in puncto DZB - 02 / 2015

02 2015

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die erste Ausgabe von „in puncto DZB“ ist bei Ihnen sehr gut angekommen. Vielen Dank für die lobenden Worte, über die wir uns freuen und die uns anspornen, weitere interessante Geschichten zu schreiben. Zum Beispiel über Menschen, die mit viel Engagement Hörtheaterfassungen für blinde Besucher des Leipziger Schauspielhauses schreiben und diese dann am Theaterabend live zu Gehör bringen.

Weniger ums Hören, mehr ums Tasten geht es bei einem ganz neuen Produkt aus der DZB, das in dieser Ausgabe im Fokus steht – das Deutschland-Puzzle. Wer gern puzzelt, kann spielerisch die Geografie Deutschlands entdecken und zusammenfügen, was zusammengehört.

Blind Foundation gehören schon seit 10 Jahren zusammen. Die Band, die Rock- und Popsongs covert, aber auch eigene Lieder singt, ist zum Tag der offenen Tür live und Open Air in der DZB zu erleben. Das Interview mit Band und vieles mehr finden Sie in dieser Ausgabe. Viel Freude beim Lesen!

Ihre Redaktion

Im Fokus

Deutschland-Puzzle: Zusammenfügen, was zusammengehört

Warum macht Puzzeln eigentlich so viel Spaß? Ganz einfach, beim Puzzeln wird unser Ehrgeiz gepackt. Mit Geduld und einiger Übung sind die scheinbar unlösbaren Puzzles doch zu knacken – auch das Deutschland-Puzzle aus der DZB. Ein Beitrag von Gabi Schulze

Puzzles als Ergänzungsmaterial im inklusiven Schulunterricht? Das ist ein wunderbarer Ansatz, denkt Julia Dobroschke, die in der DZB mit der Konzipierung eines neuen Deutschland-Atlas für den inklusiven Schulunterricht beauftragt wurde, und berichtet: „Im Gespräch mit einigen Medienzentren und der Wladimir-Filatow-Schule in Leipzig kam die Idee, ergänzend zum neuen Schulatlas ein Deutschland-Puzzle zu konzipieren, dessen Einzelteile aus den verschiedenen Bundesländern bestehen.“ Sowohl sehenden als auch sehbehinderten und blinden Kindern soll das Puzzle auf spielerische Art geografische Kenntnisse vermitteln. Jede Information für das sehende Kind steht auch dem blinden zur Verfügung. Die Puzzle-Teile geben die Umrisse der Bundesländer wieder, sind in kontrastreichen Farben gestaltet und mit Schwarz- und Brailleschrift versehen. Erhabene Linien kennzeichnen die Grenzen zu den Nachbarländern und die Küsten, Halbperlen die Hauptstädte der einzelnen Bundesländer. „Damit sehende, sehbehinderte und blinde Kinder gemeinsam in einer Klasse lernen können, müssen spezielle Schulmaterialien geschaffen werden. Die einfache 1:1-Adaption einer Fibel oder eines anderen Lehrbuches reicht nicht aus“, erklärt Julia Dobroschke, deren Doktorarbeit Lehr- und Lernmittel für den Inklusionsunterricht zum Thema hat.

Mit präzisem Laserschnitt hergestellt

Die Entwicklung des Puzzles, angefangen von der Idee bis zum fertigen Produkt, dauerte über ein Jahr. Auf der Suche nach geeigneten herstellungstechnischen Verfahren schied relativ schnell die Herstellung des Puzzles innerhalb des Hauses aus. Sowohl die Folienbeklebung auf Pappkarton als auch die Metall-Matrizenherstellung für das Puzzle wäre viel zu teuer geworden. „Wir haben uns deshalb nur für die Gestaltung der Vorlage in der DZB entschieden“, so die Doktorandin. „Recherchen ergaben, dass die Anfertigung eines mit Laserschnitt hergestellten Holzpuzzles außerhalb des Hauses kostengünstiger und schneller ist.“ Mit dem Druck der Vorlage wurde zunächst eine Druckerei beauftragt, die die Vorlage vollflächig auf eine Holzfaserplatte kaschierte und diese exakt an den vorgegebenen Linien zum Puzzle schnitt. Auf die Vorlage geklebte Braille-Etiketten gaben die Abkürzungen der geografischen Eigennamen (Bundesländer, Landeshauptstädte, Meere, angrenzende Länder) in Brailleschrift wieder. Ende 2014 testeten Mitarbeiter der DZB und Schüler der Wladimir-Filatow-Schule in Leipzig den ersten Prototyp. Im Ergebnis des Tests wurde der Rahmen des Puzzles zusätzlich auf eine Sperrholzplatte kaschiert, damit das Puzzle beim Zusammenfügen der losen Teile mehr Stabilität erreicht und bequem transportiert werden kann. Die Braille-Etiketten ersetzte man durch UV-Lack, der das Puzzle optisch nicht nur aufwertet, sondern auch sehr gut tastbar ist. Eine Legende zum Puzzle erklärt die Abkürzungen.

Mehr als ein Holz-Puzzle

Die Puzzle-Teile auf der Deutschlandkarte an der richtigen Stelle zu platzieren, erfordert nicht nur Geduld- und Konzentrationsvermögen, sondern schult auch Koordination und Feinmotorik. Vor allem aber macht es Spaß, die Puzzle-Teile zusammenzufügen. Nebenbei lernen die Kinder nicht nur die Umrisse und Größen der einzelnen Bundesländer, sondern auch deren geografische Lage innerhalb Deutschlands.

Deutschland-Puzzle
13 Teile, Sperrholz, 297 x 420 x 3 mm, 4-farbig, Beschriftung in Großdruck und Braille,
BNV 8518, Preis 29,90 €

Wussten Sie das schon?

Der in London lebende Kupferstecher und Kartenmacher John Spilsbury (1739–1769) hat das Puzzle 1767 erfunden. Er klebte eine seiner angefertigten Landkarten auf ein schmales Holzbrett und zersägte dieses entlang der Landes- und Grafschaftsgrenzen. Sein Legespiel, das noch keine typische Verzahnung der Einzelteile aufwies, verkaufte er als „Lehrmittel für den Erdkundeunterricht“.

Seit 1785 gibt es das Puzzle auch in Deutschland. Jedoch waren Puzzles lange Zeit keineswegs für jedermann erschwinglich. Oft wurden die Bilder auf wertvolle Rohstoffe, wie Mahagoni- oder Zedernholz geklebt und waren sehr teuer.

Das derzeit größte Puzzle „Wildlife“ hat 33.600 Teile und ist 5,70 m breit und 1,57 m hoch. Das Puzzle zeigt eine Vielzahl von Tieren im Regenwald.

Das wahrscheinlich kleinste Puzzle der Welt hat eine Gesamtfläche von fünf Quadratmillimetern und besteht aus 100 staubkorngroßen Einzelteilen.

Menschen

„Man muss den Atem der Schauspieler einfach mitnehmen …!“

Beatrix Hermens, Sprecherin für Radio und TV, liest in der DZB DAISY-Hörbücher auf. Seit 2013 ist sie auch Sprecherin und Autorin für Audiodeskription am Schauspielhaus Leipzig. Gabi Schulze besuchte Beatrix Hermens während einer Aufführung.

Freitagabend, 19 Uhr. Im Leipziger Schauspielhaus wird „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller gespielt. Während Dramaturg Matthias Huber im Rangfoyer eine Einführung in das Stück gibt, nimmt Beatrix Hermens in der Sprecherkabine Platz, legt das Manuskript auf den Tisch und setzt die Kopfhörer auf. In ein paar Minuten wird sie live die Inszenierung des Theaterstücks „Maria Stuart“ für blinde Menschen beschreiben. Ihre Stimme im Ohr schildert alles das, was für blinde Theaterfreunde visuell nicht wahrnehmbar und nicht eindeutig hörbar, aber doch wichtig für das Verständnis des Stückes ist.

„Guten Abend meine Damen und Herren! Ich begrüße Sie zur heutigen Vorstellung von ‚Maria Stuart‘. Mein Name ist Beatrix Hermens. Ich hoffe, Sie haben heute Abend ein eindrückliches Theatererlebnis.“

Schon bevor das Stück beginnt, stellt die Sprecherin Figuren und deren Kostüme vor. Wie ist Maria Stuart, ihre Gegenspielerin Elisabeth oder deren Beraterin Lady Burleigh gekleidet? Welche Frisuren tragen sie? Welche äußere Erscheinung haben sie? Sie beschreibt die Bühne als eine schräge neunmal neun Meter große Spielfläche, die in der dritten Zuschauerreihe beginnt und mit 16-prozentiger Steigung nach hinten verläuft.

„Wenn das Licht im Zuschauerraum gleich ausgeht, steht Paulet mit einem Brief in der Hand mitten auf der Schräge im Schatten des großen Eisenkäfigs. Dieser hängt in zwei Metern Höhe über der Waagerechten. Im Käfig steht die gefangene Maria Stuart. Sie stützt sich auf Kopfhöhe am Gitter ab und blickt ins Publikum.“

Mit Emilia Galotti fing alles an

Seit Dezember 2013 findet im Schauspiel Leipzig monatlich eine Vorstellung mit Live-Audiodeskription statt. Matthias Huber, Dramaturg und für die Auswahl der Stücke mit Audiodeskription verantwortlich, erklärt: „Das Schauspiel Leipzig unter der Leitung von Enrico Lübbe möchte Theater wieder einem größeren Teil der Leipziger Bevölkerung erlebbar machen. Dazu gehören auch sehbehinderte und blinde Menschen. Wichtiges Kriterium bei der Auswahl ist die Vielfalt der Theaterstücke im Spielplan.“ „Emilia Galotti“ wurde als erstes Stück am 6. Dezember 2013 in der Hörtheaterfassung aufgeführt. Später kamen „Kabale und Liebe“ und „Angst reist mit“ hinzu. In der Spielzeit 2014/2015 folgten schließlich „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller und „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates.

„Lieber weniger, aber treffende Worte“

Beatrix Hermens beobachtet konzentriert das Geschehen auf der Bühne und verfolgt es anhand ihres Manuskripts. In den Dialogpausen spricht sie die beschreibenden Texte live ins Mikro. Diese werden dann drahtlos auf die Kopfhörer der blinden Besucher im Zuschauerraum übertragen. Die Sprecherin, die in der DZB Hörbücher liest, gehört auch zum Autorenteam, das die Hörfassungen für die Theaterstücke erarbeitet. „Ganz wichtig beim Hörtheater sind klare Aussagen, lieber weniger, aber treffende Worte“, erklärt sie. „Die Mimik und Gestik der Schauspieler, die Schauplätze, die Lichtverhältnisse – das alles muss in präzise Worte übersetzt werden. Immer und immer wieder saßen wir in den Proben, sahen das Stück auf DVD und haben analysiert, welche visuellen Informationen für das Verständnis des Stückes wichtig sind. “ Gemeinsam wird nach treffenden Worten gesucht – solange bis alle vom Autorenteam dasselbe Theaterstück gesehen haben. Auch Geräusche, die nicht eindeutig erkennbar sind, müssen erklärt werden.

„Er geht ab. Sie will ihm nach, stampft (mit den schweren Stiefeln) und rüttelt am Gitter. Resigniert geht sie entlang der Gitterstäbe.“

Andere Geräusche wiederum lassen sich sofort erkennen, ein Pistolenschuss oder das Lachen beispielsweise. „Blinde Theaterbesucher müssen uns vertrauen, dass wir aus der Fülle der visuellen Ereignisse die wichtigsten Informationen filtern und diese sprachlich neutral und präzise wiedergeben“, erläutert Beatrix Hermens. Ob die Übersetzung vom Visuellen in den gesprochenen Text funktioniert, prüfen am Ende Renate Lehmann und Pernille Sonne, blinde Texterinnen im Team.

Live heißt auch ohne Manuskript beschreiben

Beatrix Hermens warme dynamische Stimme im Ohr der Theaterbesucher schildert das dramatische Ende von „Maria Stuart“ und weist auf die besonderen Lichtverhältnisse der Inszenierung hin.

„Im schwächer werdenden Licht, den Blick nach vorn, steht regungslos die Königin. Allein. .. Auf den Bühnenboden fällt der große, schwarze Schatten der Königin Elisabeth.“

Die Sprecherin arbeitet gern mit Sprache und liebt das Theater, deshalb ist das akustische Beschreiben von Theaterstücken eine Herausforderung für sie, die sie mit Begeisterung annimmt. So wie auch die Live-Audiodeskription am jeweiligen Theaterabend! „Da die Dialogpausen begrenzt sind, bleibt für die Audiodeskription nicht viel Zeit. Da muss man den Atem der Schauspieler einfach mitnehmen“, erklärt die Sprecherin. Nicht jede Aufführung gleicht der anderen im Detail. Es kommt auch vor, dass eine Situation auf der Bühne plötzlich anders beschrieben werden muss, als im Manuskript vorgesehen ist. Schnelles Reagieren und ein reicher Wortschatz sind gefragt!

Das weiß Volker Purtzner, blinder Theaterbesucher, zu schätzen: „Besonders ‚stille Stellen‘ im Stück wurden sehr gut und vor allem auch situationsbezogen beschrieben.“ Er schmunzelt: „ Hier ein lustiges Beispiel, das ich bei der Hörtheaterfassung von ‚Kabale und Liebe‘ im Ohr habe: ‘Jetzt nimmt Ferdinand die Tabletten und … Nein, heute lässt er sie erst einmal fallen, hebt sie auf und schluckt sie mit etwas Wasser.‘ Eine prima Live-Audiodeskription! Das hat mir gefallen.“

Beatrix Hermens freut sich über lobende, aber auch kritische Worte. Nach der Vorstellung radelt sie nicht gleich nach Hause, sondern trifft sich im Foyer mit blinden Theaterfreunden, die ihr erzählen, wie sie das Theaterstück erlebt haben.

Letztes Theaterstück mit Audiodeskription in dieser Saison: „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates, 20. Juni, 19.30 Uhr, Schauspielhaus Leipzig.

Tag der offenen Tür

Blind Foundation live und Open Air erleben!

Am 5. September haben Sie die Chance, die fantastische Live-Band „Blind Foundation“ auf einer Open-Air-Bühne im DZB-Garten zu erleben. Um 15 Uhr starten die Vollblutmusiker hier ihre Show mit einem Medley aus besten Pop- und Rocksongs sowie eigenen Songs aus der aktuellen Emoticons-Tour. Die Top-Arrangements sind absolut tanzbar!

Zur Band gehören die beiden blinden Musiker Mohamed Metwalli (Keyboard, Gesang) und Manfred Scharpenberg (Schlagzeug, Gesang) und die zwei sehenden Musiker Markus Hofmann (Leiter, Bassist) und Florian Hollingshaus (Gitarre).

Wir freuen uns auf ihr Konzert und haben der Band im Vorfeld einige Fragen gestellt.

Wie seid ihr als Band zusammengekommen?

Manfred: Die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte hatte im Jahr 2004 die Idee, mit blinden Musikern ein Projekt zu initiieren, das den Musikern ermöglicht, mit ihren Auftritten Geld zu verdienen. Durch die Unterstützung der Stiftung wurde ein organisatorischer Leiter gefunden. Der freischaffende Musiker Markus Hofmann sollte eine Band zusammenstellen. Dass er dann selbst in dieser Band Bassist wird, war zunächst nicht geplant.

Letztes Jahr zum 10-jährigen Jubiläum der Gründung eurer Band erschien eine CD mit eigenen Songs. Welche Songs sind auf eurer CD „Emoticons“ zu hören?

Manfred: Die CD trägt den Namen “Emoticons”, weil die Songs auf der CD ganz verschiedene Gefühlslagen beschreiben: von Mutmach-Songs wie „Simplify your life“, über die verpasste Chance „The breath of April“ oder den Song „I want you to know“, der die Problematik des Loslassens beschreibt, bis hin zu einem völlig aussagefreien Song wie „No message behind“.

Mohamed und Manfred, ihr habt die Musik zu eurer Berufung gemacht. Wie sieht euer musikalischer Werdegang aus und warum wolltet ihr unbedingt Musiker werden?

Manfred: Ich habe mit 13 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen. Vorher habe ich aber schon auf allem herumgetrommelt und auch bei meinen Lieblingsliedern mitgesungen. In der Schule war ich in verschiedenen Schulbands und habe auch schon die ersten Erfahrungen im Studio gesammelt. Nach meiner Schulzeit fand ich immer recht schnell Anschluss an Bands. Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben und es war immer mein Traum, mit Musik Geld zu verdienen.

Mo: Oh je, meine musikalische Erziehung fing relativ früh an. Mit etwa vier Jahren bemerkten meine Eltern, dass ich eine große Freude an Musik und das Imittieren von Geräuschen hatte. Daraufhin ermöglichten sie mir trotz des tobenden Bürgerkrieges im Libanon eine musikalische Früherziehung, die ich nach meiner Übersiedlung nach Deutschland im Jahre 1990 fortsetzte. Nach dem Abitur studierte ich Musikwissenschaften, und somit bin ich bei der Musik hängen geblieben.

Wie muss man sich eure Proben vorstellen? Sicher laut, aber auch chaotisch durcheinander?

Manfred: Wir proben eigentlich sehr diszipliniert. Seit letztem Jahr haben wir eine Schallschutzkabine für das Schlagzeug, so dass wir inzwischen sogar mit Kopfhörern proben, da das Schlagzeug quasi in einem eigenen Raum steht und wir uns alle gegenseitig hören müssen. Auf dem Kopfhörer kann sich jeder seinen Mix so gestalten, wie er möchte, natürlich auch die Lautstärke.

Was ist wichtig für euch, damit das Zusammenspiel blinder und sehender Musiker gelingt?

Manfred: Ich habe sowohl nur mit blinden, als auch mit nur sehenden Musikern zusammengespielt und kann nicht sagen, ob es mit dem einen oder dem anderen einfacher ist. Grundsätzlich sollte man natürlich auf die Mitmusiker hören, dann funktioniert es, egal mit wem.

Mo: Auf der Bühne ist es völlig egal, ob man sieht oder nicht, man sollte eigentlich Musik mit den Händen und nicht mit den Augen machen, und hören sollten beide können, blind oder sehend! Ich habe es oft erlebt, dass sehende Musiker, die mich nicht kannten, erstmal gewisse Berührungsängste hatten, jedoch legten sich jene gleich nach den ersten Akkorden, die ich auf dem Klavier oder der Orgel spielte. Nicht selten kam dann ein Spruch wie „Alter, du bist voll der Hammer …“, und was will man noch mehr?

Vielen Dank und bis bald!

Auch „Freunde der DZB e. V.“, der in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum hat, lädt herzlich ein. Das Konzert ist für alle Besucher kostenfrei! Das ist auch ein großes Dankeschön an die vielen fleißigen Spender. Und natürlich gibt’s passend einen Profigrill, stimmungshebende Getränke, Kaffee und Kuchen im Garten der DZB.

5. September: Besucher von nah und fern willkommen!

Außer dem Live-Konzert stellen wir am Tag der offenen Tür für alle Besucher von 10 bis 15 Uhr ein buntes Programm auf die Beine. Für viele Gäste ist es erfahrungsgemäß ein Blind Date – sie lernen bei einer Führung durch das gesamte Haus, viel Neues kennen. Zum Beispiel: Wie werden Braillebücher hergestellt, wie entstehen Hörbücher, wie werden Reliefs gebaut.

Einblicke in das aktuelle Bücherangebot gewähren die Kollegen in der Bibliothek und für Musiker gibt’s Neuigkeiten aus der Braillenotenproduktion. Bekannte Hilfsmittelfirmen zeigen bei der „Messe der Meister“ ihre neuesten Produkte und beraten gern. Eine besondere Aktion für den Tag der offenen Tür bereiten wir gerade noch vor: Das Schauspielhaus Leipzig ist einer der Vorreiter bei Audiodeskriptionen von Theaterstücken. Das Engagement des Theaters können Besucher in der DZB direkt erleben – plastisch und vor allem akustisch. Das Wichtigste an diesem Tag ist natürlich, dass sich hier in der DZB Menschen treffen und gemeinsam einen entspannten und erlebnisreichen Tag haben!

Wenn Sie planen in einer größeren Gruppe anzureisen, sagen Sie uns bitte vorher Bescheid. Dann können wir Ihre Ankunft besser und besonders berücksichtigen. Einfach eine kleine E-Mail an presse@dzb.de senden. Danke und bis bald!

Kurz gemeldet

Sehbehindertentag am 6. Juni

Der DBSV, viele werden es schon wissen, startet zum Sehbehindertentag eine besondere deutschlandweite Aktion: "Fit auch mit Sehbehinderung!" heißt der Leitspruch. Die DBSV-Landesverbände kooperieren hierbei mit den Fitnessstudios Kieser Training, die in ganz Deutschland präsent sind und zum Aktionstag einen speziellen Schnuppertag für Sehbehinderte anbieten. Die Landesverbände koordinieren für Interessenten die Teilnahme in Studios an 49 Standorten. Infos zum Sehbehindertentag findet man auf den Internetseiten des DBSV (www.dbsv.org). Prima Aktion! Wer etwas für Fitness und Gesundheit tun möchte, der kann sich auch gemütlich in das Thema einlesen. In der DZB gibt es eine Auswahl an entsprechenden Fitness-Ratgebern – einfach mit dem Suchwort Fitness unter www.dzb.de in den Katalogen stöbern.

Leipzig organisiert den Deutschen Fürsorgetag

80. (!) Deutscher Fürsorgetag – das sind drei Tage mit Symposien, Workshops und Vorträgen, mit Zeit für Austausch und Diskussion rund um das Jahresmotto „Teilhaben und Teil sein“. 2015 findet die Veranstaltung vom 16. bis 18. Juni im Congress Center Leipzig statt. Die Stadt Leipzig ist der Gastgeber und freut sich mit dem Veranstalter (Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V.) auf den Besuch von Politprominenz – unter anderen sind der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin angekündigt. Die DZB ist auch vor Ort und bereichert den „Markt der Möglichkeiten“ in einer kleinen Ausstellung. Informationen zur Veranstaltung erhalten Interessenten unter www.deutscher-fuersorgetag.de oder per Telefonnummer 030 62980616.

Audio-App für Alle?

Wer sich für die vielfältigen Programme des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) interessiert und das Telefon mit dem Apfel besitzt, für den ist die Anfang Mai in Leipzig vorgestellte MDR-Audio-App ein smartes Angebot, in dem alle Sende- und Audioangebote (auch AD) zusammengefasst sind. Der MDR nennt sie inklusive App. Mit den Möglichkeiten von iOS funktioniert das kleine Programm barrierefrei und kann von blinden und sehbehinderten Menschen genutzt werden – das war das erklärte Ziel des MDR. Die DZB begleitete die Entwicklung mit Beratung und Tests. Und natürlich freuen auch wir uns, wenn dieser öffentlich-rechtliche Sender und bitte auch andere (private!) mehr für die Zugänglichkeit ihrer Programme für Menschen mit Behinderungen tun. Ein nächster Schritt sollte eine Angebotserweiterung der MDR-Audio-App für Android-Smartphones sein. Derzeit gibt es die App im App Store mit guten Nutzerbewertungen oder via www.mdr.de/barrierefreiheit.

Der Norweger: Imposanter neuer Drucker in der DZB

Der Typ nennt sich Braillo 650 SF und druckt ganz von der Rolle: Eine neue Druckmaschine aus norwegischer Produktion steht nach weitem Weg, anspruchsvollem Aufbau und umfangreichen Tests in den Räumen der DZB-Druckerei für die Produktion bereit. Der Drucker bezieht sein Papier, welches von besonderer Qualität sein muss, damit die automatisch geprägte Brailleschrift gut lesbar ist, von einer imposanten Rolle. Mit der modernen Druckmaschine kann die DZB Kundenaufträge schnell bearbeiten, etwa individuelle Leserwünsche umsetzen, die nicht zu Büchern gebunden werden. Die Brailleausgabe von „in puncto DZB wird bereits auf der Maschine gedruckt. Die Anschaffung wurde durch den Verein „Freunde der DZB e. V. unterstützt. Danke, liebe Freunde und Spender!

Lyrik & Laute 2 – Wie erklär’ ich Dir die Farbe grün?

Die CD „Lyrik und Laute 2“ präsentiert im freien Rhythmus geschriebene Gedichte, die teilweise von einer facettenreichen Musik untermalt werden. Die lyrischen Texte hinterfragen kurz und pointiert Alltagssituationen, beschreiben Stimmungen und Gefühlswelten. Dem Duo Christine Kahlau (Lyrik) und Olaf Garbow (Laute) gelingt es auf diese Art, ihr Publikum für Dinge auf den zweiten Blick zu sensibilisieren und damit deren Alltag zu „entschleunigen“. Olaf Garbow (blinder Musiker) spielt und improvisiert auf einer Vielzahl von Instrumenten wie Maultrommeln, Gitarre, Leier, Klavier, Rahmentrommel und Flöte. Die CD ist in der DZB zu erwerben.

Spieldauer: 45 Minuten
BNV 8527, 15,99 €

Gelesen und empfohlen

Belletristik

Auf dem Land: Erinnerungen an eine glückliche Kindheit

Empfohlen von Anne-Kathrin Thiele (Bibliothekarin)

In der Erinnerung und damit auch in der Literatur gibt es sie noch - die unbeschwerte Kindheit. Ilse Gräfin von Bredow verlebt die ihre in den zwanziger und dreißiger Jahren zusammen mit ihren Eltern und zwei Geschwistern auf einem Gut in der Mark Brandenburg. Zum Haushalt gehören neben der Mamsell, deren Reich die Küche ist und die dort von den Kindern nur zu gern heimgesucht wird, auch die Dienerschaft und der Hauslehrer, der täglich über den See gerudert kommt. Daneben gibt es aber auch noch den Bernhardiner „Möpschen“ und das beständig Eier legende Huhn „Matilde, die Wilde“. Als Kinderzimmer und Spielzeug fungieren der Hof und die umliegenden Felder und Wälder mit allem, was sie zu bieten haben. Je nach Jahreszeit wird da gebadet, geritten, Schlittschuh gelaufen und natürlich Unfug getrieben, alles auch gern mit anderen Kindern aus der Umgebung, obwohl diese als Spielgefährten nicht immer ganz standesgemäß sind. Doch das stört höchstens die Frau Mama und mindert keinesfalls die unbeschwerte Spielfreude.

Wer „Damals bei uns daheim“ von Hans Fallada oder „Kindheit in Ostpreußen“ von Marion Gräfin Dönhoff gern gelesen hat, dem wird auch dieses Buch gefallen.

Bredow, Ilse Gräfin von: Bei uns zu Haus
Frankfurt, M. : Fischer Scherz, 2014
2 Bde., Kurzschrift, 24,00 €
BN-Verkauf 8347, BN-Ausleihe 17226

Im Rausch: Saufend nach Petuschki

Empfohlen von Ludwig Henne (Förderverein)

Auf einer längeren Zugfahrt nach Stuttgart hörte ich mir Kaffee trinkend Wenedikt Jerofejews „Die Reise nach Petuschki“ an. Das 1969 verfasste und zu Sowjetzeiten verbotene „poem“ behandelt die Geschichte des Alkoholikers Wenja, der vom Kursker Bahnhof in Moskau zu seiner Geliebten in den Vorort Petuschki fährt und dabei – vor allem trinkt.
Schon vor dem Einsteigen ist Wenja ordentlich blau und macht sich über die arbeitsamen Sowjetmenschen seines Landes lustig. Dies wird ausschweifend im Zug fortgeführt. Mit einer Vielzahl von Anspielungen auf die griechische Mythologie, das Christentum, die europäische Literatur- und Musikgeschichte und in andauernden Monologen beschreibt Wenja die Absurditäten der sozialistischen Sowjetunion. Dabei macht er sich selbst zum besten Beispiel, wie dieses System und das Leben darin (nicht) funktionieren.

Eine derbe und trotzdem wunderbare Sprache, absurd-herrliche Anekdoten aus dem Alltagsleben und ein immer mehr betrunken werdender Protagonist machen diese von dem DZB-Sprecher Volker Baer lebendig gelesene Zugfahrt zu einem einzigen Rausch. Kurz vor Stuttgart habe ich mir dann doch noch ein Bier bestellt.

Jerofejew, Wenedikt W.: Die Reise nach Petuschki.
München : Piper, 2013
1 CD DAISY (6:00 h), Bestellnr.: H030080
Sprecher: Volker Baer (Leipzig)

Unter Dämonen: Horror vom Feinsten

Empfohlen von Birgit Weißbach (Material- u. Anlagenverwalterin)

Sonne, Hitze, Wüste und Grenzgebiet. Verstümmelte Leichen, Schmuggler, Drogenbosse, Zuhälter, Massenmörder und korrupte Bullen – darum geht’s in diesem Buch. Der Deputy Gene Martindale lebt mit Sohn Timmy und seiner Schwester Skye in einer Kleinstadt im Süden. Skye arbeitet im Diner und wird auf dem Heimweg von vier Kerlen bedrängt. Kurze Zeit später findet die Polizei rings um ein verlassenes Auto verstreute Leichenteile. Skye kommt blutüberströmt mit eigenartigem Geschmack im Mund vor ihrem Haus zu sich. Langsam werden Erinnerungsbilder wach und sie weiß, dass in ihr etwas Böses ist und Nahrung braucht – Menschenfleisch.
Dieser spannende Thriller setzt sich aus mehreren Handlungssträngen zusammen, die am Ende des Buches einen Teil der Vergangenheit enthüllen.

Es ist ein Horrorroman – rasant, abartig, brutal und ekelig. Nichts für Leser mit schwachen Nerven, aber er macht süchtig auf eine Fortsetzung.

Smith, Roger [als Max Wilde]: Schwarzes Blut
München : Heyne, 2013
1 CD DAISY (8:00 h), Bestellnr.: H028351
Sprecher: Edwin Diele (Leipzig)

Sachliteratur

Fit bleiben: Mit Pilates durch den Sommer

Empfohlen von Gabi Schulze (Redakteurin)

Ausführlich beschriebene Übungen und gezielter Trainingsaufbau – „Pilates“ von Alycea Ungaro ist perfekt für alle, die sich mit der Pilates-Methode auch ohne Fitness-Studio vertraut machen möchten. Nach einer kurzen Einführung wird das komplette Trainingsprogramm gezeigt, angefangen von den Basics, über Anfänger- und mittelschwere Übungen bis hin zum Training für Fortgeschrittene. Schritt für Schritt gibt die Autorin Anleitung für 60 Übungen zum Nachmachen. Die Fotos für Ausgangsposition, Verlauf und Endposition der jeweiligen Übung hat die DZB mit viel Engagement verständlich und leicht nachvollziehbar beschrieben. Auch werden häufige Fehler demonstriert und erläutert, wie sie sich vermeiden lassen.

Ein rundum gelungenes Trainingsbuch für Anfänger und Fortgeschrittene!

Ungaro, Alycea: Pilates : die Trainingsmethode für mehr Balance und Beweglichkeit
Starnberg : Dorling Kindersley, 2002.
2 Bde., Kurzschrift, BN-Ausleihe 17238
BN-Verkauf 8296, 28 €

Unterwegs sein: Per Anhalter durch Israel und Palästina

Empfohlen von Gabi Schulze (Redakteurin)

Das Buch ist kein Reiseführer, der Landschaft und Kultur beschreibt. Auch kein politisches Buch, das versucht, den Nahostkonflikt zu erklären und Partei ergreift für die eine oder andere Seite. Der Autor schreibt eine Reportage über den Alltag der Israelis und Palästinenser, mit denen er auf seiner Reise zu Fuß und vor allem per Anhalter ins Gespräch kommt. Von Tel Aviv über Jerusalem bis hin zum Roten Meer, von den altbiblischen Mauern Jerichos bis hin zu den Schmugglertunnels des Gazastreifens entdeckt der Journalist Martin Schäuble ein Land voller Grenzübergänge und Checkpoints. Mal ist er in der israelischen Siedlerwelt, mal in der Palästinenserwelt unterwegs. Er spricht mit orthodoxen Juden, israelischen Soldaten, palästinensischen Bauarbeitern – mit Menschen unterschiedlicher Lebensweisen, religiöser und politischer Identität. Seine Gesprächspartner sind Zufallsbekanntschaften, wie beispielsweise Geheimdienstmitarbeiter der Fatah und israelische Kiffer, die ihr Haschisch von der Hisbollah beziehen. Seine Erlebnisse während dieser Reise stehen im Vordergrund, politische Diskurse vermeidet er.

Ein Buch, das den Leser einlädt, sich aus dem Blickwinkel der Menschen in Israel und Palästina dem Nahostkonflikt zu nähern.

Schäuble, Martin: Zwischen den Grenzen. Zu Fuß durch Israel und Palästina.
München : Hanser, 2013
1 CD DAISY (6:37 h), Bestellnr.: H028290,
Sprecher: Wolfgang Schilling (Leipzig)

Nachgefragt

Über Hörbücher zum Download und Kinderbücher in Großdruck

Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Direktor der DZB, beantwortet Fragen zu Vorhaben des Hauses in diesem Jahr und zu Schwerpunktthemen in naher Zukunft.

Herr Prof. Dr. Kahlisch, wir sind schon wieder in der Jahresmitte angelangt. Wenn Sie Rückschau halten, worüber können Sie sich in diesem Jahr schon freuen?

Sehr froh bin ich vor allem, dass wir Ende April den letzten Akt bei der Einführung eines neuen Bibliothekssystems in der Hörbücherei absolviert haben – das vereinfacht die Arbeit der Bibliothekare, eröffnet aber auch für die Zukunft tolle Möglichkeiten, neue nutzerfreundliche Angebote für unsere Bibliothekskunden, wie Download von DAISY-Büchern, zu entwickeln. Da sind wir eifrig dabei. Denn unsere Aufgabe als moderne Bibliothek ist es, blinde und sehbehinderte Bibliotheksnutzer zeitgemäß auch mit digitaler Literatur zu versorgen.

Was steht in der zweiten Hälfte des Jahres an?

Neben der soeben genannten Entwicklung von Downloadangeboten werden wir für blinde, aber auch für sehbehinderte Kinder mehr Lesestoff schaffen. Die DZB wird demnächst eine Auswahl von prämierten Kinderbüchern der Reihe „Leipziger Lesekompass“ nicht nur in Brailleschrift, sondern auch in Großdruck herstellen. Die Nachfrage nach Großdruck besonders von Schulen ist groß. Das haben wir auch an den Bestellungen gemerkt, die uns für „Ich schenk dir eine Geschichte“ erreichten, der Aktion zum Welttag des Buches.

Welche Themen werden auch über das Jahr hinaus wichtig sein?

Wir beobachten, dass sich Einiges tut im Bereich barrierefreie Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen. Neue Technologien etwa für Smartphones helfen dabei. So konnten wir dem Mitteldeutschen Rundfunk bei der Entwicklung einer für jedermann gut handhabbaren Audio-App zur Seite stehen, aber auch Museen bei der Gestaltung von inklusiven Ausstellungen helfen. Diese Entwicklungen unterstützen wir natürlich sehr und sehen darin noch viel Potenzial. Auch bei der Umsetzung von barrierefreien Angeboten des Freistaates Sachsen. Immerhin ist das im Koalitionsvertrag der Landesregierung fixiert. Und letztlich müssen wir als DZB auch unsere Hausaufgaben machen, um mit neuen Angeboten via Internet, zum Beispiel Hörbüchern zum Download, mehr potentielle Nutzer zu erreichen. Gerade auch in Medien für junge blinde und sehbehinderte Leser sollten wir mehr investieren. In dieser Richtung arbeitet unser aktuelles Projekt BADI (Barrierefreie Aufbereitung Digitaler Inhalte), in dem wir uns mit den neuen Möglichkeiten der Gestaltung und Verbreitung barrierefrei hergestellter E-Books befassen.

Vielen Dank, Herr Kahlisch!

Reisen

Mit geografischen Reliefkarten unterwegs in Äthiopien

Ludwig Henne, Fundraiser im Förderverein „Freunde der DZB“, über seine Reise in das ostafrikanische Land.

Es war ein besonderes Erlebnis. Nie zuvor war ich in Äthiopien und zum ersten Mal nahm ich an einer Delegationsreise des Leipziger Oberbürgermeisters teil. Vom 9. bis 12. Februar 2015 besuchte die Leipziger Delegation, deren Teilnehmer ich im Namen der Deutschen Zentralbücherei für Blinde sowie des Fördervereins „Freunde der DZB e. V.“ war, die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba, die Partnerstadt von Leipzig ist. Zum Programm der Reise gehörten natürlich interessante Treffen und Veranstaltungen. So gab es am ersten Tag einem Empfang des Bürgermeisters der Stadt Addis Abeba mit einer traditionellen Kaffeezeremonie. Bei einer solchen Zeremonie werden die Kaffeebohnen frisch geröstet, mit einem Stößel gemahlen und dann mit heißem Wasser zu einem herrlichen Getränk verarbeitet. Da war es egal, dass der Kaffee erst abends um 22 Uhr serviert wurde.

Gemeinsam mit dem Leipziger Oberbürgermeister und dem Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Leipzig-Addis Abeba e.V. besuchte ich am zweiten Tag unserer Reise die Menelik II Preparatory School. Dort überreichten wir der Schulleiterin 28 taktile Reliefkarten von Äthiopien. Diese Landkarten entstanden als Gemeinschaftsprojekt der DZB mit dem Städtepartnerschaftsverein sowie dem Leipziger Schiller-Gymnasium. Die in der DZB hergestellten Karten kommen den rund zehn Prozent blinden und sehbehinderten SchülerInnen der Menelik Schule zugute. Mangelnde finanzielle Möglichkeiten machen es an vielen äthiopischen Schulen notwendig, dass sehbehinderte und blinde Kinder von Beginn an in die regulären Schulen gehen. In Extrastunden am Nachmittag lernen diese SchülerInnen die Brailleschrift lesen und schreiben und werden nach wenigen Monaten in den normalen Unterricht integriert. Diese gelebte Inklusion kann durchaus auch Vorbild für den Unterricht in Deutschland sein.

Zu Gast bei TOGETHER

Die Tage darauf begann ich, die Stadt und das Land auf eigene Faust zu erkunden – auch auf der Suche nach dem alltäglichen Leben von sehbehinderten und blinden Menschen. Als erstes besuchte ich den Verein TOGETHER, der sich für blinde und sehbehinderte Menschen, vor allem junge Mütter, einsetzt. Der Verein bietet den jungen, meist alleinstehenden Frauen eine Unterkunft sowie Betreuung ihrer Kinder an. Da in Äthiopien sehbehinderte und blinde Menschen keinerlei staatliche Förderung erhalten, sind solche Angebote besonders wichtig. Mit dem Verein habe ich in einem gemeinsamen Workshop über die Möglichkeiten für zukünftige Kooperationsprojekte diskutiert.

Meine Reise führte mich später raus aus der Hauptstadt in die wunderbare Berglandschaft des Bale Mountains National Park. Hier sah ich traumhafte Landschaften auf der einen und große Armut auf der anderen Seite. Gerade sehbehinderte und blinde Menschen haben in den ländlichen Regionen kaum eine Chance, am normalen Leben teilzunehmen. Eine grundsätzliche medizinische Versorgung, die viele Augenkrankheiten verhindern könnte, ist außerhalb der Hauptstadt kaum vorhanden. Es gibt kein Geld für Hilfsmittel. Blinde und sehbehinderte Menschen können nicht arbeiten, sie sind meist auf sich selbst gestellt oder werden, so gut es geht, von ihren Familien versorgt, die jedoch auch meist in großer Armut leben. Trotz alledem traf ich auf viele herzliche und gastfreundliche sehende und blinde Menschen, die mich zu sich einluden, mir von ihrem Leben erzählten und auch den so köstlichen Kaffee anboten.

Auch Sie können helfen

Nach meiner zweiwöchigen Reise durch Äthiopien kam ich sehr erschöpft, aber mit vielen tollen Bildern und Erlebnissen im Gepäck, wieder zu Hause an. Das Land lässt mich seitdem nicht mehr los. Ich möchte den Menschen in Äthiopien helfen. Aus diesem Grund bitte ich Sie im Namen des Fördervereins „Freunde der DZB“ um einen Gefallen: Haben Sie funktionierende Hilfsmittel (z.B. Blindenstöcke, Uhren, Brillen, Lupen etc.), die Sie nicht mehr brauchen? Vielen sehbehinderten und blinden Menschen in Äthiopien erleichtern sie das Leben. Bitte schicken Sie die Hilfsmittel an den Förderverein der DZB. Wir senden diese dann an unsere Partnerorganisation TOGETHER in Addis Abeba.

Unsere Adresse lautet:

Freunde der DZB e.V., z. Hd. Ludwig Henne, Gustav-Adolf-Str. 7, 04105 Leipzig.
Sie können mich auch per Mail oder Telefon kontaktieren: ludwig.henne@dzb.de oder 0341-7113146.

Technik getestet

Hörfilme im Fernsehen – wie kann man sie empfangen?

Mittels akustischer Bildbeschreibungen werden für blinde und sehbehinderte Menschen Filme barrierefrei zugänglich gemacht. Ulrich Jander erläutert, welche Technik notwendig ist.

Die durchaus noch vorhandene analoge Technik, wie sie früher üblich war, ist für den Hörfilm zunehmend nicht geeignet bzw. steht dafür nicht zur Verfügung. Die drei Begriffe für die heutige moderne, digitale Empfangstechnik lauten: DVB-T, DVB-S und DVB-C. Dies sind die drei möglichen digitalen Empfangswege der Fernsehsender. T steht für terrestrisch, digitale Antenne, S ist der digitale Satellit, und C bedeutet Cable, also digitaler Kabelempfang. Das sind drei mögliche Empfangsteile, die der Zuschauer insgesamt oder eine bzw. zwei Alternativen zur Verfügung hat. Diese digitalen Empfangswege kann man separat als Geräte im Wohnzimmer haben oder sie sind im Fernsehapparat gleich eingebaut. Das muss man wissen, denn die Einstellung der Hörfilmfunktion geschieht mit der Fernbedienung des Gerätes, an dem man auch die Auswahl der Fernsehsender vornimmt. Die entsprechende Fernbedienung ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich aufgebaut. Die Taste kann mit der Aufschrift Audio, Sound oder Ton bzw. mit ½ oder A/B bezeichnet sein. Es ist auch möglich, dass es auf der Fernbedienung eine solche Taste nicht gibt und der Zuschauer das Bildschirmmenü aufrufen muss, um dort die zweite Tonspur für die Audiodeskription auszuwählen. Gerade Letzteres lässt sich ohne sehende Hilfe nicht durchführen. Bei manchen Fabrikaten merkt sich das Gerät die einmal erfolgte Einstellung; bei anderen Geräten ist sie immer wieder neu vorzunehmen.

Ist man unsicher, an welcher Stelle die Hörfilmfunktion einzustellen ist, dann sollte man sich bei neueren Geräten an den Verkäufer oder den Hersteller wenden und bei älteren Geräten gleich beim Hersteller erkundigen. Diesem teilt man dann mit, um welchen konkreten Typ des Gerätes es sich handelt. Der Verkäufer oder Hersteller wird eventuell den Begriff Audiodeskription oder Hörfilm nicht kennen. Jedoch dürfte ganz sicher die technische Variante der zweiten Tonspur bekannt sein, die, wie beim Hörfilm, auch beim Wechsel zwischen Synchron- und Originalton genutzt wird, z. B. bei Arte zwischen deutsch und französisch. Danach ist konkret zu fragen und dann die Einstellung für den Hörfilm vorzunehmen.

Fragebogen

Sechs Fragen – sechs Antworten

Mitarbeiter, Partner auch Freunde der DZB antworten auf unsere Fragen. Diesmal: Jana Goldberg, Buchbinderin in der DZB

Was ist Ihre Aufgabe in der DZB?

In der Buchbinderei stelle ich Braillebücher, taktile Kinderbücher und andere Reliefbücher her.

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

Zurzeit bearbeite ich gerade einige Musterseiten des neuen taktilen Kinderbuches „Grüffelo“, das aus verschiedenen Materialien gefertigt wird, und „Die geheimnisvolle Spur“, ebenfalls ein taktiles Kinderbuch.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

Lesen, Fahrrad fahren, Haus und Garten.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Meinen Mann, ein gutes Buch und eine Angel.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

Eigentlich alle Bücher von Andreas Franz.

Ihr Lebensmotto?

Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie!

Wir wollen wissen: Wann ist in diesem Jahr Tag der offenen Tür in der DZB?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 7. August 2015 per E-Mail (presse@dzb.de) oder per Post an: DZB, Kennwort Rätsel, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

Das können Sie gewinnen: Wir verlosen ein Jahresabonnement der Zeitschrift „Deutschlandrevue“ (wahlweise auch „Das Gesundheitsmagazin“).

Mitarbeiter der DZB können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus 1/2015

Die richtige Antwort hieß: Kathrin Aehnlich.
Steffi Neumann, Personalbeauftragte, agierte als Glücksfee und zog aus den vielen Einsendungen den glücklichen Gewinner: Peter Zahn aus Augsburg. Herzlichen Glückwunsch!

Sudawo – Such das Wort

Suchen Sie das Wort, das sich aus allen 9 Buchstaben bilden lässt.
Beispiel: HLNAAMDBE
Lösung: Abendmahl

  1. METKAMRNO
  2. HERNUFTGI
  3. MTRRAJAKH
  4. NKEUANNTB

Auflösung siehe unten.
Weitere Rätsel finden Sie in „Sudawo“ (1 Bd., Vollschrift, BN-Verkauf 8154, 1 Bd., Kurzschrift, BN-Verkauf 8155, je 12 Euro).

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion

Gabi Schulze
Tel.: 0341 7113-148, E-Mail: gabi.schulze@dzb.de
Ronald Krause
Tel.: 0341 7113-239, E-Mail: ronald.krause@dzb.de

Abonnements, Anzeigen

Sylvia Thormann

Tel.: 0341 7113-120, E-Mail: abo@dzb.de

»in puncto DZB« wird vier Mal im Jahr kostenfrei per E-Mail versandt und online unter www.dzb.de veröffentlicht.

Die Zeitschrift erscheint kostenpflichtig wahlweise als CD DAISY sowie in Blindenkurzschrift.

  • Jahresbezugspreis Braille-Ausgabe: 9 Euro
  • Jahresbezugspreis CD DAISY: 9 Euro

Das kostenpflichtige Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.

Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.

DZB 2015

Spenden

Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto 1 100 830 010
IBAN DE44 8605 5592 1100 8300 10
BIC WELADE8LXXX

Auflösung Sudawo

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