DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 4 – 2011

Juli / August

21. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Einblicke

Gemeinsam in die Zukunft! - DZB-Nutzer können sich für die digitale Bibliothek Bookshare anmelden

Wie war das damals?

Bibliothekare und Bibliotheken - einst und jetzt

Vorschau Kalender 2012

1. Großdruck-Kalender

2. Punktdruck-Kalender

3. Punktdruck mit Großdruck

Brailleschrift - Relikt oder Chance?

Die Brailleschrift und das universelle Gestalten - eine Bestandsaufnahme der Herausforderungen

Braille-Tag in Deutschland

Die Kramkiste

Anna Maria Jokl: "Die Perlmutterfarbe. Ein Kinderroman für fast alle Leute"

Jane Austen: "Emma"

LOUIS

Radio-TV - die Programminformationen am Telefon

Info-Service

Neuerungen in den Online-Bibliothekskatalogen

City-Plan Leipzig

Berühren, Staunen, Begreifen! - Tag der offenen Tür 2011

Veranstaltung mit "Zigaretten danach"

Impressum

Vorbemerkung

Die Kinder haben Ferien, die Medien propagieren das Sommerloch und wir bieten Ihnen wieder eine randvoll mit Informationen gefüllte Ausgabe der "DZB-Nachrichten"!
In der Artikelserie zu Braille21 meldet sich heute Gregor Strutz zu Wort. Sein Thema: Brailleschrift und universelles Design. Wir stellen Ihnen außerdem das Programm für den Braille-Tag in Deutschland vor, der anlässlich des Weltkongresses Braille21 stattfinden wird.
Doch nicht nur große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus, sondern auch schon das nächste Jahr: Wir informieren Sie über das Kalenderangebot für 2012 und lüften damit das Geheimnis um das Thema des 12er Reliefwandkalenders. Lieferbar sind die Kalender ab 1. September, vorbestellen können Sie jetzt schon.
Außerdem: Unter „Einblicke“ finden Sie ein Interview zur einer interessanten Vermittlerrolle, die die DZB nunmehr einnimmt.
Kommen Sie gut über den Sommer!
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Einblicke

Gemeinsam in die Zukunft! - DZB-Nutzer können sich für die digitale Bibliothek Bookshare anmelden

Michael Wallies
Wir freuen uns, Interessierten an fremdsprachiger Literatur einen neuen Service vorzustellen. Seit Juli 2011 können sich die Nutzer der DZB Leipzig für die webbasierte digitale Bibliothek Bookshare anmelden. Das amerikanische Online-Portal bietet Menschen mit Lesebehinderungen einen digitalen Zugang zu fremdsprachigen Büchern und Zeitschriften. Die von Bookshare zur Verfügung gestellten Daten können ohne Probleme in Braille-Schrift, Großdruck oder synthetischer Sprache ausgegeben werden. Viele der Titel stehen auch Menschen außerhalb der USA zur Verfügung. Dafür ist allerdings ein Nachweis der Sehbehinderung notwendig, der aufgrund der internationalen Formalitäten für blinde und sehbehinderte Menschen aus Deutschland bislang nicht möglich war. Im Rahmen einer Kooperation übernimmt die DZB Leipzig für ihre Nutzer die verbindliche Bestätigung der Sehbehinderung. Damit ist die Anmeldung problemlos möglich. Sobald die Jahresgebühr für Bookshare bezahlt ist, kann jederzeit auf der barrierefreien Webseite selbstständig recherchiert werden. Die Titel sind dann sofort zum Herunterladen verfügbar. Lesen/Hören Sie das Interview mit Dr. Thomas Kahlisch (Direktor DZB Leipzig) und Anne-Kathrin Thiele (Mitarbeiterin DZB Leipzig), das über die Hintergründe informiert.
Frage: Was muss man sich unter Bookshare vorstellen?
Antwort: Thiele: Bookshare ist ein Projekt der US-amerikanischen Firma Benetech. Es handelt sich dabei um eine digitale Datenbank, die in Formaten, die blinde und sehbehinderte Menschen nutzen können, Literatur zur Verfügung stellt. Insgesamt gibt es in der Datenbank 100.000 Titel. Für die deutschen Nutzer, die wir damit erfreuen wollen, stehen 29.000 Titel zur Verfügung, z. B. Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur, aber auch Fach- und Sachbuchliteratur für Schule und Studium.
Frage: Warum machen wir das?
Antwort: Kahlisch: Die Zahl von 29.000 Titeln spricht für sich. Bookshare stellt diese als Braille- oder DAISY-Texte zur Verfügung. Der Zugang zu englischsprachiger Literatur ist für den ein oder anderen blinden Menschen von großem Interesse, insbesondere auch zu Fach- und Sachbuchliteratur. Bookshare ist eine sehr innovative Organisation aus den USA, die nicht nur in Europa, sondern auch in Asien firmiert. Nicht, dass wir das eins zu eins übernehmen wollen. Wir sehen da natürlich spannende Konzepte, die auch für Deutschland interessant sind. Wir können auf der einen Seite den Zugang zu dieser Literatur gewährleisten. Auf der anderen Seite wollen wir unsere Literatur ins Internet bringen und schneller verfügbar machen. Da gibt es viele Felder, wo wir in Zukunft Themen haben, die wir gemeinsam bewegen wollen. Ich denke an das Stichwort: Digitale Bibliothek für lesebehinderte Menschen.
Frage: Wie sind Sie mit Bookshare ins Gespräch gekommen?
Antwort: Kahlisch: In Englisch (lacht). Mit Betsy Beaumon, der Vizepräsidentin von Bookshare. Sie war zu der Kongressveranstaltung DAISY 2009 in Leipzig. Sie war sehr interessiert an Leipzig. Wie es so ist, man fährt per Zufall zusammen Fahrstuhl. Da habe ich gesagt: "Betsy, es wäre toll, wenn Du mir den Zugang für Eure Bibliothek gewähren könntest. Ich fände es eine spannende Sache, in der Zukunft etwas zusammen zu machen. Wie wär's denn, wenn unsere Nutzer die gemeinfreie Literatur ausleihen können?" Ich wollte es natürlich erstmal ausprobieren. Sie sagte, dass es eine super Idee wäre. Für den Zugang ist ein Nachweis der Behinderung notwendig. Sie meinte, dass sie ja sieht, dass ich blind bin. Dann sind wir lächelnd auseinander gegangen und eine E-Mail tauschte die andere aus. Es ging natürlich nicht ganz so schnell, wie wir anfangs dachten. Dann kam Frau Thiele und jetzt haben wir eine Lösung.
Frage: Für welche Nutzergruppen ist Bookshare interessant?
Antwort: Thiele: Ich denke, dass es für viele Nutzergruppen interessant ist. Zum einen für Nutzer, die gern englische Literatur lesen. Bei Bookshare ist es nicht irgendwelche Literatur, sondern hochaktuelle. Sie arbeiten viel mit Freiwilligen zusammen und so ist es möglich, dass sehr viele Texte schon zum Veröffentlichungsdatum bei Bookshare verfügbar sind. Bookshare ist auch für Studenten attraktiv, die für ihr Studium Literatur benötigen. Da Bookshare mit großen Verlagen, wie Cambridge University Press, Princeton University Press, Harper Collins oder Random House zusammen arbeitet, steht gut fundierte Literatur zur Verfügung.
Frage: Die Nutzer müssen für Bookshare einen jährlichen Betrag bezahlen. Warum ist dies für die Nutzer kostenpflichtig? Wenn man in der DZB Leipzig ein Buch bestellt, dann erfolgt dies kostenlos.
Antwort: Kahlisch: Die DZB Leipzig tritt ja lediglich als Vermittler auf. Wer sich für die Dienstleistungen interessiert, kann von uns vermittelt werden. Wir autorisieren unsere Nutzer, denn wir wissen, dass die Sehbehinderung nachweislich besteht. Diese Nutzer können dann bei Bookshare Mitglied werden, da sie die Bedingungen erfüllen. Dazu muss man keinen komplizierten englischen Formularaustausch tätigen. Wir können so die Kommunikation unterstützen. Bookshare selbst nimmt Geld. Das hat mit den sonstigen Service-Angeboten der DZB Leipzig überhaupt nichts zu tun. Das ist die Gebühr, die jeder Nutzer bei Bookshare bezahlt.
Frage: Ist diese neue Vermittlerrolle ein Modell für die Zukunft?
Antwort: Kahlisch: Was es wird, muss sich zeigen. Wir wollen jetzt das Angebot schaffen. Erst dann sehen wir, welches Interesse besteht und wie die Nutzer damit zurechtkommen. Bookshare hat gute Kontakte zu den amerikanischen Verlagen. Die Konzepte sind sehr innovativ und auf Kooperation ausgerichtet. Sie sind bereit, am Netzwerk an einer globalen Bibliothek zu arbeiten. Es ist wichtig, gemeinsam mit solchen Partnern international zu überlegen, wie man eine globale Bibliothek für Lesebehinderte verwirklichen kann. Es gibt sehr viele, auch rechtliche, Fragen die noch nicht geklärt sind. Wir blicken aber optimistisch in die Zukunft, denn wir sind davon überzeugt, dass wir Lösungen finden. Wir wollen, was möglich ist, bereits anbieten. Wer also Interesse an hochaktueller gemeinfreier fremdsprachiger Literatur hat, der kann diese Texte bei Bookshare bekommen. Wenn Sie mehr wissen wollen, informieren Sie sich bei Ihrer DZB Leipzig.
Kontakt
Jana Waldt
Tel.: 0341 7113-116
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: jana.waldt@dzb.de
Internet: www.dzb.de/bookshare

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Wie war das damals?

Bibliothekare und Bibliotheken - einst und jetzt

Susanne Siems
Im deutschsprachigen Blindenwesen kennt man seit 1873 die Blindenlehrerkongresse, Berufsveranstaltungen von Lehrern, die sich seit 200 Jahren aktiv für die Bildung blinder Menschen einsetzen. Doch auch andere Berufsgruppen können auf eine lange Tradition ihrer Fachgremien zurückschauen. Die DZB ist auch eine Bibliothek, es liegt also nahe, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, etwas zur Geschichte der Bibliothekartage zu erzählen.
Der 100. wurde jüngst begangen, vom 7. bis 10. Juni 2011 in Berlin. 4.500 Teilnehmer zählte der Kongress, veranstaltet im Estrel-Hotel nahe der Sonnenallee. Begonnen hatte es im Jahr 1900 in Marburg, einer Stadt, die ja vielen blinden Menschen nicht unbekannt ist. 1897 hatte sich die erste Vereinigung deutscher Bibliothekare gegründet, der Bibliothekartag war fortan die jährliche Mitgliederversammlung des Vereins. Am ersten Bibliothekartag nahmen 68 Bibliothekare teil, alles Bibliotheksleiter und ausschließlich Männer. Was soll man dazu sagen, liebe Leserinnen? Ich möchte an dieser Stelle nicht über Fragen der Emanzipation schreiben. Beachtenswert ist in diesem Kontext allerdings, dass die erste Leitung der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in den Händen einer Frau lag.
Kehren wir in das Jahr 1900 zurück. Die Zusammenkunft war und ist in erster Linie als bundesweite Fortbildungsveranstaltung für Bibliothekare angelegt. 1900 gab es bereits 3 unterschiedliche Themenbereiche. Von großem Interesse waren damals - unter neuen Aspekten übrigens auch wieder heute - die Inkunabeln. Man nennt sie auch Wiegendrucke, Schriften, die nach Gutenbergs genialer Erfindung der beweglichen Lettern bis zum Jahr 1500 erschienen sind. Eine große Rolle spielten auch Fragen um die Bibliotheksarchitektur. Das dritte Thema erinnert wieder einmal stark daran, dass in der Geschichte viele Themen, die uns heute so aktuell erscheinen, die Gemüter schon vor Jahrzehnten beschäftigt haben. So betrachtet ist es nicht verwunderlich, dass sich die Herren Bibliothekare ausführlich mit der Bibliotheksstatistik beschäftigt haben.
Vereinsstrukturen ähneln sich - also wurden recht bald Kommissionen zu verschiedenen Fachthemen gebildet. Wiederum stand die Bibliotheksstatistik im Vordergrund - sie wurde Inhalt der ersten, 1902 gegründeten Kommission. Es folgten Gremien zu amtlichen Druckschriften oder Fragen des Einbandes von Büchern.
Einen wichtigen Unterschied zu den heutigen Veranstaltungen gab es: auf den ersten Bibliothekartagen wurden ausschließlich Sachthemen behandelt, sogenannte Standesthemen zum Berufsbild waren tabu. Heute, in der Informationsgesellschaft, sind gerade das natürlich brisante Fragen: welche Aufgaben hat ein Bibliothekar heute und in der Zukunft, wie sinnvoll sind Auslandspraktika?
Die wechselvolle Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen und der deutschen Wiedervereinigung findet sich natürlich auch in der Geschichte des Bibliothekartages wieder. Umso bemerkenswerter, dass der Kongress heute die größte Fortbildungsveranstaltung Europas ist.
Was wären Bibliothekare ohne Bibliotheken? Obdachlose? Blumen ohne Erde? Wer über die Geschichte der Bibliothekarsverbände schreibt, kann die Geschichte der Bibliotheken nicht weglassen. Spannend ist so eine Sicht von oben auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer.
Während bis zum 19. Jahrhundert Bibliotheken vorwiegend als architektonische Meisterleistung zur Aufbewahrung von Büchern betrachtet wurden, trat im 20. Jahrhundert der Bestand in den Vordergrund. Welche Bücher hat eine Bibliothek, welche Sammlung zeichnet sie vor allen anderen Bibliotheken aus. Heute, im 21. Jahrhundert, scheinen Raum und Zeit zu schrumpfen. Quasi jedes beliebige Buch ist am nächsten Tag verfügbar, egal an welchem entlegenen Ort der Erde sein physischer Standort ist. Der Service für den Benutzer steht nun im Mittelpunkt der Bibliotheksarbeit. Für die nächsten Jahrzehnte muss es darum gehen, all diese Dinge in einer Zukunftsbibliothek zu vereinigen. Informationszugang für jedermann, Bewahrung der Wissensinhalte und funktionale, aber ästhetische Orte, an denen man dieses Wissen bekommen kann.
Das spiegelte sich auch in den Themen des 100. Bibliothekartages wieder: Die Digitale Bibliothek, Langzeitarchivierung, Verbesserte Serviceangebote für die Benutzer. Es muss die Balance gehalten werden zwischen der Bewahrung von Literatur und der Bereitstellung ihrer Inhalte zur aktuellen Nutzung. Darin sieht auch die DZB ihre Aufgabe für die Nutzer.

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Vorschau Kalender 2012

1. Großdruck-Kalender

Großdruck-Taschenkalender 2012
Format 14 x 12 cm, Ringbroschur
Der Kalender im handlichen Taschenformat ist in ein Monats- und ein Wochenkalendarium gegliedert. Die einzelnen Wochen sind mit den Mondphasen auf einer Doppelseite abgebildet. Sie verfügen pro Tag über zwei Zeilen für eigene Notizen. Beide Kalendarien enthalten die bundesweiten Feiertage. Zusätzlich informiert der Service-Teil u. a. über wichtige Telefonnummern und die Termine der Schulferien. Die Schrift im Kalender ist 8 mm groß.
6,00 €, BNV 6953
Großdruck-Tischkalender 2012
Wochenübersicht
Querformat A4, Ringbroschur
Das praktische Format bietet je eine Woche im Überblick. Im Kalendarium gibt es genügend Raum für eigene Notizen. Die Schriftgröße ist 12 mm. Die Ringbindung gestattet ein flexibles Auf- oder Umschlagen der Seiten. Enthalten sind die bundesweiten Feiertage, Ferientermine sowie die Mondphasen.
7,90 €, BNV 6936
Großdruck-Wandkalender 2012
Wochenübersicht
Hochformat A3, Ringblock mit Aufhängung
Die Zahlen und Buchstaben in diesem Kalender sind 2,5 cm groß! Für Notizen steht mit fast 50 mm hohen Zeilen ausreichend Platz zu Verfügung. Enthalten sind u. a. die Ferientermine sowie die Mondphasen.
9,90 €, BNV 6937

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2. Punktdruck-Kalender

Die Punktdruck-Taschenkalender tragen neue Bezeichnungen: MINI, MAXI und FLEXI. Leerblätter für Notizen enthält der Kalender FLEXI.
Jahreswandkalender 2012
Format 50 x 42 cm, Blatt mit Aufhängung
Ein Kalendarium für das ganze Jahr in Vollschrift auf weißer Folie. Jeweils drei Monate sind nebeneinander, die Quartale untereinander angeordnet. Tastbare Kennzeichnung der gesetzlichen bundesweiten Feiertage und der Mondphasen.
3,80 € , BNV 6938
Taschenkalender MINI 2012
Vollschrift
Format 13 x 11 cm, Heft, 16 Seiten
Handlich, praktisch, konzentriert: Ein Monatskalendarium mit Angabe der gesetzlichen bundesweiten Feiertage.
2,10 € , BNV 6954
Taschenkalender MAXI 2012
Kurzschrift
Format 13 x 11 cm, Ringbroschur
Handlich, informativ, ausführlich: Feiertage, Ferientermine, Wochenzahl, Arbeitstage, Mondphasen sowie ein Service-Teil mit wichtigen Telefonnummern.
Die Ringbindung ermöglicht ein bequemes Umblättern der Seiten und bei Bedarf eine Nutzung als Tischkalender.
6,00 € , BNV 6955
Taschenkalender FLEXI 2012
Kurzschrift, mit Leerblättern
FLEXI bietet die inhaltlichen Vorzüge des Kurzschriftkalenders in einem flexiblen Einband. Die Zwei-Ring-Rund-Mechanik erlaubt das flexible Einheften von Notizblättern bis zu einer Füllhöhe von 20 mm. Ein Lesezeichen garantiert jederzeit die Orientierung. Im Lieferumfang sind 25 Notizblätter enthalten.
7,90 €, BNV 6956
Nachfüllpack Kalendarium + Leerblätter
für Taschenkalender FLEXI 2012
5,90 € , BNV 6952
Nachfüllpack Leerblätter
für Taschenkalender FLEXI 2012
25 gelochte Einlegeblätter
1,90 € , BNV 6089

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3. Punktdruck mit Großdruck

Relief-Wandkalender 2012 : "Chinesische Tierkreiszeichen"
Format 27 x 34 cm, Ringblock mit Aufhängung
Dieser Kalender ist in Kooperation mit dem Konfuzius-Institut Leipzig entstanden.
Jedes Motiv ist auf einem transparenten Relief dargestellt, das mit einem farbenfrohen Druck unterlegt ist. Der Abbildungs- bzw. Reliefteil des Kalenders zeigt die Darstellungen der Tiere und der betreffenden chinesischen Schriftzeichen.
Die Illustrationen wurden von der am Leipziger Konfuzius-Institut tätigen Chinesin Yan Zhuang geschaffen. Ihre heiteren, unbeschwerten Zeichnungen transportieren das auf Ausgleich und Harmonie bedachte chinesische Gegenstück zur durch Schicksal und Vorbestimmung gekennzeichneten westlichen Astrologie auf besondere Art und Weise und entsprechen dem Anliegen eines Kalenders für Jung und Alt.
Die Texte beschreiben Hauptcharakteristika, die mit den einzelnen Tierkreiszeichen verbunden sind. Unter dem Namen des Tierkreiszeichens sind jeweils die Jahreszahlen angegeben, die ihm grob zugeordnet werden. Für die genaue Zuordnung befindet sich eine Zeittafel im Anhang, mit dem der Kalender erstmals ausgestattet wurde.
Kalendarium und Texte sind in Blindenvoll- und Schwarzschrift verfasst.
18,00 €, BNV 6951

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Kontakt für Ihre Bestellungen:
Tel.: 0341 7113-119
E-Mail: verkauf@dzb.de

Brailleschrift - Relikt oder Chance?

Im September findet in Leipzig der Weltkongress "Braille21" statt, an dessen Vorbereitung und Organisation die DZB maßgeblich beteiligt ist. "Braille21" wird sich mit der Gegenwart und Zukunft der Brailleschrift befassen.
Die aktuelle Sicht auf das System der Brailleschrift und deren Perspektiven in der modernen Mediengesellschaft ist durchaus differenziert. Wir möchten Ihnen in Vorbereitung auf "Braille21" unterschiedliche Sichtweisen auf das Sechs-Punkte-System von Louis Braille vorstellen und hoffen auf diese Weise Anreize für eine lebhafte Diskussion zum Thema Braille in Gegenwart und Zukunft setzen zu können - gerne auch in der "Postecke".

Die Brailleschrift und das universelle Gestalten - eine Bestandsaufnahme der Herausforderungen

Gregor Strutz
"Heraus aus der Nische - hinein in das volle Leben!" Auf nicht weniger als dieses, zugegebenermaßen bahnbrechende Ziel, lässt sich die UN-Behindertenrechtskonvention reduzieren. Eine Forderung, die große Auswirkungen auf unsere Gemeinschaft und unser aller Zusammenleben haben wird. Mit der Konvention verbunden ist die inklusive Gesellschaft, die sich auf die Belange behinderter Menschen einstellt und nach neuen Mitteln und Wegen sucht, Vielfalt in den Alltag einzubeziehen.
Wie das gehen soll? Auch hierfür bietet die Behindertenrechtskonvention Ansätze. Neben vielen anderen Themenbereichen wird hier zum ersten Mal ein Design for all, also eine Gestaltung gefordert, die für alle Menschen da ist und sich somit den spezifischen Bedürfnissen unterschiedlicher Nutzergruppen öffnet. Das damit verbundene Ziel ist einfach zu beschreiben: Wir wollen im Supermarkt der Zukunft eine Produktpalette vorfinden, die sich auch an Menschen mit Einschränkungen richtet und die von ihnen eigenständig und problemlos genutzt werden kann.
Für uns, die wir uns mit der Zukunft der Blindenschrift beschäftigen, drängt sich dabei eine Gleichung auf, die so lauten könnte: Design for all = Braille for all! Wir versehen einfach alle Produkte mit Braille-Beschriftungen und schon ist die kommerzielle Welt inklusiv und richtig. So verlockend dieser Ansatz auch erscheint und so wünschenswert er wäre, uns ist sicherlich allen klar, dass diese Forderung eher einem Wunschtraum gleicht. Der Weg zu mehr Braille im Alltag wird deutlich länger und steiniger - und das trotz der vollumfänglichen Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Design versus Braille - unterschiedliche Voraussetzungen
Wenn wir uns ernsthaft dafür einsetzen, dass die Blindenschrift in Zukunft in der kommerziellen Welt eine wichtigere Rolle spielt, müssen wir uns zunächst mit den Unterschieden beschäftigen, die zwischen professionellem Design und der Brailleschrift liegen. Denn im Moment liegen zwischen beiden Begriffen Welten - genauer gesagt die Welt der Sehenden und die der Blinden.
Braille ist ein Werkzeug, das blinde Menschen lesend macht. Die Blindenschrift vermittelt Inhalte und bildet eine wichtige Grundlage für die Lehre und die Kommunikation zwischen Menschen. Braille steht der Schwarzschrift in Umfang und Gebrauch in nichts nach, weist aber einen entscheidenden Unterschied auf. Im Gegensatz zur Schwarzschrift, die sich ästhetischen Anforderungen entsprechend in dicken und dünnen Schriftschnitten anordnen lässt, die man in Größe, Farbe und Schrägstellung variieren kann und deren Formenspektrum keine Grenzen kennt, bleibt die Brailleschrift weitgehend standardisiert.
Professionelles Design hingegen ist fest in der Welt der Sehenden verankert. Es bildet eine wichtige Säule zur Anreizverstärkung beim Kaufen und Verkaufen von Waren. Design ist mehr als eine bloße Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen. Es bildet die Grundlage für Kaufentscheidungen, wenn sich Waren in ihrem Leistungsspektrum und ihrem Verkaufspreis kaum noch unterscheiden. Da dies in der westlichen Welt immer öfter der Fall ist, wurden in den letzten 20 Jahren ganz eigene Ästhetikwelten entwickelt. Design ist der entscheidende Faktor um ein Image, eine Marke aufzubauen und ohne Image werden Waren heutzutage nur noch schwer verkauft. Der Käufer entscheidet sich also für eine Marke, weil sie ihm gesellschaftliche Anerkennung einbringt, mit der er sich entweder von anderen abgrenzen oder als ihnen zugehörig zeigen kann. Das Image eines Produkts ist sowohl in der Welt der Mode, als auch am Kühlregal im Supermarkt von Bedeutung, wenn sich ein Kunde zwischen acht verschiedenen Milchtüten entscheidet.
Design ohne Braille - warum die Verwendung von Braille in der Welt des professionellen Designs bisher nicht stattfindet
Betrachten wir die Welt des Designs müssen wir feststellen, dass in der Ästhetik-Welt der Sehenden die Blindenschrift fast gar nicht vorhanden ist. Ihr sind nur wenige Bereiche vorbehalten. Außerdem findet Inklusion hier nur statt, weil der Gesetzgeber die Verwendung der Braille-Schrift vorgeschrieben hat. Bauliche Umgebungen, wie beispielsweise Fahrstuhlanlagen sind dabei zu benennen und auch im Gesundheitswesen hat Braille mit der Beschriftung von Arzneiverpackungen Einzug gehalten. Darüber hinaus schwindet die Anzahl der Braille-Anwendungen deutlich.
Ein Hauptgrund hierfür ist sicherlich, dass Braille für Sehende einen exklusiven Code darstellt, der einige Wenige fasziniert, von den meisten aber nicht verstanden wird. Es ist immer noch nicht selbstverständlich Braille-Beschriftungen vorzufinden, weshalb Berührungspunkte Sehender mit der Schrift der Blinden selten sind. Findet man sie doch einmal, ist sie zur vertrauten Schwarzschrift nicht in Bezug gestellt. Doch wo Blindenschrift sich nicht nachvollziehen lässt, kann keine Auseinandersetzung mit ihr stattfinden.
Auch sind die Produktionsverfahren für Braille häufig immer noch zu kompliziert. Sie eignen sich nur bedingt für die Produktion in großen Stückzahlen oder sind mit höheren Kosten verbunden, die gegen eine großflächige Anwendung sprechen. Doch auch in den Bereichen, in denen die Inklusion von Braille ohne großen Aufwand möglich wäre, weil beispielsweise Plastikverpackungen in Formen gegossen oder gepresst werden, findet diese nicht statt.
Hierfür spielen nicht zuletzt bestehende Berührungsängste der Designer gegenüber der Barrierefreiheit und inklusiver Gestaltung eine Rolle. Diese lassen sich unter anderem auch von dem Aussehen klassischer Braille-Produkte herleiten. Die oft zu Recht als Reha-Design verschrieenen Produkte entstehen viel zu häufig unter Missachtung der Ästhetik. Sie folgen einzig der Logik der klassischen Behindertenselbsthilfe und können als Positivbeispiel somit nicht dienen.
Design mit Braille - Universal Design als Chance für ein "Design for all"
Trotz der genannten Schwierigkeiten bei der Verbindung von Braille und professionellem Design hat es noch nie einen günstigeren Zeitpunkt für das Erreichen unserer Ziele gegeben, als die heutige Zeit. Ein Grund ist sicherlich die UN-Konvention. Ein deutlich wichtigerer ist jedoch in den Veränderungen der westlichen Zivilisationen selbst zu suchen. Deren Menschen haben mittlerweile eine deutlich längere Lebenserwartung und bekommen gleichzeitig immer weniger Kinder. Es entwickelt sich eine Überalterung unserer Gesellschaft. Mit ihr nimmt gleichzeitig auch die Akzeptanz von Menschen zu, die eine körperliche Einschränkung im Alltag erleben. Ganz einfach, weil ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung weiter steigt und sich bisherige Normen verschieben. Und noch wichtiger: Diese Personengruppe stellt eine wachsende Käuferschicht dar. Sie fragt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen nach und verfügt über die notwendigen finanziellen Mittel, diese auch nutzen oder käuflich erwerben zu können. Somit ergibt sich eine Marktgrundlage und dadurch wird der Bereich inklusiver Produkte für Produzenten wie auch Designer im zunehmenden Maße attraktiv.
In diesen Prozess müssen wir uns einmischen und gestaltend tätig werden. Denn mit Braille versehene, inklusiv gestaltete Produkte können interessante Vorzüge gegenüber Konkurrenzprodukten aufweisen.
Eine mit Brailleschrift versehene Milchtüte hebt sich deutlich von ihren Konkurrenzprodukten ab und führt für alle Konsumenten zu einer besseren Unterscheidbarkeit. Sie generiert damit einen zusätzlichen Kaufanreiz, der sich bei höherwertigen Artikeln rentiert und den gesellschaftlich korrekt agierenden Verbraucher anspricht. Diesen Konsumenten trifft man sicherlich selten im Discounter an, weshalb man hier im Milchregal unsere Braille-Milchtüte kaum finden wird. Doch überall dort, wo Qualität nachgefragt wird, kann Braille zu einem weiteren Merkmal des Leistungsnachweises werden - genauso wie ein Bio-Siegel oder das Qualitätssiegel einer Verbraucherschutzorganisation.
In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auf das Segment der gesundheitsfördernden Produkte aufmerksam machen, die immer häufiger mit Braille-Beschriftungen versehen sind. Sie kopieren sehr bewusst das Erscheinungsbild von Arzneiverpackungen. Aus einem bloßen Kräutertee wird so ein hochwertiger Gesundheitstee generiert. Die Inhaltsstoffe sind in den meisten Fällen die gleichen. Die Bereitschaft für das Produkt mit Arznei-Image ein wenig mehr Geld auszugeben, ist in breiten Teilen der Bevölkerung vorhanden. Und das, obwohl die meisten Käufer dieser Produkte die Brailleschrift gar nicht lesen können.
Gleichzeitig müssen wir aber auch verstehen, dass eine beliebige Verwendung von Braille sich schnell ins Negative verkehren kann. Seine unbedachte Anwendung kann Produkte auch als Hilfsmittel stigmatisieren, denen sich ältere Käuferschichten - selbst mit ersten körperlichen Einschränkungen - vehement verweigern würden. Wir müssen also die Brailleschrift in den Kontext einer völlig neuartigen, inklusiven Gestaltung stellen. Hierbei ist das Universal Design unser wichtigster Ansatz.
Universal Design mit Braille - Grundbedingungen zum Erreichen inklusiver Gestaltung
  1. Das auf Nutzerfreundlichkeit ausgelegte Universal Design ist das Design der Zukunft. Es bietet große Chancen für die Befriedigung der Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen. Dies zu erreichen gelingt nur über Professionalität.
  2. Inklusive Gestaltung funktioniert erst, wenn wir anfangen inklusiv zu arbeiten. Wir brauchen die Kooperation von Spezialisten der unterschiedlichen Gewerke.
  3. Wir brauchen neue Produktionsmethoden und müssen völlig neu denken, um unsere Ziele zu erreichen. Unser Ziel muss es sein, die Ästhetikwelt blinder Menschen mit der Sehender zu verbinden. Hier ist noch viel Erkenntnisarbeit zu leisten.
  4. Wir müssen stärker mit positivem Beispiel standardbildend vorangehen, statt Normierungen und Regeln einzufordern.
  5. Inklusive Gestaltung für blinde Menschen findet eine höhere Akzeptanz, wenn es uns gelingt auch die Bedürfnisse Sehbehinderter einzubeziehen. Wenn wir es schaffen, die Bedürfnisse und Gefühlswelt blinder und sehbehinderter Menschen in Beziehung zur Ästhetikwelt Sehender zu stellen, können wir breite Teile der Bevölkerung ansprechen und vom Nutzen eines Designs für Alle überzeugen.
(Gregor Strutz ist Grafikdesigner mit Schwerpunkt Universal Design. Im Jahr 2009 veröffentlichte er „Andere Augen - ein Fotolesetasthörbuch“, ein in Deutschland einzigartiges Projekt, das einen Foto-Bildband auch für Menschen mit Sehbehinderungen erlebbar macht. Aktuell arbeitet er an einem barrierefreien Gemäldeführer und entwickelt inklusive Museumskonzepte. Auf der Braille21 ist Gregor Strutz Referent zum Thema "Braille can still much more" (Braille kann noch viel mehr).

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Braille-Tag in Deutschland

Reiner Delgado (DBSV) und Jenni Schwan (DZB Leipzig)
"Braille21" ist nicht nur ein großer internationaler Fachkongress zur Brailleschrift. Am Tag vorher laden die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB Leipzig), der DBSV und viele weitere Partner zum Braille-Tag in Deutschland für Anwender und Interessierte ein. Das Programm umfasst Vorträge, Workshops und Mitmachaktionen, außerdem jede Menge Spaß und Unterhaltung. Am 27. September 2011 ist Leipzig eine Braille-Reise wert.
Braille ist nicht nur eine Schrift mit fast 200 Jahre alter Tradition, sondern Braille ist vor allem zukunftsfähig. Braille ist eine Schrift für alle Lebenslagen - für Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch für Alltag, Freizeit und Mobilität. Am Braille-Tag in Deutschland können sich die Besucher über all diese Bereiche der Braille-Anwendung informieren.
Was wird geboten?
Hinzu kommt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Wer Lust hat, kann sich im Blindentischtennis "Showdown" ausprobieren, als Sehender einen Dunkelparcours erleben oder eine Braillebotschaft im "Braille21"-Gästebuch hinterlassen.
Am Abend mischen sich schließlich die internationalen Kongressteilnehmer unter die Gäste des Braille-Tages und feiern gemeinsam die Brailleschrift. Interessierte Braille-Fans können natürlich zu einem oder allen drei Tagen des internationalen Kongresses in Leipzig bleiben.
Braille-Tag in Deutschland: 27. September 2011, Universität Leipzig, Zentralcampus am Augustusplatz
Die Teilnahme ist kostenlos! Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Dafür steht unter www.braille21.net/de/anmeldung ab 1. April bis 31. August 2011 ein Anmeldeformular zur Verfügung.
"Braille21" kann Schülern, Studierenden und Auszubildenden die Anreisekosten erstatten.
Kontakt:
Jenni Schwan und Clara Schneider
Tel.: 0341 7113-162
E-Mail: info@braille21.net
Internet: www.braille21.net

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Die Kramkiste

Im Bestand der Bibliothek gekramt
Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Anna Maria Jokl: "Die Perlmutterfarbe. Ein Kinderroman für fast alle Leute"

Anatoli Krüger
[Punktschriftbibliothek]
Die Handlung spielt in einer Schule irgendwo in Deutschland, vielleicht im Berlin oder München der 20er Jahre. Dort besucht Alexander die 3. Klasse, genauer gesagt die 3a, denn es gibt daneben noch die Parallelklasse b. In der Klasse sind 26 Jungs und 2 Mädchen, man lernt sie bald gut kennen, mit ihren Eigenheiten und Spitznamen - Lotte, Mausi, Maulwurf, Heihei, Knockout, Karli, der lange Gruber usw. Zwischen beiden Klassen gibt es kleine Rivalitäten, aber bisher nichts Ernstes.
In einer Pause beobachtet Alexander auf dem Gang, wie der Karli aus der b sehr gefesselt in einem Buch liest. Neugierig geworden, schleicht er heran, und entdeckt darin etwas, was auch ihn brennend interessiert. Von Verlangen getrieben, reißt er es dem Karli aus den Händen, und leiht es sich, gegen dessen Protest, bis zum nächsten Tag aus. Zufällig stand der lange Gruber daneben, ein neuer Mitschüler in der a, der aber von niemanden so recht gemocht wurde. Als nun Alexander abends in dem Buch blätterte und ein Bild daraus abzeichnen wollte, entdeckte er in seinem Malkasten ein Fläschchen mit Perlmutterfarbe, das war die neueste Erfindung eines Mitschülers, der sie eben erst an diesem Tag in der Klasse vorgeführt hatte. Es war unverständlich, wie diese Farbe in seinen Malkasten gekommen war. Da sie aber nun da war, wollte er sie auch gleich ausprobieren. Dabei geschah ihm ein Missgeschick, die Flasche fiel um und ergoss ihren Inhalt auf das Buch. Wie sollte er das jetzt alles erklären? Dass er die Farbe besaß, mit der er auch noch das teure Buch, das er sich mit Gewalt ausgeliehen hatte, verdorben hatte? Um alle Spuren zu beseitigen, verbrannte er einfach das Buch im Ofen.
Am nächsten Tag, als der Karli sein Buch zurückforderte, leugnete Alexander dreist, jemals ein Buch von ihm ausgeliehen zu haben, und der lange Gruber, der wieder wie durch einen Zufall dabei stand, und vom Karli zum Zeugen aufgerufen wurde, leugnete es ebenfalls. Nun war Alexander, ohne es eigentlich zu wollen, einer Lüge schuldig geworden, und gegen seinen Willen, durch dessen Mitwisserschaft, dem unsympathischen Gruber ausgeliefert.
In der letzten Zeit waren auch einige Diebstähle in der Klasse vorgekommen und der Gruber verstand es geschickt den Verdacht auf die b zu lenken. Außerdem verbreitete er in der Klasse die Überzeugung, dass sie überhaupt etwas Besseres wären, als die Schüler der b. Und bei alldem musste Alexander mittun. Nur eine kleine Gruppe in der Klasse widersetzt sich diesem Treiben.
Anna Maria Jokl zeigt in ihrem Buch an einem einfachen Beispiel die Mechanismen, wie Verblendung und Hetze entsteht, aus welchen Motiven sie sich speist, wie ihr so viele erliegen, und wie man ihr widerstehen kann.
Anna Maria Jokl sagte von sich selber, dass sie sechs Leben gehabt habe. Geboren 1911 in Wien, kam sie Ende der 20er Jahre nach Berlin, wo sie sich in Johannes R. Becher verliebte. Dann kam 1933 das Exil in Prag und 1939 die Flucht nach London, von 1950 bis 1965 lebte sie wieder in Westberlin, bis sie nach Israel auswanderte, wo sie 2001 in Jerusalem gestorben ist. Auf jeder ihrer Stationen musste sie neu anfangen, mit neuen Berufen, sich in drei Sprachen einleben. Ab 1950 arbeitete sie auch als Psychoanalytikerin. Das Buch "Die Perlmutterfarbe" hat sie 1937 in Prag geschrieben. Es ist 1948 im Dietz Verlag in der DDR herausgekommen und war ein großer Erfolg. Damals ist auch unsere Punktschriftausgabe entstanden. Deshalb kam Anna Maria Jokl 1950 nach Berlin, wo sie im Auftrag der DEFA ein Drehbuch dazu verfassen sollte. Doch schon nach zwei Monaten, wurde Jokl ohne Angabe von Gründen aus der DDR ausgewiesen und die Filmpläne zerschlugen sich.
1992 gab es eine Neuausgabe des Buches beim Suhrkamp Verlag und 2008 wurde "Die Perlmutterfarbe" in Deutschland verfilmt und kam auch in die Kinos.
Anna Maria Jokl verstand sich nicht als Kinderautorin, sondern sie wollte so, durch das Medium des Kinderbuches, mit Erwachsenen sprechen.

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Jane Austen: "Emma"

Jörg Klemm
[Hörbücherei]
Der Roman wurde 1815 veröffentlicht: Die schöne, reiche und verwöhnte Emma Woodhouse ist die ungekrönte Königin eines Dörfchens. Zusammenkünfte, Ausflüge, Tees und Bälle mit den Freunden des Hauses, wie Mr. Knightley oder den Damen Bates, wohltätige Besuche bei den ärmeren Bewohnern - Emmas Leben ist eine Aneinanderreihung von vergnüglichen, nicht ganz ernst gemeinten Unternehmungen. Ihr hypochondrisch-verzärtelter Vater wird ihrer schon lange nicht mehr Herr. Emmas Lieblingsbeschäftigung ist das Ehestiften - zumindest schreibt sie sich selbst das Zustandekommen der einen oder anderen Ehe zu. Ob's denn so ist? Nachdem ihre Gouvernante heiratete und in das Nachbarörtchen zog, ist Emma sich selbst überlassen und läuft zur Hochform auf.
So nimmt sie beispielsweise die hübsche Harriett unter ihre Fittiche, auch wenn Harriett aus unklaren Verhältnissen stammt - sie wuchs bei Pflegeeltern auf. Egal, Emma torpediert die Zuneigung zwischen Harriett und dem Farmer Robert Martin, dieser könne weder gesellschaftlich noch finanziell Harriett das Wasser reichen. Doch Emmas Unterfangen, Harriett mit dem Pfarrer Mr. Elton zu verheiraten, misslingt, zu standesbewusst ist dieser Mr. Elton, da hilft kein christlicher Glaube. Und obendrein wirft er, von Emmas Aufmerksamkeit verwirrt, selbst ein Auge auf Emma! Dem Verliebtheitstaumel macht Emma schnell ein Ende. So heiratet Mr. Elton eine unsägliche Frau, die reich, doch eingebildet und humorlos ist. Die neue Mrs. Elton und die Austenschen Schilderungen ihrer verbalen Entgleisungen sind ein Born der Heiterkeit für den Leser.
Eine weitere Liebesgeschichte, die zwischen der geheimnisvollen Jane Fairfax und dem, so scheint's, flatterhaft-lockeren Frank Churchill, würzt das Romantreiben, während Harriett und Robert Martin hinter Emmas Rücken erneut zusammenfinden - und während sich zwischen Emma und Mr. Knightley die vom Leser längst erahnten zarten Neigungen anbahnen.
Laut Jane Austen, ob nun ironisch gemeint oder nicht, ist Unehelichkeit - hier die illegitime Herkunft Harrietts - ein Makel, der nur von Adel oder Reichtum getilgt wurde. So ist die Standesungleichheit in "Emma" präsenter als in anderen Austen-Werken. Doch am Schluss begreift selbst Emma, dass Harriett zu gut für einen Mr. Elton ist und macht ihren Frieden mit der Liebesbeziehung zwischen Harriett und dem Farmer Robert Martin. Auch sie, die noch zu Romanbeginn nicht zu heiraten wünschte, tut dies zum Happy End.
Jane Austen schrieb nicht über Politik, Eroberungen und Entdeckungen. Sie schrieb über das ihr sehr Wohlbekannte, und das mit einer feinen Beobachtungsgabe, einem großen, gütigen Humor - obwohl "Emma" nun schon sehr, sehr altehrwürdig ist und vor fast 200 Jahren veröffentlicht wurde, macht die Lektüre großen Spaß, und das geschriebene Wort erscheint dem Leser ungeahnt frisch.
Wer sich dafür interessiert: Sprecherin: Gisela Seifert. 1088 Minuten. Bestellnummer: H004720.
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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis

Radio-TV - die Programminformationen am Telefon

Ulrich Jander
Bereits seit reichlich zwei Jahren bietet die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) mit technischer Unterstützung durch die Firma Phonepublisher eine Programmzeitschrift für Radio und Fernsehen über das Telefon an, ein sehr umfangreiches, bequem zu nutzendes und immer aktuelles Programminformationssystem. Neben den TV-Programminformationen von ca. 120 Fernsehstationen stehen ca. 60 Radioprogramme zur Verfügung.
Vorlesesysteme, die gedruckte Texte mit einer synthetischen Stimme ansagen, scheitern, wenn sie Vorlagen vortragen sollen, die wie in Programmzeitschriften oder Illustrierten üblich, mit zahlreichen Bildern, Kästen und Textspalten versehen sind. Nicht alle Menschen nutzen das Internet und wer hat schon Lust, seinen PC auf das Sofa im Wohnzimmer mitzunehmen, um einfach mal herauszufinden, was denn so läuft in Radio und TV. Der Radio-TV-Abonnent greift einfach zum Telefon und wählt sich ein in das TV- oder Rundfunkprogramm, welches tagesaktuell erstellt und mittels einer Sprachausgabe Sendung für Sendung angesagt wird.
Die Bedienung dieser klingenden Programminformationen ist einfach und intuitiv. Mit den Tasten 2 und 3 wählt man den Tageszeitpunkt aus, zu dem man Programminformationen wünscht. Die 1 sagt an, was gerade gesendet wird. Über das Drücken von 5 und 6 wechselt man die angebotenen Sender, und wer in die Zukunft hören will, der verwendet die Tasten 8 und 9, um den Tag auszuwählen. Die Rautetaste gibt kurze Bedienhinweise und mit der 4 erhält man u. a. Informationen über aktuelle Hörfilmangebote. Auch hinter der Taste 7 stecken Zusatzangebote, über die hier noch zu berichten sein wird.
Mit dem Programmangebot am Telefon kann man sich komfortabel und schnell über das Radio- oder Fernsehprogramm zu einem bestimmten Zeitpunkt informieren. Sie wollen sich und ihren Lieben im heimischen Wohnzimmer einen gemütlichen Fernsehabend verschaffen? Dazu rufen Sie einfach Radio-TV an, wählen durch mehrfaches Drücken der Taste 3 den Zeitpunkt 20.15 Uhr aus und springen dann mittels der 6 von Sender zu Sender, um abzuhören, was das Abendprogramm bereit hält. Sie interessieren sich für den Spätfilm? Gehen sie mit der 3 auf 22 Uhr und los geht es wieder mit der Taste 6 durch die Senderangebote. Entscheiden müssen Sie selbst, was Sie sich da antun, jedoch die ebenfalls angesagten Zusatzinformationen wie Produktionsdatum, Erstsendetermin, Regie, agierende Schauspieler und eine kurze Inhaltsangabe helfen ihnen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen. Auch das Radioprogramm liefert mehr als schlichte Sendedaten. Der Anrufer erfährt, welches Hörspiel gesendet wird, welche Werke in einem Konzert zur Aufführung kommen und was Thema des aktuellen Features ist.
Damit Sie in der Vielfalt der TV- und Radiowelten nicht verloren gehen, können Sie über das Drücken der Taste 7 an ihrem Telefon eine persönliche Liste ihrer Sender zusammenstellen, die auch nach Beendigung des Telefongespräches solange erhalten bleibt, bis Sie diese Liste wieder ändern. Auf diese Art und Weise wählen Sie aus ca. 120 TV- und 60 Radio-Sendern die aus, über die Sie immer informiert werden wollen. Über die Taste 4 veranlassen Sie, dass Ihnen ausschließlich Informationen zu einer bestimmten Sparte angesagt werden. Dabei legen Sie fest, dass Sie nur Spielfilme, Sport, Musik, Hörspiele, Informations- oder Unterhaltungsangebote angesagt bekommen. Wie schon erwähnt, auch das gezielte Suchen nach Hörfilmen wird damit möglich. Keine Sorge, Sie können diese zusätzlichen Funktionen einstellen und intensiv nutzen, Sie müssen es aber nicht.
Bevor Sie dieses Angebot in der DZB bestellen, bieten wir Ihnen die Möglichkeit, es kostenlos 30 Tage auszuprobieren.
Wenn Sie den Dienst nur sporadisch nutzen und sich vertraglich nicht binden wollen, so steht ihnen auch eine so genannte 01805-Telefonnummer zur Verfügung, allerdings hier nur das Fernsehprogramm. Die anfallenden Kosten liegen bei 14 Cent pro Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom. Am besten ist es, sie informieren sich bei ihrem Telefonanbieter über eine Flatrate (Pauschalangebot zum Telefonieren) und beauftragen das Abo zu einem Jahresfestpreis von 48 Euro in der DZB. Die Telefongesellschaft, die man durch das Wählen der jeweiligen Rufnummer erreicht, ist die 3U-Telekom. Diese müsste in Ihrer Flatrate mit enthalten sein, damit Ihnen durch die Telefonverbindung keine weiteren Kosten entstehen.
Telefonieren kann man in Deutschland praktisch von überall. Dies bietet Ihnen die Möglichkeit, Radio-TV nicht nur aus dem heimischen Wohnzimmer sondern auch vom Garten, dem Urlaubsort oder bei Freunden zu nutzen. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz einer PIN (Persönliche Identifikationsnummer), die Sie bei Abonnement des Angebotes in der DZB mitgeteilt bekommen.
Wenn Telefonieren doch so einfach ist, besteht dann auch Interesse, weitere Informationsangebote über diesen Weg zu nutzen? Die kreativen Tüftler von Phonepublisher (www.phonepublisher.de) haben viele Ideen, das Telefon zu nutzen. So manches andere ist auf dem Gebiet noch möglich.
Hier nun die Telefonnummern von Radio-TV:

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Info-Service

Neuerungen in den Online-Bibliothekskatalogen

Die Bestellungen aus unserem Hörbuch- und Punktschrift-Onlinekatalog wurden etwas vereinfacht. Vor Absenden der Bestellung muss nicht mehr zwingend die komplette Adresse angegeben werden, sondern es gibt jetzt ein kürzeres Formular mit Angabe der Hörer- bzw. Nutzernummer. Ist diese nicht bekannt, kann sie in der Hörbücherei bzw. der Punktschriftbibliothek erfragt werden.
Neu ist weiterhin, dass nun auch im Hörbuch-Onlinekatalog eine Merkliste für spätere Bestellungen erstellt werden kann. Diese schicken Sie dann an Ihre eigene E-Mail-Adresse. Sie dürfen nur nicht vergessen, diese später an uns weiterzuleiten.
Möchten Sie jedoch gleich "richtig" bestellen, nutzen Sie bitte den Button "zur Bestellliste hinzufügen".

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City-Plan Leipzig

In Vorbereitung des Weltkongresses "Braille21" erstellt die DZB Leipzig derzeit eine neue Reliefkarte "City-Plan Leipzig", die Leipzig-Besuchern die Orientierung im Stadtzentrum erleichtern soll. Die Reliefkarte entsteht mit unterlegtem Schwarzdruck und ist damit sowohl für Blinde, als auch für sehende Begleitpersonen gut nutzbar. Um auch ausländischen Gästen den Besuch in Leipzig zu erleichtern, wird es die Reliefkarte sowohl in deutscher, als auch in englischer Sprache geben. Die Karte ist in Vollschrift erhältlich. Ein Hinweis zu nahe liegenden Sehenswürdigkeiten komplettiert dieses neue touristische DZB-Angebot. Markierungen an den Kartenrändern dienen als Basis für sich später anschließende Karten.
Die Reliefkarte "City-Plan Leipzig" ist ab September 2011 zum Preis von 9,90 Euro direkt in der DZB Leipzig erhältlich.
Kontakt
Ilona Portleroy
Tel.: 0341 7113-119
E-Mail: ilona.portleroy@dzb.de

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Berühren, Staunen, Begreifen! - Tag der offenen Tür 2011

Katja Lucke, Michael Wallies
"Berühren, Staunen, Begreifen!" Unter diesem Motto lädt die DZB Leipzig Sie am Samstag den 3. September 2011 ganz herzlich zum "Tag der offenen Tür" ein. Selbstverständlich haben wir für Sie auch dieses Jahr ein attraktives Programm zusammengestellt.
Erstmals zeigen wir unseren neuen Relief-Wandkalender für das Jahr 2012, der die Chinesischen Tierkreiszeichen tastbar macht. Das Konfuzius-Institut Leipzig, welches uns bei der Kalendererstellung unterstützt hat, bietet dazu ein vielfältiges Rahmenprogramm, das die Chinesische Kultur erlebbar macht. In kurzen Vorträgen erfahren Sie um 10:30 Uhr und 14:30 Uhr mehr zum Thema des Kalenders. Im Anschluss gibt es um 11 Uhr und um 15 Uhr jeweils eine Schnupperstunde Chinesisch. Dazu können Sie die dekorative chinesische Knotenkunst erlernen oder Mahjong spielen, welches blindengerechte Spielsteine bietet. Zur Mittagszeit bietet das Team des Konfuzius-Institutes Chinesische Teigtaschen an - einen Klassiker aus dem bevölkerungsreichsten Land der Welt - die sie selbst befüllen können.
In Führungen zeigen wir unseren Gästen die Produktionsbereiche unseres Hauses. Wir erläutern das Geheimnis der Blindenschrift, zeigen das Handwerk der Buchdruckkunst und der Reliefherstellung sowie die Arbeit in unseren Tonstudios.
Wir freuen uns sehr darüber, dass auch dieses Jahr zahlreiche Partner die Möglichkeit nutzen, um sich in der DZB Leipzig vorzustellen. So können Sie mit Mitarbeitern der folgenden Einrichtungen ins Gespräch kommen:
Auch für Kinder sind wieder zahlreiche Aktivitäten geplant, die die Welt blinder und sehbehinderter Menschen erfahrbar machen. Selbst Betroffene erzählen aus Ihrem Alltag und vermitteln spannend und kindgerecht die Braille-Schrift. Außerdem können unsere kleinen Gäste erfahren, was es bedeutet, blind einzukaufen. Weiterhin stellt die Autorin Brigitte Schubert in einer kurzen Lesung die "Abenteuer der kleinen Emelie" vor.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Tag der offenen Tür 2011
Samstag, 3. September 2011 - 10-16 Uhr
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB), Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

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Veranstaltung mit "Zigaretten danach"

Das schönste Kompliment eines Lesungsbesuchers vorangestellt: "Ich bin seit heute früh auf den Beinen und dann noch abends eine Lesung - aber ich hatte richtig Spaß!" Gemeint war die erste Literaturveranstaltung zur Anthologie "Zigaretten danach", zusammengestellt und textlich angereichert von Jennifer Sonntag. Lustbetont und sinnlich - Sonntags erotische Textminiaturen brachten am 10. Mai die Mojo Musikbar in Halle zum Überquellen!
Was kann schon passieren an einem Dienstagabend und dann noch Literatur? - Jeder der das dachte, wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer nicht großzügig vorreserviert hatte, oder einen der geschwind herbei geholten Stühle ergattern konnte, dem blieb nur das Parkett als Unterlage für seine vier Buchstaben.
Nach der Anmoderation des spiritus rectors der Veranstaltung Ronald Gruner - seines Zeichens Vorsitzender des Förderkreises der Schriftsteller in Sachsen-Anhalt und Halles ehemaliger Stadtschreiber - entspann sich eine prickelnde Melange aus Lesung und unterhaltsamer Interaktion. Als Vorleser hatte Jennifer Sonntag ihren Co-Autor Dirot im Gepäck. Die vorgestellten Texte bewegten sich, wie auf dem DAISY-Buch "Zigaretten danach" versprochen, zwischen Weichzeichner und Hardcore, ohne dabei profan zu sein. Die Ausgewogenheit zwischen Direktheit in der Sache und Geschliffenheit der Sprache vermochte es, selbst skurrile Sujets zu behandeln, ohne dass der Humor auf der Strecke blieb.
Geschäftsfrauen in amüsierter Runde, Senioren mit Spaß am Frivolen, Musiker und Studenten - sie alle honorierten die gelungene kurzweilige Veranstaltung mit Applaus. Und die Herausgeberin verkündete in mondäner Zurückhaltung, dass sie ja eigentlich keine Lesungen mehr anbieten wollte. Daraus wird wohl vorerst nichts … Da die Lesung so gut ankam, buchte der Schaugarten Halle sie für den voraussichtlich 21. September gleich noch mal und das Planetarium Merseburg stellt das Hörbuch am 8. Oktober in einer einzigartigen Audioshow vor. Und sogar zum diesjährigen Wave-Gothic-Treffen wurde am 11. Juni in der Villa Leipzig innerhalb der PaperOne-Verlagslesung die symbolische Zigarette danach angezündet.
"Zigaretten danach"
Herausgeberin: Jennifer Sonntag.
27 Beiträge von 18 Autorinnen und Autoren. "Die Zigarette danach" kann als Sinnbild für all das verstanden werden, was sich in diesen Episoden und Skurrilitäten für jeden auf ir-gendeine Weise wiederfindet: die erotische Begegnung.
Sprecher-Team. 1 CD-DAISY (2:25 h), 9,95 €, BNV 6681
Veranstaltungstermin
"Sa, 08.10.11, 19:00 im Planetarium Merseburg, Teichstraße 2, 06217 Merseburg: "Lust und Frust unterm Himmel" - Skurril-erotische Hörstücke "Zigaretten danach" von und mit Jennifer Sonntag und einem Autorenensemble, Planetarium: Mechthild Meinike, Reservierung erwünscht, Eintritt: 8,00 € Abendkasse, 6,00 € bei Voranmeldung.
Planetarium-Event
Mechthild Meinike
Telefon/Fax: 0345 4786809
Mobil: 0175 2887264
E-Mail: me.meinike@gmx.de

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Impressum

»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich im Jahresabonnement wahlweise als CD-DAISY, in Blindenkurzschrift und in Schwarzschrift.
Kündigungsfrist: 3 Monate vor Ende des Kalenderjahres.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Online unter: www.dzb.de/zeitschriften/index.html
Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Staatsbetrieb des Freistaates Sachsen
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
E-Mail: verlag@dzb.de
Abonnements, Anzeigen
Sylvia Thormann
Tel.: 0341 7113-120
E-Mail: abo@dzb.de
Spenden
Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto 1 100 830 010
DZB 2011

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