DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 2 – 2011

März / April

21. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Einblicke

Fünf Jahre und gar nicht leise

Buchmesse spezial

"Gesunde Füße bei Diabetes mellitus"

Haben Sie Feuer?

Brailleschrift - Relikt oder Chance?

Gleichstellung der Ausgabeformate - ein Rezept gegen den Brailleschwund

Duden-Sprachtechnologie hilft Blinden im digitalen Zeitalter

Autorenporträt

Zum 155. Todestag von Heinrich Heine

Die Kramkiste

Thornton Wilder: "Der achte Schöpfungstag"

Charles Dickens: "David Copperfield"

LOUIS

TV Speak

Info-Service

Leipziger Buchmesse und SightCity

Augenmedikament Lucentis

Wie gut machen Screenreader das Internet zugänglich?

Braille Seasons - Bücher für junge Leute

Info Fahrgastrechte

Benefizkonzert

Ausschreibung zum Segelkurs BFS e.V. 2011

Computer-Kanu-Camp 2011

Impressum

Vorbemerkung

Willkommen zu einer neuen Ausgabe der "DZB-Nachrichten"!
"Worum ging es in der Anzeige von Andreas Loose?", wollten nach dem Erscheinen der Januar-Ausgabe einige Anrufer wissen. Herr Loose bezog sich in seiner Anzeige auf den sogenannten "Einkaufsfuchs", womit das Rätsel nunmehr gelöst ist.
In der dritten Folge der Rubrik "Brailleschrift - Relikt oder Chance?" stellt der Bibliotheksleiter der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte, Herr Heinz Zysset, "Rezepte gegen den Brailleschwund" vor. Dass diese Rubrik Diskussionspotenzial hat, wird auch in der "Postecke" deutlich, die Wortmeldungen von Leserinnen und Lesern zum in der letzten Ausgabe veröffentlichten Beitrag "Der Herr der Ringbücher" von Thorsten Schweinhardt enthält. Endlich "rappelts in der Postkiste"! Langsam aber sicher kommt die Diskussion zu "Braille21" in Gang - und das ist ja der Zweck der Artikelserie!
Die "Einblicke" sind dem fünften Geburtstag von "Ohrfunk" gewidmet. DAISY-Abonnenten der DZBN hören außerdem einen Originalbeitrag der Ohrfunker. Das sich anschließende Kapitel "Buchmesse Spezial" macht Sie dann mit zwei Messeneuheiten aus der DZB bekannt.
Der 155. Todestag von Heinrich Heine, die Unterstützung Blinder im digitalen Zeitalter durch die Duden-Sprachtechnologie, Nachrichten und Termine aus dem Blindenwesen sowie Literaturtipps sind weitere Themen dieser März-April-Ausgabe.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Postecke

Die Veröffentlichungen müssen nicht mit der Redaktionsmeinung identisch sein. Aus redaktionellen Gründen behalten wir uns Kürzungen vor. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Zum "Herrn der Ringbücher" I

»(…) Über die verschiedenen Bindungs-Formen der Punktschriftbücher kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich persönlich habe schon Punktschriftbücher in den verschiedensten Aufmachungen gelesen, und musste feststellen, dass alle ihre Vor- und Nachteile haben.
Optisch sind die gebundenen Bücher der DZB natürlich einmalig, die Beschriftung der Buchrücken mit Punktschrift, sowie Schwarzschrift in Goldprägung sieht edel aus. Diese Bücher machen im Bücherregal echt was her, dieses ist natürlich nur für Kaufbücher interessant. Für das Lesen im Bett oder auf Reisen finde ich sie dagegen nicht so praktisch.
Das Querformat der Bücher aus Paderborn finde ich nicht so gut, sie lassen sich oft nur schwer umblättern, da die Seiten nicht einzeln sondern in Gruppen, durch drei breite Kunststoffstege gebunden sind. Optisch finde ich die Kunststoffeinbände nicht besonders schön, und die Schwarzschriftaufkleber auf dem Buchrücken lösen sich schnell ab. Eine Punktschriftbeschriftung auf der Außenseite der Bücher fehlt vollständig. Das Lesen im Bett oder auf Reisen ist ebenfalls unpraktisch. Die Einheftung der Punktschriftseiten in ein Ringbuch, wie z.B. aus Marburg, finde ich dagegen gar nicht so schlecht. Die Bücher lassen sich problemlos umblättern, und wenn man sie im Bett lesen will, kann man sich ja einfach ein paar Seiten aus dem Ringbuch entnehmen und sie anschließend wieder einheften. Optisch sind die Ringbücher zwar auch nicht besonders schön, die Beschriftung der Buchrücken mit Punkt- und Schwarzschrift ist aber in Ordnung.
Die Bücher in Broschürenform vom ehemaligen VzFB sind in der Haltbarkeit am Schlechtesten, denn die Seiten lösen sich beim Lesen, ähnlich wie beim Scannen eines Schwarzschrift-Taschenbuches, schnell aus der Verleimung. Optisch sind sie auch nicht besonders schön, und haben keine Beschriftung auf dem Buchrücken. Am Besten finde ich zurzeit die Bücher aus der SBS Zürich. Sie haben eine Spiralbindung und durchsichtige Kunststoffbuchdeckel. Diese Bücher sind natürlich nicht für das Bücherregal geeignet, da sie keinen Buchrücken besitzen. Zum Lesen im Bett oder auf Reisen sind diese Bücher aber einfach am Praktischsten, da man sie komplett umschlagen kann, und dann nur noch die Breite einer Seite hat. Die Beschriftung in Punkt- und Schwarzschrift befindet sich auf bzw. unter dem Buchdeckel.
Bei ähnlich gebundenen Punktschriftbüchern sind die Vor- und Nachteile natürlich vergleichbar, denn ich habe schon von den verschiedenen Blindendruckereien Bücher in den oben genannten Bindungs-Formen erhalten.
Die zeitliche Differenz zwischen dem Erscheinen der Schwarzschrift- und der Punktschriftausgabe könnte schon dadurch verkürzt werden, wenn die Buchverlage ihre Druckdateien den Blindendruckereien vorab in einer geeigneten Form zur Verfügung stellen würden. Auf diese Weise könnte man das Einscannen und das Korrekturlesen einsparen, und müsste nur noch die Umwandlung in Punktschrift sowie die Kontrolle auf Kürzungsfehler vornehmen.
Eine unkorrigierte Rohfassung in Punktschrift ausgedruckt, halte ich für nur wenig sinnvoll. Wenn man eine solche Fassung anbieten möchte, wäre eher eine Punktschrift-Version als Download empfehlenswert. Ich persönlich könnte mir allerdings nicht vorstellen, ein ganzes Buch über die Braillezeile zu lesen, insbesondere auf einer mit weniger als 40 Stellen, wie sie bei Notizgeräten üblich sind. Fazit: Was dem Einen gefällt, findet der Andere schlecht, man kann es also nicht allen recht machen. Bei Verkaufsbüchern sollte man auch auf die Optik achten, bei Leihbüchern ist die Haltbarkeit dagegen wichtiger. (…)«
[Herr Karsten Brüning aus Hannover]

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Zum "Herrn der Ringbücher" II

»(…) Beim Lesen des Beitrages von Herrn Thorsten Schweinhardt in den 'DZB-Nachrichten' Nr. 1-2011 sträubten sich meine wenigen Haare! Das besagt schon: ich bin einer von den Alten - und ich denke, wir brauchen unbedingt beides, die moderne digitale Technik für Hörliteratur und die Blindenschrift!
Die Zukunft wird von den heute noch jungen Blinden ganz sicher mehr verlangen als versierte Knöpfchen drückende Computermaschinisten zu sein. Mit 'Hurra'-Geschrei - wir erstürmen die neue digitale Welt und brauchen keine Punktschriftbücher mehr, nicht mehr Blindenschrift schreiben und lesen! - Ihr macht euch zu einer Gruppe einseitig intelligenter Sonderlinge, die sich vom normalen Leben mehr oder weniger isolieren! Ihr könnt im Internet surfen und mit fremden Leuten auf Englisch kommunizieren, aber wie wollt Ihr mal Euren Kindern ein Märchen vorlesen, wenn Ihr kein Märchenbuch in Punktschrift habt und wahrscheinlich auch gar nicht fließend lesen könnt?
Ein kluger Mann hat mal gesagt: Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit trennt von den Menschen.
Die moderne Technik erschließt uns Blinden ungeahnte Möglichkeiten, und die müssen genutzt werden. Blindenschrift und Blindenschriftbücher sind auch in Zukunft unverzichtbar. Übrigens: wenn ich in eine Wohnung komme, in der es keine Bücher gibt, dann meldet sich der innere TÜV meiner Wertschätzung für die Besucher mit einem dicken Minuszeichen.
Ich möchte meinen unbedingt positiven Standpunkt zur Brailleschrift und zum Blindenschriftbuch mit meinen Lebenserfahrungen begründen. Wie wohl jeder junge Mann zu meiner Zeit hatte ich die Absicht, einen möglichst einträglichen Beruf zu erlernen und natürlich auch auszuüben, eine Frau zu suchen und zu heiraten, Kinder zu haben und ein glückliches Familienleben zu führen. Dass mir das gelungen ist, daran hat die Blindenschrift einen ganz wesentlichen Anteil. Glaubt es mir: man kann im Beruf nicht überall mit sprechenden Geräten umherlaufen. Damit kann man sich leicht unbeliebt und zu einem Störfaktor machen. Hätte ich mich vordergründig auf das Abhören jeweils aktueller Bestseller konzentriert, hätte ich weder mein Studium geschafft, noch meinen Beruf erfolgreich ausüben können.
Ich empfehle dem Jugendstammtisch beim Marburger Blindenverein mal die 'Leipziger Bücherliste' der DZB zur Hand zu nehmen. Dann wäre bekannt: die Bücher der DZB werden in ganz unterschiedlichen, durchaus handlichen Formaten angeboten, farblich gut gestaltet und in der Regel mit Fadenbindung gefertigt.
Es gibt folgende Größen:
Das sind neun verschiedene Größen und Gewichte.
Herrn Schweinhardts Schuldzuweisungen sind also, was die DZB betrifft, ziemlich haltlos.
Zum Schluss: Lebenstüchtige Blinde kommen meiner Meinung nach auch in Zukunft nicht ohne Blindenschrift aus. Blindenschrift muss es geben, wo immer es Blinde und solange es Blinde gibt. (…)«
[Herr Dr. Werner Uhlig aus Leipzig]

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Zum "Herrn der Ringbücher" III

»(…) 1. Zunächst eine Richtigstellung: Ich bin blind und leihe mir seit meiner Kindheit Punktschriftbücher in der DZB aus. Auch in den letzten Jahren bis zum heutigen Datum bekomme ich Bücher, somit auch Neuproduktionen. Es war noch nicht ein Buch mit Ringbindung dabei, sondern alle Bücher waren ganz normal gebunden. Weder Sachbücher, Romane und auch keine Bücher für Jugendliche. Ich lese nämlich auch sehr oft schöne Jugendbücher.
2. Auch eine andere Äußerung von Herrn Schweinhardt kann ich nicht bestätigen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass gerade die neueren Bücher kleiner und leichter sind.
3. Ich bin der Meinung, dass eine Blindenbücherei nicht so schnell neue Bücher drucken kann, denn trotz der neuen Technik dauert es doch noch länger. Das kann man aber nicht zum Vorwurf machen. Auch nehmen Punktschriftbücher viel Platz in Anspruch und der ist in keiner Punktschriftbücherei über Gebühr vorhanden.
4. Eine weitere Äußerung kann ich auch nicht bestätigen und zwar wie lange Sehende ein Buch kaufen. Ich beziehe den Spiegel als Hörbuch und lese auch immer die Bestsellerliste. Viele von diesen Büchern sind noch nach Monaten dort vorhanden, somit ist das Buch auch nicht alt, wenn es erst später in der Blindenbücherei erscheint. Auch kann man ein Buch immer lesen. Ich bestelle die Bestseller meistens bei der Hörbuchausleihe in der DZB. Und dort geht es meistens ziemlich schnell. Hörbücher kann man ja auch schneller und mehr produzieren als Punktschriftbücher. Es gab aber immer noch genug schöne Punktschriftbücher, die man lesen kann.
5. Ich möchte noch erwähnen, dass ich seit letztes Jahr in Grundschulen gehe und dort vorlese, damit die Kinder mitbekommen, wie schnell das auch mit der Brailleschrift geht. Unterstützt werde ich von einer Buchhändlerin, auch in ihrer Buchhandlung habe ich schon gelesen. Es kamen fast 40 Besucher. Ich freue mich wirklich, dass es Sehende gibt, die sich dafür interessieren.
Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass es mich traurig macht, wie schlecht in letzter Zeit über die Brailleschrift von einigen geschrieben wird. Ich bin wirklich froh, dass es sie gibt.
PS. Ich habe doch noch etwas vergessen, dass so wenig Punktschriftbücher ausgeliehen werden liegt auch daran, dass die Bevölkerung immer älter wird und somit auch mehr Späterblindete gibt. Also liegt es nicht vor allem an den Blindenbüchereien. (…)«
[Frau Simone Schlak aus Wolgast]

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Zum "Herrn der Ringbücher" IV

»(…) Keineswegs teile ich die Meinung des Verfassers, das Leseverhalten von Punktschriftbüchern würde dadurch beeinträchtigt, dass nicht genug Bestseller gedruckt werden.
Übrigens, es ist hier nur ein Beispiel aus diesem Artikel benannt worden.
Ich bin der Ansicht, dass es in Leipzig und auch Hamburg einen unermesslichen Schatz an lesenswerten Büchern gibt.
Daher ist mir das jahrelange Diskutieren über die Punktschrift unverständlich.
Ich jedenfalls werde dem Punktschriftbuch immer die Treue halten und hoffe für die Zukunft der Brailleschrift, dass es noch genug Nutzer gibt, die das gleiche Vergnügen am Lesen haben! (…)«
[Frau Angela Steuer per E-Mail]

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Einblicke

Fünf Jahre und gar nicht leise

Das Ohrfunk-Team
Vollprogramm, das war die selbstgestellte Vorgabe unter der sich am 28.1.2006 sieben Mitglieder der Medieninitiative blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland daran machten, ein Internetradioprogramm mit dem Ziel, Berührungsängste zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen einzureißen und Brücken zwischen ihnen zu bauen, auf die Beine zu stellen. Tja, wie das Redaktionsteam um den Vorsitzenden Eberhard Dietrich selbst zu sagen pflegt, "Fernsehen könnten wir nicht machen, aber vom Radiomachen da verstehen wir was". Und so arbeiten bei Radio OHRFUNK.DE, blinde, sehbehinderte und sehende Menschen gemeinsam und ehrenamtlich zusammen.
Und was sie da zusammen arbeiten, kann man täglich rund um die Uhr, unter [www.ohrfunk.de] und in einigen Kabelnetzen, wie z. B. auf 90,8 MHz bei Kabel Deutschland 103,5 MHz bei RKS in Berlin und in einigen digitalen Kabelnetzen in Hamburg und Schleswig-Holstein hören. Seit einigen Monaten sendet Ohrfunk.de auch als Teilzeitanbieter (Montag bis Freitag 10.00 Uhr - 11.00 Uhr) auch auf den Berliner UKW-Frequenzen 88,4 MHz und 90,7 MHz.
Eine eigentliche Ohrfunk-Sendezentrale gibt es dabei nicht, sondern mehrere kleine, vernetzte Studiostandorte in Marburg, München, Hamburg, Hannover, Siegen und Berlin. Hier wird in unterschiedlich ausgestatteten Küchen- Keller- oder Kammerstudios gearbeitet. Während in München und Siegen große Teile der Musikredaktionsarbeit geleistet werden, sind in Marburg, Hamburg und Berlin auch Beitragsmacher am Werk. Das handverlesene Musikprogramm, die Reportagen, Interviews, Kommentare und Berichte werden über einen von allen Ohrfunkern erreichbaren FTP-Server bereitgestellt und von den jeweiligen Redakteuren zu ganzen Sendungen, wie z. B. der "Zeitzone", dem "Audiogramm", dem "Schwerpunkt", der Sendereihe "Soundkasten" verbaut. Bei Telefonkonferenzen und in Redaktionsmailinglisten wird geplant, koordiniert und informiert. Bei Bloggs und Twitter, aus Pressemitteilungen, den Mailinglisten und Publikationen der Behindertenselbsthilfe, Tageszeitungen, und den Berichten anderer Sender werden von allen Redaktionsmitgliedern permanent Anregungen aufgegriffen und als Beitrag für das eigene Programm gestaltet.
Die Inforedakteure sind wegen ihrer ehrenamtlichen, d. h. unentgeltlichen und zur hauptamtlichen Tätigkeit z. B. als Physiotherapeut, Dokumentar, Bibliothekar, Lehrer oder Callcentermitarbeiter zusätzlichen Tätigkeit, darauf angewiesen, ein stets einsatzbereites Aufnahmegerät bereit zu halten. Telefoninterviews und Studiotermine mit Gästen werden mit äußerster Flexibilität in das haupt- und nebenamtliche Tagesgeschehen eingetaktet.
Halbe oder ganze Nächte werden dazu benutzt, neueste Hits aufzuspüren und verschollen geglaubte Oldies auszugraben. Und einer aus dem Team ist immer auf Sendung. Entweder live oder mit Hilfe der Studiosendeautomatik, die das Ohrfunkprogramm von einem der heimischen Rechner zu unserem Streamanbieter streamt, von wo es dann in die WWW-Welt und in die angeschlossenen Kabelnetze gelangt.
Liveübertragungen sind stets eine besondere Herausforderung. Hier müssen Timing, Spontanität und Technik extrem gut zusammenspielen und eine Portion Glück, dass die DSL-Verbindung nicht abreißt, die verabredete Anschlussmöglichkeit an bestehende Übertragungsanlagen oder Mischpulte auch zustande kommt und der Programmablauf wenigstens ungefähr eingehalten wird, gehört auch dazu. Wenn dann aber die Übertragung des Joana-Zimmer-Konzerts, der Bericht aus dem Cockpit eines A380 Jets oder das Interview mit dem Bundespräsidenten über den Sender gehen und dann auch noch überwiegend positive Hörerreaktionen eingehen, dann hat sich der radioaktive Einsatz wieder einmal gelohnt. Gar nicht davon zu reden, wie hilfreich es ist auf diesem Wege immer wieder und wohl dosiert die vielfältigen Belange blinder und sehbehinderter Menschen und ihrer Organisationen in die Welt hinaus zu tragen. Sei es nun von der Blindengelddemo, der Hörfilmpreisverleihung oder dem immer wieder beliebten und medienwirksamen "Autofahren für Blinde".
Weit entfernt davon, ein beliebiges Radioprogramm zu gestalten, in dem die Titel des Mainstream rauf und runter genudelt werden, bietet Ohrfunk eine außergewöhnliche Mischung aus Oldies, selten gespielten oder zu unrecht in Vergessenheit geratenen Titeln, ebenso Hörenswertes aus unserer Zeit, immer wieder Rock, Pop, Country und auch mal Klassik und Jazz. Also die Musik ist handverlesen und so klingt sie denn auch. Ein echt ohrsinniger Sound.
Wer sich davon überzeugen möchte, der muss einfach mal klicken oder einschalten. Aber Vorsicht, Ohrfunk.de kann süchtig machen!
In der Zukunft ist wohl noch mit einigem Ohrsinn aus dem Hause Ohrfunk.de zu rechnen. So ist die Einspeisung in weitere Kabelnetze geplant und der stetige Ausbau des Ohrfunkprogramms ist ebenfalls oberstes Ziel. Wer uns hierbei tatkräftig unterstützen möchte, melde sich bitte unter Telefon 030 92374100 oder E-Mail: info@ohrfunk.de.
[Anmerkung der Redaktion: Die DAISY-Version dieser DZBN enthält zusätzlich einen Original-Tonbeitrag der Ohrfunkredaktion.]

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Buchmesse spezial

"Gesunde Füße bei Diabetes mellitus"

Das neue Buch von Dr. Renate Wolansky
Von den medizinischen Hintergründen des Diabetes mellitus ausgehend werden zunächst die möglichen Folge- und Begleiterkrankungen beschrieben, die leider noch zu viele Diabetiker betreffen, aber oft auch vermieden werden könnten. Dr. Wolansky benennt die Ursachen des diabetischen Fußes, erläutert die Möglichkeiten klinischer Untersuchungen sowie die bildgebenden Diagnostikverfahren und Therapiemöglichkeiten. Zur Vermeidung diabetischer Fußerkrankungen werden schließlich entsprechende prophylaktische Maßnahmen aufgeführt und Übungen für eine häusliche Fußgymnastik vorgestellt. Zudem wird aufgezeigt, was eine diabetes-adaptierte orthopädieschuhtechnische Versorgung mit Qualitätskontrolle ist. Mit ihrem neuen Buch will die bekannte Podologin einen Beitrag für die Gesunderhaltung und Pflege der Füße von Diabetikern und zur Vermeidung des diabetischen Fußsyndroms leisten. Der Text wendet sich an Betroffene ebenso wie an das betreuende Personal bzw. Angehörige. Um für eine entsprechend weite Verbreitung zu sorgen, steht das Buch in drei unterschiedlichen Versionen zur Verfügung: Brailleschrift (BNV 6949), DAISY-Hörbuch (BNV 6947), Großdruck (BNV 6948). Flankiert und ergänzt wird "Gesunde Füße bei Diabetes mellitus" durch den Vorjahrestitel "Aktive (häusliche) Fußgymnastik", ebenfalls von Dr. Wolansky verfasst und in der DZB erhältlich: Brailleschrift mit Reliefs (BNV 6281), DAISY-Hörbuch (BNV 6279), Großdruck mit Abbildungen (BNV 6280).
Bei der zweiten Neuerscheinung aus der DZB anlässlich der Buchmesse handelt es sich um ein ganz besonderes DAISY-Hörbuch mit dem Titel: "Zigaretten danach".
Initiiert, betreut, zusammengetragen und herausgegeben wurden die auf der CD enthaltene Sammlung aus insgesamt 27 Beiträgen von 18 Autorinnen und Autoren durch die blinde Autorin, Moderatorin und Sozialpädagogin Jennifer Sonntag.
Nachfolgend schildert Ihnen die Herausgeberin ihre Intentionen:

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Haben Sie Feuer?

Jennifer Sonntag
Darf ich als "leidenschaftliche" Nichtraucherin eigentlich über die "Zigarette danach" sinnieren? Ja, ich darf, denn ich bin von ihrer Symbolik fasziniert.
Einfach nur ein erotisches Hörbuch zu schaffen schien mir zu eindimensional. Mir kam es auch bei diesem Projekt, wie bei all meinen Büchern, auf den etwas anderen "Blickwinkel" an. Und dann sah ich vor meinem inneren Auge einen Zigarettenstummel mit einem Hauch von Lippenstift am Filterrand und überlegte, was diese eine "Zigarette danach" so zu erzählen hätte und wie viele davon, wo, wann und von wem sie wohl geraucht würden.
Auch wenn es nicht immer darum gehen kann, einen erotischen Akt zu vollziehen, erleben wir doch hin und wieder besondere Momente, die uns im Nachhinein zu prickelnden Gedankenspielen verleiten. Und genau dieses "im Nachhinein" sollte mein Aufhänger werden. Ich interessierte mich für Textentwürfe, die sich nach erotischen Begegnungen entwickelten. Dabei durfte "die Zigarette danach" als Metapher stehen, durfte aber auch ganz gegenständlich gemeint sein.
Ich startete eine Ausschreibung und war erstaunt, auf welch vielfältige Weise sich 17 begeisterte Autoren mit mir gemeinsam diesem Thema näherten. Es entstand ein reizvoller Querschnitt, den ich gern erhalten wollte, da ich glaubte, dass das Assoziationsspektrum der Hörerschaft ebenso breit sein würde, wie das meiner Autoren. Auf dem Hörbuch mischen sich nun verruchte mit romantisch-verklärten, makabere mit hinterhälig-doppeldeutigen und obsessive mit literarisch-sinnbildlichen Textbeiträgen. In meinen letzten beiden Büchern habe ich mich konkret dem Blindheitsthema gewidmet und auch wenn es mir wichtig war, dabei möglichst unkonventionell zu sein, bin ich ja doch auf die Behinderung festgelegt. Als von Blindheit betroffene Sozialpädagogin bin ich immer auch in halbdienstlicher Mission unterwegs und das schließt ein freies schriftstellerisches Agieren aus. Hinzu kommt, dass ich in den letzten Jahren auch immer stark autobiografisch gefärbt geschrieben habe, da für meine Öffentlichkeitsarbeit rund um die Schwerpunkte Erblindung und Blindheitsverarbeitung meine Authentizität sehr wichtig war. Mein Grund zu schreiben war stets, Brücken zu schlagen zwischen den Welten. Ich wollte sensibilisieren, über Missstände aufklären, zusammenführen, auch schon in meinem Erstlingswerk, in welchem ich über die Straßenpunk- und Heroinszene meiner Heimatstadt schrieb. Aber ich steckte eben auch immer in der Rolle der Mediatorin fest. Das wollte ich diesmal anders machen.
Mit "Zigaretten danach" möchte ich kein "Lehrbuch" liefern, ich möchte höchstens dazu motivieren - so viel Missionarsfreude muss dann doch sein - ein lustbetontes Leben zu führen, was auch immer das für jeden einzelnen bedeuten mag. Ich danke der DZB von ganzem Herzen für die engagierte Realisierung des Projekts und wünsche uns allen, ob Raucher oder nicht, viel Lust auf die "Zigaretten danach".
"Zigaretten danach" - herausgegeben von Jennifer Sonntag. Texte: Michael Bammes, Donata, Sven-André Dreyer, "Elfenkotze", Claudia Feger, Hauke von Grimm, Lord Schadt, Roland Quant, J. Yeti Rohrberg, Tristan Rosenkranz, H.C. Roth, Dirk "Dirot" Rotzsch, Karl Rudolf, Sonja Ruf, Thomas Sabottka, Michael Schweßinger, Jennifer Sonntag, Volly Tanner.
1 CD-DAISY, Sprecher-Team, Spieldauer: 2:25 h, Preis: 9,95 EUR, BNV 6881

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Brailleschrift - Relikt oder Chance?

Im Herbst 2011 findet in Leipzig der Weltkongress "Braille21" statt, an dessen Vorbereitung und Organisation die DZB maßgeblich beteiligt ist. "Braille21" wird sich mit der Gegenwart und Zukunft der Brailleschrift befassen.
Die aktuelle Sicht auf das System der Brailleschrift und deren Perspektiven in der modernen Mediengesellschaft ist durchaus differenziert. Wir möchten Ihnen in Vorbereitung auf "Braille21" unterschiedliche Sichtweisen auf das Sechs-Punkte-System von Louis Braille vorstellen und hoffen auf diese Weise Anreize für eine lebhafte Diskussion zum Thema Braille in Gegenwart und Zukunft setzen zu können - gerne auch in der "Postecke".
Autor des heutigen Beitrages ist Herr Heinz Zysset, Abteilungsleiter Bibliothek der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte.

Gleichstellung der Ausgabeformate - ein Rezept gegen den Brailleschwund

Heinz Zysset
Im Jahr 1999 betrug die Brailleausleihe in der SBS (Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte) 6228 Titel, 2009 waren es noch 2614. Das entspricht einer Abnahme von beinahe 60 %. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der für die Ausleihe von Punktschrift eingeschriebenen Nutzerinnen und Nutzer um fast 10 % von 786 auf 871. Damit nahm die durchschnittliche Jahresausleihe pro Person von ca. 8 auf 3 Titel ab, d.h. um beinahe zwei Drittel. Ähnliches ist aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu hören. Was bedeutet dieser massive Rückgang? Hat das Interesse der Nutzerinnen und Nutzer an Literatur abgenommen? Hat es sich auf andere Angebote verlagert? Ist die Attraktivität der Brailleschrift gesunken? Entspricht das Punktschriftangebot der Bibliotheken inzwischen nicht mehr den Erwartungen und Bedürfnissen der Nutzer?
Unser durchschnittlicher Blindenschriftnutzer ist gemäß SBS-Statistik 2009 weiblich, aber nicht ganz so sehr, wie man es in einer Bibliothek und im Vergleich zu unserem Hörbuchbereich erwarten würde. Weniger männlich ist er übrigens, wenn man ausschließlich die nur 40 % der Blindenschriftnutzer in Betracht zieht, die 2009 überhaupt ein Braillebuch ausgeliehen haben. Nennen wir ihn also sie. Sie ist zwischen 25 und 65 Jahren alt, also deutlich jünger als die typische Hörbuchkundin. Drei von fünf Büchern, die sie bestellt, sind Belletristik, eines ist ein Sachbuch und eines ein Kinder- oder Jugendbuch. Dieser Anteil nimmt natürlich zu, wenn sie jünger als 25 ist. Dann ist sie auch eine besonders aktive Leserin. In dem Fall liest sie teilweise auch Vollschrift, was ihre reifere Kollegin zu mehr als 80 % ausdrücklich ablehnt.
Weniger Braille - mehr Hörbücher
Unsere Musternutzerin würde gern mehr Krimis, Liebes- und Gesellschaftsromane lesen, aber davon gibt es nicht genug, oder das, was es gibt, ist gerade ausgeliehen. Sie hat deshalb angefangen, auch Hörbücher zu lesen, was sie zu Zeiten der Kassette nie gemacht hätte. Zuerst waren es nur ein paar zwischendurch. Heute sind es, wenn sie ehrlich ist, eigentlich mehr Hör- als Punktschriftbücher. Aber gerade neuere Titel sind, soweit sie überhaupt angeboten werden, kaum zu bekommen. Bei den Hörbüchern ist immer alles lieferbar und der Bestand ist viel aktueller. Je mehr Braille sie liest, desto mehr Hörbücher leiht sie aus. Inzwischen ist nur noch jedes vierte Buch, das sie von uns bezieht, ein Punktschriftbuch, aber trotzdem möchte sie aufs "richtige" Lesen nicht verzichten. Deshalb bleibt sie auch Punktschriftnutzerin.
Die auffälligste Entwicklung der letzten zehn Jahre ist tatsächlich die zunehmende Hörbuchnutzung durch Braille-Leserinnen und -Leser. Noch vor 10 Jahren deckten sie praktisch ihren gesamten Lektürebedarf aus den Regalen der Blindenschriftbibliothek.
2009 dagegen liehen 181 Personen sowohl Hör- als auch Punktschriftbücher aus. 168 der 971 für Punktschrift registrierten Nutzer hörten gar ausschließlich DAISY-Bücher. Insgesamt gingen etwa 12'000 der 120'000 Ausleihen der SBS an registrierte Blindenschriftleser. Damit war ihr Anteil an der Nutzung insgesamt leicht höher als ihr Anteil an der Nutzerschaft. Es kann also keine Rede davon sein, dass diese Gruppe weniger liest als früher. Aber 9'500 der 12'000 ihrer Ausleihen waren eben DAISY-Bücher.
Dass diese Änderung des Leseverhaltens mit der Einführung des DAISY-Formats zu tun hat, liegt auf der Hand. Aber, was genau macht das neue Hörbuch so attraktiv? Ist es das Format selber, z.B. die Navigierbarkeit der Texte, die das Hören dem Lesen ähnlicher macht? Sind es die Medien, CDs und SD-Karten, die weit weniger sperrig und deshalb portabler sind als die Kassetten, oder gar Punktschriftbände? Das lässt sich vermuten, aber aus unseren Nutzungszahlen nicht eindeutig ableiten. Die Statistiken geben aber deutliche Hinweise auf zwei weitere Faktoren, die für die Änderung des Nutzungsverhaltens wichtig sind: Das Hörbuchangebot ist aktueller und alle Titel sind jederzeit verfügbar.
Die Umstellung auf das neue Format hat zu einer erheblichen Verjüngung des Hörbuchbestands geführt: 62,8 % der Titel stammen aus den letzten 20, 34,5 % aus den letzten 10 Jahren. Im Blindenschriftbereich der SBS dagegen sind nur gerade 17,7 % der Titel nach dem Jahr 2000 erschienen, 41,1 % in den letzten 20 Jahren. Im Bestand einer öffentlichen Bibliothek sollten aber mindestens 50 % aller Bücher aus den letzten beiden Jahrzehnten stammen.
Alter Bestand - neue Bedürfnisse
Dass die Überalterung des Bestandes für unsere Nutzerinnen und Nutzer ein Problem ist, zeigt sich, wenn man den Anteil der nach 2000 erschienenen Titel am Bestand mit ihrem Anteil an der Ausleihe vergleicht. Die betreffenden 17,7 % Bestand haben einen Anteil von 57,4 % an der gesamten Ausleihe. In der bibliothekarischen Bestandspflege bezeichnet man den Quotienten aus Ausleih- und Bestandesanteil als "Effizienz". Dieser Wert sollte um 1 liegen, gleich großer Bestands- und Ausleihanteil. Sinkt er unter 0,7, geht man von einem zu hohen Bestand aus. Steigt er über 1,3, sollte der Bestand vergrößert werden. Im Bereich Braille liegt er in der SBS bei 3,25, bei den Hörbüchern bei 1,1. Im Gegensatz zu den Hörbüchern, die in der SBS on demand, d.h. für jede Ausleihe neu kopiert werden, sind Braillebücher magaziniert, also bloß in einzelnen Ausleihexemplaren verfügbar. Bei einer Bestandeseffizienz von 3,25 hat die erfolgreiche Ausleihe eines nach 2000 erschienenen Buches schon beinahe die Qualität eines Lottogewinns.
Für die Mehrzahl unserer Nutzer, die wie die Mehrzahl der Nutzer aller öffentlichen Bibliotheken vorwiegend Belletristik lesen, ist das Hörbuchangebot mittlerweile sicher attraktiver als das Blindenschriftangebot. Welche der Alternativen sie allerdings wählen würde, wenn die Angebote ebenbürtig wären, kann man nur vermuten. Die Tatsache, dass die Brailleausleihe seit 2007 nicht mehr signifikant gesunken ist und es in diesem Bereich nur sehr wenige Bibliotheks-austritte gibt, kann positiv gedeutet werden. Vielleicht gibt es doch so etwas wie ein Bedürfnis nach dem direkten Kontakt mit der Schrift.
Was aber ist mit den 363 registrierten Punktschriftnutzern, die 2009 in der SBS weder Braille- noch Hörbücher ausgeliehen haben? Aus Rückmeldungen wissen wir, dass manche davon dazu übergegangen sind, zumindest ihren Informationsbedarf auf elektronischem Weg zu decken. Sie beziehen ihre Lektüre vor allem aus dem Internet und lesen sie mit PC/Braillezeile oder auf Braille-Notizgeräten. Man kann annehmen, dass sie, im Gegensatz zu unserer Musterleserin, eher an Sachbüchern interessiert wären, diese aber in unserem Angebot (33 % des Bestands) nicht in ausreichender Themenbreite finden. In diesem Bereich spielen Aktualität und Verfügbarkeit ja eine noch wichtigere Rolle als bei der Belletristik. Hier scheint auch das Hörbuchangebot nicht auszureichen. Wie viele unserer Nutzer und nicht-Nutzer ihren Lektürebedarf über elektronische Bücher decken, wissen wir nicht. Wir sollten aber davon ausgehen, dass zunächst einmal diejenigen, die ihre Schul- und Studienmaterialien von uns auf diesem Weg beziehen, früher oder später e-Bücher auch im Freizeitbereich nachfragen werden. Mit dem zunehmenden Erfolg dieser Medien dürften andere Nutzer ihnen bald folgen.
Erfolglose Brailleförderung
Insgesamt muss man wohl davon ausgehen, dass die SBS-Bibliothek mit ihrem Punktschriftangebot inzwischen hinter den Erwartungen und Bedürfnissen einer Mehrheit ihrer Nutzerinnen und Nutzer zurück bleibt. Da große Teile der Bestände in den Medibus-Bibliotheken identisch sind und überall dieselben Ausleihverfahren gelten, dürfte diese Feststellung auch auf die übrigen deutschen Angebote zutreffen. Dieser Zustand gibt vor allem deshalb zu denken, weil er besteht, obwohl im gesamten deutschen Sprachgebiet mit moderner Technik, viel Engagement und hohem Kostenaufwand laufend Blindenschrift produziert wird. Überall ist dabei der Anteil der Produktion am Gesamtaufwand der Institutionen um ein Vielfaches höher als der Anteil der Blindenschriftbücher an der Ausleihe oder am Verkauf. Damit soll die Brailleschrift mit Rücksicht auf ihre besondere Bedeutung als einzigem wirklichen Schriftäquivalent für Blinde speziell gefördert werden. Unschön ist, dass dies letztlich auf Kosten derjenigen Seh- und Lesebehinderten geht, die überhaupt keinen dem Schriftlichen gleichwertigen Zugang zu Büchern haben. Noch weniger schön ist, dass diese Art der Blindenschriftförderung offensichtlich nur unzureichende Resultate zeitigt, nämlich ein Punktschriftangebot, das die Bedürfnisse vieler Leser unbefriedigt lässt.
Aus diesem Dilemma gibt es ohne grundlegende Änderung der Produktions- und Ausleihverfahren keinen Ausweg. Solange wir Schwarzschriftvorlagen direkt in Punktschrift übertragen, binden wir einen großen Teil der investierten Arbeit an ein einziges Ausgabeformat. Für jede weitere Darstellung, sei es Großdruck oder semantisch gesteuerte Sprachausgabe, muss dieselbe oder zumindest sehr ähnliche Arbeit erneut geleistet werden. Realistisch, d.h. von unseren Ressourcen her betrachtet, bedeutet das: Wir produzieren entweder ein Braille-, oder ein Großdruck-, oder ein Hörbuch. Im Zeitalter der mechanischen bzw. elektromechanischen Übertragung gab es keinen anderen Weg. Aber warum leisten wir uns auch mit den heutigen digitalen Mitteln noch den Luxus, die unterschiedlichen Formate in getrennten Prozessen zu produzieren?
Mediengleichberechtigung statt Brailleförderung
Schließlich können in der digitalen Welt die einzelnen Ausgabeformen aus einer einzigen elektronischen Quelle erzeugt werden. Wenn in dieser Quelle die Strukturelemente, z.B. Kapitel, Abschnitte, Seiten, Fußnoten usw., sauber definiert und ausgezeichnet sind, kann die Ausgabe der einzelnen Formate anschließend mit Hilfe entsprechender Anweisungen erfolgen, durch die die Darstellung der Strukturelemente im jeweiligen Medium gesteuert wird. Produktionsverfahren auf dieser Grundlage müssten - und werden schließlich auch - die Übertragung in zugängliche Formate weiter automatisieren und damit verbilligen helfen.
Wie in so vielen Bereichen der digitalen Welt gibt es freilich auch hier eine nicht unbedeutende Differenz zwischen dem technisch Möglichen und seiner Umsetzung in die Wirklichkeit der tückischen Objekte. Diese tückischen Objekte sind in dem Fall zum einen die Buchvorlagen, die selbst in ihren einfachen Formen eine erstaunliche Vielfalt an Strukturelementen und deren mehr oder minder konsequenter Handhabung aufweisen. Aber auch die Brailleschrift selber legt eine gewisse Widerborstigkeit gegen ihre automatisierte Erzeugung an den Tag. Probleme macht dabei nicht so sehr das genial einfache Basissystem, sondern dessen höhere Entwicklungsformen wie z.B. die deutsche Kurzschrift. Ihr kunstvolles Regelwerk zur Unterbindung von Verletzungen der Integrität der deutschen Sprache macht die automatische Kürzung von Texten beinahe so schwierig wie die künstliche Erzeugung grammatisch korrekter Sätze.
An den vielfältigen Erscheinungsformen der Bücher können wir bei der Übertragung nichts ändern. Als Teil und Ausdruck der inhaltlichen Vielfalt möchten wir sie, ganz im Gegenteil, sogar möglichst unbeschadet in die zugänglichen Formate transformieren. Anders ist es mit den durch die Kurzschrift verursachten Problemen. Sie müssen nicht durch noch ausgeklügeltere Übersetzungsprogramme, sondern im Regelwerk der Kurzschrift selbst endlich konsequent gelöst werden. Es gibt keinen Beweis dafür, dass der dazu nötige Wechsel zu einer weitgehend sequentiellen Kürzung nach Zeichenketten, wie sie in anderen Sprachen bereits üblich ist, im Deutschen die Lesbarkeit wirklich gefährdet. Auch die völlig unautomatisierbare Einschränkung der Anwendung von Kürzungen auf den Wortsinn, könnte aufgegeben werden, ohne dass dies zum Verständlichkeitskollaps führen würde.
Ohne Vereinfachung der Kurzschrift wird der unverhältnismäßig hohe Aufwand für die Erstellung dieser einen Ausgabeform auch mit den neuen, schnelleren Produktionsverfahren weiterhin anfallen. Er wird Ressourcen verbrauchen, die wir besser zum Nutzen aller Leser für die Erschließung noch unzugänglicher Dokumente einsetzen würden. Entweder produzieren wir auch künftig unsere Bücher nach Kurzschriftregeln, nach denen heute außer uns kaum noch jemand einen Text korrekt schreiben kann, oder wir produzieren mehr Bücher und setzen sie anschließend auf Wunsch automatisch in eine einfachere Kurzschrift um, die vielleicht zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig sein wird. Wenn die zunehmende Braille-Abstinenz tatsächlich mit der mangelnden Aktualität und Menge der verfügbaren Bücher zu tun hat, braucht man über die Wahl der Alternative kaum lange nachzudenken.
Letztlich geht es bei der laufenden Entwicklung neuer Produktionsverfahren darum, die verfügbaren Mittel primär auf die Herstellung genereller Zugänglichkeit zu konzentrieren. Der Aufwand für die Ausgabeformate soll dagegen so gering wie möglich sein, damit diese einander gleich gestellt werden können und für die Kunden frei wählbar sind. Die Entscheidung darüber, ob ein Text in Voll- oder Kurzschrift, als Grossdruck oder für synthetische Sprache ausgegeben werden soll, darf keine Entscheidung des Produzenten bleiben, sondern muss vom jeweiligen Kunden getroffen werden können.
Dabei wird sich der Vertrieb den Möglichkeiten der Produktion anpassen müssen. Da wir uns in den Bibliotheken Magazine mit X unterschiedlichen Ausgabeformaten derselben Titel nicht werden leisten können, sind auch neue Ausleihverfahren nötig: physische on demand und selbstverständlich elektronische Ausleihe. Nur diese Verfahren gewährleisten die volle Umsetzung der Möglichkeiten der digitalen Produktion. Diese Gleichstellung der Ausgabeformen im Angebot und in der Verfügbarkeit stellt keine Bedrohung für die Nutzung der Brailleschrift dar. Sie ist ganz im Gegenteil das, was wir als Produzenten und Bibliotheken für ihren Erhalt tun können, nämlich ihre volle Integration ins Angebot aller zugänglichen Formate.

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Duden-Sprachtechnologie hilft Blinden im digitalen Zeitalter

Pressemeldung des Duden-Verlages - Mannheim, 27.01.2011
Wie macht eine Hochschule digitale Inhalte und den Wissensschatz des Internets am besten für blinde Studenten zugänglich? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Entwicklerteam an der Fernuni Hagen. Damit Blinde mit wissenschaftlich komplexen Inhalten arbeiten können, müssen diese in Blindenschrift ausgedruckt vorliegen. Die gegen eine Gebühr zur Abdeckung der Druckkosten für die Handbücher beziehbare Hagener Braille-Software (HBS) überträgt deshalb digitale Inhalte in Blindenkurzschrift und ermöglicht über den Brailledrucker das Drucken der Texte. Zu den Stolpersteinen in Texten, die sich durch das Übertragen in die Blindenschrift ergeben, gehört beispielsweise eine falsche Silbentrennung. Solche Hindernisse behebt jetzt die Sprachtechnologielösung des Dudenverlages. Die benötigten Funktionen dieser Lösung werden in die Braille-Software integriert. Der Dudenverlag stellte seine Technologie für die Weiterentwicklung des Hagener Braille-Software-Systems kostenfrei zur Verfügung.
In der Blindenkurzschrift werden Wörter dadurch verkürzt, dass für eine Silbe eine Abkürzung steht. Diese sogenannte Kürzung nimmt die HBS automatisch vor. Hierzu muss die Software aber entscheiden, wo eine Silbe endet und die nächste Silbe beginnt. Da diese Aufgabe nicht einfach ist, werden Wörter bei der automatischen Übertragung in die Blindenkurzschrift oft an der falschen Stelle auseinandergerissen. So entstehen zahlreiche verwirrende Kombinationen aus Silben wie z. B. "Speis" und "esaal", "Reis" und "eleiter", "Rein" und "emachen" oder "Nach" und "tessen". An diesen Beispielen wird deutlich, wie irritierend eine falsche Trennung von Wörtern auf einen blinden Leser wirken muss. Die Irritation des tastenden Lesers unterbricht dessen Lesefluss. Die sprachtechnologische Lösung des Dudenverlages erkennt jedoch zusammengesetzte Wörter, sogenannte Komposita. Vor der Übersetzung in die Blindenschrift "zeigt" die Duden-Software der Übersetzungssoftware, an welcher Stelle im Wort eine Trennung der Silben sprachlich richtig und möglich ist. Somit werden Wörter nicht mehr an der falschen Stelle gekürzt. Der Lesefluss eines Blinden ist dann ungestört.
Einen weiteren Beitrag zur Qualität von Texten in Blindenkurzschrift leistet die Dudentechnologie durch Informationen zur Silbenvortrennung. Das heißt, die Duden-Software verhindert das automatische Trennen von Wörtern am Zeilenende an den falschen Stellen. Mithilfe dieser Informationen ist jetzt eine automatische Silbentrennung am Zeilenende während der Übertragung von Texten in die Blindenkurzschrift durch die HBS möglich. Das ist wichtig, da in der Blindenkurzschrift sehr oft Wörter getrennt werden müssen, um die Zeilen möglichst vollständig zu füllen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen geht es darum, Platz und damit auch Druckkosten zu sparen, denn die Zeichen der Blindenkurzschrift sind relativ groß. Somit passt im Vergleich zur lateinischen Schrift relativ wenig Text auf eine Druckseite. Das Layout sollte daher als Ausgleich möglichst platzsparend sein. Des Weiteren signalisiert ein frühes Zeilenende dem blinden Leser einen neuen Absatz. Endet die Zeile früh, allerdings mitten im Satz, verwirrt das den tastenden Leser und unterbricht somit wieder seinen Lesefluss. Das passiert auch bei Lücken zwischen den einzelnen Wörtern, die eine tastende Wahrnehmung ebenfalls unterbrechen würden. Deshalb ist in der Blindenkurzschrift das Formatieren von Texten im Blocksatz nicht möglich, da beim Blocksatz Lücken zwischen den Wörtern entstehen. Die Dudentechnologie liefert nun die nötigen Informationen für eine korrekte Trennung und ermöglicht ein besseres automatisch erstelltes Layout.
Dank der Dudentechnologie müssen Autoren in der automatischen Übersetzungssoftware für blinde Leser keine nachträglichen Korrekturen wegen falsch zusammengesetzter Substantive oder falscher Silbentrennung mehr vornehmen. Der leitende Wissenschaftler in der Entwicklung der HBS ist Richard Heuer. Er ist Ansprechpartner für Blinde an der Fernuniversität Hagen und arbeitet bereits seit 1984 an der Entwicklung und Verbesserung der HBS. Dabei griff er auf die Arbeiten des Informatikers Wolfgang Slaby, Westfälische Universität Münster bzw. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, und der Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte, Zürich, zurück. Heuer betont: "Mit der Dudentechnologie haben wir bei der automatischen Übertragung in die Blindenkurzschrift eine neue Qualitätsstufe erreicht. Mithilfe dieser zuverlässigen Technologie, die wir in unser Braillesystem integrieren durften, schaffen wir bessere Voraussetzungen für eine akademische Laufbahn von Blinden."
Die Leiterin des Geschäftsbereichs Duden-Sprachtechnologie, Melina Alexa, sieht in der Unterstützung der Hagener Forschergruppe eine Aufgabe, welcher der Dudenverlag sich sehr gerne annimmt. "Wir schätzen engagierte Wissenschaftler wie Richard Heuer sehr. Seine Arbeit ermöglicht blinden Menschen einen leichteren Zugang zu digitalen Inhalten. Als führender Anbieter für die automatische Textkorrektur und als 'Instanz der deutschen Sprache' unterstützen wir das Projekt HBS gern mit unserer Technologie."
[Quelle: www.fernuni-hagen.de/zmi/at-medien/hbs.html]

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Autorenporträt

Zum 155. Todestag von Heinrich Heine

Susanne Siems
Im Sommer letzten Jahres habe ich ihn in Paris auf dem Friedhof von Montmatre besucht, an seinem 155. Todestag am 17. Februar 2011 bin ich schon längst wieder zurück in Deutschland. Der Dichter Heinrich Heine war sowohl Frankreich als auch seiner deutschen Heimat zeitlebens eng verbunden. Seine Geburtsstadt Düsseldorf gehörte von 1806 bis 1813 zu Frankreich. Damals hieß der wahrscheinlich 1797 geborene Heine mit Vornamen noch Harry und stammte aus einem jüdischen Elternhaus. Napoleon Bonaparte setzte sich für die Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung ein und dafür gehörte ihm Heines Anerkennung. Der freiheitsliebende Dichter fand allerdings die kaiserlichen Wahnideen keineswegs gut.
Deutschland und Frankreich im Leben Heines? Bis 1831 lebte Heine in Düsseldorf, Hamburg, Göttingen, Berlin und vielen anderen deutschen Orten. Er liebte sein Heimatland und sehr auch seine Sprache. Schon früh versuchte sich der junge Harry auf dem Gebiet der Lyrik und Dramatik. Das 1827 veröffentlichte "Buch der Lieder" eine Sammlung romantischer und über die Romantik hinauswachsender Gedichte ist sicherlich vielen Menschen bekannt. "Ein Traum, gar seltsam schauerlich, ergötzte und erschreckte mich …" heißt es dort auf den ersten Seiten. Der volksliedhafte Charakter der Gedichte reizte geradezu zum Vertonen, am berühmtesten sind die Stücke von Robert Schumann und Franz Schubert.
Zwei Tragödien schuf Heine in den zwanziger Jahren; ihnen war jedoch kein Erfolg beschieden. Anders sah es da schon mit "Der Harzreise" aus. Sie stieß auf das Wohlwollen vieler Leser. 1820 studierte Heine für kurze Zeit in Göttingen. Dass er nicht nur romantisch, sondern auch mit sehr spitzer Feder zu schreiben verstand, zeigt unter anderem die berühmt gewordene Beschreibung der Stadt Göttingen: "Die Stadt selbst ist schön und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht. Sie muss schon sehr lange stehen, denn ich erinnere mich, als ich vor fünf Jahren dort … [war], hatte sie schon dasselbe graue, altkluge Ansehen." In dem folgenden Jahrzehnt wurden Heines Schriften zunehmend politischer. Er sah sich selbst zeitlebens als überparteilichen, unbestechlichen Dichter und Journalisten.
Noch aber, wir sind in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, war die Literatur eher ein Hobby. Heine hatte in Berlin als Doktor der Rechtswissenschaften promoviert und bemühte sich danach um eine Anstellung als Rechtsanwalt. Da er als Jude in Deutschland nur wenig mit Anerkennung rechnen durfte, konvertierte er zum Christentum und nannte sich fortan Heinrich Heine. Die erhoffte Akzeptanz seiner Tätigkeit blieb aber auch jetzt aus. Und auch aufgrund seiner immer kritischeren politischen Haltung erwies sich die Arbeitssuche als aussichtslos. Er sympathisierte mit der Pariser Revolution von 1831 und sagte und schrieb das offen. Daraufhin wurden seine Schriften in Deutschland verboten, er siedelte nach Paris über. Obwohl er seine deutsche Heimat sehr vermisste, sollte er bis zu seinem Tod 1856 nicht für längere Zeit nach Deutschland zurückkehren. Neben Gedichten entstanden in der französischen Schaffenszeit sehr viele Essays und literaturtheoretische Schriften. Heine bemühte sich um die Vermittlung zwischen deutscher und französischer Kultur. Seine deutschen Landsleute kannte er nur zu gut. Schon 100 Jahre vorher sprach er von der alles zerstörenden Kraft der germanischen Wurzeln. Wie recht er doch leider behalten musste.
Heine gehörte zu den Dichtern, die wohl von ihren Mitmenschen zu gleichen Teilen geliebt und gehasst wurden. Geliebt für Mut, Humor, kritischen Menschenverstand, gehasst wegen einer spitzen Zunge und dem unbezwingbaren Drang, zu sagen bzw. niederzuschreiben, was man denkt. Heines Leben war nicht leicht, er war auch sicher eher das, was man eine schwierige Persönlichkeit nennt, empfindsam und stolz, nicht immer liebenswürdig aber auf jeden Fall liebenswert. 1843 heiratete er ein einfaches französisches Mädchen, das er für sich Mathilde nannte. Tragisch oder befreiend für den Dichter, dass Mathilde nichts von seinem Handwerk verstand? Kein Austausch der Dichtergedanken, aber auch keine falsche Liebe zum berühmten Dichter. Mit ihrer Heiterkeit vertrieb sie wohl oft die Schatten auf Heines Gemüt, auch das in seinem bekannten Gedicht "Nachtgedanken" nachzulesen: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht … Gottlob! Durch meine Fenster bricht französisch heitres Tageslicht; es kommt mein Weib, schön wie der Morgen, und lächelt fort die deutschen Sorgen." Sorgen und Krankheit nahmen aber zu für Heinrich Heine. Sein in den dreißiger Jahren diagnostiziertes Nervenleiden verstärkte sich und 1848 kam der endgültige Zusammenbruch. Seit dieser Zeit war Heine durch umfassende Lähmungen ans Bett gefesselt. Aber der körperliche Verfall, der ihm die "Matratzengruft" bescherte, hatte nicht den geistigen Verfall zur Folge. Er schrieb bis zuletzt mit Herz, Humor, Bissigkeit und Ironie.
Mein kleiner Beitrag soll an den Dichter Heinrich Heine erinnern und Sie, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht anregen, sich mal wieder mit dem Dichter zu beschäftigen. Vieles blieb hier ungesagt, berühmte Werke wie "Deutschland, ein Wintermärchen" oder die "Loreley" habe ich gar nicht erst erwähnt. Auch über Heines Begegnung mit Goethe gibt es eine wunderbare Anekdote. Bei wem ich Neugier wecken konnte, der sei auf die Bestände unserer Bibliotheken hingewiesen. Besonders empfehlenswert scheint mir die Heine-Biographie von Werner Steinberg "Der Tag ist in die Nacht verliebt", die Sie in unserem Punktschriftbestand finden. Als Hörbuch und in Punktschrift gibt es außerdem zahlreiche Werke Heines. Sie warten darauf, mal wieder gelesen zu werden. Unsere Mitarbeiter in Ausleihe und Verkauf geben Ihnen gern Auskunft.

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Thornton Wilder: "Der achte Schöpfungstag"

Angelika Müller
[Punktschriftbibliothek]
Der 1897 in Madison geborene und 1975 in Hamden verstorbene Autor erzählt in seinem Alterswerk die Geschichte des in einem kleinen Bergwerksstädtchen 1902 unschuldig zum Tode verurteilten John Ashley.
Dieser Roman stellt Wilders letztes bedeutendes Werk dar. 1967 erhielt das Werk den National Book Award für den besten amerikanischen Roman. Das Buch ist spannend wie ein Kriminalroman und auch anrührend wie eine große Familien-Saga zu lesen.
Auf den ersten Seiten wird dem Leser klar, dass John Ashley nicht der Mörder sein kann. Er wird beschuldigt, Breckenridge Lansing, seinen Vorgesetzten, Freund und Bergwerksvorsteher, erschossen zu haben. In der Urteilssprechung wird er für schuldig befunden und wenige Tage danach soll er mit dem Zug zu seiner Hinrichtungsstätte gebracht werden. Doch dieser Transport wird von einer mysteriösen Bande Maskierter befreit, die keine Waffen bei sich führten. Nach gelungener Befreiung erhält er Instruktionen für die Flucht. Bereitgestellt wurden ihm Kleidungsstücke, ein Pferd und die Fluchtrichtung wurde beschrieben.
In Rückblenden in die Vergangenheit, durch mehrere Generationen zweier amerikanischer Familien, nämlich der betroffenen Familien, wird die mögliche Zukunft aufgezeigt. Die Familie Ashley und die Familie Lansing werden ausführlich beschrieben, wie sie nach der Verurteilung des Mannes und Vaters weiterleben und wie sich die Familie des Ermordeten nach dem gewaltsamen Tod des Mannes und Vaters das Leben einrichtet. So schützt zum Beispiel Frau Ashley ihre Kinder vor dem Volkszorn und lässt sie nicht mehr die Schule besuchen. Alle Familienmitglieder der Ashleys und der Lansings werden sehr genau auf Charakter und Bildung beleuchtet und über einige Jahre wird über ihr Leben ausführlich berichtet.
Die Fluchtstationen des John Ashley bis nach Chile werden dem Leser geschildert. Immer kurz vor der Entdeckung der Identität Ashleys helfen mutige Menschen weiter. Überall wo er sich aufhält, hilft auch er, um sich nützlich zu machen und stellt seine praktischen Fähigkeiten zur Verfügung.
Breckenridge Lansing wird als unzufriedener, jähzorniger und beruflich unbegabter Vater dargestellt. Seinem Sohn bringt er wenig Vaterliebe entgegen und nutzt die Schwächen des Sohnes, um ihn bei jeder Gelegenheit zu denunzieren. So wird aus dieser Erkenntnis der Charaktereigenschaften des B. Lansing am Ende des Werkes deutlich, dass es sich hier um einen Vatermord handeln muss. Ebenfalls im letzten Teil des Buches erfährt der Sohn von John Ashley, dass sein Vater selbstlos einer Religionsgemeinschaft mit finanziellen Mitteln und seinen praktischen, handwerklichen Fähigkeiten geholfen hat. Diese Gläubigen waren sich sicher, dass John Ashley kein Mörder sein kann und man ihm helfen muss. Sie organisierten seine Befreiung und retteten ihn so vor der Hinrichtung.
Nachdem feststeht, dass der eigentliche Mörder von B. Lansing dessen Sohn ist, gibt die Familie Ashley die Hoffung nie auf, dass der auf der Flucht befindliche und verschollene Vater und Ehemann eines Tages zurückkommen wird.
Titel von Thornton Wilder im Punktschriftbestand
Titel von Thornton Wilder als Hörbuch

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Charles Dickens: "David Copperfield"

Jörg Klemm
[Hörbücherei]
Die hier verwendete Ausgabe für die Aufsprache stammt aus dem Verlag Neues Leben zu Berlin, 1961.
Ein anrührendes Buch, welches auf der ganzen Welt gelesen, verstanden und geliebt wird: Charles Dickens veröffentlichte 1849 den stark autobiografischen Roman namens "David Copperfield". Beim Lesen betreten wir die düstere Kindheit der ungeliebten kleinen Waise David, welcher sich durch das Ungemach seiner glücklosen Zeit kämpft. Auch der Leser von heute ist nach einigen Seiten Lektüre gefesselt und will den Ausgang der Geschichte unbedingt erfahren. Und Dickens wäre nicht Dickens, ginge die Geschichte ungut aus: wir können uns beim Lesen auf ein Happy End freuen!
David lebt mit seiner Mutter und deren Haushälterin, der großherzigen und wackeren Pegotty, in einem kleinen Paradies, bis seine schöne und vermögende Mutter den Ränken eines übel gesinnten Heiratskandidaten erliegt. Sie heiratet diesen Mr. Murdstone, der gemeinsam mit seiner Schwester das Zepter im Haushalt übernimmt und als erstes David in ein Internat schickt. Auf diesem Internat schließt David Freundschaften fürs Leben. Doch da seine Mutter von ihrem neuen Mann und dessen Anhang sämtlicher Lebensfreude beraubt wird und alsbald dahinsiecht, muss David nach dem frühen Tod seiner Mutter das Internat verlassen und in Mr. Murdstones Fabrik arbeiten. Die grausamen Lebensumstände, deren Schilderungen dem Leser sehr zu Herzen gehen und daran erinnern, wie einsam sich ein allein gelassenes Kind fühlt, verleihen David Flügel und geben ihm den Mut zur Flucht. Er erreicht nach einer beschwerlichen Reise seine Tante Betsy Trotwood, hinter deren spröden Habitus ein wahrlich großes Herz schlägt. Sie gibt David Liebe, ein Zuhause und kümmert sich um seine Aus- und Herzensbildung. Er beginnt eine Anwaltslehre und wird dereinst als Schriftsteller seine Berufung finden.
Zahlreiche Nebenhandlungen und -figuren geben uns einen Einblick in das England des 19. Jahrhunderts. Wir erleben die Verführung von Emily, einer guten Freundin Davids, durch seinen adeligen Freund Steerforth, wir erleben, wie Emily fällt und von der Gesellschaft ausgestoßen wird, bis ihr Adoptivvater sie ungeachtet aller moralischen Dünkel seiner Umwelt errettet und ihr ein neues Leben in Australien schenkt, wir freuen uns an der Hochzeit von Barkis mit Pegotty. Wir lernen den schlimmen Uriah Heep, der es auf Firma, Vermögen und Tochter seines Arbeitgebers abgesehen hat, kennen und freuen uns, dass all seine finsteren Vorhaben scheitern. Wir lachen über den windigen Lebenskünstler Mr. Micawber, dessen ewige pekuniäre Missgeschicke sehr erheitern, der jedoch bei der Enttarnung Uriah Heeps die Hauptrolle spielen wird. Und wir wünschen auch Mr. Micawber von Herzen viel Glück in Australien, wohin es überhaupt eine ganze Schar von Zeitgenossen David Copperfields verschlagen wird. Wir ahnen beim Lesen bereits, dass die Ehe von David mit der zarten, unreifen Dora nicht die glücklichste sein wird … - doch auch David findet nach Jahren seine wirkliche Liebe. Der Leser trennt sich frohen Mutes von David Copperfield, und freut sich am Happy End für die skurrilen, lieben Helden dieses großartigen Romans!
Und wer dieses Buch nun ausleihen möchte: Der Sprecher ist Günter Bormann, der Umfang rund 17 Stunden, die Ausleihnummer: H001057.
Zahlreiche weitere Titel von Charles Dickens erhalten Sie sowohl in der Hörbücherei, als auch in der Punktschtriftbibliothek.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

TV Speak

Ulrich Jander
Ein Programm, welches digitales Fernsehen bedienbar macht
Digitales Fernsehen bzw. digitaler Hörfunk ist heutzutage moderner Standard; er kommt als DVB-S (über Satellit), als DVB-C (per Kabelanschluss) oder als DVB-T (über digitale Antenne) zu uns in die Wohnung. Das Bedienen der dazu erforderlichen Geräte ist für blinde bzw. hochgradig sehbehinderte Menschen in aller Regel ein großes Problem. Manche Tastenbedienung kann man sich merken, wenn sie oft wiederholt wird; die meisten Funktionen sind über Menüs zu bedienen, die am Bildschirm des Fernsehers oder am Display des digitalen Gerätes ablesbar sind; und da endet dann spätestens die Bedienmöglichkeit für unseren Personenkreis.
Seit einigen Jahren ist ein digitaler Receiver, Empfangsgerät, mit Sprachausgabe auf dem Markt, der AMMEC, der vor wenigen Monaten aktualisiert wurde und der mit dem SDR (Sprechender Digitalreceiver) eine Konkurrenz bekommen hat. Beide Geräte sind komplex und funktionsreich, besitzen jeweils eine Fernbedienung und passen sich inzwischen gut in die TV- und Radiolandschaft im Wohnzimmer ein. Beide Geräte haben Ihre Berechtigung, der Nutzer sollte die Tastenvielfalt unterstützt durch die umfassende Sprachausgabe nicht scheuen; jedoch sind beide Geräte im Preisbereich zwischen 1.400 bis 1.900 Euro nicht billig.
Als Alternative bietet die spanische Firma Code Factory ein Windows-Programm mit Namen TV Speak, welches im Grunde die gleiche Funktionalität besitzt, wie die beiden oben genannten Geräte. In der Praxis ist es leider gegenwärtig etwas anders, da das TV-Speak-Programm zur Zeit nur DVB-T empfängt, also über digitales Antennenfernsehen, welches zwar oft als sogenanntes digitales Überallfernsehen bezeichnet wird, jedoch diese Aussage als Anspruch längst nicht realisiert wird. Die Techniker bei Codefactory werden das Programm weiterentwickeln; es soll DVB-S und DVB-C als Empfangsvariante hinzukommen. Auch wird noch eine Funktionserweiterung bezüglich Audiodescription entwickelt, damit die sogenannten Hörfilme als solche empfangen werden können. Aber vor allem ist zwingend erforderlich, dass in Deutschland, wie in Spanien z. B. längst geschehen, die Empfangsvielfalt bei DVB-T, sowohl im Radio- als auch im Fernsehbereich, entschieden gesteigert wird. Im Ergebnis meines Tests hier im Büro mit der kleinen Zimmerantenne empfing ich 14 Fernseh- und 2 Radiosender. Allerdings im Anschaffungspreis ist es billiger als die beiden oben genannten Receiver. TV Speak kostet nach der 30-tägigen Testphase 249 Euro. Hinzu kommen die Ausgaben für die digitale Empfangsmöglichkeit (z. B. DVB-T-USB-Stick mit digitaler Antenne) für ca. 20 Euro. Im Unterschied zu AMMEC und SDR, welches beide reine Unterhaltungsgeräte sind, ist bei TV Speak natürlich ein Computer erforderlich. Stephan Merk, der das Programm anbietet, schreibt zu den Anforderungen auf seiner Internetseite www.tvspeak.de folgendes:
Zitatbeginn:
"Abgesehen vom Computer benötigen Sie lediglich:
Der Empfänger stellt die Verbindung zwischen Ihrem Computer und der TV-Antenne her. Die eine Seite hat einen USB-Anschluss zum Einstecken in den Computer und auf der anderen Seite befindet sich ein Anschluss für die Antenne. In anderen Worten, das Fernsehantennenkabel, welches aus der Wand kommt, ist mit dem TV-Empfänger verbunden, welcher wiederum über einen USB-Anschluss mit dem PC verbunden ist.Beachten Sie, dass Sie zudem einen für den verwendeten Empfänger entsprechenden Treiber installieren müssen. Beispielsweise finden Sie die AverMedia Treiber auf deren Webseite:http://www.avermedia.eu/avertv/sp/Support/Download.aspx?Type=Driver. Die einzige Voraussetzung zur Wahl Ihres Empfängers ist die Kompatibilität mit der BDA Architektur.
Bezüglich des mit TV Speak zu verwendenden Computers: Die minimalen Anforderungen sind:
Zitatende
Die Treiberinstallation ist bei Vista und Windows 7 nicht erforderlich, dort erkennt das Betriebssystem die Hardware. Ich bezog den DVB-T-Stick zusammen mit der Antenne und einer kleinen Fernbedienung sowie der Treiber-CD von Stephan Merk und seiner Firma Merk, www.firmamerk.de. Da ich sowohl hier in der DZB als auch zu Hause Windows XP verwende, war zuerst der Treiber für den Stick von der beiliegenden CD zu installieren. Dazu rief ich direkt die Datei setup.exe im Ordner Drivers auf. Anschließend installierte ich nacheinander die beiden Acapela-Stimmen Julia und Klaus sowie zuletzt das eigentliche Programm TV Speak. Die beiden Stimmen gehören als Lieferumfang zum Programm; alle drei Komponenten sind von der Internetseite www.tvspeak.de als zip-Dateien herunterzuladen, die natürlich vor der Installation ausgepackt werden müssen. Als blinder Anwender geschieht dies durchaus komplikationslos mit Hilfe des verwendeten Screenreaderprogramms. Nach dem ersten Start von TV Speak, welches auf dem Desktop als Eintrag zu finden ist, erlebte ich zum Teil eine Überraschung: Im Büro gab es kein Problem, ich konnte das Programm sofort nutzen. Zu Hause kam wiederholt eine Fehlermeldung, die darauf schließt, dass der wichtige Punkt, das Zusatzprogramm von Microsoft NET Framework 2.0 muss im Rechner vorhanden sein, nicht vergessen werden darf. Das Herunterladen von der Microsoft-Internetseite und Installieren dieses Zusatzprogramms, allerdings in der angebotenen Version 4.0, erbrachte bis jetzt keinen Erfolg. Ich werde mich um die Version 2.0 bemühen müssen, damit der Laptop zu Hause auch mit DVB-T und TV Speak zurechtkommt, obwohl der Rechner Windows XP Servicepack 3 aufweist.
Am Computer in der DZB funktioniert TV Speak problemlos. Die Acapela-Stimmen Julia oder Klaus sind die Sprachführung in TV Speak, man benötigt also keinen Screenreader, die Braillezeile funktioniert nicht. Nach Start des Programms vom Desktop aus gelangt man in eine kleine Funktionsliste des Hauptmenüs, in der man mit Pfeil ab- bzw. aufwärts zwischen fünf Menüpunkten auswählen kann; das sind: Digitalfernsehen, Dateiwiedergabe, Konfiguration, über TV Speak und Beenden. Mit dem Punkt Digitalfernsehen startet man den Empfang. Bevor dies das Erstemal ausgeführt wird, muss der Punkt Konfiguration aktiviert werden, da dort einiges eingestellt werden kann, u.a. ist dort der Sendersuchlauf zu starten, der zu Beginn vollständig durchgeführt werden muss. Das benötigt einige Zeit, Prozentwerte als Fortschrittzahl und das fertige Ergebnis werden angesagt. Wenn ein Menüpunkt eingestellt werden soll, z. B. die Lautstärke oder Geschwindigkeit der Sprachführung, dann geschieht dies mit Pfeil nach links bzw. rechts. Im Hauptmenüpunkt Dateiwiedergabe kann man Videodateien mit Audio oder nur Audiodateien aufrufen und abspielen. Die Dateien werden im Ordner Eigene Dateien gesucht. Der Punkt über TV Speak informiert über die Version, die Seriennummer, den Status des Programms, ob es eine registrierte oder eine Testversion ist. Über den Hauptmenüpunkt Beenden verlässt man das Programm. Mit Hilfe der Leertaste gelangt man in ein weiteres Funktionsmenü, wenn man zuvor einen Punkt aus dem Hauptmenü aktiviert hat. Außer dem Empfang digitaler Radio- und TV-Kanäle vermag TV Speak noch einiges mehr, z. B. das Aufzeichnen der digitalen Sendungen, auch zeitgesteuert, das Bedienen der Videotextseiten der ausgewählten Fernsehkanäle oder das Nachschlagen im elektronischen Programmführer (EPG). Verschiedene Funktionen sind mit Tastenkombinationen versehen. Eine Bedienungsanleitung wird auch zur Verfügung gestellt, die von der Internetseite www.tvspeak.de heruntergeladen oder bei mir als Datei angefordert werden kann.
Die Bedienung des TV Speak geschieht mit relativ wenigen Tasten und ist recht einfach. Wen es weniger stört, Fernsehen und Radio am Rechner zu verfolgen, der könnte sicher Gefallen an diesem Programm finden und dies vor allem, wenn in Deutschland wirklich überall aus einer großen Anzahl an digitalen Fernseh- und Radioprogrammen ausgewählt werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass einerseits diese Entwicklung möglichst schnell so vonstatten geht und andererseits TV Speak fleißig weiterentwickelt wird, so dass wir hoffentlich bald Hörfilme und außerdem nicht nur DVB-T, sondern auch DVB-C oder DVB-S nutzen können.
Für Fragen stehe ich Ihnen gern in der DZB zur Verfügung. Sie können natürlich gern auch die Firma Merk wie folgt erreichen:
Fa. Merk
Inhaber: Stephan Merk
Egerstraße 5, 35112 Fronhausen
Tel.: +49 (0) 6426 863000
E-Mail: info@firmamerk.de

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Info-Service

Leipziger Buchmesse und SightCity

Michael Wallies
Auch in diesem Jahr präsentiert sich die DZB Leipzig auf einigen ausgewählten Fachmessen. Das Frühjahr bietet mit der Leipziger Buchmesse und der SightCity gleich zwei ganz wichtige Termine, die wir sehr gern nutzen, um Ihnen unsere Bibliotheken und unser Verkaufssortiment vorzustellen.
Bei beiden Messen geben wir einen Überblick zu unserem Verlagsprogramm, welches Grußkarten, Kalender, Reliefkarten sowie Publikationen unterschiedlichster Art für Jung und Alt - in Punktschrift, Großdruck, als DAISY-Hörbuch oder auf CD-ROM - bietet. Wir werden dabei viele Produkte präsentieren, die frisch aus unserer Produktion kommen, wie zum Beispiel das neue Reliefkinderbuch "Kleine Biene Nimmersatt", die Australien-Karten unseres Weltatlas-Projektes für Blinde und Sehbehinderte oder die Neuerscheinungen aus der Reihe "Ohne Maus" von Doris Hippeli. Weitere Highlights sind die DZB-Produktionen "Gesunde Füße bei Diabetes mellitus" - in Großdruck, Punktschrift und als DAISY-Hörbuch - von Renate Wolansky, und das DAISY-Hörbuch "Zigaretten danach" herausgegeben von Jennifer Sonntag.
Die Leipziger Buchmesse, der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche, findet vom 17. bis 20. März 2011 auf dem Leipziger Messegelände statt. Die barrierefrei konzipierten Messehallen sind täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die DZB Leipzig finden Sie in Halle 3 am Stand B307.
Die SightCity, die größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel in Deutschland, findet vom 4. bis 6. Mai im Sheraton Airport Hotel am Frankfurter Flughafen statt. Die Messe ist am 4. und 5. Mai von 10 Uhr bis 18 Uhr sowie am 6. Mai von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die DZB Leipzig teilt sich auch dieses Jahr einen Stand mit der Westdeutschen Blindenhörbücherei e.V. und der Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V. (MediBuS). Sie finden uns am Stand E1.

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Augenmedikament Lucentis

Das Augenmedikament Lucentis darf zukünftig auch zur Behandlung des diabetischen Makulaödems verabreicht werden. Nach Angaben des Herstellers Novartis wurde die EU-Zulassung für Lucentis entsprechend erweitert. Lucentis sei als erste zugelassene Therapie in der Lage, die Sehkraft bei diabetischem Makulaödem zu verbessern, so die Schweizer Novartis-Zentrale heute in einer englischsprachigen Pressemitteilung. Hier finden Sie den vollständigen Text:
www.novartis.com/newsroom/media-releases/en/2011/1477848.shtml
[Quelle: DBSV-direkt ]

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Wie gut machen Screenreader das Internet zugänglich?

Webseiten sind heute dynamisch und interaktiv, sie werden mit Videos und Animationen angereichert. Was bedeutet das für blinde Nutzer, die mit Screenreader im Internet unterwegs sind?INCOBS hat in Kooperation mit dem Projekt BIK getestet, wie gut die einzelnen Screenreader das Surfen im Netz ermöglichen. Neben den kommerziellen Produkten COBRA, HAL (jetzt Supernova Screenreader), JAWS und Window-Eyes wurden auch die Freeware NVDA sowie der in das Apple-System integrierte Screenreader VoiceOver unter die Lupe genommen.
In erster Linie haben wir geprüft, wie gut die Hilfsmittel mit barrierefreien Seiten umgehen können. Da im Weballtag aber auch häufig Barrieren auftreten, wurde ebenfalls untersucht, ob und wie Screenreader diese kompensieren.
Das Ergebnis: Im Internet surfen und die wesentlichen Inhalte einer Webseite erfassen, das funktioniert mit allen Screenreadern.Geht es aber um die Erkennung und Ausgabe komplexerer Informationen oder neuer Webtechnologien, z.B. größere Datentabellen, WAI- ARIA-Elemente, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Produkten. Testsieger ist der Marktführer JAWS. Im Verhältnis schneiden die kostenlosen Hilfsmittel NVDA und VoiceOver (Apple) jedoch nicht schlecht ab und stellen eine echte Alternative dar, wenn es um das Surfen im Web geht.
[Quelle: INCOBS-Infobrief ; http://www.incobs.de/produktinfos/screenreader/webtest_2010/index.php]

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Braille Seasons - Bücher für junge Leute

Lesen ist cool und macht Spaß! Mit Lesen kann man was erleben, und deshalb stellt euch der DBSV-Jugendclub zusammen mit MediBraille künftig viermal im Jahr ein Jugendbuch vor. Braille Seasons hat für jede Jahreszeit das passende Buch für euch und ihr könnt sogar was gewinnen, nämlich das jeweils nächste Braille Seasons-Buch.
Das Frühjahrsbuch 2011 heißt "Die drei !!! - Jagd im Untergrund" von Mira Sol.
Die drei !!! können ihr Glück kaum fassen: Sie nehmen an einem Theater-Festival in Berlin teil. Das bedeutet eine Woche Theater, Shoppen, Nachtleben - Hauptstadt-Feeling pur! Doch kaum sind sie in Berlin angekommen, haben sie auch schon ihren nächsten Fall. Scheinbar sollen die Bewohner eines alternativen Szene-Viertels von einem skrupellosen Immobilien-Hai aus ihren Häusern vertrieben werden, damit der dort Luxus-Wohnungen bauen kann. Doch bei genauerem Hinsehen, kommen Kim, Franziska und Marie einem ganz anderen Verbrechen auf die Spur und tauchen ein in die geheime Berliner Unterwelt …
"Die Drei Ausrufezeichen" gibt es im BIT-Zentrum München des BBSB e.V., Tel.: 089-55988-136, E-Mail: bit-bestellservice@bbsb.org
Zum Kauf: Best.-Nr.: P 14828, Kurzschrift: 197 Seiten (Vollschrift 265 S.), 1 Ordner, 29,00 €
Das Braille Seasons-Quiz zum Frühjahrsbuch
Frage: 1. In welcher Stadt ermitteln unsere drei Heldinnen dieses Mal?
Antwort: a) Hamburg
Antwort: b) Frankfurt
Antwort: c) Berlin
Frage: 2. Welches Verbrechen klären unsere Detektivinnen in dieser Geschichte auf?
Antwort: a) Erpressung
Antwort: b) Entführung
Antwort: c) Bankraub
Frage: 3. In welchem Theaterstück spielt Marie mit?
Antwort: a) Geschlossene Gesellschaft
Antwort: b) Brandner Kasper
Antwort: c) Romeo und Julia
Eure Antworten sendet per Mail, Post (Punkt- oder Schwarzschrift) oder Telefon an: DBSV, Rungestr. 19, 10179 Berlin, Martina Hell, Tel.: 030-285387-289 und gewinnt das nächste braille-seasons Buch.
Alle Braille Seasons-Bücher findet Ihr unter www.dbsv.org/jugend

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Info Fahrgastrechte

Das Europäische Parlament hat den von einem Vermittlungsausschuss vorgeschlagenen Kompromisstext zu einer EU-Gesetzgebung über Fahrgastrechte angenommen.Die neue Verordnung regelt das Recht auf Entschädigungen bei Verspätungen der Abfahrt sowie bei Verlust oder Beschädigung von Gepäck und Hilfeleistungen bei Unfällen. Grundsätzlich gelten die neuen Regelungen bei allen nationalen und grenzüberschreitenden Linienbusverbindungen für Fernstrecken ab 250 Kilometer, aber auch wenn nur ein Teil des Langstreckenverkehrsdienstes in Anspruch genommen wird. Gestärkt werden auch die Rechte behinderter Menschen. So darf niemandem die Beförderung aufgrund einer Behinderung versagt werden. Es besteht das Recht auf barrierefreie Informationen vor und während der Reise. Das Beförderungsunternehmen muss zudem sein Personal schulen, um dieses gründlich mit den speziellen Bedürfnissen behinderter Fahrgäste vertraut zu machen. Diese "Basisrechte" gelten unabhängig von der Streckenlänge für alle Busverbindungen, also auch für den Regional- und Nahverkehr.Bei Fahrten auf Fernstrecken müssen behinderte Menschen ohne Probleme mit dem Fernbus fahren können. Zusätzlich zu den Basisrechten gilt hier, dass das Busunternehmen verpflichtet ist, angemessene Assistenz zu leisten, sofern der konkrete Bedarf spätestens 36 Stunden vor der Abfahrt mitgeteilt wurde. Ist der Beförderer hierzu nicht in der Lage, hat der behinderte Busreisende das Recht auf kostenlose Begleitung freier Wahl. Bei Verlust oder Beschädigung von Mobilitätshilfen besteht zudem Anspruch auf Entschädigung.Die neue Verordnung tritt voraussichtlich im Frühjahr 2013 in Kraft.
[Quelle: "DBSV-direkt"]

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Benefizkonzert

Tandem-Hilfen e.V. lädt am 20. März ab 11.00 Uhr zu einem Benefizkonzert zu Gunsten des 8. Internationalen Tandem-Camps für blinde und sehbehinderte Jugendliche. Das Camp wird vom 22. bis 31. Juli 2011 in Beckerwitz bei Wismar stattfinden. Vierzig Teilnehmer aus sieben Ländern werden dann die Region per Tandem erkunden und in einen regen Gedankenaustausch treten.
Die Künstler beim Benefizkonzert am 20. März singen und spielen ohne Honorar. Spenden der Besucher helfen, den Aufenthalt der blinden und sehbehinderten Jugendlichen aus Osteuropa zu finanzieren. Und die Musik sorgt für gute Laune und anspruchsvolle Unterhaltung.
[Quelle: Newsletter Die Kette]

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Ausschreibung zum Segelkurs BFS e.V. 2011

Berlin, 28.06. - 06.07.2011
Sehbehinderte Kinder und Jugendliche können im Rahmen des seit über 30 Jahren erfolgreichen Segelprojektes des Landesverbandes BFS Berlin-Brandenburg auch im Jahr 2011 auf dem Tegeler See in Berlin segeln lernen oder ihr Können verbessern. Eine Woche lang können 20 Teilnehmende unter entsprechender Anleitung im Schülerbootshaus, direkt am See, segeln, wohnen und Spaß haben. Vom Optimisten, über Jollen wie Flying Bee, Partner und Flying Cruiser bis zum Topper, insgesamt stehen 15 Segelboote und 5 Motorboote zur Verfügung.
Neben dem Segeln stehen auch Ausflüge auf dem Programm, die in die Stadt, den Zoo, den Filmpark Babelsberg oder zu anderen Berliner Sehenswürdigkeiten führen. Die Gruppe wird aus Seeleuten mit unterschiedlichstem Sehvermögen bestehen.
Voraussichtlich wird der Kurs nur sensationell günstige 160,-€ kosten. Vorausgesetzt, er wird wie bisher durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nach dem Bundesjugendplan gefördert. Da die Teilnehmenden aus allen Teilen der Bundesrepublik kommen, muss für An- und Abreise jeder selbst sorgen. Fahrgemeinschaften werden aber sicher wieder gebildet werden können. Wer Probleme mit dem Termin hat, weil noch keine Ferien sind, kann eine entsprechende Stellungnahme für die Schule oder Ausbildungsstelle bekommen. Anreise ist am Dienstag, Abreise ist am nächsten Mittwoch, hier die Daten:
Dienstag, 28. Juni bis Mittwoch, 6.Juli 2011
Teilnahmevoraussetzungen:
Anmeldeschluss: 30.04.2011
Infos und Anmeldung bei Robert Heuser
Tel.: 0241 83321, Fax: 0241 8942188
E-Mail: rob.heuser@t-online.de

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Computer-Kanu-Camp 2011

Sommerfreizeit für blinde und sehbehinderte Jugendliche in Marburg
Marburg/Lahn: Vom 29. Juli bis 04. August 2011 veranstaltet die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) in Marburg/Lahn wieder eine interessante Freizeit für blinde und sehbehinderte Jugendliche im Alter von 12 - 14 Jahren. Beim diesjährigen Angebot können die Jugendlichen ihre Computerleidenschaft ausleben und sich gleichzeitig sportlich aktiv beim Kanufahren ausprobieren. Jeweils halbtags gilt es, die Tücken und Feinheiten des Internets und in der anderen Hälfte des Tages beim spielerischen Umgang am Wasser das Kanu als Sportgerät kennen zu lernen und Spaß zu haben.
Die blista bietet mit komfortabel ausgestatteten Computerräumen mit allen notwendigen Hilfsmitteln, eigenen Kanus, den familiären Wohngruppen und dem pädagogischen Fachpersonal für die Betreuung den optimalen Rahmen für diese Sommerfreizeit. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in einem Haus des Internates der blista im Zentrum von Marburg wohnen, zusammen Mittag essen und verbringen auch die Abende gemeinsam.
Herzlich eingeladen sind vor allem Jugendliche, die nicht an der blista zur Schule gehen. Die Kosten belaufen sich auf 285,- € pro Person inkl. Unterkunft und Verpflegung. Dieser sehr günstige Preis ist nur möglich, da die Freizeit von Stiftungen großzügig unterstützt wird.
Insgesamt stehen für diese Freizeit nur 12 Plätze zur Verfügung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen Schwimmen können und mit der Bedienung eines Computers und ihres individuell benötigten Hilfsmittels vertraut sein.
Anmeldeschluss für das Sommercamp der blista ist der 30. April 2011!
Weitere Infos und Anmeldung:
Deutsche Blindenstudienanstalt e. V. (blista)
Am Schlag 8, 35037 Marburg
Ansprechpartnerin: Brigitte Luzius
Telefon: 06421 606-0, Fax: 06421 606-229
E-Mail: sommercamp@blista.de
Internet: www.blista.de

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich im Jahresabonnement wahlweise als CD-DAISY, in Blindenkurzschrift und in Schwarzschrift.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Staatsbetrieb des Freistaates Sachsen
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
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Abonnements, Anzeigen
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Spenden
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
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BLZ 860 555 92
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DZB 2011

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