DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 5 – 2007
September / Oktober
17. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Einblicke

Zur Eröffnung der Ausstellung

Wie war das damals?

Das Blindenghetto in Theresienstadt

Vor 50 Jahren - Gründung des Allgemeinen Deutschen Blindenverbandes (3)

Die Kramkiste

Heinrich Böll: " Irisches Tagebuch"

Friedrich Dürrenmatt: "Das Versprechen"

Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Platz 6: Thomas Mann: "Buddenbrooks"

LOUIS

Braillekurzschrift in ausgeschriebenen Text umwandeln

Info-Service

Neu: Taschenkalender "flexi+"

Literatur im Internet: Portale setzen verschiedene Akzente

Klassenlektüre zum Nulltarif

Selbständig durch Punktschrift- und Computernutzung

Seminarausschreibung

Impressum

Vorbemerkung

Bekanntermaßen hat die DZB ihr Domizil in einem besonders geschichtsträchtigen Ge-bäude. Bereits im Juli wurde hier die neu gestaltete Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte des Hauses Gustav-Adolf-Straße 7 eröffnet. Den von Dr. Thomas Kahlisch gehaltenen Eröffnungsvortrag finden Sie in der Rubrik "Einblicke", die DAISY-Ausgabe enthält zusätzlich die Einspielung eines Tondokumentes. Thematisch fügt sich hier auch der in die Rubrik "Wie war das damals?" aufgenommene Bericht Dr. Ludwig Cohns "Das Blindenghetto in Theresienstadt" in Form einer von Max Schöffler 1952 beglaubigten Abschrift ein.
Mit dem Herbstbeginn hat die "Kalenderjagd" wieder Hochsaison - auch bei uns. Die vollständige Übersicht unseres Kalenderangebotes finden Sie in der "Bücherliste". Ein Neuling ist dabei, der "flexi+". Über diesen Kalender erfahren Sie Näheres im Info-Service.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Postecke

Die Veröffentlichungen müssen nicht mit der Redaktionsmeinung identisch sein. Aus redaktionellen Gründen behalten wir uns Kürzungen vor. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

DAISY-Bücher kaufen? Wie und mit welchen Titeln ist es möglich?

»(…) Ich höre gerade mit großem Interesse Ihre Info-CD und habe überrascht gestoppt, als ich im Interview (2. Track) hörte, dass es auch möglich ist, DAISY-Titel zu kaufen. Geht das mit jedem Buchtitel? Wie ist das denn dann urheberrechtlich geregelt? Zahlt man dann einfach den kompletten Standard-Buchpreis inkl. Bearbeitungsgebühr für DAISY?
Werden diese Bücher dann auch, sofern das möglich ist, wie die Info-CD in Braille bedruckt? (…)«
[Herr Michael Cesarz-Szymanski per E-Mail]
Bemerkung der Redaktion
Jeden Buchtitel als käuflichen DAISY-Titel anzubieten, ist nicht möglich. Bei unseren zum Verkauf angebotenen DAISY-Titeln handelt es sich um das Ergebnis von Übereinkünften bzw. Kooperationen mit den jeweiligen Originalverlagen. Es kommen mehrere Bedingungen zusammen:
Die Abgabepreise der DAISY-Titel sind unabhängig von kommerziellen Hörbuchpreisen und orientieren sich an unseren Herstellungskosten.
Der Aufdruck mit Brailleschrift ist leider nicht finanzierbar, er lohnt sich erst ab einer Auflagenhöhe von mehreren Hundert. Unser Verkaufsergebnis bleibt da weit zurück. Bei der Info-CD ist das anders, deren Auflage beträgt einige Tausend.
Ausführliche telefonische Auskunft zum Verkaufsangebot von DAISY-Büchern erhalten Sie unter 0341 7113-119. Neuzugänge im Angebot werden in der „Leipziger Bücherliste“ angekündigt.

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Modern oder "Denglisch"?

»(…) Leider komme ich erst heute dazu, mich zu einem Angebot der DZB zu äußern, das in Heft 1/07 der DZBN vorgestellt wurde. Es geht um ‚Make Braille'. Zuerst dachte ich, es sei ein Übertragungsangebot von fremdsprachigen Texten für ausländische Nutzer und ignorierte es. Dann siegte aber doch die Neugier, und ich merkte, dass ich total daneben lag. Hätte man dafür nicht einen aussagekräftigen deutschen Titel finden können? Aus dem englischen Titel geht ja nicht einmal hervor, dass es sich um die Übertragung von Noten für Blinde handelt.
Ich habe an der DZB die relativ ‚saubere' Sprache sehr geschätzt und fände es nicht gut, wenn man hier jetzt auch ins ‚Denglische' verfällt, nur weil es gerade ‚in' ist. (…)«
[Frau Ursula Steinbrich aus Chemnitz]

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Einblicke

Zur Eröffnung der Ausstellung

DR. THOMAS KAHLISCH
Vortrag zur Eröffnung der Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte des Hauses Gustav-Adolf-Straße 7 am 10. Juli 2007
Sehr geehrte Damen und Herren, herzlichen Dank, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind!
Besonders begrüßen möchte ich zu Beginn unserer kleinen Feierstunde:
Das Haus in der Gustav-Adolf-Straße 7 hat sehr schöne und unbeschreiblich grausame Formen des nachbarschaftlichen Umgangs der Menschen miteinander erlebt.
Wie in der heutigen LVZ nachzulesen ist, wurde der Grundstein des Gebäudes im Juni 1913 gelegt. Initiator dieser hier gegründeten höheren israelitischen Schule war der in Leipzig bekannte Rabbi Ephraim Carlebach, der das Gesicht dieses Hauses bis 1936 als engagierter Direktor prägte. Er setzte sich für Toleranz und Fairness im Umgang der Menschen untereinander ein.
In der schwärzesten Zeit deutscher Geschichte wurde dieses Haus als Schule geschlossen und in der Zeit von 1939 bis 1942 als sog. "Judenhaus" von den Nationalsozialisten missbraucht.
Seit 1954 wurde das Gebäude zum Domizil und zu einem Neuanfang der DZB, deren Literaturbestand in einem Bombenangriff im Dezember 1943 fast völlig vernichtet worden war. Es folgte in den 60er Jahren die Errichtung der beiden Nebenhäuser. So bietet das Haus heute genügend Platz für über 50.000 Bände Blindenschrift, weit mehr als 8.000 Hörbücher und eine moderne technische Ausrüstung, mit deren Hilfe die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heute Bücher und Zeitschriften in den verschiedenen Medienformen für blinde und sehbehinderte Menschen (Brailleschrift, tastbare Reliefs, Hörbücher und elektronische Texte) aufbereiten.
Im Jahr 1988 stellten sich die Mitarbeiter des Hauses seiner Geschichte. Die rechts neben dem Eingang angebrachte Schautafel gibt Auskunft darüber. Zur Einweihung dieser Gedenktafel kamen damals viele Gäste u. a. aus Israel und wir können ihnen heute - Dank unseres Masterbandarchives - einen Originalton von dieser Veranstaltung vorspielen, wie ein ehemaliger jüdischer Bewohner Leipzigs seine Schul- und Vertreibungszeit schilderte.
Vor dem Abspiel dieses eindrucksvollen Tondokumentes lassen Sie mich bitte berichten, dass die DZB seit 1990 eine Einrichtung des Freistaates Sachsen ist und wir unsere Dienstleistungen deutschlandweit anbieten. In Zeiten des demografischen Wandels und der immer kleiner werdenden Displays ist es wichtig, wenn sich der Staat denen zuwendet, die spezielle Bedürfnisse haben. Es ist durchaus auch weise zu nennen, denn schließlich werden wir alle älter und jeder, der heute seine Augen nutzt, um sich zu bilden oder einfach nur zu unterhalten, der kann schnell im höheren Alter auf Hörbücher und andere Informationsangebote aus der Gustav-Adolf-Straße 7 angewiesen sein.
Der Freistaat Sachsen steckte 1997 bis 1999 über 6 Millionen Euro in die Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes.
In seinem Buch "Hundert Jahre DZB" schildert Helmut Schiller 1994 nicht nur die Geschichte und Entstehung der ältesten öffentlichen Leihbücherei für Blinde in Leipzig. Er befasste sich auch mit den jüdischen Traditionen dieses Hauses. Dank des Vorsitzenden der Ephraim Carlebach Stiftung, des selbst blinden ehemaligen jüdischen Leipzigers Herr Kralowitz, wissen wir heute, dass sich auf der Schautafel Fehler in die Darstellung der Ereignisse um 1940 eingeschlichen haben. Wir werden uns um eine Korrektur der Schautafel kümmern. Gleichzeitig kann ich Sie darüber informieren, dass unser Ministerium zugestimmt hat, diesem Haus den Namen seines Schöpfers Ephraim Carlebach zu verleihen und damit einem lang gehegten Wunsch von Frau Gildoni zu entsprechen. Ich schlage vor, die Erneuerung der Schautafel und die Namensgebung gemeinsam im kommenden Jahr zu realisieren.
Im Jahr 2009 kann dann auch dem Wunsch der blinden und sehbehinderten Menschen entsprochen und dem gesamten Gebäudekomplex der Name "Louis-Braille-Zentrum" verliehen werden.
Doch zurück zur Geschichte des Hauses. Sie hören jetzt den Originalton des Interviews, das Herr Wolfgang Burghardt - Hörzeitschriftenredakteur in der DZB - 1988 mit Herrn Glaser führte.
Originalton: Herr Glaser, ehemaliger jüdischer Bewohner der Stadt Leipzig
Zu Beginn meines Vortrages sprach ich von Nachbarschaft und dies dient mir als rhetorische Brücke, um zum Ende meiner Ausführungen zu gelangen. 2003 lebten wir Tür an Tür, Simone Berger-Lober, ihr Gatte und ich. Frau Berger-Lober berichtete mir von ihrem Studium der Theologie und Judäistik. Ich wurde neugierig und so kamen wir ins Gespräch, und gemeinsam mit den Mitgliedern des Vorstandes des Fördervereins der DZB wuchs die Idee, diese Ausstellung zu gestalten. Nach ca. 12 Monaten Arbeit können wir Ihnen heute das Ergebnis präsentieren. Vorher wird uns Frau Berger-Lober ihre Eindrücke schildern, die sie bewegt haben, sich für dieses Projekt zu engagieren. Danach wird Frau Dr. Deimig die Ausstellung offiziell eröffnen. Dazu wünsche ich Ihnen viel Spaß.

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Wie war das damals

Das Blindenghetto in Theresienstadt

Dr. Ludwig Cohn, Rotterdam
(Wortlaut der von Max Schöffler am 21.9.1952 beglaubigten Abschrift)
Aus Deutschland und den besetzten Gebieten hatten sämtlich nach Theresienstadt, einer alten böhmischen Festung 60 km von Prag, alle Blinden kommen sollen. Dort war in einem Ausmaß von 700 zu 900 Metern, also noch kein qkm im Inneren des früher 7000 Einwohner zählenden Städtchens ein von Stacheldraht umzäuntes Ghetto gebildet worden, in das die stark überdimensionierten in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts gebauten 10 Kasernen einbezogen waren. Entgegen der "Weisung von höheren Hand" waren große Gruppen Blinder mit allgemeinen Transporten aus ihren Wohnorten direkt nach dem Osten, in die errichteten Vernichtungszentren verschickt worden", so aus Brandenburg, Schlesien, Sachsen, Ost- und Westpreußen, aus Ungarn, aus der Tschechoslowakei und Österreich, aus Griechenland und in besonders großer Zahl aus Polen.
Das Lager Theresienstadt, in welches im Frühjahr 1942 die ersten Blinden kamen, worunter sich auch kleine Gruppen und Einzelpersonen aus den ebengenannten Gebieten befanden, wurde bis zum Mai 1945 von 3200 Blinden durchlaufen. Darunter befanden sich viele alte und kranke Blinde. Rund 1200 sind in Theresienstadt gestorben. 96 erlebten den Tag der Befreiung am 5. Mai 1945, so dass also rund 2000 von Theresienstadt aus den Weg des Unheils in die Gaskammern des Ostens gehen mussten. Unter ihnen auch die 4 Taubblinden, die wir im Lager hatten, neben 2 stummen Menschen waren da die hochbegabten Mädchen Else Dreyfuß aus Frankfurt/Main und Ilse Ransburg aus Graz/Österreich.
Theresienstadt hatte eine Jüdische Selbstverwaltung, die mit allen ihren Maßnahmen dem deutschen Kommandanten verantwortlich war. Die Kommandantur lag im Ghetto. Da in den oben umschriebenen engen Räumen im Minimum 15.000, durchschnittlich zugleich 25.000, während einiger Wochen im Maximum mehr als 50.000 Menschen zusammengedrängt waren, was bei dem häufigen Mangel von Wasser und dem fast völligen Fehlen von Kanalisation zu unerträglichen gesundheitswidrigen Missständen führte, waren sanitäre und soziale Maßnahmen das Wichtigste. Sie wurden durch ein ausgezeichnet organisiertes Wohlfahrtsamt in vorbildlicher Weise durchgeführt, soweit das bei der beschränkten Zuteilung von Hilfsmitteln und Materialien möglich war.
Dr. Carel Fleischmann, ein Arzt aus Budweis in Böhmen, eine der leitenden Persönlichkeiten im Wohlfahrtsamt (leider ist er auch nicht wieder zurückgekommen), hat sich in der Sorge für die Blinden unauslöschlichen Dank erworben. Er adoptierte trotz des heftigsten Widerspruchs der Kommandantur ein Haus als Blindenheim, das mit seinen nach und nach 200 Schlafplätzen das bestehende Bedürfnis allerdings bei weitem nicht auffangen konnte; denn bei der stets fluktuierenden Belegschaft von Theresienstadt schwankte die Zahl der anwesenden Blinden zwischen 200 und 500, so dass meist der größte Teil anderweit, in der Hauptsache in den Kasernen, untergebracht werden musste. Ich selbst hatte nur 2 Wochen in diesem Blindenheim gelegen. Im übrigen hatte ich, da man aufgrund der zermürbenden Methode der Deutschen beständig die Unterkunft wechseln musste, während 19 Monaten nicht weniger als 17 verschiedene Schlafplätze. Mit den Dingen, die Blinden betreffend, bin ich dadurch besonders betraut gewesen, weil mir Dr. Fleischmann, wenn ich so sagen darf, die Leitung des Blindenwesens übertragen und mich zu seinem diesbezüglichen Berichterstatter gemacht hat.
Jeder ankommende Blinde wurde augenärztlich untersucht und es wurde eine Kartei mit sehr genauen Angaben eingeführt, deren Bearbeitung mir ebenfalls oblag. - Die Augenklinik wurde von Dozent Ernst Stein aus Brünn geleitet. Augenarzt im Blindenheim war Dr. Rudolf Lederer aus Teplitz-Schönau.
Die innere Leitung des Heimes lag in den Händen von Dr. David Schapira, einem erblindeten Advokaten aus Wien, der sich durch seine geistvollen Plädoyers beim Ghettogericht einen großen Namen gemacht hatte.
Die Herren Klennert und Moschkowski versahen in vorbildlicher Weise die Hausmeisterei. - Dr. Fleischmann hatte das Blindenheim in die Reihe der bevorrechtigten Institutionen einschalten können, was eine Verbesserung in Versorgung und Ernährung durch gelegentliche Extrazuteilungen zur Folge hatte, Sehende Frauen und Männer stellten sich als Begleiter auf den beschränkten möglichen Spaziergängen und als Vorleser zur Verfügung. Kulturelle Veranstaltungen und Gottesdienste fanden auch im Heim eine Stätte.
Die Blinden in Theresienstadt waren, wie alle Insassen des Ghettos, bis zum 65. Lebensjahr zum Arbeitsdienst verpflichtet. Ihre Beschäftigung und Unterbringung in Betrieben mit Dr. Fleischmann zu besprechen, nachdem ich in den verschiedenen Fabriken geeignete Arbeitsplätze ermittelt hatte, gehörte in mein Aufgabengebiet. So arbeiteten einige in der Möbeltischlerei und Metallbearbeitung, in der Spielwaren- und Kartonagenfabrik, in der Pantoffelmacherei und der Matratzenstopferei.
Der Modelleur aus Wien verfertigte kunstreiche Drahtplastiken und der bekannte Prager Violonist, Miklos Gross, wurde in dem großen Betrieb der Glimmerbearbeitung den sehenden Arbeitern stets als Beispiel vorgehalten, weil er es besser als diese verstand, den Glimmerstein in hauchdünne Blättchen zu schneiden, ohne sich die Finger mit dem haarscharfen Messer zu verletzen. Alle diese Betriebe, die im Ghetto lagen, arbeiteten unter deutscher Aufsicht und hatten, besonders die Konfektion und Uniform-Schneiderei, stets große Aufträge. Dasselbe gilt von einer Strickgruppe im Blindenheim, die immer reichlich Arbeit hatte.
Über die Einrichtung einer Bürsten- und Korbmacherei liefen noch die Verhandlungen, als im Mai 1945 überall (bei uns die rote Armee) die Befreier kamen.
Dass diese Werkstätten nicht schon früher eingerichtet wurden, obgleich eine gröbere Zahl von Facharbeitern da war, lag daran, dass sich ein deutscher Bürstenmacher als Leiter ausgegeben hatte, der so roh und grob auftrat, dass die in Betracht Kommenden es vorgezogen hatten zu sagen, sie können nicht und lieber andere Arbeit übernahmen.
Alles, was unter dem Schutze der Ghetto-Verwaltung außerhalb der Arbeit stattfinden konnte, musste vorsichtig und meist gut getarnt eingerichtet werden. Dabei wurden die Deutschen mit ihrer eigenen, oft sehr eigenartigen, Terminologie hinters Licht geführt, indem vieles unter dem Begriff "Freizeitgestaltung" subsumiert wurde, so auch der streng verbotene Unterricht an Kindern und Jugendlichen. Gerade der aber wurde gut organisiert, lebhaft betrieben, weil wir die Kinder nicht Schaden leiden lassen wollten.
Im Rahmen der erzieherischen Arbeit, die sehr fruchtbar war, führten wir die Kinder, besonders die älteren, in den Sozialdienst ein. Gerade davon gibt es viel Schönes zu erzählen. Als ich einmal darüber gesprochen hatte, wie blinde Kinder unterrichtet werden, auch von den Taubblinden erzählt und gesagt hatte, dass gerade diese hier im Lager sich verlassen und vereinsamt fühlten, weil außer mir sich nur einige Familienangehörige mit ihnen verständigen könnten, aber durch den Arbeitsdienst kaum Zeit hierzu hätten, bat eine große Anzahl von Kindern und jungen Menschen darum, Lormen zu lernen. Es war eine Freude zu sehen, wie sie alle wetteiferten, jede freie Minute den Taubblinden zu widmen, sie zu Spaziergängen abholten und mit ihnen sprachen. Ein Mädchen hatte eine solche Fertigkeit im Lormen, dass sie mit Vorliebe aus Büchern vorlas.
Aus mitgebrachten und beim Weitertransport in Theresienstadt zurückgelassenen Blindenbüchern konnte eine kleine Bibliothek gebildet werden, die fleißig benutzt wurde. Meist in der Weise, dass sich mehrere zusammensetzten und einer von ihnen vorlas. Das gilt besonders von einer größeren Zahl Wiener Blinden, die gemeinsam in derselben Kaserne untergebracht waren. Dort war Mathilde Lederer eine unermüdliche Vorleserin.
Dr. Fleischmann suchte seine Blinden, die Lieblingskinder seiner Fürsorgearbeit, nach Möglichkeit zu schützen, besonders wenn ihm bekannt wurde, dass sich Leute vom Bewachungspersonal immer wieder einmal in ihrer rüden Weise austobten.
Als vielseitig gebildeter und hochbegabter Mann bewährte er sich als Zeichner und Dichter. Aus seiner Feder flossen sehr schöne Verse, die sich auf Blinde bezogen. Nur vor dem Schwersten konnte er niemand bewahren, vor der letzten Deportation, der ja er selbst auch zum Opfer gefallen ist. Was sie zu bedeuten hatte, das war längst bekannt geworden. Man muss es miterlebt haben, wie da der Weg zum Tode angetreten werden musste. Grausige Bilder haben sich unauslöschbar in meine Seele eingebrannt. Ihnen allen, die als Opfer des Nazismus dahingehen mussten, ein tiefempfundenes "Quiescant in pace".
Dem Unheile entronnen zu sein war für jeden Einzelnen ein Glücksfall. So hatte ich durch einen Sturz von der Bodentreppe meiner Kaserne einige Rippen gebrochen, kam ins Krankenhaus und wurde vom Chefarzt bei 2 Aufrufen zum Transport für "transportunfähig" erklärt, Wunder über Wunder, diese Meldung wurde nicht nachgeprüft. So können die gebrochenen Rippen auch einmal ein Glücksfall sein.
War man, wie ich in Bergen-Belzen, der einzige Blinde, musste man selbst sehen, wie man am besten durchkam, besonders in Bezug auf den Arbeitsdienst. Ich konnte mir damit helfen, dass ich mich beim Tragen der Suppenkessel vom Lagertor, wo sie niedergestellt wurden, bis zu den Baracken beteiligte. Keine beliebte Arbeit, denn die Kessel waren sehr schwer und die Suppe schwappte beim Laufen über und ergoss sich auf die Kleider. Daher waren dort stets Arbeitsplätze frei. Da man hierbei aber unausweichbar unter der Aufsicht des Bewachungspersonals stand, gab es manche Unannehmlichkeit. Das und andere schwere Momente musste man in Kauf nehmen. Dafür war man als unfrei gewordener Mensch in einem KZ, indem so mancher Nazi durch übergroße Strenge und oft sehr absurde Mittel seine Sporen verdienen wollte. Man musste verständig sein und den Kopf kühl halten. Ich pflegte mich täglich zu rasieren, wenn ich Wasser zur Verfügung hatte, und eine exakt gebundene Krawatte zu tragen. Beides war nicht gern gesehen. Einmal, in Bergen-Belzen, stampfte ein SS-Mann an mir vorüber, eben als ich mich rasierte.
"Muss das sein, Herr Baron?", schrie er mich an. "Es muss nicht sein, ich finde es nur schön!", antwortete ich. "Idiot!", sagte er und ging weiter. Der Mann war gemütlich, er hätte mir ebenso gut eine herunterhauen können, wie das ja täglich wegen ähnlicher Anlässe geschah. Als einmal beim Einladen in einen Transportzug an einem Waggon, in den auch mehrere Blinde gebracht werden mussten, eine Stauung entstand, kam der Adjutant des Kommandanten, ein besonders roher Mensch (er endete später am Galgen), und brüllte: "Wenn Ihr Gesindel nicht eins, zwei, drei drinnen seid, dann schieße ich Euch nieder wie Hunde, wahrhaftig, ich tue es!“
Daran brauchte man nicht zu zweifeln, so etwas kam tatsächlich vor und nicht als Ausnahme. Eine stichhaltige Rechtfertigung war dann unschwer bei der Hand.
Die äußeren Unerträglichkeiten des Lagerlebens müssen als unabwendbar in Kauf genommen werden und lassen sich bei gutem Willen ertragen und auch gelegentlich abmildern. Viel schwerer ist es, Erniedrigungen zu ertragen, die sich jeder, der in einer Uniform steckt, erlauben durfte. So wurde ich einmal auch wieder das Opfer meines Krawattenhobbys: Ein vorübergehender SS-Mann packte mich an der Krawatte: "Was soll das? Wir gehen hier nicht auf Gesellschaft. Weißt Du, was Du bist, genau so ein Stück Judensch... dreck wie jeder andere."
Warum sagte er so etwas ganz Unmotiviertes? Nur weil er das Machtbewusstsein als Stütze hatte. Alles, aber auch alles tun und sagen zu dürfen.
Wenn man solche ähnliche und gröbere Aussprüche lediglich akustisch zur Kenntnis zu nehmen sich gewöhnt hat, konnten sie kein Angriff mehr sein auf das innere Gleichgewicht, und darauf kam es ja an, sich dieses zu bewahren, wie es Horaz in einer seiner Oden empfiehlt: "Bewahre Dir auch unter den schwierigsten Umständen Deine Seelenruhe."
Aufgrund nachträglich angestellter statistischer Ermittelungen greift man nicht zu hoch mit den Schätzungen, dass, die 1200 in Theresienstadt Verstorbenen einbezogen, etwa 5000 jüdische Blinde innerhalb von Europa durch die Nazi-Maßnahmen ums Leben gekommen sind.

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Vor 50 Jahren - Gründung des Allgemeinen Deutschen Blindenverbandes (3)

Dr. Werner Uhlig
Worin bestanden die einzelnen Schritte der Verbandsgründung? Es ging ja darum, von Anfang an möglichst viele Blinde, unsere künftigen Mitglieder, in den Gründungsprozess einzubeziehen.
Der Arbeitsausschuss für Blindenfragen in Berlin hatte eine Arbeitsgruppe mit dem Auftrag zur Formulierung des Statutenentwurfs gebildet. Im Frühjahr 1957 beriefen die 15 Bezirksblindenausschüsse im Zusammenwirken mit dem Referat für Sozialfürsorge beim jeweiligen Rat des Bezirkes Bezirksaktivtagungen der Blinden ein. Diese Aktivtagungen hatten zwei Aufgaben:
  1. Beratung des Statutenentwurfs, Vorschläge für Ergänzungen bzw. Streichungen und
  2. Wahl der Bezirksdelegierten für den bevorstehenden Gründungskongress.
Die Leipziger Bezirksaktivtagung der Blinden hat am 8. April stattgefunden und ist von Frau Holz, Vertreterin des Referates Sozialfürsorge beim Rat des Bezirkes, geleitet worden. Als Hauptredner war Helmut Pielasch nach Leipzig gekommen. Er war damals der "stärkste Mann" im Blindenwesen der DDR, und es hatte seinen Grund, dass er hierher kam. Hier war 1954 Max Schöffler aus politischen Gründen als DZB-Direktor und Redakteur der "Gegenwart - Zeitschrift für Blindenfragen" seines Amtes enthoben worden, und der erste Arbeitsausschuss für Blindenfragen der DDR, in welchem Schöffler eine dominierende Rolle gespielt hat, wurde zu dieser Zeit ebenfalls aufgelöst. Daraus resultierte von 1954-1957 zwischen den Leipziger Blinden und dem zweiten Arbeitsausschuss für Blindenfragen, den Helmut Pielasch leitete, ein beträchtlich gestörtes Verhältnis. Letzteres traf auch für die Blinden im Bezirk Dresden zu, weil dort Johannes Hausdorf, bis zur Zeit des Nationalsozialismus Vorsitzender des Verbandes der Blindenvereine im Freistaat Sachsen und von 1949 bis 1954 Vorsitzender des ersten Arbeitsausschusses für Blindenfragen in der DDR, ebenfalls seine Funktion niederlegen musste. Die Bezirke Dresden und Leipzig sind damals für Helmut Pielasch ein heißes Pflaster gewesen. Es ging nicht ohne scharfe Auseinandersetzungen ab. Helmut Pielasch hat sich schließlich aber auch in den sächsischen Bezirken Dresden und Leipzig die verdiente Anerkennung erstritten. Die Leipziger Aktivtagung wählte 11 Delegierte für den Gründungskongress in Halle - 8 Ordentliche mit Stimmrecht und 3 Gastdelegierte.
Am 26. und 27. April 1957 tagte in Berlin das vorbereitende Komitee für den Gründungskongress. In vier Arbeitsgruppen sind am 26. April die Ergebnisse der Bezirksaktivtagungen ausgewertet und zusammengefasst worden, und am 27. April wurde die Tagesordnung für den Gründungskongress erarbeitet.
In Halle wurde auf dem Gründungskongress das Statut beschlossen (man kann es im Heft 6/1957 der Zeitschrift "Die Gegenwart" nachlesen), und es wurden die zentralen Organe, das waren Zentralvorstand und zentrale Revisionskommission, gewählt. Danach folgten die Schritte der Verbandsgründung an der Basis.
Die Kreisblindenausschüsse beriefen Kreisblindenversammlungen ein, die die Aufgabe hatten, erstens den Kreisvorstand, zweitens die Kreisrevisionskommission und drittens die Delegierten des Kreises für die bevorstehende Bezirksdelegiertenkonferenz zu wählen.
Im Bezirk Leipzig war die Kreisorganisation Oschatz die erste, die sich am 15. 6. 1957 konstituiert hat. Voller Begeisterung hat Eva Luhn darüber in der "Gegenwart" berichtet. Werner Kriegel und Max Schreier hatten auf dieser Veranstaltung das Heft fest in der Hand. Werner Kriegel, bis vor kurzem Vorsitzender der sächsischen Kriegsblinden, könnte davon gewiss noch erzählen. Max Schreier wurde wenig später Geschäftsführer beim Bezirksvorstand Leipzig des ADBV.
Zum Schluss fanden die Bezirksdelegiertenkonferenzen statt, die den jeweiligen Bezirksvorstand und die Bezirksrevisionskommission zu wählen hatten. Damit stand der Allgemeine Deutsche Blindenverband 1957, und wir waren damals alle voller Optimismus und bereit, die Dinge anzupacken, die da einer Lösung harrten.
Und wo steckten damals unsere Alltagsprobleme? Trotz der genannten und nicht genannten positiven Dinge haben wir ja nicht gerade in einem Blindenparadies gelebt. Das größte Übel war der Mangel. Auch Blindenhilfsmittel wurden kontingentiert. Es durfte nichts kaputt gehen! Wer eine Gasheizung hatte oder einen Nachtspeicherofen (Nachtstrom kostete 4 Pfennige je KWh), der wohnte privilegiert. Die meisten Wohnungen mussten mit Briketts beheizt werden. Da war nicht nur Kohleschleppen - die Asche musste auch jeden Tag weggebracht werden. "Pass auf, dass dir keine Glut daneben fällt." Zum Aschekübel musste man schon gehen, bei Regen und auch Glatteis. Eigentlich muss man sich wundern, dass allein lebende Blinde keine Häuser angezündet haben. Jedenfalls habe ich nichts davon gehört. Wohnungen mit Zentralheizung standen uns in größerem Maßstab erst ab Anfang der 70-er Jahre mit dem Wohnungsbauprogramm der DDR zur Verfügung. Blinde sind bei der Vergabe solcher Wohnungen bevorzugt berücksichtigt worden.
Wohnungsneubau war bei uns Plattenbau. In die Plattenbaugebiete sind also viele Behinderte, darunter Blinde, eingewiesen worden. In Leipzig betraf das vor allem den Stadtteil Grünau. Da gab es die modernsten Wohnungen. Heute resultieren daraus ganz andere Probleme. Dort sind nämlich die Mietpreise am niedrigsten, und deshalb werden heute Sozialhilfeempfänger vom Sozialamt in die Plattenbaugebiete "gelenkt". Alkoholismus und Kriminalität beeinträchtigen dort das Wohnumfeld, und wie nun seit annähernd 10 Jahren dort die Häuser blockweise wieder abgerissen werden und mit den Kunden auch die Ladengeschäfte verschwinden, müssen auch Blinde wieder ausziehen und sich anderswo im Stadtgebiet eine Wohnung suchen. Ich weiß, was das bedeutet und wovon ich spreche, denn ich bin auch einer dieser Umzügler aus Leipzig-Grünau.
Wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Heinrich Böll: " Irisches Tagebuch"

Susanne Siems
Punktschriftbibliothek
Wer die Kramkisten, die ich hier ab und an schreibe, ein wenig kennt, der kennt auch meine Angewohnheit, einen möglichst persönlichen Bezug zu der empfohlenen Literatur herzustellen. Was lag da dieses Mal, kurz vor meinem Urlaub, näher als Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch" vorzustellen bzw. dem einen oder anderen von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in Erinnerung zu rufen. Und, Gott Zufall klopfte bei mir an, ich fand auch noch einen Artikel in der "Zeit" von Anfang August diesen Jahres. Das erstmalige Erscheinen des "Irischen Tagebuches" vor 50 Jahren und der 90. Geburtstag seines leider schon 1985 verstorbenen Autors waren Anlass des Textes.
Es gibt ja diesen oft zitierten Ausspruch von Robert Gernhardt: "Der Böll war als Typ wirklich Klasse. Da stimmten Gesinnung und Kasse. Er wäre überhaupt erste Sahne, wären da nicht die Romane."
Ja, nicht unbedingt leichte Unterhaltungsliteratur sind diese, aber von mir trotzdem immer gern gelesen. Aber um Bölls Romane soll es ja hier gar nicht gehen, sondern um ein Tagebuch, das man mit und ohne Kenntnis des beschriebenen Landes mit Gewinn und Genuss lesen kann. So auch die Meinung der Gäste beim Gartenfest des Verlages Kiepenheuer und Witsch, bei dem das Tagebuch-Kapitel "Betrachtungen über den Irischen Regen" vorgelesen wurde. "Das hat er ja wirklich sehr schön beschrieben damals, der Böll", zitiert "Die Zeit" einen der Festgäste. Mir selbst haben besonders die Kapitel "Wenn Sheamus einen trinken will" und "Redensarten" gefallen. Wussten Sie, dass Sonntags ein reger Fahrradverkehr zwischen den irischen Dörfern herrscht und dass es sehr günstig ist, wenn man ziemlich genau drei Meilen vom eigenen Dorf einen Nachbarort hat? Irland ist ein gastfreundliches Land, der Fremde bekommt das beliebte Guinness oder Kilkenny zu jeder Tages- und Nachtzeit, der Einheimische aber muss sich an Sperrstunden und Ausschankzeiten halten. So macht er sich außerhalb dieser Zeiten auf in den Nachbarort, wo er ja Fremder ist. Einfach köstlich ist Bölls Beschreibung davon, wie unser durstiger Ire auf halbem Weg seinen Freund aus eben diesem Nachbarort trifft, auf dem entgegengesetzten Weg. Die dazu passende Redensart findet man dann fast am Schluss des Buches - "It could be worse", was so viel heißt wie "Es könnte schlimmer sein". Nach irischer Mentalität bedeutet das, wenn du mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus liegst, freu Dich darüber, dass Du Dir nicht den Hals gebrochen hast.
Aber nicht nur diese humorige Seite hat mir an dem Büchlein so gefallen. Humor hat doch erst dann wirkliche Größe und Wirkung, wenn er aus einem ernsten Hintergrund erwächst. Mich wundert nicht, dass sich der in diesem Stil bewanderte Heinrich Böll und Irland so gut vertragen. Die Gemeinsamkeiten liegen für mich auf der Hand.
Vielleicht spüren Sie beim Lesen dieser Kramkiste ein wenig von meiner Vorfreude auf den Urlaub in Irland. Sicher werde ich nicht alles schaffen, was ich mir für diese zwei Wochen vorgenommen habe, aber den irischen Regen werde ich mir sicherlich ansehen können und wohl auch ein Guinness trinken. Seamus treffe ich vielleicht nicht, aber das Grab von Jonathan Swift, dem Autor von „Gullivers Reisen“, möchte ich sehr gern besuchen.
Wenn Sie gedanklich auf die Grüne Insel reisen möchten, dann empfehle ich Ihnen die Ausleihe in unserer Punktschriftbibliothek (1 Bd., rkzp., BNA 4021) oder Hörbücherei (Spr.: Günter Bormann, 3 Kass./1 CD DAISY, 204 Min., 3938). Auch als Geschenk ist das schmale Buch gut geeignet. Für 11,25 EUR können Sie diesen Titel im Verlag erwerben.
Ansonsten finden Sie 14 weitere Titel von Heinrich Böll im Angebot der Hörbücherei, insgesamt 18 sind in Punktdruck erhältlich. Wir beraten Sie gern.

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Friedrich Dürrenmatt: "Das Versprechen"

Jana Waldt
Hörbücherei
Friedrich Dürrenmatts Kriminalroman "Das Versprechen" aus dem Jahr 1957 entstand aus einer Drehbuchvorlage zum Film "Es geschah am helllichten Tag". Durch eine der bisher vier Verfilmungen des Stoffs bin ich auf das Buch gestoßen und möchte es Ihnen näher vorstellen.
Der Ich-Erzähler, ein Schriftsteller, fährt mit dem Zug nach Chur, um dort einen Vortrag über die Kunst, Kriminalromane zu schreiben, zu halten. Unter den Zuhörern ist Dr. H., der ehemalige Kommandant der Kantonspolizei Zürich, der ihn am nächsten Tag im Auto mit zurück nach Zürich nimmt.
H. tankt an einer heruntergekommenen Tankstelle in Graubünden, in der dazugehörigen Wirtschaft "Zur Rose" lädt er den Schriftsteller auf eine Tasse Kaffee ein. Als H. und der Schriftsteller zurück zum Auto gehen, sitzt der Tankwart wieder auf der Bank neben der Haustür. "Das traurige, versoffene Wrack, das uns mit Benzin bediente, war einst mein fähigster Mann. Er war ein Genie", sagte H. während der Weiterfahrt. Er heiße Matthäi und sei promovierter Jurist.
Dann erzählt er von einem Mordfall vor neun Jahren. Dr. Matthäi war damals 50 Jahre alt. Eines Nachmittags erhielt er einen Anruf aus einem Dorf bei Zürich. Ein Hausierer hatte im Wald ein ermordetes Schulmädchen gefunden. Bei der Toten handelte es sich um Gritli Moser aus Moosbach, die jeden Mittwoch- und Samstagnachmittag zur Großmutter ging. Weil alle anderen sich davor drückten, überbrachte Matthäi den Eltern des Kindes die entsetzliche Nachricht. Auf Drängen der verzweifelten Mutter versprach er ihr, bei seiner Seligkeit, den Mörder zu finden.
Der Hausierer, mittlerweile verhaftet, da er wegen Sittlichkeitsdelikten vorbestraft war, gestand schließlich unter Druck den Mord an Gritli. Tage später erhängte er sich in seiner Zelle.
In Gritlis Schule holt sich Matthäi eine Zeichnung des Kindes, auf der ein kleines Mädchen von einem Riesen Igel erhält; weiter ist darauf ein Auto vermutlich amerikanischer Bauart und ein seltsames Tier mit Hörnern zu sehen. Er zeigt das Bild einem Psychiater. Sie versuchen, das Bild zu deuten - es handle sich vermutlich um einen Racheakt an Frauen. Der Täter sei recht primitiv. Was es mit dem seltsamen Tier mit den Hörnern und den Igeln auf sich hat, finden sie nicht heraus.
Matthäi bezweifelte, dass es sich bei dem kleinen, dicken Hausierer um den Mörder handelte. Das Geständnis und einige Indizien sprachen zwar gegen den Hausierer. Weil er viel herumgekommen war, konnte er auch für die beiden unaufgeklärten Morde von zwei weiteren Mädchen vor einigen Jahren verantwortlich sein. Alle drei Opfer waren mit einem Rasiermesser getötet worden. Aber in keinem der Fälle hatte man Spuren eines Sexualdeliktes gefunden.
Mittlerweile hatte er auch herausgefunden, dass es sich bei dem Tier auf der Zeichnung um den Steinbock des Bündner Nummernschildes des Täters handeln musste. Matthäi übernahm nun eine Tankstelle an der Strasse von Chur nach Zürich, stellte eine ehemalige Prostituierte mit ihrer achtjährigen Tochter als Haushälterin ein. Schon an der Straße fielen die Schaukel, ein Puppenwagen und ein Schaukelpferd auf. Jeder, der vorbeifuhr, musste merken, dass hier ein kleines Mädchen wohnte! Weder die Mutter noch das Kind ahnten etwas von Matthäis Plan.
An dieser Stelle stoppe ich bewusst meine Ausführungen. Ich möchte das Ende nicht vorwegnehmen. Friedrich Dürrenmatt baut die Spannung dieses Romans ganz bewusst allmählich auf. Vor der Auflösung kann man es kaum erwarten, endlich zu erfahren, wie alles gewesen ist.
Sie können diesen Roman - gelesen von Günter Bormann - unter der Bestellnummer 1423 sowohl im DAISY-Format als auch auf 3 Kassetten ausleihen.
In Blindenkurzschrift ist er unter der Bestellnummer 3982 ausleihbar.
Folgende weitere Titel von Friedrich Dürrenmatt sind in Blindenkurzschrift ausleihbar:
Und es besteht ebenfalls die Möglichkeit, "Das Versprechen" neben weiteren Titeln von Friedrich Dürrenmatt in Blindenkurzschrift käuflich zu erwerben. In der Hörbuchausleihe sind 17 Titel von Dürrenmatt erhältlich.

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Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ist 2004 dieser Frage nachgegangen. Die ersten 100 Plätze wurden in einer Liste zusammengefasst. Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Platz 6: Thomas Mann: "Buddenbrooks"

"Buddenbrooks" ist der erste Roman des Schriftstellers Thomas Mann. Das Werk mit dem Untertitel "Verfall einer Familie" erschien 1901 im S. Fischer Verlag. 1929 erhielt Thomas Mann den Nobelpreis für Literatur ausdrücklich als Autor der "Buddenbrooks". "Buddenbrooks" gilt als einer der bedeutendsten Gesellschaftsromane in deutscher Sprache. Das Buch erreichte bis heute eine Auflage von ca. sechs Millionen Exemplaren und wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.
Zum Autor
Der deutsche Romancier, Erzähler und Essayist Thomas (Paul) Mann wurde am 6. Juni 1875 als Sohn des Kaufmanns und Lübecker Senators Thomas Johann Heinrich Mann in Lübeck geboren und starb am 12. August 1955 in Kilchberg bei Zürich.
Thomas war der jüngere Bruder von Heinrich Mann (1871-1950). Seine Mutter Julia (geborene da Silva-Bruhns) war mütterlicherseits brasilianischer Herkunft. Aus der Ehe gingen noch die Kinder Julia (1877-1927, Freitod), Carla (1881-1910, Freitod) und Viktor (1890-1949) hervor. Die Familie zählte zu den ersten Kreisen Lübecks.
Da weder des Senators älterer Sohn Heinrich noch der jüngere Thomas für die Fortführung der Lübecker Handelsfirma tauglich schien, verfügte der Vater die Liquidation. Mit der verwitweten Mutter zog der 18-Jährige nach München. Wie zuvor die Schule, brach er auch ein Volontariat in einer Versicherungsgesellschaft ab. Mit der Sicherheit einer kleinen Rente im Rücken wagte er die Schriftstellerlaufbahn und reiste zusammen mit Heinrich 1895-1897 nach Italien.
Die homoerotischen Gefühlsverwirrungen der Jünglingsjahre endeten nach der Heirat mit Katja Pringsheim (1905) nicht. Trotz wachsender Erfolge und unermüdlichen Schreibens geriet Mann in eine langandauernde Krise. Mit "Buddenbrooks" (1901) hatte der noch nicht einmal 25-Jährige den ihm zugefallenen Weltstoff verbraucht; er musste sich die zweite, erweiterte Welt durch Erfahrung und Bildung erwerben. Sie stand ihm dann, vom "Zauberberg" an, zur Verfügung.
Mit dem Ersten Weltkrieg gerät der zuvor politisch Desinteressierte in die Zeitwirren. Das ohnehin seit Jahren prekäre Verhältnis zu Heinrich verschärft sich zum literarisch ausgetragenen Bruderzwist, dem erst 1922 mit dem Wandel Manns vom nationalkonservativen Polemiker zum Verteidiger der Weimarer Republik die Versöhnung folgt. Bis zum Untergang der Republik repräsentieren die Brüder gemeinsam deutsche Literatur. 1929 erhält Mann den Nobelpreis, ausdrücklich für "Buddenbrooks".
1933 wird die Rede zum 50. Todestag Wagners zum Anlass einer Kampagne; Mann kehrt nicht mehr nach Deutschland zurück. Nach anfänglicher Zurückhaltung erteilt Mann 1936/37 auch vor der Weltöffentlichkeit dem Hitlerregime die schneidende Absage. Die Stationen des Emigranten führen über Europa nach den USA; in Kalifornien glaubt er mit dem Bau eines Hauses die neue Heimat gefunden zu haben, aber die Vergiftung des amerikanischen Lebens durch die Umtriebe des McCarthy-Ausschusses treibt ihn schließlich nach Europa zurück. Für die Jahre ab 1933 bieten die Tagebücher Einblicke in die Innenwelt seines Alltags. Durch einen Zufall blieben auch die Journale 1918 bis 1921 erhalten. Gerade sie zeigen, wie viel verloren ging, als Mann 1945 die älteren Tagebücher verbrannte.
Der Novellenband "Der kleine Herr Friedemann" (1898) ist das eigentliche Debüt. Zwar waren die hier versammelten Erzählungen fast alle kurz zuvor in Zeitschriften erschienen, doch erst diese Buchveröffentlichung im S. Fischer Verlag machte aus einem Talentversprechen einen jugendlichen Autor. Ganz frühe poetische und kritische, auch politisch gefärbte Versuche wurden von Mann ebenso wie von seinem damit befassten älteren Bruder Heinrich vergessen und erst Jahrzehnte später aufgedeckt. Die Titelnovelle von "opus I" sah Mann selbst als epochemachend für seine Entwicklung an; er habe damit die "diskreten Formen und Masken" für seine Erlebnisse gefunden. Das hier erstmals behandelte Motiv der Heimsuchung wird Mann lebenslang begleiten.
Das Buch
Da Mann ein Leben lang von allem, was in der Luft oder auf der Straße lag, nur wahrnahm, was ihn selber betraf, dies aber ganz zu seiner Sache, d.h. daraus ein Kunstwerk machte, wurde das um 1900 längst abgegriffene Thema der Dekadenz zum Gegenstand seines ersten Romans. Er setzte die deutsche Entsprechung, Verfall, sogar in den Untertitel. Auch das Genre Familienroman war im 19. Jahrhundert bereits zur Unterhaltungsliteratur verkommen.
Und in den skandinavischen Romanen der Zeit, die Mann unmittelbar anregten, ging es auch schon um den Niedergang von Kaufmannsfamilien. Von Wagner gar profitierte mit Nachahmungen und Parodien seit einem Vierteljahrhundert die ganze europäische Literatur. Aber indem Mann all dies aufnahm, es auf die ihm vertrauteste Welt seiner Jugend projizierte, die ureigensten Probleme auf Personen verteilte, schuf er, noch über den reifen Fontane hinauswachsend, den spezifisch deutschen Gesellschaftsroman von weltliterarischem Rang.
Vier Generationen umfasst die Buddenbrooks-Saga, die als der Niedergang des Hauses erzählt wird, bei dem Familien- und Firmenname identisch sind. Solche Identität ist nicht eine Parodie der Fürstenhäuser à la Habsburg, Hohenzollern oder Romanow, deren Stunde im selben Jahr schlagen wird, in dem der letzte Nachfahre Wilhelm Meisters, Hans Castorp, vom Zauberberg ins Todesfeld der Weltkriegsschlacht geschickt wird. Haus Buddenbrook repräsentiert als Einheit von Firma und Familie das patrizische Bürgertum in seiner so noblen wie bedrohten Form.
Die direkt erzählte Geschichte beginnt 1835, man feiert den Erwerb jenes Hauses in der Lübecker Mengstraße, das Mann als Vorbild gedient hat und dessen wiederaufgebaute Fassade heute eine touristische Wallfahrtsstätte ist. Aber die Geschichte reicht weiter zurück, denn beim Einweihungsfest sind schon drei Generationen anwesend: außer dem "regierenden" Firmenchef, der das Haus gekauft hat, und den neun-, acht- u. siebenjährigen Kindern Thomas, Tony und Christian feiert die ältere Generation. Damit geraten wir ins vorrevolutionäre 18. Jahrhundert, und mit dem Mengstraßenhaus selbst, das anno 1682 von den Ratenkamps, mit denen es damals glänzend aufwärts ging, gebaut wurde, sind wir in jener Vorzeit, in der, seit Wagners Rheingold und der demonstrativen Inbesitznahme von Walhall, der Untergang eines Hauses seinen Anfang zu nehmen hat.
Buddenbrooks sind nach 40 Jahren am Ende, das letzte erschließbare Datum ist 1877. Von Nietzsche und Paul Bourget übernimmt Mann den Doppelaspekt der Dekadenz: biologische Degeneration bei fortschreitender Verfeinerung. Die Zunahme an Sensibilität wird erkauft mit dem Verlust von Instinkt, Produktivität, Härte. Die Darstellung der Verfeinerung als Lebensschicksal bedingt eine immer differenziertere und sich immer mehr ausdehnende Erzählung. Der Prozess der Aushöhlung macht in der dritten Generation aus dem Chef des Hauses, dem Senator, einen Leistungsethiker, der dann mit Schopenhauer und einem Zahnabszess zu Tode gebracht wird, während Christian, fast ein pervertierter Zwillingsbruder, als neurotischer Leistungsverweigerer fungiert. Dieser Doppelaspekt mit seinen zahlreichen indirekten autobiographischen Signalen wird variiert in der geheimen Identität des am Opium der Musik sich verzehrenden Spätlings Hanno mit dem Dichterfreund Kai. So wird die Zwangsläufigkeit des Dekadenz-Verhängnisses durchbrochen. Kai entstammt zwar einer gänzlich verrotteten Adelsfamilie, vermag aber kraft des Geistes das Fatum zu überwinden; er wird einmal mit der Erzählung vom Verfall der Familie Buddenbrook das moderne Gegenstück zu Edgar A. Poes romantischem Untergang des Hauses Usher schreiben.
In unseren Bibliotheken stehen Ihnen als Hörbuch und in Punktschrift jeweils 23 Titel von Thomas Mann zur Verfügung.
"Buddenbrooks" als Hörbuch
"Buddenbrooks" in Punktschrift
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon; http://de.wikipedia.org]

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel. 0341 7113-145, Fax 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de). Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Braillekurzschrift in ausgeschriebenen Text umwandeln

Ulrich Jander
Blinde Computernutzer, die die Brailleschrift, also die Punktschrift, beherrschen, werden in aller Regel an ihrem Computersystem auch eine Braillezeile einsetzen. Es ist sicher bekannt, dass Screenreader, also Bildschirmausleseprogramme, wie z. B. JAWS, Virgo oder HAL, u.a. die Möglichkeit bieten, ausgeschriebenen Text auf Tastendruck in Braillekurzschrift umzuwandeln. Ein Lesen auf der Braillezeile funktioniert dann sicher flüssiger. Aber wie steht es mit der umgekehrten Wandlung, von Braillekurzschrift in ausgeschriebenen Text? Insbesondere Nutzer von tragbaren Notizgeräten, wie z. B. des PacMate der Firma Freedomscientific oder des Pronto der Firma Baum, werden eine solche Möglichkeit der Wandlung von Braillekurzschrift in ausgeschriebenen Text begrüßen, wenn sie Mitschriften anfertigen, die andere Personen, z. B. sehende Menschen, dann auch lesen sollen. Auch ist es jetzt durchaus denkbar, dass Dateien, die in Braillekurzschrift geschrieben sind, von anderen, z. B. Einrichtungen oder Hilfsmittelfirmen, gelesen werden können, wenn man die Dateien zuvor umgewandelt hat. Und das funktioniert recht einfach, Dank des Programms BKS2TXT, von Wolfram Floßdorf entwickelt.
Es ist ein übliches Windowsprogramm, als zip-Datei gepackt (78 KB groß), und lässt sich von der Internetseite von Wolfram Floßdorf herunterladen unter:
www.softcologne.de
Nach dem Auspacken mit Winzip oder einem anderen Entpackerprogramm findet man zwei Dateien vor, die Anleitung für die Nutzung von BKS2TXT und die eigentliche Programmdatei. Diese muss nicht installiert werden, man kann also sofort mit der Wandlung einer Braillekurzschriftdatei in ausgeschriebenen Text beginnen. Nach dem Aufruf des Programms gibt es drei Möglichkeiten:
  1. Registrierungscode anfordern, man gibt die Ziffer Eins gefolgt von ENTER ein
  2. Registrierungscode eingeben, hier betätigt man die Ziffer zwei gefolgt von ENTER und
  3. die Demoversion aufrufen, es wird nur ENTER betätigt.
Als Demoversion können nur Dateien bis zu einer Größe von 500 Bytes gewandelt werden; außerdem entsteht keine Zieldatei, die man abspeichern kann, das Wandlungsergebnis betrachtet man, ein Kopieren über die Zwischenablage ist nicht möglich. Als registrierte Version steht natürlich der vollständige Funktionsumfang zur Verfügung. Eine Größenbeschränkung bei der Wandlung von Kurzschriftdateien existiert nicht. Zur Registrierung des Programms sind zuerst per Vorkasse 50 Euro an Wolfram Floßdorf zu überweisen. Danach kann man, wie oben aufgeführt, über den Aufruf des Programms den Registrierungscode anfordern. Dies geschieht per Mail. Alternativ lässt sich das auch über den Postweg bewerkstelligen. Die Angaben zur Bankverbindung finden Sie, wenn Sie die Registrierung nach Programmstart anfordern; ohne dass eine Mail verschickt wird, kann man aus diesem Bildschirm auch wieder herausgehen. Hat man jedoch wirklich angefordert, dann wird zuletzt der zugewiesene Registrierungscode über den Aufruf des Programms eingetragen, und alle Funktionen sind verfügbar.
Die Arbeitsschritte für den Start der Umwandlung von Braillekurzschrift in ausgeschriebenen Text ist einfach. Hat man zuvor im Windowssystem festgelegt, mit welcher Dateiendung das Programm starten soll, dann wird die Umwandlung sofort nach Programmaufruf eingeleitet. Ruft man dagegen zuerst BKS2TXT auf, erscheint das Feld "Dateiname:", und die zu wandelnde Kurzschriftdatei ist gegebenenfalls mit Pfadangabe einzutragen und mit ENTER zu bestätigen. Sollte die Kurzschriftdatei größer sein, so dauert der Umwandlungsprozess ein kleines bisschen.
Im Ergebnis wird die Datei als ausgeschriebener Text direkt angezeigt, oder, wenn sie größer als 64 KB ist, dann erscheint eine Information mit weiteren Hinweisen.
Die Anleitung für das BKS2TXT-Programm hat Wolfram Floßdorf sehr verständlich geschrieben. U.a. weist er darauf hin, dass man als Nutzer selbst ein persönliches Wörterbuch, z. B. für eigene Kürzungen, sehr einfach erstellen kann. Die Vorgehensweise wird in der Anleitung detailliert beschrieben. Jedoch ist als Grundvoraussetzung für ein möglichst richtiges Umwandeln das exakte Schreiben der Braillekurzschrift erforderlich, ansonsten wird man Fehler im ausgeschriebenen Text entdecken.
Für bestimmte Arbeitsanforderungen ist BKS2TXT sicher sehr nützlich.
Wenn Sie Fragen zum Programm haben, können Sie diese gern an mich oder an Herrn Floßdorf richten. Sie erreichen ihn unter:
Laurentius-Siemer-Str. 7, 50767 Köln
Telefon tagsüber: 0211 8964297
E-Mail: info@softcologne.de
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesem Programm.

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Info-Service

Neu: Taschenkalender "flexi+"

Der "flexi+" ist das neueste Mitglied unserer Kalenderfamilie. Mit diesem Angebot wollen wir eine Angebotslücke für all jene schließen, denen die im Taschenkalender/Kurzschrift eingeheftete Anzahl von Notizblättern nicht ausreichte. Der "flexi+" bietet die Möglichkeit, 25 einzelne Notizblätter an jene Stellen einzuheften, an denen sie benötigt werden. Und sollten die 25 Blätter verbraucht sein, können Sie eine Nachfüllpackung bestellen.
Voraussetzung für die Anwendung der flexibel einsetzbaren Notizblätter ist eine veränderte Bindung, die wiederum einen anderen Einband bedingt. Trotzdem hat der neue Taschenkalender ein handliches Format von 11x16 cm, die Rückenbreite beträgt 25 mm. Er stellt sich dar als Ringbuch in modernem Dunkelblau. Die neue 2-Ring-Rund-Mechanik gestattet das flexible Einheften der Notizblätter. Beim Hantieren mit dem Schnappverschluss der Ringklammer sollte man darauf achten, dass Hände bzw. Finger nicht zwischen die auseinandergezogenen Ringhälften geraten, denn ab einem bestimmten Druckpunkt schnappen die geöffneten Ringhälften automatisch zusammen. Ein entsprechender Bedienhinweis ist im Kalender enthalten.
Ansonsten ist der inhaltliche Aufbau gleich dem des Taschenkalenders/Kurzschrift.
Der Preis für den neuen Taschenkalender "flexi+" einschließlich der 25 Notizblätter beträgt 7,90 € (BNV 6079), ein Nachfüllpack (25 Blatt vorgelocht) kostet 1,90 €.

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Literatur im Internet: Portale setzen verschiedene Akzente

Sie heißen "Literatur-Café", "Literaturkritik.de" oder "Bluetenleser.de": Seit mehreren Jahren entwickelt sich im Internet eine lebendige Literaturszene mit zahlreichen Portalen.
Dabei geht es meist um mehr, als Literatur online zugänglich zu machen, wie beim bekannten Gutenberg-Projekt ("projekt.gutenberg.de"). Die Portale haben unterschiedliche Schwerpunkte, neben Rezensionen werden Biografien, Veranstaltungstipps oder Hörbeispiele von Büchern ins Netz gestellt, Foren beleben den Austausch zwischen Literaturinteressierten.
"Jeder, der mit dem Internet zu tun hat, weiß, dass es nicht zu wenig, sondern zu viel Informationen gibt", sagte Christiane Kussin von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten in Berlin. Ihrer Ansicht nach zeichnen sich gute Portale deshalb vor allem durch eines aus: inhaltliche Qualität.
Die findet man laut Kussin unter anderem auf "perlentaucher.de". Die werbefinanzierte Seite liefert eine tägliche Presseschau der deutschsprachigen Feuilletons inklusive Buchrezensionen - mit rund 500 000 Besuchern im Monat nach Angaben der neutralen Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW). Das Portal setze mehr und mehr auf eigene journalistische Inhalte, sagte Thierry Chervel, der die Seite im März 2000 mitgegründet hat. Demnächst sollen sich Besucher auch über Kommentarfunktionen und Foren einbringen können.
Ähnlich reichweitenstark ist "literature.de". Die Seite liefert ein Angebot aus Rezensionen, Hör- und Leseproben, Nachrichten und Terminen. Für Autoren sind Stipendien und Preise aufgelistet. Als Rezensionsforum mit literaturwissenschaftlichem Hintergrund versteht sich "literaturkritik.de". "Es soll Literaturwissenschaftlern die Möglichkeit bieten, ihre Arbeit journalistisch zu verbreiten", sagt Gründer Thomas Anz, Literaturprofessor an der Universität Marburg.
Das virtuelle "Literaturcafe.de" will dagegen ein Ort sein, an dem sich Literaturbegeisterte austauschen können. Sie haben die Möglichkeit, Textkritiken zu verfassen oder auch/und Gedichte einzureichen. "Wir liefern Informationen, die Feuilletons und Newsticker nicht abdecken", sagt Wolfgang Tischer, Initiator der privaten Seite.
"Bluetenleser.de" gibt dagegen hauptsächlich Programmhinweise zu Literaturbeiträgen in Radio und Fernsehen. Die können Interessierte in Video- und Audiodateien (Livestreams) abrufen. Neuerscheinungen deutscher Gegenwartsliteratur werden auf der Seite "Litrix.de" vorgestellt, die Seite wendet sich in erster Linie an Literaturschaffende im Ausland.
Auch Lyrik-Liebhaber kommen im Internet auf ihre Kosten. Bei "poetenladen.de" können Autoren ihre Manuskripte für Gedichte, aber auch Kolumnen, Erzählungen oder Essays einreichen. Die Auswahl für die mehrsprachige Plattform "lyrikline.de", eine Initiative der Literaturwerkstatt Berlin, wird dagegen von den Trägern getroffen. Auf der Seite lesen die Autoren ihre Gedichte vor.
Die literarischen Gesellschaften sind ebenfalls im Netz aktiv: Erst im vergangenen Jahr launchten der Brandenburgische Literaturverein und das Literarische Colloquium Berlin "Literaturport.de". Die Plattform sieht sich den Betreibern zufolge als Dienstleister für Autoren, die sich dort präsentieren können. Außerdem gibt es auf der Seite Hörproben und Beschreibungen literarischer Orte in Berlin und Brandenburg. Literarische Gedenkstätten und Museen in Baden- Württemberg sind auf "literaturland-bw.de" zusammengestellt.
Große Erwartungen hatte im vergangenen Jahr das vom Bund geförderte "literaturportal.de" vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar geweckt. Die Seite war ursprünglich als Veranstaltungskalender für das Schillerjahr 2005 konzipiert, sagt Roland Kamzelak vom Deutschen Literaturarchiv. Jetzt bündelt sie literarische Veranstaltungen in ganz Deutschland und bietet Autorenporträts mit Links zum Literaturarchiv. Kritiker wiesen nach dem Start allerdings auf Fehler in den von einer Agentur gelieferten Inhalten hin. Und heute bemängeln viele noch immer das für ein umfassendes Portal eher schmale inhaltliche Angebot. Die Reaktionen hätten gezeigt, dass ein übergreifendes Portal nötig sei, meint Kamzelak. Ein solches Portal müsse allerdings ein sehr gutes Konzept haben, um ernsthaft über das hinauszugehen, was es bislang schon gibt, findet Literaturprofessor Thomas Anz.
[Quelle: LVZ-Online und dpa]

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Klassenlektüre zum Nulltarif

Komplettes Jugendbuch zum kostenlosen Download: Das Kinderbuch-Autorenteam Gerit Kopietz & Jörg Sommer stellt auf seiner Homepage (www.kopietz-sommer.de) kostenlos einen kompletten Band der erfolgreichen interaktiven Buchreihe Z.A.P. zum Download zur Verfügung.
Die beiden Autoren - die mit über 160 Titeln zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern gehören - wollen damit erreichen, dass mehr Lektüre in der Schule möglich ist.
Dazu Jörg Sommer: "Bücher sind teuer. Und oft klagen die Eltern über - angeblich - zu hohe Kosten für Klassenlektüre. Hier wollen wir den Lehrern ein erfolgreiches Gegenargument geben. Z.A.P. ist Klassenlektüre zum Nulltarif."
Download über die Autorenhomepage: www.kopietz-sommer.de. Für den Zugriff auf die Datei ist eine einmalige Registrierung notwendig.

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Selbständig durch Punktschrift- und Computernutzung

Lydia Barkhau
Wer möchte nicht wieder selbständig lesen und schreiben können? Diesen Wunsch können Sie sich erfüllen!
Der Blinden- und Sehbehindertenverein Mecklenburg-Vorpommern e. V. führt auch 2008 wieder im Aurahotel "Ostseeperlen" Boltenhagen sein deutschlandweit beliebtes Punktschriftkurssystem zum Erlernen der Braillevoll- und -kurzschrift mit Lydia Barkhau, Ursula Bamberg und Horst Schulz sowie Computerkurse für Einsteiger und fortgeschrittene Anwender mit Hasan Karahasan durch.
Die erste von fünf übers Jahr verteilten Kurswochen für das Erlernen der Brailleschrift beginnt am 27.01.2008. Die Punktschrift- und Computerkurse werden gefördert.
Melden Sie sich jetzt an, damit wir planen können!
Nähere Auskünfte zu Lehrgangsinhalten und Teilnehmergebühren erhalten Sie von Lydia Barkhau unter der Tel.: 038203 62993 bzw. unter E-Mail: lydia.barkhau@online.de.
Für 2007 gibt es noch wenige Plätze für "Autogenes Training" (31.10.-04.11.07) mit Dipl.-Psychologe Hartmut Rudolph und für die Sehschule für Sehbehinderte (30.11.-02.12.07) mit der Dipl.-Pädagogin für Rehabilitationswissenschaften Gerlinde Wedel-Schwetje, Sehlehrerin.
Weitere Informationen zum Jahresprogramm 2008 erhalten Sie schon jetzt im Aurahotel und im Internet:
Tel.: 038825 3700
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de
Internet: www.ostseeperlen.de

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Seminarausschreibung

Thema: Hardware Workshop Wochenende, den PC und dessen Innenleben praktisch kennen lernen (Teilnehmerzahl max. 8 Personen).
Findet statt vom 26.10. bis 28.10.2007 im Hotel Ochsen, Kehl/Kork.
Anmeldeschluss ist der 26. September 2007.
Kontakt:
Bildung Ohne Barrieren
Postfach 1270, D-79547 Weil am Rhein
Tel.: 07844 918751, Fax: 07844 918755
E-Mail: info@bildung-ohne-barrieren.de

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder CD DAISY 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
Internet: www.dzb.de
E-Mail: verlag@dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse
Telefon: 0341 7113-135
Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann
Telefon: 0341 7113-120
Spenden:
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto-Nr.: 1 100 830 010
DZB 2007

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