DZB-Nachrichten

Hrsg. von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)

Nr. 2 – 2014

März / April

24. Jahrgang


Inhalt

Vorbemerkung

Einblicke

Unser Buchmesse-Schwerpunkt: Literatur für Kinder und Jugendliche

"Schock deine Eltern! Lies ein Buch."

Kinder- und Jugendliteratur auf der Leipziger Buchmesse

Brandwunden heilen langsam

Braille Seasons Frühlingsbuch 2014

120 Jahre DZB

Das Hörbuch: Von der Kassette in die digitale Zukunft

Die Kramkiste

"Der Traum der Roten Kammer"

Brigitte Reimann: "Die Geschwister"

Neu im Regal

Leon Morell: "Der sixtinische Himmel"

Doris Lessing (1919-2013)

LOUIS

Bankgeschäfte am Computer - auch für blinde Menschen möglich?

Info-Service

Veranstaltungen mit und in der DZB - Überblick für 2014

"Award of Excellence" für tastbare Kalender aus der DZB

Über das Engagement für blinde und gehörlose Kinder in Nordkorea

12. Deutscher Hörfilmpreis

Verbandstag des DBSV

Impressum

Spenden

Vorbemerkung

Die Frühjahrsausgabe steht im Zeichen der Buchmesse. Auch die DZB wird wieder mit einem eigenen Messestand vertreten sein. Im Mittelpunkt unserer Präsentation steht dieses Jahr die Kinder- und Jugendliteratur. Mehr dazu nachfolgend in der Rubrik "Einblicke".
Ein weiteres Bücherthema behandelt der Beitrag "Brandwunden heilen langsam". Hier geht es um die Rettung der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Was hat sich in den 10 Jahren nach der Brandkatastrophe getan?
In unserer Serie zum 120. Jahrestag des Bestehens der DZB erfährt das Hörbuch eine nähere Betrachtung und im Info-Service erfahren Sie, welche Veranstaltungen wir in diesem Jahr planen. Viel Spaß bei der weiteren Entdeckungsreise!
Es grüßt herzlich
Ihr Karsten Sachse.

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Einblicke

Unser Buchmesse-Schwerpunkt: Literatur für Kinder und Jugendliche

Ronald Krause
"Schock deine Eltern! Lies ein Buch."
"Schock deine Eltern! Lies ein Buch." Dieser Werbeslogan öffentlicher Bibliotheken ist nicht ganz neu, könnte aber bei Umsetzung bei dem einen oder anderen durchaus seine Wirkung entfalten. Viele fleißige jugendliche Leser finden mit der DZB den Zugang zu Büchern, zur Literatur. Andere sind sich vielleicht noch nicht bewusst, welche Schätzchen die Bibliothek bereithält.
Ob Fantasy, Abenteuer, Märchen oder Geschichten von Freundschaft und Liebe, in der Bibliothek der DZB finden sich Kinderbücher zum Vorlesen, selbst Lesen und Schmökern. Viele Titel, die in der Buchproduktion der DZB liebevoll selbst hergestellt werden, können hier auch gekauft werden.
In der DZB gibt es Kinderbücher für jede Altersgruppe. Geht es bei den Kleinen noch darum, in Tastbilderbüchern mit taktilen Abbildungen aus unterschiedlichen Materialien die Welt zu entdecken, lernen Leseanfänger mit ihren Eltern spannende und lustige Tier- oder Freundschaftsgeschichten im Reliefbilderbuch kennen. Einen Beitrag zur Leseförderung leisten die Bücher aus den DZB-Reihen "Mini-Pocket" und "Lesekompass" allemal. Das Selberlesen der Braillegeschichten von mutigen Helden oder toughen Mädchen ist ohne Zweifel gut, um Sprache und Schrift zu festigen. Aber vor allem macht Lesen Spaß! Auf den Internetseiten der DZB unter www.dzb.de kann gestöbert werden oder man ruft einfach an und lässt sich beraten - zum Beispiel am Telefon der Punktschriftbücherei (0341 7113-114) oder der Hörbücherei (0341 7113-116).
Kinder- und Jugendliteratur auf der Leipziger Buchmesse
Klar, nicht alles, was es an DZB-Kinderbüchern für jedes Alter zum Ausleihen und Kaufen gibt, kann auf einer Messe gezeigt werden. Doch in diesem Jahr setzt die DZB auf der Leipziger Buchmesse hier einen Schwerpunkt und zeigt Beispiele aus der Bandbreite des Angebotes. Dazu gehören neben den aktuellen Relief- und Braillebüchern auch Hörbücher, das Zeitschriftenangebot oder das Kartenspiel "Black Stories". Die DZB freut sich, allen Messebesuchern Einblicke in die Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen geben zu können. Sie haben nicht nur Gelegenheit vielleicht erstmals ein Braillebuch in die Hand zu nehmen, sie können das Schreiben der Brailleschrift am Stand der DZB auch ausprobieren. Die Leipziger Buchmesse findet vom 13. bis 16. März auf dem Gelände der Neuen Messe Leipzig statt. Die DZB hat ihren Stand wie letztes Jahr in Halle 3 und ist hier am Stand B 309 (bei der ARD-Hörbucharena) von 10 bis 18 Uhr präsent.
Bekannte Jugendbuchautorin zu "Leipzig liest" im Haus
Jedes Jahr findet zur Buchmesse die überaus beliebte Leseveranstaltung "Leipzig liest" in unterschiedlichsten Räumen in der ganzen Stadt ein buntes Publikum. Passend zum Themenschwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur auf der Messe, hat die DZB die ausgezeichnete Jugendbuchautorin Nina Blazon ins Haus eingeladen. Sie liest am 13. März um 15 Uhr in der DZB aus ihrem Buch "Laqua - Der Fluch der schwarzen Gondel". Das Braillebuch dazu und andere Werke von ihr gibt es in der DZB. Das Buch ist für Leser ab 10 Jahre gedacht. Aber sicher werden auch ältere Zuhörer von der spannenden Lesung mitgerissen. Alle Bücherfreunde sind herzlich eingeladen!
Darum geht's in "Laqua - Der Fluch der schwarzen Gondel"
Ein gruseliger, zugiger alter Palazzo, Dauerregen und eine grantige Urgroßmutter. Kristina und Jan sind zunächst nicht begeistert, dass sie die Ferien in Venedig verbringen sollen. Dass sich des Nachts seltsame Schemen aus der Lagune erheben und die Wände der Häuser hinaufgleiten, macht die Sache für die Geschwister auch nicht besser. Als dann noch ihre Großkusine Sara verschwindet und sie sich auf die Spur des gruseligen Dogen begeben müssen, beginnt für die Kinder ein fantastisches Abenteuer. In der Bibliothek ist das Braillebuch in 3 Bänden Kurzschrift mit der Bestellnummer BNA 16669 erhältlich.

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Brandwunden heilen langsam

Die Buchbestände der Herzogin Anna Amalia Bibliothek nach dem Brand 2004
Susanne Siems
Am 2. September 2004 abends kurz nach zwanzig Uhr brach im Dachgeschoss des Rokokosaals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar ein verheerendes Feuer aus. 50.000 Bücher und wertvolle Kunstwerke wurden in jener Nacht zerstört. Wie ist die Situation heute, mehr als neun Jahre nach dem Brand? Die sensationelle Berichterstattung ist abgeebbt, die Betroffenheit der Bevölkerung hat sich aktuelleren Ereignissen zugewandt. Seit Jahren findet am Platz der Demokratie in Weimar nun eher im Stillen statt, was wir die tägliche Kleinarbeit nennen, die Restaurierung und Wiederbeschaffung der verlorenen und beschädigten Literatur. Was bisher erreicht wurde, woran man gerade arbeitet und welche Aufgaben in der Zukunft warten - davon erzählt der folgende Bericht.
"Die Bibliothek brennt"
Diese drei Worte, dem Direktor der weltbekannten Forschungsbibliothek am Telefon alarmierend zugerufen, standen am Beginn einer Kulturkatastrophe, die als der größte Bibliotheks-brand in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg in die Geschichte eingehen sollte. Zu den 50.000 Titeln, die ein Opfer der Flammen wurden, kamen 62.000 leicht bis sehr stark beschädigte Bücher und - besonders schwer betroffen - 28.000 sogenannte "Aschebücher". Damals, 2004, gab es tagelang in den Medien kaum andere Nachrichten als den Weimarer Bibliotheksbrand. Manche Reportage las sich wie ein Krimi. Von verkohlten Buchseiten, die durch den Weimarer Himmel flogen, war da die Rede und vom heldenhaften Einsatz der Bibliotheksmitarbeiter. "Warum konnte das geschehen?", "Wer ist schuld?" so die nach Katastrophen üblichen Fragen. Ein desolates Elektrokabel wurde schließlich als Ursache benannt. Das Wissen um die Ursachen änderte allerdings die Tatsachen nicht - unwiederbringliche Buchverluste und über Jahrzehnte aufwändige Restaurierungs- und Wiederbeschaffungsmaßnahmen.
Noch während die Flammen lodern, sofort nach dem Brand und in den Wochen danach wird geborgen, was zu bergen ist: verschmutzte und durchnässte Bücher, Bücher mit leicht bis stark beschädigtem Einband. Und die "Aschebücher", Bücher, die oft nur noch verkohlte Buchblöcke sind, ohne Einband, deren erste oder letzte Seiten vollständig verbrannt sind und die auch sonst große "Wunden" aufweisen. Jedes Stück, das in den Schutt- und Aschebergen als Buchseite identifiziert werden konnte, wird in Kartons gepackt und nach Leipzig geschickt. Gefriertrocknung heißt das Zauberwort für die von Löschwasser, Ruß und Schmutz stark beschädigte Lieferung aus Weimar. Im Zentrum für Bucherhaltung werden alle Bücher und Buchreste bei minus 20 Grad eingefroren. Dieses Verfahren sichert das, was die Brandnacht überlebt hat, vor dem weiteren Verfall. Das Einfrieren verhindert ein weiteres Auslaufen der Tinte, das Aufquellen des Papiers und den Schimmelbefall. Bei der Gefriertrocknung sublimiert das Wasser, es geht also gleich vom festen in den gasförmigen Zustand über, so dass die Bücher nicht noch einmal zusätzlicher Feuchtigkeit ausgesetzt werden. Entwickelt hat das Zentrum für Bucherhaltung dieses Verfahren für die Schäden bei der großen Flut im Jahr 2002. Das tragisch erworbene Know-how kommt nun den thüringischen Büchern zugute.
Die Originale sind des Menschen Geschichte, seine Gegenwart und Zukunft
Heute sind die Schäden äußerlich kaum noch sichtbar. Es ist wie immer, die Hardware lässt sich leichter ersetzen als die ideellen Werte. Das historische Bibliotheksgebäude, in Weimar auch als das Grüne Schloss bekannt, mit seinem weltberühmten Rokokosaal wurde nach vollständiger Sanierung am 24. Oktober 2007, dem Geburtstag Anna Amalias, wiedereröffnet. Von den Spuren des Brandes im Dachgeschoss und der zweiten Galerie ist heute nichts mehr sichtbar. Dem Besucher des als Museum eingerichteten Saales zeigt sich ein kleines Oval, das sich nach oben hin streckt. Überall hellblau gestrichene Bücherregale bis an die Decke, dazwischen weiße Gipsbüsten und Porträts von Persönlichkeiten der Weimarer Klassik. Darüber zwei Galerien und ein kunstvoll gestaltetes Deckengewölbe. Auch auf den Galerien überall Bücherregale, nur von den Fensternischen unterbrochen. 40.000 Bücher stehen hier, auf der 2. Galerie befindet sich der Sonderlesesaal für besonders wertvolle Literatur.
Glück im Unglück: bereits bei Ausbruch des Brandes stand die lange überfällige Sanierung des alten Bibliotheksgebäudes fest, fünf Wochen später sollte Baubeginn sein. Die Übergabe des modernen und architektonisch äußerst ansprechenden Studienzentrums erfolgte im Februar 2005. Ein unterirdischer Gang und das Tiefenmagazin verbinden beide Gebäude, es entstand eine "Bibliothek unter Tage". Hier, unter dem Platz der Demokratie mit dem Reiterstandbild Carl Augusts, regierender Herzog und Freund Goethes, Sohn Anna Amalias, sind heute 800.000 Bücher untergebracht. Mit den Freihandbeständen in Studienzentrum und historischem Bibliotheksgebäude sind es nun wieder eine Million Bücher, vorwiegend zur deutschen Literatur- und Kulturgeschichte zwischen 1750 und 1850, die Fachpublikum und Literaturliebhaber studieren können.
Zu diesen Büchern gehören auch viele der coolen Patienten des Zentrums für Bucherhaltung. Sie sind längst wieder aufgetaut und große Teile wurden bereits in den Bestand der Bibliothek zurückgeführt. Glücklicherweise gab es viele leicht beschädigte Bücher, an denen liebevolle Restauratoren- und Bibliothekarshände nur oberflächlich Reparatur- und Reinigungsmaßnahmen vornehmen mussten.
Die Einbandrestaurierung für die 62.000 geschädigten Bücher wird voraussichtlich bis Ende 2015 abgeschlossen sein. Nach Einbandmaterialien geordnet wurden die Aufträge seit 2007 bundesweit ausgeschrieben. Schäden an Papier- und Ledereinbänden konnten so schon vollständig beseitigt werden, im Oktober 2012 wurden die Lose für die kompliziertere und aufwändigere Pergamentrestaurierung ausgeschrieben. Auch zukünftige Nutzer dieser Bücher werden die Spuren des Brandes erkennen. Ziel ist, die Bücher benutzbar zu machen, die Originale aber nicht zu verfälschen.
Noch Jahrzehnte andauern wird die Restaurierung der Aschebücher. Seit 2008 hat die Bibliothek, mit Hilfe von Spenden finanziert, eine eigene Werkstatt, in der 8.000 Titel restauriert werden können. Die verkohlten Fragmente müssen mühsam gesichtet werden. Die "Buchreste" besitzen keinen Einband mehr, die ersten und letzten Lagen sind meist verbrannt, aber der Textspiegel im Inneren oft noch gut lesbar. Knapp die Hälfte der Bücher ist bisher gesichtet. Es wirkt wie ein gigantisches Puzzle, was da zusammengetragen wird. Buchfragmente gilt es zu bestimmen, einzelne Seiten, die im Feuersturm auseinandergewirbelt wurden, zuzuordnen. Manches Buch kann man identifizieren, weil man das Nachbarbuch schon gefunden hat und die akribische Katalogisierung der Bibliothekare hier eine gute Hilfe ist. Das Schadensbild bestimmt die weitere Verfahrensweise. Sind nur die Ränder verkohlt, der Inhalt aber vollständig erhalten? Das würde eine aufwändige Restaurierung rechtfertigen. Gibt es diesen Titel mehrfach in anderen Bibliotheken in Deutschland? Dann kann man auf die teure Restaurierung verzichten? Auch wenn dabei vielleicht sogenannte Provenienzen verloren gehen, die handschriftlichen Notizen Goethes, Nietzsches, Wielands zum Beispiel? Eine Arbeit ist das, die an kriminalistische Verfahren erinnert und die viel Verantwortung mit sich bringt. Jedes Buch ist ein Einzelfall, jedes Mal muss neu entschieden werden. Auch umentschieden im Laufe der Zeit.
Zunächst wurden alle verlorenen Bücher als "Vom Brand zerstört" in den Katalogen verzeichnet. Jedes Mal ein glückliches Aufatmen der Bibliothekare, wenn dieser Eintrag gelöscht bzw. geändert werden konnte. So ist die Zahl 50.000 für die verlorenen Bücher eine relative. Es kommen Bücher hinzu, die man trotz professioneller Erstversorgung nicht mehr retten konnte, aber es können andererseits auch Bücher als "gerettet" verzeichnet werden, an deren Existenz man schon längst nicht mehr glaubte. So hofft man heute immer noch in Weimar, die Erstausgabe des Werkes von Nikolaus Kopernikus, über eine Million Euro wert, zu bergen. Denn einen Titel, der direkt daneben stand, hat man schon gefunden.
Wenn der Hammer fällt - die Wiederbeschaffung
Das alles benötigt Zeit. Gleich von der ersten Stunde an gab es einen zweiten Weg, den die Weimarer Bücherfreunde beschreiten wollten. Das Projektteam "Wiederbeschaffung" besteht aus 5 Mitarbeitern, die sich darum bemühen adäquate Ausgaben für die verlorenen Titel zu finden. Im Büro der Projektleiterin steht ein ganzes Regal voll mit Auktionskatalogen. Die detektivische Suche nach den konkreten fehlenden Titeln hat man bald als zu mühsam und zeitfressend erkannt. Der Weg ist umgekehrt. Auf Auktionen wird nach allem gesucht, was in das "Beuteschema" der Bibliothek passt. Dann die oft schwierige Entscheidung - steigert die Bibliothek mit? Sonderkonditionen gibt es dabei nicht. Der "Egoismus" eines privaten Sammlers kann da immer über die öffentlichen Interessen der Bibliothek siegen. Der Konkurrenzkampf ist hart. Aber es gab auch schon andere Beispiele, dass eine andere Bibliothek oder im Einzelfall sogar ein privater Sammler zugunsten der Anna Amalia Bibliothek zurücktrat.
Auf das Thema Schenkung angesprochen, wiegen die Projektmitarbeiterinnen den Kopf. Ein schwieriges Thema. Kurz nach dem Brand war die Anteilnahme in der Bevölkerung sehr groß. Es gab viele spontane Spenden. Auch Jahre nach dem Brand kommen noch immer Spenden, auch Buchspenden.
Nur ganz selten sind das aber Werke, die wirklich eine Lücke schließen. Es braucht viel Fingerspitzengefühl, den freudigen Spendern klar zu machen, dass die Bibliothek nicht jedes geschenkte Buch aufnehmen kann. Die Bibliothek als Bücherbewahrerin hat auch Ordnung zu halten in ihren Sammlungen, damit die überschäumende Fülle im Einzelnen nutzbar werden kann. Vergleichbar ist das mit der Arbeit eines Gärtners - gut gelungen der Garten, der scheinbar ohne menschliches Zutun wächst und doch ohne des Gärtners Hand so nicht existieren würde.
Das größte Geschenk für die Bibliothek sicherlich: die Nutzung der Literatur.
Ziel aber aller Restaurierungs- und Wiederbeschaffungsarbeiten ist die Benutzung der Originale.
Die digitale Bibliothek brennt immer
Hier an dieser Stelle kommt sie, die ketzerische Frage: Brauchen wir noch Originale?
Die Weisheit zwischen alten Pappen, muffig riechendes Wissen auf vergilbten Buchseiten? Brauchen wir im 21. Jahrhundert noch die großen Bibliothekshallen, die Bücherkathedralen? Sind wir nicht glücklicher mit der Deutschen Digitalen Bibliothek? Warum die aufwändige Sanierung, Restaurierung und Wiederbeschaffung verbrannter, zerstörter Gebäude und Buch- bzw. Kunstsammlungen. Faszination, Festhalten an Historischem, Erinnerung und Sentimentalität? Nur das?
Warum kommen diese Fragen immer, wenn es um Bücher geht? Warum haben wir die Frauenkirche wieder aufgebaut, warum soll das Berliner Schloss an alter Stelle neu erstehen? Gibt es nicht auch einen Unterschied zwischen dem Inhalt eines Buches und dem Buch an sich? Sind Informationen, von Papier eingescannt und im allgegenwärtigen Netz verfügbar, wirklich für immer da?
Eine Illusion, wer glaubt, digitale Inhalte wären unzerstörbar. Langzeitarchivierung ist ein heiß diskutiertes Thema - an die CD als sicheres Speichermedium glaubt schon längst niemand mehr. Digitalisate brauchen sichere Server, sichere Trägermedien, die auch in hundert Jahren mit dann gültigen technischen Standards nutzbar sind. Da ist die Forschung noch ziemlich am Anfang. Auch wenn die eine Bibliothek brennt und es schmerzt, den Flammen bei ihrem Raub zuzusehen: noch gilt - "die digitale Bibliothek brennt immer". Noch gilt das Original als sicherster Bewahrer der Inhalte. Und gleichzeitig ist jedes Buch ein Kunstwerk für sich, es hat, wie auch jedes Bauwerk, Musikstück und Gemälde ein Eigenleben, seine ganz persönliche Geschichte. "Unser Anliegen ist, die Originale für die Benutzung zu bewahren", sagte eine Mitarbeiterin angesichts der hohen Bücherregale im Rokokosaal. Denn: wir leben in der digitalen Gegenwart und nutzen ihre Vorteile, aber wir wären nichts ohne die analoge und papierene Vergangenheit, die es gilt zu bewahren.
Vielleicht Ist es ja so, wie Direktor Michael Knoche sagte: "Im Zeichen digitaler Verfügbarkeit von Inhalten wächst die Magie der Originale". Und genau das ist es, was man spürt, wenn man den Rokokosaal betritt.
[Quellen: 1. "Baugeschichte und Ausstattung des historischen Bibliotheksgebäudes" - pdf-Dokument unter http://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/herzogin-anna-amalia-bibliothek/rokokosaal/ ; 2. Donner, Susanne: Rettung der verbrannten Bücher. - http://www.zeit.de/2013/01/Anna-Amalia-Bibliothek-Buecher ; 3. Knoche, Michael: Die Bibliothek brennt. - 2. Aufl. - Göttingen : Wallstein, 2006. ; 4. Cicero : Magazin für Politische Kultur, Heft 1/2013]

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Braille Seasons Frühlingsbuch 2014

Valentine, Jenny: "Das zweite Leben von Cassiel Roadnight"
ISBN 978-3-423-24883-9
Ein obdachloser Jugendlicher nimmt - zunächst eher unfreiwillig und zufällig - die Identität eines vermissten Jungen an. Die Ähnlichkeit der beiden ist so verblüffend, dass nicht einmal die Familie von Cassiel den Betrug merkt. Doch jeder Mensch und jede Familie hat ein Geheimnis! Wer wird die Wahrheit als erster herausfinden?
Aus dem Buch:
… Eine seltsame Stille trat ein, in der nichts passierte. Ich zählte im Kopf bis drei, während er mich ansah und ich zurücksah, und wappnete mich für das, was vielleicht kommen würde. Zuerst schienen Franks Augen dunkel und abweisend.
Ich spürte sie in den Knochen, die Angst, er könnte sehen, dass ich nicht Cassiel war. Edie hielt sich im Hintergrund.
Ich wartete.
Franks kräftige Gesichtszüge wölbten sich zu einem Lächeln, das Lächeln öffnete sich zu einem Lachen. Sein Mund tanzte. Er streckte mir die Hände entgegen. Ich hatte es geschafft.
"Cass", sagte er. "Kleiner Bruder." …
Kurzschrift, 380 S., 2 Bände
Gebunden, Best.-Nr. 218021; € 34,80
Geheftet, Best.-Nr. 218022; € 28,80
Erhältlich bei:
Blindenschriftverlag
"Pauline von Mallinckrodt"
Andreasstr. 20, 33098 Paderborn
Telefon: 05251 - 68 88 80
Fax: 05251 - 688 88 29
Mail: info@pader-braille.de
Braille Seasons Quiz
Bei richtiger Beantwortung der unten stehenden Fragen könnt ihr das "Braille-Seasons" Frühlingsbuch gewinnen. Einsendeschluss ist der 01.06.2014.
Sendet eure Antworten an:
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband
Saskia Welty
Rungestraße 19
10179 Berlin
Tel.: 030 285387289
Mail: s.welty@dbsv.org
Quizfragen
Frage: 1. Wie heißt der Bruder des "richtigen" Cassiel?
  1. Frank
  2. Chuck
  3. Chace
Frage: 2. Wo wohnte der Junge, bevor er Cassiels Identität angenommen hat?
  1. In einer Wohngruppe für schwererziehbare Jugendliche
  2. Auf der Straße
  3. Bei seinen Eltern
Frage: 3. Wer hält sich im Hintergrund?
  1. Ed
  2. Eddy
  3. Edie

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120 Jahre DZB

Das Hörbuch: Von der Kassette in die digitale Zukunft

Gabi Schulze
Tonband, Kassette, CD und MP3 - die Geschichte der Tonträger vollzog sich in einem rasanten Tempo. Keine 50 Jahre dauerte die Entwicklung vom Kassettenrekorder zum MP3-Player. Wer kennt heute noch das Tonband?
Als am 14. März 1956 die Hörbücherei eingeweiht wurde, stand auch die DZB am Anfang dieser technischen Revolution. Die Hörbuchausleihe startete mit ca. 3000 Tonbändern, die vor allem aus Beständen des staatlichen Rundfunks der DDR kamen. Dazu zählte auch der Roman "Tinko" von Erwin Strittmatter, der zur Einweihungsfeier als erstes Hörbuch vorgestellt wurde. Das erste Hörbuch, das die DZB in ihrem Studio selbst produzierte, war "Der Lotterieschwede" von Martin Andersen Nexö. Zufall oder nicht? Auch das neu eingerichtete Studio wurde damals mithilfe von Lottomitteln finanziert. Herbert Jakob, damaliger Direktor der DZB, erklärte bei der Einweihung, dass das "sprechende Buch" eine wertvolle Ergänzung zum Punktschriftbuch sei und Menschen, die die Punktschrift nicht lesen können, Wege zur Literatur eröffnen werde. Seine Prognose erwies sich als richtig: Jahr für Jahr wuchs die Hörbuchproduktion, so dass die Hörbuchausleihe ihren Nutzerinnen und Nutzern ein immer vielfältigeres Angebot bereitstellen konnte. Im Herbst 1963 wurde mit der Einweihung eines neuen Gebäudes die so dringend benötigten Studioräume für die Aufnahmen, technische Reparaturen, das Cuttern (Schneiden) und Kopieren geschaffen. Hinzu kam eine leistungsfähige Kopieranlage, auf der bis zu 10 Kopien zweispurig gleichzeitig und in vierfacher Geschwindigkeit gezogen werden konnten.
Tausend Meter Tonspule und Aufnahmen mit hoher Qualität
Bis zum Jahr 1969 stieg die Zahl der ausgeliehenen Tonbänder auf über 350.000 Bänder. Hans Lanzke, seit 1967 Leiter des Studios, schuf mit seinen zehn Mitarbeitern und 30 professionellen Sprechern ein vielfältiges Angebot an Hörbüchern, die hohe Qualitätsstandards setzten und deshalb von den Nutzerinnen und Nutzern der Hörbücherei sehr geschätzt wurden. Jährlich lasen die Sprecher 40.000 Schwarzdruckseiten unterschiedlicher literarischer Genres auf die Tonspule. Hauptberuflich arbeiteten sie als Schauspieler im Theater und Fernsehen, als Rundfunksprecher und Sprechwissenschaftler. Ohne sie wäre die sehr gute Qualität der Hörbücher nicht möglich gewesen. Darauf achteten vor allem die Aufnahmeassistenten, die die Sprechertermine organisierten und die Bücher für die Aufnahme vorbereiteten. Damals wie heute prüfen sie den Text auf die Aussprache von Fremdwörtern, die Umsetzung von Anmerkungen, Fußzeilen, Registern etc., achten auf Textgenauigkeit und eine saubere Aufnahme. Heute arbeiten sie mit entsprechender Studiosoftware am Computer und entfernen Versprecher und störende Geräusche sofort. Früher wurden die Fehler im Arbeitsexemplar zunächst markiert. Beim Umkopieren des Hörbuches auf ein zweites Band wusste die Cutterin dann, welche Stellen sie nicht mitkopieren darf. Immerhin war dies einfacher als zu Anfangszeiten, wo die Cutterin noch mit Schere, Kleber und vielen Metern Tonspule im Studio saß und die Versprecher mit der Hand beseitigte. Doch so oder so, die unhandlichen Spulentonbänder von bis zu tausend Metern Bandlänge verursachten nicht selten einen heftigen Bandsalat.
Die Kassette und schnelle Kopierverfahren
Die Einführung der Kassette ab 1971 brachte nicht nur dem Nutzer erhebliche Erleichterungen im Umgang mit dem Speichermedium, sondern veränderte auch das Kopierverfahren in der Produktion. Anfangs zog man vom Mutterband immer nur eine Kassette. Später wurde mit japanischen und amerikanischen Kopiermaschinen in vier- und achtfacher Geschwindigkeit kopiert. Man begann, alte Spulentitel auf Kassetten umzuschneiden. Durch das schlechte Bandmaterial der Kassetten gab es immer wieder Qualitätsprobleme. In den achtziger Jahren waren die Kopiermaschinen soweit verschlissen, dass die Hörbuchproduktion vor dem Aus stand. Selbst die Konstruktion einer Kopiermaschine von Studiotechnikern der DZB scheiterte mangels entsprechender elektronischer Bauteile. Erst die Wiedervereinigung ermöglichte die technische Umrüstung. Neue rationellere Kopieranlagen wurden angeschafft, das nachträgliche Abhören, sowie das Cuttern entfiel.
Die DAISY-CD und ihre einfache Navigation
Als die Compact Disc (CD) in den 1980er Jahren den Markt eroberte, war auch das Ende der Kassette absehbar. Die Blindenbüchereien entschlossen sich weltweit für den Einsatz spezieller digitaler Standards und Technologien, die eine neue digitale Hörbuchgeneration schufen - die DAISY-CD. DAISY-Hörbücher ermöglichen auf speziellen Abspielgeräten eine sehr einfache Navigation und haben einen Speicherumfang von 40 Stunden pro DAISY-CD.
Nachdem Ende der 1990er Jahre die alten Bandmaschinen in den Aufnahmeräumen durch moderne Computertechnik und Software ersetzt wurden, startete 2002 die DAISY-CD-Ausleihe. Seit 1999 standen für die Aufnahme drei Studios zur Verfügung. Ein stetig gewachsenes Hörzeitschriftenangebot erforderte weitere Kapazitäten. Zeitschriften wie "Das Gesundheitsmagazin", "DZB-Nachrichten" und "Ratgeber aktuell" erschienen in Brailleschrift und auf DAISY-CD. Jedes Jahr wurden rund 200 Hörbücher im DAISY-Format aufgesprochen: Romane, Krimis, Klassiker der Weltliteratur, Kinderliteratur und Sachbücher. Drei Jahre nach der Einführung der DAISY-CD konnte die Hörbuchausleihe bereits ihr 3000. DAISY-Buch einstellen. Parallel zur Hörbuchproduktion liefen die Umschnitte von der Kassette auf DAISY-CD. 2010 wurde deutschlandweit das Ende der Kassettenausleihe bekannt gegeben.
EPUB3 und wohin geht die Reise?
Heute stehen den Nutzerinnen und Nutzern der DZB 26.000 DAISY-Hörbücher zur Hörbuchausleihe bereit. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft deutscher Hörbüchereien übernimmt die DZB auch Produktionen anderer Hörbüchereien und stellt diesen wiederum ihre Hörbuchaufnahmen zur Verfügung.
Längst wird auch das Spezialformat DAISY zu einem offenen Standard für E-Books, dem EPUB3, weiterentwickelt. Hier achtet man von Anfang an auf barrierefreien Zugang für blinde und lesebehinderte Nutzer. Diese können schon jetzt mit Hilfe von Smart- und iPhones, Tablets und Laptops jederzeit das lesen, was sie möchten. Barrierefreie Speichermedien stellen ihnen ein großes Hörbuchangebot nutzerfreundlich bereit. Ungekürzte Hörbücher in hoher Qualität erhalten die Nutzer nicht allein nur aus der DZB. Die Blindenbüchereien müssen nach neuen Wegen suchen und sich dem wachsenden Angebot kommerzieller Anbieter im Internet stellen, die mehr und mehr barrierefreie Hörbücher zur Verfügung stellen und dazu die passenden Geräte anbieten.

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Die Kramkiste

Unsere Bibliothekare stellen jeweils einen Punktschrift- und einen Hörbuchtitel vor, die sich schon länger im Bestand unserer Bibliothek befinden.

"Der Traum der Roten Kammer"

Anatoli Krüger
[Punktschriftbibliothek]
Dieser Roman ist eines der Hauptwerke der klassischen chinesischen Literatur. Entstanden ist er Anfang des 18. Jahrhunderts in der Mandschu-Periode. Er schildert das Leben in einer mächtigen, hochangesehenen und reichen Familie, der Kia-Sippe, in der Hauptstadt des chinesischen Reiches.
Es waren einst zwei Brüder, die dem Kaiser große Dienste erwiesen hatten. Aus Dank dafür hatte er sie zu Fürsten ernannt und von ihnen stammen die beiden Hauptzweige der Familie ab, der West-Palais und der Ost-Palais. Doch nach fünf Generationen ließ die Tüchtigkeit des Geschlechtes nach. Noch schien alles in Ordnung, die Familie sonnte sich in der Gunst des Kaisers, schien wie ehedem über Reichtum und Einfluss zu verfügen. Doch "der Tausendfüßler zappelt noch, auch wenn er schon tot ist".
Der Roman hat eine mythologische Einkleidung. Die Seelen der beiden Ahnherren bitten die "Fee des schreckhaften Erwachens" sich ihres Nachkommen Pao Yü anzunehmen, denn "nach hundert Jahren Ruhm und Glanz drohe ihren Familien Verfall, und unter all den vielen Urenkeln sei Pao Yü der einzige, der das Geschlecht in Ehren fortzusetzen imstande sei. Zwar sei er etwas absonderlich und leichtfertig veranlagt, aber sein Geist und seine Begabung berechtigten zu den schönsten Hoffnungen. Nur fehle es ihm an der rechten Führung."
Dass es mit Pao Yü etwas Besonderes auf sich haben musste, war von Anfang an klar, denn er war mit einem beschrifteten Jadestein auf der Zunge geboren worden.
Trotz dieses mythologischen Gewandes ist der Hauptteil der Romanhandlung durchaus realistisch. Er zeichnet die streng ritualisierte Lebensweise dieser weitverzweigten Familie mit ihren Dienern und Zofen in ihrer Palastanlage und dem "Park der Augenweide". Trotz dieser äußerlichen Riten und Regeln ist das Verhalten der Romanfiguren erstaunlich triebhaft, ob es nun um materielle Vorteile, sexuelles Verlangen oder pures Machtstreben geht. Die Beziehungen sind streng hierarchisch geordnet, die Niederen sind den Höheren unterstellt, die Frauen den Männern, die Jüngeren den Älteren, aber überall Verrat, Heuchelei, Hinterlist, das Streben nach eigenem Vorteil, keine einzige Figur bleibt unbefleckt.
Es sind etwa 400 Personen, die die Romanhandlung vorantreiben und an mehreren Stellen tauchen auch noch zwei Geister auf - ein taoistischer Priester und ein buddhistischer Mönch - die in das Geschehen eingreifen. Deshalb ist es schwierig den Überblick zu behalten, obwohl dem Buch eine Stammtafel der Kia-Sippe und die wichtigsten Namen und Schauplätze vorangestellt sind.
Pao Yü ist der erklärte Liebling seiner Großmutter Ahne, die als die Älteste und Mutter des regierenden Fürsten, das höchste Ansehen in der Familie genießt, aber er hält sich auch sonst am liebsten in den Mädchengemächern auf. Er will nichts von diesem schmutzigen, mürrischen Männergeschwätz wissen. "Ich will nichts hören von diesen langweiligen Worten Amt und Würde und Staat und Ruhm." Stattdessen nimmt ein Liebesdrama seinen Verlauf, dass ihn an seine Cousine Blaujuwel kettet.
Im Gegensatz zur Lyrik genoss der Roman in China bis zum 20. Jahrhundert nur geringes literarisches und gesellschaftliches Ansehen. Deshalb blieben die Verfasser auch meist anonym. Es bedurfte langwieriger Forschungen um etwas über den Autor herauszufinden. Der Verfasser dieses Romans, Tsau Hsüä-tjin (1715 - 1763) - für seinen Namen gibt es verschiedene Schreibweisen z. B. Xueqin Cao oder Ts'ao Hsüeh-ch'in - entstammte selbst einer hocharistokratischen Familie aus der Gegend von Nanking. Seine Vorfahren hatten sich seit Generationen den mandschurischen Kaisern unentbehrlich gemacht. Doch 1728 verlor sein Vater plötzlich alle Ämter und Adelstitel, sein Vermögen wurde beschlagnahmt, die Familie verlor die Gunst des Kaisers und erlitt einen finanziellen und gesellschaftlichen Absturz. So war er zwar hochgebildet und begabt, aber nun dem Alltag und den Nöten der einfachen Menschen ausgesetzt. Drückende Armut, eine schwere Krankheit und weitere Schicksalsschläge setzten ihm zu. So konnte er auch nur zwei Drittel seines Romans vollenden, der Rest wurde aus nachgelassenen Aufzeichnungen ergänzt.
BNA 5433, rkh., 13 Bände

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Brigitte Reimann: "Die Geschwister"

Jörg Klemm
[Hörbücherei]
Es ist Ostern 1961. Die junge Elisabeth, welche in einem Braunkohlewerk arbeitet und dort einen Zirkel malender Arbeiter leitet, und ihr Bruder Ulrich, ein Schiffbauingenieur, besuchen ihre Eltern in einer ostdeutschen Kleinstadt. Wie bisher nutzen sie diese kleine Flucht aus ihrem Fabrikalltag zum Erholen, gehen tanzen, treffen Freunde und genießen die Gespräche miteinander. So erfährt Elisabeth von den Fluchtplänen ihres Bruders. Beide Geschwister haben es nicht leicht in ihrem Arbeitsleben - die konstruktiv-kritische Elisabeth hat einen großen politischen Streit hinter sich, Ulrich bekam einen Traumjob nicht, da er den Kaderleitern im Werk nicht politisch zuverlässig genug war. Doch Elisabeth, die ihren politischen Streit gewinnen konnte, ist bei all ihrem kritischen Geist fest entschlossen, in der Republik zu leben und ist sicher, dass die grundlegende Idee hinter dem Staat eine gute ist. Ihr Bruder ist desillusionierter und entschlossen, das Land zu verlassen. Nur wenige Tage hat Elisabeth Zeit, ihren Bruder umzustimmen. Ihr anderer Bruder, Konrad, ist bereits vor Jahren in den Westen gegangen und Elisabeth fremd geworden.
Ob es gelingt, Ulrich zu überzeugen, und wie Elisabeth es versucht, erzählt uns Brigitte Reimann in ihrer dichten, packenden Sprache und unterhält dabei großartig. Es macht Spaß, mit Elisabeth und Ulrich zusammen zu sein und Elisabeths Kampf um den Bruder zu erleben.
Auch Brigitte Reimann ging damals den "Bitterfelder Weg", der Arbeiterklasse und Kulturschaffende verbinden sollte, und verbrachte einige Jahre im Gaskombinat "Schwarze Pumpe". Auch deshalb ist dieses Buch so lebendig geworden und das Lesevergnügen groß.
Für die Erzählung um Elisabeth und Ulrich bekam Brigitte Reimann 1965 den Heinrich-Mann-Preis, einen hochangesehenen Literaturpreis der Akademie der Künste.
Die hier verwendete Buchausgabe stammt vom Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1963. Sprecher: Margot Ziegenrücker, 5:32 h, Bestellnummer: H001154
Weitere Titel von Brigitte Reimann im Hörbuchbestand
Titel von Brigitte Reimann in Kurzschrift

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Neu im Regal

Leon Morell: "Der sixtinische Himmel"

(DAISY-Hörbuch, empfohlen von Jörg Klemm)
Italien, Anfang des 16. Jahrhunderts. Der junge Aurelio kommt nach Rom, um dort beim größten Bildhauer seiner Zeit in die Lehre zu gehen: Michelangelo Buonarotti. Gerade hat der Papst diesen gegen seinen Willen mit einem Deckenfresko für die Sixtinische Kapelle beauftragt. Missmutig macht sich der Künstler ans Werk. Nachts jedoch erschafft er aus weißem Marmor das Bildnis der Frau, die keiner jemals sehen darf: die Kurtisane des Papstes. Aurelio verliebt sich unsterblich in die geheimnisvolle Schöne. Doch seine Liebe wird nicht nur ihm zum Verhängnis.
Leon Morell entführt die Leser ins Rom der Renaissance und zu einem der berühmtesten Künstler der Zeit. Geschickt wechselt Morell die Perspektive von einem kleinen Landgut hin zur Metropole Rom und dem Vatikan. Hier trifft der Protagonist Aurelio auf Michelangelo, der ihn sofort in seinen Bann zieht und der ihn in seine Künstlergruppe mit aufnimmt. Aurelio lernt durch seine geschickten Hände schnell das Handwerk, allerdings beansprucht der Meister den Löwenanteil der Arbeiten für sich.
So werden die Leser in die Techniken der Freskenmalerei und der Farbmischung eingeführt. Natürlich gelingen diese Dinge nicht auf Anhieb, und so wird man auch in die auftauchenden Problematiken eingeführt. Dies wird vom Autor geschickt erzählt, und plötzlich fühlt man sich als Leser, als liege man neben Michelangelo auf den Gerüsten unter der Decke und male mit ihm die Fresken. Auch die Entwicklung des Gesamtgemäldes in seiner Entstehung mit der Veränderung einzelner Motive und auch der Grundstruktur, wie sie in Michelangelos Kopf Gestalt annehmen, ist beeindruckend und nachvollziehbar dargestellt.
Der Höhepunkt des Romans ist zweifellos der Moment, in dem die erste Hälfte der Fresken für Papst und Obrigkeit enthüllt werden und der noch beeindruckender beschrieben wird als der der Gesamtenthüllung.Leon Morell ist ein eindrucksvoller Roman gelungen, der den Leser nicht nur in die Renaissance führt, sondern auch in die Welt der Kunst entführt.

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Doris Lessing (1919-2013)

Karsten Sachse
Am 17. November vergangenen Jahres verstarb in London die britische Schriftstellerin und Trägerin des Nobelpreises für Literatur (2007), Doris Lessing.
Doris Lessing wurde 1919 in Kirmanschah in Persien geboren. Ihr Vater war dort Angestellter einer britischen Bank. Nach der Rückkehr nach England erwarb er 1924 eine Farm in Mashonaland in der damaligen britischen Kolonie Südrhodesien (heute Simbabwe). Als ungelernter Farmer bewirtschaftete er den mageren Boden mit wenig Erfolg, sodass die Familie ständig am Rande des Existenzminimums lebte und Auseinandersetzungen zwischen den Eltern keine Seltenheit waren. Nach dem Leben auf der Farm und dem Generationsproblem war das Erlebnis der afrikanischen Landschaft und Natur für Doris Lessing der entscheidende Einfluss jener Zeit. Mit dreißig Jahren kam sie nach London und veröffentlichte dort 1950 ihren ersten Roman.
Ihr umfangreiches literarisches Werk machte sie zu einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autorinnen.
Im Ausleihbestand der DZB sind zahlreiche Titel Doris Lessings vorhanden, darunter auch zwei gewichtige Autobiographie-Bände "Unter der Haut" und "Schritte im Schatten". Die folgenden biografischen Anmerkungen sind den Klappentexten der beiden Bücher entnommen und dazu angetan, die Neugier auf Leben und Werk der Autorin zu wecken:
"… Geschrieben hat sie von frühester Jugend an, und auch noch ihre späteren großen Erzählungen und Romane spiegeln nicht selten Erfahrungen aus ihren afrikanischen Jahren wider: Frau zu sein in einer Welt im Umbruch, in der es die alten Rollen und Werte neu zu definieren galt, während der Krieg in Europa düstere Schatten warf - jugendliche Unbekümmertheit und Erlebnishunger, gepaart mit genauer Beobachtungsgabe und einem wachen politischen Bewusstsein. Träume von der großen Welt. Jobs, um sich über Wasser zu halten, sexuelle Befreiung und die Ehe mit einem ungeliebten Mann. Kinder, Trennung, neue Freiheit und politisches Engagement. Und immer natürlich schreiben … - … Im von Aufbruchsphantasien beflügelten London der Nachkriegszeit erleben wir, wie sich die der Enge der der britischen Kolonialgesellschaft in Südrhodesien entronnene alleinerziehende Mutter mit Witz, Charme und schier unerschöpflicher Energie gegen die kleinen und großen Widrigkeiten des Alltagslebens in einer Metropole zu behaupten weiß. Doris Lessing erzählt uns von ihrem Kampf als Frau und streitbare Linke um Anerkennung in der von Männern dominierten literarischen Öffentlichkeit …"
[Quellen: Gottfried Graustein: Nachwort zu Doris Lessing: Afrikanische Tragödie : Roman. - Berlin: Verlag Volk u. Welt, 1983 ; Klappentext zu Doris Lessing: Unter der Haut : Autobiographie 1919-1949. - Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1994. ; Klappentext zu Doris Lessing: Schritte im Schatten : Autobiographie 1949-1962. Klappentext. - Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1997.]
Doris Lessing im Hörbuch
Doris Lessing in Punktschrift

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LOUIS

Betreuer dieser Rubrik ist Herr Ulrich Jander (Tel.: 0341 7113-145, Fax: 0341 7113-125, E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de).
Detaillierte Ausführungen zu den Themen können direkt bei ihm abgerufen werden. Selbstverständlich erhalten Sie auch Antwort auf Fragen, die uns in Blindenschrift, auf Kassette oder in Schwarzschrift erreichen. Mehr zu LOUIS gibt es im Internet unter www.dzb.de/louis.

Bankgeschäfte am Computer - auch für blinde Menschen möglich?

Ulrich Jander
So mancher wird sich als blinder Mensch bisher gefragt haben, ob selbständig mit Hilfe des PC das eigene Konto mit seinen Kontobewegungen abgerufen werden kann oder Überweisungen bzw. Daueraufträge ausgeführt werden können. Grundsätzlich ist es tatsächlich möglich, und deshalb möchte ich heute darauf eingehen, jedoch sind dafür Voraussetzungen und Vorkehrungsmaßnahmen notwendig, auf die ich natürlich auch eingehen werde. Zuerst möchte ich aber auch auf die eventuell mögliche Alternative hinweisen: das Telefon. Eine der Voraussetzungen ist immer, dass die jeweilige Bank oder Sparkasse einen für blinde Nutzer geeigneten Service anbieten. Das kann man leicht direkt bei seiner Bank erfragen, zumindest was das Telefonbanking betrifft. Die Sparkasse Leipzig z. B. hat diesen Service für alle ihre Kunden vor einiger Zeit eingestellt, bietet ihn aber für blinde Kunden auf Anfrage weiterhin an. Die Postbank z. B. hält das Telefonbanking als Angebot für alle ihre Kunden 24 Stunden am Tag bereit. Man muss sich immer, ob Banking am Telefon oder am PC, zuerst registrieren lassen. Der Nutzer erhält eine PIN (persönliche Identifikationsnummer). Diese ist immer zusammen mit der Kontonummer oder dem Benutzernamen erforderlich, wenn man sich zu Beginn des Banking am Telefon oder am PC anmeldet. Das Telefonbanking bedient der Nutzer ausschließlich mit Hilfe des Ziffernblocks seines Telefons. Von Bank zu Bank gibt es Unterschiede bezüglich der Art und Weise der Kommunikation; bei der Sparkasse Leipzig, außer während der Anmeldung, durch Mitarbeiter des Hauses und bei der Postbank z. B. in erster Linie durch eine Computerstimme. Die Bedienungshilfe wird angesagt. Gibt es Probleme, dann kann der Nutzer immer einen persönlichen Mitarbeiter per Tastendruck erreichen.
Im Folgenden möchte ich mich mit dem Banking per Computer beschäftigen. Ganz wichtig sind hier die Sicherheitsmaßnahmen im eigenen PC, der für das Online-Banking genutzt werden soll. Das betrifft das Betriebssystem, das Internetprogramm (der Browser) oder das Online-Banking-Programm und die Antivirensoftware. All dies sollte unbedingt auf dem neuesten Stand sein, z. B. als Betriebssystem Windows 7; Windows XP genügt für das Online-Banking nicht mehr, da Microsoft angekündigt hat, die Aktualisierung des Betriebssystems Windows XP einzustellen. Die Anwendungsprogramme, wie Internetbrowser oder Online-Banking-Software, sollten unbedingt, bezogen auf das verwendete Betriebssystem, auf dem neuesten Stand sein. Die im Computer vorhandene Antivirensoftware muss die aktuelle Programmversion und das aktuelle Virenupdate enthalten. All diese Maßnahmen sind gerade im Online-Banking-Bereich unbedingt notwendig, da der Computer im Internet arbeitet und Bankgeschäfte zu den sensibelsten Arbeiten mit höchster Sicherheit am PC gehören. Das Arbeiten im Online-Banking mit einer Banking-Software, z. B. mit SFirm der Sparkassen oder mit VRNetworld der Volks- und Raiffeisenbanken, statt direkt im Internet auf entsprechenden Webseiten der jeweiligen Bank, bedeutet zwar, dass man als Nutzer in der Banking-Software nicht online ist und daher die Gefahr aus dem Internet insoweit nicht besteht, jedoch wenn man aus der Software heraus Aktionen zu seiner Bank durchführt, dann ist die Internetverbindung unerlässlich und bringt dann auf jeden Fall Gefahren mit sich.
In diesem Beitrag betrachte ich nicht die Möglichkeiten und Arbeitsweisen der einsetzbaren Banking-Softwareprodukte. Die beiden oben genannten Programme, SFirm und VRNetworld, sollen mit Screenreadern gut bedienbar sein. SFirm ist das Banking-Programm der Sparkassen für Firmen und Unternehmen, es wird aber m. W. bereitgestellt, wenn man es begründet verlangt, denn das Banking-Programm StarMonney der Sparkassen für Privatkunden ist leider nicht barrierefrei. Das Programm VRNetworld wird vom blinden PC-Berater Werner Krauße auf seiner Internetseite www.werner-krausse.de vorgeschlagen. Auf seinem Internetauftritt findet man auch eine Dokumentation zu diesem Banking-Programm. Kostenfrei sind m. W. leider beide Programme nicht.
Nun möchte ich mich den Möglichkeiten des Online-Bankings direkt im Internet, also ohne Banking-Software, zuwenden. Hier möchte ich zwei Varianten näher betrachten, das chipTAN-Verfahren mit einem TAN-Generator und das smsTAN-Verfahren mit Hilfe eines Handys oder Smartphones mit Sprachausgabe. Weitere Möglichkeiten kann es geben, wie z. B. die HBCI-Chipkarte mit einer Bankingsoftware, die ich hier in meine Betrachtungen aber nicht einbeziehe, da dies den Umfang des Beitrages sprengt und ich dies auch nicht getestet habe.Für das chipTAN-Verfahren hat der Sparkassenverbund in Deutschland einen sprechenden TAN-Generator im Angebot. Im Zahlungsverkehr, z. B. bei Überweisungen, am Computer übernimmt der Generator die Absicherung der Transaktion, indem im Generator, bezogen auf die laufende Überweisung, eine TAN, Transaktionsnummer, erzeugt wird. Der sprechende TAN-Generator kostet ca. 55 Euro, die anderen üblichen Generatoren, die grafisch und im Zusammenspiel mit dem PC-Bildschirm funktionieren, liegen im Preis bei ca. 10 bis 20 Euro. Die Sparkasse schreibt auf ihren Internetseiten zum sprechenden Generator folgendes:
Zitatbeginn
Digipass 840A CV silber EZV
Der TAN-Generator mit Sprachausgabe (ohne optische Schnittstelle) für Menschen mit Sehbehinderung
Nutzen Sie auch als Betroffener, der an einer Sehbehinderung bzw. -schwäche leidet, oder einfach nur aus Komfortgründen, das aktuelle Sicherheitsverfahren im Online-Banking Ihrer Sparkasse - das chipTAN-Verfahren!
Der TAN-Generator DIGIPASS 840A CV (comfort voice) ist ein Tischgerät mit übergroßen Tasten und großem Display. Neben der Sprachausgabe über den rückseitig eingebauten Lautsprecher verfügt er auch über eine Kopfhöhrerbuchse, an die Sie den im Lieferumfang enthaltenen Kopfhörer anschließen können. Die nötigen Bedienungsschritte werden akustisch ausgegeben, auch Ihre Eingabe lässt sich bei Bedarf durch Tastendruck nochmals durch das Gerät akustisch wiedergeben.
Mit seinen fühlbar erhöhten Funktionstasten erleichtert das weiter entwickelte Gerät nun das Zurechtfinden auf der Tastatur noch besser. Die Bedienungsanleitung des Geräts steht ausschließlich online zur Verfügung und lässt sich damit auch mit spezifischer Vorlesesoftware nutzen. Zusätzlich lässt sich der DIGIPASS 840A CV für das Auslesen Ihres GeldKarten-Guthabens sowie die Anzeige Ihrer letzten 3 Lade- und 11 Bezahl-Vorgänge nutzen.
Ihre Vorteile im Überblick:
Online-Banking mit chipTAN ist für jeden richtig, der Wert auf Sicherheit legt und gerne flexibel ist.
Schutz vor Datendieben: chipTAN ist doppelt sicher, da zwei Kommunikationsmedien (Computer und TAN-Generator) eingesetzt werden. Darüber hinaus werden Ihnen im Display des TAN-Generators nochmals die wichtigsten Auftragsdaten zur Kontrolle angezeigt - inklusive einer TAN, die nur für diesen Auftrag errechnet wurde und nicht anderweitig einsetzbar ist. Durch einen sorgfältigen Datenabgleich schützen Sie sich wirksam vor Angriffen durch Phishing oder Banking-Trojaner.
Zitatende
Nach dem Anmelden Ihres Kontos beim Online-Banking und dem Kauf des sprechenden TAN-Generators müssen Sie auf der Internetseite Ihrer Sparkasse lediglich beim ersten Mal den Generator mit einer ATC-Nummer und einer TAN anmelden. Sobald Sie den TAN-Generator einsetzen, benötigen Sie Ihre EC-Karte, die in den über dem Display befindlichen Schlitz eingeführt wird. Auf der Internetseite Ihrer Sparkasse haben Sie sich zuvor mit Ihrem Benutzernamen oder Ihrer Legitimations-ID und mit Ihrer PIN angemeldet. Sie wählen in einer Aufklappliste z. B. Überweisung aus und gehen mit dem Schalter "weiter" auf die nächste Internetseite. Dort tragen Sie die notwendigen Angaben zur Überweisung, wie z. B. Empfängername, Kontonummer oder IBAN, Bankleitzahl oder BIC, den Überweisungsbetrag und den Verwendungszweck, in Eingabefelder ein und betätigen wieder den Schalter "weiter". Auf der nächsten Seite müssen Sie den Link "hier" suchen und aktivieren; der Text vor und nach diesem Link weist darauf hin, dass die Übermittlung der TAN auf der folgenden Internetseite nicht im grafischen, sondern im Textmodus geschieht. Die Einstellung auf Textmodus ist sehr wichtig, denn im grafischen Modus kommt man mit einem Screenreader auf der Seite kaum zurecht. Auf der durch den Link "hier" aktivierten Internetseite befinden sich vor dem Eingabefeld für die TAN vier Texthinweise, die eine konkrete Anleitung für die Eingabeschrittfolge am TAN-Generator enthalten. Hat man diese befolgt, erzeugt der Generator eine sechsstellige TAN; diese wird angesagt und auf Knopfdruck auch wiederholt. Nach dem Eintragen der TAN in das dafür bestimmte Eingabefeld auf der Internetseite und dem Betätigen des Schalters "weiter" werden auf der letzten Seite die Überweisungsangaben nochmals aufgeführt und die erfolgte Zahlung benannt.
Zum Teil sind die Internetseiten der Sparkasse, zumindest hier in Leipzig, unübersichtlich. Man erleichtert sich wesentlich die Bedienung, wenn man eine aktuelle Version seines Screenreaders einsetzen kann und die Tastenkürzel dieses Hilfsprogramms im Internetbereich kennt und verwendet. Die Tests des chipTAN- und smsTAN-Verfahrens vollzogen sich zwar insbesondere auf den Internetseiten der Sparkasse Leipzig; durch den bundesweiten Sparkassenverbund dürften die Internetauftritte der jeweiligen regionalen Sparkassen mindestens sehr ähnlich sein. Durch Tests im Demobereich der Postbank z. B. und durch Aussagen blinder Nutzer scheinen heute die Internetseiten der anderen großen Banken in Deutschland im Online-Banking mit Hilfe eines aktuellen Screenreaders einigermaßen bis gut bedienbar zu sein. Übrigens, wenn man bei chipTAN lediglich den Kontostand und die Kontobewegungen abfragen will, dann ist weder der Generator noch die TAN-Eingabe erforderlich. Man muss sich nur im Internet bei seiner Bank anmelden und den Link "Umsätze" aktivieren, gegebenenfalls noch eine Auswahl zum Zeitraum in der Ausklappliste treffen.
Nun noch zum smsTAN-Verfahren: Was bei chipTAN der Generator bezüglich Sicherheit des Zahlungsverkehrs übernimmt, das leistet im smsTAN-Verfahren das eigene Handy oder Smartphone. Man spart in diesem Fall zusätzliche Kosten, und das Verfahren ist einfacher. Die EC-Karte ist nicht erforderlich. Allerdings ist man an sein Mobiltelefon und an seine dortige Rufnummer gebunden, denn mit diesen Angaben meldet man sich bei seiner Bank zuerst an. Ist die Freischaltung erfolgt, kann es schon losgehen. Auch hier meldet man sich zuerst im Internetauftritt seiner Bank mit dem Benutzernamen oder der Legitimations-ID und der PIN an. Dann ist die Vorgehensweise ähnlich wie bei chipTAN, indem man im Fall der Überweisung die erforderlichen Angaben in die Eingabefelder einträgt. Wenn Sie diese Angaben mit dem Schalter "weiter" abgeschickt haben, dann wird von Ihrer Bank automatisch eine sms auf Ihr Mobiltelefon geschickt. Die sms enthält die TAN, die Sie auf der Internetseite in das dafür vorgesehene Eingabefeld übernehmen. Wollen Sie sich lediglich über Ihre Umsätze in Ihrem Konto informieren, dann erübrigt sich auch bei smsTAN der Arbeitsablauf mit dem Mobiltelefon. Zum smsTAN-Verfahren schreibt die Sparkasse auf Ihren Internetseiten folgendes:
Zitatbeginn
Online-Banking mit smsTAN ist für jeden wichtig, der Wert auf Sicherheit legt und gerne flexibel ist.
Schutz vor Datendieben: Die smsTAN ist doppelt sicher, da zwei Kommunikationsmedien (Computer und Handy) eingesetzt werden. Darüber hinaus werden Ihnen in der SMS nochmals die wichtigsten Auftragsdaten zur Kontrolle angezeigt. Die in der SMS enthaltene TAN ist extra nur für diesen Auftrag erstellt worden und kann nicht anderweitig verwendet werden. So werden Sie wirksam vor Angriffen durch Phishing oder Banking-Trojaner geschützt.
Die smsTAN: praktisch, mobil, bequem und sicher:
Zitatende.
Bei beiden technischen Verfahren am Computer werden zwei unterschiedliche Systeme eingesetzt, bei chipTAN Generator und Computer, bei smsTAN Mobiltelefon und Computer. Die Sicherheit im Online-Banking bezüglich Abwehr von Gefahren besteht in der Verwendung der zwei getrennt voneinander arbeitenden Systeme. Daher wird bei smsTAN dringend davon abgeraten, mit demselben Mobiltelefon sowohl die sms mit der TAN geschickt zu bekommen als auch die Bankgeschäfte und den Zahlungsverkehr im Internet abzuwickeln. Sollte man bei smsTAN das Mobiltelefon einmal verlieren oder Sie erhalten eine neue Rufnummer, dann müssen Sie sich auf jeden Fall mit Ihrer Bank in Verbindung setzen, denn Ihr bisheriges Telefon und Ihre bis dahin gültige Rufnummer ist dort registriert.
Wie immer Sie Ihre Bankgeschäfte erledigen, ich hoffe, dass ich für Sie eventuell neue oder alternative Wege zum selbständigen Bewältigen dieses Bereiches aufzeigen konnte. Ich wünsche Ihnen im Umgang mit Online-Banking viel Erfolg und keine Gefahren für die Sicherheit.

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Info-Service

Veranstaltungen mit und in der DZB - Überblick für 2014

Ronald Krause
(Auszug an Terminen: Schauen Sie unter www.dzb.de nach aktuellen Informationen und Details.)

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"Award of Excellence" für tastbare Kalender aus der DZB

Ronald Krause
Bereits im vergangenen Jahr zeichnete die Jury des Gregor international calendar award den Reliefwandkalender 2014 "Zauber der Gewürze" mit einer Silbermedaille aus. Nun freuen wir uns über eine weitere Ehrung: Für die kontinuierlich sehr gute Gestaltung ihrer tastbaren Kalenderreihe wurde die DZB letzte Woche in Stuttgart mit dem "Award of Excellence", konstant gut - über viele Jahre, prämiert.
In der Begründung der Jury zum Preis heißt es: "Jahr für Jahr wird diese Kalenderreihe einfühlsam für Sehende und Blinde gestaltet. Die Motive aus dem Alltagsleben, Gewürze, Pflanzen und Tiere, werden im Wortsinn einprägsam dargestellt. Durch den Tastsinn lassen sich die gezeigten Beispiele erfühlen, die Texte sind in Brailleschrift für den Kundigen lesbar gemacht. Das Kompliment der Jury gilt dem über viele Jahre schon bestehenden hohen Standard der Kalender."
Der gregor calendar award ist einer der bedeutendsten Wettbewerbe der Druck- und Medienbranche. Veranstalter der weltweit größten Kalenderausstellung ist das Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg, der Graphische Klub Stuttgart e.V. und der Verband Druck und Medien in Baden-Württemberg.

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Über das Engagement für blinde und gehörlose Kinder in Nordkorea

Ronald Krause
In die Deutsche Zentralbücherei für Blinde kommen immer wieder Gäste zum Erfahrungsaustausch, die sich in anderen Ländern für die Belange von behinderten Menschen einsetzen. Die DZB freute sich, eine Veranstaltung anbieten zu können, in der über die Arbeit für behinderte Kinder in Nordkorea spannend berichtet wurde: Am 19. Februar waren Besucher in die DZB eingeladen, einem Praxisvortrag von Dr. Barbara Unterbeck zu folgen. Sie lebt in Pjöngjang und engagiert sich hier für "ZUSAMMEN - Bildungszentrum für gehörlose, blinde und nichtbehinderte Kinder Hamhung e. V.". Barbara Unterbeck gab Einblicke in die Projektarbeit und die Pläne des Vereins in Wort, Bild und Ton. Der blinde IT-Experte René Ludwig berichtete zudem, wie er im Herbst 2013 blinden Kindern in Nordkorea Computer-Grundlagen vermittelte und was er vor Ort erlebte. Die Veranstaltung wurde gehörlosen Menschen durch einen Gebärdendolmetscher übersetzt.
Der 2008 in Berlin gegründete Behindertenverein "ZUSAMMEN - BiIdungszentrum für gehörlose, blinde und nichtbehinderte Kinder Hamhung e.V." - kurz "ZUSAMMEN - Hamhung" - hat sich der Aufgabe verschrieben, gute Bildung und Ausbildung für gehörlose und blinde Kinder und Jugendliche in Nordkorea zu erreichen. Daran arbeiten in Pjöngjang der gehörlose Robert Grund und seine Mitstreiterin Dr. Barbara Unterbeck nach dem Motto der Behindertenbewegung "Nichts über uns ohne uns!". Weitere Informationen zur Arbeit in Nordkorea und Kontakt in Deutschland: Barbara Unterbeck, Mobil 0157 73873766 und Telefon 03375 246628. Mehr Infos auch unter www.together-hamhung.org.

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12. Deutscher Hörfilmpreis

Am 19. Februar startete das Rennen um den Titel "Beliebtester Hörfilm des Jahres".
Nominiert sind so unterschiedliche Filme wie die Tragikomödie "Feuchtgebiete", das Drama "3096 Tage" oder der Tatort "Summ, summ, summ".
Der Publikumspreis wird am Dienstag, dem 18. März 2014, im Rahmen einer festlichen Gala in Berlin im historischen Atrium der Deutschen Bank Unter den Linden vergeben.
Der Deutsche Hörfilmpreis wird seit 2002 vom DBSV verliehen und von der Aktion Mensch unterstützt. Hauptsponsoren sind Pfizer Deutschland und Bayer HealthCare Deutschland.
Weitere Informationen unter:
www.deutscher-hoerfilmpreis.de
Besuchen Sie den Deutschen Hörfilmpreis auch auf facebook!
www.facebook.com/Deutscher.Hoerfilmpreis
[Quelle: Pressemitteilung des DBSV vom 19.02.2014]

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Verbandstag des DBSV

Vom 22. bis 24. Mai werden rund 150 Delegierte in Berlin erwartet - Vertreter der DBSV-Landesvereine, der korporativen Mitglieder, Ehren- und Präsidiumsmitglieder sowie zahlreiche Gäste. Es geht darum, die vergangenen vier Jahre zu bilanzieren und die Weichen für die künftige Verbandsarbeit zu stellen. Zu den Aufgaben des höchsten Gremiums gehört auch, ein neues Präsidium zu wählen.
Es ist eine gute Tradition, dass der DBSV im Vorfeld des Verbandstages den engen Austausch mit der Basis sucht. "Wir möchten wissen, welche Erwartungen blinde und sehbehinderte Menschen an ihren Verband haben", erklärt DBSV-Präsidentin Renate Reymann.
[Quelle: Newsletter "DBSV-direkt"]

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Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb
Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Staatsbetrieb des Freistaates Sachsen
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0
Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de
Redaktion
Karsten Sachse
Tel.: 0341 7113-135
E-Mail: verlag@dzb.de
Abonnements, Anzeigen
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E-Mail: abo@dzb.de
»DZB-Nachrichten« erscheint zweimonatlich im Jahresabonnement wahlweise als CD DAISY, in Blindenkurzschrift und in Schwarzschrift.
Jahresbezugspreis: 9,00 Euro.
Kostenlose Beilage: »Leipziger Bücherliste«.
Online unter www.dzb.de/zeitschriften
Das Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.
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