in puncto DZB - 02 / 2016

02 2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich vor, Sie wären Fan des mittelalterlichen Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“, der Vorlage zur Fernsehserie "Game of Thrones". Genau dieses Epos erschiene in Brailleschrift und sie könnten es Woche für Woche in Fortsetzungen lesen! Ab September ist das tatsächlich möglich. Wieso? Das verraten wir Ihnen in dieser Ausgabe und Sie erfahren, warum die Saga alle in ihren Bann zieht. „Das Lied von Eis und Feuer“ können Sie jetzt übrigens auch mit unserer neuen App als Hörbuch herunterladen. Wir erzählen Ihnen, wie das geht und lassen eine Sprecherin zu Wort kommen, die seit fast 20 Jahren im Studio der DZB Hörbücher liest. Passend zur Jahreszeit stellen wir Ihnen einen leidenschaftlichen Musiker vor, der durch Parks und Gärten führt und „klingende Kulturgeschichte“ vermittelt. Mit dieser bunten Mischung, die natürlich auch wieder interessante Buchtipps enthält, wünschen wir Ihnen viel Vergnügen. Kommen Sie gut in den Sommer!

Ihre Redaktion

Im Fokus

Ein dicker Kuchen für das Studio

Nino Haratischwilis Buch „Das achte Leben“ war eines der herausragenden Bücher, die 2014 erschienen. Es gehört auch zu den über 200 Hörbuchtiteln, die die DZB 2015 produzierte. Die Schauspielerin und Publizistin Steffi Böttger las das Buch und war begeistert. Gabi Schulze traf sie während der Hörbuchaufnahmen.

Es ist ein Tag wie jeder andere im Studio der DZB. Aufnahmeleiterin Anke Saurin bereitet sich auf ihre Lesung mit der Sprecherin Steffi Böttger vor und hat ihr schon einmal eine Tasse heißen Tee gekocht. Und dass nicht nur, weil’s draußen kalt ist. Sie kennt Steffi Böttger schon lange und weiß, dass sie vor den Aufnahmen gern Tee trinkt. Vor 20 Jahren hat Steffi Böttger als Sprecherin in der DZB angefangen. Sie ist eine von zurzeit 34 Sprecherinnen und Sprechern, die im Studio in der achten Etage Hörbücher aufnehmen.

Nach den beiden autobiografischen Bänden „Die Eisheiligen“ und „Im Schwanenhals“ von Helga M. Novak liest Steffi Böttger zurzeit den historischen Roman „Das Lied der Königin“ von Elisabeth Chadwick ─ ein Buch über die Königin von Aquitanien. Mit ihrer hellen und warmen Stimme erweckt sie die Figuren zum Leben und entführt die Hörer ins tiefe Mittelalter. Das hört sich scheinbar leicht an, ist aber eine Menge Arbeit, die mit der Vorbereitung des Buches beginnt und erst mit der letzten Lesung endet. Ab und zu, wenn sie sich versprochen hat, wird ihr Redefluss kurz unterbrochen. Die Aufnahmeleiterin kehrt im Computerprogramm an die Stelle zurück, wo der Versprecher geschah. Ein kurzes Kopfnicken ihrerseits genügt und die Aufnahme wird fortgesetzt. Die Sprecherin liest den Satz noch einmal korrigiert.

In den kurzen Pausen erzählt Steffi Böttger von Nino Haratischwilis „Das achte Leben“, einer der letzten Produktionen, die sie sehr berührt hat. „Wenn man das Buch in die Hand nimmt, denkt man sich natürlich erst: Georgien, was geht mich Georgien an? Dann aber gelingt es der Autorin, anhand einer Familiengeschichte nicht nur die georgische, russische und europäische, sondern Weltgeschichte zu erzählen“, schwärmt die Sprecherin. „Das ist so süffig geschrieben, so spannend, dass man dankbar ist, dass die Autorin den Mut hatte, knapp 1300 Seiten zu füllen.“
Die DZB wiederum hatte den Mut, dieses Mammutwerk als ungekürztes Hörbuch im DAISY-Format zu produzieren. Es erzählt die hundertjährige Geschichte einer Familie vor dem historischen Hintergrund Georgiens und der damaligen Sowjetunion. Die Autorin beleuchtet das Leben von sechs Generationen vom 20. Jahrhundert an bis in unsere Zeit hinein so plastisch und lebendig, dass der Leser nur eines kann: gebannt jeder einzelnen Lebensgeschichte folgen.
„Haratischwili kommt vom Theater, ist bekannt für viele Stücke, die regelmäßig auf den Bühnen des Landes aufgeführt werden“, erklärt Steffi Böttger. „Das ist einerseits schön für mich als Sprecherin, weil sie Dialoge sprech- und nachvollziehbar schreibt. Andererseits sind die einzelnen acht Bücher ja einer jeweils anderen Person zugeordnet. Das erfordert eine Variierung im Sprechgestus, in der Stimme. Das ist nicht einfach. Ich hoffe, es ist mir gelungen.“ Knapp ein Vierteljahr hat die Aufnahme des Hörbuches gedauert. Da kann einem so manche Figur ans Herz wachsen. Für die Sprecherin Steffi Böttger ist es keine der acht Frauen, sondern Kostja, der Sohn Stasias, weil er eine wirklich tragische Figur ist. Er macht in der damaligen Sowjetunion Karriere und geht später mit dem System unter.

Steffi Böttgers markante Stimme ist in vielen Hörbuchproduktionen der DZB zu hören. Nicht ohne Stolz erzählt sie: „Ab und an treffe ich Menschen (selbst in der fernen Schweiz), die meinen, sie würden meine Stimme kennen. Meist stellt sich dann heraus, dass sie Hörbücher der DZB kennen, weil ein Familienmitglied Hörer ist.“ Im letzten Jahr las die Sprecherin unter anderem die Lady-Alexia-Romane von Gail Carriger, historische Romane von Susan Hastings und Sabine Weigand, Ian McEwans „Honig“, ein Kinderbuch von Iva Procházková, und Unterhaltsames von Andrea Sawatzki.

Ein breites Spektrum also und eine Menge an Hörbüchern. Und trotzdem, zwei Bücher wünscht sie sich, sollten in der DZB unbedingt gelesen werden: der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig und die Tagebücher von Walter Kempowski. „Das liegt wohl auch daran, dass ich zurzeit in meiner Freizeit besonders gern Briefe, Biografien, Tagebücher und wissenschaftliche Texte lese, weniger zeitgenössische belletristische Literatur.“ Ein Grund dafür war sicher die Beschäftigung mit Hans Natonek, über den sie die Biografie "Für immer fremd. Das Leben des jüdischen Schriftstellers Hans Natonek“ schrieb.

Auf die Frage, woran sie sich nach 20 Jahren Arbeit in der DZB besonders gern erinnert, denkt sie natürlich sofort an ihre Euphorie, als sie vom damaligen Studioleiter Hans Lanzke erfuhr, dass er es mit ihr als Sprecherin probieren wolle. „Wirklich glücklich war ich auch, als ich gelernt hatte, in einem der Studios ohne Aufnahmeleiter zu arbeiten“, ergänzt sie noch nachträglich. Ihr Jubiläum in der DZB, so viel weiß Steffi Böttger schon, wird sie eher im Stillen begehen. Doch allen Mitarbeitern des Studios bringt sie einen dicken Kuchen mit.

Steffi Böttgers Top 3

Hitliste, der von Steffi Böttger am liebsten gelesenen Hörbücher, auch als Empfehlung:

  1. Helga M. Novak „Die Eisheiligen“
    autobiografischer Roman
    H030774, 1 CD DAISY (10:51 h)
  2. Alissa Walser „Am Anfang war die Nacht Musik“
    Zeitlose Geschichte vom Gesund- und Kranksein und von der Macht der Musik
    H016814, 1 CD DAISY (9:18 h)
  3. Mark Lehmstedt „Art Tatum“
    Biografie eines der bedeutendsten Pianisten der gesamten Jazz-Geschichte
    H010731, 1 CD DAISY (17:53 h)

Ein Fantasy-Epos im Abonnement

Ein Kontinent, der an das mittelalterliche Europa erinnert, Adelshäuser, die um den eisernen Thron kämpfen, abendländische Mythen verwoben mit einem Fantasy-Stoff, in dem Drachen und fantastische Kreaturen agieren ─ das alles finden wir in George R.R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ (Vorlage zur Fernsehserie "Game of Thrones").

Die DZB wird die gesamten sieben Bände der Fantasy-Saga in Brailleschrift produzieren. Alle Fans von Westeros können die Saga auch im Abonnement lesen. Anfang September starten wir mit dem ersten Band. Jede Woche neu erscheint dann ein Heft, in dem die Geschichte fortgesetzt wird. Wer noch nichts von Martins Epos gehört hat ─ was eigentlich so gut wie unmöglich ist ─ bekommt im Folgenden einen kurzen Überblick.

Was Sie über „Das Lied von Eis und Feuer“ wissen müssen

Die Ausgaben

George R.R. Martin veröffentlichte „Das Lied von Eis und Feuer“ 1996. Seitdem sind von den geplanten sieben Bänden fünf erschienen. Die deutschen Ausgaben umfassen bis jetzt zehn Bände, pro Ausgabe zwei.

Die Geschichte

Sie besteht aus drei verschiedenen Handlungssträngen. Es geht um die Vorherrschaft der verschiedenen Adelshäuser auf dem Kontinent Westeros, die wachsende Bedrohung durch übernatürliche Wesen aus dem hohen Norden und den Plan einer im Exil lebenden Prinzessin, die sich ihre rechtmäßigen Ansprüche als Herrscherin in Westeros zurückerobern möchte.

Die Handlung

Der Schwerpunkt der Handlung liegt in den über Jahrtausende währenden Machtkämpfen der regierenden Adelshäuser und im Kampf um den eisernen Thron. Machtgier, politische Intrigen, Hass, Rache und Liebe treiben die Handlung voran. In den sieben Königreichen von Westeros erlebt der Leser eine Vielzahl an Personen, deren komplexe Charaktere ungeheuer lebendig und plastisch sind.

Die Handlungsorte

Die beiden Kontinente Westeros und Essos sind Hauptschauplatz der Episoden. Im Norden grenzt Westeros an ein Gebiet ewigen Eises. Ein Eiswall, der vor mehreren tausend Jahren errichtet wurde, schützt die Bewohner von Westeros vor den übernatürlichen Kreaturen. Westeros und Essos werden vom Meer getrennt.

Das Mittelalter

Historische Ereignisse aus dem Mittelalter spielen in Martins Geschichte eine große Rolle. Westeros erinnert an das mittelalterliche Europa, an dessen Rosenkriege, die Kreuzzüge, Wilhelm den Eroberer und den Hundertjährigen Krieg. Martin erzählt über Ritter mit Schwertern, Könige, die in Kettenhemden in den Kampf ziehen, mächtige Burgen, hinter deren Mauern geliebt und gehasst wird.

Fantasy

Im Gegensatz zu Tolkiens „Herr der Ringe“ spielt Martins „Ein Lied von Eis und Feuer“ nicht in einer utopischen Fantasywelt. Magie, Drachen und fantastische Geisterwesen treten eher sporadisch auf, werden aber imposant in Szene gesetzt.

Die Helden

Genretypische Helden oder Bösewichte sucht man bei Martin vergebens, deshalb kommt es auch vor, dass lieb gewonnene Helden unerwartet sterben müssen. Seine Helden werden nicht schwarzweiß gemalt, sondern detailliert charakterisiert.

Der Eiserne Thron

Zwei Monate dauerte der Bau des Eisernen Throns, der fast zweieinhalb Meter hoch ist und aus den Schwertern der besiegten Feinde von Aegon Targaryen geschmiedet wurde. Er steht im Mittelpunkt des blutigen Streits der Adelsfamilien.

Der TV-Film

2007 hat der amerikanische Pay-TV-Sender HBO die Fernseh- und Filmrechte erworben und das Werk in „Game of Thrones“ gigantisch umgesetzt. Die Serie geht aktuell in die sechste Staffel.

Stimmen zur Romanserie

Günter Schoßböck (Sprecher in der DZB, las das Hörbuch)

„George R.R. Martin erschafft eine komplette Welt, mit Kontinenten und Meeren bevölkert von einer Menschheit, die in einer Art absolutistischem Mittelalter lebt … Ein Kosmos voller Magie, Intrigen, Kriege und Grausamkeit, aber auch Liebe.“

Jana Waldt (Hörbücherei)

„Mich fasziniert die Mischung der Handlung aus Fantasy und Mittelalter. Es gibt sehr starke und eher schwache Charaktere, die sich entwickeln … Die Handlung ist praktisch nicht vorhersehbar, jede Figur kann sterben. Kommen sympathische Figuren um, denkt man: ‚Das kann doch jetzt nicht sein!‘“

Prof. Dr. Thomas Kahlisch (Direktor des DZB)

„Eine spannende Romanserie mit komplexen Charakteren, die nicht nur gut und böse sind, und eine vielschichtige realistische Handlung, die auch Gewalt nicht ausspart. Die vom Autor erdachte mittelalterliche Welt wird in sprachlichen Bildern sehr anschaulich beschrieben. Und die Phantasie-Elemente haben es in sich ohne zu übertreiben.“

„Hier wird nichts geglättet …“

Über die Romanserie im Gespräch mit Karsten Sachse (Lektor)

Die DZB veröffentlichte "Das Lied von Eis und Feuer" als Hörbuch. Nun hat sie sich entschieden, das Fantasy-Epos auch in Brailleschrift als eine Art Fortsetzungsroman im Abonnement herauszubringen. Warum?

Vorab eine kleine Korrektur: Das Werk wird zunächst als Braille-Buchausgabe gedruckt. Zusätzlich dazu wird es dann auch in Heftform zum Fortsetzungsbezug angeboten. Dafür gibt es folgende Gründe:

Die bisher zu übertragenden zehn deutschsprachigen Teile des noch unvollendeten Epos werden ca. 72 Braille-Bände ergeben. Abgesehen davon, dass nicht jeder Literatur-Enthusiast über entsprechenden Stauraum verfügt, dürfte auch der Gesamtpreis nicht gerade verkaufsfördernd sein. Bleibt die Ausleihe in der Bibliothek. Hier können wiederum enorme Wartezeiten entstehen, da aufgrund der Bandanzahl die Menge der Staffelexemplare - also der vollständigen Ausgaben, die die Bibliothek zum Verleih bereitstellt – beschränkt ist. Um also jedem Braille-Leser ungehinderten Zugang zu ermöglichen, wird die Heftform im Fortsetzungsbezug angeboten: pro Woche ein Heft für 1 Euro.

Warum überhaupt in Braille? Es gibt blinde Menschen, die sich literarische Texte bevorzugt mittels Brailleschrift aneignen. Das kann an mangelndem Hörvermögen liegen oder daran, dass Lesen für sie eine andere Zugangsqualität darstellt. Last not least ist die DZB der größte deutschsprachige Produzent von Brailleschrift. Wir wollen die Brailleschrift weiterhin fördern und verfügen über die Möglichkeiten, solch ein Mammut-Projekt zu realisieren.

Warum sollte man George R.R. Martins Saga unbedingt lesen? Was fasziniert Sie daran?

"Das Lied von Eis und Feuer" wird in einem Atemzug mit dem "Herrn der Ringe" genannt und George R.R. Martin als der neue John R.R. Tolkien bezeichnet. Die Verbreitung und die Verkaufszahlen stützen diese Behauptung, genauer wissen wir es dann in ca. 100 Jahren …
Im Gegensatz zu Tolkiens Welt ist die von Martin aber viel realer. Wenn man von Drachen und einigen wenigen besonderen Fähigkeiten einzelner Protagonisten sowie der generellen Bedrohung durch die "Anderen" absieht, befindet sich der Leser in einer mittelalterlichen Welt, die es mächtig in sich hat: Dynastien, Intrigen, Ränkespiele, falsche und echte Liebe, Verrat, Krieg und Mord. Hier wird nichts geglättet, das Mittelalter bricht sich dramatisch und ungeschönt Bahn. Entsprechend vielgestaltig und opulent ist das Ensemble der Charaktere, das vom Adel und seinem Hofstaat über Feldherren, Krieger bis zu Mönchen, Bauern, Huren und Sklaven reicht. Die Schauplätze und Nationen sind vergleichbar mit Europa und der arabischen Welt. Bedroht wird dieses komplexe Universum zudem von geheimnisvollen äußeren Mächten. Und wie das reale Leben selbst oftmals mit angenehmen und unangenehmen Überraschungen aufwartet, so schafft es George R.R. Martin immer wieder, die Puzzleteile scheinbar neu zu mischen.

Welche ist Ihre Lieblingsfigur und warum?

Eine Lieblingsfigur gibt es nicht, zu reichhaltig und vielgestaltig ist das Ensemble. Besonders herausragend ist aber auf jeden Fall die Figur des zwergenwüchsigen Tyrion Lannister, dessen überragende Intelligenz und ungebrochene Vergnügungssucht zu Beginn hervortreten. Später kommen weitere interessante Figuren hinzu, die aufgrund ihrer Entwicklung großes Interesse wecken.

Wie wird es Ihrer Meinung nach weitergehen mit dem Lied von Eis und Feuer?

Es gibt nichts in einer Fantasy-Geschichte, das nicht unabänderlich wäre. Selbst wenn die Stringenz die eine oder andere Folgerung zulassen würde, so kann es immer zu unüblichen Wendungen kommen.

Hinzu tritt der Umstand, dass die unter dem Titel "Game of Thrones" überaus erfolgreiche Verfilmung mittlerweile inhaltlich weiter fortgeschritten ist als die Romanvorlage. George R.R. Martin steht von allen Seiten unter ungeheurem Druck. Es bleibt zu hoffen, dass der Autor selbst Schöpfer seines Werkes bleibt und der Schluss, der sich aus meiner Sicht noch mindestens über zwei englischsprachige bzw. vier deutschsprachige Teile erstrecken müsste, nicht von den kommerziellen Interessen der Verwerter oder einer biologischen Uhr diktiert wird.

Kurz gemeldet

APP jetzt!

Der Service ist noch jung, jedoch schon sehr gut genutzt: Mit dem neuen Hörbuchkatalog Comfort auf www.dzb.de können sich angemeldete Nutzer DAISY-Hörbücher direkt auf den PC herunterladen. Jetzt gibt es einen weiteren Download-Zugang. Die DZB entwickelte eine App mithilfe derer sich Anwender die Hörbücher direkt als Download auf Tablet und Smartphone holen. Sie können sich das Hörbuch aber auch aus der App, in die ein DAISY-Player integriert ist, streamen. Im persönlichen Konto haben App-Nutzer den Überblick über alle Ausleihvorgänge. Es gilt: Einfach mal ausprobieren!

Die App für die iOS-Version ist im App Store unter DZB zu finden. Die Android-Version befindet sich bereits in der Test-Phase und wird im Laufe des Jahres im Google Play Store veröffentlicht (siehe auch „Technik getestet“ in dieser Ausgabe).

Wenn die Sehkraft nachlässt...

In Sachsen gibt es auf Initiative der DZB in Stadt- und Gemeindebibliotheken einen neuen Service: Mehr als 33.000 Hörbücher der DZB – speziell für sehbeeinträchtigte Bücherfreunde – können seit Mai direkt und kostenfrei auch über öffentliche Bibliotheken entliehen werden!

Die DZB hat bereits mehr als 30 Bibliotheken aus sächsischen Städten und ländlichem Raum zu den Kernpunkten der Zusammenarbeit und zum Ausleihverfahren der DZB geschult. Weitere Bibliotheken können sich jederzeit anschließen. „Die DZB möchte für sehbeeinträchtigte Leser Zugangshemmnisse abbauen und über die öffentlichen Bibliotheken eine große Anzahl passender Hörbücher aus ihrer Studioproduktion anbieten“, erläutert DZB-Direktor Prof. Dr. Thomas Kahlisch und fährt fort: „Meine Botschaft für Bücherfreunde ist: Wenn die Sehkraft nachlässt – weiterlesen, nur anders! Und Bibliotheken ermuntere ich, einfach mitzumachen.“

Kontakt zur Initiative der DZB mit den öffentlichen Bibliotheken: Caroline Schürer (caroline.schuerer@dzb.de, 0341 7113-232) und auf www.dzb.de/fuer-leser

Aus „Info-CD“ wird „Radio DZB“

Viele unsere Nutzer kennen die CD „DZB-Informationen“ von der jährlichen Zusendung durch den Förderverein „Freunde der DZB“. Die meisten unterstützen den Förderverein und seine Arbeit jedes Jahr mit einer Spende, worüber wir uns immer sehr freuen. Ab Sommer dieses Jahres verschickt der Förderverein an alle Empfänger eine in Stil und Aufmachung neu gestaltete CD. Natürlich gibt es weiterhin viel Interessantes rund um die DZB zu berichten – ein buntes Programm im „Radio DZB“, so der neue Titel der Hör-CD. Seien Sie gespannt, hören Sie rein! Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

3. September: It´s tea time!

Alle Jahre neu gibt’s zum Tag der offenen Tür in der DZB ein buntes Programm für unsere Besucher. Alle Jahre gleich, findet dieser immer am ersten Samstag im September statt – heuer also am 3.9.
Das Motto für dieses Jahr „tea time“ liegt nahe, denn wir wollen das Thema unseres neuen Reliefkalenders in den Mittelpunkt stellen. Und da dreht sich alles um den Tee: Teepflanzen, Teezeremonien, Teegebäck, Teetrinken usw. sollen also im Programm eine Rolle spielen. Aber nicht nur! Auf unserer „Messe der Meister“ präsentieren sich traditionell Hilfsmittelfirmen. Es gibt Live-Aktionen wie beispielsweise Lesungen und im DZB-Garten wird gegrillt, wo wir auch Kaffee, Limo und Bier für die Nicht-Teetrinker anbieten …
Save the Date: 3. September – Tag der offenen Tür in der DZB von 10 bis 16 Uhr.

Louis-Braille-Festival in Marburg: Wir sind da!

Zum Braille-Festival vom 1. bis 3. Juli in Marburg wird natürlich auch die DZB dabei sein. Am 2. Juli präsentieren wir uns auf dem Markt der Begegnungen im Georg-Gaßmann-Stadion mit einem kleinen Stand. DZB-Direktor Prof. Dr. Thomas Kahlisch ist vor Ort und Mitarbeiterinnen werden mit einer besonderen Festivalzeitschrift auf die Besucher zukommen. Wenn wir uns hier nicht treffen, es aber Fragen gibt, erreichen Sie die DZB stets über die bekannten Kontakte.

Gotteslob

Ein neues großes Notenwerk wurde in der DZB in Braillenotenschrift produziert, drei verschiedene Ausgaben der Reihe "Chorbuch Gotteslob" (Carus Verlag, Stuttgart) für den 4-stimmigen gemischten Chor (SATB), für den 3-stimmigen gemischten Chor (SAM) und ein Orgel-Begleitband. Die gesammelten Chorsätze mit über 150 Liedern von etwa 60 renomierten Komponisten aus Europa laden zum lebendigen Musizieren mit der Gemeinde ein. Für die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten durch Orgel, Gemeinde, Erwachsenen- und Kinderchor eröffnen sich so vielfältige Möglichkeiten, die weit über das sonst übliche abwechselnde Singen von Chor und Gemeinde hinausgehen. Die Sätze können aber auch von jedem einzelnen Chor mit Orgel wirkungsvoll musiziert werden. Das „Chorbuch Gotteslob“ kann in seinen Teilen in der DZB ausgeliehen bzw. gekauft werden. Informatives für Musiklaien: SATB ist ein 4-stimmiger gemischter Chor mit Sopran, Alt, Tenor, Bass; SAM ist 3-stimmiger gemischter Chor mit Sopran, Alt und Männerstimme.

Menschen

Über Kompositionen in der Musik, Architektur und Gartenbaukunst

Die DZB produzierte im Auftrag des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen e. V. den Gartenführer „Der Große Garten in Hannover-Herrenhausen“. Wir sprachen mit dem hochgradig sehbehinderten Autor Martin Rembeck. Er erzählt Interessantes über seine Arbeit als Klavierstimmer und Klavierlehrer, seine Vorträge zur „klingenden Kulturgeschichte“ und die faszinierenden Berührungspunkte zwischen Musik und anderen Künsten. Natürlich stellt er uns auch das barocke Meisterwerk, den Großen Garten in Hannover-Herrenhausen, vor.

Wie kam es dazu, dass Sie den Beruf eines Klavierstimmers erlernten?

Seit meinem 11. Lebensjahr bekam ich an der Blindenschule in Paderborn Klavierunterricht. Dabei bin ich viel lieber hinter einem Fußball hergelaufen. Aber dann funkte es doch. Ich hörte schon früh viel klassische Musik. Musik spielte eine besondere Rolle in meinem Leben. Außerdem interessierte ich mich für die ausgeklügelte Technik des Klaviers.

Warum haben Sie dann noch Klavierlehrer studiert?

Die Perspektiven für ein Musikstudium eröffneten sich während der Klavierstimmer-Ausbildung in Berlin. Neben den praktischen Fertigkeiten, die zum Klavierstimmen benötigt werden, erhielt ich Unterricht im Fach Klavier und Harmonielehre. Nach der Ausbildung habe ich zunächst für ein großes Klavierhaus in Westfalen als Klavierstimmer gearbeitet, wollte aber meine musikalischen Fähigkeiten besonders im pädagogischen Bereich ausbauen. Ich studierte von 1981 bis 1985 am Richard-Strauss-Konservatorium in München.

Was gefällt Ihnen mehr - die Arbeit als Klavierstimmer oder als -lehrer?

Ob man einen schwarzen Tastenkasten auf Vordermann bringt oder mit einem Schüler arbeitet, gute Stimmung ist wichtig. Beide Berufe übe ich gern aus. Ich liebe die Abwechslung. Wenn ich mit dem einen Fach beschäftigt bin, regeneriere ich mich in dem anderen Bereich. So gehe ich immer wieder mit neuer Frische und Energie ans Unterrichten oder ans Stimmen.

Sie leiteten 1999 eine Fortbildung für blinde Klavierstimmer in Peking. Welche Eindrücke nahmen sie von Ihrer Reise mit nach Hause?

Der Unterricht war von großem gegenseitigen Vertrauen und Zutrauen geprägt. Ich habe die Auszubildenden in der Klavierstimmer-Ausbildung an eine Art des Hörens herangeführt, die ihnen sehr fremd ist. Die Asiaten lieben objektive Kriterien und entsprechende Anweisungen. Beim Klavierstimmen kommt aber eine subjektive Einschätzung des gesamten Klangbildes hinzu. Das wird verständlich, wenn man sich vorstellt, dass es bis auf wenige Ausnahmen nur leicht verstimmte Intervalle gibt. Man stelle sich vor, man würde Sand auf einer Tischplatte so gleichmäßig verteilen, dass der Sand von oben betrachtet nicht mehr als Fremdkörper wahrgenommen wird. Auf diesen Spagat zwischen objektiven Kriterien einzelner klanglicher Ereignisse und ganzheitlichem Erfassen haben sie sich eingelassen.

2012 wurde Ihre Klavierschule “Punkt für Punkt - für Sehende und Blinde” veröffentlicht. Wodurch unterscheidet sich die Klavierschule von anderen?

Der Interessensverband blinder Musiker "Notennetzwerk" fasste bereits vor 20 Jahren den Beschluss, Lehrwerke zu schreiben, mit denen sehende Musiklehrer blinde Kinder auf Basis der Blindennotenschrift unterrichten können. Ich widmete mich dem Klavierpart. Es war für mich keine Frage, dass die Vermittlung der Notenschrift und klavierpädagogische Aspekte zusammenfließen müssen. In den 40 Kapiteln werden die Notenschriftzeichen sukzessive eingeführt. Das ist bei der Übertragung einer konventionellen Klavierschule so ohne Weiteres nicht möglich. Der zweite Vorteil für einen sehenden Lehrer besteht darin, dass die Abbildung der Brailleschrift unmittelbar unter dem Schwarzdruck steht. Randziffern verweisen im Schwarzdruck auf die Seitenangabe in der Punktschriftausgabe. Der Lehrer kann die Braillenotenschrift mitlernen. Auf jeden Fall kann er mitverfolgen, wo der blinde Schüler sich in seiner Punktschriftausgabe befindet.

Sie sind als Dozent an der Musikschule in Soest tätig, vermitteln Kurse rund um das Klavier und halten musikalische Vorträge. Worum geht es in den musikalischen Vorträgen?

Meine Vorträge und Kurse kann man unter den gemeinsamen Nenner "Klingende Kulturgeschichte" stellen. Es geht mir darum, interdisziplinäre Zusammenhänge zwischen musikalischen und außermusikalischen Themen zu vermitteln. Musikgeschichte, Stilkunde, Komponistenportraits, Werkeinführungen, Sozialgeschichte, Entwicklung des Klavierbaues parallel zur Klaviermusik. Diese Querverbindungen werden meines Erachtens zu wenig vermittelt. Ich halte es mit dem ungarischen Komponisten und Pädagogen Zoltàn Kodály: "Je tiefer ihre Wurzeln in vergangene Jahrhunderte hinabreichen, desto weiter strahlt sie in die Zukunft. Die Laubkrone des Baumes wächst so hoch hinauf, wie seine Wurzeln in die Erde reichen." Ist das nicht ein schönes Bild?

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Gartenführer für die Herrenhäuser Gärten zu schreiben?

Stellen wir uns zunächst die Frage: Was haben Musik und Architektur miteinander zu tun? Schon die Griechen wussten, dass sich musikalische Intervalle (Terzen, Quinten, Quarten usw.) auch in Zahlenverhältnissen darstellen lassen. Die Baumeister haben seit der Antike, vielleicht schon früher, die formale Gestaltung eines Bauwerks nach diesen Proportionen konzipiert. Das war so bis ins 18. Jahrhundert. Dann verliert es sich allmählich. Nach einem streng geometrischen Muster wurde auch der Große Garten in Hannover-Herrenhausen angelegt. Während viele Barockgärten umgestaltet wurden, ist der Große Garten der einzige nördlich der Alpen, der mit seiner strengen geometrischen Planung erhalten geblieben ist. Auch das Heckentheater und das Skulpturenprogramm mit Darstellungen aus der griechischen und römischen Mythologie sind nahezu vollständig. Es ist also eine wunderbare Gelegenheit über die bunten Blumen hinaus über die Zeit der Entstehung des Gartens Grundsätzliches zu erfahren.

Stellen Sie bitte den Gartenführer vor!

Zunächst gibt es ein einführendes Kapitel über das Barock. Dann wird die Gartenlandschaft mit Schwerpunkt auf den Großen Garten beschrieben. Kleine Einschübe im Text, so genannte Intermezzi und Klangbeispiele auf einer beiliegenden CD, vermitteln vertiefende Zusammenhänge, z. B. zwischen Musik und Architektur. Der Gartenführer ist mit einem Textteil, wahlweise in Punktschrift oder Schwarzschrift, und einem Kartenteil gleichermaßen für blinde und sehende Nutzer erschienen.

In welcher Region des Gartens halten Sie sich besonders gern auf?

Es gibt keinen speziellen Lieblingsort. Ich bin ebenso gerne im Heckentheater wie auch in einem der kleinen Sondergärten oder an der großen Fontäne.

Sie bieten Führungen durch den Großen Garten an. An welchen anderen Orten noch?

Seit 1996 mache ich Führungen im Großen Garten. Dann kam folgerichtig das Gartenreich in Dessau-Wörlitz hinzu. Seit zwei Jahren gehöre ich zum Team der Domführer in Hildesheim. "Musikalisches Leipzig" ist ebenfalls ein beliebtes Thema. Zur Kathedrale in Chartres und nach Paris habe ich Gruppen begleitet. Bei den Führungen werfe ich zunächst einen Blick auf die Konzeption (z. B. die Planungsgeschichte einer Stadt). Dann werden die Details (Gebäude usw.) erklärt.

Haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?

Ich reise gerne, unternehme Städtetouren. Auch Wandern und Singen im Chor gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Welche Bücher lesen bzw. hören Sie gern?

Ich bin Nutzer der DZB. Ich höre gerne Sachbücher zu den Themen Geschichte, Philosophie, Theologie, Psychologie, gelegentlich auch Romane, z. B. von Balzac, Fontane, Thomas Mann oder Dostojewski.

Was ist Ihr Lieblingsgeräusch?

Im Gedenken an meine Lieben das Entkorken einer Weinflasche? Das Plätschern eines Baches? Der Wind in den Bäumen? Alles hat seine Schönheit.

„Der Große Garten in Hannover-Herrenhausen – ein Führer für Blinde, Sehbehinderte und Sehende“ mit Kartenteil, Textteil in Punktschrift oder Großschrift und DAISY-CD mit Klangbeispielen.
Der Gartenführer ist im Schloss Herrenhausen und beim Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen für 30 Euro oder zur Ausleihe erhältlich,
Tel.: 0511 5104218.
Weitere Infos bei Martin Rembeck, info@martin-rembeck.de oder Tel.: 0511 550417.

Gelesen und empfohlen

Verstrickt: Ein Reporter und zwei Familien im Nahen Osten

Frank Schätzing „Breaking News“─ empfohlen von Ronald Krause (Öffentlichkeitsarbeit)

Frank Schätzing lässt in seinem spannenden Thriller zwei Erzählstränge laufen. Diese vereinigen sich zu einem furiosen Plot – doch das dauert etwas. Das Buch hat 976 Seiten. Zum Inhalt: Tom Hagen ist ein Star unter den Krisenberichterstattern und nicht zimperlich, wenn es um eine gute Story geht. Die Länder des Nahen Ostens sind sein Spezialgebiet, seine Reportagen Berichte aus der Hölle. In Afghanistan verlässt ihn sein Glück – eine Geiselbefreiung endet im Desaster. Hagens Ruf ist ruiniert, er kämpft um sein Comeback. Drei Jahre später bietet sich die Gelegenheit dazu in Tel Aviv, als ihm Daten des israelischen Inlandgeheimdienstes zugespielt werden. Hagen ergreift die Chance – und setzt ungewollt eine tödliche Kettenreaktion in Gang. Was aber ausschweifend dazwischen passiert, ist nichts weniger als eine „Schnellbesohlung“ des Lesers in israelischer Geschichte entlang vom Autor gewählter Etappen ─ 1934 beginnend über die Amtszeit des Premiers Ariel Scharon hin zum Showdown der Story 2011. Das gelingt sehr anschaulich und historisch überaus lehrreich anhand zweier Familiengeschichten, die miteinander verwoben sind. Und hier spielen Menschen eine Rolle, deren Schicksal auch Reporter Hagen mitreißt. Das führt zu einem erzählerischen Endspurt, der den Leser fesselt, so dass er kaum das Buch aus der Hand legen möchte.

Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014
2 CDs DAISY (21:27 h), Sprecher: Uwe Schröder (Leipzig)
BN-Ausleihe: H029304

Langsam bröckelnde Normalität

Judith Hermann „Aller Liebe Anfang“ ─ empfohlen von Caroline Schürer (Dipl.-Bibliothekarin)

Sie war sofort wieder da: diese vertrauliche, etwas beklemmende Stimmung, mit der Judith Hermann absolut unverwechselbar, ihre Romane und Erzählungen versieht. Es sind die gelassenen und kurzen Sätze. Wörter, die scheinbar beiläufig wiederholt werden. Dabei drücken diese Wiederholungen so fühlbar die Empfindungen der Protagonisten aus, dass man ahnt, mit wie viel Sorgfalt die Autorin daran gearbeitet haben muss.

Bekannt wurde die in Berlin lebende Hermann mit ihrem 1998 erschienenen Erzählband „Sommerhaus später“, an dem sich lange Zeit viele Nachwuchsautoren messen lassen mussten. Schließlich traf sie mit ihrer bedächtigen und stark reduzierten Erzählweise den so oft zitierten »Sound einer neuen Generation« (Hellmuth Karasek). Doch auch die Autorin selbst musste aus dem Schatten dieser Etikette treten. Dies geschah nun endgültig und überzeugend mit ihrem ersten Roman „Aller Liebe Anfang“.

Worum geht es: Den Rahmen bildet ein Haus in einer Siedlung am Stadtrand. Hier wohnen Stella und Jason mit ihrer Tochter Ava. Das Leben verläuft in gewohnten, friedlichen Bahnen. Stella arbeitet als Altenpflegerin, verbringt die Abende mit ihrer Tochter in ruhiger Vertrautheit, backt Pfannkuchen und liest. Jason baut Häuser und ist die meiste Zeit abwesend.
Eines Tages klingelt es. Der Fremde an der Tür möchte mit ihr sprechen, kommt immer wieder und lässt nicht mehr locker. Sie, die so gern allein ist, wird in jeder Hinsicht ihrer Ruhe beraubt. Sie verweigert ihm den Einlass und das Gespräch, obwohl er der Meinung ist, sie hätten sich viel zu sagen. Er wirft Nachrichten in ihren Briefkasten und bedroht ihre Existenz – ein klassischer Stalker. Das Unheimliche zieht durch den Vorgarten und man beginnt zu ahnen, dass auch Stellas scheinbar glückliches Leben Fassade sein könnte.

Fischer, Frankfurt am Main 2014
2 Bde., Kurzschrift, BN-Ausleihe 17463

Quasimodo mit sensibler Nase

Patrick Süskind „Das Parfüm“ ─ empfohlen von Ludwig Henne (Förderverein)

Das Buch ist schon jetzt, keine 30 Jahre nach Veröffentlichung, ein Klassiker. Ähnlich wie Umberto Ecos „Im Namen der Rose“ macht Patrick Süskinds „Das Parfüm“ mit einer wunderbaren Sprache und einer spannend erzählten Geschichte ein vergangenes Jahrhundert lebendig und erlebbar, fühlbar und vor allem riechbar.

Der mit Anbeginn seines Lebens von Pech und Schwefel behangene Jean-Baptiste Grenouille erträgt Demütigungen nur dank eines starken Überlebenswillens und einer Fähigkeit: dem Riechen. Er riecht besser, schneller und leidenschaftlicher als andere Menschen. Und es führt ihn zu einem abenteuerlichen Leben als Gerber, Parfümeur und Höhlenbewohner. Irgendwann begibt er sich auf die Suche nach dem vollendeten Geruch, was sein trauriges Schicksal besiegeln wird.
Mir scheint es, dass solch intensives Geruchsempfinden für einige Zeit sehr interessant sein kann. Dauerhaft jedoch stelle ich es mir qualvoll vor, jeden noch so keimigen Geruch in all seinen Einzelelementen und Nuancen wahrnehmen zu müssen. Mir reicht das Lesen darüber vollkommen aus und selbst dabei ist mir an der einen oder anderen Stelle im Buch der Würgereiz die Kehle emporgestiegen. Zusammengefasst also ein sehr lesenswerter Roman.

1 CD DAISY (9:48 h), Sprecher: Marlies Reusche (Leipzig)
BN-Ausleihe: H006497

Online-Umfrage

Auf die Plätze, fertig, los!

Im Herbst letzten Jahres fiel der Startschuss für eine Online-Umfrage im Rahmen des Forschungsprojektes „Zukunft der Brailleschrift“ (ZuBra). Wie realistisch sind die Befürchtungen, dass die Lese- und Schreibkompetenz blinder und hochgradig sehbehinderter Menschen abnimmt? Stimmt es, dass immer weniger Brailleschrift lesen und sich viele über auditive Techniken Zugang zu Informationen verschaffen? Bisher gab es zum Nutzungsverhalten weitgehend nur hypothetische und spekulative Annahmen. Das Forschungsprojekt „Zukunft der Brailleschrift“ (ZuBra) unter Leitung von Prof. Dr. Markus Lang (PH Heidelberg) und Prof. Dr. Ursula Hofer (Hochschule für Heilpädagogik Zürich) beschäftigt sich erstmals mit der empirischen Datenerfassung. 819 zugelassene Teilnehmer gingen an den Start der ersten Etappe. Davon wohnen 78,4% in Deutschland, 19,2% in der Schweiz und 2,4% der Teilnehmer machten keine Angaben zur Nationalität. Inzwischen sind alle ins Ziel gekommen. Die Ergebnisse wurden analysiert und diskutiert. In einer zweiten Etappe sollen auf Basis dieser Auswertung sprachliche Kompetenzen im Lesen, Hören und Verstehen sowie der Rechtschreibung erfasst werden. Die Befragung von Fachpersonen aus Bildungsinstitutionen und die Bewertung bestehender Bildungs- und Beratungsangebote stehen in der dritten Etappe im Mittelpunkt.

Die Ausgangsposition

Worum geht es in der Online-Umfrage?

Sie richtete sich an blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen aller Altersstufen und sammelte Informationen zur Nutzung von Brailleschrift-Systemen sowie Technologien und deren mögliche Auswirkungen auf Lese- und Schreibkompetenzen.

Wie alt sind die Teilnehmer?

Die Mehrzahl der Teilnehmer ist zwischen 43 bis 62 Jahren (41 %). Rund 17% von ihnen sind bis 22 Jahre. 16% schließlich sind älter als 63 Jahre.

Sehbehindert oder blind?

Von der Gesamtgruppe der 819 Teilnehmenden bezeichnen sich 217 als hochgradig sehbehindert und 602 als blind.
Bei 628 Teilnehmenden ist die Blindheit entweder angeboren oder zeigte sich im Kindes- und Jugendalter. Die Gruppe der Menschen mit altersbedingter Sehschädigung ist bei dieser Studie eindeutig untervertreten.

Die Ergebnisse (Auswahl)

Schwarzschrift lesen und schreiben

Hochgradig sehbehinderte Menschen nutzen beim Lesen mehrheitlich sowohl Schwarzschrift als auch Braille. Sie schreiben mit großer Mehrheit ausschließlich Schwarzschrift oder aber beide Schriften, jedoch wesentlich häufiger Schwarzschrift als Braille.

Brailleschrift häufiger beim Lesen als beim Schreiben

Braille wird von allen Befragten beim Lesen häufiger als beim Schreiben genutzt. Mindestens wöchentlich oder häufiger schreiben rund 35% in Voll-, 59% in Kurzschrift und 39% in Eurobraille.

Kurzschrift beim Lesen auf Platz 1
Am häufigsten wird bei den Braillenutzenden in Kurzschrift (76%) gelesen, dann in Eurobraille (73%). Vollschrift wird nur von rund 50% gelesen. Wobei von den Braillelesenden rund 12% angeben, dass sie eigentlich nur Hinweise, persönliche Markierungen und Etiketten in Braille lesen.
Übrigens: Je jünger die Teilnehmenden sind, desto stärker nimmt die Kurzschriftanwendung ab.

… und beim Schreiben?

65% aller Befragten nutzen beim Schreiben sowohl Schwarzschrift als auch Braille. Rund 17% schreiben nur in Braille, davon 21% in Vollschrift und rund 42% in Kurzschrift.

Musiknotenschrift beim Lesen vorn

Bei allen Teilnehmern steht die Musiknotenschrift beim Lesen in weiteren Braillesystemen an erster Stelle, gefolgt von Kurzschrift in einer Fremdsprache und Mathematikschriften. Beim Schreiben steht die Kurzschrift in einer Fremdsprache an erster und die Musiknotenschrift an zweiter Stelle.

Schreiben mit Computer-Tastatur vs. Tafel und Stichel

Die Computer-Tastatur wird von rund 92% der Befragten am häufigsten zum Schreiben genutzt. Danach kommt mit 43% die mechanische Brailleschreibmaschine zum Einsatz. Auf den nächsten Plätzen folgen Alternativen zum Schreiben in Form von Spracheingabe in iPhone oder iPad (rund 41%) sowie das Sprechen auf ein Aufnahmegerät oder eine App (rund 35%). Schreiben mit der Brailleeingabetastatur auf der Braillezeile (rund 33%), aber auch das Schreiben mit Tafel und Stichel (ca. 15%) gehören zur Anwendung.

Kurzschrift bei jungen Lesern weniger in Gebrauch

Welche verschiedenen Lese-Techniken verwendet man bei unterschiedlichen Lesearten? Mehrheitlich stehen Braillekurzschrift auf Papier und Sprachausgabe mit Braillezeile weit oben auf der Rangliste. Allein beim Lesen mit hohem Textverständnis, Vorlesen und Lesen zum Vergnügen wird die Braillekurzschrift auf Papier am häufigsten ausgewählt.
Aber: Unabhängig von den Lesearten wird die Kurzschrift von den Teilnehmenden bis 22 Jahren deutlich seltener genutzt als von der gesamten Gruppe, die Vollschrift hingegen häufiger. Sie lesen Vollschrift auf Papier bei allen Anforderungen, sei dies beim schnellen Lesen, beim gut verstehenden Lesen, beim Vorlesen oder beim Lesen zum Vergnügen mindestens doppelt so oft wie die Kurzschrift.

Andere Schreibtechniken bei Jung und Alt

Computer-Tastatur, begleitet durch Sprachausgabe und Braillezeile ist altersunabhängig die am häufigsten verwendete Schreibtechnik, wenn es darum geht, möglichst fehlerfrei, einfach zum Vergnügen oder einen längeren Text zu schreiben. Wie beim Lesen unterscheiden sich die jüngsten Teilnehmenden auch beim Schreiben in Braille entscheidend von der Gesamtgruppe. Braillekurzschrift schreiben sie allgemein deutlich seltener. Dafür setzen sie die Brailleeingabetastatur der Braillezeile in Eurobraille im Vergleich zur Gesamtgruppe wesentlich häufiger ein. Zum Schreiben einer Notiz verwenden sie im Vergleich zu allen Befragten kaum die Braille-Kurzschrift auf der Brailleschreibmaschine, sondern viel eher die Spracheingabe.

Technik getestet

Die DZB App – DAISY-Hörbücher nutzen mit Smartphone und Tablet

Ein Beitrag von Ulrich Jander

Im Heft 1/2016 von „in puncto DZB“ beschrieb ich bereits die verschiedenen Möglichkeiten des Herunterladens und Anhörens von Hörbüchern über das Internet. Der PC und bisher drei DAISY-Abspielgeräte beherrschen die Funktionen unseres neuen Katalogangebotes. Jetzt kommt eine dritte Variante hinzu: die DZB App. Für iPhone, iPad und iPod touch kann sie jetzt über den gängigen Weg im Apple Store genutzt werden. Die Android-Version befindet sich in der Test-Phase und wird im Laufe des Jahres im Google Play Store veröffentlicht. Die App ist kostenlos und beinhaltet zurzeit den kompletten DZB-Hörbuchkatalog für die Recherche, die Funktionen für das Bestellen, Ausleihen, Herunterladen und Zurückgeben von Hörbüchern sowie die Wiedergabe derselben. Ein Hörbuch kann, wie ein Radiostream, online oder als heruntergeladenes Werk auf dem Endgerät offline gehört werden. Bei letzterem und im Fall der Katalogrecherche sind die Anmeldung bei uns, wie mit dem PC, und eine Internetverbindung nicht erforderlich. In allen anderen Fällen, das betrifft die Mediathek, müssen Sie online sein und sich im Element Einstellungen der App anmelden oder als neuer Nutzer registrieren.

Einfach ausleihen und herunterladen

Die DZB App ist übersichtlich aufgebaut. Neben wenigen Überschriften gibt es Schalter für den Katalog zur Recherche, die Mediathek für alle Online-Vorgänge, „Sie hören“ als Player, für Info und Einstellungen. Im Katalog gibt es die einfache und erweiterte Suche. Ist man für die Ausleihe angemeldet, werden zu jedem Hörbuch als Suchtreffer die Funktionen „Jetzt anhören“, „Zur Downloadliste“ oder „Zur CD-Ausleihliste“ bzw. „Hörprobe“ angeboten. Wählt man z. B. das Hinzufügen zur Downloadliste aus, so wird dieses Hörbuch in die Bestellliste aufgenommen. Man bleibt weiterhin im Katalogbereich und kann seine Bestellliste füllen. Wollen Sie dann in die Ausleihe gehen, so aktivieren Sie die Mediathek; dort wird, wie beim PC auch, zwischen Ausleihe und Bestellung unterschieden. Sowohl bei jedem Suchtreffer im Katalog als auch in der Mediathek können Sie den jeweiligen Buchtitel aktivieren und so weitere Informationen zum Buch bekommen. Oder Sie bestätigen am jeweiligen Buch den Punkt „Aktionen“ und erhalten die zur Verfügung stehenden Funktionen. Haben Sie das Buch ausgeliehen, können Sie es direkt online als Stream hören, den gesamten Inhalt auf Ihr Endgerät laden oder beides ausführen. Wenn Sie das Buch gehört haben, geben Sie es über die entsprechende Funktion zurück; damit wird das Hörbuch von der Ausleihliste gestrichen. Mit der Funktion „Inhalt löschen“ entfernen Sie das Hörbuch von Ihrem Endgerät.
Mit dieser App haben Sie gegenwärtig alles, was unsere Hörbücherei bietet, in einer Hand, einschließlich der Abspielsoftware mit ihren verschiedenen Funktionen. Wie das bei Apps üblich ist, wird sich auch die DZB App mit ihren Funktionen verändern. Wir in der DZB sind mit den Entwicklern bemüht, diese App und die anderen Online-Zugänge zu verbessern. Eine detaillierte Anleitung war hier natürlich nicht möglich. Probieren Sie die App einfach aus, viel Erfolg dabei!

Fragebogen

Sechs Fragen – sechs Antworten

Mitarbeiter, Partner, auch Freunde der DZB antworten auf unsere Fragen. Diesmal: Wolfgang Raetsch (Studio)

Was ist Ihre Aufgabe in der DZB?

Seit über zwanzig Jahren bin ich Aufnahmeleiter im Studio der DZB. Hier bin ich für die Aufsprache von Hörbüchern, Zeitschriften und ─ im Wechsel mit meinen Kollegen ─ auch für den wöchentlichen Stern-Podcast zuständig. Hierzu kommen gelegentlich Aufträge, z. B. in letzter Zeit die Aufsprache des Blindengeldgesetzes von Mecklenburg-Vorpommern im Daisy-Format.

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

"Die Hartz-IV-Diktatur" von Inge Hannemann ─ ein sehr persönliches Sachbuch, geschrieben von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

Oper. Mein Tipp: "Jewgeni Onegin" in der Komischen Oper Berlin.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Meinen Partner, eine Kiste mit ordentlichen Werkausgaben von Kafka, Fontane und Thomas Mann und eine gute Sonnencreme.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

"Königsallee" von Hans Pleschinski - ein Buch nicht nur für Thomas-Mann-Fans....

Ihr Lebensmotto?

Respekt vor allen, die es mit mir aushalten!

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie!

Wir wollen wissen: Wie heißt das Fantasy-Epos, das ab September in der DZB auch im Abonnement erscheint?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 6. August 2016 per E-Mail (presse@dzb.de) oder per Post an: DZB, Kennwort Rätsel, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

Das können Sie gewinnen: Wir verlosen „Labyrinthe und Irrgärten“, Rätsel für Finger-Pfadfinder.

Mitarbeiter der DZB können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus 1/2016

Die richtige Antwort hieß: DaCapo
Die glückliche Gewinnerin heißt: Saskia Niemann. Herzlichen Glückwunsch!

Sudawo – Such das Wort

Suchen Sie das Wort, das sich aus allen 9 Buchstaben bilden lässt.
Beispiel: HLNAAMDBE
Lösung: Abendmahl

  1. IESHEZNAD
  2. IEBKTSONC
  3. KEFRAARHT

Auflösung siehe unten.
Weitere Rätsel finden Sie in „Sudawo“ (1 Bd., Vollschrift, BN-Verkauf 8154, 1 Bd., Kurzschrift, BN-Verkauf 8155, je 12 Euro).

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion

Gabi Schulze
Tel.: 0341 7113-148, E-Mail: gabi.schulze@dzb.de
Ronald Krause
Tel.: 0341 7113-239, E-Mail: ronald.krause@dzb.de

Abonnements, Anzeigen

Sylvia Thormann

Tel.: 0341 7113-120, E-Mail: abo@dzb.de

»in puncto DZB« wird vier Mal im Jahr kostenfrei per E-Mail versandt und online unter www.dzb.de veröffentlicht.

Die Zeitschrift erscheint kostenpflichtig wahlweise als CD DAISY sowie in Blindenkurzschrift.

  • Jahresbezugspreis Braille-Ausgabe: 9 Euro
  • Jahresbezugspreis CD DAISY: 9 Euro

Das kostenpflichtige Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.

Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.

DZB 2016

Spenden

Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
BLZ 860 555 92
Konto 1 100 830 010
IBAN DE44 8605 5592 1100 8300 10
BIC WELADE8LXXX

Auflösung Sudawo

  1. Zahnseide
  2. Steinbock
  3. Fahrkarte