DZB-NACHRICHTEN

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 2 / 2005
März / April
15. Jahrgang

Inhalt

Vorbemerkung

Nicht alles wird teurer, den Beweis treten wir mit unserer neuen Anzeigenregelung an. Ab 01.03.2005 muss nicht jede Editionsform extra bezahlt werden, der Preis pro Wort wurde außerdem gesenkt. Allerdings unterscheiden wir stärker zwischen privaten und kommerziellen Anzeigen. Über die Einzelheiten können Sie sich unter der Überschrift »Anzeigen« informieren.
In der letzten Ausgabe hat sich zwischen die Information zu den Schließtagen der DZB 2005 auch die Information über den diesjährigen Tag der offenen Tür »gemogelt«. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Am 3. September ist die DZB natürlich offen - und zwar für alle, die sie besuchen wollen.

Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Nachlese
»(…) mit Freude hielt ich die Januar-Ausgabe von ›Ratgeber aktuell‹ in den Händen. Nicht nur weil immer wirklich aktuell, sondern wegen des A4-Formates. Es macht so richtig Spaß, in dem ›Kleinen‹ zu blättern. Es dürfte auch für diejenigen der Leser von Vorteil sein, die diese Zeitschrift auch unterwegs lesen. Also herzlichen Glückwunsch zu der guten Idee! Ich nehme an, dass bald auch das Gesundheitsmagazin in A4 erscheinen wird und freue mich schon darauf. Die großen Formate sind mir viel zu sperrig. (…)«
Rudolf Herbrig aus Meißen per E-Mail

Einblicke

Die DZB im Jahr 2004

DR. THOMAS KAHLISCH

Im Herbst 2004 zog er endlich ein, der A4-Drucktiegel aus Heidelberg. Umgebaut für die Punktschriftproduktion von der Firma Brailletec aus Marburg, erreichte die Maschine am 2. Oktober ihren Bestimmungsort. Allein die Entladung und der Transport in das Foyer der DZB waren, so versichern die Kollegen der Abteilung Technik, sehenswert. Der Kranfahrer musste das 2,5t schwere »Druckmaschinchen« in Millimeterarbeit durch die Eingangstür bugsieren. Als das »Kamel« dann sicher durch das Nadelöhr geglitten war, bewegten es die Techniker durch die Buchbinderei und die Druckerei bis an seinen Bestimmungsort, der vorher in einer kleinen Baumaßnahme extra mit einem neuen tragfähigen Fundament verstärkt wurde. Heute erfüllt die Maschine längst ihre wichtige Aufgabe, auf ihr werden Zeitschriften wie »Ratgeber aktuell«, der »Vereinsbote« aus dem Südwesten Deutschlands und weitere Auftragsproduktionen im handlichen und praktischen A4-Format gedruckt. Insgesamt kosteten Erwerb, Installation und Einrichtung dieser Druckmaschine an die 100.000 Euro. Davon wurden über 70% aus Spendenmitteln finanziert. Herzlichen Dank an alle, die durch ihre großzügige finanzielle Unterstützung dieses Projekt in den letzten beiden Jahren ermöglichten. Weitere Spendenmittel flossen in die Beschaffung eines neuen Schnelldruckers für die Buchproduktion und in die Ausstattung unserer DAISY-Technik. Wie schon in den vergangenen Jahren, konnten nur dank der eingeworbenen Spendenmittel umfangreiche Bucheinkäufe bei anderen Blindenbüchereien getätigt werden. Die Förderer der DZB wissen, dies ist die unmittelbarste Form der Rückführung dieser Gelder an die Spender, denn viele Hörbücher und Brailledrucke aus Münster, Zürich, Hamburg, Bonn, Paderborn, Hannover, Berlin oder Marburg können nur aufgrund dieser zusätzlichen finanziellen Mittel den Bibliotheksbestand der DZB erweitern.
Die oben ausgewiesene unvollständige Liste von Blindenbüchereien ist ein Fingerzeig für die wohl schlechteste Nachricht für das Jahr 2004 im Bereich der Medienversorgung blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland. Die Insolvenz der Süddeutschen Blindenhör- und Punktschriftbücherei brachte es mit sich, dass in einer Eilaktion die Punktschriftbestände von Stuttgart, 17.000 Bände, nach Leipzig in die DZB überführt wurden und hier nun in jahrelanger Kleinarbeit in den Bestand integriert werden. Derzeit ist die Weiterführung der Stuttgarter Hörbuchausleihe immer noch ungeklärt. Leider scheint eins jedoch sicher: durch die Insolvenz der SBH werden jährlich 300 Hörbücher weniger in Deutschland aufgesprochen. Dies ist - neben dem anhaltenden Kampf gegen die Abschaffung von Nachteilsausgleichen - sicher das betrüblichste Resultat des vergangenen Jahrs.
Im Bemühen, ihre Produktionskapazität zu erweitern, war die DZB 2004 erfolgreich. Die Blindenschriftherstellung vermeldet: 89.500 Punktschriftseiten, insgesamt 239 neue Titel, wurden übertragen bzw. fertiggestellt. Im Jahr zuvor waren es 82.800 Seiten für 180 Werke. Makros und viele andere Arbeitsunterlagen, im hauseigenen Intranet für jeden Übertrager bzw. Korrektor abrufbar, ein schneller A4-Scanner, die Weitertreibung der Vernetzung bis zu den PCs, die die Schnelldrucker in der Produktion steuern, aber vor allem auch der Einsatz von elektronischen Vorlagen zur Buchübertragung sind die Gründe für diesen schönen Zuwachs.
Bei der Notenübertragung zeigt sich, dass das Projekt DaCapo - gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung - von der Aufbau- in die Entwicklungsphase gekommen ist. 2004 wurden 1.700 Seiten Noten, das sind 500 mehr als im Jahr zuvor, übertragen. 15 neue Titel gingen in den Verkauf und eine Reihe von individuellen Übertragungsaufträgen wurden bereits ausgeführt bzw. sind gerade in der Fertigstellung. Der neue Internet-Service BrailleVis, www.dzb.de/dacapo, ermöglicht es blinden Musikern, Braillenoten in die Notation der Sehenden zu übersetzen. Das Angebot hilft darüber hinaus den Blindenschriftkorrektoren bei der aufwändigen Kontrolle übertragener Werke und Herrn Matthias Leopold, Informatiker im Projekt DaCapo, seine Software-Entwicklungen zu testen.
Neben den insgesamt über 5,2 Millionen Seiten aus der Druckerei können sich die steigenden Zahlen im Bereich der Spiralbindung sehen lassen. Der neue Großdruck-Wandkalender ist ergänzend zu den bewährten Kalendern und dem Europa-Atlas als Highlight für 2004 zu nennen.
Europa wächst zusammen. Nicht nur durch die Osterweiterung am 1. Mai 2004. Die Verkaufs- und Bestellzahlen der neuen Kartensätze Italien, Zypern, Slowakische Republik, Rumänien, Spanien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Griechenland belegen, der Europa-Atlas aus der DZB ist zeitgemäß und wichtig, wenn sich Blinde, Sehbehinderte und ihre sehenden Freunde gemeinsam ein Bild dazu verschaffen wollen.
Neu im Angebot ist seit vergangenem Jahr das Kinderbuch »Brötchen, Milch und Marmelade«, in dem mit 7 Reliefdarstellungen das Leben auf dem Bauernhof erfahrbar wird. Mehr über den eigenen Körper lernen Fachleute und Interessierte im Buch »Reflexzonenmassage«, in dem durch 14 tastbare Abbildungen verbale Erläuterungen veranschaulicht werden.
Leider verzeichnet die Zahl der Zeitschriftenabonnenten der DZB rückläufige Tendenzen. Neue Angebote wie die DAISY-Fassung der »DZBN«, das neue handliche A4-Format für den »Ratgeber aktuell« und eine verstärkte Werbung sollen hier Abhilfe schaffen. Ab 2005 erscheinen die Jugendzeitschrift »Ketchup« sowie der Geheimtipp für Fans von Shortstorys, die »Kurzgeschichte International« ebenfalls im handlichen DAISY-Format. Keine Frage, die Zeit der Audiokassette ist längst abgelaufen. Den Freunden guter alter Bandaufzeichnung sei an dieser Stelle jedoch gesagt, abgesehen von den auf die Jugend zugeschnittenen Angeboten wird die DZB für einen gewissen Zeitraum bei den Zeitschriften an einer parallelen Produktion von Kassette und DAISY festhalten. Im Hörbuchbereich sieht es da deutschlandweit ganz anders aus.
»Die Nutzer bestürmen uns mit Nachfragen nach neuen Titeln im DAISY-Format«, sagt Dr. Van Menxel, Geschäftsführer der Westdeutschen Blindenhörbücherei Münster. Mit Beginn des Jahres 2004 wird dort aus Kostengründen nicht mehr analog produziert. In allen Blindenbüchereien gibt es inzwischen DAISY-Angebote. Im Frühjahr 2005 endet auch in Leipzig die analoge Hörbuchproduktion. Kassettenhörern wird dann ein Bestand von fast 8.000 Titeln zur Verfügung stehen. Aber die große Nachfrage nach dem neuen Medium gibt uns recht, DAISY ist angesagt. Im Dezember 2004 verzeichnete die Hörbücherei über 1.200 DAISY-Nutzer, mehr als 12.000 DAISY-Boxen wurden im vergangenen Jahr von ihnen ausgeliehen. Das Interesse an den Hörangeboten aus der Gustav-Adolf-Straße ist ungebrochen. Im letzten Jahr wuchs die Nutzerzahl bei den Hörbüchern um 1.200 auf insgesamt 4.800. Mit dem DAISY-Player PTN1 und den verschiedenen Victor-Playern stehen Geräte von unterschiedlichen Herstellern zur Verfügung. Wer erst einmal ausprobieren möchte, ob er sich auf die neue digitale Hörbuchgeneration einlassen will, der findet mit dem DaisyLeser ein kostenfreies Programm, das Bücher und Zeitschriften am PC zum Klingen bringt. Die neue Version 1.1 dieser Software erlaubt es, DAISY-Titel von der Festplatte abzuspielen und gezielt nach Text im Inhaltsverzeichnis zu suchen.
Nicht nur neue Leser aus Baden-Württemberg interessieren sich neben DAISY auch für die Punktschrift, die es bekanntlich in Leipzig reichlich zu lesen gibt. Es sind jetzt über 1.700 Jünger des Brailleschen Alphabetes, die regelmäßig oder auch nur von Zeit zu Zeit Entspannung und Erbauung bei einem guten Buch aus der Punktschriftbücherei finden.
Zu dem breiten Themenfeld Blindheit, Sehbehinderung und den damit verbundenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen findet der interessierte Leser fachkompetente Unterstützung in der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens der DZB. Neben zahlreichen Neuerwerbungen in der WBB seien hier die Einrichtung eines elektronischen Rundbriefes und das Projekt zur Digitalisierung wertvoller Zeitschriftenbestände genannt. Der Rundbrief der WBB kann bei Frau Susanne Siems, E-Mail: susanne.siems@dzb.de, abonniert werden.
Nicht alles lief im vergangenen Jahr so, wie wir es uns gewünscht haben. Eine beträchtliche Haushaltsperre im Frühjahr und der Ausfall des RAID-Systems stellten die größten Schwierigkeiten dar.
Am zweiten Problem lernte das gesamte Haus viel über technische Anforderungen an Massenspeichersysteme, die empfindlich gegen Stromschwankungen oder Blitzschlag sind. Richtig ärgerlich war dieser Ausfall, denn die gesamte DAISY-Produktion wurde kurz bevor der Strom ausfiel, in den neuen DAISY Standard 2.02 gebracht. Am Ende konnte, Gott sei Dank, vieles wiederbeschafft oder gerettet werden. Den wachsenden Anforderungen im Bereich Informationstechnologie Rechnung tragend, gibt es seit Februar 2004 eine Abteilung Informatik in der DZB. Herr Frank Richter leitet sie.
Im Hinblick auf die verstärkte Einwerbung dringend benötigter Spendengelder und die damit verbundene Ausweitung der Öffentlichkeitsarbeit arbeitet seit September 2004 Frau Christiane Felsmann als PR-Referentin im Haus.
Das Internetangebot wurde ausgeweitet. Unter anderem sind auf www.dzb.de die Anmeldeunterlagen für die Bibliothek und neue Kataloge der Punktschrifttitel abrufbar.
Seit Dezember 2004 gibt es den Förderverein »Freunde der DZB e.V.«. Als Vorsitzende konnte die promovierte Theaterwissenschaftlerin Sylke-Kristin Deimig, eine beliebte Sprecherin der DZB, gewonnen werden. Der Vorstand wird durch Margit Ducke als Schatzmeisterin, Christiane Felsmann als Schriftführerin und die Beisitzer Susanne Siems und Thomas Kahlisch ergänzt. Im Förderverein werden die Bemühungen zur Spendenwerbung gebündelt. In den Medien, verschiedenen Publikationen und öffentlichen Veranstaltungen wurden Aufgabenfelder und Angebote der DZB vorgestellt.
Anlässlich des 110. Geburtstages des »Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften und Arbeitsmöglichkeiten für Blinde« richteten die Mitarbeiterinnen der Öffentlichkeitsarbeit eine Sonderausstellung zu historischen Blindendrucken ein. Blinde Mitarbeiter der DZB lasen an diesem Tag im Rahmen des gesamtdeutschen Vorlesetages Schülerinnen und Schülern eines Leipziger Gymnasiums aus ihren Lieblingsbüchern vor und dokumentierten damit, welchen hohen Stellenwert dem Lesen und Schreiben, egal ob ein Mensch behindert ist oder nicht, einzuräumen ist. Den dritten Höhepunkt an diesem Tag bildete die Präsentation der in einem Projekt mit der HTWK Leipzig entstandenen Präsentations-CD-ROM »DZB Leipzig - Wir stellen uns vor«. Doreen Clauß und Ronny Frommherz, Studenten der Verlagsherstellung, erarbeiteten dazu ihre Diplomarbeiten zu Themenfeldern der Zugänglichkeit von Präsentationssoftware der Firma Macromedia für blinde Computeranwender. Leipziger Buchmesse, Reha-Fair in Berlin und natürlich die Sight City in Frankfurt am Main waren Messen, auf denen sich die DZB mit einem Stand zeigte und mit ihren Nutzern und vielen interessierten Besuchern ins Gespräch kam.
Welche neuen Möglichkeiten in DAISY und den dahinter steckenden Technologien für die barrierefreie Informationsgestaltung stecken, präsentierte der Direktor der DZB auf zahlreichen Veranstaltungen, z. B. bei der Bundesagentur für Arbeit, einer Fachtagung für technische Dokumentare und einem Workshop des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes Brandenburg in Kooperation mit der BTU Cottbus. Auf der ICCHP in Paris und der WBU Fachtagung zur Braillenotenschrift in Zürich präsentierte die DZB den aktuellen Stand der Software-Entwicklung im Projekt DaCapo. Welche Möglichkeiten sich aus der engeren Zusammenarbeit mit großen Softwarefirmen ergeben können, zeigte sich auf der Konferenz »Globale Bibliothek für Blinde und andere Menschen, die gedruckte Informationen nicht lesen können«, über die in der Zeitschrift »Die Gegenwart«, Heft 2/2005 informiert wurde.
Das Jahr 2004 war auch das Jahr des Zusammenschlusses der beiden deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaften der Blindenbüchereien in eine neu geschaffene Struktur des Vereins MEDIBUS. Das neue Urheberrecht bringt neue Chancen, aber auch Probleme für behinderte Menschen, erstmals ist das Recht auf Übertragung in geeignete Formen festgeschrieben. Jedoch sind viele Fragen der Umsetzung noch ungeklärt und bedürfen intensiver Verhandlungen, in denen der MEDIBUS-Vorstand aktiv wird. Eine Betriebsleiterversammlung brachte im Oktober 2004 Studiomitarbeiter und Bibliothekare aller Hörbüchereien zusammen, die sich um Einheitlichkeit bei der DAISY-Produktion und –Ausleihe bemühen. MEDIBRAILLE heißt die neue Arbeitsgruppe des Vereins MEDIBUS, die sich den Fragen der Brailleschriftherstellung, -ausleihe und -verbreitung widmet. Die AG wird vom Direktor der DZB geleitet, Unterstützung erhält er dabei durch Simone Mühlemann, SBS Zürich, und Manfred Fuchs, BLISTA Marburg.
2005 ist das 111. Jahr der DZB. Im Frühjahr bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich nicht nur auf die Leipziger Buchmesse, die vom 17. - 20. März stattfindet, sondern auch auf eine Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig vor. Unter dem Motto »Das alte Ägypten (Be)greifen« werden vom 27. Mai bis zum 02. Oktober im Gohliser Schlösschen Exponate der altägyptischen Hochkultur barrierefrei erfahrbar gemacht.
Abschließend sei an dieser Stelle noch auf eine besondere Veranstaltung im Rahmen der Leipziger Buchmesse hingewiesen. Am 18. März um 19 Uhr liest die blinde Autorin Frau Ruth Wunsch aus ihrem Roman »Mein buntes, blindes Leben« vor. Veranstaltungsort ist der »Dialog im Dunkeln« auf der Alten Messe Leipzig.

Sechs Punkte für eine weltweite Muttersprache

SUSANNE SIEMS


»Es wird auch der Fehler begangen, mit dem Nichtsehenden und Sehenden einen Unterschied zu machen. Es ist kein Unterschied zu machen, da das Auge des Blinden durch den empfindsamen Tastsinn ersetzt und zur Vollsichtigkeit beim Lesen umgewertet ist.«


Dieses Zitat der ersten Leiterin der DZB, Frau Marie Lomnitz-Klamroth, steht als Motto über einer kleinen Ausstellung, die die DZB anlässlich des 110. Geburtstages im November eröffnete (die DZBN berichteten). Da die meisten DZB-Nutzer kaum die Gelegenheit haben, diese Ausstellung selbst zu besuchen, möchten wir die Inhalte hier kurz zusammenfassen. Direkter Bezug findet sich dabei auch zum Internationalen Tag der Muttersprache, der seit 2000 alljährlich am 21. Februar durch die UNESCO begangen wird. »Brailleschrift ist Muttersprache für blinde Menschen auf der ganzen Welt« - unter diesem Motto lädt die Europäische Blindenunion am oben genannten Tag in das UNESCO-Gebäude in Paris ein. Dort werden blinde Kinder Lesen und Schreiben mit der Brailleschrift demonstrieren.
Ja die Franzosen, sie waren schon immer Vorreiter. Als Louis Braille 1825 in Paris sein 6-Punkte-Alphabet vorstellte, gab es natürlich auch in Deutschland schon Versuche, blinden Menschen Lesen und Schreiben beizubringen. Allerdings versuchte man hier wie auch andernorts, die Schrift der Sehenden tastbar zu machen. Genau hier beginnt unsere Ausstellung. Der am Erziehungsinstitut in Wien lehrende Johann Wilhelm Klein gilt heute noch als der Papst der Blindenbildung im deutschsprachigen Raum. Er entwickelte einen Stacheltypenapparat, der es ermöglichte, lateinische Druckbuchstaben sozusagen als Lochmuster darzustellen, es entstand die Stachelschrift. Es gab zahlreiche Formen dieser Apparate und die Schrift war recht verbreitet. Unterstützung erhielt Klein, der selbst sehend war, durch den ersten blinden Leiter einer Blindenanstalt, Johann Knie. Knie förderte die Bemühungen Kleins von Breslau aus.
Daneben gab es zahlreiche weitere Versuche, die Schrift der Sehenden für Blinde zugänglich zu machen, als Beispiel findet man in unserer Ausstellung ein Buch von W. Lachmann aus Braunschweig, der 1832 die sogenannte »Geometrische Schrift« aus 6 Zeichen entwickelte. Klein und Knie sprachen sich gegen das System Louis Brailles aus, weil es durch die spezielle Lösung Blinde von der sehenden Umwelt isoliere. Nicht zuletzt dieser Einschätzung ist es geschuldet, dass die endgültige Einführung der Brailleschen Blindenschrift in Deutschland bis 1879 auf sich warten ließ. Als nächstes Exponat findet man einen der ersten Drucke der DZB, 1895 im Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften hergestellt: es ist der Titel »Leier und Schwert« von Theodor Körner.
Interessant ist die Geschichte der Schreibgeräte, einige historische Exponate, die im Besitz der DZB sind, wurden ausgestellt. Die bekannteste Schreibmaschine für Blindenschrift ist sicher die von Oskar Picht erfundene. Wir zeigen den Besuchern neben der 6-Punkt-Bogenmaschine auch die 7-Punkt-Stenographiermaschine. Im Text der Ausstellung wird kurz auf die recht wechselvolle Geschichte der Blindenstenographie eingegangen. Die Bedeutung des 7-Punkte-Systems in der DDR dokumentieren ein Band des um 1950 in der DZB gedruckten Lehrbuches von Möbius und ein Presseartikel über den Weltmeister der Blindenstenographie, Herrn Gerd Sandig aus Leipzig. Eine geniale Erfindung auch die Typenradschreibmaschine, mit der es Blinden ermöglicht wurde, Blindenschriftzeichen zu drücken und Schwarzschrift auszugeben. Doch besonders wertvoll in unserer historischen Sammlung ist die Minerva-Kleinschreibmaschine. Sie wurde in den Zwanzigerjahren von Toni Mahler entwickelt. Toni Mahler war zu jener Zeit an der Seite von Frau Lomnitz-Klamroth technische Leiterin der DZB. Sie muss eine technisch sehr begabte Frau gewesen sein, uns begegnen beim historischen Recherchieren immer wieder ihre Erfindungen. Die Minerva-Kleinschreibmaschine ist am treffendsten mit dem Wort niedlich beschrieben. Sie würde glatt in eine Manteltasche passen, wäre da nicht ihr Gewicht - Glück für die Aussteller. Gedacht war diese Maschine in erster Linie für den Gebrauch durch Kinderhände, darum ist alles etwas schmaler, kompakter, kleiner.
Aber, liebe Leserinnen und Leser, kommen Sie mit mir weiter entlang an den Ausstellungstischen. Wir finden eine kleine Notenecke. Natürlich wurde die Gelegenheit nicht versäumt, auf das aktuelle DZB-Projekt DaCapo hinzuweisen. Demgegenüber steht ein Notenwerk aus dem Jahr 1886. Auch hier der Versuch, die Noten der Sehenden im Relief tastbar zu machen. Und das, obwohl Louis Braille bereits 1834 eine Notenschrift auf der Grundlage seines Systems vorlegte! Entstanden ist unser Exponat in Zusammenarbeit von Herrn Kunz aus Illzach und Herrn Krage aus Düren, beide nicht unbekannt bei den Blindenpädagogen der damaligen Zeit. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein kurzer Ausflug in das Reich der Reliefherstellung. Ein Werk von Vogel, dem Gründer des Reichsdeutschen Blindenverbandes liegt aus, daneben die Übersichtskarte des Europaatlas, wir haben den Betrachter sozusagen mitgenommen von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis in das Jahr 2004.
An dieser Stelle können die Inhalte der Ausstellung nur sehr kurz angerissen werden. Ebenso zeigt sich, wenn man sich intensiv mit dem Thema »Die Schrift der Blinden« beschäftigt, wie facettenreich deren Geschichte ist, wie viel hervorragende Leistungen einzelner Persönlichkeiten einfließen und wie viel Widersprüchliches es auch bis heute gibt. Es wird an anderer Stelle ausführlicher darüber zu berichten sein. Für die DZB-Ausstellung ist eine Fortsetzung geplant. Wir werden in dieser Zeitschrift davon berichten. Bei Interesse kann ich vollständige Ausstellungstexte auch gern zur Verfügung stellen.

Wie war das damals?

Hundert Jahre Blindenanstalt Chemnitz

DR. WERNER UHLIG

Versetzen wir uns nun wieder ins Jahr 1905 zurück. Ich hatte angekündigt, auf die Einweihungsfeier noch näher einzugehen, die am 29. August in der Turnhalle der Chemnitzer Blindenanstalt stattgefunden hat.
»Am 29. August dieses Jahres versammelten sich zu dem Zwecke in der Turnhalle der neuen Landesanstalt als Vertreter der Staatsregierung Staatsminister von Metzsch, Ministerialdirektor Geheimrat Dr. Apel und Geheimer Regierungsrat Dr. Gelbhaar, außerdem Kreishauptmann Freiherr von Welck, Amtshauptmann Dr. Morgenstern, Oberbürgermeister Dr. Beck, Bürgermeister Dr. Sturm, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Eulitz, Polizeidirektor Lohse, Generalleutnant Exzellenz Basse, Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, der Justiz- und Schulbehörden und andere Gäste. Hinter den Gästen hatten die Beamten, Pfleger und Pflegerinnen mit ihren Zöglingen Platz genommen. Die Turnhalle hat an der einen Seite einen bühnenartigen Aufbau. Auf diesem nahm der Singechor der Blindenschule Aufstellung und leitete die Feier mit dem Gesänge des Chorals ›Bis hierher hat mich Gott gebracht‹ ein. Es folgte dann ein Gesang a capella für gemischten Chor und Soli von Volkmar Schurig. Dieser Dank in Tönen galt den verstorbenen und lebenden Wohltätern der Anstalt. Ergreifend wirkten diese von dem am Harmonium mitwirkenden Chorleiter aufs beste vorbereiteten Gesänge. Man merkte, dass die blinden Sänger und Sängerinnen nicht nur mit dem Munde sangen, sondern dass sie ihr seelisches Empfinden in den Tönen ausklingen ließen.
Nun hielt der Anstaltsdirektor, Regierungsrat Müller, die Weiherede mit folgender für uns bemerkenswerten Stelle: ›Die Bestimmung der Anstalt ist einheitlich in der Arbeit, nämlich der Erziehung, aber doppelt nach der Art der Zöglinge, denn sie enthält Blinde und Schwachsinnige in zwei Gebieten, die in Kolonieform voneinander getrennt liegen. Die Fürsorge für die Blinden ist schon alt. In Sachsen hat sie in Dresden begonnen. 1809 von Vater Flemming gegründet, bestand sie in einem kleinen Blindenheim. Dieses wurde 1821 mit der Beschäftigungs- und Unterrichtsanstalt für erwachsene Blinde des Heinrich Schütze vereinigt. Daneben bildete sich ein Blindenunterstützungsverein, durch welchen diese Fürsorge ebenso gefördert wurde, wie durch die hochherzige Anteilnahme des damaligen Königs Friedrich August. 1830 kam diese Fürsorge in die Verwaltung der Staatsregierung und 1836 wurde mit den Zöglingen das Haus an der Chemnitzer Straße in Dresden bezogen, das ihr lieben Zöglinge bei Beginn der Sommerferien vor wenigen Wochen verlassen habt. Unter Männern wie Georgi, Reinhard, Büttner und Vermeil ist dieses Haus in Dresden eine Stätte reichen Segens geworden für die, welche drin ein- und ausgingen.
Mancher, der nach Gottes Ratsschluss das Licht der Augen nicht gehabt oder wieder verloren, hat die Anstalt in Dresden gesegnet, die ihm zur Heimat geworden war, in welcher er fröhlichen Sinn in kindlichem Gottvertrauen gewonnen und so viel gelernt hat, dass er sein Fortkommen im Kampfe des Lebens gefunden hat. Ihr Zöglinge wisst, dass euch die Dresdner Anstalt mit ihren Zweigen in Moritzburg und Königswartha Ersatz des Vaterhauses und euren Herzen ein liebes Haus geworden war und habt sie darum begreiflicherweise mit Gefühlen der Wehmut verlassen. Aber das Haus war zu eng, zu alt, unzureichend geworden. Ausdehnen ließ es sich nicht und so zog die Blindenanstalt aus Dresden hinaus, dahin, wo ihre Straße mit ihrem Namen ahnungsvoll sie wies, nach Chemnitz. Und hier auf luftiger sonniger Höhe ist die neue Anstalt entstanden und ihr Zöglinge seid eingezogen in die schönen Häuser und Räume, die auch viel größere Bewegungsfreiheit bieten, und will's Gott, soll der alte Geist ins neue Heim mit einziehen, der Geist der freundlichen und warmherzigen Liebe, der Geist des Gottvertrauens, der Zufriedenheit, der Arbeitsfreudigkeit und des Frohsinns.‹
In seiner so dann folgenden Ansprache überraschte Oberbürgermeister Dr. Beck in edler Weise die Blinden mit folgender erfreulichen Kundgebung:
›Es sei dem städtischen Kollege Bedürfnis gewesen, den Zöglingen zu dem Genusse Gelegenheit zu bieten, der ihre größte Lebensfreude ausmacht, zum Anhören von Musik und Gesang, Künste, die in unserer Stadt eine besonders gute Pflegestätte haben. Zum Besuch der Opernvorstellungen im Stadttheater sollen den Blinden und ihr Pflegepersonal wöchentlich 38 Plätze, zum Besuch der klassischen Sinfoniekonzerte im Kaufmännischen Vereinshause jedes Mal 30 Plätze zur Verfügung stehen. Man hoffe, dass den unglücklichen Mitmenschen, die der Teilnahme und Fürsorge im besonderen Maße bedürfen, dadurch ein Sonnenstrahl mitfühlender Gesinnung in das Dunkel ihres Lebens hinein leuchte.‹
Der Blindenchor trug nun den Psalm 84 vor. Mit tiefem Empfinden sprach darauf Rosa Jugelt ein von Edmund Klömme verfasstes Gedicht ›Das neue Haus‹, das in einem Dank der Insassen an alle, die sie mit Liebe umgeben, ausklang. Der Vortrag des Gedichtes wurde stimmungsvoll unterbrochen durch den Gesang der vierten Strophe aus dem Neujahrslied von Mendelsohn Bartholdy. Mit dem Gesang des ›Halelulja‹ aus dem Oratorium des ›Messias‹ von Händel schloss der eindrucksvolle Weiheakt. An diese Feier schloss sich ein Rundgang durch die Anstalt an …« (1)
Hieraus ist ersichtlich, welch großer Wert damals auf das kulturelle Niveau der Blinden gelegt wurde.
Der Umzug der Sächsischen Blindenanstalt nach Chemnitz war also ein bedeutendes kommunalpolitisches Ereignis in der sächsischen Industriemetropole und die Stadt kam den neuen Schülern und Lehrlingen in der Blindenanstalt mit bemerkenswerter Großzügigkeit entgegen.
Ein Jahr nach der Einweihung, 1906 also, machte die Anstalt erneut von sich reden, diesmal landesweit. Friedrich August, der letzte sächsische König, besuchte die Blindenanstalt. Das war schließlich ein Staatsereignis. Es gibt noch ein altes Foto, welches die königliche Visite der damals noch nagelneuen Bildungseinrichtung an der Flemmingstraße festgehalten hat.

Im Folgenden möchte ich einige Höhepunkte in der Entwicklung der Chemnitzer Blindenanstalt ansprechen. Im ersten und zweiten Weltkrieg beherbergte die Anstalt ein Kriegsblindenlazarett. Lehrkräfte und auch viele Zivilblinde gaben ihr Bestes bei der Wiedereingliederung der Kriegsblinden in das normale Leben. Im Februar 1924 ist von einer größeren Anzahl geistig reger Blinder in der Chemnitzer Blindenanstalt ein Schachclub gegründet worden. Dieser Schachclub fungierte als selbständiger Verein und gehörte dem großen Chemnitzer Schachverein an. Von diesen blinden Schachspielern gingen starke Impulse für die Entwicklung des Blindenschachs, auch des Fernschachs, in Deutschland aus. (2)
Im Jahre 1926 ist die Schreibmaschinenabteilung geschaffen worden, und unter Leitung von Oberlehrer Chemnitz begann dort die Ausbildung blinder Stenotypisten. (3)
1929 ist unter Leitung von Kurt Gottschald im Gebäude der ehemaligen Seilerei, also im Haus 19, ein Maschinensaal zur Ausbildung blinder Industriearbeiter in Betrieb genommen worden. Zu Beginn gab es dort eine große und eine kleine Hand Spindelpresse, eine Exzenterstanze, eine große und eine kleine Vertikalbohrmaschine sowie eine Feinbohrmaschine, eine Schmiedeesse zum Löten und Werkzeug verschiedenster Art für die Metallbearbeitung. (4)
Während des zweiten Weltkrieges begann die Telefonistenausbildung und bald nach Kriegsende lief der erste Lehrgang zur Berufsausbildung blinder Masseure unter Leitung des Anstaltsarztes Dr. Zeil. Daran haben sowohl Kriegsblinde als auch Zivilblinde erfolgreich teilgenommen.
[(1) Nach der Allgemeinen Chemnitzer Zeitung, dem Chemnitzer Tageblatt und dem Chemnitzer Stadtanzeiger in : »Der Blindenfreund« Jahrgang 1905, S. 170-172.]
[(2) Vgl. Schmidt, Walter: Unser Blindenschachclub »Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde in Sachsen« Nr. 3/1933, Januar -März, S. 5-6 und Kehl, Reinhard: Zur Geschichte des Blindenschachs in Deutschland, Manuskript, veröffentlicht in »Kultur und Freizeit«, einer Zeitschrift der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig.]
[(3) Vgl. Schäfer, Richard: Das Maschinenschreiben in der Chemnitzer Blindenanstalt »Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde in Sachsen« Nr. 5/1933, Juli - September, S. 4-6.]
[(4) Vgl. Schäfer, Richard: Zur Schulung Blinder für die Industriearbeit »Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde in Sachsen« Nr. 1/1932, Juli - September, S. 3.]

Wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Emily Brontë: »Die Sturmhöhe«

JULIA DUCKE (PRAKTIKANTIN)
[PUNKTSCHRIFTBIBLIOTHEK]

Liebe Leser der Kramkiste, ich möchte Ihnen eines meiner Lieblingsbücher vorstellen. Es wurde von einer der berühmten Brontë-Schwestern geschrieben und heißt »Liebesgeschichte eines Mannes, die nicht nur sein Leben, sondern das zweier Familien zerstört«.
Doch bevor ich genauer darauf eingehen möchte, erst einmal ein paar Worte zum Leben der Autorin: Emily Brontë wurde am 30. Juni 1818 in Thorton/Yorkshire (England) geboren. Zusammen mit ihren Schwestern Charlotte und Anne, die ebenfalls als Schriftstellerinnen berühmt geworden sind, verfasste sie schon früh Gedichte und Geschichten. Da es zu dieser Zeit in England nicht gern gesehen wurde, wenn Frauen Bücher schrieben, veröffentlichten die drei Schwestern ihren ersten Gedichtband unter den Pseudonymen Currer (Charlotte), Ellis (Emily) und Acton (Anne) Bell. Obwohl von diesem Buch nur zwei Exemplare verkauft wurden, ließen sich die Schwestern nicht entmutigen. Wieder unter ihren Pseudonymen veröffentlichte jede von ihnen einen Roman - Charlotte »Jane Eyre«, Anne »Agnes Grey« und Emily »Wuthering Heights« bzw. auf deutsch »Die Sturmhöhe«.
Emilys Roman wurde von der Kritik schlecht aufgenommen. Doch sie kam leider nicht dazu, einen weiteren Roman zu schreiben. Emily wurde sehr krank und starb schließlich am 19. Dezember 1848 im Alter von 30 Jahren. Auch ihre beiden Schwestern starben kurze Zeit später, so dass keine der drei miterleben konnte, dass ihr Schreiben wirklich ernst genommen wird.
Heute zählt Emily Brontës Roman »Die Sturmhöhe« zur Weltliteratur. Die Deutschen wählten dieses Werk bei der Umfrage des Fernsehsenders ZDF »Unsere Besten - Das große Lesen« sogar auf Platz 83.
Dabei scheint die Geschichte ziemlich einfach und trivial zu sein: Earnshaw, Besitzer des einsamen, in der Moorlandschaft Yorkshire gelegenen Hofs Wuthering Heights, nimmt das Findelkind Heathcliff auf und zieht es zusammen mit seinen beiden Kindern Hindley und Catherine auf. Heathcliff und Catherine sind sofort unzertrennlich, Hindley dagegen schikaniert Heathcliff bei jeder Gelegenheit. Obwohl Heathcliff nach dem Tod von Earnshaw nicht mehr mit dem Geschwister-paar spielen und lernen darf, sondern nur noch als Hausbursche geduldet wird, verlieben Catherine und er sich ineinander. Als aber Catherine den kultivierten Nachbarsjungen Edgar Linton heiratet, verlässt Heathcliff den Hof. Jahre später kehrt er jedoch als reicher Mann zurück und rächt sich an allen, die ihn früher gedemütigt haben. Zuerst ruiniert er Hindley und wird Herr in Wuthering Heights. Danach heiratet er heimlich Lintons Schwester Isabell. Schließlich treibt er Catherine, die er immer noch liebt, so sehr in den Wahnsinn, dass sie stirbt. Doch dies reicht ihm als Rache nicht aus. Er zwingt Catherines Tochter seinen eigenen Sohn zu heiraten und hetzt sie dann gegeneinander auf. Doch auch weiterhin von seiner Liebe zu Catherine besessen, sieht er sie immer wieder als Geist vor sich und stirbt schließlich unter mysteriösen Umständen.
Auch wenn die Geschichte ziemlich banal klingt, sollte man sich nicht täuschen lassen, denn sie beinhaltet eine präzise Beschreibung der menschlichen Seele und ihrer Tiefen. Das Buch erzählt von einer fremden, rätselhaften Welt, in der menschliche Abgründe in einer für die damalige Zeit schockierenden Wirklichkeit gezeigt werden.
Das dramatische Geschehen zieht den Leser in seinen Bann, der Hass und die Leidenschaft und die daraus entstehenden Konsequenzen bieten ein bedrohliches und packendes Bild. Heathcliff wird dabei als einer der faszinierendsten Unholde der gesamten Weltliteratur dargestellt. Doch sollte man beim Lesen genau überlegen, ob er nicht durch seine Umgebung zu dem gemacht wurde, was er ist. Sind nicht eher die anderen die »Bösewichte«? Hat nicht Hindley Heathcliff seine ganze Kindheit über gequält und gedemütigt? Und Catherine: Löst sie nicht die Katastrophe erst aus, indem sie durch ihre Heirat mit Linton ihre materiellen und rationalen Wünsche über ihre Liebe zu Heathcliff stellt? Aber ist dadurch Heathcliffs Rache wirklich gerechtfertigt? Lesen und entscheiden Sie selbst.
Wenn Sie dieses Buch lesen möchten, können Sie es unter der BNA 4851 in der Punktschriftbibliothek bestellen.
Den Liebhabern englischer Originalliteratur kann ich auch die Ausgabe in englischer Kurzschrift empfehlen, zu bestellen unter der BNA 1616.
Außerdem ist dieser Roman als Hörbuch ausleihbar: Sprecherin Marlies Reusche, 11 Kassetten, 3326.

Theodore Dreiser: »Eine amerikanische Tragödie«

JANA WALDT
[HÖRBÜCHEREI]

Theodore Dreiser, 1871 - 1945, zählt zu den größten Romanciers seiner Zeit. Sein 1925 erschienener Roman basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1906.
Clyde Griffith, Sohn eines armen Straßenpredigers aus Kansas City, erwartet vom Leben mehr, als ihm sein ärmliches Elternhaus bieten kann. Um der Enge seiner an religiöse Hysterie grenzenden Familie entfliehen zu können, arbeitet er als Page in einem Hotel. Der luxuriöse Lebensstil der reichen Gäste ist für ihn die Erscheinungsform dessen, was er unter einem »besseren Leben« versteht.
Durch Zufall wird er in einen Autounfall verwickelt, in dessen Verlauf ein Kind stirbt. Hals über Kopf flieht er aus der Stadt. Er findet eine Anstellung als Unteraufseher in der Fabrik seines reichen Onkels, eines Kragenfabrikanten. Hier erhält er zum ersten Mal die Möglichkeit, am »besseren Leben« teilzunehmen. Er ist attraktiv und versteht es durch seine liebenswürdige Art, die jungen Damen der besseren Gesellschaft von Lycurgus in seinen Bann zu ziehen. Er verliebt sich in ein reiches Mädchen, und als sie seine Gefühle erwidert, fühlt er sich am Ziel seiner Träume. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits auf ein intimes Verhältnis zur jungen Fabrikarbeiterin Roberta Alden eingelassen, die nun von ihm ein Kind erwartet und - da ein Versuch, die Schwangerschaft abzubrechen scheitert - die Eheschließung fordert.
Clyde fühlt sich hin- und hergerissen. Einerseits war er es, der Roberta zu mehr Intimität gedrängt hatte, andererseits sagt er sich nun: »Warum hat sie denn nachgegeben. Eigentlich ist sie ja selbst Schuld an ihrem Zustand«. Keinesfalls wollte er sich seine Zukunftschancen durch sie verderben lassen!
In seiner Verzweiflung und durch einen Zeitungsartikel auf die Idee gebracht, plant er, einen Bootsunfall vorzutäuschen, bei dem Roberta ertrinken soll. Im letzten Moment jedoch plagen ihn Gewissensbisse und er verwirft seinen Plan …
Mehr möchte ich Ihnen zu diesem sehr spannenden Buch nicht verraten. Hören Sie selbst.
Der Roman mit der Bestellnummer 3930 besteht aus 27 Kassetten und wurde von Ingeborg Ottmann gelesen. In naher Zukunft wird er auch im DAISY-Format unter derselben Bestellnummer verfügbar sein.
Lassen Sie sich nicht vom Umfang des Buches abschrecken - es ist spannend von der ersten bis zur letzten Kassette.
Dieser Roman ist auch in Blindenschrift in 15 Bänden Kurzschrift ausleihbar. Die Bestellnummer lautet hier 1798.

Weitere Titel von Theodore Dreiser im Hörbuchbestand:

Titel von Theodore Dreiser in Punktschrift:

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position:
Nr. 81:
C. P. Snow: Die zwei Kulturen. (1959)
Nr. 82:
Joseph Heller: Catch 22 (1961)

Joseph Heller: »Catch 22«

Heller, Joseph, amerikanischer Schriftsteller
(* 1. Mai 1923 in New York, † 10. Dezember 1999 in East Hampton bei New York)
Studium in New York, Oxford, im 2. Weltkrieg Bomberpilot, Uni-Dozent in Pennsylvania, Werbefachmann.

»Catch 22« (Der IKS-Haken) ist nur vordergründig ein (Anti-)Kriegsroman; der Roman handelt vielmehr von der Anonymität und Perversion moderner Bürokratien und dem Ausgeliefertsein des einzelnen an kafkaesk anmutende Apparate in einer verwalteten Welt. Als Beispiel dient Heller eine perfektionistische Kriegsmaschinerie, bei der der Feind in den eigenen Reihen zu suchen ist: im Establishment der Schreibtischoffiziere, denen Paraden, ästhetisch angelegte ›bombing patterns‹ und der eigene Vorteil wichtiger sind als militärische Erfolge oder das Wohl der Untergebenen.
Die Titelmetapher »Catch 22‹, die mit ›Trick 17‹ besser übersetzt worden wäre, drückt die Ohnmacht der ›underdogs‹ angesichts der Eigengesetzlichkeit abstrakt funktionierender Bürokratien aus: wer verrückt ist, kann laut Reglement vom weiteren Einsatz freigestellt werden, wer aber einen entsprechenden Antrag stellt, kann gar nicht verrückt sein, denn was ist normaler, als im Krieg seine Haut retten zu wollen? Auf der Italien vorgelagerten Insel Pianosa ist es in einer bunten Galerie pikaresker Typen vor allem Yossarian, der mit diesem Prinzip auf Kriegsfuß steht. Er ist wie die meisten seiner Kameraden Angehöriger einer ethnischen Minderheit, während die andere Seite, etwa der karikaturhaft überzeichnete Colonel Cathcart, meist zur Gruppe der WASP zählt (weißer, protestantischer Amerikaner der Mittelklasse angelsächsischer Herkunft). Der Antiheld steht in der unwirklichen Atmosphäre der Absurdität als Eulenspiegel oder Hofnarr für den realen Willen zu überleben. Die episodische Struktur des Romans, der weitgehend mit Situationskomik, Schwarzem Humor und intellektuellen Wortspielereien arbeitet, lässt nur eine fragmentarische Handlung zu. Nach einem traumatischen, leitmotivisch den Roman durchziehenden Erlebnis bäumt sich Yossarian gegen die Autorität der Vorgesetzten auf und sucht sein Heil in einem Separatfrieden. In der ebenso richtigen wie im Kriege grotesken Erkenntnis ›They are going to kill me‹ (die Nazis ebenso wie Cathcart und Co.) bricht er per Schlauchboot nach Schweden auf. Schweden steht für Yossarians ganz privates Eden und seine bei der Ordensverleihung und bei einer Beerdigung provokativ zur Schau getragene Nacktheit für den Protest gegen jegliche Uniformierung, also für den bürgerlichen Ungehorsam im Sinne Thoreaus, genauso wie für Yossarians Vulgärvorstellung vom Paradies. Sein eskapistisches ›Farewell to Arms‹ (Hemingway) fand vor dem Hintergrund des weitgehend als sinnlos empfundenen Vietnamkrieges enthusiastische Aufnahme. Eine ganze College-Generation konnte sich mit diesem Helden und seiner pazifistischindividualistischen Botschaft identifizieren.
[K.-J. P., Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 18858 (vgl. Wilpert-LdW, Werke, S. 613 ff.) (c) Alfred Kröner Verlag]

Weitere Hörbücher von Joseph Heller in der DZB:

LOUIS

[LEIPZIGER ONLINE UNTERSTÜTZUNGS- UND INFORMATIONSSERVICE FÜR SEHGESCHÄDIGTE]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Berichtigung

ULRICH JANDER

Im letzten LOUIS-Beitrag, Heft 01/2005, war zum Thema DATAWORD fast am Schluss folgender Satz zu lesen: »Die Office-Programme von Microsoft, wie Word und Access, sind ebenfalls erforderlich.«
Dies ist eindeutig falsch. Weder Word noch Access sind für die Lauffähigkeit von DATAWORD notwendig. DATAWORD kann ohne diese Programme betrieben werden. Durch ein Versehen meinerseits beim Nachschlagen in der Dokumentation kam dieser Fehler zu Stande. Ich bitte um Entschuldigung.

Online-Banking - Bankgeschäfte am Computer erledigen

ULRICH JANDER

Ein Bankkonto anlegen, Kontoumsätze prüfen, Überweisungen tätigen sind Bankgeschäfte, die wir als blinde Menschen kaum selbständig erledigen können. Obwohl es um ganz persönliche Angelegenheiten geht, müssen wir uns in aller Regel helfen lassen. Abhilfe kann hier bereits das Telefon-Banking schaffen. Über die Telefontastatur kann der Nutzer mit Hilfe der Sprachführung am anderen Ende der Leitung die Kontoführung und Kontobewegungen gestalten. Die Postbank oder große Sparkassen, wie z. B. die Sparkasse Leipzig, bieten einen solchen Service an.
Die Alternative dazu könnte auch das Online-Banking sein. Man spart hier den Weg zur Bank, das Bemühen um eine Begleitung und einiges an Geld für Telefongespräche, wenn man Telefon-Banking nutzt. Was sind die Voraussetzungen für ein Online-Banking?

Der Screenreader sollte keine ältere, sondern möglichst die aktuelle Version sein. Der auf dem neuesten Stand vorhandene Screenreader besitzt meist gerade auf dem Gebiet der Internetnutzung Funktionseigenschaften, die ältere Versionen noch nicht besitzen. Ein Online-Banking mit älteren Screenreadern kann zu Fehlern bei der Bedienung der entsprechenden Internetseiten führen, was gerade bei Bankgeschäften vermieden werden sollte. Auch ist es sehr sinnvoll, wenn möglich, sowohl Sprachausgabe als auch Braillezeile einzusetzen; denn, wenn dieselbe Information sowohl über die Sprachausgabe zu hören ist als auch auf der Braillezeile gelesen werden kann, stärkt dies das sichere Gefühl. Sollte es Unterschiede in der inhaltlichen Darstellung zwischen Sprachausgabe und Braillezeile geben, so ist in aller Regel bei weiteren Bedienschritten Vorsicht geboten oder ggf. abzubrechen, wenn man nicht feststellen kann, welche der beiden Ausgabemedien gerade das Richtige anzeigt.
Das Online-Banking wird also nicht mit einem besonderen Anwendungsprogramm genutzt, sondern z. B. mit dem Internet Explorer geht man in das Internet. Seit einiger Zeit gibt es ein Angebot der NetBank AG, welches besonders für blinde bzw. sehbehinderte Computernutzer interessant ist. Die Nutzung eines Girokontos bei der NetBank wird für blinde und sehbehinderte Menschen erleichtert. Sogar die notwendigen Anmeldeunterlagen sowie die PIN und TAN werden, wenn gewünscht, in Punktschrift zugeschickt. Die PIN ist die persönliche Identifikationsnummer, also die Geheimnummer für den Zugriff auf das Konto. Die TAN sind Transaktionsnummern, die als digitale Unterschrift gelten und bei jeder Aktion, z. B. bei Überweisungen oder Daueraufträgen, eingetragen werden müssen. Zu jeder Aktion gibt es eine andere TAN.


Die NetBank erreicht man im Internet unter www.netbank.de


Ziemlich am Anfang der Internetseite kann man einen Link ausführen, der wie folgt bezeichnet ist: »Informationen zum barrierefreien Konto«.
Dort ist u.a. folgendes zu lesen:

[Zitatbeginn] »Die NetBank bietet Blinden und Sehbehinderten barrierefreies Banking. Sie erhalten auf Wunsch alle wichtigen Unterlagen wie Kontoeröffnungsunterlagen, Kontonummer, PIN und TAN blindengerecht in Punktschrift (Braille) nach Hause geschickt. Das vermeidet Übertragungsfehler, die mit der herkömmlichen Erkennungssoftware auftreten können. Die Unterschriftsfelder Ihrer Kontoeröffnungsunterlagen sind zusätzlich mit Braille markiert.
Unsere Internetseiten
Unsere Benutzeroberfläche ist für Sie so angepasst worden, dass Sie schnell auf die Inhalte unserer Webseite zugreifen können und schnellen Zugang zu Ihrem Konto haben. Auch die Farben und Schriftgrößen auf der Webseite der NetBank sind variabel und durch den Benutzer selbst einstellbar. Es gibt eine breite Farb- und Kontrastauswahl, die den größten Teil der Bedürfnisse abdeckt.
Fakten, die überzeugen

Das barrierefreie Banking ist zurzeit nur für das NetBank Giro Allround verfügbar. Dieses Girokonto mit attraktiver Verzinsung können Sie ganz bequem als Abrechnungskonto und Gehaltskonto sowie als Tagesgeldkonto nutzen. Selbstverständlich haben Sie dort auch Zugriff auf unsere günstigen Finanzierungsformen und einen Dispokredit.
Bei Fragen, Problemen oder Anregungen senden Sie uns bitte eine E-Mail an:
barrierefrei@netbank.de
Hinweis zum barrierefreien Standard
Die NetBank unterstützt weitgehend die Richtlinien der BITV. Alle relevanten Webinhalte wurden von Blinden mit den Programmen Jaws und Blindows / Web-Formator positiv getestet. Weitere Hinweise zur Benutzung unserer Seiten finden Sie auf der Seite Kleine Navigationshilfe.
Barrierefreier Banking-Client
Um unseren barrierefreien Banking-Client zu testen, besuchen Sie die Seite Online-Banking, die über den Verweis ›Zugang zum Online-Banking‹ erreichbar ist und wählen dort ›Barrierefreies Konto‹. Als Kundennum-mer geben Sie demo in Kleinbuchstaben ein. Eine Online-PIN benötigen Sie in diesem Fall nicht.
Nutzer von Screenreadern können auch den Direkt-Link ›Online-Banking‹ ganz oben auf der Seite nutzen, der über die Zugriffstaste 2 (im Internet Explorer Alt+2, dann ENTER) erreichbar ist.« [Zitatende]

Hinzufügen möchte ich, dass mit dem Screenreader Virgo das NetBank-Angebot ebenfalls nutzbar ist. Eine aktuelle Version von Hal als Screenreader konnte ich leider nicht testen.
Seitens der NetBank wird Sicherheit natürlich groß geschrieben. Sobald man auf das Online-Banking zugreift, um Kontonummer und PIN einzutragen, wird zuvor darauf hingewiesen, dass man jetzt eine sichere Verbindung eingeht, die von anderen nicht gelesen werden kann. Das muss mit ENTER bestätigt werden. Damit erfolgt eine Verschlüsselung des Datenaustausches.
Abgesehen vom Online-Banking gibt es auch die Möglichkeit, Bankgeschäfte am Computer mit speziellen Anwendungsprogrammen auszuführen. Hier können Programme, wie SFIRM der Sparkassen oder Home Cash light von den Volksbanken, genannt werden. Bei der Nutzung solcher Programme ist man nicht ständig online, nur dann, wenn man das Bankgeschäft beim Geldinstitut tatsächlich abwickeln will. Alle vorbereitenden Handlungen laufen offline, also ohne Internetnutzung. Man spricht bei der Nutzung solcher speziellen Programme von Homebanking.
Nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Test und vielleicht später bei der Nutzung des Online-Bankings. Wenn Sie Fragen bzw. Hinweise haben, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Info-Service

Die DZB auf der Leipziger Buchmesse 2005!

CHRISTIANE FELSMANN

Eine Lesung der besonderen Art veranstaltet die DZB am 18. März 2005 im Rahmen der Leipziger Buchmesse.
In der viel gelobten Ausstellung »Dialog im Dunkeln« wird Ruth Wunsch um 19.00 Uhr aus ihrem Buch »Mein buntes, blindes Leben« lesen. Sie erzählt die beeindruckende Geschichte ihrer eigenen bunten Kindheit, der einsetzenden, schleichenden Erblindung und der Faszination des Lebens.
Aufgrund der begrenzten Platzmöglichkeiten im »Dialog im Dunkeln« - die Ausstellung wurde aufgrund der großen Nachfrage im übrigen verlängert bis 30.06.2005! - ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich.

Anmeldung und Informationen unter:
DZB 0341 7113-131 oder
Christiane.Felsmann@dzb.de

»Dialog im Dunkeln«
Alte Messe Leipzig, Halle 14
04103 Leipzig, Deutscher Platz 4

Überdies referiert Herr Dr. Thomas Kahlisch am Donnerstag, dem 17.03.2005, um 12 Uhr im Hörbuchforum über die digitale Hörbuchgeneration DAISY.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch bei der Leipziger Buchmesse! Sie finden uns in der Messehalle 3, Stand C 209.

Mitteilung der Punktschriftbibliothek

Liebe Leser und Leserinnen, da wir, die Mitarbeiter der Punktschriftbibliothek, bemüht sind, Ihre Bücherwünsche schnell und zielgenau erfüllen zu können, möchten wir mit den nachfolgenden Bemerkungen und Hinweisen um Ihre Unterstützung bitten.

Mit diesem geringen Aufwand tragen Sie erheblich zur Verringerung der Recherchezeiten bei. Die gewünschten Bücher können so schneller den interessierten Leser erreichen. Natürlich sind wir auch weiterhin für Ihre Anregungen und Wünsche dankbar.

»Broschüre zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht in Blindenschrift«

DR. OTTO KAWALLE

Das Erfordernis einer gehörigen Vorsorge gewinnt dadurch an Aktualität, dass Dank insbesondere des medizinischen Fortschritts die Menschen im Durchschnitt zwar älter werden, aber vielfach nicht so gesund bleiben, um bis zum Tode ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Davon ausgehend, hat Dr. Otto Kawalle im vorigen Jahr eine in vier Hauptabschnitte gegliederte Schrift mit dem Titel verfasst:
»Vorsorge für Alter, Krankheit oder Unfall durch Vollmacht oder gerichtliche Betreuung und durch Patientenverfügung im Falle eigener Entscheidungs- und Handlungsunfähigkeit«.
Die Broschüre liegt inzwischen bei der DZB in Punktschrift vor und kann dort käuflich erworben werden (BNV 4237; 4,60 €).
Wie man in gesunden Tagen vorsorgen kann und sollte, sodass man Hilfe, falls man sie braucht, entsprechend seinen Wünschen und Vorstellungen auch tatsächlich erhält, darauf versucht der Verfasser mit Bezug auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtshofes und mit weiteren Literaturangaben weniger eine Antwort zu geben, als durch viele Hinweise den Leser anzuregen, für seinen Fall, also unter Berücksichtigung seiner Verhältnisse und Belange, selbst eine Antwort oder, noch besser, eine Lösung zu finden.
Besonderer Wert wurde auf beispielhafte Formulierungen gelegt. Das deshalb, weil die Erfahrung lehrt, dass mancher zwar die Notwendigkeit der Vorsorge erkannt hat, dann aber doch davon absieht, weil er nicht weiß, was er im Einzelnen regeln sollte und wie er seinen Willen ausdrücken könnte oder müsste. Daher ist Grundlage und zugleich Ausgangspunkt der einzelnen Vorsorgemöglichkeiten - Vollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung - jeweils ein Beispiel, das danach, soweit notwendig, kommentiert und durch weitere Aspekte ergänzt wird. Insofern unterscheidet sich die vorliegende Schrift vor allem methodisch von den bisherigen Veröffentlichungen, die es in Punktschrift oder auf Kassette gibt.

Volksbegehren in Niedersachsen

WIR GEBEN NICHT AUF - DELEGIERTE DES BLINDEN- UND SEHBEHINDERTENVERBANDES NIEDERSACHSEN E.V. SPRACHEN SICH EINSTIMMIG FÜR DAS VOLKSBEGEHREN AUS
(PRESSEMITTEILUNG VOM 29. JANUAR 2005)

Mit dem jetzt neu beschlossenen Landesblindengeld-Modell der CDU/FDP geführten Landesregierung fallen mehr als 90 Prozent der bisher anspruchsberechtigten blinden Menschen aus der Leistung heraus.
Deswegen war bereits im Dezember ein außerordentlicher Verbandstag einberufen worden. Am 29. Januar 2005 trafen die Delegierten aus ganz Niedersachsen in Hannover ein, um das angekündigte Volksbegehren offiziell zu beschließen. Nach drei Stunden intensiver Diskussion folgten die Delegierten dem Vorschlag des BVN-Vorstandes und sprachen sich einstimmig für das Volksbegehren aus. Die Vorsitzende des BVN, Frau Helga Neumann, und der Geschäftsführer, Hans-Werner Lange, erklärten die Rahmenbedingungen und zeigten die »Hürden« auf, die bei diesem Volksbegehren zu meistern sind. Schon jetzt steht fest, dass die Blinden in Niedersachsen hierzu ganz besonders auf die Hilfe aus der Bevölkerung und den großen Sozialverbänden Niedersachsens angewiesen sein werden. Doch die Zuversicht ist groß, weil sich schon im Kampf um das Blindengeld im letzten Jahr mehr als 161.000 Bürger in kurzer Zeit solidarisch erklärt hatten. Allerdings werden jetzt ca. 603.000 Unterschriften nötig sein, um das Volksbegehren erfolgreich durchführen zu können.
Voraussichtlich wird im April der Start sein. Dann wird ein besonderer Aufruf an die Bevölkerung Niedersachsens ergehen.
Wer bereit ist mitzuhelfen und Unterschriften zu sammeln, kann sich gern unter den folgenden Rufnummern melden:
0511 5104-224
0511 5104-225
0511 5104-226
0511 5104-257
Nähere Informationen erhalten Sie beim
Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V.,
Harald Stegmann, Leiter Öffentlichkeitsarbeit,
Kühnsstraße 18, 30559 Hannover,
Tel.: 0511 5104-223
Fax: 0511 5104-455
E-Mail:
Harald.Stegmann@blindenverband.org

Zeitschrift »Der duftende Garten«

TAUBBLINDENDIENST E.V.

Die Fördergemeinschaft Botanischer Blindengarten Storchennest e.V. ist Herausgeber der Zeitschrift »Der duftende Garten«. Angeregt wurde die Herausgabe einer solchen Zeitschrift durch die Leser der Serie »Der duftende Garten« in »Die Gegenwart«.
Vorerst erscheint die Zeitschrift nur in Kassettenausgabe zwei- bis dreimal jährlich.
Interessenten melden sich bitte über:
Telefon: 03528 43970, Fax: 03528 439721,
E-Mail: fbbs@taubblindendienst.de, oder per Punktschriftbrief an: Ruth Zacharias, Pillnitzer
Str. 71, 01454 Radeberg.

Kostenlose mp3-Hörbücher

AUS DEM INTERNET HOLEN UND VORLESEN LASSEN

Unter der Adresse www.vorleser.net können aus dem Internet literarische Werke heruntergeladen werden. Schauspieler bzw. bekannte Sprecher lesen diese mp3-Hörbücher vor. Die Internetseiten sind einigermaßen für blinde bzw. sehbehinderte Nutzer zugänglich. Beim Herunterladen ohne DSL ist gegebenenfalls etwas Geduld und Zeit mitzubringen.

AudioBooksCologne

PRESSEMITTEILUNG

Hat er bislang ein Schattendasein geführt, so hat sich der Hörbuchmarkt heute mit zweistelligen Wachstumsraten zu einer boomenden Branche entwickelt, die längst keine Randerscheinung mehr ist. Diesem Umstand trägt die Koelnmesse Rechnung und veranstaltet vom 17. bis zum 20. März 2005 im Gürzenich - im Herzen Kölns - ein Hörbuchkonvent der besonderen Art: die AudioBooksCologne. Der Hörbuchkonvent ist in das renommierte europäische Literaturfestival lit.COLOGNE eingebunden, zu dem auch 2005 wieder rund 50.000 Besucher erwartet werden.
Das Hören zu einem Erlebnis zu machen, das ist das Ziel, mit dem die Veranstalter angetreten sind, um die Rheinmetropole zum Mekka der Liebhaber »hörbarer Literatur« zu machen. Damit dies gelingt, wird die AudioBooksCologne von einem mit Highlights gespickten Rahmenprogramm begleitet, das dazu angetan ist, die Premiere des 1. Hörbuchkonvents in Köln zu einem besonderen Ereignis zu machen.
Weitere Infos zur AudioBooksCologne und das aktualisierte Rahmenprogramm finden Sie im Internet unter:
www.audiobookscologne.de

TV-Sprachservice für alle, die keine TV-Zeitschrift lesen können

PRESSEMITTEILUNG

Es gibt unzählige TV-Zeitschriften auf dem Markt, aber für sehgeschädigte Menschen ist das Angebot an Information über Fernsehsendungen nicht sehr breit gestreut. Wer das Internet nutzen kann und dann noch eine halbwegs übersichtliche Seite mit TV-Programminformation findet, hat es vergleichsweise gut. Alle übrigen - das ist die Mehrheit, und insbesondere sind es ältere Menschen - gucken im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre.
Seit Mitte Oktober bietet
www.blinden-portal.de
einen TV-Sprachservice per Telefon an. Dort erhalten Anrufer Programm-Informationen von 32 deutschsprachigen Fernsehsendern. Die Abfrage ist für die aktuelle sowie die zwei darauf folgenden Wochen möglich. Die Programm-Abfrage wird über die Telefontastatur vorgenommen. Man kann Datum, Uhrzeit und Sender direkt auswählen oder Sendungen der aktuellen Zeit abfragen. Die 32 Sender sind in 4 Neunerblöcke eingeteilt. Beispielsweise findet man die gängigen Programme im ersten, die dritten Programme im zweiten Programmblock, Nachrichten- und Sportsender im dritten und Schweizer und österreichische Sender im vierten Block. Detailinformationen zu Sendungen, sofern sie angeboten werden, können ebenfalls abgefragt werden. Wenn Filme mit Audiodeskription (Filmbeschreibung) gesendet werden, wird dies ebenfalls angesagt.
Entwickelt wurde das Abfrage-System von dem blinden Software-Entwickler Andreas Regis. Seit zwei Jahren ohne Aussicht auf einen Arbeitsplatz, wollte er zu Hause nicht Däumchen drehend den Alltag verbringen.
Der TV-Sprachservice wird für 25 Cent pro Minute angeboten und ist unter folgender Nummer zu erreichen: 0900 1001023.

Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €,
Schwarzschrift 12,30 €.
Diskette mit Jahreszusammenfassung ohne Beilage (nur für Braillezeile) 7,68 €.
(Preise zzgl. gesetzlicher MwSt.)

Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html

Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.

Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
Internet: www.dzb.de
E-Mail: info@dzb.de

Redaktion:
Karsten Sachse
Telefon: 0341 7113-135

Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann
Telefon: 0341 7113-120

Spenden:
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto 1 100 830 010

DZB 2005