DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 1 – 2010

Januar / Februar

20. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Einblicke

Danke Tonkassette ­ Hallo DAISY!

Fünf Jahre "Freunde der DZB e.V."

Vorschau 2010

Buchpatenschaften 2010

Wie war das damals?

"Blinde und sehbehinderte Menschen einbeziehen: Herausforderung für das Urheberrecht?"

Die Kramkiste

Truman Capote: "Frühstück bei Tiffany"

Herbert Otto: "Zeit der Störche"

Lieblingsbücher der Deutschen

Theodor Fontane: "Effi Briest"

LOUIS

Der Klango Player - ein Wiedergabe- und Aufnahmeprogramm für blinde und sehbehinderte Menschen

Info-Service

Kassettenboxen

Noch mehr Nordfriesland zum Hören und Ertasten!

DRK Bahnhofsdienst in Leipzig

Newsletter Tandem-Hilfen e.V.

"braille seasons" auch 2010

Informationen des Bayerischen Blindenbundes per Telefon

Impressum

Vorbemerkung

Ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr, liebe Leserinnen und Leser!
Das neue Jahr lässt sich gut an, allerdings mit einer Mitteilung aus dem alten: MEDIBUS und VG Wort konnten sich auf einen neuen Vertrag einigen, der nun auch den Nutzern von Braille und DAISY Teilhabe am elektronischen Zeitalter ermöglicht (siehe Rubrik "Einblicke"). Diese begrüßenswerte Regelung hat nationale Geltung. International gibt es noch Nachholbedarf, wie unter "Wie war das damals?" deutlich wird. Wobei das Wörtchen "damals" hier etwas flexibel anzulegen ist, die betreffende Veranstaltung liegt erst ein reichliches halbes Jahr zurück.
Natürlich wird die erste Ausgabe in diesem Jahr auch dazu verwendet, um Ihnen schon den einen oder anderen Hinweis auf Aktivitäten und Veranstaltungen rund um die DZB zu geben, die in den nächsten Monaten auf uns warten. Und auf die Literaturtipps verzichten wir im neuen Jahr ebenfalls nicht.
Herzlichst grüßt
Ihr Karsten Sachse

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Einblicke

Danke Tonkassette ­ Hallo DAISY!

30.000 Titel im praktischen digitalen Hörbuchformat für Blinde und Sehbehinderte verfügbar
Elke Dittmer, Vorsitzende von MEDIBUS, der Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen, überbrachte den Hörbüchereien im deutschen Sprachraum die gute Nachricht: "Das Tor in die digitale Welt steht jetzt auch blinden und sehbehinderten Lesern offen!"
Die Verwertungsgesellschaft Wort und MEDIBUS haben einen Gesamtvertrag über den Verleih sowie die elektronische Übermittlung von Werken in Blindenschrift und als Hörbuch im DAISY­Format geschlossen. Auf Basis des geltenden Urheberrechtes und des unterzeichneten Gesamtvertrages werden die in MEDIBUS zusammengeschlossenen Blindenbüchereien ein schrittweise umzusetzendes Konzept zum Ausbau und zur schnelleren Verfügbarmachung von Punktschrift- und Hörbuchinhalten erarbeiten.
Mit Beginn des Jahres 2010 endete in allen Bibliotheken für Blinde und Sehbehinderte der Verleih von Hörbüchern auf Kassette. Der Ausleihservice wird vollständig auf das für die Nutzer einfach zu handhabende DAISY­Format umgestellt. Digital Accessible Information System ­ DAISY - ist eine auf offenen Internetstandards basierende Technologie für barrierefrei gestaltete multimediale Bücher und Zeitschriften, gemeinsam entwickelt von den Blindenbüchereien der Welt.
Um die neuen digitalen Angebote den Nutzern bekannt zu machen und den Umstieg möglichst attraktiv zu gestalten, setzten sich die Bibliotheken vor drei Jahren das ehrgeizige Ziel, mit dem Ende der Tonkassette 30.000 digitale Werke zur Ausleihe zu bringen. Ein gelungenes Unterfangen, wie der Blick auf den neu geschaffenen Zentralkatalog zeigt.
Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden­ und Sehbehindertenverbandes (DBSV) bringt ihre große Freude über den Vertragsabschluss zum Ausdruck: "DAISY ist bei Jung und Alt längst angekommen, auch mit unserer Verbandszeitschrift im DAISY­Format erreichen wir mittlerweile über 12.000 Abonnenten. Wir dürfen gespannt sein, was diese innovative Technologie zur verbesserten Teilhabe behinderter Menschen noch bereithält".
Thomas Kahlisch, DAISY­Beauftragter des DBSV, sieht große Potenziale in den neuen Technologien, den erheblichen Mangel an Literatur für Menschen, die gedruckte Texte nicht lesen können, zu beseitigen. Die von ihm geleitete Blindenbücherei DZB Leipzig organisierte gerade mit DAISY2009 einen Weltkongress zum Thema barrierefreie Aufbereitung von Dokumenten.
Dittmer und Kahlisch sprechen sich für einen auf fünf Jahre festgelegten Entwicklungsplan von MEDIBUS aus. Hier müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, Punktschrift­ und DAISY­Inhalte bundesweit über Datennetz verfügbar zu machen. Bevor Anwender sich aus dem Internet auf barrierefreien Abspielgeräten Hörbücher anhören oder Punktschrifttexte auf der Braillezeile nachlesen, sind jedoch noch manche Fragen zu beantworten und technische Lösungen zu entwickeln. Als ersten Schritt, so haben die MEDIBUS­Verantwortlichen festgelegt, wird eine netzgestützte Produktions­ und Austauschplattform entwickelt, die zu Verbesserungen der wichtigen Fernleihe führt. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des vom DAISY­Consortium und MEDIBUS verfolgten Zieles: "Für jeden Nutzer, das gleiche Buch, zur gleichen Zeit, barrierefrei verfügbar".
[Elke Dittmer und Dr. Thomas Kahlisch am 7.12.2009 Im Auftrag des MEDIBUS Vorstandes ]
Weitere Informationen
MEDIBUS www.medibus.info
VG Wort www.vg­wort.de
DAISY www.daisy.org
DBSV www.dbsv.org
DAISY2009 www.DAISY2009.de

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Fünf Jahre "Freunde der DZB e.V."

Dr. Sylke-Kristin Deimig
Liebe Leserinnen und Leser, im Dezember 2004 wurde der Förderverein "Freunde der DZB e.V." zur Unterstützung der Arbeit der DZB gegründet. Schon von Beginn an bin ich dessen Vorsitzende. - Eine schöne Aufgabe.
In den letzten fünf Jahren wurde vieles auf den Weg gebracht. Daher liegt es mir am Herzen, all jenen zu danken, die den Verein und die DZB mit ihren Spenden so hilfreich unterstützen.
Ihre Spende kommt durch den Verein schnell und zuverlässig der DZB zugute. So konnten im Bereich Brailleschrift Titel für Kinder kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, für die Hörbücherei notwendige DAISY-Boxen und auch dringend erforderliche Bibliothekssoftware finanziert werden. Ferner wurden notwendige Technik für die Druckerei und auch zwei neue Studiokabinen in Betrieb genommen. So können den Nutzern des Hauses mehr und schneller Bücher und Zeitschriften zur Verfügung gestellt werden.
Die DZB bleibt mit Hilfe Ihrer Spende auch international am Ball. Technische Entwicklungen werden auf diese Weise mitgestaltet und für Sie nutzbar gemacht.
Der Förderverein hat nebenbei auch die Aufgabe der Hausführungen durch die DZB übernommen. Ich selbst bin für einen Teil dieser Besuche verantwortlich und kann Ihnen versichern, dass das allgemeine Interesse an unserer Einrichtung sehr gewachsen ist.
Eines nun möchte ich Ihnen noch ganz besonders nahelegen - die Buchpatenschaften! So kann jeder die Übertragung bzw. Zugänglichkeit durch Digitalisierung von Büchern in Brailleschrift oder auch als Hörbuch gezielt unterstützen. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Frau Susanne Siems (Tel. 0341-7113-115). Sie wird Sie gern zu Ihrer ganz persönlichen Buchpatenschaft beraten. Oder gehen Sie ins Internet: www.buch-patenschaften.de, dort finden Sie alle Informationen.
Im Namen des gesamten Vereinsvorstandes mein ausdrücklicher Dank für die Unterstützung. Auf ein gutes, gemeinsames Jahr 2010!

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Vorschau 2010

Christiane Felsmann
Anmeldetermine liegen schon Monate zurück! Die wichtigsten Daten für das Jahr 2010 sind bereits eingetütet und die DZB ist in den Startlöchern. Das neue Jahr kann also kommen - wir sind bereit!
Pünktlich ab dem 01.01.2010 heißt es "Auf die Plätze, DAISY, los!". Die Mitarbeiter der DZB konzentrieren sich von nun an im Bereich Hörliteratur und Hörzeitschriften auf handliche CDs im DAISY-Format. Die Kompaktkassette muss dann in den Archiven des Hauses weichen und Platz machen für noch mehr DAISY. Bis Anfang März wird diese Aussonderung neben den täglichen Aufgaben erfolgen.
Im Frühjahr findet die traditionelle Leipziger Buchmesse statt. Selbstverständlich wird auch die DZB wieder vor Ort vertreten sein. Vom 18. bis 21. März zeigen wir auf der Messe Bücher in Brailleschrift sowie Reliefs und präsentieren unsere Angebote im DAISY-Format. Das Interesse an den Produkten des Verlages, sei es der Relief-Wandkalender, ein Kinderbuch oder ein umfangreiches Notenwerk, ist bisher ungebrochen. Besonders beliebt bei Jung und Alt ist das Schreiben der Brailleschrift mit einer Picht-Maschine. Aber auch das Treffen mit Vertretern anderer Verlage ist für uns von großer Bedeutung. Hier kann man mit Experten sprechen und gemeinsam Pläne schmieden, z. B. wie Textvorlagen zu gestalten sind, um diese für blinde und sehbehinderte Menschen in geeigneter Form aufbereiten zu können. Ein besonderer Höhepunkt findet im Rahmen von "Leipzig liest" am Messefreitag statt. Am 19.03.2010 dürfen wir ab 20 Uhr Jennifer Sonntag und Heike Herrmann zur aktiven Lesung "Hinter Aphrodites Augen - Mut zur Schönheit" begrüßen.
Zur Leipziger Buchmesse treffen sich bei uns Bücherwürmer jedes Interessengebietes, ob sehend, sehbehindert oder blind.
Eine Veranstaltung vorrangig für Blinde und Sehbehinderte dagegen ist die SightCity. Abermals am Frankfurter Flughafen treffen sich vom 28. bis 30. April 2010 internationale Hilfsmittelanbieter, Selbsthilfeverbände oder auch Bildungseinrichtungen. Gemeinsam mit der WBH aus Münster präsentiert dort die DZB die Mediengemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte e.V., Medibus. Selbstverständlich werden die Produkte des Hauses mit auf die Reise gehen. Schon heute können Sie sich den Stand E1 vormerken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Ihren Messeplatz im Mai hat die DZB zum Publikumstag der Internationalen Fachmesse "ORTHOPÄDIE + REHA-TECHNIK 2010". Am 15.05.2010 beraten wir sehr gern alle Interessierten zu den Bibliotheks- und Verlagsangeboten des Hauses. Hier treffen sich Pädagogen, Reha-Fachleute, Ärzte, aber auch Betroffene.
Im Juni sind wir nicht zum Fußball in Südafrika, sondern am 06.06.2010, dem offiziellen Sehbehindertentag, gemeinsam mit dem DBSV auf der Straße bzw. in der Kirche. Die Initiatoren organisieren in Kooperation mit der evangelischen und katholischen Kirche einen deutschlandweiten Sehbehindertensonntag.
Vom 16. bis 19. Juni ist die DZB als korporatives Mitglied des DBSV aktiv beim Verbandstag des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes vertreten. Hier wird es unter anderem darum gehen, wie die Zukunft zu gestalten ist.
Nach einer kleinen sommerlichen Verschnaufpause werden wir den Herbst mit dem "Tag der offenen Tür" feiern. Alle Interessierten aus Nah und Fern sind herzlich dazu eingeladen, am 04.09.2010 die DZB kennen zu lernen. Alle Produktionsabläufe werden ausführlich vorgestellt und gezeigt. Sie haben die Gelegenheit, hinter fast jede Tür zu schauen und uns näher zu kommen. Nach dem Motto "Berühren, Staunen, Begreifen" dürfen die Besucher an diesem Tag ausnahmsweise "fast" alles.
Der Oktober ist geprägt von der "Woche des Sehens". Vom 08. bis 15. Oktober stehen Sehbehinderung und Blindheit im Mittelpunkt. Aufklärungsveranstaltungen, Beratungstermine und Kampagnen der Öffentlichkeitsarbeit machen das Thema gesellschaftsfähig und sensibilisieren für die Problematik.
Das Buch und die DZB als Bibliothek rücken wir in der zweiten Oktoberhälfte, vom 24. bis 31. Oktober in den Mittelpunkt des Geschehens. Die bundesweite Bibliothekskampagne "Deutschland liest. Treffpunkt Bibliothek" gibt uns die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Büchereien Veranstaltungen zu realisieren. Hier können wir zudem auf die Besonderheiten unseres Hauses und die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten "Bücherwürmern" aufmerksam machen.
Soweit zu den bisher wichtigsten Terminen der DZB für 2010. Nichtsdestotrotz werden wir weiterhin fleißig Brailleschrift produzieren, neue DAISYs aufnehmen und so manches Bild als Relief tastbar gestalten. Schön, wenn Sie uns dabei begleiten.
Allen einen guten Start in das neue Jahr, Kraft und Geduld bei der Bearbeitung der vielfältigen Aufgaben und Erfolg bei der Erfüllung der gestellten Ziele. Allen Gesundheit und Freude!

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Buchpatenschaften 2010

Susanne Siems
Liebe Bücherfreunde, wie bereits in den letzten DZBN angekündigt, haben wir die Internetseiten des Projektes "Buchpatenschaften" überarbeitet. Der Schwerpunkt liegt nun - vergleichbar vielleicht ein wenig mit Restaurierungsprojekten einiger Landesbibliotheken in Deutschland - bei der Digitalisierung von Altbeständen unserer Punktschriftbibliothek. Eine Liste der von uns vorgeschlagenen Titel finden Sie im Anschluss an diesen Beitrag.
Für die ausdrücklichen Hörbuchfans haben wir auch weiterhin einige Hörbuchneuproduktionen als Vorschläge in die Liste aufgenommen.
Außerdem kann man das Projekt durch eine pauschale Spende ohne Titelbezug unterstützen, indem man einen Überweisungsträger mit dem Betreff "Bestandserhaltung" an uns sendet. Die Mindestsumme von 100 Euro fällt weg, dafür verzichten wir darauf, die Buchpaten in den Titeln zu nennen. Ein Eintrag auf den Internetseiten ist aber jederzeit möglich, wenn es vom Buchpaten gewünscht wird.
Ihre Fragen und Anregungen nimmt gern entgegen:
Susanne Siems, Tel. 0341 7113-115, susanne.siems@dzb.de
Unsere Titelvorschläge aus dem Alt-Bestand in Blindenschrift
Pro Blindenschriftband werden 100 Euro Spenden vorgeschlagen. Das liegt weit unter den wirklichen Herstellungskosten, ist aber für die Wiederaufbereitung der Titel, die in den regulären Produktionsprozess der DZB eingebunden wird, sehr nützlich. Die reinen Digitalisierungskosten für einen Band in Blindenschrift betragen ca. 800 Euro. Die hier genannten Bandangaben beziehen sich auf die derzeitig vorhandene Anzahl an handschriftlich gefertigten Blindenschriftbänden.
Jede Spende hilft beim Erhalt und der Wiederaufbereitung der Blindenschriftliteratur. Sie können unseren Spendenvorschlägen (in Klammern hinter der Bandzahl) gern folgen, aber auch kleinere Spendenbeträge sind willkommen.
Sobald sich ein Interessent für ein Werk meldet, wird das durch ein Icon in Form eines Punktschriftbuches deutlich gemacht. Die Titel mit den meisten Interessenten gehen am Schnellsten in die Produktion.
Neuproduktionen im Bereich Hörbuch

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Wie war das damals?

"Blinde und sehbehinderte Menschen einbeziehen: Herausforderung für das Urheberrecht?"

Eine Sitzung der WIPO in Genf am 13.07.2009
Redebeitrag von Christopher Friend, WBU-Strategieplaner - Barrierefreiheit; Vorsitzender der globalen WBU-Kampagne für ein Recht zu Lesen; Programmentwicklungsberater, Sightsavers International cfriend@sightsavers.org
"Exzellenzen, Herr Generaldirektor, Herr Botschafter Singh, meine Damen und Herren, ich spreche heute im Namen aller Blinden- und Sehbehindertenvertreter, für die Weltblindenunion, den Internationalen Verband der Blinden- und Sehbehindertenlehrer, die Libraries for Persons with Print Disabilities Section der IFLA und das DAISY-Konsortium, das ein neues Hörbuchsystem entwickelt hat. Später wird mein Kollege Dipendra Manocha von DAISY noch einmal besonders auf die Bedürfnisse und Probleme blinder und sehbehinderter Leser in Entwicklungsländern eingehen. Da mir heute Morgen nur 10 Minuten Redezeit zur Verfügung stehen, komme ich gleich zur Sache.
Vor genau 200 Jahren wurde Louis Braille in Paris geboren. Sein taktiles Schriftsystem aus 6 Punkten öffnete blinden und sehbehinderten Menschen das Tor zu Büchern, Informationen und Wissen.
Aber wenn wir doch Brailleschrift und DAISY-Technologie zur Verfügung haben, mit denen blinde Menschen genauso entspannt Bücher lesen können wie Sehende, warum werden sie dann immer noch so eklatant diskriminiert? Nur 5% aller Veröffentlichungen werden in für sie lesbaren Formaten produziert.
Die Technologie ist da, nun müssen wir nur noch den politischen Willen zur Chancengleichheit für blinde, seh- und lesebehinderte Leser haben. Sie sollen auf einem Stadtspaziergang eine öffentliche Bibliothek oder einen Buchladen betreten und sich die Neuerscheinung kaufen oder ausleihen können, die zurzeit in aller Munde ist, weil das Buch ganz selbstverständlich in einem digitalen Audioformat, Großdruck oder Blindenschrift verfügbar ist.
Vor Kurzem hat die Weltblindenunion dem ständigen Ausschuss für Urheberrecht und verwandte Schutzrechte der WIPO den Entwurf für ein Abkommen zu Ausnahmen für blinde und sehbehinderte Menschen im Urheberrecht vorgelegt. Dieser Entwurf ist einer von zwei Ansätzen, den beschriebenen Büchermangel auf politischem Wege zu beseitigen. Zum Einen führen wir einen kontinuierlichen Dialog mit den Rechte-Inhabern, um uns über praktische Fragen wie die Integration von Funktionen zur Erstellung barrierefreier Titel in die Verlagssoftware und die Frage der Datensicherheit bei der Weitergabe digitaler Masterdateien zu verständigen, und wir hoffen, dass beides zu einer verstärkten Produktion zugänglicher Titel führen wird.
Solange die Rechteinhaber jedoch Ausnahmen im Urheberrecht ablehnen, sind wir der Meinung, dass das Abkommen eine klare Berechtigung hat, denn dadurch könnten einige Probleme des Zugangs zu Literatur gelöst werden, z. B. der internationale Austausch, so dass wir unsere aktuellen Sammlungen, die nach den Ausnahmeregelungen im Urheberrecht der einzelnen Staaten erstellt wurden, auch in anderen Ländern zur Verfügung stellen könnten. Die momentan gültigen Urheberrechtsgesetze schieben dem jedoch einen Riegel vor, auch wenn die Rechte-Inhaber die nachvollziehbare Geschäftsentscheidung getroffen haben, ihre eigenen finanziellen Interessen zunächst einmal nicht so ganz zu verfolgen, indem sie von 95% ihrer Titel keine barrierefrei zugänglichen Versionen veröffentlichen.
Ich möchte Ihnen nun einmal vor Augen führen, was das Inkrafttreten des Abkommens unmittelbar für Millionen blinder und sehbehinderter Leser ändern würde. Der spanische Blindenverband ONCE hat über 100.000 Titel in zugänglichen Formaten, und in Argentinien hat Tiflolibros über 50.000 Titel in zugänglichen Formaten. Diese möchten sie gerne austauschen und allen blinden und sehbehinderten Lesern in den 19 spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas zur Verfügung stellen, was aber momentan gegen das Urheberrecht verstößt. Das vorgeschlagene Abkommen würde es jedoch ermöglichen.
Es gibt Sammlungen von insgesamt mehreren hunderttausend Titeln in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland, von denen Millionen blinder und sehbehinderter Leser in 60 weiteren Ländern, in denen Englisch eine der Landessprachen ist, profitieren könnten. Auch dies verstößt zurzeit gegen das Urheberrecht, würde aber durch das Abkommen ermöglicht.
Genauso könnten Frankreich, Kanada, Belgien, Luxemburg und die Schweiz ihre französischen Titel auch den blinden und sehbehinderten Menschen der französischsprachigen Länder in Afrika, wo Büchermangel herrscht, zur Verfügung stellen; Brasilien und Portugal könnten portugiesischsprachige Länder wie Angola, Mosambik, Osttimor und Macau mitversorgen; das Gleiche gilt für alle anderen Sprachen wie Arabisch, Russisch, usw. Auch dies verstößt gegen das geltende Urheberrecht, würde aber durch das Abkommen ermöglicht.
Ein weiteres Beispiel sind die vielen Chinesen und Inder, die im Ausland leben, überall auf der Welt. Vor Kurzem bekam das Canadian National Institute for the Blind eine Anfrage kürzlich erblindeter, asiatischer Einwanderer, die nach zugänglicher Literatur auf Hindi suchten, doch aufgrund der geltenden Urheberrechtsgesetze war es den kanadischen Kollegen nicht möglich, Dipendra Manocha anzurufen und ein paar zugängliche Bücher aus seiner Bücherei in Neu-Delhi auszuleihen.
Ist es nicht nahezu unmenschlich, dass Regierungen tatenlos zusehen, wenn 314 Millionen blinde und sehbehinderte Leser in einer Welt ohne Bücher leben müssen? Der Abkommensentwurf von Brasilien, Ecuador und Paraguay verlangt den Regierungen die Entscheidung ab, ob blinde und sehbehinderte Menschen in aller Welt in Zukunft Zugang zu dem bereits vorhandenen Angebot an Bildungs- und Unterhaltungsliteratur haben sollen, wenn finanzielle Interessen und Rechte der Autoren und Verleger dabei in keinster Weise eingeschränkt werden, oder ob der Zugang weiterhin verweigert werden soll.
Blinde und sehbehinderte Leser hoffen, dass die laufende Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern dazu beiträgt, dass in Zukunft mehr Bücher in barrierefrei zugänglichen Formaten erscheinen, aber es ist völlig ausgeschlossen, dass die Rechteinhaber ihre Entscheidungen der Vergangenheit rückgängig machen und mit einem Mal ein paar Millionen zugängliche Versionen ihrer Titel der Vergangenheit neu auflegen. Doch die Blinden- und Sehbehindertenorganisationen haben mehrere hunderttausend dieser älteren Titel in zugänglichen Formaten in ihren Sammlungen und möchten sie international austauschen, so dass blinden und sehbehinderten Lesern überall auf der Welt ein viel größeres Literaturangebot zur Verfügung steht. Zurzeit steht das Urheberrecht dem entgegen, doch das Abkommen könnte den gewünschten Austausch ermöglichen.
Schließlich möchte ich noch auf eine weitere Konsequenz der momentanen Situation hinweisen. Urheberrechtsfragen werden auf nationaler Ebene geregelt, was die Rechteinhaber befürworten, doch dadurch werden die Kosten, die Blinden- und Sehbehindertenorganisationen für die in jedem einzelnen Land stattfindende Produktion eigentlich überflüssiger zusätzlicher Masterdateien für Bücher in zugänglichen Formaten aufbringen müssen, nahezu verdoppelt. "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" z. B. (Band 2) von J.K. Rowling, musste von den Blinden- und Sehbehindertenorganisationen der englischsprachigen Länder in 5 verschiedenen Blindenschrift- und 8 nationalen DAISY-Hörbuchversionen produziert werden. Wäre dieser unnötige Zusatzaufwand an Finanz- und Produktionskapazitäten für diese Duplikate vermieden worden, hätten 4 weitere Blindenschrift- und 7 weitere DAISY-Hörbücher für die ganze Welt produziert werden können.
Deshalb sieht sich die WBU dadurch bestätigt, dass Brasilien, Ecuador und Paraguay die Notwendigkeit eines Abkommens zum Urheberrecht und blinden und sehbehinderten Menschen erkannt haben, um so eine politische Lösung für den unnötigerweise bestehenden Büchermangel zu finden. Wie lange müssen wir noch warten, bis die Welt einsieht, dass Menschen, denen der Zugang zu Wissen verwehrt wird, ein fundamentales Menschenrecht verwehrt wird.
Die aktuelle Urheberrechtslage führt zu einem andauernden, inakzeptablen Ungleichgewicht zwischen den Rechten der Hersteller und den Menschenrechten blinder und sehbehinderter Leser. Wenn Sie das Abkommen unterstützen würden, könnte dieses Ungleichgewicht verschwinden, ohne dass die Rechteinhaber Nachteile hätten. Wir glauben, dass unsere beiden Lösungsansätze, Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern und Weiterentwicklung des Abkommensentwurfs, sich ergänzen und zusammen eine echte Chance für eine echte Lösung bieten.

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Truman Capote: "Frühstück bei Tiffany"

Susanne Siems
[Punktschriftbibliothek]
Da liegt man früh im Bett, noch nicht ganz wach, schon säuselt einem der Radiosprecher was von Abendgarderobe, dem kleinen Schwarzen und so in die Ohren. Das kann ich leiden, meinen Mann schon vor dem Frühstück auf Gedanken an andere Frauen bringen, noch dazu so verführerische wie Audrey Hepburn. Aber, ich muss es zugeben, so schlecht fand ich die Gedanken gar nicht, denn als Capotes Holly Goligthly gefiel mir die Hepburn neben Tolstois Natascha Besuchowa am besten. Und mit einem Schlag war mir auch klar, was ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in der nächsten, also in dieser Kramkiste empfehlen musste. Noch dazu, wo es vor meinem Fenster gerade einen Wolkenbruch gab und Holly durch den Regen laufend eine der einprägsamsten Szenen des Films für mich war.
Neben dem Vorteil eines endlich mal wieder nicht über 400 Seiten Romans gibt es mindestens noch einen: im Gegensatz zum dennoch auch sehr netten Film bleibt das Buch bei den Realitäten des Lebens. Darum sollten Leser, die am Ende ihrer Lektüre ohne Happyend nicht auskommen, lieber vorsichtig bei ihrer Wahl sein.
Die Festgarderobe zum Silvesterball haben wir ja gerade wieder in den Schrank gepackt. Aber Anlässe gibt es ja bekanntlich viele, wenn nicht, muss man welche erfinden. Haben Sie, liebe Leserinnen, schon ihr kleines Schwarzes zurechtgelegt, spätestens für den Sommernachtsball? Und der passende Schmuck ist von Tiffany. Ich hoffe und wünsche uns, dass uns bei recht vielen Gelegenheiten solche erfrischenden und mutigen Menschen wie Holly Golightly begegnen.
Titel von Truman Capote in Braille
Titel von Truman Capote als Hörbuch

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Herbert Otto: "Zeit der Störche"

Jana Waldt
[Hörbücherei]
Ich bin kürzlich darauf gestoßen, dass die Erzählung "Zeit der Störche" von Herbert Otto seinerzeit auch in Westdeutschland erschienen ist. Dies hat mich neugierig gemacht. Deshalb möchte ich Ihnen heute dieses Buch vorstellen.
Der Autor, Herbert Otto (1925-2003), zählte zu den so genannten "Aufbauliteraten" der DDR. Seine Erzählungen und Romane schilderten den Alltag in der DDR mit seinen Problemen, Konflikten oder der ersten Liebe.
Thema dieses Romans ist die entstehende Liebe von Susanne und Christian. Susanne ist bereits mit einem anderen Mann zusammen und will ihn auch heiraten. Trotzdem findet sie, dass ihr Christian gefährlich werden könnte. Deshalb ist sie anfangs eher abweisend. Doch Christian lässt nicht locker. Ihm gefällt Susanne und es ist das erste Mal für ihn, dass er einem Mädchen nachläuft.
Beide leben in völlig unterschiedlichen Welten. Susanne ist Lehrerin mit Leib und Seele, hat über 20 Kinder in ihrer Klasse, für die sie verantwortlich ist. Christian ist Tiefbauarbeiter, baut unterirdische Gasspeicher und zieht von Baustelle zu Baustelle. Er lebt allein und verbringt zu viele Abende im Dorfgasthof.
Die beiden treffen sich immer häufiger und kommen sich näher. Susanne ist sich immer weniger sicher, ihr weiteres Leben mit ihrem Freund Wolfgang verbringen zu wollen. Der Sommer geht langsam zu Ende und sie muss eine Entscheidung treffen …
Diese Erzählung ist keine reine Liebesgeschichte, sondern erzählt auch von Christians Reifeprozess. Seine Arbeit, das Zusammenleben mit den Kollegen auf der Baustelle, nimmt breiten Raum ein. Alles funktioniert sicher wie auf vielen Baustellen der 60er Jahre in der DDR. Am Ende trifft auch er eine Entscheidung.
Das Hörbuch erschien 1966 und wurde 1967 in der DZB aufgelesen. Es liest Wolfgang Burghardt.
Sie können das Hörbuch unter der Bestellnummer 1991 ausleihen.
Demnächst werden weitere Hörbücher von Herbert Otto in DAISY konvertiert.
In Blindenkurzschrift können Sie neben dem vorgestellten Buch (erhältlich unter der Buchnummer Ausleihe 4334) folgende Bücher von Herbert Otto ausleihen:

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Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ging 2004 dieser Frage nach. Wir nennen Ihnen die ersten 100 Plätze. Titel, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir ausführlicher vor.
Wir setzen heute fort mit Platz Nr. 20:
Theodor Fontane: "Effi Briest"

Theodor Fontane: "Effi Briest"

Fontane, Theodor, eigentlich: Henri Théodore Fontane (30.12.1819 Neuruppin - 20.9.1898 Berlin)
Theodor Fontane begann erst im Alter von fast 60 Jahren zu schreiben. Er verfasste zahlreiche gesellschaftskritische Romane für ein breites Publikum und gilt heute als der bedeutendste Vertreter des bürgerlichen Realismus.
Fontanes Leben und Denken war, im Für und Wider, stark auf Preußen fixiert. In der Mark Brandenburg und in Berlin verbrachte er den größten Teil seines Lebens, und auch die Geschichte seiner Familie war eng mit der Preußens verwoben. Seine Eltern stammten von Hugenotten ab, sein Großvater väterlicherseits war Zeichenlehrer der Kinder Friedrich Wilhelms II. und Kabinettssekretär der Königin Luise gewesen. Sein Vater hatte in den Befreiungskriegen als Freiwilliger gedient, war Apotheker geworden und hatte sich in Fontanes Geburtsjahr in Neuruppin angekauft. In dieser Provinzstadt verlebte Fontane die frühe Kindheit.
1827 siedelte die Familie in die weltoffene Hafenstadt Swinemünde über, wo Fontane fünf glückliche Jahre verbrachte, die er in seinem Alterswerk "Meine Kinderjahre" (Bln. 1894) beschrieb. Hier gibt er auch ein prächtiges Porträt seines leichtlebigen und liebenswürdigen Vaters, dem er sein frühes Interesse an politischen Zeitschriften und eine Vorliebe für anekdotenhaft erzählte Geschichte verdankte.
Fontanes Schulbildung, die oberflächlich und lückenhaft blieb, begann 1827 an der Stadtschule in Swinemünde, die er nach drei Monaten verließ, um erst zu Hause vom Vater und dann in einer kleinen Privatschule unterrichtet zu werden. 1832 wurde der Zwölfjährige auf das Gymnasium nach Neuruppin geschickt und ein Jahr später nach Berlin, wo er 1833-1836 die Klödensche Gewerbeschule mehr schwänzte als besuchte, die Stadt und ihre Umgebung, die er durchstreifte, zu seiner Schule machte und doch das Examen, das ihn zum einjährigen Militärdienst berechtigte, bestand. Obgleich sein Interesse mehr der Geschichte und der Dichtung galt, absolvierte er 1836 bis 1840 in Berlin eine Apothekerlehre und arbeitete anschließend als Apothekengehilfe in Burg bei Magdeburg (1840), in Leipzig (1841/42), in Dresden (1842/43), in der Apotheke des Vaters in Letschin im Oderbruch (1843) und, nach einjährigem Militärdienst 1844/45, wieder in Berlin. Nachdem er 1847 sein Staatsexamen abgelegt und 1848/49 am Krankenhaus "Bethanien" Diakonissinnen in Pharmazie unterrichtet hatte, gab er im Oktober 1849 den ungeliebten Beruf auf und versuchte, vom Schreiben zu leben. 1845 hatte er sich mit Emilie Rouanet-Kummer verlobt. Als er, nach einem Hungerjahr als freier Schriftsteller, 1850 eine journalistische Anstellung bei der preußischen Regierung bekam, heiratete er und musste fortan eine Familie mit vier Kindern (George, *1851; Theodor, *1856; Martha, *1860; Friedrich, *1864) ernähren, was nur durch zusätzliche schriftstellerische Arbeit und durch zeitweilige Hauslehrertätigkeit möglich war. Auch seine Berufung zum preußischen Presse-Beauftragten in England (1852 und 1855 bis 1859), wo er wertvolle Erfahrungen sammelte, änderten an seiner schlechten Finanzlage wenig. 1860 trat er in die Redaktion der "Neuen Preußischen Zeitung", der sog. "Kreuz-Zeitung", ein, der er bis 1870 angehörte. 1864, 1866 und 1870/71 bereiste er als Berichterstatter die Schauplätze der preußischen Kriege in Schleswig-Holstein, Böhmen und Frankreich und begann 1870 bei der "Vossischen Zeitung" seine 20-jährige Tätigkeit als Theaterkritiker, in der er durch sein fundiertes, oft witzig-plaudernd vorgetragenes Urteil und durch sein Eintreten für Ibsen und die jungen deutschen Naturalisten, besonders Gerhart Hauptmann, großen Einfluss gewann. 1876 ließ er sich zum letzten mal auf eine staatliche Anstellung ein: Im März wurde er Sekretär der Akademie der Künste in Berlin und kam im Mai schon um seine Entlassung ein. Die Zeit ungestörter Produktivität, in der in schneller Folge die Romane entstanden, begann erst jetzt. 1872 hatte er seine letzte Wohnung, im dritten Stock der Potsdamer Straße 134 c, bezogen, in der er als fast 80-Jähriger am Schlaganfall starb. Trotz der Ehrungen des letzten Jahrzehnts (1894 Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Berliner Universität), wurde seine überragende Bedeutung für die dt. Literatur erst nach seinem Tod erkannt (und a. durch Thomas Mann). Seitdem ist seine Wirkung ständig intensiver geworden und hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu reger Forschungs- und Editionstätigkeit geführt.
Fontanes Roman "Effi Briest" geht auf eine wahre Begebenheit zurück. 1886 hatte sich der preußische Offizier Armand von Ardenne mit dem Amtsrichter Emil Hartwich duelliert, den er des Ehebruchs mit seiner Frau Elisabeth von Ardenne bezichtigte. Der Fall hatte in den 1880er Jahren großes Aufsehen erregt, Fontane verarbeitete den Stoff 1890-94.
Die junge Adlige Effi Briest, die, fast ein Kind noch, 17-jährig an den 21 Jahre älteren Baron von Innstetten verheiratet wird, begeht aus Langeweile, fast gegen ihren Willen, einen Ehebruch. Ihr Mann erfährt erst Jahre später davon, tötet den Liebhaber im Duell und verstößt Effi, womit er nicht nur sie, sondern auch sich selbst unglücklich macht.
Die im menschlichen Sinne unvernünftige und grausame Handlungsweise, die aber im Sinne adliger Konventionen konsequent und notwendig ist, wird von Fontane direkt nicht verurteilt; doch wird, indem er der Person Innstettens Gerechtigkeit widerfahren lässt, die Anklage gegen das überpersonale Gesetz, das Menschenopfer fordert, verstärkt. In dem Bestreben, nicht die Person, sondern die Verhältnisse schuldig zu sprechen, geht Fontane soweit, dass die sterbende Effi ihrem Verderber verzeiht: "Denn er hatte viel Gutes in seiner Natur, und er war so edel, wie jemand sein kann, der ohne rechte Liebe ist." Fontane war nicht damit einverstanden, dass die meisten Leser und Kritiker nur mit Effi sympathisierten und Instetten nicht auch als Opfer der Konventionen begriffen.
Thomas Mann wertete "Effi Briest" als den besten deutschen Roman seit den Wahlverwandtschaften von Goethe.
Zahlreiche Titel von Theodor Fontane in Braille und als CD-DAISY sind in der DZB vorhanden.
[Quelle: Digitale Bibliothek Band 9: Killy Literaturlexikon, S. 5484 (vgl. Killy Bd. 3, S. 430 ff.) ; Harenberg. Das Buch der 1000 Bücher. Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 2005.]

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de). Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Der Klango Player - ein Wiedergabe- und Aufnahmeprogramm für blinde und sehbehinderte Menschen

Ulrich Jander
Heute möchte ich eine Software vorstellen, die ursprünglich in Polen für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt wurde und inzwischen über Ländergrenzen hinweg interessierte Nutzer und Weiterentwickler gefunden hat. Das Programm ist zwar in erster Linie ein Player, vor allem im Audiobereich, kann aber auch Videos darstellen, und es kann mit seiner Hilfe auch das Wiedergegebene mitgeschnitten werden. Interessant ist es vor allem für den sehgeschädigten Nutzer, weil es eine komplette Sprachunterstützung mitbringt. Ohne Internet funktioniert es jedoch leider nicht. Herr Matthias Hänel aus Norderstedt schreibt dazu auf seiner Internetseite www.matthias-haenel.de/wiklango.html u.a.:
"Beim Klango Player handelt es sich um ein Abspielprogramm für Radiostreams, Podcasts, Hörspiele und andere Arten von Audio-Darbietungen. Eine Schnittstelle zu YOUTUBE (ein Video-Internetportal) ist integriert, was besonders sinnvoll ist, da sich die Bedienung dieser Plattform für Sehgeschädigte sehr mühsam gestaltet. Das Programm und letztlich auch der Name selbst ist mit der Community Klango verwachsen. Die Idee und Realisierung von Software und sozialem Netzwerk stammt von Informatikern aus Polen. Zielgruppe dieses Projektes sind in erster Linie blinde und sehbehinderte Computeranwender, die zunehmend auf der ganzen Welt erreicht werden sollen. Schaut man jedoch zur Zeit auf die Nutzerliste, erkennt man bislang nur eine Verbreitung in Polen selbst, England und Deutschland. Näheres zur Entwicklungsgeschichte habe ich im Netz bislang nicht gefunden.
Der Klango Player selbst läuft unter WINDOWS. Die Installation gestaltet sich sehr unproblematisch, indem man nur die allgemeinen rechtlichen Bedingungen mittels Kontrollfeld akzeptieren muss und ein Programmverzeichnis bestimmen kann. Nach dem ersten Programmaufruf ist es notwendig, ein Benutzerkonto zu erstellen, um sich der Community anzuschließen.
Die Software schiebt jegliche Screenreader in den Hintergrund und bringt ein eigenes Sprachprogramm mit, das eine SAPI4 bzw. SAPI5 Sprachausgabensoftware ansteuert.
Braillezeilen als Ausgabemedium sind für den Klango Player nicht vorgesehen. Man muss sich somit darauf einstellen, ausschließlich mit der Sprachausgabe zu arbeiten.
Theoretisch ist es denkbar, sich im Handel ein billiges Netz-Notebook zu besorgen, das für einen Screenreader zu schwach dimensioniert ist. Würde man jedoch auf dem Netzwinzling den Klango Player installieren, stünde eine relativ günstige Möglichkeit zur Verfügung, spontan Internet Radio zu hören oder Podcasts abzuspielen."
Im Rahmen der Installation kann man selbst entscheiden, ob man die synthetische Stimme auch installieren möchte oder später dann im Gebrauch des Klango Player auf eine im Rechner bereits vorhandene Sprache zurückgreift. Bei meinem Test habe ich alles komplett installiert, die Sprache, die deutsch spricht und gut verständlich ist, sowie auch eine Anpassung, Script, für JAWS. Wie Matthias Hänel bereits ausführte, funktioniert der Klango Player screenreaderunabhängig. Damit ist es völlig gleich, ob und welchen Screenreader man am Computer einsetzt, wenn man die bei der Installation angebotene synthetische Stimme nutzt. Mit der Installation wird auf dem Desktop ein Programmsymbol für den Klango Player abgelegt, welches man für den Programmstart bequem nutzen kann. Startet man von dort den Klango Player, gelangt man zuerst in eine kleine Auswahl der zu startenden Klango-Möglichkeiten. Hier betätigt man einmal Cursor nach unten und steht auf "Klango 3", der aktuellen Programmversion. Sollten Sie Ihren Screenreader, wenn vorhanden, noch aktiviert haben, so müssen Sie ihn schließen oder mindestens die Sprachausgabe abschalten, da es zu Fehlermeldungen kommen kann und der Klango Player nicht funktioniert. Anschließend aktiviert man durch Betätigen der Eingabetaste den Klango Player, eine Wartemusik ertönt, kurz darauf meldet sich die Stimme des Players mit dem Hinweis, zuerst sich anzumelden oder ein neues Benutzerkonto einzutragen. Man bewegt sich hier in der Auswahl, wie im Hauptmenü, mit Hilfe von Cursor nach links bzw. nach rechts. Es wird alles sprachlich unterstützt einschließlich des Hinweises, ob man sich in der Auswahl mit Cursor links/rechts oder auf- bzw. abwärts bewegen soll. Auf diese Weise navigiert man durch das gesamte Menü einschließlich aller Untergruppen und ihrer Funktionsbereiche.
Im Hauptmenü stehen nebeneinander die Funktionsbereiche Netzwerk, z. B. für den Austausch zwischen den Nutzern des Klango Player, Medien, z. B. zum Abspielen von Radioprogrammen aus dem Internet, das Hören von Podcasts oder öffentlichen Hörbüchern, Dateien, Programme, Einstellungen, Hilfe und Beenden. Die Erläuterungen zu den einzelnen Punkten wird jeweils angesagt.
Es ist z. B. möglich, unter Medien den Punkt Suchen mit Cursor nach unten auszuwählen, darin einen Suchbegriff, z. B. Ohrfunk, einzutragen und zu bestätigen, worauf dann in einer Liste alles Hörbare angezeigt wird, welches im Internet mit diesem Begriff versehen ist. So findet man auf diesem Weg neben entsprechenden Podcasts auch das Ohrfunk Internetradio, welches von blinden und sehbehinderten Menschen aus den verschiedensten Städten Deutschlands gestaltet und betrieben wird.
Natürlich kann ich im Rahmen dieses Beitrages längst nicht auf alles eingehen, was in diesem Programm steckt. Neben dem Text auf der bereits angeführten Internetseite von Matthias Hänel möchte ich auf einen sehr lebendig gestalteten MP3-Beitrag verweisen, der im Magazin "Aktiv" der Firma Baum erschienen und auch auf der Seite von Matthias Hänel als Link, fast am Schluss seines Textes, zu finden ist. Darin wird der Klango Player akustisch mit einigen seiner Funktionen vorgestellt.
Der Klango Player 3 ist kostenlos und kann im Bereich Download von der Internetseite www.klango.net heruntergeladen werden. Die hardwareseitigen Anforderungen sind nach Angaben der Entwickler auf der soeben angeführten Internetseite:
Ich wünsche Ihnen viel Freude und informative Unterhaltung mit Hilfe des Klango Player.

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Info-Service

Kassettenboxen

Liebe Hörerinnen und Hörer, wie bereits bekannt, gibt es seit 1.1.2010 nur noch DAISY-Bücher in der Hörbuchausleihe. Die Kassettenboxen und Kassetten werden recycelt.
Wir geben die Boxen kostenlos ab und gestatten uns, dazu ein Spendenformular beizulegen. Kassetten werden aus urheberrechtlichen Gründen nicht weitergegeben.
Bedarfsmeldungen für Kassettenboxen bitte an:
bibliothek@dzb.de
oder Telefon: 0341 7113-117 (Jörg Klemm)

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Noch mehr Nordfriesland zum Hören und Ertasten!

Dr. Jürgen Trinkus
Vor zwei Jahren produzierte die DZB Leipzig im Auftrag der Hallig-Verwaltung Pellworm ein ringgebundenes Set aus drei Landkarten in transparentem Relief und Großdruck. Zusammen mit einer liebevoll kenntnisreichen und detaillierten Landschaftsbeschreibung auf einer DAISY-CD ist dies als Medienpaket nach wie vor für 20 Euro auch bei der DZB erhältlich. Der Titel: "Ich höre und fühle, was du siehst! Medienpaket zur Erschließung der Hallig Hooge", Bestellnummer 6225.
Die erste der drei Landkarten zeigt als Ausschnitt der Nordseeferienkarte die nordfriesische Insel- und Halligwelt. Eingetragen sind drei Schifffahrtslinien. Auf drei Wegen erreicht man die "Königin der Halligen", die auf den zwei weiteren Karten dargestellt ist. Beschrieben war in der Audioführung bislang nur einer der Wege zur Hallig, der vom Fähranleger Schlüttsiel aus. Das Angebot wurde nun erweitert und die CD wird ausgetauscht. Zusätzlich beschrieben werden jetzt die touristisch bedeutsamen Anreisewege durchs Wattenmeer: von Strucklahnungshörn auf Nordstrand und von Hörnum auf Sylt über Wittdün auf Föhr.
Die CD enthält ab jetzt drei DAISY-Hörbücher. Sie unterscheiden sich jeweils in der Anreisebeschreibung, sind aber identisch im Hauptteil.
Künftig wird zusätzlich ein passender Tragebeutel für die Landkarten mitgeliefert.
Natürlich sollen auch diejenigen in den Genuss des aufgebesserten Angebots kommen, die das Medienpaket bereits gekauft haben. Melden Sie sich einfach beim Verlag der DZB, Tel.: 0341 7113-119 oder E-Mail: verlag@dzb.de, unter dem Stichwort "Hooge-Update", dann erhalten Sie CD und Tragebeutel gratis als Nachlieferung aus dem Touristikbüro der Hallig Hooge, wo Sie sich gern auch direkt melden können, Tel.: 04849-255 oder E-Mail: e.jacobsen@hooge.de.

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DRK Bahnhofsdienst in Leipzig

Der DRK-Bahnhofsdienst auf dem Leipziger Hauptbahnhof wird weitergeführt. Er befindet sich am Querbahnsteig gegenüber dem Service Point in der 3. Etage.
Begleitungen und Abholungen vom und zum Bahnsteig können durchgeführt werden.
Kontakt:
DRK Akademischer Kreisverband Leipzig e. V.
07.00 -22.00 Uhr
Telefon: 0174 3380860

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Newsletter Tandem-Hilfen e.V.

Am 01. Mai 2009 wurde aus einer privaten Initiative der Verein Tandem-Hilfen e.V., der sich über neue Mitglieder und über Förderer freut.
Tandem-Hilfen e.V. veranstaltet bzw. fördert im Rahmen seiner Möglichkeiten nationale und internationale Tandem-Freizeiten, bei denen Sport, Kultur, Rehabilitation und Bildung Programmbestandteile sind und die die Integration blinder und sehbehinderter Menschen in die Gesellschaft zum Ziel haben.
Die erste Ausgabe des E-Mail-Newsletters DIE KETTE erreichte am 01. Dezember 2009 ihre Empfänger. DIE KETTE will Menschen verbinden, die mitunter gemeinsame Ziele entwickeln und gemeinsame Aktionen gestalten können.
Wer den kostenlosen Newsletter bekommen möchte schreibt eine Mail mit dem Betreff Kettenschloss an thomasnicolai@gmx.de.
Vorab schon mal eine kurze Übersicht der für 2010 geplanten Aktionen von Tandem-Hilfen e.V.:
(Änderungen vorbehalten)

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"braille seasons" auch 2010

DBSV-direkt
Welches das neueste "braille seasons"-Buch ist, erfahren die jungen Leser entweder über Mailinglisten bzw. die Homepage des DBSV oder über die Medien des Verbandes, sei es die Jugendzeitschrift "Die Brücke" oder das Mitgliedermagazin "Gegenwart". Darüber hinaus werden Blinden- und Sehbehindertenpädagogen informiert, so dass "braille seasons" auch in die Schulen kommt. Ganze Schulklassen beteiligen sich am "braille seasons"-Quiz. Wer die drei Fragen zum jeweiligen Buch richtig beantwortet, kann das nächste Buch gewinnen.
"braille seasons" setzt ein deutliches Zeichen: Gerade für junge Menschen bleibt die Punktschrift unverzichtbar, um sichere Rechtschreibkenntnisse zu erwerben. Die Aktion kommt offenbar an - jedenfalls können sich die Braille-Verlage über Zuwächse an Bestellungen von bis zu 300 Prozent freuen. Auch Reiner Delgado, DBSV-Sozialreferent und Initiator der "braille seasons", freut sich über den Erfolg und erklärt: "Die Aktion geht weiter. Auch im neuen Jahr präsentieren wir wieder vier Braille-Jugendbücher, damit Punktschrift-Verlage und junge Leser noch besser zueinander finden."
Alle "braille seasons"-Bücher im Internet unter www.dbsv.org/jugend

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Informationen des Bayerischen Blindenbundes per Telefon

BBSB-Inform
Telefonkunden können BBSB-Inform zeitgleich mit der Internet-Aussendung in einer besseren Wiedergabequalität hören, im Text und ebenso zu älteren Ausgaben navigieren. Für das komfortablere Handling des Partners Phonepublisher entstehen dem Anrufer keine Kosten. Es fällt lediglich das Verbindungsentgelt mit dem Festnetzanschluss an. Wer eine Flatrate hat, erreicht BBSB-Inform quasi zum Nulltarif.
Und so geht es: Man wählt 0871 7000 14000. Schon während des Begrüßungstextes kann man mit der Sterntaste in den Hilfetext wechseln. Das Menü ist logisch aufgebaut.
Wer nicht online ist, kommt so ebenfalls in den Genuss des schnellen, tagesaktuellen Informationsangebotes und hat die Nase vorn.

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: CD DAISY 7,68 €, Blindenkurzschrift 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten.
Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: verlag@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
Abonnements, Anzeigen
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Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
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DZB 2010

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