DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 1 – 2008
Januar / Februar
18. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Einblicke

"Digital alle in einem System"

Medibus steckt neue Aufgaben ab

Mein erstes DAISY

"Speichern als DAISY" für Microsoft-Anwender

Buchpatenschaft verschenken?

Die Kramkiste

Wilhelm Raabe: "Die Chronik der Sperlingsgasse" und "Stopfkuchen"

Émile Zola: "Thérèse Raquin"

Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Platz Nr. 8: "Der Alchimist" von Paulo Coelho

LOUIS

MAX - ein Programm zur Umwandlung von Text oder Audio in DAISY bzw. MP3

Info-Service

Auch blinde Menschen kochen gern - das "Rezeptheft zum ARD-Buffet Magazin" im DAISY-Format

Der beste Profi-Vorleser Deutschlands

Taubblinde Menschen in Deutschland

Berufliche Qualifizierung zum Onlineredakteur

Neues von der Initiative Lebensweg

Gitarrenkurs als Hörbuch

Impressum

Vorbemerkung

Ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr allen Leserinnen und Lesern der DZBN!
"Digital" und "DAISY" sind zwei Begriffe, die schon gleich zum Jahresbeginn mit Neuigkeiten für Aufmerksamkeit sorgen. Zunächst in dem von Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der DZB, verfassten Ausblick auf Schwerpunkte und Veranstaltungen in diesem Jahr. Dann auch im Grundsatzpapier von Medibus, in dem über neue Aufgaben informiert wird. Bereits im November des vergangenen Jahres hat sich sogar der Softwareriese Microsoft zu DAISY geäußert. Und DAISY war schließlich Gegenstand eines Interviews im "Börsenblatt des Deutschen Buchhandels". Bevor Sie nun selbst lesen und hören, was es Neues gibt, gestatten Sie noch den Hinweis, dass alle Nutzer der Hörfassung neben den DZBN auf dieser CD noch ein besonderes „Schmankerl“ erwartet …
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Postecke

Die Veröffentlichungen müssen nicht mit der Redaktionsmeinung identisch sein. Aus redaktionellen Gründen behalten wir uns Kürzungen vor. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Nachlese

»(…) Da die DAISY-TV eine überregionale Programmzeitschrift für den deutschen Sprachraum ist, müssen auch alle abweichenden Programminformationen für die Regional- und Landesprogramme enthalten sein. Dass die verwendeten Programmdaten nicht manuell bearbeitet werden können, um sie mit weiteren Zusatzinformationen bezüglich der Regional- und Landesprogramme zu versehen, ist völlig verständlich. (…) Mein Fazit: Lieber mit kleinen Unzulänglichkeiten bezüglich doppelter Sendezeiten leben, als auf die umfangreichen Informationen zu den Sendungen zu verzichten. (…)
In Ihrer Vorstellung des Englischsprachkurses auf DAISY-CD wird erwähnt, dass sich die verwendeten Texte auch im PDF-Format auf der CD befinden. Auf Wunsch könnten diese Texte gegen Aufpreis in der DZB auch in Punkt- bzw. Großschrift ausgedruckt werden. Leider gibt es keinerlei Angaben zur Höhe dieses Aufpreises. (…)
Dass es sich bei den angebotenen DAISY-Kaufhörbüchern vorwiegend um Sachbücher handelt, finde ich eine gute Entscheidung. Es ist nur schade, dass die Bedingungen, um ein Hörbuch auch zum Kauf anzubieten, so schwierig sind.
[Herr Karsten Brüning aus Hannover per E-Mail]
Bemerkung der Redaktion
Hier noch der Nachtrag zum erwähnten Englischsprachkurs: Das zusätzlich erhältliche Material gibt den Wortlaut der auf der DAISY-CD des Sprachkurses gesprochenen Texte zum Nach- bzw. Mitlesen wieder. Der Preis für die wahlweise 3 Broschüren Vollschrift (BNV 5055) oder 1 Broschüre Großdruck (BNV 5054) beträgt 15,00 Euro. Dieses Begleitmaterial ist zusätzlich erhältlich und wird nicht mit der CD geliefert.
Auf der DAISY-CD sind die Texte im PDF-Format vorhanden. (…)«

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Einblicke

"Digital alle in einem System"

Dr. Thomas Kahlisch
In Abwandlung des von Dr. Thomas Nicolai, Redakteur der Zeitschrift "Die Gegenwart", formulierten Mottos: "Deutschlandweit alle in einem System" habe ich mich für die Überschrift dieses Artikels entschieden. Ist es uns mit diesen Wortspielen gelungen, das schwierige englische Akronym für DAISY verständlich in die gute alte deutsche Sprache zu übersetzen? - Moment mal: Was ist schon gutes Deutsch bei Begriffen wie "digital" oder "System"? Laut dem großen Fachwörterbuch des Duden-Verlages kommt Ersteres aus dem Englischen und das zweite ist altehrwürdiges Griechisch, was nur wenige der Leserinnen und Leser der DZBN beherrschen.
Ich bin mir aber sicher, Sie wissen inzwischen längst, was gemeint ist, wenn es um DAISY geht.
Anfang Dezember 2007 trafen sich drei blinde bzw. sehbehinderte Leipziger mit ehrenamtlichen Mitarbeitern der Helferbörse der Diakonie Leipzig in der DZB, um den Beginn des Projektes DAISY-Mobil einzuläuten. Aufgabe dieser engagierten Gruppe ist es, unser Versprechen einzuhalten und Menschen, die DAISY - vor allem die speziellen Abspielgeräte - genauer kennen lernen wollen, persönlich auf Veranstaltungen, landauf und -ab, vorzustellen. Dieses Angebot richtet sich an Kreisorganisationen der mitteldeutschen Blinden- und Sehbehindertenverbände, kann aber auch in Seniorenheimen, in Treffs der Volkssolidarität oder in kirchlichen Einrichtungen angeboten werden.
Los geht es damit hier in Sachsen. Wenn Sie wünschen, dass Sie eins unserer DAISY-Mobil-Teams besuchen kommt, um etwa 10 bis 30 Personen in ein bis zwei Stunden DAISY vorzustellen und ihre Fragen zu beantworten, so lassen Sie es uns wissen.
Genauere Informationen werden noch in einem Rundschreiben an die Kreisorganisationen verschickt oder können bei Jana Waldt und Monika Hahn in der Hörbuchausleihe nachgefragt werden. Das Projekt DAISY-Mobil wird vom Förderverein der DZB unterstützt und die Team-Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Zur Deckung der entstehenden Aufwände ist lediglich ein symbolischer Beitrag von 20 Euro pro Veranstaltung zu entrichten, mit dem ein Teil der entstehenden Unkosten gedeckt wird. Also, probieren Sie es aus und melden Sie sich, um einen Termin abzustimmen.
Dieses Projekt reiht sich ein in die vielfältigen Aktivitäten, die Medibus und der DBSV derzeit unternehmen, um den Weg in die digitale Medienwelt Blinder und Sehbehinderter sicher zu gestalten.
Am 13. März 2008 lädt der DBSV seine Landesverbände zu einer Veranstaltung nach Kassel ein, auf der die konzeptionellen und technischen Details des Vorhabens "DBSV-Inform" vorgestellt werden.
Ziel ist es, die Zeitschrift "Die Gegenwart" durch zusätzliche DAISY-Angebote der 20 Landesorganisationen zu erweitern und die neue "Gegenwart" allen Mitgliedern deutschlandweit kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die DZB beteiligt sich an der konzeptionellen Arbeit und wird weiterhin die Übertragung der "Gegenwart"-Texte in Blindenschrift sowie deren Aufsprache im Studio übernehmen.
Die in Medibus zusammengeschlossenen Hörbüchereien haben beschlossen, dass 2010 die Kassettenausleihe endet und ausschließlich digitale Medien an die Nutzer ausgeliehen werden. Im August und November des vergangenen Jahres trafen sich Techniker, Bibliothekare und Leiter der Hörbüchereien zu Workshops in Hamburg und Leipzig, um einen Leitfaden zur einheitlichen Produktion und Distribution von DAISY-Büchern zu erarbeiten. Ab 2008 werden Hörbücher nach diesen Vorgaben erstellt. Einigkeit wurde auch darüber erzielt, in Deutschland keinen Ausleihservice von Speicherkarten für DAISY-Bücher anzubieten. Weitere Informationen hierzu findet der Leser im Anschluss an diesen Artikel.
Blinden und sehbehinderten Menschen mehr Bücher und Zeitschriften möglichst zeitnah, in adäquater Qualität und zu vergleichbaren Preisen wie auf dem regulären Markt anzubieten, ist das große Ziel, das sich Medibus gesetzt hat. Soll eine Publikation in Blindenschrift oder als Hörbuch zeitnah verfügbar sein, wenn die gedruckte Ausgabe erscheint, so ist eine enge Kooperation mit dem Verlag erforderlich, der das Werk veröffentlicht.
Was der DZB wöchentlich mit dem Rundfunk- und Fernsehprogramm gelingt, sowie der BLISTA Marburg mit der Blindenschriftproduktion bzw. der Norddeutschen Blindenhörbücherei Hamburg mit der Aufsprache von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" glückte, gelang im Oktober auch der DZB mit der Zeitschrift "Leipziger Blätter". Und ab Januar sorgt eine neue Kooperation mit der SWR Media Services GmbH für Informationsgleichstand bei den Freunden der ARD-Fernsehköche. Das "Rezeptheft der Zeitschrift ARD-Buffet" wird in der DZB aufgesprochen und so ausgeliefert, dass der interessierte Hobbykoch schon am Monatsanfang weiß, was in den nächsten 4 Wochen zubereitet wird.
Am 13. März beginnt in diesem Jahr auch die Buchmesse in Leipzig. Ein Höhepunkt unserer Messeangebote werden neue kommerzielle Sprachlehrbücher sein, die als DAISY-Produktionen aufbereitet sind. Die Kurse Englisch, Italienisch und Französisch sind nach der Birkenbihl-Methode erstellt und werden - was die englische Sprache angeht - bereits in der aktuellen Bücherliste angeboten.
Am Nachmittag des 15. März lädt die DZB im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Leipzig liest" zu einer Lesung mit anschließender Diskussion in die Gustav-Adolf-Straße 7 ein. Eva-Maria Glofke-Schulz stellt ihr Buch "Löwin im Dschungel" vor. Die Autorin, seit Geburt netzhauterkrankt und inzwischen selbst erblindet, beleuchtet das Phänomen Behinderung im Spannungsfeld zwischen seelischer Verarbeitung und gesellschaftlicher Stigmatisierung. Durch zahlreiche Fallbeispiele und Erfahrungsberichte entsteht ein Fundus an Anregungen und Informationen - nicht nur für das Fachpublikum, sondern auch für Betroffene und ihre Angehörige. Also: "Leipzig liest" - am Samstag, den 15.3.2008, 15 bis 17 Uhr, in der DZB - Buchvorstellung mit anschließendem Gesprächsforum.
Es zeichnet sich anhand unseres kurzen Ausblickes also schon ab, dass das neue Jahr mit interessanten Angeboten aufwarten wird. Sie, die Leserinnen und Leser der DZBN, dürfen gespannt sein, welche Neuheiten dieses Jahr für Sie bereit hält. Wir werden Sie darüber auf dem Laufenden halten.

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Medibus steckt neue Aufgaben ab

Elke Dittmer und Dr. Thomas Kahlisch
(Vorsitzende und Stellvertreter Medibus)
Die in der Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen (Medibus) zusammengeschlossenen Blindenhörbüchereien und Punktschriftbibliotheken erarbeiten derzeit einen Leitfaden zur einheitlichen DAISY-Buchproduktion in Deutschland.
DAISY (Digital Accessible Information System) ist der von den Blindenbüchereien der Welt gemeinsam entwickelte und angewendete Standard für digitale Hör- und Textbücher, in dem international bereits über 200.000 Werke übertragen worden sind. In Deutschland werden - nach Beschluss der Medibus-Mitgliederversammlung vom September vorigen Jahres - bis 2010 30.000 DAISY-Bücher den Anwendern zur Verfügung stehen. Gleichzeitig endet zu diesem Termin der Verleih von Hörbüchern auf Kompaktkassetten, für die keine Kopiertechnik mehr vorhanden ist. Schon heute sind fast 20.000 der praktischen und einfach zu handhabenden CDs im DAISY-Format ausleihbar und können auf speziell für die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen gestalteten Abspielgeräten wie PTN1 oder Victor Reader Classic genutzt werden.
Zahlreiche Gründe, wie
bringen es mit sich, die DAISY-Buchgestaltung und -Produktion stärker als bisher zu koordinieren. Zukünftig werden DAISY-Bücher von den Blindenhörbüchereien in einheitlicher Struktur und Gestaltung produziert und zur kostenfreien Ausleihe an blinde und sehbehinderte Menschen gebracht. Auf Workshops in Hamburg und Leipzig verständigten sich Techniker, Bibliothekare und Leiter der Hörbüchereien auf Einzelheiten der zukünftigen DAISY-Buchübertragung. Ein detaillierter Leitfaden wird momentan ausgearbeitet.
Gleichzeitig legten die Medibus-Bibliotheken fest, dass in Deutschland DAISY-Bücher ausschließlich auf CD-ROM verliehen werden und verstärkt an der Entwicklung von Verfahren zur Online-Verbreitung von Inhalten gearbeitet wird. Der Verleih und Versand von Speicherkarten ist in den deutschen Blindenhörbüchereien nicht vorgesehen. Mit Abspielgeräten wie dem Milestone und Victor Reader Stream können DAISY-Bücher auf Speicherkarten wiedergegeben werden. Medibus stellt dazu klar, dass die private Kopie einer CD im DAISY-Format auf eine Speicherkarte zulässig ist, wenn die Karte nach Ablauf der Leihfrist gelöscht und die CD an die Bibliothek zurückgeschickt wird. In Ergänzung zu den angebotenen Hörbüchern auf CD-ROM wird Medibus gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels an den rechtlichen und technischen Voraussetzungen arbeiten, Hör- und Textinhalte zeitnah und in größerem Maße online für blinde und sehbehinderte Personen verfügbar zu machen.

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Mein erstes DAISY

Den folgenden Beitrag findet man unter boersenblatt.net, er stammt von Nils Kahlenfeldt und gibt dessen Interview mit Frau Elke Dittmer, der Vorstandsvorsitzenden von Medibus, wieder.
Lesen für alle? Der Leipziger Workshop "Chancen und Herausforderungen der Medienversorgung blinder und sehbehinderter Menschen im digitalen Zeitalter" an der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB), gemeinsam organisiert von Medibus und dem Börsenverein, lotete Chancen und Herausforderungen der Medienversorgung blinder und sehbehinderter Menschen im digitalen Zeitalter aus - interessantes Terrain auch für Akteure aus der "klassischen" Verlagswelt. BÖRSENBLATT.NET sprach mit Medibus-Vorstandsmitglied Elke Dittmer.
Blindenbibliotheken als Schrittmacher der digitalen Revolution? Was manchen (sehenden) Laien eher etwas dick aufgetragen vorkommt, klingt den Fachleuten der Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e. V. (Medibus) keineswegs wie Zukunftsmusik in den Ohren - die mehr als 100 Jahre währende Geschichte der Produktion blindengerechter Medien ist eine Geschichte technischer Innovationen:
Das Blindenschriftbuch konnte zuerst nur per mechanischer Punktschriftschreibmaschine hergestellt werden, danach ermöglichte der Druck per Zinkplatte erstmals die Herstellung mehrerer Kopien. Durch Computer, Scanner, Übersetzungsprogramme und moderne Drucker wurde die Produktion schneller und flexibler. Seit rund 50 Jahren wird das klassische Blindenschriftbuch durch Hörbücher ergänzt. An die Stelle des Tonbands trat die Compact-Kassette, inzwischen selbst Auslaufmodell. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet man an der Vervollkommnung eines internationalen Standards für die nächste Hörbuch-Generation auf digitaler Basis. Inzwischen sind multimediale Bücher für Blinde auf bestem Weg, die zeitaufwändig und kostenintensiv hergestellten analogen Hörbücher abzulösen.
Das wirft Fragen auf: Wie ist es um den Zugang zu digitalen Angeboten für Menschen mit erheblichen Seheinschränkungen bestellt? Wie können Verlage unterstützt werden, ihre Inhalte dem Behinderten-Gleichstellungsgesetz entsprechend barrierefrei für jedermann zugänglich zu gestalten? Und: Haben am Ende auch sehende Nutzer etwas davon?
BÖRSENBLATT.NET sprach mit Medibus-Vorstandsmitglied Elke Dittmer, Geschäftsführerin der Norddeutschen Blindenhörbücherei (Hamburg) und Vorstandsmitglied des internationalen DAISY-Consortiums.
Frage: BÖRSENBLATT: Vor genau drei Jahren haben sich Produzenten und Bibliotheken, die blindengerechte Medien herstellen und verleihen, mit Verbänden der Blindenselbsthilfe im deutschsprachigen Raum zur gemeinsamen Dachorganisation Medibus zusammengeschlossen; ihre Vision: "Jedem Menschen jedes Buch zur gleichen Zeit und zum gleichen Preis verfügbar zu machen." Nun haben Sie Akteure des "klassischen" Buch- und Medienmarkts - Verleger, aber auch den Vorstand der VG Wort oder das Projekt Volltextsuche Online der MVB - zum Workshop nach Leipzig eingeladen. Warum?
Antwort: Elke Dittmer: Wir haben Fragen an Verlage, eine ganze Reihe von Kooperationsideen - und wir haben eine Technologie an der Hand, die Verlagen - insbesondere kommerziellen Hörbuchverlagen - die Arbeit sehr erleichtern, womöglich einen Quantensprung vorwärts bedeuten könnte. Leider ist das Wort "Blindenbücherei" häufig noch negativ besetzt, man hält uns für leicht verstaubt und antiquiert; technologische Innovationen erwartet man von uns eher nicht. An einer Einrichtung wie der DZB kann man sich eindrucksvoll vom Gegenteil überzeugen.
Frage: BÖRSENBLATT: Das Blinden(hör)buch erlebt seit einigen Jahren eine Art digitale Revolution - wo geht die Reise hin?
Antwort: Dittmer: Wir haben letzte Woche auf unserer jährlichen Mitgliederversammlung ein Zukunftspapier verabschiedet: Wir werden unseren Nutzern mit sanftem Druck nahe bringen müssen, dass die Ära der Kassetten-Ausleihe am Silvesterabend 2009 endet. Das wird nicht ganz einfach; viele unserer Nutzer sind hoch betagt und wollen eigentlich nicht mehr auf eine neue Technologie umsteigen. Dabei ist die neue Technik gerade für alte Menschen sehr einfach zu bedienen - unsere Nutzer müssen nur begreifen, dass sie die CDs, die sie von uns bekommen, nicht mit einem herkömmlichen CD-Spieler abhören können.
Frage: BÖRSENBLATT: Um welche Technik handelt es sich?
Antwort: Dittmer: Schon seit Mitte der 90er-Jahre wurden mit dem Projekt DAISY konkrete Schritte unternommen, den Weg vom analogen zum digitalen Blindenhörbuch zu realisieren. DAISY steht für Digital Accessible Information System; es handelt sich dabei um auf CDs aufgesprochene Bücher, die im MP3-Format komprimiert sind. Dazu können Sie in einem DAISY-Buch jedoch navigieren, so als ob Sie durch ein konventionelles Buch blättern: Sie können einzelne Kapitel oder Überschriften, sogar einzelne Sätze anwählen, sich den letzten Absatz noch einmal vorlesen lassen und sich per Tastendruck die Länge eines Buches oder die abgelaufene und die noch verbleibende Spielzeit der CD ansagen lassen - Features, die gerade bei Hör-Editionen von Zeitschriften und Sachbüchern enorme Vorteile bieten. Die Bedienung der DAISY-Abspielgeräte ist ebenfalls sprachgeführt.
Frage: BÖRSENBLATT: Wie weit ist die Technologie verbreitet?
Antwort: Dittmer: Neue Blindenhörbücher entstehen nur noch in diesem Format. Und dann ist es natürlich die große Aufgabe, unseren Archivbestand zu digitalisieren und um die Navigations-Funktionen zu ergänzen. Wir wollen im deutschsprachigen Raum bis Ende 2009 rund 30.000 DAISY-Hörbuchtitel im Angebot haben. Seit kurzem kann man die Abspielgeräte, die im Fachhandel um die 350 Euro kosten, bei uns auch für eine Monatsgebühr von 12 Euro mieten. Weltweit gibt es heute etwa 200.000 Abspielgeräte und eine ähnliche Anzahl von Büchern.
Frage: BÖRSENBLATT: Ein Nischenprodukt für sehr spezifische Anforderungen - was könnte kommerzielle Hörbuchanbieter an DAISY reizen?
Antwort: Dittmer: In ersten Gesprächen mit Verlagen sind wir auf offene Ohren gestoßen - das Interesse an Verbesserungen der vorhandenen Produkte ist groß. Die ausgefeilten Navigations-Funktionen führen das Hörbuch-Erlebnis sehr nahe ans herkömmliche Lesen heran - nicht nur für blinde Menschen eine tolle Lösung, sondern, wie wir finden, auch ein interessanter Ansatz fürs klassische Hörbuch. Gerade lange Produktionen lassen sich so vernünftig strukturieren, weit über die üblichen "Tracks" hinaus. Ein DAISY-Buch ließe sich so auch kommerziell denken: Der sehende Käufer spielt es auf dem MP3-Player ab, der blinde Nutzer hat zusätzliche Navigations-Vorteile.
Frage: BÖRSENBLATT: Ewige Jugend scheint auch im Zeitalter der Apparate-Medizin nicht in Sicht; die von der WHO auf weltweit 160 Millionen geschätzte Zahl Blinder und schwer Sehbehinderter wird sich in den nächsten 25 Jahren verdoppeln …
Antwort: Dittmer: Darüber hinaus stellt sich eine weitere, hierzulande immer etwas heikel diskutierte Frage: Wir machen Bücher zugänglich für Menschen, die Gedrucktes nicht lesen können. Das sind derzeit bei uns hauptsächlich Blinde und hochgradig Sehbehinderte. In anderen europäischen Ländern sind es zunehmend auch Sehende mit Leseproblemen - in Skandinavien etwa leiden ¾ der Benutzer an Dyslexien und anderen Störungen, die es ihnen nicht erlauben, Gedrucktes flüssig zu lesen. Menschen, die nicht in Bibliotheken gehen, die keine Bücher kaufen. Wenn es gelingt, diese Menschen durch das DAISY-Buch am kulturellen Leben teilhaben zu lassen - dann können sie auch Kunden werden, sofern es die Produkte im Handel gibt. Wenn Sie bedenken, dass wir pro Jahr im deutschsprachigen Raum rund 1700 neue Bücher in Blindenschrift oder als Hörbuch zugänglich machen, ist das natürlich verschwindend wenig - und oft bewegen sich die ausgewählten Titel eher am Massengeschmack. Gelänge es, diese Titel am kommerziellen Markt anzubieten, hätten wir mehr Kapazitäten für "schwierigere" Titel, die uns natürlich auch am Herzen liegen.
Frage: BÖRSENBLATT: Was nehmen Sie vom Workshop für Ihre künftige Arbeit mit?
Antwort: Dittmer: Die persönliche Begegnung lässt uns die Schnittpunkte mit der Arbeit der Verlage klarer sehen. Wir werden im nächsten Jahr die ersten Abspielgeräte haben, die download- und streamingfähig sind. Wir müssen also über Rechte und Technik sprechen. VTO arbeitet an der Vereinheitlichung unterschiedlichster digitaler Formate; ein Problem, mit dem wir in den Blindenbüchereien seit Jahren kämpfen. Ich denke, der Workshop hat gezeigt, dass wir niemandem etwas "wegnehmen", sondern eine Menge zu geben haben - durchaus auch technologisch. Gern würden wir gemeinsam mit dem Börsenverein auf der Leipziger Buchmesse 2009 ein Forum "Lesen für alle" organisieren, das die aufgeworfenen Fragen weiter vertieft. Auf der kommenden Frankfurter Buchmesse (Anm. d. Red.: fand vom 4.-8.10. statt) werden wir von Medibus noch einmal vortragen, was wir können - und welche Kooperationsmöglichkeiten da für beide Seiten noch schlummern.
[Quelle: http://www.boersenblatt.net/167657/]

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"Speichern als DAISY" für Microsoft-Anwender

Gemeinschaftliches Entwicklungsprojekt beabsichtigt die Transformation von Millionen Open-XML-Dokumenten in das weltweit meistbenutzte, öffentlich zugängliche Format für sehbehinderte Menschen.
REDMOND, Washington und ZÜRICH, Schweiz - 13. Nov. 2007 - (Pressemitteilung) Microsoft Corp. und das Digital Accessible Information SYstem (DAISY) Consortium haben heute ein gemeinsames standard-basiertes Entwicklungsprojekt bekannt gegeben, das es blinden und sehbehinderten Computer-Benutzern ermöglicht, ihre technischen Hilfsmittel in ihrem täglichen Leben besser zu nutzen. Als Referenzmodell für andere Open-XML-Lösungsanbieter wird dieses offene technische Kollaborationsprojekt auf SourceForge.net ein kostenloses, herunterladbares Plug-in für Microsoft Office Word beinhalten, das Open XML-basierte Dokumente in DAISY XML, der Grundlage des weltweit akzeptierten DAISY-Standards zum Lesen und Veröffentlichen von navigierbaren Multimedia-Inhalten, konvertiert.
In den vergangenen Jahrzehnten haben sehbehinderte Menschen unter Verwendung technischer Hilfsmittel wie etwa Bildschirmlese- und Vergrößerungsprogrammen, elektronischer Braillezeilen und synthetischer Sprachausgaben vermehrten Zugang zu Informationen. Da diese Personen komplexe Seitenlayouts jedoch optisch nicht navigieren können, fällt es ihnen oftmals schwer, mit den Anforderungen der heutigen Informationsgesellschaft Schritt zu halten.
Die Struktur in DAISY-Veröffentlichungen ermöglicht das schnelle Navigieren nach Überschriften oder Seitenzahlen und die Nutzung von Indizes und Verweisen, verbunden mit richtig zugeordnetem, synchronisiertem Audio- und Textteil. Zusätzlich zu den klar erkennbaren Vorteilen für Menschen, die Gedrucktes nicht lesen können, bietet der Open-XML-nach-DAISY-XML-Konverter auch das Potenzial für weitere Innovationen in den informationsorientierten Märkten des Publizierens von Schulbüchern und anderem Bildungsmaterial.
"Als Generaldirektorin der international anerkannten Stimme für blinde und sehbehinderte Menschen auf der ganzen Welt und als Leserin von DAISY-Büchern glaube ich, dass dieses Projekt für mich sowohl einen persönlichen als auch einen beruflichen Durchbruch darstellt", sagte Penny Hartin, Generaldirektorin der Weltblindenunion. "Die Möglichkeit, komplexe Inhalte überall auf der Welt auf Computern zugänglich zu machen, ist von ausschlaggebender Bedeutung, und dieser Open-XML-nach-DAISY-XML-Konverter für Microsoft Office Word ist ein beachtlicher Schritt, um dieses Ziel zu erreichen."
"In unserem Informationszeitalter ist der Zugang zu Informationen ein fundamentales Menschenrecht", sagt George Kerscher, Generalsekretär des DAISY Consortiums. "Deshalb haben sich führende Organisationen von und für Blinde in der ganzen Welt auf die Weiterentwicklung des DAISY-Standards geeinigt. Die Möglichkeit, DAISY-Inhalte aus Millionen Open-XML-basierter Dokumente durch Verwendung dieses Konverters für Microsoft Office Word zu erzeugen, bietet für Verleger, Regierungen, Unternehmen, Pädagogen und, am allerwichtigsten, für jeden, der gerne liest, beträchtlichen und sofortigen Nutzen."
"Wir verfolgen diese Entwicklungen zum Nutzen unserer Mitglieder und den Schülern und Studenten auf der ganzen Welt mit lebhaftem Interesse", sagt Charlene Gaynor, Generaldirektorin des Vereins der amerikanischen Schulbuchverlage. "Nicht nur, dass der Open-XML-nach-DAISY-XML-Konverter ein besonders wichtiges Bedürfnis sehbehinderter Personen befriedigt, sondern er wird uns auch helfen, unserer Verpflichtung nachzukommen, die Lernmöglichkeiten für diejenigen Schüler und Studenten zu verbessern, denen zu diesem Zeitpunkt weder mit Nur-Text- noch mit Nur-Audio-Büchern gedient ist."
"Der Open-XML-nach-DAISY-XML-Konverter für Microsoft Office Word wird mit der Umwandlung Open XML-basierter Inhalte in ein strukturiertes Multimediaformat Benutzern auf der ganzen Welt, unabhängig vom Grad ihrer Sehschwäche, Informationen zugänglich machen", sagt Gray Knowlton, Produktverantwortlicher bei Microsoft für Microsoft Office. "Diese zugängliche Technologie ist etwas, das von unseren Kunden gewünscht wurde, und wir sind erfreut, gemeinsam mit dem DAISY-Consortium an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten zu können."
Die Open-XML-Anpassung befindet sich in der Softwarebranche weiter auf Expansionskurs, zur Anwendung auf unterschiedlichen Plattformen, wie Linux, Windows, Mac OS und Palm OS. Lösungsanbieter, die daran interessiert sind, ihre eigenen Open-XML-nach-DAISY-XML-Konverter zu entwickeln, können das Projekt auf SourceForge unter http://sourceforge.net/projects/openxml-daisy finden. Das hieraus resultierende "Speichern als DAISY"- Plug-in wird als kostenloser Download für Microsoft Office Word (Word XP, Word 2003 und Word 2007)-Kunden Anfang 2008 erhältlich sein.
Kommentare von Anwendern, die blind oder sehbehindert sind, zu dieser Neuigkeit sind abrufbar unter http://www.microsoft.com/presspass/features/2007/nov07/11-13daisy.mspx
Weitere Informationen zu Microsofts barrierefreien Lösungen sind zu finden unter http://www.microsoft.com/enable
Weitere Informationen über die Ecma Office Open-XML-Open-Standard-Dokumentformat- Spezifikation sind erhältlich unter http://www.openxmldeveloper.org http://www.openxmlcommunity.org
Weitere Informationen über das DAISY Consortium und den DAISY-Standard sind abrufbar unter http://www.daisy.org
Weitere Informationen: Das deutsche Mitglied im DAISY-Consortium ist die "Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V., Medibus" http://www.medibus.info.

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Buchpatenschaft verschenken?

Susanne Siems
Der jährliche "Geschenkemarathon" liegt gerade wieder einmal hinter uns. Glücklich, wem es gelingt, sich dem durch die Medien suggerierten Schenkzwang zu entziehen, glücklich aber auch derjenige, der sich trotz allem die Freude am Geben und Nehmen bewahrt hat.
Wenn man, wie die meisten hier von uns, blind oder sehbehindert ist, wird Schenken dennoch oft eine sehr schwierige Sache. Dann sind die Anregungen meist der eigenen Phantasie überlassen. Da auch ich selbst mich immer über besondere Geschenkideen abseits von Kaufhausgetümmel und aufdringlicher Fernsehwerbung freue, bin ich auch gern bereit, Tipps weiterzugeben. Sie, liebe Leserinnen und Leser, lächeln jetzt sicher. Wie durchsichtig, mag der ein oder andere denken, die wollen doch auch nur Geld für ihre Projekte. Ja sicher, wir sind auf die Unterstützung unserer Nutzer angewiesen und dankbar für jede Spende. Dabei sind wir uns bewusst, dass viele von Ihnen die DZB bereits sehr aktiv unterstützen. Wir möchten allen an dieser Stelle recht herzlich danken. Sie helfen uns mit jedem Euro, noch mehr Literatur für Blinde und Sehbehinderte zugänglich zu machen. Dabei ist es gleichbedeutend, ob Sie sich für das jährlich auf den DZB-Informationen genannte Spendenthema entscheiden, eine allgemeine Spende für die DZB geben oder eben Buchpate werden.
Für die letztgenannte Spendenform möchte ich an dieser Stelle allerdings mal wieder eine Lanze brechen. Was gibt es Schöneres für einen Literaturliebhaber, als die Produktion von noch mehr Büchern zu unterstützen und eine direkte Verbindung zu seiner Lieblingslektüre herzustellen. Buchpaten werden, sofern sie es wünschen, im von Ihnen ausgewählten Titel genannt. Sehende Menschen schenken sich recht gern Bücher. Wir wissen, dass das mit Blindenschriftbüchern und DAISY-Literatur aus verschiedenen Gründen nur begrenzt möglich ist. Warum also nicht eine Patenschaft verschenken? Sie rufen uns an, teilen uns mit, wie hoch Ihre Spende ist, für welchen Titel Sie spenden und wie der Name des Paten ist. Wenn wir die Spende verbucht haben, erhalten Sie für den Beschenkten eine attraktive Urkunde mit dem Namen des Buches und des Paten. Das ist dann so ähnlich, wie für jemanden einen Baum pflanzen zu lassen oder eine Bank in einem Park aufzustellen.
Die Titellisten finden Sie im Internet, Sie können diese Liste aber auch gern bei uns erfragen, wir senden Sie Ihnen in der von Ihnen gewünschten Form zu. Auch beraten wir Sie gern, wenn es um die Auswahl geeigneter Titel geht.
Eine Buchpatenschaft ist ab 100 Euro möglich, wenn Sie einen Titel aus der Liste wählen. Möchten Sie ein bereits in der DZB produziertes Buch für eine Patenschaft auswählen, dann haben Sie diese Möglichkeit ab einer Spende von 250 Euro.
Fragen oder Wünsche zum Thema Buchpatenschaften richten Sie bitte an Susanne Siems, Tel.: 0341 7113-115 oder info@buch-patenschaft.de.

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Wilhelm Raabe: "Die Chronik der Sperlingsgasse" und "Stopfkuchen"

Susanne Siems
[Punktschriftbibliothek]
Kennen Sie Schnupfenbücher, liebe Leserinnen und Leser? Meins heißt "Robinson Crusoe". Da muss ich so elf gewesen sein, lag mit einer schlimmen Erkältung zu Hause auf dem Sofa, den Rücken an unserem kuschelig warmen Berliner Ofen und las und las. Wurde nur vom heftigen Niesen und Naseputzen unterbrochen. Seitdem brauche ich immer ein Taschentuch in der Nähe, wenn es um Robinson Crusoe geht. Im Laufe der Jahre kamen noch ein paar andere Bücher hinzu, auch wenn ich eigentlich nicht allzu oft verschnupft bin. Jedenfalls nicht im Sinne einer Erkältung. Verschnupft im Sinne von "verärgert sein", das war ich jüngst, als ich durch Berlins Mitte spazierte. Nicht nur, aber eben auch für Literaturliebhaber hat das alte Berlin, der Kern dieser großen Stadt, eine immense historische Bedeutung. Eines der Bücher, die ich am kuscheligen Ofen im Winter las und bei dem ich gedanklich immer ein leichtes Nasejucken verspüre, trägt den Titel "Die Chronik der Sperlingsgasse". Und bei meinem Bummel durch das winterliche Zentrum der Hauptstadt stieß ich unverhofft auf ein Straßenschild, das den Namen "Sperlingsgasse" trug. Ich erinnerte mich an die Erzählung Wilhelm Raabes, doch mit der Wirklichkeit des Jahres 2007 konfrontiert, blieb mir, salopp ausgedrückt, die Spucke weg. Klar ist, dass man heute nicht mehr lebt wie vor hundertfünfzig Jahren und das wohl auch nicht möchte. Aber die Neubauwand aus den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts hatte wirklich gar nichts mehr zu tun mit dieser etwas düster-romantischen Erzählung des Dichters, der von 1831 bis 1910 lebte.
Eine kleine Gasse im Herzen Berlins wurde in der 1857 erschienenen "Chronik der Sperlingsgasse" zum Spiegel des Weltgeschehens. Alltäglichkeiten und große Lebensdramen hat der Dichter in seinem ersten Roman gekonnt miteinander verwoben. Die Eintönigkeit der Neubauten in der Sperlingsgasse des 21. Jahrhunderts erinnert ein wenig an die Oberflächlichkeit und Gleichmacherei, mit der der Dichter Wilhelm Raabe lange von der Kritik bedacht wurde. Wer nur das Idyllische, manchmal fast Kitschige seiner Romane und Erzählungen betont, verkennt erstens, dass die meisten Menschen gerade diese Idylle ersehnen und zweitens unterschlägt man damit den meist leicht spöttischen Ton Raabes, die humorvolle Distanzierung der Ich-Erzähler von den Ereignissen. Mit ständig wachsender Alterserfahrung erzählt Joachim Wacholder die Geschichte der Bewohner der Sperlingsgasse. Übrigens, so fand ich im Internet zu lesen, ist die Sperlingsgasse wirklich nach dem Roman benannt, anlässlich des 100. Geburtstages von Raabe im Jahr 1931. Schlimm genug, dass ihr Erscheinungsbild jetzt nur noch so wenig mit dem Flair des Romans zu tun hat.
Da dieses kleine Büchlein nur in Blindenvollschrift in der Punktschriftbibliothek vorliegt, möchte ich die Gelegenheit nutzen, noch auf ein anderes Werk Wilhelm Raabes aufmerksam zu machen: Der Roman "Stopfkuchen" gilt als der Beginn des modernen Romans im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig bilden diese beiden Werke Anfang und Ende des literarischen Schaffens von Raabe, den Weg von der sogenannten Erbauungsliteratur zum realistischen Roman mit vielen sozialkritischen Aspekten. Eine See- und Mordgeschichte heißt es im Untertitel. Stopfkuchen ist der Spitzname von Heinrich Schaumann, der als Kind immer als dumm und gefräßig, alles in sich hineinstopfend, gehänselt wurde. Ihm begegnet der aus Südafrika angereiste erfolgreiche Farmer Eduard, ein Paar, wie es gegensätzlicher nicht sein könnte. Gemeinsam klären die Jugendfreunde einen Mord auf, wobei der früher verlachte Stopfkuchen als der Weisere und Welterfahrenere von beiden sichtbar wird. Der Leser wird vom Autor in sofern sehr leicht aufs Glatteis geführt, weil man zunächst eher geneigt ist, seine Sympathie dem erfolgreichen und weltgewandten Eduard zu schenken. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass der erste Eindruck nicht immer der stimmigste ist.
Möchten Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich selbst ein Bild machen, oder in dieser kalten und dunklen Jahreszeit mal wieder Altbekanntes ausgraben? Dann empfehle ich Ihnen die beiden Titel (viele weitere sind ausleihbar) von Wilhelm Raabe aus unserer Punktschriftbibliothek:

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Émile Zola: "Thérèse Raquin"

Jana Waldt
[Hörbücherei]
Ich möchte Ihnen diesmal den ersten bedeutenden Roman des französischen Schriftstellers Émile Zola, er lebte von 1840 - 1902, vorstellen: "Thérèse Raquin".
Zola wurde am 2. April 1840 als Sohn eines italienischen Bauingenieurs in Paris geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf, die später zum bevorzugten Thema seiner Romane wurden. Zola war zunächst als Verlagsangestellter tätig, ab 1865 dann als Autor von Gedichten und Erzählungen sowie als Literatur- und Kunstkritiker. Den hier näher besprochenen Roman schrieb er 1867.
Zola gestaltet die Geschichte eines Mannes und einer Frau, die zu Mördern werden. Madame Raquin, eine alte Kurzwarenhändlerin aus der Provinz, hat sich mit ihrem Sohn Camille in Paris niedergelassen, wo sie in einem lichtlosen, feuchten Laden ihren Handel treibt. Zusammen mit ihrem Sohn hat sie ihre verwaiste Nichte Thérèse aufgezogen, ein verschlossenes Mädchen, das gelernt hat, seine Gefühle hinter einer Maske von Gleichgültigkeit zu verbergen. Auf Wunsch von Madame Raquin hat sie Camille, ihren kränklichen, charakterschwachen Vetter, geheiratet und bewohnt mit ihm und der alten Frau die bescheidenen Räume oberhalb des Ladens.
Laurent, ein Freund aus der Jugendzeit, den Camille eines Abends mit nach Hause bringt, nutzt bald die Gastfreundschaft schamlos aus. Zynisch, nur auf seine Bequemlichkeit bedacht, gibt er sich als gescheiterter Maler aus. Um sich bei den Raquins noch mehr Vorteile zu verschaffen, macht er die unbefriedigte Thérèse zu seiner Geliebten. Sie betrügen Camille sogar, während Frau Raquin unten im Laden verkauft. In ihrer leidenschaftlichen Liebe zu Laurent verachtet Thérèse ihren Mann noch mehr und in beiden reift der Gedanke, sich von Camille zu befreien. Die günstige Gelegenheit ergibt sich bei einer gemeinsamen Bootsfahrt auf der Seine - Laurent ertränkt Camille. Dem Paar gelingt es, alles wie einen Unglücksfall aussehen zu lassen. Und so hat auch niemand etwas dagegen, als beide nach der Trauerzeit heiraten. Doch glücklich werden sie nicht - Camille steht immer zwischen ihnen. Schließlich kommt es zur Katastrophe …
Gelesen wurde dieses 1972 im Dieterich-Verlag erschienene Buch von Max Bernhardt. Ausleihen können Sie das Hörbuch unter der Bestellnummer 3821 entweder auf 7 Kassetten oder auf einer CD DAISY.
Im Bestand der Hörbücherei befinden sich zudem zahlreiche weitere Romane von Émile Zola. Fragen Sie uns danach!
In Blindenschrift haben wir diesen Roman leider nicht im Bestand, jedoch einige andere Titel von Émile Zola.

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Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ging 2004 dieser Frage nach. Die ersten 100 Plätze wurden in einer Liste zusammengefasst. Wir nennen Ihnen nacheinander diese Bücher. Titel dieser Liste, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir Ihnen ausführlicher vor.

Platz Nr. 8: "Der Alchimist" von Paulo Coelho

Paulo Coelho ist neben Gabriel García Marquez der meistgelesene lateinamerikanische Schriftsteller. Seine Themen sind durch eigene Erfahrungen geprägt und berühren durch ihre einfühlsame Sprache und Spiritualität. Die Gesamtauflage von Coelhos Werken beträgt über 40 Millionen.
Coelho wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren. Das behütete Kind einer wohlhabenden Familie wurde wegen exzentrischen Verhaltens (Drogen, Religions- und Künstlerwahn) von seinen Eltern in die Psychiatrie gesteckt. Das spätere Jurastudium brach Coelho ab, um zwei Jahre lang Südamerika, Europa und Nordafrika zu bereisen. Zurück in Brasilien, schrieb er Theaterstücke und verfasste provokative Songtexte. Die in den 70er-Jahren herrschende Militärdiktatur steckte ihn dafür dreimal ins Gefängnis. Coelho war Herausgeber einer Untergrundzeitschrift, eines Musikmagazins und Direktor von Polygram und CBS Brasilien. 1980 kündigte er seine Stelle, lebte fünf Jahre lang in einem alten spanischen Orden. Zum Abschluss seiner inneren Einkehr pilgerte er zu Fuß nach Santiago de Compostela. Seine Erfahrungen flossen ein in "Auf dem Jakobsweg" (1987) und "Der Alchimist" (1988):
Santiago, ein andalusischer Hirtenjunge, hat einen wiederkehrenden Traum: Am Fuß der Pyramiden liegt ein Schatz für ihn bereit. Darauf verlässt er Spanien Richtung Ägypten, um seinem Traum zu folgen. Auf seinem abenteuerlichen Marsch durch das zauberhafte wie mörderische Nordafrika begegnet Santiago zahlreichen Versuchungen und Gefährdungen, die ihn von seinem Weg abzubringen drohen. Überall reißt er sich aber tapfer los und reist weiter. Auf dem Weg durch die Wüste nach Ägypten trifft er in einer Oase den Alchimisten und Fatima, die Frau seines Lebens. Er verlässt Fatima jedoch zunächst, um weiter seiner Bestimmung, der Schatzsuche, zu folgen. An den Pyramiden erfährt er, dass der Schatz in Andalusien liegt. Er findet den gesuchten Schatz schließlich in seiner Heimat.
Einfache Wahrheiten und Lehren christlichen und muslimischen Ursprungs werden dem Helden auf der Reise mitgegeben. Wichtigster Lehrer ist der Alchimist, der ihm deutlich macht, dass der Weg auch immer das Ziel sei. Die einfache, märchenhafte Fabel verkündet die Botschaft, dass jeder seinen Träumen treu bleiben und sie leben soll. Nur so könne das innere Glück im Einklang mit der Welt erreicht werden.
An Paulo Coelho und seinem Millionenerfolg scheiden sich die Geister. Viele halten ihn für einen Scharlatan auf der Esoterikwelle, andere aber glauben: Vielleicht ist ja was dran an dieser Suche nach Stimmen und Tönen jenseits der banalen Wirklichkeit. Ein Blender ist er nicht, denn er glaubt, was er schreibt.
Mutmachbuch oder esoterische Erbauungsliteratur - auf jeden Fall ist der Roman weltweit eines der meistverkauften Bücher.
"Der Alchimist" ist in der DZB in Braille und als Hörbuch ausleihbar:
Weitere Titel von Paulo Coelho sind in der DZB als Hörbuch und in Punktschrift erhältlich.
[Quelle: http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de, http://www.diogenes.ch, "Das Buch der 1000 Bücher : Werke, die die Welt bewegten" ; Autoren und Entstehung, Inhalt und Wirkung / Mannheim : BI und Brockhaus, 2005.]

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel. 0341 7113-145, Fax 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de). Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

MAX - ein Programm zur Umwandlung von Text oder Audio in DAISY bzw. MP3

Ulrich Jander
Immer wieder werde ich am Telefon oder per E-Mail gefragt, ob es neben dem DAISY-Leser, dem deutschsprachigen Wiedergabeprogramm für DAISY-Bücher oder -Zeitschriften am PC, auch eine Computersoftware gibt, die es ermöglicht, DAISY-Bücher zu erstellen. Bisher konnte ich das zwar bejahen, musste aber darauf verweisen, dass ein DAISY-Gerät, Plextalk PTR2 oder der Vorgänger PTR1, gegenwärtig ca. 850 Euro in der Anschaffung, erforderlich ist. Zu diesen Plextalk-Geräten gehört u.a. eine englischsprachige CD-ROM, auf welcher sich die Plextalk Recording Software (PRS) befindet. Dieses Computerprogramm konvertiert, also wandelt z. B. Text- oder Audiodateien in MP3 oder DAISY um. Die PRS ist englischsprachig, jedoch sehr gut mit Screenreadern bedienbar und vielseitig in ihrer Anwendung.
Aber welche Möglichkeiten hat der Interessent, der kein Plextalk-Gerät besitzt oder ein deutschsprachiges Programm nutzen möchte?
In diesem Jahr ist ein Computerprogramm mit Namen "MAX" erschienen, welches selbständig arbeitet, also ohne Plextalk-Gerät auskommt, mit deutscher Menüführung und mit Screenreadern sehr gut bedienbar ist und immer umfangreicher in seinen Möglichkeiten wird. Ich habe mir das Programm als Demo-Standardversion 1.1 und Version 2.0 angeschaut, etwas getestet und festgestellt, dass es recht einfach bedient werden kann. Es handelt sich um ein übliches Windowsprogramm; die Installation erfolgt Windows-typisch über die einzelnen Windowsschritte und -fenster ohne Probleme. Es ist ein relativ kleines Programm, welches keine speziellen Systemvoraussetzungen erfordert. Das Programm läuft ab Windows 98. "MAX" wird von der Computerfirma Dräger & Lienert Marburg angeboten, die auf dem Markt blinden- und sehbehindertenspezifischer Computertechnik tätig ist. Die Firma schreibt auf ihren Internetseiten u.a. zu "MAX" folgendes:
"MAX haben wir entwickelt, um die Produktion von DAISY mit einem minimalen Zeitaufwand realisieren zu können. MAX greift auf Ihren Text zu, übergibt ihn an eine synthetische Sprachausgabe und setzt die DAISY-Kennzeichnungen nach dem SMIL-Standard automatisch. Der Schwerpunkt liegt jedoch darin, den Aufwand für das sog. Authoring so klein wie möglich zu halten. Damit strukturiertes DAISY erzeugt werden kann, müssen Strukturmerkmale in den Quelldaten vorhanden sein.
Wir haben Verfahren entwickelt, durch welche vorhandene Strukturmerkmale optimal ausgewertet werden können und weitere, mit deren Hilfe Sie die Strukturmerkmale zeitsparend und einfach in Ihre Daten eingeben können. Maschinell erzeugte Daten kann MAX häufig auch direkt und ohne weitere Bearbeitung übernehmen. So können Sie beispielsweise HTML-, PDF- und Worddokumente mit Gliederungen direkt übergeben.
MAX verwendet sog. SAPI4- und SAPI5-Stimmen. Die Auswahl bestimmen Sie selbst.
Folgende Input-Formate können Sie verwenden:
Über die askSam-Variante können Sie letztlich dBase, Excel, Access, Outlook, Outlook Express, WordPerfect, Paradox, FoxPro, PocoMail, NetScape, Eudora usw. verarbeiten, da askSam vielfältige Importfilter besitzt. Über die Sortierfunktion können Sie beispielsweise Katalogdaten in Gruppen und Untergruppen sortieren und dadurch automatisch DAISY generieren. Ein Hörbuch- oder Produktkatalog lässt sich damit in navigierbare Einheiten umwandeln. Ändern sich die Produkte, erzeugen Sie auf Knopfdruck eine aktuelle DAISY-Version. Ihre Adressbestände können sie alphabetisch sortieren und in Gruppen wie "privat", "beruflich", "Notfall", "Reise" usw. unterteilen und auf einem mobilen DAISY-Player wie z.B. dem MileStone, dem PlexTalk oder dem Victor Reader mitnehmen.
Wir haben versucht, die Bedienung so einfach wie möglich zu machen."
Ja, nach meinen Tests kann ich dies bestätigen. Um richtig navigierbares DAISY erzeugen zu können, ist es sinnvoll, das umzuwandelnde Textdokument mit Strukturierungs- bzw. Gliederungsmerkmalen zu versehen, wenn es solche noch nicht enthält. Das geschieht relativ einfach, indem man am Beginn einer neuen Gliederung zwei Nummernzeichen direkt gefolgt von der jeweiligen Ziffer der Gliederungsebene einträgt, die für die Hierarchieebene steht, also die Ziffer eins für Ebene eins oder die Ziffer zwei für Hierarchieebene zwei. In der Bedienungsanleitung zum Programm mit Namen "Beispiel" wird dies im Punkt Quickstart sehr schön übersichtlich und kurz erklärt.
Ruft man das Programm "MAX" auf, wird ein Fenster angezeigt, in welchem man mit Hilfe der Tab-Taste durchgehen und die einzelnen Einstellungen für die Konvertierung vornehmen kann. Die verschiedenen Einstellmöglichkeiten bzw. erforderlichen Angaben werden sehr schön konkret und verständlich in der Anleitung erklärt. Hat man im Fenster alle Angaben getätigt bzw. die Einstellungen vorgenommen, geht man zum Schalter Konvertieren und aktiviert diesen. Je nach Größe des Dokuments kann die Umwandlung eine gewisse Zeit benötigen. "MAX" konvertiert zuerst in das WAV- und anschließend in das MP3-Format. Wenn "MAX" die Beendigung der Konvertierung anzeigt, dann ist das DAISY-Buch fertig erstellt und liegt im zuvor angegebenen Ordner bereit.
Bis vor kurzem konvertierte "MAX" ausschließlich Textdateien in das DAISY- oder MP3-Format. Jetzt funktioniert auch die Umwandlung von Audio-Dateien in DAISY. Dies geschieht in der Weise, dass Audio-Dateien, wie Textdateien, in einer Verzeichnisstruktur in DAISY gewandelt werden.
"MAX" wird ständig weiterentwickelt. Wie beim Windows Explorer, so kann man auch im "MAX"-Programm mit Hilfe der Cursortasten die Strukturebenen im späteren DAISY-Buch verändern, also wie bei einer Baumansicht mit Hilfe der Pfeiltasten beeinflussen. Eine schnelle Wandlung eines ganzen Verzeichnisses, ausgelöst durch wenige Auswahlschritte über das Kontextmenü bzw. über die Anwendungstaste, rechte Maustaste, ist jetzt ebenfalls möglich. Weitere Funktionseigenschaften werden folgen, die das Programm immer komplexer werden lassen, jedoch die einfache Bedienbarkeit erhalten. Die zur Wandlung in Audio erforderliche Stimme muss im PC vorhanden sein; "MAX" bringt keine mit. Als Stimmen funktionieren auch die heute aktuellen und sehr gut verständlichen SAPI-5-Stimmen, wie z. B. Reiner, Klara oder Steffi. Dräger & Lienert bietet natürlich auch derartige Stimmen zum Kauf an.
Das Programm "MAX" kostet in der Standardversion 250 und in der Profiversion ca. 1 950 Euro, jeweils zusätzlich mit Mehrwertsteuer. Es kann unter der unten aufgeführten Internetadresse über den Link MAX heruntergeladen werden, wobei dabei eine msi-Datei als Windowsinstaller auf die Festplatte gespeichert wird, die dann aktiviert werden muss. Die Standardversion als Demo funktioniert als vollwertiges Programm innerhalb der ersten 30 Tage nach Installation. Bezüglich Anfragen zu "MAX" können Sie sich wenden an:
Dräger & Lienert Informationsmanagement GbR
Stadtwaldstr. 62, D 35037 Marburg
Tel.: 06421 165555, Fax: 06421 165556
E-Mail: info@dlinfo.de
Internet: www.dlinfo.de
Natürlich stehe ich Ihnen in der DZB für Fragen oder Hinweise gern zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren von und bei der Arbeit mit "MAX".

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Info-Service

Auch blinde Menschen kochen gern - das "Rezeptheft zum ARD-Buffet Magazin" im DAISY-Format

Zum "Internationalen Tag der Behinderung" am 3. Dezember stellte die DZB die erste monatlich im DAISY-Format erscheinende Kochrezeptzeitschrift für Blinde und Sehbehinderte vor (Ankündigung in DZBN 6-2007).
Realisiert wird das Projekt in enger Kooperation mit der SWR Media Services GmbH. Gert Bühringer, Abteilungsleiter Serviceprogramme des SWR und früherer langjähriger Redaktionsleiter des ARD-Buffet, erzählt, dass es seit Ausstrahlungsbeginn intensive Kontakte zu blinden und sehbehinderten Zuschauern gab. Deshalb hat den SWR sofort die Idee überzeugt, das "Rezeptheft zum ARD-Buffet" lizenzfrei in eine Form übertragen zu lassen, die für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich ist.
Ab Januar 2008 erscheint die DAISY-Zeitschrift zeitgleich mit der Printausgabe des Rezeptheftes. Jedem Monat werden unterschiedliche Wochenthemen zugeordnet. Im Januar sind dies: "Eintopf-Gerichte", "Gerollte und gewickelte Köstlichkeiten", "Nuss-Küche", "Kochen mit Reis" und "Küchen-Klassiker". Zu jedem Thema gehören dann wiederum mehrere Rezepte. - Auch wer sich auszukennen glaubt, wird hier noch die eine oder andere Überraschung erleben: Oder haben Sie eine konkrete Vorstellung von einer "Thüringer Bratwursttorte"?
Die Hörer der DZBN-DAISY-Fassung finden die erste Ausgabe des Rezeptheftes auf dieser CD und können schon mal einen Test starten. Allen anderen senden wir natürlich auch gern eine kostenlose Probeausgabe zu.
Interessenten melden sich bitte in der DZB unter Tel. 0341 7113-120 bzw. E-Mail verlag@dzb.de. Infos zum ARD-Buffet selbst erhalten Sie unter www.swr.de/buffet.

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Der beste Profi-Vorleser Deutschlands

Der blinde Hörbuch-Sprecher und Theologe Reiner Unglaub aus München ist der beste Vorleser Deutschlands. Er wurde mit dem Deutschen Vorlesepreis in der Kategorie Profi-Vorleser geehrt, wie die Stiftung Lesen am 6. Oktober mitteilte. Der 65-Jährige - so heißt es in der Mitteilung des Deutschen Depeschendienstes weiter - engagiert sich den Angaben zufolge seit über 40 Jahren in der Sprecherziehung und der Literaturvertonung.

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Taubblinde Menschen in Deutschland

Wie der Sozialreferent des DBSV, Herr Reiner Delgado, in einem am 19.11.07 an alle Landesvereine bzw. -verbände im DBSV versandten Rundschreiben mitteilte, hat der gemeinsame Fachausschuss hörsehbehindert/taubblind (GFTB) versucht, Anhaltspunkte zur Ermittlung der Zahl taubblinder Menschen in Deutschland zu sammeln.
Das vorliegende Ergebnis besagt, dass die Zahl taubblinder Menschen in Deutschland wahrscheinlich zwischen 2.500 und 6.000 Personen liegt.

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Berufliche Qualifizierung zum Onlineredakteur

Peter Schwinn
Onlineredakteure können überall dort eingesetzt werden, wo Informationen über das Internet verteilt werden. Das kann zum Beispiel in der innerbetrieblichen Kommunikation die Pflege des Intranets bedeuten. Dazu könnte das Verfassen von Newslettern gehören, das Schreiben von firmenspezifischen Berichten - von der Beschreibung eines neuen Produkts bis hin zum Jubiläum eines Kollegen. Die Aufgabe könnte auch darin bestehen, Internetportale mit Meldungen und Beiträgen zu aktuellen Themen zu bestücken.
Seit nahezu 20 Jahren bietet die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte (vormals Stiftung Blindenanstalt) berufliche Qualifizierungen und Ausbildungen im Bereich "Medien" an. In konzeptioneller Weiterentwicklung der bisherigen Angebote "Dokumentation und Information" sowie "Public Relations" werden seit Oktober 2007 in Trägerschaft der Frankfurter Stiftung zwei Sehgeschädigte zu Onlineredakteuren in Verbindung mit der Journalistenakademie München und im Rahmen einer einjährigen Qualifizierungsmaßnahme weitergebildet. Die Qualifizierung schließt eine mehrmonatige berufspraktische Phase ein. Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung durch die Journalistenakademie München zertifiziert.
Am 21. April 2008 startet ein neuer Kurs in München, an dem wiederum sehgeschädigte Interessenten integrativ teilnehmen können. Voraussetzungen sind Hochschul- oder Fach-hochschulabschluss bzw. Abitur und berufliche Erfahrung sowie eine Finanzierungszusage durch die zuständigen öffentlichen Kostenträger. Bei der Beantragung der Finanzierung ist die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte behilflich.
Interessenten können sich ab sofort beraten lassen bzw. bewerben bei der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte:
Büro Berlin, Herrn Schwinn,
Tel.: 030 26347214
E-Mail: schwinn@sbs-frankfurt.de

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Neues von der Initiative Lebensweg

Wir informierten bereits über die "Initiative Lebensweg" (DZBN 2003-6, DZBN 2005-3). Deren Initiatoren konnten nunmehr ihr erstes Buch veröffentlichen: In "Ungeliebtes Inzestkind" erzählt Lutz Rößler sein Leben und berichtet von den zahlreichen Aktivitäten des gemeinsam mit seiner Frau Kerstin gegründeten Bürgervereins zur Anerkennung von Opfern aus Inzest, Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch.
Das Buch ist als Schwarzdruckausgabe (ISBN 978-3-939822-06-6) sowie als PDF-Datei und auf CD-ROM erhältlich. Ab Frühjahr soll auch eine Hörfassung lieferbar sein.
Kontakt:
http://www.donny-stieven-verlag.de
Tel.: 030 43917097
Info Initiative Lebensweg:
http://www.prohlis-online.de/lebensweg
Tel.: 0173 9340259

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Gitarrenkurs als Hörbuch

Pressemitteilung
Bernd Jagla, selbständiger Gitarrentrainer aus Hannover, hat einen Gitarrenkurs als Hörbuch entwickelt, der speziell für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet ist.
Die Lernreihe besteht aus 2 Grundkurs-CDs und derzeit 2 Themen-CDs (Weihnachtslieder und Country/Folk-Songs).
Jede dieser Themen-CDs kann direkt im Anschluss an die beiden Grundkurs-CDs erarbeitet werden - ganz nach musikalischem Geschmack.
Hörbeispiele werden auf der Gitarre sofort, Ton für Ton, langsam vorgespielt. So ist eine synchrone Selbstkontrolle möglich. Der Lernende kontrolliert im selben Moment, ob die eigene Gitarre genauso klingt.
Die Songs wurden im Kanaltrennungsverfahren aufgenommen. Auf dem linken Lautsprecherkanal sind die Gitarre und der Gesang zu hören und auf dem rechten Kanal zeitgleich ein Taktgeber als akustisches Signal und die Akkordansage. Die Playbacks der Trainingslieder dienen somit als Erfolgskontrolle und zeigen den Übungsbedarf an.
Kontakt:
Bernd Jagla
Bahnhofstraße 29, 29614 Soltau
Tel.: 05191 979171 oder 0511 7001221
E-Mail: info@gitarrenlerncd.de
www.gitarrenlerncd.de

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder CD DAISY 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
Internet: www.dzb.de
E-Mail: verlag@dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse
Telefon: 0341 7113-135
Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann
Telefon: 0341 7113-120
Spenden:
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto-Nr.: 1 100 830 010
DZB 2008

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