in puncto DZB - 01 / 2016

01 2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

aller guten Dinge sind drei, die wir Ihnen in dieser Ausgabe empfehlen möchten: Gleich zu Beginn erfahren Sie wie Mendelssohn Bartholdys gesamte Orgelwerke in Braillenoten und Bachs Motteten in Großdrucknoten übertragen werden. Zweitens stellen wir Ihnen zwei Bücher vor, die pünktlich zur Leipziger Buchmesse in der DZB erscheinen. Das eine sensibilisiert für eine große Sache und bietet jede Menge Diskussionsstoff. Das andere ist gespickt mit Kurzgeschichten, in denen witzig philosophiert, ironisch erzählt und geplaudert wird. Beide Bücher haben eines gemeinsam: Sie sind offen und ehrlich. Drittens empfehlen wir Ihnen ein ganz besonderes Interview mit einer Leserin unseres Magazins, die – so viel kann schon mal verraten werden – in Ottawa lebt und arbeitet.
Mit dieser Ausgabe, die noch andere interessante Themen für Sie bereithält, schicken wir Sie nun in den Frühling und wünschen Ihnen eine unterhaltsame Lektüre.

Ihre Redaktion

Im Fokus

Wo Note für Note gehört, Stakkato und Triller angesagt werden

Wenn Felix Mendelssohn Bartholdy wüsste, dass sein gesamtes Orgelwerk auch blinden Musikern in Braillenotenschrift zur Verfügung steht, würde ihn das sicher ehren. Blinde Organisten wiederum ehren den Komponisten, in dem sie seine Werke spielen. Das ist möglich, weil in der DZB Noten produziert werden. Neues über den Notenübertragungsse rvice DaCapo von Gabi Schulze.

Er ist Musikwissenschaftler wie er im Buche steht, ein Experte auf seinem Gebiet, kompetent und akribisch genau. Felix Purtov, seit 13 Jahren in der DZB tätig, arbeitet im Bereich Notenübertragungsservice DaCapo als Gruppenleiter, organisiert und koordiniert Notenaufträge, überträgt und korrigiert Noten in Brailleschrift. Er war von Anfang an mit dabei, als 2003 das Projekt DaCapo startete, aus dem 2009 der gleichnamige Notenübertragungsservice DaCapo hervorging. Die in diesem Projekt entwickelte Software ermöglicht es, Notenwerke anforderungsorientiert und computergestützt zu übertragen.

Im letzten Jahr, so berichtet Felix Purtov stolz, produzierten wir 37 Notentitel, wobei jeder Titel meist mehrere Bände umfasst. Hinzu kommen ca. 220 individuelle Aufträge, die für Privatkunden bearbeitet wurden. So hat DaCapo unter anderem solche bedeutenden Notenwerke, wie die gesamten Orgelwerke Felix Mendelssohn Bartholdys, das Freiburger Chorbuch mit mehr als 130 Werken, das berühmte „Te Deum“ von Antonín Dvořák und Charles Gounods Messe G-Dur op.12, auch "Cäcilienmesse" genannt, in Braillenotenschrift übertragen.

Notenwerke berühmter Komponisten in Auftrag

„Unsere Auftraggeber sind blinde Berufs- und Laienmusiker, Sängerinnen und Sänger, Organisten, Gitarristen, Pianisten, aber auch blinde Musiklehrer an Schulen“, berichtet Felix Purtov. „Ohne Braillenoten könnten blinde Musiker ihren Beruf nicht ausüben. Sie geben meist einen Teil des Notenwerks bei uns in Auftrag, eine Stimmlage oder eine Solopartie, die sie gerade als Sängerin oder Pianist brauchen. Wir entscheiden je nach Bedeutung des Notenwerkes und Bestand unserer Musikbibliothek, ob das gesamte Notenwerk bei uns übertragen werden soll.“ Kommt es zur Produktion des Werkes mit allen Partien bzw. Chorstimmen, wird es gedruckt, in die Musikbibliothek der DZB eingestellt und kann ausgeliehen werden. Musikwissenschaftler Felix Purtov benennt Mendelssohns Orgelwerk als Beispiel und erklärt, dass nur Band 2 und 3 beauftragt wurden. Die DZB hat zusätzlich Band 1 übertragen. Nun steht das gesamte Orgelwerk mit neuen Quellen auch für die Ausleihe bereit. Zurzeit bei DaCapo in Arbeit ist „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams. Der Verein „Leipzig singt“ wird diese Sinfonie 2016 aufführen. Eine blinde Chorsängerin hat deshalb die Noten für die Sopranstimme in Auftrag gegeben. Da das Notenwerk des bekannten englischen Komponisten, der um die Jahrhundertwende gelebt hat und Vokal- und Instrumentalwerke schrieb, noch nicht in Braillenotenschrift übertragen wurde, produziert die DZB das Werk in seiner Gesamtheit (Solopartien und alle Chorstimmen). Felix Purtov zählt noch einige wichtige Notenwerke auf und zeigt die Originalnotenhefte dazu.

Einer, der jede einzelne Note hören kann …

„Bei DaCapo, unserem Notenübertragungsservice, arbeiten zurzeit vier Kollegen“, erzählt der Musikwissenschaftler. „Wir scannen die Noten zunächst ein, bearbeiten sie dann mit dem Notensatzprogramm Capella und übertragen diese mit der bei uns entwickelten Software Hodder in Braillenoten. Danach werden die Aufträge und Bibliotheksproduktionen von einem sehenden und blinden Musikexperten Korrektur gelesen.“ Jeden Monat kommt der blinde Konzertsänger Lothar Littmann aus Oldenburg für eine Woche nach Leipzig. Er hört jede einzelne Note, die Felix Purtov ihm auf dem E-Piano vorspielt und überprüft die Braillenoten auf dem Blatt Papier. Wichtig für ihn ist, dass sein Partner alle musikalischen Zusatzzeichen wie beispielsweise Bindebögen, Dynamik, Artikulation wie Stakkato und Crescendo ansagt. „Alles das, was außer den Noten in einem Werk steht und angibt, wie etwas gespielt werden soll, muss genannt werden. Es gibt klare Regeln, was vor und nach der Note zu stehen hat, z. B. Artikulation vor und Bindebögen nach der Note“, erklärt der Konzertsänger. Kompositionen, die mit wenigen Zusatzzeichen auskommen, sind dementsprechend schneller Korrektur gelesen als Werke mit vielen. „Gestern haben wir Liszts ‚Isoldes Liebestod‘ gelesen, das super kompliziert war. Für acht Seiten brauchten wir drei Stunden. Bei Bachs Doppelkonzert für zwei Cembali überprüften wir in der gleichen Zeit 25 Seiten. Hier gibt es nur einzelne Bögen, wenig Verzierungen und ganz einfache Triller“, erzählt Lothar Littmann, der auch noch als Sänger und Gesangslehrer in seiner Heimatstadt tätig ist. Er schwärmt für den wunderbaren Mittelsatz von Bachs Doppelkonzert und betont, dass eine genaue Korrektur der Noten sehr wichtig ist, denn eine falsche Punktkombination verändert sofort den Ton. Fehler, die die Musikexperten finden, korrigieren sie dann sofort am PC. Bei komplizierten Werken wie Instrumentalmusik, in der es mehrere Varianten der Darstellung gibt, suchen beide nach optimalen Lösungen.

„Jesu meine Freude“ in Großdrucknoten

Seit Ende letzten Jahres überträgt die DZB auf individuellen Wunsch ihrer Auftraggeber Noten für Gesang, Chor und Klavier in Großdruck. Hier werden die gescannten Noten mithilfe der Software, die auch Braillenoten erzeugt, bearbeitet. Dazu gehört die Festlegung eines Layouts, das sich beispielsweise über folgende Kriterien definiert: die Größe der Noten und Zusatzzeichen, Anzahl der Notenzeilen auf einer Seite, der Takte auf einer Zeile, der Chorstimmen bei mehrstimmigen Werken, bis hin zur Auswahl des Papierformats. „Die Großdrucknoten für einen Sänger haben zum Beispiel ein anderes Format als die für einen Klavierspieler“, erklärt Matthias Leopold, Entwickler der Programmsoftware. „Deshalb sind bei jedem Notenauftrag Absprachen mit dem Musiker sehr wichtig. Qualität zu liefern, bedeutet für uns, dass die Noten nicht nur praktikabel, sondern auch ästhetisch anspruchsvoll in Großdrucknoten umgewandelt werden.“ Mit dem Service sollen vor allem Berufs- und Laienmusiker angesprochen werden, die aufgrund ihrer Sehschwäche Noten sehr schlecht lesen können und denen es nicht möglich ist, Vergrößerungsgeräte einzusetzen. So wurden Großdrucknoten für Bachs Motette „Jesu meine Freude“ und Robert Schumanns Klavierstücke aus dem „Album für die Jugend“ in Auftrag gegeben.
Wenn Felix Purtov zur Notennetzwerktagung fährt, wo sich Anfang des Jahres wieder Musikexperten, blinde Musiker und Verlagsvertreter treffen, wird er nicht versäumen, die Teilnehmer über den neuen Großdrucknotenservice der DZB zu informieren. Dann kann er auch von der Fertigstellung Mendelssohns Orgelwerke berichten.

Bücher erleben zur Leipziger Buchmesse

Ein Buch ohne einfache Lösungen, offen und ehrlich

Die Leipziger Buchmesse findet in diesem Jahr vom 17. bis 20. März statt. Die DZB begrüßt alle Besucher am Stand B 303 in Halle 3 und wird das Buch „Unmöglich. Aber machbar.“ von Antje Mönnig vorstellen. Es erscheint in der DZB, befasst sich mit dem aktuellen Schulsystem für sehbehinderte und blinde Schüler und beleuchtet das Thema Inklusion aus verschiedenen Perspektiven. Eine Rezension von Gabi Schulze

Schon der Titel sagt alles! Unmöglich. Aber machbar. Zwei gegensätzliche Aussagen stehen sich gegenüber, wobei letztere optimistisch stimmt: Auch wenn eine Sache unmöglich erscheint, kann sie realisierbar sein. Bei der Sache geht es um Inklusion, um die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe blinder und sehbehinderter Schüler im Schulsystem. Wie lernen blinde und sehbehinderte Kinder? Gemeinsam mit sehenden Kindern? Unter sich in Förderschulen? Welche Bildungsmöglichkeiten eröffnet unser Schulsystem für blinde und sehbehinderte Kinder?
Die Autorin Antje Mönnig richtet sich mit ihrer Thematik vor allem an sehende Menschen, sensibilisiert sie für die Problematik, was es bedeutet, blind oder sehbehindert in Deutschland zur Schule zu gehen und zeigt die verschiedenen Wege der Schulbildung auf. Sie beleuchtet das Thema Inklusion aus sieben unterschiedlichen Perspektiven, aus der der betroffenen Schüler, der Lehrer und Eltern und der Medienhersteller. Auf der Basis von Interviews erzählt sie persönliche Geschichten, die die verschiedenen Sichtweisen ihrer Interviewpartner zum Thema widerspiegeln. Da ist zum Beispiel Henriette, die nur noch 10 Prozent Sehkraft hat und sich im Sportgymnasium „durchbeißt“, weil sie auf keinen Fall in eine Sehbehindertenschule gehen möchte. Oder der selbstbewusste Robert, blind, Abiturient und Computerfreak, der sagt: „Meine Augen sind eigentlich in Ordnung, aber ich seh‘ halt nichts mehr.“
Die Sichtweisen der Lehrer bieten jede Menge Diskussionsstoff und zeigen auf, dass viele Perspektiven zum Thema möglich sind, mit welchen Problemen sowohl Lehrer als auch Medienhersteller im Schulalltag zu kämpfen haben und warum Inklusion so schwer umsetzbar ist.
Antje Mönnigs Buch macht deutlich, dass es für Inklusion keine einfachen Lösungen gibt, dass Inklusion nicht gleich Integration ist, sondern ein Prozess, der von der Gesellschaft grundlegende Veränderungen erfordert, damit alle Menschen sich in dieser barrierefrei bewegen können. Ihre Geschichten erzählen realitätsnah, ehrlich und keinesfalls beschönigend von den Hindernissen, mit denen Schüler, Lehrer, Eltern und Medienhersteller konfrontiert werden.
Sein besonderes Layout lässt das Buch auch zu einem visuellen, haptischen und hörbaren Erlebnis für die Leser werden. Mittels spezieller Typografie, großformatigen Fotografien, unterschiedlichen Papieren, bedruckten Folien und Audiomaterial setzt die Autorin das Thema gestalterisch für sehende, blinde und sehbehinderte Menschen um.

Vita

Antje Mönnig (geb. 1982) studierte Kommunikationsdesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, arbeitet als freischaffende Kommunikationsdesignerin und lebt in Leipzig.

Leipziger Buchmesse: Buchpräsentation und Gespräch mit der Autorin in Halle 2, Forum Kinder-Jugend-Bildung, am 18. März von 16 bis 16.30 Uhr

Ein Fischer, der sich sein Publikum angelt

Er singt im Video-Clip des Fördervereins der DZB eine witzige Lobeshymne auf die Brailleschrift, wirbt für Buchpatenschaften und wird zur diesjährigen Leipziger Buchmesse in der DZB aus seinem Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ vorlesen. Man kann Julius Fischer eine gewisse Affinität zu unserem Haus nicht absprechen. Und das möchte der 31-jährige Wahl-Leipziger sicher auch nicht! Ein Beitrag von Gabi Schulze

Bekannt geworden ist Julius Fischer mit seinen schrägen Texten, die er auf Sachsens Slam-Bühnen vortrug. Im Wettlauf mit der Zeit und anderen Poeten wetteiferte er um die Gunst des Publikums. Als er 2004 seinen ersten Auftritt hatte, ging es ihm vor allem darum, den Poetry-Slam zu gewinnen. Das gelang ihm zweimal: 2011 und 2012 wurde Julius Fischer Deutscher Poetry-Slam-Meister. Heute hat er andere künstlerische Formen gefunden und tritt bei Poetry-Slams eher als Gast auf. Statt auf der Slam-Bühne zu stehen, ist er Mitglied mehrerer Lesebühnen, tourt als Sänger mit seinem Bandpartner Christian Meyer als „The Fuck Hornisschen Orchestra“ durch Deutschland und ist Moderator einer eigenen Comedy-Fernsehshow. Ein Multitalent also, noch dazu eines, das mit Satire und Humor sein Publikum begeistern kann. Am besten aber erzählt Julius Fischer Geschichten als Buchautor und Mitglied verschiedener Lesebühnen. Seine Alltagsbeobachtungen bringt er mithilfe grotesker und satirischer Stilmittel zu Papier und Gehör. Immer wieder zünden seine mit Klamauk und Komik gespickten Kurzgeschichten beim Publikum ohne in flache Comedy abzudriften. So auch sein zweiter Erzählband „Die Wanderwege der Wanderhure“, der 2014 verlegt wurde und um den es wegen eines Rechtsstreits ziemlich viel Wirbel gab. Fischer parodiert im titelgebenden Text am Anfang seines Buches die Bestseller-Vermarktung der Verlage am Beispiel der Buchreihe „Die Wanderhure“. Daraufhin erreichte der Münchner Verlag Droemer Knaur per einstweiliger Verfügung einen Druckstopp. Er sah die Titelrechte des Bestsellers verletzt. Doch nach zwei Prozessen gehen Fischer und sein Verlag Voland & Quist als Gewinner des Rechtestreits hervor, mehr noch: Auch das Buch kennt nun fast jeder. Aber worum geht es in dem Kurzgeschichtenband überhaupt? Der Autor erzählt Anekdoten aus seiner Jugendzeit in Dresden, schildert in kurzen Episoden ironisch Alltagsbeobachtungen, philosophiert witzig über banale Lebenssituationen und plaudert gern mit Enrico, dem „philosophischen Proll“ mit sächsischem Dialekt. Man erfährt, wie peinlich Junggesellenabschiede sein können, was passieren kann, wenn einem beim Kauf eines Flachbildschirms der Hund des Freundes wegstirbt oder wie es ist, wenn jemand immer weiß, woran es einem gerade mangelt und Dinge schenkt, die er gerade doppelt besitzt.

Wir sind gespannt auf Julius Fischer. Vielleicht hat der blonde junge Mann im März zu „Leipzig liest“ eine ganz neue Geschichte parat, die er auf der Lesebühne am 19. März um 16 Uhr in der DZB zum Besten gibt. Auf alle Fälle wird er aus seinem Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ vorlesen. Und da er sein in der DZB in Brailleschrift produziertes Buch selbst nicht lesen kann, hilft ihm Anja Lehmann, die das Buch Korrektur gelesen hat. Sie sind herzlich eingeladen, dem Vorleseduo zu lauschen.

Fünf Fragen an Julius Fischer

Wie sind Sie zum Poetry Slam gekommen. Wollten Sie schon immer auf der Bühne stehen?

Ich wurde von meinem jetzigen Bandkollegen Christian Meyer hingeschleift, habe gewonnen und bin ein paar Jahre dabei geblieben. Auf die Bühne wollte ich schon immer. Meiner Mutter zufolge habe ich schon im Alter von 4 Jahren anstatt zu schlafen irgendwelche Gedichte in der Küche vorgetragen, vornehmlich, wenn Freunde meiner Eltern da waren.

Was machen Sie lieber: auf der Bühne stehen oder Texte schreiben? Und warum?

Beides. Schreiben hilft, um gewisse Fragen los zu werden. Und auf der Bühne kann ich dann überprüfen, ob andere sich diese Fragen auch stellen.

Sie philosophieren gern über den Alltag und das Leben. Über welche Themen machen Sie sich am meisten einen Kopf?

Dummheit. Angst. Die eigenen Makel und die der anderen.

Sind Sie eher ein Optimist oder eher Pessimist?

Das kommt auf die Umstände an. Und die Perspektive. Und den Gegenstand meiner Betrachtung. Bei meinem Gewicht, grundlegend pessimistisch, bei den Sorgen meiner Freunde, optimistisch, in Bezug auf die Welt: gespalten.

Was ist für Sie generell noch wichtiger als Humor?

Ein Eimer voll Schmalz. Und ernst genommen zu werden.

Was machen Sie, wenn Sie Schreibblockaden oder eine kreative Pause haben?

Urlaub.

„Leipzig liest“ mit Julius Fischer am 19. März um 16 Uhr in der DZB

Kurz gemeldet

23. April: Zwei ereignisreiche Erlebnisse an einem Tag

Welttag des Buches – Ich schenk dir eine Geschichte

In all den Jahren, in denen die DZB blinden und auch sehbehinderten Kindern die Teilhabe an der Lese-Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ ermöglichte, bekam sie sehr freundliche Rückmeldungen von Schulen, Klassen, Kindern, Eltern, Lehrern. Und das freut uns! Auch mit der Produktion des diesjährigen Buches in der Braille-, eBraille- und Großdruckausgabe wollen wir Lesefreude verbreiten. Wir senden die bestellten Bücher pünktlich zum Welttag des Buches am 23. April an Blinden- und Sehbehindertenschulen oder ähnliche Institutionen in ganz Deutschland.

Und was für eine Geschichte wird verschenkt? Wieder etwas Spannendes für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren – der Titel verspricht‘s und lautet „Im Bann des Tornados“. Die Autorin Annette Langen hat die Geschichte, die in Oklahoma spielt, exklusiv für die Lese-Aktion geschrieben. Schulen, die das DZB-Angebot für ihre Schüler der 4./5. Klassen noch nicht nutzen, können sich hier melden: presse@dzb.de.
Nähere Infos zum Welttag generell gibt es unter www.welttag-des-buches.de.

Museumsnacht in Leipzig, Halle – und in der DZB

Wir rufen allen potentiellen Besuchern der Museumnacht Halle/Leipzig am 23. April zu: Seid Zauberlehrlinge! In der DZB können sie bei der nächtlichen Großveranstaltung in den zwei Nachbarstädten unter dem Jahresmotto „Zauber“ Besonderes erleben. Wir enthüllen kleinen und großen Besuchern den Zauber der Brailleschrift. In der großen Brailleschreibwerkstatt gilt es dann, mit der geheimnisvollen Schrift zu experimentieren und „kryptische“ Post an Freunde zu versenden. Denn in diesem Jahr ist die DZB das offizielle Museumsnacht-Postamt.
It´s magic? Reliefbilder zum Fühlen, Tastbücher, Drucken ohne Farbe, handwerkliche Buchbinderei – Gäste des Hauses erfahren u. a., wie Bücher für blinde und sehbehinderte Leser hergestellt werden und können den „Zauberlehrling“ druckfrisch mitnehmen. Oder sie schreiben gemeinschaftlich an der Ballade in Braille mit.
Pssst!!! Das Schauspiel Leipzig zeigt auch noch etwas Zauberhaftes in der DZB.

Museumsnacht in der DZB: 23. April von 18 bis 23 Uhr. Alle Museen, alle Infos: www.museumsnacht-halle-leipzig.de.

Sex!

Jennifer Sonntag schreibt von „Liebe mit Laufmaschen“

Sie hat es unlängst wieder getan! Die blinde Autorin, TV-Moderatorin und BFW-Mitarbeiterin Jennifer Sonntag präsentierte ein Buch explizit erotischen Inhalts. Ihr neuestes Buch „Liebe mit Laufmaschen“ ist in der DZB in der Schwarzdruck-Ausgabe mit CD erhältlich und nun auch als Braillebuch. Eine kurze Rezension gibt’s auf www.dzb.de, unter Literaturtipps (Braillebuch).

Jennifer Sonntag „Liebe mit Laufmaschen“
2 Bde., Kurzschrift, 24 Euro, BNV 8896
1 Bd. mit CD Audio, Normalschrift, 13,90 Euro

„Erotikkatalog“

Ob sch(z)ön oder nicht, das liegt wohl auch an der Einstellung des Lesers. Auf jeden Fall hält die DZB jede Menge erotische Literatur zum Ausleihen und Kaufen bereit: Frech, frivol oder sinnlich, sensibel erzählt, auch Klassiker von Henry Miller, E. L. James, Charles Bukowski und Anaïs Nin. Schauen Sie mal in unsere Kataloge: www.dzb.de

Sechs mal Sex – Erotik im Abo

Wiederholt Hörgenuss für Freunde von prickelnden erotischen Geschichten, das bieten sechs Ausgaben der Hörzeitschrift „Sechs mal Sex“ im Jahr. Für jede Ausgabe stellt die DZB aller zwei Monate eine Auswahl an erotischen Geschichten – lustvolle, verführerische, sinnliche – zusammen und produziert diese als DAISY-CD. Der Jahrespreis für dieses besondere Abonnement beträgt gerade einmal 24 Euro. Weitere Informationen zu dieser Zeitschrift und anderen Zeitschriften erhalten Sie auf www.dzb.de unter Verkauf/Abonnement/Zeitschriften.

Bei Anruf: Radio- und Fernsehprogramm

Das freut uns besonders, die Zahl der Abonnenten, die den TelefonserviceRadio/TV“ nutzen, ist in der DZB auf mehr als 300 gestiegen. Denen, die das Angebot noch nicht kennen, empfehlen wir das kostengünstige Jahresabonnement für 48 Euro. Zu diesem Preis erhalten Interessierte tagesaktuelle Programminformationen für ca. 120 Fernsehsender und 60 Radiostationen mit einer Vorschau von zwei Wochen. Wie das technisch funktioniert, erfahren Abonnenten von Ulrich Jander am Telefon unter 03 41 7113-145. Informationen zum Abonnement teilt Ihnen Sylvia Thormann unter 0341 7113-120 mit. Bei ihr können Sie den „heißen Draht zum Programm“ buchen. Über folgende Einwahlnummern kann das Angebot einen Monat lang kostenlos getestet werden: TV-Programminformationen 0341 4999222 und Radio-Programminformationen 0341 4999223.

Übrigens: Der 333. Abonnent gewinnt ein kostenloses Jahresabonnement der „Radio/TV“.

Messehighlight SightCity

Alle Jahre wieder treffen sich zur SightCity – Deutschlands größter Messe für Anbieter von Hilfsmitteln für blinde und sehbehinderte Menschen – viele Besucher in den Räumen und Fluren des Sheraton Hotels am Flughafen Frankfurt am Main. Und fast alle kommen unweigerlich am Stand der DZB (E1) vorbei. Hier können Gäste vom 18. bis 20. Mai Neues über Lese- und Hörangebote unseres Hauses erfahren. Dann wird auch der Reliefwandkalender für das Jahr 2017 zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Dabei dreht sich alles um das Thema Tee. Bis dahin heißt es abwarten – und Tee trinken …

Unterwegs in Finnland

Wie geht das: als blinder Mensch Ski fahren oder mit Schneeschuhen laufen? Welche Reiseerlebnisse werden umso eindrücklicher, je weniger man sie mit den Augen erfassen kann? Was muss bei der Reisevorbereitung beachtet werden? Thomas Kahlisch, Direktor der DZB und blind, erzählt am 23. März, um 14 Uhr im GRASSI Museum zu Leipzig von Reiseabenteuern mit seiner Familie im finnischen Eis und Schnee, vom Skifahren, Schneeschuhlaufen, von Ausflügen mit Schlittenhunden und intensiven Gesprächen mit liebgewordenen Freunden. Interessierte sind herzlich eingeladen, seinen Finnland-Reisebericht zu erleben.

23. März, 14 Uhr im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Johannisplatz 5-11, Eintritt: 4/3 Euro

Menschen

In Ottawa als Mitarbeiterin an der Deutschen Botschaft tätig

Lydia Sasnovskis, 39, blind, ist Bibliotheksnutzerin der DZB und Abonnentin von „in puncto DZB“. Von allen Leserinnen und Lesern des Kundenmagazins wohnt sie ganz sicher am weitesten von Deutschland entfernt, nämlich in Ottawa (Kanada). Warum Sie dort lebt und was Sie mit der DZB verbindet, erfahren Sie im folgenden Interview.

Frau Sasnovskis, Sie sind in Schleswig-Holstein geboren, in Hamburg und Meldorf zur Schule gegangen und lebten eine ganze Zeit in Berlin, später in Kopenhagen, jetzt in Ottawa. Warum diese vielen Ortswechsel? Ziehen Sie gern um?

Nein, Umzüge sind anstrengend und kosten viel, viel Energie. Zu einem Hobby würde ich sie daher nicht wählen! Sie sind aber ein Teil meiner beruflichen Tätigkeit. Ich bin Sachbearbeiterin im gehobenen Dienst des Auswärtigen Amtes und arbeite derzeit an der Deutschen Botschaft in Ottawa in den Abteilungen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Zuvor war ich an der Botschaft in Kopenhagen tätig. Das Personal des Auswärtigen Amtes unterliegt der Rotation. In einem Zeitraum von drei bis vier Jahren werden die Arbeitsplätze zwischen der Zentrale in Berlin und anderen Ländern immer wieder gewechselt, deshalb auch meine häufigen Ortswechsel.

Was gehört alles zu ihrer Tätigkeit als Sachbearbeiterin an der Botschaft in Ottawa?

Zu meinen Aufgaben gehört es, an Berichten über die politische Lage und besondere Ereignisse in Kanada, wie beispielsweise die Parlamentswahlen im vergangenen Oktober, mitzuarbeiten, für Besuche und Treffen Gesprächsunterlagen vorzubereiten, Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsvertreter aus Kanada und Deutschland zusammenzubringen. Beispielsweise waren der deutsche Bundespräsident im September 2014 und die deutsche Bundeskanzlerin im Februar 2015 für einen Kurzbesuch in Kanada – zweifellos seltene und herausragende Ereignisse. Aber auch Parlamentariergruppen und Minister reisen nach Kanada. Ich organisiere Treffen zu den verschiedensten Themen, suche geeignete Gesprächspartner und Referenten aus und stelle Programme zusammen.

Welche schulische und berufliche Ausbildung mussten Sie absolvieren, um diesen Beruf ausüben zu können?

Nachdem ich meine Grundschulzeit auf einer Blindenschule in Hamburg absolviert hatte, konnte ich mein Abitur Dank des hartnäckigen und unermüdlichen Einsatzes meiner Mutter auf einem integrativen Gymnasium in Meldorf, einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein, absolvieren. Danach bewarb ich mich beim Auswärtigen Amt – damals noch in Bonn -, weil ich großes Interesse für Sprachen, fremde Länder und andere Kulturen hatte und die Aussicht, als Nomadin durch die Welt zu ziehen, sehr reizvoll fand.

Ich absolvierte einige Einstellungstests. Grundlagen für den Berufsweg im gehobenen Dienst des Auswärtigen Amtes waren neben dem bestandenen Abitur die Kenntnis von zwei Fremdsprachen, bei mir waren das Englisch und Französisch. Diese und weitere Voraussetzungen erfüllte ich und wurde zu einem dreijährigen Fachhochschulstudium zugelassen, mit dessen Abschluss wir den Titel von Diplom-Verwaltungswirten erwarben. Im Anschluss daran begann ich 1999 meine Tätigkeit beim Auswärtigen Amt in Berlin.

Mit welchen Hilfsmitteln arbeiten Sie und wie werden sie bei der Arbeit unterstützt?

Mein Arbeitgeber, das Auswärtige Amt, hat meinen Arbeitsplatz sehr gut ausgestattet. Berichte, Protokolle und andere Dokumente schreibe ich am Computer mit Braillezeile. Für vier Stunden am Tag wird mir eine Arbeitsplatzassistenz zur Verfügung gestellt. Sie erledigt Arbeiten wie Vorlesen, Kopieren, Einscannen von Texten für mich, begleitet mich jedoch auch zu Terminen aller Art und auf Dienstreisen, was für meine augenblicklichen Aufgaben einen großen Stellenwert hat.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Mir gefällt die Flexibilität meiner Arbeit. Sie ist abwechslungsreich, und man spürt immer wieder den Reiz des Neuen, wenn sich alle vier Jahre der Bereich ändert, für den man verantwortlich ist. War ich in Kopenhagen für die Erteilung von deutschen Pässen und Visa, die Betreuung deutscher Häftlinge oder die rechtliche Beratung deutscher Staatsangehöriger zuständig, bin ich heute in Ottawa in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft tätig. Und so, wie es momentan aussieht, werde ich bis 2018 in Ottawa arbeiten.

So naiv-optimistisch und grenzenlos begeisterungsfähig wie bei meinem Berufseinstieg bin ich allerdings nicht mehr: Der ständige Wechsel der Wohn- und Arbeitssituation, das Einstellen auf eine neue Arbeitsplatzassistenz, der Aufbau eines Netzwerkes an Freunden und Bekannten – all das beansprucht eine Menge Ressourcen und ist nicht zuletzt für Partner und Familie eine stetige, nicht immer leicht zu meisternde Herausforderung.

Erzählen Sie uns bitte etwas über die Stadt Ottawa! Wie barrierefrei ist sie für Blinde und Sehbehinderte?

Ottawa hat, obwohl es die Bundeshauptstadt Kanadas mit über 800.000 Einwohnern ist, eher den Charme einer Kleinstadt und ist im positiven Sinne sehr provinziell. Hier läuft alles sehr entspannt ab. Mit Bussen als öffentlichem Verkehrsmittel kommt man innerhalb der Stadt als blinder Mensch sehr gut von A nach B. Außerhalb der Stadt allerdings endet größtenteils die für Blinde und Sehbehinderte nutzbare Infrastruktur. Das ist schade, denn in ca. 20 Minuten erreicht man den vor der Stadt liegenden, großen Gatineau Park, den ich jedem, der Ottawa besucht, wärmstens empfehlen möchte. Hier kann man im Sommer wandern, Boot fahren und in den Seen schwimmen und im Winter Skilanglaufen, Schnee- und Schlittschuhlaufen und die wunderschöne Natur erleben.

Die Menschen in Ottawa sind aufgeschlossen und Blinden gegenüber sehr hilfsbereit und rücksichtsvoll. Sitzt man in einem Restaurant oder Café, liest der Kellner häufig wie selbstverständlich die Speisekarte vor und die übrigen Gäste warten geduldig.

Ehrenämter nehmen in Kanada einen hohen Stellenwert ein und für viele Menschen ist es selbstverständlich, einen Teil ihrer Freizeit anderen zur Verfügung zu stellen. Ohne dieses herausragende Engagement wären fantastische Programme wie die „Skihawks“, ein Skiabfahrtskurs für Blinde und Sehbehinderte oder „Skiability“, ein Wasserskiprogramm für Seh- und Körperbehinderte nicht denkbar.

Können Sie einige Sehenswürdigkeiten empfehlen?

Die bekannteste Sehenswürdigkeit und sehr interessant ist das Parlament. Ein Stadtbummel rund um den Parliament Hill und in den „Byward Market“ mit Geschäften, Restaurants und Marktständen ist ebenfalls zu empfehlen. Alles ist zu Fuß sehr gut erreichbar. Wer nach Ottawa kommt, sollte auf alle Fälle auch in die Museen der Stadt gehen. Das „Canadian Museum of History“ gibt einen beeindruckenden Einblick in die kanadische Geschichte und das Leben der indigenen Bevölkerung. Viele Museen sind mit Audioguides ausgestattet. Die National Art Galery bietet auch spezielle Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen an. Im Winter hat Ottawa übrigens seinen ganz besonderen Reiz: Trotz Temperaturen von häufig unter -15 Grad ist es meist sehr sonnig. Während des zweiwöchigen Winterfestes „Winterlude“ von Ende Januar bis Mitte Februar verwandelt sich die Stadt in ein Wintermärchen und bietet Eisskulpturen, Budenzauber und vieles mehr. Wenn es das Wetter zulässt, verwandelt sich der Rideau Canal, der sich mitten durch die Stadt zieht, nicht nur in die „längste Schlittschuhbahn der Welt“, sondern ist auch ganz selbstverständlicher Verkehrsweg „beschlittschuhter“ Studenten, Schüler und arbeitender Menschen. An den Buden gibt es „Beavertails“, fettgebackene „Biberschwänze“ in süßen und salzigen Varianten.

Wann haben Sie Ihre ersten Bücher aus der DZB bekommen?

Dazu muss ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen: Ich war in Schleswig-Holstein in der damaligen BRD Schülerin eines integrativen Gymnasiums und meine Klassenlehrerin hatte die damals sogenannten Ostkontakte. Sie beschaffte mir aus der DZB Bücher in Brailleschrift. Das muss etwa 1987/88 gewesen sein. In den 90er Jahren wurde ich dann selbst begeisterte Nutzerin der DZB und abonnierte auch viele Zeitschriften, wie beispielsweise den „Literaturtreff“, „Deutschlandrevue“, „DZB-Nachrichten“, „Kultur und Freizeit“ und das Jugendmagazin „Ketchup“.

Haben Sie Lieblingsbücher?

Ich lese gern Belletristik, zum Beispiel historische und Familienromane, gelegentlich Krimis, z.B. die Skandinavier wie Stig Larsson, aber auch deutsche Krimiautoren mit regionalen Plots faszinieren mich. Charlotte Link schreibt fesselnd, es darf aber auch gern mal etwas fürs Herz sein, das am besten in exotischen Welten spielt. Der „Literaturtreff“ hat diesbezüglich immer wieder tolle Entdeckungen zu bieten. Früher las ich außerdem gern Pearl S. Buck. Die Bücher von Judith Kuckart lese ich wegen ihrer sprachlichen Finesse besonders gern. Das Buch „Wünsche“ und den Erzählband „Die Autorenwitwe“ kann ich unbedingt empfehlen.

Was wünschen Sie sich von der DZB?

Ich bin sehr zufrieden mit dem Service der DZB und finde es auch gut, dass es bald Hörbücher zum Download und E-Books geben wird. Die Innovationskraft, die von der DZB ausgeht, ist bemerkenswert. Mein Wunsch wäre es vielleicht, dass trotz digitaler Technik nicht vergessen wird, dass die Brailleschrift weiterhin eine wichtige Rolle spielt und es auch in Zukunft in der DZB eine Vielzahl an Büchern in Brailleschrift, Reliefs und andere innovative Produkte geben wird.

Vielen Dank Frau Sasnovskis!

Gelesen und empfohlen

Humor zum Vergessen

Empfohlen von Ludwig Henne (Förderverein)

Wer behauptet, dass Bücherschenken kreativlos sei, dem sei folgende Geschichte erzählt: Vor zwei Jahren bekam ich Arno Geigers Roman „Der alte König in seinem Exil“ geschenkt. Ich kannte das Buch nicht, fand das Thema Alzheimer im Alter für mich Mittdreißiger langweilig und wenig wichtig. Auch vom Autor hatte ich bis dahin nichts gehört. Also verschwand das Buch flugs in der hinteren Ecke meines Bücherregals bei den anderen Büchern, die sich wunderbar zum Weiterverschenken eignen.

Die weihnachtliche Langeweile trug es mir dann doch wieder in die Hände. Und es war für mich eine kleine Offenbarung. Geiger erzählt mit viel Humor, Respekt und Einfühlungsvermögen von der Alzheimererkrankung seines Vaters. Er beschreibt den langsamen Prozess des Vergessens, die Veränderungen, die der Betroffene und seine Familie durchmachen. Dazwischen hat Geiger immer wieder poetisch-wirre Dialoge mit seinem Vater notiert, die ganz und gar nicht wirr sind, wenn man die „Brücke“ in die Welt des Vaters zu überqueren vermag. „Der alte König in seinem Exil“ ist ein kleines leises Buch, das ich unbedingt empfehlen möchte.

Geiger, Arno: Der alte König in seinem Exil
München : Hanser, 2011
1 CD DAISY (4:16 h, Sprecher: Carsten Bender (Münster)
BN-Ausleihe: H019838

Mit Zahnweh durch die Wüste des osmanischen Reiches

Empfohlen von Gabi Schulze (Öffentlichkeitsarbeit)

In diesem historischen Abenteuerroman geht es einmal quer über das Mittelmeer, von Konstantinopel weiter durch die Wüsten und Gebirge Persiens bis nach Kabul in Afghanistan. Wir schreiben das Jahr 1915. Eine von Freiherr Max von Oppenheim gegründete deutsche Afghanistan-Expedition soll die Völker am Hindukusch im Heiligen Krieg gegen das Britische Empire vereinen und damit den deutschen Kriegsgegner in die Knie zwingen. Mittendrin in den Wirren der Geschichte und der Expedition ist der Marinefunker Sebastian Stichnote, ein hochbegabter Techniker, der über einen Funktelegrafen mit der Außenwelt Kontakt hält. Der Leser weiß, dass es eine solche Expedition im Ersten Weltkrieg wirklich gab und dass sie scheiterte, nun ist er auf das Ende dieser fiktiven Geschichte gespannt und fiebert mit, ob der smarte junge Mann die Expedition überlebt und wieder in den Armen seiner albanischen Geliebten liegen wird. Er ist dabei, wenn sich ein indischer Spion im Dienst der Briten in die Truppe schmuggelt und die Pläne der Deutschen zu durchkreuzen sucht, wenn Stichnote wegen seines Zahnschmerzes heroin- und opiumsüchtig wird, wenn er in den Gassen persischer Städte Agenten verfolgt, wenn immer mehr Männer den Strapazen der Expedition erliegen. Kopetzky lässt seinen Helden harte Prüfungen bestehen, am Ende muss dieser sogar über den Erfolg der Expedition entscheiden.

Der Roman beeindruckt durch seine brillante Komposition, spannende Inszenierung, wunderbaren Bilder und die vielen akribisch recherchierten Fakten. Unbedingt hören!

Kopetzky, Steffen: Risiko
Stuttgart : Klett-Cotta, 2015
1 CD DAISY (25:44 h, Sprecher: Günter Schoßböck (Leipzig)
BN-Ausleihe: H033092

Volle Punktzahl oder Lesen muss Spaß machen

Seit diesem Jahr übernimmt die DZB die Herausgabe der Zeitschrift „Vollzeichen“, die in Voll- und Kurzschrift erscheint. Sabine Lohner, selbst blind, stellt die Texte für „Vollzeichen“ zusammen. Im Folgenden erfahren Sie, warum es die Zeitschrift gibt und welche Themen sie beinhaltet.

Sabine Lohner ist eine überzeugte Brailleleserin und nebenberuflich auch Brailleschrift-Lehrerin. Deshalb entschied sie sich, 2009 in der Redaktion der „Vollzeichen“ mitzuarbeiten und diese 2011 allein weiterzuführen. Bis heute ist Sabine Lohner die Zeitschrift sehr ans Herz gewachsen. Sie möchte mit interessanten Texten die Freude am Lesen von Brailleschrift fördern. Genau das war auch das Anliegen der Zeitschrift, als diese 2004 ins Leben gerufen wurde. Erwachsene Leseanfänger sollten mehr Lesestoff bekommen und mit kurzen unterhaltsamen und einfachen Texten motiviert werden, die Brailleschrift zu erlernen. Das Lesen muss Spaß machen, dann wagen sich Leseanfänger auch an größere Texte und später vielleicht auch einmal an ein Buch, meint Sabine Lohner. „Vollzeichen“ beinhaltet Kurzgeschichten, Gedichte und Erlebnisberichte, die durch Rätsel, Rezepte und witzige Alltagtipps ergänzt werden. In der aktuellen Februar-Ausgabe beispielsweise findet der Leser neben Rosenkohl-Rezepten Gedichte von Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz. „Die Auswahl der Texte geschieht oft aus dem Bauch heraus“, erzählt Sabine Lohner. „ Ich sammle Gedichte und Texte, die für die ‚Vollzeichen‘ geeignet sind, und denke mir Rätsel aus. Über verschiedene Internetseiten suche ich mir einen Artikel pro Ausgabe heraus. Ansonsten schreibe ich aber auch selbst kleine Beiträge.“ Immer wieder freut sie sich über Texte und Gedichte blinder und sehbehinderter Autoren von www.blautor.de, die sie in “Vollzeichen“ veröffentlicht. Sabine Lohner wünschte sich manchmal mehr Rückmeldungen von Abonnenten, aber im Großen und Ganzen ist sie zufrieden. Sie weiß, dass ihre Leserinnen und Leser die Zeitschrift sehr schätzen. „Manchmal denke ich, ich habe gar keine guten Ideen für ein Heft, aber am Ende bin ich meist doch recht zufrieden mit dem Ergebnis. Solange das noch so ist, mache ich auch weiter“, sagt Sabine Lohner.

Die Zeitschrift erscheint aller zwei Monate. Die sechs Hefte kosten im Jahr 24 Euro.
Wenn Ihr Interesse geweckt ist, können Sie das unterhaltsame Journal in der DZB per E-Mail (sylvia.thormann@dzb.de) oder telefonisch (0341-7113-120) bestellen.

Technik getestet

DAISY-Hörbücher der DZB herunterladen und direkt anhören

Ein Beitrag von Ulrich Jander (Stand: 15. Februar 2016)

DAISY-Hörbücher werden seit über 10 Jahren von uns auf CDs ausgeliehen. Das wird auch zukünftig so bleiben. Hinzu kommt: Ab März 2016 können DAISY-Hörbücher auch über das Internet heruntergeladen und direkt angehört werden. Die Details dazu möchte ich hier erklären:

Voraussetzung dafür ist, dass der Internetnutzer Hörer der Bibliothek der DZB Leipzig ist. Der Nutzer erhält für diese neue DAISY-Online-Ausleihe einen Benutzernamen und ein Passwort. Beide müssen bei der Anmeldung mit dem jeweiligen technischen Gerät einmalig oder bei jeder Sitzung wiederkehrend eingegeben werden. Diese Angaben fordern Sie mit Hinweis auf Ihre verwendete Technik von uns an. Es gibt drei wählbare Varianten, die den Zugang zum Download ermöglichen:

  1. Computer,
  2. internetfähige DAISY-Abspielgeräte und
  3. Smartphones sowie Tablets

Download über den Computer

Hier bieten wir zwei verschiedene Varianten an: Zum einen können Sie Hörbücher über den Online-Hörbuch-Katalog „Comfort“ auf unserer Internetseite www.dzb.de/daisykatalog

herunterladen. Das geht ohne Installation und funktioniert betriebssystemunabhängig, ganz gleich, ob z. B. unter Windows oder IOS von Apple gearbeitet wird. Es kommt auf den verwendeten Browser und Screenreader an und damit auf die Bedienmöglichkeiten, die diese bieten.

Zum anderen können Sie das Hörbuchkatalogprogramm Blibu Leipzig von unserer Internetseite www.dzb.de/daisykatalog herunterladen und auf Ihrem Rechner installieren. Das Blibu-Programm wird vom Windows-Betriebssystem unterstützt und arbeitet ab Windows 7, einschließlich Windows 10. Hat der Nutzer die Laufzeitumgebung Java noch nicht auf seinem Rechner installiert, so wird dieses Programm im Hintergrund aus dem Paket mitinstalliert. Der DAISY-Player AMIS befindet sich ebenfalls in dem Paket und kann vom Nutzer auch auf die Festplatte installiert werden. Bedienungsanleitungen und Funktionsmenüs stehen für den Nutzer in den Programmen zur Verfügung.
Beide Download-Varianten ermöglichen Ihnen eine einfache und erweiterte, sehr detaillierte Recherche im Katalog, die Bestellung und Ausleihe von Hörbüchern, das Herunterladen und Speichern auf die Festplatte oder auf ein anderes Speichermedium und die Rückgabe der Bücher.

Wer den Komfort des Herunterladens nicht nutzen, sondern einfach nur in unserem Hörbuch-Katalog „Classic“ recherchieren und per E-Mail bestellen möchte, der kann das auch zukünftig, ohne Online-Anmeldung, tun.

Download über internetfähige DAISY-Abspielgeräte

Gegenwärtig zählen dazu vier Geräte: Die Webbox2, das CD-Gerät Plextalk Linio, auch PTX1Pro genannt, die Speicherkartengeräte Plextalk Linio Pocket und Victor Reader Stream new Generation. Letzterer kann zwar DAISY-Bücher herunterladen, auf seine Speicherkarte legen und abspielen, jedoch ist zurzeit die Buchauswahl im Katalog nur über den Computer möglich. Der Hersteller Humanware arbeitet an einer neuen Betriebsversion, die dann das vom Computer völlig unabhängige Bedienen erlaubt. Das beherrschen die drei anderen Geräte bereits jetzt. Ein Computer ist nicht erforderlich, jedoch muss eine Internetverbindung per LAN-Kabel oder WLAN zum Internetrouter bestehen. Die drei genannten Geräte können dann in den Neuerscheinungen oder im gesamten Katalog stöbern. Man kann Hörbücher bestellen, ausleihen, direkt als Stream, wie ein Internetradio, nutzen, und so das Buch hören, auf SD-Speicherkarte oder USB-Medium kopieren oder das Hörbuch über das Internet zurückgeben, um neue Hörbücher zu bekommen. Es sind mehrere Bedienschritte erforderlich, man sollte sein Gerät und dessen Bedienmöglichkeiten gut kennen. Natürlich wird alles angesagt; die Bedienungsanleitung zu den Geräten enthält auch dazu Informationen.

Download über Smartphones und Tablets

Auch hier wird es Komplettlösungen, wie zuvor bereits beschrieben, geben. Es wird sowohl für IOS von Apple als auch für Android-Systeme eine DZB-App entwickelt, die die komplette Recherche im Katalog, das Herunterladen und auch das Abspielen ermöglicht. Allerdings wird dies voraussichtlich erst im Mai 2016 zur Verfügung stehen. Bezüglich des Funktionsumfangs wird die DZB-App mit den Computerlösungen vergleichbar sein und computerunabhängig arbeiten.

Ein kleiner Hinweis am Ende meiner Ausführungen: Für das Downloadangebot entrichtet die DZB Gebühren an die Verwertungsgesellschaft VG Wort. Dem Nutzer steht der Download der Bücher aber kostenfrei zur Verfügung.

Technische Fragen richten Sie bitte an Erol Sakinc und Ulrich Jander:
Tel.: (0341) 7113-179
E-Mail: Erol.Sakinc@dzb.de

Tel.: (0341) 7113-145
E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de

Viel Erfolg und Freude mit unserem neuen Online-Angebot.

Fragebogen

Sechs Fragen – sechs Antworten

Mitarbeiter, Partner, auch Freunde der DZB antworten auf unsere Fragen. Diesmal: Jana Waldt (Hörbücherei)

Was ist Ihre Aufgabe in der DZB?

Alles, was im weitesten Sinne mit der Ausleihe von Hörbüchern zu tun hat - Beratung, Entgegennahme von Bestellungen, Erarbeitung von Titellisten und und und ...

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

Aktuell arbeite ich neben meinen üblichen Aufgaben in der Hörbuchausleihe an der Einführung unseres Download-Hörbuch-Angebotes mit.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

... allem, bei dem ich abschalten kann.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Meinen Mann, ein Buch, was ich schon immer mal lesen wollte, und genügend Proviant.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

"Die Insel der letzten Wahrheit" von Flavia Company - übrigens in der Hörbücherei unter der Bestellnummer H028303 ausleihbar.

Ihr Lebensmotto?

Verlass dich nie auf andere …

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie!

Wir wollen wissen: Wie heißt der Notenübertragungsservice der DZB?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 6. Mai 2016 per E-Mail (presse@dzb.de) oder per Post an: DZB, Kennwort Rätsel, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

Das können Sie gewinnen: Wir verlosen „Labyrinthe und Irrgänge“, Rätsel für Finger-Pfadfinder.

Mitarbeiter der DZB können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus 4/2015

Die richtige Antwort hieß: Harriet Beecher Stowes
Der glückliche Gewinner heißt: Heinz Bräsecke. Herzlichen Glückwunsch!

Sudawo – Such das Wort

Suchen Sie das Wort, das sich aus allen 9 Buchstaben bilden lässt.
Beispiel: HLNAAMDBE
Lösung: Abendmahl

  1. DEPSÄITRN
  2. ÜEFRTENHN
  3. OEZDLULHN

Auflösung siehe unten.
Weitere Rätsel finden Sie in „Sudawo“ (1 Bd., Vollschrift, BN-Verkauf 8154, 1 Bd., Kurzschrift, BN-Verkauf 8155, je 12 Euro).

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion

Gabi Schulze
Tel.: 0341 7113-148, E-Mail: gabi.schulze@dzb.de
Ronald Krause
Tel.: 0341 7113-239, E-Mail: ronald.krause@dzb.de

Abonnements, Anzeigen

Sylvia Thormann

Tel.: 0341 7113-120, E-Mail: abo@dzb.de

»in puncto DZB« wird vier Mal im Jahr kostenfrei per E-Mail versandt und online unter www.dzb.de veröffentlicht.

Die Zeitschrift erscheint kostenpflichtig wahlweise als CD DAISY sowie in Blindenkurzschrift.

  • Jahresbezugspreis Braille-Ausgabe: 9 Euro
  • Jahresbezugspreis CD DAISY: 9 Euro

Das kostenpflichtige Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.

Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.

DZB 2015

Spenden

Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto 1 100 830 010
IBAN DE44 8605 5592 1100 8300 10
BIC WELADE8LXXX

Auflösung Sudawo

  1. Präsident
  2. entführen
  3. Nudelholz