(...)"
[Stefan Singer, Zwickau]

ANMERKUNG DER REDAKTION
Im Taschenkalender B steht die Erklärung der Symbole nach der Auflistung der nur in Teilen der Bundesrepublik geltenden Feiertage und vor dem Beginn des Monatskalendariums für Januar. Einschließlich Titelblatt ist dies das Blatt 6 bzw. die Seite 12 des Kalenders.
Für die Position des Mondphasenkennzeichens unterhalb der Zahl haben wir uns entschieden, um das bisherige Kalenderformat beibehalten zu können und Verwechslungen auszuschließen.

Leben und Werk von Paul Georgi (DZBN 2004-4)
"(...) Jene Sehenden, die sich um blinde Menschen kümmern, haben es verdient, gewürdigt zu werden. Ich habe das Empfinden, dass diese Würdigung im Hintergrund geschieht bzw. dass diejenigen Sehenden, die sich um blinde Menschen kümmern, so gut wie keine Erwähnung finden.(...)"
[Helmut Illig per Kassette, Mainz]

Einblicke

Tag der offenen Tür in der DZB 2004

DR. TH. KAHLISCH

In diesem Jahr lag der Tag der offenen Tür der DZB auf einem besonderen Datum. Als wir im Frühsommer an die Planung und die Werbung für die Veranstaltung gingen, ahnte niemand, dass an diesem Sonnabend 10.000 Blinde und Sehbehinderte gegen die Abschaffung von Nachteilsausgleichen behinderter Menschen in Hannover demonstrieren würden und deshalb so mancher vergnügliche Ausflug in die Leipziger Tieflandsbucht verschoben werden musste.
In einer Abteilungsleiterberatung diskutierten wir Möglichkeiten, den Tag der offenen Tür zu verschieben. Prinzipiell war dies zwar möglich, jedoch hatte die DZB schon eifrig Werbung für den Termin gemacht. Was, wenn Gäste ankommen, die nicht über die Verschiebung informiert wurden? So entschlossen wir uns, die Veranstaltung wie vorgesehen an diesem Tag ablaufen zu lassen.
Als besonderen Schwerpunkt richteten wir unsere Angebote an die Leipziger Bevölkerung und an Interessenten, die bislang noch keinen Kontakt mit der DZB hatten. Eine Plakataktion in den Leipziger Straßenbahnen und Medienberichte im MDR sowie in einer privaten Rundfunkanstalt halfen dabei, dieses Vorhaben erfolgreich zu gestalten.
Eine eindrucksvolle Zahl von 184 Besuchern zählte DZB-Pförtner Bernd Kirsten. Was gab es zu erleben? Natürlich die Führung durch das Haus, anschaulich präsentierten sich die Produktionsbereiche den Gästen. Dabei war Zeit die vielen Fragen der Besucher zu beantworten und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wie jedes Jahr gab es den Verkaufsstand im Foyer der DZB. Als Neuheiten lagen aus: das gesamte Kalenderangebot, erweitert durch einen Großdruckwandkalender 2005, neue Karten für den Europa-Atlas, verschiedene Titel in Blindenschrift und Zeitschriften im DAISY-Format sowie die überarbeitete Fassung 1.1 des Abspielprogrammes DaisyLeser.
Auf dem Treppenpodest zur ersten Etage präsentierten sich ein Projekt des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig, der Blinden- und Sehbehindertendienst des Diakonischen Werkes und der Verlag Miteinander aus Berlin.
Frau Dr. Seyfried und Frau Seidel vom Ägyptischen Museum erläuterten die Idee für eine Ausstellung: "Das alte Ägypten (be)greifen", die im kommenden Jahr in Leipzig angeboten wird. Sie hatten auch schon ein erstes Exponat dabei, das von vielen Besuchern begutachtet wurde. Das Replikat eines altehrwürdigen ägyptischen Beamten, dessen Gestalt, Kleidung und aufwändiger Schmuck ertastet werden konnte. Die Ausstellung wird 2005 im Gohliser Schlösschen angeboten. Die DZB fertigt Hinweisschilder und Beschriftungen dafür.
Susan Hanske ist Leiterin der Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte der Diakonie Leipzig. Die blinde Dipl. Sozialpädagogin stellte ihre Arbeit vor. Vor allem ihr aktuelles Projekt, eine Helferbörse für blinde Menschen, liegt ihr derzeit am Herzen. Sie fand bereits über 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die einen Vorleseabend, Stadtbummel, Spaziergänge in der Natur, Theater- oder Kinobesuche oder einfach ein Gespräch für die ermöglichen, die einsam oder auf Hilfe angewiesen sind. "Es ist nicht schwer, ehrenamtliche Helfer zu finden" sagt sie. Wichtig ist nur, klare Regeln zu definieren, die Ehrenamtler in der Arbeit zu unterstützen, sie weiterzubilden und etwas Geschick bei der Kombination von Nutzern und Helfern aufzubringen. Die Nachfrage gibt ihr Recht, ihr neuer Service wird häufig genutzt.
Ute Mitschke ist Gründerin des Verlages Miteinander. Ihr Motto lautet: "Lesen für alle" - so heißt auch ihre Internetseite, www.lesen-fuer-alle.de. Sie ist Expertin in den Bereichen der technischen Dokumentation und Desk-Top-Publishing. Seit Anfang 2004 arbeitet sie mit Annette Nitsche, Mediengestalterin in der DZB, an Projekten zur XML-basierten Zeitschriftenproduktion. Am Tag der offenen Tür stellte sie ihren Verlag vor. Bücher, die für jedermann nutzbar sind, will sie verlegen. Erste Titel sind schon im Angebot und können via Notebook, auf der Braillezeile oder in gedruckter Form gelesen werden.
Abgerundet wurde das Angebot auf dem Treppenpodest durch die Möglichkeit, selbst einmal Blindenschrift zu schreiben oder zu lesen. Kathrin Gießner, Mitarbeiterin in der Blindenschriftherstellung, unterstützt von sehenden Mitarbeiterinnen aus der gleichen Abteilung, zeigte jungen und alten Besuchern wie es sich mit den Pünktchen leben und lernen lässt.
Im Konferenzraum 124 stellten das Landes-Hilfsmittel-Zentrum Dresden, die Firmen Papenmeier und Tieman neue Hilfsmittel vor.
Großes Interesse bei den Besuchern fand auch wieder die Bibliotheks-Etage. Jana Waldt, Ulrich Jander und André Schüttel standen für Fragen rund um die neue Hörbuchgeneration DAISY zur Verfügung. Ein Höhepunkt war natürlich die Vorstellung des neuen DAISY-Abspielgerätes PTN1, welches nur wenige Tage vorher seinen Weg in die Gustav-Adolf-Straße gefunden hatte. Wenn es ab November 2004 die deutsche Sprache gelernt haben wird, dann steht den DAISY-Nutzern ein wohlklingendes und - die Testergemeinde völlig überzeugendes - Wiedergabegerät zur Verfügung.
Kultur mit Charme, Witz und spitzer Zunge gab es in der Cafeteria. Anne Loch, Kabarettistin aus Leipzig und Sprecherin in der DZB, unterhielt die Gäste mit amüsantem Programm zu den Themen: Schauspielerinnen und Schauspieler, die besondere Eigenart von Sprecher/innen sowie Freud und Leid der Männer im Allgemeinen und Speziellen. Wer diese vergnügliche Stunde nacherleben möchte, kann den Mitschnitt der Veranstaltung als Hörbuch ausleihen.
Da das Wetter sich an diesem Tag nicht entscheiden wollte, gab es Getränke und Verpflegung im Haus 7, unmittelbar am Hintereingang. Die Damen aus der Verwaltung und dem Versand taten ihr Bestes, um Mägen zu füllen und die Stimmung zu heben. Den von früheren Veranstaltungen bereits bekannten Grillmeister, Joachim Städtler, konnte Petrus nicht verdrießen. Er übte seine "verantwortungsvolle" Tätigkeit auf dem Hinterhof aus. Am Nachmittag rissen die Wolken auf und die Gäste genossen Kaffee, Kuchen oder Bratwurst und Bier bei Sonnenschein und guter Laune.
Tage der offenen Tür sind für mich auch immer Gelegenheiten, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. "Wie läuft es in Hannover?", war eine der Fragen, die mich den ganzen Tag beschäftigte. Volker Purtzner, blinder Mitarbeiter in der Abteilung Blindenschriftherstellung, hielt mich auf dem Laufenden. Per Handy kam bei ihm am Nachmittag die Nachricht an, dass viele Demonstranten auf dem Markt in Hannover ihre weißen Stöcke, gelben Mützen und Transparente in den Himmel reckten. In der Tagesschau war am Abend von 10.000 blinden und sehbehinderten Demonstranten die Rede.
Als Angestellte des Freistaates Sachsen haben wir uns politisch neutral zu verhalten. Aber dem ganz privaten Thomas Kahlisch verschlug es dann doch die Sprache, als er am Abend in der kurzen Tagesschaumeldung hörte: "Blindengeld wird gekürzt". Schade, dass selbst die wohl wichtigste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen so schlecht recherchiert bzw. Schwierigkeiten beim Lesen der Transparente hatte. Schließlich ging es eindeutig um die Verhinderung der Streichung und nicht um die Kürzung von Nachteilsausgleichen.
Als stellvertretender Vorsitzender der Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen (MEDIBUS) bleibt mir in diesem Zusammenhang anzumerken: diese drohenden Streichungen haben sehr wohl Auswirkungen auf die Blindenmedienversorgung in Deutschland. Andreas Bethke zufolge, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes (DBSV), finanzieren sich die deutschen Blindenbüchereien zu 40 % aus Spendengeldern ihrer Nutzer. Spendengelder, die unmittelbar aus den Nachteilsausgleichen aufgebracht werden und wegbrechen, wenn die angekündigten Streichungen umgesetzt werden. Allein durch die Insolvenz der Süddeutschen Blindenhör- und Punktschriftbücherei in Stuttgart werden pro Jahr 20 % weniger Hörbücher für Blinde in Deutschland produziert. In einer Zeit, in der Information als wichtigster Rohstoff der Gesellschaft bezeichnet wird, ist dies eine bedenkliche Entwicklung.
Am Tag der offenen Tür 2004 leisteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DZB gute Öffentlichkeitsarbeit für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen. Viele Gäste, insbesondere Besucher, die sich zum ersten Mal über unser Haus informierten, sprachen ihre Anerkennung für die geleistete Arbeit aus und wünschten uns Freude und weiterhin großes Engagement bei der Umsetzung unserer Aufgaben.
Auch 2005 gibt es wieder einen Tag der offenen Tür der DZB. Sie, liebe Leserinnen und Leser der DZBN, sind dazu herzlich eingeladen. Sie werden informiert, wenn der Termin und das Programm dafür feststehen.

Wie war das damals?

Hundert Jahre Blindenanstalt Chemnitz

DR. WERNER UHLIG

Noch einmal zurück zu Julius Dietrich: in seine Amtszeit fiel im Jahre 1909 das Jubiläum 100 Jahre Landesblindenanstalt Sachsen. Die sächsische Blindenschule war ja 1809 von Flemming in Dresden gegründet worden. Für diese Jubiläumsfeier nutzte Direktor Dietrich das Olsufieff-Fest.
Die älteren ehemaligen Chemnitzer wissen das noch: Olsufieff ist ein begüterter russischer Adliger gewesen, der in die Emigration gehen musste, nach Deutschland kam, eine deutsche Frau heiratete und sich schließlich in Dresden niederließ. In seinem Testament vermachte er der sächsischen Landesblindenanstalt, die seit dem Jahre 1830 eine staatliche Einrichtung war und sich deshalb "Königlich sächsische Landesblindenanstalt" nannte, eine ungewöhnlich hohe Geldsumme und wurde somit zum Hauptsponsor dieser traditionsreichen Institution. Ihm zu Ehren ist alljährlich am 25. Juni das "Olsufieff-Fest" gefeiert worden. Unter Anstaltsdirektor Walter Ritter (1934-1945) wurde der Name des Festes geändert. Es hieß offiziell zeitweilig "Hohes-Licht-Fest", damit es sozusagen in jene Zeit passte. Inoffiziell und unter uns -auch unter den meisten Lehrern und Erziehern - hieß es aber nach wie vor Olsufieff- Fest und manche haben die Namensänderung gar nicht registriert. Auch nach 1945 ist diese Veranstaltung - jedenfalls so lange ich in Chemnitz noch Lehrling war, bis 1950 also - gefeiert worden. Mir ist nicht bekannt, wann, warum und von wem es "abgeschafft" wurde.
Zurück zu Julius Dietrich, zum Jahre 1909, und ich zitiere Kurt Naumann aus den "Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde im Freistaat Sachsen" Nr. 8, 1934, April/Juni, Seite 2:
"Einen Höhepunkt seines Wirkens und damit seines Lebens brachte das Jahr 1909, in dem es galt, mit dem Olsufieff-Fest die Jubiläumsfeier des hundertjährigen Bestehens der Blindenanstalt zu verbinden. Hierbei war er selbstverständlich die treibende Kraft, und wenn besonders in den Chemnitzer Tageszeitungen dieses Marksteins durch ausführliche Jubiläumsartikel gedacht wurde, die mit den Bildnissen der sächsischen Blindenanstaltsdirektoren geziert waren, so fehlte mit Recht auch das Bild Dietrichs nicht in der Reihe. Begünstigt von herrlichstem Sommerwetter und ausgezeichnet durch den Besuch vieler Ehrengäste nahm denn auch der 25. Juni 1909 einen überaus erhebenden Verlauf. Das Schönste an ihm war, dass er für etwa 300 Blinde aus allen Teilen Sachsens (dem fünften Teile derer, die seit der Gründung der Anstalt ihre Ausbildung darin empfangen hatten und die zu dem Ehrentage zudem Unterkunft und Verpflegung erhielten) zu einer Art Heimatfest wurde. Noch heute klingt die Erinnerung daran bei allen, die dabei gewesen, in dem Wunsche wider: möchte ein solches Fest des Wiedersehens und Wiederfindens bald einmal wieder möglich sein!"
Es ist nicht wieder möglich geworden - die Zeiten haben sich geändert. Aus unserer Sicht von heute ist es jedenfalls kaum fassbar, was da zur 100-Jahr-Feier im Jahre 1909 in der Chemnitzer Blindenanstalt auf die Beine gestellt werden konnte.
Wer die Chemnitzer Blindenanstalt nicht kennt, der wird sich fragen, ja wie groß ist denn diese Einrichtung überhaupt? Wie sieht denn diese nun auch schon wieder hundert Jahre in Chemnitz-Altendorf existierende Blindenanstalt aus? Julius Dietrich war ein begeisterter Verfechter der damals neuen und modernen Landesblindenanstalt am neuen Standort. Lassen wir uns also vom ersten Chemnitzer Anstaltsdirektor erzählen, wie 1905, nach dem Umzug aus Dresden, die Landesanstalt für Blinde und Schwachsinnige beschaffen war. Die Einweihungsfeier hat am 29. August 1905 in der Turnhalle stattgefunden. Das ist damals ein sehr bedeutendes Ereignis für die Stadt Chemnitz gewesen, und deshalb komme ich auf diese Festveranstaltung später noch einmal zurück. Jetzt zunächst Schuldirektor Julius Dietrich (vgl. "Einige Mitteilungen über die Blindenabteilung in der neuerrichteten Königlich Sächsischen Blindenanstalt zu Chemnitz-Altendorf" in "Der Blindenfreund" Jahrgang 1906, S. 202-204):
"In Chemnitz ist die frühere Dresdner Blindenanstalt einschließlich ihrer Zweiganstalten in Moritzburg und Königswartha mit den seitherigen Landesanstalten für schwachsinnige Kinder aus Zweckmäßigkeitsgründen zu einer großen Landesanstalt vereinigt worden, die der Art der Zöglinge entsprechend in zwei Abteilungen zerfällt, in die Abteilung für blinde und die für schwachsinnige Zöglinge. Beide Abteilungen haben in ihrem innersten Wesen in bezug auf Unterricht, Erziehung und Arbeitsausbildung nichts miteinander gemeinsam und bestehen daher selbständig nebeneinander. Einer jeden Abteilung steht ein Pädagoge vor, der den Titel Schuldirektor führt, während die gesamte Anstalt einem Direktor unterstellt ist. Die Chemnitzer Landesanstalt ist eine großartige Schöpfung des sächsischen Staates auf sonniger, luftiger Anhöhe in der Vorstadt Altendorf gelegen. In unmittelbarer Nähe des Waldes vereinigt sie für ihre Insassen die Vorzüge der Großstadt mit denen eines gesunden Aufenthaltes in freier Gegend. Ihre 39 Gebäude sind im Stile der deutschen Frührenaissance gehalten und gewähren dem Beobachter in ihrer architektonisch schönen Ausführung mit den aus rotem Porphyr gearbeiteten Fenster- und Türumrahmungen, dem hellgrauen Spritzbewurf der Wände, den naturroten Ziegeldächern mit ihrem malerischen Aufbau von grüngestrichenem Holzfachwerk einen reizvollen Anblick. Die zahlreichen Besucher (etwa 7.000), die die Anstalt bis jetzt besichtigt haben, sind des Lobes voll gewesen über diese neueste hervorragende Schöpfung der sächsischen Regierung auf dem Gebiete der Anstaltsfürsorge. ..."
Wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

Aus dem literarischen Leben

Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

250.000 Menschen haben in der ZDF-Umfrage ihre Stimme abgegeben. Hier sind die ersten Zehn (alle Titel sind entweder als Hörbuch oder in Punktschrift ausleihbar, teilweise auch in Punktschrift käuflich):
1. Tolkien, John Ronald Reuel: "Der Herr der Ringe"
2. "Die Bibel"
3. Follett, Ken: "Die Säulen der Erde"
4. Süskind, Patrick: "Das Parfum"
5. Saint Exupéry, Antoine de: "Der kleine Prinz"
6. Mann, Thomas: "Buddenbrooks"
7. Gordon, Noah: "Der Medicus"
8. Coelho, Paulo: "Der Alchimist"
9. Rowling, Joanne K.: "Harry Potter und der Stein der Weisen"
10. Cross, Donna W.: "Die Päpstin"

Elfriede Jelinek erhält den Literaturnobelpreis

Elfriede Jelinek, 1946 in Mürzzuschlag, Steiermark geboren und in Wien aufgewachsen, studierte Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Musik. Sie hat Gedichte, Theaterstücke und Romane (u.a. "Die Klavierspielerin", "Lust") geschrieben. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1998 den Georg-Büchner-Preis. Elfriede Jelinek lebt in Wien und München.
(Quelle: www.boersenblatt.net)

Elfriede Jelinek im Bestand der Hörbücherei:
* "Gier" (BNA 7600)
* "Lust" (BNA 6977)

Péter Esterházy mit Friedenspreis des Buchhandels ausgezeichnet

Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung, die zum 55. Mal beim Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche verliehen wurde, gilt als einer der bedeutendsten deutschen Kulturpreise. Der ungarische Schriftsteller wurde für die literarische Begleitung des Wandels in Osteuropa ausgezeichnet.
Esterházy zählt zur postmodernen Generation der ungarischen Literatur. Wie wenige andere Autoren hat Esterházy schon vor dem politischen Umbruch in Osteuropa mit Witz und Ironie die Absurditäten des sozialistischen Alltags geschildert. Als sein Hauptwerk gilt "Harmonia Caelestis", in dem er seine Familiengeschichte beschreibt. Dazu legte er inzwischen eine "verbesserte Ausgabe" vor, als er im Jahr 2000 erfuhr, dass sein Vater jahrzehntelang Spitzel des ungarischen Geheimdienstes war. Esterházys Familie wurde 1948 nach der Machtergreifung der Kommunisten enteignet und deportiert.
(Quelle: LVZ-online vom 10.10.2004)

Folgendes Hörbuch von Péter Esterházy ist ausleihbar:
* "Donau abwärts" (BNA 2826)

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Stingl, Miloslav: "In versunkenen Mayastädten"

SUSANNE SIEMS
[FÜR DIE PUNKTSCHRIFTBIBLIOTHEK]

Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, ist Oktober. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Kramkiste am Ohr oder unter den Fingern oder vielleicht ausnahmsweise auch vor Augen haben, ist November. In beiden Fällen die kältere Jahreszeit, die dunklen Tage, die uns nur allzu leicht bedrücken wollen. Da sind Träume immer recht willkommen, Träume von Wärme, Sonne. Und darf vielleicht auch ein wenig Abenteuer dabei sein? Weil das im wirklichen Leben nicht immer so einfach zu bekommen ist, flüchten wir uns manchmal zu Büchern, unseren guten, stillen und treuen Freunden. Jedenfalls geht das mir so und ich setze stillschweigend voraus, wenn Sie diese Kramkiste nicht einfach überspringen, stehen auch Sie auf gutem Fuß mit Literatur.
Das Buch, das ich Ihnen heute vorstellen möchte, kam mir in die Erinnerung beim Lesen eines aktuellen Abenteuerromans. Dieser Roman spielte auf der Halbinsel Yucatan im heutigen Staate Mexiko. Plötzlich waren längst vergessene Namen wie Uxmal oder Chichén Itza oder der fast unaussprechliche Name des Federschlangengottes Quetzalcoatl wieder gegenwärtig und die Sehnsucht, mehr zu erfahren über die geheimnisumwitterten Kulturen des Amerika vor Kolumbus. Da wir Menschen nur schwer damit leben können, andere Kulturen gelten zu lassen, ohne sie zu ergründen und zu verstehen, gibt es gerade über das alte Amerika zahlreiche Forschungen und dementsprechend viele Veröffentlichungen. Einer, der mir aus lesebegeisterten Jugendtagen vertraut ist, heißt Miroslav Stingl. Der Prager Ethnologe verstand es, seine Forschungsreisen und -ergebnisse in auch für den Laien spannender und ansprechender Form zu publizieren. Speziell zur präkolumbischen Kultur Yucatans schrieb er 1971 ein Buch mit dem Titel "In versunkenen Mayastädten". Er befasst sich in diesem Werk ausführlich mit den architektonischen Leistungen der Maya, aber auch der Kulturen der Olmeken und Tolteken. Sehr genau, aber nicht ermüdend werden die im heutigen Dschungel noch zahlreich vorhandenen Tempel, Pyramiden und Opferstätten beschrieben. Doch auch so genannte Profanbauten, also z. B. Wohnhäuser, werden dem Leser vorgestellt. Fast fließt einem das Wasser im Mund zusammen bei der Aufzählung der Dinge, die im elften und zwölften Jahrhundert auf dem Markt in Chichèn Itza gehandelt wurden. Davon, dass auch die Indianer der damaligen Zeit das Leben zu genießen wussten, zeugen zum Beispiel die bis heute erhalten gebliebenen Schwitzbäder in oben genannter Stadt. Abenteuerlich auch die Entdeckung der Stadt Dzibilchaltún, war deren Zisterne doch jahrelang der geheime Badeplatz des Sohnes des Museumsdirektors von Mérida, der Hauptstadt des heutigen Yucatan. Stingl ist sehr genau bei der Beschreibung der Bauten, der Inhalt vieler Fresken wird detailliert wiedergegeben. Das ist etwas, was das Buch jedem blinden Punktschriftleser, der Interesse an der Kultur des alten Mexiko hat, zu einem echten Schatz machen kann. Für diejenigen unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die nicht die Möglichkeit haben, dieses Land hautnah zu erleben, bietet die Lektüre eine hervorragende Möglichkeit, sich aus unserem grauen mitteleuropäischen Winter "wegzuträumen". Für die anderen unter Ihnen ist es vielleicht ein Anreiz, den nächsten Urlaub über den "großen Teich" zu planen. Denn schön ist es doch auch, wenn man Worte finden kann, wie der Autor am Beginn seines Buches: "Dies ist die Chronik einer Wirklichkeit gewordenen Traumreise, einer Expedition zu uralten Kulturschätzen, von der ich tausendmal träumte und die beim tausendunderstenmal wie durch ein Wunder nicht mehr ein Traum blieb."
Wenn Sie Lust bekommen haben, auf Entdeckung zu gehen, kann ich Ihnen die 5 Bände, leider noch in alter Kurzschrift, sehr empfehlen. Die Bestellnummer für die Ausleihe lautet 5141.

In Punktschrift sind weitere Titel vorhanden:
* "Angatar" (BNA 2505) vzp.
* "Muschelgeld und Straßenkreuzer" (BNA 5640) rkh.
* "Von Sasacus bis Geronimo" (BNA 4196) rkh.

Als Hörbuch können Sie folgende Titel ausleihen:
* "Atolle im Taifun. Reise durch die Inselwelt Mikronesiens" (BNA 4863)
* "Auf den Spuren der ältesten Reiche Perus" (BNA 4916)
* "Hawaii - auf den Spuren einer alten Kultur" (BNA 6194)
* "Indianer vor Kolumbus" (BNA 4430)

Daniel Defoe: "Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders"

JANA WALDT
[HÖRBÜCHEREI]

Meine heutige Buchempfehlung an Sie ist ein Roman des bekannten Schriftstellers Daniel Defoe, der mit seinem "Robinson Crusoe" Weltruhm erlangte.
Ich möchte Sie aber mit einem anderen seiner Romane bekannt machen - "Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders, die, in Newgate geboren, nebst ihrer Kindheit in sechzig wechselvollen Jahren Dirne war, fünfmal heiratete, darunter ihren Bruder, zwölf Jahre lang stahl, acht Jahre deportierte Verbrecherin in Virginien war, schließlich reich wurde, ehrbar lebte und reuig starb. Beschrieben nach ihren eigenen Erinnerungen."
Damit wäre eigentlich auch schon alles in groben Zügen umrissen. Aber so skandalös, wie der Buchtitel andeutet, ist der Roman nicht! Vielmehr werden ihre Abenteuer in lockerer Folge episodenartig aneinandergereiht.
Moll Flanders, durch ihre Mutter, eine verurteilte Diebin, von der öffentlichen Wohlfahrt abhängig geworden, beschließt frühzeitig, ihrem Dasein zu entfliehen und es zu wirtschaftlichem Wohlstand zu bringen. Nachdem sie vom Sohn eines reichen Hauses, wo sie als Dienstmädchen arbeitet, sitzen gelassen wurde, heiratet sie dessen ahnungslosen jüngeren Bruder. Nach fünf Jahren verwitwet, findet sie in einem Tuchhändler ihren zweiten Gatten. Doch der, verschwendungssüchtig, treibt sie in den Bankrott. Nun ist sie auf sich allein gestellt. Doch Moll bedient sich ihrer Klugheit und ihrer immer noch weiblichen Reize und bringt es mit nicht ganz ehrbaren Mitteln auf dem Londoner Heiratsmarkt zu Ehemann Nr. 3. Ihm folgt sie auf seine Besitzungen nach Virginien, wo sie bald die schreckliche Entdeckung macht, dass er ihr Bruder ist. Während ihr Mann an dieser Enthüllung fast zugrunde geht, kehrt Moll wieder nach England zurück.
Dort heiratet sie wieder, aber nicht so vorteilhaft wie angenommen. Nach dem Tod ihres Mannes ist sie, inzwischen alt geworden, erneut auf sich allein gestellt. Nun versucht sie ihr Glück als Diebin, wird aber gefasst und trifft im Gefängnis einen ihrer früheren Verehrer wieder. Sie schaffen es, gemeinsam nach Virginien deportiert zu werden. Dort erwartet sie das Erbe ihres Bruders und ehemaligen Mannes, der ihr sein ganzes Vermögen vermacht hatte.
Mit ihrem ehemaligen Verehrer, den sie inzwischen geheiratet hat, bringt sie es durch ehrliche Arbeit zu einem beträchtlichen Vermögen, dass es beiden ermöglicht, ihren Lebensabend in England zu verbringen.
Dieser Roman wurde von Marlies Schreck aufgelesen. Er umfasst 11 Kassetten oder 1 CD-ROM und ist unter der Bestellnummer 1960 ausleihbar.
Auch in Blindenschrift können Sie dieses Buch ausleihen - 7 Bände Kurzschrift; die Bestellnummer lautet BNA 2030.

Weitere Titel von Daniel Defoe
im Hörbuchbestand:
* "Der elfte Mann" (BNA 3342)
* "Robinson Crusoe" (BNA 499)
* "Die späteren Fahrten des Robinson Crusoe zu seiner Insel und rund um die Welt" (BNA 7933)
* "Roxana" (BNA 3129)

In Punktschrift sind folgende Titel von Defoe vorhanden:
* "Die glückliche Mätresse ... Roxana" (BNA 4795) kh.
* "The life and surprising adventures of Robinson Crusoe" (25,56 €, BNV 39, BNA 1369) vzp.
* "Robinson Crusoe" (53,69 €, BNV 1441, BNA 6953) rkzp.
* "Robinson Kruse", schwedische Vollschrift (BNA 6653)

Bücher des Jahrhunderts


Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position:
Nr. 78:
J. K. Galbraith: Gesellschaft im Überfluss (1958)
Nr. 79:
Vladimir Nabokov: Lolita. (1958)
(In der DZB als HB:
12 Kass., Spr.: Hans Lanzke. BNA 6861

Vladimir Nabokov

*23. April 1899 in St. Petersburg;
† 2. Juli 1977 in Lausanne
Vladimir Nabokov, so die englische Transkription seines Namens von russisch ???????? ???????????? ??????? (Wladimir Wladimirowitsch Nabokow) entstammt einer einflussreichen und wohlhabenden Aristokratenfamilie. Sein Großvater war russischer Justizminister, auch sein Vater beschäftigte sich mit Politik.
Nach einer Kindheit in materiellem Wohlstand (er wurde jeden Tag im Rolls-Royce zur Schule gefahren) veröffentlicht Nabokov 1916 seinen ersten Gedichtband. Um der russischen Revolution zu entgehen, flieht die Familie Nabokov 1917 nach Jalta auf die Halbinsel Krim. Während seine Familie von dort wie zahlreiche andere russische Exilanten nach Berlin geht, schreibt Vladimir sich im Trinity College im englischen Cambridge ein. Dort studiert er von 1919 bis 1922 Naturwissenschaften, russische und französische Literatur. 1922 folgt er der Familie nach Berlin. Er arbeitet als Privatlehrer, Übersetzer, Gelegenheitsschauspieler und veröffentlicht unter dem Pseudonym W. Sirin erste Prosa. 1925 heiratet er Vera Slonim.
1937 flieht Vladimir Nabokov mit seiner Frau, die Jüdin ist und dem gemeinsamen Sohn Dimitri (geboren 1934) nach Frankreich. 1940, in dem Jahr, in dem auch Nabokovs erster englischsprachiger Roman "The Real Life of Sebastian Knight" entsteht, zieht die Familie in die USA, wo Nabokov zunächst am Museum of Natural History in New York als Schmetterlingsexperte arbeitet. Bald beginnt er seine akademische Karriere, die ihn an die Stanford-Universität, an das Wellesley College, an die Harvard-Universität und schließlich 1948 an die Cornell Universität führt, die ihm eine Professur für europäische und russische Literatur anbietet. Seit 1945 ist Nabokov US-Staatsbürger.
Mit den Tantiemen, die ihm sein Roman "Lolita" (1955) einbringt, kann Nabokov sich 1959 von seiner Professur zurückziehen und sich allein aufs Schreiben konzentrieren. Diese skandalöse Geschichte einer amour fou zwischen einem alternden Mann und der minderjährigen Tochter seiner Vermieterin durfte erst 1958 in den USA erscheinen. Der Roman war Nabokovs größter Erfolg, er wurde zweimal verfilmt. Man kann ihn auch als Parabel auf das Verhältnis zwischen dem alten Europa und dem jungen Amerika lesen. Inspiriert wurde der Roman möglicherweise von einer 1916 veröffentlichten Kurzgeschichte des deutschen Journalisten Heinz von Lichberg, die starke Parallelen aufweist.
1961 zieht er mit seiner Frau in die Schweiz, nach Montreux am Genfersee. Er stirbt am 2. Juli 1977 in Lausanne und liegt in Vevey begraben.
(Quelle: http://de.wikipedia.org)

"Lolita" - Roman von Vladimir Nabokov

Der skandalumwitterte tragische Liebesroman
schildert nach der rahmenartigen Einführung eines fingierten Herausgebers anhand hinterlassener Aufzeichnungen in Ichform die unselige Leidenschaft des 40-jährigen Hauslehrers Humbert Humbert zu dem grazilen, kindhaften und doch frühreif-verderbten 12-jährigen ›Nymphchen‹ Dolores Haze, genannt Lolita. Um sie zu besitzen, heiratet er ihre Mutter, verursacht indirekt deren Tod und beginnt aus Furcht vor Entdeckung seiner rasenden sinnlichen Leidenschaft zu Lolita mit ihr ein unstetes Reiseleben, dessen räumliche Unbeständigkeit in der Launenhaftigkeit seiner zwischen Abscheu und berechnender Hingabe schwankenden, im Grunde unausstehlich verzogenen Geliebten ihre Parallele findet. Lolitas Entführung durch einen perversen Nebenbuhler lässt Humbert - ähnlich Prousts Marcel - alle Stadien seiner Passion in der Erinnerung erneut durchleben, bis er sein ›Nymphchen‹ nach Jahren völlig verändert, verheiratet und schwanger in ärmlichen Verhältnissen wiederfindet und in einem grandiosen Furioso ihren Entführer ermordet. Mit raffinierter stilistischer Virtuosität, ohne jedes obszöne Wort, geschrieben und durchzogen von der distanzierenden Ironie heiterer Schicksalsergebenheit, ist der Roman weder Diagnose eines dekadenten Zeitalters noch Darstellung eines psychiatrischen Grenzfalls, nicht einmal tendenziöser Einbruch in die herkömmlichen Tabus von der unberührbaren Reinheit des Kindes, sondern trotz seines heiklen und vielfach schockierenden Themas einer der wenigen echten Liebesromane unserer Zeit.
(Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Alfred Kröner Verlag)

LOUIS

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Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de ).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Der neue DaisyLeser Version 1.1 ist da!

ULRICH JANDER

Die neue Version unserer DAISY-Wiedergabe-Software ist fertig.
An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an alle Nutzer der Version 1.0, die mit Ihren Wunschäußerungen und Ihrer Kritik die Weiterentwicklung mit auf den Weg gebracht haben.
Was ist neu in der Version 1.1?
* Die sicherlich am meisten gewünschte Neuerung ist das Regal, welches ermöglicht, DAISY-Hörbücher von der Festplatte abzuspielen. Sie führen die Funktion "Regal erstellen" aus und Ihr PC wird auf allen Festplatten nach DAISY-Hörbüchern durchsucht, welche im Regal gesammelt werden. Das kann je nach Datenstruktur einige Minuten dauern. Anschließend wird Ihnen das Regal im Hauptverzeichnis angezeigt. Zuvor muss man natürlich mit Hilfe der üblichen Windowsmittel, Windows Explorer oder Arbeitsplatz, die DAISY-Struktur der CD auf die Festplatte in ein leeres Verzeichnis kopieren.
* Auch eine Titelsuche ist jetzt möglich. Sie führen die Funktion "Suchen nach ..." aus, geben einen Suchbegriff ein und starten den Suchvorgang. Alle Titel, die den Suchbegriff enthalten, werden im Ergebnisfenster angezeigt. Im fortlaufenden Buchtext funktioniert die Suche nicht; nur Dateinamen können gefunden werden, also Überschriften von Kapiteln, Abschnitten, Rubriken etc.
* Im Menü werden die Tastenkürzel mit angesagt, es entfällt der Hauptmenüpunkt Hilfe.
* Die Anleitung zum Programm finden Sie immer im Regal unter dem Titel "DaisyLeser v1.1 Anleitung".
* Wenn mehrere Bücher auf einer CD oder im Regal vorhanden sind, können Sie für jedes Buch ein separates Lesezeichen setzen.
* Alle aufgetretenen Fehler wurden korrigiert.

Was muss ich vor der Installation beachten?
* Download des Updates von 1.0 auf 1.1 (13,2 MB) unter: www.dzb.de/daisy/DaisyLeser/DaisyLeserUpdateV1.1.exe
- Wenn Sie über die Version 1.0 verfügen, reicht es aus, wenn Sie sich die Update-Version herunterladen.
- Sie müssen an gegebener Stelle den Installationspfad des DaisyLeser V1.0 angeben (z. B. C:\Programme\DZB Leipzig\DaisyLeser). In diesen Ordner werden die neuen Dateien installiert.
- Ihre Verknüpfungen werden nicht verändert.
- Ihre Resume-Marken und gesammelten Favoriten werden nicht gelöscht.
* Download des Setup (Vollversion) 1.1 (14,6 MB) unter: www.dzb.de/daisy/DaisyLeser/DaisyLeserV1.1.exe
- Wenn Sie den DaisyLeser noch gar nicht installiert haben, laden Sie bitte die Setup-Version herunter und installieren Sie das Programm. Ein Screenreader zu Ihrer Unterstützung ist dabei sehr sinnvoll; oder eine sehende Person sollte Ihnen helfend zur Seite stehen, wobei die Schritte der Installation nicht sehr kompliziert sind.
- Voraussetzung ist hier, dass Sie den Windows Media Player 7.1 oder höher installiert haben und auf Ihrem Computer das Betriebssystem Windows 98 oder höher zur Verfügung steht.
Sowohl das Update als auch die Vollversion des DaisyLeser Version 1.1 ist bei uns im Verlag auf CD-ROM kostenlos erhältlich.
Das Programm ist für Sie als blinder oder sehgeschädigter Nutzer einfach zu bedienen, zum einen über das Menü, welches durch die Alt-Taste aktiviert wird, über die Hotkeys bzw. Tastenkürzel und die Sprachausgabe, die Sie durch das gesamte Programm begleitet.
Das CD-ROM-Laufwerk (das von Ihnen gewählte DAISY-Laufwerk) wird automatisch geöffnet und geschlossen. Es kann jedoch vorkommen, dass dies bei einigen älteren Laufwerken nicht möglich ist. In diesem Fall müssen Sie das Laufwerk nach Aufforderung selbst öffnen und schließen.
Alle Funktionen des Programms sind auch während des Abspielens eines Titels verfügbar. Sie brauchen das Abspielen also nicht zu unterbrechen oder zu warten, bis das Ende des Titels erreicht ist.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit der neuen Version des DaisyLeser und würden uns freuen, wenn Sie uns weiterhin Ihre Anmerkungen und Wünsche mitteilen.

Das neue DAISY-Abspielgerät Typ PTN1

ULRICH JANDER

Die japanische Firma Plextor, die das DAISY-Aufnahmegerät PTR1 entwickelt hat, bietet seit September 2004 in Deutschland ein neues Abspielgerät für DAISY-Hörbücher bzw. -Zeitschriften an. Das Gerät heißt PTN1. Es zählt nicht zu den kleineren Geräten, eher ein Tischgerät mit den Abmessungen ca. 180 mm breit, 220 mm tief und 56 mm hoch. Das Gewicht beträgt ca. 1 kg. Es hat abgerundete Ecken und gummierte Bedientasten. Das Tastenfeld und die Anordnung der Bedientasten ähneln sehr dem Victor Reader Classic; jedoch fehlt am PTN1 der Henkel zum bequemen Wegtragen. Der PTN1 besitzt einen integrierten Akku, der eine ununterbrochene Spielzeit von ca. fünf Stunden hat und im Gerät aufgeladen wird (Ladezeit ca. drei bis vier Stunden). Natürlich kann der PTN1 über das mitgelieferte Netzteil auch an der Steckdose betrieben werden. Der eingebaute Lautsprecher hat einen sehr guten, vollen Klang, worüber auch die hohen Töne sehr gut hörbar sind und wodurch sich das Gerät auszeichnet und gegenüber anderen positiv abhebt. An der Vorderseite befindet sich der CD-Einzug (Slot-in), in welchen die CD hineingeschoben wird. Per Tastendruck schiebt der PTN1 die CD wieder heraus.

Zum Bedienfeld
Alle Bedientasten sind übersichtlich und in der Formgestaltung unterschiedlich auf der Oberseite des Gerätes angeordnet. Das Tastenfeld kann man in drei nebeneinander liegenden Gruppen einteilen.
* Im rechten Bereich der Oberseite sind drei Tasten zu finden; zuerst vorn die quadratische CD-Auswurftaste, dahinter die runde, im Gehäuse eingelassene Einschalt- bzw. Ausschalttaste und links daneben die kleine runde Taste für Schlafmodus, die ab 30 bis 120 Minuten in 30-Minutenschritten das automatische Abschalten des PTN1 festlegt.
* Im mittleren Bereich auf der Oberseite befinden sich vorn nebeneinander drei Tasten; links der Rücklauf (Spulen und satzweise rückwärts Springen), in der Mitte die rechteckige, konkav gestaltete Start- bzw. Stopptaste und rechts der Vorlauf (Spulen und satzweise vorwärts Springen). Dahinter sind vier Tasten pfeilartig angeordnet, die das Navigieren im DAISY-Hörbuch ermöglichen. Mit der Taste "nach Oben" oder "nach Unten" wechselt man die Hierarchieebenen des Buches und wählt verschiedene Funktionen, z. B. Titel bei mehreren Hörbüchern auf einer CD oder Seite, wenn das Hörbuch bei der Produktion die Seitenzahlstruktur erhalten hat, oder Springen zwischen den zuvor festgelegten Lesezeichen, aus. Mit den Tasten "nach Links" oder "nach Rechts" springt man in einer Ebene vor bzw. zurück. Im mittleren, hinteren Bereich liegen sechs in drei Paaren nebeneinander angeordnete Tasten. Sie sind als Plus-Minus-Tasten für die Lautstärke, Geschwindigkeit und Klangfarbe zuständig.
* Im linken Bereich der Oberseite finden wir noch zwei Tasten; die dreieckig gestaltete vordere Taste für Lesezeichen setzen und löschen sowie die dahinter liegende oval geformte Taste für Informationen über das Buch, z. B. Leseposition, und über den Akkuzustand.
Zwei Anschlüsse sind an der linken Seite des Gerätes zu finden, der erste, 3,5 mm Klinke, als Ausgang, auch Stereo, zum Anschließen von Kopf- oder Ohrhörer, externe Lautsprecher oder eines Kabels als Verbindung zur Stereoradioanlage (im Lieferumfang nicht enthalten). Am zweiten Anschluss kann eine externe Bedienungseinheit angesteckt werden.
Der PTN1 spielt CDs im DAISY-, Audio- und mp3-Format ab. Die Bedienführung und die Funktionen des Gerätes werden in deutscher Sprache angesagt. Die Reaktionszeit zum Ausführen der jeweiligen Funktion ist sehr schnell, dauert, wenn überhaupt, nur wenige Sekunden. Lesezeichen können gesetzt und wieder aufgefunden werden. Eine Seitenanwahl auf DAISY-CDs, die über die Seitenzahlenstruktur verfügen, ist möglich. Auch das Blättern bzw. Springen im Zehn-Minuten-Abstand, vorwärts und rückwärts, außerhalb der bestehenden Buchstruktur kann verwendet werden. Natürlich merkt sich der PTN1 automatisch zehn verschiedene CDs.
Eine akustische Vorstellung des Gerätes wird im Internet unter www.iscb.de/audio als mp3-Datei geboten. Käuflich erwerben kann man das Gerät zur Zeit (Stand bei Redaktionsschluss) für ca. etwas über 400 Euro bei
Firma Handytech
Tel.: 0745 55460
Internet: www.handytech.de
oder bei
Firma Marland-Versand
Tel.: 07525 92050
Internet: www.marland.de

Der neue DAISY-Player PTN1 ist ein technisch ausgereiftes Wiedergabegerät für DAISY-, Musik- und mp3-CDs. Es verfügt über die aktuellen DAISY-Eigenschaften und damit über eine vielseitige Funktionalität, die trotzdem eine einfache Bedienung gewährleistet. Mit dem PTN1 macht das Hörbuch- bzw. Zeitschriftenhören im DAISY-Format richtig Spaß, weshalb ich es zum Kauf empfehlen kann.

Info-Service

110 Jahre DZB

110 Jahre DZB
Am 12. November 2004 feiert die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig ihren 110. Geburtstag. Im Zeichen des Buches heißt es am 12. November bei uns: Wir machen mit! - "Große für Kleine".
Lesen braucht Sehen, könnte man meinen. Wir wollen zeigen, dass Lesen viel mehr sein kann. Die Lust am Lesen entsteht beim Zuhören. Gerade Kinder brauchen deshalb Märchen und Geschichten - sie brauchen aber auch Mitmenschen, die ihnen diese erzählen. Wir feiern am bundesweiten Vorlesetag von "DIE ZEIT" und "Stiftung Lesen!" mit Kindern und deren Büchern. Blinde Erwachsene werden uns an diesem Tag ihre Lieblingskinderbücher vorstellen und daraus vorlesen.
Abgerundet wird der Geburtstag der DZB mit einer Ausstellung. Wir präsentieren erstmals eine Auswahl von Exponaten historischer Hilfsmittel für Blinde aus dem Bestand der DZB. Diese werden wir auch nach dem 12.11.2004 noch im Haus beibehalten, um unseren Gästen die facettenreiche Geschichte unserer Einrichtung näher zu bringen.
Gern können auch Sie sich zu einem Besuch in der DZB anmelden, hierzu reicht die telefonische Nachfrage bei Frau Neumann unter der Rufnummer 0341 7 11 31 48.

Mitteilung der Hörbücherei

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, die Weihnachtszeit rückt näher und wir möchten Sie daran erinnern, dass die DZB zwischen den Feiertagen geschlossen bleibt. Somit können am Mittwoch, 22.12.2004 letztmalig in diesem Jahr Bestellungen von Ihnen realisiert werden.
Wenn Sie also über die Feiertage nicht auf Hörbücher verzichten möchten, teilen Sie uns dies bitte rechtzeitig mit - bis spätestens 14. Dezember.
Erinnern möchten wir an dieser Stelle außerdem, dass alle Hörer, die ständig mehr als 3 Hörbücher im Umlauf haben, von uns automatisch zusätzliche Titel erhalten werden.
Informieren Sie uns bitte, wenn Sie dies nicht wünschen.

Neue Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit der DZB

DR. THOMAS KAHLISCH
Seit 15. September 2004 arbeitet Frau Christiane Felsmann als PR-Referentin in der DZB. Die Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin übernimmt u.a. die Gestaltung von Messen und Präsentationsveranstaltungen, den Internetauftritt der DZB sowie die Gründung des Fördervereins "Freunde der DZB" e.V.
Mit der Gründung des Fördervereins werden neue Wege in der Spendenwerbung, aber auch in der Förderung inhaltlicher Projekte angegangen.
Frau Susanne Siems wird auch weiterhin viele Themen der Öffentlichkeitsarbeit bestreiten. So brauchen die Hörer der Infokassette oder Leser der DZBN nicht auf die sehr kompetenten und engagierten Beiträge der Dipl. Bibliothekarin zu verzichten. Sie wird die koordinierenden Aufgaben des Teams der Öffentlichkeitsarbeit an Fr. Felsmann abgeben und damit mehr Raum für die Weiterentwicklung der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens und die Umsetzung neuer inhaltlicher Themen haben.
Frau Renate Burghardt beendet im Februar 2005 ihre Tätigkeit in der DZB. Als Leiterin des Verlages zeichnete sie viele Jahre u. a. für die Ausgestaltung von Messeauftritten, Präsentationen und für Werbemittel verantwortlich.
Öffentlichkeitsarbeit war und ist immer Teamwork in der DZB. So werden Frau Felsmann und Frau Siems auch zukünftig Unterstützung aus Verlag, Bibliothek und den anderen Bereichen der DZB erhalten. Die Koordinierung und Durchführung von Führungen verbleibt in den bewährten Händen von Steffi Neumann.
Das Internetangebot aktuell zu halten, ist eines der ersten Ziele, das sich Frau Felsmann gesetzt hat. Nehmen Sie sie beim Wort und besuchen Sie uns virtuell unter www.dzb.de.

DAISY immer mehr im Kommen

Die neue DAISY-Technik findet immer mehr Zuspruch. Das zeigt sich besonders in den steigenden Nutzerzahlen. Hatte die Hörbücherei der DZB mit Stand vom 30.09.2003 insgesamt 331 DAISY-Nutzer, so hat sich deren Zahl innerhalb der zurückliegenden 12 Monate mehr als verdoppelt und macht mit 797 inzwischen rund 17 % der Hörer aus.
Bei den "DZB-Nachrichten" ist die Anzahl der DAISY-Abonnements in diesem Jahr von 65 im Januar auf 142 im Oktober angestiegen. Damit nutzen schon 27% der DZBN-Hörer die DAISY-Ausgabe.

Die Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen rückt zusammen

In München, im BIT-Zentrum des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V., schlossen sich am 14. September 2004 die Mitgliedsorganisationen der "Arbeitsgemeinschaft der Blindenschriftdruckereien und -bibliotheken e.V." (AG BDB) sowie der "Arbeitsgemeinschaft der Blindenhörbüchereien e.V." (AG BHB) in der mit einer überarbeiteten Satzung ausgestatteten "Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V." (MEDIBUS) zusammen.
Die Punktschriftbibliotheken und Hörbüchereien des deutschen Sprachraums sowie die Selbsthilfeverbände DBSV, DVBS, BKD und ÖBSV nutzten die Mitgliederversammlung der beiden Arbeitsgemeinschaften dazu, diesen langen und gründlich vorbereiteten Schritt zu vollziehen.
Die Förderung der Brailleschrift, die Erweiterung des Angebotes an Hör- und Blindenschriftliteratur vor allem im neuen digitalen DAISY-Format sowie die Schaffung eines einheitlichen Zentralorgans aller Bücher für blinde und sehbehinderte Menschen im deutschen Sprachraum sind wichtige Aufgaben des Medienverbandes.
Die Umsetzung des neuen Urheberrechts - seit Januar 2004 regelt es im § 45a das Recht auf Vervielfältigung und Zugänglichmachung von Informationen für behinderte Menschen - ist eine grundsätzliche Aufgabe, der sich die Blindenbüchereien in enger Kooperation mit der Selbsthilfe stellen.
Die 21 Mitgliedsorganisationen der Mediengemeinschaft wählten den Vorstand:
Vorsitzende:
* Elke Dittmer, Geschäftsführerin der Norddeutschen Blindenbücherei e.V., Hamburg
Stellvertretender Vorsitzender:
* Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig
Mitglieder des Vorstandes:
* Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V., Berlin
* Gustav Doubrava, Vorsitzender der Bayerischen Blindenhörbücherei e.V., München
* Werner Kraußmann, Kaufmännischer Vorstand der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V., Marburg
* Siegfried Volkert, Vorsitzender der Westdeutschen Blindenhörbücherei e.V., Münster
* Heinz Zysset, Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte, Zürich.
Die Geschäftsführung übernimmt Jürgen Hertlein, Vorsitzender der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. in Marburg.

Neue Rechtschreibung wird verbindlich

Berlin (dpa) - Die neue Rechtschreibung wird an den Schulen wie geplant zum 1. August 2005 verbindlich. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer bekräftigten in Berlin dieses Datum mit einem einstimmigen Beschluss. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit kündigte zugleich an, dass der neue Rat für die deutsche Rechtschreibung zügig Zweifelsfälle ausräumen soll. Vom 1. August 2005 an werden in den Schulen die alten Schreibweisen als Fehler gewertet, bisher sind sie nur als überholt gekennzeichnet worden.

Schminktipps in Punktschrift

Der französische Kosmetikhersteller Yves Rocher hat erstmals in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Blindenbildung in Hannover sein "Grünes Buch der Schönheit" in Blindenschrift herausgegeben. Der Schönheitsratgeber im punktschriftüblichen Großformat gibt auf 144 Seiten Pflegetipps und auch eine Schminkanleitung.
(LVZ, 25./26.09.04)

TV-Programm per Telefon

Ab sofort bietet www.blindenportal.de einen TV-Sprachservice per Telefon an. Enthalten sind Informationen über 32 deutschsprachige Sender, auf Wunsch mit Detail-Ansage, z. B. bei Spielfilmen über Schauspieler, Regie und Handlung. Die Abfrage ist für die aktuelle sowie die zwei darauf folgenden Wochen möglich. Die Programm-Abfrage wird über die Telefontastatur vorgenommen. Die Bedienung wurde so einfach wie möglich gestaltet. Die Abfrage ist so aufgebaut, dass man Datum, Uhrzeit und Sender direkt auswählen kann. Natürlich kann man auch "surfen", genau wie in einer Zeitschrift.
Der TV-Sprachservice kostet 25 Cent pro Minute und ist unter der folgenden Nummer zu erreichen: 0900 1001023.

Gibt es einen Weihnachtsmann?

Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Die achtjährige Virginia O'Hanlon aus New York wollte es ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Tageszeitung "Sun" einen Brief:
"Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der ›Sun‹ steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?
Virginia O'Hanlon"
Die Sache war dem Chefredakteur Francis Church so wichtig, dass er seinen erfahrensten Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen - für die Titelseite der "Sun".
"Virginia, deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.
Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie - gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.
Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, du könntest deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht - was würde das beweisen?
Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie.
All die Wunder zu denken - geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was du auch siehst, du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. ,Ist das denn auch wahr?' kannst du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger.
Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia.
Dein Francis Church."

PS: Der Briefwechsel zwischen Virginia O'Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er wurde über ein halbes Jahrhundert - bis zur Einstellung der "Sun" 1950 - alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt. Und seit 1977 - nachdem WamS-Autor Rolf R. Bigler (1930-1978) die Idee dazu hatte - in WELT am SONNTAG.

Weihnachtliche Empfehlungen

Falls Sie noch auf der Suche nach einem passenden Geschenk sind (vielleicht auch für sich selbst), kann Ihnen die folgende Liste vielleicht bei der Auswahl behilflich sein!

John Ronald Reuel Tolkien:
"Der Herr der Ringe"
* Erster Teil: "Die Gefährten". 5 Bde., kzp.98, 102,25 €, BNV 3246
* Zweiter Teil: "Die zwei Türme". 4 Bde., kzp.98, 81,80 €, BNV 3559
* Dritter Teil: "Die Wiederkehr des Königs". 6 Bde., kzp.98, 122,70 €, BNV 3560

Harry Potters Abenteuer von Joanne K. Rowling
* "Harry Potter und der Stein der Weisen". (Bd. 1)
4 Bände, rkzp., 44,99 €, BNV 3099
* "Harry Potter und die Kammer des Schreckens". (Bd. 2)
4 Bände, rkzp., 44,99 €, BNV 3232
* "Harry Potter und der Gefangene von Askaban". (Bd. 3.)
5 Bände, rkzp., 56,24 €, BNV 3280
Harry Potters Schulbücher von Joanne K. Rowling
* "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind von Newt Scamander. Sonderausgabe mit einem Vorwort von Albus Dumbledore".
1 Band, kzp.98, 17,90 €, BNV 3422
* "Quidditch im Wandel der Zeiten von Kennilworthy Whisp"
1 Band, kzp.98, 17,90 €, BNV 3423

Die Chronik des 20. Jahrhunderts
Diese Blindenschriftausgabe basiert auf dem Werk "Die große Bertelsmann Lexikothek. Unser Jahrhundert in Wort, Bild und Ton" und umfasst den darin enthaltenen Chronikteil samt Originaltondokumenten.
Jede Fortsetzung ist einem Jahrzehnt gewidmet, umfasst 3 bis 5 Bände Kurzschrift und besitzt einen Anhang in zwei Versionen:
1. Blindenschriftband mit Kommentaren zu den Tonbeispielen, eingebundenen Schallfolien mit Originaltonaufnahmen und einer Phonobox zum Anhören der Schallfolien.
2. Da das Aufsetzen der Phonobox auf die Schallfolien Geschick erfordert, steht der Audio-Teil auch auf C90-Kassetten zur Verfügung.
* Das 1. Jahrzehnt. 76,69 €, BNV 3132
* Das 2. Jahrzehnt. 92,03 €, BNV 3204
* Die 20er Jahre. 76,69 €, BNV 3205
* Die 30er Jahre. 61,36 €, BNV 2332
* Die 40er Jahre. 92,03 €, BNV 2490
* Die 50er Jahre. 92,03 €, BNV 2735
* Die 60er Jahre. 76,69 €, BNV 2736
* Die 70er Jahre. 76,69 €, BNV 2737
* Die 80er Jahre. 76,69 €, BNV 2360
* Die 90er Jahre. 76,70 €, BNV 3390

Dickens, Charles: Ein Weihachtslied in Prosa : eine weihnachtliche Gespenstergeschichte.
Die märchenhafte Wandlung des hartherzigen Geizhalses Scrooge vom eiskalten Geschäftsmann zum warmherzigen Menschenfreund.
2 Bände, vzp.98, 22,50 €, BNV 3279
2 Bände, rkzp., 22,50 €, BNV 3245

"Dr. Oetkers Weihnachtsbäckerei"
2 Bände, rkzp. 40,90 €, BNV 3206

Stifter, Adalbert: Bergkristall : Erzählung.
Poetische Geschichte von zwei Kindern, die sich im Schneegestöber der Weihnachtsnacht im Hochgebirge verirren.
1 Band, vzp., 17,90 €, BNV 1028

Glückwunschkarten für Weihnachten und zum Jahreswechsel
Kartenformat 21 x 10 cm, farbiges Relief mit Umschlag und Einlegeblatt, Stückpreis 2,50 €
* Gefüllter Stiefel: "Liebe Grüße vom Nikolaus" BNV 2938
* Tannenzweig mit Glöckchen: "Frohe Weihnacht" BNV 2611
* Winterlandschaft mit Haus und Kirche: "Gesegnete Weihnachten" BNV 2623
* Weihnachtsmann: "Frohe Weihnachten" BNV 2627
* Gesteck mit zwei Kerzen: "Gesegnete Weihnachten" BNV 2622
* Schneemann: "Herzliche Weihnachts- und Neujahrsgrüße" BNV 3119
* Zweig mit Strohstern: "Herzliche Weihnachts- und Neujahrsgrüße" BNV 3385
* Tannenzweig mit Kerze: "Frohe Weihnacht und ein gutes neues Jahr" BNV 2612
* Geschmückter Weihnachtsbaum: "Herzliche Weihnachts- und Neujahrsgrüße" BNV 3008
* Glücksschwein und Hufeisen: "Frohes neues Jahr" BNV 2610
* Glückwunschkarte mit weihnachtlicher Musik: 1 Relief-Klappkarte mit CD, 5,50 € Reh unter Tannen am verschneiten Berg: "Herzliche Weihnachts- und Neujahrsgrüße" BNV 2940
Musik zum Fest
* Des lasst uns alle fröhlich sein : Weihnachtslieder in alten u. neuen Sätzen. Klavierausgabe + beigefügte Singstimme. 2 Bände, kzp., 51,13 € (BN 338)
* Corelli, Arcangelo: Pastorale aus dem concerto grosso Nr. 8 "Fatto per la notte di natale" des op. 6 (Rom, 1712) : für Klavier frei übertragen von Walter Niemann. Klassische Weihnachtsmusik
1 Heft, vzp., 4,60 €, (BN 62)
* Es weihnachtet : bekannte Weihnachts- und Neujahrslieder. Volkstümliche Akkordeonausgabe mit Text und einer Vorstufe für Anfänger.
1 Band, kzp., 16,36 € (BN 1101)
* Ihr Kinderlein kommet : Advents- und Weihnachtslieder in einfachen Klaviersätzen.
1 Band, kzp., 25,56 € (BN 58)
* Locatelli, Pietro: Pastorale aus dem concerto grosso f-Moll op. 1: Klassische Weihnachtsmusik für Klavier. Übertragen von Walter Niemann.
1 Br., M, kzp., 6,14 €, (BN 63)

Impressum

"DZB-Nachrichten" erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €,
Schwarzschrift 12,30 €.
Diskette mit Jahreszusammenfassung ohne Beilage (nur für Braillezeile) 7,68 €.
(Preise zzgl. gesetzlicher MwSt.)

Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html

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Verwendungszweck: Blindenbuch
(unbedingt angeben)

DZB 2004