in puncto DZB - 03 / 2015

03 2015

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

auch Bestseller können auf dem Nachttisch verstauben und werden nicht zu Ende gelesen, weil sie langweilen und man einfach nicht über die ersten beiden Kapitel kommt. Deshalb sind Bestseller für Lektor Karsten Sachse auch keine Garantie, wenn er interessante Bücher für den Titelplan aussucht. In einem Interview empfiehlt er lesenswerte Novitäten, die im Herbst in Produktion gehen. Wem diese Neuerscheinungen Lust auf mehr machen, dem servieren unsere Rezensenten zum Ausklang des heißen Sommers einen erfrischenden Büchercocktail.
Außerdem laden wir Sie in ein spanisches Restaurant in Leipzig ein, in dem die blinde Autorin und Moderatorin Jennifer Sonntag ihr neues Buch „Liebe mit Laufmaschen“ vorstellt. Wir sprachen mit ihr über Literatur, Erotik und Mode.
Und gleich zu Beginn dieser Ausgabe erfahren Sie, wie viel handwerkliche Arbeit in einem taktilen Bilderbuch steckt. Es handelt sich dabei um kein geringeres als den viel gelesenen Kinderbuchklassiker „Der Grüffelo“, den es nun auch für blinde und sehbehinderte Kinder gibt.
Wir hoffen, Ihr Interesse geweckt zu haben und wünschen Ihnen eine unterhaltsame Lektüre! Angenehme Herbstwochen und immer ein gutes Buch aus der DZB zur Hand.
Ihre Redaktion

Im Fokus

Vom schrecklichen Grüffelo und der cleveren Maus

Ab September dieses Jahres können auch blinde und sehbehinderte Kinder den „Grüffelo“ lesen und die Geschichte von der kleinen Maus und dem schrecklichen Ungetüm erfahren. Ein Beitrag von Gabi Schulze

Es gibt Kinderbücher, die ziehen selbst Erwachsene so in ihren Bann, dass diese gar nicht anders können, als in die Welt der Kinder abzutauchen. So ein Buch ist der „Grüffelo“. In ihm geht es um eine kleine Maus, die sich mithilfe ihrer Fantasie und den Geschichten, die sie sich ausdenkt, vor ihren Feinden schützt. In Großbritannien, wo die Autorin Julia Donaldson lebt, hat das Buch schon den Status eines modernen Kinderbuchklassikers. Überall auf der Welt findet es begeisterte Leser und das nun schon seit mehr als 15 Jahren. „Der Grüffelo“ wurde in rund 40 Sprachen übersetzt und weltweit 3,5 Millionen Mal verkauft.

Die Idee vom taktilen „Grüffelo“

Die aktuelle Popularität des „Grüffelo“ war für Corinna Grabatin und Leonie Ruf, Sonderpädagoginnen, ein sehr wichtiges Kriterium, gerade dieses Buch als Vorlage für ein neues taktiles Bilderbuch auszusuchen. „Es ist bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter sehr beliebt“, erklärt Leonie Ruf, Beratungslehrerin in einer Blinden- und Sehbehindertenschule, „außerdem gibt es viele ‚Begleitprodukte‘, wie Hörbücher, CDs, Handpuppen. Der inklusive Aspekt spielte eine ausschlaggebende Rolle. Blinde, sehende und sehbehinderte Kinder erleben das Buch gemeinsam.“

Schon während ihres Studiums haben die beiden ambitionierten jungen Frauen gemeinsam mit der DZB die zwei taktilen Bilderbücher „Wo ist Mami?“ und „Der Löwe, der nicht schreiben konnte“ produziert. Deren Gestaltung mit verschiedenen Materialien erfolgte nach sonderpädagogischen Regeln der Frühförderung blinder Kinder. Auch für das aktuelle Tastbilderbuch entwarfen sie die Gestaltungsvorlage und reduzierten die Bildinhalte auf die wesentlichsten Elemente. „Wichtig für unseren ‚Grüffelo‘ war sowohl eine ansprechende taktile Umsetzung für blinde Kinder als auch eine attraktive visuelle für sehende und sehbehinderte Kinder“, erläutert Corinna Grabatin. Es wurden reale Gegenstände in das Buch integriert, deutlich unterscheidbare taktile Materialien verwendet, die mit einem positiven Tasteindruck einhergehen und typische Merkmale der Tiere definieren. Beispielsweise findet man echte Nüsse, das Imitat eines buschigen Fuchsschwanzes und leuchtende Augen des Grüffelo. Eindeutige Umrisse und kontrastreiche Farben erleichtern die Erkennbarkeit der Figuren.“ Um auch wirklich sicher zu sein, dass die taktilen Bilder für blinde Kinder wahrnehmbar sind, gaben die Pädagogen diesen die Vorlage zum Testen.

Aus Zahnstochern, Fimoknete und Velours

Die kleine Maus, die durch einen dunklen Wald läuft, droht den Tieren, die sie gern fressen würden, mit dem Grüffelo-Monster, das sie sich aber nur ausdachte: „Er hat schreckliche Hauer / und schreckliche Klauen / und schreckliche Zähne, / um Tiere zu kauen.“ Sie singt: „Er hat knotige Knie, / eine grässliche Tatze / und vorn im Gesicht / eine giftige Warze.“

Knotige Knie und giftige Warze? Eine Herausforderung für die Experten in der DZB, die als erstes die passenden Materialien für die taktilen Bilder auswählten. Schritt für Schritt entstand so ein tastbarer Grüffelo, der ähnlich der Illustrationen von Axel Scheffler, ein Ungetüm zwischen Grizzlybär und Warzenschwein ist, etwas tumb und schwerfällig, trotzdem aber liebenswert. Schleifpapier für die knotigen Knie, braunes Velourslederimitat für den Körper, Fimoknete für die Hörner, Zahnstocher für die Krallen und ein Perlenpen für die Warze – fertig ist der Grüffelo. Doch so schnell geht das dann doch nicht! „Die Herstellung der Figuren erfolgt in aufwendiger Handarbeit. Besonders schwierig zu fertigen, sind die Hörner und Zähne des Grüffelo, die aus Fimoknete bzw. Holzleim hergestellt werden. Immer die richtige Größe zu formen, ist da nicht einfach“, erläutert Jana Goldberg, Buchbinderin: „Sind die einzelnen Teile der Figuren zusammengefügt, werden sie auf die entsprechenden Seiten geklebt.“ Hier sind geschickte Hände gefragt und Fingerfertigkeit für handwerkliche Arbeiten. Dass Jana Goldberg diese hat, beweist sie, wenn sie zunächst den zwanzig Mäusen auf ihrem Tisch flink je eine winzige Halbperle als Auge und dann die Nase aufklebt, später bei den zwanzig Eulen Augen, Schnabel und Federn anbringt, und danach den zwanzig Grüffelos ihre schrecklichen Hauer anleimt und so weiter.

Die vorgefertigten Papptiere bekommt die Buchbinderin aus der Relieftechnik. Hier werden Maus, Grüffelo und Co. auf Pappe gezeichnet, mit den verschiedenen Materialien beklebt und anschließend mit dem Plotter ausgeschnitten. „Es sind zwar nur fünf Tiere im Buch (Maus, Grüffelo, Eule, Schlange, Fuchs), aber diese kommen mehrmals auf den Seiten vor und sie sind sehr aufwendig herzustellen“, erklärt Petra Büttner. Auf ihrem Tisch liegen ungefähr 30 Grüffelos und 30 Mäuse, mit Velours beklebte Figuren aus Pappe. Letzteren klebt sie gerade ein Schwänzchen aus Bindfaden an. „In jedem Buch sind 10 Mäuse. Das heißt bei einer Auflage von 10 Exemplaren müssen wir 100 Mäuse zeichnen, bekleben und ausschneiden“, betont sie und verrät, dass die kluge Maus ihre Lieblingsfigur im Buch ist.

Einprägsame Reime in Brailleschrift und Großdruck

„Die Maus spazierte im Wald umher. / Der Fuchs sah sie kommen und freute sich sehr.“ So beginnt das Buch. Die witzige Geschichte mit den einprägsamen Reimen ist es, die den „Grüffelo“ bei den Kindern so beliebt macht. Im taktilen Bilderbuch können blinde Kinder diese mithilfe der Brailleschrift selbst lesen oder aber sehende Geschwisterkinder, Mama oder auch Papa lesen sie vor. So erfahren alle gemeinsam, was passiert, als die kleine Maus auf einmal ihrer schrecklichen Fantasiegestalt begegnet und erleben, wie sie schließlich den Grüffelo mit einer weiteren Geschichte an der Nase herumführt. Alle fiebern mit Spannung und viel Spaß dem Ende der Geschichte entgegen und werden beide, die clevere, kleine Maus und das drollige Ungetüm, liebgewinnen.

Schön wäre es, wenn auch der taktile „Grüffelo“ bald in den Kinderzimmern zu finden ist. Ein wunderbares Buch über die Angst und den Mut, vor allem aber über die Macht der Geschichten!

Menschen

Schreiben ist wie sehen

Im Frühjahr dieses Jahres erschien Jennifer Sonntags neues Buch „Liebe mit Laufmaschen“, erotische Kurzgeschichten, die sie und ihr Partner Dirk Rotzsch in den letzten Jahren geschrieben haben. Gabi Schulze traf die Autorin in Leipzig.

Sie ist die Lady in Black – Jennifer Sonntag, blinde Sozialpädagogin, Autorin und MDR-Moderatorin der Sendung „SonntagsFragen“. Sie kleide sich immer in schwarz, erzählt mir die junge Frau, als ich sie und ihren Partner Dirk Rotzsch an einem heißen Julitag im spanischen Restaurant „Bustamante“ im Leipziger Westen treffe. In einer Stunde beginnt die Lesung ihres neuen Buches. Zeit genug für ein Gespräch mit der Autorin. Sie erscheint in einem schwarzen ärmellosen Minikleid, das sowohl im Dekolleté als auch auf dem Rücken tief ausgeschnitten ist, und nimmt auf einem braunen Ledersofa im Restaurant Platz. Zu ihrem Kleid trägt sie elegante schwarze Handschuhe und einen schwarzen extravaganten Hut im Stile der zwanziger Jahre. Schwarze Strümpfe und Lackschuhe vervollkommnen ihr perfektes Outfit.

Die Laufmasche als inspirierender Fehler

Jennifer Sonntag schmunzelt, als ich sie auf den originellen Titel des Buches anspreche, und meint: „Ich hätte mir eigentlich Laufmaschen ziehen sollen. Wenn man welche braucht, hat man keine.“ Und schon sind wir beim Thema: Sie interessiere sich für die Laufmaschen in den Lebensgeschichten der Menschen. „Meine Protagonisten haben alle kleine Ecken und Kanten“, bemerkt sie, „deshalb sind die Laufmaschen auch ein Symbol im Titel meines Buches“.

Jennifer Sonntag erzählt von obskuren Begebenheiten, skurrilen Situationen, vor allem aber von Menschen, die anders sind – in ihrer Lebensart, in ihren Anschauungen und Sichtweisen. „Im Grunde sind die Figuren in meinen Geschichten alle nicht normal. Ich bin ja auch nicht normal. Ich bin blind. Die Beziehung, die ich führe, hat auch eine kleine Laufmasche. Jede Partnerschaft, die aus einem sehenden und einem Nichtsehenden besteht, ist ein bisschen anders“, erklärt die junge Frau. Ihre roten Lippen lächeln auf ihrem dezent geschminkten Gesicht. Glatte Dinge langweilen sie, deshalb sucht sie nach Reibungspunkten, dem Widerhaken, der die Laufmasche erzeugt. Sie spinnt erotische Fäden, nicht um die Laufmasche zu stoppen, sondern auf diesen unerwarteten Riss aufmerksam zu machen. Ihre frivolen Geschichten haben oft einen doppelten Boden und irritieren zum Teil auch durch plötzliche Wendungen. Da verliert eine Frau immer wieder ganz subtil ihren Slip auf der Straße – aus Leidenschaft. Oder eine Sehende lebt ihre erotischen Träume als Blinde aus. Am Ende überrascht den Leser oft eine unvermutete, originelle Pointe.

Die Ich-Erzählerinnen leben ihre extravaganten Vorlieben im realen Leben selbstbewusst aus, andere wiederum sehnen sich in ihren erotischen Träumen nach Leidenschaft und Lust: eine Frau befreit sich mit ihrer Lust von inneren Zwängen, eine andere wiederum hat endlich den Mut, sich ihrer Begierde hinzugeben. Eine Lehrerin träumt vom Sex mit dem Mann ihrer unsympathischen Direktorin und eine andere Frau wird Zeugin einer exzessiven, bizarren Backstage-Party eines alternden Rockstars.

Zwischen Sehen und Nichtsehen

Jennifer Sonntag ist eine sensible Beobachterin. Gespräche von Menschen, die ihr begegnen, auch Situationen, die ihr widerfahren sind, greift sie auf, assoziiert echte Bilder dazu und beschreibt diese. „Ich schreibe recht ‚unblind‘, eigentlich sehend. Viele Dinge kann ich als ehemals Sehende nicht auffrischen: Ich kann mir keine erotischen Fotos und Filme anschauen. Die ganzen erotischen Medien funktionieren nicht mehr. Aber über mein Schreiben hole ich mir mein fehlendes Sehen zurück. Da kann ich mein eigenes Kino erzeugen und fantasiereich sein. Dadurch verlerne ich das Sehen nicht. Schreiben ist deshalb für mich wie Sehen.“

Die spät erblindete 35-Jährige, die früher der Punkszene nahestand und sich heute in der Gothic-Szene heimisch fühlt, hat viele Fans, die ihre erotischen Erzählungen lieben. Und welche Vorbilder hat Jennifer Sonntag in der Literatur? Anaïs Nin und Henry Miller natürlich. Sie habe aber auch viele Bücher aus der DZB gelesen, die nicht unter erotischer Literatur zu finden sind, wo Erotik aber immer mitschwingt: „Die Klavierspielerin“ von Elfriede Jelinek zum Beispiel oder Michel Houellebecqs Romane.

Extravagante Mode und Schminkkurse

Erotik in ihrem wahren Leben definiert Jennifer Sonntag ausschließlich über Stimme, Aura, Geruch, unsichtbare Schwingungen. Da ihr die echten Bilder fehlen, verlässt sie sich sehr auf Sinnlichkeit und Fantasie. Ein Hauch, eine Berührung, aber auch Intelligenz, Herzenswärme und Taktgefühl können für sie erotisch sein. Diese Freude an ab- und tiefgründiger Sinnlichkeit schwingt in ihren Geschichten immer mit. Sie ist eine Inspirationsquelle für die Autorin und fördert deren Kreativität. Eine zweite ist die Mode. Jennifer Sonntag geht gern in Modegeschäfte, sucht nach extravaganten Stilen, die aus der schwarzen Szene kommen. Ihr Modebewusstsein hilft ihr auch, den Kontakt zur Welt der Sehenden nicht zu verlieren, denn sie muss sich ständig über Farben, Formen und Trends informieren. Ihr Wissen gibt sie gern weiter, zum Beispiel in Schminkkursen für blinde Frauen. Mehr noch: Als Sozialpädagogin, die in der „Sensorischen Welt“ des BFW Halle tätig ist, bietet sie blinden und hochgradig sehbehinderten Rehabilitanden Imagekurse an, die diesen helfen, sich ein inneres Spiegelbild zu erarbeiten und ihr optisches Erscheinungsbild realistisch einzuschätzen.

Ein sehr sinnliches Kunstprojekt

Ihre Liebe zur Literatur und Kunst regte Jennifer Sonntag auch an, das erotische Literatur- und Kunstprojekt „Liebe mit Laufmaschen“ zu verwirklichen. Gemeinsam mit ihrem Partner Dirk Rotzsch entwarf die Autorin zu den über 20 Kurzgeschichten des Buches erotische Zeichnungen. Dieses sehr sinnliche Experiment war sowohl für die blinde Autorin als auch für ihren Partner eine große Herausforderung. Bildbeschreiberin Franziska Appel fasste die Zeichnungen in Worte und macht sie so auch blinden Betrachtern zugänglich. Jennifer Sonntag: „Ich möchte mich in den schönen Künsten noch ein wenig weiter ausleben, Malerei, Literatur und Erotik zusammenführen und dies möglichst barrierefrei. Ein Blick in die ‚Blind-Galerie‘ auf meiner Webseite www.Liebe-mit-Laufmaschen.de lohnt sich! Prüde darf man allerdings nicht sein.“

Im Restaurant wird es lauter, die Vorbereitungen für die kulinarischen Genüsse während der Lesung beginnen. Immer mehr Gäste kommen und begrüßen die Autorin. Ich wünsche Jennifer Sonntag eine gelungene Lesung und für ihre weiteren Projekte künstlerische Inspiration.

Lesung: Am 17. September 2015, um 20.15 Uhr stellen Jennifer Sonntag und Dirk Rotzsch in Lehmanns Buchhandlung in Leipzig ihr Buch „Liebe mit Laufmaschen“ vor. Die Lesung wurde gemeinsam von der Buchhandlung und dem Förderverein „Freunde der DZB e.V.“ organisiert.
„SonntagsFragen“: Einmal im Monat, sonntags um 9.45 Uhr im MDR, lädt Jennifer Sonntag prominente Gäste zu ihrer Sendung ein.

Fünf Fragen an Jennifer Sonntag

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ich bin tiefgründig, sinnlich, manchmal zu fühlend, extrem rückzugsbedürftig, humorvoll, kreativ, unkonventionell, kommunikativ, ruhelos …

Welches Buch würden Sie gern ein zweites Mal lesen?

„Die Stadt der Blinden“

Was ziehen Sie am liebsten an?

Extravagante Outfits mit Zitaten aus der Gothic-Szene.

Welchen prominenten Gast hätten Sie gern mal in ihrer Sendung "SonntagsFragen"? Und warum?

Ich habe Angst, mir Illusionen zu zerstören, wenn ich mir ein absolutes Mega-Idol auf den Stuhl hole. Ich habe an anderen Menschen beobachtet, wie so etwas schief gehen kann, deshalb lasse ich die Finger von „Stars“, zu denen ich seit 30 Jahren innerlich eine einseitige Liebesbeziehung habe … (witzig gemeint)

Welcher Gast in Ihrer Sendung hat Sie am meisten zum Nachdenken angeregt? Und warum?

Mark Benecke. Er ist sehr professionell in seinem Job und dabei ein total unkonventioneller Mensch. Außerdem teilen wir eine Subkultur. Das ist ein Typ, der meinen Geist einfach immer wieder unheimlich infiziert, weit über das Interview hinaus.

Kurz gemeldet

Neue Mitarbeiter in der DZB

Thomas Kauba arbeitet seit Mitte Juni in der DZB, ist also ganz frisch dabei. Er überträgt im Team von DaCapo Noten in Braillenoten für blinde Musiker. Der gebürtige Thüringer ist studierter Musikwissenschaftler und spielt zudem als freischaffender Musiker Klavier. Regelmäßig hält er öffentlich Musikvorträge – etwa im Mendelssohnhaus Leipzig oder in der Volkshochschule. Vor seiner Tätigkeit in der Blindenschriftabteilung der DZB war er unter anderem in der Universität Leipzig beschäftigt. Bei der Edition der Briefe Felix Mendelssohn Bartholdys musste er sich, wie er sagt, erst einmal in eine „fremde Schrift“ einlesen –ähnlich wie jetzt in der DZB.

Die an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig diplomierte Bibliothekarin Caroline Schürer ist seit dem Frühjahr in der Abteilung Bibliothek, Beratung und Verkauf (BBV) tätig. Ihre Aufgabe ist es, Kontakte zu potentiellen Bibliotheksnutzern zu schaffen und die Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen zu intensivieren. Sie leistet vor allem auch Bibliotheksarbeit und Bibliotheksmarketing vor Ort. Caroline Schürer hat in ihrem bisherigen Berufsleben in den Universitätsbibliotheken Bremen und Halle (Saale) Station gemacht sowie zwei Jahre für das Goethe-Institut in Buenos Aires gearbeitet.
Die DZB freut sich über vielseitig interessierte neue Kollegen!

DZB schickt neue Zeitschrift an den Start

… und bumm, das wird ein „Volltreffer“! So hoffen wir, denn ein „Volltreffer“ soll die gleichnamige neue Zeitschrift der DZB schon werden. Sie erscheint ab Januar 2016 in Vollschrift und ist als Lesemix für Einsteiger konzipiert. So sollen gerade Leseanfänger – egal welchen Alters – mit einer bunten Themenvielfalt an Lektüre in Brailleschrift herangeführt werden. Die 24-seitige Zeitschrift wird mit kleineren Artikeln aus verschiedenen Quellen zusammengestellt – etwa aus „GEOlino“, „Deutschlandrevue“, „stern/Zeit“ und „Gesundheitsmagazin“. Und so entsteht eine lesenswerte inhaltliche Melange aus Fakten, Heimatkunde, Erforschtem, Erfundenem und Rätselhaftem. Im Oktober zur REHACARE in Düsseldorf wird am Stand der DZB eine Probeausgabe vorgestellt. Interessenten bekommen ein Exemplar auch direkt über die DZB. Die Zeitschrift „Volltreffer“ erscheint zweimonatlich und kann im Abo bezogen werden. Der Jahrespreis beträgt 18 Euro.

Kontakt: sylvia.thormann@dzb.de, Tel.: 0341 7113-120

Zukunft der Brailleschrift: Sie sind gefragt!

Um dringend notwendige neue detaillierte Erkenntnisse über die Nutzung und das Erlernen der Brailleschrift zu gewinnen, ist eine Studie der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg in Arbeit, die mit einer Befragung von hochgradig sehbehinderten und blinden Personen im Internet startet. Das Forschungsprojekt heißt „ZuBra“ (Kürzel für „Zukunft der Brailleschrift: Schriftsprachkompetenzen von Brailleleserinnen und Braillelesern – Wirksamkeit pädagogischer Angebote“). Die Forscher sind darauf angewiesen, dass möglichst viele Betroffene jeden Alters den Fragebogen beantworten. So können aussagefähige Daten gewonnen werden. Die Onlinebefragung beginnt am 1. September und dauert bis zum 31. Oktober 2015. Mit folgendem Link gelangt man ab dem 1. September zur Befragung: http://ww3.unipark.de/uc/zubra/

Es gibt zudem die Möglichkeit, sich den Fragebogen als Braille- oder Worddokument zusenden zu lassen. Diese und auch weitere Informationen gibt es über folgende Kontakte:

Ursula Hofer, E-Mail: ursula.hofer@hfh.ch, Telefon. 0041 (0)44 317 11 26 und

Markus Lang, E-Mail: lang@ph-heidelberg.de, Telefon: 0049 (0)6221 477 423.

Wir freuen uns, wenn auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen das Bildungs- und Beratungsangebot zu Braille verbessert werden kann. Deswegen: Machen Sie mit!

Gelesen und empfohlen

Die Welt aus dem Gleichgewicht

Empfohlen von Caroline Schürer (Dipl.-Bibliothekarin)

Es ist ein beklemmendes Zukunftsszenario, das die Autorin in ihrem Roman entwirft. Eine Warnung an die Menschheit, die darstellt, was geschieht, wenn die Natur mit Macht an den Zügeln reißt und unerbittlich neue Wege einschlägt. Es ist die Verlangsamung der Erdrotation, die dazu führt, dass sich die Tage ausdehnen, erst unmerklich um wenige Minuten und dann immer unaufhaltsamer bis auf Wochen. Der Leser begleitet die zwölfjährige Ich-Erzählerin Julia, die mit ihren Eltern in Kalifornien lebt. Sie berichtet von einer Zeit, die durch extrem lange und heiße Tage und ebenso endlose Nächte völlig aus den Fugen gerät, in der die Pflanzenwelt verendet, Vögel vom Himmel fallen und Nahrung knapp wird. Doch auch sonst ist in ihrem Leben auf einmal alles anders. Julia verliebt sich zum ersten Mal, während ihre Mutter mit Depressionen kämpft und der Vater eine Affäre beginnt. Es ist ein rauer Übergang von einer sorglosen Kindheit in ein anderes Leben, das unabwendbar von den Auswirkungen der Verlangsamung beeinflusst wird.
Der Reiz dieses gut lesbaren Buches liegt in Julias ─ angesichts der desaströsen Umstände ─ fast nüchternen Sprache. Bezüglich der Auswirkungen der Katastrophe ist der Roman vielleicht nicht ganz befriedigend zu Ende gedacht. Trotzdem gelingt es der Autorin, den Leser mitzureißen und eine ebenso aufrüttelnde wie auch berührende Stimmung zu schaffen.

Walker, Karen Thompson: Ein Jahr voller Wunder
München: btb-Verlag, 2013
4 Bde., Kurzschrift, 48,00 €
BN-Verkauf 8380, BN-Ausleihe 17255

Wo einsame Wölfe lauern

Empfohlen von Birgit Weißbach (Material- u. Anlagenverwalterin)

Der Titel „Wolfskinder“ weckt die Erinnerung an Jack London oder einen Werwolf-Roman. Hier jedoch weit gefehlt! Erzählt wird die Geschichte zweier völlig unterschiedlich aufgewachsener Mädchen. Theres wird als Säugling im Wald gefunden und wächst versteckt und isoliert im Kellergeschoss bei einem schwedischen Schlagersängerpaar auf. Hier wird die glockenreine Stimme des merkwürdigen, scheinbar autistischen Kindes im Verborgenen geschult. Der Sohn des Ehepaares nimmt sich später der völlig emotionslosen Theres an und schreibt Lieder, mit denen sie bei einer Casting Show auftritt. Teresa dagegen wächst in einer normalen Familie auf. Sie hat die typischen Probleme einer Jugendlichen, ist aber eine Außenseiterin und wird von einigen Mitschülern gemobbt. Sie muss deren Gemeinheiten erdulden, ist einsam und fühlt sich nicht verstanden. Beide Mädchen lernen sich über das Internet kennen, treffen sich und scharen weitere Mädchen um sich.

Es ist kein Jugendbuch ─ obwohl es hier um die Psyche von Jugendlichen geht. Lindqvist erzählt die Geschichte teilweise düster, grausam und detailgerecht. Es ist ein Mix aus Horror und Zweifel an der „normalen“ modernen Gesellschaft. Die gleichzeitig faszinierende und deprimierende Erzählung berührt den Leser nachhaltig.

Lindqvist, John Ajvide: Wolfskinder
Köln: Bastei-Verlag Lübbe, 2013
1 CD DAISY (20:11 h), Sprecher: Peter Treuner (Leipzig)
BN-Ausleihe H028321

Das Wandern ist des Junkies Lust

Empfohlen von Ludwig Henne (Förderverein)

Die Ausgangslage hat es in sich: Ein kokainabhängiger Ex-Knasti, ein Alkoholiker und eine junge Frau mit einem mörderischen Tick begeben sich gemeinsam auf den längsten Trail der Welt, den Appalachian Trail im Nordosten der USA. Und alle drei haben das gleiche Ziel: Sie wollen sich verändern, ihre Sucht hinter sich lassen und einfach bessere Menschen werden. Die drei Wandergesellen durchstreifen dafür eine atemberaubend schöne Natur, werden Zeugen von Autounfällen, ertrinken beinahe im Fluss und treffen auf Wanderer, die tot in Bäumen hängen. Skurriler Höhepunkt ist eine Künstlerparty, auf der Männer vor moderner Kunst weinen.

Forrester kreiert ein wunderbar schräges und vielschichtiges Bild. Er lässt seine Charaktere mit bis zu 2000 mg Ibuprofen pro Tag durch die Handlung eilen, erzählt in Rückblicken von den misslungenen Lebensentwürfen der drei Protagonisten und hält die Spannung bis zum Ende, obwohl die Katastrophe schon auf den ersten Seiten abzulesen ist. „Kings of Nowhere” erinnert an Jack Kerouacs „On the Road“. Der Roman ist lebendig erzählt und atmet viel vom realen Leben. Allerdings kommt er nicht an den Beat-Klassiker heran.

Forrester, T.J.: Kings of Nowhere
Blumenbar-Verlag, 2013
3 Bde., Kurzschrift, BN-Ausleihe 17217

Nachgefragt

Neue Bücher aus dem Herbstsortiment

Auch im zweiten Halbjahr gehen in der DZB wieder viele Bücher in die Produktion. Wir sprachen mit Lektor Karsten Sachse über den Titelplan und über Bücher, die in Brailleschrift und im DAISY-Format erscheinen.

Wie viele Bücher stehen im Titelplan?

Im Titelplan stehen für das zweite Halbjahr 78 Bücher in Brailleschrift und 76 Hörbücher im DAISY-Format. Die DZB kann jährlich etwa 300 Buchtitel in Brailleschrift bzw. als Hörbuch produzieren. Natürlich berücksichtigen wir bei unserer Auswahl auch Leserwünsche. Jeder, der möchte, kann durch Tipps und Vorschläge das Buchangebot mitbestimmen. Zu diesem Zweck gibt es auch ein Eingabeformular auf unserer Website unter www.dzb.de/bibliothek.
Leserwünsche im aktuellen Titelplan sind u. a. das Kochbuch „Ehrlich, herrlich, köstlich“ und der Thriller „Stirb leise, mein Engel“ von Andreas Götz im Braillebuch-Bereich. Zu den DAISY-Büchern, die als Leserwünsche bei uns eingingen, zählen der autobiografische Roman H.G. Adlers „Panorama“, das Jugendbuch „Schwarze Zeit“ von Jana Frey, Rita Süßmuths „Das Gift des Politischen. Gedanken und Erinnerungen“ etc.

T.C. Boyles „Hart auf hart“, „Kindeswohl“ von Ian McEwan, aber auch Sabine Eberts „Blutfrieden“ und Cecilia Aherns “ Der Ghostwriter“ ─ das sind neue Bücher im Bereich Belletristik. Was sind Ihre persönlichen Favoriten im aktuellen Titelplan?

Als Braillebuch empfehle ich „Redenta Tiria“ von Salvatore Niffoi, eine sardische Legende. Hier wird von dem Ort Abacrasta erzählt, in dem niemand alt wird. Von einer geheimnisvollen Stimme gerufen, legen sich die Männer meist den Gürtel um den Hals, die Frauen nehmen den Strick. Bis eines Tages eine barfüßige Frau ins Dorf kommt, Redenta Tiria. Diese Geschichte erzählt ein pensionierter Beamter des Einwohnermeldeamts, der auch die bizarren Biografien seiner Mitmenschen registriert hat. Sie leben in einer Welt des finstersten Aberglaubens und der archaischsten Bräuche, doch ausgestattet mit sämtlichen Utensilien der Neuzeit. Man glaubt an Flüche und an Weissagungen und fährt doch Motorrad oder sucht eine Braut im Internet.

Zu einem meiner Favoriten unter den DAISY-Büchern gehört „Regengötter“ von Altmeister James Lee Burke. In diesem Hardboiled-Krimi mischt ein 70-jähriger Sheriff eine ganze Gangstertruppe auf. Die Geschichte des typischen Antihelden mit Alkoholproblemen und Kriegsvergangenheit erzählt der Autor in rauer und direkter Sprache. Der Thriller ist in der Reihe Heyne-Hardcore erschienen, also nichts für zart besaitete Gemüter.

Und welches Buch empfehlen Sie für weniger hartgesottene, eher zart besaitete Gemüter?

Wer leichter verdauliche Kost mag und Braille lesen kann, dem seien „Komische Geschichten“, herausgegeben von Gudrun Schury, empfohlen, eine bunte Sammlung humorvoller Texte. Tucholsky oder Valentin, Hacke oder Gernhardt, Polt oder Henscheid, Hašek oder Twain ─ es darf gelacht werden.

DAISY-Hörer erwartet eine federleichte Liebesgeschichte mit dem Titel „Paris ist immer eine gute Idee“. Nicolas Barreau erzählt von einem zauberhaften Postkartenladen in Paris und seiner eigenwilligen Besitzerin sowie von einem amerikanischen Literaturprofessor und einem rätselhaften Manuskript.

Was gibt es Neues in der Kriminalliteratur?

Da wäre zum einen der historische Kriminalroman „Die Lebenspflückerin“ Band 1 aus der gleichnamigen Trilogie von Regine Kölpin. Wir gehen zurück ins Jahr 1545 nach Ostfriesland. In Jever wird die Hebamme Hiske Aalken als Hexe angeklagt. Sie muss fliehen und findet im benachbarten Ort eine Bleibe. Doch auch dort ist sie eine Außenseiterin und bald schon wird ihr ein Mord angehängt und sie abermals der Hexerei bezichtigt.
Zum anderen erzählt die schwedische Krimiautorin Liza Marklund in „Jagd“ von den Abgründen des Journalismus. Es geht um die Journalistin Annika Bengtzon vom Stockholmer Abendblatt, die Nachforschungen zum missglückten Anschlag auf den erfolgreichen Geschäftsmann und Politiker Lerberg tätigen soll. Ein durch ihre Zeitung initiierter Steuerskandal beendete vor Jahren dessen Politikerkarriere. Und nun wird auch noch ihr Chef im Netz attackiert. Die Journalistin folgt ihrer ganz eigenen Theorie, entdeckt Ähnlichkeiten mit einem 20 Jahre alten Fall und bringt gegen alle Widerstände Licht in ein Dunkel aus Gier und Verlogenheit.

Soweit meine Empfehlung zu den Braillebüchern. Und nun zu den DAISY-Büchern: Da gibt es wieder einen neuen Krimiband von J. K. Rowling, die unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. In „Der Seidenspinner“ ermittelt der einbeinige und eigenwillige Cormoran Strike. Er hat einen Romanautor zu finden, der spurlos verschwunden ist. Strike vermutet, dass sein Verschwinden etwas mit der Veröffentlichung dessen Buches zu tun hat. Ein Krimi, bei dem der Leser schön miträtseln kann.
Mit zwei Fällen hat es Bennie Griessel, bester Polizist aus Kapstadt, in Deon Meyers fesselndem Krimi „Cobra“ zu tun. In dem einen Fall werden drei Bodyguards getötet und der Mann, den sie beschützen sollen, wird entführt. Im anderen Fall entführt man einen Taschendieb, der Griessel helfen könnte, den ersten Fall zu lösen. Und immer hinterlässt der Täter eine Schlange als Gravur auf den Geschosshülsen. Ein rasant und spannend geschriebener Krimi!

Im Sachbuch erscheinen Bücher verschiedenster Themenbereiche: von der Gottschalk Biografie „Herbstblond“ (Kurzschrift) über „New York. Eine literarische Einladung“ zu „Russland verstehen“ von Gabriele Krone-Schmalz (beides Kurzschrift). Welche Bücher können Sie hier noch empfehlen?

Sehr zu empfehlen ist die kleine Entdeckungsreise durch die deutsche Sprache von Kristin Kopf: »Das kleine Etymologicum«, das sich mit der oft unbekannten Herkunft bekannter Begriffe befasst. Dieses Buch erscheint in Brailleschrift. Im DAISY-Format produzieren wir das bemerkenswerte Buch „Inside IS“ von Jürgen Todenhöfer. Der Journalist führte im Sommer 2014 mehrere Monate lang via Skype Gespräche mit deutschen Islamisten, die sich dem IS-Staat angeschlossen haben. Später fuhr er selbst nach Mossul, ins Zentrum des IS-Staates.

Ich freue mich schon auf das viel gelobte Buch Nino Haratischwillis „Das achte Leben“, das in der DZB als DAISY-Buch produziert wird. Auf welches Buch freuen Sie sich?

Ich freue mich auf den bevorstehenden Abschluss einer ganzen Buchreihe: Mit Ian Flemings »Octopussy« werden wir den 14. Band der originalen James Bond 007-Reihe aus der Feder von Ian Fleming in Braille übertragen. Die Edition aus dem Cross-Cult-Verlag ermöglicht es erstmalig, Titel wie »Goldfinger« oder »Casino Royale« komplett in ungekürzten Übersetzungen und mit den ursprünglichen Kapitelabschnitten und Kapitelüberschriften zu lesen. Dazu muss man wissen, dass alle vorherigen Editionen auf eine bestimmte Seitenzahl "konfektioniert" wurden und der "Political Correctness" unterworfen waren.

Und welche neuen Kinder- und Jugendbücher sind geplant?

Da wäre u. a. „Sommersprossen auf den Knie“ von der norwegischen Autorin Maria Parr, ein Buch für Kinder ab 7 Jahren. Es erzählt von der neunjährigen Tonje vom Glimmerdal, ein lustiges und waghalsiges Mädchen. Als ihr bester Freund und Patenonkel Gunnvald plötzlich ins Krankenhaus muss, erfährt sie, dass Gunnvald eine Tochter hat. Tonje versteht nicht, warum er ihr das nicht erzählt hat und kommt hinter dessen Geheimnis. Ein wunderbares Buch!
Ein besonderer Tipp vielleicht, der unsere Lesekompass-Bücher betrifft: Leipziger Buchmesse und Stiftung Lesen haben den Leipziger Lesekompass gemeinsam ins Leben gerufen, um Bücher und andere Medien zu prämieren, die Lesespaß mit einem lesefördernden Ansatz verbinden. Eine Auswahl der durch eine Jury von Buchhändlern, Lehrern und Schülern prämierten Leseempfehlungen bietet die DZB in Voll- und Kurzschrift an, drei der Titel auch zusätzlich in Großdruck: „Operation 5 minus“ (11 bis 13 Jahre), „Petronella Apfelmus – verhext und festgeklebt“ (ab 6 Jahre) und „Napoleon und T-Kex“ (10 bis 12 Jahre).

Vielen Dank, Herr Sachse!

Kalenderblätter

Interessantes rund um den Reliefwandkalender

Wussten Sie schon, dass …

… der erste Reliefwandkalender im Jahre 1981 in der DZB erschienen ist?
Er war einfarbig und hatte noch kein zusätzliches Textblatt in Brailleschrift und Großdruck. Der Kalender bestand aus zwölf Reliefs mit Tiermotiven, wie beispielsweise Hirsch, Löwe, Elefant und Kamel, und dem Kalendarium in Brailleschrift. Er wurde in der Relieftechnikabteilung des damaligen Rehabilitationszentrums für Blinde in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) von Paul Georgi gefertigt.

… 1985 der erste von der DZB selbst hergestellte Reliefwandkalender mit Blumenmotiven veröffentlicht wurde?
Neu war auch, dass der Kalender im mehrfarbigen Siebdruck hergestellt wurde. Das erläuternde Textblatt zu den einzelnen Motiven wurde erst im Folgejahr hinzugefügt. Dadurch stieg der Informationsgehalt des Kalenders erheblich. Blumen waren übrigens auch im Kalender für das Jahr 2000 das Motiv.

es von 1990 bis 2001 (außer 1991) einen Reliefwandkalender für Kinder gab?
Der erste Kinderkalender hieß „Spatz Edgars lustige Reise“. Er begleitet die Kinder mit witzigen Reimen, kleinen Rätseln und lustigen Reliefs durchs Jahr. Später folgten ein Märchenrätselkalender, ein Kalender zu Tierhelden in Kinderbüchern, Wilhelm Buschs Tierleben, ein Sandmännchen-Kalender etc.

… die DZB 1998 zum ersten Mal an der Internationalen Kalenderschau teilnimmt und für ihren Kinderkalender „Tierhelden in Kinderbüchern“ das Prädikat „Besondere Anerkennung erhält?
Weitere Preise folgen: Die Kalender „Essbare Blüten“ (2007), „Giftige Tiere“ (2009), „Chinesische Tierkreiszeichen“ (2012), „Natur be-greifen“ (2013) wurden mit dem Prädikat „Silber“ ausgezeichnet. Mit Bronze prämierte man die Kalender „Fleischfressende Pflanzen“ (2011) und „Tiere der Heimat“ (2015).

Schützenswerte Zeugnisse vergangener Kulturen im Relief

Sie ist lang und wird ständig erweitert ─ die UNESCO-Welterbeliste. Aktuell (Juli 2015) umfasst sie 1031 Denkmäler in 163 Ländern. Davon sind 802 Kultur- und 197 Naturdenkmäler. Weitere 32 gehören sowohl dem Kultur- als auch dem Naturerbe an. Neben Felsmalereien in Spanien, dem Mont St. Michel in Frankreich und der erst neu in die Liste aufgenommenen Hamburger Speicherstadt, haben es auch skurrile Orte wie die britischen Strafgefangenenlager in Australien und das Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean auf die Liste geschafft.

Zwölf der großartigen Weltkulturerbestätten zeigt der Reliefwandkalender 2016 „Weltkulturerbe“ in eindrucksvollen Bildern und informativen Texten. Zu sehen und tasten sind beispielsweise die Steinzeit-Malereien von Altamira, die verlassene Felsenstadt Petra, die kolossalen Steinstatuen auf der Osterinsel, die Feenkamine in Kappadokien. Es sind Zeugnisse vergangener Kulturen, künstlerische Meisterwerke und Kulturlandschaften, deren Schutz sich die UNESCO aufgrund der Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität der Weltkulturerbestätten verschrieben hat.
Über den Fotomotiven liegende transparente Reliefs geben verschiedenartige Formen und Strukturen wieder. Ein Text in Braille- und Großschrift informiert sowohl Blinde und Sehbehinderte als auch Sehende über Größe und Aussehen der jeweiligen Weltkulturerbestätten.
Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht, dass der Reliefwandkalender 2016 im Kalenderwettbewerb „gregor international calendar award 2016“ in der Kategorie „Städte und Architektur“ mit einer Silbermedaille prämiert wurde. Darüber freuen wir uns natürlich sehr!

Lassen auch Sie sich in den Bann der kulturellen Meisterwerke ziehen!

Zu bestellen ist der Kalender per E-Mail (verkauf@dzb.de) und Telefon (0341 7113119).

Format 26,5 x 33,5 cm, Ringblock mit Aufhängung,
19,90 €, BN-Verkauf 8281

Technik getestet

Webbox2 – ein sprachgeführtes Audiogerät mit vielfältigen Funktionen

Ein Beitrag von Ulrich Jander

Mit der einfach zu bedienenden Webbox2 kann jeder – auch ohne PC-Kenntnisse - direkt aus dem Internet auf Radio- und Fernsehprogramme (Fernsehton), auf ein großes Podcast-Angebot sowie auf Wikipedia zugreifen. Unter dem Punkt Informationen findet man Nachrichten, z. B. viele Beiträge aus Spiegel Online, die Wettervorhersage, den Videotext der ARD mit ausgewählten Beiträgen und die Fernsehprogrammvorschau. Im Punkt Neuigkeiten gibt es aktuelle Hinweise der Firma TFA (Technik für alle) zur Weiterentwicklung der Webbox.
Außerdem ist die Webbox ein Wiedergabegerät für Hörbücher im DAISY-Format und viele andere Text- und Audioinhalte. Wenn im Laufe des Jahres 2016 die Hörbüchereien in Deutschland, so auch die DZB, die DAISY-Hörbücher zusätzlich über das Internet zum Herunterladen bereitstellen werden, dann ist die Webbox für dieses Angebot sehr gut gerüstet. Im Navigationspunkt Hörbücher funktionieren bereits jetzt die Tests sehr zufriedenstellend.

Funktionen und Aufbau

Dank einer integrierten Sprachausgabe „Klaus“ von Acapela beherrscht die Webbox auch die Wiedergabe von Textdateien im Nur-Text-, Word-docx und HTML/XML-Format. Sie besitzt zwar kein CD-Laufwerk, jedoch findet man an der Rückseite mehrere Anschlüsse, wie z. B. für das Netzwerk, zwei USB-Anschlüsse und einen SD-Kartenschlitz. Per USB kann man ein CD-Laufwerk mit der Webbox verbinden und auf diese Weise DAISY-CDs abspielen. Natürlich funktioniert das auch mit Speichermedien, wie z. B. Sticks und SD-Karten. Die Webbox2 ist ein Netzgerät, es ist kein Akku vorhanden. Auf ihrer Oberseite (200 x 220 x 80 mm, 900 g) befinden sich ein großer runder, recht gut klingender Lautsprecher, ein Drehrad, z. B. für die Lautstärke, und fünf Tasten. Links daneben ist eine Funktionsanzeige. Das Gerät spricht jedoch auch alle Funktionen, so dass es zuverlässig bedient werden kann. Auch die dazugehörige Fernbedienung ist übersichtlich aufgebaut und besitzt sehr gut fühlbare Tasten.

Technische Anforderungen und Daten

Um die Webbox2 nutzen zu können, benötigen Sie einen möglichst schnellen Internetanschluss und ein Abonnement der Firma TFA. Die Webbox2 kostet einmalig 599 Euro, das Abonnement monatlich 5,95 Euro. Für die Einstellungen an der Webbox und für den Betrieb brauchen Sie keinen Computer. Es ist aber möglich, z. B. das ganz persönliche Radiosenderangebot auf einer speziellen Internetseite der Webbox zu bearbeiten und zu vervollständigen. Dazu ist der Einsatz eines Computers erforderlich.
Die Webbox unterstützt folgende Audio-Formate: MP3, M4A, WMA, MPEG4 / 2 AAC-LC(+PNS), HE-AAC v2, Ogg-Vorbis, Wave
Bedienungsanleitungen für die Webbox2 finden Sie unter www.technik-fuer-alle.de (Bereich Produktdetails).

Anfragen und Bestellungen richten Sie bitte an:

TFA Technik Für Alle e.K.
Menkestr. 6, 49076 Osnabrück
Telefon: 0541-507979-0
E-Mail: info@technik-fuer-alle.de
Internet: www.technik-fuer-alle.de

Fragebogen

Sechs Fragen – sechs Antworten

Mitarbeiter, Partner, auch Freunde der DZB antworten auf unsere Fragen. Diesmal: Jens Horschig, Leiter des Bereiches Technik

Was ist Ihre Aufgabe in der DZB?

Ich bin verantwortlich für die laufende Wartung, Instandhaltung und Reparatur der Produktionsmaschinen in der DZB. Außerdem bin ich zuständig für die Werterhaltung der Gebäude und Außenanlagen. Es müssen regelmäßig sicherheitsrelevante Kontrollen und Wartungen (z. B. Klimageräte, Heizung, Aufzüge, Brandmeldeanlage, Argon-Löschanlage, Sicherheitsbeleuchtung, Brandschutztüren etc.) sowie Kleinreparaturen aller Art durchgeführt werden.

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

In der DZB wurde kürzlich die Brandmeldeanlage in allen drei Häusern erneuert. Der Großteil der Arbeiten ist bereits abgeschlossen, aber es müssen noch viele Restarbeiten erledigt werden.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

Reisen, Fahrradfahren, Schwimmen.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Eine Hängematte, den Fantasy-Romanzyklus „Das Rad der Zeit“ von Robert Jordan (37 Bände), ein Taschenmesser.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

Fast alle Bücher von Stephen King.

Ihr Lebensmotto?

Jeder Tag, den du erleben darfst, ist ein Geschenk. Pack es aus und hab‘ Freude daran.

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie!

Wir wollen wissen: Wie heißt der Reliefwandkalender 2016?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 5. November 2015 per E-Mail (presse@dzb.de) oder per Post an: DZB, Kennwort Rätsel, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

Das können Sie gewinnen: Wir verlosen einen Reliefwandkalender für 2016.

Mitarbeiter der DZB können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus 2/2015

Die richtige Antwort hieß: 5. September 2015.
Steffi Neumann, Personalbeauftragte, agierte als Glücksfee und zog aus den vielen Einsendungen den glücklichen Gewinner: Bernhard Güntzel aus Zeesen.

Herzlichen Glückwunsch!

Sudawo – Such das Wort

Suchen Sie das Wort, das sich aus allen 9 Buchstaben bilden lässt.
Beispiel: HLNAAMDBE
Lösung: Abendmahl

  1. OGVCSRALH
  2. OEATKLFRF
  3. NEBLELETS

Auflösung siehe unten.
Weitere Rätsel finden Sie in „Sudawo“ (1 Bd., Vollschrift, BN-Verkauf 8154, 1 Bd., Kurzschrift, BN-Verkauf 8155, je 12 Euro).

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Postfach 10 02 45, 04002 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion

Gabi Schulze
Tel.: 0341 7113-148, E-Mail: gabi.schulze@dzb.de
Ronald Krause
Tel.: 0341 7113-239, E-Mail: ronald.krause@dzb.de

Abonnements, Anzeigen

Sylvia Thormann

Tel.: 0341 7113-120, E-Mail: abo@dzb.de

»in puncto DZB« wird vier Mal im Jahr kostenfrei per E-Mail versandt und online unter www.dzb.de veröffentlicht.

Die Zeitschrift erscheint kostenpflichtig wahlweise als CD DAISY sowie in Blindenkurzschrift.

  • Jahresbezugspreis Braille-Ausgabe: 9 Euro
  • Jahresbezugspreis CD DAISY: 9 Euro

Das kostenpflichtige Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.

Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.

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