DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 3 – 2011

Mai / Juni

21. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Postecke

Einblicke

Die DZB im Jahr 2010

Förderverein Freunde der DZB e.V. - neue Möglichkeiten zur Unterstützung

Brailleschrift - Relikt oder Chance?

Welche Bedeutung hat die Braille-Schrift für mich als taubblinde Person?

Lesewettbewerb

Blindenschrift

Braille-Tag in Deutschland

Autorenporträt

Der amerikanisch-deutsche Autor Eric T. Hansen im Interview

Die Kramkiste

Truman Capote: "Die Grasharfe"

Johanna Bugge Olsen "Das Mädchen Tine"

LOUIS

Neues und Aktuelles zu DAISY-Geräten

Info-Service

Welttag des Buches - "Ich schenk Dir eine Geschichte" in Braille

Die Zukunft barrierefrei - Lehrveranstaltungen an der HTWK und Uni Leipzig

9. Deutscher Hörfilmpreis verliehen

Hörspielpreis der Kriegsblinden

Design-Tag für blinde und sehbehinderte Besucher

Vierte Deutsche Blindenfußballbundesliga angepfiffen

Impressum

Vorbemerkung

Im Vordergrund unserer Mai-Juni-Ausgabe steht traditionsgemäß der Jahresrückblick 2010. Dr. Thomas Kahlisch informiert über die geleistete Arbeit, zeigt Höhepunkte auf und verschweigt auch die Schwachstellen nicht. Denn es wird immer deutlicher: mit den Aufgaben und Leistungen steigen ebenfalls die Kosten - leider unproportional zu den Einnahmen, das ist der Tribut an die Gemeinnützigkeit und den Gegenstand unserer Arbeit. Immer stärker sind wir auf die Hilfe durch Spenden angewiesen, weshalb der Förderverein Freunde der DZB e.V. neue Wege zur Unterstützung beschreitet. Welche das sind, beschreibt Michael Wallies.
Natürlich drückt Braille21 auch dieser Ausgabe der DZBN wieder seinen Stempel auf. Neben einer gefüllten "Postecke" finden Sie Interessantes in unserer Rubrik "Brailleschrift - Relikt oder Chance?". Die Beiträge stammen von der taubblinden Mina Pompe und zwei Schülerinnen der Louis-Braille-Schule in Düren. Weiterhin geben Jenny Handschack und Rainer Delgado eine Vorschau auf den im Rahmen des Kongresses stattfindenden Braille-Tag in Deutschland.
Beim 13. Boltenhagener Bücherfrühling hatte Susanne Siems Gelegenheit, den deutsch-amerikanischen Autor Eric T. Hansen zu treffen und gemeinsam mit Dr. Jürgen Trinkus zu interviewen. Den Wortlaut des Interviews finden Sie unter "Autorenporträt". Weitere literarische Tipps hält natürlich auch die "Kramkiste" für Sie bereit, bevor Ulrich Jander in seiner Rubrik LOUIS über Neuheiten auf dem Markt für DAISY-Geräte berichtet.
Insgesamt erwartet Sie also eine ziemlich gehaltvolle Ausgabe der "DZB-Nachrichten", von deren Lektüre ich Sie nun keinesfalls weiter ablenke!
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse

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Postecke

Die Veröffentlichungen müssen nicht mit der Redaktionsmeinung identisch sein. Aus redaktionellen Gründen behalten wir uns Kürzungen vor. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, vermerken Sie dies bitte.

Reaktion auf DZBN 2/2011

»(…) Auf die verschiedenen Bücherformen für Punktschriftbücher will ich nicht groß eingehen. Die großen Leitz-Ordner, die es in Marburg gerne gibt, sind schon unpraktisch und sicher nicht schön. Aber bei einigen Antworten in der aktuellen Ausgabe frage ich mich, ob da einiges nicht einfach nur geglaubt wird?
Wie oft kommt es wirklich vor, dass Sie die Bücher wirklich noch scannen müssen?
Ist ein Hörbuch wirklich schneller produziert als ein Punktschriftbuch?
Dass Bücher in Blindenschrift und auch als Hörbuch gleichzeitig mit dem Original erscheinen können, oder fast zeitgleich, wurde uns doch mit dem letzten oder vorletzten Harry Potter-Buch gezeigt.
Sicher gibt es viele Bücher in Blindenschrift, aber es ist nicht zu bestreiten, dass wir nicht genau das Buch lesen können, was wir - warum auch immer - jetzt gerade lesen wollen oder müssen. Dass nicht jeder Hunderte Punktschriftbücher zuhause lagern kann, braucht man wohl kaum zu erwähnen, unsere Bücher sind nun mal sperrig, egal welche Formate man nimmt. Die gehefteten Bücher, wie es sie z. B. in Paderborn gibt, sind obendrein auch nicht gut zum Lagern geeignet. Wir bräuchten eigentlich auch so etwas wie digitale Buch-Lesegeräte, so wie sie für Sehende ja zu kaufen sind.
Sie müssten so groß sein, dass man eine Punktschriftseite komplett abbilden kann. Dass dies mit den derzeit auf dem Markt befindlichen Braille-Modulen zu teuer ist, und obendrein zu unflexibel, ist klar. Da muss es endlich nachhaltige Entwicklungen geben, die aber nicht schon im Entwicklungsstadium stecken bleiben dürfen.Flächige Braille-Displays wurden ja schon entwickelt, sind aber nicht in nennenswerten Stückzahlen auf den Markt gekommen. Das Braille-Display müsste auch so konzipiert sein, dass die Punkte so eng wie möglich gesetzt werden, damit man auch verschiedene Punktabstände realisieren kann. Und dann müsste es am Rand ein Feld oder eine Art Leiste haben, mit der man vor- und zurückblättern kann. Ach ja und einen Speicher müsste es natürlich auch haben, etwa für SD-Karten oder Anschluss von USB-Platten … Wenn es so etwas gäbe, könnte man die Punktschriftbücher wirklich digital anbieten und verkaufen. Und dann könnte man sicher die Produktionszahlen erhöhen und die Preise anders kalkulieren.
Vielleicht sagen Sie etwas als Produzent zu meinen Gedanken. Vor allem über die letzten Absätze und ein paar Worte, wie heute Punktschriftbücher produziert werden. Ab dem Zeitpunkt, wo Sie ein Werk zur Übertragung ausgewählt haben und es genehmigt wurde.
Den Artikel von Herrn Zysset finde ich sehr interessant, und er zeigt obendrein, das es noch mehr Menschen gibt, die sich Gedanken über eine Reform der deutschen Blindenkurzschrift machen. (...)
Aber es wäre wirklich wünschenswert, wenn endlich nicht mehr der Großdruck gegen die Blinden-Vollschrift und diese nicht mehr gegen die Kurzschrift "kämpfen" muss, sondern alle drei Varianten gleichberechtigt nebeneinander existieren können und natürlich auch keine Konkurrenz mit der gesprochenen Variante fürchten müssen.
Ein weiterer Aspekt spricht ebenfalls für eine Reform der deutschen Blindenkurzschrift, auch wenn es die dritte oder sogar vierte ist, die Rückübersetzung von gekürzten in normalen Text.Das ist, wie die Praxis zeigt, nicht ohne Schwierigkeiten und hohem programmtechnischen Aufwand möglich. (…)«
[Herr Andre Rabe aus Hamburg]
Bemerkung der Redaktion
Zu den aufgeworfenen Fragen äußert sich zunächst der Abteilungsleiter unserer Blindenschriftherstellung, Herr Erndt:
"Für etwa 50% der Bücher stehen uns Daten zur Verfügung. Doch auch wenn Daten von den Verlagen geliefert werden, ergibt sich oft die Notwendigkeit, diese noch für unsere Bedürfnisse aufzuarbeiten.
Das zeitgleiche Erscheinen von Schwarzdruck- und Punktdruckausgabe ist bisher auf wenige Einzelfälle beschränkt und keinesfalls beispielhaft. Es funktioniert nur, wenn die Verlage die Daten den Übertragungseinrichtungen vorab zur Verfügung stellen.
Ein Vorteil des Ausdruckes auf Papier ist, dass man sich gegenüber der Braille-Zeile leicht einen Überblick über eine Seite verschaffen kann. Auch bei digitaler Produktion würde die Auflagenhöhe nur eine Größe erreichen, die eine kostendeckende Produktion nicht ermöglicht."
Soweit Herr Erndt. Die Antwort auf die Frage, wie sich der Produktionsablauf bei einem Punktschriftbuch ab dem Zeitpunkt der Übertragungsgenehmigung gestaltet, muss etwas raumgreifender ausfallen und wird daher erst in der nächsten Ausgabe erfolgen.

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Zum "Herrn der Ringbücher"

»(…) Die heftige, verbale Prügel, die Herr Schweinhardt anlässlich seines Beitrages in Heft 1/11 der DZB-Nachrichten zum Thema ‚Brailleschrift - Relikt oder Chance' hat einstecken müssen, hat mich sehr getroffen und traurig gemacht.
Dr. Werner Uhlig, Simone Schlack und Angela Steuer haben meiner Ansicht nach etwas ganz Wesentliches mit dem Autor, mir und hoffentlich vielen weiteren Nutzerinnen und Nutzern der Punktschrift gemeinsam: Wir alle sind uns doch einig, wie wertvoll und unverzichtbar die Brailleschrift war, ist und bleibt! Keinesfalls soll es in dieser Diskussion darum gehen, unsere Punktschriftbibliotheken in unnötiger Form anzugreifen und deren Arbeit zu diskreditieren. Herr Heinz Zysset hat in seinem Beitrag in Heft 2/11 allerdings eindrucksvoll und anhand konkreter Zahlen dargelegt, wie sehr wir alle uns einsetzen und die Werbetrommel rühren müssen, damit die Brailleschrift eben gerade nicht an Attraktivität verliert.
Torsten Schweinhardt hat sich meiner Ansicht nach mit seinem Beitrag dieser Herausforderung gestellt und den Versuch unternommen, völlig neue Ideen und Denkanstöße zu geben - deren es m.E. dringend bedarf.
Ich muss gestehen, dass auch ich mit dem Vorschlag, Bücher zugunsten der Aktualität teils unkorrigiert und in Form einer ‚Light-Version' anzubieten, ebenfalls nicht ganz glücklich bin. Ferner stimme ich Frau Simone Schlack dahingehend zu, dass die Buchformate in den letzten Jahren bereits an Attraktivität gewonnen hätten und handhabbarer geworden seien (vgl. Ziff. 2 ihres Beitrags).
Dennoch bleibt es dabei: Die mir bekannten Punktschriftangebote der deutschsprachigen Büchereien sind größtenteils zu alt, zu sperrig und zu wenig an den Bedürfnissen der Abonnentinnen und Abonnenten ausgerichtet.
Die DZB hat mit ihrem Kongress ‚Braille 21' und der in diesem Zusammenhang begonnenen Debatte dankenswerterweise einen sehr wertvollen Impuls für eine längst überfällige Neuausrichtung unseres ‚Braillemarketings' gegeben, den wir unbedingt aufgreifen und als Chance für UNSERE Brailleschrift verstehen sollten!
Da leider auch ich selbst bisher keine revolutionären Ideen zur Bewältigung dieser Aufgabe beisteuern kann, freue ich mich auf eine weiterhin engagierte Diskussion in diesem Kreis und anderen Foren und hoffe, dass es uns gemeinsam gelingt, blinden Menschen auch künftig den enormen Nutzen der Punktschrift vermitteln zu können! (…)«
[Frau Lydia Sasnovskis per E-Mail]

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Brailleschrift in der Zukunft

»(…) Ich bin blind und habe einen Vollzeitjob. Mit Literatur befasse ich mich sehr gerne, vor allem lese ich gerne Zeitschriften. Die meiste Zeit hierzu habe ich auf der Fahrt ins Büro und zurück nach Hause. In einem meistens überfüllten Stadtbus oder einer Straßenbahn ist natürlich nicht unbedingt viel Platz vorhanden, so dass ich auf jeden Fall das A4-Format bei Zeitschriften bevorzugen würde. Auch habe ich bei diesem Format wesentlich mehr Freude am Lesen. Die großen Zeitungen sind mir so oder so zu sperrig. Mir ist klar, dass eine Verkleinerung des Formates eine Verringerung des Inhalts bedeuten würde. Jedoch empfinde ich, wie gesagt, das Lesen bei diesem Format als wesentlich bequemer.
Was Bücher angeht, so bin ich von Anfang an ein Hörbuchfan! Das liegt daran, dass mir die gedruckten Bücher durch ihre Größe und den Umfang von der Handhabung her zu unbequem sind, was man ja nun leider auf Grund der Blindenschrift als solcher nicht ändern kann.
Ein weiterer Punkt sollte im Zusammenhang mit Büchern noch unbedingt Erwähnung finden: Leihbücher gehen durch viele Hände. Dieser Punkt ist für mich sehr unangenehm, da ich auf Grund einer bestehenden Krankheit darauf achten möchte, dass ich mit so wenig Bakterien wie möglich in Berührung komme. Unter anderem aus diesem Grund befürworte ich das elektronische Buch, da ich meine Braillezeile für mich allein habe.
Außerdem ist es wesentlich einfacher, elektronische Bücher oder Zeitschriften zu entsorgen, denn es ist doch ein Unterschied, ob man nur einen Knopf drückt, wenn man die Datei nicht mehr braucht, oder ob man erst einmal sonstwo hinlaufen muss, um das Buch oder die Zeitschrift zu entsorgen.
Bei all dem Gesagten möchte ich die Wichtigkeit der Brailleschrift nicht infrage stellen: Wenn ich z. B. einen Vortrag erarbeite oder mit fremdsprachlichen Texten arbeite, bevorzuge ich die Brailleschrift auf jeden Fall. Gerade bei Fremdsprachen finde ich es wichtig die Texte unter den Fingern zu haben.
In diesem Zusammenhang möchte ich solche Geräte wie z. B. das Pronto erwähnen, denn hier kann ich zwischen Braillezeile und Sprachausgabe wählen, so dass ich den eventuell überanstrengten Fingern eine Pause gönnen kann. Abschließend möchte ich folgendes feststellen: Die Brailleschrift soll und muss weiterleben! Allerdings hat sie, meiner Meinung nach, eine größere Überlebenschance, wenn die Produktionen mehr auf den elektronischen Sektor verlagert werden. Ist diese Lösung nicht auch kostengünstiger? (…)«
[Frau Caren Könneke per E-Mail]

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Einblicke

Die DZB im Jahr 2010

Dr. thomas Kahlisch
Am 1. Januar 2010 war es soweit: in den MEDIBUS-Bibliotheken endete der Verleih von Hörbuchproduktionen auf Tonkassetten. Zehn Jahre nach der ersten digital produzierten DAISY-CD - einer etwa 20-minütigen Aufsprache der Informationsbroschüre über unsere Angebote - standen zum Ende der Kassettenausleihe in der DZB Leipzig 12.000 Werke im DAISY-Format zur Verfügung. Die MEDIBUS-Bibliotheken erfüllten ihr Versprechen, zum Ende der Kassettenausleihe 30.000 DAISY-Titel deutschlandweit in der Ausleihe anzubieten.
Für die DZB Leipzig bedeutete der vollständige Umstieg einerseits, sich um die ökologisch angemessene Entsorgung der reichlich in die Jahre gekommenen Kassetten und Ausleihboxen zu kümmern und andererseits, der wachsenden Nachfrage nach DAISY-Titeln gerecht zu werden. Letzteres gelang in großem Umfang, da durch Änderungen im Fernleihsystem der MEDIBUS-Bibliotheken jetzt Werke, die in anderen Standorten produziert wurden, zeitnah in den Bestand der Leipziger Hörbücherei integriert werden können. Das Streben von MEDIBUS nach mehr Titeln kann in der DZB Leipzig durch Inbetriebnahme von zwei zusätzlichen Aufnahmestudios gewährleistet werden. Dabei sind wir jedoch verstärkt auf unsere Spender angewiesen: Die gesteigerte Produktion und die große Zunahme an Ausleihtiteln im Bestand der Hörbuchausleihe führt zu höheren Kosten. Sprecherhonorare, CD-Rohlinge, Ausleihboxen, aber auch Papier für die Punktschriftproduktion bilden die Voraussetzung dafür, dass wir neue Titel in unser Angebot aufnehmen können. Ohne Unterstützung durch unsere fleißigen Spender wäre diese Steigerung nicht möglich gewesen. Im Jahr 2011 wird diese Unterstützung in einem noch größeren Maße gebraucht, um den Zuwachs aufrecht zu erhalten.
Das Jahr 2010 ging auch mit einer strukturellen Änderung in unserem Haus einher: Seit 1. April gibt es die Abteilung "BBV - Bibliothek-Beratung-Verkauf", die aus den Bibliotheken (DAISY, Punktschrift, Noten), dem Verkaufs- und Abonnentenbereich, dem Versand sowie der Nutzerberatung LOUIS und der Wissenschaftlichen Bibliothek besteht. "Ziel der Zusammenlegung einzelner Bereiche sind die Stärkung der Service- und Dienstleistungsgedanken, der Nutzer- und Kundennähe und die entsprechende allgemeingültige Interpretation unserer Angebote", so die neue Abteilungsleiterin Christiane Felsmann.
Ende 2010 standen den Nutzern der DZB-Hörbücherei fast 15.500 DAISY-Bücher zur Verfügung. 176.000 Ausleihen zeigen, wie groß das Interesse an den sprechenden Scheiben ist.
"Die Punktschriftbibliothek konnte mit dem Jahr 2010 seit langem ein ‚normales' Jahr verzeichnen. DaCapo und die Braille-Notenproduktion ist mit Beendigung des Projektstatus Teil der DZB Leipzig geworden. Die Einarbeitung des umfangreichen Stuttgarter Bestandes ist abgeschlossen", fasst Christiane Felsmann zusammen.
Die Ausleihzahlen von Punktschrifttiteln sind weiterhin rückläufig. Dagegen stehen 185 Neuanmeldungen von Nutzern, die gezielt jetzt auch online nach Titeln suchen und diese ausleihen. Mit 267 Notentiteln wurden erstmalig mehr Musikalien als belletristische Werke, Sachtitel sowie Kinder- und Jugendbücher in den Bestand aufgenommen. 2010 konnte neben der Online-Recherche der Hörbücherei der Onlinekatalog für die Punktschriftbibliothek umgesetzt werden. Dieser erfreut sich einer wachsenden Nachfrage. Gleiches ist über das Online-Angebot der Wissenschaftlichen Bibliothek des Blindenwesens zu vermelden.
Der Leipziger Online Unterstützungs- und Informationsservice LOUIS hat sich in den letzten Jahren und mit der Einführung von DAISY einem Wandel unterzogen. Der verantwortliche Mitarbeiter Ulrich Jander wird mehr und mehr vom DAISY-Einstiegsberater zum Technischen Berater. 2010 standen Themen zu DAISY-Ausstattung bzw. Geräte-Updates, zu Telefonen oder Computern im Vordergrund. Herr Jander informiert darüber hinaus über unser Angebot der telefonisch abrufbaren Informationen zum Radio- und TV-Programm. Nach einem Wechsel des Datenlieferanten konnte dieses Angebot entschieden verbessert werden. Bereits 2010 stiegen die Abonnentenzahlen für das ehemalige "Hörzufon", das nun mit seinem neuen Namen "Radio-TV - Programminformationen am Telefon" sein Dienstleistungsspektrum genauer wiedergibt.
Die Zahl unserer Zeitschriftenabonnements war im vergangenen Jahr rückläufig, unter anderem, da nicht alle Nutzer auf das komfortable DAISY-Format umgestiegen sind. Mit "GEOlino" in Blindenvoll- und Kurzschrift und "Neon" im DAISY-Format konnten wir, aufgrund des Ausbaus der Kooperation mit dem Verlag Gruner & Jahr, zwei neue attraktive Titel in unser Angebot aufnehmen. Damit bieten wir nun auch der jungen und jung gebliebenen Leserschaft interessante Informationsangebote. Unser DAISY-Angebot "Rezeptheft zum ARD-Buffett" wurde zum Ende des Jahres aufgrund stagnierender Nachfrage eingestellt. Im Gegensatz dazu entschieden sich 2010 mehr Literaturinteressierte die Zeitschrift "Literaturtreff" zu abonnieren.
Für den Verkauf wurden im vergangenen Jahr insgesamt 277 neue Titel produziert. "Gegenüber 2009 ist die Neuproduktion von Titeln leicht gesunken. Bei annähernd gleicher Titelzahl an belletristischer Literatur stieg die Zahl der fertig gestellten Kinderbücher, die Sachliteratur sank dagegen. Die Produktion des deutschsprachigen Welt-Atlas konnte mit den Karten Pazifischer Ozean, Indischer und Atlantischer Ozean sowie Antarktis fortgesetzt werden. Die Zahl der käuflichen DAISY-Bücher liegt jetzt bei 50 Titeln. Mit fast 60 Neuzugängen ist das Musikalien-Angebot im Verkauf wieder deutlich gewachsen und umfasst jetzt etwa 610 Titel", fasst Werner Nitschke, Abteilungsleiter Verlag, die Entwicklung zusammen.
Die Anzahl der Einzelaufträge blieb gegenüber dem Vorjahr konstant, jedoch sank das Volumen um rund zehn Prozent. Besondere Highlights waren 2010:
Im Bereich der Auftragszeitschriften zeigen sich deutliche Rückgänge in der Auflagenhöhe.
Die Buchauswahlkommission plant und koordiniert die Titelproduktion in der DZB. Von ihr wurden im Jahr 2010 insgesamt 362 Titel für die Produktion geplant, davon 167 Punktschrift-Titel, teilweise in Kurz- und Vollschrift. Im Vergleich zu 2009 ist die Gesamtzahl der Titel annähernd gleich geblieben. Die Anzahl der Punktschrifttitel sank leicht und die der Hörbücher stieg dementsprechend.
In der Abteilung Blindenschriftherstellung wurden im Jahr 2010 fast 75.000 Seiten in Blindenschrift übertragen. Insgesamt konnten 227 neue Titel gefertigt werden. Vom Notenübertragungsdienst DaCapo wurden fast 60 Titel bzw. mehr als 4.000 Seiten produziert. Ergänzt wurde das Angebot durch die wachsende Nachfrage an online in Auftrag gegebenen Notenwerken. "Makebraille" heißt dieser DaCapo-Service, von dem über 2.000 Seiten übertragen wurden.
"In der Druckerei wurden im Jahr 2010 für Zeitschriften und Bücher 35 Tonnen Blindenschriftpapier am Automaten, Tiegel und Schnelldrucker verarbeitet, um fast 4.500.000 Seiten in Punktschrift herzustellen", fasst die Abteilungsleiterin der Buchbinderei und Druckerei, Gabriele Richter, zusammen. Durch den Wegfall von Fremdaufträgen bei den Zeitschriften und den sinkenden Abonnentenzahlen wurden 2 Tonnen Papier bzw. 335.000 Seiten weniger gedruckt, als im Jahr 2009. In der Buchbinderei wurden mehr als 4.300 Punktschriftbände fertig gestellt. Für die Bibliothek wurden 1.700 Punktschriftbände repariert und neu gebunden. In der Schwarzdruckerei wurden fast 360.000 Seiten gedruckt. Dazu kamen zahlreiche Sortimentaufgaben, die mit der Herstellung des bunten Punktschrift-, Relief- und Schwarzschriftangebotes der DZB verbunden sind.
"Im Jahr 2010 wurden insgesamt 117 Matrizen und 64 Zeichnungen für Reliefs entwickelt und hergestellt. Mehr als 27.000 Folien-Relief-Kopien wurden am Tiefziehgerät gefertigt", berichtet Bernd Mähnert, Abteilungsleiter Technik der DZB Leipzig.
Im Studio der DZB Leipzig wurden 226 neue und 588 analoge Werke als DAISY-Titel fertig gestellt. 64 Hörbücher und auch die Zeitschrift "Neon" sind von den Sprechern in den beiden neuen Studios aufgelesen worden.
Die Abteilung Informatik beschäftigte sich 2010 u. a. mit den Themen wie Erhöhung der Datensicherheit und dem Ausbau der Netzwerkdienste, die in allen Bereichen des Hauses benötigt werden. Die Inbetriebnahme des neuen leistungsfähigen Datenspeichersystemes SAN (Storage Area Netwerk), der zusammen mit der Abteilung Verwaltung erfolgte Ausbau des Intranetangebotes zur Information aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die zahlreichen Entwicklungen, die eine reibungslose und sichere Audio-Produktion und DAISY-Buch-Distribution ermöglichen, sind hier beispielhaft genannt. Was den Bereich Internet angeht, so wurde die Seite www.buch-patenschaft.de überarbeitet, die vollständige Tagungsdokumentation der Konferenzwoche DAISY2009 auf www.daisy2009.de fertig gestellt und der Internetauftritt für den Weltkongress BRAILLE21 (www.braille21.net) online verfügbar gemacht.
Im Bereich Drittmittelprojekte wurden Partner und Sponsoren für den Weltkongress BRAILLE21 akquiriert. Auch das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt "Leibniz" konnte bedeutende Partnerschaften, wie z.B. mit Libreka, eingehen. Für "Leibniz" bedeutete 2010 neben der Partnersuche auch den Abschluss der Konzipierungsphase und die detaillierte Strukturierung der Teilaufgaben für die weitere Projektumsetzung. Zusätzlich gelang es für das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit in Berlin (BKB), ein Projekt zur verbesserten Bereitstellung von Schulbuchliteratur umzusetzen. Die Ergebnisse dieses im Dezember abgeschlossenen Vorhabens sind auf www.die-zukunft-barrierefrei.de abrufbar.
Der Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der DZB Leipzig ist zuständig für die Außendarstellung der Einrichtung. "Dazu gehören sowohl eine aktive Pressearbeit, das Veranstaltungsmanagement, Erstellen von Internet- und Intranetauftritten mit kontinuierlichen Newslettern sowie Werbemitteln, wie Broschüren und Flyer und politische Lobbyarbeit", so die zuständige PR-Referentin Katja Lucke, die seit Mai letzten Jahres durch den Mitarbeiter Michael Wallies unterstützt wird.
Am Beginn des letzten Jahres standen zunächst die Verbreitung der neuen Zeitschriftenangebote "GEOlino" und "NEON", der Beginn der Projektarbeiten Leibniz und BRAILLE21, unser traditioneller Ausstellerstand auf der Leipziger Buchmesse mit der Buchlesung "Blinde Schönheit - Hinter Aphrodites Augen" sowie die Ausrichtung der Tagung der Deutschen Literaturkonferenz in den Räumen der DZB im Mittelpunkt. Am 23. April besuchte anlässlich der Veranstaltung "Die Zukunft des Buches barrierefrei" Frau Staatsministerin Prof. Dr. von Schorlemer die DZB Leipzig. Bereits zum vierten Mal übertrug die DZB Leipzig im Rahmen des Welttages des Buches die Publikation "Ich schenk dir eine Geschichte" in Blindenschrift und stellte es darüber hinaus als E-Braille-Buch blinden Kindern zur Verfügung. Frau Staatsministerin Schorlemer übergab das Buch öffentlichkeitswirksam einer blinden Schülerin der Leipziger Wladimir-Filatow-Schule.
Im Oktober 2010 konnten die jeweiligen "Artikel des Tages" der Online-Enzyklopädie Wikipedia nicht nur gelesen, sondern auch gehört werden. In einem Pilotprojekt erstellte die DZB Leipzig einen Monat lang die gesprochenen Versionen. Das Projekt entstand gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein Wikimedia Deutschland - Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. Zugang zu Freiem Wissen ist die Mission der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Uneingeschränkter Zugang zu aktuellen Nachschlagewerken ist auch ein Bedürfnis von blinden und sehbehinderten Menschen.
Um auch Blinden und Sehbehinderten Bilder zugänglich zu machen, möchte die DZB Leipzig künftig in ihrer Arbeit verstärkt Bildbeschreibungen einsetzen. Zur Vorbereitung dieses weiteren Aufgabenspektrums organisierte die DZB Leipzig im Sommer 2010 erfolgreich zwei Workshops zum Thema "Bildbeschreibung - das Sichtbare hörbar machen". Am 7. September 2010 fand zum zweiten Mal ein Parlamentarischer Abend statt, der erneut von verschiedenen Parlamentariern und der Staatsministerin Prof. von Schorlemer besucht wurde. Darüber hinaus war die DZB Leipzig auch im vergangenen Jahr auf zahlreichen Messen, Ausstellungen und Info-Tagen vertreten. Zu den Projekten, Initiativen und Veranstaltungen gab es ein breites Medienecho.
Auch die hausinterne Kommunikation wurde 2010 stärker in den Fokus genommen. Zu einem Sommerfest und der schon fast traditionellen Weihnachtsfeier luden die Mitarbeiter des Hauses die Sprecher aus den Tonstudios sowie ehemalige Kolleginnen und Kollegen zu einem ungezwungenen Erfahrungsaustausch ein. 2010 fiel ebenfalls der Startschuss für den von der Öffentlichkeitsarbeit initiierten Prozess einer hausweiten Leitbilddiskussion. Diese Arbeiten werden im aktuellen Jahr fortgesetzt und ermöglichen eine intensive Auseinandersetzung über Arbeitsschwerpunkte, sich ändernde Anforderungen und Nutzerbedürfnisse auf allen Ebenen des Hauses.

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Förderverein Freunde der DZB e.V. - neue Möglichkeiten zur Unterstützung

Michael Wallies
Seit mittlerweile sechs Jahren unterstützt der Förderverein "Freunde der DZB e.V." engagiert die DZB Leipzig. Durch die aktive Vereinsarbeit konnte ein ganz wichtiger Beitrag geleistet werden, um den Mitarbeitern der ältesten Blindenbibliothek Deutschlands den Rücken zu stärken - um den kundennahen Service zu sichern und weiterzuentwickeln.
Die erwirtschafteten Spendenmittel werden stets dort eingesetzt, wo sie in der Leipziger Blindeneinrichtung am dringendsten gebraucht werden. Aus Spendengeldern des Fördervereins konnten beispielsweise zwei neue Sprecherkabinen gekauft werden, die die Möglichkeiten bieten, im Studio mehr DAISY-Hörbücher einzusprechen. Dies ist eines von vielen Beispielen dafür, wie die "Freunde der DZB e.V." helfen, die Übertragungsmöglichkeiten zu verbessern, damit den Nutzern mehr Literatur in Braille oder im DAISY-Format zur Verfügung steht.
Da die DZB Leipzig stetig mit steigenden Kosten konfrontiert ist, ist es für den Förderverein notwendig, immer wieder neue Wege bei der Spendenarbeit zu gehen. Wir möchten Sie daher über zwei neue sowie die traditionellen Wege der finanziellen Mitwirkung informieren.
Seit April 2011 können Sie die Arbeit der DZB Leipzig schnell und sicher per SMS oder per Online-Überweisung unterstützen. Der Förderverein arbeitet dabei mit der spendino GmbH zusammen, einem angesehenen Unternehmen, welches innovative Werkzeuge zum Sammeln von Spenden im Bereich der neuen Medien anbietet.
Wege für Spenden
SMS
Die Variante SMS funktioniert, indem Sie einfach eine Kurznachricht mit dem Wort LESEN an die 81190 senden. Jede SMS kostet 5 Euro, zzgl. der normalen Transportgebühr. Davon erhält der Förderverein "Freunde der DZB e.V." direkt 4,83 Euro.
Online-Überweisung
Außerdem können Sie einen Beitrag Ihrer Wahl nun auch direkt über die Internetseite der DZB Leipzig http://www.dzb.de überweisen. Dazu müssen sie lediglich das Feld "Jetzt spenden!" in der rechten Spalte anklicken und den Anweisungen folgen.
Banküberweisung an den Förderverein Freunde der DZB e.V.
Ungeachtet von der Möglichkeit der Online-Überweisung, besteht selbstverständlich auch weiter die Möglichkeit der klassischen Überweisung auf das Spendenkonto des Fördervereins:
Freunde der DZB e. V.
Sparkasse Leipzig
Bankleitzahl: 860 555 92
Kontonummer: 1 100 830 010
Wenn Sie als Verwendungszweck "DZB" angeben, entscheidet der Förderverein in enger Zusammenarbeit mit der DZB Leipzig, wie die Gelder eingesetzt werden. Sie können auch einen bestimmten Verwendungszweck, wie zum Beispiel Blindendruck oder Hörbücherei, angeben. Dann werden ihre Mittel zweckgebunden genau dort eingesetzt.
Dauerauftrag/Lastschrift
Weiterhin können Sie auch einen regelmäßigen Betrag auf das bereits genannte Spendenkonto per Dauerauftrag anweisen. Dadurch helfen Sie uns langfristig zu planen und unsere Verwaltungskosten zu senken. Alternativ kann, in Absprache mit Frau Christiane Knorre vom Förderverein "Freunde der DZB e.V.", ein Lastschrift-Auftrag eingerichtet werden.
Buchpatenschaft
Außerdem können Sie über das Fördervereins-Projekt "Buchpatenschaft" bei der Neuproduktion oder Digitalisierung konkreter Titel behilflich sein. Egal ob Weltliteratur, Märchentitel oder Kochbuch, Frau Susanne Siems, Diplom-Bibliothekarin an der DZB Leipzig hilft dabei, die Buchpatenschaft schnell und im Sinne der Nutzer zu realisieren. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter der URL: http://www.buch-patenschaft.de.
Vermächtnis
Neben den verschiedenen aktiven Möglichkeiten können Sie die DZB Leipzig auch über das Leben hinaus unterstützen. Ein Vermächtnis im Testament ist dafür ein sicherer Weg. Dort können Menschen oder Institutionen benannt werden, die nicht durch die gesetzliche Erbfolge bedacht werden. Detaillierte Informationen erfahren Sie von Frau Christiane Knorre.
Für jede Spende (Onlineüberweisung, Banküberweisung oder Buchpatenschaft) ab einem Betrag von 20 Euro erhalten Sie im Februar des Folgejahres eine Spendenbescheinigung. Dazu benötigen wir Ihre Adresse.
Wir bedanken uns schon jetzt für Ihre Unterstützung, die dabei hilft, mehr Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen bereitzustellen.
Kontakt:
Förderverein "Freunde der DZB e.V." Christiane Knorre, 0341 7113-141 oder christiane.knorre@freunde-der-dzb.de
Bei Interesse an einer Buchpatenschaft bitten wir Sie Frau Susanne Siems (0341 7113-115 oder susanne.siems@freunde-der-dzb.de) zu kontaktieren.

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Brailleschrift - Relikt oder Chance?

Im Herbst 2011 findet in Leipzig der Weltkongress "Braille21" statt, an dessen Vorbereitung und Organisation die DZB maßgeblich beteiligt ist. "Braille21" wird sich mit der Gegenwart und Zukunft der Brailleschrift befassen.
Die aktuelle Sicht auf das System der Brailleschrift und deren Perspektiven in der modernen Mediengesellschaft ist durchaus differenziert. Wir möchten Ihnen in Vorbereitung auf "Braille21" unterschiedliche Sichtweisen auf das Sechs-Punkte-System von Louis Braille vorstellen und hoffen auf diese Weise Anreize für eine lebhafte Diskussion zum Thema Braille in Gegenwart und Zukunft setzen zu können - gerne auch in der "Postecke".

Welche Bedeutung hat die Braille-Schrift für mich als taubblinde Person?

Mina Pompe
Am Anfang waren zwei Schriften: Schwarzschrift und Punktschrift. Es fiel mir leicht sie zu lernen. Den Zugang zur Braille-Schrift bot mir ein Heftchen, dass mein verstorbener Vater mit Hilfe meiner Mutter für mich erstellt hatte. Ich liebte dieses Heftchen und lernte Braille-Vollschrift. Ich konnte gut üben, war ich doch in einem Internat für Blinde und Sehbehinderte bis zum 7. Lebensjahr.
Zu jener Zeit war meine Augenerkrankung, Netzhautablösung, noch nicht behandelbar. Es bestand also die Möglichkeit, dass ich eines Tages von sehbehindert zu blind wechseln würde.
Als die Schule begann, habe ich das Internat verlassen. Mit Beginn des 1. Schuljahres lebte ich ausschließlich in sehender Umgebung. Die Erfindung der Kontaktlinsen machte das möglich. Ich habe aus der Internatszeit mitgenommen, dass man blind alles tun kann, was man will und dass es keinen Grund gibt, sich vor der Erblindung zu fürchten.
Das kleine Heftchen, ein Bild von meinem Vater und seine Stimmgabel haben mich all die Jahre begleitet, genau wie eine Freundin aus Kindertagen.
1997 sank meine Sehkraft innerhalb eines Jahres von 70 Prozent auf unter 2. Ein paar Jahre vorher war ich schwerhörig geworden. Man versuchte mich zu rehabilitieren. Während der Rehabilitation habe ich wieder lesen gelernt - es war wie eine gute alte Bekanntschaft, die man auffrischt. Mein Lernpartner und ich, wir haben mit Feuereifer Kurzschrift gelernt.
Die Punktschrift eröffnet mir die Möglichkeit, die Augen zu schließen, die Bruchstücke an Information, die die Ohren noch lieferten, zu ignorieren und mich ganz dem Tasten zu widmen. Dieses Gefühl höchster Konzentration ist unwahrscheinlich angenehm, weil ich - anders als beim Hören - auf jeden Fall hinter den Sinn des Textes steigen kann. Es gibt allerdings einen erheblichen Unterschied zu früher: Heute lese ich außer den Tagesnachrichten für Taubblinde fast ausschließlich auf der Braillezeile. Und: Man schreibt nicht mehr spiegelverkehrt auf einem eingespannten Blatt. Noch heute verdrehe ich die Zeichen mitunter, weil ich das Schreiben ja spiegelverkehrt gelernt hatte. Deshalb kann ich auch nicht besonders schnell lesen. Aber - ich kann sehr gut kombinieren!
Das Kurzschriftlesen habe ich aufgegeben. Es gibt zu viele Versionen, man muss sich zu sehr mit den Kürzungen beschäftigen und - es gibt auch nicht genügend moderne, perfekt geschriebene Texte, so dass so mancher meiner Ausflüge in die Kurzschrift einfach nur mit totaler Verwirrung endete. Vollschrift ist für alle leichter zugänglich, kann von Sehenden leicht gelernt werden und erlaubt schnelle Korrekturen. Man denkt über den Inhalt nach und kann problemlos kommunizieren. Man verschwendet seine Zeit und Kraft nicht mit dem Nachdenken über die richtige Kürzung.
Kommunizieren? Ja! Hier liegt eine weitere wichtige Bedeutung der Braille-Schrift: Taubblinde und hörsehbehinderte Menschen haben Last und Mühe mit den "üblichen" Kommunikationswegen, wenn sie überhaupt je zugänglich gewesen sind: Viele von uns sind gehörlos geboren und aufgewachsen und haben oft die Sprachstrukturen der Gebärdensprache als Muttersprache. Wir nennen die gesprochene Sprache "Lautsprache". Sie ist die Grundlage für Schriftsprache.
Miteinander sprechen, Telefonieren, und was sich sonst noch alles an das Ohr richtet, ist für viele von uns sehr, sehr mühsam. Als ehemals Hörende habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Rahmen, in dem das "Gespräch" stattfindet, mit den Jahren verblasst: Ob jemand sich räuspert, eine Tür sich schließt, jemand hektische Bewegungen macht - die Erinnerung an Geräusche als Bedeutungsträger verblassen und der Text tritt nackt hervor. Das ist eine Quelle von Missverständnissen, die mühsam schriftlich ausgeräumt werden müssen.
Seit September 2010 habe ich regelmäßig Taubblindenassistenz. In NRW ist sie so geschult, dass ich Informationen über Befindlichkeiten meines Gegenübers über Braille erfahre und interpretieren kann, wenn ich das möchte. Das gleiche gilt für Veränderungen im Raum usw. Ich werde in die Lage versetzt, darauf wieder zu reagieren und den gegebenen Text in einen Kontext einzuordnen. Der Text selbst wird in Brailleschrift mitgeteilt, wenn er in Lautsprache über ein spezielles Mikrophon, das mit meinen Hörgeräten verbunden ist, für mich nicht zu erfassen sind (komplexe Texte zum Beispiel).
E-Mail hat für mich eine zentrale Bedeutung, eine weitere Einrichtung ist mein ganz persönlicher Chat, den ich wie ein Telefon nutze. Beides wird für mich durch die Braillezeile zugänglich.
Zweimal im Jahr nehme ich an Sitzungen teil. Dort sind viele Menschen, die über verschiedene Themen sprechen. Zu dieser Gelegenheit schreiben zwei Taubblindenassistenzen im Wechsel für mich die Wortbeiträge in einen Laptop. Der gibt mir die Beiträge in Brailleschrift aus. Diese Sitzungen sind sehr anstrengend - aber: Mithilfe der Brailleschrift kann ich in großen Zügen folgen.
Punktschrift ist für Taubblinde ein wichtiger Weg zur Kommunikation mit Hörenden. Es gibt auch noch das Lormen, wobei einzelne Buchstaben in die Hand getippt und gestrichen werden. Das Lormen basiert in seinen Strukturen auf der Lautsprache. Dann gibt es auch noch die Gebärdensprache, die in einem angepassten Raum (je nach Begrenzung durch den Sehrest) genutzt werden kann. Für mich ist die "Lautsprache" Muttersprache. Ich kann also nicht gebärden. Die Brailleschrift ist für viele unter den Taubblinden ein lebendiges Kommunikationsmittel, das Tag für Tag eingesetzt wird. Wir brauchen Kostenträger für das Erlernen der Punktschrift. Wir brauchen mehr Taubblindenassistenzen, die Brailleschrift lesen und schreiben können. Wir brauchen Kostenträger für mobile Elektronik, die ermöglicht, Punktschrift und Schwarzschrift unterwegs einzusetzen.
Mehr Information finden Sie unter:
http://blindpr.com/2011/01/16/taubblind-leben-unterschriften-aktion-fur-mehr-eigenstandigkeit/
oder
www.tbl-welt.de
(Mina Pompe wurde 1961 in Berlin geboren, besuchte das Internat in Berlin-Steglitz. 1981 Abitur, danach Sprachenstudium. Seit Mitte der 90er Jahre schwerhörig, gesetzlich blind seit 1998, verrentet. Mitglied im DBSV, in der Taubblindenselbsthilfe NRW, im Gemeinsamen Fachausschuss Taubblindheit. Frau Pompe lebt in Wuppertal mithilfe von Taubblindenassistenz selbstständig in eigener Wohnung.)

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Lesewettbewerb

Larissa Tepelmann
Brailleschrift bedeutet mir sehr viel. Sie ist sehr hilfreich, denn ich habe schon Medikamente nehmen müssen und konnte die unterschiedlichen Tabletten dank Braille-Beschriftung der Verpackungen unterscheiden. Außerdem konnte ich schon öfter heimlich lesen, obwohl ich schlafen sollte, und niemand hat es gemerkt, weil ich kein Licht brauchte. Ich lese sehr gerne Liebesgeschichten.
Hier möchte ich auch noch über die Lesewettbewerbe berichten, die jährlich stattfinden: Zunächst ist in der Schule ein Lesewettbewerb. Dort muss man einen geübten und einen ungeübten Text lesen. Wenn man gewinnt, gelangt man zu dem Lesewettbewerb, wo alle mitmachen, die in NRW blind sind und dort zur Schule gehen. Da muss man dann auch einen geübten und einen ungeübten Text lesen. Wenn man wieder gewinnt, dann kommt man schließlich zu dem Lesewettbewerb, an dem blinde Schüler aus ganz Deutschland teilnehmen. Erst- und Zweitplatzierter bestreiten dann die Entscheidungsrunde. Und wenn man da gewinnt, ist man Deutschlands bester Punktschriftleser. 2009 habe ich nämlich gewonnen und mich sehr gefreut.
Also an diejenigen die blind und ungefähr in meinem Alter sind: Macht doch auch mal mit! Es lohnt sich, man kann viele neue Leute kennen lernen und es macht eine Menge Spaß!
(Larissa Tepelmann ist 15 Jahre alt und besucht die Louis-Braille-Schule in Düren)

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Blindenschrift

Tamara Aslan
Blindenschrift ist für mich etwas ganz besonderes. Damit beschäftige ich mich seit der 6. Klasse. Ich lese sehr gerne Bücher in Blindenschrift und bin gerade dabei, die Kurzschrift zu lernen. Auch in Aufzügen oder auf Medikamenten begegnet mir die Blindenschrift.
Ich finde es gut, dass immer mehr der Begriff Punktschrift genannt und auch gut genutzt wird. Ich lese gerne Liebesgeschichten und Geschichten zum Nachdenken. Außerdem schreibe ich, vor allem Gedichte. Und Witzbücher lese ich gerne.
Leider ist es schwierig, die Bücher, die ich gerne lese, in Teilkurzschrift oder in Vollschrift zu bekommen. Die meisten Bücher, die für mein Alter interessant sind, sind in Kurzschrift verfasst. Wenn es jedoch etwas gibt, dann hole ich es mir in unserer Schulbücherei. Dort gibt es ein paar Bücher in Vollschrift. Allerdings habe ich in nächster Zeit vor, mich in der Blindenbücherei in Leipzig anzumelden. Ich chatte auch sehr viel im Internet und dabei finde ich es gut, dass ich mit meiner Braillezeile lesen kann, was die anderen mir schreiben. Briefe an meine Freunde schreibe ich ebenfalls oft.
Mit der Blindenschrift kann man Einkaufszettel schreiben. Sie ist mir schon begegnet, als ich mit dem Zug gefahren bin. Beim Aussteigen zeigten mir Schilder, wo ich hin muss.
Außerdem habe ich auch schon einen Aldi gesehen, wo auf den Lebensmitteln drauf stand, was das für ein Produkt ist, und wie viel es kostet.
(Tamara Aslan ist 15 Jahre alt und besucht die Louis-Braille-Schule in Düren)

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Braille-Tag in Deutschland

Jenni Handschack (DZB Leipzig) und Reiner Delgado (DBSV)
"Braille21" ist nicht nur ein großer internationaler Fachkongress zur Brailleschrift. Am Tag vorher laden die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB Leipzig) und viele Partner zum Braille-Tag in Deutschland für Anwender und Interessierte ein. Das Programm umfasst Vorträge, Workshops und Mitmachaktionen, außerdem jede Menge Spaß und Unterhaltung. Am 27. September 2011 ist Leipzig eine Braille-Reise wert.
Braille ist nicht nur eine Schrift mit fast 200 Jahre alter Tradition, sondern Braille ist vor allem zukunftsfähig. Braille ist eine Schrift für alle Lebenslagen - für Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch für Alltag, Freizeit und Mobilität. Am Braille-Tag in Deutschland können sich die Besucher über all diese Bereiche der Braille-Anwendung informieren.
Was wird geboten?
Zwischen 10.30 und 12.00 Uhr gibt es einen Braille-Einsteigerkurs und Workshops zum schnelleren und besseren Lesen. Parallel werden Fachvorträge und Präsentationen angeboten, etwa über die Regeln der Brailleschrift, über Computerprogramme zum Erstellen von Braille oder über spannende technische Neuentwicklungen. Außerdem sind ehren-, neben- und hauptamtliche Braille-Lehrer eingeladen, sich über den Braille-Unterricht für Erwachsene auszutauschen und ein Braille-Lehrer-Netzwerk zu gründen. Auf dem "Markt der Möglichkeiten" können Braille-Anwender zwischen 10 und 15 Uhr ihre Braille-Erfindungen präsentieren. Das kann alles sein, was auch andere Braille-Anwender interessiert, von Markierungstricks für zu Hause bis zu Methoden und Materialien für den Braille-Unterricht.
"Mein Lieblingstext in Braille" ist ein Angebot zum Mitmachen und Ausprobieren: Die Gäste können einen beliebigen kurzen Text in Schwarzschrift mitbringen - ob Gedicht, Kurzgeschichte oder Artikel - und diesen vor Ort unter Anleitung von professionellen Braille-Übertragern in Braille umwandeln und ausdrucken.
Hinzu kommt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Wer Lust hat, kann sich im Blindentischtennis "Showdown" ausprobieren, als Sehender einen Dunkelparcours erleben oder eine Braillebotschaft im "Braille21"-Gästebuch hinterlassen.
Am frühen Nachmittag werden interessante Braille-Accessoires präsentiert: Man kann iPhone, iPod und iPad mit Braille-Zeile erleben, das Schreiben mit der Tafel erlernen und ausprobieren, wie man mit dem Braillino - einer Minibraillezeile - ganze Bücher flüssig lesen kann. Für alle Fragen rund um die Regeln der deutschen Brailleschrift stehen die Mitglieder des Brailleschrift-Komitees bereit.
"Braille21 goes Germany" heißt es ab 15 Uhr. Bei einer Talkshow dreht sich alles um die vielfältigen Möglichkeiten der Punktschrift - mit interessanten Gästen und Live-Musik. Ihren Auftritt auf großer Bühne haben dabei auch Schüler, die in den Tagen zuvor am bundesweiten Braille-Leseworkshop teilgenommen haben.
Am Abend mischen sich schließlich die internationalen Kongressteilnehmer unter die Gäste des Braille-Tages und feiern gemeinsam die Brailleschrift. Interessierte Braille-Fans können natürlich zu einem oder allen drei Tagen des internationalen Kongresses in Leipzig bleiben.
Braille-Tag in Deutschland: 27. September 2011, Universität Leipzig, Zentralcampus am Augustusplatz
Die Teilnahme ist kostenlos! Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Dafür steht unter www.braille21.net/de/anmeldung vom 1. April bis 31. August 2011 ein Anmeldeformular zur Verfügung.
"Braille21" kann Schülern, Studierenden und Auszubildenden die Anreisekosten erstatten.
Kontakt:
Jenni Handschack und Clara Schneider
Tel.: 0341 7113-162
E-Mail: info@braille21.net
Internet: www.braille21.net

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Autorenporträt

Der amerikanisch-deutsche Autor Eric T. Hansen im Interview

Susanne Siems
So mancher gibt sich im Ausland nicht gern als Deutscher zu erkennen, weil er mit Eigenschaften wie ordentlich, grüblerisch, pünktlich, aber auch fanatisch nicht bedacht werden möchte. Wie werden wir aber wirklich gesehen im Ausland? Und wie empfinden Ausländer, die längere Zeit in Deutschland leben, dieses Land und seine Leute?
Das war auch Thema des 13. Boltenhagener Bücherfrühlings, bei dem ich Gelegenheit fand, den deutsch-amerikanischen Autor Eric T. Hansen zu erleben. Die DZB hat drei Bücher von ihm im Hör- bzw. Punktschriftbestand, so dass es für die Leser der "DZB-Nachrichten" von Interesse ist, mehr über diesen Schriftsteller zu erfahren.
Dr. Jürgen Trinkus und ich führten das folgende Interview mit dem Autor:
Frage: Jürgen Trinkus: Sie kommen aus Hawaii. Sie sind groß und blond und Hansen ist ein sehr untypischer amerikanischer Name. Was sollten wir über Ihre Eltern wissen?
Antwort: Eric T. Hansen: Ich bin im Staat Washington geboren, an der Grenze zu Kanada. Dort gibt es ganz viele Schweden und Dänen und damit kennen Sie auch den Ursprung meines Namens, die Familie meiner Mutter kam aus Schweden. Als mein Vater mit seinem Brillengeschäft am Ende war, sagte er sich "Gut, ich kann entweder hier pleite sein oder dort, wo es Spaß macht". Also ging die Familie nach Hawaii.
Frage: Jürgen Trinkus: Sie stammen aus einer Familie mit mormonischem Glauben. Wie wird man das und wie kommt man als Mormone nach Deutschland, und wie denken Sie heute über die Mormonen?
Antwort: Eric T. Hansen: Sie wissen, dass in zwei Stunden mein Zug fährt?
Frage: Jürgen Trinkus: Wir haben Zeit …
Antwort: Eric T. Hansen: Den Glauben seiner Eltern sucht man sich nicht aus, den bekommt man in die Wiege gelegt. Die Eltern meiner Mutter waren schon in Schweden Mormonen. Es ist aus theologischer Sicht eine interessante Religion. Ich habe diesen Glauben irgendwann in Deutschland abgelegt. Mir war die Gemeinschaft auf die Dauer zu eng, es gab zu viele Regeln, die für mich fernab vom Glauben waren. Aber diese Religion hat mich nach Deutschland gebracht. Es ist bei den Mormonen üblich, dass junge Leute zum Missionieren in die Welt geschickt werden. Ich war damals und bin es heute noch, ein Mittelalter-Fan und wollte unbedingt nach Europa. Darum lernte ich die deutsche Sprache und es hat geklappt, die Mormonen schickten mich nach Deutschland. Die ersten Worte, die ich kannte, hießen "Guten Tag, ich komme von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage …" mehr nicht, denn spätestens dann schlug man mir die Tür vor der Nase zu. Mir gefiel es aber in Deutschland. Ich wollte nicht in Hawaii bleiben, jung wie ich war, empfand ich alles dort als oberflächlich und dumm und ich machte beim Surfen kein gutes Bild. Also blieb ich in Deutschland und studierte in München Geschichte des Mittelalters. Wo sonst, wenn nicht in Europa kann man das Mittelalter finden und am besten studieren. Paradox, dass die Professoren an der Uni mich zweifelnd ansahen - die besten Fachleute zum Mittelalter gäbe es doch in Princeton/USA.
Frage: Jürgen Trinkus: Sie haben sich in ihren Büchern viel mit Deutschland und den Deutschen beschäftigt. Wie sieht es aber aus mit den Amerikanern in der großen weiten Welt? Ist das auch eine Art Flucht - vor den USA?
Antwort: Eric T. Hansen: Es gibt zwei Arten von Amerikanern außerhalb der USA. Die einen suchen Auslandserfahrung. Die anderen sind Leute, die von Amerika wegkommen wollen, so wie ich. Obwohl ich mich immer noch sehr als Amerikaner sehe, ich lebe dieses Gefühl "You can do it". Ein schönes Beispiel ist auch meine Nichte. Sie kommt aus San Francisco. Ihr war es dort zu eng! Außerdem hatte sie Liebeskummer und sprach irgendwann den Satz "Ich kann nicht auf dem selben Kontinent leben wie dieser Typ". Jetzt fühlt sie sich in Berlin frei und glücklich.
Frage: Jürgen Trinkus: Kommen wir zurück zum Mittelalter - haben Sie es in Europa gefunden? Sie haben ja ein Buch darüber geschrieben.
Antwort: Eric T. Hansen: Früher fand ich Amerika immer langweilig, weil es dort kein Mittelalter gab und alles erst mit dem 18. Jahrhundert los ging und ich dieses ganze Cowboyzeug des 19. Jahrhunderts auch ziemlich blöd fand. Seit ich in Europa bin, sehe ich es etwas anders. In Amerika war die Geburtsstunde der Demokratie und ich interessiere mich jetzt sehr für die Geschichte Amerikas.
Frage: Susanne Siems: Aber haben Sie nun das Mittelalter hier gefunden?
Antwort: Eric T. Hansen: In Deutschland gibt es überall Mittelalter. Es ist nicht nur in den vielen Burgen, Ruinen und Klöstern zu finden, sondern auch in den Strukturen. Zum Beispiel ist die mittelalterliche Minne heute noch in der Sichtweise der romantischen Liebe in ganz Europa spürbar. Auch dass man die Kirche als Teil des Staates betrachtet ist eine Tradition aus dem Mittelalter.
Frage: Susanne Siems: Sie haben sechs Bücher über ihre Sicht der Deutschen geschrieben, haben Sie ein Lieblingsbuch?
Antwort: Eric T. Hansen: Es ist immer noch das erste Buch, eben das Buch über das Mittelalter.
Frage: Susanne Siems: In ihren Büchern geht es u. a. auch darum, dass die Deutschen so viel nörgeln. Nörgeln auch Sie als Amerikaner gern?
Antwort: Eric T. Hansen: Ich nörgele nicht nur gern und jeden Tag und den ganzen Tag, im Grunde ist Nörgeln mein Lebensunterhalt. Die Bücher, die ich schreibe, sind hoffentlich humoristisch und intelligent, aber im Grunde sind das versteckte Nörgeleien über Deutsche und Amerikaner und den modernen Menschen an sich. Im Grunde nörgele ich professionell.
Frage: Susanne Siems: Wenn man so lange in Deutschland lebt - dreißig Jahre - verliert man da nicht das Gefühl für seine eigene Sprache?
Antwort: Eric T. Hansen: Ich liebe die englische Sprache. Darum befasst sich mein nächstes Buch auch damit, welche Fehler Deutsche beim Englischsprechen machen.
Frage: Susanne Siems: Bastian Sick für das Englische sozusagen. Wie heißt das Buch?
Antwort: Eric T. Hansen: "Forbetter your english". Es wird im Mai erscheinen.
In der DZB gibt es folgende Titel von Eric T. Hansen:

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Truman Capote: "Die Grasharfe"

Susanne Siems
[Punktschriftbibliothek]
Bücher haben ihre eigenen Geschichten. Und auch ihre Leser haben ihre eigenen Biographien. Manchmal begegnen sich beide und es entsteht eine ganz neue Geschichte um dieses Buch. So geschehen mit mir und dem 1951 von Truman Capote geschriebenen Roman "Die Grasharfe". Als ich dieses Buch vor ein paar Jahren für mich entdeckte, schrieb ich auch gleich eine Buchempfehlung, um andere an meiner Begeisterung teilhaben zu lassen. Diese Rezension verschwand aber auf geheimnisvolle Weise von meinem PC, um nun an dieser Stelle wieder aufzutauchen und Ihnen vorgestellt zu werden.
Es ist ein Reigen äußerst merkwürdiger, äußerst liebenswerter Personen, die uns in Truman Capotes frühem Roman "Die Grasharfe" begegnen. Doch halt, merkwürdig stimmt nicht ganz: Eigentlich sind der 16-jährige Collin Fenwick und seine 60-jährige Tante Dolly Talbo sehr normal und menschlich. Ziemlich verrückt und sogar hassenswert erscheinen sie nur den Spießbürgern ihres kleinen Städtchens im Süden der USA. Als die unterschwellig schon Jahrzehnte währenden Konflikte zwischen den Schwestern Dolly und Verena durch das Auftauchen des jüdischen Arztes Morris Ritz auf die Spitze getrieben werden, bleibt Dolly kein anderer Weg, als mit Collin und ihrer schwarzen Freundin Catherine in das Baumhaus des Paternosterbaumes vor den Toren der Stadt zu fliehen. Später gesellen sich noch andere dazu. Es kommt zum offenen Streit, und Catherine landet sogar im Gefängnis der Stadt.
Im Grunde ist es eine ziemlich banale Geschichte. Dolly versucht sich gegen die besitzergreifenden Aktionen ihrer Schwester mit eigenen Mitteln zur Wehr zu setzen. Der Hintergrund ist ernst: die Verachtung, welche die geschäftstüchtigen und scheinbar normalen Stadtbewohner gegenüber den weltfremden und in ihren Augen verrückten Außenseitern Dolly und Catherine demonstrieren.
Collin spürt mehr, als dass er es schon bewusst weiß, dass ihm die Liebe, Herzlichkeit und das Gefühl von Heimat, welches ihm die alten Damen vermitteln, mehr für sein ganzes Leben schenken als die trockene Ordnung und Nüchternheit der Stadtbewohner.
Mit viel Wärme, Witz und Scharfsinn zeichnet Capote die sehr vielschichtigen Beziehungen der Bewohner der kleinen Stadt, den Konflikt zwischen Schwarz und Weiß, Jung und Alt, Verrückt und Normal. Das macht die Faszination des Romans aus. Sei es der Richter, der sich im Baumhaus einfindet und in Dolly verliebt ist, sei es das Bäckerehepaar, er ein "Niggerhasser", sie diejenige, die der schwarzen Catherine Mittagessen ins Gefängnis bringt. Dank des gekonnten Wechsels von liebevoll gezeichneten Naturschilderungen, Träumereien und der sehr direkten Darstellung der Wirklichkeit kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Für den halbstarken Collin ist es die erste Lebenslektion. Gut gewählt hat Capote auch den Schluss. Es gibt keine Sieger, keine Verlierer. Die "Guten" sind nicht nur stark und tapfer. Die Schwestern finden am Ende wieder zusammen, auf eine neue Weise. Und für Collin zeigt sich der Weg, den er für die Zukunft gehen muss, auch wenn er nicht ohne Steine ist.
Warum der Roman "Die Grasharfe" heißt, fragen Sie jetzt, liebe Leserinnen und Leser?
Es gibt am Rande der Stadt einen Flecken Präriegras, über den im späten Herbst die Winde streifen. "Das ist die Grasharfe, die immer eine Geschichte erzählt - sie weiß die Geschichten aller Leute dort vom Hügel, aller, die jemals lebten, und wenn wir tot sind, wird sie auch die unsere erzählen." So sagt es Dolly zu Collin am Beginn der Geschichte. Und am Ende des Romans treffen sich der nun erwachsene Collin und der Richter an diesem Ort wieder und sind froh, dass die Grasharfe eine Geschichte mehr für die Nachfahren bewahrt.
Eine leichte Sommerlektüre mit Tiefgang - so könnte man diesen Roman beschreiben. In unserer Punktschriftbibliothek können Sie den einen Band in reformierter Kurzschrift unter der Bestellnummer 5983 gern ausleihen. Auch der Kauf als Reiselektüre ist möglich. Eine Broschüre ist unter der Bestellnummer 2078 zu erwerben.
Weitere Titel von Truman Capote im Punktschriftbestand
Titel von Truman Capote als Hörbuch

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Johanna Bugge Olsen "Das Mädchen Tine"

Jana Waldt
[Hörbücherei]
"Das Mädchen Tine" ist das erste Buch, was die Norwegerin Johanna Bugge Olsen (1900 - 1973) veröffentlichte, später schrieb sie dann Kinder- und Jugendbücher.
Norwegen, in den 1920er Jahren. Tine wächst als ältestes von acht Kindern auf einer norwegischen Fischerinsel auf. Die Familie hält eng zusammen und hat ein herzliches Verhältnis. Jeder hat seine Aufgabe. Als sie 15 Jahre alt ist, geht Tine in Stellung. Sie arbeitet in verschiedenen Haushalten als Dienstmädchen. Bei ihrer ersten Stelle, einem Bauernhof, wird sie mit einer Frömmigkeit konfrontiert, die ihr fremd ist. Sie fühlt sich nicht wohl, hält das Jahr aber durch, um dann wieder zu ihrer Familie zurückzukehren. Dort haben inzwischen jüngere Geschwister ihre Aufgaben übernommen und so kann sie nach kurzer Zeit auf Vermittlung einer Freundin eine neue Stelle, diesmal in der Hafenstadt Bergen, annehmen. Auch dort hat sie es nicht gut, wird ausgenutzt und muss den Geiz ihrer Herrin ertragen. Erst durch ihre Bekanntschaft mit dem Arbeiter Jan, in den sie sich verliebt, erlebt sie ein bescheidenes Glück. Der Tod ihres Vaters ruft sie jedoch nach Hause zurück. Er hat ihr, der Ältesten, die Verantwortung für die Familie übertragen. Doch Tine muss Geld verdienen, um ihre Mutter und die Geschwister zu unterstützen. So geht sie zurück in die Stadt. Aber das sind noch nicht alle Probleme: Jan ist plötzlich verschwunden, und Tine stellt fest, dass sie schwanger ist …
Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Begleiten Sie Tine auf ihrem Weg.
Dieser Roman, der in einer einfachen Sprache Tines Entwicklung von der Fischertochter zur starken Frau erzählt, wurde 1968 von Käte Koch in der DZB aufgelesen. Er hat eine Spieldauer von 8:15 h und kann auf einer CD DAISY unter der Bestellnummer 3016 ausgeliehen werden.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Neues und Aktuelles zu DAISY-Geräten

Ulrich Jander
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer, diesen Beitrag vor sich haben, dann ist die SightCity-Messe in Frankfurt am Main, vom 04. bis 06. Mai 2011, bereits vorüber. Die Messe bietet jedes Jahr sehr viel, natürlich auch Neuigkeiten, auf die ich hier bereits vor der Messe bezüglich verschiedener DAISY-Geräte eingehen möchte. Dabei kann es durchaus sein, dass ich nicht auf jedes neue Gerät hinweise und eingehe, denn die eine oder andere Firma überrascht auch gern erst direkt auf der Messe. Aber nun, was ist jetzt bereits bekannt?
Die Firma Humanware aus Kanada bringt als Tischgeräte eine neue Victor-Serie heraus; die Victor-Reader-Classic-Geräte werden durch Victor Reader Stratus abgelöst. Die Gehäuseform des Stratus ist gegenüber dem Classic sehr ähnlich, in den Abmessungen jeweils ein ganz kleines bisschen geringer, im Gewicht auch etwas weniger (knapp ein Kilogramm). An der linken Seite befindet sich der Gerätehenkel, darüber der Lautsprecher, der mit einer kleinen Austrittsöffnung an der Unterseite des Henkels versehen und somit als kleiner Bassreflexlautsprecher entwickelt worden ist, was ihm einen ausgewogeneren Klang, vor allem in den tiefen Tönen, verleiht. Den Victor Reader Stratus wird es in vier verschiedenen Ausführungen geben, als Stratus 4, Stratus 12 und als Multimedia- sowie als Online-Gerät.
Der Stratus 4 ist der Freizeitspieler, wie der bisherige Classic X ohne Zifferntastatur. Er besitzt auch in der Mitte die vier Navigationstasten, in deren Mitte zusätzlich die Infotaste untergebracht ist. Auch beim Stratus 4 befinden sich unterhalb des Lautsprechers drei Tasten; von oben nach unten die Buchregaltaste, die Lesezeichen- und die CD-Auswurftaste. Direkt oberhalb der Start/Stopptaste findet man die halbmondförmige Schlafmodustaste mit den verschiedenen Geräteabschaltzeiten. Diese Taste ist jetzt mit der Uhrzeitansage doppelt belegt. Die anderen Bedientasten, Lautstärke, Klang, Geschwindigkeit, Start/Stopp, Spulen vorwärts und rückwärts sowie die Ein/Ausschalttaste, sind am Stratus 4 und 12 gegenüber den Classic-Modellen unverändert geblieben.
Der Stratus 12 ist vergleichbar mit dem bisherigen Classic X plus und besitzt statt der vier Navigationstasten zwölf Tasten entsprechend einem Ziffernblock.
Der Stratus 4 soll laut Aussagen des Herstellers zur Messe Anfang Mai 2011, der Stratus 12 kurze Zeit später auf dem Markt erscheinen und im Preis ähnlich wie Classic X und Classic X plus, im Bereich zwischen ca. 330 und 380 Euro, erhältlich sein.
Der Stratus Multimedia wird neben dem CD-Einzug zusätzlich über einen SD-Speicherkartenschlitz und einen USB-Anschluss verfügen.
Der Stratus Online soll dann außerdem noch eine drahtlose Netzwerk- und Internetverbindung aufweisen, die es erlaubt, hörbares Material aus dem Internet zu beziehen.
Einzelheiten zu den Funktionen beim Stratus Multimedia und Online waren zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Beitrages noch nicht bekannt. Die beiden Geräte sollen im Laufe des Jahres 2011 erscheinen; konkrete Preise liegen mir jetzt noch nicht vor. Bezüglich Speicherkartengerät "Victor Reader Stream" sind mir seit der letzten Aktualisierung des Betriebssystems vom 29.10.2010 auf Version 3.3.7 keine Neuigkeiten bekannt.Die Firma Plextalk aus Japan hat bereits die Tischgeräte PTN2 (CD-Wiedergabe mit SD-Kartenschlitz sowie USB-Anschluss) und PTX1 pro (gleiche Ausführung mit zusätzlicher Netzwerk- und Internetverbindung) im Angebot. Außerdem gibt es seit mehr als zwei Jahren das SD-Kartengerät Plextalk PTP1, welches von Anfang an mit W-Lan ausgestattet ist. Seit Mitte März ist die aktuelle Betriebsversion 5.00 auf dem Markt, die nicht nur netzwerktüchtig ist, sondern auch den Empfang von Internetradiostationen und Podcasts ermöglicht. Die Einrichtung des Netzwerks und des Onlineverkehrs auf dem PTP1 verlangt zwar einige Computer- und Netzwerkkenntnisse; wenn jedoch alles eingerichtet ist, dann braucht man für den Onlinebetrieb des PTP1 keinen Computer.
In einer der nächsten Versionen des Betriebssystems ist sicher vorstellbar, dass auch DAISY-Bücher online genutzt werden können. In Deutschland wird diese Einsatzvariante noch ein Stück warten müssen, denn zuerst müssen die Blindenbüchereien die technischen Voraussetzungen für eine Onlinenutzung geschaffen haben; und das benötigt einige Zeit, denn es muss ein gemeinsamer Standard und eine gemeinsame Plattform aller deutschsprachigen Blindenbüchereien entwickelt werden, damit der Nutzer per Online sein DAISY-Buch beziehen kann, gleich bei welcher Bücherei er gemeldet ist.
Der Milestone 312 und 212 sind Produkte der schweizerischen Firma Bones. Die letzte und zur Zeit aktuelle Betriebssoftware ist die Version 3.20 bzw. 3.23. Zur Sightcity-Messe sollen weitere Entwicklungen vorgestellt werden; wir dürfen gespannt sein.
Das SD-Kartengerät Book Sense aus koreanischer Produktion wird in Deutschland in der Standardausführung und als XT (mit Radio und zusätzlichem integrierten Speicher) von der Firma Handytech angeboten. Seit einiger Zeit gibt es für beide Geräte jeweils die Betriebsversion 2.21, die u.a. eine stabilere Funktionalität ermöglicht. Sowohl beim Book Sense XT als auch beim Milestone 312 handelt es sich um ein integriertes UKW-Radio. Bislang existiert keine Onlinefunktionalität. Ob das nach der Sightcity-Messe anders sein wird?
Der Tomboy der Firma Marland ist auch ein SD-Speicherkartengerät, welches durch die österreichische Firma CareTec entwickelt wurde. Das aktuelle Betriebssystem ist die Version 1.5. Auch hier handelt es sich um ein integriertes UKW-Radio; Onlinebetrieb ist bisher nicht vorgesehen.
Grundsätzlich ist bei allen DAISY-Geräten, ob groß oder klein, eine Erweiterung der Funktionalität über die Aktualisierung der Betriebssoftware möglich. Jedoch ist dies nur dann gangbar, wenn die Gerätetechnik es zulässt, das heißt, die Hardware die nötigen Bauteile enthält, die die weiterentwickelte Software nutzen kann.
Wir dürfen uns alle bezüglich der Entwicklung von Hard- und Software künftig überraschen lassen; vielleicht bereits auf der Sightcity-Messe 2011?Wenn Sie auf technischem Gebiet fragen oder anregen möchten, so habe ich für Sie in der DZB immer ein offenes Ohr.

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Info-Service

Welttag des Buches - "Ich schenk Dir eine Geschichte" in Braille

Michael Wallies
Um blinden Schülern die Teilhabe an der bundesweiten Schulbuchkampagne zum Welttag des Buches zu ermöglichen, wurde auch 2011 das Welttagsbuch "Ich schenk Dir eine Geschichte" in Blindenschrift übertragen. Knapp 150 gedruckte Bücher und zahlreiche E-Braille-Ausgaben wurden dabei pünktlich zum weltweiten Feiertag an interessierte Schulen verschickt. Die aktuelle Ausgabe bietet sieben Geschichten bekannter Kinder- und Jugendbuch-Autoren, die speziell für das Welttagsbuch verfasst wurden. Dank der großzügigen Finanzierung des Fördervereins "Freunde der DZB e. V." kann diese Aktion bereits zum fünften Mal unterstützt werden. Damit stehen die spannenden Geschichten auch nichtsehenden Kindern zur Verfügung.
Die DZB Leipzig unterstützt somit zum fünften Mal die bundesweite Aktion zur Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen. "Ich schenk Dir eine Geschichte" gibt es in Voll- und Kurzschrift. Dazu bieten wir, nach der positiven Resonanz im Vorjahr, wieder ein digitales E-Braille an.
Der Welttag des Buches findet seit 1996 am 23. April statt. Am weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren nehmen zahlreiche Buchhandlungen, Verlage, Schulen und Bibliotheken teil.

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Die Zukunft barrierefrei - Lehrveranstaltungen an der HTWK und Uni Leipzig

Michael Wallies
Im aktuellen Sommersemester 2011 führt die DZB Leipzig an der Universität Leipzig und der Hochschule für Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) jeweils ein Seminar durch. Dabei wird den Studierenden ein umfassender wie praxisnaher Einblick in das Themenfeld der Barrierefreiheit vermittelt. Beide Veranstaltungen werden durch den Direktor der DZB, Dr. Thomas Kahlisch, geleitet.
In den Seminaren werden traditionelle und moderne Verfahren der Kommunikation und Medienaufbereitung für Menschen mit erheblichen Einschränkungen in ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten vorgestellt. Die Veranstaltungen bieten einen Überblick - sowohl zur Brailleschrift für blinde Menschen als auch zu der Gebärdensprache für gehörlose Personen. Weiterhin erfahren die Studierenden, wie ein DAISY-Buch entsteht oder was man unter Barrierefreiheit im Internet versteht. Dazu werden auch Anwendungen adaptiver Technik, wie Braillezeile oder synthetische Sprachausgabe, vorgestellt. Bei den einzelnen Terminen wirken Mitarbeiter der jeweiligen Fachabteilungen der DZB Leipzig mit.Das Seminar "Das Buch als Medium" wird am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig für Studierende des Masterstudiengangs angeboten. Das Seminar "Aspekte barrierefrei gestalteter Informationstechnologien und -angebote" an der HTWK Leipzig ist eine Gastvorlesung im Lehrbereich "Elektronisches Publizieren und Interface-Design".

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9. Deutscher Hörfilmpreis verliehen

Bei der Verleihung des 9. Deutschen Hörfilmpreises am 15. März konnte erstmals ein Film gleich zwei der begehrten Auszeichnungen auf sich vereinen. Die Hörfilmfassung der deutschen Komödie "Ganz nah bei Dir" wurde nicht nur von der Jury ausgewählt, sondern gewann auch den begehrten Publikumspreis.
Unter den zehn Nominierungen konnte sich auch die internationale Produktion "Die Päpstin" bei der prominent besetzten Jury durchsetzen.
Mit einem Sonderpreis für die besondere Qualität der Filmbeschreibung wurde der Kinder- und Familienfilm "Lippels Traum" geehrt, den Universum Film eingereicht hatte. Bernd Benecke vom Bayerischen Rundfunk, der die Hörfilmfassung produziert hatte, freute sich gemeinsam mit den Darstellern Karl Alexander Seidel und Uwe Ochsenknecht über die Auszeichnung, die von Schauspielerin und Jurymitglied Bettina Zimmermann überreicht wurde. Ochsenknecht war übrigens in einer Doppelrolle bei der Preisverleihung, denn er sorgte mit seiner Band auch für musikalische Akzente des Abends.
Die Aktion Mensch fördert den Deutschen Hörfilmpreis, der seit 2002 vom DBSV verliehen wird. Hauptsponsor war bereits zum sechsten Mal Pfizer Deutschland.
Mehr Infos zum Deutschen Hörfilmpreis unter www.deutscher-hoerfilmpreis.de.
[Quelle: "DBSV-direkt"]

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Hörspielpreis der Kriegsblinden

Den Hörspielpreis der Kriegsblinden 2011 erhält das Hörspiel "Schicksal, Hauptsache Schicksal" von Robert Schoen. Die Erstausstrahlung erfolgte 2010 im Hessischen Rundfunk.
[Quelle: http://www.kriegsblindenbund.de/cms/hoerspielpreis-der-kriegsblinden.html]

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Design-Tag für blinde und sehbehinderte Besucher

Das Museum August Kestner in Hannover lädt Blinde und Sehbehinderte am Sonntag, dem 29.5.2011, von 11:30 bis 17:00 Uhr ein, die Ausstellung "Die Essenz der Dinge. Design und die Kunst der Reduktion" zu erleben. Die Einladung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Beratung für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung im AStA Hannover.
Um 11.30 Uhr beginnt die Veranstaltung mit einem Vortrag zum Thema "Anonymes Design".Nach einer Mittagspause findet dann um 15.00 Uhr eine Führung durch die Ausstellung statt. Die Veranstaltung endet um 17.00 Uhr.
Sie können zum Vortrag oder zur Führung auch alleine kommen. Für Abholung an der Haltestelle Aegidientorplatz wird gesorgt. Wenn Sie von weiter anreisen und eine Hotelunterkunft benötigen oder vom Bahnhof abgeholt werden müssten, können wir Sie selbstverständlich unterstützen. Um rasche Anmeldung wird gebeten.
Anmeldung über:
Beratung für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung AStA der Leibniz Universität Hannover
Welfengarten 1, 30167 Hannover
Telefon: 0511 762 5061
Mail: handicap@asta-hannover.de
Internet: http://barrierefreie-uni.asta-hannover.de. | www.museum-august-kestner.de

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Vierte Deutsche Blindenfußballbundesliga angepfiffen

Neun Teams aus Berlin, Braunschweig, Chemnitz, Gelsenkirchen, Hamburg, Köln, Mainz-Würzburg, Marburg und Stuttgart kämpfen an vier Spieltagen um den Deutschen Meistertitel. Zwei der vier Spieltage, und zwar der 14. Mai in Mannheim und der 2. Juli in Hannover, werden in Innenstädten auf zentralen Plätzen ausgetragen. Die drei Ligaträger Sepp-Herberger-Stiftung, Deutscher Behindertensportverband und DBSV wollen so noch mehr sehende Sportfans als Zuschauer begeistern.
Bundespräsident Christian Wulff hat für drei Jahre die Schirmherrschaft für die Blindenfußballbundesliga übernommen.
Der DBSV ermöglicht den Teams die Teilnahme an der Liga durch finanzielle Förderung und finanziert die Hörkommentare aller Spiele. Sehbehinderte und blinde Gäste können die Beschreibung des Spielgeschehens über ausleihbare Funkkopfhörer am Spielfeldrand verfolgen. Diese Beschreibungen werden zudem live übertragen im Internet unter http://de.1000mikes.com/show/blindenfussballbundesliga und per Telefon unter 0541 444418750. Mehr Infos im Internet unter www.blindenfussball.de
Dem ersten Spieltag am 16./17.4.2011 in Hürth folgen:
[Quelle: "DBSV-direkt"]

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich im Jahresabonnement wahlweise als CD-DAISY, in Blindenkurzschrift und in Schwarzschrift.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
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