DZB-NACHRICHTEN

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 3 / 2005
Mai / Juni
15. Jahrgang

Inhalt


AKTUELLER LITERATURTIPP:

Duffy, Eamon: Die Päpste.
Aus dem Engl.
München : Droemer, 1999.
Das Wirken der Päpste von den ersten Bischöfen Roms bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
6 Bde., G, kzp.98, 122,70 €,
BNV 3285, BNA 9426


Vorbemerkung

In Leipzig herrscht rege Bautätigkeit, davon ist auch der Straßenbahnverkehr betroffen. Auf Grund der vielen Baustellen in der Stadt sind mehrere Umleitungen vorgesehen. Da es hier immer wieder zu Veränderungen kommen kann, empfehlen wir Besucherinnen und Besuchern, die Erreichbarkeit der DZB immer aktuell zu erfragen.
In der letzten Ausgabe veröffentlichten wir eine Mitteilung über den TV-Sprachservice. In diesem Zusammenhang erreichte uns die Information, dass unter der angegebenen Call-by-Call-Nummer 0900 1001023 niemand zu erreichen war. Eine Rückfrage ergab, dass die Nummer immer noch gültig ist. Weitere Auskünfte kann man unter der Telefonnummer 04544 8089991 erhalten.
Schließlich noch eine Mitteilung in eigener Sache: In der letzten Kassettenausgabe der »Leipziger Bücherliste« erfolgte eine Ankündigung, dass die Ausgabe am Ende der 2. Kassette aus technischen Gründen enden muss - einige Hörbücher konnten also in der Kassettenversion nicht angekündigt werden. Dazu erreichten uns kritische Anfragen. Generell sind wir natürlich weiterhin bemüht, dass der Inhalt aller Editionsformen identisch ist. Diesem Bemühen stehen jedoch manchmal wirtschaftliche und zeitliche Gründe entgegen. Dafür erbitten wir Ihr Verständnis. Die gewachsene Menge der Titelankündigungen hat ja durchaus auch einige positive Aspekte und mit der DAISY-Fassung gibt es auch eine Alternative.
Damit aber nun genug der Vorrede! In der Hoffnung, dass wieder etwas Interessantes für Sie dabei ist, wünsche ich einen sonnigen Frühling und sende herzliche Grüße,
Ihr Karsten Sachse.

Einblicke

Deutscher Hörbuchpreis: Preisträger 2005

1. KATEGORIE »BEST OF ALL«
»Krupp oder Die Erfindung des bürgerlichen Zeitalters«

Eng verbunden mit der deutschen Geschichte vom Kaiserreich bis zum Zweiten Weltkrieg ist der Name der Familie Krupp: Er steht für Industrialisierung, Rüstungsproduktion und Kriegsverbrechen. In Peter Märthesheimers satirisch zugespitztem Rückblick werden drei Generationen der Kruppschen Familiendynastie und mit ihnen mehr als siebzig Jahre deutscher Geschichte lebendig. Im Zeitrafferverfahren sind Aufstieg und Fall des Kaiserreiches, die Geburt der Sozialdemokratie, der Siegeszug des Faschismus und zwei Weltkriege nachzuerleben. Die Handlungsträger sind Kunstfiguren: Ein synthetischer »Krupp« verkörpert ebenso wie der »Kaiser« verschiedene historische Akteure, und auch die Stimme Hitlers mischt sich in fiktiver Weise ein. In bitterbösen Dialogen entlarvt sich das historische Personenarsenal - und macht gesellschaftliche und politische Prozesse transparent.

»Der Mann ohne Eigenschaften, Remix«

Fast zwanzig Jahre lang schrieb Robert Musil (1880–1942) an seinem Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« - und doch blieb sein Lebenswerk unvollendet. Die Idee zu diesem Roman, der vielfältige Erfahrungen der modernen Wirklichkeit erzählerisch und essayistisch reflektiert, entstand schon um die Jahrhundertwende. Anfang der dreißiger Jahre erschienen erste Teile des Werks; danach verhinderten die zeitgeschichtlichen und persönlichen Lebensumstände weitere Veröffentlichungen. Aber auch zahlreiche Änderungen und Überarbeitungen erschwerten den Abschluss. So umfasst Musils literarischer Nachlass mehr als 6.000 Seiten, deren erste posthume Edition (1952) stets umstritten blieb. Das »Remix« will Musils Schreibexperiment in einer bimedialen Edition (20 CDs und ein Buch) künstlerisch erfassen. Grundlage ist ein Projekt der Universität Klagenfurt, das eine »Kommentierte digitale Gesamtausgabe Robert Musil« erarbeitet.

2. KATEGORIE »BESTE INFORMATION«
»Chronik des Jahrhunderts 1900 - 2000«

Was bleibt uns in Erinnerung vom 20. Jahrhundert? Zum ersten Mal in der Geschichte jedenfalls nicht nur Texte und Bilder, sondern auch Stimmen und Töne. Dank der Aufzeichnungstechniken, die sich in diesem Jahrhundert entwickelten, sind zahlreiche Originalaufnahmen erhalten, die heute zumeist im Deutschen Rundfunkarchiv und in den Archiven der ARD schlummern. Die Journalistin Dorothee Mayer-Kahrweg hat sich in den Archiven umgehört und aus ihren Funden eine Fundgrube für alle zeitgeschichtlich Interessierten gemacht. Ihre Edition dokumentiert hundert Jahre Geschichte in Hunderten von Originaltönen aus Politik, Kultur und Gesellschaft: vom Start des ersten Zeppelins im Jahr 1900 bis zur letzten »Tagesschau« des Jahres 1999; von der Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg bis zum ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr im Kosovo; von Josephine Baker bis Nina Hagen - eine bunte Geschichtsrevue auf 15 CDs, die uns wichtige Ereignisse und Personen, aber auch das Lebensgefühl der einzelnen Dekaden sinnlich in Erinnerung ruft.
 

3. KATEGORIE »BESTE INTERPRETATION«
»Jackie«

Jacqueline Kennedy Onassis (1929-1994), äußerlich der ganzen Welt bekannt, innerlich sich selbst eine Unbekannte. Noch im Jenseits prüft sie ihre Rolle an der Seite berühmter Männer, als Konkurrentin Marilyn Monroes, im Scheinwerferlicht der Medien. In einem furiosen Monolog blickt Jelineks Jackie zurück auf ein Leben voller Glanz und Glamour, auf Schicksalsschläge und Schocks. Und während die ganze Welt über ihre Kleider redet, ist sie selbst nur »der Schaum auf den Träumen anderer, Fremder« (Jelinek).
Der Monolog »Jackie« ist Teil IV der »Prinzessinnendramen« mit dem Obertitel »Der Tod und das Mädchen«, in denen Elfriede Jelinek gescheiterten Märchen- und Medienprinzessinnen eine Stimme und eine neue Identität gibt. »Die Texte sind für das Theater gedacht, aber nicht für eine Theateraufführung,« so die Autorin. »Die Personen führen sich selbst schon genug auf.« Die akustische Inszenierung von Karl Bruckmaier wurde 2004 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Ebenfalls im vergangenen Jahr erhielt die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek den Nobelpreis für Literatur.
 

4. KATEGORIE »BESTE UNTERHALTUNG«
»Gefahr ist ihr Geschäft«

Wer Raymond Chandler (1888-1959), dem Klassiker der amerikanischen Kriminalliteratur, hierzulande im Radio begegnet ist, der hat ihn in den akustischen Inszenierungen Hermann Nabers kennen gelernt. Seit den sechziger Jahren adaptierte Naber Chandlers Kriminalerzählungen, die sich durch ihre literarischen Qualitäten und realistischen Gesellschaftsbilder als Alternative zum konventionellen Rätselkrimi empfahlen. Auch die erzählerischen Merkmale von Chandlers Prosa - prägnante Dialoge, markante Erzählerfiguren, wenig Action - erwiesen sich im akustischen Medium als wirkungsvoll.
Die Hörbuch-Kassette versammelt zehn Chandler-Adaptionen - die früheste von 1969, die späteste von 1999 –, darunter so berühmte Stories wie »Die Tote am See« und »Mord im Regen«. Sie präsentiert zugleich eine Galerie von Detektiv-Interpreten, von Arnold Marquis über Hans Peter Hallwachs und Christian Brückner bis Ulrich Pleitgen.

5. KATEGORIE »BESTES JUGENDHÖRBUCH«
»Wenn dich ein Löwe nach der Uhrzeit fragt«

Temeo ist zwölf Jahre alt und lebt mit seinen Eltern, einem deutschen Geologen und einer afrikanischen Mutter und Geschwistern am Tanganijka-See. Als sein Vater eines Tages verunglückt und Geld für die ärztliche Behandlung benötigt wird, müssen Nachbarn und Freunde um Unterstützung gebeten werden. Diesen wichtigen Auftrag erhält Temeo. Ausgestattet mit einer Liste von zahlungskräftigen Bekannten begibt sich Temeo auf eine Betteltour, die ihn u.a. zu Farmern, Fabrikbesitzern, Händlern, Pfarrern und katholischen Ordensschwestern führt. Temeo muss erst lernen, wie man als Bittsteller Erfolg hat, und dabei kommen ihm die Lehren sowohl seiner islamisch-afrikanischen Mutter als auch seines christlichen deutschen Vaters zugute. Denn auf seiner Tour begegnet er immer wieder zwei gegensätzlichen Kulturen, die doch in typisch afrikanischer Weise miteinander verschmelzen und sich zu einem ebenso komischen wie nachdenklichen Bild des Lebens im Afrika der Vorkriegszeit zusammensetzen.
 

6. KATEGORIE »DAS BESONDERE HÖRBUCH«
»parlando — Edition Christian Brückner«

»Meine Zusammenstellung ist absolut subjektiv«, bekennt Christian Brückner, und was für sein Hörbuch mit ausgewählten Gedichten Hölderlins gilt, könnte auch seine Edition »parlando« insgesamt charakterisieren. Denn deren Programm folgt keinem Schema: Prosa, Lyrik und politische Schriften, Klassiker und Zeitgenossen, deutsche Romantik, amerikanischer Realismus, persische Mystik - es erklingt, was dem literarischen Gespür des Vorlesers Christian Brückner entspricht, was seine Leselust weckt und seine Lesekunst inspiriert.
Bislang rund vierzig Titel umfasst die Hörbuchedition, die Christian und Waltraut Brückner ins Leben gerufen haben, und die vor allem durch die unverwechselbare Stimme des Vortragenden ihr besonderes Profil gewinnt.
[Quelle: http://www.der-deutsche-hoerbuchpreis.de/]
 

Hörbuchportale

WER INFORMATIONEN ÜBER AUDIOBOOKS SUCHT, KOMMT AM INTERNET NICHT VORBEI. TITELKATALOGE, REZENSIONEN ODER BRANCHENNEWS - DIE MACHER SIND ENORM FLEIßIG.

Unzählige Seiten sind in den vergangenen Jahren ins Netz gestellt worden - vor allem von so unermüdlichen Hörbuchfans wie Christoph Morgenroth aus Schwelm. Wie viel seiner freien Zeit er in sein Portal Hoerspiele.de investiert? »Das darf man gar nicht sagen«, antwortet er. »Lassen wir das Hören der Produktionen mal weg, dann komme ich jeden Tag auf etwa eine Stunde. Vielleicht auch einen Tick mehr.« Von 1997 an baute Morgenroth eine Datenbank auf, in der heute etwa 7.800 Titel, 900 Radiohörspiele und 4.300 Audiobooks zu finden sind. Hinzu kommen fast 9.000 Kommentare, plus Nachrichten aus der Szene, Themenspecials und mehr. Der Hörspielenthusiast hat knapp 1.300 registrierte Nutzer, die sich unter anderem mit Kurzbewertungen (derzeit rund 17.500) an dem Forum beteiligen. Morgenroth nimmt mit Hoerspiele.de an den Partnerprogrammen von Ebay und Amazon teil. Das Portal ist mit den Internethändlern verlinkt und bezieht für das Knüpfen virtueller Kontakte eine kleine Provision. Die Kosten kann Morgenroth damit allerdings nicht ausgleichen.

Mammutprojekte

Auch die Hörspiel-Datenbank von Herbert Piechot, Hoerdat.de, ist privat finanziert und hat viel zu bieten. Piechots Ziel ist der Aufbau eines Verzeichnisses aller je von deutschen Radiosendern ausgestrahlten Hörspiele. Vom ersten Hörspiel aus dem Jahr 1924 bis zu Produktionen, die im Radio erst noch zu hören sein werden, hat Piechot seit dem Start der Seite vor vier Jahren Informationen zu mehr als 26.000 Hörspielen gesammelt.
Einem Verzeichnis aller lieferbaren Hörbücher - vom Sortiment dringend gewünscht – kommt Martin Pfaff mit seinem 2000 in Berlin gegründeten Unternehmen Hoergold.de relativ nahe: Seine Datenbank kennt die Programme von 343 Verlagen - eine Pionierleistung, die ihm bis dato keiner nachgemacht hat. Hoergold.de enthält knapp 10.000 deutschsprachige Titel (MC und CD; netto etwa 7.500) und 550 Hörbücher aus dem Ausland. Bei der Mehrzahl der Titel können Angaben zu Autoren und Sprechern, zum Cover, zur Laufzeit und auch zum Inhalt abgerufen werden; zu 3.300 der verzeichneten Audiobooks bietet das Portal Hörproben an. Über die Finanzierung macht Pfaff keine Angaben.
Während Hoergold.de mit Fakten über Titel punktet, setzen andere Portale eher auf Rezensionen und Branchennews. Darauf haben sich zum Beispiel Britta und René Wagner aus Hückelhoven spezialisiert, die seit 2001 unter www.hoerothek.de das wohl bekannteste Hörbuchmagazin im deutschen Internet betreiben. Zum Bestand der Hoerothek, wie die Mehrzahl der Portale aus privater Initiative entstanden, gehören derzeit 872 Rezensionen und 344 Hörproben - dazu Nachrichten, Berichte und Interviews. Neben Partnerprogrammen ist Bannerwerbung hier eine feste Einnahmequelle.

Mobile Dienste

Weniger bekannt als die Hoerothek, aber kaum weniger ambitioniert ist das Portal Audiobooks.at von Monika Röth. Als die Wienerin im Jahr 2000 ihr Portal startete, ging es ihr in erster Linie um den Aufbau einer Datenbank. Dank der Unterstützung eines kleinen Teams von Hörbuchfans kann Röth mittlerweile weit mehr anbieten: Zu vielen der knapp 5.100 verzeichneten deutschsprachigen Hörbücher gibt es Rezensionen, täglich werden Nachrichten und regelmäßig Features zu speziellen Themen publiziert. »Wir versuchen, jeden Monat einen neuen Service anzubieten«, sagt Röth. Künftig sollen auch mobile Dienste hinzukommen - damit Hörbuchkäufer auch im Geschäft nach Titeln suchen oder ihre bei Audiobooks.at gepflegte Wunschliste einsehen können.
Anders als Röth sehen die Betreiber von Echthoerbuch.de ihr 2003 gegründetes Portal als Geschäftsidee. »Wir wollen einen kompletten Überblick über den Markt geben, unsere Nachrichtenseite ausbauen und Rezensionen zu allen deutschsprachigen Titeln anbieten«, erläutert Dirk Jacob, leitender Redakteur beim Mutterhaus Quax-Agentur für interaktive Medien. 2005 soll das Portal auf eigene Füße gestellt werden. Jacob ist optimistisch, dass sich das Engagement rechnet - nicht nur, weil der zum Portal gehörende Online-Shop mehr Umsatz generieren soll. Das Unternehmen will »neue Geschäftsfelder erschließen« - also auch mit den Inhalten und zusätzlichen Diensten Geld verdienen.

Gutes für Kinderohren

Die Spreu vom Weizen trennen will dagegen Hoerbuchtipps.de: »Gute Hörbücher sollen die ihnen zukommende Beachtung und Verbreitung finden«, sagt Franz-Josef Hanke, der das Portal mit seinem Marburger Journalistenbüro betreibt. Die Inhalte werden entweder zweitverwertet oder stammen aus seiner Ausbildungsredaktion. Der Fundus an Kritiken ist auf fast 200 Einträge angewachsen, die Nachrichtenseite wird jedoch selten aktualisiert. Zu Hoerbuchtipps.de gehört seit 2001 das Themenportal für Kinder und Jugendliche: Hoerbuchkids.de. Die Rezensionen sollen nicht nur informativ sein, sondern Spaß machen und Kinder und Jugendliche anregen, mehr Bücher zu hören und zu lesen.
Das Online-Archiv Töne für Kinder (www.toene-fuer-kinder.de) richtet sich dagegen in erster Linie an die Erwachsenen. Eltern und Erzieher können im elektronischen Pendant zum gleichnamigen Printkatalog aus dem Kopaed Verlag etwa 1.300 Hörbücher für Kids aller Altersstufen recherchieren. Portal und Printkatalog zusammen wollen »einen weitgehenden Überblick über das Angebot an Hörproduktionen auf dem deutschen Markt« liefern - und natürlich Empfehlungen geben.

Portale / Surftipps (Auswahl)

1. Datenbanken/Verzeichnisse

2. Rezensionen/News

3. Spezialportale: Hörbücher für Kinder und Jugendliche

4. Krimi, Thriller, Fantasy, Science Fiction

5. Sonstige

6. Foren

[Quelle: Tamara Weise: »Per Mausklick zum Computer« in »börsenblatt SPEZIAL Hörbuch, Nr. 1-2005 vom 15. Februar 2005, hrsg. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., Frankfurt am Main, S. 40 f.]

Wie war das damals?

Hundert Jahre Blindenanstalt Chemnitz

DR. WERNER UHLIG

Wie sah zu meiner Zeit der Anstaltsalltag aus? Für uns Schüler und Lehrlinge aus den Jahren zwischen 1938 und 1950 ist da zunächst ein großer Unterschied zu machen für die Zeit vor und nach 1945. Bis zu jenem Februartag, an dem ich - fast 13-jährig - wegen der immer heftiger werdenden Luftangriffe und dem herannahenden Kriegsende für mehrere Monate die Blindenanstalt in Richtung Heimat verließ, war das Anstaltsleben stark christlich und nationalsozialistisch geprägt. Daheim in meinem Dorf, wo meine Schwester zur Schule ging, schlossen sich diese beiden Geisteshaltungen gegenseitig weitgehend aus. In der Chemnitzer Blindenanstalt aber begann der Tag mit Gebet vor dem Frühstück und endete mit Gebet der Nachtdienstschwester im Schlafsaal, wenn wir in unseren Betten lagen. Bei den Lehrlingen, die von Pflegern betreut wurden, mag das anders gewesen sein, aber bei uns Schulkindern in der Obhut weiblichen Personals war das so. Es wurde generell vor und nach jeder Mahlzeit gebetet. Ich kann diese stereotypen Verse heute noch hersagen. Religionsunterricht ist Pflichtfach gewesen bei uns in der Blindenschule, und der Religionslehrer war nicht irgendwer, sondern der alte Kämpfer der NSDAP, Direktor Walter Ritter. Es war eine Art germanisierter Religionsunterricht, denn wir erfuhren auch viel von Helden und Göttern der Germanen in diesen Stunden, über Christenverfolgung in Rom, die Katakomben, über Ost- und Westgoten, über Bonifacius und immer und immer wieder über die Schlacht im Teutoburger Wald, bei welcher die römischen Legionen vernichtend geschlagen worden sind unter Führung von Hermann, dem Etrusker. Damit wir uns dieses Ereignis unbedingt fest einprägen würden, lernten wir das Lied von den frech gewordenen Römern mit der Textstelle »Vornweg mit Trompetenschall zog der Generalfeldmarschall Herr Quintilius Varus«. Das hat Ritter schließlich bei uns seinen Spitznamen eingebracht. Wir nannten ihn Varus. Langweilig war dieser Unterricht nicht, und manch einer ist dadurch zum Lesen angeregt worden. Im ersten Stock des Hauses 18 befand sich eine umfangreiche Blindenschriftbibliothek, und jede Woche konnten dort Bücher ausgeliehen werden. Wir haben damals gern und viel gelesen.
Mittwochs und sonnabends war »Dienst«. So hießen die Zusammenkünfte der Hitlerjugend. In der Hitlerjugend zu sein war obligatorisch in der Blindenanstalt. Ich war beim Jungvolk. In Uniform hatten wir anzutreten in drei Gliedern, zu marschieren, auf dem Turnplatz zu exerzieren, Lieder zu lernen und Teilnehmer propagandistischer Seminarveranstaltungen zu Themen der NS-Ideologie zu sein. Mir haben beim Jungvolk zwei Dinge gefallen, nämlich die Geländespiele und das Funken. Ja, es gab bei uns einen »Funktrupp«, und da wurde richtig mit Morsetaste und Kopfhörern über Draht gefunkt.
Die Woche begann stets nach dem Frühstück am Montag mit einer »Andacht« im Singesaal der Schule. Wir Schüler, unser Pflegepersonal und die Lehrer waren da versammelt. Zuerst sangen wir gemeinsam einen Choral. Dann sprach Direktor Ritter zu einem aktuellen Thema, wobei die Grundlinie seiner Ausführungen stets vom lieben Gott zum »Führer« verlief. Dann sangen wir das Deutschlandlied und gingen in unsere Klassenzimmer. Dieses Ritual vollzog sich an jedem Montag.
Nach dem Schulunterricht und dem Mittagessen hatten wir unsere Schularbeiten zu machen, und wer fertig war, der durfte hinaus ins Anstaltsgelände, der hatte Freizeit. Eine bei uns sehr beliebte Freizeitgestaltung ist das Stelzenlaufen gewesen. Zwischen den Häusern 21 und 23 gab es Kletterstangen und eine famose kastenförmige Luftschaukel, und zwischen den Häusern 27 und 30 stand ein Barren. Gern suchten wir auch den Turnplatz auf. Während der Kriegsjahre waren 3 Löschteiche angelegt worden. Sie lagen zwischen Kirche und Haus 3, zwischen Turnhalle und Haus 5 und der dritte nördlich von Haus 5 etwa im Dreieck zwischen Haus 31 und Haus 40, dem Krankenhaus. Man konnte ganz gut in diesen Teichen schwimmen, nur wurde uns das meistens nicht erlaubt. Der beim Anlegen der Löschteiche angefallene Erdaushub ist zum Aufschütten von Splitterschutzdämmen an unseren Wohnhäusern genutzt worden. Die Kellerfenster waren alle unter diesem Erddamm verschwunden. Zwischen den Häusern 26 und 30 ist ein Hügel aufgeschüttet worden, den wir im Winter zum Schlittenfahren nutzten. An jedem Wohnhaus gab es einen kleinen offenen Schuppen, der als Unterstellplatz für einen Handwagen diente. Wir mussten mit diesem Handwagen unser Essen aus dem Küchengebäude, dem Haus 47 abholen. Die Essenholer wurden von Woche zu Woche nominiert. Drei Mal täglich hatte diese Handwagentour hin und zurück, vor und nach jeder Mahlzeit also stattzufinden. Wir mussten ja die leeren Kübel und Kannen im Küchengebäude wieder abliefern. Die meisten von uns gingen gern Essen holen, denn mit dem leeren Handwagen konnte man ja eine kurze Zeit ohne Aufsicht lustig durchs Anstaltsgelände kutschieren. Der sehschwache Essenholer saß vorn und nahm zum Lenken die Deichsel zwischen die Füße, der Blinde saß rückwärts auf dem Wagen und schob nach besten Kräften mit seinen Füßen die Fuhre vorwärts. Natürlich machte das großen Spaß.
Wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die »Alten« und zur Information für die »Jungen«.

Vor hundert Jahren starb Jules Verne

SUSANNE SIEMS
[PUNKTSCHRIFTBIBLIOTHEK]

Eigentlich gilt der französische Schriftsteller Jules Verne, dessen Todestag sich am 23. März zum hundertsten Mal jährte, als Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur. Mag es daran liegen, dass ich gerade erst aus dem Zug vom VII. Boltenhagener Bücherfrühling mit dem Thema »Literarisch Reisen« gestiegen bin, oder an einer heimlichen Vorliebe für spannende Abenteuerliteratur allgemein, Jules Verne faszinierte mich immer besonders durch seine aufregenden und humorvollen Reiseabenteuer. Die wissenschaftlichen »Spielereien« und Ausflüge in die Technikwelt waren da immer mehr ein leckeres Zubrot. Jules Verne lehrte mich schon als Kind, dass man in Südamerika spanisch spricht - mit einer Ausnahme: dem portugiesischen Brasilien. Kennen Sie den Geographen Paganel aus dem Roman »Die Kinder des Kapitäns Grant«, der ein viertel Jahr in dem Wahn lebt, spanisch zu lernen und dann bei der ersten Begegnung mit Einheimischen feststellen muss, dass es doch Portugiesisch ist? Dieser Humor, gepaart mit Entdecker- und Erfindungsgeist sind es, die Jules Verne ein zahlreiches, vor allem auch junges Publikum bescherten. Heute mögen den Leser manche Dinge antiquiert anmuten, aber Verne muss immer auch in seiner Zeit gesehen werden. Wenn er 1865 von einer Reise zum Mond schreibt, ist das für die damalige Zeit eine Ungeheuerlichkeit. Verne besaß ein sehr umfangreiches Wissen über die technischen Entwicklungen seiner Zeit, heute würde man sagen, er war ein wandelndes Lexikon. Allerdings war er zu keiner Zeit Wissenschaftler, sondern Autor von Unterhaltungsromanen. Oft wurde ihm in bezug auf seine wissenschaftlich-technischen Ausführungen Dilettantismus vorgeworfen. Es geht wohl nur eines - ein breites Publikum für Wissenschaft und Technik zu begeistern, oder ein staub-trockenes Lexikon verfassen. Sehr mag ich an den Romanen Jules Vernes die Satire. Schonungslos nimmt er die Technikhörigkeit seiner Zeitgenossen aufs Korn, am gekonntesten in »Reise um die Erde in achtzig Tagen«. Ach, wie würde es gut tun, jemanden zu haben, der unsere gegenwärtigen Abhängigkeiten von Computer, Handy und Co. einer ähnlichen satirisch-kritischen Betrachtung unterziehen würde. Und das mit je zwei Romanen im Jahr. Verne war nämlich ein ausgesprochener Vielschreiber. Der erste große Erfolg hieß »Fünf Wochen im Ballon«, dann folgten zunächst klassische Science-Fiction-Romane wie »Von der Erde zum Mond« oder »Die Reise zum Mittelpunkt der Erde«. Ist hier noch echte Technikbegeisterung zu spüren, so wird in späteren Werken ein immer kritischerer Ton deutlich. Verne spürt, dass die Menschen des 19. Jahrhunderts mit ihren eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht Schritt halten können. Sie sind eigentlich hilflos im richtigen Umgang mit diesen Erkenntnissen. Genau hier liegt die Aktualität solcher Werke wie »Die Erfindung des Verderbens« oder »20.000 Meilen unter dem Meer«. Nicht zuletzt beigetragen zur Popularität der Verne’schen Romane haben auch zahlreiche Verfilmungen, am bekanntesten wohl »Die geheimnisvolle Insel«. Gedenken Sie, liebe Leserinnen und Leser, doch seines hundertsten Todestages, indem Sie mal wieder oder ganz neu eines seiner Bücher zur Hand nehmen.

Die Punktschriftbibliothek hat Ihnen u. a. folgende Titel zur Ausleihe anzubieten:

Für Hörbuchinteressenten empfehle ich folgende Romane:

Françoise Sagan: »Lieben Sie Brahms?«

JÖRG KLEMM
[HÖRBÜCHEREI]

Warum nicht einmal wieder einen französischen Roman? Ich empfehle heute den Titel "Lieben Sie Brahms?" von Françoise Sagan, der in der vorliegenden Ausgabe 1966 im Aufbau-Verlag zu Berlin mit 130 Seiten erschienen und seit 1966 im Hörbuchbestand der DZB vorhanden ist.
Wer war Françoise Sagan? Sie wurde 1935 in Carjac/Lot geboren und verstarb 2004. Sie erhielt als Tochter eines Großindustriellen ihre Ausbildung in Klosterschulen. Die Kriegszeit verbrachte Sie in Lyon und kehrte danach nach Paris zurück. Sie schrieb als 18-Jährige in wenigen Wochen ihren ersten Roman »Bonjour Tristesse«, ebenfalls als Hörbuch bei uns unter der Nummer 1701 (3 Kassetten) ausleihbar. Dieser wurde auf Anhieb ein Bestseller und brachte ihr im Erscheinungsjahr die Auszeichnung mit dem Prix des Critiques ein. Sagans umfangreiches Werk umfasst weitere Romane sowie Theaterstücke, Reiseberichte, ebenso Chansontexte, Ballettszenarien und Drehbücher.
Die Romane spielen in einer mondänen Pariser Welt, in der die Menschen in wechselnden Liebesaffären nur mühsam die Angst vor der Lebensleere, dem Altern und dem Alleinsein zu verbergen suchen. In knapper, präziser Sprache beschreibt sie den Wandel von Stimmungen und Gefühlen vor dem Hintergrund einer Zeit, die geschichtslos zu sein scheint. Vornehme Melancholie, die aus der Isolation und Langeweile erwächst, spricht auch aus ihren Theaterstücken.
Nun zum Buch: Seit sechs Jahren ist die 39-jährige Paule mit Roger befreundet, doch da dieser nicht auf seine Freiheit verzichten will, ist die Bindung nur lose geknüpft. Schon lange dauert die Beziehung vor allem durch ein Geflecht liebgewordener Gewohnheiten und durch die Resignation Paules an, die sich mit Rogers immer sporadischer werdenden Besuchen abgefunden hat. Als sich der fünfundzwanzigjährige Simon in Paule verliebt, nimmt die reife Frau ihn zunächst nicht ernst, lässt sich jedoch spielerisch umwerben. Erst Simons Einladung, mit ihm ein Brahms-Konzert zu besuchen, die dem Roman den Titel gibt, versetzt Paule in ihre Jugend zurück. Während Roger durch seine Affäre mit dem Starlet Maisy in Anspruch genommen ist, gibt die betrogene Paule Simons Drängen nach. Zu desillusioniert für die große Liebe, empfindet sie für den leidenschaftlichen Simon jedoch nur müde Zärtlichkeit und kehrt schließlich mehr aus Fatalismus denn aus Liebe zu Roger zurück, der sie weiterhin vernachlässigen wird.
Die Handlung dieses Romans bildet nur den Rahmen für eine Studie menschlicher Emotionen, bei der sich alles um die Liebe dreht - oder vielmehr um deren Unmöglichkeit. Im Zentrum steht ein Quartett von Personen, das die Empfindungen von Liebe und Leid in unterschiedlichen Situationen und Rollen illustriert. Sagans Roman rührt an die Fragen nach der Einsamkeit des Menschen, der Unmöglichkeit des Glücks und der Last der Freiheit in einem moralischen Niemandsland. Sagans Erzählen konzentriert sich auf die genaue Schilderung menschlichen Verhaltens ohne moralische Wertungen, wobei die Autorin vor allem eine Aufrichtigkeit der Beschreibung fern aller Tabus anstrebt. Das Innenleben der Personen wird zwar mit dem Blick des Voyeurs freigelegt, doch nicht der frivolen Effekte wegen, sondern um Kenntnis vom Menschen zu gewinnen.
Das Buch wurde von Marylu Poolman gesprochen. Der Umfang beträgt 3 Kassetten bzw. 1 CD-ROM. Die Bestellnummer lautet: 1717.

Weitere Titel von Françoise Sagan

im Hörbuchbestand:

in Punktschrift:

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Mei-lensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Wir setzen heute fort mit Position Nr. 83:
James Baldwin: Eine andere Welt. (1962)

James Baldwin »Eine andere Welt«

Der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin wurde am 2.8.1924 in New York-Harlem geboren und starb am 1.12.1987 in Saint Paul de Vence, Südfrankreich.
Die »andere Welt« des Titels ist der selbst für bereitwillige, weiße Amerikaner immer unverstanden gebliebene Bereich afroamerikanischer Kultur und Erfahrung. Zwischen den New Yorker Stadtteilen Harlem, dem schwarzen Ghetto, und Greenwich Village, dem Künstlerviertel, bewegen sich die Hauptpersonen des Romans. Der farbige, gut aussehende Jazzmusiker Rufus glaubt, nach mehreren oberflächlichen Liebschaften und einer engeren Bindung an einen Homosexuellen - den weißen Schauspieler Eric - in Leona, der weißen Frau eines Südstaatlers, Erfüllung und Geborgenheit gefunden zu haben. Die in beiden angestauten Erinnerungen an Geschehnisse aus dem Rassenkampf vergiften jedoch ihr Leben bis in die intimsten Bereiche hinein. Schließlich wird Leona völlig zerrüttet in eine Heilanstalt eingeliefert und dann von ihren herbeigeeilten Angehörigen zur Rückkehr in den Süden gezwungen. Rufus irrt verzweifelt durch New York und weiß schließlich keinen anderen Ausweg mehr, als Selbstmord zu begehen. Sein Tod belastet das Gewissen seiner Schwester Ida, seines Freundes Vivaldo - eines italienischstämmigen Bohemiens - und des mit ihnen befreundeten Ehepaares Silenski. Als in der Folgezeit Ida die Geliebte Vivaldos wird, wiederholt sich zwischen beiden die tragische Zerrüttung der engen menschlichen Beziehung, die auch Rufus und Leona erleiden mussten. Vivaldo, der kein Rassenvorurteil kennt, ist unfähig, die Bitterkeit Idas zu verstehen und die ständige seelische Gespanntheit nachzuempfinden, die ihr von einer Gesellschaft aufgezwungen wird, in der dunkle Hautfarbe eine Schuld bedeutet. - Der Fernsehmanager Ellis stellt Ida eine Laufbahn als Blues-Sängerin in Aussicht und gibt vor, sich für den Roman zu interessieren, an dem Vivaldo arbeitet. Ida macht Karriere und hofft, Vivaldo aus seiner finanziellen Misere heraushelfen zu können. - Die aus einer vornehmen Familie Neuenglands stammende Cass Silenski, bei der die Freunde immer wieder moralische Unterstützung fanden und die ihre konventionelle Ehe nur noch nach außen hin aufrechterhält, sucht in eben diesem Freundeskreis nach einem erotischen Abenteuer. Dabei schließt sie sich enger an Ida an und entdeckt, dass diese Vivaldo mit Ellis betrügt. Vivaldo sucht, von einer Hassliebe zu Ida getrieben, Trost und Rat bei dem inzwischen aus Europa zurückgekehrten Eric, dem früheren Freund von Rufus. Entgegen seiner Veranlagung wird Vivaldo von dem homosexuellen Schauspieler in eine intime Beziehung hineingezogen. Erst nach dieser Erfahrung gelingt es ihm, Idas seelische Verwirrung zu verstehen und die versöhnende Kraft echter Liebe zu erkennen.
Mit oft extremer Schärfe und in unverblümt-treffsicherer Sprache prangert Baldwin eine Gesellschaft an, die der Rassenwahn bis in die Intimsphäre hinein zerrüttet hat. Die Situation der Schwarzen wird dabei zu der des Homosexuellen in Beziehung gesetzt: beide sind hier nicht nur Außenseiter, sondern Ausgestoßene einer Gesellschaft, die erst nach dem Abbau derartiger Tabus fähig sein wird, zu wahrer Menschlichkeit zurückzufinden. - Baldwin hat also in »Another Country« die Themenkreise seiner ersten beiden Romane - »Go Tell It on the Mountain« (Gehe hin und verkünde es vom Berge) und »Giovanni's Room« (Giovannis Zimmer) - in einen psychologisch-soziologischen Zusammenhang gestellt.
[Quelle: Janheinz Jahn in Kindlers neues Literaturlexikon © CD-ROM 1999 Systhema Verlag GmbH, Buchausgabe Kindler Verlag GmbH.]

Weitere Hörbücher von James Baldwin in der DZB:

Titel in Punktschrift

Autorenporträt

Saul Bellow (1915-2005)

Der amerikanische Literatur-Nobelpreisträger Saul Bellow ist am 5.4.05 in Brookline (Massachusetts) im Alter von 89 Jahren gestorben.
Bellow galt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der USA nach dem zweiten Weltkrieg. Er wurde am 10. Juli 1915 als Solomon Bellows in Lachine, einem Vorort von Montreal (Quebec/Kanada) geboren. Die Eltern waren russisch-jüdische Immigranten aus St. Petersburg. Bellow wuchs in der polyglotten Atmosphäre eines Montrealer Viertels voller Polen, Russen, Griechen und Italiener auf. 1924 zog die Familie nach Chicago und damit in die Stadt, die Bellows schriftstellerische Arbeit stärker als alle anderen prägte.
Bellow studierte Anthropologie und Soziologie, promovierte an der Universität von Wisconsin. Er erwog eine Pianistenkarriere, arbeitete aber dann als College-Lehrer und Mitherausgeber der Enzyclopädia Britannica. 1944-45 diente Bellow in der US-amerikanischen Marine, danach hatte er Dozentenaufträge an mehreren Universitäten. 1948 wurde Bellow mit einem Guggenheim-Stipendium ausgezeichnet, verbrachte zwei Jahre in Paris und reiste durch Europa. Hier begann er an seinem Roman »Die Abenteuer des Augie March« (1953) zu arbeiten. Der Roman schildert in pikaresker Manier das Leben eines jüdischen Jungen zwischen Chicago, Mexico und Europa, zwischen arm und reich, zwischen Festlegung und Freiheit. Die Selbstfindungs-Story und gleichzeitige Hymne auf das Leben in der Großstadt wurde 1954 mit dem »National Book Award« ausgezeichnet. Während des Sechs-Tage-Krieges im Nahen Osten 1967 arbeitete Bellow als Kriegsberichterstatter.
Zeitlebens setzte sich Bellow mit den Wesenszügen der menschlichen Existenz sowie mit dem Schicksal von Immigranten und Juden in den USA auseinander. Gestützt auf Dostojewski, die jüdisch-humoristische Erzähltradition und Geschichtserfahrung, auf Schelmen- und Bildungsroman und die Freiheits- und Absurditätsphilosophie des Existenzialismus, schrieb er parabelhaft-symbolische Romane und Novellen über das Los amerikanischer Juden, das als paradigmatisch für das Schicksal des moralisch und intellektuell bewussten Individuums in der modernen Gesellschaft interpretiert wird.
»Der Regenkönig« (1959) behandelt die Selbstfindung eines amerikanischen Geschäftsmannes in der abenteuerlich-romantischen Begegnung mit afrikanischen Kulturen, das Hauptwerk »Herzog« (1964) die Auseinandersetzungen eines jüdischen Intellektuellen mit seiner Vergangenheit und mit der Ich-Philosophie des 19. Jahrhunderts. »Humboldts Vermächtnis« (1975), die Geschichte eines so erfolgreichen wie von Selbstzweifeln geplagten Schriftstellers, brachte Bellow die höchste amerikanische Literaturauszeichnung, den Pulitzerpreis ein, gefolgt vom Literaturnobelpreis 1976 für sein umfangreiches Gesamtwerk. »Tiefes menschliches Verständnis« in seinen teils tragikomischen Romanen attestierte ihm damals die Akademie in Stockholm. In seiner Dankesrede erzählte Bellow, auf der Uni mit einiger Freude bevorzugt »das Falsche« studiert zu haben: »Statt mich zum Beispiel im Thema ›Geld und Banken‹ zu verlieren, las ich die Bücher von Joseph Conrad. Ich hab's nie bereut.«
In allen Werken Bellows geht es um die Behauptung von Identität, Spontaneität und Freiheit, von sittlichen und kulturellen Normen gegen die Determinierung durch die Geschichte, eine Anstrengung, die teils als komisch, teils als absurd erkannt wird.
Dabei konnte Bellow zugleich streitsüchtig den Niedergang der zeitgenössischen Literatur beklagen und die Amerikaner dafür schelten, dass sie weniger denn je lasen. In einem Interview sagte er der Nachrichtenagentur Reuters 1998: »Es gibt nur ganz wenige wunderbare Schriftsteller. Und dann kommt das Feld, wie man bei Pferderennen sagt.« Philip Roth, Don DeLillo und Denis Johnson zählten zu denjenigen, die seinen Respekt genossen. Tom Wolfe dagegen tat er als »sehr begabten Journalisten« ab, der nur wenig von einem Roman-Autor habe.
Trotz einer traditionellen jüdischen Ausbildung wusste Bellow offenbar von Kindesbeinen an, dass er nichts anderes als Schriftsteller sein wollte. »Ich war schon ganz früh davon überzeugt, dass ich da bin, um bestimmte Dinge zu schreiben«, sagte er einmal. »Und von meinem 13. Lebensjahr an habe ich ständig daran gearbeitet.«
Bellow unterrichtete bis ins hohe Alter, wurde mit 84 Jahren nochmals Vater und veröffentlichte mit 85 seinen letzten Roman »Ravelstein«, der in den USA einen Sturm der Entrüstung auslöste. Hinter der »Ravelstein«-Figur verbirgt sich Allan Bloom, ein 1992 an Aids gestorbener Bestsellerautor, mit dem Bellow einige Jahre an der Universität von Chicago zusammen gearbeitet hat.
»Saul Bellow war nicht nur ein großer Schriftsteller, er war auch ein großartiger Lehrer und Freund - ein wunderbarer Mensch«, sagte der emeritierte Präsident der Universität von Boston, John Silber, der den Autor 1993 an die Hochschule geholt hatte.
[Quellen: Reuters; Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur; Internet]

Titel von Saul Bellow im Hörbuchbestand:

Titel von Saul Bellow in Punktschrift

LOUIS

[LEIPZIGER ONLINE UNTERSTÜTZUNGS- UND INFORMATIONSSERVICE FÜR SEHGESCHÄDIGTE]

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Musik archivieren mit »CD ex«, dem ultimativen CD-Grabber

ULRICH JANDER

Bereits vor einiger Zeit stellte ich ein Programm zum Umwandeln von Audio-CD’s in MP3 mit Hilfe des Computers vor. Herr Michael Staib bot mir einen Artikel über ein anderes, ähnliches Programm an. Da es relativ einfach und in Deutsch zu bedienen ist, möchte ich Michael Staib jetzt ungekürzt zu Wort kommen lassen:
»Besonders für Blinde stellt sich häufig die Frage nach einer geeigneten und übersichtlichen Archivierung der vielen über längere Zeiträume angeschafften Audio-CDs mit Musik, Hörspielen und so weiter. Manchmal übersieht man die eine oder andere CD im Stabel oder hat die eine oder andere sogar schon vergessen. Man hat einfach den Überblick verloren. Das Suchen, Einlegen und Wechseln der gewünschten Audio-CD in den althergebrachten CD-Player wird dabei für Blinde schon mal zum Problem. Auf der anderen Seite möchte man durchaus mal schnell einen Hit anspielen oder sogar auf einen der neuen MP3-Player über den USB übertragen oder sogar eine MP3-CD für den persönlichen Gebrauch brennen. Diese Probleme lassen sich recht schnell mit dem Computer lösen. Das Ordnersystem von Windows ersetzt dabei vorteilhaft die Regalfächer und die möglicherweise fehlende Beschriftung der CD-Hüllen. Die Sprachausgabe oder Punktschriftzeile sind dabei das ideale Werkzeug zum schnellen Auffinden und Abspielen der CD-Titel über das an den Computer angeschlossene Soundsystem, was unter Umständen auch die Stereoanlage sein kann.
Wie geht man nun bei der Archivierung vor ? Dafür braucht man einen so genannten CD-Grabber (englisch to grab : ergreifen, fassen, packen). Das Programm heißt ›CD ex Version 1.40 Beta 8 deutsch‹ und lässt sich unter
http://www.heinz4p.de/download/musik/cdex140b8d.exe
herunterladen.
Im folgenden soll von dem Archiv cdex140b8d.exe unter Windows XP SP2 unter Jaws 5.10 ausgegangen werden. Die Installation bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars, denn sie ist unproblematisch zu vollziehen nach dem Aufruf der Archivdatei cdex140b8d.exe. Es sollte eine vollständige Installation ausgewählt werden. Nach der Installation erscheint das Icon CD ex auf dem Desktop, über das das Programm CD ex aufgerufen werden kann. Es ist sinnvoll, diesem Icon eine Tastenkombination zuzuweisen.
In der Programmbeschreibung werden folgende SYSTEMANFORDERUNGEN genannt :

Auf Windows XP läuft das Programm ebenfalls. Die genannten Hardware-Voraussetzungen dürften eigentlich bei jedem modernen Computer gegeben sein. Im Zweifelsfall beim Händler oder Systembetreuer nachfragen.
Die Bedienung von CD ex ist aufgrund der Voreinstellungen sehr einfach. Dazu die Audio-CD in das Laufwerk einlegen und danach CD ex starten. Die Titelliste ist jetzt automatisch markiert, d. h., alle Titel sind ausgewählt. Jetzt Die Tabulator-Taste (Tab) drücken und man steht im Feld ›Künstler‹ und gibt hier den Künstlernamen ein (z.B. Johann Sebastian Bach), dann noch einmal Tab und man steht im Feld ›Titel‹ und gibt hier den Titel ein (z.B. Weihnachtsoratorium), dann noch einmal Tab und man kann ein Genre auswählen oder es bei unknown belassen, dann noch einmal Tab und man steht im Feld ›Jahr‹, das man aber auch frei lassen kann. Jetzt F9 drücken und das Programm beginnt die Übertragung auf die Festplatte. Dabei wird im Ordner Eigene Dateien ein Verzeichnis MP3 angelegt, in dem die aktuelle CD als MP3 abgelegt wird. Es erscheint dort also nach der Übertragung ein Ordner Bach, in dem ein Ordner Weihnachtsoratorium mit den nummerierten MP3-Titeln steht. Bei ganz modernen Audio-CDs sind die MP3-Titel nicht nur nummeriert, sondern tragen auch noch die Titelbezeichnungen, aber das ist nicht immer so.
Die Übertragung dauert bei schnellen Laufwerken 5 bis 10 Minuten, bei langsameren entsprechend länger.
Wird bei der nächsten Bach-Audio-CD für Künstler wieder Bach eingegeben und für Titel z.B. Orgelwerke, dann erscheint im Ordner Bach noch ein Ordner Orgelwerke. So lassen sich sehr systematisch übersichtliche MP3-Musikverzeichnisse geordnet nach Künstlern zusammenstellen. Die Mp3-Titel können dann sofort mit dem Media-Player abgespielt werden.
Wie schon erwähnt steht man nach dem Start von CD ex in der automatisch markierten Titelliste. Lässt man diese markiert, werden alle Titel übertragen. Wählt man mit den Pfeiltasten einen Titel aus der Liste aus, bleibt nur dieser markiert, und es wird nur dieser Titel auf Festplatte übertragen.
Das Programm CD ex kann auch noch vom Analogeingang des Computers (Audio in) kommende Signale im Ordner Eigene Dateien\MP3 in der voreingestellten Datei record.wav speichern, die man dann entsprechend weiterverarbeiten kann. Mit dem Lame-Encoder lässt sich daraus wieder eine platzsparende MP3-Datei herstellen. Dazu muss man ins Menü Extras gehen und den Menüpunkt ›von analogen Eingang aufnehmen‹ aktivieren, das Signal am ›Audio in‹ des Computers anlegen, dann Leertaste drücken und die Aufnahme läuft. Beendet wird die Aufnahme mit Alt-F4. So lassen sich alte Kassettenbestände leicht in platzsparenden MP3-Dateien auf der Festplatte archivieren.
Fazit : Das Programm CD ex bietet für Blinde sehr praktische und leicht bedienbare Archivierungsfunktionen zum Aufbau einer komfortablen Musikbibliothek im Computer.
CD ex ist Freeware und ein gelungenes MP3-Tool auf der Basis des integrierten bekannten Lame-Encoders. Wer sich mehr mit solchen Mp3-Tools beschäftigen möchte, findet auf der Seite
http://www.heinz4p.de/download/musik/musik.htm
sehr gute für Blinde getestete Programme zum Herunterladen.«

Für diesen Beitrag bedanke ich mich sehr herzlich bei Herrn Michael Staib. Ich möchte noch hinzufügen, dass die Bedienoberfläche von CD ex 1.40 in deutsch, jedoch die Hilfe in Englisch ist. Es gibt aber auch eine CD ex Version 1.51, die etwas umständlicher zu installieren ist, wenn man das Programm in deutsch bedienen möchte. Diese kann man herunterladen unter:
http://www.stillersite.de/download/cdex_de.zip.
Beide Versionen von CD ex können von mir in Leipzig bezogen werden, jedoch per Diskette kann ich nur die Version 1.40b8 verschicken (ca. 1,4 Mb.), da die Version 1.51 bereits als zip-Datei ca. 2 Mb. groß ist. Bei Diskettenversand bitte ich um Zusendung einer Diskette in einer Versandtasche mit Wendeadresse.
Für weitere Fragen zu CD ex oder zu anderen Themen stehe ich gern zur Verfügung; Sie können jedoch auch Michael Staib direkt kontaktieren unter:

Michael Staib
Comeniusstraße 66/0105
01309 Dresden
E-Mail: Michael.Staib@gmx.de
Viel Erfolg beim Ausprobieren und Arbeiten mit CD ex.
 

Info-Service

»Ratgeber aktuell« auch in DAISY

Die DAISY-Ausgabe der Zeitschrift »Ratgeber aktuell« startet zusätzlich zur Kassette mit der Ausgabe 8. Auslieferung ist am 22.07.05.
Nähere Auskünfte:
DZB Leipzig, Tel. 0341 7113-120
E-Mail: info@dzb.de

Reiselust und Bücherstaub

SUSANNE SIEMS

Das passt nicht zusammen, sagen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Nun, zumindest im Nachklang des VII. Boltenhagener Bücherfrühlings bin ich da anderer Meinung. »Literarisch Reisen« war das Thema der Anfang April im Aura-Hotel »Haus Seeschlösschen« stattfindenden Veranstaltung. Und das viertägige Programm bewies, dass Reisen und darüber Schreiben auf jeden Fall ein großes Thema in der Literatur ist. Sei es nun mit dem Übersetzer Matthias Jendis auf den Spuren Moby Dicks oder zu Fuß mit Wolfgang Büscher von Berlin nach Moskau unterwegs, eine Staubschicht durch zu langes Liegenbleiben war in keinem Fall zu sehen. Auch die DZB konnte einen Beitrag zu den seit 1999 veranstalteten Literaturtagen leisten. Für das Forum mit Wolfgang Büscher am Sonntagmorgen stellte sie leihweise fünf Polenkarten des Europaatlas zur Verfügung. Somit war es den blinden Teilnehmern der Veranstaltung möglich, die Wanderung anhand einer Karte nachzuvollziehen. Auf Interesse stieß auch das Gespräch mit dem Direktor der DZB, Dr. Thomas Kahlisch. Einigen Teilnehmern war die DZB bekannt, bei anderen konnten wir aber, auch mit dem Vortrag von Susanne Siems am Samstagnachmittag, neues Interesse an unserem Buchbestand und den Zeitschriftenangeboten wecken. Die »Deutschlandrevue«, eine quartalsweise von der DZB in Punktschrift und auf Kassette herausgegebene Zeitschrift, wurde in diesem Zuhörerkreis natürlich besonders erwähnt. Und nicht zuletzt auch für die DZB war der Bücherfrühling eine wichtige Begegnung mit zum Beispiel einem Hörbuchverlag der Region und der blinden Autorin Maxilore Edlich. So entstanden in den vier Tagen Kontakte, die sicherlich noch lange Zeit nachwirken werden.

Die DZB auf der SightCity!

Vom 11.-13. Mai findet in Frankfurt am Main wieder die internationale SightCity statt. In diesem Jahr können Sie die Mitarbeiter der DZB am Stand F 15 im Foyer antreffen. An einem Gemeinschaftsstand mit dem Landeshilfsmittelzentrum Sachsen und der Firma Multi-tech gGmbH geben wir Ihnen Informationen rund um unseren Service und die Angebote von Verlag und Bibliothek.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

»Das Alte Ägypten (Be)Greifen«

40 Berührungspunkte für Sehende und Blinde zeigt diese barrierefreie Ausstellung zur alt-ägyptischen Kultur. Im Gohliser Schlösschen in der Menkestraße 23, 04155 Leipzig (Eingang Poetenweg), ist die Sonderschau vom 28.05. - 02.10.2005 für alle Interessierten geöffnet.
Insbesondere Blinde und Sehbehinderte sollen die Ausstellungsobjekte u.a. aus den Gebieten altägyptischer Alltag, Königtum, Götterwelt und Totenkult ansprechen. Beschreibungen in Punktschrift und die Möglichkeit, alle Stücke zu berühren bieten Gelegenheit, die Kultur Altägyptens zu erleben. Die Ausstellung wird durch eine Audioführung abgerundet.
Mehr Informationen unter:
www.dzb.de/news/aegypten_begreifen.htm
 

Aus der Erklärung der Kultusministerkonferenz zur deutschen Rechtschreibung

1. Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die 1996 eingeführt wurde, bleibt nach dem Ende der für die Fehlerkorrektur in den Schulen eingeräumten Übergangszeit am 01.08.2005 verpflichtende Grundlage des Unterrichts. Hierzu gehören die Laut-Buchstaben-Zuordnungen (z.B. die s-Schreibung, das Zusammentreffen dreier Konsonanten und die Fremdwortschreibung), die Schreibung mit Bindestrich oder die Groß- und Kleinschreibung. Die strittigen Themen machen nur einen relativ geringen Teil des Gesamtumfangs aus.
2. Zu Teilbereichen der Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung und Worttrennung am Zeilenende hat der Rat für deutsche Rechtschreibung am 08.04.2005 nach seiner 3. Sitzung angekündigt, den staatlichen Stellen Änderungsvorschläge vorlegen zu wollen. Zur Getrennt- und Zusammenschreibung will er bereits Anfang Juni Beschlüsse fassen.
3. Änderungen in diesen Teilbereichen können nach Beschlussfassung im Rat und öffentlicher Anhörung von Verbänden zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt nach dem 01.08.2005 Grundlage des Unterrichts werden. Bei der Einführung der Änderungen sind die Belange der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen. Die Kultusministerkonferenz würdigt mit diesem Vorgehen die intensive Arbeit des Rates. Sie erwartet vom Rat bis Anfang Juni eine Übersicht, bis zu welchem Zeitpunkt er seine Änderungsvorschläge ausgearbeitet vorlegen und deren Auswirkungen darlegen kann, um diese insgesamt bewerten und deren Umsetzung auch mit den staatlichen Stellen in den übrigen deutschsprachigen Staaten abstimmen zu können.
Mit diesem, zwischen dem Vorsitzenden des Rates und der Kultusministerkonferenz abgestimmten Vorgehen ist sichergestellt, dass die Schulen die Rechtschreibung im nächsten Schuljahr auf einer verlässlichen Grundlage unterrichten können.
Unabhängig von den derzeit diskutierten Änderungsvorschlägen hat der Rat die Aufgabe, in den nächsten Jahren die Entwicklung der Rechtschreibung zu beobachten. Er kann Zweifelsfälle klären und ggf. Vorschläge zur Anpassung des Regelwerks vorlegen.
[Quelle: KMK-Pressemitteilung Bonn, 12.4.2005]

Erfolg für »Initiative Lebensweg«

Die »Initiative Lebensweg« aus Dresden (wir informierten in den DZBN 2003-6) hat vor Gericht ihren ersten großen Erfolg erstritten. Zur Erinnerung: Die Initiative setzt sich für Menschen ein, die als Folge sexueller Gewalt aus Inzest, sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung geboren wurden. Initiatoren sind Kerstin und Lutz Rößler aus Dresden, Herr Rößler ist blind und selbst betroffen.
Am 24.03.05 wurde Herrn Rößler vor dem Amtsgericht Dresden die Anerkennung als Inzestopfer zugesprochen. Laut Grundsatzurteil vom Bundessozialgericht Kassel haben Inzestopfer ein Anrecht auf Leistungen aus dem Opferentschädigungsgesetz. Rößlers haben somit erfolgreich demonstriert, was das Anliegen ihrer »Initiative Lebensweg« ist: allen Betroffenen Mut zu machen, ihre Rechte notfalls auch zu erstreiten.

Info: Initiative Lebensweg
Kerstin und Lutz Rößler
Telefon: 0173 9340259
http://www.prohlis-online.de/lebensweg
E-Mail: lebensweg@prohlis-online.de
 

Der cSc hat sich etabliert

AM 4. SEPTEMBER STARTET DER CAPP SPORT CUP ZUM 5. MALE

In Langenfeld geht es am 4. September zum fünften Mal wieder an den Start, in München schon am 28./29. Mai. Sportlerinnen und Sportler aus der Bundesrepublik und einer ganzen Reihe europäischer Nachbarländer sind dann wieder zu Gast in den beiden Städten, um das große Sportfest für Menschen mit und ohne Behinderung zu genießen.
Am Start waren bisher aktuelle Weltmeister wie Monique van der Vorst oder Johann Mayrhofer im Handbike, oder Michael Teuber, Goldmedaillengewinner bei den Paralympics als LC Radfahrer. Wiebke Meyke aus Langenfeld war 2004 mit sechs Jahren das Nesthäkchen auf ihren Inline Skates, die Seniorin Elisabeth Finzel aus Essen fuhr mit 83 Jahren noch immer auf dem Tandem mit.
Sportler und Besucher können sich jetzt schon für den 5. cSc am 28./29. Mai an der Olympia-Regattastrecke in München anmelden. Rund um den Freizeitpark in Langenfeld/Rheinland geht es beim 5. cSc am 4. September, dann heißt es wieder: »Gemeinsam rollt’s«.

München, 28. Mai 2005:

München, 29. Mai 2005

Langenfeld, 04. September 2005

Infos: www.gemeinsam-csc.de
E-Mail: b.weik@gemeinsam-csc.de
Telefon: 02173 270233, Fax: 02173 270232
[Quelle: Pressemitteilung]

Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €,
Schwarzschrift 12,30 €.
Diskette mit Jahreszusammenfassung ohne Beilage (nur für Braillezeile) 7,68 €.
(Preise zzgl. gesetzlicher MwSt.)

Online unter ww.dzb.de/zeitschriften/index.html

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Telefon: 0341 7113-135

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Sparkasse Leipzig
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DZB 2005