in puncto DZB - 03 / 2016

03 2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

der Sommer und damit auch die Urlaubszeitgehen ihrem Ende entgegen, aber Reisen kann man zu jeder Jahreszeit. Deshalb wird in unserer Ausgabe auch vom Reisen die Rede sein und von Büchern, die über fremde Länder und deren Menschen berichten. Außerdem schauen wir hinter die Kulissen der Hörbuchausleihe, die seit einem reichlichen Jahr mit neuer Ausleihsoftware arbeitet. Wir gehen der Frage nach, ob eine barrierefreie Fibel für den Inklusionsunterricht mehr als nur ein Traum ist und machen Sie auf den neuen Reliefwandkalender für das Jahr 2017 zum Thema Tee neugierig. Lassen Sie den Duft von frischem Assam-Tee in ihre Nase steigen, währenddessen Sie Interessantes über Tee, dessen Sorten, Zubereitung und Konsum lesen. Natürlich erwarten Sie in dieser Ausgabe auch wieder Buchempfehlungen und Kurzinformationen rund um die DZB.

Wir wünschen Ihnen eine unterhaltsame Lektüre, sonnige Herbsttage und verbleiben mit herzlichen Grüßen

Ihre Redaktion

Im Fokus

Der heiße Draht zu den Nutzern der Hörbücherei

Seit April letzten Jahres kommt in der Hörbücherei die neue Ausleihsoftware DIBBS zum Einsatz. Die Hörbuchausleihe erfolgt jetzt mithilfe einer modernen Bibliotheksverwaltung. Aber was heißt das eigentlich konkret? Und was bringt das den Nutzerinnen und Nutzern? Ein Beitrag von Gabi Schulze

Von historischen Schmökern einer Rebecca Gablé oder Iny Lorentz über Krimis von Sebastian Fitzek oder Jussi Adler-Ohlsen bis hin zu wunderbaren Romanen von Jonathan Franzen ─ in der Hörbücherei laufen alle Kundenwünsche zusammen und oftmals auch die Drähte heiß. Hier klingeln die Telefone von Jana Waldt und Monika Hahn mitunter sogar gleichzeitig. Die beiden Mitarbeiterinnen beraten die Nutzerinnen und Nutzer bei der Buchauswahl, recherchieren nach Büchern und geben Buchempfehlungen. Eine junge Frau fragt beispielsweise nach Büchern von Katherine Webb. Sie mag die Romane der britischen Autorin und möchte alle Bücher zugeschickt bekommen, die sie noch nicht gehört hat. Jana Waldt sucht die Autorin in der Datenbank und kopiert die gefundenen Titel in das Nutzerverwaltungsprogramm. Dieses analysiert mit Hilfe der Ausleihsoftware die Bestellnummern und listet auf, welche Bücher, die Nutzerin schon gehört hat und welche nicht. Nach wenigen Sekunden kann Jana Waldt der Frau am Telefon Auskunft geben. Das Hörbuch „Das Haus der vergessenen Träume“ wird ihr in Kürze zugeschickt. „Ohne die Bibliothekssoftware DIBBS hätte ich die Nutzerin nicht so schnell beraten können“, erklärt Jana Waldt. „Das alte Ausleihsystem besaß weniger Verwaltungsoptionen und Recherchemöglichkeiten als das neue.“Letzteres bietet viele Vorteile einer modernen Bibliotheksverwaltung: schnelle Bestandserschließung, gute Such- und Recherchefunktionen, verschiedene Ausleih- und Rückgabeoptionen.

Automatisierte Sofortausleihe verkürzt die Bestellzeit

Während Monika Hahn eine weitere Nutzeranfrage am Telefon beantwortet, bearbeitet Jana Waldt die E-Mail eines Nutzers. Sie kopiert dessen Bestellliste in die Ausleihsoftware, die automatisch recherchiert, welche gewünschten Bücher sofort ausleihbar und welche nicht verfügbar sind. Letztere müssen dann in der so genannten Sofortausleihe gebrannt werden. „Früher erfolgte das Brennen der CDs nicht automatisch mit der Erstellung der Ausleihe und die Nutzer mussten länger warten“, erklärt Jana Waldt. Als Mitglied der Buchauswahlkommission entscheidet sie mit, welche Bücher in der DZB als Hör- bzw. Braillebücher produziert werden. Deshalb liest sie viel und gern, am liebsten Gegenwartsromane, historische Romane, aber auch mal einen Krimi. Gespannt ist sie auf den neuen Roman von Jonas Jonasson „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“. Er wurde in der DZB als Hörbuch produziert und steht schon auf der Bestellliste einiger Hörerinnen und Hörer.

Neue Ausleihsoftware Basis für Download-Service

Seit Frühjahr dieses Jahres können Nutzer Hörbücher der DZB bequem auf ihren PC oder ihr onlinefähiges DAISY-Gerät herunterladen. Die DZB-App ermöglicht seit Ende Mai allen Nutzern von iOS-Geräten den Download von Hörbüchern. An einer App für Android-Anwender wird gearbeitet. Ohne die neue Bibliothekssoftware wäre dieser Download-Service für die Nutzer nicht möglich. Werner Rupp, blinder Software-Entwickler, erklärt: „Ein wesentlicher Bestandteil von DIBBS ist die Ausleihe von Hörbüchern. Dieses Programm habe ich in den letzten zehn Jahren immer weiter entwickelt bis heute auch Downloads möglich sind.“ Seine Software kommt nicht nur in der DZB, sondern auch in der Norddeutschen Blindenhörbücherei und anderen Bibliotheken zum Einsatz. Viele Nutzer haben den Download-Service schon sehnsüchtig erwartet und begrüßen ihn jetzt sehr.Allein bis Juni wurden in der DZB 2300 Titel heruntergeladen.

„Ich suche ein Buch …“

Ein älterer Herr meldet sich am Telefon und möchte das Sachbuch „Was ich noch sagen wollte“ von Helmut Schmidt ausleihen. Jana Waldt schaut in die Bestands- und Ausleihliste ihrer Software. Das Buch ist eines der am meisten ausgeliehenen Sachbücher ─ 22 Mal bisher in diesem Jahr. Es ist verfügbar und wird dem Nutzer zugeschickt. „Oft kommt die Frage: ‚Ich suche ein Buch, das spielt in … oder da ging es um … Leider weiß ich Titel und Autor nicht mehr …‘ Wenn man das Buch nicht zufällig kennt, ist die Chance, das entsprechende Buch zu finden, aussichtslos“, erzählt Jana Waldt. Viele Nutzer lassen sich von den Mitarbeiterinnen der Hörbücherei Bestelllisten zu verschiedenen Themen zusammenstellen. Ein weiterer Vorteil der neuen Ausleihsoftware ist die automatische Anzeige, wenn neue Bücher geordert werden müssen. Jana Waldt lässt sich die Listen anzeigen, die mit neuen Titeln „bestückt“ werden müssen. Dann klingelt das Telefon …

Und da ist er wieder ─ der heiße Draht zu den Nutzerinnen und Nutzern der Hörbücherei ─ mit dem neuen Ausleihsystem nun noch ein wenigheißer.

Geheimtipp von Jana Waldt

Ich empfehle „Wie ein unsichtbares Band“ von Inés Garland. Es ist eine Kindheits- und Jugendgeschichte vor dem Hintergrund der aufkommenden Militärdiktatur in Argentinien. Eigentlich ein Jugendbuch, aber auch für Erwachsene sehr berührend. Es kann als Hörbuch (Bestellnummer 29633) ausgeliehen werden, die Übertragung in Punktschrift ist in Planung.

Reisen

Einmal Südafrika und zurück

Kristina Wichert lebt in München. Sie mag die Großstadt, weil sie als hochgradig Sehbehinderte viel mehr Möglichkeiten hat, selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Vor über 20 Jahren ist sie aus Thüringen nach Süddeutschland gezogen und arbeitet jetzt als Angestellte bei einer gesetzlichen Krankenkasse. In der Freizeit ist sie gern mit Freunden im Englischen Garten unterwegs und sitzt im Sommer auch viel auf ihrem Balkon. Doch ihre große Leidenschaft gehört dem Reisen. Gabi Schulze traf Kristina Wichert in Leipzig, als sie in einer Veranstaltung des Grassi-Museums über ihre Reiseerlebnisse in Südafrika sprach.

Was ist für Sie am Reisen so reizvoll?

Ich kann viele beeindruckende, interessante und wunderschöne Landschaften und Städte sowie Land und Leute, Tiere und Pflanzen kennenlernen. Außerdem kann ich die Küche des jeweiligen Landes testen, in die Gerüche und Geräusche des Landes eintauchen und etwas vom Leben und den Ansichten der Menschen dort selbst erspüren und erfahren. Reisen ist ein ganz großes Tor zur Welt, bedeutet für mich vor allem Freiheit, erweitert meinen Horizont und korrigiert manchmal auch meine Meinung bzw. Einstellung, bildet und macht tolerant und weltoffen.

Welche Länder haben Sie schon bereist?

Da gibt es schon eine ganze Reihe. An erster Stelle steht Italien. Ich habe mit einer blinden Freundin einen Sprachkurs auf Sardinien gemacht und im Hause einer Italienerin gewohnt. Ich war schon in verschiedenen Regionen und Städten Italiens, wie z. B. in Südtirol, am Gardasee, in der Cinque Terre.
Außerdem besuchte ich Malta und La Gomera. Nach Südafrika flog ich schon dreimal. Nach Zentralasien wollte ich schon immer einmal ─ vor allem wegen der Architektur, des Klimas und der Lebensweise. Da meine Schwägerin berufliche Verbindungen nach Taschkent hat, organisierte sie für unsere Familie eine Reise nach Usbekistan. In Frankreich besuchte ich natürlich Paris, die Bretagne und Korsika. Ich war beeindruckt von der bretonischen und der korsischen Sprache. Griechenland mit Korfu, Kreta, Kos und Chalkidiki gehören auf die Liste, genauso wie Österreich und Finnland. Die Mecklenburger Seen und die Ostsee sind aufgrund der sanften Landschaft, tollen Natur und der damit verbundenen schönen Kindheitserinnerungen noch immer sehr anziehend für mich.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: im Gebirge, am Meer, in der Großstadt oder auf einer Insel?

Ich bin ein Insel-Fan. Am liebsten mag ich eine Kombination aus warmem Meer und etwas Gebirge sowie einer Stadt und netten Dörfern im Umkreis. Ganz große Städte halte ich nicht lange aus, die sind mir zu laut. Italien und die Inseln bieten oft die perfekte Mischung für mich. Den ganzen Urlaub am Strand liegen ist nichts für mich. Und die ganz hohen beeindruckenden Berge sieht man von unten besser als wenn man oben steht.

Bitte beschreiben Sie in einem Satz ihre letzte Reise?

Der Urlaub in Finnland war ein perfekter Wintertraum mit dem richtigen Maß an Bewegung per Ski oder Schneeschuh und Wellness in Form von finnischer Sauna und gutem Essen.

Welche drei Gegenstände müssen Sie immer mit auf Reisen nehmen?

Meinen Fotoapparat, meinen Milestone für Hörbücher und Musik, oft mit Bezug auf das Reiseziel, und Medikamente, damit man gesund bleibt oder schnell gesund wird.

Was fasziniert Sie an Südafrika?

Die unglaubliche Vielseitigkeit des Landes! Die Region um Kapstadt ist noch sehr europäisch, nach Osten hin wird es immer afrikanischer. Und im Landesinneren sieht es manchmal wie im Allgäu aus. Es gibt Berge mit Schnee, subtropische Vegetation, Wüste, Steppe, wildes Meer mit Wasser aus der Antarktis und dem herrlich warmen Indischen Ozean, eine vielseitige und interessante Tierwelt. Die unterschiedliche Bevölkerung, deren Wurzeln in Afrika, Asien und Europa liegen, hat natürlich auch eine verschiedenartige Kultur- und Lebensweise zur folge. Die farbige Bevölkerung ist sehr aufgeschlossen, nett und hilfsbereit und strahlt oft eine große Lebensfreude aus, trotz der oft schwierigen Lebensumstände. Von dieser positiven Grundeinstellung wird man sehr leicht angesteckt. Ein bisschen Afrika würde uns allen gut tun. Ein Aufenthalt dort trägt zur Entschleunigung und zu einem anderen Blick auf die Dinge bei, die wir für so furchtbar wichtig halten.

Wie riecht Südafrika und welche Geräusche verbinden Sie mit diesem Land?

Südafrika riecht nach Meer, frischer Luft und warmer trockener Erde, nach Tieren und deren Hinterlassenschaften, nach Holzkohle und gegrilltem Essen. Noch auffälliger und besser in Erinnerung sind für mich die Geräusche. Man hört oft Leute singen, fröhlich schwatzen und lachen. Besonders schön waren für uns alle die Marimba-Musik und das Trommeln. Und dann sind da natürlich die Geräusche, die die Tiere machen. Die Grillen haben unheimlich laut gezirpt und sind auch mal nachts aus dem Takt gekommen. Davon bin ich aufgewacht. Das Löwengebrüll war sehr beeindruckend und hat uns auch ziemlich erschreckt. Und auch das Getrampel einer ganzen Herde Gnus oder der Giraffen-Galopp klingen fremd, aber schön in unseren Ohren. Die Geparden und Servale schnurren so herrlich. Die Brandung des Meeres war der schönste Radau, den ich je gehört habe, und zugleich auch sehr beruhigend. Und ganz zum Schluss nicht zu vergessen – die Ruhe – dort ist einfach nicht so viel Verkehr, viel mehr Platz und wirklich himmlische Ruhe zum Erholen. Nur die Natur macht „Krach“ und das darf sie, war ja schließlich vor uns da.

Was war ihre schlimmste Reisepanne?

Das Schlimmste, was mir bisher passiert ist, war nicht wirklich schlimm. Auf Sardinien hat uns der Bus einfach stehengelassen und ist vorbeigedonnert. Wir haben dann nach Taxi-Nummern gesucht und unser Glück als Anhalter probiert – hat aber nicht geklappt. Italienische Touristen haben uns dann mitgenommen. Das war also alles nicht so schlimm. Ein richtiger Flop hingegen waren meine Reisen an die Nordsee – Wetter kalt, Wasser weg, alles sehr teuer, Leute oft unfreundlich – das fand ich viel schlimmer als ein Bus, der nicht fährt.

Wie organisieren Sie Ihre Reisen? Welche Hilfen erleichtern Ihnen als Sehbehinderte das Reisen?

Ich hole vorher Informationen über den in Frage kommenden Ort, den Nahverkehr und andere Einrichtungen wie z. B. Seilbahnen, Wanderwege, Museen etc. ein und lese Reiseführer. Die werden mit farbigen Klebezetteln markiert. Bei der Wahl der Unterkunft achte ich darauf, ob man von dort Anbindung an Nahverkehr und Geschäfte oder Restaurants in der Nähe hat. Außerdem recherchiere ich, wie man zu den Orten kommt, bestelle Assistenz am Flughafen oder Umsteigehilfe im Bahnhof. Ich habe auch bei den Reiseveranstaltern schon angegeben, dass ich sehbehindert bin und um ein wenig Unterstützung gebeten. Manchmal habe ich einen Teil des Stadtplans vergrößert kopiert und mit Textmarker markiert. Im Internet kaufte ich schon vorher Eintrittskarten und reservierte Zeiten für eine Führung.

Welchen Rat geben Sie blinden und sehbeeinträchtigten Menschen, die eine Reise planen?

Mein Motto ist: Wenn ich schon nicht richtig sehen kann und mich mit dem Entziffern von Schildern schwer tue, muss ich wenigstens fragen können. Es ist also nie verkehrt, ein paar Worte in der Landessprache zu lernen und sein Englisch oder andere gängige Fremdsprachen aufzufrischen, sofern das nötig ist. Man sollte seine Behinderung nicht versuchen zu verstecken. Oft sind die Leute in anderen Ländern deutlich hilfsbereiter und unkomplizierter im Umgang mit Behinderten. Man muss nur den Mut haben zu fragen, auch in einer fremden Sprache, selbst wenn es holprig klingt und wenn man Fehler macht. So erhält man nette Kontakte und kommt auch noch ans Ziel. Mut und Aufgeschlossenheit sind schon die halbe Miete.

Bücher rund ums Reisen

Lisa Graf-Riemann: Spanien 151 :
Portrait eines Landes mit vielen Gesichtern in 151 Momentaufnahmen.

Spanien hat mehr zu bieten als Tapas, Flamenco und Sangria. Das beweist dieser Reiseführer nicht nur Reisenden, die das Land zum ersten Mal erkunden möchten, sondern auch Spanienkennern und -liebhabern. Die Autorin zeigt dem Leser die kulturelle, gesellschaftliche und landschaftliche Vielfalt des Landes. Sie führt ihn in den grünen, regenreichen Norden, die heiße, trockene Levante und das orientalische Andalusien mit seinen Flamenco-Rhythmen. Der Reiseführer gibt Einblicke in spanische Lebensart, Tradition und Brauchtum der verschiedenen Regionen. Hier erfährt der Leser Interessantes über kulinarische Köstlichkeiten, beispielweise was Gazpacho und Tortilla wirklich sind und welche Bedeutung weihnachtliche Turrones haben. Eine anregende, sehr zu empfehlende Lektüre!

3 Bde., Kurzschrift, 36,00 €
BN-Verkauf 7951, BN-Ausleihe 16858

Ruedi Leuthold: Brasilien: der Traum vom Aufstieg

Ein Reiseführer, der sich lohnt zu lesen, auch wenn man nicht unbedingt nach Brasilien reisen möchte oder kann. Der Schweizer Journalist und Wahlbrasilianer sammelt in diesem Buch ungewöhnliche Geschichten, die unterhaltsam zu lesen sind. Lebendig berichtet er von den unzähligen Widersprüchen in diesem Land, von den Menschen, den armen und reichen, die ihr Land lieben und eine Lebensfreude ausstrahlen, die man in Europa selten findet. Leuthold liefert aber auch politische und historische Hintergrundinformationen und zeigt Probleme auf, wie beispielsweise Korruption, soziale Ungleichheit, schlechtes Bildungswesen, Verbrechen und Rassismus.
Ein interessanter Reisebericht über ein rätselhaftes Land und seine Leute.

3 Bde., Kurzschrift, 36,00 €
BN-Verkauf 8291, BN-Ausleihe 17286

Trolle, Schnee und Saunakult: skandinavische Lebensarten

Wer sich für die Traditionen, Naturlandschaften und Lebensgewohnheiten der skandinavischen Länder interessiert, der kommt mit diesem Buch voll auf seine Kosten. Der Leser erfährt von einsamen Hütten inmitten der Wälder Norwegens, von mittelalterlichen Wikingermärkten und Abenteuern unter freiem Himmel. Er lernt die Mentalität der Dänen, Norweger, Finnen und Schweden kennen, die letzten Schamanen in Lappland, die Finnen und ihren Saunakult, das fortschrittliche norwegische Königshaus und die Dänen mit ihren wunderbar schmeckenden Hotdogs. Die Autoren beschreiben die wunderschönen Naturlandschaften, porträtieren Land und Leute und ergründen deren Bräuche und Sitten. Ein kurzweiliger Reisebericht, der wunderbar auf eine Reise in diese Länder einstimmen kann.

2 Bde., Kurzschrift, 24,00 €, BN-Verkauf 6983,BN-Ausleihe 16161
2 Bde., Vollschrift, BN-Ausleihe 16162

Ihre Bestellungen richten Sie bitte an:
E-Mail: bibliothek@dzb.de / Telefon: 0341 7113 116/118
E-Mail: verkauf@dzb.de / Telefon: 0341 7113 119

Kurz gemeldet

Tag der Deutschen Einheit –Bürgerfest in Dresden

In diesem Jahr wird vom 1. bis 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit in Sachsen gefeiert. In Dresden möchte der Freistaat ein „weltoffenes, bürgernahes und buntes Deutschlandfest zelebrieren und unvergessliche Momente schaffen“. Da macht die DZB natürlich gern mit. Mit Unterstützung des Sächsischen Sozialministeriums steht die DZB in der Dresdner Innenstadt (Nähe Kreuzkirche) den neugierigen Fragen der Bürgerinnen und Bürger, Flaneure, Interessierten, Wohlgelaunten, Familien und Kindern Rede und Antwort: Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen – was ist das, wie geht das? Wir wissen ─ mit Braille- und Hörbüchern oder mit tastbaren Reliefs. Und durch barrierefreien Zugang, Teilhabe, Inklusion und einige Raffinessen mehr… Besucher lernen die Schrift blinder Menschen kennen, können sie selber schreiben und eine Aktionskarte mitnehmen. Im DZB-Zelt gibt es Bücher und Produkte zum Anschauen und Tasten sowie viel Wissenswertes rund um Medien für Sehbeeinträchtigte. Die Deutsche Einheit ist bei der DZB fühlbar und kann puzzelnd nachvollzogen werden – mit der Deutschlandkarte als Relief und dem Deutschlandpuzzle. Es wird gekickert (mit Handicap) und ein wahrer Klassiker zum Fest wird auch nicht fehlen – natürlich inklusiv gestaltet. Freude schöner Götterfunken …

Saisonstart

Gleich zwei Leipziger Institutionen starten mit Programminfos in Braille aus der DZB in die neue Saison. Und beide sind erstklassig!

Die Fußballer von RB Leipzig haben eine Fangemeinde von blinden und sehbehinderten Zuschauern. Ein Team von „Blindenreportern“ des Vereins Rasenballsport Leipzig bietet Live-Audiodeskription (AD) im Stadion an und dazu Informationen zur aktuellen Spielsaison in Brailleschrift – produziert in der DZB. Und da die „Blindenreporter“ Sportgeist haben, sprechen sie auch die akustische Spielbeschreibung bei den Erstliga-Heimspielen der Handballer vom SC DHfK Leipzig.

Theater vom Feinsten findet im Leipziger Schauspielhaus statt. Hier werden in jeder Spielzeit ausgewählte Stücke für blinde und sehbehinderte Zuschauer live mit AD gesprochen. So können Theaterfreunde dem visuellen Geschehen auf der Bühne mit Kopfhörern gut folgen und wissen, in welchen Kostümen die Schauspieler stecken. Über das aktuelle Programm mit AD kann man sich in einem Spielzeitheft in Braille informieren, das auch in der DZB erhältlich ist. Alle Infos stehen unter www.schauspiel-leipzig.de.

Uns interessiert, welche Angebote mit Live-Audiodeskription gibt es in Ihrer Region? Und welche Darbietungen würden Sie gern besuchen, wenn es eine solche Bildbeschreibung vor Ort gäbe? Schreiben Sie uns einfach eine kurze Mailnachricht: presse@dzb.de.

Neuer Deutschland-Atlas: Mit dem Finger auf der Landkarte

Wer gern eine kartographische Reise durch Deutschlands Bundesländer unternimmt, der wird mit dem neuen Deutschland-Atlas, der in der DZB derzeit in Arbeit ist, viel Freude haben. Ab September erhältlich sind die Gesamtkarte Deutschland und die Karte des Bundeslandes Sachsen. Zum Atlas gehören neben der Gesamtkarte die 13 Länderkarten mit Verwaltungs- und Oberflächengestalt, eine Übersichtskarte der Ballungsgebiete und ein Heft mit statistischen Angaben. Dargestellt werden die Staats- und Ländergrenzen, die Landeshauptstädte, ausgewählte große und mittelgroße Städte, Meere, Seen und Flüsse sowie Berge, Gebirge und Landschaften. Die Karten sind maßstabsgerecht angelegt. Für Interessenten, die wenig Erfahrung mit taktilen Karten haben, gibt es auch eine vereinfachte Einsteiger-Edition.

Kontakt:
Tel.: 0341 7113119, E-Mail: verkauf@dzb.de

Reliefwandkalender „Tee“ 2017

Abwarten und Tee trinken?

Über das Teetrinken, den Teekonsum und die Teezubereitung. Ein Beitrag von Gabi Schulze

Seit ich lebe, trinke ich Tee. Aus meiner Kindheit steigt mir auch heute noch dieser vertraute, leicht muffige Geruch von Pfefferminztee aus der Schulküche in die Nase. Kamillen- und Lindenblütentee schlürfte ich artig, wenn ich mit Fieber und erkältet im Bett lag. Seit Jahren beginne ich meinen Tag mit Kräutertee, am Wochenende auch mit schwarzem Tee. Diesen genieße ich ─ egal ob ich einen milden Darjeeling, einen kräftigen Assam oder einen würzigen Ceylon trinke.

Das Besondere am Tee ist, dass er im Vergleich zum Kaffee so vielfältig im Geschmack ist ─ allein der schwarze Tee, aber auch der grüne und weiße! Wussten Sie, dass sowohl grüner als auch schwarzer Tee von der gleichen Teepflanze abstammt und sich nur durch die Bearbeitung der Blätter unterscheidet? Während grüner Tee getrocknet wird, kommt es beim schwarzen zur Fermentation (Oxidation) der Blätter, dadurch erhält der Schwarztee seine dunkle Farbe und seinen besonderen Geschmack. Apropos Farbe: Ein tiefes Schwarz wie beim Kaffee gibt es beim Tee nicht. So verschiedenartig der Geschmack des Tees ist, so viele unterschiedliche Farben hat er, vom hellen Gelbton des weißen Tees über den gelblich grünen bis hin zum goldbraunen des Schwarztees.

Lifestyle-Tees vs. Ostfriesentee

Neulich stand ich vorm Teeregal und wollte eine Packung losen Ceylontee kaufen. Doch sah ich den schwarzen vor lauter „Detox“-Tee, Wohlfühltee, Heißer Hugo Tee, Blaubeerkuchen-Tee und Sweet Kiss Tee nicht. Sie wissen schon, das sind diese Lifestyle-Tees, die den Teekonsum in den letzten Jahren tatsächlich ganz schön angekurbelt haben. Vor zehn Jahren sollen Teetrinker nämlich alles andere als hip gewesen sein, eher konservativ und langweilig. Heute erhält man in trendigen Cafès auch einen Assam Shot als Alternative zum Espresso, einen Matcha Latte als Variante des Latte Macchiato und einen „Iced Shaked Green Tea“ für heiße Tage.
Übrigens: Haben Sie schon mal was von Matcha-Tee gehört? Das grüne Pulver aus Japan? Es zählt zu den Topsellern bei Teetrinkern, obwohl es recht teuer ist. Die Blätter der Tencha-Teepflanze werden zu feinem Pulver gemahlen, das mit heißem Wasser bei 80 Grad aufgebrüht wird. Mit einem sehr feinen Bambusbesen wird der Tee schaumig geschlagen. Je mehr Schaum, desto besser ist der Tee gelungen.
Ob mit oder ohne Schaum, entscheidend für die Zubereitung des Tees ist natürlich auch die Temperatur des Wassers. Bei grünem Tee sollte sie nicht so heiß wie bei schwarzem sein. Nichts ärgert mich mehr, als ein Kännchen lauwarmen Wassers, in das ich meinen Teebeutel hängen muss ─ wie so oft schon in Cafés erlebt. Da platzt mir wirklich der Teebeutel. Aber mal ehrlich: Die Deutschen sind doch eher leidenschaftliche Kaffee- als Teetrinker ─ trotz Lifestyle-Trends und neuer gastronomischer Konzepte. Eine Ausnahme gibt es natürlich: ein kleines norddeutsches Völkchen, die Ostfriesen. Diese übertreffen mit 300 Liter Tee pro Kopf und Jahr sogar die teeaffinen Briten um fast 100 Liter und sind damit Weltmeister im Teetrinken. Die Ostfriesen zelebrieren regelrecht die Zubereitung ihres Lieblingsgetränkes und genießen ihre kräftige Assam-Mischung mit „Kluntje“ und Sahne. Abwarten und Tee trinken! Hier trifft das Sprichwort buchstäblich zu.

Sagen Sie bloß nicht: „Für die Zubereitung von Tee habe ich keine Zeit“. Mal ehrlich: Man nehme einen Teelöffel losen schwarzen Tee, einen Teefilter, heißes Wasser drauf, drei Minuten ziehen lassen und fertig! Tee belebt den Geist, sagt ein chinesisches Sprichwort ─ genauso wie ein gutes Buch, ergänze ich! Und statt abzuwarten, lese ich lieber und genieße beides: Buch und Tee!

Teeblätter auf Kalenderblättern

"Und ist auch noch so dünn der Tee, / und tut dir irgendwo was weh. /Rum, Rum, / dann sind gleich alle Schmerzen stumm", empfahl dereinst Theodor Fontane. Wir empfehlen Ihnen den Reliefwandkalender „Tee“ für das Jahr 2017. Er zeigt, was sich hinter den drei Buchstaben TEE verbirgt und führt blinde, sehende und sehbehinderte Betrachter in die Welt des Tees. Auf großflächigen, transparenten Reliefs, die mit farbigen Illustrationen unterlegt sind, werden neben der eigentlichen Teepflanze unterschiedliche Pflanzen vorgestellt, die auch als Tee-Aufguss verwendet werden können. Wichtig für die Auswahl der Abbildungen waren die verschiedenartigen Formen und Strukturen der Pflanzenteile. Im Detail zu sehen und zu tasten sind beispielsweise die Blätter, Blüte und Fruchtkapsel der Teepflanze, der Blütenstand und das Blatt der Winterlinde, der Zweig mit Blüten des Rooibos und der Zweig mit Blüten und Früchten des Mate-Strauchs.
Der Text in Braille- und Großschrift informiert über die Verarbeitung der Teepflanze und der daraus resultierenden verschiedenen Teesorten, das Aussehen von Sträuchern und Gewächsen, der Kräuter- und Gewürzpflanzen, die Zubereitung der Tees und Aufgüsse sowie deren Wirkung. Relief und Text auf den 12 Kalenderblättern versprechen ein sinnlich-tastbares Erlebnis, wissenswerte Erkenntnis und Einblick in die faszinierende Genusswelt des Tees. Ob das chinesische Sprichwort „Tee belebt den Geist.“ tatsächlich stimmt, kann jeder mit einer dem Titelblatt beigefügten Teeprobe selbst feststellen.

Der Reliefwandkalender 2017 „Tee“ ist im Format 26,5 x 33,5 cm als Ringblock mit Aufhängung für 19,90 Euro direkt in der DZB zu bestellen (Bestellnummer 8575).

Das Buch zum Tee in Großdruck und in Braille

Mike Heneberry: Little Black Book vom Tee – das Handbuch rund um den Tee Wiley VCH Verlag Weinheim, 2013

Im »Little Black Book vom Tee« erhalten Sie allerlei Anregungen, beispielsweise welche Teesorten es gibt, wie Sie Tee zubereiten und welche Heiß- und Kaltgetränke Sie kredenzen können. Von den Grundlagenbis hin zum Exotischen finden Sie hier, was das Herz eines leidenschaftlichen Teetrinkers begehrt ─ einschließlich aktueller Tee-Trends wie Matcha und Bubble Tea.

1 Broschüre, jeweils 6 Euro, in Vollschrift (Bestellnummer 8814), Kurzschrift (Bestellnummer 8819), und Großdruck (Bestellnummer 8820).

Interview

Eine barrierefreie Fibel für den Inklusionsunterricht ─ unmöglich oder machbar?

Der achtjährigen Laura macht das Lesen großen Spaß. Sie ist blind und lernt gemeinsam mit sehenden Kindern in einer inklusiven Grundschule. Sie liest im selben Lesebuch wie ihre Mitschüler. Die farbigen Illustrationen mit Teddybär, Elefant und dem fleißigen Bienchen werden beschrieben, die kleine Raupe kann sie mit ihren Fingern tasten. Das finden auch alle sehenden Kinder ganz toll. Eine Situation, die leider noch keine Realität ist, denn solche Lesebücher für den Inklusionsunterricht gibt es nicht. Für Schulbuchverlage ist die Produktion viel zu teuer.

Hier muss sich etwas ändern, meinte Julia Dobroschke und untersuchte in ihrer Doktorarbeit die Produktionsprozesse in Schulbuchverlagen mit dem Ziel, herauszufinden, inwieweit Verlage in Zukunft auch Lehrbücher, insbesondere Fibeln, für den Inklusionsunterricht entwickeln und herstellen können. Wie müssen die Lehrbücher von Anfang an konzipiert werden, damit sie allen Kindern, auch blinden und sehbehinderten, im Inklusionsunterricht zugänglich sind? Die 34-Jährige ist seit 2009 in der DZB. Nach ihrem Studium (Verlagsherstellung an der HTWK Leipzig) leitete sie das Leibniz-Projekt, das die barrierefreie Sach- und Fachbuchaufbereitung für blinde und sehbehinderte Menschen zum Thema hatte. Sie arbeitete als Produktgestalterin und im Förderverein der DZB und promovierte im Winter 2015. Zurzeit ist Julia Dobroschke in der Auftragsbearbeitung tätig. Sie kalkuliert Produkte, die von Museen, Institutionen und Vereinen in Sachen Barrierefreiheit in Auftrag gegeben werden und koordiniert deren Herstellung. Ist die junge Frau nicht in der DZB zu finden, dann ganz sicher in ihrem Garten, in dem sie Vieles zum Blühen bringt, oder aber sie ist irgendwo in der Welt unterwegs. Wir sprachen mit Julia Dobroschke über ihre Doktorarbeit und wollten von ihr wissen, wie Lehrbücher für den Inklusionsunterricht hergestellt werden können.

Wie muss eine barrierefreie Fibel für den Inklusionsunterricht aussehen?

Möglichst viele Kinder werden angesprochen, wenn die Aufmachung der Lernmaterialien auch nach visuell-ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet wird und Kinder ohne Einschränkungen genauso anspricht und motiviert, wie Kinder z.B. mit einer Sehbehinderung. Das Alphabet mit Hilfe eines festgelegten Buchstabenlehrganges zu erlernen, ist in Inklusionsklassen nicht ohne weiteres möglich, da die Einführung der Buchstaben bei blinden Kindern eine andere ist als bei sehenden: Deshalb müsste das Lehrwerk für den Schriftspracherwerb sehr flexibel in der Handhabung sein. Ein gebundenes Buch ist dafür wahrscheinlich ein zu starres Format. Denkbar wäre da z. B. ein Lernmaterial, was frei bearbeitbar ist und bequem in einer Sammelordnerlösung aufbewahrt werden kann. Einzelne Teile sind vielleicht sogar selbst gestaltbar oder veränderbar (z.B. Buchstaben am richtigen Platz ankletten oder aufkleben), sodass auch mehr Interaktivität mit dem Lernmaterial stattfinden kann. Das hilft wiederum auch anderen Kindern, ganz individuell mit dem Lernmaterial zu arbeiten.

In Ihrer Doktorarbeit geht es sehr viel um das Universelle Design – was ist das?

Universelles Design bedeutet, dass Produkte und Anwendungen für eine größtmögliche Zielgruppe zugänglich und nutzbar gestaltet wurden. Im Inklusionsunterricht sind das barrierefreie Lehr- und Lernmaterialien, die Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam nutzen. Wenn man Schulbücher entwickelt, die auch barrierefrei sein sollen, dann müssen neben rein visuellen Inhalten wie Grafiken oder Illustrationen auch andere Lernangebote bereitgestellt werden, z.B. akustische Informationen oder taktile Elemente. Dadurch wird der Lerninhalt hörbar und/oder im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.

Wie müssten die Schulbuchverlage ihre Produktion organisieren, damit barrierefreie Schulbücher für den Inklusionsunterricht hergestellt werden können?

Die Überlegungen, die ich angestellt habe, setzen bereits bei der Konzeption des Lehrwerkes an. Dafür werden schon jetzt Schulbuchteams im Verlag zusammengestellt und man diskutiert z.B. über die Ausstattung oder das didaktische Konzept. Bereits hier müssten zukünftig Berater aus dem sonderpädagogischen Bereich involviert sein, um für die speziellen Bedürfnisse von Kindern mit visuellen Einschränkungen zu sensibilisieren. Weiterhin müssten die Lerninhalte wesentlich modularer erarbeitet werden, damit sie später flexibler zu individuellen Lerneinheiten zusammengestellt werden können. Dazu gibt es bereits technische Verfahren, die vor allem im E-Book-Bereich oder bei Wissenschaftsverlagen etabliert sind und unter dem Begriff elektronisches Publizieren zusammengefasst werden. Im Schulbuchbereich sind diese eben beschriebenen Strukturen relativ neu und werden noch einige Zeit brauchen, bis sie sich im Arbeitsalltag bzw. in der Arbeitsweise durchsetzen.

Welche häufigen Probleme bzw. Besonderheiten zeigen sich bei der Produktion inklusiv konzeptionierter Lehrbücher?

Schwierig bleibt sicher die Berücksichtigung zum Teil sehr unterschiedlicher Lernbedürfnisse. Umso wichtiger ist eine geschickte Kombination von verschiedenen Medien, die unterschiedliche Sinne ansprechen.

Wo liegt Ihrer Meinung nach der Vorteil für die Verlage?

Wenn sie grundsätzliche Arbeitsweisen aus dem elektronischen Publizieren besser berücksichtigen würden, z.B. das medienneutrale Erarbeiten von Inhalten, wäre das vor allem für die eigenen Prozessabläufe im Verlag von Vorteil, da so effektiver produziert werden könnte. Dazu kommt, dass der wichtige Schritt zu mehr Barrierefreiheit getan wäre und Verlage somit in der Lage wären, ggf. neue Zielgruppen bzw. Geschäftsfelder zu erschließen.

Was sagen die Verlage zu Ihrem Konzept?

Keiner der in meiner Doktorarbeit aufgezeigten Vorschläge wurde von den Verlagen als unrealistisch in der Umsetzung eingeschätzt. Gerade im konzeptionellen Bereich werden hier gute Chancen eingeräumt. In der Produktion sieht man die Veränderung ebenfalls notwendig, wobei hier bisher hohe Investitionskosten abschreckend wirken. Allerdings müssen diese durch den allgemeinen digitalen Wandel ohnehin früher oder später getätigt werden. Da sind sich die Verlage einig. Somit stehen auch in diesem technischen Bereich die Chancen gar nicht so schlecht, dass mehr Barrierefreiheit zukünftig auch in Schulbuchverlagen umgesetzt werden könnte.

Gelesen und empfohlen

Wie werde ich die Nummer eins

„Musik ist meine Sprache“ von Lang Lang/David Ritz ─ empfohlen von Birgit Weißbach (Verwaltung)

Im Alter von zwei Jahren bekam Lang Lang ein Klavier geschenkt. Damals faszinierte ihn die Trickfilmepisode aus „Tom und Jerry“, in der Tom als Pianist auftrat, so, dass er den Wunsch hatte ebenso schön und schnell zu spielen. Das Klavier wurde zu seinem besten Freund. Sein Talent war groß und er spielte so gut, dass er an Klavierwettbewerben teilnahm und im Alter von 9 Jahren mit seinem Vater nach Peking reiste, um die Aufnahmeprüfung für das Konservatorium zu schaffen. Die Mutter verdiente als Telefonistin den Lebensunterhalt der Familie in Shenyang. Einzige Aufgabe des Vaters war es, Lang Lang mit eiserner Disziplin und Drill bis zur Erschöpfung so anzutreiben, dass er die Nummer eins wird. Das Buch zeigt viele kulturelle Unterschiede. China ist sehr wettbewerbsorientiert und jeder wird nach seinen Leistungen eingestuft. Der Autor erzählt, wie schwer es war, ein Vollstipendium zu erhalten und welche Entbehrungen er und seine Familie auf sich nahmen. Er schildert aber auch, wie er als Teenager in den USA langsam erfährt, dass die Nummer eins zu sein, nicht das Wichtigste im Leben ist. Als ich mir am Abend Klavierstücke von Lang Lang anhörte, konnte ich den Gedanken an seine freudlose Kindheit nicht völlig ausblenden. Ich frage mich, ob dieser Preis es wert ist.

Lang Lang/David Ritz: Musik ist meine Sprache
Berlin: Ullstein, 2014
1 CD (9:43 h), Sprecher: Alexander Gamnitzer
BN-Ausleihe: 35548

Erotik am Billardtisch

„Vor dem Fest“ von Saša Stanišic ─ empfohlen von Ludwig Henne (Förderverein)

Beim Lesen von Saša Stanišić Roman "Vor dem Fest" merkt man recht schnell, dass die Muttersprache des Autors nicht Deutsch sein kann. Was aber nicht an Fehlern oder Ungenauigkeiten liegt, denn die gibt es nicht. Nein, ganz im Gegenteil. Stanišić spielt virtuos mit der deutschen Sprache, schreibt wundervoll poetische Sätze, zerlegt Redewendungen und Doppeldeutigkeiten und formt diese wieder neu. Er entwirft einen ganz eigenen Kosmos voller absurder und humorvoller (Sprach)Bilder wie es wohl kaum ein Muttersprachler vermag.

Saša Stanišić, 1978 im heutigen Bosnien-Herzegowina geboren, kam zu Zeiten der Balkankriege nach Deutschland. Seine sprachlichen und literarischen Fähigkeiten wurden früh erkannt und gefördert, u.a. vom Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Begeistert feierte man seinen Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“. Es folgten Auszeichnungen und Stipendien. Für seinen zweiten Roman „Vor dem Fest“ erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse und wurde im gleichen Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert.

In „Vor dem Fest“beschreibt Stanišić den Vorabend eines Dorffestes irgendwo im brandenburgischen Hinterland. Merkwürdige Typen mit mehr oder weniger verkorksten Wendebiografien stehen im Mittelpunkt des Romans. Eine streng lineare Handlung gibt es nicht, aber das macht nichts. Denn es ist beeindruckend wie Stanišić es schafft, sich als "Zugezogener" so sensibel und spannend in die ostdeutsche Seele hineinzuschreiben. Als ob er im Roman-Dorf geboren wurde und selber viele Male das Fest bereits miterlebte. Ach ja, um Billard und (herrlich missglückte) Erotik geht es dabei auch.

Saša Stanišic: Vor dem Fest
München: Luchterhand, 2014
3 Bde., Kurzschrift, BN-Ausleihe 17513

Technik getestet

CDs brennen unter Windows 7

Ein Beitrag von Ulrich Jander

Das Brennen von CDs unter Windows XP war nie ein Problem, entweder es lief über das Betriebssystem oder mit Hilfe des Programms Nero Burning ROM. Unter Windows 7 habe ich solche Möglichkeiten gesucht, jetzt ein Programm gefunden und festgestellt, dass es über das Betriebssystem in bestimmten Fällen auch funktioniert.

Voraussetzung ist natürlich immer ein Brennerlaufwerk in Ihrem Computer. So können Sie direkt Ordner mit Inhalt oder Dateien unter Windows 7 brennen. Zuerst müssen Sie dieses Material über die Zwischenablage transportieren, d. h. markieren, mit Steuerung plus C kopieren, dann das Brennerlaufwerk, in dem die leere CD liegt, mit Enter aktivieren und dort mit Steuerung plus V einfügen. Mit dem Einfügen wird ein Fenster aufgehen, in dem zuerst ein Datum steht, welches Sie so belassen oder auch mit dem Namen überschreiben können, den die CD tragen soll und der dann in der PC-Laufwerksliste erscheint, wenn Sie auf Ihr CD-Laufwerk gehen.

In dem genannten Fenster können Sie sich mit Tabulator, Tab, bewegen und den Schalter „Weiter“ betätigen. Damit wird das kopierte Material in die Zwischenablage übernommen, aber noch nicht auf die CD gebrannt. Das geschieht im nächsten Schritt. Sie bewegen sich wieder mit dem Cursor in Ihrer Laufwerksliste auf Ihr CD-Brennerlaufwerk, betätigen aber nicht Enter, sondern die Kontext- oder Anwendungstaste. Das ist die dritte Taste nach rechts neben der Leertaste. Es öffnet sich eine Liste. Sie gehen mit Pfeil nach unten auf den Punkt „Auf Datenträger brennen“ und betätigen Enter. Sie gelangen wieder in ein Fenster, gehen dort mit Tab auf den Schalter Brennen und betätigen Enter. Nun startet nach gewisser Vorbereitungszeit, die leise abläuft, der Brennvorgang auf CD. Man kann das schnelle Drehen der CD im Brennlaufwerk hören. Wenn der Brennvorgang abgeschlossen ist, wird die fertig gestellte neue CD automatisch ausgeworfen oder Ihr PC zeigt die Fertigstellung an.

Wenn Sie dagegen eine ISO-Datei, das ist ein Image, oder eine normale Audio-CD brennen wollen, funktioniert das über den beschriebenen Weg nicht. Sie benötigen dann ein CD-Brennprogramm, welches unter Windows 7 mit einem Screenreader möglichst gut läuft und gut bedienbar ist. Hier können es verschiedene Produkte an Software sein. Auf www.iscb.de oder auf www.bfg-it.de gibt es verschiedene Softwarelösungen. Ich benutze das kostenlose Programm CDBurnerXP, welches unter Windows 7 mit 64 Bit gut läuft und gut bedienbar ist. Sie finden es im Internet als Link zum Herunterladen unter: https://cdburnerxp.se/de/home (dort ganz unten). Die exe-Datei (ca. 6 MB) kann aufgerufen und installiert werden. CDBurnerXP funktioniert unter den Betriebssystemen ab Windows 2000 und XP bis einschließlich Windows 10 32 und 64 Bit.

Durch die einzelnen Funktionen bewegt man sich mit Tab, die jeweilige Aktivierung geschieht mit Enter. Zum großen Teil sind die wichtigen Funktionen selbsterklärend. Das Funktionsmenü erreicht man mit der Alt-Taste, gefolgt von den vier Pfeiltasten, mit denen man sich im Menü bewegt. Die oben genannten Internetseiten und das Menü sind in Deutsch abgefasst. Die Hilfe über die Internetseite bzw. aus dem Menü heraus habe ich lediglich in Englisch erreichen können.

Falls Sie dies alles selbst ausprobieren möchten, wünsche ich Ihnen dabei viel Erfolg. Für Fragen oder Anregungen stehe ich Ihnen gern in der DZB zur Verfügung.

Fragebogen

Sechs Fragen – sechs Antworten

Mitarbeiter, Partner, auch Freunde der DZB antworten auf unsere Fragen. Diesmal: Sebastian Brückner (Informatik)

Was ist Ihre Aufgabe in der DZB?

Ich bin als Informatiker für die technische Entwicklung und Betreuung unserer Internet- und Intranetauftritte und -anwendungen verantwortlich. Zudem teste ich Internetseiten auf Barrierefreiheit und berate Interessenten zu diesem Thema.

Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?

Im „laufenden Tagesgeschäft“ gibt es immer zahlreiche Verbesserungen, die parallel entwickelt werden: z. B. neue Seiten im Internet, andere Ansichten im Online-Katalog oder Änderungen im Intranet. In naher Zukunft kommen mit der kompletten Überarbeitung unseres Intranets sowie unserer Internetseite zwei größere Projekte auf mich zu. Allerdings sind wir hier jeweils erst noch bei Planung und Vorbereitung.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …

… meinen Kindern, Computertechnik und meiner Modelleisenbahn.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?

Meine Familie, Verpflegung und ein internetfähiges Gerät.

Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?

Aufgrund von Familie, Beruf und Freizeitaktivitäten komme ich derzeit selten zum Lesen. Aber in meinem Bücherregal stehen einige Bücher von Ken Follet, Tom Clancy und Dan Brown.

Ihr Lebensmotto?

Ein “festes” Motto habe ich nicht, aber "Dance like nobody's watching; love like you've never been hurt. Sing like nobody's listening; live like it's heaven on earth." von Mark Twain gefällt mir.

Rätsel

Machen Sie mit und gewinnen Sie!

Wir wollen wissen: Wie heißt der Starpianist, dessen Autobiografie die DZB als Hörbuch produzierte und die unser Buchtipp in dieser Ausgabe ist?

Schicken Sie Ihre Antwort bis 4. November 2016 per E-Mail (presse@dzb.de) oder per Post an:DZB, Kennwort Rätsel, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig

Das können Sie gewinnen:Wir verlosen den Reliefwandkalender „Tee“ für das Jahr 2017.

Mitarbeiter der DZB können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus 2/2016

Die richtige Antwort hieß: Das Lied von Eis und Feuer
Die glückliche Gewinnerin heißt: Marion Lange. Herzlichen Glückwunsch!

Sudawo – Such das Wort

Suchen Sie das Wort, das sich aus allen 9 Buchstaben bilden lässt.
Beispiel: HLNAAMDBE
Lösung: Abendmahl

  1. SZREENHAR
  2. TIBIESTFL
  3. ETGREUNWS

Auflösung siehe unten.
Weitere Rätsel finden Sie in „Sudawo“ (1 Bd., Vollschrift, BN-Verkauf 8154, 1 Bd., Kurzschrift, BN-Verkauf 8155, je 12 Euro).

Impressum

Herausgeber, Herstellung, Vertrieb

Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig
Tel.: 0341 7113-0, Fax: 0341 7113-125
E-Mail: info@dzb.de
www.dzb.de

Redaktion

Gabi Schulze
Tel.: 0341 7113-148, E-Mail: gabi.schulze@dzb.de
Ronald Krause
Tel.: 0341 7113-239, E-Mail: ronald.krause@dzb.de

Abonnements, Anzeigen

Sylvia Thormann

Tel.: 0341 7113-120, E-Mail: abo@dzb.de

»in puncto DZB« wird vier Mal im Jahr kostenfrei per E-Mail versandt und online unter www.dzb.de veröffentlicht.

Die Zeitschrift erscheint kostenpflichtig wahlweise als CD DAISY sowie in Blindenkurzschrift.

  • Jahresbezugspreis Braille-Ausgabe: 9 Euro
  • Jahresbezugspreis CD DAISY: 9 Euro

Das kostenpflichtige Abonnement gilt bis zum Ende des Kalenderjahres und verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn es nicht spätestens bis zum 30. September gekündigt wird. Bei Bestellung im laufenden Kalenderjahr erfolgt die Preisberechnung anteilig.

Es gelten unsere AGB. Die vollständigen AGB finden Sie im Internet unter www.dzb.de/agb, auf Wunsch senden wir Ihnen diese gern zu.

DZB 2016

Spenden

Förderverein »Freunde der DZB e.V.«
Sparkasse Leipzig
IBAN DE44 8605 5592 1100 8300 10
BIC WELADE8LXXX

Auflösung Sudawo

  1. Herzrasen
  2. Bleistift
  3. Unterwegs