DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 2 – 2006
März / April
16. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Einblicke

Die DZB im Jahr 2005

Neue Chancen für Buchpaten

Titel für Buchpatenschaften

50 Jahre Hörbücherei - Wenn Bücher in die Jahre kommen oder anlässlich eines Geburtstages

Die Kramkiste

Christoph Hein: "Horns Ende"

Andrzej Piwowarczyk: "Das offene Fenster"

Bookflash

Cornelia Funke: "Herr der Diebe"

Bücher des Jahrhunderts

Milan Kundera: "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"

LOUIS

Die sprechenden Diktiergeräte "Milestone 310 und 311"

Die Rezeptverwaltung RkSuite - Ergänzung

Zweite Ergänzung zum kleinen Victor Reader Wave

Info-Service

Leipziger Buchmesse

"Leipziger Nachtschicht"

Schließtage der DZB 2006

"Tag der offenen Tür"

Boltenhagener Literaturfrühling 2006

"Landesgartenschau Wernigerode 2006 - Wir freuen uns auf Sie!"

Impressum

Vorbemerkung

Passend zur Leipziger Buchmesse hat diese Ausgabe viel Literarisches zum Inhalt. Im weiteren Sinn trifft das auch auf den Bericht "Die DZB im Jahr 2005" zu. Denn letztlich handelt es sich ja bei unserem Arbeitsgegenstand um Literatur.
Zur Messe passt auch die Einführung einer neuen Rubrik für junge Leserinnen und Leser: "Bookflash", zu deutsch etwa "Buchblitz" oder "-streiflicht" wird durchgängig von Schülern verfasst. Mehr dazu weiter unten.
Bevor ich sie aber nun in die Bücherwelt entlasse, noch ein paar Bemerkungen zu unserer "Leipziger Bücherliste". Die synthetische Aufsprache der Liste der DAISY-Übernahmen sorgt immer noch für Gesprächsstoff und Alternativvorschläge, die von Preiserhöhungen bis zur Nutzung externer Vorleser reichen.
Wir haben uns die Entscheidung für die Lesung mit synthetischer Stimme nicht leicht gemacht, die Erwägung alternativer Modelle wurde in die Entscheidungsfindung einbezogen. Abgesehen von der mangelnden Akzeptanz einer Preiserhöhung seitens jener Kunden, die mit der synthetischen Stimme zum alten Preis gut zurecht kommen, würden für die zusätzlichen Lesungen Aufnahmetechnik und -räume benötigt, die dann nicht für die Hörbuchproduktion zur Verfügung ständen - was einer Kapazitätsbeschränkung entspräche, die wir ja gerade vermeiden wollen. Eine Produktion außer Haus mit unausgebildeten Sprechern wiederum wäre bei der Aussprache fremdsprachiger Namen qualitativ wohl nur wenig von einer synthetisch erzeugten Wiedergabe zu unterscheiden.
Prinzipiell gilt: Wenn viel mehr Informationen als früher im gleichen Zeitraum zugänglich gemacht werden sollen, dann funktioniert das nicht mit den traditionellen Produktionsmethoden. Im konkreten Fall und angesichts des derzeitigen Standes der technischen Entwicklung bedeutet dies für die "Bücherliste" entweder Verzicht auf Information oder Verzicht auf Komfort. Wir haben uns dafür entschieden, Ihnen mehr Informationen anzubieten.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse

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Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

DAISY-Radio

»(…) Ich finde die Zeitschrift DAISY-Radio gut. Vor allem vermittelt sie viel Informationen. Was ich aber vermisse, das ist das Programm der 3 MDR-Rundfunksender Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Seit August 2004 kann man die Sender bundesweit hören. Diese Sender haben auch ein recht informatives Programm. Nach meiner Meinung sollten auch diese Sender unbedingt mit aufgenommen werden. (…)«
[Herr Bernd Hintermeier aus Attendorn]
Anmerkung der Redaktion
Vielen Dank für Ihren Vorschlag. Wir hatten im Vorfeld die Aufnahme dieser Programme erwogen, stellten aber fest, dass sie ein einfaches Programmschema aufweisen, das jede Woche nahezu gleich ist und darüber hinaus kaum Informationen enthält, die für die nähere Erklärung eines Programmpunktes wichtig wären, wie z.B. den Titel eines Hörspiels oder das Thema einer Sendung.
Wir werden Ihren Vorschlag gemeinsam mit allen anderen, die wir seit dem Start der Zeitschrift sammeln, nach einer gewissen Anlauffrist auswerten. Mal abwarten, wie viele Vorschläge und Anregungen uns bis dahin noch erreichen.

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Fehlende Bestellnummern

»(…) Beim Lesen der DZBN 1/06 fiel mir auf, dass in der ›Kramkiste‹ die Bestellnummern der im Bestand befindlichen Titel von Heinrich Heine und Hans Fallada nicht angegeben werden. Das finde ich nicht gut. Beim Bestellen dieser Titel können wir diese Bestellnummern nicht angeben und erschweren den Kolleginnen dann das Auffinden der Literatur. Kann man die Bestellnummern in Zukunft wieder mit angeben? (…)«
[Frau Marianne Webel per E-Mail]
Anmerkung der Redaktion
Auch zukünftig werden die Bestellnummern der empfohlenen Titel genannt. Nur bei einem besonders hohen Titelaufkommen, wie das in der letzten Kramkiste der Fall war, müssen wir aus Platzgründen auf die Nennung der Bestellnummern verzichten.

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CD-Bezeichnungen

»(…) Mir ist eine Sache in der Leipziger Bücherliste aufgefallen, die meiner Meinung nach leicht zu Verwirrungen führen könnte. Es geht um den Bereich Verkauf, dort ist die Angabe, dass ein Titel als CD-ROM erhältlich ist, nicht immer ganz eindeutig: handelt es sich dabei um eine Hör-CD (DAISY) oder um eine Daten-CD (Datenbestand als Grundlage für ein Suchprogramm)? (…)
Mein Lob für die Neuerung seit der Leipziger Bücherliste 6/05, mit der Liste der DAISY-Übernahmen von anderen Hörbüchereien in synthetischer Sprachaufbereitung. Nachdem in der Leipziger Bücherliste 4/05 gesagt wurde, dass eine Aufsprache dieser Übernahmeliste zu zeitaufwändig ist, und sie in Textform vorliegt, hatte ich mir nämlich auch schon überlegt, ob man sie nicht möglicherweise mit einer synthetischen Stimme vorlesen lassen könnte (…)
Im Allgemeinen gefallen mir die DZB-Nachrichten und die Leipziger Bücherliste sehr gut, und wenn einen mal ein Beitrag nicht interessiert, kann man ihn ja Dank der DAISY-Strukturierung leicht überspringen. Ich wünsche Ihnen also viel Erfolg für die weitere redaktionelle Arbeit. (…)«
[Herr Karsten Brüning aus Hannover per E-Mail]
Anmerkung der Redaktion
Vielen Dank für die berechtigte Anmerkung. Momentan zerbrechen wir uns noch den Kopf über eindeutige Bezeichnungen und Abkürzungen für die unterschiedlichen CD-Formate, die dann einheitlich in Katalogen, Datenbanken und Publikationen verwendet werden können.
Bei den angefragten Titeln handelt es sich um folgende Formate:

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Beförderung von Blindensendungen

»(…) Anfang 2007 soll das Briefmonopol der Post fallen. Müssen wir Blinden fürchten, dass damit auch die Portofreiheit von Blindensendungen gefährdet ist? Schon lange wundere ich mich übrigens darüber, dass ich immer wieder zugeklebte Blindenschriftsendungen erhalte. Ich dachte, Blindenschriftsendungen dürfen nicht zugeklebt werden. Ich verschließe meine Briefe immer mit einer Rundkopfklammer, ist das verkehrt? (…)«
[Herr Günther Schmohl aus Gernsbach]
Anmerkung der Redaktion
Sie machen das richtig, Blindensendungen müssen unverschlossen bzw. zu öffnen sein.
Informationen über veränderte Portobestimmungen liegen uns keine vor.

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Einblicke

Die DZB im Jahr 2005

Dr. Thomas Kahlisch
Die erste Abteilungsleiterberatung der DZB im neuen Jahr fand am 9. Januar statt. "Soll ich Zahlen nennen?", lautete die eher rhetorisch gestellte Frage von Jörg Klemm, Abteilungsleiter der Bibliothek. Und schon legte er los: "Wir haben 5.200 Hörbuchnutzer und seit kurzem 3.000 DAISY-Bücher in der Ausleihe." Die Studioleiterin, Anke Saurin, ergänzte: "2005 wurden von uns insgesamt 695 neue DAISY-Bücher produziert bzw. vor allem analoge Titel in das digitale Format gebracht."
Nach Auskunft der MEDIBUS Geschäftsstelle in Marburg - sie koordiniert die Hörbuch- und Punktschriftproduktion im deutschen Sprachraum und sorgt u. a. dafür, dass Doppelproduktionen vermieden werden - wies der Zentralkatalog Hörbuch am Ende des Jahres 2005 über 8.900 DAISY-Bücher aus, die bei den Hörbüchereien landauf und landab ausgeliehen werden können. DAISY ist - drei Jahre nach Einführung - in Deutschland zum Renner geworden. In den Zeiten der guten alten Kassettenkopie dauerte es schon mal 18 Monate, bis ein Buch, das in einer Hörbücherei aufgesprochen wurde, für eine andere Bibliothek kopiert und versandt, von dieser Bibliothek ins eigene Ausleihsystem übernommen und die Nutzer entsprechend informiert wurden.
Seit letztem Jahr kommen die Titel der anderen Hörbüchereien auf bis auf die letzte Datenspur gefüllten Wechselplatten in die DZB. Die Hörbuchausleihe kann sich im wahrsten Sinne des Wortes laben, an den Früchten der anderen Produktionsstätten. Natürlich sendet auch die DZB ihre Früchte fleißiger Arbeit an die anderen Bibliotheken weiter. So haben wir gemeinsam in MEDIBUS erreicht, dass aktuelle und digitalisierte DAISY-Titel viel schneller allen Nutzern zur Verfügung stehen. Den Rekord stellte die NBH Hamburg im Oktober auf, 10 Tage nach dem Erscheinungstermin traf die CD von Harry Potter 6 in der DZB ein. Die Fans waren begeistert, den neuen Abenteuern des Zauberlehrlings so schnell lauschen zu können.
Die steigende Nachfrage nach DAISY-Titeln gibt uns Recht und stellt die Entscheidungsträger von MEDIBUS vor neue Aufgaben, dem erhöhten Arbeitsaufkommen durch die Einführung effektiver Austausch- und Verteilungsverfahren Rechnung zu tragen.
Am 14. März 2006 wird die Hörbücherei der DZB 50 Jahre alt. Im vergangenen Jahr beendeten wir die analoge Produktion von Hörbüchern, den Freunden der Kassette stehen jetzt 8.065 Werke zur Verfügung. Die Neuproduktion wird nur noch im DAISY-Format angeboten. Hörangebote aus Leipzig stoßen immer mehr auf wachsendes Interesse, allein 2005 stieg die Nutzerzahl der Hörbücherei um 330 auf die oben bereits zitierten 5.200 Hörerinnen und Hörer. Die Nachfrage ist dabei ungebrochen hoch. Die DAISY-Ausleihe hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht und macht jetzt schon etwa ein Drittel des Hörbuchversands aus.
Entgegen mancher Unkenrufe wuchs auch die Nutzerzahl von Literatur in Brailleschrift. In der Punktschriftbibliothek gibt es jetzt 1.950 Leser, das sind 156 mehr als 2004. Die Ausleihe der schwarzen Punktschriftkoffer wuchs um 8 % gegenüber dem vorherigen Jahr.
Dank des Projektes DaCapo ist auch Schwung in die Notenausleihe gekommen, wobei sich zeigt, dass in der Regel die Musiker eher individuelle Unterstützung durch die Ausführung konkreter und zeitnah ausgeführter Übertragungsleistungen, als die reine Bibliotheksausleihe vorhandener Werke nachfragen.
Aufgrund einer umfangreichen Spende durch den "Verein Deutscher Blindenfreunde" aus Berlin wurde die Integration des Bestandes der Stuttgarter Blindenschriftbibliothek fortgesetzt. Es wird noch etwa zwei Jahre dauern, aber die Daten sind jetzt erfasst und die ersten Bücher sind ausgepackt und stehen damit wieder für die Ausleihe zur Verfügung. Palette für Palette müssen die Kisten nun gesichtet werden, die im Sommer 2004 aus Stuttgart nach Leipzig kamen. Die ausgepackten Bücher werden mit den Katalogdaten abgeglichen und wenn erforderlich repariert, bevor sie ihren Platz in den Magazinen der Punktschriftbibliothek finden.
Die Wissenschaftliche Bibliothek des Blindenwesens hat ihren Infobrief auf eine elektronische Fassung umgestellt und die Bestände der Zeitschrift "Die Gegenwart" auf Mikrofilm erfasst. Damit ist Sorge getragen, dass die langsam vergilbenden Blätter auch in Zukunft noch recherchiert werden können.
Das Projekt www.buch-patenschaft.de, was von Susanne Siems gemeinsam mit dem Förderverein der DZB ins Leben gerufen wurde, ist erfolgreich gestartet. Es konnten bereits 11 Personen bzw. Organisationen gewonnen werden, die mit einer Spende die Übertragung von Literatur in Blindenschrift oder als DAISY-Buch unterstützen.
LOUIS - den Lesern der DZBN natürlich längst vertrauter Beratungsdienst für sehgeschädigte Computeranwender - unterstützt nicht nur Neueinsteiger bei DAISY und den interessierten Laien in Sachen Soft- und Hardware, sondern inzwischen auch Web-Designer beim Test barrierefrei gestalteter Internetseiten. Im Rahmen eines an der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitäts-Bibliothek in Dresden laufenden Projektes "BRISBIB" war die DZB 2005 beauftragt, die Web-Angebote sächsischer Hochschulbibliotheken zu testen. Im Januar 2006 wurden die Ergebnisse des Testes in einem Workshop vorgestellt und weitere Schritte für eine verbesserte Gestaltung von Internet-basierten Bibliotheksangeboten abgestimmt.
Insgesamt sind jetzt über 3.200 verschiedene Werke - Punkschrift, Reliefs und Großdruck - im Verkaufsangebot der DZB. Besondere Verkaufs-Highlights waren auch im vergangenen Jahr die Kalender und Kataloge sowie der Europa-Atlas. Der neu gestaltete und jetzt wesentlich preisgünstiger hergestellte Reliefwandkalender legte bei den Verkaufszahlen kräftig zu. Die herstellerischen Arbeiten am Europa-Atlas sind abgeschlossen. Nach 5 Jahren steht jetzt Blinden und Sehbehinderten ein sehr umfangreiches Kartenwerk aller europäischen Länder zur Verfügung. Im Anschluss an dieses mit dem Klett-Perthes-Verlag Gotha gemeinsam umgesetzte Vorhaben steht nun der Welt-Atlas in den Startlöchern der thüringischen Kartografen und sächsischen Reliefspezialisten.
Der Absatz belletristischer Werke und von Kinderliteratur in Blindenschrift war 2005 rückläufig, obwohl auch hier viele neue Titel im Angebot sind und sich darunter Buchmarktbestseller befinden, wie z.B. "Tintenherz" und "Die Wilden Hühner" von Cornelia Funke oder der Thriller "Sakrileg" von Dan Brown. Dagegen konnten die Zeitschriftenabos leicht zulegen. Dies liegt am wachsenden Interesse an Hörzeitschriften im DAISY-Format und an dem neuen Angebot von TV- und Hörfunkprogrammen auf CD-ROM.
2005 übernahm die DZB verstärkt Aufträge, u. a. für die folgenden Firmen bzw. Organisationen:
Die Übernahme von Übertragungsaufträgen wird auch immer mehr zum Schwerpunkt der Arbeit des vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung geförderten Projektes DaCapo - zum Wiederbeleben der Braillenotenproduktion in Deutschland. Ein halbes Jahr vor dem Projektabschluss präsentierten die Mitarbeiter ihre bis dahin erreichten Ergebnisse auf einer internationalen Fachtagung "Bach - Access to Braille Music", die am 24. und 25. November 2005 in der DZB stattfand. Die 40 Teilnehmer aus 7 Ländern zeigten sich begeistert vom Engagement und Ideenreichtum der Konferenzorganisatoren. Der Erfahrungsaustausch mit internationalen Partnern und den blinden Anwendern verdeutlichte, wie wichtig es ist, effektive Verfahren der Übertragung von Musikwerken zu entwickeln und wie hoch der Bedarf der Berufs- und Laienmusiker ist, die für ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Arbeitsunterlagen zeitnah und in hoher Qualität bereitzustellen. Ein Mitschnitt der Veranstaltung in englischer Sprache kann in der DZB im DAISY-Format abgefordert werden. Die Konferenzbeiträge sind im Internet unter www.dzb.de/dacapo zu finden. Mit Auslaufen der Förderung des Projektes DaCapo wird die DZB ihr Engagement auf diesem Spezialgebiet fortsetzen und weiterführende Vorhaben umsetzen.
"XML-basierte Zeitschriftenproduktion" nennt sich ein im vergangenen Jahr eingeführtes Verfahren zur Erstellung und Übertragung von Zeitschriftenangeboten in Blindenschrift, Schwarzdruck, elektronischen Text und DAISY. "DZB-Nachrichten", "Ratgeber aktuell", "Das Gesundheitsmagazin" oder "Deutschlandrevue" erscheinen in verschiedenen Formaten. Mit dem neuen Verfahren werden die jeweiligen Ausgaben der Zeitschriften einmal erfasst und dann weitestgehend automatisiert in die unterschiedlichen Formate überführt. Die Entwicklung solcher und ähnlicher Technologien ist wichtig, wenn in der Zukunft dem stark wachsenden Informationsbedürfnis blinder und sehbehinderter Menschen Rechnung getragen werden soll. Ob Schulbücher, Zeitschriften oder das große Feld der Sach- und Fachbuchliteratur - ohne die Entwicklung geeigneter Verfahren zur schnellen und hochwertigen Übertragung von gedruckten Werken in die verschiedenen Darstellungsformen für Menschen, die "normal" Gedrucktes nicht lesen können, wie Blindenschrift, Großdruck oder elektronischer Text, werden die in Deutschland dringend benötigten Angebote nicht entstehen.
Die DZB produzierte 2005 171 neue Titel in Blindenschrift und 130 neue Hörbücher. Dank der vom Freistaat Sachsen bereitgestellten Investitionsmittel konnten das Zeiterfassungssystem sowie die PC-Technik in der Abteilung Blindenschriftherstellung modernisiert werden. Der am Anfang dieses Artikels beschriebene große Zuwachs an DAISY-Büchern bedingte eine Erweiterung des RAID-Systems, zur sicheren Aufbewahrung umfangreicher elektronischer Daten. Hier erhielten wir Hilfe durch unsere Nutzer. Viel Dank an alle, die die Arbeit der DZB 2005 finanziell mit einer Spende unterstützt haben. Die Bücher sind jetzt sicher abgespeichert und es ist auch noch genügend Platz vorhanden, dass sie sich vermehren können.
Aufgrund verstärkter Öffentlichkeitsarbeit und des großen Engagements des Fördervereins war die DZB auf vielen Veranstaltungen präsent und in den Medien vertreten. Das Medienecho auf die erste im DAISY-Format verfügbare TV-Zeitschrift war groß. Deutschlandfunk, der Bayerische Rundfunk, das engagierte Leipziger Studentenradio Mephisto und natürlich auch MDR-Info brachten Beiträge, die über die hörbare Programmzeitschrift informierten. So manchem Journalisten war nicht gleich klar, was blinde Menschen mit dem Fernsehprogramm anfangen können, nach dem Pressetermin hatten sie etwas dazugelernt.
Medienecho fand auch der Besuch des kenianischen Supersportlers Henry Wanyoike, dem die DZB anlässlich seines Besuches die Blindenschriftfassung seines Buches "Mein langer Weg ins Licht" übergab. Henry hat es so gut in Leipzig gefallen, dass er im Januar diesen Jahres gleich wieder vorbeischaute. Die 10 Grad Minus in Mitteleuropa beeindruckten ihn sehr.
Auf der Leipziger Buchmesse und der SightCity in Frankfurt am Main sowie bei vielen Hilfsmittelausstellungen und Einzelpräsentationen stellten Mitarbeiter der DZB ihre Angebote vor. Veranstaltungen wie eine Lesung der blinden Autorin Ruth Wunsch aus ihrem Buch "Mein buntes blindes Leben", im März in den Räumen des "Dialogs im Dunkeln", die Eröffnung der Ausstellung "Das alte Ägypten (be)greifen" - bei sommerlichen Temperaturen vor dem Gohliser Schlösschen und "Die schöne Magelone" - eine vom Förderverein getragene Kulturveranstaltung allererster Güte am 1. September - waren Höhepunkte der Öffentlichkeitsarbeit im vergangenen Jahr.
Bleibt noch nachzutragen, dass die DZB 111 Jahre alt geworden ist. Am 11.11. um 11.11 Uhr feierten dies die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bemerkenswert war ein von der Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Sylke-Kristin Deimig, organisierter und moderierter Wissenswettstreit, den übrigens die Studioleiterin gewann. Zur Unterhaltung trug auch der kurze Auftritt des "ältesten Benutzers" der DZB bei, und die Gelegenheit, in angenehmer Atmosphäre mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen.
1956 begann die Hörbuchausleihe in der DZB. Das Hörmagazin startete 10 Jahre später durch. Derzeit denken die Kolleginnen in der Bibliothek und Öffentlichkeitsarbeit noch über eine Überraschung für unsere Nutzer nach. Der Autor dieses Artikels wurde zur Vertraulichkeit verpflichtet, kann aber hier schon mal die Empfehlung aussprechen, die Ohren offen oder die Fingerspitzen sensibel zu halten. Die Leser der DZBN sowie die Hörer der im Sommer geplanten Info-Kassette bzw. -CD 2006 werden informiert.

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Neue Chancen für Buchpaten

Susanne Siems
Wie schnell die Zeit vergeht, das sehen wir am deutlichsten an unseren Kindern. Mein Sohn ist gerade Zwölf geworden, das jüngste Kind, sprich Projekt, für die DZB gerade ein halbes Jahr. In den DZB-Nachrichten Nr. 5/2005 warben wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, Buchpaten zu werden und damit unsere Produktion von Hör- und Punktschriftbüchern zu unterstützen. Der Aufruf für das vom Förderverein "Freunde der DZB" ins Leben gerufene Projekt hat offene Ohren und bereitwillige Spender gefunden. 8.000 Euro sind von Oktober bis Dezember 2005 für Buchpatenschaften auf dem Konto des Fördervereins eingegangen. Wir danken allen Spendern an dieser Stelle noch einmal recht herzlich.
Nun kommen, wie damals versprochen, die nächsten Titelvorschläge. Es lohnt sich, die Listen anzusehen, wir haben für jeden Geschmack etwas ausgewählt, sei es ein spannender Krimi von Petra Hammesfahr in der Hörbuchneuproduktion oder das für die Schule so wichtige große Tafelwerk in Punktschrift. Mag der ein oder andere von Ihnen den "Untertan" von Heinrich Mann aus der Schulzeit nicht in so guter Erinnerung haben, er ist und bleibt ein Stück Weltliteratur und ist bei uns auf der Suche nach einem Buchpaten für die Daisyfizierung. Doch genug der Beispiele, ich möchte Ihrer eigenen Wahl ja nicht vorgreifen.
Ab einer Summe von 100 Euro kann man Buchpate werden. Es ist auch möglich, bei einer Veranstaltung oder in einer Gruppe zu sammeln und sich dann gemeinsam als Buchpate eintragen zu lassen. Natürlich wissen wir, dass die Übernahme einer exklusiven Buchpatenschaft besonders viel Freude bereitet. Wir möchten Sie dennoch recht herzlich bitten, auch unsere kostenintensivere, aber sehr wichtige Punktschriftproduktion mit Teilpatenschaften zu unterstützen. Wir alle wissen ja, wie wertvoll es gerade für Kinder ist, die Punktschrift mit "richtigen" Büchern lesen zu lernen. So schön wie die neue Technik ist, das Gefühl, mit dem Finger über Pünktchen auf Papier zu tasten, sollte jedes Kind und jeder blinde Erwachsene wenigstens einmal erfahren haben. Also, auch 100 Euro für ein wesentlich teureres Werk helfen der Produktion.
Im Anschluss nun die Titelliste, die Sie ab sofort auch unter www.buch-patenschaft.de im Internet einsehen können. Für telefonische Auskünfte wenden Sie sich bitte an Frau Siems unter der Rufnummer 0341 7113-115.
Titel für Buchpatenschaften
Neuproduktion Punktschrift
Umschriften Punktschriftbibliothek
Neuproduktion Hörbuch
Hörbuch DAISY-Konvertierung

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50 Jahre Hörbücherei - Wenn Bücher in die Jahre kommen oder anlässlich eines Geburtstages

Susanne Siems
Langjährige Leser der DZBN kennen mich als diese vielleicht etwas skurrile Bibliothekarin, die durch die Magazine streift und mit den Büchern redet, "Magazingeflüster" habe ich das mal genannt. Das Eintauchen in das Bücheruniversum kann den Kontakt zu Menschen und dem wirklichen Leben nicht ersetzen, aber ich finde es nach wie vor beruhigend, wenn man rund 30.000 verlässliche Freunde im Rücken weiß, geduldige Mutmacher für schlechte Zeiten und kurzweilige Unterhalter für die guten. Anlässlich des 50. Geburtstages unserer Hörbücherei bin ich mit einem Buch aus unserem Schwarzschriftmagazin ins Gespräch gekommen. Folgen Sie mir in die 5. Etage der DZB. Dort schließe ich die schwere Feuerschutztür auf und gehe die Gänge entlang. Dann ziehe ich ein dünnes Bändchen in durchsichtigem Schutzumschlag aus dem Regal und frage neugierig:
"Hallo, wer bist denn du?"
"Hallo und schönen guten Tag auch! Ich bin ein Buch, ein Buch, hörst du! Weißt du, was das ist? Was, ich soll dich nicht beleidigen, natürlich kennst du Bücher, bist ja schließlich vom Fach? Ach, du hast ja keine Ahnung, wie schwer das Leben in meinem Alter ist. Die Kids heutzutage, die kennen mich nicht wirklich, die finden mich langweilig, nur schwarze Buchstaben auf weißem oder in meinem höheren Alter dann schon gelbem Papier. Heutzutage gibt es Comics, bunte Bildchen, nicht zu viel Text, sonst versteht man das ja nicht. Außerdem sagt man mir neuerdings nach, ich würde schlecht riechen, so muffig und angestaubt, wie ich im Laufe der Jahre geworden bin. Dabei liegt das nur daran, dass ich so selten an die Luft komme, immer in diesen dunklen Magazinen herumstehe. Aber ich will nicht jammern. Mir geht es, im Gegensatz zu vielen meiner Brüder und Schwestern, hier in der Leipziger Blindenbücherei recht gut. Hier werde ich ab und zu mal vorgekramt, in die Hand genommen, neugierig umgeblättert. Jüngst erst wieder."
Es fiel mir schwer, den Redeschwall zu stoppen. Dann gelang mir ein kurzer Einwurf. "Dass du erst kürzlich unterwegs warst, sehe ich an der fehlenden Staubschicht auf deinem Rücken. Aber kannst du mir erklären, wohin deine Reise ging, wenn doch die meisten DZB-Nutzer mit dem Lesen von Schwarzschrift so große Probleme haben? Und wer bist du eigentlich? Quatschst mich hier voll und hast dich noch nicht einmal vorgestellt."
"Entschuldigung, ich fange gleich an. Aber setz’ dich lieber auf diese Leiter hier, du weißt ja, alte Menschen erzählen gern aus ihrem Leben. Ein Irrtum, zu glauben, bei uns Büchern wäre das anders. - Also, geboren wurde ich 1894. Mein Vater hieß Martin Andersen-Nexö. Er gab mir den Namen ›Der Lotterieschwede‹. Vier Jahre hielt er mich versteckt, denn ich durfte erst 1898 in einem Sammelband erscheinen. Nur kurz zu meinem Inhalt, denn eigentlich will ich dir ja erzählen, wie es mir hier in der DZB ergangen ist. Also, Andersen-Nexö wollte zeigen, wie schwer das Leben der Arbeiter im 19. Jahrhundert war und wie wenig Chancen es gab, selbst aus diesem Elend herauszukommen. Der Lotterieschwede arbeitet in einem Steinbruch und will durch ein Los für seine Familie ein besseres Leben erlangen. Leider hat er damit kein Glück und aus Verzweiflung nimmt er sich am Ende das Leben. Andersen-Nexö hat sehr lange am Stil der Novelle gearbeitet und man merkt auch heute noch, wie viel literarische Kraft in den wenigen Seiten liegt."
"Wie dick bist du denn?", frage ich, um nun mal vom Inhalt weg zur eigentlichen Buchgeschichte zu kommen.
"Im Gegensatz zu den vielen Übergewichtigen heute bin ich fast magersüchtig zu nennen - nur 58 Seiten lang. Aber da bin ich auch gleich schon hier in der DZB. Man wird hier gut ernährt, nimmt in jedem Fall zu, wenn man bei euch zu Gast ist. Das ist mir in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gleich zweimal passiert. Erst war ich wochenlang bei den Menschen in der Abteilung für Blindenschriftproduktion und dann gleich noch in einem richtigen Studio, fast wie beim Rundfunk. Davon haben meine Brüder und Schwestern in Buchläden und Bibliotheken nur geträumt. Im Studio blätterte mich eine nette Dame ganz aufmerksam Seite für Seite um und las jedes Wort von Anfang bis Ende aus mir vor, Irmgard Lehmann hieß die Frau wohl. Das wurde alles auf so große Spulen aufgenommen, 9,5 Offenspulen sagten die immer dazu. Denn so kleine Kassetten oder CDs wie heute gab es ja noch nicht, nur diese voluminösen Tonbänder. Darum sagte ich ja auch, dass ich hier in diesem Haus ordentlich zugenommen habe."
Schnell, bevor mein Buch anfangen konnte über Gewichtszunahme zu jammern, nutzte ich seine Atempause für einen erneuten Einwurf.
"Aber das war vor fünfzig Jahren. Als Hör- und Punktschriftbuch bist du doch nun da. Aber du hast vorhin erzählt, du würdest immer noch auf Reisen durchs Haus gehen."
Und da fing es nun doch wieder mit seinem Gewicht an: "Ja, ich habe ein paar Diäten hinter mir. Erst wurde ich in den 70er Jahren von Tonband auf Kassette umgeschnitten. Das tat gar nicht weh, mein Inhalt blieb vollständig erhalten, nur der etwas aufgeblähte Umfang der Tonbänder reduziert. Und die jüngste Reise, das war der Besuch bei dieser Dame DAISY. Jetzt gibt es meinen Inhalt auf einer superschlanken Scheibe."
"Hast du da nicht Angst, dass dich als Buch nun gar keiner mehr ansieht? Du hast doch am Anfang so gejammert!"
"Ach weißt du, erstens bist du ja auch vorbei gekommen. Zweitens ist mir mein Äußeres weniger wichtig als das, was ich im Kopf habe. Ich weiß ja nun, wo ich schon so lange hier wohne, dass blinde und sehbehinderte Menschen mit meinem ursprünglichen Äußeren Schwierigkeiten haben. Da bin ich gern bereit, auch mal über ein paar Neuerungen nachzudenken - und, ich bin, wie du siehst, auch älter geworden als all die anderen Kleider für meinen Inhalt. Ich bin ein Optimist und ich denke, dass das, was in mir steckt, unsterblich ist. Ab und zu mal ein neuer Anzug, dass steht einem auch im Alter ganz gut."
Irgendwie fröhlich stellte ich das schmale Bändchen wieder ins Regal, schloss die Tür zum Magazin und ging an meinen Schreibtisch.

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Christoph Hein: "Horns Ende"

Angelika Müller
[Punktschriftbibliothek]
Vor über zwanzig Jahren erschien Christoph Heins Roman "Horns Ende". Ein Buch mit einer außergewöhnlichen Publikationsgeschichte. 1985 wurde es erstmalig im Ostberliner Aufbau-Verlag veröffentlicht. Das Besondere daran, es erschien ohne Druckgenehmigung und gegen den Willen der Genossen im SED-Politbüro. Dies war dem Mut und der Entschlossenheit des damaligen Verlegers zu verdanken, welcher das Verbot sowie den Entschluss der Zensurbehörden ignorierte und das Buch einfach drucken ließ. Innerhalb von zwei Tagen war die komplette Auflage vergriffen, noch ehe irgendjemand im Ministerium davon Kenntnis bekam.
Beim Lesen des Buches fragt man sich, warum es nicht erscheinen durfte. Geschildert wird der DDR-Alltag in den 50er Jahren, in einem kleinen Städtchen im Leipziger Umland. Sicherlich ist die Geschichte mit einem negativen Unterton erzählt, welcher aber nie systemfeindlich wirkt. Dargestellt werden nicht die Schwächen des Staates, sondern die der Menschen, welche in ihm leben. Beschrieben wird ein kleingeistiger Provinzialismus, wie er in jeder Gesellschaft anzutreffen ist, zu allen Zeiten und natürlich auch heute noch. Die Geschichte könnte genauso gut in der Gegenwart oder vor 100 Jahren spielen.
Schauplatz der Handlung ist besagter Ort mit dem Namen Bad Guldenberg. Was ist geschehen: Horn, der örtliche Museumsleiter, hat sich das Leben genommen. Er ist zum wiederholten Male wegen Lappalien mit dem Staatsschutz in Konflikt geraten. Nach seinem ersten Vergehen wurde er von einer höheren Position in Leipzig in die Provinz versetzt. Dieser Umstand beeinträchtigte Horn so stark, dass er ein in sich versunkenes und isoliertes Leben führte. Eine weitere Demütigung hätte der querköpfige Horn mit Sicherheit nicht ertragen und somit entschied er sich für den Freitod. Sein Ableben sorgte unter der Bevölkerung Guldenbergs für etlichen Unmut und beeinflusste das städtische Leben noch eine lange Zeit.
Das Besondere an diesem Buch ist, dass die Geschichte aus der Sicht einzelner Bürger erzählt wird. In jedem Kapitel erinnern sich die unterschiedlichsten Bewohner der Stadt an die Geschehnisse im Sommer 1957. Dadurch wirken die Personen sehr authentisch und glaubwürdig. Da ist zum einen der zynische und desillusionierte Apotheker Dr. Spodeck, welcher sich vom Geld seines rücksichtslosen und gehassten Vaters erpressen lässt. Da ist Kruschkatz, der zugereiste Bürgermeister, welcher Horn schon aus seiner Vergangenheit kennt. Da ist Thomas, der Sohn des Apothekers, der zur Zeit der Geschehnisse noch ein Kind war, sich aber genau an die Ereignisse erinnert: wie er sich bei den Zigeunern verdingte und dafür von seinem Vater bestraft wurde und wie er seine erste schüchterne Liebe zu Elske erlebte. Sie alle tragen ihren Teil bei zur Erinnerung an jenen Sommer, als Horn sich das Leben nahm.
Eine wahrlich meisterhafte Erzählung, welche viel mehr ist als nur ein Stück DDR-Literatur. Gerade der einfallsreiche Aufbau, in Form von autobiografischen Erinnerungen, lässt einen teilhaben am Geschehen sowie an den Empfindungen der einzelnen Charaktere.
Christoph Hein ist für sein vielfältiges literarisches Schaffen bekannt, welches Prosa, Theaterstücke und Essays umfasst. Oft schildert er Menschen, die in Konflikt mit Staat und Gesellschaft geraten und daran zugrunde gehen. In brillanter Weise analysiert er die gesellschaftlichen Widersprüche und "hebt deren Defizite ins Bewusstsein".
In der Punktschriftbibliothek können Sie folgende Werke von Christoph Hein ausleihen:
In der Hörbücherei sind folgende Titel Christoph Heins ausleihbar:

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Andrzej Piwowarczyk: "Das offene Fenster"

Jörg Klemm
[Hörbücherei]
Dieses Mal habe ich einen polnischen Krimi-Autor gewählt. Das von mir besprochene Schwarzschriftbuch erschien 1964 im Verlag Das Neue Berlin zu Berlin. Zuvor war der Kriminalroman in Polen und in Frankreich erschienen.
Zum ersten Mal in seinem Leben steht Major Gleb vor der Aufklärung eines Falles wie vor einem Buch mit sieben Siegeln. Der berühmteste Philatelist Warschaus ist ermordet worden, und ausgerechnet Gleb, der keine Ahnung vom Briefmarkensammeln hat, soll den Mörder zur Strecke bringen.
Mit Staunen betrachtet Gleb die bunte Welt der Sammler. Er besucht Klubs, macht Bekanntschaften; seine Suche führt ihn in die CSSR, nach Dresden und Erfurt. Jedes Mal glaubt er, die Spuren des Mörders entdeckt zu haben. Er mietet Taxen, fährt mit der Bahn, besteigt Flugzeuge, stürzt sich in Unkosten, doch immer, wenn er siegesstolz Ergebnisse meldet, erweisen sie sich als Reinfall.
Die Ereignisse überschlagen sich. Die Witwe des Philatelisten, jetzt Besitzerin des großen Briefmarkenschatzes, wird tot aufgefunden. Ein weiteres Verbrechen kann gerade noch verhindert werden. Der arme Major ist wirklich vollauf beschäftigt. Er muss nicht nur dem Mörder nachjagen, sich mit Katalogen herumschlagen, an Auktionen teilnehmen, sondern seine eigene Mutter, plötzlich von der Sammelwut gepackt, bringt Gleb noch zusätzlich in heikle Situationen. Und je mehr sich der Kriminalist mit dem Fall beschäftigt, je tiefer er in die Materie eindringt, desto gewaltiger ergreift ihn selbst die Leidenschaft der Philatelie.
Wie der Major trotz aller Schwierigkeiten und Enttäuschungen den Mord doch noch erfolgreich aufklärt, das schildert der Autor in einer spannenden Art und mit viel Esprit.

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Bookflash

In dieser neuen Rubrik wollen wir den Kramkisten-Empfehlungen gestandener Bibliothekare ein jugendliches Pendant zur Seite stellen: Buchempfehlungen von jungen Leuten für junge Leute. Natürlich wird dazu auch im Bestand der DZB gekramt, aber ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, was besonders junge Leserinnen und Leser interessiert und begeistert. Denn die Autorinnen und Autoren der Buchempfehlungen sind Schüler. Über Reaktionen unserer jungen Leserinnen und Leser würden wir uns freuen.
Die in dieser Rubrik enthaltenen Texte sollen zukünftig auf der Homepage der DZB auch als Podcast verfügbar sein und heruntergeladen werden können.
Die Autorin unserer heutigen Buchempfehlung, Sarah Formann, ist 16 Jahre alt und besucht ein Gymnasium in Leipzig.

Cornelia Funke: "Herr der Diebe"

Sarah Formann
Ich hatte das Buch zufällig entdeckt. Sein blauer Buchumschlag mit dem Bild der Rialto-Brücke, auf der ein maskierter Junge stand, machte mich neugierig. Ich selbst war schon einmal mit meiner Mutter im Sommerurlaub durch Venedig spaziert und für mich war diese Stadt immer noch eine der schönsten.
Es dauerte eine Woche und ich hatte den "Herrn der Diebe" zu Ende gelesen.
Die Geschichte handelt von den Brüdern Prosper und Bo. Nach dem Tod ihrer Mutter kommen die Beiden zu ihrer kaltherzigen Tante Esther Hartlieb und ihrem Mann. Tante und Onkel wollen die Brüder trennen: der kleine Bo soll bei den Verwandten leben, sein großer Bruder hingegen in ein Internat gesteckt werden. Doch die Beiden trotzen und fliehen an den Ort, wo sie ihrer geliebten Mutter noch am nächsten sind: Venedig - eine Stadt voller Geheimnisse, von der ihre Mutter ihnen so viel erzählt und geschwärmt hatte.
Dort angekommen, müssen die Brüder allerdings feststellen, dass das Leben auf den kalten und dunklen Straßen Venedigs hart ist. Und so kommt es ihnen ganz recht, als sie ein maskierter Junge namens Scipio in ein altes Kino führt, wo sie zunächst bleiben können. Doch sie sind nicht allein: im alten Kino wohnen auch Riccio, Mosca und Wespe. Alle sind sie Waisenkinder und alle werden sie von Scipio angeführt, welcher sich als Herr der Diebe entpuppt. Schnell freunden sich Prosper und Bo mit den Kindern an und begreifen, wie sie sich über Wasser halten: Scipio stiehlt Dinge und gibt es den anderen, die es dann bei Barbarossa, einem Händler, verkaufen.
Was die beiden Brüder nicht wissen, ist, dass ihre Tante einen Detektiv namens Viktor Getz beauftragt hat, um sie zu finden. Dieser beginnt die Straßen Venedigs systematisch abzusuchen.
In der Zwischenzeit haben sich die Ereignisse bei den Kindern überschlagen: ein geheimnisvoller Mann, welcher sich als Conte ausgibt, beauftragt die Kinder, für ihn einen hölzernen Flügel zu stehlen. Sie beginnen sich auf die Mission vorzubereiten und kundschaften das Haus aus, in dem sich der Flügel befinden soll.
Am Vorabend des Abenteuers findet Viktor Getz schließlich die Brüder, doch diese überrumpeln ihn und halten Viktor im Versteck gefangen. Der Detektiv kann aber das Vertrauen der Kinder gewinnen und freundet sich mit ihnen an.
Bei seiner Suche nach Prosper und Bo hat Viktor eine Menge über den "Herrn der Diebe" herausgefunden: Als er wegen eines Diebstahls in das Haus des reichen Dottor Massimo kommen musste, entdeckt er Scipio, der sich als Dottor Massimos Sohn herausstellt. Nun wird klar, das Scipio eigentlich gar kein so großer Dieb ist, wie er immer sagt, sondern die Sachen nur aus dem Haus seines Vaters stiehlt. Als die Kinder das mitbekommen, wenden sie sich von Scipio ab und beschließen den Flügel ohne ihn zu holen. Dies ist der Anfang eines aufregenden Abenteuers.
Cornelia Funkes Jugendroman ist unter anderem mit dem Preis der Jury junger Leser und dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet worden. Auch war der "Herr der Diebe" für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Das Buch ist für alle Leser, die dem italienischen Charme unterliegen und gern träumen. Für mich ist dieser Roman einer der schönsten in der deutschen Jugendliteratur. Man muss dieses Buch einfach lieben.
Für alle Kinofreunde läuft die Verfilmung des "Herrn der Diebe" derzeit im Kino und wenn man den Film verpasst haben sollte, erscheint dieser sicher bald auf DVD.

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Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.
Wir setzen heute fort mit Position:
Nr. 100: P. Drucker: "Management: Tasks, Responsibilities, Practices". (1984)
Nr. 101: Milan Kundera: "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins". (1984)

Milan Kundera: "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"

Milan Kundera wird am 1.4.1929 in Brünn geboren. Sein Vater, der Rektor der Musik-Hochschule in Brünn, war Janácek-Schüler. Bereits als Gymnasiast schreibt Kundera seine ersten Gedichte. Als 18-Jähriger tritt er der Kommunistischen Partei bei. 1953 erfolgt die Veröffentlichung des ersten Gedichtbandes "Der Mensch ist ein weiter Garten". Seit Mitte der fünfziger Jahre beteiligt sich Kundera aktiv am literarischen Leben des Landes als Dichter, Essayist, Übersetzer, Theaterautor und schließlich als Prosaautor.
1958 erfolgt der Abschluss an der Prager Filmhochschule, bis 1968 ist Kundera dort Assistent und Dozent sowie redaktionelles Mitglied bei den Literaturzeitschriften "Literarni noviny" und "Listy". 1968 folgt die Entlassung aus der Hochschule nach dem Einmarsch der Sowjets am 21.08.1968. Kundera erhält Publikationsverbot, seine Bücher werden aus allen öffentlichen Bibliotheken entfernt. 1975 emigriert Kundera nach Frankreich, wo er eine Gastprofessur an der Universität Rennes erhält. 1979 wird ihm als Reaktion auf das Buch "Vom Lachen und Vergessen" die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft entzogen. 1980 bekommt Kundera die französische Staatsbürgerschaft. Der Autor lebt in Paris.
Die Erstausgabe des 1982 geschriebenen Romans "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" erschien 1984 in Paris in französischer Übersetzung, die tschechische Ausgabe ein Jahr später in Toronto 1985.
Eine Liebesbeziehung des Chirurgen und Frauenhelden Tomas zur Serviererin Teresa, die er heiratet, wie auch zu seiner Freundin, der Malerin Sabina, steht im Vordergrund einer Geschichte, die sich um das Jahr 1968 in der Tschechoslowakei entfaltet. Der gescheiterte ›Prager Frühling‹, die Emigration, das Leben im ›Westen‹ und in der ›normalisierten‹ Tschechoslowakei bilden den Rahmen für eine Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen und existentieller Begriffe.
Tomas, erfolgreicher Chirurg an einem Prager Krankenhaus, hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und sucht erotische Abenteuer ohne emotionale Abhängigkeit. Er lernt Teresa, eine Kellnerin aus der Provinz, kennen, die ihn liebt und ihn ganz für sich beansprucht. Teresa ist mit großen Gefühlen gesegnet und kann sich mit der Unverbindlichkeit kurzweiliger erotischer Beziehungen nicht abfinden. Sie drängt sich in sein Leben, quält ihn mit ihrer Eifersucht und leidet unter seinen Eskapaden.
Die politischen Verhältnisse spielen in diese Beziehung hinein. Der Prager Frühling wird niedergeschlagen, Tomas und Teresa fliehen in die Schweiz. Dorthin verschlägt es auch die Malerin Sabina, eine von Tomas' Geliebten aus Prag, zu der er sich erneut hingezogen fühlt. Teresa ist dieser Konstellation nicht gewachsen und kehrt, obwohl sie das sowjetische Besatzungssystem hasst, in die Heimat zurück. Tomas "erkrankt an Mitgefühl" und reist ihr nach.
In Prag verlangt die neue Führung von dem Chirurgen, dass er eine Ergebenheitsadresse unterzeichnet, was Tomas aber ablehnt. So wird der Mediziner schließlich Fensterputzer. Teresa und Tomas widerstehen diversen Erpressungen des Regimes, ohne jedoch zu bewussten Dissidenten zu werden. Schließlich ziehen sie sich aufs Land zurück. Bei einem Autounfall kommen beide schließlich ums Leben.
Kundera stellt in dem Roman Episoden und Analysen, Rückblicke und essayistische Reflexionen gegenüber, mischt dramatische Schilderungen mit psychologischen und philosophischen Überlegungen. Das Geschehen wird häufig von Kommentaren des Erzählers unterbrochen, welche die Ereignisse einordnen und das tragische Geschehen sowie die zuweilen stereotypen Konstellationen ironisch brechen. Die Reflexionen vermitteln den Figuren Reiz und Glanz. Trotz der zahlreichen erläuternden Passagen bleibt der Roman stets eng an seinen Figuren und zieht seine erzählerische Kraft aus den geschilderten Details, die der beachtlichen Beobachtungskunst des Autors entspringen.
"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" war ein literarischer Welterfolg und der populärste der großen Romane der 1980er Jahre. Das Buch machte Kundera auch in Deutschland einem größeren Publikum bekannt, nachdem er in Frankreich und den USA bereits seit langem als Romancier von großem literarischem Gewicht galt.
Von zahlreichen philosophischen Reflexionen (z.B. über das Phänomen ›Kitsch‹) begleitet, wird der Roman zur Analyse der Möglichkeiten menschlicher Kommunikation in der heutigen Gesellschaft.
Mit Tomas und Teresa hat Kundera eines der glaubhaftesten Liebespaare der modernen Literatur geschaffen. An ihnen und ihrem Schicksal werden die Ungereimtheiten Europas bloßgestellt; an ihnen messen sich die Begriffe "Exil" und "Freiheit" und was Ideologie für den Einzelnen bedeutet.
[Quelle: www.hanser.de; Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. (c) Alfred Kröner Verlag; Kaiser, Joachim: Harenberg Buch der 1000 Bücher. Harenberg, 2002.]
Weitere Titel von Milan Kundera in der DZB:
Punktschrift
Hörbuch

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LOUIS

[Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte]
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de). Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Die sprechenden Diktiergeräte "Milestone 310 und 311"

Ulrich Jander
Herr Dr. Hans-Eugen Schulze aus Karlsruhe teilte uns mit, dass oben genannte Aufsprachegeräte besonders gut für die Anwendung durch blinde bzw. sehbehinderte Personen geeignet sind. Dies trifft insbesondere für das Milestone 310 zu. Es ist einfach in seinem Aufbau, mit lediglich fünf Tasten lässt sich das Gerät bedienen, und es sind beliebig viele Sprachaufzeichnungen über eine Gesamtlänge von 2,5 Stunden möglich.
Das Milestone 311 ist um einiges komplexer; es hat nicht fünf, sondern sechs Bedientasten, besitzt einen an der rechten Seite liegenden Schlitz für eine SD/MMC-Speicherkarte, die bis zu zwei GB Speicherkapazität haben kann. An das 311 lassen sich auch an der Vorderseite externe Geräte, wie Mikrofon mit Vorverstärker oder CD-Player bzw. Kassettengeräte, anschließen. Milestone 311 kann auch zum Datenaustausch mit dem PC über den USB-Anschluss verbunden werden.
Milestone 310 und 311 sind Winzlinge, Kreditkartenformat. Sie besitzen ein eingebautes Mikrofon und einen Lautsprecher. Kopfhörer ist an der Vorderseite anschließbar. Der hochwertige Akku kann mit dem mitgelieferten Ladegerät an der Rückseite des Milestone innerhalb von drei bis vier Stunden aufgeladen werden.
Milestone 310 (Preis: 209 Euro) und 311 (Preis: 319 Euro) sind im Landeshilfsmittelzentrum (LHZ) in Dresden erhältlich (Tel.: 0351 8090624, E-Mail: lhz@bsv-sachsen.de). Der Verein zur Förderung der Blindenbildung (VzFB) in Hannover bietet den Milestone 311 für den gleichen Preis an (Tel.: 0511 95465-0, E-Mail: v.vzfb@vzfb.de).

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Die Rezeptverwaltung RkSuite - Ergänzung

Ulrich Jander und Diana Droßel
Frau Diana Droßel übersandte mir per Mail den nachstehenden Beitrag, der hier ungekürzt wiedergegeben werden soll. Ich freue mich, wenn auf diese Weise ein von mir aufgeworfenes Thema fortgeführt und aktualisiert werden kann. Ein herzliches Dankeschön an Frau Droßel, verbunden mit der Hoffnung, dass derartige Reaktionen öfter eintreten mögen. Nun der Beitrag von Diana Droßel:
In der Ausgabe 4/2005 der DZBN hat Michael Staib einen sehr guten und ausführlichen Bericht zur Rezeptverwaltungssoftware RkSuite geschrieben.
Diese professionelle Software ist nicht nur bei sehenden Köchen sehr beliebt, Blinde können - egal mit welchem Screenreader - sie komplett bedienen. Das Planen von festlichen Menüs und natürlich auch das Kochen machen da gleich noch einmal so viel Spaß.
Ich möchte an dieser Stelle das außerordentliche Engagement der Autoren hervorheben, die keine neue Version veröffentlichen, bevor nicht gewährleistet ist, dass sie auch weiterhin von Blinden oder Sehbehinderten zu nutzen ist.
So hat z. B. der alte umständliche Registrierungsdialog inzwischen einen Menüpunkt erhalten. Er kann auch von Computerneulingen leicht ausgeführt werden. Man muss einfach nur den Inhalt der Registrierungsmail unter Hilfe/Registrierungsdaten mit Strg+V einfügen und schon ist die Registrierung abgeschlossen.
So gut wie allen Programmpunkten sind inzwischen Tastenkombinationen zugeordnet und an den verschiedensten Stellen im Programm ist es jederzeit möglich, mittels Contextmenü aktiv verfügbare Befehle aufzurufen.
In der aktuellen Version 1.1 gibt es noch einige andere Highlights, die das Leben einfach angenehmer machen.
Das Engagement von IAU Soft und die unermüdliche Hilfsbereitschaft von Ilka Spieß und Ulli Fetzer, wenn es um Probleme geht, runden die Einmaligkeit dieses Programms ab. Wenn so etwas Schule machen würde, wäre Barrierefreiheit kein unbekannter Begriff, sondern alltägliche Wirklichkeit.
Die RkSuite kann von folgender Downloadseite herunter geladen werden:
http://www.rezkonv.de/software/rksuite
Da durch im WWW verbreitete veraltete Versionen unnötige Servicezeit verursacht würde, darf ein direkter Downloadlink nicht angegeben werden, ebenso ist der Bezug einer Version von anderen Quellen verboten, da Aktualisierungen der RkSuite auch bei kleinen Änderungen direkt vorgenommen werden.
Dies ist die einzige Vereinbarung zum Erhalt einer professionellen Software, die in allem für registrierte Nutzer kostenlos ist. Registration ist hier das Messinstrument für die Sinnhaftigkeit des Programms/des Engagements.

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Zweite Ergänzung zum kleinen Victor Reader Wave

Ulrich Jander
Im letzten Heft der DZB-Nachrichten schrieb ich, dass kleine Fehler dem Victor Wave anhaften, z. B. nicht zuverlässiges Springen von Satz zu Satz.
Dies ist nunmehr behoben. Es steht ein neues Update der Wave-Firmware mit Versionsnummer 1.1.1 zur Verfügung. Dieses gestattet insbesondere das exakte Springen von Satz zu Satz, das sogenannte Phrasenspringen. Auch in der umfangreichen Fernsehprogrammzeitschrift "DAISY-TV" tut diese Funktion exakt ihren Dienst, jedoch nicht so sehr schnell. Dass der Wave in seiner Funktionalität immer etwas langsamer als seine größeren Brüder Classic und Classic plus ist, mag bekannt sein. Das hat sich auch nicht geändert. Ein paar Sekunden länger benötigt der Victor Wave, um von einem Punkt zum anderen zu springen, gleich, auf welcher Ebene er dabei ist.
Die neue Version 1.1.1 der Firmware des Wave kann man aus dem Internet unter www.humanware.com über den Link Victor, anschließend unter Download bei ausgewählter Sprache Deutsch bzw. German herunterladen. Nach dem Auspacken der Programmdatei ist ein Image auf eine leere CD zu brennen. Diese legt man in den Victor Wave ein und startet das Gerät. Eine sprachliche Meldung erfolgt leider nicht. Ca. zwei bis drei Minuten sollte man den Wave unberührt lassen. Sobald er kein Geräusch hören lässt, ist er mit dem Update von 1.0.8 auf 1.1.1 fertig. Während dieses ganzen Vorgangs muss der Victor Wave am Netz betrieben werden. Wer keinen Internetzugang und keine Updatemöglichkeit besitzt, kann sich in Ausnahmefällen an mich wenden. Ich werde ein Update auf CD erstellen und dann zuschicken.
In der jetzigen Form und Funktionalität ist der kleine Victor Wave ein passables und brauchbares Gerät, welches seine Stärken vor allem im geringen Gewicht und in der kleinen Größe hat. Wenn man seine etwas langsamere Funktionalität akzeptieren kann, ist der Wave durchaus zu empfehlen, vor allem für unterwegs.

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Info-Service

Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse findet vom 16. bis 19. März statt. Die DZB ist wieder mit einem eigenen Stand vertreten: Halle 3, Stand B 307.

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"Leipziger Nachtschicht"

Am 06. Mai 2006 beteiligt sich die DZB erstmals an der "Leipziger Nachtschicht".
Museen, Institute und nun auch die DZB öffnen einen ganzen Abend lang ihre Pforten, um interessierten Mitmenschen die jeweilige Einrichtung näher zu bringen. Zum Thema "Transit" erwarten wir Maxilore Edlich, die den Besuchern Reiseberichte vortragen wird. Die Mitarbeiter zeigen, wie Punktschrift und auch Reliefs hergestellt werden. Denn diese finden als Karten oder Atlanten auch Verwendung zur Illustration von Reisebeschreibungen. Historische Materialien zum Thema Transit und Reise werden den Abend abrunden.
Also schon mal vormerken: 6. Mai ab 19 Uhr!

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Schließtage der DZB 2006

An folgenden Tagen ist die DZB geschlossen:

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"Tag der offenen Tür"

Am 9. September ist der nächste "Tag der offenen Tür" in der DZB. Gäste sind uns herzlich willkommen. Größere Gruppen werden um vorherige Anmeldung unter Telefonnummer 0341 7113-131 gebeten.

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Boltenhagener Literaturfrühling 2006

Dr. Jürgen Trinkus
Literaturfreunde, die gestandenen Autoren in entspannt aufgeschlossener Atmosphäre begegnen möchten, kommen auch in diesem Jahr im "Haus Seeschlösschen" auf ihre Kosten. "Im Dickicht der Erinnerungen" lautet das Thema des 8. Boltenhagener Literaturfrühlings, der vom 7. bis 11. April 2006 stattfindet.
"Das schönste am Gedächtnis sind die Lücken" hat Peter Ensikat sein aktuelles Buch genannt. Der Chef des Berliner Kabaretts "Die Distel" liest zum Auftakt unseres kleinen, feinen Literaturfestivals.
"Rückwärts immer…" ist der beziehungsreiche Titel des aktuellen Buches über deutsches Erinnern, mit dem der ZEIT-Publizist Christoph Dieckmann zu uns kommt.
Dass Carola Stern sich überreden ließ, zur Lesung nach Boltenhagen zu kommen, sehen die Veranstalter als besonderen Lohn für langjährige Qualitätsarbeit. Seit sie ihr Journalistenleben als Chefkommentatorin des WDR beendet hat, hat Carola Stern eine Reihe biographischer und autobiographischer Bücher in die Bestsellerlisten gebracht. Zu unserem Thema passen vor allem: "In den Netzen der Erinnerung" (1986), "Doppelleben" (2001) und "Eine Erdbeere für Hitler" (2005).
Den Reigen der abendlichen Autorenlesungen beschließt Peer Boom. Über seine schwierige Beziehung zu Günter Guillaume, der als "Kanzlerspion" in die deutsche Geschichte einging, hat dessen Sohn sein Buch "Mein fremder Vater" veröffentlicht.
Alle Autoren, die abends lesen, wohnen mit den aus ganz Deutschland anreisenden Teilnehmern unter einem Dach. Das macht eine im Vergleich zum allgemeinen Literaturbetrieb deutlich entkrampftere Umgangsweise möglich. Eine Lesung kann "überschlafen" werden, bevor das Gespräch mit dem Autor stattfindet.
Das hier skizzierte Programm wird ergänzt durch die traditionellen Rubriken, in denen sich ein Verlag der Region, eine deutsche Blindenbücherei und schreibende Teilnehmer vorstellen. In diesem Jahr freuen wir uns auf die Evangelische Blindenhörbücherei, Pastor Erich Arndt aus Bützow und die Bielefelder Autorin Sigrid Lichtenberger.
Ausführlichere und ständig aktualisierte Informationen finden sich im Internet unter www.klangkontext.de.
Informationen über noch freie Plätze zum Pauschalpreis von 228,00 € erhalten Kurzentschlossene im Aura-Hotel "Ostseeperlen" im Ostseebad Boltenhagen, Tel.: 038825 3700; Fax: 038825 37043; E-Mail: ostseeperlen@t-online.de
Buchtipp:
Peter Ensikat: "Was ich noch vergessen wollte." - Peter Ensikat, geistreicher Spötter, intelligenter Querdenker und Kabarett-Klassiker auf DDR-Bühnen, blickt zurück auf vierzig Jahre Diktatur und zehn Jahre Demokratie: Nicht alles war schrecklich, nicht alles ist schön. Der genaue Beobachter ruft dazu auf, endlich die Ost-West-Brille abzunehmen. Sympathisch, bissig, unbequem, glanzvoll ironisch und unaufdringlich klug. (3 Bde., kzp.98rR, BNA 10670)

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"Landesgartenschau Wernigerode 2006 - Wir freuen uns auf Sie!"

Vom 15. April bis zum 8. Oktober 2006 ist Wernigerode Gastgeber der 2. Landesgartenschau in Sachsen-Anhalt. Mehr als 100 zauberhafte Themengärten, 33 Hektar Blüten und Co., Kunst, Kultur und Naturerlebnis entlang der 1,2 km langen Seepromenade erwarten die Besucher.
Die Landesgartenschau Wernigerode 2006 GmbH hat anlässlich dieses Großereignisses eine Informations-CD für blinde- und sehbehinderte Menschen erstellt. Sie enthält wertvolle Informationen, die Ihren Besuch auf der Landesgartenschau in Wernigerode erleichtern und ihn zu einem Erlebnis machen können. Nebst der CD wurde ein Tastmodell der Landesgartenschau erstellt, das in der Blumenhalle zu erleben ist.
Die CD ist zum Versandkostenpreis bei folgender Adresse zu bestellen:
Landesgartenschau Wernigerode 2006 GmbH
Marktplatz 1 / 38855 Wernigerode
Telefon 03943 654-155
Telefax 03943 654 193
E-Mail: info@landesgartenschau-wernigerode.de
www.landesgartenschau-wernigerode.de

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich. Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«. Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €. Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
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