in puncto DZB - 01 / 2015

01 2015

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist soweit! Die erste Ausgabe von »in puncto DZB« geht an den Start. Vier Mal im Jahr werden wir Sie in puncto DZB auf dem Laufenden halten. Ab sofort bereiten wir für Sie relevante Informationen rund um die DZB redaktionell auf. Sie finden hier keine trockene Aneinanderreihung von Nachrichten, sondern informative, unterhaltsame Artikel, in denen hinter die Kulissen des Hauses geschaut wird, Menschen porträtiert, Freunde und Partner der DZB interviewt werden. Wir empfehlen lesenswerte Neuerscheinungen und machen auf aktuelle Themen des Hauses aufmerksam. So erfahren Sie in dieser Ausgabe, was die DZB mit der berühmten Bachfamilie zu tun hat, welche Autorin zum Lesefest „Leipzig liest“ in die DZB kommt und warum eine mutige blinde Frau nach Nordbrasilien reiste.

Lebendig, authentisch und frisch – das ist diese Zeitschrift, die hoffentlich viele Leser finden wird. Freuen Sie sich auf eine interessante Lektüre und teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihre DZB!

Im Fokus

Faszinierende Klangrohre und barocke Musikinstrumente

Ein barrierefreier Rundgang durch das Bach-Museum Leipzig: Die DZB fertigte im Auftrag des Bach-Museums Leipzig Reliefbroschüren, -pläne und Braillebeschriftungen für die neue Ausstellung an.

An der Südseite des Thomaskirchhofs schräg gegenüber dem Bach-Denkmal steht eine prächtige vierflügelige barocke Hausanlage, die der Gold- und Silberwarenfabrikant Georg Heinrich Bose 1710 erwarb und die heute seinen Namen trägt. Das Bosehaus, das 1983/85 rekonstruiert wurde, beherbergt seit 1985 das Bach-Archiv mit dem Bach-Museum. Durch ein stattliches Rundbogenportal aus Porphyrstein gelangt man über eine zweischiffige Eingangshalle im Renaissancestil und einen kleinen Innenhof in das Bachmuseum. Schon im Foyer wird dem Besucher ersichtlich, dass hier auch blinde und sehbehinderte Menschen eingeladen werden, selbstständig durch die Ausstellungsräume zu spazieren und das Museum ein Stück mehr barrierefrei zu erleben. Gleich links neben der Eingangstür befindet sich eine weiße Marmorbüste von Johann Sebastian Bach, die Carl Ludwig Seffner 1897 geschaffen hat und zu der es in Brailleschrift einige Informationen gibt. Mit Hilfe eines taktilen Orientierungsplans im Foyer erhält der Besucher einen Überblick vom Museum und Ausstellungsrundgang. Empfehlenswert ist es natürlich, einen Audioführer auszuleihen, der sich wie ein Smartphone über Voice-Over-Funktionen benutzerfreundlich bedienen lässt. Er beschreibt den Weg von Raum zu Raum und innerhalb des Raums, gibt eine Einführung zum Thema der jeweiligen Ausstellung und erläutert die verschiedenen Exponate.

Erlebnisreiche und informative Hör- und Taststationen

Das klingende und interaktive Bach-Museum erstreckt sich auf 450 m2 Ausstellungsfläche. In den Jahren 2008 bis 2010 wurde das Gebäude grundlegend saniert, das Museum neu konzipiert und erweitert. Zu Beginn dieses Jahres hat das Museum seine Ausstellungsräume so eingerichtet, dass blinde Besucher ein Stück mehr barrierefreien Zugang haben. Kerstin Wiese, Direktorin: „Bevor wir das Projekt umgesetzt haben, war das Bach-Museum ohne museumspädagogische Betreuung für blinde Menschen nicht rezipierbar. Diese Situation wollten wir ändern. Ziel war es, blinden und sehbehinderten Menschen einen selbstständigen, informativen und erlebnisreichen Besuch des Bach-Museums zu ermöglichen.“

Zwölf thematisch gegliederte Ausstellungsräume gehen dem Leben und Wirken des berühmten Komponisten und Thomaskantor nach. Fast in jedem Raum können blinde Besucher Hör- oder Taststationen wahrnehmen. Wer beispielsweise im Ausstellungsraum „Die Orgel im Zentrum“ die Reliefbroschüre über den Stammbaum der Familie Bach studiert, kann leise Orgelmusik hören. In der Nähe der Sitzbank hängen fünf 1,20 m lange Klangrohre von der Decke. Berührt man diese, so erklingen Ausschnitte aus Bachs faszinierenden Orgelwerken. Die Titel sind auf den Klangrohren in Brailleschrift zu lesen. Kommt der Besucher in den Raum „Bachs Orchester“, hört er den Choral „Lass dein Engel mit mir fahren“. Hier spielen 21 Barockmusiker eines virtuellen Orchesters. Der Besucher kann den Klang jedes einzelnen barocken Musikinstrumentes kennenlernen und deren Formen in einem Reliefbuch tastend erkunden. Für blinde Menschen dürften außerdem zwei Reliefpläne im Ausstellungsraum „Bach in Leipzig“ interessant sein. Eine der Karten lädt den Besucher ein, einen kleinen Spaziergang durch das barocke Leipzig zu unternehmen und die elf für Bach wichtigen Gebäude zu ertasten, die auch der Audioguide näher vorstellt. Eine andere Reliefkarte zeigt die Vorderansicht der Thomasschule nach ihrer Erneuerung in den Jahren 1731/32. „Zur Zeit Bachs lebten etwa 55 Mitglieder des Thomanerchores in der Schule. Sie schliefen in zwei großen Gemeinschaftsschlafsälen, die in den oberen Geschossen eingerichtet waren“, berichtet der Audioguide. „Man kann sich gut vorstellen, dass es in diesem Gebäude oft lebhaft zugegangen ist. Vielleicht hätte sich Bach beim Komponieren manchmal mehr Ruhe gewünscht?“

Ein Lieblingsplatz auch für blinde und sehbehinderte Bach-Freunde

„Eine Führung mit dem Audioguide dauert ca. 80 Minuten. Einzelpersonen können jederzeit kommen und das Angebot nutzen, bei einer Gruppe wäre eine vorherige Anmeldung schön, weil dann die Geräte vorbereitet werden können. Jetzt kann man die Führung auch als App im Apple App Store sowie im Google Play Store kostenlos herunterladen“, so die Direktorin des Bach-Museums, die sich für den barrierefreien Zugang ihres Museums stark machte. Im Rahmen „Barrierefreies Bauen - Lieblingsplätze für alle“ erhielt das Museum vom Freistaat Sachsen die beantragte finanzielle Förderung. „Gemeinsam mit dem Blindenverband Sachsen und der Deutschen Zentralbücherei für Blinde haben wir die Orientierungs- und Tastmaterialien umgesetzt und auch den Audioguide getestet“, erklärt Kerstin Wiese. Blinde und sehbehinderte Menschen sind nun herzlich zu einem Rundgang durch das Bach-Museum eingeladen und können das Ergebnis selbst beurteilen.

„Führung mit Berührung“

In der „Führung mit Berührung“ werden beispielsweise Nachbauten historischer Musikinstrumente, Kopien barocker Kleidung, eine Büste von Johann Sebastian Bach und das Originalmodell des bekannten Bachdenkmals von Carl Ludwig Seffner durch Tasten erkundet. Diese Führung dauert etwa 60 Minuten. Da das Tasten im Vordergrund steht, sollten die Gruppen nicht zu groß sein. Optimal ist eine Gruppengröße von sechs blinden Personen sowie ihren Begleitern. Diese Führung muss im Vorfeld angemeldet werden.

Kontakt Bachmuseum:
Tel.: 0341 9137-202
E-Mail: museum@bach-leipzig.de
Internet: www.bachmuseumleipzig.de

Leipziger Buchmesse

Impulsgeber für das Bücherjahr 2015

Vom 12. bis 15. März findet die Leipziger Buchmesse statt. Die DZB ist dabei und präsentiert Literatur aus ihrem Verlagsprogramm.

Der März in Leipzig steht wieder ganz im Zeichen der Bücher und des Lesens. Autoren, Verlage und Leser kommen zusammen, informieren sich und tauschen sich aus. Bekannte erfolgreiche Autoren, aber auch junge Talente, Journalisten, schreibende Politiker und Prominente aus Kultur und Wirtschaft geben sich ein Stelldichein, große traditionelle und kleine unabhängige Verlage warten mit Neuerscheinungen auf. Mittendrin: zahlreiche Besucher, Leser, Bücherfreunde!

Die DZB präsentiert sich mit einem eigenen Stand in Messehalle 3 am Stand B 307. Ihre Mitarbeiter sind aber auch als Fachbesucher unterwegs. Karsten Sachse, Lektor der DZB, sucht aus der Vielzahl an Neuerscheinungen interessante Bücher für die Produktion aus und tritt mit Verlagen in Kontakt: „Hier kann ich über interessante, bisher unbekannte Bücher 'stolpern' und zahlreichen Autoren lauschen. Vor allem aber erhalte ich vor Ort die ersten Informationen über die neuen Titel vom Leipziger Lesekompass.“

Auch 2015 empfehlen die Stiftung Lesen und die Leipziger Buchmesse allen Eltern, Lehrern und Kindern den Leipziger Lesekompass als Orientierungshilfe. Die 30 von einer Fachjury prämierten Kinder- und Jugendbücher sollen das Interesse bei Lesemuffeln wecken und auf unterschiedliche Lesevorlieben bei Jungen und Mädchen eingehen. Eine Auswahl dieser Bücher produziert die DZB seit einigen Jahren in Brailleschrift und präsentiert die aktuellsten der Lesekompass-Reihe an ihrem Messestand. Dort können Besucher auch taktile Bilderbücher wie beispielsweise „Wo ist Mami?“ und „Der Löwe, der nicht schreiben konnte“ zur Hand nehmen. Zu ihrem vielfältigen Verlagsprogramm, das die DZB zur Messe zeigt, gehören neben Kinderbüchern auch Hör- und Braillebücher, Notenwerke, Atlanten, Zeitschriften und Kalender.

Besuchen Sie die DZB am Messestand und kommen Sie mit unseren Mitarbeitern ins Gespräch! Wir freuen uns auf Sie.

Deutsche Zentralbücherei für Blinde
Halle 3 Stand B 307 – von 10 bis 18 Uhr

Leipzig liest in der DZB

Die Idee vom Lesefest ist so einfach wie überzeugend. Verlage stellen ihre Autoren und Bücher nicht nur auf dem Messegelände, sondern überall in ganz Leipzig vor und gewinnen neue Leser. Diese wiederum entdecken ihre Autoren in Lesungen und Gesprächen. Erstmals ging „Leipzig liest“ 1992 an den Start und bescherte der Buchmesse einen Besucherrekord. Heute ist das Leseliteraturfest das größte in Europa. Vielfältige Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten ziehen jedes Jahr viele Bücherfreunde nach Leipzig. 2014 lasen 3000 Autoren an 410 Leseorten in Leipzig, unter anderem auch in der DZB.

Für das diesjährige Lesefestival hat die DZB die Leipziger Autorin Kathrin Aehnlich eingeladen. Sie wird am 13. März, 19 Uhr aus ihrem Buch „Wenn die Wale an Land gehen“ lesen. Ihr Buch ist in der DZB als Hörbuch erschienen und kann hier ausgeliehen werden.

Interview: Mit Janis Joplin im Land der Lemminge

Die Leipziger Autorin Kathrin Aehnlich über ihr Buch „Wenn die Wale an Land gehen“.

„Wenn die Wale an Land gehen“ ist ein Roman, in dem es um den Verlust einer Jugendfreundschaft in der DDR der 80er Jahre geht und den Versuch, diese fast 30 Jahre später wieder aufleben zu lassen. Die Handlung siedelt die Autorin in der Vergangenheit und Gegenwart an. Geschickt verschachtelt sie beide Zeitebenen und zwei verschiedene Orte miteinander. Das sind zum einen die 80er Jahre in der DDR, zum anderen New York mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall.

Ihre Hauptfigur Roswitha, 50 Jahre und gerade geschieden, reist in die USA, um ihren Jugendfreund Mick zu finden. Ein Roadmovie, deren Protagonistin aber vor allem auch auf der Suche nach sich selbst ist?

Ich glaube, dass sich jeder hin und wieder fragt, bin ich auf dem richtigen Weg oder bin ich irgendwann falsch abgebogen, habe ich den falschen Mann geheiratet, den falschen Beruf ergriffen oder lebe ich im falschen Land. Meist sind diese Reflexionen an ein Ereignis gebunden. Bei Roswitha ist der Auslöser ihre Scheidung. Sie erinnert sich plötzlich wieder an ihre Jugendträume. Die Form des Roadmovies habe ich deshalb gewählt, weil „Bewegung“ immer die Möglichkeit bietet, Erinnerungen einzubinden.

Roswithas Reise ist eine Reise zurück in den DDR-Alltag, zurück zu ihrer Clique während des Studiums, deren Sehnsüchten und Träumen, zurück zu deren Freiräumen, die sie sich im real existierenden Sozialismus schufen. Haben Sie in der DDR ähnliche Erfahrungen wie Roswitha gemacht? Wie biografisch ist ihr Roman?

Jeder Roman ist eine subjektive Sicht des Autors und damit in irgendeiner Weise mit seiner Person verbunden. Im Fall meines Romans sind eigene Erfahrungen über den Alltag in der DDR eingeflossen. Ich weiß also, wovon ich schreibe, aber ich bin und war nicht Roswitha. Was sich deckt, ist die Liebe zur Musik und Kunst und die Bedeutung von Freundschaft. Ich denke sogar, dass Mick mehr Anteile von mir hat als Roswitha.

Der Titel ihres Buches ist eine Metapher für die Orientierungslosigkeit Roswithas. Wie die Wale ist auch die Hauptfigur in ihrem Leben gestrandet und sucht nun nach einem Weg, wieder zurückzufinden. Ist das richtig?

Für mich ist es eher eine Metapher für Dinge, die wir uns nicht erklären können. Es gibt verschiedene Deutungen, aber keiner weiß wirklich, warum Wale und Delfine sich manchmal regelrecht an Land werfen. Im Roman steht es symbolisch für die Tatsache, dass Frau Pulver, die beste Freundin von Roswitha, ihre Freunde an die Staatssicherheit verraten hat. Der gestrandete Wal symbolisiert die Hilflosigkeit Roswithas im Umgang mit dieser Erinnerung.

Sie prägen für die DDR den Begriff „Land der Lemminge“. Diese Metapher steht für kollektiven Selbstmord. Können Sie dieses Bild näher erläutern?

Die wenigsten Menschen in der DDR waren Helden. Der größte Teil waren Mitläufer, ich will mich da nicht ausnehmen. Einer ist dem anderen hinterher gelaufen. Wir haben viele Dinge als gegeben hingenommen, die vielleicht zu verändern gewesen wären. Insofern sind wir gemeinsam auf den Abgrund zugelaufen.

Die Rockmusik der 60er Jahre – Janis Joplin, die Rolling Stones, Jimi Hendrix – spielt in ihrem Roman eine ganz besondere Rolle. Welche?

Diese Musik ist und war der Soundtrack meiner Generation, es kam ja alles mit etwas Verspätung in der DDR an. Es waren unsere Heiligen. So ist es auch in dem Roman. Durch diese Musik wurde eine Sehnsucht geweckt, die uns geprägt hat. Im Falle des „Haupthelden“ Mick ist es der dringliche Wunsch einmal nach Woodstock zu fahren.

Frau Aehnlich, vielen Dank für das Interview.

Über die Autorin

Kathrin Aehnlich wurde 1957 in Leipzig geboren. Nachdem sie zunächst an der Ingenieursschule für Bauwesen studierte, folgte später ein Studium am Literaturinstitut Leipzig. Einem breiteren Publikum bekannt wurde die Autorin, die bereits Hörspiele, Erzählungen und ein Kinderbuch veröffentlicht hat, durch ihren Roman “Alle sterben, auch die Löffelstöre”. Seit 1992 arbeitet Kathrin Aehnlich nicht nur als Autorin, sondern auch als freie Mitarbeiterin für MDR Figaro.

Kurz gemeldet

SightCity: Die Traditionsmesse der Hilfsmittelanbieter

Die SightCity in Frankfurt bezeichnet sich als die größte Fachmesse für Blinden- und Sehbehinderten-Hilfsmittel in Deutschland. Wenn man das bunte Gewimmel im Hotel Sheraton am Flughafen Frankfurt am Main selbst erlebt hat, könnte man meinen, dass dem so sei. Letztes Jahr gab es hier 130 Aussteller und über 4000 Besucher. Viele Besucher kommen regelmäßig, um sich über neue Angebote zu informieren. Sie suchen auch den Messestand der DZB auf, den diese gemeinsam mit MEDIBUS und der Westdeutschen Blindenhörbücherei betreut. Für die DZB fahren in diesem Jahr Sylvia Thormann und Jörg Klemm zur Messe, um dort die Produkte des Hauses zu präsentieren. Premiere am Stand hat ein aus Holz gefertigtes Deutschlandpuzzle mit 16 verschiedenfarbigen Bundesländern. Mit diesem robusten Holzpuzzle lernen blinde und sehbehinderte Kinder spielerisch die Geografie Deutschlands erfassen. Das Puzzle wird vor allem Schulen empfohlen, denen die DZB ab Herbst 2015 auch einen neuen Deutschlandatlas anbietet. Pädagogen und interessierte Besucher erhalten dazu am Messestand weitere Informationen.

SightCity 2015: 20. bis 22. Mai mit der DZB am Stand Nummer E 1.

Museumsnacht 2015: Hörbücher verführen zum Kopfkino

Die Museumsnacht Leipzig/Halle ist schon eine Erfolgsgeschichte und ein wahrer Publikumsmagnet: ab 18 Uhr bis tief in die Nacht öffnen Museen, Institute und Ausstellungen ihre Tore für Nachtschwärmer, zeigen ihre Exponate, veranstalten spezielle Führungen und bieten den Besuchern von jung bis alt ein buntes Programm an. Die DZB ist seit Jahren bei diesem nächtlichen Treiben dabei und lockt Publikum ins Haus, das neugierig fragt: Mit den Fingern lesen? Das kann ich mir nicht vorstellen! In der DZB gibt es also eher keine musealen Stücke zu bewundern. Hier erfahren Besucher etwas über Brailleschrift und wie Braille- und Hörbücher für Blinde und Sehbehinderte hergestellt werden. Sie können aber auch selber „punkten“ – mit der Pichtmaschine und bei einer Bücher-Verlosung. Das Motto der diesjährigen Museumsnacht lautet „Kopfkino“. Und wir sind der Meinung, auch unsere Hörbücher verführen geradewegs dazu. Zur Museumsnacht 2015 lesen deshalb bekannte DZB-Studiosprecher und stellen sich vor: 7 tolle Stimmen, 7 ausgewählte Bücher – je eine halbe Stunde von 19 bis 22:30 Uhr.

Vormerken: Museumsnacht in der DZB am 25. April von 18 bis 23 Uhr

Die Leseaktion geht weiter

Unsere Leseaktion „Mit drei Büchern bist du dabei“ auf www.dzb.de geht weiter. Junge Leserinnen und Leser können aus unserer Bibliothek Bücher ausleihen und dabei Preise gewinnen. Wer von März bis Ende August 2015 mindestens drei Bücher liest, nimmt an einer Verlosung teil. Zu gewinnen sind je ein 30-Euro-, 20-Euro- und 10-Euro-DZB-Gutschein. Auch wer nicht gewinnt, erhält einen Preis. Einzige Voraussetzung: Die Kids und Teenager müssen in unserer Bibliothek angemeldet sein. Natürlich empfehlen wir unter www.dzb.de auch interessante Bücher für jedes Lesealter. Egal ob Fantasy- und Abenteuerbücher, Liebes- und Freundschaftsgeschichten – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Dort stehen auch die Mitmach-Bedingungen, die ganz einfach sind: Anmelden, Lesen und Gewinnen! Kinder, die gern schreiben, können ihr Lieblingsbuch auch vorstellen.

Und hier sind die Gewinner der ersten „Staffel“ unserer Leseaktion: Emilia Walbröl, Marlene Ehmig, Friederike Wegener. Sie erhalten je einen Gutschein für Bücher aus der DZB. Herzlichen Glückwunsch und viel Freude beim Lesen!

Internationale Arbeitsgruppe des Weltbibliotheksverbandes IFLA tagte in Leipzig

Vom 9. bis zum 11. Februar organisierte die DZB in Leipzig ein internationales Treffen der Sektion „Bibliotheken für Menschen mit Lesebehinderungen“ (LPD) des Weltbibliotheksverbandes IFLA. Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der DZB und deutscher Repräsentant in dieser Kommission, begrüßte Vertreter aus Südafrika, der Schweiz, den USA, den Niederlanden, Israel und Norwegen in Leipzig, unter anderen auch den Vorsitzenden der LPD-Sektion Koen Krikhaar, die Medibus-Vorsitzende Elke Dittmer und den Präsidenten der Europäischen Blindenunion Wolfgang Angermann. Die Teilnehmer des Treffens und des dazugehörigen Symposiums zum Thema „Barrierefreier Zugang zu digitalen Informationen“ stimmten gemeinsam technische Standards ab und tauschten Erfahrungen und Ideen für einen barrierefreien Zugang zu digitalen Informationen aus. Sie suchten nach neuen Impulsen, um die Rechte sehbehinderter Menschen und deren Teilhabe an digitaler Kommunikation und Information einfordern zu können – in der Politik, bei Informationsanbietern und Bibliotheken. Nur fünf Prozent der weltweit veröffentlichten Informationen sind barrierefrei zugänglich.

Der Zugang zu barrierefreien Informationen wird sich durch die fortschreitende Aufbereitung digitaler Angebote fundamental verbessern – so der einheitliche Tenor der Referenten des Symposiums. Das wurde in den Vorträgen des Tages nicht nur theoretisch hergeleitet, sondern anhand aktueller praktischer Beispiele unterlegt. E-Books und E-Pub-Formate werden die künftigen Standards auch für Angebote der internationalen Blindenbibliotheken sein. Damit solche komfortablen Bücher via Internet ausreichend verfügbar sind, bedarf es noch viel Arbeit. Die digitalen barrierefreien Angebote eignen sich dann aber auch für den internationalen Austausch. Und das ist ganz sicher eine Grundlage, um der Idee des Vertrages von Marrakesch (internationaler Austausch von Büchern) Substanz zu geben. Der Weg ist vorgezeichnet. Darüber sind sich auch die Landesexperten in der IFLA LPD weitgehend einig.

Braillenoten-Experten trafen sich in Augsburg

Den Braillenotenservice DACAPO und die Notenexperten in der DZB kennen ganz sicher viele Hobby- und Profimusiker. Die Fachleute von DACAPO haben ein beeindruckendes Musikalien-Angebot geschaffen, dessen Werke in der DZB ausgeliehen und gekauft werden können. Klar ist, auch Experten ihres Fachs brauchen frische Impulse und müssen Erfahrungen austauschen. Letztlich sind ihre Braillenoten für viele blinde Musiker Arbeitsgrundlage – beispielsweise für Sänger in einem Ensemble, das Musikstücke einstudiert. Jedes Jahr im Januar findet für Notenexperten eine so genannte Notennetzwerktagung an unterschiedlichen Orten Deutschlands statt. Die Fachgruppe Musik des DVBS (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.) organisierte dieses Jahr die Tagung in Augsburg, bei der Mitglieder der Arbeitsgruppe, blinde Musiker und Verlagsvertreter wie DZB und SBS Zürich zusammenkamen. Zu den Schwerpunkten des Treffens gehörten verlagsrechtliche Fragen, denn die Blindenbüchereien verwerten als Nachdruckverlage Werke der Musikverlage. Aber auch pädagogische Aspekte wurden diskutiert. Die Braillenotenschrift ist nicht so einfach zu erlernen. Dafür gibt es Notenschriftkurse, die jährlich vom DVBS organisiert werden. Ein reger Meinungsaustausch entstand auch vonseiten der Blindenschriftverlage, die natürlich noch mehr Menschen mit den Möglichkeiten vertraut machen möchten.

Menschen

„Bats in action“: Wenn Fledermäuse fliegen lernen

Anja Lehmann, Korrekturleserin in der DZB, unterstützt gemeinsam mit Freunden von Deutschland aus das Projekt „Bats in action“, das ihre Freundin Anja Pfaffenzeller in Brasilien ins Leben gerufen hat.

Selbstbewusst steht Anja Pfaffenzeller, die von Geburt an blind ist, vor ihrem Publikum im Konferenzraum der DZB und prüft die korrekte Handhabung der Fernbedienung des Beamers. Leipzig ist nur eine Station von vielen, die die 35-Jährige während ihres „Heimaturlaubs“ dazu nutzt, auf ihre Arbeit im Nordosten von Brasilien aufmerksam zu machen. Eingeladen wurde sie im November des vergangenen Jahres vom Freundeskreis „Bats in action“. Anja Lehmann, Organisatorin: „Ich kenne Anja aus meiner Schulzeit am Gymnasium in Marburg. Meine Freunde und ich möchten Anjas Projekt hier in Deutschland vorstellen, damit viele Menschen davon erfahren.“

Selbstständig durch Brailleschrift und Blindenstock

Seit Februar 2013 lebt Anja Pfaffenzeller in Brasilien und bereitet blinde Menschen auf ein aktives und selbstbestimmtes Leben vor. „In Brasilien leben mehr als 500.000 blinde Menschen, deren Integration in das gesellschaftliche Leben aber meist nicht vorgesehen ist“, berichtet die junge Frau. „Blinde Kinder werden zwar in einer regulären Schule integriert, aber dort lernen sie kaum etwas und werden auch nicht zielgerichtet gefördert.“ In Sobral, einer Stadt mit 200.000 Einwohnern im Nordosten Brasiliens, organisiert sie den Aufbau einer Schule für blinde Kinder, um diese auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Eindrucksvoll erzählt sie von ihren Schützlingen und präsentiert Fotos von ihnen auf der Leinwand. Wie beispielsweise von der 6-jährigen Wiliany, die in drei Monaten das Braille-Alphabet lernte und schon einige Worte lesen kann. Sie geht morgens in die Regelschule und ist nachmittags bei „Bats in action“. Auf den täglichen Ausflügen erforscht sie mit ihrem Blindenstock recht munter jede Straßenecke und so manches Loch auf dem Fußweg. Viele ihrer Schüler können nun schon ohne Begleitung die Umgebung erkunden.

„Mittlerweile nehmen 20 blinde und stark sehbehinderte Schüler regelmäßig am Unterricht in Sobral teil, die sich in Alter und Wissensstand sehr voneinander unterscheiden. Für die Schulanfänger oder Erwachsenen, die bislang noch keine Gelegenheit zum Erlernen der Brailleschrift hatten, steht das Lesen und Schreiben im Mittelpunkt“, berichtet Anja Pfaffenzeller stolz und bedient, obwohl sie die Fotos auf der Leinwand nicht sieht, souverän die Fernbedienung. Nach ihrem Studium für Geschichte, Italienisch und Germanistik für das Lehramt in Marburg absolvierte sie 2011 eine Ausbildung bei Kanthari, dem International Institute for Social Entrepreneurs and Innovators in Kerala (Südindien). Ihr Traum, anderen blinden Menschen zu helfen, damit diese – so wie sie – selbstständig und aktiv leben können, führte sie nach Brasilien. „Fledermäuse sind ja eigentlich ein Symbol für Blindheit. Sie gelten nicht als behindert, obwohl sie nichts sehen, denn sie haben spezielle Fähigkeiten, sich an ihre Situation anzupassen“, erklärt die mutige junge Frau.

Ein neuer Klassenraum entsteht

Damit noch mehr Fledermäuse das Fliegen lernen, hat das Projekt auch in der 120 km entfernten Kleinstadt Ubajara eine vorbereitende Schule gegründet. Dort werden “Bats in action“, die seit vergangenem September offiziell als Verein eingetragen sind, dank Spendengeldern aus Europa ein von der Gemeinde erworbenes Haus aus- und umbauen. Es sollen ein großer Klassenraum und einige Schlafräume entstehen, damit auch Schüler aus entfernten Orten am Unterricht teilnehmen können. Wochenendkurse für Erwachsene und regelmäßige Treffen für Eltern mit Kleinkindern sind ebenfalls vorgesehen.

Viel Mut, Selbstbewusstsein und Engagement gehören dazu, um solch ein Projekt aus dem Boden zu stampfen, es am Leben zu halten und zu fördern. Dazu braucht Anja Pfaffenzeller viele Menschen, die sie unterstützen – vor Ort bei ihrer Arbeit und zu Hause in Deutschland.

Weitere Informationen: www.same-but-different.net

Der Freundeskreis „Bats in action“ in Deutschland organisiert Vortragsveranstaltungen und sammelt Spenden. Kontakt: info@ball-online.net

Bücher

Literaturtreff 2015: Woche für Woche neues Lesevergnügen

Für alle Bücherfreunde, die viel lesen und gern ein gutes Buch zur Hand nehmen, empfehlen wir die in Blindenkurzschrift erscheinende Zeitschrift „Literaturtreff“. Diese veröffentlicht von Woche zu Woche ausgewählte Romane und Erzählungen namhafter in- und ausländischer Autoren in Fortsetzungen. Wir möchten Sie neugierig machen und stellen Ihnen hier einen preisgekrönten italienischen Roman aus dem diesjährigen Programm vor: „Der Hügel des Windes“ von Carmine Abate.

Ein altes Familiengeheimnis und die zauberhafte Aura eines Berges

Empfohlen von Gabi Schulze (Redakteurin)

Es gibt Orte, die „absolute Treue fordern, ähnlich wie eifersüchtige Liebhaber.“ Solch ein Ort ist Rossarco, der Hügel des Windes, an der Küste Kalabriens. Bis zum Horizont erstreckt sich dort im Frühling ein leuchtend rotes Blütenmeer, das sich in der Ferne mit dem glitzernden Blau des Ionischen Meeres vereint. Der Wind trägt den aromatischen Duft des Süßklees, der dem Hügel seinen Namen gibt, in alle Richtungen hinaus aufs Meer. Ein Jahrhundert lang bewirtschaftet die Familie Acuri in fast vier Generationen den kargen Boden ihres Rossarco, pflanzt Rebstöcke, Oliven- und Obstbäume, erntet beste Oliven, Wein und viele Früchte. Dem Schwur Albertos und Sofias, diesen steinigen Hügel niemals aufzugeben, bleiben auch die nachfolgenden Generationen treu. So verteidigen Albertos Sohn Arturo und seine Frau den windumtosten Berg gegen den faschistischen Großgrundbesitzer Don Lico. Sein Sohn Michelangelo gibt das Land nicht preis, als ihn geldgierige Unternehmer aus der Touristikbranche erpressen und er sich gegen die Mafia wehren muss. Auch Sohn Rino in vierter Generation und Ich-Erzähler, der nun im Norden Italiens lebt, aber die „Nabelschnur zur Welt früher“ nicht getrennt hat, hilft seinem Vater, sich gegen Windradbetreiber zu wehren, die den Hügel abkaufen möchten.

Carmine Abate schildert aus der Perspektive seines Ich-Erzählers die Geschichte der Bauernfamilie Acuri. Diese ist eng verbunden mit der geheimnisvollen Aura des Berges, der neben den archäologischen Schätzen einer antiken Stadt vor allem aber ein altes Familiengeheimnis birgt. Dem Autor gelingt ein sehr feinfühliger, atmosphärisch dichter Roman, der über ein Jahrhundert viele Episoden in sich vereint, denen der Leser voller Spannung folgen muss.

Poetisch, ein Buch mit kraftvoller Sprache und fesselnd geschrieben!

Weitere Bücher des „Literaturtreffs“ 2015:

  • Ilse von Bredow:Bei uns zu Haus“, Kindheitsgeschichten aus der Mark Brandenburg,
  • Rudolf Utsch: „Der Floh des Schneiders Schrapp, ein Roman, der mit Komik gegen Lüge und Verleumdung schreibt,
  • Annelie Wendeberg: Teufelsgrinsen, ein historischer Kriminalroman im viktorianischen England,
  • Sabine Heinrich: Sehnsucht ist ein Notfall, eine turbulente Road Novel,
  • Ryan David Jahn: Der Cop, ein spannender amerikanischer Thriller,
  • Jules Vernes einziger Liebesroman: „Der grüne Blitz“,
  • eine aktuelle Erzählung des erfolgreichen Autors Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Parnass.

„Literaturtreff“ im Abonnement

DIN A4 Heft, Blindenkurzschrift, ca. 60 Seiten, Jahrespreis 62,40 Euro, 52 Ausgaben (pro Ausgabe 1,20 Euro)

Kontakt Zeitschriftenabonnement:
Telefon: 0341 7113120
E-Mail: abo@dzb.de

Gelesen und empfohlen

Historisch: Ein Ritt durch die europäische Geschichte von der Antike bis zu Napoleons Zeiten

Empfohlen von Ronald Krause (PR-Referent)

Auf rund 200 Seiten gelingt es dem Autor John Hirst, den Leser auf eine flotte Zeitreise mitzunehmen – nicht streng am Zeitstrahl entlang, sondern durchaus im Plauderton. Das dekadente Rom fällt da eher zufällig an die kämpferischen Germanen, die „logisch“ aufgebaute Welt der alten Griechen ist da schon längst passé und wird doch eine Renaissance erleben und die Normannen erobern 1066 als Letzte England. Es geht um europäische Zivilisation, um Staatsformen, Kaiser, Päpste und den Alltag der Bevölkerung. In Schaugrafiken werden philosophische Ansätze der jeweiligen Zeit oder die Entwicklung der europäischen Sprachen einfach zusammengefasst. Die Einfachheit macht das „Geschichtsbuch“ durchaus zur unterhaltsamen Lektüre. Lust entsteht, sich mit dem einen oder anderen geschichtlichen Fall mal wieder näher zu befassen. Hirst ist ein bedeutender australischer Historiker. Vor allem ist er aber auch Universitätsprofessor. Der Leser kann sich deshalb sicher vorstellen, wie er dem Auditorium diese Geschichte vermittelt und dabei den einen oder anderen Lacher erntet – denn es gibt witzige Einblicke und überraschende Aha-Effekte. Der Leser mag sich wundern, warum das Buch vor der beginnenden „Moderne“ endet, aber die dann aufkommenden Kriege mit ihren komplexen Hintergründen lassen sich eben nicht so seicht abhandeln.

Ein ganz kurzer Abriss zur europäischen Geschichte und deswegen mit außergewöhnlichem Fokus. So ist das Buch informativ und unterhaltsam.

Hirst, John : Die kürzeste Geschichte Europas
Hamburg, Hoffmann und Campe, 2012
2 Bde., Kurzschrift, BN-Ausleihe 16997

Gruselig: Carmilla, Millarca, Mircalla – drei Namen und drei Frauen?

Empfohlen von Birgit Weißbach (Material- u. Anlagenverwalterin)

Ein feudales prunkvolles Schloss in der Steiermark, einsam mitten im Wald gelegen, ist der Wohnsitz eines pensionierten österreichischen Staatsbeamten, seiner Tochter Laura und einiger Bediensteter. Eines Tages passiert vor dem Schloss ein Kutschunfall, bei dem die junge Frau Carmilla und ihre Mutter von hilfsbereiten Schlossbewohnern gerettet werden. Sehr zur Freude von Laura kann Carmilla für drei Monate im Schloss bleiben, darf jedoch nichts über ihre Herkunft erzählen. Die beiden freunden sich an. Ein paar Wochen später sterben auf mysteriöse Weise in den umliegenden Dörfern junge Frauen. Auch Laura wird nach nächtlichen, verwirrenden Träumen immer matter und schwächer. Langsam kommt ihr Vater der unheimlichen Vergangenheit auf die Spur.

Empfehlen kann ich das Buch des irischen Autors Le Fanu (1814-1873) allen Lesern, die gern stilvoll beschreibende Erzählungen mögen. Der Autor verwendet in diesem Buch lebendige und gefühlvolle Worte, um die Spannung und die Vorahnungen greifbar zu machen. Die Geschichte wird in Form einer Rahmenhandlung aus der Sicht von Laura und eines Nachbarn erzählt. Interessant ist auch, dass dieses Buch 25 Jahre vor Bram Storkers „Dracula“ erschien.

Le Fanu, Joseph Sheridan: Carmilla, die Vampirin
Zürich, Diogenes-Verlag, 2011
1 Band, Kurzschrift, BN-Ausleihe 16720, BN-Verkauf 7422, 12 €
2 Bde., Vollschrift, BN-Ausleihe 16719, BN-Verkauf 7421, 24 €

Exemplarisch: Von Damen, Herren und anderen Menschen?

Empfohlen von Anne-Kathrin Thiele (Bibliothekarin)

Was soll denn das sein, ein „Damenroman“? Etwas Nettes, Freundliches und Harmloses, das Frauen im Allgemeinen und im Speziellen anspricht und unterhält? Nun ja, so kann ein Damenroman sein, doch Sigrid Combüchens Buch ist viel mehr und keinesfalls nur für Frauen von Interesse.

Hedwig Landmark (genannt Hedda), eine alte Dame aus Schweden, meint in einem Buch, die Beschreibung eines Fotos ihrer Familie wiederzuerkennen. Sie kontaktiert die Autorin und es entwickelt sich ein mehrjähriger Briefwechsel, denn das Bild stellt tatsächlich Heddas Familie dar. Hedda erzählt in den Briefen aus ihrem Leben und die Schriftstellerin ihrerseits recherchiert, um mehr über Heddas Familie und ihr Elternhaus herauszufinden. So entwickelt sich – in Rückblenden und Briefen – die Geschichte von Hedda und ihrer Familie in den 1930er Jahren in Schweden. Erzählt wird von den großen und kleinen Freuden, Tragödien und Ereignissen der Familie, besonders aber von Hedda. So entfaltet sich ein facettenreicher Roman über Liebe und Trauer, Ehe und Erotik, über weibliche Identität und darüber, was ein gelungenes Leben ausmacht.

Sigrid Combüchen: Was übrig bleibt: ein Damenroman
München : Kunstmann, 2012
1 CD DAISY (19:21 h), Bestellnr.: H028302
Sprecher: Maja Chrenko (Leipzig)

Technik getestet

E-Books lesen mit DAISY- oder Braille-Notizgeräten

Unser Technik-Experte Ulrich Jander berät in Sachen Technik- und Computernutzung.

Elektronische Bücher (E-Books) bereichern heutzutage das Literaturangebot. Sie kommen als Dateien zumeist im Format epub oder epub2 daher und sind oft mit Maßnahmen des digitalen Rechtemanagements (DRM) kopiergeschützt. Dieser Kopierschutz ist in aller Regel die Ursache dafür, dass E-Books im Format epub oder epub2 auf DAISY- oder Braille-Notizgeräten, die eine synthetische Sprachausgabe besitzen, nicht funktionieren. Auf Grund des Kopierschutzes kann man sich E-Books in aller Regel auf den Endgeräten anhören, die eine Verbindung zwischen eigenem Betriebssystem und dem E-Book-Anbieter besitzen. Das heißt: eBooks vom Applestore funktionieren auf iPhone und iPad, eBooks aus dem Playstore von Google können in Geräten mit dem Betriebssystem Android genutzt werden.

E-Books ohne Kopierschutz

Jedoch gibt es auch eine ganze Reihe von E-Books ohne Kopierschutz. Diese kann man auch auf Geräten hören, die – bezogen auf den E-Book-Anbieter – firmenfremd sind. Kostenlose E-Books können Sie zum Beispiel auf www.ebook.de unter der Kategorie „kostenfrei“ oder „gratis“ herunterladen. Der Internetauftritt ist etwas unübersichtlich, aber mit einem Screenreader einigermaßen nutzbar. Auch wenn Sie auf diesen Internetseiten ein kostenfreies E-Book herunterladen wollen, müssen Sie sich zuvor mit Ihren persönlichen Angaben anmelden. Ihnen wird nach der Bestellung und dem Herunterladen der E-Book-Datei eine Rechnung per Mail zugestellt, die für Ihre Gratis-Bücher einen Gesamtbetrag von 0 Euro enthält.

Mit jetzigem Stand der Bearbeitung können die meisten DAISY- und Braille-Notizgeräte mit synthetischer Sprachausgabe E-Books ohne Kopierschutz abspielen. Von der Firma Plextalk gestatten das die Geräte PTP1 und Linio Pocket (beides Speicherkartengeräte) sowie das Tischgerät Plextalk Linio, auch PTX1pro genannt. Das Tischgerät PTN2 spielt keine E-Books ab. Die kanadische Firma Humanware bietet für den alten Victor Reader Stream zusätzlich eine Software an, mit deren Hilfe E-Books im Format epub genutzt werden können. Bücher im epub- und epub2-Format erkennen der neue Victor Reader Stream und die beiden Tischgeräte Victor Reader Stratus 4 M sowie Stratus 12 M. Die Speicherkartengeräte Milestone 312 und Book Sense spielen E-Books ohne Kopierschutz ab und benötigen keine zusätzliche Software. Auch die Braille-Notizgeräte Braille Sense und Braillenote Apex können epub- und epub2-Bücher ohne DRM wiedergeben. Dagegen funktioniert das bei Pronto 18 V3 und Vario Ultra gegenwärtig nicht.

Bei den DAISY-Geräten der Victor- und Book Sense-Modelle muss die vom Gerät angelegte Ordnerstruktur für das Abspeichern der epub-Dateien beachtet werden, weil sonst die epub-Dateien von den Geräten nicht gefunden werden können. Bei den Victor-Geräten muss das E-Book in den Ordner $VRDTB, beim Book Sense in den Ordner Documents kopiert werden. Die angeführten Plextalk-Geräte und der Milestone 312 bieten zwar auch bestimmte Ordner an, z. B. bei den Plextalk-Modellen den Ordner Plextext, jedoch werden die E-Books auch wiedergegeben, wenn sie an irgendeiner anderen Stelle auf der Speicherkarte liegen.

Wenn Ihr Abspielgerät eine sehr gut klingende Sprachausgabe besitzt, dann wird das Hören eines E-Books sicherlich Freude bereiten, und Sie greifen dann vielleicht gern wieder einmal in das kostenfreie E-Book-Angebot.

Fragebogen

Wir stellen sechs Fragen und Mitarbeiter, Partner und Freunde der DZB antworten. Diesmal: Caroline Waldenburger, Übertragerin und Vorleserin in der DZB

Was ist Ihre Aufgabe in der DZB?

Ich arbeite in der Abteilung Blindenschriftherstellung. Hier übertrage ich Bücher und Zeitschriften in Blindenschrift. Außerdem lese ich die Texte gemeinsam mit blinden Kollegen Korrektur.

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

Zurzeit liegt Felix Mendelssohn Bartholdy „Orgelwerke III“ auf meinem Tisch. Hier lesen meine Kollegin und ich die kritischen Berichte Korrektur. „Theo Boone und das verschwundene Mädchen“ von John Grisham, ein Jugendbuch, übertrage ich gerade.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

Büchern.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Ein Buch, ein Radio und meinen Hund.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

Ja, „Americanah“ von der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie.

Ihr Lebensmotto?

Ich habe keins.

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie! Wir wollen wissen: Wie heißt die Autorin, die zur diesjährigen Leipziger Buchmesse in der DZB liest?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 7. Mai 2015 per E-Mail (presse@dzb.de) oder per Post an: DZB, Kennwort Rätsel, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

Das können Sie gewinnen: Wir verlosen ein Jahresabonnement der Zeitschrift „Deutschlandrevue“ (wahlweise auch „Das Gesundheitsmagazin“).

Mitarbeiter der DZB können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Sudawo – Such das Wort

Suchen Sie das Wort, das sich aus allen 9 Buchstaben bilden lässt.
Beispiel: HLNAAMDBE
Lösung: Abendmahl

  1. AEBDALNHN
  2. TGUTRMTEA
  3. AENILFNLH
  4. ADBCOLSOH

Auflösung siehe unten.
Weitere Rätsel finden Sie in „Sudawo“ (1 Bd., Vollschrift, BNV 8154, 1 Bd., Kurzschrift, BNV 8155, je 12 Euro).

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion

Gabi Schulze
Tel.: 0341 7113-148, E-Mail: gabi.schulze@dzb.de
Ronald Krause
Tel.: 0341 7113-239, E-Mail: ronald.krause@dzb.de

Abonnements, Anzeigen

Sylvia Thormann

Tel.: 0341 7113-120, E-Mail: abo@dzb.de

»in puncto DZB« wird vier Mal im Jahr kostenfrei per E-Mail versandt und online unter www.dzb.de veröffentlicht.

Die Zeitschrift erscheint kostenpflichtig wahlweise als CD DAISY sowie in Blindenkurzschrift.

  • Jahresbezugspreis Braille-Ausgabe: 9 Euro
  • Jahresbezugspreis CD DAISY: 9 Euro

Das kostenpflichtige Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.

Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.

DZB 2015

Spenden

Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
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IBAN DE44 8605 5592 1100 8300 10
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Auflösung Rätsel

  1. Landebahn
  2. Muttertag
  3. hinfallen
  4. obdachlos