DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 5 – 2009

September / Oktober

19. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Einblicke

Das deutsche Urheberrecht § 45 a "Behinderte Menschen"

Projekt DaCapo - Abschluss und Ausblick

Wie war das damals?

Lehrer als Betroffene - Botschafter von Motivation und Kompetenzen

Die Kramkiste

Hans Fallada: "Jeder stirbt für sich allein"

Ruth Blum: "Mein Feuergesicht"

Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Umberto Eco: "Der Name der Rose"

"Literaturtreff" 2010

LOUIS

Wetterabfrage und Zeitschaltuhr - kleine Programme von Unitedbits

Info-Service

"GEOlino" ab 2010 in Blindenschrift

"NEON" - Jugendmagazin auf CD-DAISY

DAISY2009

Die DZB Leipzig on tour

Kulinarische Integration sucht Hilfe

Fotolesetasthörbuch

Impressum

Vorbemerkung

Das Urheberrecht in seiner aktuellen Form enthält den für unsere Arbeit so wichtigen § 45 a. Was es mit diesem Paragraphen auf sich hat, erfahren Sie in unserer Rubrik "Einblicke".
In diesem Jahr findet das Projekt DaCapo seinen Abschluss. Was erreicht wurde und wie es weitergeht - auch darüber wollen wir Sie nicht im Unklaren lassen.
Zum Thema 200 Jahre Blindenbildung in Sachsen hat heute mal kein Historiker, sondern eine Pädagogin das Wort in der Rubrik "Wie war das damals?".
Die Herausgabe der Braille-Ausgabe des Magazins "stern" war der erste Schritt in der Zusammenarbeit mit dem Verlag Gruner+Jahr. Nun trägt die Kooperation weitere Früchte mit "GEOlino" und "NEON". Details dazu finden Sie im "Info-Service".
Und schließlich ist es auch schon wieder Zeit, den nächsten Jahrgang der Zeitschrift "Literaturtreff" anzukündigen.
Eine ziemlich interessante Ausgabe der "DZB-Nachrichten", nicht wahr?
Herzlichst grüßt
Ihr Karsten Sachse

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Einblicke

Das deutsche Urheberrecht § 45 a "Behinderte Menschen"

Manuskript zu einem Vortrag von Frau Elke Dittmer und Dr. Thomas Kahlisch auf der Fachtagung Schrifterwerb des VBS am 20.06.2009 in Friedberg.
Einleitung
Es soll im Folgenden um die rechtliche Grundlage für die Übertragung von Büchern in ein für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen zugängliches Format gehen. Das 2003 geänderte deutsche "Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" ist eine Umsetzung der "Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft". Darin heißt es u.a. "(43) Die Mitgliedstaaten sollten in jedem Fall alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um für Personen mit Behinderungen, die ihnen die Nutzung der Werke selbst erschweren, den Zugang zu diesen Werken zu erleichtern, und dabei ihr besonderes Augenmerk auf zugängliche Formate richten."
Es heißt: "Die Mitgliedstaaten sollten …" Es ist also kein "müssen", aber immerhin auch kein "können". Trotzdem erlaubt der Begriff "sollten" eine gewisse Freiheit in der Auslegung und Ausgestaltung des nationalen Gesetzes. Vor diesem Hintergrund muss die deutsche Umsetzung der EU-Direktive betrachtet werden.
Darüber hinaus ist stets zu bedenken, dass es in einem demokratischen Staat darum gehen muss, die Balance zwischen den Rechten der Urheber und den Rechten der Bürger auf Zugang zu Information herzustellen.
Grundsätzlich gilt außerdem, dass das Urheberrecht eine nationale Angelegenheit ist. So mag zum Beispiel ein Server in Südamerika existieren, auf dem gescannte, urheberrechtlich geschützte Buchtexte gesammelt werden. Ist aber der Nutzer, der diese herunterlädt, in Deutschland beheimatet, gilt das deutsche Urheberrecht und damit in diesem Fall die Rechtswidrigkeit der Nutzung.
Das deutsche Urheberrecht seit September 2003
Aufgenommen wurde folgender Paragraph:
§ 45a Behinderte Menschen
  1. Zulässig ist die nicht Erwerbszwecken dienende Vervielfältigung eines Werkes für und deren Verbreitung ausschließlich an Menschen, soweit diesen der Zugang zu dem Werk in einer bereits verfügbaren Art der sinnlichen Wahrnehmung auf Grund einer Behinderung nicht möglich oder erheblich erschwert ist, soweit es zur Ermöglichung des Zugangs erforderlich ist.
  2. Für die Vervielfältigung und Verbreitung ist dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen; ausgenommen ist die Herstellung lediglich einzelner Vervielfältigungsstücke. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.
Auslegung des Gesetzes
Erstmals wurde damit im deutschen Urheberrecht eine Schranke zugunsten behinderter Menschen eingeführt. Das bedeutet, dass der Gesetzgeber die Rechte der Urheber eingeschränkt hat. Autoren und Verlage können daher nicht mehr Übertragungen in Blindenschrift oder Hörbuch etc. erlauben, da sie über dieses Urheberrecht nicht mehr verfügen. Viele Mitarbeiter in Verlagen wissen dies leider immer noch nicht. Wir haben also in unserem Arbeitsbereich qua Gesetz das Recht, Bücher für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen, müssen aber zumeist eine Gebühr bezahlen.
Nun das Gesetz im Einzelnen:
Schlussbemerkungen
Derzeit verhandelt Medibus das Thema "Öffentliche Zugänglichmachung", also Bücher zum Download und/oder Streaming. Denn es kommen bereits die ersten DAISY-Abspielgeräte mit dieser Funktion auf den Markt und die Bedeutung von E-Books nimmt zu.
Auf zwei Wegen kann dieses Thema eingebracht werden:
  1. der Gesetzgeber ergänzt § 45
  2. und/oder
  3. die Verträge mit den Verwertungsgesellschaften werden entsprechend erweitert.
Wenn dieses Recht eingeräumt würde, wird auf jeden Fall eine höhere Vergütung zu zahlen sein und wohl ein digitales "Wasserzeichen" verlangt, um Missbrauch nachweisen zu können.
Zu guter Letzt und nach langer Rede die kurze Schlussfolgerung für Eltern und Schüler:
Wenn Eltern ein gedrucktes Schulbuch kaufen und es für ihr Kind in eine zugängliche Form übertragen, ist das ohne Nachfrage und ohne Gebühr erlaubt. Aber das entstandene Buch darf nicht an Dritte weitergegeben oder in einem Katalog bekannt gemacht werden.
Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass diese Ausführungen zum deutschen Urheberrecht ohne Gewähr erfolgten, da die Autorin keine Juristin ist und hier lediglich die eigenen Erfahrungen wiedergeben konnte.
Elke Dittmer
Vorsitzende der "Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V. Medibus"
c/o Stiftung Centralbibliothek für Blinde - Norddeutsche Blindenhörbücherei e.V.
Herbert-Weichmann-Str. 44-46
22085 Hamburg
Tel.: 040 227286-0, Fax: 040 227286-20
dittmer@blindenbuecherei.de
www.blindenbuecherei.de

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Projekt DaCapo - Abschluss und Ausblick

Juliane Bally
Im September 2009 findet das Projekt DaCapo seinen Abschluss
Seit nunmehr sechs Jahren gibt es das Projekt DaCapo an der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig. Mit dem Ziel, die Verbreitung und Anwendung der Braille-Notenschrift im deutschsprachigen Raum zu fördern, wurde es 2003 ins Leben gerufen. Innerhalb zweier Projektphasen konnte ein Notenübertragungsservice mit anforderungsorientierten Übertragungs- und Korrekturdienstleistungen für blinde Musiker etabliert werden, der von engen Kooperationen mit internationalen Blindenbibliotheken und Musikverlagen sowie einem Abkommen mit der Verwertungsgesellschaft Musikedition begleitet wird.
Die Einrichtung dieses leistungsfähigen Notenübertragungsservices geht auf die Initiativen der DZB und der Blindenselbsthilfe zurück. Wesentlicher Garant für das Gelingen von DaCapo war die materielle und ideelle Unterstützung der DZB während des gesamten Projektzeitraumes durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).
Der Erfolg von DaCapo zeigt sich nicht allein in der Wiederaufnahme der Braille-Notenherstellung in Deutschland, sondern vielmehr in der computergestützten Effektivierung der Braille-Notenübertragung. In kürzester Zeit können Schwarznoten in Braille-Noten umgewandelt, Korrektur gelesen und anschließend als individuelle Notenausgabe den Kunden zur Verfügung gestellt werden. Im Rahmen von DaCapo wurde auch der Service BrailleVis eingerichtet, mit dessen Hilfe blinde Musiker eigene Kompositionen, Arrangements, Hausaufgaben usw. in Schwarzschrift umwandeln können. Ein weiteres Angebot in der Produktpalette bietet der Schnellübertragungsservice MakeBraille, wobei die Übertragung in Braille ohne das zeitintensive Korrekturlesen durch Mitarbeiter der DZB auskommt.
Mit Entwicklung und Aufbau einer ‚intelligenten' Notendatenbank wurde für interessierte Laien- und Berufsmusiker eine benutzerfreundliche Suchmaschine bereitgestellt. Neben Notenübertragung, Bibliographie und Musikalienausleihe besteht die Möglichkeit, die Braille-Notenschrift unter professioneller Anleitung an der DZB zu erlernen.
Da die Aktivitäten des DaCapo-Teams national und international auf reges Interesse gestoßen waren, richtete die DZB zwei Konferenzen (2005 und 2008) zum Thema Braille-Musiknotation aus, welche Plattform für den regen Erfahrungsaustausch engagierter Wissenschaftler, Pädagogen und Musiker bildeten. Auch weiterhin besteht die Option zum Dialog über ein Diskussionsforum.
Die DZB hat ein 16-Seitiges Manual erstellt, das Sehenden die Regeln der Braille-Notenschrift anschaulich erläutern soll. Dieses Manual ist auch auf Englisch und Französisch erhältlich.
Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde die Broschüre "Braille-Musiknotation - Einführung für Sehende" multimedial in einer PDF umgesetzt.
Zusätzliche Neuerungen sind die Einrichtung eines Musiklehrer-Netzwerkes, die Aufnahme der Blindenmusikbibliothek der DZB als Teil der Leipziger Notenspur-Initiative und die Zusammenarbeit der DZB mit dem Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig.
Mit den vielfältigen Aktivitäten des DaCapo-Projekts wurden die Grundlagen geschaffen, die kundenorientierte Braille-Notenübertragung sowie die Notenausleihe auch nach Abschluss des Projektes im September 2009 erfolgreich fortzusetzen. Alle bisher entwickelten Serviceangebote werden den Interessenten auch in Zukunft uneingeschränkt zur Verfügung stehen.
Dank gebührt allen Beteiligten, die das Projekt DaCapo so überaus erfolgreich gestaltet haben - nicht zuletzt auch Ihnen als Kunden, die mit ihren Anregungen und Wünschen eine wichtige Inspirationsquelle für die Projektentwickler bildeten.

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Wie war das damals

Lehrer als Betroffene - Botschafter von Motivation und Kompetenzen

Renate Böttger
200 Jahre Blindenbildung in Sachsen beinhaltet die Frage nach denjenigen, die Generationen blinder und sehbehinderter Kinder, Jugendlicher oder Erwachsener gebildet, erzogen und damit befähigt haben, als behinderte Menschen, ausgerüstet mit sozialer und beruflicher Kompetenz, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Es handelt sich damals wie heute mehrheitlich um Persönlichkeiten, die das "pädagogische" Handwerk erlernt, Fachlichkeit erworben und sich zusätzlich auf sonderpädagogischem Gebiet qualifiziert haben.
Wahrscheinlich gibt es nicht viele Berufe, an die die Gesellschaft so widersprüchliche Anforderungen stellt und die der öffentlichen Kritik ausgesetzt sind:
"Gerecht soll er sein, der Lehrer, und zugleich menschlich und nachsichtig, straff soll er führen, taktvoll auf jeden Schüler eingehen, Begabungen wecken und fördern, Lernschwierigkeiten berücksichtigen, …" (1)
Außerdem, so fordert ein deutscher Schriftsteller hintergründig, muss "… früh genug darauf hingewiesen werden, dass man die Kinder nur dann vernünftig erziehen kann, wenn man zuvor die Lehrer vernünftig erzieht." (2)
Das straffe Einhalten und Erfüllen der Lehrpläne durchgängig in guter Qualität - und nicht nur bis Dienstagabend - (3) heißt für den Lehrenden optimistisch ausgedrückt, die Lernenden "als Wandergruppe bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen". (1)
Lehrer an einer Einrichtung für Blinde und Sehbehinderte zu sein bedeutet, aus "Berufung" zu unterrichten. Darüber hinaus sollte er als Persönlichkeit auftreten, die Ausstrahlungskraft und Durchsetzungsvermögen besitzt, über ein ausgeglichenes Wesen und sprachliche Fähigkeiten verfügt und eine angenehme klangvolle Stimme hat, um mit anderen frei kommunizieren zu können. Man sagt dem sehgeschädigten Lehrer nach, dass er durch seine Behinderung besonders für die der anderen sensibilisiert sei. Unumstritten ist, dass der behinderte Lehrer nicht nur spezielle Arbeits- und Kulturtechniken beherrscht, sondern sie auch behindertenspezifisch vermitteln kann. So ist es selbstverständlich, dass der Deutschlehrer die Braille-Schrift (Voll- und Kurzschrift), der Musiklehrer die Notenschrift in Braille und der Mathematiklehrer die sechs Punkte als mathematische Zeichen in seinem Unterricht lesen, schreiben und in Arbeiten korrigieren kann.
Wer Gerhard B. kannte, erlebt ihn im Unterricht an der damaligen Landesblindenanstalt, wenn über ihn geschrieben wird: "Er versteht es, in den Kindern Lust und Liebe zum Lernen und zur Schularbeit zu wecken, sein Lehrton ist bei Wahrung der Disziplin stets froh und lustbetont".
In Beurteilungen verschiedener Verfasser über Georg K. wird bestätigt, dass er "das Spiel von Instrumenten" mit Freude unterrichte. Auch der "Psyche der Blinden" bringe er "rechtes Verständnis entgegen, so dass sie ihn als Lehrer schätzen." (4)
Ein "alter" Grundsatz für jeden Blinden- und Sehbehindertenlehrer lautet, "gleiche" Arbeitsbedingungen für alle Lernenden zu schaffen. Dem Blinden werden die Arbeitsmaterialien entweder elektronisch und/oder in Punktschrift, dem Sehbehinderten nach Bedarf in Normal- oder Großdruck zur Verfügung gestellt.
Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts vertraten Theoretiker der Rehabilitationswissenschaften die heute irrige Auffassung, dass ein Lehrer an Blinden- und Sehbehindertenschulen in der Lage sein müsse, unabhängig vom Fach und der Schulart in allen Klassenstufen Unterricht zu erteilen.
Das Heute resultiert aus dem Gestern und stellt die Weichen für das Morgen.
"Teilhabe gestalten" wird zum Leitmotiv für die nächsten Jahre. Die Chemnitzer Einrichtung, die 2005 ihr 100-jähriges Bestehen feierte, sucht nach zeitgemäßen beruflichen Perspektiven und entwickelt neue Bildungskonzepte.
So arbeitet beispielsweise ein Team von 19 erfahrenen Pädagogen, darunter 2 selbst betroffene Lehrerinnen, in 15 mit moderner Computertechnik und blinden- und sehbehinderten-----spezifischen Hilfsmitteln ausgestatteten Räumen an der Berufsschule und unterrichtet im 45-Minuten-Takt in 5 allgemeinbildenden und 70 fachspezifischen Fächern bzw. Lernfeldern Auszubildende in 13 Berufen und Teilnehmer an berufsvorbereitenden Maßnahmen.
Blinden- und Sehbehindertenpädagogen entwickeln während ihrer Lehrtätigkeit ein hohes Maß an "Individualismus" und sind als "Experten" auf ihrem Gebiet in ihrer Teamfähigkeit eingeschränkt. Was früher Verwandte oder Bekannte aus dem sozialen Umfeld mit oder ohne Gegenleistung erledigten, übernimmt gegenwärtig die Arbeitsassistenz für den sehgeschädigten Lehrer: Eintragungen in schulische Dokumente (Klassen- und Notenbücher), Korrektur von hand- und maschinenschriftlichen Schülerarbeiten, Erstellen von Unterrichtsmaterialien, Internetrecherchen.
Zum "Problem" für den selbst betroffenen Lehrer werden unübersichtliche Aushänge am "Schwarzen Brett" als Informationsquelle und die Nutzung betrieblicher Informationssysteme, die für den Blinden oder Sehbehinderten nicht barrierefrei zugänglich sind.
Für einen sehbehinderten oder blinden Lehrer ist es schwierig, trotz geringer Frequenz der Schülerzahl unvorbereitet Stunden in Klassen zu vertreten, deren Klassen- und Lernsituation er nicht kennt. In Filmszenen zieht sich der Lehrer-Darsteller mit "Schlagt bitte das Lehrbuch XY, Seite 123 auf und löst die Aufgaben A bis H!" aus der Affäre.
Wer glaubt, dass es zwischen den behinderten Schülern, Jugendlichen oder Erwachsenen und den selbst betroffenen Lehrern solidarisch zugeht, der wird enttäuscht. Erstaunlicherweise entdecken diese Lehrer die kleinen oder großen "Betrügereien" in den meisten Fällen sofort und beweisen die Unkorrektheit sehr zum Ärger des Ertappten.
Umfragen ergaben, dass sich Absolventen der Blinden- und Sehbehinderteneinrichtungen gern an die Lehrer erinnern, deren Blindheit oder Sehbehinderung zur Besonderheit ihrer Persönlichkeit gehörte, deren Mobilität, Fachkompetenz, Selbstdisziplin, Umgangsformen, äußere Erscheinung für ihr eigenes Leben Maßstäbe setzte und die sie als verständnisvolle Ansprechpartner durch ihre Schul- und Freizeit begleiteten.
200 Jahre Blindenbildung in Sachsen - das Erbe ist angetreten und wird gepflegt. Wird es aber auch von den nachfolgenden Generationen mit "Professionalität" fortgeführt?
Dem sehgeschädigten Nachwuchs, der sich der Herausforderung "Pädagogik" an einer Einrichtung des Blinden- und Sehbehindertenwesens stellt, sei ins Album geschrieben:
"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." (5)
Es aber transparent zu machen - das ist die Kunst des Pädagogen; dabei spielt es keine Rolle, ob er behindert ist oder nicht.
[Quelle: (1) Aus: Die Weltwoche Nr. 22, 2. Juni 1981 - Schweiz - "Nicht einfach, eine Klasse zum Fliegen zu bringen") ; (2) Erich Kästner (1899 - 1974) ; (3) Kurt Beck am 18. September 1997 bei versehentlich eingeschaltetem Mikrofon zu seinem Podiumsnachbarn (ein paar hundert Lehrer im Publikum hörten es): Zitat: "Was die Lehrer in einer Woche arbeiten, habe ich schon bis Dienstagabend geschafft." ; (4) Stadtarchiv Chemnitz und Archiv des SFZ Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz gGmbH ; (5) Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz]

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden - zur Erinnerung für die "Alten" und zur Information für die "Jungen".

Hans Fallada: "Jeder stirbt für sich allein"

Susanne Siems
[Punktschriftbibliothek]
Sicher haben auch Sie sich schon öfter Gedanken über ein sinnvolles Leben gemacht, liebe Leserinnen und Leser. Was macht uns aus, uns als einzelne Personen. Was hebt uns heraus aus der Alltäglichkeit des Lebens. Ist es überhaupt notwendig, diese Alltäglichkeit zu überschreiten? Ist nicht der eigentliche Sinn eines Menschenlebens Geburt, Aufwachsen in einer möglichst geborgenen Umgebung, eine berufliche Aufgabe, das Gründen einer Familie, die Enkelkinder und am Ende der Tod? Dass es ganz so einfach und "glatt" wohl niemals geht, das werden alle Menschen erfahren, der eine früher, der andere später. Bei dem Einen wirft es einen ganzen Lebensabschnitt über den Haufen, bei dem anderen scheint die Veränderung ganz allmählich. Und oft sind es äußere Faktoren, die scheinbar diese Änderungen bewirken. Das scheint aber nur so, denn selbst oder gerade in Extremsituationen sind wir Menschen es, die handeln, sind unsere Gedanken und Gefühle und die daraus resultierenden Handlungen die Auslöser für Veränderungen in unseren Lebensläufen.
All das ging mir durch den Kopf bei der Lektüre eines der besten Bücher von Hans Fallada. 1946, kurz vor dem Tod des Schriftstellers geschrieben, merkt man dem Roman "Jeder stirbt für sich allein" sehr viel Reife und Klarheit an. Das Ehepaar Otto und Anna Quangel, ruhig und angepasst im Berlin Nazideutschlands lebend, erfährt vom Tod des einzigen Sohnes an der französischen Front. Der Schmerz ist unbeschreiblich. Dennoch könnten sie so weiterleben wie bisher, Anna zu Hause den Haushalt führend, Otto als Meister in seiner Fabrik. Die politischen Ereignisse erfährt man so nebenbei. Ja, es sind schlimme Zeiten, Krieg und wenig zu essen. Aber es wird schon Gründe dafür geben und ändern kann man als kleiner Quangel ja sowieso nichts. Wie viele der Menschen in jener Zeit haben so gedacht, wie oft sagt man sich heute, in zugegeben nicht so extremer Situation, dass man nichts ändern kann. Aber Anna und Otto entscheiden sich anders. Sie beginnen, sich aufzulehnen gegen die, die ihnen durch ihren sinnlosen Krieg den Sohn genommen haben. Sie schreiben Postkarten mit antifaschistischen Texten. Diese Postkarten legen sie in belebten Treppenhäusern in Berlin aus. Sie möchten die Menschen um sich rum wachrütteln, auf ihre Weise, mit ihren Möglichkeiten. Zwei Jahre bleiben sie unentdeckt, dann müssen sie den schweren Weg bis zum Ende durch die Gestapogefängnisse gehen. Nein, dieser Roman nimmt kein gutes Ende, jedenfalls nicht für die beteiligten Personen, die ihren Mut und ihre Aufrichtigkeit mit dem Leben bezahlen müssen. Ein gutes Ende für mich ist, dass Fallada die Menschlichkeit siegen lässt, die Tapferkeit des sogenannten kleinen Mannes. Unheimlich viel Schwermut und Trauer liegt in der Geschichte, aber eine Trauer, die nicht lähmt, sondern die uns Heutigen Mut macht zum aufrechten Gang, zum Durchhalten und immer wieder auch Aufbegehren, wenn es um Unrecht geht.
Wenn ich es richtig verstehe, wirft die Literaturwissenschaft dem Dichter Hans Fallada zu viel Alltäglichkeit in seinen Romanen vor, zu wenig politisches Verständnis der handelnden Personen. Für mich in meiner Alltäglichkeit und vielleicht für viele von Falladas begeisterten Lesern auch, liegt gerade darin die Größe des Romans. Mir erscheint es durchaus nicht banal, darüber zu schreiben, wie Menschen, die meine Nachbarn sein könnten, ohne große Selbstdarstellung und mit scheinbarer Selbstverständlichkeit Widerstand leisten, mutig und tapfer für ihre Überzeugung eintreten. Es sind gerade die kleinen Helden, die mühsam ihren Weg lernen und die meist nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, die Falladas Bücher so lesenswert machen.
Wenn ich Sie interessieren konnte, dann leihen Sie den Roman in der Punktschriftbibliothek unter der BNA 761, 9 Bde. Kurzschrift aus oder als DAISY-Buch 1157, Sprecher: Hans Lanzke.
Und natürlich finden Sie bei uns auch weitere Titel von Hans Fallada.

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Ruth Blum: "Mein Feuergesicht"

Jana Waldt
[Hörbücherei]
Ruth Blum lebte von 1913 bis 1975. Sie übte verschiedene Tätigkeiten, u. a. als Verkäuferin und später als Lehrerin, aus und lieferte nebenbei journalistische Beiträge für Schweizer Zeitungen. Erst in den 1960er Jahren konnte sie die Schriftstellerei endlich zum Beruf machen.
Der Roman "Mein Feuergesicht" ist 1967 zum ersten Mal erschienen und das einzige Buch von Ruth Blum, das in Blindenbibliotheken vorliegt.
Erzählt wird die Geschichte von Ursula Imholz, die durch ihr Feuergesicht gezeichnet - die linke Gesichtshälfte ist vom Hals bis zum Haaransatz blau-rot geflammt - auf der Suche nach Liebe zu sich selbst findet. Ursula fühlt sich um Schönheit, Beruf und Heimat betrogen. Die Mutter lehnte sie wegen ihres Feuergesichts von Geburt an ab, sagte ihr später sogar: "Du brauchst nicht tanzen zu lernen, eine wie du bekommt doch keinen Mann." Auch ihre bildhübsche Cousine Ella spielte ihr schon während der Schulzeit übel mit.
Nach dem Tod des Vaters begann sie kein Medizinstudium, welches ihr größter Wunsch war, sondern lernte Stenografie und Maschineschreiben. Sie arbeitete im Büro, um die Mutter und die Brüder finanziell zu unterstützen. Zu schätzen wusste das niemand.
Als eines Tages im Heimatort Andreas, ein junger, frommer Verwaltungsangestellter auftauchte, der sie gern in seinem Bibelkreis begrüßte und sich nicht an ihrem Feuergesicht störte, keimte in ihr die leise Hoffnung auf, vielleicht doch einmal den Mann fürs Leben zu finden und eine richtige Familie zu haben.
Andreas bemerkte natürlich mit der Zeit, dass ihm Ursula mehr und mehr verfiel. 15 Jahre lang spielte er ein grausames Spiel, nannte sie seine "Schwester im Leiden". Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Hören Sie selbst Ursulas Geschichte, die sie rückblickend während ihres Aufenthaltes im Sanatorium erzählt.
Gelesen wird das Hörbuch von Dorothea Garlin, die es hervorragend versteht, die Stimmungen der Romanheldin sprachlich umzusetzen.
Sie können es unter der Bestellnummer 3582 als DAISY- oder Kassetten-Hörbuch ausleihen.

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Die 100 Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ist 2004 dieser Frage nachgegangen. Wir nennen Ihnen nacheinander die ersten 100 Plätze. Titel, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir ausführlicher vor.
Wir setzen heute fort mit Platz Nr. 18:
Umberto Eco: "Der Name der Rose"

Umberto Eco: "Der Name der Rose"

Der italienische Kritiker, Essayist, Schriftsteller und Semiologe Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alessandria (Piemont) geboren und lebt heute in Mailand. Nach dem Abschluss des Studiums der Pädagogik und Philosophie erwarb er 1954 den Hochschulabschluss an der Universität Turin mit einer Magisterarbeit über die Lehre der Ästhetik des Thomas von Aquin. Später leistete er Programmarbeit beim Italienischen Fernsehen RAI und war als freier Dozent für Ästhetik und visuelle Kommunikation in Turin, Mailand und Florenz tätig. Von 1959 bis 1975 arbeitete Eco als Senior Editor im Verlagshaus Bompiani. Im Jahre 1975 wurde er als Professor für Semiotik an die Universität Bologna berufen. In den Jahren 1976-77 und 1980-83 leitete Eco das Institut für Kommunikation und Schauspiel an der Universität Bologna.
Eco gilt als einer der Protagonisten der kulturellen Avantgarde im Italien der 60er Jahre. Er wendet nach der strukturalistischen Methode Elemente der Informationstheorie auf die Ästhetik an. Er wurde mit zahlreichen Ehrendoktoraten verschiedener Universitäten, an denen er auch Seminare abhielt, ausgezeichnet.
1980 debütierte der bekannte Theoretiker mit dem aufsehenerregenden Roman "Der Name der Rose", der ein internationaler Erfolg wurde und 1986 mit Sean Connery in der Hauptrolle in die Kinos kam. Die folgenden Romane "Das Foucaultsche Pendel ", "Die Insel des vorigen Tages", "Baudolino" und "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" erreichten ebenfalls Bestseller-Status.
Ecos Roman "Der Name der Rose" war Weltbestseller und Kultbuch der 80er Jahre; Höhepunkt des Interesses an mittelalterlicher Thematik, eine Kombination aus intelligentem, glänzend recherchiertem Historienthriller und spannender Verarbeitung der postmodernen Erzähl- und Interpretationstheorie, wie sie der Autor selbst in mehreren Abhandlungen dargestellt hatte.
William von Baskerville, englischer Franziskaner, und Adson, Novize aus Melk, weilen 1327 in diplomatischer Mission in einem oberitalienischen Benediktinerkloster. Hier hat soeben der gewaltsame Tod eines Bruders den Abt in Unruhe versetzt, weil seiner Abtei brisanter Besuch ins Haus steht. Delegationen des Franziskanerordens und des Avignon-Papstes sollen über Glaubensfragen verhandeln, die sich um die Armut Christi drehen. Unter ihnen ist Williams Erzfeind, der Inquisitor Bernard Gui. Wie ein Detektiv macht sich William an die Aufklärung des Todesfalls, dem sechs weitere folgen. Die Spurensuche führt in die z. T. unzugängliche Bibliothek, das Machtzentrum des greisen Blinden Jorge de Burgos. Er besitzt das einzig erhaltene Exemplar des in Wirklichkeit nicht erhaltenen zweiten Buches der Poetik von Aristoteles, das die Komödie und damit das subversive Lachen gerechtfertigt hätte. Jorge will die Welt vor diesem Text schützen, da er im Lachen ein Prinzip des Aufruhrs gegen die Autoritäten sieht.
Dank seines detektivischen Scharfsinns und guter Ratschläge seines Gehilfen Adson gelangt William bis zu Jorge, die beiden kämpfen um das Buch, dabei fällt die Lampe um, die Bibliothek fängt Feuer und das Kloster wird ein Raub der Flammen. Adson schreibt im hohen Alter das Erlebte auf.
Jeder Tag ist in die Zeiten der klösterlichen Hauptgebete untergliedert. Dieses Zeitgerüst trägt ebenso zur Spannung bei wie die am 4. Tag aufkommende Vermutung, die Todesarten der bisherigen Opfer wiesen auf die Johannes-Apokalypse als Serienmuster hin. Die Hypothese erweist sich als falsch, ist aber von dem eigentlich Verantwortlichen geschickt genutzt worden.
Der Roman ist ein geniales, raffiniert kalkuliertes Amalgam verschiedenster Quellen, von der strukturgebenden Apokalypse über den englischen Detektivroman bis zu J. L. Borges und M. Bachtins Studien über die mittelalterliche Lachkultur, mit einem akuten Zeitbezug zwischen den mittelalterlichen Häretikern und dem Terrorismus unserer Zeit; Literatur aus Literatur, dargeboten im skeptisch-spielerischen Sinne des Postmodernismus. Typisch für postmodernes Schreiben, das die Literatur als unendlichen Dialog der Bücher auffasst, ist das Montieren zahlreicher Quellen, von denen einige - wie die Offenbarung des Johannes - die Struktur tragen. Andere illustrieren das zeitlich bedingte Wissen der Mönche, wobei Eco, wenn er in verdeckter Form Gedanken moderner Theoretiker zitiert, bewusst anachronistisch verfährt.
Eco selbst hat es in einer Nachschrift (1983) zu seinem Roman abgelehnt, zu einzelnen Fragen Stellung zu nehmen, etwa dem Titel einen eindeutigen Sinn zuzuweisen. Unmittelbar nach dem Erscheinen des Romans entstand eine Vielzahl von Detailstudien der Literaturwissenschaft, die den zahlreichen verbalen und motivischen Zitaten nachspürte. Den Erfolg des Buches wiederholte die Verfilmung durch Jean-Jacques Annaud (1986).
[Quelle: Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, Alfred Kröner Verlag ; Das Buch der 1000 Bücher, Harenberg Verlag ; www.umberto-eco.de]
Weitere Titel von Umberto Eco in der DZB:
Hörbuch:
Punktschrift

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"Literaturtreff" 2010

Karsten Sachse
Im nächsten Jahr steht der 23. Jahrgang der Zeitschrift "Literaturtreff" ins Haus und es wird Zeit, Sie mit den für diesen Jahrgang ausgewählten Titeln bekannt zu machen.
Der Start ins Jahr erfolgt gewissermaßen noch ganz in Sektlaune - prickelnd leicht und "Schwerelos". In Ildikó von Kürthys heiterem Frauenroman (Wunderlich, 2008) dreht sich alles um Rosa und ihren bevorstehenden vierzigsten Geburtstag, der auch ihr Hochzeitstag werden soll. Doch der Weg zum Happyend ist steinig, das sei an dieser Stelle schon mal verraten.
Freunde spannender Psychogramme in der Manier eines Claude Chabrol dürften sich dann über die restlichen kalten Wintertage mit dem Roman "Ultraviolett" von Serge Joncour trösten (Klett-Cotta, 2008). Die spannende Geschichte erlaubt schon mal ein Vorgefühl auf den Hochsommer: Eine wohlbestallte Familie verbringt ihren Urlaub auf einer Insel und wartet dort auf den Filius, der seine Semesterferien ebenfalls hier verbringen will. Doch an seiner Statt steht plötzlich Boris vor ihnen. Braungebrannt, verführerisch. Alle verfallen ihm. Doch unter der Oberfläche beginnt es zu brodeln, denn keiner möchte so genau wissen, wer der Fremde in Wirklichkeit ist. Dass er den verschollenen Sohn im Internat kennen gelernt hat, ist wenig wahrscheinlich. Nur der Schwager schöpft Verdacht. Joncour erzählt davon, wie schnell eine glamouröse Familie aus dem Gleichgewicht geraten kann.
Der Roman "Das goldene Zeitalter" von Ferenc Karinthy (Schirmer Graf, 2006) führt nach Budapest im Dezember 1944. Die Russen stehen vor der Stadt, die ungarischen Pfeilkreuzler sind auf der Jagd nach den letzten untergetauchten Juden. Einer von ihnen, Joseph Beregi, ein Charmeur, Frauenheld und Fußballfan, trotzt der Gefahr, indem er unbeirrt seinem Lebensprinzip als Frauenheld und Genussmensch treu bleibt. Während die Bomben auf die Stadt niedergehen, setzt er im Luftschutzkeller, wo nur noch Frauen und Kinder leben, seinen unwiderstehlichen Charme ein. Eine zärtliche, makabre Komödie, ein Märchen, dessen Held Beregi der Barbarei der Geschichte seinen instinktiven Willen zum Glück entgegensetzt.
Auf der nächsten Reise nimmt Sie Autor Helge Timmerberg mit nach Indien. In "Shiva Moon" (Rowohlt Berlin, 2006) folgt er dem Ganges, von der Quelle auf 3 500 Metern Höhe, wo der Strom aus dem Eis bricht, bis zum Delta im Indischen Ozean - zu Fuß, auf dem Boot, mit dem Zug, wie es gerade kommt. Er trifft in Gangatori nackte Asketen in ihren Höhlen und durchstreift Rishikesh, die Stadt, in die die Beatles pilgerten, und wo Autos, Alkohol und Fleisch verboten sind. Er mischt sich unter Bettelmönche und begegnet Sadhus, die aus den ausgekochten Schädeln ihrer Yogis trinken. Er besucht die Slums von Kalkutta ebenso wie das sechstausend Jahre alte Varanasi. Es ist eine Reise im Schatten einer Jahrtausende alten Kultur - eigenwillig und mit großer Kraft erzählt.
Wechseln wir den Schauplatz: die junge, liebenswerte "Lucy Gayheart" (Manesse-Verlag, 2008) ist eine ausgezeichnete Klavierspielerin. Sie beschließt, die Kleinstadt Haverfort zu verlassen und zum Musikstudium nach Chicago zu gehen. Dort lernt sie den Tenor Sebastian kennen. Ausgerechnet da tritt auch ihr Jugendfreund Harry wieder in ihr Leben und macht ihr einen Heiratsantrag … Mit großem Einfühlungsvermögen und zarter Poesie erzählt Willa Cather die Geschichte einer Selbstfindung. Der Roman ist das bewegende Porträt einer jungen Frau, die in Chicago zu neuen Ufern aufbricht: das erste eigene Zimmer, die erste große Liebe und die ewige Frage, warum man nie den Mann will, den man haben könnte.
Als Schlüsselroman des berühmten William Somerset Maugham gilt "Rosie und die Künstler" (Diogenes, 2005). "Kindlers Literatur Lexikon" bezeichnet ihn als eines "der beachtlichsten Werke Maughams". Darin erinnert sich der erfolgreiche Schriftsteller Willie Ashenden der leidenschaftlichen Affäre mit Rosie - der Frau seines Kollegen Edward Driffield. Geistreiche Schilderungen der Intellektuellen- und Künstlerkreise im London der Vorkriegszeit und die boshaften Porträts einiger bekannter Schriftsteller trugen zum Erfolg dieses Romans wesentlich bei.
Begeben wir uns nun 2000 Jahre zurück in der Historie, bis nach Germanien im Jahre 9 n. Chr.: Der römische Statthalter Varus unterliegt mit seinen Legionen einer germanischen Übermacht, angeführt vom Cherusker Arminius. Acht Jahre später werden eine Frau und ihr kleiner Sohn als Trophäen im Triumphzug des Feldherrn Germanicus durch Rom geführt, vorbei an den hämischen Blicken der Römer. Die Frau ist Thusnelda, die Ehefrau des Arminius. Robert Gordians Roman "Die Germanin" (Zabern, 2009) berichtet über die "Schlacht im Teutoburger Wald" und ihre Folgen aus germanischer und zugleich aus der weiblichen Perspektive Thusneldas.
Es gibt kaum jemanden, der den berühmten Kommissar Maigret nicht kennt, Maigret dürfte sogar bekannter sein, als sein geistiger Vater, der Schriftsteller Georges Simenon. "Wer war zuerst da: der Komissar Maigret oder der Schriftsteller Simenon? Wer von beiden hat den anderen erfunden? Diese Frage scheint unsinnig, doch wer war schon Simenon, bevor es Maigret gab? …
Zumindest muss sich Simenon selbst diese Frage gestellt haben, denn in "Maigrets Memoiren" (Diogenes, 2008) lässt er den Kommissar sich daran erinnern, wie es mit diesem Simenon angefangen hat, den ihm der Chef der Pariser Kriminalpolizei damals als einen jungen Mann vorstellte: "Monsieur Georges Sim, Journalist", und wie der junge Mann, der eine besonders dicke Pfeife rauchte, sofort protestierte: "Nicht Journalist, Romancier."
Ungewöhnliches geschieht auch in dem nächsten Titel unserer Aufzählung. In "Der seltsame Fall des Benjamin Button" von Francis Scott Fitzgerald (Diogenes, Neuübersetzung 2008) kommt ein seltsames Baby zur Welt: kein süßer kleiner Fratz, der seine Eltern beglückt, sondern ein alter Mann mit Bart. Sein Name: Benjamin Button. Ein schweres Schicksal ist ihm vorherbestimmt: Er durchläuft das Leben rückwärts und wird von Tag zu Tag jünger. Als Benjamin schließlich im Alter von fünfzig Jahren die zwanzig Jahre jüngere Hildegarde kennen lernt, steht für ihn, der sein Leben lang nie geliebt wurde, alles auf dem Spiel. Die anrührende und skurrile Geschichte war Vorlage für den gleichnamigen Film, der Anfang 2009 in den deutschen Kinos lief.
Zum Jahresausklang gibt es dann noch ein modernes Weihnachtsmärchen: Handlungsort in "Ein Weihnachtsengel auf vier Pfoten" von Petra Schier (Rütten & Loening, 2008) ist ein altes Haus am Stadtrand. Die alleinerziehende Architektin Hanna hofft, endlich ihren Traum vom eigenen Heim wahr machen zu können. Es zieht aber an allen Ecken und Enden, der Strom fällt schließlich aus, und dann läuft ihr auch noch Billa zu, eine Labradorhündin. Für Hannas Tochter Paula kein Problem: In diesem Haus würden sie von einem Engel beschützt. Wenig später lernt Hanna den Förster Leon kennen. Alles scheint auf ein wunderbares Weihnachtsfest zuzusteuern - bis Hanna erkennt, dass Leon ein Geheimnis hat, das sie tief erschüttert. Zum Glück gibt es Billa, den Engel auf vier Pfoten ... Friede, Freude, Hundekuchen.
Das sind die 10 vorgesehenen Titel für 2010. Bliebe zum Schluss noch darauf hinzuweisen, dass der bisherige niedrige Abonnementspreis in Höhe von 53,04 Euro für die insgesamt 52 Heftausgaben des "Literaturtreff" auch 2010 Bestand hat.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Wetterabfrage und Zeitschaltuhr - kleine Programme von Unitedbits

Ulrich Jander
Cord Hagen von Unitedbits.de hat eine ganze Reihe von kleinen Programmen entwickelt, woraus ich Ihnen zwei kurz vorstellen möchte. All diese Programme haben die Vorteile, dass sie zum einen Freeware sind (der Entwickler hat gegen eine kleine Spende nichts einzuwenden) und zum anderen sich nicht in das Windows-System eintragen. Man bekommt solch ein Programm durch das Löschen des entsprechenden Ordners auch leicht wieder entfernt, und ein Rest bleibt nicht übrig. Das gesamte Programmangebot finden Sie auf der Internetseite unter http://freeware.unitedbits.de (den ersten Link auf dieser Seite ausführen). Jedes Programm ist eine exe-Datei, die sich entpackt, wenn man sie aktiviert. Ohne Angabe eines bestimmten Ordners wird ein solches Programm mit seinem Namen als Ordnernamen in C:\Programme\Unitedbits\ abgelegt. Zu jedem Programm gehört eine Textdatei als Anleitung.
Das Wetterabfrageprogramm trägt den Namen "Rex" und heißt im Untertitel "Der Wetterdackel", da mit dem Programmstart eine solche Akustik ertönt. Im Anleitungstext zu Rex liest man zu Beginn u.a. folgendes:
Zitatbeginn: "Rex ruft zu einer bestimmten Postleitzahl, die der Anwender vorgeben kann, regionale und aktuelle Wetterdaten ab und blendet diese wahlweise ein. Durch seinen internen Timer kann Rex auch zusätzlich ganz gezielt zu bestimmten Uhrzeiten und für verschiedene Postleitzahlen Wetterdaten abrufen, anzeigen und protokollieren. Zudem ist eine Wettervorhersage getrennt für den Vormittag, Nachmittag und den Abend des aktuellen Tages durch entsprechende Platzhalter möglich. Auch detailliert stehen für den laufenden Tag und den Folgetag Vorhersagen mit Rex abrufbar zur Verfügung. Die Anzeige des internationalen Wetters weltweiter Metropolen fehlt ebenfalls nicht. Darüber hinaus bietet Rex diese Daten automatisch über die Zwischenablage in der integrierten Clip-In-Funktion zur weiteren Verwendung in jeder beliebigen Software an und kann auf Wunsch stündlich automatisiert diese Daten aktualisieren und sogar individuell protokollieren. Durch die Communicate-Schnittstelle von UnitedBits kann Rex als PlugIn von kompatiblen Programmen genutzt werden. Über diverse Einstellungen kann Rex im Non-PlugIn-Mode individuell konfiguriert werden. Weitere Funktionen wie der völlig frei konfigurierbare Stundengong, der integrierte SoundButler zur Aufnahme eigener Sounds, der Internet-Soundpool zur Erweiterung einer eigenen Soundsammlung, zusätzlichen PlugIns wie dem ’WetterBoten’ um das Wetter per E-Mail automatisiert zu bestimmten Uhrzeiten versenden zu können und anderes mehr runden die Funktionalität von Rex weiter ab. Die PowerManagement-Schnittstelle in Rex ermöglicht sogar das wetterabhängige Schalten von kompatiblen Schaltsteckdosen, die Sie fertig konfiguriert von UnitedBits beziehen können. So können Sie abhängig von Temperatur, Niederschlagswahrscheinlichkeit oder Windgeschwindigkeit bis zu vier Steckdosen je Steckdosenleiste regeln und bspw. Markisen bei Wind einfahren lassen, Rasenberegnungen bei Trockenheit aktivieren oder Klimaanlagen abhängig von der Außentemperatur ein- und ausschalten." Zitatende.
Wenn Rex das erste Mal gestartet wird, sind ein paar Einstellungen erforderlich, die Allermeisten für den Wetterboten, den man benutzen kann, um eingeholte Wetterdaten an eine E-Mail-Adresse zu senden. Will man das nicht, so verneint man diese Anfrage, und es muss nur eine Postleitzahl eingetragen werden, zu welcher bei jeder Anfrage die Wetterdaten eingeholt werden sollen. Die Abfrage geschieht sehr schnell und natürlich über den Weg des Internets. Aus der Anleitung geht u.a. auch hervor, dass Rex im Zusammenhang mit einem anderen Anwendungsprogramm arbeiten kann und dann dort seine Wetterdaten einfügt. Oder Rex befindet sich in einem eigenen Verzeichnis; dann startet es separat als eigenständiges Programm. Rex erkennt den entsprechenden Zustand automatisch mit dem ersten Start.
Das Programm "Rex", wenn man es aufgerufen hat, ist nicht ständig im Vordergrund zu finden. Es tritt in bestimmten Zeitabständen und für eine bestimmte Zeit lesbar in den Vordergrund. Wann Rex sein Wetter präsentiert und wie lange, kann im Menü, wie vieles andere auch, eingestellt werden. Allerdings sind die Wetterdaten von Rex bezogen auf die angegebene Postleitzahl im Infobereich, erreichbar mit Hilfe von Windowstaste+B und anschließend mit Cursortaste nach links oder rechts, immer auslesbar. Genau an dieser Stelle gelangt man mit der Kontext- bzw. Anwendungstaste (entspricht rechtem Mausklick) in das Menü von Rex mit vielfältigen Auswahl- und Einstellmöglichkeiten. Über den Weg kann Rex auch beendet werden.
Sie sollten sich bei Interesse die Anleitung zu Rex durchlesen, die als Textdatei neben der Programmdatei im selben Verzeichnis abgelegt ist, denn auf alle Funktionen kann ich hier leider nicht eingehen. Bei einigen Tests im Vorfeld dieses Beitrages funktionierte es leider nicht immer mit der Darstellung im Infobereich. Das Wetter konnte also nicht ausgelesen werden. In einem solchen Fall sollte man versuchen, Rex zu beenden, gegebenenfalls den Computer neu zu starten und anschließend Rex wieder aufzurufen. Diese Erscheinung kann von Konfiguration zu Konfiguration der verschiedenen Windowssysteme unterschiedlich sein.
Kurz eingehen möchte ich noch auf das zweite kleine Programm: Die Zeitschaltuhr. Das Auspacken geschieht genauso wie bei Rex. Neben der Programmdatei steht auch hier eine Textdatei mit der Anleitung zur Verfügung. Wenn man die Zeitschaltuhr gestartet hat, befindet man sich in einer Auswahlliste, die die einzelnen Funktionen des Programms enthält. In der Liste geht man mit Cursortaste nach unten oder oben durch. Mit Betätigung der Tabulatortaste steht man in einem Eingabefeld, in welchem die Zeit angegeben werden kann. Das nochmalige Betätigen der Tabulatortaste führt Sie zum Schalter "Start". Beendet wird das Programm mit Alttaste+F4. Im Anleitungstext steht zu den Möglichkeiten der Zeitschaltuhr u.a. folgendes:
Zitatbeginn: "Den Computer in dreißig Minuten automatisch ausschalten? Oder mit zwei Klicks in den Ruhezustand bringen? Sich in zwei Stunden an einen wichtigen Termin erinnern lassen oder einen Internetradiostream zu einer bestimmten Uhrzeit starten? Das alles geht sehr einfach und komfortabel mit der Zeitschaltuhr von UnitedBits. Mit ihr lassen sich verschiedene Aktionen zu einer bestimmten Zeit starten. Einfach auswählen zwischen den Aktionen Computer ausschalten, neu starten, in den Standby oder Ruhezustand bringen, Benutzer abmelden, an Termine erinnern lassen, Programme starten oder auch wieder beenden, Verzeichnisse öffnen, Internetadressen im Browser öffnen oder fertig adressierte E-Mails im Mailprogramm aufrufen, Sound- und Musikdateien abspielen … Dann, wenn noch gewünscht, die verbleibende Zeit bis zur Aktion in Minuten eintippen oder direkt die gewünschte Uhrzeit eintragen und fertig. Die Zeitschaltuhr wird die geplante Aktion pünktlich starten." Zitatende.
Auch bei diesem Programm ist es nützlich, die Anleitung durchzulesen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Ausprobieren und Benutzen dieser und anderer Programme von UnitedBits.

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Info-Service

"GEOlino" ab 2010 in Blindenschrift

Gabi Schulze
Wie der höchste Berg der Welt bezwungen wurde, wer die Erben der Dinosaurier sind, wie sich Tiere in der Wildnis unsichtbar machen - "GEOlino", das Erlebnisheft für Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren, bietet jeden Monat eine bunte Themenvielfalt aus Natur, Tierwelt, Technik, Menschen und Kulturen. Alle Kinder, die lesen, staunen, lernen und Spaß haben wollen, finden hier spannende Reportagen, interessante Berichte und lebendige Geschichten.
Ab 2010 wird es diesen Lesespaß auch für blinde Kinder geben. In Zusammenarbeit mit dem Verlag Gruner + Jahr bringt die DZB "GEOlino" in Blindenschrift (Voll- und Kurzschrift) heraus. Das Heft erscheint monatlich und kostet im Jahresabonnement 19,20 €.
Die neue Zeitschrift löst das Schülermagazin "Kinderland" ab, dessen letzte Ausgabe im Dezember 2009 veröffentlicht wird. Im Oktober 2009 erhalten alle Abonnenten der "Kinderland" und Interessenten auf Anfrage ein kostenloses Probeexemplar der "GEOlino".
Wichtig zu wissen: Ab Januar 2010 wird das Abonnement der "Kinderland" automatisch mit "GEOlino" fortgesetzt. Wer keine "GEOlino" abonnieren möchte, wird gebeten, dies spätestens bis 2. November 2009 schriftlich oder telefonisch mitzuteilen (Tel.: 0341 7113-120, Fax: -125, E-Mail: verlag@dzb.de). Dann endet das Abonnement zum Jahresende. Natürlich können auch alle neuen Interessenten diesen Kontakt nutzen.

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"NEON" - Jugendmagazin auf CD-DAISY

Gabi Schulze
Ab Januar 2010 wird es in der DZB ein neues Jugendmagazin geben. Es heißt "NEON" und tritt an die Stelle der bisherigen Hörzeitschrift "Ketchup", deren letzte Ausgabe im Dezember 2009 erscheint.
"NEON" ist eine Zeitschrift des Verlages Gruner + Jahr und richtet sich an junge Leute zwischen 20 und 35 Jahren.
Ihr inhaltliches Spektrum ist weit gefächert: Die Zeitschrift berichtet unterhaltsam und informativ zugleich über gesellschaftliche und politische Themen, über Modetrends, Partnerschaft und Sexualität, Beruf und Karriere, Reisethemen und Popkultur.
Die gut recherchierten Beiträge mit Hintergrundinformationen zeugen von der Kompetenz der Journalisten, die mit ihren Themen genau den Nerv junger Leute treffen.
Authentisch beleuchten sie den Alltag und beschreiben das Lebensgefühl dieser Generation, berichten in ihren Reportagen kritisch über gesellschaftliche Zustände, lassen in Sachen Liebe und Partnerschaft Experten sprechen und interviewen außergewöhnliche Personen aus allen Bereichen des Lebens.
Das Besondere: "NEON" erscheint monatlich in vollem Umfang auf CD-DAISY. Das sind rund 300 Minuten Information und Unterhaltung für junge Leute zum Jahresabonnementpreis von 19,20 €!
Im Oktober 2009 erhalten alle Abonnenten der "Ketchup" und Interessenten auf Anfrage ein kostenloses Probeexemplar der "NEON".
Wichtig: Abonnenten der "Ketchup" werden ab 2010 automatisch mit "NEON" beliefert. Wer das Abo mit "NEON" nicht fortsetzen möchte, wird gebeten, dies spätestens bis 2. November 2009 schriftlich oder telefonisch anzuzeigen (Tel.: 0341 7113-120, Fax: -125, E-Mail: verlag@dzb.de). Diese Kontaktdaten gelten auch für alle neuen Interessenten.

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DAISY2009

Christiane Felsmann
Es ist soweit! Vom 21. bis 27. September 2009 veranstaltet die DZB Leipzig das internationale Großereignis DAISY2009. - Der zentrale Treffpunkt für Anwender und Entwickler moderner Informationstechnologien rund um das Thema DAISY.
Angesprochen sind alle, die sich für das Format DAISY interessieren und neugierig sind. Neugierig auf aktuelle Angebote und auch Basisinformationen oder eine individuelle Beratung wünschen. Dann sind Sie beim DAISY-Anwenderforum genau richtig!
Am 23. September 2009 bieten wir von 9 bis 16 Uhr nicht nur spannende Fachvorträge, sondern auch ein vielfältiges Programm. Dazu gehören verschiedene praxisorientierte und unterhaltsame Präsentationen rund um das digitale Format. Unter dem Titel "DAISY zum Anfassen" gibt es Informationen direkt aus der Praxis. DAISY-Mobil-Trainer und Anbieter von DAISY-Produkten stehen Ihnen zur Seite, um jegliche Abspielgerätetypen individuell oder gern auch gemeinsam auszuprobieren. Persönliche Informations--gespräche wie auch der gemeinsame Erfahrungsaustausch sind gewünscht und stehen im Mittelpunkt des Tages. In der Hilfsmittelausstellung wird die Vielfalt der Abspielgeräte und Serviceangebote deutlich. Der Eintritt ist frei.
Eingerahmt wird das Anwenderforum von mehreren Fachtagungen. Nur Mitgliedern ist das Treffen des international zusammengesetzten DAISY-Consortiums und das des im deutschsprachigen Raum aktiven Gremiums Medibus vorbehalten. Öffentlich findet vom 21. bis 23. September auch die deutschsprachige Fachtagung zum Thema "Barrierefreie Aufbereitung von Dokumenten" statt. Schließlich und von großem Interesse ist die "DAISY International Technical Conference" vom 23. bis 25. September. Experten aus aller Welt diskutieren im ausschließlich englischsprachigen Rahmen neue Anwendungen und Entwicklungen des DAISY-Standards.
DAISY2009 ist der Treffpunkt für den Anwender zu Hause - den DAISY-Nutzer und deren Begleiter, für Produzenten und Entwickler - Bibliotheken und Verlage, für Anbieter der Abspielgeräte und Services - kommerzielle Einrichtungen und ist offen für alle weiteren Interessierten.
Aufgrund der Vielseitigkeit und Fülle der Veranstaltungen findet DAISY009 außerhalb der DZB Leipzig statt: Hotel RAMADA Leipzig, Schongauer Straße 39, 04329 Leipzig.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und dem RAMADA Leipzig finden Sie unter www.daisy2009.de.
DAISY2009 ist eine Veranstaltung der DZB Leipzig.
Kontakt: Jenni Handschack, Telefon: 0341 7113-162, E-Mail: info@daisy2009.de

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Die DZB Leipzig on tour

Christiane Felsmann
Die Tour de Braille gehört nun leider schon wieder der Vergangenheit an. Kein Grund für uns, zu Hause zu bleiben! Im Herbst finden vielerorts Hilfsmittelausstellungen und regionale Präsentationen statt. Deshalb wird die DZB Leipzig in fast jeder Himmelsrichtung unterwegs sein. Im Anschluss an die "Woche des Sehens" werden wir zum einen am 16. und 17. Oktober 2009 die Hilfsmittelausstellung des ABSV in Berlin, zum anderen am 17. Oktober 2009 die Messe in München besuchen.
Wir werden die Kalender für 2010 in Brailleschrift und in Großdruck, Atlanten und Grußkarten, aber auch aktuelle Zeitschriftenangebote und andere Neuigkeiten aus unserem Hause dabei haben.
Mehr Informationen unter www.dzb.de oder per Telefon 0341 7113-131.

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Kulinarische Integration sucht Hilfe

Am 14.11.2009 eröffnet in Dresden-Klein-zschachwitz Sachsens erstes Dunkelrestaurant. In völliger Dunkelheit werden im Dunkelrestaurant "Sinneswandel" kulinarische Köstlichkeiten serviert. Im Vordergrund steht allerdings nicht nur das Erlebnis Dunkelheit, sondern auch die Integration: Um eine Verbindung zwischen Sehenden und Blinden zu schaffen, begibt sich der sehende Gast in die Obhut des blinden Kellners und ist auf dessen Hilfe angewiesen.
Zur Unterstützung des Serviceteams sucht das Dunkelrestaurant "Sinneswandel" dringend blinde oder stark sehbehinderte Menschen, die aufgeschlossen, freundlich und kontaktfreudig sind. Menschen, die anderen ihre Welt näher bringen möchten. Wichtig ist nur, dass die Interessenten sich sicher im Dunklen bewegen können. Spezielle Servierkenntnisse werden nicht benötigt.
Weitere Informationen erhalten Sie über:
info@dunkelrestaurant-sinneswandel.de
oder unter Tel. 0351 4267837.

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Fotolesetasthörbuch

bbsb-inform
Sehr schlecht oder gar nicht sehen zu können ist nur schwer vorstellbar. Wer nicht damit konfrontiert ist, macht sich so seine Gedanken und die kreisen gar oft um den Verlust an Lebensqualität und Verzicht. Daraus entstehen Vorstellungen und Klischees und Verunsicherungen im Umgang, die blinde und sehbehinderte Menschen mitunter nerven. Aber geht es uns anders? Auch wir gehen von Vorstellungen und Klischees im Umgang mit den Menschen, die gut sehen können, aus. Das Zusammenleben normalisiert sich allmählich, wenn das, was uns trennt, so verarbeitet wird, dass es uns letztlich verbindet.
"Andere Augen" nennt Gregor Strutz sein Fotolesetasthörbuch, das eigentlich als Diplomarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign entstand und das mit seinen aussagestarken Fotos und seinen sensibel geführten Interviews das Leben eines sehbehinderten Milchbauern und seiner Familie und eines blinden Lehrers in Norwegen beschreibt. Weil im Laufe mehrerer Sommer eine Beziehung zwischen ihm und diesen Menschen gewachsen ist, erfährt Gregor Strutz viel über das Leben der beiden Männer, wie diese sich selber sehen, wie sie mit ihrem Handicap umgehen, ihren Alltag bestehen, und wie sie gesehen werden.
"Andere Augen" ist ein Buch für blinde, sehbehinderte, aber vor allem für sehende Menschen. Beide Männer beantworten all die vielen Fragen, die uns mehr oder weniger direkt oder versteckt immer wieder gestellt werden. Wir erfahren, dass sich das Leben mit Blindheit und Sehbehinderung in Norwegen im Kern von dem unseren nicht wesentlich unterscheidet.
Fotolesetasthörbuch nennt Gregor Strutz seinen Band, weil viele für die beschriebenen Situationen charakteristischen Fotos mit einfühlsamen Bildbeschreibungen und in Braille gedruckten Kernaussagen, sowie den Dialogen in Interview-form als Hörbuch ein Ganzes bilden.
"Andere Augen" ist nicht einfach ein Buch über zwei Menschen. So wie der Bildband aufgemacht ist, eignet er sich ausgezeichnet als Geschenk für verdiente Mitarbeiter der Selbsthilfe oder unserer Einrichtungen, ebenso aber für Einsteiger und Freunde, die all die Fragen mitbringen, auf die Gregor Strutz in Wort und Bild Antworten bekam und aus denen er gelernt hat, Menschen, die mitten in der Gesellschaft leben, mit anderen Augen zu sehen.
Der Fotolesetasthörband, herausgegeben von Andere Augen e. V., ist bei der Deutschen Zentralbücherei zu Leipzig (DZB) für 31,- Euro zu beziehen (Tel.: 0341 7113-119 oder E-Mail: verlag@dzb.de).
Mehr über den Autor und sein Buchprojekt erfahren Sie unter www.andereaugen.de.

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: Kassette oder Blindenkurzschrift oder CD DAISY 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten. Keine Reproduktion, Vervielfältigung oder Verbreitung ohne Genehmigung des Herausgebers.
Herausgeber, Verlag/Studio:
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Telefon: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
Internet: www.dzb.de
E-Mail: verlag@dzb.de
Redaktion:
Karsten Sachse
Telefon: 0341 7113-135
Abonnements, Anzeigen:
Sylvia Thormann
Telefon: 0341 7113-120
Spenden:
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto-Nr.: 1 100 830 010
DZB 2009

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