DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 4 – 2009

Juli /August

19. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Recht auf Braille

Wir laden Sie zum Anwenderforum DAISY2009 ein!

Vorschau Kalender 2010

Kalender mit Kombination Braillschrift und Großdruck

Kalender in Brailleschrift

Kalender in Großdruck

Wie war das damals?

Maria Theresia Paradis

200 Jahre Blindenbildung in Sachsen: blinde und sehbehinderte Blindenlehrer

Die Kramkiste

Robert Louis Stevenson: "Entführt"

Alessandro Manzoni: "Die Nonne von Monza"

Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Jane Austen: "Stolz und Vorurteil"

LOUIS

TextScout - Text vorlesen lassen mit Hilfe des Handys

Info-Service

10 000. DAISY-Titel nun im Bestand!

Neues Projekt: LEIBNIZ

DAISY Web Player gewinnt den AKEP Junior Award

Straßenfest der Leipziger Bibliotheken und Archive

Louis-Braille-Festival der Begegnung

Finale der Tour de Braille

Erinnerung an den Tag der offenen Tür

Impressum

Vorbemerkung

Wir leben in einer Zeit, die geprägt ist von sozialem Wandel und technologischem Fortschritt - die miteinander nicht immer im Einklang zu stehen scheinen.
Da sind einerseits die neuen, besseren und auch teureren Hilfsmittel, andererseits gibt es immer wieder Bestrebungen, gerade die Gelder zu kürzen, die u.a. zum Erwerb dieser Hilfsmittel herangezogen werden.
Analoge Hörbücher auf Magnetband werden abgelöst von digitalen Bits und Bytes, die ihren Inhalt strukturiert und navigierbar erschließen lassen und gleichzeitig wird der Erfinder einer Schrift gefeiert, die man ursprünglich seitenverkehrt mittels Griffel und Schablone ins Papier graben musste.
Wir erleben euphorisch, ängstlich, staunend oder ungläubig den Übergang ins digitale Zeitalter und registrieren solche scheinbaren Widersprüche als ein Merkmal von Zeiten im Wandel.
Herzlichst grüßt
Ihr Karsten Sachse

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Recht auf Braille

Der DBSV-Verwaltungsrat beschloss auf seiner Tagung am 8. und 9. Mai in Mainz eine Erklärung, die für Blinde das Recht auf Braille einfordert. Es folgen Auszüge aus der am 7. Mai veröffentlichten Pressemitteilung mit dem Wortlaut der so genannten "Mainzer Erklärung":
Mainzer Erklärung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV), der Bundesvereinigung Eltern blinder und sehbehinderter Kinder e. V., des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V., der Pro Retina Deutschland e. V. und des Verbandes für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik e. V. zum nachhaltigen Ausbau von Informationsangeboten in Blindenschrift:
Seit der Erfindung der Blindenschrift durch Louis Braille sind blinde Menschen in der Lage, in einer Welt des Sehens selbst zu lesen und zu schreiben. Heute sind die sechs tastbaren Punkte mehr und besser verfügbar als je zuvor und das nicht nur in gedruckten Braillebüchern, sondern am Computer, auf Fahrstuhlknöpfen, Treppengeländern, Medikamentenverpackungen und Speisekarten. Brailleschrift ist die optimale Schrift für sensible Fingerkuppen:
Man mag sich mit gehörten Texten die Freizeit vertreiben, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften hören, doch erst durch eigenes Lesen erschließt sich der volle Sinn des geschriebenen Textes und entwickeln und erhalten sich gute Rechtschreibkenntnisse. Wer kompliziertere Texte lesen, auch selbst Dinge aufschreiben, anderen vorlesen, Fremdsprachen erlernen oder Computerprogramme bedienen will, muss die Brailleschrift beherrschen. Auch für erfolgreiches Arbeiten im Beruf ist sie unerlässlich.
Die Fähigkeit, selbst zu lesen und zu schreiben, muss daher auch stets das Ziel der Bildung für blinde Menschen sein.
Betroffene, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer fordern deshalb gemeinsam:
Der 200. Geburtstag von Louis Braille in diesem Jahr ist uns Anlass, die großen Fortschritte in Bildung, Information, Selbstbestimmung und Lebensqualität zu feiern und einem drohenden Schriftkompetenzverlust blinder Menschen entgegenzutreten.
[Quelle: Newsletter "DBSV-direkt"]

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Wir laden Sie zum Anwenderforum DAISY2009 ein!

DAISY2009 - das ist der internationale Treffpunkt für Anwender und Entwickler moderner Informationstechnologien in diesem Jahr.
Passend zum bevorstehenden Ende der Kassettenausleihe präsentiert die DZB Leipzig vom 21. bis 27. September 2009 ein umfangreiches Programm rund um das Thema DAISY.
Neben der deutschsprachigen Fachtagung mit dem Titel "Barrierefreie Aufbereitung von Dokumenten" und der DAISY International Technical Conference findet am 23. September das DAISY-Anwenderforum statt. Wir laden Sie dazu herzlich ein! Das Anwenderforum richtet sich an alle, die mehr über DAISY erfahren möchten, die neugierig auf aktuelle DAISY-Angebote sind, die von Kassette auf DAISY umsteigen möchten.
Was wird geboten?
Am Vormittag haben Sie die Möglichkeit, sehr anwenderorientierte Vorträge der Fachtagung "Barrierefreie Aufbereitung von Dokumenten" zu hören. Nachmittags gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Diskussionsrunden und dem DAISY-Karussell, bei dem viele Anbieter ihre brandaktuellen DAISY-Produktionen kurz und knackig vorstellen. Die Moderation übernimmt Deutschlands Hörbuchjournalist Nummer 1, René Wagner.
Ganztags findet "DAISY zum Anfassen" statt. Hilfsmittelanbieter und DAISY-Mobil-Trainer nehmen sich die Zeit, gemeinsam mit Ihnen DAISY-Geräte auszuprobieren und Sie zu beraten. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, die DZB bei einer Führung kennen zu lernen. Von 9 bis 17 Uhr hat parallel zum Programm eine Hilfsmittelausstellung geöffnet. Mehr als 20 Aussteller erwarten Sie.
Das DAISY-Anwenderforum findet am 23. September 2009 von 9 bis 16 Uhr im Hotel RAMADA Leipzig, Schongauer Straße 39, statt. Sie erreichen das Tagungshotel vom Hauptbahnhof leicht und bequem mit Tram 3 und 7 Richtung Sommerfeld, Ausstieg Paunsdorf Center. Assistenzkräfte können Sie vom Bahnhof oder von der Tramhaltestelle abholen. Fürs leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt - das Tagungshotel RAMADA verkauft beim Anwenderforum Getränke und kleine Speisen.
Alle Informationen zum DAISY-Anwenderforum finden Sie unter www.daisy2009.de, oder Sie schreiben einfach an info@daisy2009.de.
Wir freuen uns auf Sie!
Jenni Handschack im Namen aller DZB-Mitarbeiter

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Vorschau Kalender 2010

Die Kalender sind teilweise schon lieferbar. Vorbestellungen werden für alle angenommen.

Kalender mit Kombination Braillschrift und Großdruck

Wandkalender 2010 "Historische Handwerkszeichen"
Der Relief-Wandkalender stellt insgesamt zwölf Berufsstandszeichen des deutschen Handwerks vor.
Einige der dargestellten Handwerke sind schon nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein vorhanden, wie zum Beispiel "Wäscher und Plätter", andere repräsentieren immer noch bekanntes und in der Gegenwart tätiges Handwerk, z.B. "Fleischer" und "Schornsteinfeger".
Teilweise existieren diese Berufsstandszeichen in ihrer grundsätzlichen Form schon sehr lange, andere wurden erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts geschaffen. Die verwendeten Symbole gehen größtenteils auf alte Traditionen oder Werkzeuge zurück. Allen gemeinsam ist ein Stück Geschichte und der Anspruch auf handwerkliche Spezialisierung und Perfektion.
Jedes Motiv ist auf einem transparenten Relief dargestellt, das mit einem Vierfarbdruck unterlegt ist. Ein Text zu jedem Motiv erläutert die Darstellung und vermittelt interessante Fakten. Kalendarium und Texte in Blindenvoll- und Schwarzschrift.
Verkauf nur solange Vorrat reicht!
Format 27 x 34 cm, 18,00 €
BNV 6411

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Kalender in Brailleschrift

Jahreswandkalender 2010
Kalendarium in Vollschrift auf Folie. Jeweils 3 Monate sind nebeneinander, Quartale untereinander angeordnet. Kennzeichnung der gesetzlichen bundesweiten Feiertage und Mondphasen. Für die Wandanbringung vorgesehen.
Blatt im Format 42 x 50 cm, 3,80 €, BNV 6406
Taschenkalender 2010 Version A, Vollschriftausgabe
Handlich, praktisch, konzentriert: Kalendarium mit Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage, geklammert.
1 Heft, Format 11 x 13 cm, 2,10 €, BNV 6412
Taschenkalender 2010 Version B, Kurzschriftausgabe
Handlich, informativ, ausführlich: gesetzliche Feiertage, Schulferientermine, Wochenzahl, Arbeitstage, Mondphasen. Service-Teil mit wichtigen Telefonnummern.
Neben jedem Monatskalendarium ist ein Notizblatt eingebunden. Die Ringbindung ermöglicht bequemes Umblättern und bei Bedarf eine Nutzung als Tischkalender.
Ringbroschur, Format 11 x 13 cm, 6,00 €
BNV 6413 - lieferbar
Taschenkalender 2010 Kurzschrift flexi+
Ringbuch in opakem Dunkelblau, Rückenbreite: 25 mm. Die 2-Ring-Rund-Mechanik erlaubt das flexible Einheften von Notizblättern bis zu einer Füllhöhe von 20 mm. Ein Lesezeichen garantiert die Orientierung. Mit 25 Notizblättern.
Ringbuch, Format 11 x 16 cm, 7,90 €, BNV 6415
Nachfüllpack Taschenkalender 2010 Kurzschrift flexi+
Kalendarium 2010 und 25 gelochte Einlegeblätter, 5,90 €, BNV 6515
Nachfüllpack Notizblätter für Taschenkalender Kurzschrift "flexi+"
25 gelochte Einlegeblätter, 1,90 €, BNV 6089

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Kalender in Großdruck

Großdruck-Wandkalender 2010
Die Zahlen und Buchstaben in diesem Kalender sind 2,5 cm groß! Enthalten sind u.a. die Termine für die Schulferien in den Bundesländern, Mondphasen. Viel Raum für Notizen.
Hochformat A3, Ringbindung mit Aufhängung, 9,90 €, BNV 6405 - lieferbar
Großdruck-Taschenkalender 2010
Schriftgröße von 8 mm im Taschenformat. Gegliedert in Monats- und Wochen-Kalendarium. Im Wochenkalendarium mit Mondphasen umfasst jede Woche eine Doppelseite, so dass für jeden Werktag zwei Zeilen Raum für Notizen zur Verfügung stehen. Ein Service-Teil informiert über wichtige Telefonnummern.
Format 12 x 14 cm, 6,00 €, BNV 6414 - lieferbar
Großdruck-Tischkalender 2010
Das günstige Format bietet genügend Raum für eigene Notizen, die Ringbindung gestattet flexibles Auf- oder Umschlagen der Seiten.
Enthalten sind u.a. die Termine für die Schulferien in den Bundesländern, Mondphasen.
Querformat A4, Ringbindung, 7,90 €
BNV 6404 - lieferbar

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Wie war das damals

Maria Theresia Paradis

Susanne Siems
Braille zu ehren ist eine wichtige und schöne Aufgabe. Offensichtlich vergessen aber ist über dem wohlverdienten Jubel eine bedeutende Wegbereiterin, deren Geburtstag sich am 15. Mai zum 250. Mal jährte.
Tritt ein wenig zur Seite Louis, überlass' der Älteren einen Platz neben Dir. Wenn es Maria Theresia Paradis nicht gegeben hätte, damals in Wien, Du hättest keinen Unterricht erhalten im Pariser Blindeninstitut. Und Deine wohlbekannte Lebensgeschichte wäre wohl gänzlich anders verlaufen. Wie das zusammenhängt, liebe Leserinnen und Leser?
Hören Sie, was in den Büchern steht:
Eine junge blinde Frau beeindruckte Ende des 18. Jahrhunderts halb Europa mit ihrem Charme und ihrer Virtuosität als Musikerin.
1759 wurde sie in Wien geboren. Abgesehen von ihren Konzertreisen durch Europa sollte sie auch zeitlebens eng mit der österreichischen Metropole verbunden sein und im Februar 1824 dort sterben. Bis dahin wird sie ein reiches Leben gelebt haben, dank eines besonderen Talentes, ihrer ausgesprochen großen Musikalität und hoher Intelligenz, vor allem aber dank vieler aufmerksamer Wegbereiter und Freunde.
Im Alter von drei Jahren erblindete Maria Theresia von einem Tag auf den anderen. Es werden unterschiedliche Ursachen angegeben von Nervenschock bis zu fatalen Nebenwirkungen angewandter Medikamente. Fürsorge und Umsichtigkeit der Eltern verhalfen dem Kind aber recht bald zu einer guten musikalischen Ausbildung. Hofrat Wolfgang von Kempelen lehrte sie Lesen und Schreiben und er entwickelte eigens für die blinde Frau eine Handdruckpresse. Die erhabene Darstellung der Schrift der Sehenden reichte Ende des 18. Jahrhunderts nicht, um Bücher zu lesen, die Dichter ihrer Zeit lernte das Mädchen über vorgelesene Texte kennen. Die junge Frau war aber dem Hofrat zeitlebens in tiefer Dankbarkeit für die Erfindung seines Druckapparates verbunden, denn er ermöglichte ihr das Schreiben. Es schien ihr, als ob ihr Geist endlich in große Freiheit entlassen war. Ihr Dankesbrief an von Kempelen ist überliefert, hier nur ein Satz daraus, der vielleicht ein wenig ihre tiefe Freude widerspiegelt: "Hier sehen Sie die Erstlinge der vortrefflichen Erfindung, wodurch Sie Ihre blinde Schülerin bis zum möglichsten Grade beseeliget, und beynahe möchte ich sagen, mit einem neuen Sinne bereichert haben."
Dies schrieb sie 1779. Doch trotz ihrer umfassenden Bildung in Literatur, Geschichte, Geographie und ihres gerühmten Talentes für Sprachen - am meisten beeindruckt waren die Menschen ihrer Zeit von Gesang und Klavierspiel Maria Theresias. Und hier fand sie wohl auch den für sich geeignetsten künstlerischen Ausdruck ihrer Seele. Gemeinsam mit ihrer Mutter begab sich die Künstlerin 1783 auf eine erste Konzertreise durch Europa. Sie lernte viele Persönlichkeiten ihrer Zeit kennen, so zum Beispiel den Dichter Gottfried August Bürger. Während dieser Konzertreise, die über zwei Jahre bis 1785 währte, kam es zu der Begegnung, die für blinde Menschen in der ganzen Welt so wichtig werden sollte. Nachdem Maria Theresia, ihre Mutter und die Begleiter durch Deutschland und die Schweiz gereist waren, trafen sie im März 1784 in Paris ein. Maria Theresia Paradis gab mindestens einmal wöchentlich ein Konzert und löste, wie auf der ganzen Reise bisher, Begeisterungsstürme aus. Einer ihrer Zuhörer war Valentin Haüy. Der 38-jährige Sprachwissenschaftler trug sich schon längere Zeit mit dem Gedanken, eine Bildungsanstalt für Blinde zu errichten, denn er wehrte sich schon damals gegen die Auffassung vieler seiner Zeitgenossen, dass Blinde nur für Jahrmärkte und zum Betteln geboren sind. Allerdings glaubte auch er nicht an eine besonders hohe Bildungsfähigkeit blinder Menschen. Wie dankbar müssen wir Fräulein Paradis sein, dass sie mit ihrem Können, ihrer Freundlichkeit und Intelligenz, Haüy vom Gegenteil überzeugte. Die wohl tägliche Begegnung Beider im Paris des Jahres 1784 kann man als den eigentlichen Beginn der Blindenbildung bezeichnen. Haüy war mehr als beeindruckt von den Leistungen dieser Frau, aber auch von ihren Hilfsmitteln. In einem 2005 erschienenen Buch von Marion Fürst liest sich das so: "Sie wusste ihm manches zu berichten, womit das Leben der Blinden erleichtert werden konnte. Es war vor allem der Setzkasten, den die Paradis von Kempelen erhalten hatte, der Haüy beeindruckte. Sie berichtete ihm aber auch von ihrem blinden Freund Weissenburg in Mannheim, von dem sie eine Saundersonsche Rechentafel und geometrische Konstruktionen, auf Pappe aufgezogen, erhalten hatte. Sie zeigte ihm ihre Landkarten, die sie gleichfalls Weissenburg verdankte, auf denen die Ländergrenzen durch Schnüre, die Flüsse durch Drähte, die Orte durch Nadelköpfe verschiedener Größe markiert waren. Sie führte ihm vor, wie sie in Spiegelschrift gestochene Buchstaben auf der verkehrten Seite mit dem Finger lesen konnte." Bereits im Mai 1784 unterrichtete Haüy den ersten Schüler, schnell wurden es mehr und es entstand das "Königliche Institut für junge Blinde". Dessen berühmtester Schüler wiederum war - Louis Braille.
Dem halbjährigen Pariser Aufenthalt Maria Theresias folgte eine Zeit in London, nach einem Konzert in Brüssel 1785 wiederum der Besuch zahlreicher deutscher Städte. in Hamburg war sie wohl zu Gast im Hause Carl Philipp Emanuel Bachs und lernte dort auch den Dichter Klopstock kennen. Überhaupt dürfte der Name Paradis in vielen Biographien bekannter Persönlichkeiten jener Zeit vielleicht so wie ganz nebenbei auftauchen. Denn, egal wo sie war, sie schien alle mit ihrem Wesen und Können in den Bann zu ziehen.
Dennoch bleiben viele Fragen zu ihrer Person, auch weisen viele Biographen auf die Lückenhaftigkeit der Angaben hin. Wer war sie wirklich? Sicherlich sind Bewunderung und eine halbwegs gesicherte Existenz nicht zu unterschätzende Dinge. Aber wer verbarg sich hinter der strahlenden, immer heiter wirkenden blinden Frau? Nach ihren Konzertreisen in den achtziger Jahren sollte sie Wien kaum mehr verlassen. Sie komponierte viel und gab, sozusagen als erste blinde Lehrerin, Musikunterricht.
Wie viele ihrer Bewunderer aber haben sie als Mensch gesehen, der dank eines besonderen Talentes einen fehlenden Sinn ersetzen konnte? Und wie viele sahen in ihr nur die Blinde, die besonders gut Klavierspielen konnte?
Fragen, die es immer wieder geben wird im Bezug auf besondere Talente. Ich stelle mir manchmal vor, all diese Menschen, die etwas bewegt haben in ihrer Zeit, hätten sich treffen können: Maria Theresia, Louis, Helen Keller. Sicher wäre Maria Theresia eine begeisterte Anwenderin der Brailleschen Schrift gewesen, und zusammen musiziert hätten sie allemal. Und mit Helen Keller über Literatur diskutiert.
Am Ende dieses Beitrages bleibt mir nur noch, einen Vorschlag zu machen: Sollte man den schönen Slogan "Mein Braille" nicht umbenennen in "Mein Braille-Paradi(e)s"?
Literaturempfehlungen:

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200 Jahre Blindenbildung in Sachsen: blinde und sehbehinderte Blindenlehrer

Dr. Werner Uhlig
Da kann einer schon nachdenklich werden! Blinde und sehbehinderte Lehrer hat es seit 1891 an den Blindenschulen Dresden, Leipzig und Chemnitz gegeben. Heute sind in Chemnitz noch zwei hochgradig sehbehinderte Berufsschullehrerinnen im Dienst. Noch einige Jahre und dann ist die Spezies blinder und sehbehinderter Schul- und Berufsschullehrer hierzulande aus der Blindenpädagogik verschwunden. Dies hat offensichtlich mit dem Problem, welche Wege die Blindenbildung heute und in Zukunft geht, zu tun.
Hier soll voller Anerkennung und Dankbarkeit Rückschau gehalten werden auf jene von unserem Schicksal selbst betroffenen Lehrerinnen und Lehrer, die ja gerade als solche wesentlichen Anteil hatten bei der Heranbildung lebenstüchtiger Frauen und Männer an den sächsischen Blindenschulen. Der Nutzeffekt auch der Pädagogik ist an ihren Ergebnissen zu messen.
Geschickte Handwerker und zuverlässige Industriearbeiter, qualifizierte Bürofachkräfte, Masseure, Programmierer, Fach- und Hochschullehrer, darunter promovierte und habilitierte Dozenten und Professoren, hat auch die Blindenbildung in Sachsen hervorgebracht. Das sind großartige Leistungen, auf die unsere Lehrer mit berechtigtem Stolz verweisen können.
Angefangen hat es in den 1890er Jahren. Da wurde unter den sehenden Blindenlehrern heftig hin und her diskutiert, ob Blinde und hochgradig Sehbehinderte als Lehrer an Blindenschulen eingesetzt werden können. Es wurde schließlich ausprobiert, denn einige Blinde gaben als Privatlehrer Klavierstunden oder auch Sprachunterricht zur vollen Zufriedenheit der Schüler bzw. ihrer Eltern. Natürlich war da ein großer Unterschied, ob jemand im Einzelunterricht Privatstunden gab oder erst einmal erfolgreich das Studium an einem Lehrerbildungsinstitut bzw. an einer Pädagogischen Hochschule absolvieren und dann als Angehöriger eines staatlichen Lehrkörpers den regulären Lehrplan mit jeweils einer ganzen Schülerklasse bewältigen musste. Die Klassenstärken an den Blindenschulen waren kleiner als an den Normalschulen. Dadurch ließen sich Blinde sowie hochgradig sehbehinderte Schüler in kleinen Klassen auch von befähigten und gut ausgebildeten blinden und sehbehinderten Lehrern verantwortlich beaufsichtigen.
Wie man weiß, ist dieses pädagogische Experiment geglückt, und wohl an allen Blindenschulen, keineswegs nur in Sachsen, sind in der Vergangenheit blinde und sehbehinderte Lehrer tätig gewesen.
Zurück zur staatlichen Königlich-Sächsischen Blindenanstalt nach Dresden:
Fritz Wagner
Am 4. April 1891 ist er, vollblind, als Musiklehrer in der staatlichen Landesblindenanstalt Dresden angestellt worden. Im Jahr 1905 siedelte er mit der Blindenschule nach Chemnitz-Altendorf um. Er hatte erfolgreich die staatliche Musiklehrerprüfung abgelegt, gründete und leitete viele Jahre das Blasorchester der Chemnitzer Blindenanstalt, gab Unterricht für Klavier und Blasinstrumente, leitete den Schulchor und ist auch als Organist in der Anstaltskirche tätig gewesen. Außerdem unterrichtete er Deutsch, Rechnen und Religion. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges wurde Fritz Wagner der erste blinde sächsische Staatsbeamte. Er wurde nach 45 Dienstjahren am 30. April 1936 aus dem Schuldienst verabschiedet. Ehrenamtlich engagierte er sich als Vorsitzender des Blindenvereins von Chemnitz und Umgebung im Landesblindenverband Sachsen und wurde in der DDR von Dr. Helmut Pielasch, dem Präsidenten des Blinden-und-Sehschwachen-Verbandes, mit dem Louis-Braille-Preis ausgezeichnet. Ihm zur Erinnerung wurde der kleinen Siedlung neben dem heutigen Rehabilitationszentrum für Blinde und Sehbehinderte vom Rat der Stadt Chemnitz auf Antrag von Mitgliedern der Arbeitsgruppe Geschichte beim Landesvorstand des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbandes Sachsen e. V. in den 1990er Jahren der Name "Fritz-Wagner-Siedlung" verliehen. (1)
Kurt Naumann
Er hatte das Lehrerbildungsseminar in Leipzig absolviert und an der Universität mehrere Semester Philosophie, Pädagogik, Geschichte, Germanistik und Volkswirtschaft belegt. 1917 im Krieg fast völlig erblindet und erst 1919 aus dem Lazarett entlassen, bestand er erfolgreich die zweite Lehrerprüfung (Wahlbefähigungsprüfung) sowie die Blindenlehrerprüfung. Er wurde 1921 für zwei Jahre auf Probe an der Chemnitzer Blindenschule beschäftigt. Am 1. April 1923 schließlich ist er als blinder Blindenlehrer und in der Eigenschaft als sächsischer Staatsbeamter in der Chemnitzer Blindenanstalt fest angestellt worden.
Naumann gab Unterricht in Deutsch, Geschichte, Geografie, Biologie, Mathematik und Geometrie. Er war Mitglied des Landesblindenausschusses Sachsen und Redakteur der "Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde in Sachsen". 1943 musste er wegen schwerer Erkrankung an Tbc aus dem Schuldienst ausscheiden. (2)
Georg Köpping
Ein zweiter Musiklehrer wurde gebraucht und während des Schuljahres 1926/1927 angestellt. Er sollte im Musikunterricht die Nachfolge von Fritz Wagner antreten. Georg Köpping war vollblind und gab Stunden für Klavier, Flöte, Akkordeon, Trompete sowie Trommeln und Pauken. Außerdem übernahm er die Leitung des traditionsreichen Blasorchesters der Blindenanstalt. Große Anerkennung ist Georg Köpping besonders in der Advents- und Weihnachtszeit mit seinem Flötenquartett und dem Posaunenchor der Schüler zuteil geworden. Nie aber hat er den Schulchor geleitet. Nach 1945 war Köpping mit Unterbrechungen noch bis zu seiner Kündigung 1948 als Musiklehrer tätig und erhielt letztmalig in den Jahren 1962 bis 1970 in der Chemnitzer Blindenanstalt einen befristeten Arbeitsvertrag.
Es ist bemerkenswert, dass bis 1945 die Kinder und Jugendlichen in der Chemnitzer Blindenschule keinen Musikunterricht für Saiteninstrumente, wie Gitarre, Mandoline, Zither oder Geige, hatten.
Albrecht Jost
Am 3. Mai 1936 ist vom Sächsischen Ministerium des Innern der hochgradig sehbehinderte Organist Albrecht Jost - neben Georg Köpping - für den am 30. April 1936 in den Ruhestand verabschiedeten Fritz Wagner als neuer Musiklehrer eingesetzt worden. Jost wurde Chorleiter und gab Klavierstunden sowie Musikgeschichte. Er ist bis Kriegsende 1945 in der Landesblindenschule angestellt gewesen. Es waren eindrucksvolle Chorkonzerte, die Jost mit dem Blindenchor der Öffentlichkeit bot. (3)
Im Oktober 1945 - also ein halbes Jahr nach Kriegsende - ist der reguläre Unterricht in der Chemnitzer Blindenanstalt wieder aufgenommen worden. Aus politischen und fachlichen Gründen übernahm die neue Schulleitung vom alten Lehrkörper nur drei Sehende: die Handarbeitslehrerin Hertha Fritzsche sowie die beiden Blindenoberlehrer Walter Hess und Odo Mönch. Nach und nach kamen neue Lehrer und Erzieher in die Blindenanstalt. Im Unterschied zu vergangenen Zeiten und auch im Unterschied zu anderen deutschen Blindenschulen stieg dabei in Chemnitz der Anteil blinder und sehbehinderter Blindenlehrer stark an.
In Sachsen hatten sich dafür Voraussetzungen entwickelt, die es vorher und auch anderswo in dieser Art nicht gab. Zwei politisch profilierte und auf dem Gebiet des Blindenwesens kompetente Männer, die bereits vor 1933 im Reichsdeutschen Blindenverband und natürlich besonders in Sachsen eine herausragende Rolle gespielt hatten, nutzten 1945/1946 die Gunst der Stunde des gesellschaftlichen Neubeginns, um maßgeblichen Einfluss auf den Wiederaufbau des Blindenwesens einschließlich der Blindenbildung zu nehmen.
Das waren Johannes Hausdorf (Dresden) und Max Schöffler (Leipzig).
Hausdorf war bis zur Nazizeit der Vorsitzende des Verbandes der Blindenvereine im Freistaat Sachsen. Schöffler wirkte als Vorsitzender des Allgemeinen Blindenvereins Leipzig und zuletzt bis zu seiner Verhaftung in München als Geschäftsführer des Bayerischen Blindenbundes. Als streitbarer Gegner des Naziregimes - fünfmal verhaftet, darunter 15 Monate von 1941 bis 1943 in Bautzen eingesperrt -, als zeitweiliges Mitglied der Leipziger Stadtverordnetenversammlung und als erster blinder Direktor der DZB, die unter seiner Leitung ab 1946 aus den Trümmern des Krieges wiederentstand, verfügte er über verlässliche Kontakte zu den kultur- und bildungspolitischen Schaltstellen der neuen sächsischen Landesverwaltung.
Noch stärker aber kamen Hausdorfs Entscheidungsbefugnisse für die sächsische Blindenbildung zum Tragen. Er hatte seinen großen sozialpolitischen Erfahrungsschatz nicht nur im Reichsdeutschen Blindenverband, sondern auch durch engagierte Mitarbeit im Zentralverband der Arbeitsinvaliden, Witwen und Waisen Deutschlands während der 1920er Jahre gesammelt und damals schon allerseits viel Anerkennung und Vertrauen erworben. Das kam ihm mit dem Kriegsende sofort sehr zustatten. Bereits im Mai 1945 erteilte die Stadtverwaltung Dresden Johannes Hausdorf den Auftrag, erste Maßnahmen zur Betreuung der Blinden in der zerstörten Landeshauptstadt einzuleiten. Im Oktober 1945 ist er in die Landesverwaltung Sachsen berufen worden, die auf seine Initiative hin ein spezielles Sachgebiet für Blindenfragen schuf. Der Sachgebietsleiter hieß natürlich Johannes Hausdorf, und von dieser Position aus führte er Regie über alle blindenrelevanten Probleme in Sachsen einschließlich der Schul- und Berufsausbildung in der Landesblindenanstalt Chemnitz. Nachdem im Frühjahr 1946 die ersten Kommunal- und Landtagswahlen in Sachsen stattgefunden hatten, avancierte Hausdorf zum Regierungsrat, später Oberregierungsrat und schließlich 1950 zum Ministerialrat mit wachsenden Kompetenzen und politischen Zuständigkeiten.
Ab 1. Januar 1947 gab die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig die "Gegenwart", die Zeitschrift für Blindenfragen, heraus. Der Redakteur war Max Schöffler. "Die Gegenwart" ist die erste nach dem Krieg in Deutschland wiedererschienene Blindenzeitschrift für alle vier damals existierenden Besatzungszonen gewesen.
Mit zwei Landesblindenkongressen am 7./8. Juni 1947 und am 12./13. Juni 1948 in Dresden sorgten Hausdorf und Schöffler für demokratische Legimation und öffentlichkeitswirksame Nachhaltigkeit ihrer politischen Linie im sächsischen Blindenwesen, die auch dann noch in der Chemnitzer Schul- und Berufsbildung Früchte trug, als 1952 die Landesregierung Sachsen abgeschafft und 1953 im Zusammenhang mit den Ereignissen um den 17. Juni die dominierende Rolle Hausdorfs und Schöfflers dahin war. Beide - sie kannten sich gut von Jugend an - hatten als Schüler und Lehrlinge Anfang der 1920er Jahre die Chemnitzer Blindenanstalt absolviert und wussten, was Blinde und Sehbehinderte zu leisten vermögen, auch auf dem komplizierten Gebiet der Pädagogik. So ebneten sie vielen befähigten blinden und sehbehinderten Frauen und Männern den Weg zum Schul- und Berufsschullehrer in der sächsischen Blindenbildung.
Im Winter 1945/1946 nahmen erstmals zwei blinde Lehrerinnen in Chemnitz ihre Tätigkeit auf. Ilse Weiser kam als Neulehrerin aus Dresden. Martha Hilzbrich blieb nach der Flucht mit der Breslauer Blindenanstalt nach Sachsen in Chemnitz und hat viele Jahre für Schüler und Umschüler Blindenschriftunterricht erteilt. 1946 ist der blinde Musiklehrer Walter Böhme angestellt worden und der sehbehinderte Fritz Paech, zunächst Lehrmeister in der Korbmacherei, ab 1958 als Berufsschullehrer. Es wurde großer Wert darauf gelegt, dass einige solcher Ausbilder und Lehrer kamen, die selbst schon erfolgreich als Blinde im Beruf gestanden hatten und ihre spezifischen Erfahrungen den Schülern und Lehrlingen gut vermitteln konnten. Im Falle der Handwerkerausbildung traf das voll auf Fritz Paech zu, im Falle der Stenotypistenausbildung auf Gerhard Brix.
Brix hatte während der 1930er Jahre als Stenotypist in den Wanderer-Werken Siegmar-Schönau gearbeitet und an Leistungswettbewerben deutscher Stenotypisten mit Spitzenergebnissen teilgenommen. Als blinder Lehrer 1949 in der Blindenanstalt angestellt und als Ausbildungsleiter der Stenotypistenabteilung gab er gern seine reichen Erfahrungen an die Jugendlichen weiter. Gerhard Brix ist ein "Lehrer mit Leib und Seele" gewesen und galt zu seiner Zeit unter Schülern und Auszubildenden als hochgeschätzter und beliebter Pädagoge der Einrichtung.
Zum Chemnitzer Lehrkörper gehörten auch mehrere Kriegsblinde: Kurt Naumann, Joachim Schimke, Alfred Weinert und Günter Thiele.
Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Blinde unter ihren Arbeitskollegen überall besonders bewähren müssen, um Vorurteilen entgegenzuwirken. Unter Lehrern ist das nicht anders. Es bestätigt eindeutig den hohen persönlichen Leistungswillen blinder Blindenlehrer, dass drei von ihnen, nämlich Brix, Thiele und Weinert, erfolgreich zum Dr. paed. promovierten.
An der Sehschwachenschule "Wladimir Filatow" Leipzig gab es keine blinden Lehrer, aber zwei sehbehinderte - Ingeborg Hieke und Horst Schulz -, die dort vom Ende der 1950er Jahre an für ihren Beruf hochmotiviert im Unterricht sowie auch in der außerunterrichtlichen Tätigkeit engagiert ihre Aufgaben erfüllten.
Der im Jahre 1957 gegründete Blinden-und-Sehschwachen-Verband der DDR unterstützte und förderte den Einsatz qualifizierter sehbehinderter und blinder Lehrer an Blindenschulen. Die Blindenlehrer selbst waren bis 1990 Mitglieder dieser Organisation.
Für einen Rückblick in die Geschichte der sächsischen Blindenbildung interessant: Am 27. April 1919, also immerhin schon vor 90 Jahren, ist ein außerordentlicher Verbandstag des Verbandes der Blindenvereine im Freistaat Sachsen nach Chemnitz einberufen worden.
Es wurde der erste sächsische Landesblindenausschuss gebildet und das "Sächsische Programm" beschlossen. In diesem ist, unser Thema betreffend, nachzulesen:
"§ 4 Mitwirkung Blinder auf dem Gebiete der Erziehung und Ausbildung:
  1. Erziehung der Blinden zu möglichst weltgewandten Menschen.
  2. Geistig befähigten und sonstig begabten Schülern sind entsprechend höhere Lehr- und Ausbildungsanstalten zugänglich zu machen.
  3. Soweit möglich, freie Wahl im Beruf.
  4. Anstellung blinder Lehrkräfte unter gleichen Bedingungen wie Sehende für Unterricht, Musik, Handwerk usw. …
  5. Verbreitung und Vertiefung der Punktschrift unter den Blinden …
  6. Eine Haushaltsschule für blinde und sehende Weibliche ist ins Leben zu rufen.... Erweiterung des Schulunterrichts durch hauswirtschaftliche Fächer, Fremdsprachen für befähigte Schüler, Erlernen der lateinischen Schreibschrift der Sehenden zumindest bis zu einem solchen Grad, dass jeder blinde Schulabgänger in die Lage versetzt wird, seine eigenhändige Unterschrift leisten zu können". (4)
So wurden damals Ziele der Blindenbildung abgesteckt. Diese Forderungen können sich heute noch sehen lassen. Den 23 blinden und sehbehinderten Blindenlehrern in Sachsen gebührt Dank und Anerkennung.
[Quelle: (1) "Die Blindenwelt", Nr. 4/1931, S. 105/106; (2) "Der Blindenfreund", Nr. 1/1933, S. 17-23; (3) "Nachrichten für die Blinden und Blindenfreunde in Sachsen", Nr. 16, April - Juni 1936, S. 11; (4) "Die Blindenwelt", Nr. 4/1919, S. 50 - 56]

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Robert Louis Stevenson: "Entführt"

Anatoli Krüger
Punktschriftbibliothek
Geboren und aufgewachsen ist Stevenson (1850-1894) in Schottland, wo sein Vater als Leuchtturmingenieur tätig war. D.h. die Gegenden, die in diesem Buch so eindrucksvoll geschildert werden - die Insel Mull, die schottische Küste, das unwirtliche Hochland - kannte er sehr gut aus eigener Anschauung. Auch wenn er zu dem Zeitpunkt, als das Buch erschien - 1886 - bereits auf der Insel Samoa im Südpazifik lebte und praktisch aus der Erinnerung schrieb. Er war aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, er litt an Tuberkulose, sich in einem milden Klima aufzuhalten. In seinem nur kurzen Leben schrieb er Werke in allen literarischen Gattungen, darunter eine stattliche Anzahl von Abenteuerromanen und Erzählungen.
David Balfour, der Held des Romans "Entführt" (BNA 2393, 4 Bände, rkh.), macht sich 1751 aus einem kleinen schottischen Dorf auf den Weg zum Hause der Shaws nahe von Edinburgh, dem Sitz eines alten, adligen Geschlechts. Sein Vater ist gerade gestorben und in seinem Nachlass fand sich ein versiegelter Brief, den David in jenem Haus übergeben soll. Da er nun eine mittellose Waise ist, erhofft er sich dort Hilfe zu finden, obwohl er gar nicht weiß, was in dem Brief steht. Groß ist seine Enttäuschung, als der Besitzer jenes Hauses sich als ein verschrobener, äußerst geiziger Sonderling erweist und das ganze Anwesen, trotz des großen Namens, einen sehr verkommenen Eindruck macht. Es zeigt sich zwar, dass dies sein Onkel ist, aber schon in der zweiten Nacht stellt der ihm eine mörderische Falle, der David nur knapp entrinnt. Verwirrt verlangt er Aufklärung, doch ehe es so weit kommt, wird er auf ein Schiff gelockt, mit dem er nach Übersee deportiert und dort als Sklave verkauft werden soll.
Nach etlichen Tagen Fahrt rammt das Schiff im Nebel ein Ruderboot, dessen einziger Überlebender sich auf das Schiff retten kann. Dieser Mann - Alan Brick Stuart - ist ein Bote für den sich im französischen Exil befindlichen schottischen Thronanwärter.
Der letzte große Aufstand der Schotten gegen die Engländer war erst fünf Jahre zuvor in der Schlacht von Culloden niedergeschlagen worden. Danach wurden die schottischen Clans aufgelöst, die Anführer vertrieben oder getötet und das schottische Brauchtum verboten.
Alan Brick soll heimlich gesammeltes Geld zu den Schotten im Exil bringen. Als die Schiffsbesatzung das entdeckt, will sie ihn ausrauben. Im folgenden Kampf stellt sich David, der inzwischen den Dienst eines Schiffsjungen versehen muss, auf die Seite Alans, rettet ihm so das Leben. Doch dabei zerschellt das Schiff an der felsigen Küste, und David sowie Alan, die nun eine feste Freundschaft verbindet, machten sich auf den Fußweg quer durch das schottische Hochland. David will seinen Onkel zur Rede stellen und Alan sich endlich von einem französischen Schiff an Bord nehmen lassen. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass Alan und David bald steckbrieflich von der englischen Armee gesucht werden, weil sie mit dem Mordanschlag auf einen englischen Landverweser in Verbindung gebracht wurden.
Von da an haben sie nur noch die Wahl, durch die Heide zu fliehen oder am Galgen zu baumeln.
Mit Recht nannte man dieses Buch Stevensons eines seiner menschlichsten. Er selbst schrieb darüber: "Dies ist das Vernünftigste, das ich je schrieb. Worauf ich stolz bin und das mich glücklich macht." 1892 verfasste Stevenson noch eine Fortsetzung dieses Romans "Catriona oder die Abenteuer David Balfours daheim und in der Fremde" (BNA 6247, 7 Bände, rkh.).
Weitere Titel von Robert Louis Stevenson im Bestand unserer Punktschriftbibliothek sind:
In der Hörbücherei finden sich:

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Alessandro Manzoni: "Die Nonne von Monza"

Jörg Klemm
Hörbücherei
Beim Heraussuchen von Titeln, die es bisher nur auf Kassette gab, fiel mir dieses Buch in die Hände. Die für die Aufsprache verwendete Vorlage stammt aus dem Aufbau-Verlag zu Berlin im Jahr 1956. Dieses Buch ist ein Roman im Roman "Die Verlobten".
Der Autor wurde am 7. März 1785 in Mailand geboren und starb am 22. Mai 1873 ebenfalls in Mailand. Alessandro Manzoni ist der bedeutendste Schriftsteller der italienischen Romantik. Mit seinen Bühnenwerken durchbrach er die starre Form der französischen Schule und gab der Dramentheorie der Romantik poetische Gestalt. Sein historischer Roman "Die Verlobten" (Im Hörbuchbestand unter 13634 auszuleihen) nahm maßgeblichen Einfluss auf die Schriftsprache seines Landes und gilt als Beginn der modernen italienischen Prosa.
Manzoni stammt väterlicherseits aus einer adligen Familie. Durch seine Mutter war er republikanisch-revolutionär geprägt. Nach der Trennung seiner Eltern durchlief er mehrere religiöse Erziehungsanstalten. 1805 ging er nach Paris und trat nach seiner Heirat mit Enrichetta Blondel 1810 zum Katholizismus über. Er schrieb Kurzepen und Gedichte, später religiös geprägte Werke. 1812 bis 1827 entstanden seine literarischen Hauptwerke, danach erlosch seine literarische Kreativität.
Im Alter engagierte er sich für die italienische Einigung: 1860 wurde er Senator und unterstützte die Wahl von Viktor Emanuel II. (1820-1878) zum König des geeinten Italien.
In "Die Verlobten" geht es darum, dass 1628 in der Nähe von Mailand der spanische Edelmann Rodrigo darum gewettet hat, dass er die junge Braut Lucia verführen wird. Mit Drohungen schüchtert er den Dorfpfarrer ein und verhindert so die Trauung Lucias mit Renzo. Lucia flüchtet in ein Kloster, wo Rodrigo noch versucht, sie zu entführen.
Und daran schließt sich wie eine Art Fortsetzung "Die Nonne von Monza" an:
Lucia und ihre Mutter bekommen von einem Kapuzinerpater ein Empfehlungsschreiben für das Kloster in Monza, um dort Schutz suchen zu können. Dort gelangt Lucia in den Bann der "Herrin" des Klosters, Geltrude.
Als Nonne wider Willen (sie wurde von den adeligen Eltern ins Kloster gepresst) mit dem Schicksal hadernd, erliegt Geltrude, kaum 20 Jahre alt, als Vorsteherin des Klosters einem teuflischen Verführer. Zur Verschleierung des Treibens schreckt jener nicht vor Mord zurück. Er eliminiert eine Mitschwester, die Geltrude zu erpressen sucht. Die Bluttat liegt zum Zeitpunkt der Begegnung Lucias mit der "Herrin" etwa ein Jahr zurück.
Zeit genug, um den Persönlichkeitszerfall Geltrudes unter Schuldgefühlen und Leidensdruck in Form von Absonderlichkeiten des Auftretens und der Sprache zu erkennen.
Was Lucia nicht ahnen kann: Ein Netz von Abhängigkeitsverhältnissen führt über den herrischen Don Rodrigo zu dem Verführer Geltrudes und von diesem über Geltrude zu Lucia. Sie wollen Lucia loswerden und lassen sie entführen. Das Ende bleibt offen.
Der Roman lässt das 17. Jahrhundert und das Klosterleben in Italien lebendig werden.
Titel in Punktschrift:

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Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ist 2004 dieser Frage nachgegangen. Wir nennen Ihnen nacheinander die ersten 100 Plätze. Titel, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir ausführlicher vor.
Wir setzen heute fort mit Platz Nr. 16:
Carlos Ruiz Zafón: "Der Schatten des Windes."
Platz Nr. 17:
Jane Austen: "Stolz und Vorurteil"

Jane Austen: "Stolz und Vorurteil"

Die englische Romanschriftstellerin Jane Austen wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon/Hampshire geboren und starb am 18. Juli 1817 in Winchester.
Die Tochter eines Geistlichen verbrachte ein äußerlich ereignisloses Leben im elterlichen Pfarrhaus inmitten einer großen Familie und deren Freundeskreis. Durch den Vater erhielt Jane eine ausgezeichnete Bildung und begann früh zu schreiben. Eine 1801 durchgeführte Reise nach Bath sollte diesen Ort zum Schauplatz vieler Episoden in ihren Romanen machen. Die Familie zog nach dem Tod des Vaters 1805 nach Southampton, später in das Dorf Chawton/Hants, dort entstanden die meisten ihrer Romane. Wegen einer Tbc-Erkrankung ging Jane Austen im Mai 1817 nach Winchester, ihre Hoffnung, dort ärztliche Hilfe zu finden, erfüllte sich leider nicht, sie starb dort 2 Monate später.
Der damaligen literarischen Moderichtung entsprachen empfindsame Romane einerseits, Schreckensromane andererseits. Austens wacher Sinn für Komik sah die Absurditäten dieser Moderomane, sie begann ihr literarisches Schaffen mit burlesk-komischen Parodien, zur Belustigung des Familienkreises geschrieben, hierzu gehört "Love and Friendship" (Liebe und Freundschaft) und der Fragment gebliebene Roman "Lady Susan", um 1794 geschrieben (erstmals gedruckt 1871). Es folgt die Skizze "Elinor and Marianne", in Briefform, später unter Aufgabe der Briefform umgearbeitet in "Sense and Sensibility" (Verstand und Gefühl), eine Parodie der Empfindsamkeit. In "Northanger Abbey" (Die Abtei von Northanger), begonnen 1797, für den Druck vorbereitet 1803, parodiert sie die Schreckensromane, besonders Mrs. Radcliffes "Castle of Udolpho", durch humorvolle Gegenüberstellung von wirklichem Leben und unechter Romantik. 1796/97 schrieb sie "First Impressions", später umgearbeitet in "Pride and Prejudice" (Stolz und Vorurteil). 1803/04 entstand ein kurzes Fragment, "The Watsons", erstmals veröffentlicht in der 2. Ausgabe von J. E. Austen Leighs "Memoirs", 1871.
Austen besaß die weise Selbstbeschränkung, nur das zu schildern, was ihr aus eigener Anschauung bekannt war, sie beschreibt ausschließlich Menschen der gehobenen ländlichen Mittelklasse, die sie minutiös genau abmalt. Ihre kleine Welt kennt keine Katastrophen, keine Tragödien, aber sie verstand es mit psychologischer Einsicht in das Wesen der Menschen, mit Humor und feiner Ironie, ihre kleine Welt aufzubauen, in der die Gestalten nicht isoliert dastehen, sondern in Beziehung zueinander und zur Umwelt gestellt werden. Die köstliche Frische und Lebendigkeit der Schilderungen verleiht ihren Romanen den auch heute erhalten gebliebenen Reiz der Ursprünglichkeit. Austen wurde von vielen zeitgenössischen und späteren Dichtern sehr geschätzt, u. a. von Scott, Macaulay, Coleridge, Southey, Sydney Smith u. E. Fitzgerald.
Die Erstausgabe von "Stolz und Vorurteil" erschien 1813 in London.
In einem täuschend einfachen, ironischen Stil und in virtuos gehandhabten Dialogen schildert Austen den Versuch des Ehepaares Bennet, fünf Töchter standesgemäß zu verheiraten, und widmet dabei ihre Aufmerksamkeit vor allem der intelligentesten Tochter Elizabeth, die alle unkomplizierten Mitmenschen ohne weiteres durchschaut, sich bei komplexeren Charakteren aber voreilig auf ihre Urteilskraft und Beobachtungen verlässt. Erst allmählich - auf dem Umweg über ihre Beziehungen zu dem spöttisch gezeichneten Pfarrer Collins und dem leichtsinnigen Wickham - legt Elizabeth ihre Vorurteile gegen den reichen Gutsbesitzer Darcy ab, der von seinem Stolz und Standesbewusstsein ebenfalls zu unzutreffenden Urteilen verleitet wurde. Die in "Emma" dargestellten Schwierigkeiten menschlicher Kommunikation kündigen sich hier an, sind jedoch noch der Frage nach den Voraussetzungen für die glückliche Ehe untergeordnet. An den hohen Ansprüchen, die Darcy und Elizabeth an sich und den Partner stellen, werden alle Ehen gemessen. Entsprechend sind in dem übersichtlich komponierten, weitgehend szenisch angelegten Roman alle Nebenhandlungen (die Beziehungen zwischen der gutherzigen Jane und dem willensschwachen Bingley, der leichtsinnigen Lydia und dem missgünstigen Wickham) von der Haupthandlung um Darcy und Elizabeth abhängig. Trotz des glücklichen, idealisierten Ausgangs der Haupthandlung tritt die grundsätzliche Problematik der Ehe deutlich hervor.
Austens Skepsis verbirgt sich jedoch in ihrem populärsten Roman hinter einer beschwingten humorvollironischen Erzählweise und epikrammatisch verdichteten Erzählerkommentaren.
Weitere Titel von Jane Austen als Hörbuch:
Weitere Titel in Brailleschrift:
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 13: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 22821 (C) Alfred Kröner Verlag]

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de). Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

TextScout - Text vorlesen lassen mit Hilfe des Handys

Ulrich Jander
Heute möchte ich Ihnen etwas sehr aktuelles vorstellen, was auf der diesjährigen Sightcity-Messe neu gezeigt worden ist: die Vorlesesoftware TextScout der Firma Elumo GmbH aus Münster. Es handelt sich hierbei um eine deutsche Softwareentwicklung, die für Handys mit guter Kamera und starkem Blitz vorgesehen ist. Der gedruckte Text, keine Handschriften, wird abfotografiert, datengerecht aufbereitet und per Internetverbindung an einen Zentralrechner als Server zur Texterkennung geschickt. Ist die Verarbeitung abgeschlossen, kommt das Ergebnis auf das Handy zurück und wird von einer menschlich klingenden Stimme (Sarah oder Klaus) vorgelesen, von denen eine der beiden Stimmen zwingend zum Funktionsumfang gehört. Auf der Internetseite von www.textscout.eu steht dazu unter "Fragen und Antworten":
"TextScout liest die meisten gedruckten Dokumente wie z.B. Briefsendungen, Rechnungen, Bücher, Speisekarten, Zeitungen, Visitenkarten, Broschüren, Faltblätter. Es gibt natürlich auch Vorlagen, bei denen Ihr Scout an seine Grenzen stößt. Die Software ist nicht dafür ausgelegt, Handschriften zu entziffern und auch das Vorlesen von Bildschirmtexten kann manchmal Schwierigkeiten bereiten. Auch kann die Qualität der Texterkennung bei Produktverpackungen oder Flaschen-Etiketten schwanken, weil die Werbetexte auf solchen Verpackungen oft sehr grafisch gestaltet sind."
Statt des Scanners, den viele kennen und einsetzen, kommt hier eine Kamera zur Anwendung; und da sich diese im Handy befindet, hat der Nutzer das, was er für das Erkennen und Vorlesen benötigt, immer dabei. Entscheidend ist jedoch, wie gut und exakt richte ich als Nutzer die Handykamera auf den zu fotografierenden Text aus. Je exakter dies gelingt, desto besser sind die Ergebnisse. Dabei gibt es für den blinden Anwender eine softwaretechnische Hilfe. Auf der genannten Internetseite steht dazu:
"Eine integrierte Ausrichthilfe hilft Ihnen, Ihr Kamerahandy optimal auf den zu lesenden Text auszurichten. Schon während dem Fotografieren geben Ihnen Tonsignale eine Rückmeldung darüber, ob Sie das Gerät richtig halten. Nach der Aufnahme weist TextScout Sie auf weitere Ausrichtungsfehler hin, wie z.B. ‚Der Text steht auf dem Kopf' oder ‚Die Kamera war bezüglich der Vorlage um 5 Grad gegen den Uhrzeigersinn gedreht'."
Es gehört schon ein wenig Übung und eine sichere Hand dazu, damit die Ergebnisse verwertbar sind. Zuerst wird das Handy mit der Kameraseite in die Mitte des abzufotografierenden Textes gelegt. Der Nutzer drückt auf den Auslöser und hält diesen fest. Die Stimme von TextScout, die Sie auch bei allen anderen Funktionen und Bedienschritten akustisch begleitet, weist Sie darauf hin, das Handy langsam vom Text nach oben zu heben. Zur Stabilisierung kann man sich mit den Ellenbogen auf einen eventuell vorhandenen Tisch abstützen. Der Auslöser wird losgelassen, ein anhaltender Ton erklingt. Der Nutzer kippt ganz leicht und vorsichtig das Handy etwas nach links und nach rechts, um den Ton noch höher anschwellen zu lassen. Je höher der Ton, desto besser wird das Foto. Zuletzt ertönt das Klicken der Kamera, und die Stimme meldet, dass ein Foto erfolgreich gemacht wurde. Bei einer DIN A4-Vorlage sollte der Abstand zwischen Kamera und Text ca. 30 cm betragen; bei kleineren Vorlagen ist der Abstand zu verringern. In der Bedienungsanleitung zum Programm wird auch auf diesen Bereich der Handhabung sehr genau eingegangen.
In aller Regel betreibt der blinde Nutzer eines Handys eine Sprachsoftware, einen Screenreader wie Talks oder Mobile Speak. Zur Verträglichkeit, Kompatibilität, mit TextScout wird auf www.textscout.eu unter "Fragen und Antworten" folgendes geschrieben:
"TextScout verfügt über eine eigene Sprachausgabe, so dass Sie an sich kein externes Vorleseprogramm benötigen. Wenn Sie aber weitere Funktionen Ihres Handys, wie beispielsweise das Vorlesen von SMS, nutzen möchten, sollten Sie ein zusätzliches Vorleseprogramm installieren. TextScout ist sowohl mit Talks als auch mit Mobile Speak kompatibel und bietet zusätzlich einen externen Vorlesemodus, mit dem Sie die Stimme Ihres Screenreaders oder eine mobile Braillezeile zum Vorlesen der Texte verwenden können."
Den vom Server erhaltenen Text kann man sich einfach mit Hilfe von Sarah oder Klaus vorlesen lassen; aber es ist auch möglich, im Text zu navigieren. Der Text kann im Handy oder auf dem Server abgespeichert werden. Man kann ihn natürlich auch auf den PC übertragen, entweder direkt vom Handy aus oder über den Server, zu dessen Zweck dann ein Online-Bereich bei "MyScout" im Server einzurichten ist.
Ist TextScout am Handy aufgerufen, stellt es umgehend eine Internetverbindung zum Server her. Die Verbindung zum Internet wird erst beendet, wenn der Nutzer TextScout schließt. Trotz Suche habe ich im Menü und in den Einstellungen keine frühere Abbruchmöglichkeit gefunden. Offensichtlich ist auch beim Vorlesen die Internetverbindung zum Server erforderlich. Oder wird die Verbindung nur gehalten für den Fall eines nächsten Fotos und seiner dann erforderlichen Verarbeitung? Dazu konnte ich bisher nirgends Informationen entdecken. Angegeben wird von TextScout bei normaler Nutzung ein Datenumfang von ca. 30-50 MB monatlich, der während der Internetverbindung fließt. Daher ist in jedem Fall die Vereinbarung eines Datentarifs mit dem jeweiligen Mobilfunkanbieter zu empfehlen, wobei unterschiedliche Tarifpakete existieren. Befindet man sich an einem Standort mit Möglichkeit der Nutzung von W-Lan, dann kann TextScout auch damit arbeiten, vorausgesetzt, das Handy ist W-Lan-fähig. Die nötige Zeit für die Texterkennung ist unterschiedlich und wird als Zeitraum zwischen 10 Sekunden und einer Minute angegeben, wobei es von der Qualität der Internetverbindung und der Textvorlage abhängig ist.
Nicht unbedingt jedes Kamerahandy kommt für TextScout in Frage. Es sollte ein möglichst aktuelles Handy mit hochauflösender Kamera sein. Auf der Internetseite von www.textscout.eu werden zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses folgende Handymodelle angegeben (allesamt von Nokia): Nokia 6220, N79, N82, N85 und N95-8GB. Mein Test lief mit Nokia N82, welches für blinde Nutzer empfohlen wird. TextScout soll an weitere aktuelle und zu entwickelnde Handymodelle angepasst werden.
Die Installation von TextScout ist auf drei verschiedenen Wegen möglich: die direkte Installation aus dem Internet auf das Handy, die Installation mit Hilfe der Software PC-Suite über den Computer und mit angeschlossenem Handy sowie das Übertragen der erforderlichen Dateien auf die Speicherkarte des Handys mit Hilfe des PC und die Installation dieser Dateien im Handy mit Hilfe der darin befindlichen Sprachsoftware. Ich habe beim Test die letzte Variante genutzt. Die nötigen Dateien habe ich als eine gepackte zip-Datei aus dem Internet unter www.textscout.eu unter dem Link Demoversion heruntergeladen. Man kann dort die einzelnen Dateien, aber auch alles, einschließlich der Sprachdateien sowie der Bedienungs- und Installationsanleitungen, als Komplettpaket bekommen. Am PC ausgepackt habe ich die Dateien auf die Speicherkarte des Handys kopiert und dann die Installation der mindestens zwei Dateien (Programmdatei und eine Stimme) nacheinander ausgeführt. Im Menü des Handys im Ordner Programme finde ich nun TextScout, welches ich von dort starten kann. Die Demoversion läuft uneingeschränkt 14 Tage. Wenn Sie TextScout kaufen wollen, dann kostet das Programm ca. 890 Euro. Beziehen kann man es bei den Firmen
Weitere Händler sollen laut Internetankündigung hinzukommen.
Abschließend möchte ich nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass vor TextScout das andere Vorleseprogramm am Handy mit Namen "KNFB-Reader" auf den Markt gekommen ist. Es ist in den USA entwickelt und durch die Firma Handytech GmbH in Horb am Neckar in Deutsch umgesetzt worden. Der Kaufpreis liegt auch bei ca. 900 Euro. Getestet habe ich dieses Programm jedoch bislang noch nicht.
Vielleicht reizt es Sie, wenn Sie über ein geeignetes Handy verfügen, solch eine Vorlesesoftware selbst einmal auszuprobieren. Ich wünsche Ihnen dann viel Erfolg mit diesem Programm.

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Info-Service

10 000. DAISY-Titel nun im Bestand!

In der Hörbücherei stehen nunmehr insgesamt zehntausend DAISY-Hörbücher für die Ausleihe bereit.
Der 10 000. Titel ist der Roman "Die Zärtlichkeit der Wölfe" von Steff Penney, eine abenteuerliche Geschichte, in deren Verlauf eine Frau im Jahr 1867 im Norden der kanadischen Tundra zwischen die Fronten zwielichtiger Abenteurer gerät, erschienen 2007 im Goldmann Verlag (Sprecherin: Steffi Böttger, 1192 Minuten, BNA 9002).

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Neues Projekt: LEIBNIZ

Per Telefon erreichte uns am 16.06.2009 die gute Nachricht, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Förderung des neuen ambitionierten DZB-Projektvorhabens "LEIBNIZ - Sach- und Fachbuchaufbereitung für Blinde und Sehbehinderte" übernimmt. In Kooperation mit LIBREKA! der Branchenplattform des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels werden nun ab September 2009 leistungsfähige Verfahren zur barrierefreien Aufbereitung von E-Books auf Basis des DAISY-Standards entwickelt. Ziele und Aufgaben des Vorhabens werden der Öffentlichkeit in der Konferenzwoche DAISY2009 in verschiedenen Präsentationen vorgestellt.

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DAISY Web Player gewinnt den AKEP Junior Award

Auf seiner Jahrestagung am 17.06.2009 zeichnete der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AKEP) des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den von Wolfram Eberius an der TU Dresden entwickelten webbasierten DAISY-Player aus.
Eberius verknüpfte die Ergebnisse mit Ergänzungsvorschlägen für den technischen Standard, die das Hörbuchformat zu einem multimedialen Format machen. Diese erlauben neben Audio- und Textanteilen auch Videoinhalte - z. B. Filme mit Gebärdensprache für gehörlose Menschen - in digitale Informationsangebote zu integrieren.
"Die Ergebnisse der Arbeit zeigen das große Potenzial, das in DAISY steckt, um Informationen für jedermann zeitnah, in hoher Qualität und Vielfalt anzubieten", so Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der DZB Leipzig, die Eberius bei seinen Entwicklungen unterstützte.
Weitere Informationen zum entwickelten Player finden sich im Internet unter: http://daisywebplayer.robu18.de

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Straßenfest der Leipziger Bibliotheken und Archive

Nach dem großen Erfolg vom letzten Jahr laden die Leipziger Bibliotheken und Archive am 23. August 2009 von 15 - 19 Uhr wieder zum Straßenfest vor die Bibliotheca Albertina ein.
Die Buchstadt Leipzig zeichnet sich durch eine besondere Vielfalt aus. Immerhin werden im Musikviertel rund 30 Institutionen beteiligt sein und ihr Angebot präsentieren.
In der Beethovenstraße werden neben den Informationen zu den Einrichtungen Kulinarisches, Unterhaltsames sowie Informatives geboten: Basteln für Kinder, Experten begutachten den Wert mitgebrachter Bücher, Schmökern in der Fahrbibliothek, Führungen durch die Albertina und vieles mehr. Ein unterhaltsames Bühnenprogramm begleitet das Fest musikalisch und humorvoll. Zum Abschluss wird ein Überraschungsfilm gezeigt.

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Louis-Braille-Festival der Begegnung

Vom 28. bis 30. August findet in Hannover das deutschlandweit erste Festival für Menschen mit Seheinschränkungen statt. In Hannover heißt es dann "Mittendrin statt nur dabei!"
Neben Konzerten, Lesungen und Kleinkunst zum Zurücklehnen und Genießen ist beim Louis-Braille-Festival der Begegnung vor allem Mitmachen angesagt. Ob Skat, Tandem oder Specksteinwerkstatt - an jeder Ecke können sich die Besucher sportlich, künstlerisch oder musikalisch ausprobieren. Einer der Höhepunkte ist dabei das große "Spiel ohne Grenzen", bei dem bunt gemischte Teams der Landesvereine gegeneinander antreten.
Das Miteinander steht dann wiederum im Workshop der DZB Leipzig im Mittelpunkt. MitarbeiterInnen der Leipziger Druckerei zeigen am Festival-Samstag, was es alles braucht, um ein Braillebuch zu fertigen. Von der Buchauswahl bis zum Binden der Seiten - vom Groben bis zum Feinen - Seien Sie dabei und erfahren auch Sie mehr über die Arbeit in der DZB Leipzig.
Info:

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Finale der Tour de Braille

DBSV-direkt
Vom 28. bis 30. August feiert sich die Blinden- und Sehbehinderten-Szene in Hannover - und der Lesemarathon Tour de Braille sein großes Finale.
Freitag und Samstag bietet das Lesecafé allen Festivalbesuchern die Möglichkeit, sich niederzulassen und ganz verschiedenen Braille-Lesungen zu lauschen. Highlight ist sicher der Auftritt von Reiner Unglaub, einem der erfolgreichsten Hörbuch-Sprecher in Deutschland, der das Publikum mit seiner Stimme verzaubern wird. Zauberhaft wird es aber auch, wenn Jugendliche aus aller Welt Harry Potter in fünf verschiedenen Sprachen erklingen lassen und Christina Schwarz, Siegerin des Jugend-Lesewettbewerbs, das neue Braille Seasons Buch "Die Märchen von Beedle dem Barden" von Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling vorstellt (erhältlich in der DZB, Kurzschrift BNV 6442, Vollschrift 6443, jeweils 11,25 €). Für Kinder gibt es viele Reliefbücher zum Tasten und Ausprobieren. Zu hören sind viele Lieblingstexte von engagierten Lesern, die auch schon die Tour mitgestaltet haben. Highlights aus der gesamten Tour und dem Lesecafé werden dann am Samstag-Abend noch einmal zu einem spannenden Programm für die Abschluss-Gala kombiniert.

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Erinnerung an den Tag der offenen Tür

"Berühren, Staunen, Begreifen!" - Das ist das Motto am 05. September 2009 in der DZB Leipzig. In der Zeit von 10 bis 16 Uhr kann man in einer Führung alle Produktionsabteilungen des Hauses kennen lernen. So erfahren Sie alles über das Geheimnis der Blindenschrift, die Brailledruckerei, die Reliefherstellung und das Studio. Wir geben Antwort auf Fragen wie: Wie kommt die Blindenschrift auf das Papier? Wie kann aus einem Bindfaden ein Fluss werden? Wer spricht eigentlich DAISY-Hörbücher für blinde und sehbehinderte Menschen auf? Selbsthilfeverbände und Hilfsmittelanbieter werden vertreten sein.
Unsere Serviceabteilungen von Bibliothek und Verkauf haben für Sie geöffnet. Gern geben wir an diesem Tag auch eine individuelle Beratung zum Thema DAISY. Zahlreiche Geräte werden zum Testen bereit stehen.
Bei größeren Gruppen erbitten wir eine Anmeldung unter info@dzb.de oder unter der Rufnummer 0341 7113-0.
Überzeugen Sie sich selbst: Berühren, Staunen, Begreifen!

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder CD DAISY 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
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Fax: 0341 7113-125
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Redaktion:
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