DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 1 – 2014

Januar / Februar

24. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

80! - Herzliche Glückwünsche, Prof. Dr. rer. oec. Siegfried Tschirner!

Einblicke

UNESCO-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen

120 Jahre DZB

Es kommt eben darauf an, wie Brailleschrift übertragen wird

Die Kramkiste

Truman Capote: "Kaltblütig"

Antoine-François Prévost: "Manon Lescaut"

LOUIS

Zeitschriften der DZB über das Internet beziehen

Neu im Regal

Ludmila Pavlova-Marinsky: "Juri Gagarin : das Leben"

Info-Service

"Rückblende"

Neue Startseite von www.dzb.de

Ehemaliger DZB-Direktor Tschirner erhält Platz in der Porträtgalerie

Filmtipp: IMAGINE

12. Deutscher Hörfilmpreis

Orientierungsveranstaltung für blinde und sehbehinderte Studieninteressierte

Audiodeskription an Theatern in Hamburg und Leipzig

Impressum

Spenden

Vorbemerkung

Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
2014 werden wir den 120. Jahrestag der Gründung der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig begehen. Gleich zum Beginn des Jubiläumsjahres gratulieren wir in dieser Ausgabe dem ehemaligen Direktor der DZB, Prof. Dr. Siegfried Tschirner, ganz herzlich zu seinem 80. Geburtstag! Die Würdigung des Jubilars übernimmt Dr. Werner Uhlig, dem für seine umfangreiche Laudatio Dank gebührt. Das DZB-Jubiläum ist für uns zudem Anlass, Ihnen die einzelnen Bereiche unseres Hauses näher vorzustellen. Dazu wird in jeder Ausgabe dieses Jahrganges ein bestimmter Bereich des Hauses im Mittelpunkt stehen. Thema heute ist die Braille-Übertragung.Nach der Verabschiedung des WIPO-"Blindenvertrages" in Marrakesch erging durch den internationalen Bibliothekenverband (IFLA) eine weitere Aufforderung an Politik und Gesellschaft, die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränktem Zugang zu Information und Literatur zu berücksichtigen. Den Wortlaut des Manifests sowie die entsprechenden Erläuterungen finden Sie nachfolgend in der Rubrik "Einblicke".
Und last not least möchte ich heute Ihre Aufmerksamkeit auf die Rubrik LOUIS lenken. Ulrich Jander erklärt dort das neue Angebot der DZB für fünf DAISY-Zeitschriften, die es fortan für Abonnenten auch als Download gibt.
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse

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80! - Herzliche Glückwünsche, Prof. Dr. rer. oec. Siegfried Tschirner!

Dr. Werner Uhlig
(Anmerkung der Redaktion: In diesem Jahr begehen wir den 120. Jahrestag der Gründung der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig. Passend zum Jubiläum können wir dem Mann danken und gratulieren, unter dessen Leitung die DZB den mitunter nicht einfachen Weg von der Deutschen Demokratischen Republik in die Bundesrepublik Deutschland beschritt.)
Es ist der DZB-Direktor gewesen, dem es gelang, den Untergang dieser traditionsreichen Bildungsstätte des Deutschen Blindenwesens im Strudel des Niedergangs der DDR zu verhindern und diese Einrichtung im Computerzeitalter auf Kurs zu bringen.
Dabei musste dem Haus eine gesicherte Perspektive beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Freistaat Sachsen verschafft und für die digitale Zukunft der fachlich kompetente und versierte Steuermann als Nachfolger gefunden werden. Unter sechzehn Bewerbern hat er seinen Wunschkandidaten um alle Klippen von Ausschreibung und Auswahlverfahren hindurch gebracht - auch wieder einen blinden DZB-Direktor - und dann ist er 1999 in den verdienten Ruhestand gegangen.
Aber was kam da alles vorher?
Ganz wichtig zu wissen: Siegfried Tschirner ist ein Familienmensch. Damit gehört er zu einer Spezies, die heute irgendwie im Schwund begriffen zu sein scheint. Vor fast sechs Jahren hat er mit seiner Annerose die Goldene Hochzeit gefeiert. Sie haben eine Tochter, vier Söhne, zwölf Enkel und einen Urenkel, und wenn sie alle einmal im Jahr, wie es bei ihnen üblich ist, zur Tschirner-Sippenfete zusammen kommen, dann brauchen sie schon ein kleines Hotel für sich allein. Uff, wenn da nun bald noch alle die Urenkel kommen! Ob denn Opa Siegfried eigentlich noch über alle ganz genau die Übersicht behält? Auf seinen Spaziergängen mit Führhund - einer Golden Retriever Hündin - am Elster-Saale-Kanal entlang, ganz am Rand von Sachsen und Sachsen-Anhalt, wird er wohl manchmal über die Lebenswege seiner Sprösslinge nachdenken, und auch darüber, wie sehr die sich doch von seinem eigenen unterscheiden.
In Militsch (Schlesien) wurde er am 10. Januar 1934 geboren. Noch vier Geschwister hat die Mutter großgezogen. Alle konnten sehen, auch Siegfried, bis die Masern kamen, und bald danach war er blind. Er ist noch Vorschulkind gewesen damals, aber da stand fest: Er musste nach Breslau in die Blindenschule.
Der 2. Weltkrieg kam, der Vater musste ins Feld und konnte erst einige Jahre nach Kriegsende aus russischer Gefangenschaft nach Deutschland zurückkehren. Die Mutter hatte nach dem Jahreswechsel 1944/45 mit vier Kindern vor der herannahenden Front flüchten müssen und war im sächsischen Lichtenstein einquartiert worden. Siegfried war nach den Weihnachtsferien in die Breslauer Blindenanstalt zurückgekehrt, konnte aber nicht mehr zu seinen Angehörigen nach Militsch, als die Evakuierung begann. Es fuhr kein Zug mehr dorthin. Er musste mit der Blindenanstalt flüchten.
Es war spät am Abend des 27. Januar 1945. Gewöhnlich heulten damals um diese Zeit die Sirenen - Fliegeralarm. An diesem Abend gab es in der Chemnitzer Blindenanstalt einen anderen Alarm: "Rückt die Betten zusammen in den Schlafsälen, schiebt neue Betten dazwischen und richtet Matratzenlager her! Ein Waggon mit Schülern und Personal der Breslauer Blindenanstalt ist angekommen. Die Mädchen und Jungs müssen hier bei euch untergebracht werden!"Und dann sind sie gekommen. Sie hatten nichts als ihre Sachen auf dem Leib und die Hoffnung, bei uns nun halbwegs sicher auf das Kriegsende warten zu können.
Siegfried ist damals gerade elf Jahre alt. Ich war noch nicht ganz dreizehn. Seit diesem Abend vom 27. Januar 1945 kennen wir uns, solange schon, und darum eigentlich ganz gut.
In der Chemnitzer Blindenanstalt beendete Siegfried seine Schulzeit mit dem Abschluss der 8. Klasse. Das war damals so üblich. Und dann wurde er Stenotypist. Seine Angehörigen hat er erst 1947 wiedergefunden, und zwar durch den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes. Sie wohnten, wie schon erwähnt, in Lichtenstein, nur 23 km von Chemnitz entfernt. Siegfried musste während der ersten Nachkriegsjahre in den Ferien trotzdem nicht in der Blindenanstalt bleiben. Einer von uns, es war Hans Ufer, dessen Eltern bei der Bodenreform in Ostrau bei Bad Schandau Neubauern geworden waren und wo es somit keinen Hunger mehr gab, nahm Siegfried mit nach Hause. Die beiden haben heute noch lockeren Kontakt miteinander.
Bekanntlich sind Jungs, auch intelligente Jungs, in den Lehrjahren durchaus nicht immer brave Schüler. So ein ganz braver Schüler ist auch Siegfried Tschirner nicht gewesen. Immerhin waren eines schönen warmen Herbstabends bei Stromsperre und Dunkelheit zwei Chemnitzer Polizisten mit Taschenlampen im weitläufigen Gelände der Blindenanstalt hinter ihm her - und sie haben ihn schließlich gegriffen! Was war los? Weil es in den ersten Nachkriegsjahren weder Zündblättchen geschweige denn richtige Feuerwerkskörper zu kaufen gab, bastelten wir uns selbst etwas zurecht. Blitzen und krachen sollte es schon mal, vor allem in der Nähe der Häuser, in denen die Mädchen wohnten. Im Chemieunterricht hatten wir schließlich gelernt, wie Schwarzpulver hergestellt wird. Feine Holzkohle konnte man aus Sägespänen im Reagenzglas über einer Kerze gewinnen. Schwefel gab es in der Korbmacherei, wo Wäschekörbe - aus weißen Weiden gefertigt, damit sie richtig schön weiß aussehen - in einer Wellblechbude geschwefelt werden mussten. Nur Salpeter mussten wir uns in einer Drogerie beschaffen. Auch wenn man einen Hohlschlüssel mit Streichholzkuppen füllt, mit einem Nagelkopf verschließt und dann das Ding ordentlich gegen eine Hauswand schlägt, dann gibt das schon ein Kracherchen. Das genügte uns aber nicht. Siegfried war auf ein ungleich wirkungsvolleres Verfahren gekommen. Aus Lichtenstein brachte er einen ungefähr 20 cm langen Rohling, ein Stück Eisenrohr, mit, etwa 4 mm Durchmesser, an einer Seite verschlossen, und dazu einen eisernen Bolzen, der genau in das Rohr passte. Dieser Rohling wurde mit einer Mischung aus Schwefelblüte und Kaliumchlorat etwa zur Hälfte gefüllt. Diese Chemikalien gab es ohne weiteres in der Drogerie. Steckte man nun den Eisenbolzen auf den halb gefüllten Rohling und donnerte dieses Ding gegen eine Hauswand - Leute, dann hat das geknallt wie ein Gewehrschuss und war kilometerweit zu hören. Diese unheimlichen Schüsse waren nicht an jedem Abend zu hören, einmal aber wohl doch zu oft, und da haben sie ihn geschnappt. Tagesschüler, die aus der Stadt kamen, erzählten uns am nächsten Morgen, in der Chemnitzer Straßenbahn haben sich Fahrgäste aufgeregt und entsetzt zugeflüstert: "Die Russen erschießen die Blinden"! Das ging uns dann doch an die Nieren, und die Ballerei hatte ein Ende.
Kurz vor Jahresende 1950 fanden die Abschlussprüfungen für die Stenotypisten der Chemnitzer Blindenanstalt statt. Siegfried wurde mit einem sehr guten Zeugnis ins Feinstrumpfwerk Lichtenstein vermittelt. Dort konnte er bei seiner Familie leben. Das hätte gewiss eine Weile so bleiben können, wenn da nicht Otto Grotewohl gewesen wäre. Grotewohl, der erste Ministerpräsident der DDR, hatte als prominentester Gast am Blindenkongress der DDR (29.6.- 1.7.1950) in Berlin teilgenommen, war von der Leistungsfähigkeit blinder Stenotypisten sehr beeindruckt und hatte verlauten lassen: "Den Besten der nächsten Absolventen nehme ich, wenn er will!" Die Leitung dieses ersten DDR-Blindenkongresses 1950 hatte Johannes Hausdorf inne, und er war als blinder Ministerialrat ein sehr einflussreicher Mann in der sächsischen Landesregierung. Aus seiner langjährigen SPD-Mitgliedschaft kannte er den Staatssekretär Hans Tschorn, einen engen Vertrauten Grotewohls, und hatte sich Grotewohls Bemerkung, "Den Besten nehme ich", gut gemerkt. Vermittelt durch Hans Tschorn hat Hausdorf Grotewohl beim Wort genommen, und Grotewohl hat Wort gehalten. Jedenfalls bekam Siegfried Tschirner im Februar 1951 im Feinstrumpfwerk Lichtenstein Post aus Berlin mit dem Angebot, sobald wie möglich nach Berlin zu kommen und als Stenotypist im Haus der Ministerien zu arbeiten.
Ja was denn sonst! Am 1. März 1951 saß Siegfried Tschirner mit Stenomaschine und Schreibmaschine in einem Büro Otto Grotewohls in Berlin. Auch für seine Unterkunft war gesorgt. Im gut abgeschirmten Majakowskiring in Berlin-Pankow - dort wohnten die Mitglieder der DDR-Regierung damals - hatte der Staatssekretär Hans Tschorn in seinem Siedlungshaus Siegfried für den Anfang sein Gästezimmer zur Verfügung gestellt. Gute Arbeitsbedingungen allein können auf Dauer ein fehlendes vertrautes Umfeld mit persönlichen Kontakten zu Verwandten und Freunden nicht aufwiegen. Ein solches Umfeld hatte Siegfried in Sachsen, nicht aber in Berlin, und so hatte er bald genug von der Berliner Luft. Er kehrte nach Lichtenstein zurück. 1952 wohnte er wieder bei seiner Familie und arbeitete nun als Stenotypist beim Rat der Stadt.
Siegfried Tschirner selbst und auch andere wussten, dass er eigentlich mehr konnte als gewissenhaft Schreibarbeiten im Büro zu erledigen. Damals war Siegfried erst 18, hatte das "richtige Leben" noch vor sich und wollte studieren.
Er hatte aber kein Abitur. Zwei Möglichkeiten standen ihm offen: Entweder drei Jahre zur Arbeiter- und Bauernfakultät mit Abitur am Ende oder Sonderreifeprüfung und sofort zur Universität. Er legte die Sonderreifeprüfung ab und ging zum Studium der Wirtschaftswissenschaften an die Universität nach Leipzig, Fachrichtung Arbeitsökonomie. Das war im Jahre 1956.
Noch vor Abschluss seines Studiums heiratete er 1958 seine Frau Annerose, die als Erzieherin in der Chemnitzer Blindenanstalt tätig war. Als Diplomwirtschaftler kehrte Siegfried von Leipzig nach Chemnitz zurück und wollte dort in einem Betrieb als Arbeitsökonom arbeiten. Doch bei allem guten Willen - in der betrieblichen Praxis hat er als Vollblinder eben "zu wenig gesehen". Kurz entschlossen ging er wieder nach Leipzig an die Universität und schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein. Mit Glück erhielt er eine Aspirantur. Weil er sich als Arbeitsökonom stark für die katholische Soziallehre interessiert hatte, promovierte er 1964 mit dem Thema "Der Einfluss der katholischen Soziallehre auf die bürgerliche Arbeitswissenschaft Westdeutschlands". Nun unterrichtete er in Seminaren und Vorlesungen - wissenschaftlicher Assistent, Oberassistent, Dozent - bis 1970 an der medizinischen Fakultät und danach bis 1976 an der theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Mit dem Thema "Strategie und Taktik Papst Paul VI. zur Eigentumsfrage" habilitierte er und wurde zum Professor berufen.
Gewiss wäre Prof. Dr. sc. Siegfried Tschirner an der Universität geblieben, wäre da nicht auch noch seine erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit beim "Blinden- und Sehschwachenverband" der DDR gewesen, und wäre da nicht 1975 nach schwerer Krankheit Herbert Jakob, der Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde, gestorben. Als 1957 der ADBV gegründet worden war, hatte Herbert Jakob auf einer Eisenbahnfahrt den Studenten Siegfried Tschirner für die Mitgliedschaft im Verband geworben. Nun wurde Siegfried Tschirner Herbert Jakobs Nachfolger als DZB-Direktor. Von heute auf morgen ging es freilich nicht. Bis Juli 1976 hat Rainer Kinscher zwischenzeitlich die DZB geleitet. Der Präsident des BSV der DDR, Dr. Dr. Helmut Pielasch, pochte aber darauf, dass ein ausgewiesen qualifizierter Blinder an die Spitze der DZB treten sollte, und das war ab August 1976 Siegfried Tschirner.
Diese Entscheidung ist nicht zufällig zustande gekommen. Vom Sommer 1961 an wohnten die Tschirners in Leipzig, und da lag es auf der Hand, dass Siegfried bei den Verbandswahlen 1965 in den Leipziger Bezirksvorstand des Blinden- und Sehschwachenverbandes gewählt worden ist. Er war verantwortlich für die Kulturarbeit. Er war immer für die Kulturarbeit verantwortlich, auch als er 1969 in den Zentralvorstand und ins Präsidium des Zentralvorstandes gewählt wurde. Er hatte sich um die Kulturgruppen und Solisten in den Kreisen und Bezirken der DDR zu kümmern, war zuständig für das Kulturensemble des Verbandes, für die kulturellen Leistungsvergleiche und auch für die Teilnahme der Folkloregruppe "Por la mundo" aus Leipzig und des Kulturensembles an den Arbeiterfestspielen der DDR.
Bekanntlich ist von 1971 an die DDR im internationalen Maßstab diplomatisch anerkannt worden, und damit setzte für den BSV internationale Zusammenarbeit großen Stils ein. Für Siegfried Tschirner hieß das Koffer packen für viele Auslandsreisen. Auch auf der internationalen Ebene ist sein Metier immer die Kulturarbeit geblieben. Die erste Auslandsreise im Auftrag des BSV der DDR hat ihn als Delegationsleiter 1971 nach Norwegen geführt. Dann ging es aber auch nach Schweden, Dänemark, Island, Japan, Frankreich, Italien, Spanien, Holland, Irak, Vietnam, in die UdSSR, nach Polen, in die CSSR, Litauen, Kuba und sicher noch in andere Länder. Einfacher kann gesagt werden: Er war nie in Australien, nie in Afrika und nie in den USA. So hatte es auch seine Logik, dass er zum Vorsitzenden der Kulturkommission der Europäischen Blindenunion gewählt worden ist und diese Funktion bis 1995 innehatte. Den Blinden- und Sehschwachenverband der DDR hat es zu dieser Zeit schon fünf Jahre nicht mehr gegeben. Bis kurz vor Schluss jedoch, von 1977 bis 1989, war Siegfried Tschirner Vizepräsident des BSV der DDR. Im November 1989 bat er den Zentralvorstand, ihn von seiner Funktion zu entbinden. Da war klar, dass der DDR-Verband keine Zukunft mehr hatte. Jetzt wollte der DZB-Direktor alle Kraft auf die Erhaltung der Deutschen Zentralbücherei für Blinde konzentrieren, was in diesen stürmischen Zeiten keineswegs einfach gewesen ist. Immerhin hatte sich unter seiner Leitung seit August 1976 viel getan, was im Interesse der blinden Leser und Hörer nicht verloren gehen sollte.
Hier kann nicht alles aufgezählt werden, was in der DZB unter Tschirners Leitung verändert und neugeschaffen worden ist. Einiges möchte ich hier schon in Erinnerung rufen. An der Uni und in seiner Familie hat es Siegfried ja immer mit Sehenden zu tun gehabt, und er wusste um die Attraktivität von Farben. Bis zu seiner Zeit hatten die DZB-Bücher alle ein einheitliches Aussehen: Die Buchrücken waren grün, die Klappdeckel schwarz-weiß marmoriert. Nun aber sind die DZB-Bücher von der Buchbinderei im Hause in sieben Farben hergestellt worden. Das sah doch jetzt in den Bücherregalen ganz anders aus! Die Titelseiten der Punktschriftzeitschriften erhielten eine freundliche übersichtliche Struktur, und die Hörbücher wurden jetzt alle auf 90er Kassetten, also 45 Minuten für jede Spur, aufgelesen. Das sind aber nur mehr oder weniger formale Dinge gewesen. Für die DZB mussten auch ganz neue Projekte eröffnet werden, und die waren von schwererem Kaliber.
Ab 1980 wurden Reliefs in der DZB produziert. Das ist die Voraussetzung für die Herstellung der beliebten Wandkalender gewesen, die es seit 1981 in Leipzig gibt. Reliefs werden im Tiefziehverfahren auf einer technischen Anlage hergestellt, die es so in der DDR damals nicht gab. Es musste also etwas Außergewöhnliches geschehen, etwas Zeittypisches, worüber wir heute noch lachen können.
Der Verein zur Förderung der Blindenbildung in Hannover besaß so eine technische Anlage, aber er wollte sie ausmustern, weil er inzwischen etwas Besseres anschaffen konnte. Tschirner brauchte die Anlage, von der sich der VzFB trennen wollte. Hannover durfte aber damals nicht nach Leipzig liefern. Hannover war Westen, Leipzig Osten, und der Westen hatte Embargolisten. Es war streng verboten, bestimmte Technik in den Osten zu exportieren. Das Ding ist aber trotzdem nach Leipzig gekommen, und zwar so:
In Hannover musste die Anlage verschrottet, d.h. auseinandergebaut werden. Schrott stand nicht auf der Embargoliste. In Einzelteile zerlegt, als Schrott bezeichnet, kam die Anlage nach Leipzig und wurde hier wieder zusammengebaut.
Von 1986 an ging es um Computerbraille mit acht Punkten. In Marburg wurde eine computergerechte Blindenkurzschrift entwickelt. Natürlich musste sich die DZB auf solche tiefgreifenden Neuerungen einstellen. Computer mit Braillezeile und Blindenschriftdruckern, Schnelldrucker usw. baute man im Westen, nicht bei uns in der DDR. Um sie zu kaufen, musste man konvertierbare Währung haben. Solche Mittel hatte die DZB nicht. Keine Frage, die moderne Technik zur Blindenschriftproduktion musste her, nur wie? Es trug sich zu, dass eines Tages eine einflussreiche Mitarbeiterin des Kulturministeriums der DDR, dem die DZB ja unterstand, hier am Ort auftauchte. Bei dieser Gelegenheit teilte Siegfried Tschirner mit: "Spätestens in zwei Jahren kann die DZB für die Blindenschulen der DDR keine Schulbücher mehr herstellen, wenn nicht moderne Computertechnik aus der BRD beschafft wird. Unsere alten technischen Anlagen sind verschlissen." Mit dieser alarmierenden Botschaft ging diese Mitarbeiterin des Kulturministeriums in eine Parteiversammlung des Volksbildungsministeriums und konfrontierte die Ministerin für Volksbildung, das war Margot Honecker, mit dieser Situation. Das half. Margot Honecker veranlasste, dass Siegfried Tschirner mit einer halben Million Westmark in die BRD fahren und dort nach seinen Wünschen Technik für die DZB einkaufen konnte. Und wo war das Westgeld hergekommen? Es kam von Schalk-Golodkowski, dem Devisenbeschaffer der DDR. Mit den neuen Ausrüstungen konnte die DZB auf einen guten Weg für die Zukunft gebracht werden.
Nun ging es mit Optimismus an die Vorbereitung eines großen Jubiläums. Die DZB als älteste Deutsche Blindenbibliothek, im Jahre 1894 gegründet, wurde 1994 hundert Jahre alt. Das sollte öffentlichkeitswirksam gefeiert werden, und rechtzeitig stellte Helmut Schiller sein Buch "100 Jahre DZB" fertig. Um Vorschläge zu machen, Informationen und Hinweise zur Gestaltung des bevorstehenden großen Ereignisses zu sammeln, tauchte Siegfried Tschirner in diesen Tagen unverhofft bald hier, bald da in den verschiedenen Abteilungen des Hauses auf. Ob er da jedesmal gerade willkommen sein mag? Jedenfalls klebte an der Innenseite der Tür eines Bereichs damals ein sonderbares Schild. Darauf stand: "Achtung, freilaufender Chef!" Natürlich ist das Schild bald wieder entfernt worden. Weil ich aber oft in der DZB zu tun hatte, ist mir diese Episode nicht entgangen.
Mit dem Ende der DDR brach der Träger der DZB weg. Es gab ja nun kein Kulturministerium der DDR mehr. Verlag, Bibliothek, Aufnahmestudios für die Hörbücher sollten weiter arbeiten. Die Mitarbeiter und Sprecher sollten weiter ihre Löhne, Gehälter und Honorare bekommen, aber woher? Siegfried Tschirner fuhr nach Dresden zur neuen Landesregierung des Freistaates Sachsen, zum Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Ihm schwebte vor, der DZB den Status einer Anstalt des Öffentlichen Rechts zu verschaffen, finanziert vom genannten Ministerium. Zunächst wurde von der Landesregierung Sachsen dankenswerterweise die Trägerschaft für die DZB übernommen. Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst strebte für die Zukunft jedoch eine Privatisierung der Leipziger Blindenbücherei an, etwa nach dem Vorbild eines eingetragenen Vereins, der sich durch Spendengelder finanziert. Schließlich war die DZB vor hundert Jahren ja auch von einem Verein, dem "Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften und Arbeitsgelegenheit für Blinde e.V." gegründet und geleitet worden. Eine solche Entscheidung wollte Siegfried Tschirner möglichst abwenden, und das ist ihm auch gelungen. Die DZB ist Sächsischer Staatsbetrieb geworden, allerdings erst nach dem Führungswechsel im Haus. Als die endgültige Entscheidung fiel, ist bereits Dr. Thomas Kahlisch Direktor gewesen. Die Weichen gestellt hatte in diese Richtung, in schwierigen Verhandlungen, jedoch noch Siegfried Tschirner.
Hier soll nicht verschwiegen werden: Eine Zeitlang hat das Fortbestehen der DZB auf Messers Schneide gestanden. Aus dem Westen Deutschlands hat damals allen Ernstes jemand einen Brief an die Sächsische Landesregierung geschrieben und den Vorschlag gemacht, die DZB zu schließen. Begründung: Es gäbe in Deutschland genügend Blindenschriftverlage und -bibliotheken, die den ostdeutschen Bedarf ohne weiteres mit abdecken könnten. Das Ministerium in Dresden hat dem Briefschreiber zum Glück nicht Folge geleistet. Man kann sich aber denken, dass die Verhandlungen Tschirners im Ministerium für Wissenschaft und Kunst dadurch nicht gerade leichter geworden waren.
Heute nimmt die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig einen hervorragenden Platz unter den Blindenbüchereien im deutschsprachigen Raum ein. Siegfried Tschirner hat dafür zu seiner Zeit als Direktor ein gutes Stück Arbeit geleistet. Mit 80 kann er nun zufrieden auf sein Lebenswerk zurückblicken. Danke Siegfried! Und für die noch vor dir liegenden Jahre wünschen wir dir Gesundheit, viel Glück und alles Gute!

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Einblicke

UNESCO-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen

Die "Sektion 31 der Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen" im internationalen Bibliotheksverband IFLA hat zur Generalkonferenz der UNESCO ein Manifest eingereicht.Das Manifest wurde im November in Paris von der UNESCO akzeptiert und ist nach der Verabschiedung des WIPO-"Blindenvertrages" in Marrakesch eine weitere Aufforderung an Verantwortliche in Politik und Gesellschaft, den Bedürfnissen von Menschen, die auf Grund einer Behinderung Probleme beim Zugang zu Information und Literatur haben, Rechnung zu tragen.
Der Link zum Text des Manifests in englischer Sprache ist hier zu finden:
http://www.ifla.org/publications/ifla-manifesto-for-libraries-serving-persons-with-a-print-disability
Nachfolgend die nicht autorisierte Übersetzung der Stiftung Centralbibliothek für Blinde, Hamburg (ohne Gewähr):
Entschließungsentwurf
Vorgelegt von Deutschland
Internationaler Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA) Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen
Die Generalkonferenz
  1. erkennt an, dass der Zugang zu Wissen und Information für die gesellschaftliche Teilhabe und Erwerbstätigkeit ebenso wie für kulturelle und politische Teilhabe unverzichtbar ist,
  2. erkennt an, dass die Umsetzung der Vision der UNESCO für Wissensgesellschaften davon abhängt, die Fähigkeit aller Menschen aufzubauen, aktiv und effektiv an entstehenden Wissensgesellschaften teilzunehmen,
  3. erinnert an die Grundsatzerklärung des Weltgipfels über die Informationsgesellschaft (World Summit on the Information Society, WSIS), im Besonderen an die Aktionslinien C2, C3, C7, und C8 des Genfer Aktionsplans,
  4. erinnert an Artikel 9, 21 und 24 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die besagen, dass Menschen mit Behinderungen ein Recht auf den Zugang zu Informationen und Wissen haben,
  5. stellt fest, dass die Verabschiedung des UN-Abkommens zur Erleichterung des Zugriffs auf Publikationen für Personen die blind, sehbehindert oder anderweitig in ihrer Mediennutzungsfähigkeit eingeschränkt sind die nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen für den grenzübergreifenden Austausch und die Kooperation beim Zugänglichmachen von Informationen schafft,
  6. erkennt an, dass Bibliotheken, Verleger und Informationsvermittler eine entscheidende Rolle im Zugänglichmachen von Informationen innehaben, besonders wenn es darum geht, Bücher, Wissen und Information in barrierefreien Formaten verfügbar zu machen,
  7. stellt weiterhin fest, dass die zunehmende Verfügbarkeit digitaler Informationen und der Einsatz digitaler Technik, auch die wachsende Verbreitung von E-Books, lesebehinderten Menschen die Möglichkeit gibt, an Wissensgesellschaften teilzuhaben - genauso schnell, zu denselben Kosten und in derselben Qualität wie anderen Mitgliedern der Gesellschaft,
  8. lobt die IFLA für ihre Bemühungen, das Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen erarbeitet zu haben,
  9. lädt Mitgliedsstaaten ein, das Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen zu unterstützen,
  10. lädt Mitgliedsstaaten außerdem ein, das IFLA-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen bei der Planung zukünftiger Strategien, Richtlinien und Initiativen zu berücksichtigen.
Erläuterung
  1. Der Zugang zu Informationen ist ein grundlegendes Menschenrecht. Ihn zu erreichen ist für jeden Menschen zur sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Integration in die Gesellschaft unabdingbar. Menschen mit Sehbehinderung und Menschen, die nicht lesen können, haben aber oft keinen Zugang zu Informationen. Die Weltblindenunion schätzt, dass es mehr als 160 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen auf der Welt gibt, die Gedrucktes nicht lesen können. Andererseits sind nur 5-10 % aller Informationen in alternativen, barrierefreien Formaten erhältlich, wie zum Beispiel als Hörbuch, in Blindenschrift oder als digitaler Text. Dank der weiten Verbreitung des Internets wird sich das Verfügbarmachen und Lesen digitaler Inhalte mithilfe von Technologien in den nächsten Jahren weiter entwickeln.
  2. Das IFLA-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen soll den Auftrag und die Schlüsselaufgaben von Regierungen, Bibliotheken und Informationsvermittlern aufzeigen, damit sie ihre Informationen und Dienste für alle barrierefrei zugänglich machen. Es betont, wie dringend es für Bibliotheken und Informationsvermittler ist, wahrzunehmen, wie hoch die Gefahr für Menschen mit Lesebehinderungen ist, sozial, kulturell und in ihrer Bildung ausgegrenzt zu werden. Viele ihrer Kunden und Nutzer brauchen alternative Formate, um auf das Wissen und die Informationen zugreifen zu können, die von ihnen angeboten werden. Es ist also wichtig, integrierte Bibliotheks- und Informationsdienste anzubieten. Dazu gehören auch Sammlungen, Ausstattung und Einrichtungen, die den Bedürfnissen von Menschen mit Lesebehinderungen entgegenkommen.
  3. Das IFLA-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen bittet Bibliotheken und Informationsvermittler darum, aktiv auf lesebehinderte Kunden und Nutzer zuzugehen, Expertengruppen für Barrierefreiheit zurate zu ziehen und barrierefreie Dienste aufzubauen, in denen die Wertschöpfungskette - vom Auffinden des richtigen Materials bis zum Lesen der Information - durchgängig ist und allen gleichberechtigten Zugang bietet.
  4. Das IFLA-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen ruft dazu auf, besondere Ausbildungsprogramme für Bibliotheks- und Informationsmitarbeiter innerhalb der formellen Bibliotheksaus- und -fortbildung zu schaffen. Solche Programme würden das Bewusstsein für die Bedürfnisse lesebehinderter Menschen stärken, ebenso das Bewusstsein dafür, wie diese Bedürfnisse am besten erfüllt werden können - einschließlich Expertenwissen zur Barrierefreiheit von Informationen und Webseiten.
  5. Das IFLA-Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen kann die Grundlage für die Garantie bilden, dass alle Menschen, auch die mit Lesebehinderungen, die Fähigkeiten und die Möglichkeiten haben, gleichberechtigt an der Wissensgesellschaft teilzunehmen, indem es Vorgehensweisen für die Multistakeholder-Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Organisationen der Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft, Bibliothekaren, Pädagogen und anderen Interessengruppen in Industrie- und Entwicklungsländern umreißt.
  6. Das IFLA-Manifest basiert unter anderem auf der Grundsatzerklärung des Weltgipfels über die Informationsgesellschaft (WSIS) und dem Genfer Aktionsplan. Das Manifest wurde von der IFLA-Sektion "Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen" erstellt, die aus 80 weltweiten Bibliotheksverbänden besteht, in Kooperation mit vielen anderen Organisationen aus der ganzen Welt - zum Beispiel Schulen, Textbearbeitern, Produzenten und Vermittlern - die Menschen mit Lesebehinderungen barrierefreies Lesematerial zur Verfügung stellen. Das Manifest wurde am 4. April 2012 vom Verwaltungsrat der IFLA bestätigt.
  7. Die IFLA verbindet eine lange Geschichte der Zusammenarbeit mit der UNESCO. Sie arbeitet weiterhin mit der UNESCO zusammen, um Arbeitskräfte und institutionelle Kapazitäten für Wissensgesellschaften aufzubauen. Diese Arbeit zur Kapazitätenbildung beinhaltet den Aufbau von Medien- und Informationskom-petenz in der Bevölkerung, die Ausbildung von Lehrern, Medien- und Informationsspezialisten, die Festigung der Stellung von Bibliotheken und Bibliothekaren sowie die Entwicklung von Richtlinien für nationale Politik. Drei frühere Manifeste sind wegen ihres Einflusses auf Bibliotheken erwähnenswert: das UNESCO/IFLA-Manifest für öffentliche Bibliotheken, das UNESCO/IFLA-Schulbibliotheksmanifest und das UNESCO/IFLA-Manifest zur multikulturellen Bibliothek.

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Anhang

Manifest für Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen zur Verbesserung und Förderung barrierefreier Bibliotheks- und Informationsdienste für Menschen mit Sehbehinderung oder jeglicher anderer Lesebehinderung
Fehlender Zugang zu Informationen ist für Menschen mit Lesebehinderungen das größte Hindernis in ihren Bemühungen, an allen Bereichen der Gesellschaft vollständig und effektiv teilhaben zu können.
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (insbesondere die Artikel 9, 21 und 24) besagt, dass Menschen mit Lesebehinderungen das Recht haben, gleichwertigen Zugriff auf Bücher, Wissen und Informationen zu haben - genauso schnell, zu denselben Kosten und in derselben Qualität wie jeder andere Mensch.
Es gibt 161 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen auf der Welt, und ihre Zahl wächst stetig. Noch größer ist die Zahl der Menschen mit anderen Lesebehinderungen, die Gedrucktes aufgrund einer Körper-, Wahrnehmungs-, Entwicklungs-, einer geistigen oder einer Lernbehinderung nicht effizient lesen können. Insgesamt ist das eine große Zahl von Menschen, die konventionelle Bücher, Zeitschriften oder Internetseiten nicht lesen können. Weniger als 5% aller veröffentlichten Materialien und Berichten zufolge 20% aller Webseiten sind dieser Zielgruppe nicht zugänglich.
Bibliotheken bilden für jedes Gemeinwesen das "Portal" zu Information, Wissen und Unterhaltung. Ihre Dienste müssen allen zugänglich sein. Die Anbieter von Inhalten und Technologien sind unverzichtbare Partner in der Bemühung, diese inklusiven Dienste für das Lesen zu entwickeln - ob zur Unterhaltung oder zur Information. Sie sollten dies tun, indem sie sich die wachsenden Möglichkeiten des digitalen Publizierens und Verbreitens zunutze machen.
Erklärungen
Der Internationale Verband der bibliothekarischen Vereine und Institutionen (IFLA) kämpft für das Recht von Menschen mit Lesebehinderungen, gleichberechtigten Zugriff auf alle Bibliotheks- und Informationsdienste zu erhalten. Er unterstützt internationale und regionale Gesetzgebung, die die Diskriminierung aufgrund von Behinderungen bekämpft.
  1. Die IFLA empfiehlt, dass alle Bibliotheken und Informationsvermittler als Teil ihrer Kerndienstleistungen Dienste, Bestände, Ausstattung und Einrichtungen anbieten, die einzelnen Benutzern mit Lesebehinderungen dabei helfen, auf Ressourcen zugreifen zu können, die ihren spezifischen Informationsbedürfnissen entsprechen, um sie barrierefrei nutzen zu können.
  2. Die IFLA regt Bibliotheks- und Informationsvermittler dazu an, bei der Planung, Entwicklung und Bereitstellung von Dienstleistungen, Menschen mit Behinderungen sowie Gruppen, die sie vertreten, zu Rate zu ziehen.
  3. Die IFLA versteht, dass die besten Dienstleistungen von den Fachkräften angeboten werden können, die ein Bewusstsein für die Bedürfnisse und Dienstleistungsmöglichkeiten im Sinne von Menschen mit Lesebehinderungen haben. Deshalb regt die IFLA alle Bibliotheken und Informationsvermittler dazu an, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeiter ausreichend geschult werden und für die Arbeit mit Benutzern mit Lesebehinderungen zur Verfügung stehen. Sie unterstützt eine lebenslange berufliche Weiterbildung ebenso wie formelle Aus- und Fortbildung der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, sodass die Verbesserung gleichwertiger Bibliotheks- und Informationsdienste für Menschen mit Lesebehinderungen erreicht wird.
  4. Die IFLA unterstützt alle Bestrebungen, den Zugriff auf Ressourcen für Menschen mit Lesebehinderungen zu verbessern - sei es durch Dienstleistungsverträge, Empfehlungen oder die Ressourcenteilung zwischen Bibliotheks- und Informationsdiensten; ebenso durch deren Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die sich auf Dienstleistungen für Menschen mit Lesebehinderungen spezialisiert haben.
  5. Daher unterstützt die IFLA den Aufbau und die Entwicklung eines internationalen Netzwerks von Bibliotheken für barrierefreie Medien.
  6. Die IFLA unterstützt alle Bestrebungen, die dafür Sorge tragen, dass Urheberrechtsgesetze Menschen mit Lesebehinderungen gleichen Zugang zu Informationen in allen Bibliotheken und bei allen Informationsvermittlern ermöglicht.
  7. Zusätzlich zur Erfüllung rechtlicher Vorgaben regt die IFLA dazu an, universelle Gestaltungsleitsätze, -richtlinien und -standards zu befolgen, damit Bibliotheks- und Informationsdienste, Sammlungen, Technologien, Ausstattung und Einrichtungen den erklärten Bedürfnissen ihrer Benutzer mit Lesebehinderungen entsprechen.
Umsetzung
Um die Umsetzung der Erklärungen in diesem Dokument zu fördern, regt die IFLA dazu an:
Bestätigt vom Verwaltungsrat der IFLA, Den Haag, Niederlande, 4. April 2012.

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120 Jahre DZB

Es kommt eben darauf an, wie Brailleschrift übertragen wird

Gabi Schulze
Seit ihrer Gründung produziert die DZB Literatur für blinde Menschen. Damals wie heute sorgen deren Mitarbeiter dafür, dass stets neue Braille- und Hörbücher, Reliefs, Zeitschriften und Musikalien ausgeliehen bzw. gekauft werden können. Anlässlich 120 Jahre DZB beleuchtet eine kleine Serie die Entwicklung einzelner Produktionsbereiche des Hauses. Es wird mit der Blindenschriftherstellung begonnen.
Leipzig, Gustav-Adolf-Straße 5, zweite und dritte Etage: Hier befinden sich die Räume der Blindenschriftherstellung. In der mit 23 Mitarbeitern größten Abteilung der DZB werden Bücher in Brailleschrift übertragen, Texte Korrektur gelesen und Druckvorlagen punziert. Jährlich entstehen etwa 81.000 Seiten in Brailleschrift - für Bücher, Zeitschriften, Musikalien und Aufträge. Für die Übertragung eines Buches aus der sog. Schwarzschrift werden moderne Computersysteme und Software genutzt, die speziell für die Herstellung von Brailleschrift entwickelt wurden. Doch wie war das vor 25, 50 und 100 Jahren?
Das Punzieren und die handschriftliche Übertragung
PC und elektronische Drucker kamen in der Abteilung Blindenschrift erstmals 1988 zum Einsatz. Der damalige Direktor Prof. Dr. Siegfried Tschirner erhielt die Möglichkeit, mit Hilfe von Devisen moderne Punziertechnik im Gesamtwert von ca. 350.000 DM in der BRD einzukaufen. Dabei waren zwei Punziermaschinen, Computer, Brailletastaturen, Laserdrucker und eine Blindenschrift-Schnelldruckanlage. So konnten mechanische Punziermaschinen durch elektronische ersetzt werden. Das erleichterte die Arbeit der Übertrager entscheidend. Zuvor prägten sie mit körperlicher Kraft die Brailleschrift in eine Metall-, meist Zinkblechplatte, die als Vorlage für den Brailledruck auf Papier diente. Daneben übersetzte man die Brailleschrift noch bis in die 1990er Jahre handschriftlich mit der Punktschriftbogenmaschine (Pichtmaschine). Allein 1970 beschäftigten sich 12 Frauen, meist in Heimarbeit, mit der Produktion von Braillebüchern, die als Unikate in die Bibliothek eingestellt wurden.
Nur das Punzieren ermöglichte die Herstellung von Brailleschrift mit mehreren Abzügen. Das manuelle Verfahren war eine sehr laute Angelegenheit. Damals arbeiteten auch blinde Mitarbeiter als Punzierer. Über Lautsprecher, die den Lärmpegel der Maschinen übertönen mussten, las ein sehender Mitarbeiter den zu punzierenden Text vor. Übrigens: Die letzte elektrische Handpunziermaschine war noch Anfang der 1990er Jahre in Betrieb. In dieser Zeit übersetzte man neben belletristischen Werken auch den ersten gesamtdeutschen Duden, begann mit der Übertragung eines Fremdwörterbuches und stellte u. a. auch ein "Medizinisches Taschenwörterbuch" fertig.
Die in Brailleschrift übertragenen Bücher wurden von einem sehenden und blinden Mitarbeiter Korrektur gelesen. Das ist auch heute noch so. Ursula Hirschnitz, die die Abteilung von 1984 bis 2000 leitete, setzte hohe Anforderungen an die Qualität der Braillebücher und arbeitete nach einem von Marie Lomnitz-Klamroth, erste Direktorin der Bibliothek, formulierten Grundsatz: "Auf alle Zeiten gilt der Satz: Es kommt nicht darauf an, daß Bücher in Punktdruck übertragen werden, sondern wie sie übertragen werden." Eine wichtige Rolle spielt deshalb bis heute die Buchvorbereitung, die sich mit der typografischen Gestaltung der Brailleschrift befasst und festlegt, wie Überschriften, Formeln und Tabellen übertragen werden. Das Braillebuch sollte dem Original so gut wie gleichen. Ein Qualitätsanspruch, der auch heute für die Mitarbeiter der Abteilung gilt!
Die erste Direktorin der DZB
Blicken wir noch ein Stück weiter zurück zu den Anfängen der Blindenschriftherstellung. Die schon erwähnte Marie Lomnitz-Klamroth, die 1901 die Leitung der Bücherei übernahm, entwickelte eine Typografie für Braillebücher, die zur Grundlage für die Übertragung in Brailleschrift wurde. Sie hob hervor, dass allein die Kenntnis des Braille-Alphabets nicht genügt, um Bücher in Brailleschrift übertragen zu können. In ihrer Systematik, die 1915 erschien, stellte sie 81 Paragraphen auf, die eine einheitliche Darstellung der Brailleschrift festlegten. Damit eine schnellere Übertragung möglich wurde, organisierte sie Punktschriftbogenmaschinen aus dem Ausland. Denn bis 1910 schrieb man die Bücher noch Punkt für Punkt spiegelverkehrt mit Griffel und Tafel. Die Zahl der Übertrager stieg bis 1917 auf 300 Freiwillige. Erwähnenswert ist hierbei, dass fast alle in Vollschrift schrieben und sich ihre Lieblingsbücher und -autoren selbst aussuchten. Marie Lomnitz-Klamroth hatte wenig Einfluss auf die Buchauswahl der handschriftlichen Übertrager. Die meisten Bücher waren "gutbürgerliche" Unterhaltungsliteratur.
Über die Druckwerke, also die Bücher, die man mit der Punziermaschine herstellte und für deren Auswahl die Leiterin verantwortlich war, gab erstmals 1906 ein kleiner Katalog Auskunft. In der Bücheranzeige findet man zum Beispiel neben J. W. Goethes "Reineke Fuchs", Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg" und G. E. Lessings "Emilia Galotti" auch ein "Lehrbuch für Massöre" und die Werbung für einen "Wandkalender für Blinde mit auswechselbarem Kalendarium und 100 auswechselbaren Sprüchen". Die beworbenen Bücher wurden über die Verlagsbuchhandlung von Georg Wigand vertrieben. Anfang 1937 beendete Marie Lomnitz-Klamroth ihre Tätigkeit als Leiterin.
Kohlmann-Fibel und die Brailleschrift
Nach dem zweiten Weltkrieg begann die DZB nach und nach den Bestand an Brailleliteratur wieder aufzubauen. In der Nachkriegszeit machte sich vor allem ein Mann verdient: Erich Kohlmann. Er war zunächst als Korrektor, dann als Punzierer tätig. 1954 leitete er den Bereich der Punzierer und übernahm 1963 die Leitung der Bereiche Punzieren, Korrektur, Übertragen und Notenschrift. 1964 kam die Druckerei/Buchbinderei hinzu. Erst ab 1975 wurde die Blindenschriftherstellung eine eigenständige Abteilung. Kohlmann schrieb drei Lehrbücher: eines zum Erlernen der Vollschrift, die so genannte Kohlmann-Fibel, zwei weitere zur alten und reformierten Kurzschrift. Sehr geschätzt wird heute noch seine führende Mitarbeit in der deutschen Kurzschriftkommission, deren Ergebnisse in den Wiener Beschlüssen von 1984 ihren Niederschlag fanden.
Kontinuität und moderne Technologie
Vom Griffel über die Punziermaschine bis zum Schnelldrucker: Neue technische Entwicklungen veränderten im Laufe der Zeit die Herstellung der Brailleschrift und erleichterten die Produktion von Braillebüchern. Aber auch die Brailleschrift selbst wandelte sich entsprechend den Erfordernissen ihrer Nutzer. Eines bleibt bis heute: Sie garantiert blinden Menschen den Zugang zu Literatur und Wissen und sichert ihnen auch im Zeitalter des digitalen Fortschritts Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Das wird in naher Zukunft, wenn es E-Books für Blinde gibt, nicht anders sein.
[Quelle: Ursula Hirschnitz: "Punkt für Punkt - Bücher in Blindenschrift entstehen nicht im Handumdrehen", in: "Die Gegenwart", 4/92 ; Helmut Schiller: "100 Jahre DZB", 1994 ; "75 Jahre Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig", 1969 ; "Aus der Praxis für die Praxis" - Berichte der deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig, 1919]

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

Truman Capote: "Kaltblütig"

Jana Waldt
[Hörbücherei]
Truman Capote wurde 1924 in New Orleans geboren und starb 1984 in Los Angeles. Mit 18 Jahren begann er zunächst, als Redaktionsgehilfe für das Magazin "The New Yorker" zu arbeiten. Der literarische Durchbruch gelang ihm 1945, als verschiedene Zeitschriften einige seiner Erzählungen veröffentlichten. Nach seinem weltweiten Erfolg mit "Frühstück bei Tiffany" reiste Capote nach Kansas, wo er die Morde an der Farmerfamilie Clutter recherchierte. Aus diesem Stoff schuf er das hier besprochene Buch "Kaltblütig", einen der bekanntesten Tatsachenromane. Das Buch wurde 1966 zu einem Bestseller.
In der Kleinstadt Holcomb in Kansas lebte die wohlhabende und geachtete Farmerfamilie Clutter. In einer Novembernacht 1959 drangen zwei ehemalige Häftlinge in das Haus der Familie, um reiche Beute zu machen. Doch sie wurden enttäuscht, denn der Farmer bewahrte nie größere Geldsummen im Haus auf. Sie töteten daraufhin Herbert Clutter, seine kranke Frau Bonnie, den sechzehnjährigen Sohn Kenyon und die fünfzehnjährige Tochter Nancy. Über zwei Monate dauerte die Flucht der beiden Täter. Die Bewohner des einst so friedlichen Städtchens Holcomb wurden durch die Brutalität dieses Mordes in Unruhe und Angst versetzt.
Truman Capote beschäftigte sich über sechs Jahre mit diesem Fall. Er sprach mit den unmittelbar beteiligten Personen: Polizisten, Nachbarn, Freunden und Bekannten der Familie, schließlich sogar mit den beiden Tätern. Mit der Zeit konnte er so viel Nähe zu ihnen herstellen, dass sie ihm bis zu ihrer Hinrichtung ihre Geschichte erzählten.
Capote erzählt zunächst die Vorgeschichte des Mordes, dann in abwechselnden Episoden Leben und Persönlichkeit der Opfer und auch der Täter.Trotz seines sachlichen Erzählstils fesselt der Roman sehr. Capote zeigt, dass eine Tatsachenerzählung genauso spannend sein kann wie ein Thriller.
Ausleihen können Sie dieses Hörbuch, das von Gert Gütschow gelesen wurde, unter der Bestellnummer H003228. Die Spieldauer beträgt 15:56 Stunden.
Weitere Titel von bzw. über Truman Capote im Hörbuchbestand
Titel von Truman Capote in Punktschrift

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Antoine-François Prévost: "Manon Lescaut"

Susanne Siems
[Punktschriftbibliothek]
Das hier vorzustellende Buch wurde im 18. Jahrhundert geschrieben. Es stellt einen Übergang zwischen der bis dahin üblichen Abenteuerliteratur und den empfindsamen Romanen der Romantik im 19. Jahrhundert dar. Erstmals gilt ein Held nicht nur deshalb als verwerflich, weil er seinem Herzen, nicht seinem Verstand folgt. Tugendhaftigkeit der Leidenschaft einer großen Liebe gegenübergestellt - dieser Roman spricht für die Leidenschaft, auch wenn sie nicht zum glücklichen Ende führt.
Erzählt wird die Liebesgeschichte zwischen dem adligen Chevalier des Grieux und dem Mädchen Manon Lescaut. Als Siebzehnjähriger verliebt sich des Grieux in die schöne und lebenslustige junge Frau und läuft ihr zuliebe aus seinem Elternhaus weg. In Paris verbringen sie wenige glückliche Wochen, bis sich Manon einem finanziell besser gestellten Liebhaber zuwendet. Der Chevalier kehrt reumütig nach Hause zurück und versucht sein Glück im Priesterseminar. Nach zwei Jahren besucht ihn dort Manon und verführt ihn abermals dazu, für ihr gemeinsames Glück all seine Zukunftspläne aufzugeben. Der Leser ahnt, dass das nicht gut gehen kann und die Geschichte nimmt auch ihren tragischen Lauf bis zum traurigen Ende.
Für mich bemerkenswert an diesem Buch war seine Weitherzigkeit, das Verständnis, das der Autor den beiden Liebenden zu teil werden lässt. So moralisch fragwürdig die Handlungsweisen beider immer wieder sein mögen, sie stellen nicht die wirkliche Zuneigung in Frage, die beide miteinander verbindet. Das gibt diesem Buch einen besonderen Reiz.
Antoine-Francois Prévost d'Exiles, in der Literatur bekannt als Abbé Prévost, lebte von 1697 bis 1763. Neben zwanzig anderen Romanen erschien 1731 das genannte Buch.
In der Punktschriftbibliothek können Sie diesen Titel in 3 Bänden (k) unter der Bestellnummer BNA 1594 ausleihen. Als Hörbuch wurde der Titel in der DZB von Peter Treuner aufgesprochen, 1 CD DAISY Bestellnummer H001612.

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Zeitschriften der DZB über das Internet beziehen

Ulrich Jander
Die DZB bietet im Bereich Verkauf zwölf Zeitschriften im Abonnement an. Mit Ausnahme der Programmvorschau am Telefon "Radio/TV" erscheinen die Zeitschriften in Punktschrift und/ oder im DAISY-Format auf CD.
Ab dem 13. Januar 2014 gibt es ein zusätzliches Angebot der DZB: Im Rahmen eines bestehenden oder neu abgeschlossenen Abonnements können bei fünf der insgesamt zwölf Zeitschriften zusätzlich die Ausgaben über das Internet heruntergeladen werden. Diese Download-Möglichkeit betrifft Zeitschriften im DAISY-Format und ist auf der Grundlage eines bestehenden Abonnementvertrages kostenfrei. Die CD-Ausgaben werden weiterhin ausgeliefert.
Das neue Angebot besteht bei folgenden Zeitschriften:
  1. DZB-Nachrichten
  2. Leipziger Bücherliste
  3. Neon, das Jugendmagazin
  4. Ein Herz für Tiere
  5. Das Gesundheitsmagazin
Das Herunterladen der Zeitschriften aus dem Internet kann durch den Nutzer über drei technische Varianten vorgenommen werden:
  1. mit Hilfe eines PCs, Laptops oder PDA-Gerätes, z. B. Pronto der Firma Baum
  2. mit Hilfe der verschiedenen Apple-Geräte, z.B. iPhone, iPad oder iPod touch
  3. mit Hilfe der Smartphones unter Betriebssystem Android ab Version 4, z. B. Google-, Samsung-, Asus- oder Sony-Geräte
Ein direkter Download auf portable DAISY-Abspielgeräte ist derzeit nicht möglich.
Wie ist konkret bei den drei technischen Varianten mit dem Download-Prozess bis zur Wiedergabe der Zeitschrift zu verfahren?
Zuerst erfolgt in der Abonnementverwaltung der DZB bei Frau Sylvia Thormann eine Registrierung der künftigen Nutzer der zusätzlichen Download-Variante. Diese erhalten per E-Mail jeweils einen Benutzernamen und ein vorläufiges Passwort, welches nach der ersten Anmeldung in ein individuelles Passwort geändert werden sollte. Außerdem wird die Internetadresse als Startseite und für die Anmeldung bekanntgegeben. Sie lautet für den Download-Bezug der Zeitschriften:
http://zeitschriften.dzb.de
Nun möchte ich die Vorgehensweise bei den drei Varianten im Einzelnen wie folgt beschreiben:
  1. Die Computervariante: Mit einem Computerprogramm, z. B. Internet Explorer oder Firefox, rufen Sie die oben genannte Internetadresse auf und befinden sich auf der Anmeldeseite. Sie tragen in die beiden Felder Benutzername und vorläufiges Passwort ein und betätigen die Schaltfläche Anmelden. Es erscheint eine neue Internetseite, auf der Sie aufgefordert werden, Ihr Passwort durch individuelle Zeicheneingabe zu ändern, dies auch zu wiederholen und dann zu bestätigen. Nun sind Sie angemeldet, und zukünftig melden Sie sich immer mit Ihrem Benutzernamen und dem soeben geänderten Passwort an. Sie können auch in diesem Bereich die Anmeldung dauerhaft aktivieren, so dass Sie später bei jedem Download den Anmeldeschritt automatisch überspringen; das können Sie auch jederzeit deaktivieren. Nach der Anmeldung hat sich eine Seite aufgebaut, die insbesondere zwei Links "Meine Zeitschriften" und "Optionen" enthält. In "Optionen" können Sie verschiedene Einstellungen vornehmen; den Link "Meine Zeitschriften" müssen Sie aktivieren, um in Ihr mit der Abonnementverwaltung vereinbartes Zeitschriftenangebot zu gelangen. Auf der neuen Internetseite wählen Sie den Zeitschriftenlink aus, der Sie interessiert, und aktivieren diesen, so dass Sie auf der neuen Seite die einzelnen Ausgaben der aktivierten Zeitschrift als jeweilige Links vorfinden. Wenn Sie jetzt den Link der für Sie interessanten Zeitschriftenausgabe aktivieren, so startet nun der Prozess des Herunterladens. Eventuell werden Sie gefragt, ob Sie die Ausgabe direkt öffnen oder speichern wollen. Zuerst speichern Sie der besseren Übersichtlichkeit wegen die Datei auf Ihre Festplatte. Sie liegt als gepackte Datei im zip-Format vor und ist jetzt zu aktivieren, damit alle Dateien für die DAISY-Ausgabe ausgepackt werden können. Wenn keine besondere Festlegung erfolgt, werden alle Dateien in einen neuen Unterordner mit Namen der zip-Datei in den Ordnerbereich gelegt, in welchem sich die zip-Datei befindet. Dieser neu angelegte Unterordner enthält alle DAISY-Dateien der Ausgabe, und diese ausgepackte DAISY-Zeitschrift kann jetzt mit Ihrem DAISY-Wiedergabeprogramm, z. B. mit MAX DAISYPlayer unter Windows, gestartet und abgespielt werden.
  2. Mit Apple-Geräten unter iOS, z. B. iPhone oder iPad: Der Weg der Anmeldung auf der oben genannten Internetseite und das Heraussuchen der für Sie interessanten Zeitschriftenausgabe bis zum Starten des Download-Vorgangs ist identisch, wie unter Buchstabe a) beschrieben. Lediglich der verwendete Internetbrowser wird ein Anderer sein, z. B. Safari. Mit Beginn des Herunterladens ertönt im Apple-Gerät ein leises, in Abständen hörbares Ticken, welches anzeigt, dass der Download-Prozess läuft. Wenn das Herunterladen der zip-Datei abgeschlossen ist, werden sofort die Apps (Programme) angeboten, die die Datei auspacken und abspielen können. Das sind zur Zeit z.B. Read2go und Voice Dream Reader. Das sind DAISY-Apps, die direkt auf zip-Dateien zugreifen können. Mit einer solchen App packen Sie die zip-Datei aus und starten die Wiedergabe der ausgepackten DAISY-Zeitschrift bzw. navigieren in dieser. Die DAISY-App, die zip-Dateien auspacken kann, das beherrscht leider nicht jede DAISY-App, muss vor dem Download-Prozess auf dem Apple-Gerät installiert sein. Eine solche App bekommen Sie im Applestore angeboten, wenn Sie den Namen der App im Suchfeld eingetragen haben, jedoch die beiden genannten Apps leider nicht kostenlos (jeweils zwischen ca. 9 und 19 Euro).
  3. Mit Android-Geräten, Smartphones oder Tabletts, z. B. von Google, Samsung, Asus oder Sony: Auch hier ist der Weg der Anmeldung auf der oben genannten Internetseite und das Heraussuchen der für Sie interessanten Zeitschriftenausgabe bis zum Starten des Download-Vorgangs identisch, wie unter Buchstabe a) beschrieben. Lediglich der verwendete Internetbrowser wird ein Anderer sein, z. B. Google Chrome oder Firefox. Sobald der Download gestartet worden ist, wird dieser Beginn akustisch gemeldet; während des Download-Vorgangs erfolgt bei Android, im Gegensatz zu iOS, keine akustische Rückkopplung. Wenn das Herunterladen abgeschlossen ist, kommt darüber eine kurze Meldung bzw. bereits die Notiz, dass die zip-Datei zum Auspacken zur Verfügung steht. Jetzt ist mit dem Entpacker Androzip die Zeitschriftendatei im Ordner Downloads, in den sie heruntergeladen worden ist, auszupacken. In der Androzip-App können Sie bestimmen, in welchen Ordner ausgepackt wird. Treffen Sie keine Festlegung, dann speichert Androzip die Dateien der Zeitschrift in den Ordner Androzip des Telefonspeichers. Von dort oder von einem anderen festgelegten Ordner rufen Sie die Zeitschrift mit Ihrer DAISY-App auf und können diese hören oder darin navigieren. Im Falle der DAISY-App habe ich Android Daisy 2.02 Reader, Ausgabe 483, eingesetzt. Es gibt eine ganze Reihe an DAISY-Apps im Internet, u.a. auch den Darwinreader, der nach einem Testzeitraum kostenpflichtig wird. Die von mir verwendete App ist kostenfrei. Es gibt mehrere Android Daisy 2.02 Reader, allerdings mit anderer Ausgabenummer, die ich alle nicht getestet habe. All diese DAISY-Apps für Android gibt es nicht im Playstore von Google, sondern im Internet bei www.daisy.org, dem englischsprachigen Auftritt des DAISY-Consortiums, unter dem Link "Tools & Services" im nachgeordneten Link "mobile Applications" und dort u.a. im Link "DAISY/ePub Reader for Android", in dessen Überschrift sich ein längerer Link von code.google.com befindet, dessen aufgerufene Seite eine längere Tabelle mit den verschiedenen Android-DAISY-Apps enthält, die man dort herunterladen kann. Wem dies zu schwierig oder umständlich ist, dem schicke ich per Mail gern den Android DAISY 2.02 Reader, Ausgabe 483 (254 Kb.), zu. Den Entpacker Androzip können Sie aus dem Playstore kostenfrei beziehen. Im Gegensatz zu iOS benötigt man bei Android zwei Apps, den Entpacker und eine DAISY-App, die aber beide, wie bei Apple, vor dem Download-Prozess auf Ihrem Android-Gerät installiert sein müssen.
Die genannten und getesteten DAISY-Wiedergabeprogramme der drei technischen Varianten merken sich automatisch die Stopposition in der DAISY-Zeitschrift. Die Navigation in der Ausgabe ist einmal mehr und einmal weniger komfortabel möglich. Man merkt an dieser Stelle schon, dass die Geräte universell einsetzbar sind und nicht absolut mit speziellen DAISY-Geräten verglichen werden können.
Wenn Sie sich im Rahmen eines Abonnements für den Download-Bezug einer oder mehrerer Zeitschriften der DZB interessieren und dieses zusätzliche Angebot tatsächlich nutzen wollen, dann melden Sie sich bitte bei Frau Sylvia Thormann, Abonnementverwaltung der DZB, unter Telefon 0341-7113-120 oder per Mail unter abo@dzb.de.
Sie werden dann als Download-Kunde registriert und erhalten Ihren Benutzernamen und das vorläufige Passwort per E-Mail für Ihre Anmeldung. Wenn künftig eine neue Ausgabe Ihrer Zeitschrift zum Herunterladen erscheint, erhalten Sie eine E-Mail-Information, die einen direkten Link für den Start des Download-Prozesses enthält, so dass dieser Vorgang für Sie in einfacher Weise abläuft und die zu Beginn dargestellte Schrittfolge auf den einzelnen Internetseiten für das Herunterladen einer Zeitschrift entfällt.Bei technischen Fragen bezüglich der drei Varianten können Sie mich gern in der DZB ansprechen unter Telefon 0341-7113-145 oder per E-Mail unter Ulrich.Jander@dzb.de. Allen künftigen Nutzern wünsche ich viel Erfolg und Freude bei der Anwendung dieses neuen Angebots der DZB.

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Neu im Regal

Ludmila Pavlova-Marinsky: "Juri Gagarin : das Leben"

(DAISY-Hörbuch, empfohlen von Jörg Klemm)
Als vor 50 Jahren der erste bemannte Raumflug startete, wurde Juri Gagarin weltweit zu einem gefeierten Helden. Seine Person symbolisierte den Erfolg der sowjetischen Raumfahrt, den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Sein Leben "nach dem Flug" fand nunmehr öffentlich statt; der sympathische, charismatische Kosmonaut in der Rolle eines Botschafters. So kannte ihn die Welt. Auch darüber erzählt dieses Buch. Es zeichnet zugleich sein Porträt aus persönlicher Nähe, in der die Autorin zu ihm stand. - Die Gagarins und die Pavlovs, beide Familien waren eng befreundet, verbrachten viel Zeit miteinander, auch fuhren sie oft zusammen in den Urlaub.
Sie versteht es, in ihrem Buch den Geist jener Zeit, die Euphorie und Begeisterung für das historische Ereignis wiederzugeben. Sie erinnert daran, welche technische Leistung vollbracht wurde, nur wenige Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Die Autorin macht zudem darauf aufmerksam, dass Millionen Menschen zum ersten Mal durch Gagarin beschrieben bekamen, wie die Erde vom Weltall wirklich ausschaute.

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Info-Service

"Rückblende"

Lustiger Vorlesetag in der DZB: Blinde und sehende Kinder lasen gemeinsam
Ronald Krause
Das war eine gelungene Veranstaltung, an die sich die Kinder und wir gern erinnern: Den bundesweiten Vorlesetag am 15. November gestaltete die DZB inklusiv - Schulklassen von blinden, sehbehinderten und sehenden Kindern waren eingeladen, sich gemeinsam aus eigens gewählten Büchern vorzulesen. Und die Schülerinnen und Schüler der zwei 4. Klassen haben gut gelesen - mit Ausdruck und Witz!
Die Kinder der Landesschule für Blinde Chemnitz suchten sich ein Buch über das Leben des Louis Braille aus. Abwechselnd lasen sie Passagen daraus vor.
Die Schüler der Leipziger Pablo-Neruda-Schule wählten ein freches Buch von Jamie Thomson aus - "Dark Lord: Da gibt's nichts zu lachen!" Und ob es da etwas zu lachen gab!
Ein blinder Vorleser aus der DZB zeigte, wie gut "Pippi Langstrumpf" mit den Fingern gelesen werden kann - wenn man die Brailleschrift beherrscht. Die zuständige DZB-Bibliothekarin Susanne Siems meinte dazu: "Durch Bücher unserer Spezialbibliothek vermitteln wir nicht nur Lesefreude, sondern fördern auch die Lust am Lesen. Die soll ja gerade bei den jungen Lesern geweckt werden - nicht nur am Vorlesetag - und nicht nur bei blinden oder sehbehinderten Kindern."
Landesschule für Blinde und Sehbehinderte erhielt DZB-Lesekisten
Zum Vorlesetag in der DZB bekam die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Förderzentrum Chemnitz zwei sogenannte Lesekisten überreicht - gefüllt mit Büchern und Hörbüchern aus der DZB. "Diese Buchauswahl zum Thema Abenteuer ist eine Dauerleihgabe für die Schulbibliothek. Im Sinne der Leseförderung sollen auch andere Spezialschulen mit geeigneter Literatur ausgestattet werden", so Siems.
Diese Veranstaltung war gewiss nicht die letzte Veranstaltung, zu der die DZB Kinder einlädt, sich gemeinsam spannende Geschichten (vor-)zu lesen. Das macht Freude!

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Neue Startseite von www.dzb.de

Gabi Schulze
Die Startseite der DZB-Internet-Präsenz wurde informativer und übersichtlicher gestaltet.Jetzt findet man auf der Startseite sofort die Aktuell-Meldungen mit den Neuigkeiten aus der DZB. Hinzu kommen Neuerscheinungen - eine Auswahl an Braille- und Hörbüchern - mit Links zum jeweiligen Online-Katalog der Bibliothek. Außerdem möchten wir mit wechselnden "Werbebannern" auf besondere Produkte und Angebote hinweisen.In nächster Zeit werden wir konsequent und Schritt für Schritt die folgenden Seiten in Inhalt und Gestaltung aufbereiten.

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Ehemaliger DZB-Direktor Tschirner erhält Platz in der Porträtgalerie

Ronald Krause
Um die Leistungen der ehemaligen Direktoren zu würdigen, gibt es im Haus 7 der DZB eine Porträtgalerie. Mit einem eigens angefertigten Bild wird bald auch der vormalige Direktor Prof. Dr. Siegfried Tschirner hier seinen Platz finden. Die DZB beauftragte den versierten Leipziger Grafiker und Maler Mirko Rathke, ein Porträt von einer Fotovorlage zu zeichnen. In der Optik angelehnt an die Bilder der vier anderen porträtierten Direktoren entstand mit Blei- und Buntstiften ein lebensnah gelungenes Werk mit feinem Strich.

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Filmtipp: IMAGINE

Ronald Krause
Ab dem 2. Januar 2014 wird der Film IMAGINE bundesweit in den Kinos starten - ein Film zum Sehen und Hören. Kurz zum Inhalt des Films: IMAGINE erzählt die Geschichte des blinden Lehrers Ian, der in einer Lissaboner Augenklinik mit Mut, Phantasie und neuen Methoden jungen blinden und sehbehinderten Patienten hilft, das Leben neu zu entdecken. Inspiration für den Film boten Ben Underwood und Daniel Kish, die Echoortung nutzen und dafür bekannt sind. Im Kino wird der Film auch mit Audiodeskription laufen - in Leipzig zum Beispiel in den Passage-Kinos. Das jeweilige Kinoprogramm zeigt, in welchem Format der Film ausgestrahlt wird. Der Film soll sowohl für Sehende als auch für Blinde zugänglich gemacht werden, da es in dem Film darum geht, die Barriere zwischen Sehen und Nicht-Sehen zu überwinden und Verständnis aufzubauen.
Mehr Infos: Website: www.imagine-der-film.de.

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12. Deutscher Hörfilmpreis

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) hat die Nominierungen für die 12. Verleihung des Deutschen Hörfilmpreises im Jahr 2014 bekannt gegeben. Von den eingereichten Produktionen wurden folgende neun ausgewählt:
Kategorie Kino
Kategorie TV
Die prominent besetzte Jury wird nun unter den nominierten Filmen die Preisträger auswählen. Wieder mit dabei sind die Moderatorin und Schauspielerin Nina Eichinger, Filmproduzent Nico Hofmann und Filmredakteur Lars-Olav Beier (Der Spiegel).
Die festliche Preisverleihung findet am Dienstag, dem 18. März 2014, in Berlin im historischen Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden statt.
[Quelle: http://www.deutscher-hoerfilmpreis.de/]

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Orientierungsveranstaltung für blinde und sehbehinderte Studieninteressierte

Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS)
Das Studienzentrum für Sehgeschädigte (SZS) ist eine Einrichtung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Als Dienstleistungs- und Forschungseinrichtung unterstützt es blinde und sehbehinderte Studierende in allen an dem KIT angebotenen Studiengängen.
Jährlich bietet das SZS sehgeschädigten Oberstufenschülern und Schulabsolventen aus Deutschland sowie den deutschsprachigen Ländern eine spezielle Orientierungsveranstaltung an. Über drei Tage hinweg können alle Fragen rund um ein Hochschulstudium gestellt werden. Dabei wirken Referenten der jeweiligen Studiengänge, studentische Vertreter und sehgeschädigte Studierende der verschiedensten Fächer mit. Desweiteren das Studentenwerk, die Eingliederungshilfen der Stadt und Mobilitätstrainer.
Die Orientierungsveranstaltung möchte auch Studieninteressierte ansprechen, deren voraussichtlicher Studienort nicht Karlsruhe sein wird.
Termin: 26. Mai - 28. Mai 2014
Bitte melden Sie sich aus organisatorischen Gründen bis zum 28. April 2014 an. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Anmeldeformulare sowie weitere Infos können unter folgender Telefonnummer angefordert werden: 0721 608-41937 oder www.szs.kit.edu
Die Teilnehmenden kümmern sich um:
Das SZS kümmert sich bei Bedarf um:
Während der Orientierungsveranstaltung werden u.a. folgende Themenbereiche behandelt:

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Audiodeskription an Theatern in Hamburg und Leipzig

Nach einem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft, den Einsatz der Audiodeskription an Hamburger Theatern zu fördern, fanden erstmals am Ohnsorg Theater und am Thalia Theater zwei Aufführungen unter Einsatz einer Live-Kommentierung für blinde und sehbehinderte Menschen statt.
Das Hamburger Pilotprojekt startete am 10. November 2013 im Ohnsorg Theater mit dem Stück "Lengen na Leev" (Ein Mond für die Beladenen) mit audiodeskriptiver Begleitung. Am 10. Dezember 2013 präsentierte das Thalia Theater mit "Don Giovanni. Letzte Party" ebenfalls eine audiodeskriptive Vorstellung, an der sehende, blinde und sehbehinderte Menschen gleichermaßen teilnehmen konnten.
Die Kosten eines einmaligen Einsatzes von Audiodeskription für ein Theaterstück belaufen sich auf 8.000 bis 10.000 Euro. Diese Kosten werden bei dem Pilotprojekt von der Kulturbehörde übernommen.
Mit der Aufführung der "Emilia Galotti" von Gotthold Ephraim Lessing erfolgte am 6. Dezember am Schauspiel Leipzig der Startschuss für das Verfahren der Audiodeskription.
Die gut 70-minütige Aufführung der Inszenierung von Enrico Lübbe bildet den Beginn regelmäßig stattfindender Vorstellungen mit Audiodeskription auf der Großen Bühne des Leipziger Schauspielhauses.
Im Vorfeld der Aufführung am 6.12. stand die Möglichkeit einer Bühnenbegehung unter Führung eines Bühnenmeisters, in der blinde Menschen sich im Bühnenraum bewegen und die Kostüme der Schauspieler und Materialien des Bühnenbildes und der Requisiten ertasten konnten.
Die Termine der nächsten Vorstellungen mit Audiodeskription einschließlich vorheriger Bühnenbegehung werden künftig auf dem Monatsspielplan und auf der Website des Theaters durch ein spezielles Icon gekennzeichnet. Die Anmeldung für den Vorstellungsbesuch und die Bühnenbegehung ist unter Tel. 0341 1268-168 und per Mail an besucherservice@schauspiel-leipzig.de möglich. Dort sind auch konkrete Informationen zum genauen Ablauf, Kartenpreisen etc. für Sehbehinderte, ihre Begleitung und alle anderen Interessierten erhältlich.
Das Verfahren der Audiodeskription ist so einfach wie aufwändig. Ein live anwesender Sprecher in Sichtnähe zur Bühne beschreibt über eine Tonanlage den mit Empfängern und Kopfhörern ausgestatteten Zuschauern optische Eindrücke vom Bühnengeschehen.
Derzeit können bis zu 25 Sehbehinderte via Kopfhörer der Sprecherin folgen, die in Sprechpausen sekundengenau abgestimmt ein vorbereitetes Skript einspricht. Für die Arbeit an dem Skript für Lessings "Emilia Galotti" am Schauspiel Leipzig haben vier sehende und eine blinde Autorin unter Anleitung von Anke Nicolai (Firma Audioskript) und unter Unterstützung des Blinden-und-Sehbehinderten-Verbands Sachsen e. V. zusammengearbeitet, um die besonders relevanten Bühnenvorgänge auszuwählen und schließlich sprachlich und akustisch so präzise zu beschreiben, dass ein Nichtsehender gleichwohl ein Bild vor Augen hat.
[Quelle: Hamburg, Pressemitteilung vom 6.11.2013 Leipzig, Pressemitteilung vom 24.11.2013]

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Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Staatsbetrieb des Freistaates Sachsen
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
E-Mail: verlag@dzb.de
Abonnements, Anzeigen
Sylvia Thormann
Tel.: 0341 7113-120
E-Mail: abo@dzb.de
»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich im Jahresabonnement wahlweise als CD DAISY, in Blindenkurzschrift und in Schwarzschrift.
Jahresbezugspreis: 9,00 Euro.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften
Das Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.
Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.
DZB 2014

Spenden

Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92Konto 1 100 830 010IBAN DE44 8605 5592 1100 8300 10BIC WELADE8LXXX
www.freunde-der-dzb.de

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