DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 6 – 2010

November / Dezember

20. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Einblicke

Alle Jahre wieder - die Info-CD der DZB, ein Projekt des Fördervereins

Vereinbarung über besseren Zugang zu Büchern für Sehbehinderte

Bücher ohne Grenzen

Braille21

Die Zukunft der Brailleschrift

Die Kramkiste

Franz Grillparzer: "Der arme Spielmann"

Ferdinand von Saar: "Die Steinklopfer"

Weihnachtliche Empfehlungen aus der DZB Leipzig

LOUIS

Easywave - ein WAVE- und MP3-Aufnahme- und Bearbeitungsprogramm

Info-Service

Schließzeiten zum Jahreswechsel

Wieder Brailleschriftkurse in der DZB

Bundesweite Orientierungsveranstaltung

E-Book-Reader - für Sehbehinderte der neue Zugang zur Literatur?

Neu in Leipzig: Mondschein Dunkelrestaurant & Lounge

Anhörung zu Rundfunkgebühren

Stiftung Nordlicht-Stipenidum

Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde wird 150

Impressum

Vorbemerkung

Heute lassen wir Sie hinter die Kulissen unserer jährlich erscheinenden Info-CD schauen. Außerdem informieren wir Sie über die "Gemeinsame Absichtserklärung im Rahmen des Dialogs der EU mit den Beteiligten über den Zugang zu Werken für Menschen mit Lesebehinderung" und in einem Folgeartikel über die diesbezüglichen Bemühungen der EBU.
Weiterhin starten wir mit einer Artikelserie, in der sich die Autoren über ihr ganz spezielles Verhältnis zur Braille-Schrift äußern. Bis zum Weltkongress "Braille21" im September 2011 wird diese Serie fortgesetzt und liefert hoffentlich eine Basis für interessante Diskussionen und weitere Wortmeldungen.
Die Festtage nahen. Über unsere Schließzeiten zum Jahreswechsel informiert der Info-Service. Zum Schluss möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf unsere weihnachtlichen Empfehlungen lenken. Auch die Bücherliste bietet mehrere Kinder- und Jugendbücher an, die sich als Geschenk zum Fest eignen.
Kommen Sie gut über die Festtage, bleiben Sie gesund!
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Einblicke

Alle Jahre wieder - die Info-CD der DZB, ein Projekt des Fördervereins

Susanne Siems
"Ja, wir versenden sie nächste Woche. Danke, Ihnen auch. Wiederhören!"
Schon wieder einer, der nach dem Eintreffen der "DZB-Informationen" fragt. Das geht jedes Jahr im Juli, Anfang August so. Bei mir macht sich zu diesem Zeitpunkt meist Erleichterung breit. Die redaktionellen Arbeiten sind abgeschlossen, die Master-CD ist im Presswerk und ich kann mein Kind Info-CD fast von der Hand lassen. Wieder hat alles gut geklappt, alle Mitarbeiter Hand in Hand gearbeitet.
Seit 10 Jahren produzieren wir für unsere Nutzer einmal pro Jahr die "DZB-Informationen". Ziemliches Neuland war das zunächst. Eine Herausforderung zum Beispiel war der Versand an alle DZB-Nutzer, besonders hier wurde die Notwendigkeit der stärkeren Vernetzung einzelner Arbeitsbereiche deutlich. Die damalige Infokassette trug maßgeblich dazu bei, dass wir die Adressverwaltung für alle Bereiche in eine Datenbank steckten. Nicht nur einer der Nutzer rief hier an und sagte: "Also in diesem Jahr habe ich die DZB-Info drei mal bekommen." Viele kamen am Anfang zurück mit dem Postvermerk "verzogen" oder "verstorben". Und das, obwohl wir sorgfältig jede Adressänderung und Abmeldung eingetragen hatten. Inzwischen ist da ein bisschen "Ruhe eingekehrt", auch wenn der eine oder andere die CD wieder mal doppelt erhalten hat, zum Beispiel als Privatperson und Institutsvertreter. Bei 11.000 Beziehern gibt es natürlich immer wieder "Pannen".
Auf jeden Fall ist und bleibt der Inhalt der wichtigste Teil. Schon zu Beginn des Jahres, ach, eigentlich schon nach Fertigstellung der letzten CD, beginnen wir mit inhaltlichen Planungen für das kommende Jahr. Was könnte für die Nutzer der DZB interessant sein, wovon erfahren sie in den anderen Publikationen wenig, was möchten wir selbst mitteilen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben uns immer wieder gesagt, dass Ihnen die Originaltöne besonders gefallen, die Interviews vor allem. Da hatte so mancher unserer Mitarbeiter Bedenken. Nicht jeder mag ein Mikrofon vor der Nase, wenn er über seine Arbeit berichtet. Aber am Ende hat es doch fast immer auch Spaß gemacht.
Zuviel Aufwand für eine von vielen CDs, die in unserem Haus produziert werden, höre ich jetzt den ein oder anderen Leser sagen. Ob wir nichts anderes zu tun haben? Doch haben wir, unsere wichtigste Aufgabe ist immer noch die Produktion und der Vertrieb von Literatur für Blinde. Ich hoffe auch, dass sie das spüren, wenn sie die CD hören. Aber es ist doch mit den meisten Dingen so: die, die leicht und scheinbar nebenbei daher kommen, machen die meiste Arbeit. Und es ist auch eine Geste. Wir geben uns viel Mühe für Sie, das ganze Jahr. Und wenn dann die CD kommt, dann sagen Sie und wir Dankeschön zur gleichen Zeit. Die meisten Spenden kommen in Zusammenhang mit der CD. Danke an dieser Stelle noch einmal allen fleißigen Spendern.
Was der Förderverein mit der CD zu tun hat? Er verwaltet die eingehenden Spenden, unterstützt damit die Arbeit der DZB und gibt auch finanzielle Unterstützung für die Produktion der CD.
Am Anfang war es mächtig aufregend, all die tausend kleinen Dinge zu koordinieren, damit alles am Ende eine runde Sache wird. Die Aufregung hat sich ein bisschen gelegt, inzwischen weiß jeder im Haus, was er zu tun hat. Aber ganz wird die Unruhe sicherlich nie verschwinden. Schließlich fühlt man sich ja auch als Mutter eines großen Kindes immer noch besorgt und verantwortlich. Und man möchte das Kind auch anschubsen - "Hey, beweg' dich, mach mal was Neues, Aufregendes". Drücken Sie uns die Daumen, dass es uns auch im nächsten Jahr gelingt. Offen sind wir immer für Ihre Ideen und Wünsche.

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Vereinbarung über besseren Zugang zu Büchern für Sehbehinderte

Elke Dittmer
(Vorsitzende Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V.)
Am 14. September 2010 wurde in Brüssel unter der Leitung des Europäischen Kommissars für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Michel Barnier, eine "Gemeinsame Absichtserklärung (GA) im Rahmen des Dialogs der EU mit den Beteiligten über den Zugang zu Werken für Menschen mit Lesebehinderung" unterzeichnet.
Unterzeichner sind Vertreter der Rechteinhaber und Vertreter von Menschen mit Lesebehinderung:
Europäischer Verlegerverband
Europäische Blindenunion
Europäischer Schriftstellerkongress
Europäischer Verband für Dyslexie
IFRRO (International Federation of Reproduction Rights Organisations)
International Association of Scientific, Technical and Medical publishers
In der Erklärung heißt es u.a.: "Zwar haben alle Mitgliedsstaaten der EU Ausnahmen von den Urheberrechten zugunsten von Lesern mit Dyslexie oder Sehbehinderungen eingeführt, doch sind diese sehr unterschiedlich und erschweren somit die grenzüberschreitende Verbreitung. Die Absichtserklärung wird hier Abhilfe schaffen. Dazu soll ein Vertriebssystem über vertrauenswürdige Intermediäre geschaffen werden, bei denen es sich um Einrichtungen wie Blindenverbände, Bibliotheken oder spezielle Schulen handeln kann."
Die im deutschsprachigen Raum im Verein Medibus "Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen" zusammengeschlossenen Blindenbibliotheken erfüllen bereits und seit langem die Anforderungen eines "vertrauenswürdigen Intermediärs".
Durch diese Erklärung erfahren die Blindenbibliotheken eine Stärkung ihrer Arbeit und einen Vertrauensbeweis von Seiten der Rechteinhaber. Darüber hinaus wird die Rechtsunsicherheit im Bezug auf die grenzüberschreitende Weitergabe zugänglicher Literatur für Menschen, die auf Grund einer Behinderung Gedrucktes nicht lesen können, aufgegriffen und Lösungen empfohlen.
Diese Absichtserklärung wird die Bemühungen der World Blind Union und des DAISY-Consortiums, die Mitglieder der WIPO zu einer weltweiten Regelung zu bewegen, stärken.
Fundstelle im Internet:
http://ec.europa.eu/internal_market/copyright/copyright-infso/copyright-infso_en.htm#otherdocs

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Bücher ohne Grenzen

Hans Kaltwasser
(Referent für internationale Zusammenarbeit des DBSV)
In Brüssel einigten sich Verleger und Behindertenorganisationen im September 2010 auf ein Memorandum, das die Zahl barrierefreier Bücher in kürzester Zeit drastisch erhöhen soll. Die EBU betrachtet das Abkommen allerdings mit Skepsis und setzt weiterhin auf einen internationalen Vertrag bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum in Genf.
Die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen (BRK) regelt in Art. 21, dass behinderte Menschen das Recht haben zu lesen. Art. 30 der Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Menschen mit Behinderungen den Genuss kultureller Werke zu ermöglichen. Das Recht auf Zugang zur Kultur ist als Menschenrecht das höhere Rechtsgut, dem sich das Urheberrecht unterzuordnen hat. Das Urheberrecht darf keine Barriere für den Zugang behinderter Menschen zu kulturellem Material errichten. Dies ist die gemeinsame Position der Europäischen Blindenunion und der Weltblindenunion.
In der Praxis ist es freilich um die Inanspruchnahme dieses Rechts schlecht bestellt. Die Chancen blinder und sehbehinderter Menschen auf Teilhabe an der Kultur sind angesichts des verschwindend kleinen Angebots an Büchern, die für sie zugänglich sind, sehr begrenzt. 93.000 Neuerscheinungen gab es auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, eine für sehende Menschen schier unübersehbare Vielfalt an Literaturarten, Gattungen und Sorten. Diesen stehen gerade einmal 2.500 Titel gegenüber, die die in Deutschland, Österreich und der Schweiz firmierenden Mitgliedseinrichtungen von Medibus zusammen in zugängliche Formate für blinde und sehbehinderte Menschen übertragen. Nur rund 5 Prozent aller in Europa erhältlichen Bücher haben ein Format, das für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet ist. In den Entwicklungsländern beträgt der entsprechende Anteil kaum 1 Prozent. Einen schnellen Zugang zum Standardbuch gibt es trotz der vorhandenen, immer raffinierter werdenden Technologie nicht. Mit wie viel Schwierigkeiten und Frustrationen im Alltag das private Einscannen ganzer Bücher verbunden ist, schilderten blinde Menschen anschaulich vor Vertretern der europäischen Verlegerverbände und EU-Abgeordneten auf einer Anhörung zum Urheberrecht im Mai dieses Jahres in Brüssel. Bei den immer populärer werdenden E-Books erschwert der DRM-Einsatz immer wieder eine einfache Umwandlung der Inhalte in leichter konsumierbare Formate. Auch eine noch so fortgeschrittene Technik kann Zugangsbarrieren nicht wirklich beseitigen. "Ich möchte aber in den Buchladen um die Ecke gehen können, um das zu kaufen und zu lesen, was dem sehenden Leser selbstverständlich zur Verfügung steht", forderte der blinde Peter O. aus Großbritannien in Brüssel.
Es gibt viele Wege, die drückende "Büchernot" zu beseitigen und blinde und sehbehinderte Menschen an den Kulturwerken teilhaben zu lassen. Der beste wäre gewiss, wenn die Verlage ihre Neuerscheinungen von vornherein in Formaten herausbrächten, die Menschen mit Lesebehinderungen den mühelosen Genuss des gekauften oder ausgeliehenen Buches erlauben. Kommerzielle Verlage produzieren für blinde und sehbehinderte Leser zugängliche Formate, also Bücher im Großdruck, Punktschriftbücher oder Bücher im Audioformat in der Regel jedoch nicht, weil sich hiermit kein Geld verdienen lässt. So bleibt die Herstellung solcher Bücher überwiegend Sondereinrichtungen des Blindenwesens überlassen, denen hierfür nur sehr beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Viel wäre indessen schon gewonnen, wenn die Blindenbibliotheken in der Europäischen Union ihre Bücherbestände grenzüberschreitend mit denen anderer Einrichtungen in Ländern außerhalb der EU und umgekehrt legal tauschen könnten. Dies würde schon in kürzester Zeit die Zahl zugänglicher Bücher für Menschen mit Lesebehinderungen deutlich erhöhen und die "Büchernot" wirksam abbauen helfen.
Einer solchen sehr sinnvollen gemeinsamen Nutzung des Materials stehen allerdings internationale Barrieren im Urheberrecht im Wege. Urheberrechtliche Ausnahmen gibt es nur in rund 60 Ländern der Welt. Doch auch dort, wo es sie gibt, wie in der Europäischen Union, ist ihre Ausgestaltung sehr unterschiedlich, so dass der grenzüberschreitende Austausch von barrierefreien urheberrechtlich geschützten Werken erschwert wird. So gibt es Ausnahmen vom Urheberrecht zugunsten behinderter Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie eine Vergütungsregelung, die eine Entschädigung für die Rechteinhaber, d.h. für die Autoren und Verlage vorsieht. Jedoch unterscheiden sich die jeweiligen nationalen Schranken- und Vergütungsregelungen im Wortlaut und in den Auswirkungen nicht unerheblich voneinander, so dass ein grenzüberschreitender Austausch barrierefreier Bücher zwischen diesen Ländern jetzt unklarer denn je ist. Während Österreich Ausnahmen vom Urheberrecht für blinde und sehbehinderte Menschen ohne öffentliche Zugänglichmachung ermöglicht, ist diese in Deutschland seit 2010 erlaubt. Die Schrankenregelung der Schweiz wiederum sieht Ausnahmen für blinde, sehbehinderte und sehende lesebehinderte Menschen mit öffentlicher Zugänglichmachung vor. Um die Autoren und Verlage zu entschädigen, müssen mit den zuständigen Verwertungsgesellschaften getrennte Verträge geschlossen werden. Vergütungen für ein und dasselbe zugänglich gestaltete Buch fallen in allen drei Ländern in unterschiedlicher Höhe an. Nicht unbeträchtlich ist zudem der bürokratische Aufwand des kostenintensiven, schwerfälligen und zeitaufwändigen Verfahrens, weil die Titel, die übertragen werden sollen, in allen drei Ländern bei den Verwertungsgesellschaften angemeldet und abgerechnet werden müssen: Eine Vergeudung an Zeit und Ressourcen; manches wird doppelt gemacht: So lässt sich die "Büchernot" nicht wirksam bekämpfen.
Ein weiteres Beispiel zeigt in anschaulicher Weise, wie sich durch eine Änderung des internationalen Urheberrechts der Zugang Blinder und Sehbehinderter zu urheberrechtlichen Werken in kürzester Zeit verbessern ließe. Die Blindenbibliotheken in Chile, Kolumbien, Mexiko, Nicaragua und Uruguay haben einen Bestand von insgesamt 8.517 barrierefreien Büchern. In Argentinien gibt es 63.000 Bücher, in Spanien gar 102.000 Bücher in einem Format, das für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet ist. In allen diesen Ländern wird Spanisch gesprochen. Man stelle sich einmal vor, den blinden und sehbehinderten Menschen in Argentinien und Spanien wäre es möglich, ihre zugänglichen Bücher mit Betroffenen in Lateinamerika über die Ländergrenzen hinweg legal zu tauschen, dies würde die Zahl der für Blinde und Sehbehinderte zugänglichen Titel unmittelbar und drastisch erhöhen.
Käme ein umfassender internationaler grenzüberschreitender Austausch von barrierefreien Büchern nur blinde und sehbehinderte Menschen in den Entwicklungsländern zugute? Sind die Anstrengungen der Europäischen Blindenunion und der in ihr zusammengeschlossenen nationalen Blinden- und Sehbehindertenverbände auf diesem Gebiet nur ein Stück jener praktischen Solidarität gegenüber den Betroffenen in der Dritten Welt, zu der sich auch die blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland seit jeher bekannt haben? Gewiss würden von einem global legalisierten Austausch urheberrechtlich geschützter Werke alle profitieren, auch wir in Deutschland. Dies zeigt das Beispiel der weltweit größten Blindenbibliothek, der "National Library Service for Blind and Physically Handicapped", in Washington in den USA. Wer als blinder oder sehbehinderter Studierender oder Wissenschaftler oder schlicht anglophiler Bücherfreund etwas aus den riesigen Beständen der US-Einrichtung ausleihen möchte, hat schlechte Karten. Nur behinderte Menschen in den USA oder US-Bürgerinnen und -Bürger, die ihren Wohnsitz im Ausland haben, können den Dienst nutzen. Nichtamerikaner sind darauf angewiesen, dass die Sondereinrichtungen des Blindenwesens die Lizenzen für die Übertragung beschaffen, so dass der Zugang zu den benötigten Werken nur mit großen Kosten und zeitlicher Verzögerung möglich wird.
Wie lässt sich die "Büchernot" am wirksamsten beseitigen? Die Europäische Kommission hat in den vergangenen neun Monaten unter Hochdruck eine Absichtserklärung ("Memorandum of Understanding") zwischen der Europäischen Blindenunion, den Organisationen, die Menschen mit Lesebehinderungen vertreten, sowie dem Europäischen Verlegerverband moderiert, die am 14. September 2010 in feierlichem Rahmen in Brüssel unterzeichnet wurde. Die Erklärung definiert die Grundsätze, nach denen die Verleger es den Blinden- und Sehbehinderten-Verbänden erlauben können, ihre barrierefreien Buchbestände grenzüberschreitend in der EU auszutauschen. Kernstück des Abkommens ist ein aus sogenannten "vertrauenswürdigen Intermediären" (Blindenbüchereien, Blinden- und Sehbehinderten-Verbände, Blindenschulen) bestehendes Vertriebssystem, die sich wechselseitig anerkennen, um einem registrierten Nutzerkreis den Zugang zu barrierefreien Büchern aus der gesamten EU zu ermöglichen. Wenngleich das Abkommen insgesamt als ein Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen ist und durchaus das Potenzial hat, die freiwilligen Lizenzvereinbarungen und die Barrierefreiheit der technologischen Lesewerkzeuge zu verbessern, liegen seine Grenzen und Mängel doch auf der Hand: Es gewährt der Selbsthilfe keine Rechte, die beispielsweise vor dem Europäischen Gerichtshof eingeklagt werden können, das zum Teil mühevolle Aushandeln von Lizenzen bleibt, es behandelt nicht den grenzüberschreitenden legalen Austausch von barrierefreien Büchern zwischen der EU und Ländern außerhalb der EU. All dies bedeutet, dass weder lesebehinderte Menschen in Großbritannien die gewaltigen Bestände barrierefreier Bücher in den USA werden nutzen können, noch die Spanische Blindenorganisation ONCE in der Lage sein wird, ihre beträchtlichen Bestände für die Spanisch sprechenden lateinamerikanischen Länder zu öffnen, um die herrschende "Büchernot" zu lindern. Zudem beruht die Vereinbarung auf dem guten Zusammenwirken mit den Inhabern des Urheberrechts. Dort, wo die Zusammenarbeit mit Verlagen und Autoren beeinträchtigt, beschädigt oder gar abgebrochen wird, müsste das Recht eigentlich dafür sorgen, dass der von der Behindertenrechtskonvention gewollte Schutz vor Diskriminierungen greift. So begrüßenswert die Initiative der Europäischen Kommission erscheint, als Legitimation für die verweigerte Unterstützung einer verbindlichen rechtlichen Lösung für die "Büchernot" taugt sie nicht.
Unter dem Motto "Das Recht zu lesen für Menschen mit Behinderungen" führt die Weltblindenunion seit Jahren eine internationale Kampagne, die zunehmend an Schwungkraft gewinnt. Mit Hilfe Brasiliens, Ecuadors und Paraguays gelangt es der WBU im Mai 2009, einen Vertragsentwurf bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) in Genf einzubringen. Dieser "internationale Blindenvertrag" würde die urheberrechtlichen Schranken weltweit beseitigen, indem er die Ein- und Ausfuhr von Werken erlaubt, die gemäß einer urheberrechtlichen Ausnahme barrierefrei gemacht wurden. Zudem dürfen Behinderte beziehungsweise die sie vertretenden Verbände auch mit DMR geschützte Werke in andere Wahrnehmungsformen wie MP3-Dateien umwandeln. Konkret umfasst der Vertrag etwa für die Sondereinrichtungen das Recht, einen Roman unter Umgehung technischer Schutzmaßnahmen im DAISY-Format aufzunehmen und zu exportieren. Absprachen in privaten Verträgen, die im Widerspruch zu den Schrankenregelungen stehen, sind null und nichtig.
Während der Vertragsentwurf der WBU bei einer Reihe WIPO-Ländern Zustimmung findet, wird er von den USA und der EU abgelehnt. Die Gründe für die Ablehnung sind vielfältig. Im Kern beruht sie auf drei Annahmen. Die erste Annahme ist, dass die Forderungen nach bindenden gesetzlichen Regelungen zu früh kommen und man stattdessen flexiblere Lösungen erproben solle. Ein Vertrag ist in dieser Sicht gar nicht notwendig, weil ein allmächtiger Markt gleichsam als unsichtbare Hand hinter den beteiligten Parteien die Geschicke zum allgemeinen Wohl und zum Vorteil aller richten wird. Sodann wird unterstellt, dass die Technologie sich in einer Weise entwickelt, dass der Markt allein diese Lenkungsfunktion ausüben kann. Dies zusammengenommen berechtigt drittens zu der Hoffnung, so die Erwartung der Vertragsgegner, dass mit einer Kooperation zwischen den Verlagen und den umsetzenden Sondereinrichtungen eine Situation erwachsen wird, aus der alle Beteiligten den größtmöglichen Nutzen ziehen.
Die USA und die EU haben jeweils eigene, wenngleich ähnliche Entwürfe vorgelegt, die jedoch von den Behindertenorganisationen abgelehnt werden. Anders als der WBU-Vertrag beruht der Entwurf der EU auf Empfehlungen und unverbindlichen Festlegungen. Im Grunde handelt es sich um eine Spielart des zwischen den Europäischen Verlegerverband und Behindertenorganisationen ausgehandelten Memorandums. Hier wie dort ist das Konzept der vertrauenswürdigen Intermediären von zentraler Bedeutung. Der Sinn des WIPO-Vertrages besteht indessen darin, dass er ja dort greifen soll, wo der Markt oder freiwillige Maßnahmen wie sie der EU-Entwurf vorsieht, versagen. Beide Initiativen schließen sich also nicht aus, sondern ergänzen einander. Die Erfahrung lehrt, dass das Gerangel um den Erhalt von Buchdateien und Lizenzen für die Herstellung barrierefreier Bücher kaum aufhören dürfte, nur weil sich Verlegerverbände und Behindertenorganisationen auf ein freiwilliges Verfahren zum grenzüberschreitenden Austausch von urheberrechtlich geschützten, für lesebehinderte Menschen zugänglichen Werken geeinigt haben, das den guten Willen zum Zusammenwirken voraussetzt. Was tun, wenn der gute Wille fehlt und die Lizenz für ein begehrtes Buch versagt wird?
In Genf ringen WIPO-Länder und Behindertenorganisationen um Regelungen, die den Zugang lesebehinderter Menschen zu urheberrechtlichen Werken verbessern sollen. Viel steht dabei auf dem Spiel. Es geht um wirksame Maßnahmen, um die "Büchernot" zu beseitigen, es geht um die Teilhabechancen blinder und sehbehinderter Menschen an der Kultur. Und es geht nicht zuletzt um ein klares Bekenntnis der EU und BRK-Vertragsstaaten dazu, wie ernst ihnen die Verpflichtungen der Konvention der Rechte behinderter Menschen sind. Manche sagen, die Annahme eines Kompromisstextes in der Art der von der EU oder den USA vorgelegten Entwürfe sei ein Fortschritt, der konkrete Verbesserungen schon zeitigen werde. Diese Erwartung könnte sich indessen rasch auch als vorschnell und trügerisch erweisen. Denn eine Einigung auf ein entsprechendes Memorandum würde die Arbeiten an einem verbindlichen Vertrag bei der WIPO in Genf unter Umständen für unabsehbar lange Zeit, wohlmöglich für immer beenden. Die Verleger würden sagen, man müsse abwarten und den freiwilligen Vereinbarungen genügend Zeit geben, um Früchte zu tragen. Bis dahin wird sich freilich die personelle Zusammensetzung des zuständigen WIPO-Ausschusses längst verändert, der Ausschuss selbst wird sich anderen Sachfragen zugewandt haben. Selbst wenn es gelänge, die Aufmerksamkeit des WIPO-Ausschusses ein zweites Mal zu bekommen, wird es Zeit brauchen, um eine neue Generation von WIPO-Offiziellen, Verbändevertretern, Unterstützern zu mobilisieren, die das WBU-Netzwerk jetzt hat und so wirksam einsetzt. Strategisch und politisch ist es deshalb richtig, wenn EBU und WBU die WIPO-Länder, die sich dem "internationalen Blindenvertrag" derzeit verschließen, mahnen, die Rechte behinderter Menschen beim Zugang zu Kultur und Information durch einen Vertrag umzusetzen. Ohne wenn und aber. Hier und jetzt.

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Braille21

Im Herbst 2011 findet in Leipzig der "Weltkongress Braille21" statt, an dessen Vorbereitung und Organisation die DZB maßgeblich beteiligt ist. "Braille21" wird sich mit der Gegenwart und Zukunft der Brailleschrift befassen, die DZBN berichteten bereits darüber.
Die aktuelle Sicht auf das System der Brailleschrift und deren Perspektiven in der modernen Mediengesellschaft ist durchaus differenziert. Wir möchten Ihnen in Vorbereitung auf "Braille21" unterschiedliche Sichtweisen auf das Sechs-Punkte-System von Louis Braille vorstellen und hoffen auf diese Weise einige Anreize für eine lebhafte Diskussion zum Thema Braille in Gegenwart und Zukunft setzen zu können.
In Vorbereitung von "Braille21" wurden Braille-Botschafter nominiert, die aus allen Ländern und Institutionen kommen und auf die Brailleschrift und den Weltkongress "Braille21" aufmerksam machen sollen. Einer dieser Botschafter ist der Brite Pete Osborn, Leiter Internationale Entwicklungen und Partnerschaften am Royal National Institute of Blind People (RNIB) und von Geburt an blind. Er ist der Autor des nachfolgenden Artikels, mit dem wir den Reigen der Meinungsbilder eröffnen.

Die Zukunft der Brailleschrift

Pete Osborne
ZIEL
Anregung einer Diskussion zu zukünftigen Entwicklungen in der Brailleschrift und ihrer Bedeutung in den kommenden Jahrzehnten. Einige meiner Anmerkungen sind absichtlich provokativ und ganz sicher auch Verallgemeinerungen. Für den Fall, dass ich damit ein all zu düsteres Bild zeichne, möchte ich mich im Voraus entschuldigen, halte es aber für weniger wichtig, zu diskutieren, ob meine Analyse absolut korrekt ist. Wichtiger erscheint es mir, die Schlüsselfragen für die Zukunft auszumachen.
HINTERGRUND
Zwar ist die Welt um uns herum von immer mehr schnellen Veränderungen geprägt, ich habe jedoch den Eindruck, dass unser Bild von der Punktschrift und ihrer Rolle in der Zukunft sich nicht schnell genug wandelt, um noch mehr blinden Menschen eine Teilhabe am Wunder der Brailleschrift zu ermöglichen. Wir haben, um es einmal auf den Punkt zu bringen, Angst, uns die Füße nass zu machen, dabei steht uns das Wasser doch längst bis zum Hals. Indem wir die eigentlichen Probleme vernachlässigen, lassen wir es zu, dass die Punktschrift aus unserer Welt verschwindet. Wir müssen das Ruder brutal herumreißen, denn sonst enden wir in einem ganz besonders düsteren Zeitalter.
Gewiss wird die Brailleschrift ständig weiterentwickelt, damit sie auch allen Bedürfnissen blinder Menschen gerecht wird, aber wir stellen uns die Pünktchen meist auf Papier vor, in Form von Buchstaben und Zahlen, nicht als Graphiken und Symbole. Oft denken wir an Literatur (Bücher oder Zeitschriften), nicht aber an die funktionale Nutzung der Brailleschrift, etwa zur Beschriftung der Produkte im Tiefkühlfach.
Die Begriffe, mit denen Braille beschrieben wird, sind verwirrend und werden gern verwechselt. Sicher ist uns allen klar, dass Braille keine Sprache ist, aber was ist es dann? Die Bezeichnung Code verstärkt nur das Mysteriöse, das oft mit Braille verbunden wird. Eine angemessenere Bezeichnung wäre "Schriftsystem", aber dieser Begriff hat für Nicht-Linguisten kaum eine Bedeutung. Durch solche Unklarheiten entsteht der Eindruck, Braille sei geheimnisvoll, schwer zu erlernen und schwer zu nutzen.
In vielen Ländern haben Veränderungen von Lehrplänen und in der Gestaltung von Lehrmitteln unweigerlich dazu geführt, dass jetzt häufig nur noch die Vollschrift erlernt wird. In der Produktion werden die Mittel jedoch auf die Herstellung von Kurzschrift konzentriert, für eine immer kleinere Minderheit. Darüber hinaus gibt es viel zu wenige Lehrmittel für diejenigen, die die Vollschrift lernen oder lehren wollen.
Große Einrichtungen, die sich mit Produktion, Förderung und Entwicklung der Punktschrift befassen, nutzen den Großteil ihrer Kapazitäten für Herstellung und Vertrieb von Braille auf Papier, worüber sie aber Förderung und Entwicklung stark vernachlässigen. Im Ergebnis müssen wir einen Rückgang der Punktschriftnutzung mit ansehen, der uns eigentlich nicht überraschen dürfte, denn was man nicht nährt, das vergeht. Stundenlang können wir über die durchaus wichtigen Einzelheiten von Regelwerken diskutieren, aber wir nehmen uns relativ wenig Zeit für die ebenso schwierige Frage, wie wir den Rückgang der Punktschriftnutzung, wie wir sie kennen, stoppen können.
Punktschriftunterricht für Kinder ist immer noch ein sehr wichtiges Thema, aber man kann den Eindruck gewinnen, dass diese starke Konzentration auf Kinder zulasten angemessener Lehrmittel und -Methoden für Erwachsene geht. Viele Forschungsarbeiten zu Braille-Themen befassen sich mit Punktschrift für Kinder, und viele Mittel werden für Unterrichtsmaterialien eingesetzt. Dagegen gibt es ziemlich wenig Material für diejenigen, die als Erwachsene ihre Sehkraft verlieren.
Nach der eigenen Braille-Nutzung gefragt, werden sich viele von uns outen und zugeben, keine Punktschriftbücher mehr zu lesen, aber auch angeben, dass wir Braille zu vielen anderen Zwecken intensiv nutzen. Für viele von uns hat sich die Braille-Nutzung gewandelt, aber es ist uns fast peinlich, das offen auszusprechen.
Innovation und Braille werden nicht oft in einem Atemzug genannt. Die heute produzierten Punktschriftdrucker arbeiten größtenteils noch mit der gleichen Technik wie vor 30 Jahren, und Braille-Module sind immer noch die gleiche teure Erfindung aus den Anfangszeiten der Braillezeilen. Das soll nun aber nicht heißen, dass es gar keine Innovatoren für Braille gibt, wobei ich vor Allem die wegweisenden Duxbury Systems hervorheben möchte, aber wir warten immer noch auf Braille-Anzeigegeräte in Seitengröße für den Computer, Punktschriftdrucker, die man ohne ein halbes Ingenieurstudium bedienen kann, Brailleschrift auf Schwellpapier etc.
Damit Sie mich jetzt nicht für eine Art Vorboten des Untergangs halten, möchte ich anfügen, dass die Punktschrift jetzt in vielen Ländern allgegenwärtig ist, mehr als je zuvor seit ihrer Erfindung. Wenn Sie in Europa ein Medikament kaufen, ist dessen Packung oft mit Braille beschriftet. Wenn Sie bei einer britischen Bank nach Braille fragen, wird man Ihnen den Wunsch erfüllen. Sogar Apples neues Betriebssystem funktioniert sofort mit Braillezeile. Die Punktschrift hält sich wacker, aber wie lange noch?
SCHLÜSSELFRAGEN ZUR DISKUSSION
Folgende Fragen stelle ich als Diskussionsgrundlage in den Raum. Vielleicht sind das Ihrer Meinung nach die falschen Fragen, deren Reihenfolge übrigens rein zufällig gewählt ist, aber ich bin der Ansicht, dass dies die wichtigen Themen sind, mit denen wir uns dringend befassen müssen.
  1. Wie sieht die Zukunft der Kurzschrift aus, und sollten wir darüber nachdenken, der Vollschrift mehr Raum zu gewähren, davon ausgehend, dass der Begriff klarer definiert werden muss? Wir stecken eine Menge geistiger Anstrengungen in Diskussionen über Kürzungen, wie man sie anwenden darf, was erlaubt ist, Kürzungen über Silbengrenzen hinweg und andere Regeln. Ist das eine sinnvolle Nutzung der Ressourcen, zu einer Zeit, in der wahrscheinlich immer mehr Menschen nur noch die Vollschrift lernen? Lässt sich tatsächlich nachweisen, dass die Anwendung der Kurzschrift das Lesen und Schreiben effizienter macht? Wissen wir eigentlich, dass das Lesen der Vollschrift langsamer ist, oder ist das eher eine Frage der Gewohnheit? Werden blinde Menschen und Organisationen in Zukunft höhere Preise für Kurzschrift zahlen müssen, weil deren Produktion relativ aufwendig und kostenintensiv ist?
  2. Wie sehen wir den Anteil von Braille auf Papier gegenüber der Braillezeile in der Zukunft, und wie können die Hersteller Einfluss darauf nehmen? Einige Einrichtungen bieten schon Braille-Dateien an, die dann häufig auf Geräten mit Braillezeile gelesen werden. Andere denken über Braille-on-Demand oder andere Möglichkeiten zur Kostensenkung in der Produktion von Punktschrift auf Papier nach. Der heutige Braillezeilen-Markt mutet sehr merkwürdig an. Es gibt eine Vielzahl von Geräten zu überhöhten Preisen, was den Herstellern hohe Gewinne sichert. Wir haben es versäumt, Standards für Punktschrift auf Braillezeilen zu setzen. Wie sollen Formatierungen auf einer linearen Anzeige dargestellt werden? Wir brauchen mehr Innovationen, niedrigere Preise, weitere Funktionen.
  3. Wie wollen wir die frohe Botschaft der Punktschrift mehr Menschen nahebringen? Brauchen wir Braille-Prediger?! Wollen wir die Punktschrift überhaupt weiterverbreiten, oder stimmt es vielleicht doch, dass mehr Nutzer nur höhere Kosten mit sich bringen, wenn man die Produktionskosten bedenkt? Sollten wir akzeptieren, dass es Menschen gibt, die ganz und gar ohne Brailleschrift auskommen, und so die Menschen zur Schrift kommen lassen, anstatt Braille zu predigen?
Wird in der nächsten Ausgabe fortgesetzt.

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Franz Grillparzer: "Der arme Spielmann"

Jörg Klemm
Hörbücherei
Einige Fakten aus dem Leben und Schaffen des Autors: Er wurde 1791 in Wien geboren und starb 1872 ebenfalls in Wien. Nach Studien der Philosophie und der Juristik in Wien war er als Hauslehrer und Bibliothekar tätig, bevor 1814 seine Beamtenlaufbahn begann. 1832 wurde er Direktor des Hofkammerarchivs, 1856 trat er in den Ruhestand. Zahlreiche Reisen führten ihn unter anderem nach Griechenland und in die Türkei. Auch machte er Bekanntschaft mit Goethe, Hegel und Tieck.
Die Bühnenerfolge seiner frühen Stücke sowie die gute Beziehung zum Dramaturgen des Wiener Burgtheaters brachten ihm bereits 1818 eine Bestellung zum Burgtheaterdichter. Erfolge hatte er auch in Deutschland.
Grillparzer gehört neben Kleist und Hebbel zu den bedeutendsten Dramatikern des 19. Jahrhunderts. Sein zentrales Thema ist der dramatisch zugespitzte Zwiespalt, dem sich das Individuum im Bewusstsein der Gegenpole von Ich-Bewahrung und Welthingabe, von Leidenschaft und Gemeinschaftsnorm ausgesetzt sieht.
Zur Geschichte: Die verwendete Vorlage stammt vom Verlag Deutsche Volksbücherei, Stuttgart, 1942. Der Erzähler besucht ein großes Jahrmarktfest in der Wiener Vorstadt. Hier auf dem Fest trifft er einen armen alten Spielmann, der ihm seine Lebensgeschichte, eine Erzählung in der Erzählung, berichtet: Sohn eines hohen und einflussreichen Staatsbeamten, versagt er vor den Anstrengungen der Wirklichkeit, wird vom ehrgeizigen Vater von der Schule genommen und muss nun als Schreiber in einem Büro arbeiten. Aber auch hier entzieht er sich der lauten und rohen Umwelt; nur sein Geigenspiel und Barbara, die Tochter eines Gemischtwarenhändlers, die er schüchtern und demütig liebt, sind ihm Zuflucht und Lebensinhalt. Barbara jedoch, den untüchtigen Mann halb verachtend, von seiner Naivität und künstlerischen Besessenheit dennoch tief berührt, heiratet schließlich, als der Spielmann sich nach dem Tode seines Vaters um sein reiches Erbe kläglich hat betrügen lassen, einen Schlachtermeister. Der Spielmann zieht als Außenseiter durch Wien und stirbt nach Rettung von Kindern, die in ein Hochwasser geraten waren, an einer Erkältung.
Die Lebensgeschichte des Spielmanns Jakob trägt autobiografische Züge. So beleuchtet der Autor das Missverhältnis von Kunstideal und tatsächlicher künstlerischer Begabung sowie seine Unmännlichkeit: Der Spielmann küsst Barbara nur durch eine Glasscheibe - eine Schlüsselstelle der Erzählung. Um sich von seinen unordentlichen Zimmernachbarn abzusetzen, zieht Jakob einen Kreidestrich auf den Boden als Grenze. Die trennende Glasscheibe und der Distanz schaffende Kreidestrich sind Begrenzungsmetaphern, denen im Grillparzer'schen Werk eine zentrale Bedeutung zukommt.
Wer sich nun für dieses Buch interessiert: 1 CD DAISY (1:45 h) H000117, Sprecherin: Irmgard Lehmann.
Weiterer Titel von Franz Grillparzer als Hörbuch
Titel von Franz Grillparzer in Punktschrift

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Ferdinand von Saar: "Die Steinklopfer"

Angelika Müller
Punktschriftbibliothek
Der Autor dieser Novelle lebte von 1833 bis 1906. Er war Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker.
Saar wird neben Marie von Ebner-Eschenbach als der bedeutendste realistische Erzähler der österreichischen Literatur des ausgehenden 19. Jahrhundert bezeichnet. Seine Werke zeichnen sich durch humanistischen Ethos und Sozialkritik aus.
Der geschichtliche Hintergrund dieser Novelle widerspiegelt den Bau der Semmeringbahn. Es wird die Liebe zwischen dem kranken, ausgemusterten Soldaten Georg und der Steinklopferin Tertschka beschrieben. Die Novelle erschien 1874.
Der Soldat Georg Huber wird aus gesundheitlichen Gründen aus dem Militär entlassen. Er findet aber wieder Arbeit nach langem Suchen an der Semmeringbahn als Steinklopfer. In die Organisation dieser schweren Arbeit wird er von Tertschka eingewiesen, die er liebevoll Resi nennt.
Sie ist die Stieftochter des Aufsehers. Dieser Aufseher beherrscht die Gruppe der Arbeiter und unterdrückt sie mit brutaler Gewalt. Als er von der gegenseitigen Liebe und Zuneigung der beiden erfährt, verbietet er Tertschka den Umgang mit Georg. Die Situation spitzt sich im Laufe der Geschichte zu und es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Georg und dem Aufseher.
Im Verlauf dieser Auseinandersetzung tötet Georg den Aufseher in Notwehr. Georg wird festgenommen und ins Gefängnis verbracht. Tertschka unternimmt alles, um den Oberst von der Unschuld Georgs zu überzeugen. Sie findet auch Gehör bei diesem Oberst. Der ist von der Liebe der Beiden sehr gerührt, denn in seinen Jugendjahren wurde er von seiner Geliebten betrogen und hatte den Glauben an die Liebe verloren. Georg wird zwar zu einem Jahr schwerer Kerkerhaft verurteilt, aber nach verbüßter Strafe bekommen die Liebenden ein Bahnwärterhäuschen und auch Land geschenkt. Diese Novelle endet mit einem Happy End. Die Liebenden leben glücklich und zufrieden miteinander bis ans Ende ihrer Tage.
Weitere Titel von Ferdinand von Saar im Punktschriftbestand

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Weihnachtliche Empfehlungen aus der DZB Leipzig

Christiane Felsmann
Schon längst schmecken die saftigen Lebkuchen und die Temperaturen lassen uns so manches Mal einen warmen Glühwein in die kühle Hand wünschen. Schnell merkt man, Weihnachten steht vor der Tür!
Zeit, Freunden ein Zeichen zu geben: Mehr als zehn verschiedene, sehr ansprechende Kartenmotive zur Weihnachtszeit stehen für Sie zur Auswahl! Und es ist die Zeit der Geschenke: Mit dem neuen Jahr benötigt jeder einen neuen Kalender. Besondere Hervorhebung verdient der Relief-Wandkalender, welcher bei der Internationalen Kalenderschau glitzernde Bronze gewann. Die "Fleischfressende(n) Pflanzen" bringen neben den Daten auch Farbe und interessante Informationen an die Wand! Aus dem Repertoire an Tisch- und Taschenkalendern findet man garantiert für jeden Geschmack und jede Situation den richtigen Begleiter für 2011.
Erstlesern bereitet man besondere Freude mit spannender Lektüre. Das druckfrische Buch "Die drei Räuber" bietet Reliefs, die Entdeckerfreuden schärfen. Vollschrift und Großdruck erlauben das gemeinsame Leseerlebnis. Für die größeren Bücherwürmer empfehlen wir den "Fuchsalarm" von "Die wilden Hühner" aus der Feder von Cornelia Funke oder aber "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" von Lemony Snicket. Letztere bietet in dreizehn Folgen humorvolle Leselust mit vielen Überraschungen. Oder, ganz weihnachtlich: Eine wundervolle Geschichte für Groß und Klein ist der Klassiker "Die Weihnachtsgans Auguste". Der Festtagsbraten landet hier statt auf den Tellern im Kinderzimmer und bringt so manche Aufregung bis zum Festabend.
Für erwachsene Lesefreunde haben wir druckfrische Krimis, Irrgärten und auch ein neues Kochbuch! Es gibt zudem praktische Dinge, die unter dem Tannenbaum Begeisterung hervorrufen. Hilfreich und frisch aus der Produktion ist die Neuerscheinung aus der Reihe "Ohne Maus", welche sich rund um Word 2007 dreht.
Für jeden dabei ist darüber hinaus etwas in unserem Zeitschriftenangebot: Ob jugendlich oder klassisch, ob zum Hören oder in Braille, ob zu Gesundheit, aktuellen Gesellschaftsthemen oder Reiseberichten. Die Vielfalt ist groß, die Preise für das ganze Jahr sehr klein!
Nicht vergessen: Den Anderen etwas schenken, aber auch mal an sich selber denken! Wir beraten Sie sehr gern zum vollständigen Angebot, zu Ihren individuellen Wünschen und den weihnachtlichen Empfehlungen.
Highlights in Kürze
Zeitschriften im Abonnement
Informationen Verkauf: Ilona Portleroy, Mail: verkauf@dzb.de, Telefon 0341 7113-119
Informationen Abonnement: Sylvia Thormann, Mail abo@dzb.de, Telefon 0341 7113-120.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Easywave - ein WAVE- und MP3-Aufnahme- und Bearbeitungsprogramm

Ulrich Jander
Heute möchte ich Ihnen Easywave vorstellen, denn dieses Programm eignet sich insbesondere für blinde und sehbehinderte PC-Nutzer. Der blinde Hobby-Programmierer Wolfram Floßdorf hat diese Software erstellt. Er ist auch der Vater des Text- und Datenbankprogramms Dataword, welches ich vor einiger Zeit in dieser Rubrik vorgestellt habe. Easywave passt sich sehr gut den speziellen Gegebenheiten von Sprachausgabe und Braillezeile an. Das Programm ist z. B. sehr interessant, wenn man eine Schallplattensammlung mit Hilfe des PCs digitalisieren und auf ein entsprechendes Speichermedium (Speicherkarte oder CD) bringen möchte. Easywave bezeichnet man auch als WVL, d. h., Wave via Line. Es wird demnach analog über die Soundkarte des PCs am Eingang Line-in der Plattenspieler, das Radiogerät oder ein anderes analoges Audiogerät angeschlossen. Aufgezeichnet wird erst einmal im Format Wave, welches in verschiedenen Qualitätsstufen zuvor eingestellt werden kann. Nach der Aufnahme ist eine umfangreiche Bearbeitung möglich.
Wolfram Floßdorf schreibt auf seiner Internetseite www.softcologne.de unter dem Link "1. Programme für Windows" zu den Eigenschaften und der Installation von Easywave u.a. folgendes:
"Merkmale in Stichworten:
Die Installation ist denkbar einfach, denn es gibt keine!
Entpacken Sie das ZIP-Archiv in einen beliebigen Ordner und starten in diesem Ordner das Programm easywave.exe. Alle anderen Dateien sollten Sie nicht verändern oder ausprobieren, weil Easywave sonst vielleicht nicht mehr richtig läuft.
Es gibt auch eine Mailingliste zu Easywave, wo Sie Ihre Fragen loswerden können. Garantiert Spam- und Werbefrei. Betrieben von Martin Kirchner. Die Anmeldung ist einfach. Schicken Sie eine leere Mail an:
Mailto:ohrbild-subscribe@eurisco.com."
Sie können Easywave von folgender Internetseite herunterladen:
http://www.softcologne.de/winprogs/winprogs.htm
Auf dieser Internetseite gibt es mehrere Links, da hier verschiedene Programme vorgestellt und zum Herunterladen angeboten werden. Wenn Sie mehrmals die Tabulatortaste betätigen, es ist der zehnte Link auf der Internetseite, gelangen Sie auf jeden Fall an die Stelle, an der es heißt: "Download von Easywave, Stand: 28.06.2010". Aktivieren Sie diesen Link, dann erhalten Sie eine ZIP-Datei in der Größe von ca. zwei MB. Wenn Sie diese Datei ausgepackt haben, finden Sie insgesamt 32 Dateien vor, darunter die Dateien Easywave.exe, die eigentliche Programmdatei, und Easywave.txt. Dies ist die Bedienungsanleitung, die zwar nicht ganz aktuell ist, die jedoch einen sehr guten Überblick über die einzelnen Möglichkeiten und Funktionen bietet. Darin sind auch die Systemvoraussetzungen für Easywave beschrieben. Danach läuft das Programm unter Windows ab Windows 98, wobei es sich immer um eine jeweilig aktuelle Betriebsversion handeln sollte. Wichtig ist auch, dass eine multikanalfähige Soundkarte im Rechner eingesetzt ist, um die Funktionalität des Programms zu gewährleisten.
Ruft man Easywave.exe auf, muss man zuerst in aller Regel auf Öffnen oder Ausführen gehen und dies mit Enter bestätigen. Man befindet sich dann im Eingangstextfenster mit ein paar Hilfehinweisen. Die erscheinen immer an dieser Stelle, es sei denn, man hat dies einmal unter Optionen mit Hilfe der Leertaste abgewählt. Mit einmal Tabulator gelangt man auf Okay, bestätigt dies mit Enter und befindet sich dann im Programm immer an derselben Stelle, wenn man neu beginnt, am Schalter Aufnehmen. Hier erreicht man jeden einzelnen Schalter mit der Tabulatortaste. Jeder Schalter ist auch mit einer Tastenkombination versehen. Mit Alt-H gelangt man in einen kurzen allgemeinen Hilfetext. Wenn man mit dem Cursor auf einem Schalter steht und betätigt dann Alt-H, so wird der Hilfetext zu diesem Schalter aufgerufen. Dies funktioniert ebenso in den untergeordneten Bereichen. Mit Escape verlässt man die Hilfe wieder und befindet sich im Programm. Von Schalter zu Schalter bewegt man sich mit der Tabulatortaste oder man betätigt die entsprechende Tastenkombination, z. B. für Aufnehmen Alt-A. Ein Funktionsmenü als Tabelle ist somit nicht erforderlich.
Easywave beeindruckt u.a. damit, dass man bei angeschlossenem Gerät und nach Start des Programms mit einem Tastendruck sofort in sehr guter Qualität aufnehmen kann. Dies geschieht in Wave und entspricht der CD-Qualität, kann jedoch im Schalter Optionen eingestellt werden. Eine Zeitschaltuhr für Aufnahmen steht im Schalter Aufnahmetimer auch zur Verfügung. Außerdem ist das Umwandeln von Wave in MP3 und umgekehrt möglich; auch hier kann ausgewählt werden, in welche Bitrate bei MP3 konvertiert werden soll.
Viele weitere Möglichkeiten der Bearbeitung und Veränderung von Tonaufnahmen bietet das Programm Easywave. Wer sich hierfür interessiert, sollte das Programm durchforsten, testen und die Anleitung lesen.
Wolfram Floßdorf bietet Easywave kostenlos an; er als Autor freut sich auch sehr, wenn ihn die Anwender des Programms bei seiner weiteren Arbeit unterstützen und einen Dank für die geleistete Entwicklungsarbeit ausdrücken wollen, indem sie eine Spende an ihn überweisen. Angaben dazu finden Sie auf seiner Internetseite bzw. können dies bei Wolfram Floßdorf erfragen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude mit Easywave.

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Info-Service

Schließzeiten zum Jahreswechsel

Jana Waldt
Die Weihnachtszeit rückt näher, und wir möchten Sie daran erinnern, dass die DZB vom 24. Dezember 2010 bis einschließlich 2. Januar 2011 geschlossen bleibt.
Somit können am 22.12. letztmalig Bestellungen von Ihnen realisiert werden.
Wenn Sie also zwischen den Feiertagen nicht auf Hör- oder Punktschriftbücher verzichten und eine größere Lieferung erhalten möchten, teilen Sie uns dies bitte bis spätestens 13. Dezember mit.
Liebe Hörer, sollten Sie konkrete Weihnachtsliteratur-Wünsche haben, können Sie uns diese ab sofort mitteilen, denn die Hörbuchtitel sind nicht in unbegrenzter Zahl verfügbar. Erinnern möchten wir an dieser Stelle außerdem, dass alle Hörer, die ständig mehr als 3 Hörbücher im Umlauf haben, wie jedes Jahr automatisch zusätzliche Titel erhalten werden. Informieren Sie uns bitte rechtzeitig, falls Sie dies nicht wünschen.

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Wieder Brailleschriftkurse in der DZB

Susanne Siems
Ab sofort kann man sich in der DZB wieder für einen Kurs zum Erlernen der Blindenkurzschrift anmelden. Frau Sabine Seifert steht donnerstags gern für den Unterricht zur Verfügung.
Interessenten melden sich bitte bei Susanne Siems unter der Telefonnummer 0341 7113-115 oder susanne.siems@dzb.de. Frau Seifert setzt sich dann gern mit Ihnen zwecks genauerer Absprachen in Verbindung.

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Bundesweite Orientierungsveranstaltung

Susanne Schneider
Jährlich bietet das Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) blinden und sehbehinderten Oberstufenschülern/-innen und Schulabsolventen/-innen eine bundesweite Orientierungsveranstaltung an.
Über drei Tage können Fragen zu Universitäten und Hochschulen, Studienfächern und -abschlüssen, fachlichen Anforderungen, einzelnen Studienorten, studentischem Wohnen, Orientierung und Mobilität und vor allem zu spezifischen pädagogischen und technischen Unterstützungen im Studium diskutiert werden.
Dazu stehen Experten der jeweiligen Themenkomplexe, studentische Vertreter und ältere sehgeschädigte Studierende zur Verfügung.
Die O-Phase 2011 findet vom 30. Mai - 01. Juni am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) statt.
Für interessierte Eltern, die ihre Tochter/ ihren Sohn begleiten möchten, wird ein gesondertes Programm angeboten.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei; Anfahrt und Unterkunft müssen von den Teilnehmenden selbst getragen werden.
Detaillierte Informationen, einschließlich Programm und Anmeldung, können entweder online oder telefonisch abgerufen werden.
Bitte merken Sie sich diesen Termin vor und melden Sie sich bis spätestens 02. Mai an!
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS)
Susanne Schneider
Engesserstr. 4
76128 Karlsruhe
Tel.: 0721 608-2760
E-Mail: susanne.schneider@kit.edu
http://www.szs.kit.edu

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E-Book-Reader - für Sehbehinderte der neue Zugang zur Literatur?

INCOBS-Infobrief - Ausgabe 09/2010
E-Book-Reader sind tragbare Geräte, mit denen man elektronisch gespeicherte Bücher (E-Books) lesen kann. Für sehbehinderte Menschen stellt die neue Technologie eine enorme Chance dar, den Zugang zur Literatur zu verbessern.
Denn das digitale Display ermöglicht grundsätzlich die individuelle Einstellbarkeit von Schriftgrößen, Schriftarten und Kontrasten. In der neuen Rubrik E-Book-Reader informiert INCOBS, welche Reader sich besonders für Menschen mit Seheinschränkung eignen. Eine praktische Prüfung der Geräte ist noch in diesem Jahr geplant. Ein Problem steht allerdings schon fest, und das hat nichts mit den Geräten zu tun: E-Books sind teils in Dateiformaten gespeichert, die keine veränderten Darstellungsmöglichkeiten zulassen. In Punkto Barrierefreiheit ist das schlecht!
Zur neuen Rubrik E-Book-Reader: http://www.incobs.de/produktinfos/ebookreader/index.php

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Neu in Leipzig: Mondschein Dunkelrestaurant & Lounge

Seit Oktober verfügt nun auch Leipzig über ein Dunkelrestaurant. Unter dem Motto "Schmecken - Riechen - Hören - Fühlen … mit diesen vier Sinnen genießen Sie bei uns in völliger Dunkelheit" hat die zahlende Kundschaft die Möglichkeit, Ihre Wahrnehmung durch "exzellente Menüs, Getränke, Kultur und Kommunikation" zu schärfen.
Pfaffendorfer Straße 1, 04105 Leipzig; Tel.: 0341 26453030, Mobil: 0177 2128620
www.leipzig-dunkelrestaurant.de
E-Mail: info@leipzig-dunkelrestaurant.de

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Anhörung zu Rundfunkgebühren

Newsletter "DBSV-direkt"
Am 11.10.10 fand in Berlin eine Anhörung zu der für Januar 2013 geplanten Reform der Rundfunkgebühren statt. Im Zuge der Umstellung von einer Geräte- auf eine Haushaltsabgabe soll die Gebührenbefreiung für behinderte Menschen gestrichen werden. Stattdessen ist in den Plänen der Rundfunkkommission der Länder ein ermäßigter Beitrag in Höhe von monatlich sechs Euro (anstelle von 18 Euro) vorgesehen.
Als Vertreter des DBSV hat sich Vizepräsident Hans-Werner Lange im Berliner Rathaus gegen die Abschaffung der Beitragsbefreiung für behinderte Menschen ausgesprochen.
"Die Gründe für die bestehende Sonderregelung gelten heute wie zu Zeiten ihrer Einführung vor rund 50 Jahren. Sie soll Menschen mit Behinderung einen Ausgleich dafür bieten, dass sie nur unter erschwerten Bedingungen oder überhaupt nicht an gesellschaftlichen Angeboten teilhaben können. Für blinde und wesentlich sehbehinderte Menschen kommt noch hinzu, dass sie von der Wahrnehmung des Fernsehprogramms zu großen Teilen ausgeschlossen bleiben", erklärte Lange.
Der DBSV nutzt die laufende Diskussion, um eine konsequente Ausweitung des Fernsehangebots mit Audiodeskription zu fordern. Die bisherige Praxis, dass fast ausschließlich Spielfilme und Krimis mit Audiodeskription ausgestattet und in den dritten Programmen vielfach wiederholt werden, entspricht nicht der UN-Behindertenrechtskonvention. Nach Artikel 30 sollen "alle geeigneten Maßnahmen" getroffen werden, um den Zugang zu Fernsehprogrammen in barrierefreien Formaten sicherzustellen. Auf dieser Basis fordert der DBSV, dass in absehbarer Zeit alle Sendungen während der Hauptsendezeiten zwischen 18 und 24 Uhr barrierefrei ausgestrahlt werden.
Hans-Werner Lange machte gegenüber den Rundfunkreferenten der Länder deutlich, dass es allein vom Angebot der Programmanbieter abhängt, ob ein ermäßigter Beitrag von den betroffenen Menschen akzeptiert werden kann oder nicht: "Wir lehnen es ganz klar ab, dass die durch Barrieren benachteiligten Menschen selbst für die Beseitigung der Barrieren zahlen müssen. Erfreulicherweise nehmen wir aber in letzter Zeit wahr, dass die Behindertenrechtskonvention durchaus ihre Wirkung tut. Sollte sich das Fernsehprogramm tatsächlich verbessern und der abgestufte Beitrag doch kommen, lautet unsere Forderung, dass die von behinderten Menschen geleisteten Zahlungen zusätzlich für die Ausweitung barrierefreier Angebote eingesetzt werden müssen. Außerdem ist sicherzustellen, dass Blindenhilfeempfänger und taubblinde Menschen von dem Beitrag freigestellt werden." Um ein tragfähiges Zukunftskonzept für barrierefreies Fernsehen zu entwickeln, bot Lange die aktive Mitwirkung des DBSV an.

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Stiftung Nordlicht-Stipenidum

PRESSEINFORMATION
Soziales Engagement soll belohnt werden - Stiftung Nordlicht vergibt für 2011 Auslandsstipendien an Schüler und Erwachsene für Schüleraustauschprogramme und Volunteer-Aufenthalte im Wert von über 10.000 Euro.
Jugendliche und Erwachsene, die gerne ein Auslandsprogramm absolvieren möchten, die damit verbundenen Kosten aber nicht aus eigener Kraft aufbringen können, haben noch bis zum 30.11.10 die Möglichkeit, sich für das Nordlicht-Stipendium zu bewerben.
Entscheidend für die Vergabe eines Stipendienplatzes der im Jahre 2004 ins Leben gerufenen Stiftung Nordlicht ist vor allem das soziale Engagement der Bewerber. Dazu zählen insbesondere Aktivitäten zur Förderung der internationalen Verständigung, aber auch die Mitarbeit in einer Gemeinde, an einer Schülerzeitung, im Alten- oder Behindertenheim oder aktive Nachbarschaftshilfe. Als Belohnung locken verschiedene Programme, die frei zur Auswahl stehen: Voll- und Teilstipendien für diverse Schüleraustauschprogramme in viele Länder weltweit und ein Volunteer-Stipendium für einen Freiwilligendienst inklusive Flug nach Asien.
Die Kieler Austauschorganisation KulturLife stellt zusammen mit der Deutschen Kreditbank (DKB) diese Programme als Förderer zur Verfügung. Bewerben können sich junge und jung gebliebene Menschen aus der gesamten Bundesrepublik im Alter von 14 bis 65 Jahren. Erfahrungsberichte ehemaliger und aktueller Stipendiaten, nähere Beschreibungen zu den Voraussetzungen sowie die Bewerbungsunterlagen sind als Download unter www.nordlicht-stipendium.de zu finden. Bewerbungsschluss ist der 30. November 2010. Um die Stipendien auch in Zukunft anbieten zu können, ist die Stiftung dringend auf die finanzielle Unterstützung von Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen angewiesen.
Stiftung Nordlicht Stipenidum
Felix Ewald
Exerzierplatz 9
24103 Kiel
Tel.: 0431-888 14 10
Fax : 0431-888 14 19
E-Mail: presse@kultur-life.de
Internet : www.kultur-life.de

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Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde wird 150

Pressemitteilung
Am 10. September 2010 feierte die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde (GDB) in Berlin mit einem Festakt ihr 150-jähriges Bestehen. Im Kreise von Unterstützern, Spendern und lokaler Prominenz wurde die bisherige Arbeit des gemeinnützigen Vereins gewürdigt und dessen zukünftige Rolle in der individuellen Unterstützung Blinder bekräftigt.
Ausbildung und Beruf, Mobilität und Sport, Freizeit und Erholung sind Themen, mit denen sich die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde seit ihrem Bestehen befasst. Bestes Beispiel ist der kostenlose Fahr- und Begleitservice für Blinde und schwerst Sehbehinderte, der nun bereits seit mehreren Jahren Betroffene in unbekannten Situationen unterstützt. Der Service, der momentan in Berlin, Köln und Hannover auf der Straße unterwegs ist, machte unlängst seine 1000ste Fahrt.
Als eines der nächsten Projekte steht die Entwicklung eines Begleitdienstes auf privater Ebene auf dem Programm, um Blinde und Sehende noch stärker zusammenführen und deren Lebensqualität und Freiräume deutlich zu erweitern. Darüber hinaus soll das Blindenmobil zukünftig in weiteren bundesdeutschen Städten zum Einsatz kommen.
Über die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde: Die Gemeinschaft Deutscher Blindenfreunde wurde 1860 auf Anregung des blinden Pfarrers Dr. William Moon (1818-1894) gegründet. Der Engländer engagierte sich unter anderem für den gemeinsamen Unterricht von Blinden und Sehenden und entwickelte eine schnell erlernbare Blindenschrift. Unter dem Motto "Sehende helfen Blinden" setzt sich der Verein seit seiner Gründung vor nunmehr 150 Jahren für die gesellschaftliche Integration und Gleichstellung von Blinden und schwerst Sehbehinderten ein.
Hoffmann-von-Fallersleben-Platz 3
10713 Berlin
Telefon: 030 8234328
Telefax: 030 89724691
E-Mail: info@blindenfreunde.de
www.blindenfreunde.de

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Jahresabonnement: CD DAISY 7,68 €, Blindenkurzschrift 7,68 €, Schwarzschrift 12,30 €.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Alle Rechte vorbehalten.
Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: verlag@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
Abonnements, Anzeigen
Tel.: 0341 7113-120
Spenden
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto 1 100 830 010
DZB 2010

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