DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 5 – 2010

September / Oktober

20. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

AUFRUF

Einblicke

Braille-Seasons

Vorschau Zeitschrift „Literaturtreff“ 2011 (24. Jahrgang)

Die Kalender 2011

Relief-Wandkalender „Fleischfressende Pflanzen“

Blindenschrift-Kalender

Großdruck-Kalender

Die Kramkiste

Wilhelm Raabe: "Die Leute aus dem Walde"

Thomas Hardy: "Tess von D'Urbervilles"

Lieblingsbücher der Deutschen

Hermann Hesse: "Siddharta"

LOUIS

Balabolka - Text in MP3 wandeln

Info-Service

Aktuelles aus der Hörbücherei

Das Sichtbare hörbar machen

"Andere Augen - eine Ausstellung über das Sehen"

Die DZB auf der REHACARE in Düsseldorf

Neues vom Weltkongressprojekt Braille21

Treffpunkt Bibliothek

Täglich im Oktober 2010: "Wikipedia zum Hören"

Blindengeld in Thüringen

Beschriftung von Lebensmittelverpackungen

Neues Wohn- und Therapiezentrum

Kritik an Reiseeinschränkungen für Führhundhalter

Impressum

Vorbemerkung

Diese Ausgabe ist prallvoll mit Informationen über Veranstaltungen und Projekte, an denen die DZB beteiligt ist. Daneben erfahren Sie Neuigkeiten bezüglich einiger Produkte: Der mittlerweile 24. Jahrgang unserer Abonnementszeitschrift "Literaturtreff" wird vorgestellt, ebenso der neue Relief-Wandkalender "Fleischfressende Pflanzen" nebst allen seinen "Geschwistern" und schließlich sind da auch noch einige Hefte aus älteren Jahrgängen des "Literaturtreff" preisgünstig zu ergattern (zu finden am Ende der „Leipziger Bücherliste“).
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Postecke

Die Veröffentlichungen müssen nicht mit der Redaktionsmeinung identisch sein. Aus redaktionellen Gründen behalten wir uns Kürzungen vor. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Abdruck Kontonummer

»(…) Wenn schon keine Rechnungen in Blindenschrift ausgestellt werden können, wäre es dann nicht möglich, die Kontonummer der DZB wenigstens wieder in den Zeitschriften abzudrucken? (…)«
[Herr Michael Montag aus Weißensee/Th.]
Anmerkung der Redaktion
Vielen Dank für diese Anregung. Der Abdruck der Kontonummer in den Zeitschriften wird bei unseren Überlegungen zur Gestaltung der Zeitschriftenrahmen für 2011 eine Rolle spielen und dort ggf. realisiert werden.

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AUFRUF

"Schleswig-Holstein ist überall!"

BLINDENGELD-DEMO AM 16. OKTOBER IN KIEL
DBSV und DVBS rufen zur bundesweiten Demonstration am 16. Oktober in Kiel gegen die geplante Halbierung des Blindengeldes in Schleswig-Holstein auf: Es geht auf die Straße! Und alles, was nach Kiel reisen kann, sollte nach Kiel reisen. Denn beim Blindengeldkampf in Schleswig-Holstein zählt jeder Kopf.
Am Samstag, dem 16. Oktober, findet in der Landeshauptstadt eine bundesweite Demonstration im Rahmen der Kampagne "Hände weg vom Blindengeld" statt.
Mit dem Rückhalt der Selbsthilfe aus ganz Deutschland möchte der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) den Druck auf die Politik erhöhen und lautstark gegen die drohende Halbierung des Landesblindengeldes protestieren.
"Schleswig-Holstein ist überall", sagt DBSV-Präsidentin Renate Reymann. "Wenn wir uns hier nicht erfolgreich zur Wehr setzen, werden andere Landesregierungen folgen und ebenfalls versuchen, unseren Nachteilsausgleich zu stutzen. Das können wir nicht zulassen. Auf Deutschland rollt eine Sparwelle von nie dagewesenem Ausmaß zu. Deshalb müssen wir jetzt klarmachen: Das Blindengeld darf nicht zu einem Notgroschen für klamme Landesregierungen verkommen. Der Blindengeldkampf in Schleswig-Holstein geht uns alle an und fordert uns alle heraus. Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen für eine soziale Leistung, die auch ganz aktuell von der Behindertenrechtskonvention gefordert wird."
Auch der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) ruft seine Mitglieder zur Teilnahme an der Demonstration auf. Sein Vorsitzender, Uwe Boysen, ärgert sich über die Kieler Politik: "Die in Schleswig-Holstein Verantwortlichen haben offenbar noch immer nicht verstanden, wie unverzichtbar und unverhandelbar für alle blinden und sehbehinderten Menschen der Nachteilsausgleich des Blindengeldes ist. Sonst würden sie unsere Argumente nicht mit offensichtlicher Unwissenheit und falschen Rechenbeispielen bekämpfen. Allerspätestens nach dieser Demonstration werden sie jedoch ihre Ignoranz der Macht mit einem verstehenden Dialog vertauschen müssen. Öffnen wir ihnen dazu die Augen!"
Der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein ruft alle Landesvereine und korporativen Mitglieder des DBSV auf, Gruppenreisen per Bus oder Bahn zur Blindengeld-Demo nach Kiel zu organisieren. An der Seite des BSVSH wird der Paritätische Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein stehen. Um die Allianz der Blindengeldkämpfer noch zu verbreitern, laufen derzeit Gespräche mit weiteren Sozialverbänden und Gewerkschaften.
Die Teilnehmer der Demonstration sammeln sich am 16. Oktober ab 12 Uhr auf dem Vorplatz des Kieler Hauptbahnhofs. Gegen 13 Uhr startet der Protestzug und führt durch die Innenstadt zum Rathausplatz, wo eine Kundgebung geplant ist. Veranstaltungs-Ende ist gegen 17 Uhr. Die Farbe der Demo ist Gelb, so wie bei allen Aktivitäten der Kampagne "Hände weg vom Blindengeld". Wer noch ein gelbes Protest-T-Shirt mit dem Kampagnenlogo oder eine gelbe Baseball-Kappe braucht, kann seine Bestellung an die Geschäftsstelle des BSVSH richten (Adresse siehe unten) und damit auch die Kampfkasse des Vereins etwas aufbessern.
Hintergrund: Ende Mai wurde bekannt, dass die Schleswig-Holsteinische Landesregierung ab 2011 im Rahmen ihres Sparpakets eine Halbierung des Landesblindengeldes von 400 auf 200 Euro plant. Nach drei Kürzungen seit 1994 würden blinde Menschen damit nur noch knapp 33 Prozent des festgelegten Blindenhilfebedarfs erhalten. Um einen angemessenen Nachteilsausgleich zu sichern, kämpft der Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein auf politischer Ebene und mit zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Aktionen für den ungekürzten Erhalt des Landesblindengeldes.
Mehr Infos zur Blindengeld-Demo am 16. Oktober:
Geschäftsstelle des BSVSH, Memelstr. 4, 23554 Lübeck, Michael Meier oder Anja Schliewe, Tel.: 0451 408508-0, Fax: 0451 407555, E-Mail: info@bsvsh.org;
Ulf Dollerschell, BSVSH-Vorstand, Tel.: 04522 7649266, Mobil: 0175 3382682;
Detlef Böhning, BSVSH-Vorstand, E-Mail: detlef.boehning@bsvsh.org; www.bsvsh.org
[Quelle: "DBSV-direkt" Nr. 42-10]

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Einblicke

Braille-Seasons

Christiane Felsmann
Der DBSV stellt vier Mal im Jahr ein besonderes Braille-Jugendbuch in den Mittelpunkt. Das Frühlings-, Sommer-, Herbst- und schließlich das Winterbuch. Das jeweilige Buch stammt hierbei immer von einem anderen Braille-Verlag. Es kann ein neu erschienenes Buch oder auch ein Jugendbuchklassiker sein. Nachdem das Frühlingsbuch 2009 aus der DZB kam, freuen wir uns, nun das Buch für den Herbst 2010 auswählen zu dürfen.
Der Herbst bringt lange Leseabende und in der Reihe Braille Seasons wird es daher nicht nur ein Buch geben, sondern gleich "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse". Die hiermit etwas eigenartig aber zutreffend beschriebenen einzelnen Abenteuer sind Teil einer außergewöhnlich aufregenden, kurzweiligen und spannenden US-amerikanischen Kinderbuchserie von Lemony Snicket.
Im Mittelpunkt stehen die drei besonderen Charaktere und Geschwister Violet, Klaus und Sunny Baudelaire. Sie haben ihre Eltern auf tragische Weise verloren. Da die drei nicht volljährig sind, werden sie diversen Vormündern anvertraut. Ein besonders schauerlicher Verwandter, Graf Olaf, hat jedoch alle Vormünder auf die eine oder andere fiese Art und Weise auf dem Gewissen - schließlich hat er es auf das Familienvermögen abgesehen, das den Geschwistern beim Erreichen der Volljährigkeit zufallen würde.
Mit fortschreitender Handlung entdecken die Baudelaire-Geschwister dann so einige bisher tief verborgene Familiengeheimnisse. Graf Olaf, die Familie Snicket und die einzelnen Vormünder spielen dabei natürlich eine entscheidende Rolle. Du wirst von der ersten Seite in die Welt der Abenteuer mitgenommen.
"Wenn du gern Geschichten mit einem Happy End liest, solltest du lieber zu einem anderen Buch greifen. In diesem gibt es kein Happy End, auch keinen glücklichen Anfang und nur wenig erfreuliches mittendrin."
Mit viel Humor und Liebe zum Detail gelingt es Snicket, seine Leser zu begeistern und in eine abenteuerliche Welt zu entführen. Spannung, Spaß und jede Menge Überraschungen für junge Leser!
Erschienen sind insgesamt jeweils 13 Bände in Voll- und Kurzschrift. Diese können als Einzelexemplar, aber eben auch als Reihe gelesen werden.
Band 1: Der schreckliche Anfang.
Band 2: Das Haus der Schlangen.
Band 3: Der Seufzersee.
Band 4: Die unheimliche Mühle.
Band 5: Die Schule des Schreckens.
Band 6: Die dunkle Allee.
Band 7: Das düstere Dorf.
Band 8: Das schaurige Spital.
Band 9: Der grausige Jahrmarkt.
Band 10: Der finstere Fels.
Band 11: Die grimmige Grotte.
Band 12: Das haarsträubende Hotel.
Band 13: Das erstaunliche Ende.
Erhältlich ab 22,50 € pro Band bei der DZB Leipzig. Bestellungen telefonisch unter der Rufnummer 0341 71131-119 oder per Mail verkauf@dzb.de.

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Vorschau Zeitschrift „Literaturtreff“ 2011 (24. Jahrgang)

Humorvoll und satirisch startet "Literaturtreff" ins neue Jahr. Der Autor Alan Bennett ist den Literaturtreff-Leserinnen und -Lesern nicht unbekannt. "Handauflegen" (Wagenbach, 2009) ist ein weiterer literarischer Schabernack aus seiner Feder. Dieses Mal hat er sich die Welt der "Reichen und Schönen" vorgenommen: Der Masseur Clive wird mit erst 34 Jahren auf rätselhafte Weise dahingerafft. Nun geben ihm Pop-Ikonen, Fernsehmoderatorinnen, Stararchitekten, Minister, Nobelköche, Seriensternchen, Bestsellerautoren die letzte Ehre. Alle waren sie Freunde und auch Kunden von Clive, standen ihm nahe, weil er ihnen als Masseur zu Diensten war, wobei er die Heilkraft seiner Hände gerne und häufig auch einer noch inniglicheren Zuwendung weihte. Die ganze Gesellschaft hat mit dem Verstorbenen im Bett gelegen, Ehemänner und Ehefrauen, allein--erziehende Mütter, leidenschaftliche Junggesellen, Hetero- und Homosexuelle - und jeder wähnte seine Beziehung als exklusiv. Als einer der Anwesenden kundtut, der junge Mann, dessen Todesursache niemand kennt, sei an Aids gestorben, ist die Panik groß. Ebenso groß aber ist das Bemühen, sie zu verheimlichen.
Nach dieser bitterbösen Satire auf die Doppelmoral widmen wir uns einer weiteren Art der zwischenmenschlichen Beziehungen. In dem Buch "Alte Liebe" (Hanser, 2009) erzählen Elke Heidenreich und Bernd Schroeder mit umwerfenden Dialogen die Geschichte eines Ehepaars mit Mitte 60. In Lore und Harry kann sich eine ganze Generation wiedererkennen. Beide kennen nach vierzig Jahren Ehe die eigenen und die Fehler des anderen. Leider werden sie dadurch zunächst auch nicht unbedingt annehmbarer. Einig sind sich die beiden Alt-Achtundsechziger nur in Bezug auf Ihre Tochter Gloria, die kurz vor ihrer dritten Eheschließung mit einem älteren, aber steinreichen, Bauindustriellen steht. Es sei der Hinweis gestattet, dass es sich bei dem Autorenpaar selbst um ein ehemaliges Ehepaar handelt. Beide leben in Köln.
Freunde der spannenden Unterhaltung kommen mit dem Thriller "Topkapi" (Diogenes-Verlag, 1996) von Eric Ambler (1909-1998) auf ihre Kosten. Ambler gilt als einer der Begründer des Thriller-Genres. Sein "Held", der Journalist Arthur Abdel Simpson, ein in Kairo geborener Brite, hält sich in Athen mit kleinen Gaunereien und als Fremdenführer über Wasser. Er wird von einem Geschäftsmann erwischt, als er versucht, dessen Reiseschecks zu stehlen. Simpson wird nun dazu gezwungen, in einem Auto Waffen zu schmuggeln, dabei gerät er in die Fänge des Geheimdienstes und beteiligt sich schließlich als Agent an zwei Fronten am Versuch, den berühmten Edelstein Tokapi zu stehlen.
Der erste Roman der französischen Philosophieprofessorin und Schriftstellerin Muriel Barbery (*28. Mai 1969 in Casablanca in Marokko) trägt den Titel "Die letzte Delikatesse" (Deutscher Taschenbuch-Verlag, 2009). Der Roman wurde mittlerweile in 14 Sprachen übersetzt. Barbery inszeniert darin das vielstimmige Porträt des Genussmenschen Pierre Arthes, eines maßlosen Gourmets und renommierten Restaurantkritikers, der im Sterben liegt. Seine verbleibenden Lebenskräfte verwendet er für die Suche nach dem letzten großen Genuss. Seine Lebensgefährtinnen, seine Freunde, seine Neider und Untergebenen erinnern sich an Begegnungen und Gespräche mit dem Monarchen der Kritik. Er selbst unternimmt eine gedankliche Reise zurück in Küchen, in Kräutergärten und Weinkeller, zu Gerüchen und Geschmäckern ? auf der Suche nach der wahren Delikatesse seines Lebens.
Noch einmal spannend wird es dann mit dem Klassiker der Kriminalliteratur Raymond Chandler (1888-1959) und seinem Roman "Playback" (Diogenes-Verlag, 1976). Privatdetektiv Philip Marlowe wird beauftragt, einer jungen Dame, die mit dem Zug in Los Angeles ankommt, zu folgen und ihre Adresse festzustellen. Die rothaarige Eleanor King ist eine Augenweide, und der Auftrag ganz nach Marlowes Geschmack. Aber er merkt bald, dass da etwas nicht stimmt: Denn Miss Kings größtes Talent besteht darin, in Schwierigkeiten zu geraten. Bald taucht die erste Leiche auf und die Dame wird auch von anderen verfolgt.
Ein Roman, der 2010 für Aufsehen sorgte, trägt den Titel "Accabadora" (Wagenbach, 2010) und ist der Erstling von Michela Murgia (*1972 in Cabras/Sardinien). Sie erzählt von Bonaria Urrai und der sechsjährigen Maria, die in einem sardischen Dorf wie Mutter und Tochter zusammen leben. Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern. Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, "die Letzte" und eine zuviel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen und sie jeden Raum betreten darf. Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit. Michela Murgia erzählt in einer poetischen Sprache aus einer scheinbar fernen, doch kaum vergangenen Welt. Von zwei Generationen, zwei Frauenleben, von einem alten, lange verschwiegenen Beruf.
Die romantische Komödie "Ein Engel fällt aus allen Wolken" (Aufbau-Taschenbuch-Verlag, 2009) von André Salu (*1960) ist die Fortsetzung des turbulenten Liebesreigens "Ein Engel für zwei". Amander, seines Zeichens aus dem Himmel verbannter Engel und Freund 'einer Anderen' (Siraxis, ebenfalls verbannt, allerdings aus der Hölle), ist von seinem Leben auf Erden nicht allzu begeistert. Er möchte wieder zurück in den Himmel. Und laut Gabriel gelingt ihm das nur, wenn er herausfindet, was Siraxis im Schilde führt und einen bösen Menschen zum Guten bekehrt. Kein Problem, denkt sich Amander und macht sich auf den Weg.
Nun wird es langsam Zeit, dass auch die Freunde der Historie auf ihre Kosten kommen. Ausgiebig gelingen dürfte das mit dem historischen Roman "Die Pilgerin von Montserrat" (Aufbau-Taschenbuch-Verlag, 2009). Christa Schmid-Lotz (*1950 in Flensburg) führt ihre Leserinnen und Leser in das Jahr 1546. Hier finden Teresa und ihr Vater Froben in ihrer Bibliothek, wo sie an einer Familienchronik arbeiten, ein uraltes Pergament. Ihr Vorfahr Friedrich von Wildenberg nahm am 1. Kreuzzug im Jahre 1096 teil und brachte einen Goldkandelaber in das Kloster Agenbach im Schwarzwald. Diese Reliquie soll jedem, der sie besitzt, Macht, Reichtum und Glück bescheren. Teresa und ihr Vater beschließen, nach der Reliquie zu suchen. Noch in derselben Nacht wird Froben überfallen, der Torwächter der Burg ermordet und das Pergament gestohlen. Der Bibliothekar des Klosters Agenbach eröffnet ihnen, dass der Kandelaber zwar damals ins Kloster gebracht worden, aber seitdem verschwunden sei. Wahrscheinlich sei er nach Santiago de Compostela oder nach Montserrat gebracht worden. Eine spannende Jagd beginnt, deren Beschreibung bestens geeignet ist, die Zeit an langen Winterabenden zu vertreiben.
Anschließend begeben wir uns in modernere Zeiten: 1962. Oceanview, Kalifornien. Das Wetter ist gut, die Mädchen sind hübsch, und die Menschen betteln geradezu darum, ausgenommen zu werden von einem, der weiß, wie's läuft. Ernie Stark ist ein kleiner Junkie, der sich für eine ganz große Nummer hält, ausgebufft und ohne Skrupel. Wenn's sein muss, würde er die ganze Stadt bescheißen. Das Problem ist nur, dass ihn die Bullen in der Hand haben. Stark soll seinen Dealer Momo Mendoza ans Messer liefern, doch der schöpft Verdacht. Ein falscher Schritt, und Stark muss abtreten, noch bevor er selbst abkassieren kann ... Edward Bunkers (1933-2005) Debütroman galt lange als verschollen und tauchte erst nach seinem Tod wieder auf. In "Lockruf der Nacht" (Liebeskind, 2009) zeigt sich bereits das besondere Erzähltalent Bunkers, der es wie kein Zweiter verstand, rasant erzählte Storys mit beeindruckenden Milieustudien zu verbinden.
Zum Jahresende geht es dann naturgemäß versöhnlicher, philosophischer zu: Wie entsteht ein Gerücht? Was bringt eine Diät, die nur aus Ausnahmen besteht? Wie bereitet man sich auf die eigene Berühmtheit vor? Was ist Polemik? René Goscinny (1926-1977), "Vater" des kleinen Nick, von Asterix und Lucky Luke, nimmt sich in humoristischen Glossen unter dem Titel "Ruhe, ich esse!" (Diogenes-Verlag, 2008) eigene Schwächen, die seiner Mitmenschen und Absurditäten des Alltags vor. Urkomisch und bisweilen leicht melancholisch sind diese augenzwinkernden Betrachtungen des täglichen Lebens - und immer originell. Die kurzen Stücke schrieb der Meister zwischen 1964 und 1976. Jedoch sind sie so gut geschrieben, dass sie total zeitlos erscheinen.
Zusammengestellt wurde der Band von Goscinnys Tochter Anne. Herausgekommen ist fast so etwas wie eine kleine Autobiografie ihres Vaters.
Soweit die Übersicht der bisher vorgesehenen Titel. Die Weichen für eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre sind damit gestellt.
Der Abonnementsvorteil des niedrigen Preises bleibt auch im nächsten Jahrgang bestehen: nur 1,02 Euro pro Heft und Woche, das entspricht 80 % Ersparnis gegenüber dem regulären Preis eines gleichwertigen Heftes im Matrizen-Druck! Für den Preis des Jahresabonnements in Höhe von nur 53,04 Euro erhalten Sie 10 Braille-Titel mit über 2000 Seiten Punktdruck, das entspricht einer Menge von ca. 16 Punktschriftbänden. Es ist natürlich klar, dass dieser extrem günstige Preis nur durch hohe Auflagen- also Abonnementszahlen zu halten ist. Deshalb: Abonnieren Sie den "Literaturtreff 2011"!
Bestellungen nehmen wir unter Telefon: 0341 7113-120, per Fax: 0341 7113-125 oder E-Mail: abo@dzb.de entgegen.

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Die Kalender 2011

Relief-Wandkalender „Fleischfressende Pflanzen“

Format 27 x 34 cm, Ringblock mit Aufhängung
18,00 €, BNV 6680
Sie wirken meist sehr harmlos, können jedoch über ihren scheinbar betörenden Geruch oder gar über ihre Wurzeln verheerende Wirkung für andere Lebewesen haben: Fleischfressende Pflanzen. Auch Karnivoren oder Insektivoren genannt, fangen und verdauen diese mittels spezieller Organe Kleintiere, meist Insekten oder Spinnen. Vorwiegend in nährstoffarmen Regionen auf der ganzen Welt zu finden, sichern sie so ihre Existenz.
Zwölf Fleischfressende Pflanzen wurden beispielhaft für die Artenvielfalt ausgewählt und aufbereitet. Jede ist auf einem transparenten Relief dargestellt, das mit einem farbenfrohen Druck unterlegt ist. Ein Text zum jeweiligen Motiv erläutert die Abbildung und vermittelt interessante Fakten zum fleischfressenden Gewächs. Das Kalendarium und die Texte sind in Blindenvoll- und Schwarzschrift.
Dieser Kalender ist in Kooperation mit dem Botanischen Garten der Universität Leipzig, dem ältesten seiner Art in Deutschland, entstanden.
Bestellen Sie Ihren persönlichen Kalender! Schreiben Sie uns einfach eine Mail an verkauf@dzb.de oder rufen Sie uns an unter der Nummer 0341 7113-119.

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Blindenschrift-Kalender

Jahres-Wandkalender 2011
Format 50 x 42 cm, Blatt mit Aufhängung
3,80 €, BNV 6675
Ein Kalendarium für das ganze Jahr in Vollschrift auf weißer Folie. Jeweils drei Monate sind nebeneinander, die Quartale untereinander angeordnet. Tastbare Kennzeichnung der gesetzlichen bundesweiten Feiertage und der Mondphasen.
Taschenkalender 2011 Kurzschrift
Format 13 x 11 cm, Ringbroschur
6,00 €, BNV 6682
Handlich, informativ, ausführlich: Feiertage, Ferientermine, Wochenzahl, Arbeitstage, Mondphasen sowie ein Service-Teil mit wichtigen Telefonnummern. Hinter jedem Monats-Kalendarium ist ein Notizblatt eingebunden.
Die Ringbindung ermöglicht ein bequemes Umblättern der Seiten und bei Bedarf eine Nutzung als Tischkalender.
Taschenkalender 2011 Kurzschrift flexi+
Format 16 x 13 cm, Ringordner
7,90 €, BNV 6684
Flexi+ bietet die inhaltlichen Vorzüge des Kurzschriftkalenders in einem flexiblen Einband. Die Zwei-Ring-Rund-Mechanik erlaubt das flexible Einheften von Notizblättern bis zu einer Füllhöhe von 20 mm. Ein Lesezeichen garantiert jederzeit die Orientierung. Im Lieferumfang sind 25 Notizblätter enthalten.
Taschenkalender 2011 Vollschrift
Format 13 x 11 cm, Heft, 16 Seiten
2,10 €, BNV 6681
Handlich, praktisch, konzentriert: Ein Monatskalendarium mit Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage.

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Großdruck-Kalender

Großdruck-Taschenkalender 2011
Format 14 x 12 cm, Ringbroschur
6,00 €, BNV 6683
Der Kalender im handlichen Taschenformat ist in ein Monats- und ein Wochenkalendarium gegliedert. Die einzelnen Wochen sind mit den Mondphasen auf einer Doppelseite abgebildet. Sie verfügen pro Tag über zwei Zeilen für eigene Notizen. Beide Kalendarien enthalten die bundesweiten Feiertage. Zusätzlich informiert der Service-Teil u. a. über wichtige Telefonnummern und die Termine der Schulferien. Die Schrift im Kalender ist 8 mm groß.
Großdruck-Tischkalender 2011
Querformat A4, Ringbroschur
7,90 €, BNV 6673
Das praktische Format bietet je eine Woche im Überblick. Im Kalendarium gibt es genügend Raum für eigene Notizen. Die Schriftgröße ist 12 mm. Die Ringbindung gestattet ein flexibles Auf- oder Umschlagen der Seiten. Enthalten sind die bundesweiten Feiertage, Ferientermine sowie die Mondphasen.
Großdruck-Wandkalender 2011
Hochformat A3, Ringblock mit Aufhängung
9,90 €, BNV 6674
Die Zahlen und Buchstaben in diesem Kalender sind 2,5 cm groß! Für Notizen steht mit fast 50 mm hohen Zeilen ausreichend Platz zu Verfügung. Enthalten sind u. a. die Ferientermine sowie die Mondphasen.

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Wilhelm Raabe: "Die Leute aus dem Walde"

Susanne Siems
Punktschriftbibliothek
Mit Schriftstellern geht es mir genauso wie mit Menschen - entweder springt der Funke schon bei der ersten Begegnung über oder es bleibt ein ewiges Bemühen um Verstehen und eine gewisse Fremdheit. Zur ersten Gruppe gehört für mich der Schriftsteller Wilhelm Raabe. Der im 19. Jahrhundert lebende Autor ist vor allem bekannt durch Romane wie "Die Chronik in der Sperlingsgasse" und "Der Hungerpastor". Weit weniger genannt und von der Literaturkritik auch oft links liegengelassen ist der 1863 geschriebene Roman "Die Leute aus dem Walde". Es war eine kleine Entdeckung für mich, als ich das Buch vor ein paar Wochen las, eines der Bücher, von denen man sich wünscht, dass sie nie enden mögen.
Die Geschichte beginnt an einem regnerischen Novembertag in einer großen Stadt, vorzugsweise Berlin. Der Leser wird sofort in die Handlung hineingezogen. Wodurch eigentlich, frage ich mich jetzt, indem ich es für Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufschreibe? Bei mir war es vor allem die Stimmung, die vermittelt wurde, vermittelt über eine Sprache, die etwas altertümlich und doch sehr vertraut anmutet.
"Auch der unschuldigste, solideste Staatsbürger, der Mann des feuerfestesten Geldschrankes, der Mann des besten Gewissens, der zugeknöpfteste, strammste, schnauzbärtigste alte Herr vermag nicht, sich eines leisen Schauders zu erwehren, wenn er an dem Zentralpolizeihause vorüberwandelt."
Nachdem ich diesen ersten Satz des Buches gelesen hatte, war ich dem Roman verfallen. Denn Herz für seine Helden hat Herr Raabe und trotzdem eine leise spöttische Distanz, die ihn vor kitschigen und gefühlsduseligen Ansichten schützt. Die Helden, der Leser lernt sie nach und nach alle gut kennen und lieben: den jungen, rebellierenden Robert Wolf, Polizeischreiber Fiebiger, der ihm in der großen Stadt erste Zuflucht gibt, den Sternenforscher Ulex, Freifräulein Juliane von Poppen. Auch die temperamentvolle Eva Dornblut, Roberts erste schmerzhaft-schöne Liebeserfahrung, gehört zu den Leuten aus dem Walde, dem Winzelwalde, wie er im Roman heißt. Provinzler würde man heute sagen, die in der großen Stadt mehr oder weniger Fuß gefasst haben. Die einen, Roberts Erzieher und elterliche Freunde, die anderen jung und in die Welt strebend. Sie gehören nicht zu den Reichen und Schönen, eher in die Gruppe Sonderling und Überlebenskünstler.
Raabe gelingt es, den Leser für die scheinbaren Banalitäten des Alltags, die doch aber in ihrer Gesamtheit ein Menschenleben ausmachen, zu interessieren. Das Leben der Leute aus dem Walde und der sie umgebenden Städter ist nicht leicht. Aber Raabe lässt den Leser die Zuversicht dieser Menschen spüren, eine unerschütterliche Lebensbejahung. Die wird auch deutlich in der tief empfundenen Liebe zwischen Robert und der Bankierstochter Helene Wienand. Weise Erzieher hat Robert, "gib acht auf die Gassen, die Dich umgeben", lehrt der Polizeischreiber Fiebiger seinen Schützling. "Sieh nach den Sternen" ruft ihm der Sternseher Ulex zu. In der Kombination beider Ratschläge ergibt sich ein auch heute noch beeindruckender Wegweiser durch wirre Zeiten: "Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen". Es ist dieser Satz, der mich in Erinnerung an den Roman noch lange begleiten wird.
Sie, liebe Leserinnen und Leser, können neben über 20 weiteren Büchern von Wilhelm Raabe den Roman "Die Leute aus dem Walde" in unserer Punktschriftbibliothek unter der Bestellnummer 832 in 4 Bänden alter Kurzschrift ausleihen. Die Hörbücherei stellt Ihnen das DAISY-Buch unter der Nummer H013214 ebenso gern zur Verfügung, ebenso wie zahlreiche weitere Titel von Wilhelm Raabe.

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Thomas Hardy: "Tess von D'Urbervilles"

Jana Waldt
Hörbücherei
Der englische Schriftsteller Thomas Hardy lebte von 1840 bis 1928. Er schrieb 14 Romane - einen davon möchte ich Ihnen heute näher vorstellen.
Thomas Hardy erzählt vom tragischen Untergang der mutigen und stolzen Tess von Durbeyfield.
Ihr Vater, ein Hausierer, erfährt zufällig, dass er ein Nachfahre einer der ältesten Familien Englands sei. Fortan träumt er vom sozialen Aufstieg. Doch es kommt anders: Bei einem Unfall stirbt das einzige Pferd. Der Vater verfällt nun völlig dem Alkohol, und so besinnen sich die Eltern auf die vornehme Verwandtschaft. Tess, die sich ihrer Familie verpflichtet fühlt, gibt dem Drängen der Eltern nach, und nimmt bei einem entfernten Verwandten - ihrem Cousin Alec - eine Anstellung als Hausmädchen an. Die Eltern hoffen, dass er sie heiraten und aus ihr "eine Dame" machen wird.
Tess, erst 16 Jahre alt, kann sich dem Drängen des älteren Cousins nicht erwehren. Schwanger und getäuscht kehrt sie nach Hause zurück. Später, nach dem Tod ihres Kindes, verlässt sie ihr Elternhaus wieder und nimmt eine neue Stellung an. Hier lernt sie den Pfarrerssohn Angel kennen. Beide lieben sich sehr und heiraten. Als Tess ihm jedoch ihre Vergangenheit beichtet, kommt es zum Bruch. Angel geht nach Brasilien, um sich dort, von Tess enttäuscht, eine Existenz aufzubauen und Tess wiederum sucht sich eine neue Stellung.
Jahre später kommt Angel zurück, um Tess zu suchen. Er findet sie, doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer.
"Tess von D'Urbervilles", 1891 erschienen, gehört heute zu den Klassikern der englischen Literatur.
In eindringlicher Weise wird in diesem gesellschaftskritischen Roman, der auch durch seine lyrischen Naturschilderungen besticht, das tragische Leben des Landmädchens Tess beschrieben.
Der Roman ist 1958 erschienen und wurde 1968 in der DZB von Renate Cyll aufgelesen. Sie können ihn als CD DAISY (Bestellnummer 3075) oder in 8 Bänden Kurzschrift (Bestellnummer 899) ausleihen.
In unseren Bibliotheken sind weitere Titel von Thomas Hardy erhältlich - wir beraten Sie gern!

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Lieblingsbücher der Deutschen

Welche Bücher sind die Lieblingsbücher der Deutschen? Die ZDF-Aktion "Unsere Besten - Das große Lesen" ging 2004 dieser Frage nach. Wir nennen Ihnen die ersten 100 Plätze. Titel, die Sie in der DZB ausleihen können, stellen wir ausführlicher vor.
Wir setzen heute fort mit Platz Nr. 24:
Hermann Hesse: "Siddharta"

Hermann Hesse: "Siddharta"

Hermann Karl Hesse (Pseudonym: Emil Sinclair (geboren am 2. Juli 1877 in Calw; verstorben am 9. August 1962 in Montagnola, Schweiz) war ein deutsch-schweizerischer Dichter, Schriftsteller und Freizeitmaler. Seine bekanntesten literarischen Werke sind "Der Steppenwolf", "Siddhartha", "Peter Camenzind", "Demian", "Narziß" und "Goldmund", "Unterm Rad" und "Das Glasperlenspiel", deren Inhalt die Selbstverwirklichung, die Selbstwerdung, die Autoreflexion, das "Transzendieren" des Einzelnen ist.
Ihm wurden unter anderem 1946 der Nobelpreis für Literatur und 1954 der Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste verliehen.
Der Roman entstand 1919-22; die Erstausgabe erschien 1922 in Berlin. Es ist eine der farbigsten, sprachschönsten, auch tiefsinnigsten Erzählungen des Dichters: weltanschaulich-religiöses Ringen um erlösende, glückselig machende Erkenntnis und Existenzform hat Hesse aus dem eigenen Lebensbezirk ins Indien der Zeit Buddhas transponiert.
Siddhartha, der junge Brahmanensohn, sucht seine Vollendung, weltüberwindende Wunschlosigkeit, Ataraxia. Vom Bücherwissen der Upanischaden unbefriedigt, verlässt er mit dem Freunde Gowinda die Heimat, um bei den Samanas in den Wäldern die strengste Askese zu erlernen: ›… leer werden, leer von Durst, leer von Wunsch, leer von Traum, leer von Freude und Leid‹. Doch der lebensfeindliche, finstere Zwang asketischer Kasteiungen erweist sich als schmerzvoll und unfruchtbar. Weiterziehend gelangen die Freunde zu Gotama und lernen die neue Lehre Buddhas kennen; Gowinda findet in ihr, in Mönchtum und Jüngerschaft, vollends Genüge, während Siddhartha den Meister verlässt.
Die Scholastik eines für alle berechneten Lehrsystems, die Ideologisierung dessen, was in Gotama einmalig und lebendig quellende Erkenntnis, individuell Erlebtes gewesen ist, kann seine Wahrheit nicht werden. Der eminente Geist muss seine eigene Wahrheit selbst finden. So erlebt Siddhartha eine Umkehrung seiner Existenz. Statt wie bisher aus dem Leben heraus, lässt er sich jetzt ins Leben hinein fallen. Die Schönheit der sinnenhaft-sinnlichen Erfahrung der Welt geht ihm beglückend auf, und die Darstellung dieses Teils gehört zum Gelungensten der Erzählung. Die Kurtisane Kamala lehrt ihn die Liebe, der Kaufmann Kamaswami die Geschäfte, und er geht seinen ›Weg zu sich selbst‹ bis zu Ende, bis seine egozentrisch, genießerisch, süchtig gewordene Seele vom Lebensekel, dem taedium vitae ergriffen wird. Mit dem Vorsatz, den Tod zu suchen, geht er erneut in die Wälder, trifft aber hier auf den Fährmann Vasudewa, der ihn die rettende Weisheit lehrt, die Gelassenheit, ›mitten im Leben den Gedanken der Einheit zu denken‹. Er wird selber Fährmann und findet in einfachem Leben und einfachen Pflichten, in der liebenden Sorge um seinen Sohn die ersehnte Erfüllung: nicht, wie er gemeint hatte, in einem Jenseits, sondern diesseits im Menschlichen selbst.
Der Reiz der Erzählung liegt im dialektischen Dreischritt, der ihr kompositorisches Prinzip ausmacht, indem Thesis, Antithesis und Synthesis als Askese, Sinnlichkeit und Menschlichkeit die Grundgehalte ihrer drei Hauptteile darstellen.
[Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Hesse ; Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, (c) Alfred Kröner Verlag]
Zahlreiche Werke Hermann Hesses stehen in Braille und als CD DAISY für Sie bereit, unsere Bibliothekare beraten Sie gern.
Hier noch eine Nachmeldung zur letzten Ausgabe. Der Titel "Vom Winde verweht" von Margaret Mitchell ist auch in unserer Punktschriftbibliothek erhältlich: 10 Bde., kzp., BNA 9680.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Balabolka - Text in MP3 wandeln

Ulrich Jander
Diesmal möchte ich ein kleines, kostenloses Programm vorstellen, auf welches mich eine gute Bekannte aufmerksam gemacht hat. Es handelt sich um Balabolka, eine Software, mit der man recht fix und unkompliziert Texte in akustische Dateien, sicher oft MP3, umwandeln kann. Es bietet sich immer dann an, wenn man gern vorhandene Texte auf seinen MP3-Player laden möchte, um diese darüber an einem beliebigen Ort anzuhören. Bei DAISY-Speicherkartengeräten ist der Weg der Umwandlung nicht nötig, da diese Geräte Text, auf jeden Fall im TXT-Format, wiedergeben können.
Das Schöne an Balabolka ist, was übrigens aus dem Russischen kommt und Schwätzer heißt, dass die Umwandlung mit wenigen Bedienschritten geschieht. Ein wenig warten muss man, wenn die akustische Form erzeugt wird, denn dann hat der Computer wirklich zu tun, und das kann kürzer oder länger dauern, je nachdem, wie lang der zu wandelnde Text und wie schnell der Rechner ist.
Balabolka gibt es in vielen verschiedenen Versionen und von unterschiedlichen Anbietern. Das hier vorgestellte Programm stammt von der Internetseite der Zeitschrift "Computer Bild" und kann von folgender konkreten Seite heruntergeladen werden:
http://www.computerbild.de/download/Balabolka-1298715.html?dl=1.
Auf dieser geladenen Internetseite müssen Sie bitte zum Link Download gehen, der gleichzeitig auch eine Überschrift ist und diesen mit ENTER aktivieren. Damit öffnet sich das Fenster zum Herunterladen des Balabolka-Programms als zip-Datei. Wenn Sie diese heruntergeladen haben, dann müssen Sie diese Datei mit einem Entpackerprogramm auspacken. Es entstehen fünf Dateien, dabei ist eine setup.exe, die Sie mit ENTER aktivieren. Nun beginnt die Installation von Balabolka. Durch die einzelnen Fenster der Installation klicken Sie sich immer mit ENTER, d. h., man steht in jedem Fenster auf "weiter" und betätigt mehrmals ENTER; es sei denn, man möchte z. B. einen anderen Zielordner für das Programm anlegen, dann muss man natürlich diesen zuvor auf einem Speicherort eintragen und dann in diesem Installationsschritt entsprechend auswählen. Irgendwelche Besonderheiten bei der Installation des Windowsprogramms sind nicht zu beachten. Mit der Installation wird auf dem Desktop auch ein Symbol für Balabolka angelegt, welches direkt angesprungen und somit das Programm gestartet werden kann.
Zu den wichtigsten Eigenschaften von Balabolka ist auf der oben genannten Internetseite u.a. folgendes zu lesen:
Wenn man Balabolka startet, befindet man sich in einem Textfenster, welches zuerst leer ist. Wenn später, mit dem zweiten oder jeden weiteren Start, das Programm aufgerufen wird, steht in diesem Fenster der Text, der zuletzt umgewandelt wurde. Ihn kann man dort markieren und mit der Entferntaste weglöschen, wenn man ihn nicht mehr benötigt und an der Stelle ein anderer Text zur Umwandlung aufgerufen werden soll. Es ist möglich, aus einem Textprogramm einen Text in die Zwischenablage zu kopieren und diesen in das leere Textfenster von Balabolka einzufügen. Die andere Variante besteht darin, im Balabolka-Programm mit Strg + O das Datei-Öffnen-Fenster zu aktivieren und darüber eine beliebige Textdatei aufzurufen, die in Audio umgewandelt werden soll.
Es kann in Balabolka auf zwei verschiedenen Wegen in Audio umgewandelt werden: Entweder man betätigt Strg + W für "speichern als Audiodatei", worüber ein Speichern-Fenster aufgerufen wird. Oder es wird mit Strg + F8 ein Teilen (Splitten) der Textdatei vorbereitet, in dessen Fenster eingestellt werden kann, wie die Textdatei geteilt werden soll. Bei sehr großen Textdateien ist die zweite Verfahrensweise sicherlich empfehlenswert.
Ganz gleich welche Umwandlungsvariante gewählt wird, besteht dabei die Möglichkeit, zwischen vier Dateiformaten zu wählen (Wave, MP3, WMA und OGG Vorbis), in welche umgewandelt werden soll. Wenn dies ausgewählt, der neue Dateiname vergeben und der dafür nötige Speicherort gewählt ist, kann die Umwandlung mit dem Schalter "Speichern" gestartet werden. Jetzt muss man einfach warten, bis dieser Wandlungsprozess im Rechner fertiggestellt ist.
Die Stimme, die die akustische Datei zum Erklingen bringt, muss im Computer vor der Umwandlung vorhanden sein; Balabolka selbst beinhaltet keine Stimme, verweist aber in seiner Hilfe mit F1 in einer Liste auf Stimmen, die sowohl kostenfrei als auch kostenpflichtig aus dem Internet geladen werden können.
Balabolka verfügt über ein umfangreiches Funktionsmenü, welches mit Hilfe der Alt-Taste erreichbar ist und in dem man sich mit den Cursortasten gut und sicher bewegen kann. Tastenkombinationen für verschiedene Funktionen sind im Menü auch aufgeführt.
Auf alle Funktions- und Einstellmöglichkeiten kann ich hier im Rahmen dieses Beitrages leider nicht eingehen. Es soll eine Anregung sein für diejenigen, die hierfür Interesse haben.
Für Fragen stehe ich natürlich gern in der DZB zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Anwendung dieses Programms.

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Info-Service

Aktuelles aus der Hörbücherei

Christiane Felsmann
Der Bestand unserer Hörbücherei wächst beständig. Mitte August konnten wir das 14.000-ste Hörbuch in unsere Ausleihe aufnehmen! Wir selbst sind beeindruckt von den Zahlen und Titeln, die wir Ihnen mit der Umstellung in das DAISY-Format anbieten können. Erst seit 2003 werden CDs im DAISY-Format in der DZB und den anderen Bibliotheken für blinde und sehbehinderte Menschen produziert. Waren es nach über 50 Jahren Hörbuchproduktion Ende 2009 lediglich knapp über 8.000 Kassettentitel, so hat sich die Titelanzahl in kurzer Zeit nahezu verdoppelt. Produktion, Ausleihe und auch Austausch sind unkompliziert und effektiv geworden.
Bisher und für eine lange Zeit haben wir aus Kostengründen ausschließlich CDs, deren Oberfläche stark reflektierte, genutzt. Für sehbehinderte Nutzer der DZB waren diese CDs daher sehr gering bis gar nicht lesbar. Schwierigkeiten gab es zudem auch beim Einsatz von Lesegeräten.
Wir freuen uns demzufolge sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass wir seit dem 1. Juli 2010 ausschließlich beschichtete CDs in der Ausleihe und bei den Hörzeitschriften verwenden. Das bedeutet, dass alle Neuproduktionen, DAISY-Konvertierungen aus dem Altbestand, Übernahmen und Reparaturen auf matte, weiße CDs gebrannt werden.
Bisher waren die Preise für die nichtreflektierenden Rohlinge bis zu doppelt so hoch im Vergleich mit den bisher verwendeten CDs. Nun sind die Preise so gefallen, dass auch wir CDs mit lesefreundlicher Beschichtung verwenden können.
Noch ein Hinweis zu den Hörbuchnummern: Bisher gab es in den Katalogen usw. die Angaben der Titel über folgende Parameter: Buchstabe, Leertaste, Nummer.
Mit der Verwendung einer modernen Datenbank gibt es nun neue Bereiche: Die Ausleihe der DAISY-Bücher beginnt immer mit dem Buchstaben "H", danach folgen sechs "feste" Nummerstellen, die die Hörbuchnummer abbilden, z.B. H008020 | H000030 | H015380. Die moderne Datenbankanbindung wird uns künftig erlauben, alle DZB-Produktionen abzubilden, um Ihnen eine umfassende Beratung garantieren zu können.

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Das Sichtbare hörbar machen

Michael Wallies
Bilder, Fotografien und Gemälde erreichen nicht alle Menschen. Um blinden und sehbehinderten Menschen auch visuell vermittelte Inhalte zugänglich zu machen, müssen Bilder in andere Medien übersetzt werden - beispielsweise indem man sie über akustische Bildbeschreibungen erfahrbar macht.
In zwei Workshops wurde im August in der DZB und beim Leipziger Sender Radio Blau nicht nur über unterschiedliche Ansätze zu Bildbeschreibungen informiert, sondern auch kontrovers diskutiert. Zu beiden Terminen reisten namhafte Gäste aus Frankfurt am Main, Berlin oder Husum nach Leipzig an, was zeigt, wie wichtig das Thema Bildbeschreibung ist. So entstanden an beiden Tagen interessante Konzepte für die Bildbeschreibungen einer Wanderausstellung, die das Antidiskriminierungsbüro Sachsen in den nächsten Monaten mit Unterstützung der DZB realisieren wird. Die Wanderausstellung startet Anfang 2011 in Leipzig. "Das Sichtbare hörbar machen" ist eine Kooperation des Antidiskriminierungsbüros Sachsen, der DZB Leipzig, Radio Blau und dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften.

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"Andere Augen - eine Ausstellung über das Sehen"

Katja Lucke
Seit dem 18. August 2010 stellt sich die DZB auf einer Wanderausstellung in Erfurt vor. Die Ausstellung "Andere Augen - eine Ausstellung über das Sehen" findet im Thüringer Landtag statt. Sie zeigt die Lebenswege der norwegischen Protagonisten Arild und Terje und verfolgt ein Ziel: die unterschiedlichen Wege der Kunstwahrnehmung von Sehenden, Sehbehinderten und blinden Menschen zu verbinden und ihnen dadurch ein gemeinsames, gleichberechtigtes Kunsterlebnis zu ermöglichen. Barrierefreiheit und Teilhabe werden dabei zum eigentlichen Inhalt der Ausstellung. Das Projekt bietet ein Forum zum Austausch von Menschen mit und ohne Behinderungen.
"Andere Augen - eine Ausstellung über das Sehen" wurde ehrenamtlich vom Verein Andere Augen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Freunde der DZB e.V. entwickelt und realisiert. In dem Zusammenhang zeigt die DZB ihre Produkte und stellt ihre Dienstleistungen vor.
Die Ausstellung ist vom 18. August bis 19. November 2010 im Thüringer Landtag im Zwischengang zum Fraktionsgebäude, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt, zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.

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Die DZB auf der REHACARE in Düsseldorf

Katja Lucke
Vom 6. bis 9. Oktober 2010 präsentiert sich die DZB gemeinsam mit der Hilfsmittelfirma Papenmeier auf der REHACARE, der internationalen Fachmesse für Rehabilitation, Prävention, Integration und Pflege.
Am Stand 5 A09 in Halle 5 stellt die DZB die neuesten Kalender, Sprachkurse und Glückwunschkarten aus. Darüber hinaus sind aktuelle DAISY-Hörbücher zum Kauf und Zeitschriften in Punktschrift sowie im DAISY-Format vorrätig. Besuchen Sie uns und stöbern Sie in den neuesten Büchern und Atlanten. Die Messe ist am 6. bis 8. Oktober von 10 bis 18 Uhr sowie am 9. Oktober von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Auf der REHACARE präsentieren 700 Aussteller aus 30 Ländern eine Kombination aus Produktdemonstration und komplexen Systemlösungen. Zahlreiche Themenparks und Informationsveranstaltungen runden das Angebot für Besucher ab. Ob Mobilitäts- und Alltagshilfen, Hilfsmittel für ambulante oder stationäre Pflege, Kommunikationstechnik, barrierefreie Wohnwelten oder Ideen für Freizeit, Reise und Sport - die REHACARE bietet alles unter einem Dach.

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Neues vom Weltkongressprojekt Braille21

Jenni Handschack
Hauptarbeit im Projekt Braille21 ist derzeit die Vernetzung der DZB Leipzig mit zahlreichen Förderern und Unterstützern - denn nur durch die Beisteuerung von Themen und finanzieller Mittel von dritter Seite ist es möglich, ein solches Großprojekt wahr werden zu lassen. Seit Beginn des Jahres konnten insgesamt 13 Partner gewonnen werden, darunter Verbände, Bibliotheken und Ausbildungswerke aus Deutschland. Außerdem freuen wir uns über namhafte internationale Institutionen aus Australien, Großbritannien, Japan und der Schweiz, die uns tatkräftig unter die Arme greifen. Die gesamte Liste unserer Partner ist auf der Internetseite www.braille21.net einsehbar.
Ganz neu im Boot ist die Herbert Funke-Stiftung, welche sich für die nachhaltige Verbesserung der kulturellen und sozialen Möglichkeiten von sehbehinderten und blinden Menschen einsetzt. Von großer internationaler Bedeutung ist die Beteiligung der Entwicklungshilfeorganisation Christoffel-Blindenmission (CBM). Sie wird während des Weltkongresses mit dem CBM-Erlebnisgang auch die allgemeine Öffentlichkeit für die alltäglichen Probleme blinder und sehbehinderter Menschen sensibilisieren.

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Treffpunkt Bibliothek

Katja Lucke
Die einwöchige bundesweite Aktionswoche "Treffpunkt Bibliothek" findet im Herbst 2010 zum dritten Mal statt und rückt in der Woche vom 24.-31. Oktober die Bibliotheken Deutschlands mit außergewöhnlichen Präsentationen, Ausstellungen, Vorlesestunden, Bibliotheksnächten und vielfältigen Aktionen und Serviceangeboten ins Rampenlicht.
Auch die DZB als bedeutende Blindenbibliothek im deutschsprachigen Raum lädt Nutzer und Interessenten zu einer spannenden Lesung ein. "Masserberg" heißt das Buch, dass von der Autorin Else Buschheuer vorgestellt wird. Die Buchlesung findet am 29. Oktober, 19 Uhr, in der Leipziger Gustav-Adolf-Straße 7 statt. In dem Buch "Masserberg" geht es um die 17-jährige Mel - halb Punk, halb Verführerin. Dass sie sehr krank ist und vielleicht blind wird, macht sie nur noch trotziger, noch hungriger aufs Leben. In einer Augenheilstätte im thüringischen Masserberg, wo sie zahllosen Torturen ausgesetzt ist, begegnet sie einem kubanischen Arzt und verliebt sich in ihn. Sie sind ein ungleiches Paar: Lolita und IM Skalpell. Und sie sind in Gefahr. Der Stern urteilte über das Buch: "Eine Mischung aus ›Lolita‹ und ›Einer flog über das Kuckucksnest‹".

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Täglich im Oktober 2010: "Wikipedia zum Hören"

Michael Wallies
Deutschland ist eine richtige Wikipedia-Nation. So stehen in der Online-Enzyklopädie weit mehr als eine Million deutschsprachige Artikel zur Verfügung. Wikipedia gehört zu den zehn am häufigsten frequentierten Internetseiten der Welt. Die Online-Enzyklopädie ist dabei eines der wichtigsten Beispiele für kollektive Intelligenz im Internet. Auch wenn Wikipedia täglich von Millionen Menschen genutzt wird, befinden sich unter diesen nur wenige Blinde oder Sehbehinderte.
Die "gesprochene Wikipedia", eines der Projekte von Wikipedia, das für sehbeeinträchtigte Menschen von besonderem Interesse ist, hinkt dabei der großen Erfolgsgeschichte aktuell noch hinterher. In der "gesprochenen Wikipedia", in der man sich ausgewählte Beiträge anhören kann, sind bislang nur knapp 400 deutschsprachige Artikel vorhanden.
In dem Pilot-Projekt "Wikipedia zum Hören" will die DZB zusammen mit Wikimedia Deutschland die Anzahl der gesprochenen Artikel und den Bekanntheitsgrad der "gesprochenen Wikipedia" deutlich erhöhen. Im Oktober werden wir daher gemeinsam ein ambitioniertes Pilotprojekt realisieren und die 31 "Artikel des Tages" einsprechen.
Das Projekt "Wikipedia zum Hören" ist damit ein Schritt zur Umsetzung der bundesweit geltenden Behindertenrechtskonventionen (BRK), die die Inklusion behinderter Menschen fordert.
Den jeweiligen "Artikel des Tages" können Sie selbstverständlich auf unserer DZB-Webseite www.dzb.de sowie über die Wikipedia-Startseite www.wikipedia.de anhören. Ausführliche Informationen zu dem Projekt erhalten Sie auf der Webseite www.dzb.de/wikipedia.

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Blindengeld in Thüringen

DBSV-direkt
In zweiter Lesung hat der Thüringer Landtag das Fünfte Gesetz zur Änderung des Thüringer Blindengeldgesetzes verabschiedet. Es war nur noch eine politische Formalie, denn bereits seit 1. Juli dieses Jahres erhalten blinde Menschen in Thüringen monatlich 270 Euro statt bisher 220 Euro Blindengeld. Die Erhöhung um 50 Euro ist der Erfolg der "Schlusslichtkampagne" des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen (BSVT). Während des Landtagswahlkampfs im vergangenen Jahr hatte der Verband öffentlich darauf aufmerksam gemacht, dass in Thüringen bundesweit das niedrigste Blindengeld gezahlt wird, und daraus die Forderung abgeleitet, den Nachteilsausgleich zu erhöhen.
Reiner Spring, Landesvorsitzender des BSVT, begrüßt die Blindengelderhöhung und freut sich, dass namentlich Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) Wort gehalten hat. Noch als Sozialministerin hatte sie sich vor den Landtagswahlen dafür ausgesprochen, das Blindengeld um 50 Euro pro Monat anzuheben. "Trotzdem kann die Erhöhung nicht darüber hinwegtäuschen, dass 270 Euro nicht ausreichen, um blinden Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen", erklärt Spring. "Zweifelsohne ist die neue Landesregierung einen ersten Schritt in die richtige Richtung gegangen. Aber wir sind noch sehr weit entfernt von einem auskömmlichen Betrag, den wir entsprechend der Blindenhilfe mit 608,96 Euro beziffern."

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Beschriftung von Lebensmittelverpackungen

DBSV-direkt
Kalorien, Zutaten oder Haltbarkeitsdatum auf Lebensmittelverpackungen zu entziffern, ist für Senioren und sehbehinderte Menschen oft Glücksache.
Kleine Schrift und kontrastarme Gestaltung sind eher die Regel als die Ausnahme. Mit einer Mitmach-Aktion machen die Verbraucherzentralen mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO im Rahmen der gemeinsamen Initiative "Fit im Alter" seit Mai auf diesen Missstand aufmerksam und versuchen zum Umdenken zu bewegen.
Noch bis zum 30. September läuft die Aktion "Lesbare Etiketten", bei der Konsumenten aufgerufen sind, sich auf sich auf der Webseite www.fitimalter.de über Produkte zu beschweren aber auch positive Lebensmitteletiketten zu loben.
Die Aktion zeigt bereits Wirkung: "Auf die ersten Abmahnungen haben einige Hersteller bereits reagiert und eine Optimierung der Verpackung verbindlich zugesagt", so die Verbraucherzentrale Hamburg.
Noch bis zum 30. September haben Verbraucher die Gelegenheit, sich im Internet zu beteiligen und bestimmte Verpackungen einzusenden oder in einer Verbraucherzentrale vor Ort abzugeben.
"Auch sehbehinderte Menschen - egal ob alt oder jung - sollten hier teilnehmen und damit auf ihre Perspektive, ihre Schwierigkeiten beim Lebensmittelkauf hinweisen", appelliert Ernst-Dietrich Lorenz vom Gemeinsamen Fachausschuss für allgemeine Hilfsmittel (GFaH) der Deutschen Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe.
Alle Informationen zur Aktion "Lesbare Etiketten" unter www.fitimalter.de

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Neues Wohn- und Therapiezentrum

Pressemitteilung
Das Internationale Bildungs- und Sozialwerk e.V. eröffnete am 01.02.2010 das "Haus am Lunapark", ein Wohn- und Therapiezentrum für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen, in Leinefelde (Landkreis Eichsfeld). Hier finden Menschen ab 18 Jahre mit Taubblindheit oder einer Hörsehbehinderung aus allen Bundesländern ein neues Zuhause.
Dieses spezielle Wohn- und Therapiezentrum berücksichtigt die besonderen Bedürfnisse von hörsehbehinderten bzw. taubblinden Menschen. Es ermöglicht ihnen ein barrierefreies Wohnen und Leben. So wurde u.a. großen Wert auf taktile Leit- und Orientierungssysteme sowie auf eine klare Baustruktur gelegt. Jeder Bewohner verfügt über ein geräumiges Einzelzimmer mit eigenem Bad. Die Zimmer sind komplett eingerichtet. Auf Wunsch können eigene Möbel mitgebracht werden.
Den Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit bildet die individuelle und ganzheitliche Förderung. Oberstes Ziel ist immer der Erhalt der Selbstbestimmung und die Förderung der selbstständigen Lebensführung.
Die Einrichtung hält für therapeutische Arbeit verschiedene Räumlichkeiten wie Holzwerkstatt, Gymnastikraum, Snoezelenraum, Therapiebad, Kreativwerkstatt, Musiktherapieraum, Räume für Logopädie, Kunst- und Wahrnehmungstherapie vor.
Ergänzt werden diese Aktivitäten durch ein mannigfaltiges Freizeitangebot in Form von Gruppen- und Einzelaktivitäten.
Info:
www.lunapark-leinefelde.de
www.int-bsw.de

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Kritik an Reiseeinschränkungen für Führhundhalter

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, und der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, haben aktuell die Benachteiligungen blinder und sehbehinderter Menschen bei Reisen kritisiert. Hierbei beziehen Sie sich vor allem auf das Recht auf die Mitnahme von Führ- und Begleithunden in Bahn oder Flugzeug, die gesetzlich verankert ist, aber dennoch oftmals verweigert wird.
In der gemeinsam herausgegebenen Presseerklärung heißt es, Die EU-Verordnung über Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität aus dem Jahre 2008 sehe entsprechende Vorkehrungen für Begleithunde vor, zum Beispiel die kostenlose Beförderung in der Kabine. Auch die EU-Verordnung über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr, die im Herbst 2007 in Kraft getreten ist, enthalte einen Anspruch auf Beförderung von Personen mit Behinderungen und Personen mit eingeschränkter Mobilität.
Christine Lüders und Hubert Hüppe, betonten: "Blinde und sehbehinderte Menschen müssen immer wieder darum kämpfen, ihren Blindenführhund mitzunehmen. Dabei haben etliche Studien belegt und auch das Bundesgesundheitsministerium bestätigt, dass grundsätzlich keine medizinisch-hygienischen Bedenken gegen die Mitnahme von Blindenführhunden und Assistenzhunden etwa in Lebensmittelmärkten, in Arztpraxen oder Museen durchgreifen. Die entsprechenden Stellen sind gefordert, sich endlich an diese klaren Fakten zu halten."
Näheres zum Behindertenbeauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen: www.behindertenbeauftragter.de
Näheres zur Antidiskriminierungsstelle: www.antidiskriminierungsstelle.de
Näheres zum Arbeitskreis Führhundhalter im DBSV: www.dbsv.org/dbsv/unsere-struktur/dbsv-gremien/blindenfuehrhundhalter/
[Quelle: DBSV-direkt]

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: CD DAISY 7,68 €, Blindenkurzschrift 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten.
Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: verlag@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
Abonnements, Anzeigen
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DZB 2010

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