DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 4 – 2006

Juli / August

16. Jahrgang


Inhalt

Postecke

Einblicke

Öffentliche Bibliothek für Blinde - Blinde in Öffentlichen Bibliotheken

Kalender für 2007

1. Blindenschrift-Kalender

2. Großdruck-Kalender

Wie war das damals?

Isabella Keilberg - Begründerin der Blindenerholung in Sachsen

Die Kramkiste

Jenö Tersansky: "Legende vom Hasengulasch"

Johann Gottfried Seume: "Spaziergang nach Syrakus"

Bookflash

Jane Austen: "Stolz und Vorurteil"

Bücher des Jahrhunderts

LOUIS

PDF-Dokumente in Text oder andere Formate umwandeln

Info-Service

Liebe Buchpatinnen und Buchpaten und alle, die es vielleicht noch werden wollen

Einladung zum Tag der offenen Tür

DaCapo2

Villa Rochsburg lädt ein

Bundesweites Führhundhaltertreffen in Göttingen

Führungen für Blinde und Sehbehinderte bei der IFA 2006

Reiseziel Deutschland bei Menschen mit Handicap vorn

Neuer Verlag für Hörbücher: Silberfuchs-Verlag

Impressum

Vorbemerkung

Zweihundert Jahre Blindenbildung in Deutschland sind Anlass, uns in der Rubrik "Einblicke" eingehender mit der Rolle von Bibliotheken und der Schrift für Blinde zu beschäftigen. Der Beitrag wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt, wie auch der Artikel von Dr. Uhlig über die Begründerin der Blindenerholung in Sachsen. Verabschieden werden wir uns dagegen von der Rubrik "Bücher des Jahrhunderts", die in dieser Ausgabe endet.
In der letzten Ausgabe DZBN 3-2006 wurde im Artikel "Kostenlos mit PABS telefonieren!" über die Vorgehensweise informiert, um den PABS-Service per Internet nutzen zu können. Leider ist in einigen Punktschriftausgaben der erste Schritt mit der Internet-Adresse nur teilweise abgedruckt. Vollständig muss es heißen: "1. www.pabs-online.de aufrufen"
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

DAISY-Hörbücher zum Kaufen

»(…) ich habe mich sehr gefreut, dass Sie nun die ersten beiden ›echten‹ DAISY-Hörbücher auch zum Kaufen anbieten. Das Kochbuch ›Männer kochen, Frauen genießen‹ von Andreas C. Studer war ja schon länger angekündigt, aber das zweite Kaufhörbuch ›Mein buntes, blindes Leben‹ von Ruth Wunsch war doch eine Überraschung. Ich habe mir beide DAISY-Kaufhörbücher gleich bestellt. Sollten Sie auch in Zukunft beabsichtigen, weitere DAISY-Hörbücher zum Kauf anzubieten, wäre es vielleicht sinnvoll, dafür in der Leipziger Bücherliste im Bereich ›Verkauf‹ eine eigene Rubrik einzurichten …
Und nun noch vielen Dank für die Zusendung der Audio-CD ›50 Jahre Hörbuch in der DZB‹. Auf der CD gab es auch die Überlegung, ob nicht auch kommerzielle Hörbuchverlage das DAISY-Format verwenden könnten. Die Idee ist schon gut, und ein Verlag hat es ja auch schon gemacht, und er hat dabei mit der SBS in Zürich zusammengearbeitet. Nur das Problem ist, dass das DAISY-Format ja nur auf den speziellen DAISY-Geräten einen echten Vorteil beim Abspielen der Hörbücher bringt. Ansonsten ist es ja nur ein MP3-Format, und es kann ja bekanntlicherweise, wenn sich zu viele Dateien auf der CD befinden, sogar zu Abspielproblemen kommen. Die kommerziellen Hörbuchverlage bieten ja selbst im reinen MP3-Format bisher nur wenige Hörbücher an, da es kaum Hörbuch-taugliche MP3/CD-Spieler im Handel zu kaufen gibt. Der beste MP3/CD-Spieler für Hörbücher, den ich kenne, war der iRriver IMP-150, aber dieses Gerät wird leider nicht mehr hergestellt. (…)«
[Herr Karsten Brüning aus Hannover per E-Mail ]

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DAISY-Zeitschriften

»(…) Die DAISY-TV ist sehr ausführlich und ich finde es hervorragend, dass zu fast jeder Sendung, insbesondere zu Filmen, eine umfassende Erklärung gegeben wird. Nur würde mich interessieren, nach welchen Kriterien die Reihenfolge der Programme in der Zeitschrift geordnet ist. Begrüßen würde ich, wenn zuerst die öffentlich-rechtlichen und dann die privaten Programme angegeben würden. Die Rundfunkzeitschrift auf DAISY ist im Prinzip auch gut, nur müssten bei einer ganzen Reihe von Hörspielen und Features auch ausführliche Inhaltsangaben gemacht werden. Was die Anzahl der Programme bei DAISY-Radio angeht, bin ich subjektiv zufrieden. Allerdings sind einige Programme nicht vorhanden, wie z.B. mdr Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen oder NDR Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein, RBB Radio Fritz, Inforadio, Bayern 1, HR 1, um hier nur einige aufzuführen. Ich könnte mir vorstellen, dass es Abonnenten gibt, die diese Programme in der Zeitschrift auch vermissen.
Gut finde ich auch, dass auf der Innenhülle der Programmzeitschriften eine Beschriftung vorhanden ist. Könnte man dass aber nicht auch bei allen DAISY-Zeitschriften machen? Dann könnte man als Blinder und Punktschriftleser beim Erhalt einer Zeitschrift schon bevor man sie in den Player einschiebt feststellen, welche das ist. Wäre es eventuell sogar möglich, bei den Abonnenten, die DAISY-Radio und -TV als Doppelpack erhalten, beide Programmzeitschriften als zwei Hörbuchtitel auf eine CD aufzunehmen? Dann müsste man nicht mehr so oft die CD wechseln. (…)«
[Herr Detlef Richter aus Königs Wusterhausen]
Bemerkung der Redaktion
Die Reihenfolge der Programme orientiert sich an der vermuteten Benutzungshäufigkeit. Sicher sind hierbei die Geschmäcker verschieden, Änderungen wären möglich. Anders ist es mit den Inhaltsangaben, hier sind wir auf die Zulieferungen angewiesen.
Offen ist noch, um welche Sender das Hörfunkprogramm erweitert wird. Das ist auch von der jeweiligen Programmstruktur abhängig, da sich einige Sender in ihrem Angebot auf einen bestimmten Standard beschränken, der sich ständig wiederholt und kaum Veränderungen unterworfen ist. Für eine entsprechend sinnvolle Erweiterung benötigen wir noch etwas Zeit.
Die Beschriftung der Hüllen mit Punktschrift und Großdruck ist inzwischen - genauer: seit Juni - bei allen DAISY-Zeitschriften Realität.
Aus Platzgründen können beide Programmzeitschriften nicht auf eine CD gebracht werden.

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Tücken beim Abspielen von DAISY-Büchern

»(…) Ich hatte ein spannendes DAISY-Buch begonnen, als nach mehrmaligem Unterbrechen des Hörbuches mein DAISY-Player der Firma iRiver IMP-150 den Text nicht mehr erkannte. Nach mehrmaligem Versuchen, die CD zu starten, gab ich auf. Ich rechnete schon damit, dass mein Player defekt sei. Ich zeigte die DAISY-CD meiner sehenden Frau. Sie erkannte, dass auf der CD ein Fettfilm vorhanden war. Sie reinigte diese mit einem Tuch. Voller Freude stellte ich fest, dass die DAISY-CD einwandfrei lief.
Man sollte möglichst die CDs nicht auf den Flächen berühren. Sollte dies schon mal passieren, sollte man keine fettigen Hände haben, damit auch der nächste Nutzer seine Freude an dem Hörbuch hat. Ich glaube nicht, dass alle zurückgesandten DAISY-CDs gründlich kontrolliert werden können. Ich denke, es wäre am besten, wenn man die CD von oben an dem Rand mit drei Fingern greift, um sie zu benutzen.
Vielleicht hat jemand noch weitere Anregungen zur pfleglichen Nutzung der DAISY-CDs. (…)«
[Herr Bernhard Güntzel aus Königs Wusterhausen]

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Einblicke

Nachstehender Beitrag wurde ursprünglich für einen Sammelband zum Thema "Soziale Bibliotheksarbeit" geschrieben, der voraussichtlich in der 2. Jahreshälfte im BibSpider-Verlag erscheint. Dieser Band richtet sich in erster Linie an sehende Leser, die unsere Spezialbibliotheken nicht kennen und die DZBN-Leser sollten den Beitrag auch in diesem Kontext verstehen.

Öffentliche Bibliothek für Blinde - Blinde in Öffentlichen Bibliotheken

Susanne Siems
"Es wird auch der Fehler begangen, mit dem Nichtsehenden und Sehenden einen Unterschied zu machen. Es ist kein Unterschied zu machen, da das Auge des Blinden durch den empfindsamen Tastsinn ersetzt und zur Vollsichtigkeit beim Lesen umgewertet ist."
[Marie Lomnitz-Klamroth]
1. Anliegen
Zunächst werde ich etwas zur Lesekompetenz blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und zur Arbeit der Bibliotheken für Blinde und Sehbehinderte sagen. Danach folgt die Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Besonderheiten sozialer Bibliotheksarbeit für blinde und sehbehinderte Menschen im Vergleich zu nichtbehinderten Bibliotheksbenutzern. Aus dem Ist-Zustand werden Vorschläge für Projekte und Arbeitsabläufe in der Zukunft gemacht. Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Intensivierung der Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken.
Die in meinem Beitrag geäußerte Sichtweise geht in erster Linie von der Alltagssituation in der Bibliothek und dem Kontakt mit der Zielgruppe Blinde und Sehbehinderte aus, weniger von notwendigen politischen Entscheidungen. Ausdrücklich beleuchtet der Artikel vorrangig die soziale Bibliotheksarbeit an öffentlichen Bibliotheken. Bei dieser Wichtung orientierte ich mich an den geplanten Inhalten des Bandes. Es wäre ebenso interessant, soziale Bibliotheksarbeit im Bereich wissenschaftlicher Bibliotheken zu analysieren und Zukunftspläne zu schmieden.
2. Lesekompetenz blinder und sehbehinderter Menschen - historische und gegenwärtige Sicht
Marie Lomnitz-Klamroth war die Leiterin der ersten öffentlichen Bücherei für Blinde in Deutschland. 1894 wurde in Leipzig der "Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften" gegründet, heute heißt die Einrichtung "Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)". Ich bin dort seit 1990 als Bibliothekarin beschäftigt und die hier wiedergegebenen Gedanken basieren auf den Erfahrungen und Planungen, die wir in der DZB gemacht haben und machen.
Was will uns Frau Lomnitz-Klamroth mit ihren einleitenden Worten sagen?
Zwei Dinge im Wesentlichen: Blinde Menschen sind genauso bildungsfähig, intelligent und wissbegierig wie sehende. Und Bücher, die das reale Leben zwischen ihren Seiten widerspiegeln, bringen ihnen die Welt ins Wohnzimmer. Beides sind die besten Argumente dafür, dass blinden Menschen der gleiche Zugang zur Literatur ermöglicht wird wie sehenden Bürgern.
Ja, ich möchte das an dieser Stelle sogar noch verstärken - aufgrund des auszugleichenden Defizites in der Wahrnehmung einerseits und der Fülle an Eindrücken, die Literatur vermitteln kann, andererseits, sollte blinden Menschen bevorzugter und exklusivster Zugang zu gedruckten Informationen allgemein und Büchern im besonderen ermöglicht werden.
Noch einmal, weil es so wichtig ist, muss es gesagt werden: blinde Menschen sind in ihrer optischen Wahrnehmung und demzufolge besonders auch in ihrer Mobilität eingeschränkt, nicht aber stärker als andere eingeschränkt in ihrer Auffassungsgabe. Da mindestens 80 Prozent aller Eindrücke über das Auge wahrgenommen werden, wird auch heute noch nur allzu oft fehlende Informationsmöglichkeit mit mangelnder Intelligenz verwechselt. Menschen, denen das Sehvermögen ganz fehlt oder bei denen es nur teilweise vorhanden ist, sind sehr im Hintertreffen, was zunächst Schul- und Berufsausbildung, später lebenslanges Lernen und Ausbau und Erhalt der Allgemeinbildung angeht. Die großen Barrieren bestehen, weil all diese Dinge an Schrift und gedruckte Informationen gebunden sind.
Diese Erkenntnis ist nicht neu: Vor nunmehr über 200 Jahren keimte in Europa der Gedanke auf, dass Blinde nicht zum Bettler geboren sind oder als "Wundertier" ein Inselleben führen. 1784 gründete Valentin Haüy in Paris das erste Blindeninstitut der Welt, seit 1806 existiert in Berlin die erste Blindenschule Deutschlands.
Erziehung Blinder meinte zunächst die Entwicklung häuslicher und handwerklicher Fähigkeiten, das Lesen und Schreiben spielte noch nicht die Rolle wie in der Gegenwart. Das hing zum Großteil damit zusammen, dass noch keine geeignete Lösung entwickelt war, um Blinden die Schrift der Sehenden zu lehren. Viele Experimente gab es, vor allem Blindenpädagogen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien suchten im 19. Jahrhundert sehr intensiv nach Lösungen. Es spricht für die Selbständigkeit und Gleichberechtigung blinder Menschen, dass ihre bis heute weltweit gültige Schrift von einem selbst blinden Jungen im Alter von 16 Jahren entwickelt wurde. 1825 veröffentlichte der Franzose Louis Braille zum ersten mal sein geniales, auf 6 Punkten basierendes, Schriftsystem. 6 Punkte, die wie auf einem Würfel angeordnet sind. Durch Weglassen einzelner Punkte entstehen 63 Kombinationsmöglichkeiten, mit deren Hilfe alle Buchstaben des Alphabetes und wichtige Sonderzeichen dargestellt werden können. Bis heute hat die Brailleschrift - andere Bezeichnungen dafür sind Punktschrift oder Blindenschrift - Gültigkeit in allen Sprachen, auch denen, die auf einem anderen als dem lateinischen Schriftsystem basieren. Auch in Russland, Japan und der arabischen Welt, verwenden Blinde sechs Punkte zum Schreiben, ein kleiner Bonus sozusagen für die weltweite "blinde" Verständigung.
Doch noch einmal zurück ins 19. Jahrhundert. Zunächst brauchte die Brailleschrift einige Jahrzehnte, ehe sie sich, von Frankreich ausgehend, auch in Deutschland durchsetzte. 1879 wurde auf dem Blindenlehrerkongress in Berlin ihre deutschlandweite Verwendung beschlossen. Vorher, da fast jede Blindenanstalt ihr eigenes Schriftsystem hatte, gab es für umfangreiche Sammlungen von Büchern für Blinde keine Chance. Mit der Anerkennung der Brailleschen Blindenschrift veränderte sich die Situation. 1876 entstand der Verein zur Förderung der Blindenbildung in Hannover, die erste deutschlandweite Druckerei für Blindenliteratur. Dennoch dauerte es noch fast zwanzig Jahre, bis die erste öffentliche Blindenbibliothek, die unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Blindenanstalt ihre Bücher verlieh, gegründet wurde.
Die Bemühungen um die Erziehung und Bildung blinder Menschen gingen zur damaligen Zeit sehr stark von Pädagogen aus, das Selbstbewusstsein und die Eigeninitiative blinder Menschen musste erst noch wachsen. Bereits mit dem Entstehen der ersten Literatur in Brailleschrift machten sich die "Förderer" der Blinden Gedanken um den Inhalt der Bücher. In erster Linie sorgten sie sich um das Seelenheil ihrer Schützlinge, etwas, was sicher zur damaligen Zeit üblich war, mich aber aus heutiger Sicht das Wort "Förderer" in Anführungsstriche setzen lässt. Um sich ein Bild der damaligen Zeit machen zu können, und wohl auch ein wenig zur Unterhaltung, möchte ich hier einige kurze Sätze aus dem "Enzyclopädischen Handbuch" von Alexander Mell, erschienen 1900, zitieren:
"Sofern es sich um das Selbstlesen der Blinden handelt, ist die Lectüre noch ziemlich beschränkt. Der den Blinden gebotene Stoff ist jedoch sorgfältig gewählt, da die Druckereien meist mit Blinden-Anstalten verbunden, oder doch angemessen beeinflusst sind … so dass sich unpassende Lectüre kaum einschleichen könnte … Anders steht es jedoch mit dem Vorlesen … es entzieht sich der Einflussnahme, wenn den Blinden im Kreise ihrer Angehörigen oder ihrer Bekannten vorgelesen wird. Hier kann allerdings manches, was als nicht passend erachtet werden muss, dem Blinden zu Gehör gebracht werden … und dann kann … auf die Phantasie des Blinden in nicht ganz richtiger Weise eingewirkt und sein Gemüthsleben ungünstig beeinflusst [werden] … Es ist allerdings ganz richtig, dass so wie bei Sehenden auch bei Blinden ungeeignete Lectüre manchen Schaden anrichten kann, aber darüber darf man den Nutzen der Sache nicht aus dem Auge verlieren. Durch entsprechende Lectüre kann eben auch günstig eingewirkt, es kann die Phantasie in richtige Bahnen gelenkt werden … Es darf der veredelnde, sittigende Einfluss guter Lectüre nicht übersehen werden.
Weil der Blinde, insbesondere das blinde Mädchen, zur Ehe weniger taugt, glaubt man nicht selten, Stoffe, in denen von Liebe und Heirat gesprochen wird, von der Lectüre ausschließen zu müssen … Dagegen wäre nun einzuwenden, dass man in solchem Falle dem Blinden lediglich Reisebeschreibungen, moralische Erzählungen, Naturschilderungen u. dgl., aber nicht einmal unsere schönen deutschen Märchen bieten dürfte. Die Perlen unserer classischen Literatur wären dem Blinden dann verschlossen; nicht einmal Opern dürften sie besuchen, denn auch im Gewande der Musik spielt die Liebe eine Hauptrolle. Ja selbst Concerte müsste man ihm versagen, damit er nicht etwa ein Liebeslied zu hören bekäme. All das darf dem blinden Menschen nicht entzogen werden, will man ihn nicht ganz isolieren und ungebildet dastehen lassen. Wenn der Blinde aber in die Welt tritt, was hört er da nicht alles … Es würde nur mehr schaden als nützen, wollte man bei der Auswahl der Lectüre eine gewisse Richtung ängstlich einhalten, und man würde damit sicher das Gegentheil des beabsichtigten Zieles erreichen, denn mit der ihm eigenen Feinfühligkeit würde der Blinde bald die bestimmte Absicht merken und nur zu ungünstigem Forschen und Grübeln veranlasst werden …
Man hat die verschiedenen Altersstufen zu berücksichtigen und darnach den Lese-, bzw. Vorlesestoff zu wählen; ältere Zöglinge oder erwachsene Blinde verlangen andere Kost als Kinder, und die soll ihnen auch geboten werden; bei richtiger Wahl wird man sie auch durch das Gehörte erziehen.
Sorgfalt und Umsicht sind trotz einer gewissen Freiheit nicht zu entbehren und der Grundsatz ›dem Reinen ist alles rein‹ darf nicht durchaus als berechtigt betrachtet werden; man hat eben auch mit den weniger harmlosen, den sinnlich erregbaren Lesern, bzw. Zuhörern zu rechnen und gerade diese sind schwer zu behandeln, sowie sie auch schwer zu befriedigen sind."
So viel zur Planung des Bestandsaufbaus um 1900. Warum auch heute eine sorgfältige Auswahl notwendig ist, werden wir im folgenden Abschnitt zur Medienlandschaft Blinder und Sehbehinderter in Deutschland lesen.
Doch lassen Sie uns zur Lesekompetenz zurückkehren. Sie wurde für blinde Menschen also im 19. Jahrhundert erfolgreich begründet. Wie ist der Stand heute, im 21. Jahrhundert?
Jedes blinde Kind lernt in der Schule die Blindenschrift, dabei ist es unerheblich, ob das Kind an einem Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte oder integriert beschult wird. Leider ist es so wie im Land allgemein - die Schulen tragen zu wenig zur Leseförderung bei. Hier sind immer stärker die Bibliotheken mit ihrer Bildungsfunktion gefragt, in unserem Fall insbesondere die Blindenschriftbibliotheken.
Am Beispiel Schrifterwerb blinder Kinder und Jugendlicher zeigt sich auch ganz deutlich ein Grund, warum es bei der Zugänglichkeit von Literatur für Blinde niemals um einen Ersatz der Blindenschrift durch akustische Medien gehen kann und wird.
Unsere Punktschriftbibliothek hat im Verhältnis ein recht junges Lesepublikum, Eltern achten sehr gewissenhaft darauf, dass ihre Kinder in der Bibliothek angemeldet werden und auch lesen. Ein Problem stellt die Verfügbarkeit von Staffelexemplaren dar. Wenn wir weiter unten auf den Umfang von Punktschriftliteratur eingehen, wird deutlich, warum das so ist. Viele Exemplare zur gleichen Zeit zur Verfügung zu stellen, fällt schwer, zumal sie in der Regel nur einmal und dann nicht wieder benötigt werden. Auch die föderalen Strukturen im deutschen Bildungswesen erschweren die Situation für blinde Schüler. Solange jedes Bundesland, ja jede Schule, ein anderes Lehrbuch verwenden kann, wird es immer ein Problem sein, die blindengerecht aufbereitete Ausgabe in einem oder zwei Exemplaren und noch dazu in sehr kurzer Zeit zur Verfügung zu stellen. Erste Bemühungen um Zielvereinbarungen zwischen Schulbuchverlagen und Produzenten und Nutzern sind vorhanden und lassen für die blinden Schüler der Zukunft hoffen, dass sie Lehrmaterialien im gleichen Atemzug wie ihre sehenden Mitschüler erhalten.
Bei all den genannten Problemen und Besonderheiten ist intensive Zusammenarbeit der Blindenhör- und Punktschriftbüchereien und -Produktionsstätten gefragt. Und nicht zuletzt die Wendigkeit und Fachkenntnis der mit den Nutzern in Kontakt stehenden Bibliothekare. Hier wird die digitale Produktion und zunehmend auch Distribution und Rezeption zum Erfolg.
(Fortsetzung folgt)

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Kalender für 2007

Für das nächste Jahr stehen 7 Kalender zur Auswahl. Bestellungen werden bereits angenommen, die Auslieferung erfolgt ab August/September.
1. Blindenschrift-Kalender
Jahres-Wandkalender 2007
Ein Folieblatt (Format ca. 42 x 50 cm), die 3 Monate eines Quartals sind nebeneinander, die 4 Quartale untereinander angeordnet. Gesetzliche bundesweite Feiertage und Mondphasen sind gekennzeichnet. Für die Anbringung an der Wand ist die Folie mit einer Leiste versehen, an der sich zwei Ösen befinden.
(3,80 €; BNV 4633)
Taschenkalender 2007 - Kurzschrift-Ausgabe
Format ca. 11,0 x 13,0 cm. Neben jedem Monatskalendarium ist ein Notizblatt eingebunden - für Ihre persönlichen Termine. Die Ringbindung ermöglicht bequemes Umblättern der Seiten und eine Nutzung als Mini-Tischkalender.
NEU! Das Kalendarium wurde um die ersten drei Wochen des Folgejahres erweitert. Ein Service-Teil informiert zusätzlich über wichtige Service- und Rufnummern.
(6,00 €; BNV 4655)
Taschenkalender 2007 - Vollschrift-Ausgabe
Format ca. 11,0 x 13,0 cm, Kalendarium mit Angabe der gesetzlich bundesweiten Feiertage; geklammert.
(2,10 €; BNV 4654)
Relief-Wandkalender 2007 "Essbare Blüten"
Jedes Kalendermotiv ist auf einem transparenten Relief dargestellt, das mit einem Vierfarbdruck unterlegt ist (Format ca. 27x34 cm). Kalendarium und Texte in Blindenvoll- und Schwarzschrift.
Die Tradition, Blüten in der Küche und in der Heilkunst einzusetzen, ist sehr alt, war aber fast vergessen. Heute verwenden nicht nur Spitzenköche die blühende Pracht wieder, um Speisen zu verfeinern. Auch in der heimischen Küche lassen sich Gerichte phantasievoll mit Blüten gestalten.
Die Kalendertexte basieren auf dem bald in Blindenkurzschrift erhältlichen Buch "Köstliche Blüten - Rezepte und Ideen für jede Jahreszeit" von Brunhilde Bross-Burkhardt.
(15,00 €; BNV 4658)
2. Großdruck-Kalender
Großdruck-Taschenkalender 2007
Format ca. 12,0 x 14,0 cm; Ringbindung. Die Großdruck-Ausgabe (Schriftgröße 8 mm) bietet neben Monats- und Wochen-Kalendarium die Angabe der gesetzlichen Feiertage; Termine für Schulferien in den Bundesländern; Wochenzahl; Anzahl der monatlichen Arbeitstage; Vorschau auf die beweglichen gesetzlichen Feiertage des Folgejahres.
Im Wochenkalendarium mit Mondphasen umfasst jede Woche eine Doppelseite, so dass für jeden Werktag zwei Zeilen Raum für Notizen zur Verfügung stehen.
NEU! Das Kalendarium wurde um die ersten drei Wochen des Folgejahres erweitert. Ein Service-Teil informiert zusätzlich über wichtige Service- und Rufnummern.
(6,00 €; BNV 4656)
Großdruck-Tischkalender 2007
Das günstige Querformat A4 zum Ablegen auf dem Schreibtisch bietet genügend Raum für eigene Notizen, die Ringbindung gestattet flexibles Auf- oder Umschlagen der Seiten.
Wochen-Kalendarium mit Angabe der Feiertage, Wochenzahl, Mondphasen, Termine wie Beginn der Sommerzeit oder Frühlingsanfang.
NEU! Das Kalendarium wurde um den Januar des Folgejahres erweitert.
(7,90 €; BNV 4657)
Großdruck-Wandkalender 2007
Hochformat A3, Zahlen und Buchstaben 2,5 cm groß, Wochen-Kalendarium mit Angabe der Feiertage, Wochenzahl, Mondphasen, Termine wie Beginn der Sommerzeit oder Frühlingsanfang. Viel Raum für Notizen, Ringbindung mit Aufhängvorrichtung.
NEU! Das Kalendarium wurde um den Januar des Folgejahres erweitert.
(9,90 €; BNV 4659)
Auskünfte, Bestellungen unter:
Tel.: 0341 7113-119 oder info@dzb.de

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Wie war das damals

Isabella Keilberg - Begründerin der Blindenerholung in Sachsen

Dr. Werner Uhlig
Nachrichten über das persönliche Leben dieser klugen, energischen Frau sind nur spärlich verfügbar. Nicht einmal ihr Geburts- und Sterbetag sind genau bekannt. Genau wissen wir nur: sie ist im Frühjahr 1849 geboren und Anfang März 1940 gestorben. Die letzte authentische Mitteilung über Isabella Keilberg ist in den "Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 17. März 1940 veröffentlicht worden. Dort ist unter der Überschrift "Eine Betreuerin der Blinden gestorben" zu lesen: "Frau Isabella Keilberg, die Mitbegründerin des Vereins zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten für Blinde in Leipzig, ist im Alter von fast 91 Jahren in Bautzen verschieden. Sie hat jahrzehntelang die Aufgaben des Vereins tatkräftig und jederzeit einsatzbereit gefördert und durch ihr vorbildliches, von glühendem Idealismus beseeltes Wirken viele tatkräftige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die Arbeit innerhalb der Fürsorge für Blinde gewonnen. Als notwendige Ergänzung der Arbeitsfürsorge rief sie 1908 das erste Blindenerholungsheim in Grimma in Sachsen ins Leben …"
Letzteres ist der Grund, warum ihr Bild seit Januar 2005 in der Villa in Grimma seinen Platz erhalten hat. Welchen Beruf hat Isabella Keilberg ausgeübt? Welche Stellung im öffentlichen Leben hatte sie inne? Ist sie verheiratet gewesen? Das alles sind Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Sie hatte eine Tochter. Gewohnt hat sie in Leipzig, Beethovenstraße 23. Das Haus wurde bei einem Luftangriff im 2. Weltkrieg weggebombt. Von einem Ehemann ist nie die Rede. Sie verfügte über eine hohe Bildung. Fest steht, dass sie zu ihrer Zeit in Leipzig eine in der Gesellschaft anerkannte und angesehene Dame war. Sie hätte sonst nicht Zugang und Kontakt zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Bürgermeistern, Fabrikanten, Ärzten, Pastoren, hohen Offizieren, Handwerksmeistern und allen möglichen Dienststellen haben können, wie das einige Akten im Stadtarchiv in Grimma belegen.
Halten wir uns an das, was sie für uns Blinde und Sehbehinderte getan hat, denn das ist es vor allem, wofür ihr Dank und Ehre gebührt.
Blinde sollen arbeiten, genug zu essen haben, ordentlich gekleidet sein, sich brauchbar machen und - sie sollen zur Erholung fahren können wie andere Leute auch. Auf die Verwirklichung dieser Ziele richtete Isabella Keilberg ihre ganze Kraft, und unausbleibliche Fehlschläge und Misserfolge konnten sie nicht entmutigen. Sie unterstützte tatkräftig die Blindenwerkstatt in Leipzig und einen Laden für den Verkauf von Erzeugnissen blinder Handwerker am Markt, kümmerte sich um Arbeitsaufträge für Klavierstimmer, Stuhlflechter sowie Bürstenmacher und Korbmacher, und sie warb für die Ausbildung und Abstellung befähigter Blinder als Masseure in Leipziger Krankenhäusern. Der Arzt Dr. Eggebrecht hatte im Jahre 1900 im Krankenhaus St. Georg die ersten blinden Masseure in der Stadt angestellt.
Um die Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gab es noch keine offiziell organisierte Blindenerholung. Isabella Keilberg wollte sie schaffen. Erholung für Blinde ist zum Hauptinhalt ihres Lebens geworden. 1907 unternahm sie den ersten Versuch. Sie schickte einige Leipziger Blinde in die "Sommerfrische". In landschaftlich schönen Gegenden hatte sie Wirtsleute aufgesucht, die während der Sommerzeit an Feriengäste vermieteten und die ihrer Meinung nach dazu geeignet waren, auch einmal einen blinden Feriengast zu beherbergen. Der Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften und Arbeitsgelegenheiten für Blinde finanzierte das Projekt, Frau Keilberg war für die Organisation zuständig. Trotz aller Bemühungen und allen guten Willens ging die Sache aber schief. Die Blinden kamen allein in der fremden Umgebung nicht zurecht, und den Wirtsleuten fehlte die Erfahrung im Umgang mit ihren blinden Feriengästen. Es gab Kummer und Ärger auf beiden Seiten. Isabella Keilberg ließ sich davon nicht verdrießen. Erholung für Blinde hatte sie sich nun einmal in den Kopf gesetzt, und wenn es mit der individuellen Sommerfrische nicht ging, dann musste es einen anderen Weg geben. Können sich Blinde unter Blinden überhaupt erholen? Das war damals noch eine umstrittene und völlig offene Frage. Das hatte nämlich noch niemand ausprobiert. Frau Keilberg dachte nicht daran, ihre Idee aufzugeben. Ein Grundstück musste her und ein Erholungsheim - und sie selber wollte die Leiterin sein.
Es hat nicht einmal ein Jahr gedauert, und sie hatte erreicht, was sie wollte. Daran lässt sich ermessen, mit welcher Intensität sie ihren Willen durchzusetzen vermochte. Wie war das gegangen?
"Frau Kommerzienrat Schröder" aus Grimma schenkte dem Verein für den angestrebten Zweck ein Grundstück der Größe von fast 7.500 Quadratmetern. Darauf wurde ein massiver Flachbau errichtet. Er steht noch heute dort, Nerchauer Straße 9, gehört seit 1990 der Diakonie. Die Lage des nach seiner Gründerin benannten Erholungsheimes hat Isabella Keilberg selbst folgendermaßen beschrieben: "Unser Heim steht versteckt unter hohen Eichen auf einer Anhöhe des rechten Muldenufers unterhalb der Grimmaer Brücke. Gerade diese Stille und idyllische Lage macht es zu einem kleinen Paradies …". (1)
Die erwähnte "Grimmaer Brücke" gibt es nicht mehr. Sie wurde im August 2002 vom Hochwasser der Mulde weggerissen und wird nicht wieder aufgebaut. Über sich selbst schreibt Isabella Keilberg in dem erwähnten Sonderdruck, sie sei "die fröhliche Frau Oberin" dieses kleinen Paradieses. Der Leser spürt förmlich, wie glücklich sie sich bei der Erfüllung ihrer selbstgewählten Aufgabe gefühlt hat. Wehe dem aber, der versuchen wollte, ihr Steine in den Weg zu legen.
10. Mai 1908 - an diesem Tag begann in Grimma die Blindenerholung in Sachsen.
Natürlich gab es ein festliches Programm. Der Leipziger Blindenchor trat auf, ein Laienspiel wurde aufgeführt und zwei Ansprachen sind zur Würdigung des Ereignisses gehalten worden - die eine vom Mediziner Dr. Eggebrecht, die andere vom Pastor Dr. Buchwald.
Dr. Buchwald ist der Pfarrer der Michaeliskirche am Leipziger Nordplatz gewesen, der im Jahre 1892 den ersten Blindenverein Sachsens gegründet hatte, die "Leipziger Blindenvereinigung".
Ernst Haun, ein Blinder aus Dresden, war Gast dieser Einweihungsveranstaltung und gehörte wahrscheinlich auch dem ersten Urlauberdurchgang an. Jedenfalls hat er mit großer Begeisterung über das Haus und Garten sowie Zweck und Ziel des Isabella- Keilberg- Hauses berichtet:
"Auf einer mitten im Grünen gelegenen Anhöhe erhebt sich ein schlichtes Gebäude mit einer 23 Meter langen Veranda. Der herrliche Garten, der das Haus auf allen Seiten umgibt, und in Terrassen zur Mulde hinab steigt, ist für den Aufenthalt Blinder besonders vorgerichtet. Laube und Glaspavillon, Tische und Stühle, Bänke und bequeme Liegesessel laden überall zum Ausruhen ein …. Hier werden nun in jedem Jahr die sechs Sommermonate je 12 Blinde aufgenommen … (im Jahre 1914 sind es bereits 14 bis 16 blinde Sommergäste gewesen; W.U.) Es ist kein Heim für Schwache oder Kranke, sondern für alle Blinden ohne Unterschied des Standes, des Berufes, der Religion und aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes. Hier soll der, der im heißen Ringen mit dem rauen Leben zermürbt ist, besonders der Großstädter, ausruhen und neue Kraft für das kommende Jahr schöpfen."
(Fortsetzung in der nächsten Ausgabe)
[Quelle: (1) Sonderdruck: Das Blindenerholungsheim zu Grimma i. S., Universitätsbuchdruckerei Johannes Bredt /Münster i. Westf. - dieser Sonderdruck, auf den ich noch mehrmals zurückgreife, befindet sich im Stadtarchiv Grimma. (2) vgl. Haun, Ernst: "Die Einweihung des Blindenerholungsheimes in Grimma bei Leipzig", in "Der Blindenfreund" , Jahrgang 1908, S. 217-218.]

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Jenö Tersansky: "Legende vom Hasengulasch"

Anatoli Krüger (Punktschriftbibliothek)
Der ungarische Erzähler Jenö Tersansky lebte von 1888 bis 1969. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schrieb er seinen berühmten Schelmenroman "Martin Kuckuck", der eigentlich eine lose Folge von Kurzromanen ist, die sich um einen Landstreicher wider Willen drehen, voll derben Humors und genauer Sicht auf die sozialen Verhältnisse im Ungarn jener Jahre. In der Hörbücherei haben wir davon die Episode "Marci Kakuk im Glück" (BN 3257). Außerdem gibt es in der Hörbücherei jenen Kurzroman von Tersansky, mit dem er 1915 seinen ersten beachtlichen Erfolg verzeichnen konnte, "Auf Wiedersehen, Liebste" (BNA 6126). Das ist einer der ersten Antikriegsromane des 20. Jahrhunderts. In der Punktschriftausleihe besitzen wir von Tersansky eine Ausgabe von zwei längeren Erzählungen, betitelt "Legende vom Hasengulasch" (BNA 6547, 3 Bde., rkh.). Das Buch enthält außerdem noch die Erzählung "Die Jungfer und die Dirne".
Der Held der titelgebenden Erzählung heißt Gazsi, er lebt in einem Dorf unter kümmerlichsten Verhältnissen. Er besitzt weder ein eigenes Heim, noch eine Familie, noch Verwandte, dabei ist er schon über sechzig Jahre alt. Im Sommer ist er mit den Schweinen der Dorfbewohner auf der Heide und im Winter darf er in der unbeheizten Sommerküche des Flurwächters wohnen. Dann muss er sich seinen Lebensunterhalt damit verdienen, dass er den Dorfbewohnern Wasser aus dem Brunnen holt, für sie Holz spaltet und allerlei Hilfsarbeiten verrichtet. Dieses Dorf lag am Rande einer Gegend, die sich Hasenheide nannte, einem Jagdgrund, der von den Herren einer Bank aus der Stadt gepachtet worden war. Jedes Jahr, sobald der erste Schnee gefallen war, veranstalteten sie eine große Treibjagd auf die Hasen, von denen es dort nur wimmelte. Der Flurwächter, der bei der Treibjagd helfen musste, vergaß einmal, bei so einer Jagd sein Messer in einem Baumstumpf in der Heide. Er schickte Gazsi hinaus, um danach zu suchen und dieser fand nicht nur das Messer, sondern auch etliche tote Hasen, die ein Helfer bei der Treibjagd heimlich im Schnee versteckt hatte, um sie am nächsten Tag zu holen. Gazsi lieferte alles getreulich beim Flurwächter ab, erhielt aber, zu seinem Leidwesen, keinen einzigen Bissen von dem Hasenbraten. Deshalb nahm er sich vor, im nächsten Jahr, wieder nach der Treibjagd in die Heide hinauszugehen und genauso wieder einen versteckten Hasen zu suchen, diesmal aber nur für sich. Doch wie es kam, dass sich Gazsi, nachdem er das ganze Jahr sehnsüchtig gewartet hatte, kurz vor der Treibjagd am Fuß verletzte, also nicht hinausgehen konnte, aber trotzdem ein Hase, auf der Flucht vor den Jägern, sich ausgerechnet zu Gazsi in die Bleibe rettete und dieser, anstelle aus dem Hasen Gulasch zu machen, sich mit ihm anfreundete, das können sie nachlesen. Die Geschichte nimmt ein wunderbares, glückliches Ende, von dem Tersansky ironisch meinte, da es im wirklichen Leben ein solches Glück nicht gibt, nennt er seine Geschichte eine Legende. Für die zweite Erzählung "Die Jungfer und die Dirne", die 1924 erschien, musste Tersansky im selben Jahr zwei Monate im Gefängnis sitzen, wegen Erregung "moralischen Anstoßes". Es ist die Geschichte einer Dienstmagd - Veronika -, die in ihrer ersten Anstellung ein uneheliches Kind bekommt. Sie wird daraufhin wieder zurück ins Heimatdorf geschickt. Dort gibt sie ihr Kind in Pflege und während ihr Bräutigam für drei Jahre zur Armee muss, kommt sie in ein neues Dienstverhältnis, diesmal zu einer adligen Familie in der Stadt. Es dauert nicht lange und das natürliche Verlangen gewinnt Übergewicht. Sie geht zahlreiche Liebschaften ein, naiv und reinen Herzens, einzig um ihren Liebesdurst zu stillen. Die erotischen Szenen wirken bei Tersansky nirgendwo frivol. Eine zweite im Haus beschäftigte Dienstmagd - Agnes - ist das genaue Gegenteil zu Veronika. Während Veronika als gefallenes Mädchen, als Dirne gilt, hält Agnes viel auf ihre Jungfernschaft. Sie ist allerdings nicht nur scheinheilig, sondern auch neidisch auf Veronika. Ihre Jungfernschaft hütet sie nur wie eine teure Ware, die sie später, mit einer möglichst vorteilhaften Heirat, teuer verkaufen will. Veronika: "Sie dagegen, die Reine, die mich für schlecht hielt und mir vorwarf, dass ich mich mit Männern aus der höheren Schicht einließ, sie verstand nicht, dass ich mich hingab, ohne etwas dafür zu verlangen. Sie hielt es für ganz natürlich, dass man so was nicht umsonst tat."

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Johann Gottfried Seume: "Spaziergang nach Syrakus"

Jörg Klemm (Hörbücherei)
Nun, was fiel mir dieses Mal in die Hände: Die Beschreibung der Reise eines Dichters von Leipzig nach Syrakus.
Der Autor wurde am 29.01.1763 in Poserna geboren und starb am 13.06.1810 in Teplitz/Böhmen.
Als Sohn eines verarmten Fronbauern, der früh starb und seine Frau mit fünf kleinen Kindern unversorgt zurückließ, war Seume stets auf die Förderung adeliger Gönner angewiesen. So wurde ihm der Besuch der Lateinschule ermöglicht und später das Theologiestudium in Leipzig. Doch die Lektüre freigeistiger Schriften stürzte ihn in eine schwere Glaubenskrise, sodass er das Studium abbrach. Auf seiner Flucht nach Paris wurde er 1781 von hessischen Werbern ergriffen und vom Landgrafen von Kassel als Soldat nach Amerika verkauft, wo er aber infolge des erfolgreichen amerikanischen Unabhängigkeitskrieges nicht mehr eingesetzt wurde. Zurück in Deutschland, wurde er dieses Mal von preußischen Häschern ergriffen und zum zweiten Mal Soldat wider Willen. Durch die Kaution eines Gönners kam er auf freien Fuß und konnte ein Studium der Jurisprudenz und Philosophie beginnen und 1792 abschließen.
Seine Hoffnungen, sich mit anbiedernden Schriften eine Karriere am russischen Hof zu eröffnen, zerschlugen sich. Ab 1797 wurde er Korrektor bei Göschen in Leipzig, wo er vor allem die Herausgabe von Friedrich Gottlieb Klopstocks Werken beaufsichtigte. Diese Arbeit bot ihm erstmals eine gewisse äußere Unabhängigkeit und ermöglichte ihm, den eigenen politischen Standpunkt zu bestimmen. Er entdeckt für sich die Ideale der Revolution und entwickelte sich zu einem bedeutenden gesellschaftskritischen Schriftsteller.
Nun zum Buch: Mit schmalem Gepäck macht sich Seume am 6. Dezember 1801 auf jene Reise, die ihm zum "berühmtesten Wanderer" (Johann Wolfgang von Goethe) Deutschlands machte.
Neun Monate lang lief er kreuz und quer durch die von den napoleonischen Kriegen erschütterten Länder: Über Triest, Venedig, Bologna, Rom, Neapel nach Syrakus. Diese Reise war ein Bruch mit seinem bisherigen Leben, und sie war zugleich ein Ausbruch aus den beengten und bedrückenden Verhältnissen der letzten Jahre.
Er schildert in Form von Briefen die sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse in Italien nach Napoleons Feldzügen. Im Gegensatz zu anderen Italienreisenden seiner Epoche zeigt er aber nur wenig Interesse an den Kunstschätzen: "ein Ölbaum und ein Weizenfeld" sind ihm ein "Heiligtum", das er begeisterter rühmen kann als alle Kirchen der Heiligen Stadt, und den Klang von Dreschflegeln empfindet er als "herrliche ökonomische Musik". Ihn beeindruckt zum Beispiel das Aquädukt bei Rimini (auch wenn es ein Papst erbauen ließ) mehr als die "ausschweifende Pracht" des Augustinerklosters von Neapel.
In ironischem Kontrast steht der behaglich-erbauliche Titel "Spaziergang" über dem Bericht einer alles andere als behaglichen Fußreise.
Der Bericht selbst zeichnet sich durch Genauigkeit und Detailliertheit der Beobachtung aus. Seume stellt immer wieder an konkreten Beispielen den Zusammenhang zwischen irrationalen Haltungen der Kirche und dem ökonomisch-politischen Verfall her. Obwohl er kein grundsätzlicher Gegner der Monarchie ist, wendet er sich doch leidenschaftlich gegen die Inkompetenz der Verwaltung, die weder für gute Straßen und eine wirksame Bekämpfung des Verbrecherunwesens noch für eine ausreichende Nutzung des natürlichen Reichtums sorgt. Eine der entscheidenden Ursachen des allgemeinen Verfalls ist für Seume der Pakt Napoleons (den er früher bewunderte) mit der katholischen Kirche, der zu Korruption, klerikaler Anmaßung und feudaler Verschwendungssucht geführt habe.
Der Sprecher ist Hans Lanzke, Umfang 7 Kassetten bzw. 1 CD-ROM (554 Minuten). Die Bestellnummer in der Hörbücherei ist die 4604.
Titel von J. G. Seume in Punktschrift:

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Bookflash

In dieser neuen Rubrik wollen wir den Kramkisten-Empfehlungen gestandener Bibliothekare ein jugendliches Pendant zur Seite stellen: Buchempfehlungen von jungen Leuten für junge Leute. Natürlich wird dazu auch im Bestand der DZB gekramt, aber ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, was besonders junge Leserinnen und Leser interessiert und begeistert. Denn die Autorinnen und Autoren der Buchempfehlungen sind Schüler.

Jane Austen: "Stolz und Vorurteil"

Sarah Formann
Auf das Buch "Stolz und Vorurteil" bin ich mehr oder weniger durch einen Kinobesuch gekommen. Jedermann kennt doch schließlich die anscheinend ewig dauernde Werbung, bevor der heißersehnte Film endlich anfängt. Meist laufen nur Trailer für irgendwelche Highschool -Komödien und blutrünstige Killerfilme, nicht zu vergessen die Werbung für Tabak und Eis. Doch ab und zu wird einem auch ein guter Film vorgestellt. Wie an jenem Tag "Stolz und Vorurteil". Ich beschloss sofort nächste Woche in diesen Film zu gehen. Und was die Vorschau versprach, das hielt sie auch. Fasziniert von dem Film kaufte ich mir das Buch von Jane Austen, welches als Grundlage für den Regisseur Joe Wright diente. Gespannt fing ich an zu lesen:
England, Ende des 18. Jahrhunderts: Mr. Bennet lebt mit seiner Ehefrau und den fünf Töchtern auf seinem bescheidenen Landsitz in Hertfordshire. Als eines Tages der neureiche Charles Bingley in die Nachbarschaft zieht, hofft Mrs. Bennet auf eine gute Partie für ihre älteste Tochter Jane. Bingley verliebt sich auch prompt in die Älteste, doch dies werden nicht die einzigen Ereignisse im Liebesleben der Bennetschwestern bleiben.
So kommen sich die zweitälteste Tochter Elizabeth und Fitzwilliam Darcy, welcher mit Bingley gekommen war, näher. Doch ist sie zu stolz um den Snobismus Fitzwilliam Darcys hinzunehmen, den wiederum seine Vorurteile gegenüber der nicht standesgemäßen Familie Bennet davon abhalten, sich seine Gefühle für Elizabeth einzugestehen.
Und so entsteht ein lebendiges Liebeschaos in der Familie Bennet.
Stolz und Vorurteil sind die Leitmotive dieses Romans von Jane Austen. Mit einer sensationellen Beobachtungsgabe hält sie der versnobten englischen Upper Class ihrer Zeit den Spiegel vor das Gesicht und kritisiert die Barrieren der Klassengesellschaft. Mit viel Heiterkeit und Ironie besticht dieser Roman mit dem Wortwitz der Autorin.
1796 begann Austen mit der Arbeit an dem Roman. Grundlage war zunächst ein Briefroman mit dem Titel "First Impression". 1813 erschien dann "Stolz und Vorurteil", welches vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.
Jane Austen wurde 1775 in Hampshire geboren. Die etablierte Autorin blieb unverheiratet. Sie lebte zurückgezogen in einem kleinen Landhaus in Chawton, wo sie später an der damals noch unbekannten Addison-Krankheit litt. 1817, vier Jahre nach der Veröffentlichung von "Stolz und Vorurteil" reiste sie nach Winchester, in der Hoffnung, dort Heilung zu finden. Sie verstarb jedoch noch im gleichen Jahr und wurde in der örtlichen Kathedrale beigesetzt.
Im vergangenen Jahr brachte der Regisseur Joe Wright "Stolz und Vorurteil" erneut auf die Leinwand, nachdem sich schon andere an Austens Meisterwerk probiert hatten. Mit Brenda Blethyn als Mrs. Bennet und Keira Knightley als Elizabeth Bennet wurde es zu einem der Kassenschlager des vergangenen Kinojahres.

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Bücher des Jahrhunderts

Welche Bücher haben das 20. Jahrhundert am stärksten geprägt? Eine internationale Jury ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis wurde seinerzeit im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht (Petra Gass: Meilensteine. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels Nr. 81 vom 12.10.99).
Wir haben Ihnen nacheinander diese Bücher genannt und jene Titel der Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, ausführlicher vorgestellt. Nunmehr sind wir am Ende der Liste angelangt. Die zwei letzten Titel lauten:

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LOUIS

[Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für Sehgeschädigte]
Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander.
(Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

PDF-Dokumente in Text oder andere Formate umwandeln

Ulrich Jander
PDF-Dokumente trifft man heute immer öfter an, ob im Internet oder mit der Zusendung von Dateien. So ohne weiteres können diese Dokumente nicht gelesen werden; man benötigt ein Programm dazu. Sehr verbreitet ist hier der Adobe Acrobat Reader, der PDF-Dokumente zum Lesen darstellen kann. Neuere Versionen dieses Programms, ab 5.0, bringen eine Anpassung für Screenreader mit. Wenn es das jeweilige PDF-Dokument gestattet, kann man mit Hilfe des Acrobat Reader eine Textvariante erstellen. Dabei wird PDF in TXT umgewandelt, also konvertiert.
Sehr komfortabel geht so etwas mit einem Programm, welches in andere Programme eingebunden wird, z. B. in Microsoft Word, und daraus direkt die Konvertierung eines PDF-Dokumentes in Text erfolgen kann. Das Programm heißt PDF Transformer Version 1.0 und stammt von der Firma ABBYY. In der Anleitung zu diesem Programm ist u.a. folgendes zu lesen:
"ABBYY PDF Transformer 1.0 ist ein benutzerfreundliches Tool (Werkzeug) zur Konvertierung von PDF-Dokumenten in bearbeitbare Dateiformate. Es wird problemlos in Windows Explorer und Microsoft Office-Anwendungen (Word, Excel und Outlook) integriert.
Sie haben dann folgende Möglichkeiten:
  1. Öffnen von PDF-Dateien in Microsoft Word,
  2. Öffnen von PDF-Dateien in Microsoft Excel,
  3. Speichern von PDF-Dateien im DOC/RTF-Format,
  4. Speichern von PDF-Dateien im XLS-Format,
  5. Speichern von PDF-Dateien im HTML-Format,
  6. Speichern von PDF-Dateien im TXT-Format,
  7. Konvertieren von PDF-Dateien aus Anhängen an E-Mails in bearbeitbare Formate.
Sie können auch den ABBYY PDF Transformer-Assistenten aufrufen, der Sie durch den Konvertierungsprozess führt."
Dieser Assistent erscheint, wenn man den installierten PDF Transformer vom Desktop startet. Man wird dann mit Hilfe des Screenreaders durch die verschiedenen Fenster geführt, wo Einstellungen zur Umwandlung getroffen werden können.
Der PDF Transformer ist ein übliches Windows-Programm und lässt sich demnach mit Hilfe eines Screenreaders gut installieren. Man sollte natürlich immer die einzelnen Installationsschritte ausführlich nachlesen, um Informationen zum Programm aufzunehmen. Die Anleitung für den PDF Transformer schreibt zu den Voraussetzungen des PC's und seiner Software folgendes: "Die Systemvoraussetzungen sind: PC mit Intel® Pentium®/Celeron®/Xeon™, AMD K6/Athlon™/Duron™ oder kompatiblem Prozessor (200 MHz oder höher), Microsoft® Windows® XP, Windows® 2000 (SP2 oder höher), Windows NT® 4.0 (SP 6 oder höher), Windows ME/98 SE (für lokalisierte Benutzeroberflächen wird die Unterstützung der entsprechenden Sprache benötigt), 64 MB RAM für Windows XP/2000/NT 4.0 und 32 MB für Windows ME/98 (in einem Mehrprozessorsystem werden zusätzlich 16 MB RAM für jeden einzelnen Prozessor benötigt), 150 MB Festplattenspeicher zur Installation und 70 MB zum Ausführen des Programms, SVGA-Grafikkarte und Monitor (min. Auflösung 800 x 600)."
Nur sehr alte Computer, sechs oder sieben Jahre oder älter, würden diese Voraussetzungen nicht erfüllen. Zum Start der Installation ist die Datei Setup.exe zu aktivieren und den nachstehenden Aufforderungen zu folgen. Bei der Installation kann auch festgelegt werden, in welche Programme, Word, Excel, Outlook oder Explorer, der PDF Transformer eingebunden werden soll. Diese Einbindung kann auch nachträglich über die Systemsteuerung/Software im Startbereich geändert bzw. ergänzt werden.
Der PDF Transformer Version 1.0 kann bei der Computerfirma für blinden- und sehbehindertenspezifische PC-Technik Ludwig Becker für 42 Euro zuzüglich Versandkosten erworben werden. Die Anschrift bzw. Erreichbarkeit der Firma lautet:
Ludwig Becker
Elektronische Informationssysteme GmbH
Schulstr. 6
D-76889 Gleiszellen
Tel.: +49 (0)6343-2032
Fax: +49 (0)6343-2078
E-Mail: info@l-becker.de
Internet : www.l-becker.de.
Eine Testversion "Try&Buy" kann aus dem Internet für Testzwecke heruntergeladen werden. Die Adresse lautet:
http://download.abbyy.com.
Diese Version ist nur beschränkt nutzbar; und zwar für 15 PDF-Dokumente und dort im Umfang von jeweils drei Seiten. Möchte man mehr bzw. Vollständiges, so muss man kaufen.
Welche PDF-Dateien können mit Hilfe des PDF Transformers konvertiert werden? Dazu sagt die Anleitung des Programms folgendes:
"Mit dem Programm können Sie folgende Arten von PDF-Dateien der Version 1.5 und früher öffnen:
Ob man dies immer zweifelsfrei feststellen kann, ist fraglich. Notfalls bleibt nur das Ausprobieren.
Für Fragen zu dieser Thematik stehe ich in der DZB gern zur Verfügung. Auf Wunsch übersende ich gern die Hilfe- und Anleitungsdateien per E-Mail oder per zur Verfügung gestellter Diskette.

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Info-Service

Liebe Buchpatinnen und Buchpaten und alle, die es vielleicht noch werden wollen

Susanne Siems
Ein schöner Erfolg für das Projekt des Fördervereins ist, dass im ersten Halbjahr 2006 5.500 Euro als Spenden für Buchpatenschaften eingegangen sind. Herzlichen Dank an dieser Stelle allen Spendern.
Nun veröffentlichen wir, zeitgleich mit der Zusammenstellung der Produktionspläne für das 2. Halbjahr 2006, eine neue Liste von Titeln, für die eine Buchpatenschaft übernommen werden kann. Neu hinzugekommen ist die Rubrik "Daisyfizierung von Stuttgarter Hörbüchern".
Generell gehen mehr Buchpatenschaftsanträge für Hör- als für Punktschriftbücher ein, was sicher den Nutzungszahlen entspricht, aber dennoch ein wenig traurig stimmt. Die Blindenschrift, diese für blinde Menschen geniale Leistung Louis Brailles, benötigt gerade im 200. Jahr der Blindenbildung in Deutschland Unterstützung für ihre Verbreitung. Ich möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, deshalb bitten, in Ihrem Herzen Platz zu schaffen für die dicken und unhandlichen Schwarten, die doch für die Entwicklung von Lesefreude bei Kindern und die Wiedergewinnung eines großen Stückes an Selbständigkeit bei Späterblindeten so wichtig sind. Da ich nicht nur aus beruflichem Interesse spreche, habe ich mich entschlossen, dass die Übernahme einer Buchpatenschaft mein persönlicher Beitrag zum Jubiläum 200 Jahre Blindenbildung ist. Wenn ich Sie mit meiner Idee anstecken konnte, wäre der Sinn dieses Beitrages und des Projektes erfüllt.
Hier nun die neuen Titelangebote:
1. Neuproduktion Punktschrift
2. Neuproduktion Hörbuch
3. Umschriften Punktschrift
4. DAISY-Konvertierungen
5. DAISY-Konvertierungen Stuttgarter Titel

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Einladung zum Tag der offenen Tür

Christiane Felsmann
Am 09. September 2006 findet in der DZB der Tag der offenen Tür statt. "Berühren, Staunen, Begreifen!", heißt es auch in diesem Jahr wieder von 10 bis 16 Uhr in Deutschlands ältester öffentlicher Blindenbücherei mit Druckerei! Die einzelnen Bereiche, wie der Verlag, die Blindenschriftübertragung, die Reliefherstellung, der Druck der Brailleschrift, wie auch die Herstellung eines DAISY-Hörbuches, werden anschaulich dargestellt und erfahrbar gemacht.
Besonders freuen wir uns über die gemeinsame Präsentation des Jahrbuchs 2007 des DBSV e.V. im Laufe des frühen Nachmittags. Überdies zeigt eine Führhundschule, was die Tiere so können müssen, um blinden Menschen eine Hilfe zu sein. Für Kinder planen wir spezifische Führungen, die Spaß machen und zum spielerischen Umgang beitragen. Selbstverständlich werden auch in diesem Jahr wieder verschiedene Hilfsmittelfirmen ihre Angebote präsentieren.
Speisen und Getränke laden zudem bei schönem Wetter in den Garten ein.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Bei größeren Gruppen ist eine Anmeldung erwünscht:
Telefon: 0341 7113-124
Telefax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de

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DaCapo2

Matthias Leopold
Wir freuen uns, dass wir voraussichtlich ab September 2006 das Projekt zur Herstellung von Blindennoten fortführen werden.
Der entsprechende Antrag für eine Finanzierung für drei Jahre wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales angenommen (http://www.dzb.de/dacapo/dacapo2.doc).
So kann die DZB weiter blinden Berufs- und Laienmusikern die von ihnen benötigten Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Um den jeweiligen Ansprüchen der einzelnen Nutzer gerecht zu werden, planen wir neben der Recherche eine Auftragsannahme über das Internet, bei welcher der Musiker die Form seiner Noten individuell festlegen kann. Gleichzeitig möchten wir verstärkt auf den Nachwuchs zutreten: Musiklehrern und Schülern werden wir Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen sie Blindennoten lehren und lernen können. Und wir werden intensiv daran arbeiten, Noten schneller und effektiver zu produzieren - natürlich unter den hohen Ansprüchen der DZB an die Qualität. Sie werden es daran merken, dass Ihnen Ihre Noten schneller zur Verfügung stehen werden. Seien Sie also gespannt!

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Villa Rochsburg lädt ein

Heiko Rämisch
Die Erholungs- und Begegnungsstätte des BSVS lädt zu zwei besonderen Veranstaltungen ins schöne Muldental ein.
  1. Kurzentschlossene werden noch gerne begrüßt zu einem Jugendtreffen vom 27. bis zum 30. Juli dieses Jahres. Auf dem Programm stehen bereits der Besuch einer Sommerrodelbahn, Schlauchbootfahren auf der Zwickauer Mulde, Kegeln und ein Grillabend. Bei schlechtem Wetter geht es in ein Freizeit- und Erlebnisbad.
  2. Eine Musikwoche startet vom 2. bis 6. Oktober. Sie steht unter dem Motto "Wer gern singt und musiziert". Vorgesehen ist auch ein Besuch im kürzlich wiedereröffneten Instrumentenmuseum von Leipzig.
Kurzfristig werden auch andere und zusätzliche Wünsche der Gäste vom Villa-Team individuell organisiert.
Anmeldungen und weitergehende Informationen:
Villa Rochsburg, Tel.: 037383 83401.

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Bundesweites Führhundhaltertreffen in Göttingen

In seinem von Renate Kokartis, Bundessprecherin AK Führhundhalter, gezeichneten Rundschreiben 35/2006 informiert der DBSV über das vom 13.-15.10.2006 stattfindende Führhundhaltertreffen.
Themen sind "Unerwünschtes oder Fehlverhalten" sowie "Wie halte ich meinen Hund gesund".
Am Samstag werden die Teilnehmer mit ihren Hunden in die Göttinger Fußgängerzone fahren, um dort die Fähigkeiten der Hunde unter Beweis zu stellen.
Die Unterbringung erfolgt im Hotel Rennschuh, Kasseler Landstraße 96. Die Zimmer verfügen alle über Dusche/WC, Fön, Radio, Telefon und Sat-TV. Im Haus gibt es weiterhin einen Swimmingpool, Sauna und Solarium. Der Preis beträgt bei Unterbringung im Einzelzimmer 120,00 € und im Doppelzimmer 100,00 € je Person. Im Preis enthalten sind je ein 3-Gang-Menue Freitag und Samstag jeweils abends sowie ein Tellergericht am Sonntag. Nachmittags sowie Sonntagvormittag gibt es Tee oder Kaffee mit Gebäck. Zusätzlich fallen die Kosten für einen Imbiss am 14.10.2006 sowie die Getränke außerhalb des Programms an. Die Reisekosten können vom DBSV nicht erstattet werden.
Das Hotel liegt für Autofahrer verkehrsgünstig, vom Hauptbahnhof Göttingen liegt es 2 km entfernt, ist aber auch mit dem Bus erreichbar. Hunde sind dort willkommen, Auslaufmöglichkeiten (Freilauf) bestehen etwa nach 10 Minuten Fußweg, Grasflächen zum Lösen ca. nach 5 Minuten.
Anmeldung bis spätestens 20.09.2006 bei
Frau Anita Zucker, DBSV-Geschäftsstelle in Berlin, Rungestraße 19, Telefon: 030 28538726 oder per Mail unter a.zucker@dbsv.org.
Die Anmeldung gilt erst dann als verbindlich, wenn bis zum Anmeldeschluss der fällige Betrag auf das Konto des DBSV eingegangen ist.
Hier die Kontoverbindung:
Kontoinhaber: DBSV
Kontonummer: 3273300
Bankleitzahl: 100 205 00
Bankinstitut: Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck: "Kostenstelle 4608/Name des Teilnehmers/Göttingen"
Die Kostenstelle sowie Ihr Name sollte unbedingt im Verwendungszweck angegeben werden, da sonst die Anmeldung nicht korrekt bearbeitet werden kann.

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Führungen für Blinde und Sehbehinderte bei der IFA 2006

Pressemitteilung des ABSV
Noch nie gab es unter dem historischen Berliner Funkturm so viele spektakuläre Medien-Innovationen, Technik-Premieren und Geräte-Highlights zu sehen wie auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 2006 zwischen dem 1. und dem 6. September 2006.
In Zusammenarbeit mit dem ABSV bietet die IFA wieder Sonderführungen für Blinde und Sehbehinderte an. Hierbei werden die Erfahrungswerte aus der letzten IFA genutzt, um die Führungen noch besser auf die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten abzustimmen.
Die Teilnehmerzahl für die Führungen ist beschränkt. Bitte melden Sie sich ab dem 17. Juli bis spätestens zum 30. August 2006 in der Geschäftsstelle des ABSV unter Tel. 030 895 88-0 an.
Die Führungen sind kostenfrei, so dass lediglich die IFA-Eintrittskarte bezahlt werden muss. Karten können gegen Vorlage des Schwerbehindertenausweises an den Tageskassen zum ermäßigten Preis von 9,50 statt 13,00 Euro gekauft werden. Mitglieder und Mitarbeiter des DBSV und seiner Landesverbände erhalten Eintrittskarten zum Preis von nur 7,00 Euro direkt in der Geschäftsstelle des ABSV, Auerbacher Str. 7, Berlin-Grunewald.
Ein Versand dieser Karten ist leider nicht möglich. Die Karten können ab dem 17. Juli, vorzugsweise von Montag bis Freitag vormittags zwischen 9.00 und 12.00 Uhr und Mittwoch nachmittags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr abgeholt werden.
Begleitpersonen von Besuchern mit dem Kennzeichen "B" im Schwerbehindertenausweis erhalten kostenlosen Eintritt.
Weitere Informationen zur IFA finden Sie im Internet unter www.ifa-berlin.de oder telefonisch unter 030 30696924. Nähere Informationen zu den Führungen werden, sobald diese verfügbar sind, auf den Internetseiten der IFA und des ABSV unter www.absv.de veröffentlicht. Am 17. Juli wird Sie ein DBSV-direkt über den aktuellen Stand informieren.

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Reiseziel Deutschland bei Menschen mit Handicap vorn

Pressemitteilung B&W Projekt GbR
Menschen mit Behinderungen verbringen ihren Urlaub vorzugsweise im Heimatland. Beliebteste Reiseziele sind neben Nord- und Ostsee auch die Urlaubsorte im bayrischen Alpenvorland. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Befragung von der Agentur für Tourismusmarketing - B&W Projekt - aus Wilhelmshaven. Insgesamt 296 Reisende mit Handicap beteiligten sich an der soeben erschienenen bundesweiten Erhebung zum Reiseverhalten von Menschen mit Behinderungen.
Übernachtet wird überwiegend mit dem Partner in einem Hotel, das im Idealfall behindertengerechte Zimmer und Alternativen zum klassischen Buffet im Angebot hat. Gerade die Selbstbedienung bei dieser Verpflegungsform stellt für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte eine nahezu unüberwindbare Barriere dar.
Gebucht wird von fast jedem Vierten im Reisebüro. Ohnehin sind Reisende mit Handicap gerade für Reisebüros besonders interessant, da diese touristisch noch stark vernachlässigte Zielgruppe sehr empfänglich für Service- und Beratungsleistungen ist.
Thematisch interessant sind im Urlaub insbesondere die Themen Erholung und Natur. Als wichtigste Voraussetzungen für einen erholsamen Urlaub werden neben einer behindertengerechten Unterkunft auch die Fortbewegungsmöglichkeiten vor Ort genannt. Darüber hinaus kann ein Urlaubsort mit umfangreichen Pflege- und Serviceleistungen von der medizinischen Versorgung bis zum Einkaufsservice punkten.
Die Studie kann zum Preis von 19,90 Euro direkt online unter www.barrierefrei-reisen.info bestellt werden.
Weiterführende Informationen:
Karl Bodo Bock
bock@bw-projekt.de
http://www.barrierefrei-reisen.info
Fon: 04421 8064693

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Neuer Verlag für Hörbücher: Silberfuchs-Verlag

Antje Hinz
Der Silberfuchs-Verlag wurde im letzten Jahr gegründet. Wir konzentrieren uns auf Kulturthemen und möchten unsere Begeisterung für Kultur und Musik mit Sachverstand und Herz an andere Menschen und Hörer weitergeben. Nachdem wir als Musikwissenschaftlerinnen und Rundfunk-Autorinnen das Schleswig-Holstein Musik Festival seit Jahren mit Beiträgen und Features für die ARD-Rundfunkanstalten journalistisch begleitet hatten, entstand gemeinsam mit dem Festivalintendanten Rolf Beck und seinem Team die Idee, die Länderschwerpunkte des SHMF mit Hörbüchern zu portraitieren. Das erste klingende Länderportrait entstand so im letzten Jahr, das dem Festival-Länderschwerpunkt Japan gewidmet war: JAPAN HÖREN, eine Reise durch die Kultur Japans von den alten Mythen bis in die Gegenwart. Als Sprecher konnten wir den Schauspieler Rolf Becker gewinnen. Die Resonanz war sensationell: zum ersten Mal war es möglich, Informationen über die Kultur eines Landes nicht nur zu lesen, sondern religiöse Zeremonien, Theater oder Musik "mit allen Sinnen" direkt zu erleben. Das Hörbuch spricht dadurch nicht nur Kenner an, sondern kann einen weiten Hörerkreis für die faszinierende Kultur des Landes begeistern.
Eine weitere "Säule" unseres jungen Hörbuch-Verlages sind klingende Komponistenbiografien. Was bei Kindern längst beliebt und verbreitet ist, soll nun erstmals auch Erwachsene begeistern. Hörbücher, die die Lebengeschichte eines Komponisten erzählen - mit historischen Dokumenten (Briefen, Zitaten), mit Musik sowie mit spannend aufbereiteten, unakademischen Autorenerläuterungen.
Hörproben, Pressestimmen und Hörerkommentare finden Sie auf unserer Website www.silberfuchs-verlag.de.
Kontakt:
Silberfuchs-Verlag - Hören und Wissen
Corinna Hesse & Antje Hinz GbR
Heidkrügerfeld 7 A
23863 Kayhude

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich. Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«. Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder DAISY-CD-ROM 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: (03 41) 71 13-0
Fax: (03 41) 71 13-125
Internet: www.dzb.de
E-Mail: info@dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse
Telefon: (03 41) 71 13-135
Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann
Telefon: (03 41) 71 13-120
Spenden:
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto-Nr.: 1 100 830 010
DZB 2006

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