DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 3 – 2006
Mai / Juni
16. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Nachlese

Lob

Einblicke

"Vergleich von Äpfeln und Birnen"

Barrierefreie Bibliotheken

Wie war das damals?

Der Füllfederhalter, der Kugelschreiber und die Blinden

Die Kramkiste

Max Frisch: "Homo faber"

Lion Feuchtwanger: "Die Geschwister Oppermann"

Bookflash

Tad Williams: "Der Blumenkrieg"

Bücher des Jahrhunderts

Stephen W. Hawking: "Eine kurze Geschichte der Zeit"

LOUIS

Der DAISY-Leser Version 2.0 ist da!

Wenn das DAISY-Buch aus zwei oder mehreren CDs besteht …

Info-Service

Europa-Atlas komplett

Wegbeschreibung zum Leipziger Zentralstadion

DZB auf der SightCity

Von Büchern und ihren Paten

2.200 km für Bildung und gegenseitiges Verstehen

Barrierefreie Nutzung von Windows XP

Barrierefreie Arbeitsplätze der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Kostenlos mit PABS telefonieren

INCOBS - Informationspool

Marktoffensive von Papenmeier

Augentrost und Augenpflege

Impressum

Vorbemerkung

Die letzten Wochen standen ganz im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums unserer Hörbuch-produktion. Dr. Thomas Kahlisch berichtet u.a. von der Festveranstaltung, die anlässlich des Jubiläums stattfand. Dass bei soviel Beschäftigung mit dem Hörbuch die Punktschrift nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgt ein Artikel von Dr. Werner Uhlig.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse

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Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Nachlese

»(…) Eine Frage zur Bücherliste mit den synthetisch gesprochenen Übernahmen aus anderen Bibliotheken: Ich komme damit klar, kann man es auch wie beim Marburger Kopfhörer machen, die spielen den Titel und den Klappentext von der DAISY-CD ein, oder ist die Sache zu aufwändig? (…)«
[Herr Gerald Lohmann aus Schönebeck/Elbe per E-Mail]
Anmerkung der Redaktion
Dafür müssten alle Hörbüchereien die Bücher in der gleichen DAISY-Struktur aufbauen. Leider war das bisher nicht immer der Fall.

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Lob

»(…) schon längst einmal wollte auch ich Ihnen schreiben, um mitzuteilen, dass mir die Gestaltung der DZB-Nachrichten und deren informative, anregende und häufig auch witzig geschriebene Beiträge äußerst gut gefallen.
Auch der Beitrag von Frau Siems hat mich daran erinnert, dass ich schon längst einmal loswerden wollte, wie klasse ich das Buchgeflüster immer wieder finde. Es ist eine so ansprechende und witzige Art, die Bücher selbst zu Wort kommen zu lassen! Frau Siems hat ja ohnehin eine unwiderstehliche Art, einem das Lesen schmackhaft zu machen! (…)
Jedenfalls: Ein ganz dickes WEITER SO! von meiner Seite und auch ein ganz großes DANKESCHÖN für die umfassenden Informationen aus Ihrem Haus! Herzliche Grüße sendet Ihnen eine begeisterte Leserin (…)«
[Frau Lydia Sasnovskis]

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Einblicke

"Vergleich von Äpfeln und Birnen"

Bericht über eine nicht sorgenfreie Festveranstaltung von Dr. Thomas KAhlisch
Es ist Freitag, der 31. März, ich sitze am Vormittag in meinem Büro in der zweiten Etage der DZB, als mich der Anruf erreicht. "Haben Sie heute schon Zeitung gelesen?", fragt mich der Anrufer. Ich überlege, ist jetzt der richtige Moment über Angestellte im Büro zu lästern? Laut sage ich: "Ich bin auf Arbeit und habe dafür keine Zeit!" Er: "Sollten Sie aber. In den Dresdner Neuesten Nachrichten steht, dass im Rahmen der Verwaltungsreform im Freistaat Sachsen die Landesbibliothek in Dresden und die Zentralbücherei in Leipzig zu einem Staatsbetrieb zusammengelegt werden."
Ein Blick ins Internet zeigt, die anstehende Verwaltungsreform ist auch das große Thema auf der Sachsenseite der Leipziger Volkszeitung. In einem kleinen Zusatzartikel werden Eckpunkte skizziert und wirklich, da steht es, genau so, wie es der Anrufer gesagt hat.
"Das ist ja wie der Vergleich von Äpfel und Birnen", meint Angela Fischer, die Landesvorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes Sachsen, als ich sie am Wochenende telefonisch über diese neue Entwicklung informiere. Sie reagiert prompt und sendet bereits am 3. April einen Brief an den Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen, in dem sie um Informationen zu diesem Medienbericht bittet und die unbedingte Prüfung von Sachfragen in diesem Zusammenhang ersucht.
Praktisch vorstellen kann sich das niemand in der DZB. Wir produzieren die Bücher in Punktschrift oder als Hörbuch, die wir ausschließlich an blinde und sehbehinderte Nutzer ausleihen. Es gibt keinen Lesesaal in der DZB und wie soll die Verwaltung so verschiedener Einrichtungen, die noch dazu in zwei Städten liegen, durch schlichtes Zusammenlegen effektiviert werden?
Am 4. April schreibe ich einen Brief an das Innenministerium, das für die Planung der Verwaltungsreform zuständig ist. In dem Brief lade ich die entsprechenden Stellen zu einem Besuch in die DZB ein. Die erste Aprilwoche ist mit der Vorbereitung der Jubiläumsveranstaltung "Wer nicht lesen kann, will hören - 50 Jahre Hörbuch der DZB Leipzig" gefüllt. Christiane Felsmann, PR-Referentin der DZB, informiert mich, dass wir etwa 60 Gäste erwarten. Die Veranstaltung wird in der Cafeteria stattfinden. Es wird also eng werden.
In dieser ersten Aprilwoche 2006 unternehme ich noch eine kurze, aber mir sehr wichtige Dienstreise in den Norden der Republik.
Ich besuche die Familie Schlie, die in einem kleinen Dorf bei Wismar lebt. Herr Theodor Schlie ist seit 1957 Nutzer der Hörbücherei der DZB. Aus dem Krieg kam er ohne Augenlicht zurück. Die Bücher aus Leipzig sind dem heute 82-Jährigen ein wichtiger Begleiter. "Ich war immer zufrieden mit dem Service. Ob Bänder oder Kassetten, es gab nie Probleme", erzählt er mir bei Kaffee und Keksen. Seine liebe Frau sitzt versonnen schmunzelnd dabei. Sie hört ihm gern zu: "Als Kriegsblinde waren wir in der DDR nicht gut dran. Nach der Wende hat sich das geändert. Mit 82 möchte ich heute meine Verhältnisse regeln und da überlegte ich mir, ob ich der Kirche in unserem Ort ein Fenster oder der DZB eine Spende zukommen lasse." Ich danke ihm für das großzügige Dankeschön und verspreche, dass wir den Beitrag, den der Förderverein bereits erhalten hat, im Sinne des Auftrages der DZB nutzen werden. Er ist sehr damit einverstanden, die Patenschaft für eine Hörbuchaufsprache damit auszugestalten. Da er klassische Musik liebt, nimmt er den Vorschlag von Susanne Siems gern auf, die exklusive Patenschaft für das Buch "Mozart" von Dorothea Leonhart zu übernehmen. Ich fahre am Mittag wieder zurück nach Leipzig, überzeugt, dass sich diese Reise nicht nur aus monetären Gründen für die DZB gelohnt hat. Vielen Dank, Herr Schlie, und drücken Sie bitte ihre Frau!
Das eigentliche Hörbuchjubiläum der DZB war bereits am 14. März.
Um 11.45 Uhr versammelten sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses im Foyer, um gemeinsam auf den 50. anzustoßen. Anke Saurin, Studioleiterin, und Jörg Klemm, Bibliotheksleiter, fanden angemessene Worte, die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Sprecherinnen und Sprecher zu würdigen. Frau Saurin gab einen kurzen Rückblick in die Geschichte und berichtete, wie sie ins Studio kam. Heute ist sie stolz auf das, was das Team gemeinsam geschafft hat. "Wir produzieren im Monat 80 DAISY-Bücher." Herr Klemm hatte im Gästebuch und in der Hörerpost geblättert. Er erfreute alle mit nachdenklichen und kurzweiligen Zitaten unserer Nutzer. Ich informierte darüber, dass wir am 12. April eine offizielle Feierstunde zu unserem Jubiläum veranstalten werden, zu der wir eine große Zahl an Gästen erwarten.
Als Überraschung soll auf der Festveranstaltung eine Audio-CD präsentiert werden, die die 50 Jahre Hörbuchproduktion lebendig macht. Anja Hempel, eine freie Journalistin, ist mit der Produktion betraut. Sie stellt mir in der ersten Aprilwoche das Resultat vor. Ich halte es für sehr gelungen und Frau Felsmann kümmert sich zusammen mit der Medienherstellerin Annette Diener um die äußere Gestaltung der CD. Wir haben großes Glück, die Firma optimal media production GmbH aus Röbel bei Potsdam will uns unterstützen. Sie übernimmt die für uns kostenfreie Produktion der 1.000-er Auflage der CD. Ganz besonders gespannt sind wir, wie die Qualität der im Siebdruckverfahren hergestellten Blindenschriftkennzeichnung der CD sein wird, mit der sich die Firma auf für sie technisches Neuland begibt. Wir sind Anfang April im Zeitplan und senden die bei uns im Studio gefertigte Master-CD nach Röbel. Leider wird uns der Versandservice einen Strich durch die Rechnung machen, sodass die fertigen CDs erst am 13. April hier in Leipzig eintreffen. Aber das wissen wir ja Gott sei dank noch nicht am Montag, dem 10. April. In der letzten Abteilungsleiterberatung vor dem großen Termin lade ich noch einmal alle Kolleginnen und Kollegen zum Besuch der Festveranstaltung ein. Die letzten Absprachen werden getroffen. Dank der Leihgabe eines technikbegeisterten Leipzigers können wir in den Zwischenetagen im Haus 7 alte Aufnahme- und Schneidetechnik präsentieren, die durch Exponate aus dem Bestand der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens der DZB ergänzt werden. Susanne Siems hat verschiedene Abspielgeräte aus 50 Jahren Hörbuchgeschichte aufgetrieben, die eindrucksvoll den Weg von der Offenspule zur DAISY-CD belegen.
Am 11. April treffen um 14 Uhr die ersten Gäste ein. Es sind die Mitglieder des MEDIBUS-Vorstandes. Ich führe die Gäste, die teilweise zum ersten Mal in Leipzig sind, durch die Produktionsbereiche. Ab 16 Uhr ist Vorstandssitzung. Die MEDIBUS-Geschäftsstelle berichtet, dass es jetzt bereits 11.000 DAISY-Bücher sind, die den Hörern der deutschsprachigen Hörbüchereien zur Verfügung stehen. Ausführlich diskutiert werden konkrete Vorschläge, die bis zum Sommer diesen Jahres die Zentralkataloge Hörbuch und Punktschrift im Internet für jedermann recherchierbar machen werden.
Mittwoch, der 12. April, beginnt für mich mit der Fortsetzung der MEDIBUS-Vorstandssitzung. Im Haus laufen parallel dazu die letzten Vorbereitungen. Um 11 Uhr haben wir eine Pressekonferenz einberufen. Wir wollen über unser 50-jähriges Hörbuchjubiläum informieren und natürlich auch über die Sorgen, die wir uns wegen der Zusammenlegungsgerüchte machen. Die LVZ berichtet an diesem Tag auf einer viertel Seite über uns. Andere Medien zeigen nicht so großes Interesse. Die Spritpreise sind es mal wieder, die die Schlagzeilen in Sachsens Fernsehlandschaft bestimmen. Die Vorsitzende von MEDIBUS, Elke Dittmer, der Geschäftsführer des DBSV, Andreas Bethke, Christiane Felsmann, Susanne Siems und ich sind froh, dass wir auf der Pressekonferenz wenigsten zwei Vertreter von Nachrichtenagenturen begrüßen können, die wir mit unseren Informationspaketen versorgen.
Ab 14 Uhr ist alles fertig. Es kommen immer mehr Gäste. Auch der ehemalige Direktor der DZB, Prof. Dr. Siegfried Tschirner, der natürlich wissen will, was es mit der Verwaltungsreform auf sich hat. Wir sind beide gespannt, ob sich das Ministerium auf der Festveranstaltung dazu äußern wird.
Die Veranstaltung beginnt pünktlich um 15 Uhr, ohne CDs, aber mit einer bis auf den letzten Platz gefüllten Cafeteria. Als kulturellen Rahmen bieten wir den Gästen Akustisches vom Feinsten. Thios Omilus heißt das Ensemble, das aus ehemaligen und jetzigen Thomanern besteht und uns mit Vokalgesang erfreut.
Als Vertreter des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst spricht Ministerialdirigent Jörg Geiger das erste Grußwort der Veranstaltung. Er sagt u. a., dass die DZB die Organisationsform hat, die sie braucht und das ist der Satz, an dem ich meine Moderation der weiteren Festvorträge festmache.
Susanne Kucharski-Huniat, die Kulturamtsleiterin der Stadt Leipzig, wendet sich in einem eindrucksvollen Grußwort an die Zuhörer: "Nicht, um auf mich aufmerksam zu machen, sondern um Sie zu informieren, dass es ein so gelungenes Angebot zur Übernahme von Buchpatenschaften gibt, empfehle ich Ihnen den Besuch der Internetseite www.buch-patenschaft.de. Ich habe mit einer Spende für die Herstellung des Buches ›Die wundervolle Reise des Nils Holgersson‹ dazu beigetragen, dass dieses von mir sehr geliebte Buch Blinden und Sehbehinderten zugänglich wird."
Jürgen Lubnau, Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes, weist auf den großen Wert von Hörbüchereien - aber auch auf die grundlegende Bedeutung von Informationsangeboten in Blindenschrift - hin. Er lobt die DZB und fordert gleichzeitig, die Einrichtung in ihrer Eigenständigkeit zu belassen und unbedingt weiter zu entwickeln.
Angela Fischer greift die Worte Jürgen Lubnaus auf und schildert ihre persönlichen Erfahrungen beim Erlernen der Blindenschrift und den nicht nur für sie hohen Stellenwert von Hörbuchangeboten.
Werner Kriegel, Vorsitzender des Vorstandes des Bundes der Kriegsblinden in Sachsen und einer der ältesten Hörbuchnutzer der DZB, erinnert sich an lustige Versprecher, die man heute aufgrund des schneidefreien Aufnahmeverfahrens nicht mehr sammeln kann. Er dankt den Sprechern, Aufnahmeleitern und Technikern für ihre gute Arbeit.
Den Reigen der Grußworte beschließt der ebenfalls sehr unterhaltsam angelegte Beitrag des bei den Leipziger Academixern tätigen Kabarettisten Peter Treuner, der aus dem "harten Leben der Sprecherinnen und Sprecher" Anekdotisches zum Besten gibt.
Nach der Veranstaltung führe ich Herrn Geiger ins Studio. Gemeinsam mit Anke Saurin erläutere ich dem Ministeriumsvertreter, wie Fach- und Sachbücher im DAISY-Format erstellt werden.
An den Tagen nach der Veranstaltung erhalte ich viele E-Mails und spontane Anrufe unserer Gäste. Es hat ihnen sehr gut gefallen. Mich erreichen mehrfach Unterstützungsangebote des DBSV und des DVBS, sich für unsere Eigenständigkeit einzusetzen.
Den Lesern der DZBN sei verraten, dass sie einen Mitschnitt der Veranstaltung als DAISY-Buch in der Bibliothek ausleihen können. Auch die wirklich gelungene Audio-CD: "50 Jahre Hörbuch der DZB Leipzig" schicken wir Ihnen gern, wenn Sie uns darum bitten.
Am 20. April erreicht mich das Antwortschreiben des Innenministeriums. Man dankt für die Einladung und erläutert noch einmal, wie die Verwaltungsreform in Sachsen ablaufen wird. Im Bezug auf unser Anliegen steht ein Satz im Brief, der mich aufatmen lässt: "Die Zusammenlegung der beiden Bibliotheken ist zurzeit nicht geplant."
Ich danke Angela Fischer und den Mitarbeitern der Geschäftsstelle des BSVS in Dresden, das Schreiben an den Ministerpräsidenten wurde in gleicher Form wie oben zitiert beantwortet. Frau Fischer sagt: "Meldet euch, wenn die Sache damit noch nicht ausgestanden ist." "Machen wir", sage ich am Telefon. Schön, wenn man Freunde hat, die sich für einen einsetzen und Briefe schreiben oder in der Pause Zeitung lesen und anrufen, wenn es Sorgen gibt.

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Barrierefreie Bibliotheken

Susanne Siems
Im März fand in Dresden der 95. Deutsche Bibliothekartag statt, ein jährlich durchgeführter Kongress der wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken. Die Fülle des Veranstaltungsangebotes, aber auch die Überfüllung des für 3.000 Teilnehmer offensichtlich zu engen Congress Centers machten die Wahl der zu besuchenden Vorträge schwer. Zentrale Themen waren die Vernetzung der Informationskompetenz von Bibliotheken, die Langzeitarchivierung digitaler Quellen und Bestandserhaltung wertvoller Buchbestände. Beachtenswert für uns, dass es unter den 11 Themenkreisen auch einen mit dem Titel "Barrierefreier Zugang zu Information" gab und dass der Direktor der DZB, Dr. Thomas Kahlisch, gebeten wurde, die Moderation dieses Themenkreises zu übernehmen.
Natürlich war ein wesentlicher Gedanke die Zugänglichkeit der Informationen im Internet, sei es die Gestaltung der Seiten einzelner Bibliotheken oder die Zugänglichkeit von Online-Katalogen. Die Möglichkeit der Recherche von wissenschaftlichen Fachinformationen im Internet über Portale wie zum Beispiel VASCODA nimmt ja immer größeren Raum ein. Auch die Nutzer vieler öffentlicher Bibliotheken können inzwischen den Roman für das Wochenende online recherchieren oder auch die Ausleihe verlängern lassen. Da hier eine Chance für viele mobilitätsbehinderte Menschen liegt, ist es umso wichtiger, auf die Bedeutung des barrierefreien Zugangs gerade zu diesem Medium immer wieder und nachdrücklich hinzuweisen. Doch sollte darüber der reale Platz sehbehinderter und blinder Menschen in der deutschen Bibliothekslandschaft keinesfalls vergessen werden. Gut, dass sich dieser Aspekt ebenfalls in den Vorträgen des Themenkreises widerspiegelte. Stellvertretend sei hier der Beitrag von Frau Elke Dittmer, Leiterin der Hamburger Blindenbücherei, genannt. Es war für das doch recht zahlreich erschienene Fachpublikum interessant zu erfahren, welche Angebote die Bibliotheken für Blinde und Sehbehinderte in Deutschland haben. Dabei fiel natürlich auch, aber nicht ausschließlich das Wort DAISY. Und es wurde außerdem deutlich, dass öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken damit nicht der Aufgabe enthoben sind, ihre Bestände und ihren Service auch für behinderte Menschen verfügbar zu machen und zu halten.
Ein Beispiel, welche interessanten Formen der Zusammenarbeit mit den Betroffenen selbst sich finden lassen, zeigte der Vortrag von Herrn Dr. Weber aus Weimar. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte, Schwerpunkt deutsche Literatur von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Auf traurige Weise erhöhte sich ihr Bekanntheitsgrad durch den größten Bibliotheksbrand seit dem 2. Weltkrieg im September 2004. Umso positiver stimmen die Bemühungen des 2005 neu eröffneten Studienzentrums um barrierefreie Nutzungsmöglichkeiten der Bestände. Während der Bauphase wurde eine "AG Barrierefreiheit" gegründet, in der Bibliotheksmitarbeiter und Vertreter von Behindertenverbänden eng zusammenarbeiteten und dies bis heute tun. Dabei geht es um bauliche wie technische Barrierefreiheit gleichermaßen. Die AG hat inzwischen eine Reihe von Ortsterminen, öffentlichen Veranstaltungen und speziellen Fortbildungen für das Bibliothekspersonal organisiert. Auch Arbeitsplätze für Blinde und Sehbehinderte wurden eingerichtet. Der WEB-Auftritt der Bibliothek, die ein Bestandteil der Stiftung Klassik Weimar ist, wird derzeit überarbeitet. All diese Maßnahmen zeugen von großer Aufmerksamkeit für die Belange behinderter Menschen auch im Bereich der Kultur. Von der für jeden Literaturbegeisterten anregenden Atmosphäre im "Kubus" genannten Studienzentrum konnte ich mich bei zwei Veranstaltungen selbst überzeugen.
Umso trauriger stimmt mich, was die Bibliothek jetzt signalisierte. In Weimar, leider ist das auch mehrfach von anderen Bibliotheken zu hören, stehen die Sehbehinderten- und Blindenarbeitsplätze zu oft ungenutzt. Zwar wird das Bildschirmlesegerät auch von Handschriftenforschern gern verwendet und das Vorlesesystem ist für manchen literaturinteressierten Senior eine Erleichterung. Aber Blinde oder Sehbehinderte sieht man an diesen Plätzen viel zu selten. Ursachen dafür mag es verschiedene geben, von "zu abgesonderter Aufstellung" bis hin zu "wir haben doch unsere eigene Technik". Fakt ist, dass blinde und sehbehinderte Menschen hier ein Angebot von den Bibliotheken bekommen, dass mangels Nutzung brach liegt. Es steht uns als Betroffene also gut zu Gesicht, die eigenen Bedürfnisse gegenüber solchen Hilfeleistungen zu artikulieren. Brauchen wir diese Arbeitsplätze? Wenn ja, wie können sie intensiver genutzt werden? Wenn nein, warum nicht und was sollte es statt dessen oder vielleicht ja auch ergänzend geben? Es reicht nicht, den barrierefreien Zugang zu Informationen zu fordern. Wie und für wen genau er gewährleistet sein muss und welcher konkrete Bedarf besteht, darüber, so scheint mir, herrscht auch unter blinden und sehbehinderten Bibliotheksbenutzern noch keine rechte Klarheit.
Fürs Erste werden wir den Bibliotheken helfen, ihre Arbeitsplätze stärker zu bewerben, darum finden Sie im Infoteil der DZBN dieses Mal einen ausführlichen Hinweis auf den Arbeitsplatz in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Vielleicht schauen Sie ja doch mal vorbei. Sie werden merken, Weimar ist nicht nur zu Ostern und auch nicht nur wegen Goethe einen "Spaziergang" wert.

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Wie war das damals

Der Füllfederhalter, der Kugelschreiber und die Blinden

Dr. Werner Uhlig
Hat das miteinander zu tun? Es hat! Man schrieb das Jahr 1806. Damals, vor 200 Jahren also, begann in Deutschland die Blindenbildung. In Berlin wurde die erste Deutsche Blindenschule gegründet. Die entscheidende Anregung dazu kam aus Frankreich. Bis kurz vor der französischen Revolution galten Blinde als bildungsunfähig. Sie konnten ja nicht schreiben und lesen. Wer blind war oder erblindete, wurde dem Elend ausgeliefert. Blendung war eine fürchterliche Strafe des Mittelalters. Die Franzosen sind die ersten gewesen, die zielstrebig und energisch versucht haben, dem Unglück Blindheit entgegenzutreten. In Paris nahm 1784 die weltweit erste Blindenschule ihre Tätigkeit auf. Neun Jahre später heißt es in einer Proklamation der französischen Revolution über die Sorgepflicht des Staates für Blinde und andere notleidende Bürger vom 24. 6. 1793: "Die Gesellschaft schuldet ihren unglücklichen Bürgern den Unterhalt, sei es, dass sie ihnen Arbeit verschafft, sei es, dass sie denen die zu arbeiten außerstande sind, die Existenzmittel gewährt." (Quelle: Schöffel, Max: "Der Blinde im Leben des Volkes", Urania-Verlag, Leipzig und Jena 1956).
Arbeiten können, sich nützlich machen im bürgerlichen Sinne, das setzt Kenntnisse voraus -Ausbildung. Und damit hat systematisch und erfolgreich Valentin Haüy, der Gründer und Direktor der Pariser Blindenschule, begonnen. Das verdient deswegen hervorgehoben zu werden, weil Blindenbildung in der Öffentlichkeit oft an dem Namen Louis Braille festgemacht wird. Der Franzose Louis Braille wurde 1809 geboren und legte sein geniales und international bewährtes Punktschriftsystem im Jahre 1825 vor. Er ist selber Schüler und später Lehrer an der Pariser Blindenschule gewesen. Mit seinen 6 Punkten hat er der Blindenbildung den ausschlaggebenden Impuls gegeben. Angefangen hat die Blindenbildung vor Braille.
Wie nun haben die Blinden gelesen und geschrieben, ehe es die Punktschrift gab? Mit fühlbar dargestellten Buchstaben der Schrift der Sehenden. Dazu mussten erhabene oder eingravierte Linien ertastbar gemacht werden bzw. auf Papier geprägt werden können. Das ist eine sehr aufwändige und mühsame Angelegenheit gewesen, sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen. Flüssiges Lesen und Schreiben waren unmöglich. Buchstabieren schon muss mühselig genug gewesen sein.
Um wenigstens eine größere Effektivität beim Schreiben zu erreichen, erfand 1806 der Österreicher Carl Ludwig Müller, Mechaniker in Wien-Döbling, eine "Masseschrift". Nach dem Prinzip der Tortenspritze drückte Müller eine teigartige Masse durch ein spitz zulaufendes Glasrohr und schrieb damit erstarrende fühlbare Buchstaben auf eine Unterlage. Das war sozusagen die Erfindung des Füllfederhalters für die Blinden.
Man muss wissen: Die Blindenschule in Wien war bereits im Jahre 1804 von Wilhelm Klein gegründet worden. In Österreich stellte sich daher das Problem der Schrift für Blinde schon zwei Jahre früher als in Deutschland. Bekanntlich schrieb man um 1800 und lange danach mit Tinte und Gänsekiel. Das konnten Blinde natürlich nicht.
Es ist schon bemerkenswert, wie erfinderisch man in Hinblick auf Schreibweisen für Blinde in Österreich-Ungarn gewesen ist. So hat Wilhelm Klein den sogenannten Stacheltypenapparat entwickelt, mit welchem Buchstaben per Fingerdruck relativ leicht in Schreibpapier geprägt werden konnten. Diese Schreibweise fand jahrzehntelang Anwendung in der deutschen Blindenbildung. Die von Louis Braille erfundene Punktschrift aus dem Jahre 1825 ist in Deutschland erst im Jahre 1879 durch eine Kampfabstimmung auf dem 3. Deutschen Blindenlehrerkongress in Berlin verbindlich eingeführt worden. Erst von da an hatte die Reliefschrift in der Blindenbildung ihre Schuldigkeit getan.
Zurück zum Wiener Mechaniker Carl Ludwig Müller und dem Jahre 1806. Müller sagte sich, wer beim Schreiben seiner "Masseschrift" entsprechende Übung erlangt hat, der müsste doch vielleicht auch als Blinder mit Tinte schreiben können, wenn man ihm dazu ein geeignetes Hilfsmittel an die Hand gibt. Beherrscht von dieser Idee konstruierte er ein Glasröhrchen, welches an der Unterseite eine dünne Öffnung hatte, die mit einer Feder verbunden war. Selbstverständlich war diese Feder aus einem Gänsekiel gefertigt. Die Oberseite des Glasröhrchens versah Müller mit einem kleinem Schraubverschluss. Öffnete man ihn, drang Luft in das Glasröhrchen ein, und die Tinte konnte zur Feder fließen. Verschloss man das Glasröhrchen wieder, musste die Tinte in ihrem Behälter stehen bleiben. Damit der blinde Schreiber nicht schief schrieb, baute Müller für die Gewährleistung der Zeilenführung eine Schreibtafel. Praktischerweise war die Füllfeder gleich an der Schreibtafel befestigt. Und war das nun die Erfindung des Füllfederhalters? Müller hatte sein Gerät als Blindenhilfsmittel gebaut. Es gelangte nicht in die Öffentlichkeit. Auch Goethe schrieb wie eh und je mit dem Gänsekiel weiter. Erst 1878 ist der Füllfederhalter offiziell erfunden und - in Österreich-Ungarn - fabrikmäßig hergestellt worden.
Und noch etwas ist bemerkenswert. Den Kugelschreiber hat ein Ungar namens Laszlo Biro erfunden.
Die Mine des Kugelschreibers enthält bekanntlich eine Art Schreibmasse. Die Schrift des Kugelschreibers kann freilich niemand fühlen, aber die Verwandtschaft dieser Schreibgeräte ist doch verblüffend. Der Name Biro ist weltbekannt geworden. Es gibt Länder, in denen schreibt man nicht mit dem Kugelschreiber, sondern mit dem "Biro". Der Name des Mechanikers Müller aus Wien-Döbling hingegen ist fast vergessen. Hinweise auf ihn und seine Erfindungen gibt es aber noch im Wiener Museum für das Blindenwesen in der Wittelsbacher Straße.
200 Jahre Blindenbildung in Deutschland sind ein willkommener Anlass, um auf solche Zusammenhänge in der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Bildungswesens für Sehende und Blinde aufmerksam zu machen.

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Max Frisch: "Homo faber"

Susanne Siems
[Punktschriftbibliothek]
Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich schon einmal die Frage gestellt, ob Sie Ihr Leben im Griff haben? Bis zu einem gewissen Grade sollte man das sicherlich, um in guten und schlechten Zeiten nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Aber wer bestimmt, was das heißt, das Leben im Griff haben? Und reicht diese Selbstfindung für ein ganzes langes Leben, hat man Zeit, sich den Platz sicher und gemütlich einzurichten? Heißt, diesen Platz gefunden zu haben, Herr oder Frau über das Schicksal zu sein, hat man dann sein Menschsein mit dem Einsatz des Verstandes gerechtfertigt?
Fragen, die der Schweizer Schriftsteller Max Frisch in seinem Buch "Homo Faber" aufwirft.
Walter Faber ist Ingenieur bei der UNESCO und auf dem Flug nach Caracas. Über sich selbst sagt er: "Ich bin Techniker und gewohnt die Dinge zu sehen, wie sie sind. Ich sehe den Mond über der Wüste … klarer als je, mag sein, aber eine errechenbare Masse … eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis?… Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen. … Indem wir vom Wahrscheinlichen sprechen, ist ja das Unwahrscheinliche immer schon inbegriffen, und zwar als Grenzfall des Möglichen und wenn es einmal eintritt, das Unwahrscheinliche, so besteht für unsereinen keinerlei Grund zur Verwunderung, zur Erschütterung, zur Mystifikation."
So wundert auch uns, die Leser dieses Berichtes nicht, dass Walter Faber von seiner Geliebten Hanna einst, in den dreißiger Jahren in Hitlerdeutschland, den Spitznamen "Homo faber" erhielt. Dieser lateinische Begriff bezeichnet einen Menschen, der sich mit Hilfe von Werkzeugen die Welt zunutze macht, Kraft seines Denkens Herrscher über die Natur ist. Faber liebt Hanna, ihr gemeinsames Kind soll aber nicht geboren werden. Faber trennt sich von Hanna und verliert ihre Spur über zwanzig Jahre. Doch an dieser Stelle beginnt Max Frisch mit dem Unwahrscheinlichen zu spielen - er lässt Faber die Spur zu Hanna wieder finden und auch zu der jungen Sabeth, die Hanna so ähnlich ist und seine Tochter sein könnte …
Max Frisch entscheidet sich für die tragische Variante der Zufälligkeiten, Hanna und Walter begegnen sich wieder, am Krankenbett von Sabeth, die einen scheinbar harmlosen Unfall nicht überlebt, weil Faber es versäumt hat, eine wesentliche Information an den Arzt weiterzugeben. Am Ende steht Faber machtlos vor dem Scherbenhaufen eines scheinbar, nur scheinbar neu gewonnenen Lebensglücks und muss bitter erkennen, dass unser Verstand nicht ausreicht, um alle Verästelungen eines Lebensweges zu erkennen, geschweige denn ihren tieferen Sinn zu verstehen.
Bewunderung und Abneigung gleichzeitig kommen beim Lesen von Fabers Gedanken auf, Sympathie und Befremden. Und genau das ist es, was Max Frisch beabsichtigt. Er möchte auf die Gefahren einer rein technokratischen Denkweise hinweisen. Also baut er in Fabers Leben diese Zufälle ein, Zufälle von der folgenschweren Art, damit Ich-Erzähler und Leser am Ende des Buches erkennen, dass auch der begabteste Analytiker nicht sämtliche Lebensrätsel lösen kann, dass wir keineswegs Beherrscher des Zufalls sind und das es sehr wohl so etwas wie Schicksal gibt.
Max Frisch starb am 5. April 1991 an Magenkrebs. Die Aufzeichnungen Fabers enden kurz vor einer schweren Magenoperation. Mehr möchte ich nun nicht mehr über Zufall und Schicksal sagen, nur das Buch nachdenklich gestimmten Lesern ans Herz legen. Es ist in der Punktschriftausleihe unter der Bestellnummer 5537 in 4 Bänden rkh. ausleihbar. In der Hörbücherei finden Sie 6 Kassetten oder 1 DAISY-CD, gesprochen von Hans Lanzke. Die Bestellnummer lautet 4037.
Weitere Titel von Max Frisch:

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Lion Feuchtwanger: "Die Geschwister Oppermann"

Jana Waldt
[Hörbücherei]
Ich habe für die Kramkiste wieder einmal einen Roman von Lion Feuchtwanger gewählt: "Die Geschwister Oppermann", 1933 ursprünglich unter dem Titel "Die Geschwister Oppenheim" erschienen.
Feuchtwanger, Sohn eines jüdischen Fabrikanten, hielt sich während der nationalsozialistischen Machtübernahme aufgrund einer Vortragsreise in den USA auf. Er kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück, sondern ließ sich in Frankreich nieder.
Er schrieb diesen Roman über die Judenverfolgung im Dritten Reich 1933 im Exil. Er erzählt vom Schicksal einer jüdischen Berliner Familie zwischen November 1932 und Spätsommer 1933.
Hauptpersonen sind die Geschwister Oppermann, Besitzer eines großen deutschen Möbelhauses: Da ist Martin Oppermann; er leitet die Geschäfte des Möbelhauses, sein Bruder Gustav ist Seniorchef und zugleich Schriftsteller. Bruder Edgar ist Chefarzt in einer renommierten Klinik. Und da wäre noch Schwester Klara, verheiratete Lavendel, deren Mann auch im Familienunternehmen tätig ist.
Es ist November 1932, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Deutschland wachsen, es gibt sechs Millionen Arbeitslose und Hitler ist aus der letzten Reichstagswahl als Führer der stärksten Partei hervorgegangen. Aus Sorge beschließen die Oppermanns, ihr Unternehmen zum Schutz in eine anonyme Aktiengesellschaft umzuwandeln und den nichtjüdischen Möbelhersteller Wels an der neuen Firma zu beteiligen. Dies bewahrt sie jedoch nicht vor der Enteignung, als Hitler an die Macht kommt.
In diesen fünf Monaten, in denen der Roman spielt, widerfährt den Geschwistern Oppermann, die sich bisher kaum für Politik interessiert hatten, dass ihr Vaterland sie verrät, für minderwertig erklärt, ihnen ihre Rechte nimmt. Martin Oppermann, der die Geschäfte bis dahin leitete, wird verhaftet und gefoltert. Gustav Oppermann, der ein Manifest demokratischer Schriftsteller mit unterzeichnet hat, muss aus Deutschland fliehen. Professor Edgar Oppermann wird aus dem Krankenhaus, für das er gelebt und gearbeitet hat, hinausgeworfen. Martins einziges Kind, sein siebzehnjähriger Sohn Berthold, begeht nach einer längeren Auseinandersetzung mit seinem Nazi-Lehrer Selbstmord und spiegelt so die damaligen Schulverhältnisse wider.
Wie viele "Unpolitische" verkannten die Oppermanns anfangs die Gefahr, emigrierten dann aber dennoch. Gustav Oppermann, der seit Monaten in der Schweiz lebt, entschließt sich nach vielen Gesprächen über die Vorgänge in Deutschland, mit falschem Pass nach Deutschland zurückzukehren und politischen Widerstand zu leisten. Er endet im Konzentrationslager …
Lion Feuchtwanger schrieb im Nachwort des Buches: "Dieser Roman ist in der Zeit von April bis September 1933 entstanden. Ich habe ihn also überaus schnell geschrieben. Sehr viel schneller als ich sonst zu arbeiten pflegte und pflege. Mir lag daran, das Leserpublikum der Welt möglichst schnell über das wahre Gesicht und über die Gefahren der Naziherrschaft aufzuklären."
Feuchtwanger gelingt es mit diesem Roman, der übrigens die beiden Bücher "Erfolg" und "Exil" (ebenfalls in der Hörbücherei ausleihbar) zur Wartesaal-Trilogie verbindet, anhand des Schicksals einer Familie ein zeitgeschichtlich sehr genaues und zudem auch sehr spannendes Buch über das Deutschland zu Beginn der Naziherrschaft zu schreiben.
Dieser Roman wurde von Christine Nitsche-Geithner aufgelesen und ist unter der Bestellnummer 250 entweder auf 11 Kassetten oder auf einer DAISY-CD ausleihbar.
Auch in der Punktschriftbibliothek ist der Roman ausleihbar: in sechs Bänden Kurzschrift unter der Bestellnummer 2548.
Zahlreiche weitere Titel von Lion Feuchtwanger befinden sich in unserem Bibliotheksbestand, unsere Bibliothekarinnen beraten Sie gern.

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Bookflash

In dieser neuen Rubrik wollen wir den Kramkisten-Empfehlungen gestandener Bibliothekare ein jugendliches Pendant zur Seite stellen: Buchempfehlungen von jungen Leuten für junge Leute. Natürlich wird dazu auch im Bestand der DZB gekramt, aber ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, was besonders junge Leserinnen und Leser interessiert und begeistert. Denn die Autorinnen und Autoren der Buchempfehlungen sind Schüler.
Über Reaktionen unserer jungen Leserinnen und Leser würden wir uns freuen.
Die Autorin der heutigen Buchempfehlung, Luise Hebecker, ist 16 Jahre alt und besucht ein Gymnasium in Leipzig.

Tad Williams: "Der Blumenkrieg"

Luise Hebecker
In dem Buch "Der Blumenkrieg" von Bestseller-Autor Tad Williams geht es um den 30-jährigen Theo, den talentierten Leadsänger einer wenig erfolgreichen Band. Er lebt im heutigen San Francisco und führt ein chaotisches und anspruchsloses Leben. Als seine Freundin Cat ihr Kind verliert und kurz danach auch noch seine Mutter stirbt, versucht er einen Neuanfang. In den Hinterlassenschaften seiner Familie entdeckt Theo ein merkwürdiges Buch, welches angeblich von seinem Onkel stammen soll. Es handelt von einer Welt der magischen Geschöpfe und einer großen Stadt namens Neu-Erewhon.
Doch plötzlich passiert ein Unglück. Eines Abends, Theo liest gerade in dem Buch des Onkels, taucht ein ekelerregendes Monster auf und versucht Theo anzugreifen. Doch dieser wird zu seinem eigenen Erstaunen von einer kleinen Elfe gerettet. Im Chaos, das entsteht, bringt sie ihn in eine andere Welt, in genau die Welt, von der das Buch des Onkels berichtet.
Solche merkwürdigen Zufälle treten in Theos neuem Leben öfter auf, als er das eigentlich möchte und es bringt ihn in große Schwierigkeiten. Doch die mutige kleine Fee mit ihrem zu großen Mundwerk steht ihm bei, und ohne dass sie es wollen, werden sie unzertrennliche Freunde. Gemeinsam ziehen sie durch diese wunderliche Welt, sehen unzählige magische Kreaturen, treffen Freunde und Feinde und suchen nach dem wahren Grund für Theos Erscheinen. Und sie entdecken, dass diese Welt nicht so tadellos läuft, wie es nach außen hin scheint. Denn mittlerweile haben die Elfenfürsten eine Diktatur aufgestellt und es tobt Krieg.
Eine atemraubende Geschichte voller Spannung und Emotionen, voll liebvoller Details und umfangreicher Hintergrundgeschichten. Die Dimensionen dieser ganzen Geschichte wirken schier unendlich. Auf jeder Seite des Buches erfährt man neue spannende Dinge und hinzu kommt noch die "Verwandlung" Theos. Aus dem interessenlosen und charakterlosen Langweiler, der sein Leben nicht in den Griff bekommt, wird ein Mann, der bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, um seine Freunde zu retten. Er schafft es, sich zu wandeln und merkt, was wirklich wichtig ist im Leben und dass es Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Er erkennt, dass auch in ihm etwas steckt und dass er zu Besonderem fähig ist. Dieser tiefgreifende Wandel regt wirklich zum Nachdenken an und man merkt, dass es nicht unmöglich ist, sein Leben zum Positiven zu verändern.
Obwohl der Anfang ein bisschen in die Länge gezogen ist, ist dieses Buch absolut zu empfehlen. Ich war teilweise fast erschöpft von der vielen Spannung. Man denkt, es könnte gar nicht schlimmer werden und auf einmal kommt die nächste Katastrophe. Es war einfach unglaublich. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich solches Herzklopfen hatte. Und nebenbei sind die Charaktere auch so unheimlich menschlich; ohne dass man es will, hat man Verständnis für ihre Entscheidungen und ihr Handeln. Und ganz automatisch schließt man sich einer Seite an.
Ein absolut atemberaubendes Buch, dass jeder lesen sollte, der Fantasy, Spannung und Emotionen liebt.
Hier die Angaben für die Hörbuchausleihe: "Der Blumenkrieg", 22 Kass./1 DAISY-CD (1902 Min.) 8391

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Weitere Titel von Tad Williams im Bestand der DZB:

Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99). Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.
Wir setzen heute fort mit Position
Nr. 102: V. Havel: "Versuch, in der Wahrheit zu leben" (1987)
Nr. 103: Stephen W. Hawking: "Eine kurze Geschichte der Zeit" (1988)

Stephen W. Hawking: "Eine kurze Geschichte der Zeit"

Stephen William Hawking (geb. 8.1.1942 in Oxford, genau 300 Jahre nach Galileo Galilei) ist ein englischer Physiker und Mathematiker, seit 1979 lehrt er an der Universität Cambridge und ist dort Inhaber des Lukasischen Lehrstuhls für Mathematik.
Hawking lieferte bedeutende Arbeiten zur Kosmologie, wobei seine Forschung vor allem in dem Gebiet der Physik (Schwarzer Löcher) angesiedelt ist. Durch populärwissenschaftliche Bücher über moderne Physik ist er auch einem breiten Publikum außerhalb der Fachwelt bekannt geworden.
Durch die Krankheit amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist Hawking auf den Gebrauch eines Rollstuhls angewiesen. Da er aufgrund eines Luftröhrenschnitts nicht mehr in der Lage ist, mit seiner Umwelt verbal zu kommunizieren, wurde für ihn speziell ein Sprachcomputer entwickelt, mit dem er Vorträge hält und Interviews gibt.
"Eine kurze Geschichte der Zeit" (englischer Originaltitel "A Brief History of Time") ist ein 1988 von Stephen W. Hawking veröffentlichtes populärwissenschaftliches Buch. Es entwickelte sich schnell zu einem Bestseller; im Jahre 2002 waren mehr als neun Millionen Exemplare verkauft.
Das Buch befasst sich mit Fragen zur Kosmologie, und beleuchtet dabei insbesondere die Rolle der Zeit. Es enthält Betrachtungen zum Urknall, und versucht, Eigenschaften schwarzer Löcher mit Hilfe der Stringtheorie zu erklären. Ist das Universum unendlich oder begrenzt? Hat die Raumzeit einen Anfang, einen Urknall? Dehnt sie sich aus? Wird sie wieder in sich zusammenstürzen? Liefe die Zeit dann rückwärts? Oder hat es gar keinen Urknall gegeben? Welchen Platz im Weltall nehmen wir ein? Das sind existentielle Fragen, mit denen sich Hawking befasst.
In elf Kapiteln spannt Hawking den Bogen von unserer Vorstellung vom expandierenden Universum samt seiner mathematischen Abbildung in der allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein über die Darstellung der Elementarteilchen und Naturkräfte zu den Schwarzen Löchern. Auch einen eigenen Forschungsbeitrag stellt Hawking allgemein verständlich dar: Ein Schwarzes Loch als Endstadium der Entwicklung eines sehr massereichen Sterns kann Teilchen und Strahlung als Folge von Quantenfluktuationen in genau der Menge aussenden, die der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik zulässt.
Über die Frage nach Ursprung und "Schicksal" des Universums kommt Hawking zum Zeitpfeil und der - heute immer noch nicht erreichten - Vereinheitlichung der Physik, bei der es darum geht, die bisher getrennt nebeneinander bestehenden Theorien der Gravitation und der Quantenmechanik bzw. Quantenfeldtheorien für starke, schwache und elektromagnetische Wechselwirkung miteinander zu vereinigen.
Das Werk schließt mit Charakterisierungen von Lebenswegen der berühmten Physiker, die sich Hawking zum Vorbild nimmt: Einstein, Galileo Galilei und Isaac Newton, den Begründer der "alten" Gravitationstheorie.
Diese Darstellung der Kosmologie ohne Formeln wurde auch deshalb international ein großer Verkaufserfolg, weil Hawking als Person in Nachrichtenmagazinen und anderen Medien im Vergleich zu seinen Wissenschaftlerkollegen ungewöhnlich oft präsent ist. Das Buch ist Vorläufer vieler anderer populärer Präsentationen der Kosmologie und hat wesentlich zum allgemeinen Interesse für diesen Wissenschaftszweig beigetragen.
"Eine kurze Geschichte der Zeit" hielt sich auf der Bestsellerliste der Sunday Times 237 Wochen, länger als irgendein anderes Buch (die Bibel und Shakespeare ausgenommen). Es ist in etwa vierzig Sprachen übersetzt und so oft verkauft worden, dass ungefähr ein Exemplar auf jeweils 750 Menschen dieser Welt kommt.
[Quelle: Internet: http://de.wikipedia.org; Kaiser, Joachim: Harenberg Buch der 1000 Bücher. Harenberg, 2002.]

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Weitere Titel von Stephen W. Hawking im Punktschriftbestand:

LOUIS

Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Der DAISY-Leser Version 2.0 ist da!

Ulrich Jander
Um DAISY-Bücher bzw. -Zeitschriften am Computer komfortabel nutzen zu können, benötigt man eine dafür entwickelte Software. Bisher war dies, neben englischsprachigen Produkten, der deutschsprachige DaisyLeser Version 1.1, entwickelt von der DZB in Leipzig.
Jetzt ist eine Nachfolgeversion herausgekommen, der DAISY-Leser Version 2.0. Dieses Programm beinhaltet alles Wichtige aus der Vorgängerversion; eine ganze Reihe von Neuerungen sind hinzugekommen.
Der DAISY-Leser 2.0 ist streng nach dem internationalen DAISY-Standard entwickelt worden. Die Software bietet die Möglichkeit, sowohl auf ein Audio- als auch auf ein Textbuch zugreifen zu können, wenn beide Formate des Buches zur Verfügung stehen. Ein DAISY-Buch kann ein Text-, aber auch ein Audiobuch oder beides sein. Man vermag somit nicht nur in den Überschriften des Buches zu suchen, sondern auch im Text, wenn der Buchtext im DAISY-Werk enthalten ist. Der DAISY-Leser 2.0 ist deutschsprachig, im Menü unter "DAISY" und dort unter "Sprache" kann man den DAISY-Leser auf Englisch umschalten. Die Handhabung der Navigation mit den Pfeiltasten hat sich gegenüber der Version 1.1 nicht geändert. Lesezeichen können gesetzt werden, Phrasensprünge, also von Satz zu Satz springen ist ebenso möglich, wie das Spulen oder die Veränderung der Lautstärke bzw. der Geschwindigkeit.
Der DAISY-Leser 2.0 verfügt über ein Menü, welches wieder mittels der ALT-Taste erreicht werden kann. Per Pfeiltastenbedienung sind die einzelnen Funktionen dann ansteuerbar; Kurztastenbefehle gibt es natürlich auch. Eine Bedienungsanleitung für das Programm kann direkt mit der Taste F1 abgerufen werden. Es erscheint die Anleitung als DAISY-Buch, sowohl in der Text- als auch als Audiovariante. Außerdem gibt es die Anleitung als doc-, txt- und html-Datei im Startbereich unter Programme, dort unter DZB Leipzig, DAISY-Leser 2.0 unter Manuals oder im Programmverzeichnis des DAISY-Lesers unter Documents.
Die Voraussetzungen für die Nutzung des DAISY-Lesers 2.0 sind:
Der DAISY-Leser 2.0 ist, wie der Vorgänger, kostenlos und kann aus dem Internet unter www.dzb.de/daisy/ oder www.daisyleser.de/ bzw. auf CD-ROM direkt von uns in der DZB Leipzig (im Verlag bei Frau Thormann unter Tel. 0341 7113-120 oder bei mir unter Tel. 0341 7113-145) bezogen werden. Die CD-ROM enthält neben Ausschnitten verschiedener DAISY-Bücher auch die Programme, die als Voraussetzung für die Nutzung des DAISY-Lesers erforderlich sind.
Bei der Installation muss man beachten, dass gleich zu Beginn, nach dem ersten Anklicken oder der Bestätigung der Installation, die Schaltfläche "Öffnen" oder "Ausführen" zu aktivieren ist. Die Schaltfläche "Speichern" zu bestätigen ist falsch und führt zu Fehlern bei der Installation. Nach dem Punkt "Öffnen" gelangt man in die Installationsroutine mit mehreren, aufeinander folgenden Fenstern, die mit einer Ausnahme immer mit "Weiter" zu bestätigen sind. Lediglich im zweiten Fenster befindet man sich in der Lizenzvereinbarung, die mit den Pfeiltasten gelesen werden kann. Dann muss man mit der Tabulatortaste auf einen Auswahlschalter gehen und mit Pfeil ab- bzw. aufwärts das Feld "Ich stimme zu" einstellen. Erst dann ist die Schaltfläche "Weiter" aktiv. Stimmt man der Lizenzvereinbarung nicht zu, wird die Installation abgebrochen. Es ist empfehlenswert, den Text in den einzelnen Installationsfenstern zu lesen, da dort verschiedene Informationen stehen, die später nützlich sein können.
Nach Abschluss der Installation befindet sich auf der Arbeitsoberfläche, dem Desktop, ein Symbol oder Icon mit der Aufschrift "DAISY-Leser 2.0". Wenn man dieses aktiviert, so wird der DAISY-Leser gestartet, und die Nutzung des Programms kann beginnen.
Der neue DAISY-Leser verfügt nicht mehr, wie noch der Vorgänger, über eine eigene Sprachausgabe; man benötigt demnach als blinder Anwender einen Screenreader für den Einsatz der Software. Die vorhergehenden Versionen 1.1 bzw. 1.0 des DAISY-Lesers braucht man nicht unbedingt zu deinstallieren. Die neue Version 2.0 legt lediglich ein weiteres Verzeichnis an und stört sich nicht an den Vorgängern. Man kann also auf diese Weise nach Belieben zwischen der Nutzung der verschiedenen DAISY-Leser-Versionen auswählen. Der DAISY-Leser 2.0 lässt sich mit der Tastatur, aber auch mit der Maus bedienen. Die Software möchte Interesse wecken sowohl bei blinden und sehbehinderten Nutzern, aber auch, und das nicht zuletzt, bei dem sehenden Anwenderkreis, die sich für Hörbücher interessieren. Auf diese Weise, so hoffen wir in der DZB, kann DAISY weiter publik gemacht werden und künftig hoffentlich weitere Verbreitung finden.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und einen möglichst hohen Hörgenuss mit DAISY-Büchern und bei der Nutzung des DAISY-Lesers Version 2.0.
Für Fragen Ihrerseits stehe ich in der DZB gern zur Verfügung.

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Wenn das DAISY-Buch aus zwei oder mehreren CDs besteht …

Ulrich JAnder
In aller Regel befindet sich ein DAISY-Buch auf einer CD; ein Wechsel der CDs entfällt also. Jedoch gibt es auch sehr, sehr lange und komplexe Werke, die dann doch den Umfang einer CD sprengen. Dann kommen wir in der DZB in unserem Studio bei der Produktion nicht daran vorbei, mehrere CDs für ein Buch einzusetzen. Das ist nicht häufig, aber es kam schon verschiedentlich vor, natürlich auch in anderen Hörbüchereien. Was ist dann beim Abspielen zu beachten?
Es ist immer erforderlich, dass die erste CD bis zum Schluss gehört wird bzw. sich diese am Ende befindet. An dieser Stelle können die CDs ausgetauscht werden, also die erste durch die zweite CD ersetzt werden. Die zweite CD startet dann planmäßig am Beginn dieser Scheibe, setzt also mit dem Hörbuch fort. Sollte es noch weitere CDs geben, so wiederholt sich dieses. Das kontinuierliche, dem Inhalt entsprechende Vorspielen ist somit gewährleistet.
Wenn man jedoch auf der ersten CD nicht am Schluss dieser Scheibe ist, dann bemängelt das Abspielgerät dies nach dem Einlegen der zweiten CD. Bei den Plextalk-Geräten, z. B. PTN1 oder PTR, lässt sich diese Fehlermeldung aufheben, indem man kurz auf die Vorspultaste, rechts neben der Wiedergabe/Stopptaste, drückt. Das Gerät springt zum nächsten Satz, in der Regel der Beginn der zweiten oder der weiteren CD. Das Weiterhören ist damit möglich. Bei den Victor-Geräten funktioniert das in aller Regel nicht; hier muss wirklich zum Ende der ersten oder vorigen CD gegangen werden, bevor das Weiterhören auf der nächsten CD möglich ist. Zum Ende einer CD kann man ziemlich zügig per Tastenbedienung auf dem Victor gelangen, indem man die Lesezeichen-Taste mehrmals drückt bis an die Stelle, an der "Lesezeichenliste" angesagt wird. Daraufhin muss die Sprungtaste vorwärts einmal gedrückt werden. Das Gerät sagt "Ende" oder "Ende des Buches" an. Das ist die Position, an welcher die CDs gewechselt werden können.
Im Abspielverhalten der verschiedenen Geräte kann es dennoch Besonderheiten geben. Dies hängt mit den verschiedenen Gerätetypen, und vor allem mit der jeweils im Gerät befindlichen Betriebssoftware und ihrer Version zusammen. Gibt es trotz der oben beschriebenen Vorgehensweise Probleme, dann muss der konkrete Einzelfall geprüft werden. Hierfür bin ich auf jeden Fall in der DZB ansprechbar und werde versuchen, Abhilfe zu schaffen. Gegebenenfalls müsste auf das konkrete Abspielgerät die aktuelle Betriebssoftware aufgespielt werden. Auch hier würde ich versuchen zu helfen.
Beim Abspielprogramm DAISY-Leser Version 2.0 für den PC gibt es im Menü unter DAISY den Punkt "Wechseln". Dieser ist zu aktivieren, wenn die zweite oder weitere CD des Buches eingelegt werden soll. Das kontinuierliche Vorlesen ist somit auch hier möglich. Wenn Rückfragen bzw. weitere Fragen auftreten, so stehe ich Ihnen natürlich gern in der DZB zur Verfügung.

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Info-Service

Europa-Atlas komplett

Der von der DZB herausgegebene Europa-Atlas für Blinde und Sehbehinderte liegt nunmehr komplett vor.
Hier die Preise für die vollständiger Ausgabe:

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Wegbeschreibung zum Leipziger Zentralstadion

Am 11., 14., 18., 21. und 24. Juni ist das Leipziger Zentralstadion Austragungsort von Spielen der Fußball-WM. Für Blinde und Sehbehinderte hat die DZB in Zusammenarbeit mit den Leipziger Verkehrsbetrieben LVB, der Stadionbetreibergesellschaft ZSL und dem Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen, Kreisorganisation Leipzig/Stadt, ein spezielles Informationsmaterial erarbeitet.
Es bietet Informationen in Blindenschrift und Großdruck über P+R-Plätze, die Tram-Linien zum Stadion sowie zu den eingesetzten Sonderlinien mit Haltepunkten und Taktzeiten. Ein Anhang mit transparenten Reliefs und farbigen Abbildungen enthält die Darstellung der Autobahnanbindung Leipzigs und der einzelnen P+R-Plätze einschließlich Tramlinien zum Stadion sowie einen Stadionplan.
Die Broschüre wird zum Preis von 5,00 EUR in der DZB erhältlich sein und an Konsultationspunkten der LVB ausliegen.
Bestellungen: Tel. 0341 7113-119

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DZB auf der SightCity

Vom 17. bis 19. Mai 2006 werden wir das Angebot der DZB, den Service der Bibliothek wie auch Aktuelles aus dem Verlag, präsentieren. Sie finden uns im Sheraton-Hotel am Stand F 12, über den wir gemeinsam mit MEDIBUS e.V. und der WBH Münster verfügen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

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Von Büchern und ihren Paten

Susanne Siems
Dass wir mit unserem Projekt "Buchpatenschaften" einen Nerv getroffen haben, versicherte mir am Rande der Festveranstaltung "50 Jahre Hörbuch" die Leiterin des Kulturamtes Leipzig, Frau Susanne Kucharski-Huniat. Sicherlich können Sie sich vorstellen, liebe Leserinnen und Leser, wie sehr wir uns über diesen Zuspruch gefreut haben.
Die Liste von 40 Titeln im Internet ist erweitert worden - um 10 Bücher, die wir aus Stuttgarter Hörbuchbeständen übernommen haben und nun in DAISY konvertieren möchten. Hier ist auch sicher der richtige Platz, um sich einmal ausdrücklich und besonders bei den zahlreichen Spendern aus Baden-Württemberg zu bedanken. Wir freuen uns sehr, wenn unsere Bemühungen, ihnen eine neue "Leseheimat" zu bieten, offensichtlich gut ankommen. Recht herzlichen Dank!
Der geht natürlich auch an alle anderen, die das Projekt Buchpatenschaften zu einem gelungenen machen. Schauen Sie doch wieder einmal vorbei bei www.buch-patenschaft.de

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2.200 km für Bildung und gegenseitiges Verstehen

Dr. Thomas Nicolai
Am 10. Juni werden sich in Berlin fünf Tandem-Teams mit blinden und sehbehinderten Mitfahrern auf den Weg nach St. Petersburg machen. Bis zum 06. Juli werden jeden Tag rund 100 km zu fahren sein.
Wir wollen Blindenschulen in Polen (Laski), Litauen (Kaunas), Lettland (Riga), Estland (Tallinn und Tartu) sowie Russland (Kaliningrad und St. Petersburg) mit Hilfsmitteln für den Unterricht und für die Freizeit unterstützen, weil wir wissen, dass es dort trotz mancher Fortschritte selbst an elementaren Dingen noch fehlt.
Wer dieses Anliegen symbolisch unterstützen möchte, kann dies tun, indem er uns auf der ersten Etappe ein Stück per Tandem oder per Einzelrad begleitet.
Bislang 17 Förderer und Sponsoren machen es möglich, Hilfsmittel für den genannten Zweck zu beschaffen, eine professionelle Medienbegleitung zu sichern und dafür zu sorgen, dass die Kontakte zu blinden und sehbehinderten Tandem-Fahrern auch über die Tour hinaus gepflegt werden können. Begleitet wird das Projekt ebenfalls durch die deutschen Botschaften in den genannten Ländern und die diplomatischen Vertretungen der fünf Länder in Berlin.
Jeder kann das Projekt unterstützen. Auf der SightCity, am Stand des Blinden- und Sehbehindertenbundes Hessen e. V. sowie bei mehreren Hilfsmittelfirmen gibt es Informationsmaterial.
Auch der Termin für das Tandem-Camp mit europäischen Freunden, das vom 14. bis 22.10. mit einer Tour von Pardubice (Tschechien) nach Berlin alte und neue Kontakte, Gemeinsamkeit und gegenseitiges Verstehen fördert, ist in einem sonst nirgendwo zu findenden Tandem-Kalender vermerkt.
Wer kann Hilfsmittel beisteuern? Gebraucht werden mechanische Punktschrift-Schreibmaschinen und zusammenlegbare, weiße Langstöcke (natürlich nur in gutem, gebrauchsfähigem Zustand). Auch an der Beschaffung weiterer Hilfsgüter kann man sich beteiligen.
Kontaktinformationen:
Thomas Nicolai; Initiator von Tandem-Hilfen: Tel. 030 2081720 (privat)
Jutta Balzert: Tel. 02302 50452 (privat)
Helga Liedke: Tel. 030 42856068
E-Mail: kontakt@tandem-hilfen.de
Internet: www.tandem-hilfen.de

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Barrierefreie Nutzung von Windows XP

Die Firma TESSFIT bietet in Wolgast vom 07.07 bis 09.07.2006 eine Schulung zum Thema "Barrierefreie Nutzung von Windows XP" an.
Die Schulung richtet sich an sehbehinderte Computernutzerinnen und -nutzer. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Zu den Besonderheiten zählt die Möglichkeit zur Nachbetreuung am eigenen Arbeitsplatz. Die Teilnehmerzahl ist auf 8 Personen begrenzt. Anmeldungen sind bis zum 31.05.2006 möglich.
Weitere Informationen und Anmeldung:
Telefon: 069 95632616
Internet: http://www.wolgast.tessfit.de
E-Mail: info@tessfit.de

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Barrierefreie Arbeitsplätze der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Im Erdgeschoss des Studienzentrums gibt es einen Blinden- und zwei Sehbehindertenarbeitsplätze. Die Ausstattung der Arbeitsplätze setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:
Nach einer Einweisung durch das Personal können die Plätze während der Öffnungszeiten jederzeit genutzt werden. Wir empfehlen Ihnen, sich vor Ihrem ersten Besuch anzumelden.
Für das Erdgeschoss des Studienzentrums gibt es einen Orientierungsplan für Blinde und Sehbehinderte, den Sie bei der Anmeldung erhalten.
Für Führungen oder bei Vorträgen und Lesungen im Studienzentrum stehen ein Funkmikrofon und zehn Empfänger zur Verfügung. Das Studienzentrum ist weitgehend barrierefrei gestaltet und kann auch von Rollstuhlfahrern ohne Probleme erkundet werden.
Telefon: 03643 545205
E-Mail: info-haab@klassik-stiftung.de

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Kostenlos mit PABS telefonieren

Wer Zugang zum Internet hat, kann kostenlos mit der Preisagentur für Blinde und Sehbehinderte telefonieren. Der Partner GoYellow stellt nach Eingabe Ihrer Festnetz- oder Mobilfunknummer eine kostenlose Verbindung zu PABS her. Die Vorgehensweise sieht wie folgt aus:
  1. www.pabs-online.de aufrufen
  2. Schaltfläche "Hier klicken, um diesen Gespraechspartner einfach und kostenlos anzurufen!" betätigen (Der Button befindet sich in der rechten Spalte auf der Startseite)
  3. Es öffnet sich ein neues Fenster von GoYellow, in das Vorwahl und Rufnummer eingegeben werden können.
  4. Schaltfläche "Hier klicken, um die kostenfreie Verbindung aufzubauen" betätigen.
  5. GoYellow ruft unter der eingegebenen Festnetz- oder Mobilfunknummer zurück und stellt die Verbindung zu PABS her. Gesprächsdauer maximal 15 Minuten.

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INCOBS - Informationspool

INCOBS unterstützt die Einrichtung von Computerarbeitsplätzen für blinde und sehbehinderte Mitarbeiter und informiert anbieterneutral über das Leistungsspektrum elektronischer Hilfen und moderner Kommunikationstechnologien.
Ziel ist es, den Hilfsmittelmarkt transparenter zu gestalten und Anwender und Berater bei der Auswahl geeigneter Produkte zu unterstützen.
Basis des Informationsangebotes sind Produkttests, die gemeinsam mit Anwendern und Experten entwickelt werden.
INCOBS ist ein Projekt der DIAS GmbH, Hamburg, mit Unterstützung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands e.V. und des DVBS (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.). INCOBS wird durch das Bundesministerium für Gesundheit und Arbeit gefördert.
Weitere Informationen:
DIAS GmbH, Heike Claus
Neuer Pferdemarkt 1, 20359 Hamburg
Tel.: 040 43187515
E-Mail: clauss@dias.de
Internet: www.incobs.de

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Marktoffensive von Papenmeier

Die Firma Papenmeier will mit folgenden Maßnahmen den Erwerb von DAISY-Playern erleichtern:
  1. Senkung des Preises für den Victor-Reader Classic auf 344 EUR inkl. Steuer und Versand.
  2. Angebot eines Finanzierungsmodells für den Erwerb der Victor-Reader.
Beim Finanzierungsmodell zahlt der Kunde einen Anfangsbetrag von 100,00 EUR, der die Kosten für Finanzierung und Verwaltung deckt. Monatlich zahlt der Nutzer dann 9,00 EUR. Die Laufzeit richtet sich nach dem Gerätetyp.
Hotline: Tel.: 02304 946143.

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Augentrost und Augenpflege

Vom 03. bis 05.11.2006 findet in den "Ostseeperlen" Boltenhagen ein Seh- und Wahrnehmungstrainingskurs für sehbehinderte Menschen statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 12 Personen beschränkt, der Pauschalpreis im Doppelzimmer beträgt 120,00 € (gefördert).
Das rehabilitative Sehtraining begreift das Sehen als ganzheitliches Geschehen von Körper, Geist und Seele.
Aurahotel "Ostseeperlen" Boltenhagen
Tel.: 038825 3700
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de

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Impressum

"DZB-Nachrichten" erscheint zweimonatlich. Kostenlose Beilage: "Leipziger Bücherliste".Jahresabonnement: Kassette oder Blinden-kurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €,Schwarzschrift 12,30 €. Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: (03 41) 71 13-0
Fax: (03 41) 71 13-125
Internet: www.dzb.de
E-Mail: info@dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse
Telefon: (03 41) 71 13-135
Abonnements, Anzeigen:
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Sparkasse Leipzig
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DZB 2006

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