DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 1 – 2007
Januar / Februar
17. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Dickes Lob

Texte auch elektronisch?

Hörbücher auf Speicherkarte?

Verpackungsfrage

Sauberkeit

Auf dem Weg zu LOUIS - dem Kompetenzzentrum für barrierefreie Mediengestaltung an der DZB Leipzig

Einblicke

Öffentliche Bibliothek für Blinde - Blinde in Öffentlichen Bibliotheken (Schluss)

Die Kramkiste

Helmut Sakowski: "Verflucht und geliebt"

"Das Tagebuch der Anne Frank "

Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

"Die Bibel"

LOUIS

Kleine Korrektur zum Victor Reader Classic X plus

DAISY-Bücher - nicht nur als Hörbuch?

Info-Service

Zeitschriftenangebot 2007

Was Parkbänke und DZB-Bücher gemeinsam haben oder Neues vom Projekt Buchpatenschaften

Petition an den Deutschen Bundestag

Paten für Tandem-Camp gesucht

Radio4Handicaps von Health-Media e.V.

Projekt "Stralsund Blind Verstehen"

Gästehaus des Steiermärkischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes

BOB-Seminarausschreibungen

Impressum

Vorbemerkung

Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
Traditionell liefert Ihnen in dieser Ausgabe der Direktor der DZB, Dr. Thomas Kahlisch, einen DZB-Ausblick auf das neue Jahr. Im Info-Service stellen wir Ihnen außerdem unser Zeitschriftenprogramm vor und machen Sie mit den neuen Auswahlkandidaten für unser Projekt Buchpatenschaften bekannt. Los geht es aber wie gewohnt mit der Postecke.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Postecke

Die Veröffentlichungen sind nicht identisch mit der Redaktionsmeinung. Aus redaktionellen Gründen müssen wir uns Kürzungen vorbehalten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Dickes Lob

»(…) Schöne Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2007! Und herzlichen Dank für die Arbeit, die Sie und Ihre Kollegen ständig für uns Blinde leisten!!!
Auch möchte ich noch kurz ein Lob loswerden. Die in der DZB produzierten DAISY-Bücher sind die Hochwertigsten, die ich kenne. Ich bin in 7 Büchereien, doch keine kommt an Ihre Produktionsqualität heran. In Münster werden einfach Kassettenspuren mit Ansage in DAISY umgewandelt. Bei der NBH hat man Phrasen die bis zu 6 Minuten lang sind. Selbstverständlich reicht das alles zum Hören aus. Ich weiß auch, dass es aufwändig ist, die Bücher ins DAISY-Format umzuwandeln. Gerade wenn es auch noch anständig navigierbar sein soll. Denn ich habe meine etwas über 400 Bücher, die ich mir auf Kassetten lesen lassen habe, alle selbst daisyfiziert. Ich kenne den Aufwand also recht gut! Alleine schon deshalb ist es noch viel höher einzuschätzen, dass Ihre DAISY-Bücher zu mindest für meinen Geschmack die qualitativ hochwertigsten sind! Auch dafür bin ich ihnen sehr dankbar! Ich kann eigentlich dazu nur sagen: Bitte weiter so! Auch dafür ein dickes Lob! (…)«
[Herr Dirk Meyer aus Reinheim]
Bemerkung der Redaktion
Vielen, vielen Dank - auch stellvertretend für all die anderen eingegangenen Grüße und Wünsche zum Jahreswechsel!
Ausschlaggebend für das jeweilige Endprodukt sind natürlich immer die konkreten Bedingungen vor Ort. Und die gestalten sich sehr unterschiedlich.

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Texte auch elektronisch?

»(…) Wie Sie wissen, sind Computer, Braillezeile und Sprachausgabe für viele Blinde unverzichtbare Medien im Alltag geworden, so auch für mich. Um jedoch Bücher und andere Texte auf diese Weise lesen zu können, war bisher das mühsame Einscannen der einzig gangbare Weg, da die meisten Texte nicht als E-Books erscheinen. Deshalb habe ich mich schon oft gefragt, ob es nicht über Blindenbüchereien wie die DZB möglich sein könnte, Buchtexte speziell für Blinde und Sehbehinderte auch in elektronischer Form als Textdatei zur Verfügung zu stellen.
Ich weiß, dass die Verlage in der Regel elektronischen Medien sehr zurückhaltend gegenüber stehen, weil man befürchtet, dadurch ungehindertes Kopieren und Weitergeben der geschützten Texte zu ermöglichen. Wenn jedoch der Zugang auf unseren Personenkreis beschränkt würde, verbunden mit den gleichen Auflagen wie bei den Hörbüchern, was Weitergabe und Anfertigungen von Kopien betrifft, wäre diesem Mißbrauch aber doch weitgehend ein Riegel vorgeschoben. Zumindest müsste es doch möglich sein, Texte in Kurzschrift verbreiten zu können, weil sie für Nicht-Brailleleser völlig nutzlos wären.
Gibt es bei Ihnen bereits ein Angebot dieser Art oder planen Sie es für die nähere Zukunft? Wird es mit der Einführung von DAISY3 eine Erleichterung in dieser Hinsicht geben, weil dann ja auch Texte ins DAISY-Format eingebunden werden sollen? (…)«
[Herr Jürgen Bopp per E-Mail]
Bemerkung der Redaktion
Das Angebot von "E-Braille" scheitert momentan an der restriktiven Auslegung des Urheberrechtsgesetzes durch die "Verwertungsgesellschaft Wort". Laut Auffassung der VG-Wort lässt das Urheberrecht einen medienfreien Versand (auch geschützter Daten) an Blinde und Sehbehinderte nicht zu. Dadurch sind uns, auch in unserer Eigenschaft als Staatsbetrieb, zunächst die Hände gebunden. Trotzdem arbeiten wir konzeptionell an der Erstellung und Verbreitung von E-Text-Angeboten und hoffen, diese eines Tages auch offerieren zu können.

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Hörbücher auf Speicherkarte?

»(…) In der Schweiz erfreut sich der Milestone 311 großer Beliebtheit. Die SBS in Zürich bietet Hörbücher auf Speicherkarten an, die in den Milestone passen.
Sicher wird das Gerät auch in Deutschland ein Renner, wenn man auch bei uns DAISY-Hörbücher auf den passenden Karten erhalten kann. Deshalb meine Frage:
Hat die DZB Pläne oder ist es sogar schon verwirklicht, dass es Hörbücher auch auf dem Speichermedium geben wird? (…)«
[Herr Norbert Müller per E-Mail]
Bemerkung der Redaktion
In seinem Artikel weiter unten geht Dr. Kahlisch auch auf dieses Thema ein.

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Verpackungsfrage

»(…) Des öfteren habe ich jetzt die DAISY-Hörbücher in Versandtaschen bekommen. Ich finde, dass sie gegenüber den Versandboxen Nachteile haben. Beim Herausnehmen der CD ist man gezwungen die CD auf der Abspielfläche anzufassen. Bei der Box drücke ich auf die Mitte, die CD kommt nach oben, so dass ich sie mit Daumen und den anderen Fingern am Rand anfassen kann. Dadurch ist eine Verschmutzung (evtl. Fettfinger) nicht möglich. Auch die Adresskärtchen lassen sich bei den Boxen besser einlegen.
Außerdem sind die Boxen stabil, so das die CDs nicht verbogen werden können. (…)«
[Herr Wolfgang Krümmer per E-Mail]
Bemerkung der Redaktion
Dazu antwortet der Leiter unserer Bilbiothek, Herr Jörg Klemm:
Wir verwenden parallel zu den durchsichtigen Boxen auch die Klapptaschen, die den Vorteil haben, dass diese undurchsichtig sind, nicht aufgehen und auch nicht zerspringen wie die durchsichtigen. Ein Nachteil ist, wie festgestellt, dass man die CDs an der Seite anfassen muss, um diese aus dem Behälter zu bekommen. Und es stimmt, die Adresskärtchen lassen sich nicht so gut einlegen wie bei den durchsichtigen Boxen. Aus diesem Grund haben wir uns auch entschlossen, nur noch die durchsichtigen Boxen zu verwenden - die bereits in die dunklen Taschen eingeschachtelten CDs bleiben aber - wegen der Menge der Titel - in diesen.

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Sauberkeit

»(…) Was die Beschmutzung von Punktschrift- und Hörbüchern betrifft, stimme ich der Meinung von Frau Schuster aus Gera in allen Punkten zu.
Ich nutze seit Oktober 2005 die DAISY-Hörbuchausleihe der DZB. In diesem Zeitraum habe ich drei Titel erhalten, mit denen mein PTN nicht einverstanden war. Ich zeigte die jeweilige CD meiner sehenden Frau und es stellte sich heraus, dass auf der bespielten Seite Fett- und andere Flecken waren.
Ich meine, die DZB und auch die anderen Blindenbibliotheken sollten solchen Kunden gegenüber etwas weniger tolerant sein und ihnen einmal gehörig auf die Finger klopfen.
Wie heißt es doch in den Ausleihbedingungen: ›Der Ausleiher haftet für jeglichen Schaden, der durch Missbrauch der Bibliothek entsteht.‹ (…)«
[Herr Karl-Otto Häßler aus Mühlhausen]

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Auf dem Weg zu LOUIS - dem Kompetenzzentrum für barrierefreie Mediengestaltung an der DZB Leipzig

Dr. Thomas Kahlisch
Was haben die Experten der Blindenschriftübertragung, die Produzenten von DAISY-Büchern und die Gestalter barrierefreier Dokumente und Internetseiten gemeinsam? Ihr Arbeitsmittel ist der Computer. Das allein ist es aber nicht, was ihre Gemeinsamkeit ausmacht. Auch die Tatsache, dass sie sich um Medienangebote für blinde und sehbehinderte Menschen kümmern, ist nicht der einzige Punkt, in dem ihre Gemeinsamkeiten liegen. Sieht man hinter die Oberflächen der in allen Bereichen genutzten Programme, schaut auf die Strukturen und Inhalte der zu bearbeitenden Daten, so wird schnell klar, sie arbeiten alle am gleichen Thema: Inhalte so zu strukturieren und aufzubereiten, dass sie von Menschen mit speziellen Bedürfnissen wahrgenommen werden können. Die Ergebnisse ihrer Arbeit werden, wenn man diesen Gedanken weiter verfolgt, auch für Menschen nutzbar, die andere Behinderungen haben oder sehend sind und einfach nur von gut navigierbaren und übersichtlich gestalteten Web-Auftritten profitieren wollen.
Früher erschien eine Zeitschrift ausschließlich in gedruckter Form. Sie war am Kiosk zu kaufen und wenn ein blinder Leser Interesse daran hatte, dann bat er eine sehende Person ihm Artikel daraus vorzulesen. Bei regelmäßigem Interesse an bestimmten Inhalten konnte sich der blinde Leser auch an eine Blindenbücherei wenden - und wenn er Glück hatte, so gab es eine Zeitschrift in Blindenschrift oder auf Tonkassette, die in aller Regel einen Teil der gedruckten Ausgabe enthielt.
Heute sind viele Zeitschriften nicht nur am Kiosk, sondern auch im Internet erhältlich. Natürlich kosten solche Angebote auch Geld und viele Sehende lesen lieber auf Papier und nicht am Bildschirm. Wo lesen eigentlich Blinde und Sehbehinderte am liebsten? Ich will gar nicht versuchen, diese Frage zu beantworten. Denke nur, dass für jeden Menschen gilt, er will schnell und komfortabel an die gesuchten Informationen herankommen. Und genau an dieser Stelle sind wir wieder am Anfang dieses Artikels, bei der Kompetenz Informationen aufzubereiten, so dass sie einfach und flexibel zugänglich sind.
Im Herbst 2006 übernahm die DZB die Initiative und gewann verschiedene Behindertenorganisationen Sachsens, sie hinsichtlich der Idee der Gründung eines Kompetenzzentrums für barrierefreie Mediengestaltung zu unterstützen. Der sächsische Blinden- und Sehbehinderten-Verband, der Verband der Schwerhörigen und Ertaubten Menschen, der Gehörlosen-Verband Sachsen, aber auch engagierte Vertreter verschiedener Arbeitsgruppen der Universitäten Leipzig und Dresden versammelten sich am 16.11. in der DZB, um den Weg zu diesem Kompetenzzentrum abzustecken. Der Name brauchte nicht neu erfunden zu werden. Wir griffen einfach auf Bewährtes zurück und erweiterten die Idee: LOUIS (Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice) ist den Lesern der DZB-Nachrichten schon seit 1999 ein Begriff. Herr Ulrich Jander, blinder Mitarbeiter der DZB, berät blinde und sehbehinderte Computeranwender kostenfrei in Fragen des Zugangs und des Einsatzes digitaler Angebote.
Dankenswerterweise fand das Vorhaben der Gründung eines Kompetenzzentrums großes Interesse beim Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für die Belange Behinderter Menschen, Herrn Stephan Pöhler, der sich spontan als Moderator für die weitere Arbeit zur Verfügung stellte. Ein erstes Ergebnis der Initiative kann bereits vermeldet werden. Ab 1. Februar 2007 gibt es das aus LOUIS heraus neu gegründete Angebot BIK-Mitteldeutschland, ein Beratungsangebot, das in Kooperation mit dem durch die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe realisierten Projekt BIK (Barrierefrei Informieren und Kommunizieren), www.bik-online.info, jetzt in der DZB etabliert ist. Das BIK-Mitteldeutschland-Team setzt sich aus Sebastian Brückner, Informatiker und Experte für barrierefreie Internetseitengestaltung, und natürlich Ulrich Jander, erfahrener selbst betroffener Computeranwender und Hilfsmittelberater in der DZB, zusammen. Gemanagt wird das Team von Dr. Toni Tontchev, der die DZB bereits seit einigen Monaten bei der Abfassung und Umsetzung verschiedener Projekte unterstützt. BIK-Mitteldeutschland führt Tests auf Barrierefreiheit von Internetseiten durch, organisiert Schulungsveranstaltungen und arbeitet in Gremien mit, die an der Weiterentwicklung des Themenfeldes interessiert sind. Erste Ergebnisse sind umfangreiche Tests von Web-Auftritten sächsischer Hochschulbibliotheken, die im November und Dezember durchgeführt wurden.
Die Digitalisierung stellt uns vor viele Herausforderungen. Ein aktuelles Thema im Bereich DAISY-Buchausleihe ist das wirklich praktisch und anwenderfreundlich zu nennende Abspielgerät "Milestone 311 DAISY". Das niedliche kleine Gerät mit den gut zu bedienenden fünf Tasten wurde mit Unterstützung des Schweizerischen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes entwickelt. Kein Problem für Nutzer der Hörbuchausleihe, die zuhause einen PC haben, sich für die Dauer der Ausleihe Hörbücher darauf zu kopieren. Die SBS (Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte) in Zürich bietet ihren Nutzern auch einen Ausleihservice von Büchern auf den für den Milestone erforderlichen Speicherkarten an. Die anderen Hörbüchereien im deutschen Sprachraum haben sich darauf verständigt, die Erfahrungen der Schweizer Kollegen abzuwarten und wenn möglich zu übernehmen, bevor sie aufwändig eigene Serviceleistungen entwickeln. Es wird sich zeigen, wie groß die Nachfrage nach verleihbaren Speicherkarten ist und wie solche Dienstleistungen finanziert werden. Solange bleibt den Hörern nur der Trost, auf die Kopiermöglichkeiten des eigenen PCs zurückzugreifen. Eine weitere Neuheit aus der ständig wachsenden DAISY-Ecke der DZB ist, dass immer mehr Titel auch zum Verkauf angeboten werden. Am Ende des letzten Jahres waren es schon 18 DAISY-Bücher und für das erste Halbjahr 2007 sind 12 weitere geplant, z. B. der Ratgeber "Naturgemäße Hundehaltung" von Bruce Fogle, eine Kulturgeschichte des Essens und Trinkens sowie geschichtliche Darstellungen Deutschlands, des Dritten Reiches und Englands. Gerade im Fach- und Sachbuchbereich ist dies für unsere Nutzer sehr interessant, wer will schon auf die Ausleihe eines Kochbuches warten oder ein Nachschlagewerk über sein Lieblingsreiseland wieder an die Bibliothek zurücksenden, weil die Ausleihfrist überschritten ist.
Es dreht sich aber nicht nur um Digitales in der Gustav-Adolf-Straße, ein Vergleich der MEDIBUS-Büchereien zeigt, keine Bibliothek leiht mehr Titel in Blindenschrift aus als die DZB. 2006 waren es wieder über 12.000 Titel in 18.000 Koffern, die sich aus den Magazinen zu unseren Nutzern auf die Reise machten. Große Ausleihzahlen bedeuten auch großen Verschleiß an den Büchern. Es ist schon eine Herausforderung, den Bestand von 47.000 Bänden zu pflegen und erforderliche Reparaturen zeitnah auszuführen. Nur gut, dass der überwiegende Teil der Leserinnen und Leser sorgfältig mit den empfindlichen Punkten und den in Handarbeit gefertigten Einbänden umgeht.
Eine weitere Besonderheit gibt es aus dem Bereich der Reliefbuchherstellung zu vermelden. Neben der Weiterführung des Weltatlas und vielen anderen Projekten steht als Neuheit ein aufwändig gestaltetes Tastbilderbuch auf dem Produktionsplan. Das Buch wird nicht nur auf den üblichen Folien tastbare Reliefs und farbige Drucke enthalten, sondern ist auch mit zusätzlichen tastbaren Materialien ausgestattet, die das Wahrnehmungsvermögen schulen sollen. Wir dürfen gespannt sein, welche Überraschungen der Herbst so bereit hält.
Aber zurück in den ersten Monat diesen Jahres: Zur Zeit stehen Schulbücher im Produktionsplan der Abteilung Blindenschriftherstellung. Musik, Deutsch und Geschichte müssen bis zum neuen Schuljahr fertig werden. Aber die Nachfrage nach gedruckter Brailleliteratur wird immer öfter mit dem Wunsch nach elektronisch verfügbaren Texten verbunden. Die Kollegen der Blindenschriftdruckerei in Marburg haben bereits mit einem Angebot barrierefreier PDF-Bücher darauf reagiert. Ab 2007 wird es auch in der DZB eine E-Text-Gruppe in der Blindenschriftherstellung geben, die die Erfahrungen auf diesem Gebiet bündelt und gemeinsam mit dem Verlag neue Angebote erarbeitet.
DaCapo II nennt sich das Folgeprojekt in der Notenübertragung, das für die Dauer von drei Jahren durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziert wird. Inhalt des Projektes ist es, die in DaCapo I entwickelte Software über das Internet allen professionellen und Laienmusikern verfügbar zu machen. Insbesondere sollen Angebote entstehen, die von Lehrern, Eltern und Schülern genutzt werden können, um die Braillemusik bekannter und ihre Erstellung einfacher handhabbar zu gestalten. Auch der Kontakt zu Musikverlagen soll gesucht werden, die die Übertragung von Musik in die Braillemusikschrift durch die Bereitstellung von elektronischen Vorlagen sehr unterstützen können.
Für die Öffentlichkeitsarbeit der DZB fängt das Jahr 2007 mit einem absoluten Highlight an. Am 11. Januar veranstalten wir, zusammen mit der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) einen DAISY-Tag. Die SLM unterstützt die DZB bei der Herausgabe der DAISY-TV und -Radio-Programmzeitschriften.
Auf der Veranstaltung "DAISY-Day", www.dzb.de/daisyday/, stellen Fachleute aus den MEDIBUS-Büchereien und erstmals auch kommerzielle Hörbuchverlage ihre Neuentwicklungen vor. Es wird gezeigt, wo wir heute mit unseren DAISY-Angeboten stehen, was der neue DAISY 3-Standard bringen wird und welche Potenziale die DAISY-Technik für den regulären Hörbuchmarkt hat.
Bleibt zu erwähnen, dass auch in diesem Jahr im Rahmen der Leipziger Buchmesse wieder eine Buchlesung in der DZB stattfinden wird. Den Termin 23. März können Sie sich schon notieren. Weitere Einzelheiten kommen in der nächsten Ausgabe der DZBN.
Gehen wir es also an, das neue Jahr, mit Freude und Engagement, für eine verbesserte Medienversorgung blinder und sehbehinderter Menschen!

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Einblicke

Öffentliche Bibliothek für Blinde - Blinde in Öffentlichen Bibliotheken (Schluss)

Susanne Siems
5. Konsequenzen für die soziale Bibliotheksarbeit für Blinde und Sehbehinderte in den nächsten Jahren
Leseförderung ist im Bereich Blindenbücherei genauso ein grundsätzliches Thema der nächsten Jahre wie in allen öffentlichen Bibliotheken. So wichtig der Hörbereich ist, so sehr er den im höheren Lebensalter erblindeten Menschen die Chance gibt, mittels modernster Hörliteratur am gesellschaftlichen Leben wieder teilzuhaben, so sehr geht es darum, blinden Kindern die Selbstständigkeit dank sicherer Kenntnis der Blindenschrift zu geben bzw. zu bewahren. (…)
Die Interessen blinder und sehbehinderter Bibliotheksbenutzer sind nur gemeinsam mit diesen in der Gesellschaft durchzusetzen. Im Vorstand des Vereins MEDIBUS e. V. sind auch die großen Blindenverbände Deutschlands vertreten. Gemeinsame Veranstaltungen und Kampagnen zur Aufklärung der Öffentlichkeit über die Belange blinder und sehbehinderter Menschen allgemein und zur Verfügbarkeit von Informationen im Besonderen verstärken die Stimme dieser Minderheit. Als Beispiel für zukunftsträchtige Ideen sei hier nur genannt ein bundesweiter Preis für das beste Blindenhörbuch oder den Lieblingssprecher.
Die Arbeit der Öffentlichen Bibliotheken vor Ort ist sehr wichtig für uns. In der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken für Blinde und Sehbehinderte und Öffentlichen Bibliotheken gibt es recht großen Nachholebedarf. Es geht vor allem um das Weitergeben von Informationen. Blinde und Sehbehinderte sind eine besondere Zielgruppe, deren Bedürfnisse erstens aufgrund der relativ seltenen Kontakte der Bibliothekare eher unbekannt sind und zweitens auch recht speziell. Nur ca. 6 Prozent der blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland sind in einer Selbsthilfeorganisation Mitglied. Von den 655.000 Blinden und Sehbehinderten Deutschlands sind ca. 40.000 in einer Hör- oder Blindenschriftbücherei angemeldet. Das sind im Grunde vernichtende Zahlen, wenn es darum geht, wie viele Blinde und Sehbehinderte wir wirklich mit unserem hilfreichen Angebot erreichen. Nimmt man noch zur Kenntnis, dass bei allem Lobgesang auf die Blindenschrift realistisch eingeschätzt werden muss, dass nur 30.000 Menschen in Deutschland die Brailleschrift wirklich anwenden, dann zeigt sich die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit in Richtung der hier interessierenden Zielgruppe.
Ich habe sowohl die Besonderheit der Zielgruppe Blinde und Sehbehinderte als auch ihre Gemeinsamkeiten mit allen anderen Bibliotheksbenutzern betont. Auch hier sollten Blinden- und öffentliche Bibliotheken in den nächsten Jahren enger zusammenarbeiten. Konkrete Vorstellungen sind zum Beispiel eine gemeinsame Evaluierung von Leserinteressen, um eine höhere Qualität des Bestandsaufbaus in den Bibliotheken zu erreichen.
Wenn blinde bzw. sehbehinderte Bibliotheksbenutzer zunehmend auch in öffentlichen Bibliotheken Ansprechpartner finden sollen, ist die Schulung des dort beschäftigten Personals nicht ohne Bedeutung. Im Ausbildungs- und Weiterbildungsangebot muss es zukünftig verstärkt Informationsangebote zur Medienlandschaft für Blinde und Sehbehinderte und über diese Zielgruppe allgemein geben. Die DZB hat gute Erfahrungen mit einer intensiven Praktikantentätigkeit. Insbesondere der Kontakt zur Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig ist sehr eng.
6. Mit einem Fuß schon in der Tür "Zukunft" und wie das Traumland des allseitig informierten sehbehinderten Menschen aussieht
Bisher ist sehr viel von der Blindenschrift die Rede gewesen. Dem Vorteil der erhöhten Selbstständigkeit durch eigene Lesetätigkeit steht der Nachteil des Platzbedarfes gegenüber. Auch muss man sehen, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Blinden eben auch aufgrund der Altersstruktur, dieses besondere Schriftsystem erlernt. Hier sind die speziell für Blinde und Sehbehinderte aufbereiteten Hörbücher von sehr großem Vorteil. Derzeit ist die Ausleihe nur an Blinde und Sehbehinderte und andere lesebehinderte Gruppen, wie z. B. Legastheniker, möglich. Hier sehen wir für die Zukunft eine Chance, Blindenbibliotheken nach außen zu öffnen.
DAISY (Digital Accessible Information System), ein neues Produktions- und Navigationssystem für Bücher auf CD-ROM, erleichtert den Zugang zu digital verfügbarer Literatur enorm. Zunächst findet dieses System Anwendung im Bereich Hörbuch, die nächste Zukunft wird aber zeigen, dass der Inhalt der Bücher in verschiedenen Formaten auf CD-ROM gespeichert werden kann. Die vorhin erwähnten großen Magazine mit den Blindenschriftbänden werden bald der Vergangenheit angehören. Zukünftig werden Bücher als kleine Silberscheiben verschickt oder mittels Download auf den heimischen PC geladen. Für blinde Menschen, und hier eben auch viele Senioren, ist das Computerzeitalter ein Segen. Dank hochentwickelter Hilfsmittel wie Compuerbraillezeilen, Schriftvergrößerung und Sprachausgaben sind die Inhalte, die wir via Internet auf den Bildschirm holen können, auch für Blinde erfahrbar. Problematisch ist die zunehmende graphische Darstellung der Internetseiten. Hier gilt es auch, die Internetseiten der Bibliotheken und die großen Kataloge barrierefrei zu gestalten. Regelungen dazu gibt es in Folge des Bundesgleichstellungsgesetzes, zum Beispiel die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BIT-V).
Diesem Bedürfnis Rechnung tragend gibt es seit 1999 in der DZB eine weitere Leistung im Rahmen sozialer Bibliotheksarbeit. Herr Jander, ein selbst blinder Mitarbeiter, betreut den Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice für blinde Computerbenutzer. Dort können sich Anwender Rat holen.
Am Ende meines Beitrages möchte ich Sie noch auf eine kleine Traumreise mitnehmen. Wie könnte die Bibliothek für Blinde im Jahr 2015 aussehen?
Jedes Buch, das auf dem Markt erscheint, ist für Blinde und Sehbehinderte zur gleichen Zeit digital verfügbar. Per Download kann die Literatur auf den heimischen PC geladen und dort im bevorzugten Format verwendet werden. Es gibt einen speziellen OPAC für blindengerecht aufbereitete Literatur. Jede öffentliche Bibliothek kann natürlich auf diesen OPAC zugreifen. In jeder größeren öffentlichen Bibliothek gibt es einen Bibliothekar, der sich mit der Zielgruppe Blind/Sehbehindert besonders gut auskennt und sehr viel psychologisches Einfühlungsvermögen besitzt. Mitunter ist er selbst sehbehindert oder gilt aufgrund einer anderen Behinderung als schwerbehindert. Jedes Jahr findet eine Weiterbildung in der Regionalen Blindenbibliothek statt. Die Blindenbibliothek ist auch immer Ansprechpartner, wenn es um physische Bestände, insbesondere Blindenschriftliteratur, geht. Die großen Magazine sind etwas geschrumpft, denn viele Blindenschriftleser nutzen den Transfer via Internet und drucken sich vor Ort ihre Lektüre aus. Das gilt vor allem für die populärwissenschaftlichen Werke. Nach wie vor aber leiht die Blindenbibliothek viele Romane aus, die Liebhaber des selbständigen Lesens abends am Kamin bei einem Glas Wein sind auch unter den Blinden in nicht geringer Zahl vorhanden. Auch gibt es viele Blinde mit Fachfragen, Studenten, Musiker, Schachfreunde. Hier ist die Blindenbibliothek ein unersetzbarer Ansprechpartner. Der Online Unterstützungs- und Informationsservice für Blinde und Sehbehinderte (LOUIS) in der DZB wurde ausgebaut. Da jeder blinde oder sehbehinderte auch im hohen Lebensalter Computertechnik zu Hause stehen hat, häuften sich die Anfragen in letzter Zeit so, dass ein weiterer Mitarbeiter eingestellt werden musste.
Für blinde Musiker gibt es gut ausgereifte Softwarelösungen zur Umwandlung von Schwarzschriftnoten in Blindenschrift und auch zurück. Seit das möglich ist, singen viel mehr Blinde im Chor mit, auch die Bibliothek der Stadt hat einen Chor, in dem drei blinde Tenöre den chronischen Männermangel in jedem Chor beseitigen.
Einmal im Vierteljahr gibt es in der Öffentlichen Bibliothek eine Veranstaltung, bei der entweder ein blinder Bibliotheksbenutzer etwas vorliest oder auch mal ein blinder Schriftsteller zu Gast ist. Auch die regionale Blindenbibliothek bietet Veranstaltungen an, Lesewettbewerbe blinder Schüler, Buchlesungen zu Titeln, die sich mit dem Thema Blindheit beschäftigen.
Mehr Senioren als früher besuchen die Bibliothek. Sie nutzen das Angebot, dass jedes Buch innerhalb weniger Tage auch in Großdruck zur Verfügung gestellt werden kann.
Der spezielle Arbeitsplatz für blinde oder sehbehinderte Bibliotheksbenutzer ist eigentlich immer belegt. Er ist auf dem neuesten technischen Stand und die Bibliothek überlegt, ob noch ein zweiter Platz angeschafft werden kann.
Bei populärwissenschaftlicher Literatur oder Fachtexten, z. B. für Studenten, ist grundsätzlich die Blindenbibliothek gefragt oder das Studienzentrum vor Ort, das einen Arbeitsbereich Medienversorgung für Blinde und Sehbehinderte hat. Auch die Lehrer, die auf der Suche nach Literatur für ihre blinden Integrationsschüler ab und zu in der öffentlichen Bibliothek landen, werden weiter verwiesen. Immer noch ist die Umsetzung von Fachtexten in für Blinde lesbare Form sehr aufwändig, da viele Bilder, Tabellen, Grafiken erläutert werden müssen. Diese Fachkompetenz ist nicht überall vorhanden, aber die Bereitstellungszeit für solche aufbereiteten Dokumente ist sehr kurz geworden. -
Viele Tagträume? Ja, aber Perspektiven haben ja nicht nur etwas mit realistischen Zielen zu tun, sondern eben auch mit Träumen, die man wagt. Mit dieser Sicht und einem dazu passenden Zitat des Dalai Lama möchte ich meinen Beitrag abschließen.
"Wenn Sie Ihre Vergangenheit kennen wollen, dann schauen Sie auf Ihre aktuelle Situation. Wenn Sie Ihre Zukunft kennen wollen, schauen Sie sich ihre jetzigen Taten an."

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Helmut Sakowski: "Verflucht und geliebt"

Jana Waldt (Hörbücherei)
Meine Wahl für die Kramkiste fiel diesmal auf einen Klassiker der DDR-Literatur - Helmut Sakowskis "Verflucht und geliebt".
Er beschäftigt sich in diesem Roman, wie auch in zahlreichen seiner anderen Romane (genannt seien hier aus dem Hörbuch-Bestand u.a. "Daniel Druskat" sowie der kürzlich endlich auch in Romanfassung erschienene Fernsehroman "Wege übers Land"), mit dem Landleben nach dem zweiten Weltkrieg. Das Geschehen dreht sich um Else Scharfschwert, die 1956, nach elf Jahren als Schweißerin in der Stadt, in ihr Heimatdorf Klosterdöhre zurückkehrt - ohne Mann, mit drei Söhnen.
Im Dorf hat sich seither viel verändert. Nicht alle Dorfbewohner sind begeistert von der ehemaligen Magd, die sich nun zur parteitreuen Arbeiterin entwickelt hat. Else bekommt es mit reaktionären Bauern zu tun, die nur an ihren Vorteil denken. Sie lernt mit der Zeit, selbst etwas zu bewegen.
Bald verliebt sich Else in den Brigadier Voß, der mit seiner Brigade nach Klosterdöhre kommt, um dort nach Erdgas zu suchen. Er wird bei ihr bleiben.
Für Aufregung im Dorf sorgt der Besuch des ehemaligen KZ-Häftlings Jean Suc, der im 2. Weltkrieg auf dem Todesmarsch in der Nähe des Dorfes fliehen konnte, und der eine besondere Beziehung zu Else hatte …
Ich möchte an dieser Stelle abbrechen und nicht zu viel verraten. Wer sich für DDR-Literatur interessiert, dem sei dieser Roman ans Herz gelegt.
Unverwechselbar ist auch die Sprecherin Ingeborg Ottmann, die es meisterhaft versteht, in die verschiedenen Personen "zu schlüpfen".
Sie können diesen Roman sowohl auf Kassetten als auch im Daisyformat unter der Bestellnummer 4858 ausleihen.
Weitere Titel von Helmut Sakowski im Hörbuchbestand:
Titel von Helmut Sakowski in Punktschrift:

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"Das Tagebuch der Anne Frank "

Susanne Siems (Punktschriftbibliothek)
Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon einmal Tagebuch geschrieben? Tun Sie es vielleicht heute noch? Was verlockt so viele Menschen, gerade wenn sie vom Kinder- ins Erwachsenenland wechseln, aber manchmal wohl auch in späteren Lebensabschnitten, die geheimsten Gedanken dem Papier anzuvertrauen? In den meisten Fällen ist es sicher die Suche nach einem Freund, jemandem, der auch dann noch da ist und geduldig zuhört, wenn man den größten Schwachsinn von sich gibt. Mir selbst geht es oft so, dass durch das Aufschreiben die Dinge, Menschen und Erlebnisse einen neuen Blickwinkel erhalten. Ein Tagebuch ist etwas sehr Persönliches, oft auch Geheimes, weil der Schreiber ja immer einen nicht unbeachtlichen Teil seines Seelenlebens preisgibt. Wenn man das Tagebuch eines Anderen lesen darf, ist das immer ein Vertrauensbeweis. Und in jedem Fall ein Zeitdokument, weil selbst bei der persönlichsten Betrachtung der Ereignisse die äußeren Bedingungen nicht ausgeklammert werden können. Große Wissenschaftler, Dichter, Politiker erscheinen uns durch ihre hinterlassenen Tagebuchnotizen oft näher, menschlicher.
Wie erst sieht es aus bei einem Tagebuch, dass von einem 13-jährigen Mädchen verfasst wurde? Anne Frank, 1929 in Fankfurt am Main als 2. Kind jüdischer Eltern geboren, lebte seit 1933 in Amsterdam. Zu ihrem Geburtstag am 12. Juni 1942 bekommt sie ein Tagebuch geschenkt. Da Freunde, denen man Geheimnisse anvertrauen möchte, einen Namen brauchen, nennt sie es Kitty. Kitty wird ihr täglicher Begleiter bis zum 1. August 1944.
Dem Leser begegnet eine Anne, die sich, an der Schwelle zum Erwachsenwerden, erst noch selbst finden muss und will. Ein sehr temperamentvolles Mädchen, dass, durch die äußeren Umstände gezwungen ist, sich auf engstem Raum mit zwei Familien zu arrangieren. Sie muss auf die meisten Erfahrungen verzichten, die Mädchen in ihrem Alter machen. Denn die Familien Frank und van Daan tauchten im Sommer 1942 unter, um dem Abtransport ins Konzentrationslager durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Zwei Jahre leben sie im Hinterhaus der Firma des Vaters versteckt. Am 4. August 1944 werden sie von der Gestapo entdeckt und abtransportiert. Anne überlebt nicht, sie stirbt im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Über die Zeit nach der Entdeckung durch die Gestapo wissen wir nichts, denn das Tagebuch endet am 1. August 1944. Aber was dieses junge Mädchen und ihre Familie berührt und bewegt hat in den zwei Jahren, dass hat sie sorgfältig ihrer Freundin Kitty anvertraut. Es stimmt unendlich traurig, aber gleichzeitig ist das "Tagebuch der Anne Frank" ein so tapferes Buch, so viel Mut spricht aus jeder ihrer Zeilen, dass man es unweigerlich nicht nur einmal zur Hand nimmt.
Dass die Geschichte Anne Franks, der Inhalt ihres Tagebuches, nicht allen bekannt ist bzw. man wieder oder immer noch so tun kann, als ginge es einen nichts an, wurde schmerzhaft klar im Juni 2006. Bei einer "Sonnenwendfeier" in der Nähe von Schönebeck verbrannten Neonazis das Tagebuch der Anne Frank. Junge Männer im Alter zwischen 23 und 28 Jahren. Es ist die Kramkiste wohl nicht der richtige Ort, um über Nazis und Neonazis, auch über verfehlte Bildungspolitik meinetwegen, zu sprechen. Aber wenn man dieses primitive Verhalten mit der Seelengröße vergleicht, die aus den Zeilen der jungen Anne sprechen, gibt es zumindest bei mir mehr als einen Kloß im Hals.
Wenn ich wie Anne diese Gedanken hier in einem Tagebuch niederschreiben würde, müsste ich jetzt fragen, und frage also auch Sie, liebe Leserinnen und Leser: "Begreifst Du (begreifen Sie), oder habe ich wieder schreibgestottert?"
Vielleicht sollte man, um zu verstehen, aber auch wirklich zum Buch selbst greifen. Es ist in unserer Punktschriftbibliothek in Vollschrift (BNA 1095, 5 Bde.) und Kurzschrift (BNA 2501, 3 Bde.) ausleihbar. In der Hörbücherei finden Sie 6 Kass. / 1 CD DAISY (494 Min.) gesprochen von Marylu Poolmann.

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Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ist 2004 dieser Frage nachgegangen. Die ersten 100 Plätze wurden in einer Liste zusammengefasst. Wir nennen Ihnen die Titel dieser Liste und stellen Ihnen jene, die Sie in der DZB ausleihen können, ausführlicher vor.
Auf Platz 2 landete "Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift".

"Die Bibel"

Die Aussage, bei der Bibel handele es sich um den Weltbestseller der Buchgeschichte, ist eine gelinde Untertreibung. Über die Weltgesamtauflage sind verlässliche Zahlen nicht zu erlangen, doch die jährliche Produktion von Bibeln und Bibelteilen soll zwischen 500 Millionen und 700 Millionen Exemplaren liegen. Anfang 2002 ist die Bibel ganz oder in Teilen in 2287 Sprachen übersetzt. Bedenkt man überdies die ideologische Macht, die dieses "Buch der Bücher" über Jahrtausende entfaltet hat, so erhellt sich die exzeptionelle Bedeutung der Bibel in der Geschichte des Buchwesens.
Entstehung
Wohl kaum ein Werk in der Literaturgeschichte hat eine derartig lange Entstehungsgeschichte wie die Bibel.
Diese Geschichte zu rekonstruieren, ist u. a. Aufgabe der historisch-kritischen Exegese. Sie hat bereits vor über 100 Jahren im "Pentateuch" - den fünf Büchern Mose, der Thora - mit sprachanalytischen Methoden vier Quellenschichten herausgearbeitet, deren älteste ins 10. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht. Eine Beeinflussung durch weit ältere altorientalische Literatur zeigt sich vor allem in der Sintflutgeschichte (Gilgamesch-Epos). Aber auch einzelne autochthone, namentlich poetische Texte, wie vor allem das Deborah-Lied im Richter-Buch, dürften in Zeiten zurückreichen, da Israel über keine staatliche politische Struktur verfügte. Solche herrschaftsfreie archaische Literatur stellt ein spektakuläres literaturgeschichtliches Ausnahmephänomen dar, da die Geschichte der Schrift sonst eng an staatliche Verhältnisse geknüpft ist. Die Kanonisierung (Stichwort R S. 119) der Thora wurde wahrscheinlich nach dem Ende des babylonischen Exils im 6. Jahrhundert v. Chr. abgeschlossen.
Die christliche Kanonisierung des Alten Testaments lief parallel zur jüdischen Kanonisierung der Hebräischen Bibel und es bestehen bis heute Unterschiede im Textkörper zwischen den verschiedenen Konfessionen. Zudem stellte sich der jungen christlichen Kirche mit der Verzögerung der zunächst rasch erwarteten Wiederkehr Christi und mit der infolge zeitlichen Abstands und geografischer Ausdehnung prekär werdenden mündlichen Jesus-Überlieferung die Frage nach der Festlegung verbindlicher Texte ihrer eigenen, auf Jesus von Nazareth bezogenen Geschichte. In der Mitte des 2. Jahrhunderts wurden Evangelienschriften im christlichen Gottesdienst gleichberechtigt mit den Propheten behandelt und Sammlungen von Paulusbriefen (die als älteste Texte des Neuen Testaments in die Mitte des 1. Jahrhunderts zurückreichen) wurden zunehmend als "heilige Schriften" betrachtet. Der heutige Kanon von 27 neutestamentlichen Schriften wurde gegen Ende des 4. Jahrhunderts von den griechischen, römischen und afrikanischen Kirchen anerkannt. Hiervon ausgeschiedene Schriften werden, wie beim Alten Testament, teilweise als "Apokryphen" geführt.
Inhalt
Die Bibel ist eine Sammlung heiliger Schriften, die von außerordentlich heterogenem Charakter ist. Zu den vertretenen Literaturgattungen zählen Geschichtsschreibung, Mythen, Fabeln, Genealogien, Biografien, Gesetzestexte, Gedichte, Klage-, Fest- und Liebeslieder, Spruchweisheiten, sozialkritische Pamphletik, Novellen und Briefe. Ein Schwerpunkt all dieser Texte liegt auf dem Verhältnis zwischen den Menschen und ihrem Gott. Dieser ist als allein zu verehrender, später als allein existenter Gott gedacht. Er ist der Schöpfer der Welt, der sich immer wieder genötigt sieht, aufgrund des falschen Verhaltens der von ihm geschaffenen Menschen in deren Geschichte einzugreifen. Nach der Sintflut grenzt er dieses Engagement auf die Gruppe der Erzväter und schließlich auf das von diesen abstammende Volk Israel ein, das er durch Vermittlung des Mose aus der ägyptischen Knechtschaft befreit. Diese Befreiungstat ist der Gründungsmythos derer, die sich auf die Bibel berufen. Im Gelobten Land muss Gott immer wieder gegen die von ihm abfallenden Israeliten intervenieren; zu diesem Zweck erweckt er Propheten, die die Abgötterei der Menschen sowie die soziale Ausbeutung und politische Unterdrückung durch die Mächtigen anprangern. Das in militärischer Not erworbene Königtum ist Schutz und Strafe Gottes zugleich. Unter David wird Israel zur regionalen Großmacht; sein Sohn Salomo gilt als Verkörperung der Weisheit, dem viele poetische Schriften der Bibel zugeschrieben werden. Nach Salomos Tod kommt es zur Spaltung des israelitischen Reichs und die fortgesetzte Großmachtpolitik der Könige führt schließlich zum Untergang beider Teile. Die Oberschichten des Südstaats Juda werden in die Babylonische Gefangenschaft entführt, aus der der Perserkönig Kyros sie nach etwa 50 Jahren wieder entlässt. Im Exil nimmt die jüdische Theologie neue Gestalt an: Gott wird zunehmend als universaler Gott angesehen und die Hoffnung auf einen erlösenden "Messias" entsteht. Mit der nach-exilischen kulturellen Unabhängigkeit unter den Persern, die den Neubau des Tempels in Jerusalem gestatten, enden die historischen Schilderungen der Hebräischen Bibel.
Das Neue Testament geht von der Situation der Besatzung Palästinas durch die Römer aus, die das Erbe der hellenistischen Reiche antraten, welche die Epoche der persischen Toleranz beendeten. Die Evangelien überliefern Reden und Wundertaten des Jesus von Nazareth, der als der von den heiligen Schriften verheißene Messias aufgefasst wird, sein in der Kreuzigung gipfelndes Leiden und seine geheimnisvolle Wiederauferstehung. In der Apostelgeschichte wird das Leben der christlichen Urgemeinden und die mit Pfingsten einsetzende christliche Mission behandelt, insbesondere die ausgedehnten Reisen des Apostels Paulus. Konflikte in den Gemeinden sind auch Gegenstand der Sammlung apostolischer Briefe, vor allem des Paulus. In den Paulusbriefen wird ferner die nachjesuanische Theologie entwickelt, deren zentrale Leitidee die Liebe Gottes ist. Der Textkorpus wird abgeschlossen von den apokalyptischen Endzeitvisionen der Offenbarung des Johannes. Das Bild Gottes ist im Neuen Testament von allen partikularen Aspekten entkleidet: Er ist der eine Gott für alle Völker.
Aufbau
Die 39 "Bücher" der Hebräischen Bibel sind in drei Abteilungen gegliedert. Die erste bilden die fünf Bücher Mose, die Thora, das Allerheiligste des Schriftkorpus. Hieran schließen sich die "Propheten" an, gefolgt von den "Schriften". Nach den hebräischen Anfangsbuchstaben dieser drei Teile (Thora, Nebi'im, Ketubim) wird die Hebräische Bibel auch "Tanach" genannt. Die christlichen Bibeln haben im Wesentlichen diesen gesamten Textkorpus als Altes Testament übernommen, in der Reihenfolge und Zuordnung der Bücher aber Umstellungen vorgenommen. So nimmt die Luther-Bibel ebenfalls eine Dreiteilung vor - in "Geschichtsbücher", "Lehrbücher" und "prophetische Bücher" -, rechnet aber die Samuel- und Königsbücher u. a. zu den "Geschichtsbüchern", die im Tanach als "Propheten" geführt werden. Stärker als in der Hebräischen Bibel ist bei den Übersetzungen die Absicht zu erkennen, das Material in eine möglichst chronologische Form zu bringen.
Das Neue Testament, den zweiten wesentlichen Teil der christlichen Bibeln, unterteilt die Luther-Bibel ebenfalls in die drei Kategorien der "Geschichtsbücher", "Lehrbücher" und "prophetischen Bücher", wobei letztere Kategorie mit der Offenbarung des Johannes nur einen Vertreter hat. Die "Lehrbücher" bestehen aus den paulinischen und sonstigen Briefen, die "Geschichtsbücher" aus den vier Evangelien und der Apostelgeschichte.
Wirkung
Die Hebräische Bibel ist als der Juden "portatives Vaterland" (Heinrich Heine) stets von zentraler Wichtigkeit für diese gewesen, als solche aber in ihrer Wirkung klar auf die relativ abgeschlossene jüdische Glaubensgemeinschaft beschränkt. Erst die christliche Botschaft mit ihrem weltweiten Missionsauftrag sorgte für die universale kulturelle Durchschlagskraft dieses Buches. Sie beruht einerseits auf der herrschaftslegitimierenden Funktion der Bibel, die im Zuge der "Entdeckungen" neuer Kontinente, des Kolonialismus und des Imperialismus zu einem zentralen Unterdrückungsinstrument wurde; andererseits aber beruht sie auch auf dem subversiven Potenzial der biblischen Sozialkritik, die immer wieder Emanzipationsbewegungen, Rebellionen und Revolutionen motivierte. Dies gilt von den millenaristischen Bewegungen des Mittelalters über die Bauernkriege, die Amerikanische Revolution bis hin zur heutigen "Theologie der Befreiung". Man kann leicht vereinfacht formulieren, dass, je intensiver breite Bevölkerungskreise sich mit den biblischen Texten beschäftigten, desto mehr die letztgenannte, die subversive herrschaftskritische Wirkung des Buches ins Gewicht fiel - daher auch das im Rahmen der katholischen Kirche lang anhaltende Verbot für Laien, die Bibel selbst zu lesen.
Zu den Wirkungen der Bibel gehört auch der paradigmatische Charakter der Bibelübersetzungen für das Übersetzen von Büchern insgesamt. Am Beginn steht die Übertragung der Hebräischen Bibel ins Griechische im 3. Jahrhundert v. Chr., die "Septuaginta". Wegweisende Gedanken zum Problem getreuer Übertragungen in andere Sprachen liegen u. a. von den deutschen Bibelübersetzern Martin R Luther (Sendbrief vom Dolmetschen, 1530) sowie Martin R Buber und Franz Rosenzweig (1886 bis 1929; Gemeinschaftswerk Die Schrift und ihre Verdeutschung, 1936) vor. Die kulturellen Wirkungen der Bibelübersetzungen sind wieder ambivalent: Einerseits bewirken sie als Missionsinstrument die Zerstörung "vor"christlicher Religiosität und damit kultureller Vielfalt; andererseits stellen sie für viele Sprachen das einzige oder doch wichtigste Mittel ihrer historischen Konservierung dar. Schon die Herausbildung der europäischen Nationalsprachen aus der Vielzahl regionaler Dialekte verdankt den jeweiligen Bibelübersetzungen viel.
[Quelle: R. H. in Harenberg. Das Buch der 1000 Bücher von Joachim Kaiser, Harenberg Verlag 2002.]
Bibeltexte und Literatur über die Bibel sind sowohl in der Punktschriftbibliothek, als auch in der Hörbücherei der DZB in großer Zahl vorhanden. Ihre Aufzählung würde hier den Rahmen sprengen, unsere Bibliothekarinnen beraten Sie gern.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander. (Tel. 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de)
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Kleine Korrektur zum Victor Reader Classic X plus

Ulrich Jander
Im Heft 6/06 der DZB-Nachrichten schrieb ich u.a. zum obigen DAISY-Gerät bezüglich des Preises, dass dieser bei ca. 400 Euro oder etwas darunter liegt. Konkret muss man sagen, dass bei der Firma Papenmeier z. B. der Classic X plus (Modell 203) für 379 und der Classic X (Modell 202) für 344 Euro verkauft werden. Der Preis ist damit gegenüber den vorhergehenden Modellen 102 (Classic) und 103 (Classic plus) gleich geblieben. Bei anderen Anbieterfirmen könnte der Preis in gleicher oder ähnlicher Höhe liegen. Exakte Preisangaben sind leider nicht möglich, da sich ständig Veränderungen ergeben können. Wir bitten um Ihr Verständnis.

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DAISY-Bücher - nicht nur als Hörbuch?

Ulrich Jander
Unter DAISY versteht heutzutage der Nutzer im Allgemeinen ein Hörbuch, digital auf CD. In dieser Form wird es in weit über 90% der Hörbuchtitel von den deutschsprachigen Blindenhörbüchereien produziert. Jedoch ist solch ein digitales Höruch auf CD nur eine von sechs verschiedenen DAISY-Buchvarianten. DAISY ist nicht identisch mit Hören. DAISY kann auch Text sein; es bietet auch die Möglichkeit, für sehbehinderte Nutzer Grafiken oder Bilder zugänglich zu machen.
DAISY ist als digitaler Standard computerbasiert; d. h., dass die entsprechenden Abspielgeräte das Buch oder die Zeitschrift zum Hören bringen, jedoch andere Bestandteile des Werkes auf dieser CD nur mit dem Computer genutzt werden können, z. B. der Text- oder Bildanteil in einem Buch, aber natürlich auch das Buch als Hörfassung. Auf der Basis des DAISY-Standards 2.02 sind sechs verschiedene Buchvarianten entwickelt worden, die ich hier versuchen will, im Einzelnen etwas darzustellen.
Gemäß dem derzeitigen DAISY-Standard 2.02 gibt es folgende sechs DAISY-Buchtypen:
  1. das voll aufgesprochene DAISY-Hörbuch ohne Navigationsmöglichkeit (als Audio only bezeichnet); lediglich satzweise im Buch oder zum Titel des Hörbuches kann gesprungen werden. Dieser Typ wird in der DZB nicht produziert;
  2. das voll aufgesprochene und strukturierte DAISY-Hörbuch mit Navigationsmöglichkeit (Audio NCC); hier kann im DAISY-Buch geblättert werden, Seitenzahlen bzw. Fußnoten sind gegebenenfalls nutzbar; dieser Hörbuchtyp wird zur Zeit hauptsächlich in der DZB produziert; nur die Überschriften (Buchtitel, Kapitel, Abschnitte) sind als Text lesbar;
  3. das vollständig aufgesprochene und strukturierte DAISY-Hörbuch mit Navigationsmöglichkeit und mit lesbarem Textanteil (Audio part Text); bei diesem Buchtyp existiert neben dem vollständigen Hörbuch teilweise Text, das können verschiedene Sätze oder Textteile, wie Anhänge oder das Inhaltsverzeichnis, sein; dieser Typ wird in der DZB nicht produziert;
  4. das vollständig aufgesprochene und strukturierte DAISY-Hörbuch mit Navigationsmöglichkeit und mit vollständigem Buchtext (Audio full Text); hier existiert der Titel als zwei vollständige Bücher, Hör- und Textvariante; beides kann synchron wiedergegeben werden, muss aber nicht; vor allem auf dem Gebiet der Sach- und Fachliteratur ist dieser Typ sehr interessant; die DZB hat hier angefangen zu produzieren, z. B. "Word ohne Maus" von Doris Hippeli und Stephanie Weil, dieses Werk kann neben der Ausleihe auch käuflich erworben werden (Preis: 32 Euro für diese DAISY-CD); der Produktionsaufwand ist bei diesem Buchtyp am größten;
  5. das vollständig produzierte Textbuch mit Navigationsmöglichkeit und mit Höranteilen (full Text part Audio); hier existiert der vollständige Buchtext mit Höranteilen, die also kein komplettes Hörbuch darstellen; dies wird in der DZB bislang nicht produziert;
  6. das vollständig produzierte Textbuch mit Navigationsmöglichkeit, aber kein Audioanteil (Text only); hier existiert ein vollständiges Textbuch, es gibt aber überhaupt kein Hörbuchanteil; die Textphrase, also der Satz, wird hervorgehoben dargestellt, so dass dieser z. B. durch sehbehinderte Nutzer besser bzw. schneller gefunden werden kann; auch dieser Buchtyp wird in der DZB bislang nicht produziert.
Meine Ausführungen sollen Nutzer von Hörbüchern mit DAISY-Abspielgeräten oder anderer Technik nicht verwirren, denn für diese Nutzergruppe verändert sich nichts. Aufgezeigt werden soll lediglich, dass ein DAISY-Buch noch einiges mehr als nur das Hören ermöglichen kann. Der Computer ist auch hierfür ein geeignetes Werkzeug. Das erforderliche Programm gibt es bereits seit Frühjahr 2006, der DAISY-Leser Version 2.0, entwickelt von der DZB, der als Computersoftware von der DZB auf CD-ROM bezogen oder aus dem Internet unter www.daisyleser.de bezogen werden kann.
Der oben angeführte Buchtitel "Word ohne Maus" ist das erste Buch, welches in der DZB in zwei Buchvarianten auf einer CD als vollständiges, strukturiertes DAISY-Hörbuch mit vollständigem Buchtext produziert worden ist. Da die Produktion eines solchen Buchtyps sehr, sehr aufwändig ist, werden nicht gleich die nächsten zehn Bücher folgen können. Jedoch im Sach- bzw. Fachbuchbereich dürfte eine allmähliche Entwicklung in diese Richtung möglich sein.

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Info-Service

Zeitschriftenangebot 2007

Alle Preise beziehen sich auf ein Jahresabonnement!
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* online unter www.dzb.de/zeitschriften

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Was Parkbänke und DZB-Bücher gemeinsam haben oder Neues vom Projekt Buchpatenschaften

Susanne Siems
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, diesen Beitrag unter den Fingern oder am Ohr haben, ist Februar. Vielleicht, so mögen die Wintersportfreunde hoffen, endlich mit etwas Schnee. Aber man kann sich auch jetzt schon gut auf den Frühling freuen, von grünen Wiesen und dem Duft von Frühjahrsblühern träumen. Und sich vorstellen, auf einer Bank in einem schönen Park zu sitzen mit seinem Lieblingshör- oder Punktschriftbuch aus der DZB. Warum diese lange Einleitung unter dem Thema "Buchpatenschaften", fragen jetzt wohl alle ungeduldigen Leser.
Um Ihnen den Gedanken an die Übernahme einer Buchpatenschaft noch näher zu bringen, haben wir uns eine kleine Erweiterung des Projektes ausgedacht. Wie bisher finden Sie Titelvorschläge im Internet bzw. die Kurztitelübersicht im Anschluss an diesen Beitrag. Ab sofort ist es aber auch möglich, unter bestimmten Bedingungen für bereits im DZB-Bestand befindliche Titel eine Patenschaft zu übernehmen. Ist sicher so etwas Ähnliches wie die Spende einer bestimmten Parkbank, auf der Ihr Name dann als Sponsor genannt wird, darum auch meine etwas weitschweifige Einleitung. Sie unterstützen damit natürlich nicht die konkrete Produktion dieses Buches. Aber wenn Sie es möchten, wird Ihr Name in einem für sie besonderen Buch genannt werden. Und Sie helfen uns, dass wir mit Ihren Spendengeldern weitere Titel produzieren können, vielleicht sogar Werke ihres Lieblingsschriftstellers. Kleine Einschränkungen müssen wir aus rechtlichen Gründen machen. Sie können nur Buchpate werden für Titel, die irgendwann mal in der DZB übertragen bzw. aufgesprochen wurden. Einkäufe aus anderen Bibliotheken sind von der Buchpatenschaft ausgeschlossen. Die endgültige Entscheidung, ob die Patenschaft für den von Ihnen gewünschten Titel möglich ist, liegt also bei der DZB: Wir können Ihnen aber versichern, dass wir Ihren Spendenwunsch schnell und unkompliziert prüfen werden. Melden Sie sich bei uns einfach in gewohnter Weise und schlagen Sie "Ihr Buch des Herzens" vor. Ich bin als Büchernärrin schon neugierig auf die Lesetipps, die ich dadurch ganz bestimmt erhalte. Mindestbetrag für eine solche Buchpatenschaft sind 250 Euro. Wie bei den Titelvorschlägen der DZB können Sie als Pate im Buch bzw. Internet genannt werden, können aber auch anonym spenden. Schauen Sie doch gleich mal im Katalog nach.
Wenn Sie darüber hinaus Fragen haben oder auch die Produktion eines Titels aus der jetzt gleich aufgeführten Vorschlagsliste (ab 100 Euro) unterstützen möchten, stehe ich für Auskünfte gern zur Verfügung.
Last but not least der besondere Dank an die 38 Buchpaten, die uns bis Dezember 2006 eine Spende für dieses Projekt zukommen ließen. Insgesamt standen auf diese Weise seit Beginn des Projektes "Buchpatenschaften" 16.600 Euro für die Neuproduktion bzw. Umschrift von Hör- und Punktschriftbüchern zur Verfügung.
Hier die aktuellen Titelangebote:
1. Neuproduktion Punktschrift
2. Neuproduktion Hörbuch
3. Umschrift Punktschrift
4. DAISY-Konvertierungen DZB Titel
Kontakt:
Tel.: 0341 7113-115
E-Mail: susanne.siems@dzb.de

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Petition an den Deutschen Bundestag

Der folgende Aufruf stammt vom Deutschen Verein für Blindenführhunde und Mobilitätshilfen e.V. (DVBM). Verfasst hat ihn Geschäftsführer Dr. August Rüggeberg:
Der DVBM - Deutscher Verein für Blindenführhunde und Mobilitätshilfen - ruft zu breiter Unterstützung einer Eil-Petition zur Rettung der Führhunde-Versorgung in Deutschland auf. Wir bitten eindringlich um Unterstützung der Petition durch Ihre Unterschrift auf der Website des DVBM. Wir haben uns nach besten Kräften mit der geplanten "Gesundheitsreform", d.h. mit dem Entwurf eines sogenannten "GKV-Wettbewerbs-Stärkungs-Gesetzes" der Bundesregierung auseinandergesetzt - genaueres darüber auf unserer Website (http://www.dvbm.de/news.htm).
Sollten die Regelungsvorschläge dieses Gesetzentwurfes hinsichtlich der Hilfsmittelversorgung unverändert bleiben, muss leider ernsthaft befürchtet werden, dass recht bald nur noch sehr billige Führhunde-Schulen mit voraussichtlich entsprechend geringer Qualität der Führhunde übrigbleiben.
Daher haben wir am 23.11.2006 eine Petition an den Deutschen Bundestag gerichtet, in welcher wir die wichtigsten Schwachpunkte des Regierungsentwurfes im Hinblick auf die Blindenführhunde-Versorgung durch eigene Regelungsvorschläge abzumildern versuchen.
Damit tun wir einen Schritt, der diskutiert werden mag, aber: wir tun einen Schritt, zu dem wir praktisch in der Lage sind, und der wenigstens den Vorteil hat, dass alle bereitwilligen Unterstützer das Anliegen leicht öffentlich unterstützen können.
Sieben Hauptforderungen haben sich dazu ergeben, Einzelheiten zu diesen Forderungen sind nachzulesen auf der DVBM-Website (http://90010589.turborankingcms.de/c39dde95-670e-45d6-9963-71eaa0b5f7de.htm). Dort findet sich auch das Kontakt-Formular zur Unterzeichnung durch Unterstützer.
Es kommt jetzt auf Eure Solidarität und Mitarbeit an!

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Paten für Tandem-Camp gesucht

Dr. Thomas Nicolai
Das 3. Internationale Tandem-Camp für blinde und sehbehinderte Jugendliche findet vom 28.09. bis 07.10.2007 in Boltenhagen statt. Um jungen Leuten aus osteuropäischen Ländern die Teilnahme zu ermöglichen, werden Paten gesucht, die sich an der Finanzierung der Aufenthaltskosten beteiligen.
Nähere Informationen beim Initiator des privat und ehrenamtlich organisierten Projektes von Tandem-Hilfen:
Dr. Thomas Nicolai
Tel.: 030 2081720, Mobil: 0171 5307169
E-Mail: ThomasNicolai@gmx.de
Internet: www.tandem-hilfen.de

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Radio4Handicaps von Health-Media e.V.

Das ehrenamtliche Team betreibt seit August 2003 mit www.Radio4Handicaps.de Deutschlands ersten Internet-Radiosender Deutschlands mit täglichen aktuellen Informationen rund um die Themen "Gesundheit und Handicap" - 24 Std. aktuelle Nachrichten, Berichte und Informationen aller Art, umrahmt von Musik aller Stilrichtungen.
Unter anderem möchte Radio4Handicaps sein Projekt "Fußball-Übertragung für sehbehinderte und blinde Fans" weiter ausbauen und seinen Hörern vorstellen.
Infos über Radio4Handicaps:
www.radio4handicaps.de

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Projekt "Stralsund Blind Verstehen"

Pressemitteilung
Der Slogan "für ALLE" steht für Barrierefreiheit. Immer noch ist es nicht selbstverständlich, dass gehandicapte Menschen selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Dafür wirbt das Projekt "Stralsund Blind Verstehen" in der ehemaligen Wolfgang Heinze-Schule. Im Januar 2007 wird dort eine Dauerausstellung des Kreisdiakonischen Werkes in völliger Dunkelheit öffnen und besichtigt werden können.
Selbständige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bedeutet für uns die Möglichkeit zu haben, sich ohne Hilfe zu informieren. Deshalb haben wir uns als Ziel gesetzt, die Hansestadt Stralsund für blinde Menschen erlebbar zu machen. Hierzu wurden und werden Informationsbroschüren in Brailleschrift gefertigt. Dies ist nun geschehen. Ein Team langzeitarbeitsloser Jugendlicher und Erwachsener hat vielfältige Broschüren über unsere Stadt und deren Sehenswürdigkeiten erstellt. So z.B. einen Stadtrundgang durch die historische Altstadt für blinde Besucher, Informationen über unsere Kirchen, Museen und die Stadt. Diese können ab sofort in der Tourismuszentrale oder direkt bei uns bezogen werden (www.stralsund-blind-verstehen.de).
Unter diesem Blickpunkt möchten wir blinden Besuchern historische unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Hansestadt Stralsund als originalgetreue Tastmodelle nahe bringen. Tastmodelle haben einen Reiz für jeden, der sich das Original anschaut, da auf kleinstem Raum die Gesamtheit des Objektes erfassbar wird. Insbesondere können sehbehinderte und blinde Menschen unsere Kirchen und Bürgerhäuser dann ertasten und ihre Architektur erfahren. Teilhabe aller als ein elementares Grundbedürfnis und Bürgerrecht an Kultur, Kunst und Architektur wird hiermit für blinde uns sehbehinderte Menschen in Stralsund möglich. Sie sehen nicht, sondern fühlen und erfahren mit den Händen die Schönheit und Besonderheit unserer historischen Altstadt. Ab der Sommersaison 2007 werden unsere gefertigten Tastmodelle in den Kirchen zu erleben sein.
Kontakt:
Kreisdiakonisches Werk Stralsund e.V.
Stralsund Blind Verstehen
Wolfgang-Heinze-Str. 9
18437 Stralsund
hst.blind@kdw-hst.de
www.stralsund-blind-verstehen.de
Tel.: 03831-303432, Fax: 03831-303345

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Gästehaus des Steiermärkischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes

Das Haus in lieblicher Gegend mit erstklassigem Erholungswert befindet sich in Stubenberg am See in der Oststeiermark. Gesunde Wälder und sanfte Hügel beherrschen die Landschaft. Rund um das Haus finden Sie auf dem Grundstück geschützte Wege und eine Schutzhütte, die auch Menschen Möglichkeiten zum Aufenthalt im Freien bieten, die nicht mehr baden und wandern können. Die Waldwege nördlich des Gästehauses sind mit Leitdrähten versehen, so dass sich auch Menschen mit schlechtem Orientierungssinn nicht verirren können.
Das Haus wurde vor zwei Jahren völlig modernisiert und nach den Bedürfnissen unserer blinden und sehbehinderten Gäste eingerichtet, die von einem kompetenten und erfahrenen Team bestens betreut werden. Für Gäste, die den See aus eigener Kraft befahren wollen, steht ein Tretboot zur Verfügung. Der Eintritt zum Badesee ist für Gäste frei.
Auch grenzüberschreitende Ausflüge nach Ungarn und Slowenien sind möglich.
Kontakt:
Gästehaus des Steiermärkischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes
Frau Anneliese Greimel
Dorfstraße 140, 8223 Stubenberg am See
Tel: 03176 8845, Fax: 03176 8845-99
E-Mail: stubenberg@stmk-bsv.at
http://www.stmk-bsv.at/stubenberg/gaestehaus.htm

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BOB-Seminarausschreibungen

"Einführung in EXCEL"
(Teilnehmerzahl auf 6 Personen begrenzt)
11.03 bis 16.03.2007
Rudolf-Kraemer-Haus, 75378 Bad Liebenzell
Anmeldeschluss: 02.02.2007
"Partnerschaftshoroskope deuten"
(Teilnehmerzahl auf 8 Personen begrenzt)
23. März bis 25. März 2007
Rudolf-Kraemer-Haus, 75378 Bad Liebenzell
Anmeldeschluss: 16.02.2007
"Der PC als Tonstudio - Soundbearbeitung am PC"
29. April bis 05. Mai 2007
Rudolf-Kraemer-Haus, 75378 Bad Liebenzell
Anmeldeschluss: 22.03.2007
"Fortbildungsseminar für blinde und sehbehinderte Schwerbehinderten-Vertrauensleute"
25. März bis 30. März 2007
Bildungszentrum der Arbeitskammer des Saarlandes, Kirkel (Saar)
Anmeldeschluss: 03.03.2007
"Zukunftsdeutungen"
(Teilnehmerzahl auf 8 Personen begrenzt)
27. April bis 29. April 2007
Rudolf-Kraemer-Haus, 75378 Bad Liebenzell
Anmeldeschluss: 20.03.2007
Kontakt:
Bildung Ohne Barrieren
Bildungsinstitut für Blinde und Sehbehinderte e.V.
Postfach 1270
D-79547 Weil am Rhein
Tel.: 07844 918751, Fax: 07844 918755
E-Mail: info@bob-institut.org

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder CD DAISY 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
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Redaktion:
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Abonnements, Anzeigen:
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Spenden:
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto-Nr.: 1 100 830 010
DZB 2007

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