DZB-NACHRICHTEN Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)


Nr. 1 / 2005
Januar / Februar
15. Jahrgang

Inhalt


Vorbemerkung

Allen Leserinnen und Lesern der "DZB-Nachrichten" ein gesundes und erfolgreiches 2005! Schön, dass ich Sie im nunmehr 15. Jahrgang unserer Zeitschrift wieder begrüßen kann.
Das neue Jahr bringt im Angebot der DZB einige Veränderungen. Außer DZBN und Bücherliste werden nun auch das Jugendmagazin "Ketchup" und die "Kurzgeschichte International" im DAISY-Format angeboten. Vorteil: Die CD muss nicht zurückgeschickt werden!
Mit der Gründung des Fördervereins "Freunde der DZB e.V." verfügen wir über ein neues Spendenkonto. Näheres dazu erfahren Sie in der Rubrik "Einblicke".
Dass ein neues Jahr nicht nur Erfreuliches zu bieten hat, müssen leider seit 1.1. die Blinden in Niedersachsen besonders erfahren. Einzelheiten dazu erfahren Sie im "Info-Service".
Literarisches gibt es natürlich auch und selbstverständlich war Ulrich Jander wieder auf der Jagd nach Erleichterungen für blinde Computer-Anwender.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Nachlese zum 110.
"(...) Sehr geehrter Herr Klemm, als eifriger Nutzer der Hörbücherei möchte ich besonders Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ganz herzlich zum 110. Jahrestag der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig gratulieren. Ich verbinde das mit allen guten Wünschen für das weitere berufliche und persönliche Leben, vor allem jedoch mit dem großen Dank für Ihre wunderbare Arbeit und die Mühe, selbst den kleinsten Extrawunsch ›postwendend‹ zu erfüllen. Das großartige Sprecherteam - allem voran Hans Lanzke mit seiner begnadeten Stimme - möchte ich in diesen Glückwunsch gern einbeziehen.
Es ist nun fast zwei Jahre her, dass ich ziemlich abrupt keine Bücher mehr lesen konnte. Seitdem haben mir 2.800 Kassetten Hörliteratur über dieses Manko hinweg geholfen. Schon morgens vor dem Frühstück, wenn ich auf dem Hometrainer meine 28 Kilometer strample, sind die Hörbücher mein treuer Begleiter. Und sie sind es noch, wenn mich in der Gartensaison auf der Terrasse die mitternächtliche Stille umhüllt.
Mit freundlichen Grüßen und einem kleinen Epilog, Joachim Rudolph. (...)"

Der 12. November, ein historischer Tag,
den jeder von uns zu schätzen vermag:
Geboren wurde die DZB,
zu lindern des Blinden Sorgen und Weh.
Zum einhundertzehnten Geburtstag erklingt
das Hoch-Lied der Kunden.
Vor Dankbarkeit singt
ein jeder von uns aus des Herzens Grund,
und wünscht euch in Leipzig:
Bleibt alle gesund,
bleibt voller Elan und Schöpferkraft,
damit ihr uns weiter viel Freude schafft.

Einblicke

Gründung des Fördervereins "Freunde der DZB e. V."

DR. THOMAS KAHLISCH

Kennen Sie den Spruch? "Jeder anständige Deutsche muss mindestens einen Verein gründen oder wenigstens Mitglied in einem solchen sein." Die nachfolgenden Informationen passen zu dieser scherzhaften Aussage.
Am Nachmittag des 6. Dezember 2004 gründeten 9 engagierte Personen den Förderverein "Freunde der DZB e. V.". Ziel des neuen Vereines ist es, Anliegen und Aufgaben der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) zu unterstützen.
Über eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sollen Spendenmittel für die DZB eingeworben und damit neue Projekte in der ältesten öffentlichen deutschen Leihbücherei für Blinde gesichert werden.
Ein gemeinnütziger Förderverein bietet hierbei die Möglichkeit, gezielt auf Förderer des Hauses zuzugehen und die beschafften finanziellen Mittel konkret für aktuelle Aufgaben einzusetzen.
Als Vorsitzende des Fördervereins wurde von den Gründungsmitgliedern Frau Dr. Sylke-Kristin Deimig gewählt. Sie ist eine bei den Nutzern der DZB geschätzte Sprecherin und dem Haus sehr verbunden. Die promovierte Theaterwissenschaftlerin bringt viele Ideen mit in die neue Aufgabe. Sie besitzt vielfältige Erfahrungen auf dem Gebiet des Projektmanagements. Die Funktion der Schatzmeisterin des neuen Vereins wird von der Bilanzbuchhalterin Frau Margit Ducke ausgeübt. Frau Christiane Felsmann, PR-Referentin in der DZB, widmet sich als Schriftführerin den Zielen und Aufgaben des kleinen Bruders der ehrwürdigen Bücherei. Selbstverständlich fanden sich auch selbst Betroffene und andere Mitarbeiter des Hauses unter den Gründungsmitgliedern. Mit der Aufnahme von Herrn Dr. Werner Uhlig als Ehrenmitglied in den Verein fand die ehrenamtliche Tätigkeit des blinden Historikers Anerkennung. Seit vielen Jahren arbeitet er in der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens, die Leser der DZBN und der Zeitschrift "Die Gegenwart" kennen seine Artikel zur Entwicklung des Blinden- und Sehbehindertenwesens in Deutschland. Als ehrenamtlicher Punktschriftlehrer unterrichtet er an zwei Tagen in der Woche in den Räumen der DZB Jung und Alt in der Kunst, die 6 Punkte zu verstehen und anzuwenden.
Nach der erforderlichen notariellen Bestätigung wird der Förderverein beim Registergericht Leipzig angemeldet und die Gemeinnützigkeit beim Finanzamt beantragt. Das Spendenkonto führt die Stadtsparkasse Leipzig (BLZ: 860 555 92, die Kontonummer lautet: 1100830010). Freunde und Förderer der DZB können durch Spenden unsere Arbeit unterstützen. Sie erhalten selbstverständlich einen entsprechenden Nachweis dafür.
Welche ersten Projekte angegangen werden und wie interessierte Personen selbst aktiv am Förderverein mitwirken können, das wird in den nächsten Ausgaben der "DZB-Nachrichten" berichtet.

Verschlungene Wege

Einer Junggebliebenen zum Geburtstag

SUSANNE SIEMS

Ein ganz besonderes Jubiläum feiert die Centralbibliothek für Blinde in Hamburg am 19. März 2005 - sie wird hundert Jahre alt! Die DZB möchte an dieser Stelle ganz herzlich gratulieren. Wir fühlen uns mit der Hamburger Einrichtung eng verbunden.
Damals, 1905, wurde sie schnell zu einem wichtigen Standbein in der entstehenden Bibliothekslandschaft für Blinde. Heute, 2005, ist die Geschäftsführerin der Hamburger Einrichtung gleichzeitig die Vorsitzende des Vereins MEDIBUS, der deutschlandweit die Produktion von Hör- und Punktschriftliteratur für Blinde koordiniert.
Gegründet wurde die Hamburger Blindenbibliothek auf Initiative einiger Hamburger Bürger, erster Direktor war der Blinde Richard Dreyer. Das Angebot der Bibliothek, man begann mit knapp 5.500 Blindenschriftbänden, bestand zu einem nicht geringen Teil (3.750 Bände) aus Musikalien und Musikschriften. Ziel war es immer auch, blinden Studenten wissenschaftliche Literatur zur Verfügung zu stellen. Die Geschichte der letzten hundert Jahre ist ähnlich wechselvoll wie die der DZB: besonders erwähnenswert erscheint, dass zu jeder Zeit auch blinde Mitarbeiter maßgeblich an der Arbeit der Bibliothek beteiligt waren. Nicht nur die Literaturversorgung stand und steht im Mittelpunkt, sondern auch die Möglichkeit, blinden und sehbehinderten Menschen eine sinnvolle Tätigkeit zu ermöglichen. Heute versteht sich die Centralbibliothek nicht nur als eine traditionelle Einrichtung, sondern auch als moderner Betrieb, der insbesondere bei der Produktion und Ausleihe von DAISY-Hörbüchern wegweisend ist. Von hundertjährigen Staubschichten kann also keine Rede sein. Im Einzelnen auf hervorragende Leistungen oder Personen einzugehen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Sicher hören wir auch von der Jubilarin selbst Rück- und Ausblicke anlässlich ihres Ehrentages.
Da Bücher neben den Geschichten, die sie auf ihren Seiten bewahren, auch oft ein eigenes Leben haben, lassen Sie mich, liebe Leserinnen und Leser, anlässlich des Hamburger Bibliotheksgeburtstages, noch von einer kleinen "Buchreise" berichten:
Bei der Suche nach Material zur Hamburger Bibliothek stieß ich auf einen Katalog aus dem Jahr 1905. Neben Einkäufen aus allen wichtigen Blindenschriftdruckereien Europas, z. B. aus Paris und London, fanden sich auch Titel des "Vereins zur Beschaffung von Hochdruckschriften", eines Vereins, der seit 1916 als DZB Leipzig bekannt wurde. Ich wählte einen Titel aus und forschte nach, eine Schillerbiographie von Buchner in Vollschrift. Der Titel ist in unseren Beständen nicht mehr zu finden, wahrscheinlich verbrannte er beim Bombenangriff auf Leipzig im Dezember 1943? Oder er wurde so oft ausgeliehen, dass die Punkte nicht mehr zu ertasten waren, ein Nachdruck nicht möglich? Weitere Nachforschungen im Marburger Zentralkatalog ergaben, der Titel ist auch in Hamburg nicht mehr verfügbar, dafür in Stuttgart. Zeitläufe muten manchmal seltsam an und in diesem Fall auch die Wege, die dieses eine Buch nahm. Leser der "DZB-Nachrichten" wissen, dass die Stuttgarter Bibliothek 2004 leider geschlossen werden musste, die Punktschriftbücher von der DZB übernommen wurden. 10.000 Titel einzuarbeiten, dauert seine Zeit. Auf mein Nachfragen zeigten mir die Bibliothekare der Punktschriftbibliothek den handschriftlichen Eintrag im Stuttgarter Katalog - Buchner: Friedrich Schiller. Der Titel ist also noch erfasst, ob er bei den Büchern, die wir nach und nach in den DZB-Bestand integrieren, wirklich dabei ist, wird sich in den nächsten Monaten erweisen. Wenn ja, wird er als einer der ersten DZB-Titel sicher Teil der historischen Sammlung.

Wie war das damals?

Hundert Jahre Blindenanstalt Chemnitz

DR. WERNER UHLIG

Wir setzen fort mit der Beschreibung, die der erste Chemnitzer Anstaltsdirektor 1905 von der Landesanstalt gegeben hat:
"... In der etwa 500 Meter langen Südfront der Anstalt liegen fünf Beamtenwohnhäuser mit dem Verwaltungsgebäude in der Mitte. Nördlich von diesem ist in einer Entfernung von 50 Metern die stattliche Blindenschule mit der nach Norden angebauten Anstaltskirche errichtet, und östlich und westlich von ihr erheben sich die übrigen zur Blindenabteilung gehörenden Pavillons. Das Schulgebäude enthält in seinen beiden Stockwerken einen geräumigen Saal für gesangliche und andere Zwecke, acht Zimmer für Schul- und Fortbildungsunterricht, drei Zimmer für den Hilfsschulunterricht der schwachbegabten blinden Zöglinge, die nötigen Räume für den Handfertigkeitsunterricht, die Lehrmittel sowie das Lehrerzimmer. Westlich vom Schulhaus befinden sich die Wohn- und Werkstättengebäude der männlichen Zöglinge, während diejenigen der blinden Mädchen auf der östlichen Seite zu suchen sind. Die Schulknaben vom zehnten Jahre an wohnen mit den erwachsenen männlichen Blinden in einem Gebäude, in einem anderem die später Erblindeten und die schwach veranlagten Zöglinge. Es ist selbstverständlich, dass den einzelnen Zöglingsgruppen in den Gebäuden besondere Räume zugewiesen sind. Die Schulknaben unter zehn Jahren bewohnen mit den Mädchen der untersten Schulabteilung gemeinsam einen nordwestlich vom Schulhaus gelegenen Pavillon. Man hat diese Kinder deswegen in einem Gebäude vereinigt, weil sie unter weiblicher Pflege stehen. In demselben Pavillon befinden sich zugleich das Unterrichts- sowie das Spielzimmer für die unterste Schulklasse oder die Kindergartenabteilung. Ein großes Werkstättengebäude enthält im Parterre und im ersten Stockwerk je einen geräumigen Korbmachersaal, die erforderlichen Nebenräume, Zimmer für den Handfertigkeitsunterricht und andere Zwecke und endlich, in einem Seitenflügel, die umfangreiche Bibliothek. Dem am weitesten im Westen der Blindenabteilung gelegenen Seilergebäude ist eine 60 Meter lange überdeckte Seilerbahn angebaut. Für die blinden Mädchen sind drei Pavillons bestimmt. Ein Wohnhaus für die Schulmädchen, ein anderes für die erwachsenen und später erblindeten Mädchen und das Werkstättengebäude für die Bürstenbinderei, die, wie allgemein bekannt sein dürfte, in Sachsen nur die weiblichen Blinden erlernen. Das Schulhaus und die Wohngebäude besitzen seitlich gelegene breite Korridore. In sämtlichen Räumen, auch auf den Korridoren, sind die Fußböden mit rotbraunem Linoleum belegt, und große Fenster sowie zweckentsprechende Lüftungsvorrichtungen gewähren Luft und Licht. Infolge ihrer den Anforderungen der Jetztzeit entsprechenden einfachen, aber schönen Ausstattung bieten die einzelnen Zimmer einen anheimelnden Aufenthalt. Die Turnhalle, die zugleich Festhalle ist und aus diesem Grunde eine Bühne angebaut erhalten hat, wird von beiden Anstaltsabteilungen genutzt. In dem großen, östlich von der Blindenabteilung gelegenen Küchengebäude befindet sich für eine jede der beiden Anstaltsabteilungen ein Speisesaal mit besonderem Aufgang. Auch der Badepavillon ist zur einen Hälfte den schwachsinnigen, zur anderen den blinden Zöglingen eingeräumt. Von den Gebäuden, an denen die Blindenabteilung noch Anteil hat, sind endlich noch das im Norden der Anstalt gelegene Krankenhaus, die Waschanstalt und das Maschinenhaus zu nennen, von dem aus sämtliche Gebäude der Anstalt geheizt (Dampfwarmwasserheizung, zum Teil auch Niederdruck-dampfheizung) und mit warmen Wasser und mit elektrischem Lichte versorgt werden.
Den weiten Platz an der Blindenschule zieren prächtige Gruppen duftender Blumen wie denn überhaupt ausgedehnte Anlagen, die die einzelnen Pavillons, die angrenzenden Spielplätze und die Beetanlagen der Zöglinge umrahmen, einen schönen Schmuck der Anstalt bilden. Die Einrichtung der Landesanstalt Chemnitz im Pavillonsystem bietet bei der weitgehenden Gliederung für unsere blinden Zöglinge außer anderen Vorzügen vor allen Dingen den Vorteil, dass sie des öfteren am Tag Veranlassung haben, sich bei jedem Wind und Wetter - bei Regen gewähren Schirme den nötigen Schutz - im Freien zu bewegen und nach den verschiedensten Richtungen zu ergehen. Hierdurch werden sie selbständiger und sicherer in ihren Bewegungen. Ihr Ortssinn erfährt eine wesentliche Förderung und ihr körperliches Befinden einen wohltätigen Einfluss. Der letztere Faktor hat im Verein mit den getroffenen erzieherischen und sonstigen Einrichtungen bewirkt, dass der Gesundheitszustand unserer Zöglinge als ein vorzüglicher zu bezeichnen ist. Zur Zeit befinden sich in der hiesigen Blindenabteilung 217 Zöglinge, darunter 112 im schulpflichtigen Alter stehende Kinder, die in einer achtklassigen Normalschule und einer dreiklassigen Hilfsschule unterrichtet werden. Fortbildungsschulunterricht erhalten sowohl die erwachsenen männlichen als auch weiblichen Zöglinge in getrennten Abteilungen. Betreffs unseres Erziehungssystems sei die Einrichtung erwähnt, dass in Anlehnung an die familiären Verhältnisse kleinere Gruppen von Zöglingen zu Familien vereinigt und Pflegern beziehentlich Pflegerinnen zugewiesen sind, die bei der Erziehung der Zöglinge vorteilhaft mitwirken, auch deren körperliche Pflege zu besorgen haben. Pfleger und Pflegerinnen sind besonders vorgebildete mit Staatsdienereigenschaft angestellte Beamte. Die letzteren haben zum größten Teil kindergärtnerische Vorbildung aufzuweisen, die sie zur Erteilung des Unterrichts nicht nur im Kindergarten, sondern auch des Handfertigkeitsunterrichts in den unteren Schulklassen befähigt. An dem Erziehungswerk in der Blindenabteilung sind außer dem Verfasser ein Oberlehrer, sechs Lehrer, eine Lehrerin, ein Musiklehrer (blind), ein Lehrer für den höheren Gesangsunterricht, eine Lehrerin für den Turn- und weiblichen Handarbeitsunterricht, ein Werkmeister für die Unterweisung im Klavierstimmen, vier Werkmeister für die Korbmacherei und Bürstenbinderei, zwei Werkgehilfen, acht Pfleger, eine Oberpflegerin und elf Pflegerinnen tätig. Ein Anstaltsarzt sorgt für das leibliche und ein Anstaltsgeistlicher für das geistliche Wohl der blinden wie der schwachsinnigen Zöglinge. Das Asyl ist in Königswartha verblieben. Es ist nach wie vor eine Heimstätte für die ehemaligen Zöglinge der Anstalt, die alt und arbeitsunfähig geworden sind, sowie für diejenigen, die ihr Fortkommen draußen im Leben nicht finden würden. 55 Blinde beiderlei Geschlechts bewohnen jetzt dieses traute Heim. Der bedeutende Unterstützungsfonds für entlassene Blinde wird bei der hiesigen Anstalt verwaltet. Von seinen Erträgnissen werden in Chemnitz und Dresden je eine Verkaufsstelle und die Werkstätten unterhalten, die sich bei ihnen befinden und ehemaligen Zöglingen lohnende Arbeit bieten. Auch das Asyl zu Königswartha verdankt seine Entstehung wie seine Unterhaltung zum hauptsächlichsten Teile dieser hochherzigen Stiftung. Ja, die Segnungen, die von dieser genialen Schöpfung opferfreudiger Menschenliebe ausgehen, sind von unvergleichlich wohltätiger Wirkung und wahrhaft erhebend. Betrug doch die Summe der Unterstützungen, die unsere rund 460 Entlassenen im vergangenen Jahr in bar erhalten konnten, über 60.000 Mark. Dennoch wollen die Mittel bei weitem noch nicht ausreichen. Wir geben uns daher der zuversichtlichen Hoffnung hin, dass sich auch in Chemnitz für unser großes Liebeswerk der vaterländischen Blindenfürsorge neue Freunde und Wohltäter finden werden."
Zu letzterem fällt hier auf: von Chemnitz ist die Rede, von Dresden und Königswartha - von Leipzig nicht.
Der Grund dafür war, dass sich das Einzugsgebiet der Landesblindenanstalt damals auf das südliche und mittlere Sachsen von der Lausitz bis zum Vogtland erstreckte, nicht aber den nordwestlichen Landesteil erfasste. In Leipzig hat es bis 1923 eine städtische Blindenanstalt gegeben, und diese wurde von den Blinden aus Leipzig und Umgebung besucht. Blinden-Werkstätten und Verkaufseinrichtungen für Erzeugnisse blinder Handwerker hatte hier der ›Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften und Arbeitsgelegenheit für Blinde‹ geschaffen, und im Jahre 1908 auch das erste deutsche Blindenerholungsheim in Grimma. Das ist hier im Leipziger Raum hauptsächlich das Werk von Isabella Keilberg gewesen.
Wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Rosa Luxemburg: "Schriften und Briefe"

SUSANNE SIEMS
[PUNKTSCHRIFTBIBLIOTHEK]

"Wenn du ein Buch auf eine Reise mitnimmst ... dann geschieht etwas Seltsames: Das Buch wird anfangen, deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst du wieder dort sein, wo du zuerst darin gelesen hast. Schon mit den ersten Wörtern wird alles zurückkommen: die Bilder, die Gerüche, ... Glaub mir, Bücher sind wie Fliegenpapier. An nichts haften Erinnerungen so gut wie an bedruckten Seiten."
In diesen Worten aus Cornelia Funkes wunderschönem Buch "Tintenherz" (wird gerade in der DZB in Blindenschrift übertragen) fand ich die Idee für die heutige Kramkiste. Es ist Jahre, genauer mehr als anderthalb Jahrzehnte her, dass mich die Briefe Rosa Luxemburgs auf eine Urlaubsreise begleiteten. Diese Briefe, die Frau, die man in und zwischen den Zeilen an Freunde und Verwandte fand, rührten mich damals an und die Sympathie blieb wohl all die Jahre im Verborgenen erhalten, da mir gerade dieses Buch beim Lesen des anderen einfiel.
Es ist seit dem Leben und Sterben Rosa Luxemburgs viel Zeit, viel Geschichte verstrichen. Und, fast scheint es so, noch einmal genauso viel Zeit, seitdem ich die Briefe in den achtziger Jahren sozusagen "gefunden habe". Nicht nur eine politische Wende trennt uns heute von den Geschehnissen in der Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Sind es bei den Briefen die mitfühlende Anteilnahme, die Fähigkeit, mit Worten (anderes war aus dem Gefängnis ja gar nicht möglich) Mut zu machen, so bestechen bei den theoretischen Schriften Luxemburgs ihr glasklarer Verstand und ein guter Schreibstil. Die Punktschriftbibliothek bietet "Politische Schriften" an, die wohl eher aus historischer Sicht interessant sein dürften, die ich auch, muss ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gestehen, nicht gelesen habe. Aber, ebenfalls zu den wissenschaftlichen Werken gehörend, finden Sie in Punktschrift "Schriften über Kunst und Literatur". Rosa Luxemburg war Polin und sie setzte sich aktiv nicht nur für die polnische Arbeiterbewegung, sondern auch für die Kultur ihres Landes ein. Der slawische Kulturkreis war ihr sehr vertraut, ihre große Liebe galt der russischen Literatur. Interessant zu lesen ist besonders ihr Artikel über Leo Tolstoi, Luxemburgs Lieblingsschriftsteller. Auch hier tritt wieder zu Tage, was für mich so faszinierend an dieser Frau und ihren Schriften ist: klare, sachliche Argumentation vom Standpunkt ihrer sozialistischen Anschauung, aber darüber hinaus ein tiefes Verständnis der menschlichen Seite ihres Gegenüber. Und bei aller Intellektualität lag ihr immer der Mann aus dem einfachen Volk besonders am Herzen. Wie gegenwärtig lesen sich doch ihre Auseinandersetzungen mit der reformbemühten Sozialdemokratie und die Streitgespräche u.a. mit Karl Kautsky. Nicht umsonst wurden ihre Ideen im Januar 1989 in der damaligen DDR mit dem Zitat "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" lebendig. Erwähnen möchte ich noch, dass in den "Schriften über Literatur und Kunst" ebenfalls Briefe enthalten sind, die den etwas dünn geratenen Band "Briefe aus dem Gefängnis" wunderbar ergänzen. Es finden sich interessante Briefe an Sophie Liebknecht, Franz Mehring und Clara Zetkin.
Viele Reden wurden für Rosa Luxemburg gehalten, Lieder gesungen, Denkmale errichtet, nicht nur als Bauwerk ertastbar sondern auch in den Köpfen. Es tauchte bei mir die Frage auf, kann ich inzwischen nur schwer zulassen, dass Ansichten und Menschen, an die ich geglaubt habe, sich als nicht vollständig wahrhaftig und richtig erwiesen haben? Als ich die Briefe erneut zur Hand nahm, eingedenk des am Anfang zitierten Satzes von Cornelia Funke, wusste ich, dass es nicht in erster Linie um eine politische Haltung geht. Da hat jeder die seine, die sich auch wandeln mag im Laufe der Zeiten und Erlebnisse. Was mir aus jeder Zeile, ja jedem Wort entgegenleuchtete, war eine sensible, vielseitig interessierte Frau, die für ihre Ansichten, ihre aus tiefstem Herzen kommende Überzeugung kämpfte und eintrat. Die letzten Jahre ihres Lebens, dass nur 48 Jahre währte, verbrachte sie größtenteils eingesperrt in einer Gefängniszelle in sogenannter "Sicherheitsverwahrung". Zugegebenermaßen weiß man, dass es für Intellektuelle, insbesondere politische Gefangene, auch Zugeständnisse gab. Sie wäre sicher untergegangen, hätte man ihr Lesen, Schreiben, botanische Studien verwehrt. Aber hat nicht manch anderer schon viel früher aufgegeben, sich angepasst, bequem eingerichtet in einem Leben, dass zwar nicht die Erfüllung der selbstgesteckten Ziele, aber Bequemlichkeit verspricht. Ja, das sind harte Worte, und ich wage sie nur zu schreiben, weil ich mich nicht selbst davon ausschließe und darum voll Bewunderung für solch Lebensmut bin. Da ist fast egal, welches Lebensziel, welche Anschauung es ist, die einem so viel Rückhalt verleiht, da steht wohl der tiefgläubige Christ in einer Reihe mit dem überzeugten Marxisten und alle treffen sich bei Lessings Nathan dem Weisen zum Gespräch. Darin liegt das eigentlich faszinierende in der Lektüre gerade der Briefe, dass über allem immer als Erstes der Mensch kommt. In diesem Sinne möchte ich Ihnen folgende Bücher ans Herz bzw. in die Hände legen:
* "Briefe aus dem Gefängnis", 1 Bd., rkzp., BNA 636; auch als Hörbuch 2 Kass. 675
* "Schriften über Kunst und Literatur", 4 Bde., rkh., BNA 5362

Walter Scott: "Quentin Durward"

JÖRG KLEMM
[HÖRBÜCHEREI]

Walter Scott, ein schottischer Schriftsteller, wurde 1771 in Edinburgh geboren, starb 1832 im Schloss Abbotsford. Er war Rechtsanwalt, Sheriff der Grafschaft Selkirk und Richter in Edinburgh. Seine dichterische Tätigkeit begann er mit Übersetzungen aus der deutschen Literatur und der Sammlung schottischer Volksballaden. Später begann er mit Veröffentlichungen spannungsreicher Geschichtsbilder, die ihn zum eigentlichen Begründer des historischen Romans machten und die vor sorgfältig recherchiertem Hintergrund geschichtlicher Ereignisse die Schicksale fiktiver Helden darstellen. Die Schauplätze seiner Geschichtspanoramen sind u.a. das Schottland des 18. Jahrhunderts, das englische Mittelalter und die Renaissance sowie das Frankreich des 14. Jahrhunderts.
Zur Handlung: Der schottische Jüngling und Bogenschütze Quentin Durward streift auf Suche nach Anstellung durch französische Lande. Vor der beabsichtigten Überquerung einer Furt im Fluss Cher befragt er zwei sich auf der gegenüberliegenden Flussseite befindliche Franzosen nach der Sicherheit dieses Wegs. Doch er erhält keine Antwort. Der Fluss reißt Quentin von den Füßen, doch dank seiner Schwimmkünste gelangt er an sein Ziel. Die Franzosen bewundern die Schwimmkünste des Jünglings, auch plagt - zumindest den Älteren - das schlechte Gewissen, ihn nicht vor der Gefahr gewarnt zu haben. Die beiden, der Ältere stellt sich als Meister Peter vor, der jüngere soll Förster sein, versprechen Quentin ein opulentes Mahl in einem Gasthaus.
Mit der Hilfe von Meister Peter findet Quentin seinen Oheim Balafré, der als Krieger in den Diensten des Königs steht. Unfreiwillig wird Quentin königlicher Knappe. Bei einer Eberjagd wird er dem König bekannt. Dieser setzt den Knappen bei einer geheimen Mission als Bewacher ein. Er soll eine burgundische Gräfin, die vor einer erzwungenen Ehe nach Frankreich geflohen ist, in ein sicheres Asyl zu dem Bischof von Lüttich führen. Doch in Wirklichkeit verfolgt der König andere Absichten ...
Walter Scott hat mit diesem Roman nicht nur das Leben am französischen Hof, sondern ein Stück Geschichte des 15. Jahrhunderts erzählt; farbig und sehr lebendig stellt er uns die Menschen jener Zeit mit ihren Wünschen und Hoffnungen, aber auch mit allen ihren Schattenseiten vor Augen. Abenteuer und Gefahren muss der junge Schotte Quentin am Hof des Ludwigs XI. bestehen. Historisch getreu und mit psychologischem Spürsinn gezeichnet ist das Charakterporträt des Königs, der sich jeden Schachzugs bediente, um der Krone die Macht zu sichern und das im Land herrschende Chaos zu bändigen.
Zur Hörausgabe: Sprecher ist Hanskarl Hoerning. Das Buch umfasst 13 Kassetten oder 1 CD-ROM mit 1061 Min. Die Bestellnummer lautet: 1377.

Weitere Titel von Walter Scott im Hörbuchbestand:
* "Das Leid von Lammermoor" (BNA 7726)
* "Old Mortality" (BNA 5404)
* "Der schwarze Zwerg" (BNA 5194)

Titel von Walter Scott in Punktschrift:
* "Ivanhoe" (BNA 584)

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position:
Nr. 80:

Günter Grass: Die Blechtrommel. (1959)

* In der DZB in Punktschrift ausleihbar und käuflich: 9 Bde., SchG, kzp.98, 101,24 €, BNV 3301, BNA 9417
* als Hörbuch: Spr.: Hans Lanzke. 21 Kass. 6490)

Günter Grass: "Die Blechtrommel"

"Die Blechtrommel" war der erste Roman des 1999 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichneten Autors.
In der Blechtrommel ist Oskar Matzerath, "Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt", das vorgeschobene Erzähler-Ich des Romanautors. In der Klinik, die für ihn Rückzugsrevier und Außenseiterposten ist, schreibt er seinen Lebensroman nieder und berichtet aus seinem Alltag. Es ergeben sich damit zwei ineinander verschränkte Zeitebenen: die Spanne der Niederschrift von 1952 bis 1954, in der Matzerath sich mit allem Aufwand gegen die Vereinnahmung durch Besucher und Personal der Anstalt, gegen die höhnisch verachteten Physiognomien der bundesdeutschen Nachkriegs-Reaktion wehrt, deren Tabus er plan- und lustvoll verletzt, deren Scheinwerte er in Frage stellt. Und zum anderen die Epoche von 1899 bis 1954, in der Matzerath von den Geschicken, Wirrnissen und Lebensgrotesken seiner Vorfahren und seiner selbst in linearem, gemächlichem Erzählfluss berichtet. Beide Ebenen gehen am Schluss des Romans, an Matzeraths dreißigstem Geburtstag, ineinander über.
Weil er seiner Devise folgen will, dass niemand sein Leben beschreiben sollte, "der nicht die Geduld aufbringt, vor dem Datieren der eigenen Existenz wenigstens der Hälfte seiner Großeltern zu gedenken", beginnt Matzerath mit seiner Großmutter Anna Bronski, die "im Herzen der Kaschubei" auf einem Kartoffelacker sitzt und unter ihren vier Röcken den flüchtigen Brandstifter Joseph Koljaiczek vor der Feldgendarmerie versteckt. Geschlechter-, Ehestands- und Spießergeschichten, Jugend-, Front- und Liebesabenteuer durchziehen die Zeitläufte: Großmutter Annas Tochter Agnes heiratet den Rheinländer Alfred Matzerath und unterhält gleichzeitig ein Verhältnis mit dem Vetter Jan Bronski, so dass der 1924 geborene Oskar Matzerath zwei Väter hat. Er selbst gehört nach eigener Aussage "zu den hellhörigen Säuglingen, deren geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur noch bestätigen muss". Gegen die Vorstellung von Größe und Heldenmaß setzt er die Weigerung zu wachsen, sein Kinderformat.
Der Dreijährige, der Gnom, der Däumling, der nicht aufzustockende Dreikäsehoch" ist eine brillant erfundene Kunstfigur, mit der die Welt auf satirische und burleske Weise von unten, aus der tückischen Scheinnaivität gemustert wird.
Ausgestattet mit der Gabe einer durchdringenden Stimme und der Fähigkeit, Glas zerspringen zu lassen, ist er ein raffinierter Simplicius, ein buckliger Zwerg und priapischer Vorwärtsdränger, ein Kind und Ausbund überblickenden Verstandes, der Winzling und der Frauenheld, ein zweiwertiger Außenseiter voller Protest und erotischer Fluchtphantasien.
In 46 Kapiteln, die, in drei Büchern gruppiert, weitgehend abgeschlossen nebeneinander stehen und eine lockere Reihung des Stoffes vorgeben, erzählt Oskar Matzerath vorwiegend im Ich-Bericht, bisweilen komisch distanzierend von sich in der dritten Person oder fremde Erzähler einschiebend, jedenfalls stets in einem von ihm bestimmten Tonfall. Orgiastisch aufs phantastische Detail versessen, mit drastischer Handlungs- und Benennungslust arbeitet er sich durch die Danziger Geschehnisse. Weil das Kriegsende zuvorkommt, entgeht er der Bestimmung, als "lebensunwertes Leben" dem Euthanasieprogramm zu verfallen. Bei einer Liliputaner-Front-Theater-Gruppe arbeitet er zu Beginn der alliierten Invasion am Atlantik.
Mit seiner späteren Stiefmutter zeugt er vermutlich ein Kind und übersiedelt 1945 nach Düsseldorf. Er wird Steinmetz, Jazzschlagzeuger und Modell, bringt im Zwiebelkeller des Herrn Schmuh die Gäste dazu, sich "zu lallenden, glückseligen Kleinkindern" zu machen. Mit Konzertreisen und Schallplatten wird der Blechtrommler ein reicher Mann. Halb hält er sich an Goethe, halb an Rasputin und betätigt sich als entschlossener Verführer. Matzerath mit seiner Scheinkindlichkeit und unter dem selbstgewählten Diktat der Verweigerung von Normalität entzieht sich dem kollektiven Gedächtnisschwund, der in den Zeiten des Adenauer-Staats und des Wirtschaftswunders zur reflexhaften Selbstverständlichkeit geworden ist. Sein durchtrieben naives Außenseitertum ist nicht nur gegen die Nazis und gegen den Krieg gerichtet, sondern danach auch gegen den allgemeinen Verlust der Anamnese. Angeklagt der Ermordung einer Krankenschwester, wird er ins Irrenhaus eingeliefert. Sein weißes Gitterbett ist die Schreibzentrale seiner Welt, die von den Katastrophen der deutschen Geschichte geprägt ist; er begreift sie als absurde, oft abstruse Groteske und beschreibt sie mit einem Riesenaufwand an Wörterlust. Von seinem artistisch und schwelgerisch verwendeten Vokabular des Jargons, der Sprichwortweisheiten, des parodistischen Nachschmeckens, der Anspielungen, von den Wortreihen, Persiflagen, allegorischen Bildern, karikaturistischen Details und rabulistischen Witzen wird Ideologie geradezu abgewiesen: Die Blechtrommel wendet sich gegen den Gedächtnisschwund wie gegen die eingefahrenen Muster der Vergangenheitsbewältigung.
Matzeraths heftig beschworenen Sehnsuchts-Kontinent bilden die Frauen. Wegen der erotischen Stellen in seinem Roman wurde Grass als "Pornograph" angegriffen; der ihm von einer unabhängigen Jury 1959 zugesprochene Bremer Literaturpreis wurde ihm durch den Senat verweigert.
Seit Hans Magnus Enzensbergers Diktum: "Wilhelm Meister, auf Blech getrommelt" wird das Buch häufig als "Bildungsroman" bestimmt, wozu auch die Gattungsbezeichnung des "Schelmenromans" hinzugesetzt wird. Doch ist das Buch gleichermaßen von phantastischen und märchenhaften Elementen geprägt, und die oft realistischen Partien sowie der Strom an zeitgeschichtlichen Einzelheiten heben jede Fixierung an eine bestimmte Gattung oder an ein historisches Romanmuster in einem polyvalenten Spiel der erzählerischen Möglichkeiten wieder auf. - Knapp zwei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung des Romans hat die Verfilmung von Volker Schlöndorff dem Buch und seinem Autor weitere Popularität in internationalem Rahmen hinzugefügt.
[Gekürzt. Quelle: Dr. Wilfried F. Schoeller in Kindlers neues Literaturlexikon (c) CD-ROM 1999 Systhema Verlag GmbH, Buchausgabe Kindler Verlag GmbH]

Weitere Titel von Günter Grass in der DZB:
Hörbuch
* DANZIGER TRILOGIE Bd. II. Katz und Maus. Spr.: Gert Gütschow. 4 Kass. 6181
* DANZIGER TRILOGIE Bd. III. Hundejahre. Spr.: Günter Freund (Stuttgart). 15 Kass. 5304
Punktschrift
* Deutscher Lastenausgleich : wider das dumpfe Einheitsgebot. 2 Bde., rkh., BNA 7465
* Im Krebsgang. 3 Bde., kzp.98, BNA 10386
* Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus. 1 Bd., rkzp., BNA 7962
* Unkenrufe. 5 Bde., rke., BNA 8065

LOUIS

[LEIPZIGER ONLINE UNTERSTÜTZUNGS- UND INFORMATIONSSERVICE FÜR SEHGESCHÄDIGTE]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

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- ein Text- und Datenbankprogramm mit besonderer Eignung für blinde Nutzer
ULRICH JANDER/DIRK BECKER

Heute stellt Herr Dirk Becker ein Computerprogramm vor, welches von Herrn Wolfram Floßdorf, einem blinden Hobbyprogrammierer aus Köln, entwickelt wurde. Die Software ist ein normales Windowsprogramm, vereinigt aber eine umfangreiche Funktionalität mit relativ leichter Bedienung vor allem für blinde und sehbehinderte Nutzer. Lassen wir Herrn Becker zu Wort kommen:
Vor nunmehr einem guten Jahr hatte ich durch Zufall die Gelegenheit, mich mit dem o. g. Programm bekannt zu machen. Seither nutze ich es für meine Arbeit, und kann vorab sagen, dass mir bisher nichts Vergleichbares begegnet ist. Jeder, der bisher mit dem für Blinde gut geeigneten und unter dem Betriebssystem MS-DOS laufenden Text- und Datenbankprogramm F & A arbeitete, wird mir sicher zustimmen können, wenn er Dataword getestet hat, dies um so mehr, als sich F & A-Datenbanken problemlos importieren lassen.
Dataword wurde von dem selbst blinden Hobbyprogrammierer Wolfram Floßdorf aus Köln entwickelt. Er hat dabei auf graphische Spielereien vollkommen verzichtet.
Die Installation ist denkbar einfach und mit dem Screenreader Jaws ohne Probleme zu bewerkstelligen. Dabei werden nur 3 Ordner im Stammverzeichnis angelegt (ein Programmordner, ein Ordner für Texte und ein solcher für die Datenbanken). Herr Floßdorf liefert beim Erwerb des Programms eine MP3-CD zum selbständigen Erlernen der Funktionen mit. Das Programm enthält ferner einen umfangreichen Terminplaner, den ich leider bisher gar nicht umfassend testen konnte. Dataword ist in der Lage, wirklich zahlreiche Textformate und auch Audioformate wiederzugeben.
Die Textverarbeitung lässt keine wichtige Funktion vermissen. Einfach genial ist jedoch die Möglichkeit, über die Normaltastatur mit fdsjkl 6-Punkte-Braille schreiben zu können, und das völlig einwandfrei.
Beginnen wir jedoch mit der Installation: Dies bewirkt man durch den Start der Datei Setup.exe, wobei dann den Hinweisen zu folgen ist. Auf dem Desktop wird der Programmname zum Starten des Programms abgelegt.
Nach dem Start des Programms wird man mit dem aktuellen Datum begrüßt und kann sofort den Terminplaner nutzen. Mit ESCAPE gelangt man in einen leeren Editor. Man hat jetzt die Wahl Texte zu bearbeiten, zu lesen oder zu erstellen bzw. eine Datenbank aufzurufen. Mit der Alt-Taste und dann den Pfeiltasten bewegt man sich in einem Window-typischen Menü und findet u. a. die Punkte "Datei" für Datenbanken, "Text", "Bearbeiten", "Format", "Suchen", "Termine", "Extras" und "Hilfe". Mit Pfeil-nach-unten bewegt man sich sodann in den sich überwiegend selbst erklärenden Punkten. Diese hier zu erläutern, würde zu weit führen.
Hervorzuheben ist jedoch noch, dass auf 3 verschiedene Arten in den Datenbanken gesucht werden kann. Einmal, wie in anderen Programmen auch, mit Strg-f. Der Suchbegriff ist einzutragen und mit ENTER zu bestätigen. Weitere Suchmöglichkeiten werden über eine Indextabelle und über einen "bedingten Felderexport" bereitgestellt. Über die Indexsuche wird im ersten Datenfeld ein Suchbegriff eingetragen, der durch ein Plus-Zeichen mit weiteren Feldern kombiniert werden kann. Beim "bedingten Felderexport" können in alle Felder Suchbegriffe für eine Kombisuche eingegeben werden.
Mit dem Textverarbeitungsprogramm werden die Dokumente im Text-Format "txt" erstellt. Herr Floßdorf hat hier neben den üblichen Funktionen zahlreiche sinnvolle Features zusätzlich bereitgestellt. So kann man, ähnlich wie beim F & A, wieder Marken setzen, um später den Textblock beispielsweise zu löschen oder zu verschieben. Wie eingangs schon erwähnt, besteht mit Alt-b gefolgt von p die Möglichkeit den Brailleeingabemodus zu aktivieren oder zu deaktivieren. Einmalig ist dabei die unter dem Menüpunkt "Format" vorhandene Funktion der Formatierung auf feste Breite mit oder ohne Beachtung neuer Zeilen. Man braucht jetzt nur noch die Zeichenanzahl einzugeben und mit ENTER zu bestätigen. Schon kann man den Text ohne Probleme in Brailleschrift ausdrucken. Kein Ärger mit Seitenbreite oder Absatzformatierung. Wer ständig Blindenkurzschrift eingeben und ausdrucken muss, wird wohl kaum etwas Besseres finden.

Das Programm ist für etwa 80 Euro zu beziehen bei
Wolfram Floßdorf
Laurentius-Siemer-Str. 7, 50767 Köln
Telefon: 0221 7901531
E-Mail: Mail@softcologne.de
Internet: www.softcologne.de
Eine Testversion steht zum Download bereit.

Zum Beitrag von Herrn Becker ist noch zu ergänzen, dass DATAWORD ab Windows 98 als Betriebssystem lauffähig ist. Die Office-Programme von Microsoft, wie Word und Access, sind ebenfalls erforderlich. Mit den Screenreadern Virgo und Hal ist DATAWORD ebenfalls nutzbar. Weitere Screenreader konnten nicht getestet werden. Nach dem Herunterladen von DATAWORD, welches ca. sechs MB umfasst, ist das Programm als zip-Datei in einen leeren Ordner zu entpacken, z. B. c:\tmp. Von dort wird die Startdatei für die Installation, Setup.exe, aufgerufen.
Sämtliche Funktionen von DATAWORD kann man natürlich nicht behandeln; z. B. stehen auch eine Notizfunktion und ein Rechner zur Verfügung. Ein umfangreiches, alphabetisches Hilfesystem steht im Menü zur Nutzung bereit.
Wenn Sie Fragen zu DATAWORD haben, so stehe ich Ihnen gern hier in der DZB dafür bereit. Sie können natürlich auch gern direkt Kontakt zu Herrn Floßdorf in Köln, wie oben angeführt, aufnehmen.
Viel Freude und Erfolg mit DATAWORD wünschen Dirk Becker und Ulrich Jander.

Info-Service

"Ratgeber aktuell"

Ab diesem Jahr erscheint unsere Monatszeitschrift "Ratgeber aktuell" als Hör- und Punktschriftausgabe ca. 14 Tage früher als bisher, letztere neu im handlichen A4-Format. Praktische Tipps und Tests der Stiftung Warentest über Produkte, Dienstleistungen, Versicherungen, Geldanlagen usw. lassen sich nun noch schneller in bare Münze umwandeln. Auskünfte über steuerliche, rechtliche und soziale Fragen erreichen noch aktueller den Verbraucher.
Nähere Auskünfte:
DZB Leipzig, Tel. 0341 7113-120
E-Mail: info@dzb.de

BrailleVis - Notenübertragungsservice der DZB

Im Rahmen von DaCapo, dem Projekt zum Wiederbeleben der Braillenotenherstellung, arbeiten wir seit über einem Jahr an Programmen zur Übertragung zwischen beiden Notendarstellungen - Schwarzdruck und Blindenschrift. Wir bieten Ihnen nun an, Ihre in Dateiform vorliegenden Blindennoten in Schwarzdrucknoten umzuwandeln.
Wie funktioniert diese Umwandlung der Noten?
Wir übertragen Ihre Noten in das MusicXML-Format. Daraus setzen wir mit Hilfe des Notensatzprogrammes "Finale" Schwarzdrucknoten, dessen Form von uns manuell verbessert wird. Wenn wir aus Ihren Noten Schwarzdruck erzeugen, dann können wir diese im Allgemeinen auch in hörbare Musik umwandeln.
Wir versuchen, Ihnen innerhalb einer Woche per E-Mail die Daten des Schwarzdruckes in einer pdf-Datei und wenn gewünscht zusätzlich in einer Midi-Datei zu senden. Die pdf-Datei enthält Ihre Schwarzdrucknoten, die Sie mit Hilfe des Acrobat Reader anzeigen und ausdrucken können. Die Midi-Datei beinhaltet Ihre (synthetisch erzeugte) Musik und kann z.B. über den Windows Media Player abgespielt werden.
Die professionelle Zusammenarbeit blinder Musiker mit sehenden Menschen wird mit Hilfe des Services BrailleVis deutlich einfacher. Derzeit ist unser Dienst noch in der Entwicklungsphase und dient somit unter anderem der Verbesserung der erstellten Software und ist für Sie kostenfrei!
Nähere Informationen finden Sie unter: www.dzb.de/dacapo

Annahme von Privataufträgen zur Notenübertragung

Im Rahmen des Projektes DaCapo werden weiterhin private Aufträge für die Übertragung von Schwarzdrucknoten in Blindenschriftnoten angenommen. Die Bearbeitung dieser Aufträge ist kostenpflichtig.
Anfragen unter 0341 7113-132.

Schließtage 2005

Termin für den diesjährigen Tag der offenen Tür ist der 3. September.
An folgenden Tagen ist die DZB in diesem Jahr geschlossen:
* 06. Mai 2005
* 27. Dezember bis 30. Dezember 2005

Volksbegehren in Niedersachsen BLINDENGELD MUSS BLEIBEN

Der niedersächsische Landtag hat am 16.12.04 den Haushalt 2005 verabschiedet und dabei auch das Blindengeld weitgehend gestrichen. Ab 2005 erhalten nur Blinde bis zum 27. Lebensjahr ein einkommens- und vermögensunabhängiges Landesblindengeld in Höhe von lediglich 300 Euro. Das heißt, weit über 90% werden dann ohne das bisherige Landesblindengeld dastehen.
Als Reaktion auf den Beschluss des Landtages kündigte der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen ein Volksbegehren gegen die weitgehende Abschaffung des Landesblindengelds an. Geschäftsführer Werner Lange ist sicher, dass die erste Hürde für ein Volksbegehren mit 25.000 Unterschriften innerhalb von sechs Monaten geschafft wird. Im Januar will die Organisation mit Unterstützung vom Sozialverband Deutschland (SoVD) beginnen, die nötigen Unterschriften zu sammeln.
Für die Zulassung eines Volksbegehrens gibt es hohe Hürden. Zunächst müssen die Organisatoren 25.000 Unterschriften in sechs Monaten sammeln.
Im zweiten Schritt müssen dann zehn Prozent der Wahlberechtigten in Niedersachsen - das sind rund 600.000 - das Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützen. Wird auch dieses Ziel erreicht, muss sich der Landtag mit den Forderungen des Volksbegehrens auseinandersetzen und über den Vorschlag abstimmen. Lehnt das Parlament die Ziele des Volksbegehrens ab, kommt es im nächsten Schritt zu einem Volksentscheid, bei dem alle Wahlberechtigten aufgefordert sind, abzustimmen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Blinden- und Sehbehindertenverband
Niedersachsen e.V
Kühnsstraße 18, 30559 Hannover
Telefon: 0511 5104-0
Fax: 0511 5104-444
E-Mail: info@blindenverband.org
www.blindenverband.de.
(Quelle: http://www.dbsv.org)

PABS - Preisagentur für Blinde und Sehbehinderte

Die seit 1. Dezember 2004 existierende Preisagentur für Blinde und Sehbehinderte (PABS) hat es sich zum Ziel gesetzt, für Waren fast aller Art aus den Bereichen Haushalt, Telekommunikation, HiFi, TV, Computer, Freizeit, Hobby, Sport u.v.m. den günstigsten Preis zu recherchieren. Dabei sind Einsparungen von 25 % und mehr möglich.
Die Firma wurde vom ehemaligen Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. Hans-Dieter Später gegründet. Für die Kundenbetreuung, Preisrecherche und die kaufmännische Verwaltung ist der ehemalige stellvertretende Geschäftsführer des DBSV Martin Altmaier zuständig. Beide Akteure sind also eng mit der Selbsthilfe verbunden und selbst blind.
Kontakt:
PABS, Alberichstr. 9, 53179 Bonn
Tel.: 0228 2079935
Fax: 0228 3699749
E-Mail: pabs@gmx.de

Zeitschrift in Vollschrift

"Vollzeichen" ist der Titel einer Zeitschrift, die unter der Redaktion von Dr. Rose-Marie Lüthi Kreibich und Norbert Müller, Weil am Rhein herausgegeben wird.
Sie richtet sich an Menschen, die nur die Vollschrift beherrschen und bringt literarische Beiträge, Kochrezepte, praktische Tipps für blinde Menschen, Leserbeiträge u.a.
Eine kostenlose Probenummer ist erhältlich unter
Bildung ohne Barrieren
Hauptstraße 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: 07621 799230
Fax: 07621 799231
E-Mail: info@bob-institut.org

CD WISSEN

CD WISSEN ist ein zweimonatlich erscheinendes Wissensmagazin zum Hören. Interessante Geschichtsthemen und Biographien werden speziell für diese Produktionen von renommierten Rundfunk-Autoren recherchiert und professionell vertont. Bekannte Sprecher, viel Musik und Originaltöne machen diese CDs zu einem unterhaltsamen und lehrreichen Hörererlebnis.
Ausgabe 3 beschäftigt sich mit den Biographien von John F. Kennedy und Marilyn Monroe. Ausgabe 4 trägt den Titel "Adolf Hitler und Joseph Stalin - Größenwahn ohne Gewissen".
Die Hörreihe gibt es im Jahresabo für EUR 38,00 inklusive Versandkosten.

Kontakt:
audio- media verlag GmbH
Mozartstr. 17, 80336 München
Tel. 089 5994393-1
Fax. 089 5994393-3
E-Mail: abo@CDwissen.de

Tandem-Botschaften an Europa

ES GEHT NUR GEMEINSAM - PROJEKT "TANDEM-HILFEN" SORGTE IN 9 LÄNDERN FÜR BEGEISTERUNG UND PRESSEWIRBEL

Keine Panne, kein Sturz, keine Missgeschicke, keine Schmerzen - und das auf einer 3.000-Kilometer-Tour per Tandem von Berlin nach Athen anlässlich der Paralympics. Trotzdem kamen 85 Redaktionen zu den Pressekonferenzen, um zu erfahren, was die Initiatoren dazu veranlasst hat, ihren Urlaub dafür zu verwenden, etwas Nützliches für andere zu tun. Denn in jedem der 9 durchfahrenen Länder übergaben die Tandem-Helfer Hilfsmittel für Sport und Freizeit sowie für Bildung und Beruf an die nationalen Blinden- und Sehbehindertenverbände im Gesamtwert von 25.000 €.
19 Förderer und Sponsoren hatten die Idee von Tandem-Hilfen zu ihrem eigenen Anliegen gemacht, sodass diese mehr als symbolische Unterstützung möglich wurde. Tandems, Bildschirmlesegeräte, Blindenschrift-Schreib-maschinen, mobile Braille-Lesesysteme, Aufnahmegeräte für Hörbüchereien, sprechende Haushaltshilfen, tastbare und sprechende Uhren sowie taktile Spiele kommen blinden und sehbehinderten Menschen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland zugute.
Die Idee zu diesem nicht alltäglichen Hilfsprojekt hatte Dr. Thomas Nicolai, stark sehbehinderter Journalist in Berlin (54): "Wir wollten zeigen, dass wir als sehbehinderte und blinde Radfahrer mit unseren sehenden Piloten auf dem Tandem zu anspruchsvollen sportlichen Leistungen fähig sind. Wir haben die 3.000 km bei Hitze und trotz der vielen Berg-Etappen geschafft und hatten neben der Anstrengung viel Spaß", meint der Initiator. Ehefrau und Pilotin Ilona fügt hinzu: "Überall an der Strecke rief man uns freundliche Worte zu, das spürte man, auch wenn man die Sprache nicht verstand."
Jutta (blind) und Albert Balzert aus Witten, die Besatzung des zweiten Tandems, hatten an den Bergen immer die Nase vorn: "Wenn wir unseren Rhythmus gefunden haben, dann ziehen wir durch", bekennt Albert (57), der als Triathlet auch zu Hause täglich im Training steht.
Jutta freut sich schon auf ein Wiedersehen mit Tandemfreunden aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn. "Dank der Finanzierung durch die Elisabeth und Bernhard Weik-Stiftung konnten wir in diesen Ländern Tandems der Firma Zwei plus zwei übergeben und die Sportfreunde gleichzeitig zu den Veranstaltungen der Stiftung in München und in Langenfeld einladen. Das wurde natürlich begeistert angenommen. Ich finde es sehr schön, dass wir auf diese Weise ein bisschen dazu beitragen konnten, das Tandemfahren blinder und sehbehinderter Menschen in Europa zu fördern."
Eine erfreulich neue Erfahrung ist es für die beiden Tandem-Teams, dass sie mit ihren Zwei plus Zwei-Rädern nach 2.000 Trainings- und 3.000 Tour-Kilometern nicht eine einzige Panne hatten. Und auch die Rohloff-Schaltung sowie die wetterfesten Radtaschen von ORTLIEB haben den Dauertest mit der Bestnote bestanden.
Unter dem Markenzeichen Tandem-Hilfen wird es weitere Projekte geben. Für das Jahr 2005 ist das 1. Internationale Tandem-Camp in Deutschland geplant; und Tandem-Hilfen rechnet damit, dass auch dieses privat organisierte Projekt wieder Unterstützung durch Förderer und Sponsoren findet.

Nähere Informationen bei:
Dr. Thomas Nicolai
Tel.: 030 2081720 (Privatanschluss)
Mobil: 0171 5307169
E-Mail: Kontakt@Tandem-Hilfen.de
Internet: www.tandem-hilfen.de
[Pressemitteilung]

Kulturstaatsministerin Christina Weiss zeichnet Deutsche Hörfilm gGmbH (DHG) aus

INNOVATIONSPREIS DER FILMFÖRDERUNG FÜR DAS DHG-PROJEKT "AUDIODESKRIPTION IM KINO"( PRESSEMITTEILUNG)

Das Projekt "Audiodeskription im Kino" der DHG soll Blinden und Sehbehinderten Zugang zu der ihnen bislang verschlossenen Bilderwelt des Kinos ermöglichen. 12 Filme mit Audiodeskription werden ein erstes Basisangebot schaffen. Ziel ist ein regelmäßiges Angebot an Filmen mit Audiodeskription im Kino.
Am 28.10.2004 ist das Projekt gestartet mit der Hörfilm-Kino-Tour des preisgekrönten Kinderfilms "Die Blindgänger". Mit 40 blindengerechten Vorstellungen in 24 Städten wird hier erstmals ein Film in namhaftem Umfang für Nichtsehende im Kino zugänglich gemacht. (Termine unter www.hoerfilm.de)
Es folgt der Film "Die fetten Jahre sind vorbei", der mit Audiodeskription im Kino angeboten wird.
Die Bildbeschreibung erfolgt im Kino über Infrarot-Kopfhörer. So sind entspannte gemeinsame Kinobesuche von Sehenden und Nichtsehenden möglich. Entsprechende digitale Techniken sind von Dolby und DTS entwickelt worden.
Die DHG bearbeitet seit 1999 für die Internationalen Filmfestspiele Berlin Filme mit Audiodeskription. Zur Berlinale 2004 wurde erstmals eine digitale Audiodeskription vorgestellt.
Audiodeskription macht aus einem Film einen Hörfilm: In den Dialogpausen wird in knappen Worten beschrieben, was im Bild passiert.
Die Deutsche Hörfilm gGmbH (DHG) erschließt audiovisuelle Medien für Blinde und Sehbehinderte. Fernsehen und Kino, Video und DVD werden für Nichtsehende zugänglich gemacht. Die DHG treibt seit 1998 die Entwicklung der Audiodeskription durch vielfältige Impulse konsequent voran (u.a. die ersten DVDs mit Audiodeskription, seit 6 Jahren Hörfilme für die Berlinale). Als Tochterorganisation des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes setzt sich die DHG ein für die kulturelle Teilhabe nichtsehender Menschen.

Kontakt:
Deutsche Hörfilm gGmbH
Martina Wiemers
Tel. 030 2355734-0
Fax 030 235573433
wiemers@hoerfilm.de
www.hoerfilm.de

5 Jahre tage-bau - Online-Tagebuch ist Dino unter literarischen Websites

Seit November 1999 schreiben bis zu 50 Autoren im tage-bau.de über Ihre täglichen Gedanken und Erlebnisse: Politisches, Sinnliches, Lustiges oder Grausames. Eine außergewöhnliche lange Zeit für ein Literaturprojekt im Internet.
Unter den momentan 43 Autoren finden sich Romanautoren, Netzautorinnen und Journalisten. Sie leben in Deutschland, England, der Schweiz, Frankreich, der Türkei, Ägypten und Laos. Gemeinsam erschreiben und beschreiben sie im World Wide Web jeden Tag neu: der Leser stößt auf Alltägliches und Außergewöhnliches, auf Essays, Gedichte, Romanfragmente und spontane Notizen, die von den Mitautoren aufgegriffen und in eigenen Beiträgen weiterentwickelt werden.
Jeder hat die Möglichkeit Kommentare zu einzelnen Beiträgen abzugeben, besonders gelungene Beiträge mit Karma-Punkten auszuzeichnen oder via E-Mail direkt mit den Autoren zu kommunizieren. So findet der tage-bau nicht nur bei den Teilnehmern Zuspruch: Das nicht-kommerzielle Projekt wurde beim Them@-Literatur-Wettbewerb des Fernsehsenders Arte mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Auch im Schnitt 300 Besucher täglich sprechen für sich - das offene Konzept findet Anklang und da es sich hier um eine private Initiative handelt, bleibt auch die Lebendigkeit durch das Engagement der Autoren immer erhalten.
Im August 2003 übertrugen Ortmann und Peter die Verantwortung für das Portal einer Gruppe von Autoren. Seither entscheidet diese über Neuaufnahmen und organisiert die Lesungen, auf welchen die tage-bau-Autoren selbst Texte zu bestimmten Themen vortragen - wie "Nightline" oder "Borderline". Meist sind es dann die Lesungen, in deren Umfeld sich die Autoren offline treffen und die Gelegenheit ergreifen, sich persönlich kennen zu lernen und über Strategien für die Zukunft zu reden. Denn schließlich soll der tage-bau auch in 10 Jahren noch lebendig sein und seine Leser im Netz finden.
Informationen:
http://www.tage-bau.de
http://www.berlinerzimmer.de/

Neues Hörbuch-Download-Portal im Internet

Audible.de, das deutsche Internet-Portal für den Download von Hörbüchern und weiteren gesprochenen Inhalten, ist seit Dezember 2004 in Deutschland online. Über 250 deutschsprachige Hörbücher und Audioversionen von Zeitungen und Zeitschriften sowie mehr als 5.000 englischsprachige Titel sind bereits im Angebot. Der Nutzer lädt sich die kostenpflichtigen Audio-Inhalte auf den Rechner in seine persönliche Online-Bibliothek, von wo er sie jederzeit anhören, auf mobile Endgeräte übertragen oder auf CD brennen kann. Darunter Schillers "Die Räuber", Wladimir Kaminers "Schönhauser Allee", die aktuelle Audioausgabe von DIE ZEIT sowie Titel im englischsprachigen Original wie "The Da Vinci Code" von Dan Brown oder "My Life" von Bill Clinton - von ihm selbst gelesen.
Um den besonderen Eigenschaften von Hörbüchern Rechnung zu tragen, hat Audible ein spezielles Dateiformat entwickelt. Das Audible-Format bietet beispielsweise die Möglichkeit zum Springen zwischen verschiedenen Kapiteln sowie das Weiterhören an der Stelle, an der gestoppt wurde ("Lesezeichen"). Audiotitel von Audible sollen sich auf einer kontinuierlich wachsenden Zahl mobiler Endgeräte führender Hersteller abspielen lassen, beispielweise auf MP3-Playern wie dem iPod von Apple sowie auf PDAs, Pocket-PCs und Smartphones. Die Inhalte können einzeln gekauft oder im Abonnement bezogen werden.
Audible geht in Deutschland mit starken Partnern an den Start, es bestehen Kooperationen mit Hörbuchverlagen wie Random House Audio, Lübbe, Hoffmann und Campe, Campus, Eichborn, Lido, Argon sowie den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen Verlagsgruppe Handelsblatt, Heise Zeitschriften Verlag und Zeitverlag Gerd Bucerius. Diese Verlagspartner stellen Inhalte zur Verfügung, die auf audible.de zum Download bereit stehen. Zudem arbeitet Audible eng zusammen mit Vertriebspartnern wie Apple iTunes, buecher.de und booxtra.de sowie Technologiepartnern, deren Geräte das Audible-Dateiformat unterstützen, darunter Apple, Microsoft, Creative Labs, PalmOne, Rio Audio und Sony.
Die Audible GmbH wurde am 30. August 2004 als Joint-Venture zwischen Audible Inc. (NASDAQ), der Holtzbrinck Networxs AG sowie der Verlagsgruppe Random House (Bertelsmann) gegründet.
Das U.S.-Unternehmen Audible Inc. wurde 1995 von Bestseller-Autor Don Katz ins Leben gerufen. Seither hat es sich nach eigener Aussage mit audible.com zur weltweit führenden Download-Plattform für Hörbücher und weitere Audio-Inhalte wie gesprochene Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Radioinhalte und ausgewählte TV-Formate entwickelt. Audible Inc. hat heute mehr als 420.000 Kunden und bietet über 50.000 Stunden an Audio-Inhalten von 175 Verlagspartnern zum Download an (Stand 01.12.2004).
Informationen:
http://www.audible.de
Kundendienst: 01805 552700 (12 Ct. / Min.) Montag - Freitag 9:00 - 19:00

Impressum

"DZB-Nachrichten" erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €,
Schwarzschrift 12,30 €.
Diskette mit Jahreszusammenfassung ohne Beilage (nur für Braillezeile) 7,68 €.
(Preise zzgl. gesetzlicher MwSt.)

Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html

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